Kapitel 06
Ein wenig unsicher sah sich Meg in dem Motelzimmer um. Es war mir mit einem Doppelbett, einem Tisch, zwei Stühlen und einem Sessel möbliert. Auf einem Regal gegenüber dem Bett stand außerdem ein kleiner Fernseher. An der einen Seite befanden sich zwei Türen. Meg öffnete die erste Tür. Es war ein Wandschrank, in dem ein paar leere Kleiderbügel hingen und ein zusätzliches Kissen und eine Wolldecke lagen. Die andere Tür führte in ein kleines, aber sauberes Badezimmer.
Ben hatte Meg beobachtet und trat nun hinter sie.
„Vielleicht solltest Du ein heißes Bad nehmen, damit Du Dich ein wenig entspannst. Ich werde uns in der Zwischenzeit etwas zu Essen bestellen.“
Erschrocken drehte sich Meg um und stieß fast mit Ben zusammen. Sie brauchte einen Augenblick, bis sie antworten konnte.
„Ja, das ist vielleicht eine gute Idee.“
„Und was möchtest Du gerne Essen?“ Ben trat einen Schritt zurück, um etwas mehr Abstand zwischen sich und Meg zu bringen.
Meg zuckte mit den Schultern „Mir ist alles recht.“
„Okay,“ lächelte Ben „ich werde schon etwas gutes auftreiben.“
Er ging zum Tisch hinüber, zog seine schwarze Lederjacke aus und hängte sie über einen der zwei Stühle. Unter seiner Jacke trug er ein Halfter, in dem eine Pistole steckte. Diese zog er heraus und überprüfte sie kurz, bevor er sie in seinem hinteren Hosenbund steckte.
Mit weit aufgerissenen Augen hatte Meg Ben dabei beobachtet und als Ben sich jetzt wieder zu ihr umdrehte, sah er den erschrockenen Gesichtsausdruck von Meg.
„Meg? Alles in Ordnung?“
Meg nickte. „Ja, mir war nur nicht bewusst, dass Du bewaffnet bist.“
„Entschuldige, aber ich muss ja schließlich für unsere Sicherheit sorgen.“
„Ist schon in Ordnung, mir war das eben nur nicht so bewusst.“
Meg holte frische Wäsche aus der Reisetasche und zog sich eilig ins Badezimmer zurück. Wenige Augenblicke später, hörte Ben das Wasser rauschen. Er studierte kurz die Speisekarte und bestellte dann per Telefon das Essen.
Langsam glitt Meg in das heiße Wasser und lehnte sich zurück. Sie schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen, aber das gelang ihr nicht so richtig. Zu viel war seid gestern passiert. Erst der Mord an ihren Chef und nun war sie auf der Flucht. Zusammen mit einem Mann, den sie gar nicht kannte und der sich nun auch noch als ihr Ehemann ausgab. Es war ja nicht so, dass Ben ihr nicht sympathisch war. Ganz im Gegenteil. Als er vorhin so dicht hinter ihr gestanden hatte und sie seinen Atem in ihren Nacken gespürt hatte, war ihr ein wohliger Schauer über den Rücken gelaufen. Und wenn er lächelte, was er bisher ja noch nicht oft getan hatte, dann wurde Meg ganz warm ums Herz. Aber als sie ihn vor wenigen Minuten mit der Pistole in der Hand im Zimmer hatte stehen sehen, war ihr mit einem Male wieder bewusst geworden, wie ernst ihre Situation war. Sie konnte nur hoffen, dass dies alles bald vorbei sein würde.
Zwanzig Minuten später, verließ Meg das Badezimmer wieder. In der Reisetasche hatte sie ein Leggings gefunden und dazu hatte sie sich ein langes, weiches Sweatshirt ausgesucht. Ihre Füße steckten in ein paar warme Socken. Ben verschlug es fast die Sprache, als er Meg so in der Tür stehen sah. Die eng anliegenden Leggins brachten ihrer langen, schlanken Beine zum Vorschein und das Sweatshirt schmiegte sich perfekt um ihren schmalen Körper. Nicht einmal die dicken Stricksocken störten dieses Bild, ganz im Gegenteil, sie rundeten es perfekt ab. Megs Gesicht schimmerte rosig von dem Bad und ihr langes Haar fiel ihr, immer noch etwas feucht, über die Schultern und kringelte sich in den Spitzen. Ben musste dreimal schlucken, bevor er etwas sagen konnte.
„Hat Dir das Bad gut getan?“
Meg nickte „Ja danke, ich fühle mich jetzt schon viel besser.“
„Gut.“ Ben zeigte auf den gedeckten Tisch „Ich habe uns ein paar Steaks, gebackene Kartoffeln und Salat bestellt. Ich hoffe, Du magst das.“
Meg sog den köstlichen Duft des gebratenen Fleischs auf „Ja, danke.“
Ben hielt eine Flasche Wein hoch „Den hat unsere Wirtin uns noch mit dazu gegeben, als Hochzeitsgeschenk sozusagen. Möchtest Du ein Glas.“
Meg setzte sich an den Tisch und hielt Ben ihr leeres Weinglas hin „Ich denke, ein Glas wird nicht schaden.“
Ben goss Meg und sich je ein Glas Wein ein, dann setzte er sich.
„Wir sollten anfangen zu Essen, bevor es kalt wird.“
Meg nahm ihre Gabel und das Messer in die Hand und begann zu essen.
