Eine Braut zu Weihnachten
Kapitel 01
Ben Evans zog fröstelnd die Schultern ein und eilte durch den Schneeregen vom Taxi in das Flughafengebäude in Kansas City. Obwohl seine Reise geschäftlich ein Erfolg gewesen war, war er doch froh, dass her heute nach Kalifornien, nach Sunset Beach zurückkehren konnte. Er liebte das warme Klima dort, den Ozean, die Sonnenuntergänge und sein Haus am Strand, auch wenn es ihm, nach seiner Scheidung von Maria vor fast zwei Jahren, manchmal ein wenig leer vorkam.
Er betrat das Gebäude und wunderte sich nicht, dass hier Anfang Dezembern Hochbetrieb herrschte. Er konnte verstehen, dass die Leute diesem kalten ungemütlichen Wetter entfliehen wollten, dennoch war er froh, dass er nicht einen von diesen vollausgebuchten Fliegern besteigen musste, sondern bequem mit dem Firmenjet der Liberty Corporation nach Hause fliegen konnte.
Mit raschen, festen Schritten durchquerte er die Halle, um zum Abfertigungsschalter für Privatflugzeuge zu gelangen. Dabei war er in seine Gedanken vertieft, dass er die junge Frau, die direkt auf ihn zulief zu spät bemerkte und einen zusammen Stoß nicht mehr verhindern konnte.
„Entschuldigung“, schluchzte die junge Frau und sah Ben mit tränengefüllten Augen an.
Ben blickte in die kristallblauen Augen der Frau, ehe sein Blick weiter an ihr hinab wanderte. Er zog ein sauberes Taschentuch aus seiner Jackentasche und reichte es der Frau.
„Es ist ja nichts passiert.“
Dankbar nahm die junge Frau das Taschentuch entgegen und versuchte ihre Tränen zu trocknen.
„Danke“, versuchte sie dabei zu lächeln.
„Geht es wieder?“ erkundigte Ben sich besorgt.
„Ich denke schon“, nickte die junge Frau, brach dann aber wieder in Tränen aus. „Entschuldigen Sie bitte, aber ich habe einfach einen schrecklichen Tag hinter mir.“
Ben sah sich um. Er konnte die Frau, die sichtlich aufgelöst und am Ende schien, nicht einfach so sich selber überlassen.
„Kommen Sie, dort drüben können wir uns einen Moment setzten, bis Sie sich wieder ein wenig beruhigt haben.“
Schweigend ließ sich die Frau von Ben zu einer Gruppe von Sesseln führen und setzte sich ein wenig erleichtert.
„Danke“, erneut begann sie ihre Tränen zu trocken. „Sie müssen mich für völlig verrückt halten.“
„Warum?“ Ben setzte sich neben ihr.
„Nun, weil ich hier völlig aufgelöst in einem Brautkleid rumlaufe“, erklärte die Frau. „Eigentlich sollte heute der schönste Tag in meinem Leben sein, aber er hat sich zum größten Albtraum entwickelt.“
„Darf ich fragen, was passiert ist?“ erkundigte Ben sich vorsichtig.
Die Frau nickte. „Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, wollte ich heute eigentlich heiraten.“
Diesmal war es an Ben kurz zu nicken.
„Nun ja“, fuhr die Frau fort. „kurz vor der Trauung habe ich meinen Verlobten mit meiner besten Freundin erwischt. Anscheinend läuft da schon länger etwas zwischen ihnen und so wie es sich anhörte, hatten sie auch nicht vor, nach der Hochzeit damit aufzuhören.“
Ben war entsetzt. „Eine schlimme Geschichte. Aber ich kenne das Gefühl. Ich habe meine Frau mit einem andern Mann in unserem Bett erwischt, als ich eines Tages nach Hause kam.“
Die Frau nickte. „Ja, ich habe mich dann sofort in mein Auto gesetzt und bin losgefahren. Ich wollte einfach nur weg von dort. Irgendwie bin ich dann hier gelandet. Dann wollte ich den ersten Flug nehmen, der Kansas City verlässt, aber bis morgen ist alles ausgebucht.“
„Haben Sie denn ein bestimmtes Ziel?“ erkundigte Ben sich.
Die Frau schüttelte ihren Kopf. „Nein, fürs erste will ich einfach nur weg von hier.“
Ben räusperte sich. „Nun, wir kennen uns zwar nicht, aber ich kann Ihnen einen Platz in meinem Firmenjet anbieten. Der Flug geht nach Kalifornien.“
„Kalifornien?“ nun erreichte das Lächeln der Frau zum ersten Mal ihre Augen. „Dort wollte ich immer schon mal hin.“
„Gut“, nickte Ben. „Mein Name ist übrigens Ben Evans.“
Er reichte der Frau die Hand.
