Coming home for Christmas

 

 

Kapitel 01

 

 

Nervös sah Meg Cummings auf ihre Uhr. Jeden Augenblick würde sie eintreffen. Die beiden Partner der Liberty Corporation, zu der auch das Sunset Inn gehörte, jenes kleine Hotel mit Casino in Las Vegas, dass Meg nun seit einem halben Jahr leitete. Meg ging noch einmal ging sie in Gedanken alles durch. An diesem Wochenende war das Sunset Inn für die Öffentlichkeit geschlossen, denn die leitenden Angestellten der Liberty Corporation, verbrachten mit ihren Angehörigen das 1. Adventwochenende hier. In Megs Händen hat die ganze Planung gelegen. Angefangen bei dem großen Begrüßungsbuffet bis hin zu dem Unterhaltungsprogramm im Casino.

 

Bisher kannte Meg nur einen der beiden Partner, Gregory Richards. Er hatte sie damals eingestellt, als sie sich um die Stelle der Hotelmanagerin beworben hatte. Meg war mit ihren fünfundzwanzig Jahren zwar noch reichlich jung, aber sie hatte Gregory mit ihrem Konzept überzeugt.

 

„Ich kann immer noch nicht verstehen, warum ich unbedingt mitkommen sollte“, grummelte Ben Evans, als er zusammen mit Gregory Richards den Fahrstuhl bestieg, der sie in die oberste Etage des Sunset Inn bringen sollte.

 

Gregory sah seinen Partner an. „Du musstest einfach mal raus aus Sunset Beach und das hier ist die passende Gelegenheit dafür.“

 

„Ich war die letzten beiden Jahre nicht bei dem jährlichen Galawochenende für die leitenden Angestellten der Firma dabei“, warf Ben ein „Warum also dieses Jahr?“

 

„Eben weil Du schon so lange nicht mehr mit dabei warst. Du bist der zweite Partner und gehörst einfach dazu.“ Gregory fuhr sich mit der Hand durch das Haar „Sieh mal, ich weiß ganz genau was Du durchgemacht hast, aber es ist jetzt schon zweieinhalb Jahre her, dass Maria Dich verlassen hat. Es wird langsam Zeit, dass Du wieder anfängst zu leben.“

 

„Mir gefällt mein Leben so, wie es im Augenblick ist“, antwortete Ben. Gregory hatte ja keine Ahnung. Sicherlich, es hatte ihn damals schwer getroffen, als er in New York auf Geschäftsreise war und er zu Hause bei seiner Frau Maria anrief und sie ihm dann mitteilte, dass sie dabei war ihn zu verlassen. Wie betäubt hatte er damals das Hotel verlassen und war durch die Straßen von New York gelaufen. Schließlich hatte er eine kleine, dunkle Bar betreten und sich einen doppelten Whisky bestellt. Und genau dort hatte er Sie getroffen. Sie kamen ins Gespräch und wie sich schnell herausstellte, machte sie gerade etwas Ähnliches wie Ben durch. Sie hatten geredet und  geredet und wie ganz selbstverständlich hatten sie später zusammen die Bar verlassen. Ben wusste später nicht mehr, wie sie zu seinem Hotel zurück gelangten, aber er konnte sich noch ganz genau daran erinnern, wie sie plötzlich in seinen Armen gelegen hatte. Sie hatten eine wunderbare Nacht zusammen verbracht, aber als Ben am nächsten Morgen aufgewacht war, war sie verschwunden gewesen. Und er hatte keine Chance gehabt, sie zu finden, da er nur ihren Vornamen kannte.

 

„Und das besteht aus nichts anderem mehr als aus Arbeit“, Gregory sah seinen Partner besorgt an „Wenn Du so weitermachst fällst Du bald noch um.“

 

„Und wenn schon“, knurrte Ben.

 

Der Fahrstuhl hielt an und Gregory schob Ben hinaus „Nun mach ein anderes Gesicht und versuch wenigstens dieses eine Wochenende mal wieder ein wenig Spaß zu haben. Vielleicht gefällt es Dir ja sogar.“

 

„Das bezweifle ich“, antwortet Ben und folgt Gregory den Gang hinunter.

 

Sie erreichten eine am Ende des Ganges gelegene Glastür. Gregory öffnete die Tür und betrat das Vorzimmer von Meg Cummings.

 

„Guten Morgen Helena“, begrüßte er Megs Sekretärin „Miss Cummings erwartet uns.“

 

Helena sah von ihrer Arbeit auf und nickte „Guten Morgen Mr. Richards, gehen Sie gleich durch.“

 

„Danke“, lächelte Gregory und klopfte an die Tür zu Megs Büro.

 

Das Klopfen an ihrer Tür unterbrach Megs Gedanken.

 

„Herein!“ rief sie und stand auf, um ihre Gäste zu begrüßen.

