Ben Evans saß in seinem Büro in seinem Nachtclub „The Deep“ und starrte auf die Papiere, die vor ihm lagen. Es waren die offiziellen Scheidungspapiere, datiert auf das heutige Datum, der 1.12.1999. Seit heute war also seine Ehe mit Maria Torres-Evans offiziell beendet. Wie hatte das eigentlich passieren können? Ben wusste die Antwort darauf selber nicht so genau. Für ihn war es Liebe auf dem ersten Blick gewesen, als der vor gut vier Jahren Maria das erste mal gesehen hatte. Seine Gedanken schweiften wieder zu dem Tag zurück, als er eigentlich seine Nachbarin und gute Freundin Annie Douglas abholen wollte. Sie wollten gemeinsam ins Kino gehen. Aber nicht Annie hatte ihm die Haustür geöffnet, sondern ihre Freundin Maria Torres. Ben war so perplex gewesen, dass er gar nicht wusste, was er sagen sollte und als Maria ihn dann auch noch anlächelte, war es um ihn geschehen. An diesem Abend sind sie zu dritt ausgegangen, aber schon am nächsten Abend hatte Ben Maria zu einem romantischen Dinner eingeladen. Vier Monate später haben sie geheiratet. Im Nachhinein wusste Ben nun, dass die Hochzeit damals überstürzt gewesen war, sie hätten sich einfach mehr Zeit nehmen sollen, um sich besser kennen zu lernen. Ben hatte seine junge Frau vergöttert und ihr jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Sie hatte Kunst studiert und malte für ihr Leben gerne, darum hatte Ben ihr ein großes Atelier im Haus eingerichtet, in dem Maria Stunden verbrachte und alles um sich herum vergaß. Anfangs gelang es Ben immer noch, Maria aus ihrem Atelier nach draußen zu locken und gemeinsam mit ihr etwas zu unternehmen, aber mit der Zeit ließ Marias Interesse daran nach. Je mehr Zeit Maria im Atelier verbrachte, umso mehr Zeit verbrachte Ben in seinem Nachtclub „The Deep“ oder in seinem Internetcafé „Java Web“. Als dann sein langjähriger Freund Gregory Richards ihm die Partnerschaft in der Liberty Corporation angeboten hatte, zögerte Ben nicht lange und griff zu. Gerne hätte er mit Maria eine eigene Familie gegründet, aber sie wollte davon nichts wissen. Kinder würden ihre künstlerische Freiheit einengen, sagte sie stets abwehrend. Ben hingegen sehnte sich nach dem Getrappel von kleinen Kinderfüßen. Da dieser Wunsch wohl nicht in Erfüllung gehen sollte, vergrub er sich immer mehr in seine Arbeit. Zum traurigen Höhepunkt war es vor einem halben Jahr gekommen, als Ben früher als geplant, von einer Geschäftsreise nach Hause gekommen war. Mit einem Blumenstrauß in der einen Hand und einer Flasche Champagner in der anderen Hand, hatte Ben das Haus betreten. In den drei Tagen, in denen er geschäftlich in San Franzisko war, hatte er beschlossen, wieder zu versuchen, mehr Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Mit diesen Vorsätzen stieg er die Treppe zu dem oberen Stockwerk in sein Haus hoch und blieb erstaunt stehen, als er ein leises Lachen, das aus Marias Atelier kam, hörte. Maria musste mal wieder ein Modell da haben, aber davon wollte er sich heute nicht abschrecken lassen, er würde dieses Modell bezahlen und dann den Abend mit seiner Frau verbringen. Mit diesem Vorsatz öffnete er die Tür zum Atelier und erstarrte. Wie erwartet war Maria nicht alleine, sondern es war ein Mann bei ihr. Beide waren nackt und wälzten sich auf der Liege, die in Marias Atelier stand. Die beiden bemerkten Ben erst, als dieser die Flasche Champagner fallen ließ und diese mit einem lauten Knall zerbrach. Wortlos drehte sich Ben um und ging ins Schlafzimmer. Er holte einen Koffer aus dem Schrank und begann zu packen. Wenige Augenblicke später betrat Maria, nur in ein Laken gewickelt, den Raum.
„Ben, es ist nicht so wie es aussah.“ Sagte sie leise.
Wütend drehte sich Ben zu Maria um „So? Für mich war es eindeutig. Wie oft Maria, wie oft hast Du so etwas schon hinter meinem Rücken getan?“
„Ben bitte!“ Maria senkte die Augen „All die anderen Männer bedeuten mir doch nichts...“
Ben stopfte eilig ein paar Kleidungsstücke in den Koffer und knallte den Deckel zu „Erspar mir das bitte Maria. Ich kann so nicht weiterleben. Wenn etwas ist, ich bin im Resort Inn zu erreichen. Meine restlichen persönlichen Sachen hole ich in den nächsten Tagen ab. Das Haus kannst Du behalten, für mich hängen zu viele schmerzhafte Erinnerungen daran.“
Ohne weiter auf Maria zu achten, verließ er das Haus und fuhr zum Resort Inn. Das Hotel gehörte zur Liberty Corporation und Ben zog in eine der Suiten. Am nächsten Morgen nahm Ben mit seinem Anwalt Kontakt auf und bat ihn, die Scheidung einzureichen. Er überschrieb Maria das Haus und ließ ihr eine großzügige Abfindung zukommen und nun lagen die Dokumente vor ihm, die alles offiziell machten, er war nicht länger mit Maria verheiratet!
