Kapitel 06
Die blasse Wintersonne weckte Meg, die durch das Fenster in ihr Zimmer schien. Sie brauchte einen Moment, bis sie wieder wusste wo sie war. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es schon neun Uhr war. Sie stand auf und öffnete vorsichtig die Tür, aber im Wohnraum war niemand zu sehen. Meg betrat das Wohnzimmer und entdeckte eine Thermoskanne auf den Tisch. Als sie hinüber ging, sah sie, dass darunter ein Zettel lag.
Guten Morgen Meg,
ich habe schon mal Kaffee gekocht. Wenn Sie allerdings lieber frischen Kaffee und ein komplettes Frühstück haben möchten, kommen Sie doch einfach rüber ins Hauptgebäude. Ich würde mich freuen, wenn wir zusammen frühstücken. Fragen Sie einfach drüben nach mir.
Ben Evans
Meg musste lächeln. Obwohl sie diesen Mann kaum kannte, kam er ihr doch irgendwie schon sehr vertraut vor. Sie beschloss die Einladung anzunehmen und ging ins Badezimmer um sich fertig zu machen.
Zwanzig Minuten später betrat sie das Hauptgebäude des Ressorts. Sie sah sich kurz um und ging dann zur Rezeption hinüber. Zu ihrer Erleichterung traf sie dort Ron dort wieder.
„Guten Morgen, Ron.“ Begrüßte Meg den jungen Mann.
„Guten Morgen, Miss Cummings.“ Lächelte Ron Meg an „Ich hoffe Sie haben gut geschlafen?“
Meg nickte „Ja danke, sehr gut. Ich suche Mr. Evans.“
Ron zeigte auf eine Tür hinter sich “Er ist im Büro und Sie sollen einfach reinkommen hat er gesagt.”
„Danke.“ Lächelte Meg und ging um den Tresen herum. Sie klopfte kurz an die Tür.
„Herein!“ hörte sie Ben rufen und öffnete die Tür „Guten Morgen!“
Ben sah von dem Computer auf „Guten Morgen Meg. Ich hoffe, sie haben gut geschlafen.“
„Danke, sehr gut.“ Antwortete Meg.
„Haben Sie schon gefrühstückt?“ erkundigte sich Ben.
„Nein, darum bin ich ja hier.“ Antwortete Meg.
„Gut.“ Ben stellte den Computer ab und stand auf „Ich war vorhin schon in der Küche und Miss Brown, sie ist für das Frühstück zuständig, meinte, wir sollen zu ihr in die Küche kommen. Sie bereitet uns dort ein extra Frühstück zu.“
„Gut, ich habe einen Bärenhunger.“ Lächelte Meg.
Ben legte seine Hand auf Megs Arm und führte sie hinaus „Das macht bestimmt die gute Luft hier. Mir geht es genauso.“
Sie betraten die große Küche, in der es herrlich nach frischen Backwaren roch. Ein freundlich aussehende Frau in den 50zigern sah von ihrer Arbeit auf, als Ben und Meg die Küche betraten.
„Ah, da sind Sie ja.“ Lächelnd säuberte sie sich ihre Hände an einem Handtuch, das an ihrer Schürze hing „Kommen Sie, ich habe schon alles für Sie beide vorbereitet.“
„Danke“ nickte Ben ihr zu und sie folgten der kleinen Frau.
In einer Ecke hatte sie einen Tisch liebevoll eingedeckt. Neben einem Korb mit frischen Brötchen, Wurst, Schinken, Käse und Marmelade stand noch eine Platte mit frischen Muffins auf dem Frühstückstisch.
„Setzten Sie sich. Ich bringe sofort den Kaffee und frische Rühreier.“
Bevor Meg oder Ben noch etwas antworten konnten, war Mrs. Brown auch schon auf ihren kurzen Beinen davon geeilt.
„Ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn wir hier in der Küche frühstücken, aber so haben wir wenigstens ein wenig Privatsphäre.“
Meg sah sich lächelnd um „Ich finde es gemütlich hier.“
„Gut“ antwortete Ben und griff nach einem Brötchen.