„Ich habe gar nicht bemerkt, wie hungrig ich bin.“
„Es war ein langer, anstrengender Tag.“
„Das war es in der Tat.“ Stimmte Meg zu „Und wie geht es morgen weiter?“
„Nun, wir fahren nach dem Frühstück weiter Richtung Westen.“ Ben überlegte einen Augenblick und kaute auf einem Stück Fleisch, bevor er weiter sprach „Hast Du schon mal gezeltet?“
Meg nickte „Ja, als Kinder haben wir im Sommer oft gezeltet.“
„Und im Winter?“ wollte Ben wissen.
„Im Winter?“ Meg riss ihre Augen auf „Nein natürlich nicht.“
„Wir werden uns morgen eine dementsprechende Ausrüstung kaufen und dann campen. Ich halte es für sicherer, als von Motel zu Motel zu ziehen.“
„Du meinst, da Du Dich mit Deinem richtigen Namen hier eingetragen hast, können uns diese beiden Iren schneller aufspüren? Warum hast Du Dich nicht ganz einfach mit einem anderen Namen angemeldet?“
„Sie kennen meinen richtigen Namen nicht. Sie kennen nur den Namen, den ich drüben in Irland und England als Deckname benutzt habe.“ Erklärte Ben.
„Und wie ist dieser Name?“ fragte Meg interessiert „Oder darfst Du ihn mir nicht verraten.
„Conaill, mein Deckname dort drüben war Conaill.“ Antwortete Ben.
In den Straßen von Kansas City
Zwei dunkle Gestalten verließen einen irischen Pub, irgendwo in einer dunklen Seitenstrasse, mitten in Kansas. Mit schnellen Schritten gingen sie auf ein, am Straßenrand geparkten, Wagen zu und stiegen ein.
„Es ist doch immer wieder schön, überall loyale Landsleute zu treffen, die an unsere Sache glauben.“ Sagte Kiaran O’Hara und grinste seinen Partner an.
„Du hast recht.“ Stimmte sein Partner zu „Und bei der Polizei findet man immer Iren, die ein gutes Bier zu schätzen wissen und deren Zunge sich dann schnell lockert.“
„Zumindest wissen wir jetzt, dass diese Frau unter dem Schutz des FBI’s ist und zusammen mit einem Agenten auf dem Weg nach Westen ist, in ein Versteck.“
„Mmm“ brummte Patrick Tamory und rieb sich die Narbe in seinem Gesicht.
„Was ist?“ erkundigte sich O’Hara „Und startete den Wagen.
„Kam Dir die Beschreibung dieses Agenten auch nicht irgendwie bekannt vor?“ Patrick Tamory sah seinen Partner an.
Dieser zuckte mit seinen Schultern „Diese Beschreibung passt auf viele. Hast Du einen jemanden bestimmtes im Sinn?“
„Allerdings!“ antwortete Tamory und fuhr noch einmal mit seinem Finger über die juckende Narbe. Warum kribbelte sie ausgerechnet jetzt? Diese Narbe hatte ihn vor ein paar Jahren ein Mann verpasst, den er dafür bis an sein Lebensende hassen würde „Wenn mich meine Sinne nicht täuschen und Du weißt, sie täuschen mich selten, dann haben wir es hier mit niemand anderem als mit unserem alten Freund Conaill zu tun.“
O’Hara trat abrupt auf die Bremse. Zum Glück war es um diese Zeit in dem Stadtviertel ruhig, so dass kein anderes Fahrzeug auffuhr „Du meinst, er hat sich damals hierher in die Staaten verkrochen?“
Tamory nickte „Überleg doch mal. Wir konnten ihn weder in England noch in Irland aufspüren. Und nachdem wir seine Frau getötet hatten, was sollte ihn dort noch halten?“
O’Hara fuhr wieder an „Das könnte gut möglich sein.“ Dann zog ein gemeines Grinsen über sein Gesicht „Das wäre natürlich eine extra Spaß, wenn wir nicht nur die Kleine aus dem Büro zum Schweigen bringen, sondern wenn wir Conaill dabei auch noch schnappen.“
„Ja,“ nickte Patrick Tamory und fuhr noch einmal mit seinen Fingern über seine Narbe „Ich habe da noch eine Rechnung mit ihm offen.“
Kapitel 07
Der lange Tag, das Essen und der Wein bewirkten, dass Meg sehr müde wurde. Ben bemerkte, dass sie versuchte ein Gähnen zu unterdrücken.
„Warum legst Du Dich nicht hin und versuchst zu schlafen?“
„Ich weiß nicht.“ Meg schaute kurz zu dem Doppelbett hin. Nichts täte sie jetzt lieber, als sich unter der dicken Bettdecke auszustrecken und zu schlafen. Aber da war ja noch Ben. Was würde geschehen? Würde er sich einfach zu ihr ins Bett legen?
Ben schien ihre Gedanken zu lesen.
„Du legst Dich jetzt hin und schläfst. Ich setzte mich dort in den Sessel.“
„Das ist doch aber viel zu unbequem.“ Meinte Meg.
„Aber von dort aus, kann ich alles besser überwachen. Ich kann durch das Fenster sehen, ob sich jemand unserem Zimmer nährt oder nicht. Das ist auch mit einer der Gründe, warum ich lieber zelten will. Dann kann ich den Platz aussuchen, so dass wir nicht unbedingt gesehen werden, aber alles überblicken können.“
„Aber ich kann mich doch nicht hinlegen und einfach schlafen, während Du die ganze Nacht wache schiebst.“ Wandte Meg ein.
