Kapitel 16
Langsam öffnete Meg die Augen. Ein stechender Kopfschmerz durchfuhr sie und sie stöhnte auf. Was war passiert? Nur langsam kehrte die Erinnerung zurück. Sie war mit Ben in der Hütte in den Bergen gewesen. Dann war der Alarm losgegangen und Ben hatte nachgesehen, was los war. Als er nicht zurückkehrte, hatte sie voller Panik nachgesehen und Ben bewusstlos vorgefunden.
Meg setzte sich entsetzt auf, als sie sich weiter erinnerte. Sie war von hinten überfallen worden und jemand hatte ihr ein, mit Äther getränktes, Tuch auf Mund und Nase gedrückt. Was dann passiert war, lag für Meg alles im Dunkeln. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern.
Ängstlich sah sie sich um. Wo war sie nur? Sie lag auf einem Bett und Meg stellte fest, das es mit sauberen, frisch gestärkten Laken bezogen war. Der Raum war nicht groß, blitzte aber vor Sauberkeit. Die alten Holzdielen waren abgetreten, aber scheinbar frisch gewischt. Ein kleines Fenster war zwar vorhanden, aber es war von Außen mit Fensterladen verschlossen, so dass Meg nicht hinaussehen konnte.
Resigniert lies sich Meg wieder auf das Bett zurückfallen. Was hatte das ganze nur zu bedeuten? Und wo war Ben? Ging es ihm gut? War er schwer verletzt? Diese Fragen wirbelten alle in Megs Kopf herum. Plötzlich ging die Tür auf und eine ältere Frau betrat mit einem Tablett in den Händen den Raum.
„Ah gut, Sie sind endlich aufgewacht.“
Sie stellte das Tablett auf den Nachtisch neben dem Bett ab.
„Wo bin ich hier?“ wollte Meg sofort wissen.
„Kleine das darf ich Ihnen leider nicht verraten“, die Frau sah Meg an „Glauben Sie mir, es ist besser für Sie, Kindchen.“
„Und was wird mit mir passieren?“
Die Frau lächelte Meg an „Solange Sie hier bei mir sind und das tun, was man Ihnen sagt, wird Ihnen gar nichts geschehen.“
Meg schloss die Augen einen Moment, um die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken. Von der Frau würde sie offenbar nicht die Informationen bekommen, die sie gerne gehabt hätte.
Meg öffnete die Augen wieder und musterte die Frau. Meg schätzte ihr Alter auf fünfzig oder älter. Sie hatte helle, blaue Augen, die sehr wachsam schienen und sie sprach fließend Englisch, aber mit einem Akzent, den Meg nicht kannte. Es war dem Akzent von Bens Englisch ähnlich, aber dennoch nicht gleich.
Wieder öffnete sich die Tür und zwei Männer betraten den Raum. Meg erstarrte vor Schreck.
Das waren die beiden Männer, die sie dabei beobacht hatte, wie sie ihren Chef umgebracht hatten. Patrick Tamory und Kiaran O’Hara. Diese beiden Namen hatten sich für immer in ihr Gehirn eingeprägt.
„Ah, unser Gast ist ja aufgewacht“, stellte O’Hara zufrieden fest.
„Wurde ja auch langsam mal Zeit“, fügte Tamory hinzu.
„Lasst die Kleine zufrieden, sie muss erstmal richtig zu sich kommen“, fuhr die Frau die beiden Männer an.
„Beruhige Dich Briana, wir werden ihr schon nichts tun“, Tamory hob abwehrend die Hände.
„Das will ich auch hoffen“, Briana funkelte die ihn an. „Ihr habt die Arme schon genug verschreckt und nun raus mit Euch.“
„Aber, aber, wir wollten doch nur wissen, wie es unserem Gast geht“, wandte O’Hara ein.
„Wie schon?“ Briana stemmte die Hände in die Hüften. „Den Umständen entsprechend.“
Dann ergoss sich ein Schwall Worte über die beiden Männer, in einer Sprache die Meg völlig unbekannt war. Tamory und O’Hara zogen darauf hin ihre Köpfe ein und verließen den Raum wieder.
Dann drehte sich Briana wieder zu Meg um. „Es tut mir leid, was die beiden Ihnen angetan haben, aber nun ist es nicht mehr zu ändern. Ich versichere Ihnen aber, dass Ihnen hier nichts geschehen wird, darauf passe ich schon auf.“
„Was wollen Sie dann von mir?“ fragte Meg noch einmal.
Briana versteifte sich. „Es geht eigentlich nicht um Sie und nun essen Sie, damit sie wieder zu Kräften kommen.“
Sie drehte sich um und verließ den Raum wieder. Meg hörte, wie der Schlüssel im Schloss umgedreht wurde.
„Es geht eigentlich nicht um Sie…“ diese Worte hallten noch in Megs Kopf nach. Dann wurde ihr plötzlich klar, um was es ging. Um Ben. Sie sollte der Lockvogel für Ben sein. Ein eiskalter Schauer lief Meg über den Rücken.
In der Dunkelheit drückte sich Ben an der Hausmauer entlang. Obwohl er schon lange nicht mehr hier gewesen war, kannte er die Gegend wie seine Westentasche, denn hier war er aufgewachsen.