 

Die Tür öffnete sich und Gregory betrat den Raum.

 

Ben folgte ihm. Als er die Frau in dem Büro erblickte erstarrte er. Wie war das nur möglich? Ihm wurde schwindelig und er schloss für einen Augenblick die Augen, aber als er sie wieder öffnete, stand sie immer noch vor ihm und schaute ihn genauso überrascht an, wie er sie.

 

„Meg“, brachte Ben schließlich leise hervor.

 

„Ben“, aus Megs Gesicht war alle Farbe gewichen.

 

Beide bemerkten Gregorys zufriedenen Gesichtsausdruck nicht. Er hatte sich also nicht getäuscht. „Ich denke, Ihr beide habt einiges zu besprechen. Ben, ich bin in meiner Suite, falls Du mich brauchst.“

 

Ben nickte nur, bemerkte aber nicht, wie Gregory das Büro verließ und leise die Tür hinter sich schloss.

 

 

 

Kapitel 02

 

 

 

Meg starrte Ben immer noch fassungslos an. Nie hätte sie erwartet ihn wieder zu sehen. Sie waren nur eine Nacht zusammen gewesen in New York und gleich am nächsten Tag war Meg nach Las Vegas geflogen, um hier ein neues Leben zu beginnen. Aber diese eine Nacht hatte ihr ganzes Leben verändert und nun stand Ben vor ihr und alles drohte sich wieder zu ändern.

 

Ben bemerkte, wie Meg immer blasser wurde. „Meg ist alles in Ordnung?“

 

Langsam sank Meg auf ihren Stuhl und nickte „Ja, ich denke das ist einfach nur der Schock.“

 

Ben schob seine Hände in die Hosentaschen „Ja, ich denke das war wirklich ein Schock für uns beide. Ich hätte nie erwartet, Dich ausgerechnet hier in Las Vegas wieder zu treffen und dann noch in dem Hotel, das mir mitgehört.“

 

„Ben bitte glaub mir, wenn ich gewusst hätte, dass Du Ben Evans bist, hätte ich die Stelle hier nie angenommen“, erklärte Meg mit zitternder Stimme.

 

„Warum?“ wollte Ben wissen. „Warum bist Du damals einfach auf und davon und hast nicht mal eine Nachricht hinterlassen, wo ich Dich erreichen konnte?“

 

Meg senkte ihren Blick. „Ich…ich habe mich so geschämt. So etwas hatte ich zuvor noch nie gemacht.“

 

„Dann hast Du unsere gemeinsame Nacht also bereut?“ Ben trat auf Meg zu. „War es so Meg? Und hast Du Dich jemals gefragt, wie ich mich dabei fühlen würde?“

 

„Es tut mir leid, wenn ich Dich verletzt haben sollte. Das wollte ich bestimmt nicht“, erklärte Meg leise.

 

Ben ging zum Fenster und schaute hinaus. „Drei Tage lang bin ich durch New York gelaufen und habe Dich gesucht. Ich war in jedem verdammten Hotel in der Stadt und habe nach Dir gefragt, aber niemand konnte mir helfen. Wie auch? Ich kannte ja nur Deinen Vornamen.“

 

„Du hast mich wirklich gesucht?“

 

Ben nickte und drehte sich langsam um.

 

„Warum?“ wollte Meg wissen.

 

„Weil mir unsere Nacht etwas bedeutet hat und ich mehr Zeit mit Dir verbringen wollte“, erklärte Ben.

 

„Mir hat diese Nacht auch viel bedeutet Ben, das musst Du mir glauben“, sagte Meg leise „Aber ich hatte Angst, wieder verletzt zu werden.“

 

Ben trat auf Meg zu. „Ich hätte Dich niemals verletzten können.“

 

Meg schloss die Augen. „Ben, wie hast Du Dir das denn vorgestellt? Du hattest an dem Abend am Telefon von Deiner Frau erfahren, dass sie dabei war Dich zu verlassen und ich hatte gerade meinen Verlobten mit meiner Freundin im Bett überrascht. Wir waren beide sehr verletzt worden.“

 

„Meine Ehe mit Maria war schon lange davor zu Ende, ich hatte es nur noch nicht früher begriffen“, erwiderte Ben „Es hat mich viel mehr geschmerzt, dass Du nach dieser Nacht einfach gegangen warst.“

 

„Ben das konnte ich ja nicht ahnen“, Meg senkte ihren Kopf, um Ben nicht ansehen zu müssen. „Ich habe noch am selben Tag New York verlassen und bin hier nach Las Vegas gekommen.“

 

„Hattest Du geplant, hierher zu kommen?“ wollte Ben wissen.