„Doch Du kannst.“ Antwortete Ben bestimmend „Schließlich ist es mein Job, Dich zu bewachen und für Deine Sicherheit zu sorgen.“
Meg war zu müde, um darüber lange zu diskutieren „Okay, aber nur weil ich wirklich sehr müde bin.“
Sie stand auf und ging zum Bett hinüber. Dann fiel ihr ein, dass sie im Schrank ein weiteres Kissen und eine Wolldecke gesehen hatte. Sie öffnete den Schrank und holte beides heraus. Dann reichte sie es Ben.
„Hier, damit Du es wenigstens ein wenig angenehmer hast.“
„Danke“ lächelte Ben und rückte sich den Sessel zurecht. Er wartete bis Meg sich hingelegt hatte und löschte dann das Licht. Da es fast Vollmond war, wurde der Raum durch das Mondlicht erhellt. Ben setzte sich in den Sessel, holte seine Waffe hervor, überprüfte diese noch einmal und legte sie griffbereit neben den Sessel auf den Tisch. Dann sah er aus dem Fenster und suchte die Dunkelheit nach irgendwelchen verdächtigen Zeichen ab, konnte aber zu seiner Erleichterung nichts entdecken. Er ließ seinen Blick wieder durch das Zimmer schweifen und blieb an Meg hängen, die schon eingeschlafen war. Als er sie so beobachtete, wurde ihm ganz warm im Bauch. Da war so ein Gefühl, dass er schon lange nicht mehr hatte. Seit er hier in den USA lebte, hatte keine Frau mehr solche Gefühle bei ihm ausgelöst. Und nun war es ausgerechnet die Frau, die er vor seinen alten Feinden schützen musste, die solche Gefühle in ihm weckte. Ben zwang sich, seinen Blick von Meg zu lösen und dafür wieder aus dem Fenster zu sehen. Er durfte diese Gefühle einfach nicht zulassen. Sie konnten zu gefährlich werden. Zu gefährlich für Meg und für sich selber.
Ben musste eingeschlafen sein, denn er wurde durch einen Schrei aufgeweckt. Er brauchte nur einem Atemzug um sich zu orientieren. Dann wusste er aber wieder, wo er war. In einem Motelzimmer, irgendwo in Kansas, mit Meg. Meg! Er sprang auf. Aus einem Reflex heraus griff er zu seiner Waffe und sah sich im Zimmer um. Meg lag im Bett und warf sich hin und her. Anscheinend schien sie zu träumen, denn schon wieder schrie sie auf. Mit zwei großen Schritten war Ben am Bett und legte seine Hand auf Megs Arm.
„Meg! Meg wach auf! Du hast einen schlimmen Traum!“
Megs Augenlider begannen zu flattern und langsam öffnete sie die Augen.
„Was ist los?“
„Du hast geschrieen. Anscheinend hattest Du einen Alptraum.“
Meg setzte sich auf und zog die Knie an.
„Mein ganzes Leben ist zur Zeit ein Alptraum.“ Sie sah Ben an „Tut mir leid, es war nicht so gemeint, wie es eben geklungen hat.“
„Ist schon gut, Meg.“ Ben setzte sich auf die Bettkante „Möchtest Du vielleicht darüber reden?“
Meg zuckte mit den Schultern „Was gibt es da noch zu reden? Ich habe gesehen, wie mein Chef erschossen wurde und nun muss ich mich vor seinen Mördern verstecken. Mein ganzes Leben ist aus den Fugen geraten. Ich musste Kansas City verlassen und kann nicht einmal zu meiner Familie.“
„Ich weiß, es ist nicht einfach für Dich Meg, aber…“
„Was weißt Du schon?“ Mit Tränen in den Augen sah Meg Ben an.
„Ich weiß genau, wie Du Dich fühlst.“ Antwortete Ben leise.
„Wie meinst Du das?“
„Weil es mir genauso geht wie Dir, ich kann meine Familie nicht sehen und das schon seit fünf Jahren. Und ich kann nicht einmal das Grab meiner Frau besuchen.“
Meg wischte sich die Tränen ab „Das tut mir leid. Ich wusste das nicht.“
„Das konntest Du ja auch nicht wissen.“ Ben versuchte zu lächeln „Nur meine Vorgesetzten wissen das.“
„Fünf Jahre? Ben das ist ja schrecklich. Möchtest Du vielleicht darüber reden?“
Ben sah Meg einen Augenblick an „Vielleicht wäre das ganz gut, denn dann weißt Du, wie gefährlich diese Männer wirklich sein können.“
„Ich glaube, da habe ich schon so eine Ahnung von, aber erzähl trotzdem.“
Ben stand auf, ging zum Fenster hinüber und schob seine Hände in die Hosentaschen. Dann drehte er sich wieder um und begann leise zu erzählen.
„Ich komme aus Cornwall in England, genauer gesagt aus der kleinen Stadt Falmouth. Meine Eltern und mein Bruder leben immer noch da. Angela und ich waren gerade drei Monate verheiratet, als ich vom Geheimdienst diesen Auftrag bekam. Es sollte mein letzter Auftrag sein. Ich musste dafür nach Nordirland, nach Belfast reisen. Angela wollte mich unbedingt begleiten und ich konnte es ihr nicht ausreden.“
Ben machte eine kurze Pause und schluckte, bevor er weiter sprach.