Er blieb einen Augenblick stehen und sah an der Mauer hoch. Alles im Haus war dunkel. Seine Bewohner schienen wohl alle zu schlafen. Darauf hatte Ben gewartet. Viel einfacher wäre es gewesen, wenn er hätte schon vor Stunden, gleich nach seiner Ankunft, das Haus betreten können. Aber dann hätten ihn vielleicht Augen gesehen, die ihn nicht sehen sollten. Er konnte kein Risiko eingehen. Es ging hier um seine Familie und um die Frau, die er liebte.
Wie ein lautloser Schatten begann Ben die Fassade hinaufzuklettern. Ein Spalier, um das sich dichter Efeu rankte, erleichterte ihm die Sache ungemein. Schon nach wenigen Minuten hatte er das obere Stockwerk erreicht und kletterte auf den kleinen Balkon. Fast musste er lächeln, als er feststellte, dass der Bewohner dieses Zimmers immer noch die Angewohnheit hatte, bei halbgeöffneter Tür zu schlafen. Ben griff durch den Spalt und wenige Augenblicke später öffnete sich die Tür lautlos und er konnte eintreten.
Seine Augen brauchten einen Moment, um sich an die völlige Dunkelheit im Zimmer zu gewöhnen. Er konnte bereits das gleichmäßige, tiefe Atmen der Person hören, die hier schlief. Erleichtert stellte er fest, dass sich auch in der Einrichtung scheinbar nicht viel geändert hatte. Das Bett stand immer noch am gleichen Platz wie früher. Mit wenigen Schritten war Ben dort und setzte sich auf die Bettkante. Dann schaltete er die Nachtischlampe ein.
„Hey, was soll denn das?“ knurrte die Gestallt unter der Bettdecke und drehte sich um. Verschlafen blickte er Ben an und dann erkannte er ihn.
„Mein Gott Ben, wo kommst Du denn so plötzlich her. Du hast mich fast zu Tode erschreckt.“
„Hallo Derek“, begrüßte Ben seinen Bruder, der ihm wie aus dem Gesicht geschnitten war, denn er war sein Zwilling.
Derek setzte sich auf. „Ben! Ich kann es noch gar nicht fassen, dass Du hier bist. Haben Mom und Dad Dich schon gesehen?“
Ben schüttelte seinen Kopf „Nein und sie dürfen auch nicht erfahren, dass ich hier war.“
„Aber warum nicht Ben? Du weißt doch wohl hoffentlich, dass sie sich Sorgen um Dich machen. Schließlich haben sie seit der Sache mit Angela haben sie nicht mehr mit Dir gesprochen.“
„Ich weiß“, seufzte Ben und fuhr sich mit der Hand durch das Haar „aber ich hoffe, das wird sich bald ändern. Wenn die Sache vorbei ist.“
„Wenn was vorbei ist Ben?“ wollte Derek wissen.
„Derek, was ich Dir jetzt erzähle, darfst Du niemanden weiter erzählen. Diese Sache muss unbedingt unter uns bleiben. Es hängen einige Menschenleben davon ab. Hast Du das verstanden?“
Derek nickte „Ja, aber nun spann mich nicht länger auf die Folter.“
Ben schluckte „Hast Du vielleicht einen Whisky da? Ich könnte jetzt gut ein Glas gebrauchen.“
Derek stand auf und ging zu seinem Schreibtisch hinüber. Er öffnete eine Schublade und holte eine Flasche und zwei Gläser hervor. Nachdem er die Gläser gefüllt hatte, kehrte er zu Ben zurück und reichte ihm ein Glas.
„Danke“, Ben trank einen Schluck. „Das ganze ist eine lange Geschichte.“
In der nächsten halben Stunde begann Ben seinem Bruder alles zu erzählen. Angefangen von seiner Arbeit beim Geheimdienst, über die Umstände unter denen seine Frau gestorben war, bis hin zu Meg und den neusten Ereignissen. Derek hörte die ganze Zeit aufmerksam zu und unterbrach Ben nicht ein einziges Mal.
„Mein Gott Ben, davon hatte ja niemand eine Ahnung“, sagte er schließlich, als Ben mit seiner Geschichte am Ende war „Und was willst Du jetzt unternehmen?“
„Meg daraus holen natürlich“, antwortete Ben „Aber das werde ich nicht alleine schaffen. Dafür brauche ich Deine Hilfe.“
„Natürlich helfe ich Dir, gar keine Frage“, nickte Derek.
„Aber es kann gefährlich werden, auch für Dich“, wies Ben seinen Bruder hin.“
„Das ist mir schon klar, aber nichts und niemand könnte mich davon abhalten, meinem Bruder zu helfen. Und so wie ich Dich kenne, hast Du doch bestimmt auch schon einen Plan.“
Ben nickte „Ja, Du kennst doch die Geschichte von dem Hasen und den Igel?“
„Natürlich“, lächelte Derek „die hat Mom uns ja oft genug vorgelesen, als wir Kinder waren.“
„Ja und genau diese Geschichte hat mich auf folgende Idee gebracht…“
In den nächsten Minuten erklärte Ben Derek, was er vorhatte.
Derek hörte aufmerksam zu und nickte dann „Das könnte klappen.“
„Du machst also mit?“
„Klar, wann soll es losgehen?“
„Morgen Abend. Ich muss noch ein paar Dinge vorbereiten“, erklärte Ben.
„Gut“, nickte Derek.