 

Meg schüttelte ihren Kopf. „Nein, ich wusste nur, dass ich nicht in New York bleiben konnte. Ich bin einfach zum Flughafen gefahren und habe den ersten Flug, den ich bekommen konnte genommen und bin so in Las Vegas gelandet.“

 

„Und dann?“

 

„Ich habe mir hier einen Job gesucht. In den ersten Wochen habe ich als Kellnerin gearbeitet und dann als Assistentin des Managers vom ‚Aladdin’“, erzählte Meg. „Als dann das Sunset Inn gebaut wurde und die Stelle für den Manager ausgeschrieben wurde, habe ich mich einfach beworben.“

 

„Und Gregory hat Dich dann eingestellt?“

 

„Ja“, nickte Meg.

 

Das Telefon begann zu klingeln und Meg nahm den Hörer ab. „Ja Helena? ...Ist gut, sagen Sie bescheid, dass ich gleich komme.“ Meg legte den Hörer wieder auf.

 

„Ich halte Dich bestimmt von Deinen geschäftlichen Verpflichtungen ab“, meinte Ben.

 

Meg schüttelte ihren Kopf „Nein, das war privat, meine Lunchverabredung sozusagen.“

 

Ben spürte eine große Enttäuschung, aber wie hatte er auch erwarten können, dass Meg nach all der Zeit immer noch frei war? „Na dann will ich Dich nicht länger aufhalten. Wir sehen uns bestimmt noch.“

 

Meg sah Ben nach, wie er zur Tür ging. „Warte Ben!“

 

Ben drehte sich um und sah Meg an. „Was?“

 

Meg spürte, dass Ben verletzt war. Sie schloss kurz die Augen und holte tief Luft, bevor sie weiter sprach. „Ich würde Dich gerne zum Lunch einladen.“

 

„Hältst Du das für eine gute Idee?“ wollte Ben wissen.

 

Meg nickte „Ja, denn ich möchte, dass Du jemanden kennen lernst.“

 

 

 

Kapitel 03

 

 

 

Mit widersprüchlichen Gefühlen folgte Ben Meg. Einerseits wollte er mit ihr zusammen sein, aber andererseits hatte er Angst davor, zu erfahren, mit wem Meg ihre Zeit verbrachte.

 

„Gregory war so großzügig und hat mir hier oben eine kleine Wohnung eingerichtet“, erklärte Meg, während sie Ben den Gang entlang führte. „Das erleichtert mir meine Arbeit hier im Hotel sehr.“

 

„Das glaube ich gern“, nickte Ben.

 

Meg stoppte vor einer Tür. „So da sind wir.“ Meg legte ihre Hand auf den Türknauf und öffnete sie. „Ich bin da!“

 

Ben folgte Meg in die Wohnung und blieb zum zweiten Mal an diesem Tag wie erstarrt stehen. Ein kleines Mädchen, Ben schätzte ihr Alter auf knapp zwei Jahre, kam mit schnellen Schritten angelaufen.

 

„Mommy, Mommy“, rief die Kleine dabei.

 

Meg ging in die Knie und breitete ihre Arme aus. „Hallo mein kleiner Engel.“

 

Ohne zu zögern stürzte sich das kleine Mädchen in die Arme von Meg. Meg stand mit ihrer Tochter im Arm auf und drehte sich zu Ben um. Das kleine Mädchen hatte lockiges Haar in der gleichen Farbe wie Megs. Auch die Nase und der kleine Mund hatte sie zweifellos von ihrer Mutter geerbt, aber da war etwas, was Ben einen Moment irritierte. Es waren die Augen des Mädchens. Es war, als würde Ben in einen Spiegel schauen.

 

„Darf ich Dir Rachel Joan Cummings vorstellen?“ durchbrach Meg Bens Gedanken.

 

Ben lächelte das kleine Mädchen an. „Hallo Rachel.“

 

Verlegen legte Rachel ihr Köpfchen an Megs Schulter.

 

„Es tut mir leid, aber Rachel ist gegenüber Fremden zurzeit etwas schüchtern“, erklärte Meg.

 

Ben konnte seinen Blick nicht von dem Mädchen abwenden. „Wie alt ist sie?“

 

„Sie ist 21 Monate alt“, antwortete Meg und hielt die Luft an.

 

Rachel richtete ihre blauen Augen auf Ben und lächelte ihn an und plötzlich wurde Ben klar, was ihn irritiert hatte. Es waren die Augen. Rachel blickte ihn mit seinen Augen an. „Oh mein Gott, sie ist meine Tochter.“

 

Meg nickte „Ja Ben, das ist sie.“ Sie sah Ben an. „Du darfst nicht denken, dass ich Dir Rachel vorenthalten wollte, aber ich kannte ja nur Deinen Vornamen und wusste nicht wie oder wo ich Dich finden konnte.“

 

„Meg“, sagte Ben leise „ich mache Dir gar keinen Vorwurf. Ich glaube nicht, dass Du mich hierher geführt hättest, wenn Du mir meine Tochter vorenthalten wolltest.“

 

„Danke“, lächelte Meg zaghaft. „Ich glaube Rachel ist hungrig, warum leistest Du uns beim Lunch nicht Gesellschaft?“

 

Ben nickte und folgte Meg weiter in die Wohnung. Sie betraten die Küche, wo eine junge Frau gerade dabei war, den Tisch zu decken.