„Eines Morgens hat Angela dann mein Auto benutzt, weil ihres nicht ansprang. Kaum drehte sie den Zündschlüssel um, explodierte die Autobombe. Angela hatte keine Chance.“
„Oh mein Gott!“ entfuhr es Meg.
„Die Bombe war eigentlich für mich bestimmt und nicht für Angela. Ich war außer mir vor Schmerz und Wut. Ich habe alle Vorsichtsmaßnahmen vergessen und bin geradewegs ins Hauptquartier der Untergrundorganisation marschiert. Patrick Tamory war überrascht mich zu sehen, aber als er begriff, dass es meine Frau und nicht mich getroffen hatte, grinste er nur höhnisch und hat mir angedroht auch den Rest meiner Familie auszulöschen. In blinder Wut habe ich ihn angegriffen. Was dann passierte, weiß ich nicht mehr so genau. Tamory und ich kämpften miteinander und dann bekam ich einen Schlag auf den Kopf. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich im Krankenhaus. Ein paar Kollegen hatten mich übel zugerichtet gefunden, aber von Tamory gab es keine Spur mehr. Meine Dienststelle hat mir dann empfohlen, dass Land zu verlassen, um meine Familie nicht zu gefährden. Das habe ich auch getan. Ich konnte mich weder bei meiner Familie verabschieden, noch Angelas Beerdigung beiwohnen.“
Meg war hinter Ben getreten. Am liebsten hätte sie ihn tröstend in den Arm genommen, wusste aber nicht, wie er darauf reagieren würde.
„Ben das alles tut mir schrecklich Leid. Ich hoffe uns gelingt es, dazu beizutragen, damit Tamory und O’Hara gefasst werden.“
„Danke Meg.“ Ben drehte sich zu ihr um „Das hoffe ich auch. Nun solltest Du aber versuchen, noch ein wenig zu schlafen. Morgen wird ein anstrengender Tag.“
Meg ging zum Bett hinüber. Sie wollte noch etwas sagen, aber Ben hatte sich schon wieder abgewandt und schaute aus dem Fenster. Sie legte sich wieder ins Bett zurück, konnte nicht gleich wieder einschlafen. Erst als der Morgen graute, fiel sie in einen traumlosen Schlaf.
Ben hatte sich wieder in den Sessel gesetzt und starrte vor sich her. Die Vergangenheit hatte ihn wieder eingeholt.
Kapitel 08
Meg wurde von dem Duft von frischem Kaffee geweckt. Sie schlug die Augen auf und brauchte einen Moment, um fest zu stellen, wo sie war. Dann fiel ihr wieder alles ein. Sie setzte sich auf und sah, dass Ben den Frühstückstisch bereits gedeckt hatte. Er selber kam gerade aus dem Badezimmer und knöpfte sich dabei sein Hemd zu. Sein dunkles Haar war noch nass und glänzte. Anscheinend hatte er geduscht.
„Guten Morgen Meg.“
„Guten Morgen Ben.“ Meg stand auf und streckte sich „Wie ich sehe, hast Du schon Frühstück bestellt.“
Ben nickte „Ja, ich hoffe Du magst Eier mit Speck und frische Blaubeermuffins.“
Meg ging zum Tisch hinüber und goss sich von dem Kaffee ein „Hauptsache es ist frischer Kaffee dabei.“
Ben kam ein paar Schritte näher und Meg bemerkte, dass er barfuss war. Er zog einen Stuhl vor und lächelte Meg an.
„Möchtest Du Dich nicht setzten?“
Meg setzte sich „Konntest Du wenigstens ein wenig schlafen?“
„Es hat gereicht.“ Ben begann seine Eier und den Speck zu essen.
Meg schob ihre Eier lustlos mit der Gabel auf dem Teller hin und her. Als Ben das bemerkte, legte er seine Gabel zur Seite und legte seine Hand auf ihren Arm.
„Was ist los?“
Meg sah auf „Ich musste gerade nur an das denken, was Du mir letzte Nacht erzählt hast. Das Du Deine Frau verloren hast und das Du Deine Familie schon seit Jahren nicht mehr gesehen hast. Das muss schrecklich für Dich sein.“
„Es ist nicht einfach, aber so habe ich die Gewissheit, dass meine Familie in Sicherheit ist.“ Ben ließ Megs Arm wieder los „Und wenn es uns gelingt, O’Hara und Tamory dingfest zu machen, dann kann ich sie auch endlich wieder sehen.“
„Hast Du vor, dann nach England zurück zu kehren?“ Langsam fing Meg an zu Essen.
„Ich weiß nicht.“ Ben zuckte mit den Schultern „Auf jeden Fall werde ich sie besuchen. In Kalifornien habe ich mir ein neues Leben aufgebaut, das mir eigentlich sehr gut gefällt.“
Meg trank einen Schluck von ihrem Kaffee, bevor sie weiter sprach.
„Magst Du mir darüber auch etwas erzählen?“
„Warum nicht?“ Ben aß weiter, während er erzählte „Ich habe mir dort ein Internet Café und einen Nachtclub aufgebaut. Und vor zwei Jahren bin ich Teilhaber in einer Firma geworden.“
„Das hört sich an, als wenn Du viel zu tun hast.“
„Auf diese Weise kommt man nicht so viel zum nachdenken.“
„Und wer führt Deine Geschäfte jetzt, während Du nicht da bist?“ Meg sah Ben fragend an.