Ben schreckte aus seinen Gedanken hoch, als jemand an seiner Bürotür klopfte. „Herein!“ rief er.
Mark Wolper, sein guter Freund und Chefbarkeeper betrat den Raum „Du wolltest mich sprechen Ben?“
Ben nickte und wies auf den freien Stuhl vor dem Schreibtisch „Setzt Dich bitte.“ Er wartete bis Mark sich gesetzt hatte und fuhr dann vor „Ich möchte, dass Du für einige Wochen die Leitung des Deeps und des Java Webs übernimmst, ich werde verreisen.“
„Verreisen?“ fragte Mark erstaunt. Natürlich war Ben schon öfter geschäftlich für die Liberty Corporation verreist gewesen, aber meistens waren es nur ein paar Tage gewesen und nicht gleich Wochen.
Wortlos reichte Ben Mark die Scheidungsurkunde. Natürlich wusste Mark über alles, was zwischen Ben und Maria vorgefallen war bescheid und war nun nicht überrascht, dass die Scheidung nun offiziell war „Nun ist es also vorbei?“
Ben nickte „Ja und ich muss erst mal eine Weile von hier weg, um mir darüber klar zu werden, wie es weitergehen soll. Die Liberty Corporation hat ein neues Ferienressort in Colorado übernommen und ich werde für ein paar Wochen hinfliegen und die Leitung dort übernehmen. Du kannst mich jederzeit dort anrufen oder auch per Email erreichen, wenn irgendwas ist. Ich habe Dir die volle Geschäftsführung für das Deep und das Java Web übertragen.“
Mark kannte seinen Freund nur zu gut und wusste, dass er ihn nicht umstimmen konnte, also versuchte er es erst gar nicht „Ich werde schon zurecht kommen. Und Du wirst bestimmt auch schon bald wieder auf andere Gedanken kommen, denn wie ich gehört habe, gibt es viele gutbetuchte Damen, die in Colorado Skiurlaub machen.“
„Ich gehe nicht nach Colorado um mich zu amüsieren, sondern um zu arbeiten. Und von Frauen will ich erst mal nichts mehr wissen.“ Sagte Ben bitter.
„Schade,“ dachte Mark „gerade das würde Dir vielleicht ganz gut tun.“ Laut sagte er aber „Du wirst schon darüber hinweg kommen, da bin ich mir ganz sicher. Wann fährst Du?“
„Morgen früh um 8:15 Uhr geht mein Flieger.“
Mark stand auf „Dann wünsche ich Dir eine gute Reise und mach Dir keine Sorgen, ich komme hier schon zurecht.“
Auch Ben war aufgestanden und begleitete Mark zur Tür „Das weiß ich doch, darüber mache ich mir keine Sorgen.“
„Kommst Du zu Weihnachten denn zurück?“ fragte Mark „Wie üblich wird es im Surf Center eine große Fete geben.“
Ben zuckte mit den Schultern „Rechnet lieber nicht mit mir.“
„Okay,“ sagte Mark „aber denk daran, Du bist uns jederzeit willkommen.“
„Danke Mark.“ Sagte Ben und schloss die Tür hinter seinem Freund.
Kapitel 02
Ludlow/Kansas
Gut gelaunt ging die junge Meg Cummings die Auffahrt zum Farmhaus hinauf, in dem ihr Verlobter Tim Truman mit seinen Eltern lebte. In ihrer Hand hielt sie ein paar Prospekte, die sie heute aus einem Reisebüro in Kansas City mitgebracht hatte. In zwei Wochen würden Tim und sie heiraten und Meg hatte nun genug Geld für eine Hochzeitsreise zusammengespart. Sie wollte Tim heute damit überraschen und hatte deshalb die Prospekte besorgt.
Schon von weitem sah Meg, dass in Tims Zimmer das Licht brannte, ansonsten war das Haus dunkel. Meg erinnerte sich daran, dass Tims Eltern bestimmt bei der Probe des Kirchenchores waren, so würden Tim und sie eine Weile ungestört sein. Als sie das Haus erreichte, ging sie gleich zur Hintertür, dann sie wusste, dass diese, wie üblich, nicht abgeschlossen war. Sie betrat das Haus und stand in der Küche der Trumans. Da es hier drinnen gut geheizt war, zog Meg ihre dicke Daunenjacke aus und hing sie über eine Stuhllehne, bevor sie nach oben ging. Sie war diesen Weg schon oft gegangen, dass sie es nicht für nötig hielt, das Licht anzuschalten. Sie stieg die Treppen hinauf und da Tims Zimmertür einen Spalt breit offen stand, wurde der Flur ein wenig von dem Licht, dass aus seinem Zimmer drang, erleuchtet. Mit sicheren Schritten ging Meg auf die Tür zu und als sie diese gerade weiter aufschieben wollte, hörte sie Stimmen von drinnen. Überrascht horchte Meg auf, als sie die Stimme von ihrer besten Freundin Connie erkannte. Was sie hörte, ließ sie erstarren.