Ben stand auf „Ich nehme dann morgen im Laufe des Tages noch mal Kontakt mit Dir auf und lass Dir die Einzelheiten zukommen.“
„Ich werde bereit sein“, versicherte Derek seinem Zwilling „Und wo willst Du solange hin?“
„In ein sicheres Versteck“, antwortete Ben „Und denk daran, zu niemanden ein Sterbenswörtchen, dass ich heute Nacht hier war.“
„Geht klar“, antwortete Derek und folgte seinem Bruder zum Balkon. „Willst Du das Haus nicht lieber durch die Haustür verlassen?“
„Ein verlockendes Angebot, aber ich kann nicht riskieren, unten Mom oder Dad über den Weg zu laufen.“
„Ich verstehe“, Derek umarmte seinen Bruder „Pass auf Dich auf. Bis morgen dann.“
„Ja, bis morgen dann.“ Mit diesen Worten verschwand Ben nach draußen in die Dunkelheit.
Kapitel 17
Derek war ein wenig nervös, als er seinen Sicherheitsgurt anlegte. Dann lehnte er sich in seinem Sitz zurück und versuchte sich zu entspannen. Der Flug nach Belfast würde nur gut anderthalb Stunden dauern, dann würde das Spiel beginnen. Er dachte noch einmal an die letzte Nacht zurück, als Ben plötzlich, wie aus dem Nichts, in seinem Zimmer gestanden hatte und ihn um Hilfe gebeten hatte.
Das schwierigste für ihn war gewesen, nichts zu seinen Eltern zu sagen. Er wusste genau, dass sie sich große Sorgen um Ben machten, aber schließlich hatte er seinem Bruder sein Wort gegeben und das wollte und konnte er nicht brechen. Am Vormittag hatte Ben noch einmal Kontakt mit ihm aufgenommen und ihm seinen Pass, so wie das Flugticket überreicht. Dann hatte er Derek angewiesen, in Belfast vom Flughafen direkt zum Hotel zu fahren, wo bereits ein Zimmer auf den Namen Ben Evans reserviert sei. Dort würde er wieder Kontakt mit ihm aufnehmen.
Eine der Stewardessen begrüßte die Passagiere und informierte sie darüber, wie man sich im Notfall zu verhalten hatte. Derek hörte aber nicht richtig zu. Immer wieder schweiften seine Gedanken ab. Er konnte nur hoffen, dass Bens Plan klappte. Ben war immer ruhiger und bedachter gewesen, als er selber. Vielleicht fiel es ihm deshalb so schwer, sich vorzustellen, dass Ben jahrelang für den Geheimdienst tätig war. Aber andererseits passte dieses auch wieder zu seinem Bruder.
Derek hatte gar nicht bemerkt, dass das Flugzeug inzwischen abgehoben hatte und schreckte aus seinen Gedanken, als er von einer Stewardess angesprochen wurde, die einen Servierwagen vor sich her schob.
„Sir, möchten Sie etwas trinken?“
Derek schüttelte seinen Kopf „Nein danke.“
Als die Stewardess weiter gehen wollte, überlegte Derek es sich noch einmal. „Warten Sie bitte. Wenn ich es mir recht überlege, könnte ich ein Whisky gebrauchen.“
Die Stewardess lächelte „Gern, mit Eis?“
Derek nickte „Ja bitte.“
Die Stewardess griff zu einem Glas und füllte es mit Eis und goss dann eine Bernsteinfarbene Flüssigkeit darüber. Dann reichte sie Derek das Glas.
„Bitte.“
„Danke“, lächelte Derek und nahm das Glas.
Er starrte einige Minuten in das Glas, bevor er es an seine Lippen hob und in einem Zug leerte. Der Alkohol brannte leicht, als er ihm die Kehle hinunter ran, aber gleichzeitig breitete sich eine angenehme Wärme in seinem Körper auf und er merkte, wie sich seine Nerven langsam beruhigten.
Die Stewardess kehrte zurück und lächelte Derek an. „Kann ich noch etwas für Sie tun, Sir?“
Normalerweise hätte Derek sich die Gelegenheit zum Flirten nicht entgehen lassen, denn die Frau vor ihm war äußerst attraktiv. Lange, blonde Haare, die sie zu einem lockeren Knoten aufgesteckt hatte, lange Beine, die ihm endlos erschienen und ein paar blaue Augen, die ihm den Himmel auf Erden versprachen, aber diesmal schüttelte er nur den Kopf. „Nein danke.“
„Rufen Sie mich einfach, falls Sie noch etwas benötigen. Ich bin Kate.“
„Danke Kate, ich werde es mir merken“, nickte Derek.
Er sah der Frau noch einen Moment nach, als sie weiter den schmalen Gang entlang lief. Unter normalen Umständen hätte er alles daran gesetzt, ein Date mit ihr zu bekommen, aber dieses Mal musste er sich auf andere Dinge konzentrieren.
Als das Flugzeug etwas später in Belfast landete, beschleunigte Dereks Puls sich wieder. Nun kam es darauf an, mit Bens Pass durch den Zoll zu kommen. Eigentlich hatte er da keine Zweifel, weil sie doch eineiige Zwillinge waren. Als Kinder hatten sie sich immer wieder den Spaß erlaubt und ihre Lehrer damit fast zur Verzweifelung gebracht, aber diesmal war die Situation eine ganz andere.