Mrs. Brown kehrte mit einer Kanne Kaffee und einer Schüssel mit Rührei zurück und stellte beides auf den Tisch „Und nun lassen Sie es sich schmecken. Sollte noch irgendwas fehlen, rufen Sie mich einfach.“
„Danke, Mrs. Brown.“ lächelte Ben und schon war sie wieder verschwunden.
Ben goss Meg Kaffee in die Tasse „Und nun lassen Sie es sich schmecken.“
Meg griff nach der Schüssel mit dem Rührei „Das werde ich, danke.“
Schweigend begannen beide zu Essen. Als Ben seinen Teller zur Hälfte geleert hatte, sah er Meg an.
„Und haben Sie sich schon entschieden, ob Sie heute noch weiter fahren oder ob Sie hier bleiben?“
Meg sah Ben an und wieder dachte sie, was für unglaublich blaue Augen er hatte „Wenn ich wirklich nicht störe und Ihr Angebot immer noch gilt, würde ich gerne noch bleiben.“
Ben lächelte „Natürlich gilt mein Angebot noch. Sie können so lange bleiben, wie Sie möchten.“
„Danke.“ Nickte Meg „Ben wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich nachher in den nächsten Ort fahren und einkaufen. Ich würde mich gerne ein wenig revanchieren und möchte heute Abend etwas für uns kochen.“
„Das brauchen Sie aber nicht, Meg.“
„Ich weiß,“ lächelte Meg „aber ich möchte es einfach gerne.“
„Okay,“ gab Ben sich geschlagen „aber tun Sie mir bitte einen Gefallen und nehmen Sie mein Landrover. Der hat Allradantrieb und ist für die Straßenverhältnisse hier besser geeignet als Ihr Golf.“
Meg trank einen Schluck Kaffee „Aber nur, wenn sie den Wagen nicht selber brauchen.“
Ben schüttelte seinen Kopf „Ich denke nicht. Den heutigen Tag werde ich wohl mehr oder weniger im Büro verbringen.“
„Oh, das ist aber schade, es ist so ein herrlicher Tag draußen.“
„Ich weiß, aber laut Wetterbericht, soll es jetzt erst mal so bleiben. Wenn ich heute durcharbeite, habe ich in den nächsten Tagen mehr Zeit für andere Dinge.“
Beide beendeten ihr Mahl und als Mrs. Brown kam und fragte, ob sie noch etwas wünschten, lehnten beide dankend ab.
Ben sah auf seine Uhr „Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt an meine Arbeit zurückkehre.“
Meg nickte „Und ich werde auch aufbrechen. Ist sieben Uhr für das Dinner heute Abend recht?“
„Passt ausgezeichnet.“ Ben stand auf und reichte Meg seine Autoschlüssel „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.“
Meg nahm die Schlüssel und steckte sie ein „Danke, das gleiche wünsche ich Ihnen auch, auch wenn Sie arbeiten müssen.“
Ben begleitete Meg aus der Küche hinaus „Danke, die Arbeit stört mich wenig.“
An der Tür verabschiedeten sie sich. Ben kehrte in sein Büro zurück und Meg machte sich fertig, um in die Stadt zu fahren.
Kapitel 07
Kurz vor sieben betrat Ben die Hütte und wurde von einem köstlichen Duft empfangen „Mmm, ich hoffe, das schmeckt wenigstens halb so gut, wie es duftet.“
Meg stand am Herd und drehte sich um „Guten Abend Ben. Ich hoffe, Sie haben großen Hunger mitgebracht.“
Ben zog seine Jacke aus und hing sie an den Harken neben der Tür „Einen Bärenhunger. Kann ich Ihnen noch irgendwie helfen?“
Meg zeigte auf den Tisch „Wenn Sie möchten, können Sie schon mal den Wein öffnen. Sie mögen doch Wein oder?“
„Ja, ich trinke sogar sehr gerne Wein.“ Ben ging zum Tisch hinüber und nahm die Flasche in die Hand. Er studierte kurz das Etikett und nickte dann anerkennend „Ein guter Jahrgang.“
„Danke“ lächelte Meg und stellte eine Schussel mit Mischgemüse und eine Schüssel mit Kartoffeln auf den Tisch. Dann kehrte sie zum Herd zurück und holte noch eine Platte mit aufgeschnittenen Braten.