„Tim ich habe das doch auch nicht gewollte, aber Tatsache ist nun mal, dass ich schwanger bin und zwar von Dir.“
„Verdammt Connie, wir hätten einfach besser aufpassen müssen. Was sollen wir denn jetzt tun?“
Connie fing an zu schluchzen „Das weiß ich doch auch nicht. Ich weiß nur, dass ich Dich liebe und dass das unser Baby ist.“
„Ach Connie, ich liebe Dich doch auch, aber Du weißt auch, dass ich in wenigen Tagen Meg heiraten werde.“
Meg stieß die Tür auf und betrat den Raum. Sie sah Tim kurz an, holte aus und gab ihm eine kräftige Ohrfeige „Du bist ein ganz mieses Schwein, Tim Truman.“ Dann drehte Meg sich zu Connie um, zog ihren Verlobungsring vom Finger und warf ihn Connie vor die Füße „Hier, den kannst Du sicherlich besser gebrauchen als ich. Ich hoffe, Ihr zwei werdet glücklich miteinander, Ihr habt Euch verdient!“
Schnell drehte sich Meg um und rannte aus dem Zimmer, die Treppe hinunter und verließ das Haus durch die Vordertür. Tränen der Wut und Enttäuschung liefen ihr die Wangen runter und der eiskalte Wind schnitt Ihr ins Gesicht. Aber von all dem spürte Meg nichts. Sie wusste nur, sie musste so schnell wie möglich von hier fort. Auf dem schnellsten Weg ließ sie nach Hause und stürmte ins Haus. Ohne auf ihre verdutzten Eltern zu achten, rannte sie auf ihr Zimmer und warf sich dann auf ihr Bett, um den Tränen freien Lauf zu lassen.
Ihre Eltern, Joan und Hanks Cummings, sahen sich erschrocken an, als Meg an ihnen vorbei lief. Kaum hörten sie Megs Zimmertür ins Schloss fallen, stand Joan auf.
„Irgend etwas muss passiert sein. Ich sehe besser mal nach.“
„Soll ich mitkommen?“ wollte Hank wissen.
„Nein, aber ich werde Dich rufen, wenn wir Dich brauchen.“ Antwortete Joan und folgte Meg nach oben. Sie klopfte an die Zimmertür von Meg.
„Meg? Darf ich rein kommen?“
Als sie keine Antwort bekam, öffnete sie vorsichtig die Tür und sah in das Zimmer. Meg lag weinend auf ihrem Bett und so betrat Meg das Zimmer und setzte sich zu Meg auf das Bett. Liebevoll legte sie ihre Hand auf Megs Rücken.
„Liebling was ist passiert?“ fragte sie leise.
Meg setzte sich auf und wischte sich die Tränen ab „Es ist alles aus und vorbei.“
„Was ist aus und vorbei?“ wollte Joan wissen.
„Mit Tim....“ erneut liefen Meg Tränen über die Wangen „...er und Connie....die beiden haben etwas mit einander.“
„Bist Du sicher?“ Joan konnte kaum glauben, was sie da hörte.
„Meg nickte „Ja, ich habe mit angehört, wie Connie Tim erzählt hat, dass sie von ihm schwanger ist.“ Meg sah ihre Mutter an „Mom, wie konnte er mir das bloß antun? Wir wollten in zwei Wochen heiraten und nun ist alles vorbei.“
Joan nahm ihre Tochter tröstend in die Arme „Oh mein Gott Meg. Ich weiß gar nicht so recht, was ich sagen soll....Das einzigste was mir einfällt ist, zum Glück bist Du noch vor der Hochzeit dahinter gekommen. So sehr es Dich jetzt im Moment auch schmerzt, aber wenn Tim Dich tatsächlich mit Connie betrogen hat, ist er es nicht wert, dass Du noch einen Gedanken an Ihn verschwendest.“
„Ich weiß.“ Schluchzte Meg „Ich habe Ihm ja auch gleich gesagt, dass es mit uns aus und vorbei ist. Ich will Ihn nie wieder sehen. Aber was soll ich jetzt tun? Ich meine, ich habe meine ganze Zukunft mit Tim geplant und nun ist plötzlich alles vorbei.“
„Meg, Du bist eine junge, starke Frau und Du wirst darüber hinweg kommen.“ Liebevoll drückte Joan ihre Tochter an sich „Warum versuchst Du nicht ein wenig zu schlafen und morgen sehen wir dann weiter.“
Meg nickte „Danke Mom.“
Joan küsste ihre Tochter auf die Stirn „Dafür sind Mütter doch da. Und nun versuch zu schlafen. Gute Nacht.“
Meg legte sich auf ihr Bett zurück „Gute Nacht Mom.“
Joan blickte noch einmal auf ihre Tochter und verließ dann das Zimmer. Als sie nach unten kam, sah sie, dass ihr Mann gerade Tim zur Haustür reingelassen hatte.“
„Guten Abend Joan, ich bringe Megs Jacke.“ Begrüßte der junge Mann sie, als sei nichts passiert.
