Kapitel 16

 

Nachdem das Frühstück beendet und der Tisch von Meg abgeräumt war, standen alle auf. Jason sah Alison erwartungsvoll an. "Können wir dann los?" fragte er. Alison runzelte irritiert die Stirn. "Du wolltest doch zum Flughafen, Deine Sachen abholen," erinnerte Jason sie. Alison griff sich an die Stirn. "Ja, natürlich. Das hatte ich beinahe vergessen. Es macht Dir auch wirklich nichts aus?" fragte sie noch einmal vorsichtig nach. Jason schüttelte den Kopf. "Nein, mach' Dir keine Gedanken. Ich muß nur heute Abend wieder in L.A. zurück sein, weil am nächsten Tag meine Vorlesungen wieder beginnen, aber für diesen Tag stehe ich Dir ganz zur Verfügung ..." Er lächelte verschmitzt, und Alison schien beruhigt. "Ach, Alison," warf Meg ein," Großvater und Großmutter lassen Dich herzlich grüssen. Sie sind heute schon wieder sehr früh nach Kansas zurückgeflogen. Eigentlich waren sie nur wegen der Trauerfeier hier," fügte Meg leise hinzu. Alison nickte. "Schade, daß sie nicht noch ein bisschen länger bleiben konnten," sagte sie bedauernd. "Ich hätte sie gerne etwas besser kennengelernt." Meg seufzte. "Ja, sie Dich sicher auch, aber Großmutter geht es nicht so gut, und sie fühlt sich zuhause einfach wohler. Du kannst sie ja mal in Kansas besuchen, wenn Du Lust hast. Sie würden sich sicher darüber freuen," schlug Meg vor. Alison lächelte. "Ja, eine gute Idee. Das werde ich machen, sobald ..." Sie ließ den Satz offen. Das sie noch einmal nach Paris zurück musste, um einige Dinge an Ort und Stelle zu klären, war unumgänglich - und je früher, deso besser! Aber das verschwieg sie lieber, denn Alison sah, wie glücklich alle über ihren Besuch waren. "Alison, kommst Du?" Jason war bereits an der Tür und hielt sie für sie auf. Meg lachte. "Du hast es aber mächtig eilig," sagte sie. "Gibt's was besonderes am Flughafen, was wir nicht wissen?" fragte sie schmunzelnd. Jason grinste. "Du mußt ja nicht alles wissen, Mom,"sagte er geheimnisvoll. Alison sah ihn fragend an, doch Jason hüllte sich in Schweigen. Erst als sie in seinem roten Porsche Boxster auf dem Weg zum Flughafen unterwegs waren, kam er heraus mit der Sprache. "Ich dachte, daß wir, nachdem wir Deine Koffer vom Flughafen abgeholt haben, noch ein wenig am Strand spazierengehen könnten," schlug er vor. Er warf kurz einen Blick auf ihren Fuß. "Natürlich nur, wenn es Dich nicht zu sehr anstrengt." Alison nickte begeistert. "Das ist eine tolle Idee!" sagte sie. "Wir müssen ja nicht so weit gehen, und wenn es mir zu anstrengend wird, können wir ja auch einfach nur im Sand sitzen." Alison schloß die Augen, während Jason die Küstenstraße entlang fuhr. Sie fühlte, wie der Wind an ihrem Haar zerrte und versuchte vergeblich, ihre Strähnen wieder mit den Händen zu ordnen. Jason lachte. "Du solltest Dir für's Cabrio-Fahren eine Kurzhaarfrisur zulegen," sagte er. Alison verkniff sich ein Lachen. "So oft werde ich sicher nicht in den Genuß kommen, Cabrio zu fahren," sagte sie. "Außerdem" fügte sie grinsend hinzu," verfüge ich nicht so ganz über die finanziellen Mittel, mir so eine Luxuskarosse zu leisten." Jason sah sie amüsiert von der Seite an. "Ich auch nicht," gab er zu. "Alles von Daddy gesponsert," sagte er grinsend. Sie bogen in die Flughafeneinfahrt ein, und Jason parkte den Wagen. Alison öffnete die Beifahrertür, und Jason half ihr beim Aussteigen. Zum Glück wurden sie diesmal am Haupteingang prompt durchgelassen, so daß Alison ihre Koffer ohne Schwierigkeiten aus dem Schließfach holen konnte. "Und nun?" Fragend sah Alison Jason an, nachdem sie wieder im Wagen sassen. "Und nun kommt der versprochene Strandspaziergang," sagte er, während er den Motor startete.