„Mark führt das Java Web, das ist das Café und das Deep, meinen Nachtclub. Er ist ein sehr guter Freund von mir. Und in der Liberty Corporation kommen sie auch gut mal eine zeitlang ohne mich aus.“
„Ich wette, Du hast bestimmt viele gute Freunde dort.“ Lächelte Meg.
„In Sunset Beach? Naja ein paar, aber zu tief habe ich die Verbindungen nicht geknüpft.“
„Sunset Beach? Ist das der Ort in dem Du lebst?“ Meg sah Ben an „Das muss ein wunderbarer Ort sein.“
Nun war es an Ben zu lächeln „Ja, es ist ein wunderbarer Ort. Dort gibt es die schönsten Sonnenuntergänge, die Du je gesehen hast.“
Meg seufzte „Ich wünschte, ich könnte das alles einmal sehen. Ich bin noch nie in meinem Leben aus Kansas herausgekommen.“
Aus einem Reflex heraus nahm Ben Megs Hand „Wenn das alles hier vorbei ist, nehme ich Dich gerne mal mit dorthin und zusammen sehen wir uns dann einen der Sonnenuntergänge an.“
„Ist das ein Versprechen?“
Ben nickte „Ja, das ist es. Aber nun sollten wir zusehen, dass wir weiter kommen.“
Meg nickte und schweigend beendeten sie ihr Frühstück.
„Ich ziehe mich nur schnell an und dann können wir auch schon weiter.“ Meg stand vom Tisch auf und griff nach der Reisetasche. Sie holte eine Jeans und einen dicken Pullover hervor und verschwand damit ins Bad. Fünf Minuten später erschien sie fix und fertig angezogen.
„So, von mir aus kann es losgehen.“
„Gut“ Ben nahm die Reisetasche, sah sich noch einmal kurz um und zusammen verließen sie das Zimmer. Kurze Zeit später erreichten sie die Rezeption. Ben legte den Schlüssel auf den Tresen und lächelte die Frau dahinter an.
„Ich möchte gerne zahlen.“
Die Frau nickte „Ich hoffe, es war alles zu Ihrer Zufriedenheit, Mr. Evans?“
„Ja das war es, danke.“
„Das macht dann 92,50 $.“ Sie schob Ben die Rechnung hin.
Ben holte aus seiner Brieftasche die entsprechenden Dollarnoten heraus und reichte sie der Frau „Eine Frage hätte ich da noch. Gibt es hier in der Nähe einen Laden, in dem man Campingzubehör kaufen kann?“
„Campingzubehör? Um diese Jahreszeit?“ die Frau sah das Paar erstaunt an.
Meg lächelte und schmiegte sich ganz eng an Ben „Wissen Sie, es gibt doch nichts schöneres, als sich ganz eng aneinander zu kuscheln, wenn es draußen ganz kalt ist.“
Ben legte seinen Arm um Megs Schultern „Sehen Sie, meine Frau hat eben eine ganz romantische Ader. Und letzte Nacht ist ihr die Idee mit dem campen gekommen…“
„Ich verstehe.“ Zwinkerte die Frau „Lassen Sie mich einen Augenblick überlegen…Dich denke bei Al bekommen Sie alles, was sie brauchen.“
„Gut,“ nickte Ben „und wo finden wir diesen Al?“
„Nun,“ lächelte die Frau „Sie fahren einfach ca. 4 Meilen die Hauptstrasse runter und dann sehen Sie Al’s Eisenwarenhandlung auf der rechten Seite. Ich bin sicher, dort bekommen Sie alles, was Sie brauchen.“
„Danke“ nickte Ben der Frau zu.
„Nichts zu danken, ich helfe doch gerne. Ich wünsche Ihnen beiden noch angenehme Flitterwochen.“ Zwinkerte die Frau Meg zu.
„Ich bin sicher, die werden wir haben.“ Meg lächelte Ben an.
„Wir sollten jetzt wirklich los, Liebling.“ Meinte Ben und nahm Megs Hand „Nochmals vielen Dank für alles.“
„Auf Wiedersehen und vielleicht beehren Sie uns ja bald mal wieder.“ Rief die Frau ihnen noch nach, während Ben und Meg das Motel verließen.
Kapitel 09
Es dauerte nicht lange und Ben und Meg hatten alles was sie brauchten in Al’s Eisenwarenhandlung gekauft. Danach hatte Ben noch an einem Supermarkt angehalten und sie haben einige Vorräte eingekauft. Nun fuhren sie wieder auf den Highway Richtung Westen.
Meg schaute sich schweigend die Gegend an und Ben merkte dieses besorgt.
„Ist alles in Ordnung?“
„Soweit ja, warum?“
„Du bist so still.“ Ben sah Meg einen Augenblick an.
„Mir geht im Moment nur viel durch den Kopf.“
Ben legte seine Hand auf Megs Hand und drückte sie kurz „Keine Angst, es wird schon alles gut werden.“
„Angst habe ich eigentlich weniger. Ich muss nur….mir geht immer wieder durch den Kopf, was Du mir letzte Nacht erzählt hast. Das muss sehr hart für Dich gewesen sein und ist es sicherlich immer noch.“
Ben Gesichtszüge verhärteten sich einen Augenblick „Ja das stimmt.“
„Ich finde den Gedanken schrecklich, dass ich meine Familie vielleicht nie wieder sehen kann.“
„Erzähl mir von Dir und Deiner Familie. Wie bist Du aufgewachsen?“ Ben wollte Meg ein wenig ablenken.