 

„Hallo Monica, wir haben einen Gast zum Lunch“, begrüßte Meg die junge Frau.

 

„Gut, dann lege ich noch ein Gedeck mehr auf“, nickte Monica.

 

„Ben, das ist Monica Hendson, Rachels Nanny“, stellte Meg die junge Frau vor. „Und Monica, das ist Ben Evans, Rachels Vater.“

 

„Nett Sie kennen zu lernen Monica“, lächelte Ben die junge Frau an.

 

„Danke“, lächelte Monica und stellte noch einen Teller mehr auf den Tisch und drehte sich dann zu Meg um. „Ich habe noch einige Besorgungen zu machen und bin in gut einer Stunde wieder zurück.“

 

„Ist gut Monica“, nickte Meg.

 

„Bis später dann“, winkte Monica und verließ die Küche.

 

Meg setzte Rachel in einen Hochstuhl. „Es gibt heute Maccaroni mit Käse, Rachels Leibgericht.“

 

Ben konnte seine Augen nicht von seiner Tochter lösen und setzte sich. „Oh, das esse ich auch sehr gerne.“

 

„Gut“ Meg ging zum Backofen hinüber und holte eine Auflaufform heraus. „Ich versuche mir immer mittags Zeit für Rachel zu nehmen und natürlich verbringe ich auch so viel Zeit mit ihr.“

 

Ben griff nach Megs Hand, nachdem sie die Auflaufform auf dem Tisch abgestellt hatte. „Meg, ich würde niemals daran zweifeln, dass Du eine gute Mutter bist.“

 

„Danke“, lächelte Meg und versuchte dabei ihre Nervosität zu überspielen. Sie nahm Rachels Teller und füllte etwas von den Maccaronis drauf. „Pass aber auf, es ist heiß“, ermahnte sie ihre kleine Tochter, als diese zur Gabel griff.

 

Meg nahm auch Bens Teller und tat ihm etwas von den Maccaronis auf. Als auch Ben zur Gabel griff, gluckste Rachel „eiß!“

 

Bens Herz machte vor Freude einen Hüpfer „Ja, es ist heiß, kleiner Engel.“

 

Schweigend begannen Ben und Meg zu Essen.

 

„Wie war die Schwangerschaft?“ wollte Ben dann wissen.

 

Meg lächelte bei der Erinnerung „Bis auf die morgendliche Übelkeit zu Anfang, verlief alles ganz problemlos.“

 

„Und die Geburt? Wie war die Geburt?“

 

„Oh, Deine Tochter hatte es sehr eilig auf die Welt zu kommen“, begann Meg zu berichten. „Es war gut zwei Wochen vor dem errechneten Termin und ich hatte eine Besprechung in meinem Büro, als plötzlich die Fruchtblase platzte. Man hat mich dann sofort mit einem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht und gut eine Stunde später hatte ich Rachel schon im Arm.“

 

„Das war bestimmt ein schöner Moment.“

 

Meg nickte „Ja, der schönste Moment in meinem Leben.“

 

Ben seufzte „Ich wäre gerne dabei gewesen.“

 

Meg schlug die Augen nieder „Und ich hätte gerne den Moment mit Dir geteilt.“

 

„War es Dir eigentlich von Anfang an klar, dass es mein Kind ist?“ wollte Ben nun wissen.

 

Meg nickte. „Ja, mit Tim lief schon seit einiger Zeit nichts mehr. Du warst der einzige, der in Frage kam.“

 

Rachel hatte ihren Teller inzwischen geleert und gähnte herzhaft.

 

Meg stand auf und säuberte das kleine Mädchen. „Zeit für Deinen Mittagsschlaf.“

 

Ben folgte Meg und Rachel in das Kinderzimmer. Auf den ersten Blick konnte Ben erkennen, dass der Raum mit sehr viel Liebe eingerichtet worden war. Kaum hatte Meg Rachel in ihr Bett gelegt, war sie auch schon eingeschlafen. Leise verließen Ben und Meg das Zimmer.