 

Es war so früh am Morgen noch nicht viel los am Strand, und Jason und Alison genossen die Ruhe und Einsamkeit. Alison hatte ihre Schuhe gleich wieder ausgezogen, was Jason auch sofort bemerkte. "Du gehst anscheinend gerne barfuß," stellte er schmunzelnd fest. Alison verzog das Gesicht. "Ja, und gestern Nacht wurde es mir zum Verhängnis!" Jason lachte und Alison stimmte mit ein. Sie sahen sich an, und Alison verspürte wieder diesen irrationalen Wunsch, sich in seine Arme fallen zu lassen. Schnell schaute sie zur Seite. Von Jason's blauen Augen ging etwas hypnotisches aus. Das hatte sie schon gespürt, als sie ihn am Strand wiedergesehen hatte. Sie senkte den Kopf. Nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander hergegangen waren, blieben sie in der Nähe einer Felsengruppe stehen. Jason wies zu den Felsen hinüber. "Dort drüben gibt es eine Höhle, die ich erst kürzlich auf einem Spaziergang entdeckt habe," sagte er. Alison sah ihn überrascht an. "Eine Höhle ... wie geheimnisvoll!" entfuhr es ihr. "Und ist sie bewohnt?" Jason lachte. "Wo denkst Du leben wir denn? Im Steinzeitalter?" Alison sah ihn tadelnd an. "Ich dachte natürlich nicht an Höhlenmenschen, sondern an Tiere!" erklärte sie. Jason kratzte sich nachdenklich am Kinn. "Keine Ahnung, aber ich denke, für Bären ist der Eingang zu klein." Er dachte einen Moment nach. "Höchstens vielleicht Eidechsen oder Schlangen." Er sah Alison entsetztes Gesicht und mußte wieder lachen. "Keine Sorge, ich bin ja bei Dir und werde Dich beschützen," versprach er, während er in Rittermanier eine Hand auf seine Brust legte. Alison verdrehte die Augen. "Für einen "Bücherwurm" bist Du ganz schön abenteuerlustig," stellte sie fest. Jason sah sie irritiert an. "Wer hat gesagt, daß ich ein "Bücherwurm" bin?" fragte er erstaunt. "Deine Mom," gab Alison zu. "Sie meinte, daß Du Dich hinter Deinen Büchern vergraben und keinen an Dich heranlassen würdest." Jason's Gesicht verdüsterte sich. "So, das sagt sie also ..." entgegnete er nachdenklich. Er schüttelte den Kopf, um die düsteren Gedanken zu verjagen. "Was ist denn nun?" fragte er herausfordernd. "Bist Du bereit für eine Höhlenexpedition?" Alison schüttelte es schon beim blossen Gedanken an Schlangen und Eidechsen, aber sie bejate seine Frage mutig. Jason streckte Alison die Hand entgegen. "Dann komm'," sagte er," der Weg bis zum Eingang der Höhle ist ziemlich unwegsam, und ich möchte nicht, daß Du Dich noch verletzt." Zögernd ergriff sie seine Hand, und gemeinsam machten sie sich auf zur Höhle.  

 

 

 

Kapitel 17

 