Ben hatte inzwischen die Weinflasche entkort und schenkte den Wein in die Gläser, die Meg auf dem Tisch bereit gestellt hatte „Oh, da läuft mir ja schon richtig das Wasser im Mund zusammen.“
Meg setzte sich „Na dann greifen Sie zu.“
Das ließ sich Ben nicht zweimal sagen. Er füllte sich seinen Teller und fing an zu Essen „Hmm, so gut habe ich schon seit Jahren nicht mehr gegessen.“
Meg errötete leicht „Danke, aber hat denn Ihre Frau nie für Sie gekocht?“
Ben schüttelte seinen Kopf „Nein, Maria ist eine Künstlerin, eine Malerin um genau zu sein und solche Dinge haben sie nicht interessiert.“
„Das tut mir leid.“ Meg begann auch zu Essen.
„Das muss es nicht. Das Kapitel in meinem Leben habe ich abgeschlossen. Was ich will, ist ein Neustart und zwar ohne Maria.“ Erklärte Ben.
Meg musste an Tim und Connie denken „Tja, einen Neustart muss ich wohl auch machen.“
Ben merkte, dass Meg etwas bedrückte „Möchten Sie vielleicht darüber reden?“
Meg zuckte mit ihren Schultern „Da gibt es nicht viel zu erzählen. Eigentlich hatte ich vor, in knapp zwei Wochen zu heiraten, aber dann habe ich vorgestern herausgefunden, dass er eine Affäre mit meiner besten Freundin hat und diese nun schwanger ist.“
Ben legte sein Besteck nieder „Nun ist es an mir zu sagen, dass es mir leid tut.“
„Schon gut.“ Meg brachte ein Lächeln zustande „Es schmerzt zwar sehr, so eine Erfahrung zu machen, aber wer weiß, wozu es gut ist.“
„Diese Einstellung kann ich nur bewundern. Bei mir hat es Monate gedauert nachdem ich Maria mit einem anderen Mann zusammen gefunden hatte, bis ich die Scheidung eingereicht habe.“ Ben sah Meg an „Aber wir sollten über etwas anderes sprechen.“
„Sie haben recht.“ Meg nickte „Wie war Ihr Tag heute im Büro?“
Ben begann wieder zu Essen „Besser als ich gedacht hatte. Das Resort ist in einem Top Zustand und wurde ausgezeichnet geführt.“
„Oh, wenn das ganze Resort in einem so guten Zustand ist, warum wurde es dann verkauft?“ wunderte sich Meg.
„Nun, der Vorbesitzer ist mittlerweile über 70 und hat niemanden, der das Resort übernehmen konnte. Und da er noch etwas von seinem Lebensabend haben wollte, hat er es verkauft.“ Erklärte Ben „Aber nur unter der Bedingung, dass das Personal bleiben kann und hier nicht viel verändert wird.“
„Dann bleibt hier also alles so wie es ist?“ fragte Meg.
„Ben nickte „Ja, ich werde hier nur so lange bleiben, bis ich einen Geschäftsführer gefunden habe.“
„Und dann gehen Sie wieder nach Kalifornien zurück?“ wollte Meg wissen.
Ben nickte „Ja, dort habe ich ja meine Geschäfte und ich muss auch zugeben, dass mir das Leben dort gefällt.“
„Es muss schön sein dort.“ Seufzte Meg.
„Nun, vielleicht können Sie mich ja eines Tages dort besuchen kommen.“ Meinte Ben „Haben Sie denn irgendwelche Zukunftspläne?“
Meg schüttelte ihren Kopf „Nein darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wieder zurück nach Ludlow will.“
„Zu viele Erinnerungen?“ fragte Ben nach.