Wut stieg in Joan hoch „Für Dich immer noch Mrs. Cummings!“ Sie nahm Tim die Jacke ab und schenkte ihm einen eiskalten Blick „Und nun sieh zu, dass Du von hier verschwindest und lass Dich hier ja nicht wieder blicken.“
„Aber Joan...Mrs. Cummings, geben Sie mir doch bitte eine Chance alles zu erklären...“
„Was? Dass Du Meg mit Connie betrogen hast und sie nun schwanger von Dir ist?“ zischte Joan Tim wütend an.
„Moment mal!“ Hank horchte auf und sah Tim an „Was hast Du getan?“
Joan kreuzte die Arme vor ihrer Brust „Er hat mit Connie geschlafen und sie geschwängert!“
„Ist das wahr?“ Hank sah Tim an.
„Lassen Sie mich das doch bitte erklären.“ Begann Tim erneut.
Hank öffnete die Tür und hielt sie auf „Raus hier und wag es ja nicht, noch einmal hier her zu kommen.“
„Mr. Cummings, bitte...“
„Tim Du gehst jetzt besser, bevor ich mich vergesse.“ Sagte Hank „Ich will nichts mehr von Deinen Lügen hören.“
Tim merkte, dass er nicht weiterkam und verließ das Haus. Hank schloss mit Nachdruck die Tür hinter ihm und drehte sich dann zu Joan um.
„Wie geht es Meg?“
„Ich hoffe, sie schläft jetzt. Sie war ganz aufgelöst.“ Joan sah ihren Mann an „Wie konnten wir uns nur so in Tim irren? Ich dachte immer, er liebt Meg über alles.“
Hank nahm Joan in den Arm „Ich weiß es nicht Joanie, ich weiß es nicht.“
Joan seufzte „Lass uns lieber schlafen gehen. Meg wird uns morgen brauchen.“
Hank nickte „Da hast Du wohl recht.“
Sie löschten das Licht und gingen dann hinauf in ihr Schlafzimmer.
Kapitel 03
Denver/Colorado
Erleichtert verließ Ben in Denver das Flugzeug. Endlich war er in Colorado angekommen und fühlte sich jetzt schon ein wenig entspannter, als in Sunset Beach. Er sah sich kurz um und ging dann zur Gepäckausgabe, wo er noch einige Minuten auf seinen Koffer warten musste. Als er sein Gepäck endlich hatte, machte er sich auf die Such nach der Autovermietung, bei der er schon von Sunset Beach aus einen geländefähigen Wagen vorbestellt hatte. Nach kurzem Suchen fand er das kleine Büro der Autovermietung und betrat es.
„Guten Tag,“ begrüßte er die junge Frau hinter dem Schalter „mein Name ist Ben Evans und ich hatte einen Wagen reserviert.“
Die junge Frau lächelte Ben an „Guten Tag Mr. Evans. Einen Augenblick bitte.“
Sie tippte seinen Namen in den Computer ein und sah dann wieder auf.
„Ja, ich habe hier eine Reservierung für einen Landrover für Sie.“
Sie reichte Ben ein Formular „Würden Sie das bitte ausfüllen?“
Ben nahm das Formular und den Kugelschreiber entgegen und füllte das Blatt schnell aus, bevor er es zurück gab.
„Danke“ lächelte die junge Frau „Nun muss ich noch Ihren Führerschein sehen.“
Ben holte seine Brieftasche hervor und reichte ihr seinen Führerschein „Bitte.“
Die junge Frau warf einen Blick darauf und reichte ihn dann Ben zurück „Danke. Zahlen Sie bar oder per Kreditkarte?“
„Mit Karte bitte.“ Ben reichte ihr seine Kreditkarte. Wenige Augenblicke später erhielt er auch diese zurück „Danke“
Die junge Frau lächelte Ben wieder an und reichte ihm die Autoschlüssel „Der Wagen steht im Abschnitt B auf Platz 361. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Fahrt, Mr. Evans.“
„Danke“ nickte Ben und verließ das kleine Büro. Mit zügigen Schritten verließ er das Gebäude und machte sich auf die Suche nach dem Mietwagen. Der kalte Winterwind schnitt ihm ins Gesicht und er war froh, als er das Auto gefunden hatte, sein Gepäck verstaut hatte und endlich einsteigen konnte. Er startete den Wagen und fuhr los. Während des Fluges hatte er sich genau eingeprägt, wie er fahren musste, um zu dem kleinen Feriendorf in den Bergen zu gelangen. Geschickt lenkte er das Fahrzeug durch den dichten Straßenverkehr von Denver und schon bald hatte er den Highway 34 erreicht. Als er die Stadt hinter sich gelassen hatte, begann die Trail Ridge Road, die sich langsam die Berge hoch schlängelte. Ben genoss den herrlichen Anblick, den die schneebedeckten Berge ihm boten. Die Rocky Mountains erinnerten ihn sehr an die Alpen in Europa, wo er als Kind oft seine Winterferien zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder verbracht hatte.