"Meine Güte, ist das düster hier!" Alison umklammerte Jason's Hand, als sie sich beide durch den schmalen Höhleneingang zwängten. "Warte ..." Er ließ ihre Hand los und zog aus seiner Jackentasche eine Kerze und ein Feuerzeug hervor. Alison sah ihn erstaunt an. "Du bist ja wohl auf alle Eventualitäten vorbereitet," sagte sie verwundert. Jason lächelte verschmitzt, während er die Kerze anzündete. "Sagen wir mal so ... ich überlasse nichts dem Zufall." Alison blieb stehen und schaute sich in der Höhle um. Das diffuse Kerzenlicht warf groteske Schatten an die Wand, und Alison zog fröstelnd die Schultern hoch. "Ist Dir kalt?" fragte Jason besorgt, und Alison nickte. Er zog seine Jacke aus und hängte sie ihr über die Schultern. "Ist ja auch kein Wunder, daß Du frierst. Hier drin sind es gut und gerne 10 Grad kälter als draußen." Er griff wieder nach ihrer Hand. "Komm' weiter," sagte er. "Ich möchte Dir etwas zeigen." Vorsichtig setzte Alison einen Fuß vor den anderen, und hoffte, daß sich nicht plötzlich ein Loch unter ihr auftun und sie verschlingen würde. "Wie weit ist es denn noch?" fragte sie ungeduldig. "Wir sind gleich da," versprach Jason ihr. Plötzlich ließ er sie ohne Vorwarnung los. Alison hörte, wie er leise fluchte, und dann war alles nur noch dunkel um sie herum. "Jason?!" Voller Panik blieb Alison stehen und wagte es nicht, auch nur noch einen Schritt weiterzugehen. "Mist! Die Kerze ist ausgegangen," hörte sie seine Stimme. Erleichtert atmete sie auf. "Dann mach' sie doch einfach wieder an," sagte sie. Sie hörte, wie er bitter auflachte. "Würde ich ja gerne machen, aber ich finde das Feuerzeug nicht." "Wie?" Alison glaubte, sich verhört zu haben. "Du willst doch damit nicht etwa sagen, daß wir jetzt hier in dieser Dunkelheit gefangen sind?" fragte sie entsetzt. "Ich fürchte ja," entgegnete er. "Oh nein ...!" entfuhr es Alison. Er tastete im Dunkeln nach ihrer Hand. "Keine Sorge, soweit ich weiß, hat diese Höhle nur einen Durchgang, d.h. wir müssen uns nur an der Wand entlangtasten, und dann finden wir auch wieder zurück." "An der Wand entlang ...?!" Entsetzen erfasste Alison, als sie daran dachte, daß womöglich Schlangen in den Nischen der Wände sitzen könnten. Auf was hatte sie sich da bloß eingelassen! "Nun komm'," sagte Jason ungeduldig," wir müssen weiter! Der hintere Teil der Höhle ist etwas heller, weil die Felsen dort zerklüfteter sind und sogar ein paar Sonnenstrahlen hindurchkommen." "Wie nett!" sagte Alison sarkastisch. Die Lust auf diese Höhlenexpedition schwand zunehmend. "Wäre es nicht vielleicht besser, wenn wir einfach umdrehen würden?" wagte sie einen Einspruch. Jason lachte. "Hast Du Angst?" "Blödsinn!" entfuhr es ihr. "Ich liebe Orte wie diese - kalt, feucht, dunkel, moderig ..." Jason lachte wieder. "Zumindest hat es Dir Deinen Humor nicht verschlagen," sagte er grinsend. Alison hätte ihm gerne die passende Antwort gegeben, aber sie schwieg lieber. "Nun los," drängte sie," zeig mir endlich, was es hier so besonders zu sehen gibt!" Langsam, Schritt für Schritt, gingen sie weiter, und plötzlich sahen sie, wie sich ein Sonnenstrahl durch das Felsgestein bohrte. "Wir sind gleich da," sagte Jason und beschleunigte seinen Schritt. Alison spürte, wie sie die Abenteuerlust erneut packte. Als sie dann um die nächste Biegung kamen, blieb Jason plötzlich stehen. Vor ihnen türmten sich große Gesteinsbrocken auf, und nur in der Mitte befand sie eine schmale Öffnung, gerade groß genug, um einen Menschen hindurchzulassen. Jason wies auf die Öffnung, und Alison sah ihn fragend an. "Müssen wir da durch?" fragte sie unsicher. Jason nickte. Er machte den Anfang und half danach Alison beim Hindurchklettern. Als sie auf der anderen Seite angekommen waren, sah Jason sie erwartungsvoll an. "Und, habe ich Dir zuviel versprochen?" fragte er. Vor sich sahen sie einen kleinen See, der anscheinend einmal durch Hochwasser entstanden war. Die Sonnenstrahlen, die vereinzelt durch die Felsnischen drangen, brachen sich an der braunen Felswand und liessen das Wasser golden schimmern. "Wow ...!" war alles, was Alison hervorbrachte. Fasziniert starrte sie in das glitzernde Wasser. Sie hob den Kopf und sah zu Jason hinüber, der sie lächelnd beobachtete. "Ich hoffe, das entschädigt Dich für Deine Mühen," sagte er. Alison nickte. Sie kniete nieder und beugte sich vor. Das Wasser war so klar, daß sie ihr Spiegelbild sehen konnte. Jason kniete sich neben sie. "Weißt Du, das Deine Haare dieselbe Farbe haben wie dieses Wasser hier?" sagte er leise, während er seine Hand ausstreckte und vorsichtig ihre goldblonden Locken berührte. Alison hob überrascht den Kopf und sah geradewegs in seine blauen Augen. Sie fühlte sich wie hypnotisiert, und als Jason vorsichtig über ihre Wange strich, ließ sie ihn gewähren. Seine Berührungen liessen ihr Herz schneller klopfen, und ein Gefühl der Sehnsucht überkam sie. Plötzlich stand Jason auf und zog Alison mit sich hoch. Sie standen sich so nah gegenüber, daß sie seinen Atem spüren konnte. Sie schloß die Augen, und als sie seinen Kuß auf ihren Lippen spürte, ließ sie sich von ihren Empfindungen leiten und schlang beide Arme um seinen Hals. Doch mit einem Mal drängten sich Mallory's Worte in ihr Bewußtsein. "Luisa ist heimlich in Jason verliebt!" Die Realität holte Alison plötzlich wieder ein. Wenn Luisa Jason wirklich liebte, dann hatte sie kein Recht, sich in diese Beziehung zu drängen. Sie konnte ihrer besten Freundin doch nicht den Mann ausspannen! "Bitte ... nicht!" Alison drückte ihre Hände gegen seine Brust und drehte den Kopf zur Seite. Jason ließ sie sofort los. An seinem Gesichtsausdruck erkannte sie, daß ihre Reaktion ihn verwirrte. "Entschuldige ..." Er trat einen Schritt zurück und starrte ins Wasser. "Nein," sagte Alison leise," es muß Dir nicht leid tun. Wir - wir hätten nur nicht hierher kommen dürfen." Jason hob den Kopf und sah sie an. "Ja, Du hast recht," stimmte er ihr zu. "Es war eine blöde Idee von mir." Alison wollte etwas darauf entgegnen, aber als sie in Jason's Gesicht sah, schluckte sie ihre Bemerkung hinunter. Sein Gesichtsausdruck wirkte verschlossen, regelrecht abweisend. Er ging zum Ausgang und zwängte sich, ohne sich noch einmal umzuschauen, durch die schmale Öffnung. Alison bückte sich noch einmal und berührte mit ihrer Hand leicht die Oberfläche des Wassers. Sie fragte sich, ob sie wohl jemals wieder an diesen Ort zurückkehren würde. "Alison, worauf wartest Du denn noch?" hörte sie Jason's ungeduldige Stimme. Alison richtete sich auf und folgte ihm dann durch die schmale Öffnung in die Dunkelheit ...