„Ja“ nickte Meg „Und es wird eine Menge Klatsch und Tratsch geben...“
Ben seufzte „Das kenne ich nur zu genau. Sunset Beach ist in der Beziehung auch nicht viel besser.“
Inzwischen hatten beide ihre Teller geleert. Meg begann das Geschirr zusammen zu stellen, doch Ben legte seine Hand auf ihre.
„Nein das mache ich. Sie haben schon so toll gekocht.“ Ben war überrascht, wie zart und zerbrechlich ihre Hand sich unter seiner anfühlte.
Als Ben Megs Hand berührte, war es ihr, als wenn ein Stromstoss durch ihren Körper schoss und das verwirrte sie „Danke, aber der Abwasch gehört nun mal dazu.“
„Okay,“ gab Ben nach „dann helfe ich Ihnen aber wenigstens dabei.“
„Einverstanden.“ Meg stand auf und trug etwas von dem Geschirr zur Spüle und Ben folgte ihr mir dem Rest.
Kapitel 08
In den nächsten drei Tagen arbeitete Ben tagsüber im Büro und Meg ging ihre eigenen Weg. Die Abende verbrachten sie aber immer gemeinsam. Sie aßen zusammen und danach saßen sie noch lange am Kaminfeuer und unterhielten sich. Beide fühlten sich sehr wohl in der Gesellschaft des anderen und so fiel es ihnen leicht, sich ungezwungen zu unterhalten und sich einander viel von sich selber zu erzählen.
Da das Resort sehr gut geführt wurde, war Ben nun fertig mit der Durchsicht der Unterlagen und hatte nun viel freie Zeit zur Verfügung. Er verließ das Büro und zog sich seine dicke Daunenjacke an, denn draußen waren es unter 0°C.
„Ron, wenn etwas sein sollte, können Sie mich über mein Handy erreichen.“ Rief er Ron zu.
„Mr. Evans, einen Augenblick noch bitte.“ Ron sah seinem neuen Boss hinterher.
Ben drehte sich um und ging zur Rezeption hinüber „Was gibt es denn?“
Ron räusperte sich „Morgen Abend findet hier der Weihnachtsball der Angestellten statt. Mr. Presscott hat immer daran teilgenommen. Dürfen wir mit Ihnen auch rechnen?“
„Ein Weihnachtsball?“ Ben überlegte einen Augenblick „Ja, warum eigentlich nicht. Ich werde gerne kommen, Ron.“
„Prima Sir.“ Ron sah Ben an „Und werden Sie in Begleitung kommen?“
„Tja,“ Ben zögerte einen Augenblick „ich werde sehen, was ich tun kann.“
„Gut Sir, dann werde ich zwei Plätze für Sie reservieren.“ Nickte Ron.
Dann machte er sich auf den Weg zurück zur Hütte. Als er die Tür öffnete, stieß er fast mit Meg zusammen, die diese gerade verlassen wollte.
„Oh hallo Meg.“ lächelte er “Wollen Sie ausgehen?”
„Nur ein wenig spazieren gehen. Es ist so ein herrlicher Tag.“ Antwortete Meg.
Ben nickte „Stimmt. Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich anschließe?“
Meg schüttelte ihren Kopf „Nein, ganz und gar nicht.“
„Gut“ lächelte Ben „Wo lang? Sie haben in den letzten Tagen die Gegend hier bestimmt schon erkundet.“
„Ein wenig.“ Lächelte Meg und weis auf einen schmalen Weg „Diesen Weg habe ich noch nicht ausprobiert.“
„Na dann nehmen wir doch den.“ Seite an Seite spazierten die beiden los. Nach einer Weile brach Ben das Schweigen.
„Meg, morgen Abend findet der Weihnachtsball der Angestellten statt und ich wurde dazu heute auch eingeladen.“
„Oh, das finde ich aber nett.“ Lächelte Meg.
„Ja das ist es wohl.“ Nickte Ben und sah Meg an „Meg, würden Sie mich morgen Abend begleiten?“
„Ich?“ Meg sah Ben überrascht an.