Derek hatte nur eine kleine Reisetasche, die er schnell auf dem Gepäckband ausfindig machte. Danach ging er zum Zoll hinüber. Der Beamte überprüfte gewissenhaft den Pass, den Derek ihm reichte. Dann setzte er einen Stempel hinein und reichte ihn Derek zurück.
„Einen angenehmen Aufenthalt, Mr. Evans.“
„Danke“, nickte Derek und steckte den Pass in die Innentasche seines Jacketts.
Dann ging er auf den Ausgang des Flughafens zu. Erleichtert steuerte eins der Taxen an, die vor dem Gebäude auf Fahrgäste warteten. Er öffnete die hintere Tür und lies sich auf den Sitz gleiten.
„Zum Culloden Hotel“, wies er den Fahrer an.
Der Fahrer nickte und fädelte sich in den fließenden Abendverkehr der Stadt ein.
Derek war zuvor noch nie in Belfast gewesen. Aufmerksam sah er sich alles an, was an seinem Fenster vorüber glitt. Die Fahrt führte aus der lebhaften Innenstadt heraus. Bald schon gab es immer größere Lücken zwischen den Häusern mit viel Grün dazwischen. Das Gelände wurde hügliger und dann überquerten sie einen Fluss, von dem Derek annahm, dass es der Lough Belfast war. Aus seinem Reiseführer, den er sich gleich heute Morgen besorgt hatte, wusste er, dass dieser Stadtteil von Belfast Holywood hieß, aber nichts mit dem Hollywood in Kalifornien gemeinsam hatte.
Das Taxi hielt schließlich vor einem palastähnlichen Gebäude und der Fahrer drehte sich zu Derek um.
„Das macht acht Pfund.“
Derek holte seine Brieftasche hervor und zählte die Scheine ab, die er dann dem Fahrer reichte. „Stimmt so.“
Der Fahrer nickte und steckte das Geld ein. Derek griff nach seiner Tasche und stieg aus.
Beeindruckt blieb Derek einen Moment vor dem Eingang des Hotels stehen, bevor er es schließlich betrat.
Die Eingangshalle war elegant, aber nicht protzig eingerichtet. Mittelpunkt war ein riesiger Kamin zu seiner rechten Seite, vor dem einige Sitzgruppen aus bequem aussehenden Sessel standen, die gerade zu einluden, sich darin niederzulassen und die Flammen des Feuers zu beobachten.
Links von Derek war die Rezeption, die er nun ansteuerte.
„Guten Abend“, grüßte er den Portier „ich hatte reserviert. Ben Evans.“
„Guten Abend, Sir“, grüßte ihn der Portier zurück „Einen Augenblick bitte.“
Er schlug ein großes Buch auf und sah nach. „Richtig Mr. Evans. Sie haben Zimmer 204. Wenn Sie sich bitte hier eintragen.“ Er schob Derek das Buch zu und reichte ihm einen Füller.
Derek nahm den Füller und trug sich unter Bens Namen ein. Dann reichte der Portier ihm einen Schlüssel und winkte gleichzeitig einen Pagen herbei.
„Führ Mr. Evans bitte auf Zimmer 204“, wies er den jungen Pagen an und wandte sich dann wieder an Derek „Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt.“
„Danke“, nickte Derek und folgte dem Pagen zum Fahrstuhl.
Wenige Minuten später stand Derek in seinem Hotelzimmer. Er drückte dem Pagen ein Trinkgeld in die Hand und verschloss dann hinter ihm die Tür. Derek sah sich in dem Zimmer um. Es war sehr komfortabel eingerichtet, ohne aber überladen zu wirken. Ein großes Doppelbett war der Mittelpunkt des Raumes. Auf der rechten Seite gab es eine kleine Sitzgruppe vor einem Kamin, in dem schon ein gemütliches Feuer prasselte. In dem Badezimmer gab es sowohl eine Duschkabine, wie eine altmodische Badewanne auf Klauenfüße.
Derek machte sich gleich daran, seine paar Sachen, die er mitgebracht hatte auszupacken, als es an der Verbindungstür klopfte. Neugierig öffnete Derek die Tür.
„Ja bitte?“
Er starrte den fremden Mann, der ihm gegenüberstand an. Er hatte blonde Haare, einen Kinnbart und grüne Augen sahen ihn durch dicke Brillengläser an.
„Hattest Du eine angenehme Reise?“ wollte der Fremde wissen.
Derek stutzte. Die Stimme kannte er doch?
„Ben bist Du das?“
Ben nickte und betrat Dereks Zimmer „Ja, ich bin es.“
Derek war überrascht „Mann, um ein Haar hätte ich Dich nicht erkannt.“
„Das war auch Sinn der Sache. Schließlich soll ja niemand wissen, dass es mich in der doppelten Ausgabe gibt. Gab es bei Dir irgendwelche Komplikationen?“
Derek schüttelte seinen Kopf „Nein, es lief alles ganz glatt, wie Du vorausgesagt hast.“
„Gut“, nickte Ben zufrieden.
„Und was machen wir nun? Wie geht es weiter?“ wollte Derek von seinem Bruder wissen.
„Nun warten wir, bis sie Kontakt mit Dir aufnehmen.“
„Und wenn das nicht geschieht? Wenn sie nicht wissen, dass ich, beziehungsweise Du im Land bist?“ Derek war ein wenig skeptisch.