 

 

Kapitel 18

 

Ohne weitere Komplikationen oder Vorkommnisse fanden sie den Weg durch die Höhle zurück zum Ausgang. Jason hatte die ganze Zeit kein Wort gesprochen, und Alison hielt es für besser, ihn nicht weiter zu bedrängen. Sie machte sich selber heftige Vorwürfe, daß sie ihren Gefühlen so einfach nachgegeben hatte. Wahrscheinlich dachte er nun, daß sie sich jedem Mann so an den Hals werfen würde, dachte sie bitter. Jason half ihr durch den schmalen Ausgang, und Alison blinzelte in die gleissende Sonne. Hier draußen erschien ihr plötzlich alles so unwirklich zu sein, doch als sie die Augen schloß, fühlte sie wieder Jason's fordernden Lippen auf ihrem Mund. Schnell öffnete sie ihre Augen und schaute verlegen zu Boden, als sie Jason's prüfenden Blick bemerkte. Die spontane Unbefangenheit, die bis dahin zwischen ihnen geherrscht hatte, war verschwunden. Den Weg bis zum Auto legten sie schweigend zurück, obwohl in Alison's Inneren ein heftiger Sturm tobte. Auch auf der Fahrt nach Hause war Jason sehr wortkarg, und Alison gab es nach mehrmaligen Versuchen auf, ihn aus der Reserve zu locken. Sie schaute stattdessen aus dem Fenster und sah, wie die Bäume und Sträucher am Wegesrand immer schneller an ihr vorbeirasten. Ängstlich klammerte sie ihre Hände um das Sitzpolster. Jason's Gesichtsausdruck verriet nichts von seiner inneren Anspannung, aber sie zeigte sich in seiner Fahrweise. Alison atmete erleichtert auf, als der Porsche mit quietschenden Reifen vor dem Haus zum Stehen kam. Mit zitternden Knien stieg sie aus, und Jason nahm die Koffer und trug sie zum Eingang hinauf. Er schloß die Tür auf und ging, ohne auf Alison zu warten, ins Haus hinein. Mit ein paar kräftigen Schritten erklomm er die Treppe und stellte die Koffer vor Alison's Tür ab. Dann ging er, ohne sich noch einmal umzudrehen, weiter zum Gästezimmer und ließ die Tür krachend ins Schloß fallen. Alison hörte im Wohnzimmer die zufallende Tür und zuckte zusammen. Im selben Moment kam Mallory die Treppe hinunter. "Meine Güte," stieß sie hervor und wies nach oben. "Jason hat vielleicht eine miese Laune!" Sie sah Alison mit gerunzelter Stirn an. "Und wenn ich Deine Miene sehe, geht es Dir wohl auch nicht viel besser," stellte sie fest. "Was ist denn passiert?" fragte sie neugierig. Alison fuhr sich mit der Zunge über ihre trockenen Lippen. "Nichts," log sie, während sie bewusst Mallory's Blick auswich. "Wir haben meine Koffer vom Flughafen abgeholt und sind noch etwas am Strand spazierengegangen. Das war alles." Mallory sah sie skeptisch an. "Hat er Dir die Höhle gezeigt?" bohrte sie weiter, während sie Alison nicht aus den Augen ließ. "Höhle? Was für eine Höhle?" Alison hatte Mühe, ihre Stimme normal klingen zu lassen. Sie konnte und wollte Mallory nichts darüber erzählen, was sich in der Höhle zugetragen hatte. "Nein," log sich deshalb weiter," ich weiß von keiner Höhle." Alison war unendlich erleichtert, als ihre Tante aus der Küche kam. "Hallo Alison! Ihr seid schon wieder zurück?" fragte sie überrascht. "Ich dachte, daß Jason noch eine besondere Überraschung für Dich hätte," sagte sie lächelnd. Alison's Lächeln erstarb auf ihrem Gesicht. "Entschuldigt mich bitte," wich sie aus. "Ich möchte jetzt erst einmal nach oben gehen und mich frisch machen." Eine bessere Notlüge war ihr nicht eingefallen, aber sie bereute sie sogleich, als sie Mallory's Kommentar dazu vernahm. "Stimmt! Du könntest wirklich frische Kleidung vertragen. Was haben Du und Jason am Strand gemacht? Euch im Sand gewälzt?" Alison sah an sich herunter und erschrak. Anscheinend war ihr Höhlen-Besuch auch an ihrer Kleidung nicht spurlos vorübergegangen. Alison spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Sie wusste, daß Mallory's Bemerkung scherzhaft gemeint war, aber sie fühlte sich ertappt. Alison murmelte eine Entschuldigung und rannte schnell die Treppe in ihr Zimmer hinauf - Jason's Zimmer. Sie schloß die Tür hinter sich und lehnte sich schweratmend dagegen. Für einen Moment schloß sie die Augen, riß sie jedoch gleich darauf wieder auf. "Nein!" schrie es in ihr. "Ich darf mich nicht in ihn verlieben! Er ist nicht für mich bestimmt!" Alison ließ sich seufzend auf's Bett fallen und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Sie wusste nicht, wie lange sie so dagesessen hatte, doch plötzlich hörte sie, wie sich eine Tür öffnete, wieder schloß und dann jemand eilig über den Flur lief. Alison schloß die Augen. Erst jetzt spürte sie, wie sehr die Ereignisse des Vormittags sie ermüdet hatten. Bevor der Schlaf sie übermannte, sah sie wieder Jason's Gesicht vor sich und fühlte seine weichen, fordernden Lippen auf ihrem Mund ...