Ben war erstaunt, als plötzlich schon der Grand Lake vor ihm auftauchte und als er auf seine Uhr blickte, stellte er fest, dass er bereits seit gut zweieinhalb Stunden unterwegs war. Er verlangsamte sein Tempo, damit er die Abzweigung zu dem Feriendorf nicht verpasste. Als er von der Hauptstrasse abbog, war er froh, dass er einen geländegängigen Wagen gemietet hatte. Die schmale Straße wandte sich steil den Berg hoch und war, im Gegensatz zur Hauptstrasse, nicht vom Schnee geräumt worden. Nach weiteren fünfzehn Minuten Fahrt, sah er das Feriendorf vor sich. Über der Einfahrt hing ein großes, hölzernes Schild mit der Aufschrift „Grand Lake Resort“. Der Weg führte auf ein großes Blockhaus zu. Davor war ein großer, freier Platz, von dem viele kleine Weg abgingen. Ben wusste aus seinen Unterlagen, dass diese Wege zu den einzelnen, kleinen Blockhütten führten, die die Feriengäste mieten konnten. Er stoppte seinen Wagen vor dem großen Blockhaus und stieg aus. Nachdem er sich ausgestreckt hatte, betrat er das Blockhaus. Es war innen schlicht und rustikal eingerichtet. Auf der rechten Seite befand sich der Empfang, den Ben nun ansteuerte.
„Guten Tag, ich bin Ben Evans.“ Stellte er sich dem jungen Mann dahinter vor.
„Mr. Evans, schön das Sie hier sind.“ Der junge Mann reichte Ben seine Hand zur Begrüßung „Ich bin Ron Stevens und für den Empfang hier zuständig.“
„Nett Sie kennen zu lernen, Ron.“ Ben schüttelte die dargereichte Hand.
Ron drehte sich kurz um und nahm einen Schlüssel von dem Board „Wie von Ihnen gewünscht, haben wir eine Hütte ganz am Ende des Ressort für Sie reserviert, Mr. Evans.“
Ben nahm den Schlüssel entgegen „Danke. Ich werde auspacken und mich ein wenig frisch machen und danach werde ich mich hier ein wenig umsehen. Wie komme ich zu dieser Hütte?“
„Sie folgen dem Weg 12 ganz bis zum Ende. Dort steht die Hütte.“
„Vielen Dank Ron. Bis später dann.“ Lächelte Ben und verließ das Blockhaus.
Kapitel 04
Meg legte den Sicherheitsgurt an und lehnte sich in ihrem Sitz zurück. In wenigen Minuten würde das Flugzeug in Denver landen. Eigentlich wusste sie nicht so recht, was sie in Denver wollte. Aber als sie am Morgen aufgewacht war, war ihr klar, dass sie so schnell wie möglich aus Ludlow raus musste. Sie hatte ihren Koffer gepackt und dann beim Frühstück ihre Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt. Natürlich hatten Joan und Hank versucht, Meg zurück zu halten, aber am Ende haben sie doch eingesehen, dass es das beste für Meg war, wenn sie Ludlow für eine Zeit verließ. Meg hatte dann ihre ganzen Ersparnisse, die ja eigentlich für die Hochzeitsreise vorgesehen waren, genommen und ist zum Flughafen nach Kansas City gefahren. Dort hatte sie den ersten Flug genommen, den sie bekommen konnte – nach Denver.
Kurze Zeit später war das Flugzeug gelandet und Meg stand nun mit ihrem Koffer im Flughafengebäue und überlegte, was sie als nächstes tun sollte. Dann fiel ihr das Schild einer Autovermietung in die Augen.
„Vielleicht sollte ich mir einen Wagen leihen und einfach drauf zu fahren.“ Überlegte Meg kurz und betrat dann das kleine Büro.
„Guten Tag,“ begrüßte Meg die junge Frau hinter dem Schalter „ich möchte gerne ein Auto mieten.“
„Da sind Sie bei mir genau richtig.“ Lächelte die junge Frau „Soll es ein bestimmtes Model sein?“
Meg schüttelte ihren Kopf „Das ist mir eigentlich egal.“
„Gut“ die junge Frau tippte etwas in ihren Computer „Für wie lange brauchen Sie denn das Auto?“
„Ich weiß noch nicht.“ Meg zuckte mit den Schultern.
„Ist nicht weiter schlimm, Sie können das Auto jederzeit in einer unserer Filialen abgeben.“ Sie schaute auf ihren Bildschirm „Ich hätte da einen Golf für Sie.“
„Gut,“ nickte Meg „den nehme ich.“
Die junge Frau reichte Meg ein Formular „Würden Sie das bitte ausfüllen?“
„Aber gerne.“ Meg füllte das Formular aus und gab es zurück.
„Danke Miss Cummings, nun muss ich nur noch Ihren Führerschein sehen.“
Meg reichte der jungen Frau ihren Führerschein.
„Gut danke.“ Lächelte sie und gab ihn Meg zurück „Ich bekomme dann fürs erste 50 Dollar von Ihnen. Zahlen Sie bar oder mit Karte?“
Meg holte ihre Geldbörse hervor „Das zahle ich bar.“ Sie reichte der Frau eine 50 Dollar Note.