„Willst Du das wirklich hören? Es langweilt Dich doch bestimmt.“
„Ganz bestimmt nicht.“ Ben schüttelte seinen Kopf.
Meg zuckte mit den Schultern „Naja, viel gibt es da eh nicht zu erzählen. Ich bin in Ludlow, einem kleinen Ort hier in Kansas, geboren und auf der Farm meiner Eltern aufgewachsen und geboren. Dort bin ich auch zur Schule gegangen und danach habe ich drei Jahre lang das Collage in Kansas City besucht. Ach ja und in den letzten drei Jahren habe ich in der Anwaltskanzlei gearbeitet. Und das war auch schon das ganze Leben der Meg Cummings.“
„Oh, da gibt es doch bestimmt noch mehr zu erzählen.“
„Was willst Du denn noch wissen?“ fragte Meg.
„Naja, zum Beispiel…“ Ben überlegte einen Augenblick „Hast Du noch Geschwister?“
„Ja,“ nickte Meg „eine Schwester.“
„Älter oder jünger?“ wollte Ben wissen.
„Sara ist knapp zwei Jahre jünger als ich.“ Antwortete Meg.
„Dann steht Ihr Euch doch bestimmt sehr nahe, oder?“
Meg nickte „Ja, obwohl wir uns jetzt, da ich in Kansas City lebe, nicht mehr so oft sehen.“
„Das ist bestimmt schwer für Dich.“ Stellte Ben fest.
„Anfangs schon, aber mittlerweile haben wir uns daran gewöhnt.“
Für die nächsten paar Meilen schwiegen Ben und Meg. Dann sah Meg Ben an.
„Und was ist mit Dir?“
„Was soll mit mir sein?“
Meg lächelte „Guter Versuch. Ich habe Dir etwas über meine Familie und mich erzählt, jetzt bist Du dran.“
„Naja, ich hatte Dir ja schon erzählt, dass ich in Falmouth aufgewachsen bin. Dort bin ich auch zur Schule gegangen und später habe ich das Collage in Oxford besucht.“
„Und hast Du noch Geschwister?“
„Ja, einen Bruder. Derek.“ Antwortete Ben.
„Älter oder jünger.“ Wollte Meg wissen.
„Jünger und auch wir haben uns nahe gestanden, sehr nahe sogar.“
„Ich wette, Du vermisst Ihn sehr.“
Ben nickte „Ja, aber genauso vermisse ich meine Eltern.“
„Ich denke, sie vermissen Dich genauso. Darfst Du denn gar keinen Kontakt mit Deiner Familie aufnehmen?“
Ben schüttelte seinen Kopf „Nein, ich möchte Ihr Leben nicht gefährden.“
Wieder schwiegen sie ein paar Meilen.
„Willst Du gar nichts über meine Frau wissen?“ fragte Ben plötzlich in die Stille hinein.
Meg biss sich auf die Lippe „Ich habe mich einfach nicht getraut, Dich danach zu fragen.“
„Warum nicht?“ überrascht sah Ben Meg an.
„Nun, ich habe letzte Nacht gespürt, dass es Dir sehr wehgetan hat, darüber zu sprechen.“
„Das stimmt.“ Nickte Ben „Aber gleichzeitig hat es gut getan mal darüber zu reden.“
„Dann weiß also in Sunset Beach niemand etwas über Deine Vergangenheit?“
„Nein, anfangs wollte ich es nicht, da ich nicht wusste, ob und wie lange ich bleiben würde und später hat es sich einfach nicht mehr ergeben.“
„Aber mir möchtest Du gerne etwas über Deine Frau erzählen?“
Ben nickte nur kurz.
„Gut, erzähl mir, wie Du sie kennen gelernt hast. Durch Deinen Job?“
„Nein. Kennen gelernt habe ich sie, als ich mal für ein paar Tage nach Hause gekommen bin. Das war kurz vor Weihnachten. Meine Mutter hatte mich gebeten, etwas für sie vom Bäcker abzuholen. Ich betrat unsere kleine Bäckerei an der Ecke und da stand sie vor mir. Ich war sofort fasziniert von ihr. Angela arbeitete erst seit ein paar Wochen dort. Natürlich fand ich jeden Tag einen Grund, dorthin zu gehen und etwas zu kaufen, aber wirklich angesprochen habe ich sie nicht. Ich wollte mit meinem Job einfach kein Risiko eingehen. Aber ich hatte nicht mit Angela gerechnet. Als ich im nächsten Sommer wieder für ein paar Tage dort war, hat sie mich einfach angesprochen und zu einem Picknick eingeladen. Und ein paar Monate späte waren wir schon verheiratet.“
„Hört sich romantisch an.“ Seufzte Meg „Ich wünschte mir würde so etwas auch mal passieren.“
Ben sah Meg kurz an „Ich wette, Du hattest schon viele Verehrer.“
„Ich?“ Meg zog überrascht ihre Augenbrauen hoch „Warum sollte ich viele Verehrer haben?“
„Nun…“ begann Ben ein wenig verlegen „Du bist eine intelligente, junge Frau und Du bist wunderschön.“
Meg errötete ein wenig „Du findest, dass ich schön bin?“
Ben sah Meg an „Ja natürlich. Hat jemand etwa mal das Gegenteil behauptet?“
Meg zuckte mit den Schultern „Nein, aber in der Regel bevorzugen die Männer Blondinen.“
„Ist das so? Ich jedenfalls nicht. Mir sind die Brünetten lieber.“ Zwinkerte Ben Meg zu „Aber nicht vom Thema ablenken. Gab es noch nie in Deinem Leben ein Mann, den Du geliebt hast?“
„Es gab da einen, Tim. Zumindest dachte ich, dass ich ihn liebe und er mich.“
„Was ist passiert?“
„Tja, während ich auf dem Collage in Kansas City war, hat er entdeckt, dass es in Ludlow noch andere Mädchen gab. Er ist inzwischen verheiratet und hat zwei kleine Töchter.“
Abermals nahm Ben Megs Hand und drückte sie kurz „Ich schätze, Du warst damals am Boden zerstört, oder?“
„Nein nicht wirklich. Mir hat es erstaunlicherweise nicht sehr viel ausgemacht und da habe ich erkannt, dass ich ihn gar nicht richtig geliebt habe. Unsere Beziehung war wohl mehr Gewohnheit als alles andere. Tim ist der Sohn von unseren Nachbarn und wir sind quasi zusammen aufgewachsen.“
„Dann hast Du das ja anscheinend noch rechtzeitig bemerkt.“ Stellte Ben fest.