 

"Alison, Liebling! Willst Du denn den ganzen Tag verschlafen?" Meg's Stimme holte Alison aus ihren Träumen. Abrupt öffnete sie die Augen und setzte sich auf. "Meg! Wie lange habe ich denn geschlafen?" fragte sie überrascht. Meg zeigte lächelnd auf ihre Armbanduhr. "Fast 3 Stunden. Ich habe mir Sorgen gemacht, weil Du vorhin so schnell verschwunden warst." Alison strich sich das Haar nach hinten. Unwillkürlich wurde sie wieder an Jason's Worte erinnert. "Deine Haare schimmern wie Gold ..." Alison schüttelte den Kopf, als könnte sie so die Gedanken an ihn verdrängen. Meg sah sie prüfend an. "Ist alles in Ordnung mit Dir?" hakte sie nach. Alison nickte heftig und stand auf. "Ja, danke, es geht mir gut. Ich glaube, daß mir die Zeitumstellung noch etwas Probleme macht. Außerdem herrscht in Paris ein ganz anderes Klima als hier." Meg nickte verständnisvoll. "Natürlich," sagte sie. "Das kann ich gut verstehen. Ruhe Dich nur so lange aus, wie Du willst," fügte sie lächelnd hinzu. Nachdem Meg den Raum wieder verlassen hatte, nahm Alison sich aus ihrem Koffer eine frische Bluse und einen Rock und zog sich um. Im Badezimmer wusch sie noch einmal gründlich ihr Gesicht, erneuerte ihr Make Up und bürstete sich ihren langen Haare, bis sie wie gesponnenes Gold über ihre Schultern fielen. Nach einem letzten, prüfenden Blick in den Spiegel, verließ sie das Bad und ging den Flur entlang bis zum Gästezimmer. Sie wollte noch einmal mit Jason über das reden, was in der Höhle passiert war und ihm sagen, daß sich dies nicht noch einmal wiederholen würde. Schließlich wusste sie, daß sein Herz einer anderen gehörte! Alison atmete noch einmal tief durch, bevor sie an die Tür klopfte und mutig die Klinke nach unten drückte. "Jason? Können wir reden?" Alison öffnete die Tür und schaute in den Raum hinein. Wie angewurzelt blieb sie stehen. Das Gästezimmer sah wie unberührt aus. Das Bett war abgezogen worden, und der Kleiderschrank, in dem sich Jason's Sachen befunden hatten, stand geöffnet und leer dort. Ein Gefühl der Traurigkeit überkam Alison, und sie setzte sich auf's Bett, nahm den Kopfkissenbezug hoch und presste ihr Gesicht hinein. Erschrocken schaute sie hoch, als sie von der Tür her eine Stimme hörte. "Suchst Du nach Jason? Er ist fort." Alison ließ den Kopfkissenbezug sinken und sah Mallory verständnislos an. "Hat er sich nicht von Dir verabschiedet?" fragte Mallory erstaunt. Alison schüttelte den Kopf. Sie spürte plötzlich einen Kloß in ihrem Hals. "Er ist wieder zurückgefahren," erklärte Mallory ihr dann. "Jason ist zurück nach L.A. gefahren." 