„Ja, ich würde mich freuen, wenn Sie mich begleiten würden.“
„Oh, aber ich habe für so einen Anlass gar nicht das passende zum Anziehen mit.“ Meg war ein wenig verlegen.
„Nun, ich denke, das können wir morgen früh noch abändern. Ich selber habe ja auch keinen Smoking eingepackt, aber im Ort finden wir bestimmt noch etwas passendes.“
Meg lächelte „Also gut, ich würde gerne mitkommen.“
Vor ihnen auf dem Weg kam eine vereiste Stelle und Ben griff nach Megs Hand „Lassen Sie mich Ihnen helfen.“
Vorsichtig überquerten die beiden die Eisfläche und obwohl der Weg danach wieder eisfrei war, ließ Ben Megs Hand nicht los. Schweigend gingen die beiden weiter. Plötzlich standen sie vor einem kleinen, zugefrorenen See. Meg blieb stehen und sah sich staunend um. Die Schnee und Eiskristalle glitzerten in der Wintersonne, als wenn alles mit unzähligen, kleinen Diamanten betreut wäre.
„Oh Ben, ist das nicht zauberhaft?“ Meg konnte ihre Begeisterung nicht zurück halten.
Ben stand nur da und sah Meg an. Er beobachtete Meg, wie sie sich an der Aussicht erfreute und ihre Augen mit der weißen Winterlandschaft um die Wette strahlten. Bei diesem Anblick zog sich ihm der Magen zusammen und er musste zweimal schlucken, bevor er ein Wort herausbrachte.
„Meg!“ Es war fast nur ein Flüstern.
Meg drehte sich um und sah Ben an „Ja?“
Ben schaute sie aus seinen blauen Augen an und dieser Blick ging ihr unter die Haut. Plötzlich hatte sie das Gefühl, als wenn ein Schwarm Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzen würde. Sie konnte sich nicht daran erinnern, dass Tim sie jemals so angesehen hatte.
„Meg!“ wisperte Ben noch einmal, bevor er sich vorbeugte und vorsichtig mit seinen Mund über Megs Lippen strich. Als er merkte, dass Megs weiche Lippen nachgaben, ließ er seine Zunge zuerst über Megs Unterlippe wandern, bevor er den Kuss vertiefte und Meg in seine Arme zog.
Ein kleiner Seufzer entwich Meg, bevor auch sie ihre Arme um Ben schlang und beide alles um sich herum vergaßen. Als sie sich schließlich wieder von einander lösten, strich Ben Meg zärtlich eine ihrer dunklen Haarsträhnen aus dem Gesicht.
„Du bist wunderschön.“
Verlegen lächelte Meg „Danke.“
Ben zog Meg wieder an sich und küsste ihre Stirn „Es wird langsam kalt. Was hältst Du davon, wenn wir langsam wieder zurück gehen und es uns mit einem heißen Tee vor dem Kamin gemütlich machen?“
„Das hört sich gut an.“ Lächelte Meg und Arm in Arm gingen sie zur Hütte zurück. Der Rückweg dauerte wesentlich länger, da sie zwischendurch immer wieder stoppten, um sich zu küssen.
Kapitel 09
Als Meg am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich glücklich, wie schon lange nicht mehr. Obwohl Bens Kuss am See sie gestern zuerst überrascht hatte, hatte sie sofort das Gefühl gehabt, dass dieser Kuss richtig war und das Ben der Mann war, nach dem sie ihr ganzes Leben lang gesucht hatte. Letzte Nacht hatten sie beide lange am Kamin gesessen und über ihre Träume und Wünsche gesprochen. Meg wusste noch nicht, was die Zukunft bringen würde und ob es für sie eine Zukunft mit Ben geben würde, aber sie hatte beschlossen, das hier und jetzt zu genießen.
Schwungvoll stand sie auf und begann sich für den Tag fertig zu machen. Ben und Meg hatten gestern beschlossen, heute nach Grand Lake zu fahren, um einzukaufen. Nach kurzen Überlegen, holte sie eine Jeans und ein Sweatshirt aus dem Kleiderschrank und kleidete sich an.