„Ja, das habe ich wohl.“
Schweigend fuhren sie weiter.
Kapitel 10
Am späten Nachmittag bog Ben von dem Highway auf eine Nebenstrasse ab.
„Warum biegen wir ab?“ wollte Meg wissen.
„“Weil es Zeit wird, dass wir uns einen geeigneten Lagerplatz für die Nacht suchen, bevor es dunkel wird.“
„Okay“ nickte Meg.
Ben bog ein weiteres mal ab und fuhr nun in ein kleines Waldstück hinein. Obwohl die Schneedecke auf dem Weg geschlossen war, kam der Landrover, dank Allradantrieb, gut voran. Nach ein paar Kilometern, stoppte Ben das Auto auf einer kleinen Lichtung.
„Was hältst Du von diesem Platz?“
„Meg sah sich um „Warum nicht?“
Ben stellte den Motor ab und beide stiegen aus. Ben ging zum Kofferraum und öffnete diesen. Zusammen fingen sie an, alles auszuladen.
„Ich denke, ich werde das Zelt dort drüben, zwischen den Bäumen aufstellen. Dort sind wir ein wenig geschützt.“
„Gute Idee.“ Nickte Meg „Brauchst Du Hilfe?“
Ben schüttelte seinen Kopf „Nein, ich denke, das schaffe ich schon alleine.“
„Okay, dann werde ich ein wenig Feuerholz für ein Lagerfeuer sammeln.“ Meg sah Ben an „Oder ist es zu gefährlich für uns ein Feuer anzuzünden?“
Ben überlegte einen Augenblick „Ich denke, wir können es ruhig wagen, ein kleines Feuer anzuzünden. Wir sind hier weit genug abseits der Strasse.“
Beide machten sich an die Arbeit. Ben nahm den Beutel mit dem Zelt und ging zu der kleinen Gruppe von Bäumen hinüber. Er packte das Zelt mit dem Zubehör aus und las sich kurz die Gebrauchsanleitung durch und begann dann die Zeltstangen zusammen zu stecken.
Meg suchte unterdessen zwischen den Bäumen nach geeignetem Feuerholz. Schnell hatte sie einen ganzen Arm voll zusammen gesammelt und kehrte zum Lagerplatz zurück. Geschickt schichtete sie das Holz aufeinander, holte Streichhölzer hervor und wenige Augenblicke später knisterten die ersten Flammen.
Ben war inzwischen mit dem Zeltaufbau fertig.
„Wow, Du hast das Feuer ja schon in Gang gebracht.“ Staunte er.
Meg lächelte „Das ist ja auch nicht weiter schwer. Außerdem haben wir als Kinder öfter mal ein Lagerfeuer gemacht.“
„Das bringt wohl das Leben auf dem Land so mit sich.“
„Stimmt.“ Sie begann die Kiste mit den Vorräten durch zu sehen „Was möchtest Du heute zum Abendessen haben? Eintopf oder Ravioli?“
„Das ist mir eigentlich egal. Hauptsache es ist heiß.“
„Okay“ nickte Meg und nahm eine Dose mit einem Eintopf heraus „Kaffee oder Tee dazu?“
„Tee.“ Entschied sich Ben.
„Kannst Du die Gasflasche an den Kocher anschließen?“ Meg war schon dabei, den Kessel für das Teewasser und einen Topf für den Eintopf herauszusuchen.
Ben holte die Gasflasche hervor und mit wenigen Handgriffen hatte er den zwei flammigen Campingkocher angeschlossen. Glücklicherweise hatte er sich das am Vormittag in dem Geschäft zeigen lassen.
Meg füllte etwas Wasser aus dem Kanister in den Kessel und setzte ihn auf. Dann nahm sie den Dosenöffner und öffnete die Konservendose.
„Richt gar nicht so schlecht für Dosenfutter.“ Stellte sie dabei zufrieden fest.
„Wählerisch dürfen wir wohl im Augenblick auch nicht sein. Hauptsache es ist heiß und wir werden satt.“
Ben hatte zuerst eine Decke auf den gefrorenen Boden ausgebreitet und darauf ihre Schlafsäcke gelegt, so dass sie sich nun setzten konnten.
„Man könnte es fast schon gemütlich nenne.“ Lächelte Meg.