„Keine Angst, ich wette sie wissen bereits, dass Ben Evans heute Abend in Belfast gelandet ist“, erklärte Ben ruhig.
„Na gut“, nickte Derek „dann warten wir also.“
Ben setzte sich „Und ich wette, wir brauchen nicht lange zu warten.“
Kapitel 18
Ben hatte recht behalten, nur eine Stunde nachdem Derek als Ben im Hotel eingecheckt hatte, klingelte das Telefon. Sofort wollte Derek nach dem Hörer greifen, doch Ben legte seine Hand auf die seines Bruders.
„Lass mich rangehen.“
Derek nickte. „Ja, das ist vielleicht besser.“
Ben hob den Hörer ab. „Ja?“
„Hallo Conaill“, hörte er eine altbekannte Stimme am anderen Ende. „Nette Reise gehabt?“
„Ich denke, wir können uns den Smalltalk ersparen, Tamory“, erwiderte Ben. „Lass uns lieber gleich zur Sache kommen.“
Patrick Tamory lachte. „Wie immer verlierst Du keine Zeit. Bei dem Mädchen hast Du ja auch nicht lange gezögert.“
Wütend schloss Ben einen Augenblick die Augen. „Meg hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Das betriff nur Dich und mich.“
„Irrtum, erstens hat die Kleine etwas gesehen, was sie lieber nicht hätte sehen sollen und zweitens hat sie sich mit Dir eingelassen“, wandte Tamory ein. „Aber ich bin bereit, die Kleine gehen zu lassen, wenn ich Dich dafür bekomme.“
„Wenn Du Meg gehen lässt, bin ich bereit, Dir gegenüber zu treten.“
Patrick lachte auf. „Langsam, langsam Conaill, die Bedingungen stelle ich hier.“
„Und wie sehen die aus?“ wollte Ben wissen.
„Komm morgen Mittag um 12 nach Cloghan Point raus. Ich werde dort sein.“
Bevor Ben etwas erwidern konnte, hörte er ein Klicken im Hörer.
Erwartungsvoll sah Derek seinen Bruder an. „Und?“
„Morgen Mittag will er mich auf Cloghan Point treffen“, antwortete Ben.
Derek fuhr sich mit der Hand durch die dunklen Haare. „Und wie sieht Dein Plan nun aus?“
„Du nimmst Dir morgen Mittag ein Taxi und fährst an meiner Stelle hin“, erklärte Ben. Nervös begann er im Zimmer auf und ab zu gehen. „Natürlich werde ich schon vor Dir dort sein.“
Derek ging zur Bar hinüber und goss sich großzügig Whisky in ein Glas ein. „Auch einen?“
Ben schüttelte seinen Kopf. „Nein, ich brauche einen klaren Kopf.“
Derek setzte das Glas an und kippte den Alkohol mit einem Zug hinunter. Dann sah er seinen Zwilling an. „Dann soll ich also die Zielscheibe spielen?“
Ben schüttelte seinen Kopf. „Nein, den Köder. Tamory weiß nichts von Dir, also haben wir den Überraschungsmoment auf unserer Seite.“ Ben ging auf seinen Bruder zu. „Derek ich rechne es Dir hoch an, wenn Du mir bei dieser Sache hilfst.“
Derek legte seinem Bruder die Hand auf die Schulter. „Hey, wozu sind den Brüder da?“
Ben konnte nun nicht anders und umarmte Derek. „Danke, Du glaubst gar nicht, wie sehr ich Dich vermisst habe.“
„Doch, ich habe Dich mindestens genauso sehr vermisst. Also wie sieht Dein Plan weiter aus?“
„Ich weiß, dass Patrick Tamory seine Rache auskosten will. Er wird mich, beziehungsweise Dich nicht gleich über den Haufen schießen oder so. Ich muss nur den richtigen Moment abwarten und ihn dann überraschen.“
„Und wenn er nicht alleine kommt?“ wollte Derek wissen.
Ben schüttelte seinen Kopf. „Wenn überhaupt, dann wird nur sein Freund Kirian O’Hara ihn begleiten. Tamory hatte die Sache damals vermasselt, also fühlt er sich auch dafür verantwortlich und wird die Sache selber über die Bühne bringen, damit ihm seine Vorgesetzten seinen Fehler von damals verzeihen.“
Derek seufzte. „Ich hoffe, Du hast recht.“
„Vertrau mir, ich weiß was ich tue. Schließlich habe ich lange genug im Untergrund gearbeitet“, erwiderte Ben.
„Und was ist mit Deiner Freundin, die sie entführt haben? Glaubst Du er bringt sie mit?“ wollte Derek wissen.
„Nein“, Ben schüttelte seinen Kopf. „Das wird er sicherlich nicht machen. Aber ich hoffe, dass ich heute Nacht noch in Erfahrung bringen kann, wo sie Meg verstecken.“
Überrascht sah Derek Ben an. „Wie das?“
„Ich habe noch einige alte Kontakte hier und ich bin mir sicher, dass mir da jemand helfen kann.“
„Und warum benutzt Du die Kontakte nicht, um herauszufinden, wo Meg ist, damit wir sie befreien können und dann verlassen wir das Land wieder?“
„Weil Tamory und O’Hara uns dann weiter verfolgen würden. Und das für den Rest unseres Lebens. Und glaube mir, so ein Leben hatte ich in den letzten Jahren und ich will, dass das endlich aufhört. Wir müssen Tamory und O’Hara zuerst ausschalten und dann können wir uns um Meg kümmern“, erklärte Ben ruhig.