Fröhlich vor sich hin pfeifend setzte Ben die Kaffeemaschine in Gang. Er war schon im Hauptgebäude gewesen und hatte einiges zum Frühstück geholt. In den letzten Tagen hatten er und Meg ja immer bei Mrs. Brown in der Küche gefrühstückt, doch heute wollte er lieber mit Meg alleine sein.
Als er hinter sich hörte, wie sich die Tür zu Megs Zimmer öffnete, drehte er sich um und lächelte Meg an.
„Guten Morgen, ich hoffe, Du hast gut geschlafen?“
„Ja danke, sehr gut.“ Meg sah sich um und bemerkte den fertig gedeckten Frühstückstisch „Oh, Du hast das Frühstück schon fertig. Seit wann bist Du denn schon auf?“
Ben trat einen Schritt auf Meg zu und strich ihr zärtlich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht „Ich bin schon früh aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen. Immer wenn ich die Augen geschlossen habe, habe ich Dein hübsches Gesicht vor mir gesehen.“
„Oh, muss ich dann jetzt ein schlechtes Gewissen bekommen, weil ich Dich um Deinen Schlaf gebracht habe?“ Meg sah Ben in die Augen.
Ben schüttelte leicht seinen Kopf „Nicht wenn ich gleich einen Kuss von Dir bekomme.“
„Na dann.“ Meg stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küsste Meg zärtlich auf den Mund. Ben schlang seine Arme um Meg und zog sie fester an sich heran und vertiefte den Kuss.
Als sie sich schließlich von einander lösten, lächelte Ben „So, das war eine gute Entschädigung. Und nun setzt Dich, dann können wir frühstücken, bevor wir nach Grand Lake fahren.“
Meg setzte sich und nahm sich eins von den Zimtbrötchen, die Mrs. Brown am morgen frisch gebacken hatte. Ben schenkte Meg und sich zuerst von dem Kaffee ein, bevor auch er sich setzte.
„Ich bin schon ganz aufgeregt wegen heute Abend.“ Sagte Meg, während sie sich Butter auf das Brötchen strich „Der einzigste Ball, den ich bisher mitgemacht habe, war der Abschlussball meiner Highschool. Du hast da bestimmt schon mehr Erfahrungen, als ich.“
Ben lächelte „Ja, ein paar mehr Bälle habe ich schon mitgemacht, aber noch keinen mit Dir.“
Meg lächelte „Woher kommt das eigentlich, dass Du immer die richtigen Worte findest?“
Ben zuckte mit seinen Schultern „Ich weiß auch nicht, aber wenn ich Dich sehe, brauche ich nicht lange darüber nachdenken.“
Meg biss in ihr Brötchen „Ich frage mich, was mit den Frauen in Kalifornien eigentlich los ist. Ein Mann wie Du....und dann ungebunden.“
„Nun, an Bewerberinnen hat es weiß Gott nicht gemangelt, besonders nachdem bekannt wurde, dass Maria und ich uns getrennt hatten, aber mich hat keine der Frauen interessiert.“ Ben nahm einen Schluck von seinem Kaffee „Und nun interessiert mich nur noch eine Frau.“
Meg errötete leicht „Ben Du machst mich ganz verlegen. Ich weiß jetzt gar nicht, was ich sagen soll.“
Ben lächelte „Du brauchst nicht verlegen zu sein. Tatsache ist, dass Du mich vom ersten Augenblick an fasziniert hast. Da war so etwas trauriges in Deinem Blick, aber das ist jetzt zum Glück verschwunden.“
„Und das ist ganz allein Dein Verdienst.“ Lächelte Meg „Ich habe mich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt, wie hier bei Dir.“
Ben griff nach Megs Hand und drückte sie „Und ich werde alles dafür tun, dass es so bleibt.“
„So, jetzt sollten wir aber zusehen, dass wir fertig werden. Ich hoffe nur, dass wir in Grand Lake ein paar schöne Geschäfte finden.“ Meg schob sich das letzte Stück von ihrem Brötchen in den Mund.