 

Ben drehte sich zu Meg um. „Darf ich wieder her kommen?“

 

Meg nickte „Natürlich. Ich werde Monica sagen, dass sie Dich jederzeit reinlassen soll.“

 

„Danke Meg“, Ben ging zu Tür. „Wir sehen uns später noch, ich muss jetzt erst einmal ein wenig für mich sein.“

 

Meg sah Ben an „Ja und denk daran, Du bist hier immer willkommen.“

 

 

 

Kapitel 04

 

 

Gregory saß am Schreibtisch in seiner Suite und ging ein paar Papiere durch. Seine Frau Olivia machte einen Einkaufsbummel durch die Boutiquen des Hotels. Er hatte gerade eine neue Akte geöffnet, als es an der Tür klopfte. Seufzend legte er seinen Kugelschreiber zur Seite und stand auf, um die Tür zu öffnen.

 

Er war nicht überrascht, Ben zu sehen. „Hallo komm rein.“

 

Ben folgte der Aufforderung und sah Gregory an. „Seit wann weißt Du es?“

 

Gregory ging zur Bar hinüber und goss Whisky in zwei Gläser „Das Miss Cummings Deine Meg ist?“

 

Ben nickte. „Und das ich eine Tochter habe.“

 

Gregory reichte Ben eins der Gläser. „Anfangs wusste ich es natürlich nicht. Bei der Bewerbung hat sie ja auch ihren vollen Namen, Megan Cummings angegeben. Bei der Einweihung des Hotels vor einem halben Jahr, habe ich dann ihre kleine Tochter Rachel kennen gelernt. Ihre Augen kamen mir gleich so vertraut vor und als ich dann noch hörte, dass Miss Cummings von einigen Leuten mit Meg angesprochen wurde, begann ich mir so meine Gedanken zu machen. Aus ihrer Personalakte habe ich dann entnommen, dass Meg ungefähr zu der Zeit von New York nach Las Vegas kam, in der Du Deiner Meg in New York begegnet war.“

 

Ben trank einen Schluck von dem Whisky. „Und warum hast Du mir nichts erzählt?“

 

„Ich wollte Dir nicht unnötig Hoffnungen machen“, erklärte Gregory. „Und ich konnte Meg ja nicht einfach fragen, ob sie vor gut zweieinhalb Jahren eine flüchtige Affäre mit jemanden in New York hatte. Vielleicht wäre sie dann ja auch davon gerannt.“

 

„Verstehe“, nickte Ben „und ich verstehe nun auch, warum Du unbedingt wolltest, dass ich diesmal mit nach Las Vegas kam.“

 

„Und bereust Du es, dass Du mitbekommen bist?“ wollte Gregory wissen.

 

„Nein“, Ben schüttelte seinen Kopf „ganz und gar nicht. Aber ich brauche einige Zeit hier, denn ich habe nicht vor, Meg und Rachel wieder zu verlieren.“

 

„Das habe ich mir schon gedacht“, nickte Gregory „Nimm Dir soviel Zeit, wie Du brauchst.“

 

Ben stellte sein angetrunkenes Glas ab. „Ich denke, wir sehen uns dann heute Abend beim Dinner. Bis dahin habe ich noch einiges zu erledigen.“

 

Gregory sah seinen Freund nach, wie er zur Tür ging. „Ben, ich wünsche Dir viel Glück.“

 

„Danke“, nickte Ben und verließ den Raum.

 

Meg hatte noch einmal zwei Stunden in ihrem Büro verbracht und kehrte nun in ihr kleines Apartment zurück, um sich für das große Galadinner der Liberty Corporation am Abend vorzubereiten.

 

„Ich bin wieder da“, rief sie als sie das Apartment betrat.

 

Auf ihren kurzen, stämmigen Beinchen kam Rachel angelaufen und flog gerade zu in Megs Arme. „Mommy“

 

Meg drückte ihre kleine Tochter an sich „Ja, Mommy ist wieder da.“

 

Monica kam aus der Küche „Oh Meg, heute schon so früh?“

 

Meg nickte „Ja, nachher ist doch das große Dinner und ich möchte vorher noch ein langes, heißes Bad nehmen.“

 

„War wohl ein anstrengender Tag?“ lächelte Monica.

 

„Eher ein Tag mit Überraschungen“, erklärte Meg, wurde aber durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Sie drehte sich um und öffnete die Tür. Vor ihr stand Ben mit einem großen Teddybär im Arm.

 

„Hallo Meg“, lächelte er „ich hoffe, ich störe nicht, aber ich wollte Rachel ein kleines Geschenk bringen.“

 

Meg trat einen Schritt zur Seite, so dass Ben eintreten könnte.

 

„Ein kleines Geschenk?“ lachte sie dabei.

 

Ben zuckte mit den Schultern. „Ich bin ein wenig spazieren gegangen und da lachte er mich durch ein Schaufenster an und ich konnte nicht widerstehen.“

 

Rachel stand neben Meg und schaute den Teddy mit großen Augen an.

 

„Teddy“, sagte sie dann.