Nachdenklich nickte Derek. „Hört sich sogar irgendwie logisch an.“
Ben ging zur Verbindungstür. „Gut, dann werde ich jetzt gehen. Versuch ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, damit Du morgen fit bist. Morgen früh schaue ich noch mal bei Dir vorbei.“
„Pass auf Dich auf Ben“, antwortete Derek.
„Das mache ich. Bis morgen dann.“ Ben schloss die Verbindungstür hinter sich.
Nachdenklich griff Derek wieder zur Whiskyflasche und füllte sein Glas erneut. Er konnte nur hoffen, dass Bens Plan aufging.
Kapitel 19
„Kleine Sie haben ja wieder kaum das Essen angerührt.“ Briana schaute auf das Frühstückstablett, das sie vor einiger Zeit Meg gebracht hatte. Nur den Tee hatte die junge Frau getrunken.
„Ich habe keinen Hunger“, antwortete Meg.
„Sie sollten aber etwas Essen, damit Sie bei Kräften bleiben“, wandte Briana ein.
„Wie kann ich ans Essen denken, wenn der Mann, den ich liebe in Gefahr ist?“
„Ach Kleine, ich wünsche ich könnte Ihnen helfen, aber mein Bruder hat sich nun mal in den Kopf gesetzt, mit Conaill abzurechen. Und wenn sich mein Bruder erst einmal etwas in seinen irischen Dickschädel gesetzt hat, dann kann nichts und niemand ihn davon abbringen“, erklärte Briana.
„Dann hat ja doch alles keinen Sinn mehr“, seufzte Meg hoffnungslos auf. „Es sei denn, Sie helfen mir, hier zu entkommen.“
Briana schüttelte ihren Kopf. „Patrick ist mein kleiner Bruder. Ich habe ihn quasi aufgezogen, weil unsere Mutter kurz nach seiner Geburt starb, ich kann ihn nicht verraten.“
Meg drehte ihren Kopf zur Seite, damit die Frau ihre aufsteigenden Tränen nicht sehen konnte.
Briana nahm das Tablett in die Hand. „Mädchen ihnen wird nichts passieren, dass kann ich Ihnen versichern.“
„Und Ben?“
Briana zuckte mit den Schultern. „Das liegt nicht in meiner Macht.“
Derek rieb sich seine feuchten Hände an seiner Jeans ab. Er saß in einem Taxi und war auf dem Weg nach Cloghan Point um sich mit Patrick Tamory zu treffen. Ein wenig mulmig war Derek ja zu mute, aber er hoffte inständig, dass Ben wusste, was er tat.
„So, da sind wir“, brummte der Fahrer und brachte das Taxi zum stehen. „Soll ich auf Sie warten?“
„Nein“, Derek griff in seine Jackentasche und holte ein Bündel Geldscheine hervor. Er zählte kurz ein paar Scheine ab und reichte sie dem Fahrer. „Der Rest ist für Sie.“
Derek stieg aus und sah dem davon fahrenden Taxi nach. Dann schlug er den Kragen seiner Jacke hoch, um sich vor dem kalten Nieselregen ein wenig zu schützen. Was würde nun passieren? Würde dieser Patrick Tamory sich wirklich zeigen oder würde er irgendwo aus dem Hinterhalt auf ihn schießen?
Derek lief ein Schauer über den Rücken. Er hätte selber nicht sagen können, ob es aus Angst war oder von dem unangenehmen Wetter her rührte. Ein Geräusch ließ ihn herumfahren.
Hinter einem der Felsen traten zwei Männer hervor und kamen auf Derek zu.
„Sieh mal einer an, wen wir da haben. Conaill höchst persönlich.“
Derek musterte den Mann, der ihn angesprochen hatte ganz genau. Er hatte eine Narbe auf der Wange und nach Bens Beschreibung musste es Patrick Tamory sein. Der andere Mann war dann sicherlich sein Partner, Kiaran O’Hara.
„Ja, hier bin ich, ganz wie Du es wolltest“, antwortete Derek. Er war froh, dass die beiden Männer nicht hören konnten, wie sein Herz hämmerte. „Wo ist Meg.“
Patrick verzog das Gesicht zu einem Grinsen. „Langsam, langsam, ich möchte zuerst den Augenblick genießen.“
„Soll ich ihn kalt machen?“ wollte O’Hara wissen.
Patrick schüttelte langsam seinen Kopf. „Nein, noch nicht. Ich will dass er leidet. Schön langsam.“
„Ich kann ihm ja für den Anfang die Kniescheiben zerschießen“, schlug Kiaran vor.
„Macht mit mir was ihr wollt, aber lasst Meg gehen“, versuchte Derek es noch einmal.
Ein lauter Pfiff ertönte und Derek hätte am liebsten laut aufgejubelt. Hinter Patrick und Kiaran stand Ben.
Tamory und O’Hara fuhren beide herum und sahen Ben erstaunt an.
Derek nutzte die Gelegenheit und schlug Kiaran die Waffe aus der Hand.