„Meg Cummings“, Meg ergriff Bens Hand und war überrascht, wie angenehm sein Händedruck war.
„Wenn Sie kurz hier auf mich warten, gehe ich eben nachsehen, ob unser Jet startklar ist.“
Meg nickte. „Danke Mr. Evans.“
Kapitel 02
Wenig später saß Meg, etwas eingeschüchtert, in einem bequemen Ledersessel, der nicht die geringste Ähnlichkeit mit einem Sitz in einer normalen Passagiermaschine hatte.
„Sie sollten sich anschnallen, wir starten jetzt“, riss sie die Stimme von Ben Evans sie aus ihren Gedanken.
„Oh ja natürlich“, Meg griff nach dem Gurt und legte ihn an. Dann startete sie gebannt aus dem kleinen Fenster und sah zu, wie die Maschine anrollte, immer schneller wurde und schließlich abhob. Sie drückte ihre Stirn gegen die Scheibe und warf einen letzten Blick auf die Landschaft unter sich, die immer kleiner wurde.
„Na fällt der Abschied doch schwer?“
Meg drehte sich um und sah Ben ein. „Nein nicht wirklich. Ich werde natürlich meine Familie vermissen, aber das wird auch schon alles sein. Schon alleine der Gedanke, ich müsste weiterhin in der Nähe von Tim leben treibt mir Schauer über den Rücken.“
Ben nickte verstehend und stand auf. „Darf ich Ihnen etwas anbieten? Kaffee, Tee oder lieber etwas hochprozentiges?“
„Ein Tee täte bestimmt gut.“
„Eine gute Wahl“, lächelte Ben und ging in die kleine Küchenecke hinüber. Er füllte einen Wasserkocher mit frischem Wasser und stellte diesen an. Dann nahm er zwei Tassen und eine Teekanne aus dem Schrank und stellte alles auf ein Tablett. Dann gab er etwas Tee in ein Teesieb und hängte dieses in die Kanne. Er stellte auch noch eine kleine Zuckerdose und ein Kännchen mit Sahne auf das Tablett und im Schrank entdeckte er noch ein Päckchen mit Keksen, das er auch noch auf dazu legte. Sobald das Wasser kochte, brühte er den Tee auf und trug das Tablett zu Meg hinüber und stellte es auf den kleinen Tisch vor ihr ab.
Nachdem der Tee einige Minuten gezogen war, füllte Ben zwei Tassen und reichte eine davon Meg.
„Bitte schön.“
„Danke“, lächelte Meg und trank vorsichtig einen kleinen Schluck und entspannte sich immer mehr. „Das tut wirklich gut.“
Ben lehnte sich entspannt zurück. „Da kann ich als Engländer nur zustimmen.“
„Ah daher stammt also ihr Akzent, ich hab mich schon gewundert.“
„Hört man den immer noch?“ Ben rollte mit den Augen.
Meg nickte. „Ja, aber ich finde das nicht schlimm, ganz im Gegenteil, er wirkt eher interessant.“
„Gut zu wissen“, lächelte Ben.
Ein paar Minuten schwiegen beide, dann räusperte Ben sich.
„Habe Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, was sie in Kalifornien machen werden?“
Meg zuckte mit den Schultern.
„Erst mal muss ich zusehen, dass ich eine bezahlbare Unterkunft finde und einen Job.“
„Vielleicht kann ich Ihnen da helfen“, Ben holte eine seiner Visitenkarten hervor. „Mir gehören ein Internet Café und ein Nachtclub und ich kann eigentlich immer Hilfe gebrauchen. Rufen Sie mich in den nächsten Tagen einfach mal an.“ Er reichte Meg die Karte, die sie dankbar annahm und Ben freute sich darüber, denn je mehr Zeit er mit Meg verbrachte, umso mehr fühlte er sich zu ihr hingezogen. Ein Gefühl das er schon seit langer Zeit nicht mehr kannte.
„Danke Mr. Evans, ich weiß gar nicht, wie ich das wieder gut machen soll.“
„Nun“, lächelte Ben. „fangen Sie doch einfach damit an, dass Sie mich Ben nennen.“
„Gern und ich bin Meg.“
Den Rest des Fluges plauderten sie unbefangen miteinander und Meg war überrascht, als sie schon in Sunset Beach landeten. Als das Flugzeug stand, schnallte sie sich ab und lächelte Ben dankbar an.