„Danke“ Die junge Frau nahm einen Autoschlüssel vom Board und reichte ihn Meg „All unsere Wagen sind mit Winterreifen ausgerüstet und ich denke, das werde Sie brauchen. Es wurde noch mehr Schnee angesagt.“
„Danke“ nickte Meg „und wo finde ich das Auto?“
„Draußen auf dem Parkplatz. Abschnitt C, Platz 123.“
„Danke“ lächelte Meg „Auf wiedersehen.“
„Auf wiedersehen und Gute Fahrt.“
„Danke“ Meg lächelte noch einmal und verließ dann das Büro.
Eine viertel Stunde später saß Meg in dem Auto und steuerte es durch den Großstadtverkehr von Denver. Plötzlich bemerkte sie ein großes Schild, dass auf den Rocky Mountain National Park hinwies. Ein Lächeln huschte über Megs Gesicht, denn als Teenager war sie einmal im Sommer in einem Ferienlager in genau diesem National Park und hatte dort eine Menge Spaß gehabt. Spontan folgte sie den Wegweisern zu dem Park und schon bald fuhr sie auf dem Highway 34 Richtung Norden.
Meg genoss die Fahrt über die gut ausgebaute Gebirgsstrasse, aber nach gut zwei Stunden fing es an zu Schneien und sie musste das Tempo ein wenig drosseln. Bald begann es auch schon zu dämmern und als Meg den Grand Lake erreichte, beschloss sie, sich für die Nacht eine Unterkunft zu suchen. Als sie am Straßenrand ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Grand Lake Resort“ entdeckte, beschloss sie, dort ihr Glück zu versuchen. Sie bog von der Hauptstrasse ab und folgte der schmalen Strasse. Hier war das Fahren schon schwieriger, da auf der Nebenstrasse schon mehr Schnee lag. Sie war erleichtert, als vor ihr das Ferien Resort auftauchte. Sie stellte ihren Wagen vor dem großen Blockhaus ab und stieg aus. Trotz der Dunkelheit und des dichten Schneefalls, machte die Anlage einen guten, gepflegten Eindruck auf Meg. Sie betrat das Haus und sah sich kurz um. Dann ging sie zu dem Empfang hinüber.
„Guten Abend, ich hätte gern ein Zimmer für heute Nacht.“
Ron sah von seiner Zeitung auf und lächelte Meg an „Guten Abend Miss. Haben Sie denn reserviert?“
Meg schüttelte ihren Kopf „Nein, ich bin auf der Durchreise und suche einfach nur ein Zimmer, wo ich übernachten kann. Bei dem Schneegestöber da draußen, möchte ich ungern weiter fahren.“
Ron tippte etwas in seinen Computer ein „Das kann ich gut verstehen Miss, aber ich fürchte wir sind ausgebucht.“
Ben hatte sich in seiner kleinen Blockhütte frischgemacht und seinen Koffer ausgepackt. Nun betrat er gerade wieder das Haupthaus, da er sich hier noch ein wenig genauer umsehen wollte. Er schüttelte sich den Schnee ab und trat hinter die junge Frau, die am Empfang stand und bekam die letzten Worte mit, die Ron zu ihr sagte.
„Gibt es hier ein Problem, Ron?“
„Oh Mr. Evans,“ Ron nickte ihm zu „Nun, die junge Lady hier sucht ein Quartier für die Nacht, aber wir sind restlos ausgebucht.“
„Ron da draußen wütend ein regelrechter Schneesturm, können wir nicht doch irgendeine Lösung finden?“
Ben trat hinter den Empfangstresen und schaute selber mit auf den Computerbildschirm.
„Wenn nichts mehr frei ist, dann suche ich mir eine andere Unterkunft.“ Meinte Meg.
Ben sah die junge Frau an. Sie hatte ungewöhnliche, kristallblaue Augen „Bei dem Wetter? Nein, wenn Ihnen dann etwas passiert, die Verantwortung möchte ich nicht übernehmen, Miss....“
„Cummings, Meg Cummings“ stellte sich Meg vor „Vielleicht kann man mir irgendwo ein Klappbett hinstellen, in einem Lagerraum oder so.“
„Ich bin Ben Evans und wir werden schon etwas für sie finden.“ Er sah Ron an „Haben Sie da vielleicht eine Idee?“
Ron kratzte sich am Kopf „Also ich weiß nicht.“
„Da fällt mir etwas ein.“ Ben sah Meg an „Ich bewohne selber eine der kleinen Hütten hier. Es sind zwei Schlafräume vorhanden, aber ich brauch nur einen davon. Wenn Sie möchten, dann überlasse ich Ihnen gerne den zweiten. Und keine Angst, ich beiße nicht.“
Meg sah den Mann an. Seine tiefblauen Augen hielten mit ihr Blickkontakt und sahen sie erwartungsvoll an „Ich möchte Ihnen aber keine Umstände machen...“
„Das machen Sie nicht. Also möchten Sie das Zimmer?“
Meg überlegte einen Augenblick und wog die Möglichkeiten ab. Entweder fuhr sie trotz des Wetters weiter oder sie blieb hier und nahm das Angebot an. Der Mann sah eigentlich vertrauensvoll aus und irgendwie fühlte sich Meg sicher.