 

 

Kapitel 19

 

Langsam stand Alison auf. Sie versuchte sich vor Mallory nicht anmerken zu lassen, wie sehr ihre Mitteilung sie getroffen hatte. "Weißt Du wann er wiederkommt?" fragte sie scheinbar gleichgültig. Mallory zuckte mit den Schultern. "Ich habe keine Ahnung. Jason kommt und geht wann er will. In den letzten Monaten hat er sich sehr rar gemacht. Es hat uns alle sehr überrascht, daß er überhaupt zur Trauerfeier Deiner Eltern gekommen ist!" Alison fühlte sich plötzlich elend, doch ausgerechnet vor Mallory wollte sie keine Schwäche zeigen. "Schade," entfuhr es ihr, und als Mallory sie mit einem fragenden Blick ansah fügte sie hinzu "Wir waren gerade dabei, uns ein bisschen besser kennenzulernen." Mallory lächelte vielsagend. "Das freut mich! Bisher hat sich Jason nämlich nicht viel aus Frauen gemacht." Alison hielt für einen Moment den Atem an. Jetzt bloß nichts falsches sagen! "Du schließt völlig falsche Rückschlüsse, Mallory. Jason und ich sind nur gute Freunde!" Kaum hatte Alison den Satz ausgesprochen wusste sie, daß es eine Lüge war. Sie empfand mehr für Jason, als nur blosse Freundschaft, sehr viel mehr sogar ... "Ach, weshalb ich hochgekommen bin," fuhr Mallory fort," ... Luisa rief vorhin an. Sie wollte Dich fragen, ob Du nicht Lust hast, Dich mit ihr im Waffelshop zu treffen." Luisa! Bei der Erwähnung dieses Namens zuckte Alison innerlich zusammen. Luisa - ihre beste Freundin aus Kinder- und Jugendtagen, und ... Jason's Freundin! Alison schüttelte den Kopf. "Ich habe etwas Kopfweh," log sie. "Ich werde sie vielleicht später anrufen," versprach sie, als sie sah, wie Mallory ihre Stirn in Falten zog. "Ich hatte also recht ..." murmelte Mallory. Verwirrt sah Alison sie an. "Womit hattest Du recht?" fragte sie neugierig. Mallory setzte wieder ihr geheimnisvolles Lächeln auf. "Ach, nichts wichtiges," behauptete sie, während sie zur Tür ging und sie öffnete. "Ich werde Dich jetzt alleine lassen," sagte sie. "Vielleicht überlegst Du es Dir noch einmal, ich meine ... wegen Luisa." Mallory verließ das Zimmer und ließ eine nachdenkliche Alison zurück. Welches Interesse konnte Mallory daran haben, daß sie sich mit Luisa traf? Offensichtlich verstanden sich Luisa und Mallory nicht so besonders. Hoffte sie, daß Alison zwischen ihnen vermitteln konnte, oder was sollte wieder diese Geheimniskrämerei? Alison holte tief Luft. Für einen Moment glaubte sie, den Geruch von Jason's After-Shave wahrgenommen zu haben. Sie ballte die Fäuste. Wieso ging er ihr nicht aus dem Kopf? Warum war sie überhaupt nach Sunset Beach gekommen? Ihr Leben schien ihr vorher so einfach und unkompliziert, und nun herrschte nur noch Chaos. Fast fluchtartig verließ Alison das Zimmer. Vom Wohnzimmer her drang Stimmengewirr an ihr Ohr, und plötzlich hörte sie, wie jemand ihren Namen rief. Langsam ging Alison die Treppe hinunter und erstarrte plötzlich. "Du hast Besuch," sagte Meg lächelnd und wies auf eine junge Frau mit schulterlangem, dunklem Haar. "Luisa! Das ist ja eine Überraschung!" Alison bemühte sich um einen normalen Tonfall, obwohl ihr Mund plötzlich ganz trocken wurde. Mallory warf ihr einen entschuldigenden Blick zu und folgte ihrer Mutter dann in die Küche. "Ich hoffe, ich komme nicht ungelegen," sagte Luisa verlegen, während sie hinter Meg und Mallory her sah, "aber Mallory sagte, daß Du Dich freuen würdest, wenn ich vorbeikommen würde." "Ja, aber sicher," beeilte sich Alison zu sagen, obwohl sie lieber alleine gewesen wäre. Sie ging auf ihre Freundin zu und umarmte sie. "Schön, Dich zu sehen!" Wäre die Situation eine andere gewesen, hätte Alison sich wirklich sehr über einen Besuch von Luisa gefreut, aber seit Jason's Kuß in der Höhle, stand etwas zwischen ihnen. "Du bist so schnell verschwunden gewesen am Tag als Deine Eltern ..." Luisa vervollständigte den Satz nicht, sondern sah Alison nur mitfühlend an. "Ich weiß, wie Du Dich fühlst," sagte sie, und Alison hörte ehrliche Anteilnahme in ihren Worten. "Als Roberto damals starb, hatten wir auch alle das Gefühl, daß unser Leben zuende wäre ... aber es geht weiter, es muß weiter gehen, Alison!" Ihre Stimme klang eindringlich, und Alison schämte sich plötzlich, daß sie Luisa so kühl behandelte. Sie konnte ja schließlich nichts dafür, daß sie sich in denselben Mann verliebt hatten! "Ich danke Dir!" sagte sie und drückte Luisa's Hand. "Mallory erzählte mir, daß Du vorgeschlagen hättest, daß wir uns im Waffelshop treffen könnten," wechselte Alison das Thema. Luisa nickte. "Natürlich nur, wenn Du Lust hast," entgegnete sie. Alison zwang sich zu einem Lächeln. "Warum nicht, ... ein paar Erinnerungen auffrischen kann nicht schaden." Luisa sah sie schmunzelnd an. "Weißt Du noch, wie oft wir bei einer schönen heissen Tasse Schokolade im Waffelshop gesessen und gequatscht haben?" Alison nickte. "Wir haben darüber gesprochen, was wir später mal werden wollen, und ..." " ... und über Jungens!" vervollständigte Luisa den Satz. Alison's Lächeln erstarb auf ihren Lippen. Ihr lag nichts ferner, als sich mit Luisa über Jason zu unterhalten, aber genau das war es wohl, was sich ihre Freundin erhoffte. "Wollen wir dann gehen?" fragte Alison und hoffte, daß Luisa nicht das leichte Zittern in ihrer Stimme hören konnte. "Ja, ich bin bereit." Luisa hakte sich bei Alison ein, und gemeinsam verließen sie das Haus.   