„Nochmals vielen Dank für Ihre Hilfe Ben. Auch für das Jobangebot. Ich werde mich sobald wie möglich bei Ihnen melden.“
„Es freut mich,
dass ich Ihnen ein wenig helfen konnte. Übrigens ist das Seabreeze- Motel ein nettes, sauberes und günstiges kleines Hotel in
Strandnähe, das ich Ihnen empfehlen kann. Vielleicht sollten Sie versuchen, fürs
erste dort ein Zimmer zu bekommen und dann melden Sie sich einfach in ein
paar Tagen bei mir, wegen des Jobs.“
Ben ging voran und öffnete die Tür des Jets und klappte die kleine Leiter hinunter. Dann trat er einen Schritt zur Seite, damit Meg aussteigen konnte.
Meg ging auf die Tür zu, blieb dann aber mit ihrem Absatz im Saum des Kleides hängen, kam ins straucheln und als sie sich abfangen wollte, knickte sie mit dem rechten Fuß um und ein stechender Schmerz durchzuckte sie.
„Autsch!“
„Haben Sie sich verletzt?“ Ben half Meg beim Aufstehen.
„Ich weiß nicht“, vorsichtig setzte Meg ihren Fuß auf, nur um ihn gleich wieder anzuheben. „Ich fürchte, ich habe mir den Fuß verstaucht oder so.“
Kurzentschlossen hob Ben Meg in seine Arme hoch. „Ich bringe Sie am besten gleich zum Arzt.“
Meg errötete „Nun mache ich Ihnen noch mehr Umstände.“
„Kein Problem und ich kann Sie ja schließlich nicht hier in meinem Flugzeug sitzen lassen oder?“
Vorsichtig trug er Meg die kleine Treppe hinunter und zu seinem Auto, das direkt neben dem Privathanger parkte.
Kapitel 03
„Ben, es ist ja gut von Ihnen gemeint, aber Sie sollten mich wirklich ins Hotel bringen. Ich mache Ihnen doch nur unnötig Umstände.“
Ben sah Meg an. „Sie machen mir keine Umstände und außerdem haben Sie doch gehört was Dr. Robinson Ihnen gesagt hat. Ihr Fuß ist verstaucht und Sie sollen ihn ein paar Tage schonen. Da kann ich Sie ja schließlich nicht alleine im Hotel sitzen lassen. Außerdem habe ich ein großes Gästezimmer, dass Sie gerne für einige Zeit bewohnen können.“
Meg seufzte ergeben. „Ich merke schon, ich komme gegen Sie nicht an.“
Ben lächelte. „Nein, da haben Sie keine Chance.“
Er stieg aus und ging um den Wagen herum, öffnete die Beifahrertür und hob Meg hinaus.
„Ich könnte wenigstens versuchen zu laufen“, wandte Meg ein.
Ben schüttelte seinen Kopf. „Morgen vielleicht. Heute schonen Sie ihren Fuß.“
„Aber was werden Ihre Nachbarn denken, wenn sie sehen, dass Sie eine Frau im Brautkleid in ihr Haus tragen?“
Ben hielt einen Moment inne und grinste dann. „Das beste was mir passieren könnte. Ich habe nämlich eine Nachbarin, die schon seit langer Zeit hinter mir her ist. Ich mag sie zwar, aber nur als gute Freundin und nicht mehr. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich will Sie auf keinen Fall benutzen, um Annie das endlich klar zu machen.“
„Naja, vielleicht klappt es ja und ich kann mich so wenigstens ein bisschen bei Ihnen revanchieren.“
An der Haustür angekommen, setzte Ben Meg kurz ab, um aufzuschließen. Dann hob er sie wieder hoch und trug sie über die Schwelle und genau in diesem Augenblick hörten sie einen Aufschrei hinter sich.
„Ben! Wie konntest Du nur?“
Langsam drehte Ben sich um. „Wie konnte ich was, Annie?“
„Heiraten natürlich und dazu noch eine ganz Fremde“, Annie stemmte ihre Hände in die Hüften und funkelte Ben wütend an. „Dabei weißt Du doch seit langem, was ich für Dich empfinde und wenn Du nicht so stur wärst, dann hätte ich Dir das auch schon längst zeigen können.“
Ben seufzte und Meg legte ihre Arme fester um seinen Hals. „Annie, darüber haben wir doch schon tausendmal gesprochen…“
„Und ich habe Dir tausendmal gesagt, dass ich Dich liebe“, antwortete Annie starsinnig.
„Annie Du liebst nicht mich, sondern die Idee, in mich verliebt zu sein, also lass es bitte“, entgegnete Ben.