 

Ben kniete nieder und hielt Rachel den Teddy hin. „Ja und er gehört Dir.“

 

Rachel schaute erst Meg an und als diese nickte, nahm Rachel den Teddy in die Arme und drückte ihn ganz fest.

 

„Mein Teddy“, strahlte sie dabei.

 

Am liebsten hätte Ben seine kleine Tochter genauso in den Arm genommen und an sich gedrückt, aber er wollte sie nicht erschrecken.

 

„Sie ist bezaubernd“, sagte er und sah Meg an. „Genau wie ihre Mutter.“

 

Meg errötete ein wenig „Danke.“

 

Ben schob seine Hände in seine Hosentaschen „Ich gehe dann auch lieber wieder. Du musst Dich bestimmt noch für das Dinner fertig machen.“

 

Meg nickte „Ja, aber Du kannst Rachel gerne morgen wieder besuchen.“

 

„Das werde ich bestimmt machen.“ Ben sah Meg an „Darf ich Dich nachher zum Dinner abholen?“

 

„Aber ich muss schon früher unten sein“, wandte Meg ein.

 

Ben lächelte „Ich auch oder hast Du vergessen, dass ich einer der Partner bin?“

 

Nun musste auch Meg lächeln „Das hatte ich in der Tat vergessen. Aber Du darfst mich gerne begleiten.“

 

Ben sah kurz auf seine Uhr „Gut dann hole ich Dich in anderthalb Stunden ab.“

 

„Einverstanden“, nickte Meg.

 

Ben verabschiedete sich von Rachel und verließ dann das Apartment wieder.

 

 

Kapitel 05

 

 

 

Meg war pünktlich fertig und wartete nun ein wenig nervös auf Ben. Sie hatte eben noch mal nach Rachel geschaut, die schon tief und fest schlief, als es an der Tür klopfte.

 

„Ich geh schon Monica“, sagte Meg zu der Nanny. „Falls etwas sein sollte, weißt Du ja, wo ich bin.“

 

„Alles klar“, nickte Monica „und viel Spaß.“

 

„Danke“, lächelte Meg und öffnete die Tür.

 

Vor der Tür stand Ben. Er trug einen Smoking und sah sehr gut aus. In seiner Hand hielt er eine einzelne, weiße Rose.

 

Ben betrachtete Meg mit einem bewundernden Blick. Sie hatte ein langes blaues Kleid an, das nur ein Ton dunkler als ihre Augen war und das sich perfekt an Megs schlanken Körper schmiegte.  Ihre Haare hatte sie hochgesteckt und nur ein paar einzelne Strähnen umspielten ihren Nacken.

 

„Wow“, brachte Ben schließlich bewundernd heraus „Du siehst wunderschön aus.“

 

„Danke“, lächelte Meg ein wenig verlegen.

 

Ben hielt ihr die Rose hin. „Die ist für Dich.“

 

„Danke“, Meg roch an der Rose „Weiße Rosen sind meine Lieblingsblumen. Woher wusstest Du das?“

 

„Du hattest es mir damals erzählt“, antwortete Ben.

 

„Das hast Du nicht vergessen?“ wunderte sich Meg.

 

Ben schüttelte seinen Kopf „Nichts von damals habe ich vergessen.“ Er hielt Meg galant seinen Arm hin. „Wollen wir gehen?“

 

Meg nickte und zog die Tür hinter sich zu. „Mit vergnügen.“

 

Die nächsten zwei Stunden saßen sie im weihnachtlich geschmückten Ballsaal des Hotels an einen der festlich gedeckten Tische und genossen das viergängige Dinner. Obwohl Meg anfangs sehr nervös gewesen war, entspannte sie sich immer mehr. Daran war nicht nur der Champagner, den sie trank, schuld, sondern auch an der lockeren Unterhaltung an dem Tisch. Ben sorgte dafür, dass sie sich köstlich amüsierte und immer wieder strich er ihr dabei über den Arm oder drückte ihre Hand.

 

Nach dem Dinner hielt Gregory Richards noch eine kurze Rede, bevor die kleine Kapelle zum Tanz aufspielte.

 

Ben nahm Megs Hand und lächelte sie an. „Darf ich um diesen Tanz bitten?“

 

Meg nickte. „Mit vergnügen.“

 

Sie standen auf und Ben führte Meg zur Tanzfläche hinüber. Er zog Meg in seine Arme und langsam begannen sie sich zu dem Rhythmus der Musik zu bewegen.

 

„Du hast dieses Fest sehr gut vorbereitet“, lobte Ben.

 

Meg lächelte „Danke, aber ich habe hier auch ein gutes Team, das mir hilft.“

 

„Das Team ist aber immer nur so gut, wie der Boss“, meinte Ben.

 

Schweigend tanzten sie eine Weile weiter. Geschickt lenkte Ben Meg dabei an den Rand der Tanzfläche, ganz in die Nähe der Terrassentüren.