 

 

 

Kapitel 20

 

Zögernd betrat Alison an Luisa's Arm den "Waffelshop". Ihr Blick wanderte durch das geschmackvoll eingerichtete Lokal. "Hier hat sich eine Menge verändert!" stellte sie dann fest. Luisa nickte. "Ja, nachdem Elaine Stevens es verkauft hatte, dauerte es einige Jahre, bis der "Waffelshop" neue Besitzer fand," erklärte sie. "Ich finde allerdings, daß die jetzigen Besitzer es wieder gut in Schuß gebracht haben." Luisa lächelte, als eine junge Frau hinter dem Tresen erschien. "Hi Janice!" begrüsste Luisa sie freundlich. "Das ist meine Freundin Alison. Sie ist die Tochter von ..." Janice unterbrach Luisa's weitere Vorstellung. "Ich weiß," sagte sie, während sie Alison die Hand zum Gruß entgegenstreckte. "Ich bin Janice Wilcox. Meinen Eltern gehört der "Waffelshop". Ich helfe nur gelegentlich aus." Sie senkte die Stimme. "Es tut mir schrecklich leid, was mit Deinen Eltern passiert ist!" sagte sie aufrichtig. Alison schluckte einen dicken Kloß hinunter, den sie plötzlich in ihrem Hals fühlte. "Danke!" sagte sie leise. Janice lächelte und beschrieb mit ihrer Hand einen grossen Bogen. "Ihr habt die freie Auswahl! Heute ist nicht viel los. Sucht Euch schonmal einen Tisch aus. Ich komme dann gleich und nehme Eure Bestellung auf." Während Luisa auf einen freien Tisch in der hintersten Ecke zusteuerte, schaute Alison sich um. Sie erinnerte sich daran, wie oft sie hier mit Luisa gesessen hatte ... und auch mit Jason. Sie hatte ihm damals oft bei den Hausaufgaben geholfen, und zum Dank hatte er ihr Waffeln und Eis spendiert ... "Alison, was ist denn? Kommst Du?" Luisa's Stimme riß Alison aus ihren Tagträumen. Geistesabwesend ging sie zum Tisch hinüber und nahm gegenüber Luisa platz. Luisa nahm sich die Karte zur Hand. "Wie wär's? Heisse Schokolade und Muffins - wie in alten Zeiten?" fragte sie erwartungsvoll. Alison nickte. "Ja, in Ordnung," sagte sie gleichgültig. Nachdem Janice die Bestellung aufgenommen hatte, dauerte es nur wenige Minuten, bis Alison und Janice ihre Getränke und die Muffins bekamen. "Ich wünsche Euch einen guten Appetit!" wünschte Janice den beiden Frauen noch, bevor sie lächelnd in der Küche verschwand. Alison fühlte eine seltsame Beklemmung. Es wäre ihr lieber gewesen, wenn der "Waffelshop" nicht gar so menschenleer gewesen wäre. Luisa nippte an ihrem Kakao und lehnte sich dann entspannt zurück. "Es ist schön, daß wir beiden jetzt wieder hier sitzen," sagte sie. Alison nickte. Schnell führte sie ihre Tasse an die Lippen, um nichts sagen zu müssen. Luisa beugte sich zu ihr herüber. "Es gibt etwas, was ich Dir schon lange erzählen wollte ..." druckste sie herum. Alison holte tief Luft. "Warum hast Du es mir nicht geschrieben?" fragte sie mit zitternder Stimme. Sie ahnte, was Luisa als nächstes sagen würde und wappnete sich dagegen. "Das ist etwas, was ich Dir persönlich sagen wollte," sagte Luisa zu ihrer Entschuldigung. Alison nickte. "Na gut, nun sind wir ja unter uns. Was hast Du für ein Geheimnis?" Alison versuchte ihre Stimme möglichst normal klingen zu lassen, dabei war sie im Inneren alles andere als ruhig! "Es überrascht Dich jetzt vielleicht, was ich Dir zu sagen habe ..." begann Luisa zögernd. Alison fühlte, wie ihre Anspannung wuchs. " ... zumal ich mir die ganzen Jahre nun wirklich nicht viel aus Jungens ... ich meine Männern gemacht habe ..." fuhr Luisa fort. Alison nickte. "Ja, ich weiß." Nervös spielte sie mit dem Griff ihrer Tasse. Luisa atmete tief durch, bevor sie weiter fortfuhr. "Ich habe mich in Jason verliebt!" Alison schloß für einen Moment die Augen. Sie fühlte einen Stich in ihrer Magengrube, und ein Gefühl von Leere ergriff sie. Sie hatte gewusst, daß Luisa in Jason verliebt war, aber es jetzt von ihr selber hören zu müssen, war fast mehr, als sie ertragen konnte! "Alison, ist alles in Ordnung?" Alison fühlte, wie Luisa sie prüfend ansah und riß sich zusammen. "Das ist ... eine Überraschung!" brachte sie schwach hervor, während sich ihr Mund zu einem Lächeln verzog. Luisa runzelte die Stirn. "Wohl eher ein Schock!" stellte sie fest. "Du siehst aus, als ob man gerade Dein Todesurteil verkündet hätte!" Alison vergrub ihre Nase im Kakaobecher. Luisa sollte nicht merken, wie sehr ihre Mitteilung sie aus der Fassung gebracht hatte. Was sollte sie sagen? "Herzlichen Glückwunsch?" Alison setzte die Tasse wieder ab. "Ich - ich freue mich für Dich ... und Jason!" brachte sie mühsam hervor. Luisa lächelte. "Danke, aber wenn es so einfach wäre, bräuchte ich Deine Hilfe nicht." Alison starrte in ihren leeren Kakaobecher hinein. Diese ganze Situation war so absurd! Sie und Luisa hatten in der Vergangenheit niemals Geheimnisse voreinander gehabt, und nun gab es ein Geheimnis, daß Alison ihr niemals anvertrauen konnte! "Weißt Du, die Sache ist, daß Jason sehr schüchtern ist," gestand Luisa ihr. "Er hatte noch nie eine Freundin, und ich weiß auch irgendwie noch nicht so richtig, wie ich ihn aus der Reserve locken soll!" Sie senkte die Stimme und schaute verstohlen zum Nachbartisch hinüber, wo gerade ein Mann platz nahm. "Vielleicht hast Du eine Idee? Nicht, daß ich nicht schon alles ausprobiert hätte," sagte sie seufzend. "Wir waren hier, im "Waffelshop", im Kino, Eis essen, Tanzen, haben uns die Sonnenuntergänge am Strand angesehen ..." Alison hatte genug gehört. Wenn Luisa ihr jetzt auch noch erzählen würde, wie leidenschaftlich sie und Jason sich geküsst hatten, würde sie ihre Beherrschung vollends verlieren! Aprupt sprang sie auf, so daß der Stuhl auf dem sie gesessen hatte, scheppernd umfiel. "Luisa, es tut mir leid, aber ich habe ganz vergessen, daß ich noch ... einen dringenden Telefonanruf erledigen muss!" stieß sie hektisch hervor. Verwirrt sah Luisa Alison hinterher, wie diese fast fluchtartig den "Waffelshop" verließ.