Ben sah Meg an. Diese Frau fasziniert ihn immer mehr „Du bist unglaublich, weißt Du das?“
Erstaunt sah Meg Ben an „Wieso das?“
„Andere Frauen hätten sich bestimmt in einer Tour beklagt. Du aber sagst keinen Ton und es ist fast so, als wäre es das natürlichste auf der Welt für Dich, mit einem Dir fremden Mann durch die Wildnis zu fahren und zu campen.“
Meg zuckte mit den Schultern „Mir bleibt ja auch nichts anderes übrig, oder? Wenn ich rumjammern würde, würde es das unsere Lage auch nicht verbessern.“
„Das stimmt wohl.“ Nickte Ben.
Das Wasser kochte und Meg tat die Teebeutel hinein. Dann nahm sie einen großen Löffel und rührte den Eintopf um „Gleich können wir essen.“
Ben holte zwei Blechteller und Tassen hervor „Gut, ich bin schon richtig hungrig.“
Wenige Minuten später saßen sie nebeneinander auf den Schlafsäcken und genossen ihr schlichtes Mahl.
Als sie damit fertig waren, reinigte Meg das Geschirr, während Ben noch Feuerholz nachlegte. Langsam dämmerte es und am Himmel begann ein Stern nach dem anderen zu leuchten. Meg goss jedem noch eine weitere Tasse Tee ein und dann saßen sie noch eine Weile nebeneinander und unterhielten sich.
Irgendwann konnte Meg ein Gähnen nicht mehr unterdrücken und Ben bemerkte es.
„Vielleicht sollten wir langsam in unser Zelt krabbeln und versuchen zu schlafen.“
Meg nickte „Ja, ich hätte nichts dagegen.“
Gemeinsam breiteten sie die Schlafsäcke in dem kleinen Zelt aus, putzten sich am Feuer die Zähne und wuschen Hände und Gesicht mit dem restlichen, warmen Wasser.
„Geh schon hinein und mach Dich fertig. Ich lösche inzwischen das Feuer.“ Schlug Ben vor.
Meg nickte und verschwand in dem kleinen Zelt. Sie zog sich die Jacke und Stiefel aus. Dann kramte sie in der Reisetasche nach der Leggins. Als sie diese gefunden hatte, zog sie ihre Jeans aus und zog dafür die Leggins an. Dann schlüpfte sie in den Schlafsack.
„Bist Du fertig?“ fragte Ben von draußen.
„Ja, komm rein.“ Antwortete Meg.
Ben krabbelte in das Zelt und zog den Reißverschluss gewissenhaft hinter sich zu. Dann zog auch er die Stiefel, Jacke und seinen dicken Pullover, unter dem er noch ein T-Shirt trug, aus. Ohne zu zögern öffnete er auch noch seine Jeans und wenige Momente später schlüpfte er nur in Boxershorts und T-Shirt bekleidet in den Schlafsack.
„Alles okay, Meg?“ er sah die junge Frau fragend an.
Meg nickte „Ja, alles okay.“
Ben kontrollierte noch mal seine Waffe, bevor er diese griffbereit neben sich legte „Dann mach ich jetzt mal das Licht aus.“
„Ja.“ Nickte Meg.
Ben schaltete die Taschenlampe, die zwischen ihnen lag aus. „Gute Nacht Meg.“
„Gute Nacht Ben.“ Meg schloss die Augen und war auch schon wenige Augenblicke später eingeschlafen.
Ben hörte ihren gleichmäßigen Atem und auch bald begann er sich zu entspannen und schlief ein.
Ein paar Stunden später wurde Meg durch ein Geräusch geweckt. Sie bleib ganz still liegen und lauscht angestrengt. Da war es wieder. Es hörte sich an, als wenn draußen jemand herumschlich. Ängstlich drehte sie sich zu Ben um und stellte erstaunt fest, dass er auch wach war.
Ben legte seinen Finger auf die Lippen und bedeutete Meg an, dass sie sich leise verhalten sollte.
Meg nickte als Zeichen, dass sie ihn verstanden hatte.
Ben öffnete den Reißverschluss seines Schlafsacks, griff nach seiner Waffe und krabbelte vorsichtig zum Zelteingang.
Er entsicherte seine Waffe, bevor er vorsichtig, möglichst jedes Geräusch zu vermeiden, den Eingang des Zelts öffnete.
Vorsichtig schaute er durch den kleinen Spalt hinaus.
Meg hielt vor Spannung die Luft an. Dann bemerkte sie, wie Bens Schultern zu zucken begannen und dann hörte sie ihn auch schon leise lachen.
„Was ist denn los?“ flüsterte Meg.
Ben sicherte seine Waffe wieder und drehte sich zu Meg um.
„Komm her.“ Flüsterte er zurück.
So schnell sie konnte, schälte sich Meg aus ihrem Schlafsack und krabbelte zu Ben.
„Sieh Dir das an.“ Flüsterte Ben immer noch lachend und hielt den Zelteingang ein wenig für Meg auseinander.
Meg sah hinaus und dann musste auch sie lachen. Zwei Waschbären trieben dort draußen ihr Unwesen und suchten scheinbar nach Essensresten.
Zusammen beobachteten Ben und Meg die beiden Gesellen eine Weile.
„Ich denke, wir können beruhigt wieder schlafen.“ Meinte dann Ben.
Meg nickte „Ja“
Ben verschloss das Zelt wieder und kurze Zeit später lagen sie wieder in ihren Schlafsäcken und beide hingen ihren Gedanken nach, denn einschlafen konnte so schnell keiner mehr von beiden.