„Liebling, willst Du uns nicht mal einander vorstellen?“ sagte Meg dann in die Stille hinein, denn sie konnte spüren, wie angespannt Ben mit einmal war und dass er sich nur mühsam beherrschen konnte.
Einen Augenblick sah Ben Meg überrascht an, dann lächelte er. „Meg, das ist Annie Douglas, unsere Nachbarin und eine gute Freundin von mir. Annie das ist Meg.“
„Nett Sie kennen zu lernen“, nickte Meg Annie zu.
Annie runzelte die Stirn. „Das kann ich nicht sagen!“
„Annie!“ Bens Tonfall wurde scharf und ungehalten. „Hör bitte sofort auf damit.“
„Aber Ben“, begann Annie erneut.
„Kein aber mehr Annie“, fiel Ben ihr ins Wort. „Für heute habe ich genug von Dir und nun entschuldige bitte.“
Bevor Annie noch etwas erwidern konnte, schob Ben die Haustür zu. Dann trug er Meg in sein Wohnzimmer und setzte sie auf dem Sofa ab.
„Danke, aber das hätten Sie nicht tun brauchen, Meg.“
Meg lächelte „Es war mir ein Vergnügen. Ich hoffe nur, die Sache wird für Sie kein Nachspiel mehr haben.“
Ben zuckte mit den Schultern. „Nun, wenn Sie das ganze ihrer Tante erzählt, dann wird morgen im Sunset Sentinel zu lesen sein, dass ich geheiratet habe, aber irgendwie biege ich das schon wieder hin.“
Dann begann Ben leise zu lachen. „Aber ich muss zugeben, Annies Gesichtsausdruck war einmalig.“
Auch Meg lachte. „Ja, aber sie hat sich erstaunlich schnell wieder im Griff.“
Ben nickte. „So, nun hole ich erst mal etwas Eis für ihren Fuß und dann zeige ich Ihnen das Gästezimmer.“
Kapitel 04
Hals über Kopf war sie dann zum Flughafen gefahren, um einfach nur wegzukommen, egal wohin. Dort hatte sie dann Ben Evans getroffen, der ihr angeboten hatte, sie in seinem Jet nach Kalifornien mitzunehmen. Obwohl Ben ein Fremder war, hatte Meg sich vom ersten Augenblick ihrer Begegnung, sicher und wohl gefühlt in seiner Gesellschaft. Darum hatte sie auch nicht gezögert, sein Angebot anzunehmen und war mit ihm nach Sunset Beach geflogen.
Allerdings war ihr dann dieses Malheur passiert. Als sie aus dem Flugzeug aussteigen wollte, war sie mit ihrem Absatz im Saum ihres Hochzeitskleides, das sie immer noch trug, hängen geblieben und bei dem Versuch sich abzufangen umgeknickt. Ben hatte sie dann sofort ins Krankenhaus gefahren, wo festgestellt wurde, dass sie sich den Fuß verstaucht hatte. Anstatt sie nun in ein Hotel zu bringen, hatte Ben darauf bestanden, dass sie erst mal bei ihm in seinem Haus, im Gästezimmer wohnte.
Gestern Abend hatte er sich dann noch rührend um sie gekümmert und dafür gesorgt, dass sie ihren Fuß mit Eis gekühlt hatte. Schließlich hatte er ihr noch einen von seinen Pyjamas gegeben, dessen Oberteil sie anstatt eines Nachthemdes angezogen hatte. Sie war ja ganz ohne Gepäck gereist und heute musste sie unbedingt zusehen, dass sie sich einige Sachen kaufte. Ihre Mutter hatte ihr schnell noch den großzügigen Scheck zugesteckt, der als Hochzeitsgeschenk für sie und Tim gedacht war, bevor sie die Kirche verlassen hatte. Dieses Geld würde fürs erste reichen, aber sie musste sich trotzdem so schnell wie möglich einen Job suchen. Ben hatte ihr auch schon einen Job in seinem Nachtclub angeboten, aber er bestand darauf, dass sie ihren Fuß vorerst noch schonte.
Meg setzte sich im Bett auf, als es an der Tür klopfte.
„Ja bitte“, antwortete sie und die Tür öffnete sich.
„Guten Morgen Meg, ich hoffe, Sie haben gut geschlafen“, Ben betrat mit einem Frühstückstablett das Zimmer und stellte es auf den Nachttisch neben Megs Bett ab.