 

„Wie wäre es mit ein wenig frischer Luft?“ schlug Ben vor.

 

„Eine gute Idee“, nickte Meg.

 

Ben legte seinen Arm um Megs Taille und führte sie hinaus auf die Terrasse des Hotels.

 

Meg stellte sich an die Brüstung und holte tief Luft. „Eine wunderschöne Nacht.“

 

Ben trat ganz dicht hinter Meg. „Du bist wunderschön.“

 

Meg lief ein Schauer über den Rücken, als sie Bens Atem in ihren Nacken spürte. „Ben!“ wisperte sie dann.

 

Ben legte seine Arme um Meg und drehte sie zu sich herum. Er sah ihr tief in die Augen und senkte dann langsam seinen Mund auf Megs Mund.

 

Im ersten Moment zögerte Meg etwas, als sie seine Lippen auf ihren spürte, dann gab sie aber nach und erwiderte Bens Kuss.

 

Als sie sich schließlich wieder von einander lösten, streichelte Ben Megs Wange „Das wollte ich schon tun, seit dem ich Dir heute plötzlich in Deinem Büro gegenüber stand.“

 

Meg lehnte ihren Kopf an Bens Brust. „Ben ich weiß nicht, ob das richtig war.“

 

„Wie hat es sich denn für Dich angefühlt?“ wollte Ben wissen. „Richtig oder falsch?“

 

Meg seufzte leise „Es hat sich richtig angefühlt, aber wie soll es mit uns weiter gehen?“

 

Ben legte seine Hand unter Megs Kinn und hob ihren Kopf an, so dass er ihr in die Augen sehen konnte. „Lass Deine Gefühle einfach zu, dann wird sich auch alles andere zeigen.“

 

Meg senkte ihre Augen. „Ben, ich muss dabei aber auch an Rachel denken.“

 

„Natürlich musst Du dabei auch an Rachel denken, aber vergiss dabei nicht, dass ich ihr Vater bin“, sagte Ben leise.

 

„Das habe ich nie vergessen“, antwortete Meg.

 

„Gut“, wieder verschloss Ben Megs Lippen mit einem zärtlichen Kuss.

 

Meg löste sich aus Bens Armen. „Es ist schon spät und es war ein langer Tag. Ich sollte gehen.“

 

Ben nickte „Ich begleite Dich noch zu Deinem Apartment.“

 

„Danke Ben“, lächelte Meg „das ist aber nicht nötig.“

 

„Ich möchte es aber“, antwortete Ben und legte seine Hand auf Megs Arm. Dann führte er sie wieder nach drinnen.

 

Fünf Minuten später standen sie vor der Tür zu Megs Apartment.

 

„Danke, das war ein sehr schöner Abend, Meg.“

 

Meg lächelte „Ja, das war es.“

 

„Darf ich Dich und Rachel morgen wieder sehen?“

 

Meg nickte „Gerne. Monica hat morgen ihren freien Tag. Warum kommst Du nicht schon zum Frühstück und verbringst den Tag mit uns?“

 

„Das Angebot nehme ich gerne an.“ Ben beugte sich vor und küsste Meg noch einmal „Gute Nacht.“

 

Dann drehte er sich um und ging zum Fahrstuhl zurück. Meg schaute ihm noch nach, bis er den Fahrstuhl betreten hatte und schloss dann die Tür zu ihrem Apartment auf.

 

 

 

Kapitel 06

 

 

 

Wie versprochen erschien Ben am nächsten Morgen zum Frühstück. Nachdem die drei sich ausgiebig gestärkt hatten, verließen sie das Hotel. Ganz in der Nähe des Hotels gab es einem Park, in dem es einen großen Spielplatz gab. Rachel liebte diesen Spielplatz und Meg verbrachte sehr viel Zeit mit ihr dort.

 

An diesem Tag ließ es sich Ben nicht nehmen, zusammen mit seiner Tochter zu schaukeln und mit ihr zu rutschen. Rachel hatte sehr viel Spaß dabei und wollte immer weiter machen. Später nahm Ben seine etwas müde Tochter auf die Schulter und trug sie ins Hotel zurück. Dort bereitete Meg Hot Dogs zum Mittagessen vor und nachdem sie gegessen hatten, legten Ben und Meg Rachel gemeinsam zum Mittagsschlaf hin. Ganz schnell war Rachel eingeschlafen.

 

„Sie ist ein richtiger kleiner Engel“, sagte Ben und schaute auf seine schlafende Tochter.

 

„Ja, das ist sie“, nickte Meg „und ich bin glücklich, dass ich sie habe.“

 

Ben griff nach Megs Hand „Danke, dass Du dieses Glück mit mir teilst.“

 

„Warum sollte ich nicht?“ wollte Meg wissen „Du bist schließlich ihr Vater.“

 

Leise verließen die beiden das Kinderzimmer, um Rachel nicht aufzuwecken und gingen ins Wohnzimmer zurück.