 

Nachdem Alison den "Waffelshop" so Hals über Kopf verlassen hatte, rannte sie ziellos und so schnell sie konnte den Strand entlang. Völlig außer Atem blieb sie irgendwann stehen und schaute in die glitzernden Fluten vor sich. Nein, sie würde Luisa nicht dabei helfen, den Mann zu bekommen, den sie, Alison, liebte! Alison strich sich gedankenverloren eine Haarsträhne aus dem Gesicht und schaute nach unten. Plötzlich sah sie im Sand etwas glitzerndes liegen. Sie bückte sich, hob es auf und erstarrte. "Meine Haarnadel ..." stammelte sie. Alison schloß die Augen und fühlte, wie der Wind an ihrem Haar zerrte. Schlagartig wurde ihr bewusst, wo sie sich befand. Dies war genau die Stelle, wo sie und Jason sich bei Sonnenuntergang begegnet waren! Plötzlich verstand sie, was Mallory ihr die ganze Zeit mit ihren komischen Andeutungen hatte sagen wollen: Sie und Jason waren füreinander bestimmt - wie die Lady in Black und Armando Deschanel! Wie hypnotisiert starrte Alison auf's Meer hinaus. "Ja," flüsterte sie, und es klang fast wie ein Schwur," ich werde um seine Liebe kämpfen! Die Legende wird sich erfüllen ..."