„Guten Morgen Ben“, lächelte Meg. „Das nenne ich einen Service, aber es wäre doch nicht notwendig gewesen.“
Ben erwiderte ihr Lächeln. „Vielleicht nicht, aber ich habe es gerne gemacht.“
Meg brach sich ein Stück von dem frischen Crossaint ab und schob es in ihren Mund. „Gestern Abend haben Sie mich schon mit einer so tollen Pasta verwöhnt. Passen Sie bloß auf, sonst will ich ihr am Ende gar nicht mehr weg.“
‚Wogegen ich nichts einzuwenden hätte’, dachte Ben und sah Meg intensiv an. Dann räusperte er sich. „Ich muss gleich für einige Zeit ins Büro, aber wenn ich zurückkomme, werde ich Ihnen etwas zum anziehen mitbringen. Sie können ja schließlich nicht die ganze Zeit in ihrem Brautkleid rumlaufen oder in meinem Pyjama.“ Wobei er gegen das letztere Kleidungsstück nichts einzuwenden hätte.
„Ein T-Shirt und eine Jeans genügen für den Anfang, den Rest kann ich mir dann alleine besorgen“, nickte Meg. „Außerdem werde ich nachher mal bei meinen Eltern anrufen und meine Mutter bitten, mir meine Koffer nachzuschicken. Tim und ich wollten die Flitterwochen auf Hawaii verbringen, da sollten die Sachen, die ich eingepackt habe, auch für Kalifornien recht sein.“
„Geben Sie mir doch die Adresse ihrer Eltern und ich organisiere einen Kurierdienst, der ihr Gepäck holt. Das geht am schnellsten“, schlug Ben vor.
„Eine gute Idee“, nickte Meg. „Haben Sie einen Stift und einen Zettel? Dann schreibe ich Ihnen die Adresse auf.“
Ben zog die Schublade es Nachttischs auf und holte einen Notizblock und einen Kugelschreiber heraus und reichte beides Meg.
„Danke“, Meg schrieb die Adresse ihrer Eltern auf und reichte Ben den Zettel. „Ich rufe sie aber trotzdem an, damit sie bescheid wissen.“
Ben nickte. „Natürlich. Sie können Ihren Eltern auch gerne meine Telefonnummer geben, damit sie Sie jederzeit erreichen können.“
„Danke, das werde ich machen.“
„Gut“, Ben steckte den Zettel mit der Adresse ein. „Ich muss jetzt erst mal ins Büro, werde aber so schnell wie möglich zurück sein. Fühlen Sie sich ganz wie zu Hause.“
Meg lächelte. „Damit werde ich wohl kaum Probleme haben. Sie machen es einem leicht, sich wohl zu fühlen.“
„Gut“, lächelte Ben. „Bis später dann.“
Damit zog er die Tür hinter sich zu.
Kapitel 05
„Cummings“, hörte sich kurz darauf die Stimme ihrer Mutter.
„Hi Mom, ich bin’s Meg.“
„Meg Liebling. Wie geht’s Dir und wo bist Du?“
„Mir geht es gut Mom, keine Sorge und ich bin in Sunset Beach, in Kalifornien.“
„Sunset Beach? Wie kommst Du denn dort hin?“
„Ich habe gestern am Flughafen einen Mann kennen gelernt und er hat mir angeboten, mich in seinem Privatjet nach Kalifornien mitzunehmen.“
„Meg, Du kannst doch nicht einfach mit einem wildfremden Mann nach Kalifornien fliegen!“
„Mom, bitte beruhige Dich. Ben ist ein sehr netter und einfühlsamer Mann“, erklärte Meg und erzählte ihre Mutter mit einigen Worten, wie sie Ben kennen gelernt hatte.“
Joan seufzte. „Hoffentlich hast Du keinen Fehler gemacht, einfach so einem Fremden zu vertrauen.“
„Nein, da bin ich mir ganz sicher.“ Meg machte eine kurze Pause. „Ben gibt mir irgendwie ein Gefühl von Sicherheit, wenn er in meine Nähe ist. Er ist ein ganz besonderer Mann.“
„Sei trotzdem vorsichtig Meg. Du hast gerade eine große Enttäuschung hinter Dir.“
„Ja Mom, aber mir ist auch etwas klar geworden.“
„Was denn?“
„Ich habe Tim nicht wirklich geliebt, jedenfalls nicht so, wie eine Frau einen Mann lieben sollte, wenn sie den Rest ihres Lebens mit ihm zusammen sein will. Tim und ich waren schon als Kinder befreundet und irgendwie haben alle von uns erwartet, dass wir heiraten. Und wir haben nicht weiter darüber nachgedacht. Wenn ich nun aber darüber nachdenke, wird mir immer klarer, dass Tim nichts anderes als ein guter Freund für mich war.“