„Gut, einverstanden.“ Nickte Meg.
Ben drehte sich zu Ron um „Gibt es noch einen zweiten Schlüssel zur Hütte?“
Ron nickte und öffnete eine Schublade, aus der er einen Schlüssel entnahm „Hier bitte.“
Ben nahm den Schlüsse und nickte dann Meg zu „Kommen Sie, Miss Cummings, ich bringe Sie zur Hütte.“
„Danke“ lächelte Meg und folgte ihm nach draußen.
Kapitel 05
„So da wären wir.“ Ben öffnete die Tür zu der kleinen Hütte und schüttelte sich den Schnee ab.
Meg tat es ihm nach, betrat dann die Hütte und sah sich um. Sie stand direkt in dem Wohnraum. Auf der linken Seite war ein Kamin, vor dem ein gemütlich aussehendes Sofa stand. In der Mitte des Raumes stand ein Tisch mit vier Stühlen und auf der rechten Seite war eine Küchenzeile eingebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite waren noch drei Türen. Auf dem Holzfußboden waren überall im Raum fröhlich bunte Teppiche verteilt. An den Wänden hingen Bilder und indianische Kunstgegenstände.
„Es ist bezaubernd hier.“ Lächelte Meg.
Ben nickte „Ja, schlicht aber geschmackvoll. Ich war ganz froh, keine Geweihe und so etwas an den Wänden vorzufinden.“
Ben ging zu der ganz linken Tür hinüber und öffnete diese „Hier wäre dann Ihr Zimmer.“
Meg folgte Ben in den einfach eingerichteten Raum. Ein großes Doppelbett stand an der gegenüberliegenden Wand und war mit einer wunderschönen Patchworkdecke abgedeckt. Dann gab es noch einen einfachen Kleiderschrank und eine Kommode. Auch hier lagen kleine bunte Teppiche auf dem Holzfußboden verteilt.
„Noch mal danke, dass Sie Ihre Hütte mit mir teilen.“ Meg zog Ihre Jacke aus.
„Kein Problem, ich brauche das zweite Schlafzimmer ja nicht und das Wetter da draußen hat sich ja zu einem richtigen Schneesturm entwickelt, da wäre es unverantwortlich gewesen, Sie wieder auf die Straße zu schicken.“ Ben stellte Megs Koffer ab.
„Danke“ Meg schaute Ben an „Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich ein heißes Bad nehme? Ich bin doch ein wenig durchgefroren.“
„Nein, fühlen Sie sich nur wie zu Hause. Ich werde uns inzwischen etwas zum Dinner zubereiten. Ich denke, es hat nicht viel Zweck, wenn wir bei diesem Wetter noch einmal zum Haupthaus zurück gehen.“
„Machen Sie sich aber nur keine großen Umstände meinetwegen.“ Meg streifte Ihre Stiefel ab.
Ben zog seine dicke Daunenjacke aus „Keine Angst, das sind keine Umstände. Genießen Sie nur Ihr Bad. Ach ja, das Badezimmer ist hinter der mittleren Tür.“
„Danke“ sagte Meg und öffnete ihren Koffer.
„Kein Problem.“ Antwortete Ben und zog die Tür hinter sich zu. Als er im Wohnraum stand, stellte er fest, dass er sich plötzlich aus einem unerwarteten Grund viel besser fühlte als noch vor ein paar Stunden. Gedankenverloren ging er noch mal nach draußen, um Feuerholz für den Kamin reinzuholen. Als er damit zurückkehrte, hörte er im Badezimmer bereits das Wasser laufen. Er kniete sich vor dem Kamin nieder und schichtete das Brennholz für ein Feuer auf. Wenige Augenblicke später, prasselte bereits ein Feuer im Kamin. Dann ging er zur Küchenzeile hinüber und öffnete die Schränke, um die Vorräte zu überprüfen.
Meg stieg in die Badewanne und sank in das heiße, wohltuende Wasser. Die Fahrt hierher war doch anstrengender gewesen, als sie gedacht hatte. Sie legte sich zurück und schloss die Augen. Schon wenige Augenblicke später spürte sie, wie sie sich entspannte. Sie war froh, dass sie hatte nicht noch weiter fahren müssen. Und obwohl ihre Eltern ihr beigebracht hatten, Fremden nicht gleich zu vertrauen, hatte sie keinen Moment gezögert, das Angebot von Mr. Evans anzunehmen. Meg konnte nicht genau sagen was es war, aber irgendetwas in seinen Augen hatte ihr gesagt, dass sie ihm vertrauen konnte. In seinen Augen konnte sie lesen, dass er wusste, wie es war verletzt zu werden.