Bevor Patrick etwas sagen konnte, schlug Ben zu. Nun entstand ein Kampf. Trotz seiner Körperfülle war O’Hara für Derek kein leichter Gegner. Er war ein geübter Kämpfer und wich Dereks Schlägen immer wieder aus.
Ben hingegen hatte mehr Glück. Es gelang ihm Patrick zu überwältigen. Schon nach wenigen Augenblicken, hatte er Tamory fest ihm Griff.
„Hör auf O’Hara oder ich breche Patrick das Genick.
Kiaran drehte sich zu Ben und Patrick um und sah, dass Ben seinem Arm um Patricks Hals gelegt hatte. Er wusste aus Erfahrung, dass es nur einer kleinen Bewegung bedurfte und das Genick seines Freundes wäre gebrochen.
Er hob die Hände hoch. „Okay, ich ergebe mich.“
„Gut“, nickte Ben. „Derek komm rüber hier. In meinem Hosenbund stecken Handschellen. Leg sie O’Hara um.“
Derek nickte und tat, was Ben verlangte.
Als Kiaran mit den Handschellen gefesselt war, nickte Ben Derek zu. „Und jetzt nimm seine Waffe und richte sie auf Patrick hier, bis ich auch ihm Handschellen angelegt habe.“
„Okay Ben“, mit zitternden Händen hob Derek die Waffe auf und richtete sie auf Patrick Tamory.
Mit wenigen Handgriffen hatte Ben auch ihm Handschellen angelegt. „Das war’s Patrick, das Spiel ist aus.“
Patrick grinste. „Noch nicht ganz, Conaill, Du hast immer noch nicht Dein Mädchen zurück und ich werde Dir auch nicht verraten, wo sie ist.“
„Das brauchst Du auch gar nicht“, antwortete Ben und holte ein Funkgerät aus der Tasche.
Er drückte den Knopf zum senden. „Alles okay, wir haben sie.“
„Roger, wir sind sofort da.“
Derek sah seinen Bruder fragend an, doch bevor er etwas sagen konnte, tauchten plötzlich wie aus dem Nichts mehrere Fahrzeuge und ein Hubschrauber auf.
Kapitel 20
Dann ging alles sehr schnell. Die Fahrzeuge kamen unmittelbar vor den vier Männern zum stehen und die Türen sprangen auf. Mit vorgehaltenen Waffen stiegen einige Männer aus und nahmen Ben und Derek die beiden Gefangenen ab.
Der Hubschrauber landete und aus dem Cockpit stieg ein Mann aus. Während er auf Ben und Derek zukam, nahm er seinen Helm ab.
„Roger, schön Dich wieder zusehen“, begrüßte Ben den Mann mit einem Handschlag.
„Ben, dass ich das noch mal erlebe, dass Du einen Fuß in dieses Land setzt, hätte ich auch nicht gedacht.“
„Ich auch nicht Roger.“ Ben schaute Derek an. „Derek darf ich Dir einen alten Freund von mir vorstellen? Roger Hamilton. Er leitet das örtliche Büro des MI5. Roger, das ist mein Bruder Derek.“
Derek reichte Roger die Hand. „MI5?“ Er sah Ben an. „Du hast Kontakte zum MI5 und spannst mich mit ein?“
Ben zuckte mit den Schultern. „Ich wusste nicht, ob der MI5 mich unterstützen würde. Der frühere Leiter konnte mich nicht leiden. Ich wusste ja nicht, dass Roger inzwischen befördert worden war.“
„Keine Angst, wir haben die ganze Zeit die Situation überwacht. Wenn etwas schief gelaufen wäre, hätten wir sofort eingegriffen“, beruhigte Roger Derek.
„Und was ist mit Meg? Hast Du etwas über ihren Aufenthaltsort ausfindig machen können?“
Roger nickte. „Ja, per Sattelitenüberwachung wissen wir, wo Tamory und O’Hara hergekommen sind. Ein kleines Haus, ca. 15 Meilen von hier. Dem Infrarot zum Folge befinden sich noch zwei Personen in dem Haus.“
„Und Du meinst, dort ist Meg?“
„Ja, alles deutet darauf hin. Tamory und O’Hara haben laut unseren Informanten auf eigene Faust gehandelt. Keiner in ihrer Organisation weiß etwas von der Entführung von Miss Cummings.“
„Verstehe“, nickte Ben. „Ich will sofort zu ihr.“
„Das habe ich mir schon gedacht. Mit dem Heli sind wir in ein paar Minuten dort.“
„Gut“, nickte Ben „worauf warten wir noch.“
Ben und Roger eilten auf den Hubschrauber zu und Derek folgte ihnen.
„Moment mal, ihr wollt mich doch jetzt hier nicht zurück lassen, oder?“
Ben blieb stehen und sah seinen Bruder an. „Willst Du etwa mitkommen?“
Derek nickte. „Natürlich, schließlich will ich doch die Frau kennen lernen, für die ich das alles riskiert habe.“
„Also gut, aber halte Dich an unsere Anweisungen, verstanden?“
„Jawohl Sir.“ Derek salutierte spielerisch vor Ben.
Dann bestiegen die drei Männer den Hubschrauber.
Wenige Augenblicke später hob der Hubschrauber ab. Derek beobachtete wie sein Bruder und Roger Hamilton die Köpfe zusammen steckten und die Lage besprachen. Dann reichte Roger Ben eine Schnellschusswaffe und überprüfte seine eigene noch einmal. Dann wandte er sich an Derek.