„Okay Meg und wie lange willst Du in Kalifornien bleiben?“
„Ich weiß es noch nicht Mom, aber vorläufig komme ich nicht wieder zurück. Ich will mir ein neues Leben aufbauen.“
„Du wirst uns auf jeden Fall fehlen.“
„Ihr mir ja auch Mom, aber irgendwann komme ich Euch besuchen und irgendwann können Du und Dad ja mich auch hier besuchen.“
„Na gut, lass es uns aber wissen, falls Du noch etwas brauchst. Geld zum Beispiel.“
„Danke Mom, aber Du hast mir ja gestern schon den Scheck gegeben. Ich werde mir hier einen Job suchen. Aber ich brauche meine Sachen. Ben organisiert einen Kurierdienst, der meine Koffer abholen soll. Gib sie einfach mit. Wenn ich noch etwas brauche, melde ich mich wieder.“
„Gut mache ich. Und Du gib gut auf Dich Acht.“
„Mache ich. Ich liebe Dich und Dad. Grüß ihn von mir.“
„Das werde ich, obwohl er traurig sein wird, dass er Dich verpasst hat.“
„Ihr könnt mich hier jederzeit anrufen. Die Nummer ist 01254-232356. Hast Du sie Dir notiert?“
„Ja habe ich, danke.“
„Bis bald Mom. Bye.“
„Bye Meg.“
Meg legte auf und seufzte. Sie vermisste ihre Eltern, aber ein Neuanfang war im Moment genau das, was sie brauchte.
Kapitel 06
„Oh Ben, ich hab Sie gar nicht bemerkt.“
Ben lächelte. „Das habe ich gemerkt.“
Vorsichtig kletterte Meg von dem Stuhl hinunter und humpelte zu Ben hinüber.
„Ich hoffe Sie sind nicht verärgert, dass ich Ihr Wohnzimmer ein wenig weihnachtlich geschmückt habe, aber ich habe den Karton mit der Dekoration gefunden und musste einfach etwas tun.“
„Es sieht toll aus“, Ben lies Meg nicht aus den Augen. „Das waren zwar alles Dekoreste, die wir im Deep nicht mehr gebraucht haben, aber es ist toll, was Sie daraus gemacht haben.“
Meg drehte sich lachend im Kreis. „Es hat mir auch großen Spaß gemacht. Jetzt fehlt nur noch ein Weihnachtsbaum.“
„Stimmt“, nickte Ben „wir können ja nachher zusammen einen holen.“
„Das wäre prima.“ Meg konnte ihre Begeisterung nicht verbergen und Ben verspürte ein heftiges Kribbeln im Bauch, als er sie ansah. Plötzlich blieb Meg vor ihm stehen, hob ihren Kopf an und küsste Ben auf die Lippen.
Überrascht sah Ben Meg an und sie fing an zu lachen. „Entschuldigung Ben, aber ich hätte Sie vielleicht vorwarnen sollen, dass ich genau hier oben einen Mistelzweig aufgehangen habe.“
Ben sah nach oben, dann wieder zu Meg. „Das war wirklich nicht fair.“
Er stellte die Einkaufstüten, die er immer noch in den Händen hielt ab und lächelte dann Meg an. „Ich bin dafür, dass wir das noch mal versuchen.“
Er zog Meg in seine Arme und strich erst vorsichtig mit seinen Lippen über die von Meg. Als er spürte, dass ihre Lippen weich und nachgiebig wurden, vertiefte er den Kuss. Mit einem Seufzer legte Meg ihre Arme um Bens Hals und er zog sie noch ein wenig fester an sich.
„Wow“, brachte Meg nur hervor, als sie sich schließlich voneinander lösten.
„Ja wow“, nickte Ben und legte seine Stirn gegen die von Meg. „Entschuldige, aber ich wollte die Situation weder ausnutzen, noch Dich irgendwie bedrängen.“
„Das hast Du nicht“, lächelte Meg. „Weder das eine noch das andere.“
„Gut“, lächelte Ben und zog sie für einen weiteren Kuss wieder an sich.
Als sie sich wieder von einander lösten, sah Ben Meg tief in die Augen.
„Ich denke, wir sollten jetzt aufhören, sonst schaffen wir es heute nicht mehr, einen Weihnachtsbaum zu holen.“
Meg nickte. „Ich glaube Du hast recht. Lass uns besser gleich gehen.“
Ben lachte leise.
„Was ist?“ wollte Meg wissen.