 

„Möchtest Du vielleicht etwas trinken?“ bot Meg Ben an.

 

„Einen Eistee, wenn Du hast“, nickte er.

 

„Ja“, nickte Meg und ging in die Küche.

 

Wenige Minuten später kehrte sie mit zwei gefüllten Gläsern zurück und reichte eins davon Ben.

 

„Danke“, lächelte Ben.

 

Meg stellte ihr Glas auf dem Tisch ab und ging dann zum Schrank hinüber. „Ich habe noch etwas für Dich.“

 

„Für mich?“ Ben schaute Meg überrascht an.

 

Meg öffnete eine der Schranktüren und holte ein Fotoalbum heraus. Damit kehrte sie zu Ben zurück und reichte es ihm. „Ich hatte immer gehofft, dass Rachel eines Tages ihren Vater kennen lernen würde.“

 

Ben schlug das Album auf. Auf der ersten Seite klebte in der Mitte ein Ultraschallbild. Darunter hatte Meg geschrieben: 24. Schwangerschaftswoche. Ganz deutlich konnte man den Kopf, die Arme, Beine und das Rückrad erkennen.

 

„Ich bedaure immer noch, dass ich Dich nicht durch die Schwangerschaft begleiten konnte“, sagte Ben, als er sich das Ultraschallbild ansah.

 

„Und ich wünschte, ich hätte Dich irgendwie erreichen können“, antwortete Meg.

 

Ben blätterte weiter in dem Album. Auf der nächsten Seite waren Fotos von Rachel, als sie gerade geboren worden war. Auch ein Fußabdruck von dem neugeborenen Baby zierte die Seite.

 

Zärtlich strich Ben mit seinem Finger über eins der Bilder „Sie war wunderschön.“

 

Meg nickte „Ja, das war sie.“

 

Langsam blätterte Ben weiter. Bild reihte sich an Bild und unter jedem Bild hatte Meg liebevoll einen kurzen Kommentar geschrieben. Wie zum Beispiel: Rachel mit einem Monat; Unser erster Ausflug; Mein neues Kleid; und Mein erster Zahn.

 

Ben sah auf und lächelte Meg an. „Da hast Du Dir aber sehr viel Mühe gegeben.“

 

Meg zuckte mit den Schultern „Es hat mir Spaß gemacht.“

 

Ben blätterte weiter und entdeckte Fotos von Rachels erstem Geburtstag. Vor ihr auf dem Tisch stand eine Geburtstagstorte und ihr kleines Gesicht war über und über mit Zuckerguss beschmiert. Ben lachte beim dem Bild auf.

 

„Rachel liebt diesen Zuckerguss. Sie kratzt ihn immer von dem Kuchen ab“, erklärte Meg.

 

„Danach sieht sie auf dem Bild auch aus“, lächelte Ben.

 

„Wir müssen nachher unbedingt daran denken, von Dir und Rachel ein paar Bilder zu machen.“

 

„Das ist eine gute Idee“, nickte Ben und blätterte weiter. „Darf ich mir ein paar von den Bildern aussuchen?“

 

„Ben, Du kannst das ganze Album behalten. Ich habe ja vorhin schon gesagt, dass ich immer gehofft habe, dass Rachel eines Tages ihren Vater kennen lernt“, erklärte Meg.

 

Gerührt sah Ben Meg an. „Aber dann hast Du ja keine Bilder mehr.“

 

„Doch“, lächelte Meg „ich habe ja gleich zwei von diesen Alben angelegt.“

 

„Danke Meg, das ist ein wunderbares Geschenk“, lächelte Ben.

 

„Das war doch das mindeste, das ich machen konnte“, erklärte Meg.

 

Ben sah Meg an. „Was hältst Du davon, wenn ich Dich und Rachel heute Abend zum Dinner ausführe?“

 

„Und was ist mit der Veranstaltung der Liberty Corporation? Heute ist doch die Casinonacht geplant“ wandte Meg ein.

 

„Gregory hat bestimmt Verständnis dafür, dass wir nicht dabei sind“, erklärte Ben.

 

Meg zögerte immer noch ein wenig. „Bist Du Dir im Klaren darüber, wie es ist, mit einem fast zwei jährigen Kind in ein Restaurant zu gehen?“

 

Ben schüttelte seinen Kopf „Nein, aber es gibt doch für alles ein erstes Mal.“

 

Meg lächelte. „Sag aber hinterher nicht, ich hätte Dich nicht gewarnt.“

 

„Keine Angst, die werde diese Zeit  mit Euch bestimmt nicht bereuen“, antwortete Ben.