„Keine Angst, Mrs. Brown hat mir da ein paar Adressen gegeben.“ Ben holte einen Zettel aus seiner Hosentasche.
„Oh gut, ist da zufällig auch ein Frisör dabei?“ wollte Meg wissen.
Ben sah auf die Liste und schüttelte seinen Kopf „Das nicht, aber ich bin mir sicher, dass wir einen finden werden. So groß ist der Ort ja auch nicht.“
„Gut“ nickt Meg.
Sie beendeten das Frühstück und gemeinsam wuschen sie ab, bevor sie ihre Hütte verließen und mit Bens Landrover nach Grand Lake fuhren.
Kapitel 10
Nervös zupfte Ben ein weiteres Mal an seiner Fliege. Durch die verschlossene Tür hatte Meg ihm versichert, dass sie gleich soweit sei. Er war schon ganz gespannt, denn in Grand Lake hatte Meg darauf bestanden, dass sie alleine auf die Such nach einem geeigneten Kleid ging. Ben fasste erneut in die Tasche seiner Smokingjacke und prüfte nach, ob die Schatulle noch dort war. Als er hörte, wie sich Megs Zimmertür öffnete, drehte er sich um und starrte sie an.
Meg stand im Türrahmen und sah einfach atemberaubend aus. Sie trug ein Kleid aus dunkelblauen Pannesamt, das ihr bis zu den Knöcheln reichte. Es hatte einen schmalen Stehkragen und war ärmellos. Durch den schmalen Schnitt schmiegte sich der Stoff perfekt an Megs schlanken Körper und brachte jede Rundung perfekt zur Geltung. Megs Füße steckten in Pumps in der gleichen Farbe wie das Kleid. Die dunklen Locken hatte sie hochgesteckt und nur ein paar Strähnen ringelten sich frei in ihrem Nacken.
Ben musste erst einpaar mal schlucken, bevor er einen Ton herausbrachte.
„Wow, Du siehst phantastisch aus.“ Stieß er schließlich hervor.
„Danke“ lächelte Meg und musterte Ben von Kopf bis Fuß. Auch er sah in seinem Smoking umwerfend aus „Du siehst aber auch gut aus.“
„Danke“ Ben trat einen Schritt vor und hauchte Meg vorsichtig einen zarten Kuss auf die Wange „Ich habe hier noch etwas für Dich, dass Dein Outfit perfekt abrunden wird.“
„Was denn?“ Meg sah an sich herab und bemerkte gar nicht, wie Ben die Schatulle aus seiner Tasche holt.
„Schließ die Augen.“ Ordnete er an und trat hinter Meg. Dann öffnete er die Schatulle und holte eine schmale Goldkette, mit einer einzelnen Perle als Anhänger hervor. Vorsichtig legte er Meg die Kette um.
Noch bevor Meg die Augen öffnete, tastete sie nach dem Anhänger „Ben, jetzt weiß ich gar nicht was ich sagen soll...“
„Gar nichts, jetzt ist es fast perfekt.“ Lächelte er.
Meg ging schnell in ihr Zimmer zurück und betrachtete sich im Spiegel „Ben die Kette ist wunderschön, aber ich kann sie nicht annehmen.“
„Aber warum denn nicht? Sie passt perfekt zu Dir und Deinem Kleid.“
Meg nickte „Das stimmt, aber Du kannst mir doch nicht einfach ein Kette schenken.“
„Da hast Du wohl recht.“ Nickte Ben und öffnete noch einmal das Kästchen „Hier ist auch noch ein passendes Paar Ohrringe dazu.“
Als Meg die Ohrstecker in der Schatulle liegen sah, schlug sie ihre Hand vor den Mund „Ben....“
„Bitte Meg, ich möchte Dir gerne dies zum Geschenk machen....“
Meg seufzte „Na gut. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich schon geärgert, dass ich meinen Schmuck zu Hause gelassen habe.“
„So etwas ähnliches habe ich mir schon gedacht.“ Nickte Ben „Darum habe ich das heute für Dich gekauft.“
Meg nahm die Ohrstecker aus der Schatulle und steckte sie an „Ben, Du weiß, wie man eine Frau verwöhnt. Danke.“
Sie drehte sich zu Ben um und küsste ihn.