Nachdem sich Meg entspannt genug fühlte und bevor sie Gefahr lief einzuschlafen, stieg Meg aus der Wanne und trocknete sich ab. Dann zog sie die Leggins und das große, weiche Sweatshirt an, dass sie aus ihrer Reisetasche ausgepackt hatte. Sie rubbelte ihre Haare so gut es ging trocken und bürstete sie dann gut durch. Dann öffnete sie die Badezimmertür und sah sich erstaunt um. Ein Feuer knisterte im Kamin vor sich hin und der ganze Raum war in ein sanftes Licht getaucht, dass von etlichen Kerzen und Windlichtern stammte, die im ganzen Raum verteilt waren. Ben stand am Herd und ein köstlicher Duft zog durch den Raum. Bis zu diesem Augenblick hatte Meg gar nicht bemerkt, wie hungrig sie war.
Ben spürte, dass er beobachtet wurde und drehte sich um „Hallo Miss Cummings. Das Dinner ist sofort fertig. Setzten Sie sich doch schon.“
Langsam durchschritt Meg den Raum „Kann ich noch irgend etwas helfen?“
Ben schüttelte seinen Kopf und trug einen Topf zum Tisch hinüber „Nein.“ Dann rückte er Meg den Stuhl zurecht „Ich befürchte nur, ich kann Ihnen kein Gourmetdinner bieten. Ich habe uns eine Dose Suppe heiß gemacht und dazu ein paar Käsesandwiches gegrillt.“
„Es duftet jedenfalls köstlich, Mr. Evans.“ Lächelte Meg als sie sich setzte.
Ben setzte sich Meg gegenüber an den Tisch „Bitte nennen Sie mich Ben.“
„Okay, aber nur wenn Sie mich Meg nennen.“ Meg nahm ihren Löffel in die Hand und probierte die Suppe „Die ist gut.“
Ben lächelte „Das freut mich. Ich verspreche Ihnen, dass nächste Dinner, das wir zusammen einnehmen wird um einiges besser.“ Ben hielt erschrocken inne. Er wusste gar nicht, wie er auf diese Idee kam „Entschuldigung Meg, ich wollte Sie nicht bedrängen.“
Meg sah Ben an „Es ist ja nichts passiert.“
Ben löffelte verlegen seine Suppe „Was ich eigentlich damit sagen wollte ist, Sie sind herzlich willkommen so lange hier zu bleiben, wie Sie möchten. Die Hütte ist groß genug und ich werde tagsüber genug zu tun haben und Sie nicht stören.“
Meg nahm eins der Sandwiches „Das ist ein nettes Angebot, aber werde ich Sie denn nicht stören? Und was wird die Hotelleitung dazu sagen, wenn ich einfach hier bleibe?“
„Nun, das mit der Hotelleitung dürfte kein Problem sein, da meiner Firma das Ressort gehört.“ Zwinkerte Ben Meg zu „Oder haben Sie ein anderes Ziel?“
Meg schüttelte ihren Kopf „Nein...ich bin...um ehrlich zu sein, habe ich heute Früh Ludlow verlassen ohne genau zu wissen, wo ich eigentlich hin will.“
„Ludlow?“ Ben sah Meg fragend an.
“Ludlow ist eine kleine Stadt in Kansas. Dort bin ich geboren und aufgewachsen.“ Meg sah Ben an „Sie sind aber auch nicht von hier, oder?“
Ben schüttelte seinen Kopf „Nein, ich bin in England geboren und aufgewachsen. Vor ca. 6 Jahren bin ich dann nach Kalifornien gezogen und habe dort einen Nachtclub und ein Internet Café eröffnet. Seit drei Jahren bin ich auch noch Partner in der Liberty Corporation und diese Firma hat vor ein paar Wochen dieses Ressort hier aufgekauft.“
„Dann bleiben Sie also länger hier?“ wollte Meg wissen.
„Ein paar Wochen, solange bis ich einen Geschäftsführer gefunden habe.“
„Oh und was sagt Ihre Familie dazu, dass sie gerade jetzt zu Weihnachten nicht zu Hause sind?“ Meg sah Ben an.
Sein Blick verdunkelte sich kurz „In Kalifornien habe ich keine Familie. Ich habe gerade eine Scheidung hinter mir und bin ganz froh, dass ich im Moment nicht dort bin.“
Meg schloss einen Augenblick die Augen, da sie an Tim denken musste „Das kann ich verstehen, so etwas ähnliches habe ich auch gerade hinter mir.“
Schweigend beendeten beide ihr Mahl. „Möchten Sie noch eine Tasse Kaffee?“ bot Ben an.
Doch Meg schüttelte ihren Kopf „Nein danke. Ehrlich gesagt bin ich sehr müde und möchte am liebsten schlafen gehen.“ Sie erhob sich, um die Teller zusammen zu stellen.
Ben stand auch auf und nahm ihr die Teller ab „Na, dann tun Sie das doch. Wegen mir brauchen Sie sich nicht wach halten.“
„Aber ich kann doch wenigstens abwaschen...“ protestierte Meg.
Ben lächelte „Nein. Da ich ein Nachtmensch bin, kann ich das noch machen.“
„Danke,“ Meg konnte ein Gähnen nicht unterdrücken „das nächste mal mache ich das aber.“
„Einverstanden“ nickte Ben „Gute Nacht und schlafen Sie gut.“
„Danke Sie auch.“ Verabschiedete sich Meg und ging in ihr Zimmer.