„Nun“, Ben sah an Meg hinunter. „Mir gefällt ja Dein Anblick in meinem Pyjamaoberteil und wenn wir hier zu Hause sind, kannst Du das Teil auch gerne tragen, allerdings solltest Du bevor wir gleich das Haus verlassen vielleicht doch lieber etwas anderes anziehen.“ Er reichte Meg die Einkaufstüten, die er mitgebracht hatte. „Ich hoffe, ich habe Deinen Geschmack getroffen.“
Meg öffnete neugierig die Tüten. „Ben das sind ja mindestens fünf Kleider!“
„Fünf Kleider, zwei Shorts und ein paar Blusen und Tops“, zählte Ben auf.
„Aber das ist doch viel zu viel Ben. Meine eigenen Kleider kommen doch auch noch.“
„Ich habe noch nie gehört, dass eine Frau zu viele Kleider besitzt“, erwiderte Ben und küsste Meg auf die Stirn. „Ich wollte Dich einfach mal ein wenig verwöhnen. Ich habe so das Gefühl, dass hat schon lange niemand mehr für Dich getan.“
Meg lächelte Ben an. „Du verwöhnst mich doch schon die ganze Zeit.“
„Und das macht mir große Freude“, lächelte Ben. „Probier mal das blaue Kleid. Ich wette, die Farbe bringt Deine wunderschönen Augen zum leuchten.“
Meg errötete ein wenig. „Du machst mich ganz verlegen.“
„Dazu hast Du gar keinen Grund.“
„Okay, ich geh mich schnell umziehen und bin gleich wieder da.“
„Ich warte hier auf Dich.“
Kapitel 07
„Bist Du Dir auch sicher, dass es für Deinen Fuß nicht zuviel wird?“ fragte Ben besorgt, als er Meg die Treppe hinunter half.
Meg schüttelte ihren Kopf. „Wirklich Ben, es geht mir gut, sehr gut sogar.“
„Okay, aber sag bescheid, wenn es zu viel wird, dann fahre ich Dich sofort nach Hause.“
Meg lächelte Ben an. „Keine Angst, ich verspreche Dir auch, nicht zu tanzen. Das heben wir uns für ein anderes Mal auf.“
Sie hatten inzwischen das Ende der Treppe erreicht und Meg sah sich interessiert um. Eine Menge Gäste tummelten sich auf der Tanzfläche, andere saßen um die kleinen Tische herum und einige saßen direkt an der Bar.
„Dein Club gefällt mir.“
„Danke“, lächelte Ben. „Dort drüben ist ein Tisch frei, da kannst Du Dich setzten.“
„Gut“, nickte Meg und ließ sich von Ben zu dem kleinen Tisch führen.
Ben rückte Meg den Stuhl zurecht und als sie sich gesetzt hatte, konnte er nicht widerstehen, sie zu küssen.
„Was möchtest Du trinken?“ fragte er Meg schließlich atemlos.
Meg musste sich erst räuspern, bevor sie antworten konnte. „Ein Weißwein bitte.“
„Gut, lauf nicht weg, ich hole uns nur die Getränke und sehe kurz nach, ob alles in Ordnung ist.“
„Und ich werde hier auf Dich warten“, lächelte Meg.
Ben küsste sie noch einmal kurz und ging dann zur Bar hinüber.
„Was war denn das Boss?“ grinste Mark, Bens bester Freund und Barkeeper ihn an.
„Erstens sollst Du mich nicht immer Boss nennen und zweitens geht Dich das gar nichts an“, lächelte Ben und trat hinter die Bar.
„Sie sieht aber nett aus Ben“, stellte Mark ruhig fest.
Ben blickte zu Meg hinüber. „Ja, sie ist fabelhaft.“
„Und hat sie auch einen Namen?“ wollte Mark wissen.
Ben nickte „Natürlich.“
Er drehte sich um und nahm zwei Weingläser und holte den Weißwein aus dem Kühlschrank.
„Ben!“ Mark verdrehte genervt die Augen. „Muss ich Dir alles aus der Nase ziehen?“
Ben lachte „Ach Du wolltest den Namen wissen? Sie heißt Meg. Und nun kümmere Dich lieber wieder um die Gäste.“
„Wird gemacht Boss“, grinste Mark und widmete sich wieder den Gästen an der Bar zu. Er wusste genau, dass Ben ihm mit der Zeit alles erzählen würde.
Ben entkorkte die Weinflasche und füllte die Gläser.
„Dann hat Annie also doch recht gehabt“, hörte er eine weibliche Stimme hinter sich.