Nur widerwillig löste sich Ben von ihr „Wir sollten jetzt gehen. Ron hat mir vorhin noch einmal gesagt, dass sie ohne uns nicht anfangen.“
Meg griff nach ihrer Handtasche „Na dann los, lassen wir sie nicht länger warten.
Eine viertel Stunde später betraten die beiden, dem zum Ballsaal umfunktionierten Speisesaal. Der Raum war festlich geschmückt. Ein großer, prächtig herausgeputzter Weihnachtsbaum stand in einer Ecke. An der langen Wand war ein großes Buffet aufgebaut und runde Tische luden zum Verweilen ein.
„Mr. Evans, Miss Cummings,“ begrüßte Ron die beiden „es freut uns, dass Sie gekommen sind. Darf Sie zu Ihrem Tisch führen?“
„Guten Abend Ron.“ Nickte Ben dem jungen Mann zu.
„Wenn ich bitten darf.“ Ron ging voraus und Ben und Meg folgten ihm zu einen der Tische. Dort saß bereits Mrs. Brown mit einem Mann in ihrem Alter.
Ben reichte Mrs. Brown die Hand „Guten Abend Mrs. Brown.“
„Guten Abend Mr. Evans. Darf ich Ihnen meinen Mann vorstellen?“ lächelte diese „Das ist Edgar. Edgar das sind Mr. Evans und Miss Cummings.“
Edgar stand auf und begrüßte Ben und Meg „Sie sind also der neue Boss von meiner Frau. Sie schwärmt in den höchsten Tönen von Ihnen.“
Mrs. Brown versetzte ihrem Mann einen Rippenstoß „Edgar, was soll Mr. Evans denn nun von mir denken.“
„Das Sie unbezahlbar sind, Mrs. Brown.“ Lächelte Ben und rückte Meg ihren Stuhl zurecht. Dann setzte auch er sich.
Ron war inzwischen an das Mirkophon getreten „Darf ich einen Moment um Eure Aufmerksamkeit bitten?“ Er wartete einen Augenblick, bis Ruhe eingekehrt war „Danke. Ich will auch keine lange Rede halten. Allerdings möchte ich einen besonderen Gast begrüßen und zwar Mr. Ben Evans von der Liberty Corporation. Wie Ihr ja alle wisst, hat diese Firma vor ein paar Wochen unser Resort übernommen. Einigen von Euch ist Mr. Evans bestimmt auch schon in den letzten Tagen begegnet, andere sehen Ihn heute zum ersten Mal. Vielleicht möchten Sie ein paar Worte loswerden, Mr. Evans?“
Ben stand auf und ging zu Ron hinüber „Nun, darauf bin ich jetzt gar nicht vorbereitet, aber ein paar Worte möchte ich dennoch loswerden. Ich bin ja, wie Ron gerade schon erwähnte, ein paar Tage hier und habe mir versucht einen Überblick über das Resort zu verschaffen. Und ich muss sagen, Sie alle leisten hervorragende Arbeit, die Anlage ist in einem Top Zustand. Ich kann mir vorstellen, dass einige von Ihnen befürchten, dass es hier schwerwiegende Veränderungen geben wird, aber da kann ich Sie beruhigen. Ich habe nicht vor, hier irgendwas zu ändern. So und nun genug der Wort, ich wünsche Ihnen, nein uns allen, viel Vergnügen.“
Die Angestellten spendeten Applaus und Ben ging lächelnd zu Meg zurück und setzte sich wieder.
„Danke Mr. Evans, ich denke, das waren genau die Wort, auf die alle heute Abend gewartet hatten. Und nun erkläre ich das Buffet für eröffnet und es darf auch getanzt werden.“