„Sie bleiben hier im Hubschrauber, bis wir die Lage gesichert haben, verstanden?“
Derek nickte „Alles klar.“
Der Hubschrauber landete und Derek sah Ben und Roger nach, die aus dem Helikopter sprangen. Geduckt liefen die beiden auf das kleine Haus zu, dass einsam am Rande einer Klippe stand. Ben und Roger postierten sich rechts und links von der Haustür. Dann nickten sie sich zu, bevor Roger die Tür mit einem kräftigen Tritt aufstieß und Ben ihm dabei Deckung gab. Dann betraten sie mit vorgehaltenen Waffen das Haus.
Briana hatte bereits den Hubschrauber gehört und sich auf einen der einfachen Küchenstühle gesetzt. Nun wartete auf das, was nun passieren würde. Als zwei Bewaffnete Männer das Haus stürmten, hob sie die Hände hoch, als Zeichen, dass sie sich ergab.
„Ich nehme mal an, die beiden haben es vermasselt“, sagte sie leise.
„Ja Ma’am, das haben sie“, bestätigte Roger.
„Wo ist sie?“ wollte Ben wissen.
„Im Raum neben an. Es geht ihr gut“, erklärte Briana.
Roger nickte Ben zu. „Geh schon, ich habe hier alles unter Kontrolle.“
Ben zögerte keinen Moment. Er schloss die Tür zum Nebenzimmer auf und betrat den Raum. Seine Augen brauchten einen Augenblick, bis sie sich an das Dämmerlicht gewöhnt hatten, doch dann sah er sie.
Meg lag verängstig auf dem Bett und blinzelte. „Was wollen Sie von mir?“
Mit zwei langen Schritten war Ben bei ihr und nahm sie in seine Arme. „Es ist alles Gut Meg, ich bin da.“
„Oh Ben“, schluchzte Meg auf. „Ich hatte ja solche Angst.“
„Ich weiß mein Liebling und es tut mir leid“, versuchte Ben Meg zu beruhigen.
„Nicht Ben, ich wusste die ganze Zeit, dass Du kommen würdest.“
„Ich konnte Dich doch nicht im Stich lassen.“ Ben drückte Meg an sich.
„Ich hatte solche Angst, dass sie Dir etwas antun.“ Meg schlang ihre Arme um Ben.
„Wir haben sie verhaftet, sie sind keine Gefahr mehr für uns“, erklärte Ben.
„Wir? Dann hattest Du also Hilfe?“ wollte Meg wissen.
„Ja“, nickte Ben „und ich würde Dir gerne die wichtigsten Helfer vorstellen. Bist Du soweit okay?“
Meg nickte. „Ja, ich möchte nichts lieber als hier raus.“
Ben legte seinen Arm um Megs Taille und führte sie in die Küche zurück.
Roger hatte Briana inzwischen Handschellen angelegt und verhörte sie nun.
„Roger, darf ich Dir Miss Meg Cummings vorstellen? Meg, das ist ein alter Freund von mir, Roger Hamilton. Er arbeitet für den MI5.“
„Dem englischen Geheimdienst?“ Meg reichte Roger die Hand. „Danke für alles.“
„Nicht zu danken Miss“, lächelte Roger.
„Komm, da draußen im Hubschrauber wartet noch jemand, den ich Dir gerne vorstellen möchte“, erklärte Ben Meg.
Hand in Hand verließen die beiden das Haus. Als Derek vom Hubschrauber aus beobachtete, wie Ben mit einer jungen Frau an der Hand aus dem Haus kam, stieg er aus dem Helikopter. Langsam ging er auf Ben und die Frau zu.
Meg glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als Ben noch einmal auf sie zukam.
„Ben?“ Sie sah den Mann neben sich an. „Was geht hier vor? Wer ist das?“
Ben drückte ihre Hand und als sie vor Derek standen, lächelte er. „Meg, das ist mein Bruder Derek. Mein Zwillingsbruder. Derek das ist Meg Cummings, die Frau, die ich liebe.“
„Zwillingsbruder?“ Meg sah Ben überrascht an. „Aber Du hast mir doch erzählt, dass Dein Bruder jünger ist als Du.“
„Er ist ja auch älter“, grinste Ben. „Ganze zehn Minuten.“
„Und auf diese zehn Minuten bildet sich mein Bruder sehr viel ein.“ Derek reichte Meg die Hand. „Erfreut Sie kennen zulernen.“
„Derek hat mir sehr geholfen, er hat den Lockvogel für Tamory und O’Hara gespielt“, erklärte Ben.
„Danke Derek“, Meg drückte Dereks Hand. „Ich bin Ihnen zu großen Dank verpflichtet.“
„Ach schon gut“, winkte Derek ab. „Ohne Sie hätte ich meinen Bruder bestimmt nicht wieder gesehen, also schulde ich Ihnen eigentlich Dank.“
Roger kam mit Briana aus dem Haus.
„Lasst uns ins Hauptquartier zurück kehren und die Protokolle aufnehmen“, schlug er vor.
Ben nickte. „Ja, lasst es uns so schnell wie möglich hinter uns bringen.“
Sie stiegen alle in den Hubschrauber und kurze Zeit später hob dieser ab.