Langsam drehte er sich um. „Hallo Bette, mit was hat Annie recht gehabt?“
„Ich wollte es ja nicht glauben, als sie gestern wütschnaubend zurückkam und behauptet hat, dass Du geheiratet hast, aber nun da ich es mit eigenen Augen gesehen habe, muss ich mich wohl bei ihr entschuldigen. Du aber mein Freund, schuldest mir eine Erklärung.“
Ben zog die Augenbrauen in die Höhe. „Warum sollte ich?“
„Einfach heimlich heiraten“, Bette sah Ben empört an. „Aber ich hoffe, ich bekomme wenigstens die Exklusivrechte an der Story. Ich sehe die Schlagzeile schon vor mir: Ben Evans heiratet heimlich unbekannte!“
„Bette bitte“, unterbrach Ben sie. „Ganz so ist es nicht.“
„Was ist nicht ganz so?“ wollte Bette wissen.
„Meg und ich sind nicht verheiratet, jedenfalls jetzt noch nicht“, erklärte Ben.
Nun zog Bette ihre Augenbrauen hoch. „Wie soll ich das denn jetzt verstehen. Annie hat doch mit eigenen Augen gesehen, wie Du sie im Brautkleid über die Schwelle getragen hast.“
„Aber nur, weil sie sich ihren Fuß verstaucht hat“, erklärte Bette und überlegte einen kurzen Moment. „Bette, wenn ich Dich jetzt bitte, nichts davon im Sential zu veröffentlichen, jedenfalls jetzt noch nicht und Dir verspreche, dass Du die Exklusivstory bekommst, sobald Meg und ich wirklich geheiratet haben.“
Bette beugte sich interessier vor. „Erzähl mehr.“
Ben seufzte und erzählte ihr mit wenigen Worten, wie Meg und er sich kennen gelernt haben.
Bette lächelte „Na da scheint Dir ja wirklich die richtige Frau in die Arme gelaufen zu sein. Ich wünsche Dir viel Glück, Du hast es verdient Ben. Aber halte mich bitte auf dem Laufenden.“
„Das werde ich Bette“, nickte Ben „Und nun entschuldige mich bitte.“
„Aber natürlich Ben.“ Sie sah Ben nach, wie er mit den Weingläsern zurück zu Meg ging.
Ein paar Stunden später kehrten Meg und Ben wieder zu Bens Haus zurück und Ben ließ es sich nicht nehmen, Meg wieder ins Haus zu tragen.
„Ben, ich kann wirklich alleine laufen“, protestierte Meg.
„Ich weiß, aber erstens bist Du heute für meinen Geschmack bist Du heute schon zuviel rumgelaufen.“
„Und zweitens?“
„Und zweitens, halte ich Dich viel zu gerne in meinen Armen“, gestand Ben lächelnd.
„Und ich muss zugeben, dass ich mich in Deinen Armen sehr wohl fühle.“
Ben hatte inzwischen mit Meg das Haus betreten und stellte sie nun vorsichtig auf die Füße.
„Weißt Du, wo wir hier stehen?“ fragte er leise.
Meg sah nach oben und wies auf den Mistelzweig. „Natürlich“
„Gut“, lächelte Ben und zog Meg dann für einen leidenschaftlichen Kuss an sich.
Nur widerwillig lösten die beiden sich schließlich atemlos von einander und Ben räusperte sich. „Ich denke, es ist Zeit schlafen zu gehen.“
Er hob Meg wieder in seine Arme und trug sie die Treppe hoch. Vor Megs Zimmer blieb er stehen und wollte sie absetzten, doch Meg protestierte.
„Nein Ben.“
„Nein?“ Ben sah Meg an „Was meinst Du?“
„Ich meine nein, hier will ich heute Nacht nicht bleiben.“
Ben verspürte ein Gefühl der Enttäuschung. „Soll ich Dich in ein Hotel bringen?“
Meg lächelte. „Nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich meinte, ich will heute Nacht nicht alleine in meinem Zimmer bleiben. Ich möchte bei Dir bleiben.“
Ben sah Meg an. „Meg… Weißt Du was Du da vorschlägst? Ich kann Dir nicht garantieren, dass es dann ein zurück gibt.“
Meg schlang ihre Arme um Bens Hals. „Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Ich weiß, dass wir uns noch nicht lange kennen Ben, aber was ich für Dich empfinde, habe ich noch nie für einen Mann empfunden, schon gar nicht für Tim. Und ich habe schon immer an Liebe auf dem ersten Blick geglaubt.“
Nun lächelte Ben. „Ich auch. Und ich liebe Dich, Meg.“
Mit schnellen Schritten trug Ben Meg in sein Schlafzimmer und legte sie vorsichtig auf sein Bett. Meg zog ihn zu sich hinunter und küsste ihn.
In dieser Nacht dauerte es noch lange, bis sie endlich erschöpft in den Schlaf fielen.