Kapitel 06

 

 

 

Ben nahm eine Handvoll Rasierschaum und verteilte diesen gleichmäßig über seine untere Gesichtshälfte. Dann griff er zu seinem Rasierer und begann mit der Rasur. Plötzlich tauchte jemand hinter ihm auf.

„Derek! Du hältst wohl immer noch nichts von anklopfen?“ Ben sah seinen Bruder durch den Spiegel an.

Derek grinste „Wieso? Hast Du etwa etwas vor mir zu verheimlichen?“

„Darum geht es doch nicht“, Ben setzte seine Rasur fort „Es geht ums Prinzip und um Höflichkeit.“

„Immer noch der alte, korrekte Ben“, lächelte Derek.

„Und Du bist anscheinend immer noch der alte Draufgänger“, konterte Ben.

Derek legte seine Hand auf die Schulter seines Bruders. „Es ist schön, Dich wieder zu sehen. Ich hab Dich vermisst.“

Ben beendete seine Rasur. „Ich habe Dich auch vermisst, aber Du weißt auch, dass Du mich jederzeit in Kalifornien besuchen konntest.“

Derek zuckte mit den Schultern. „Ich hatte keine Zeit.“

„Geschäfte?“ Ben wusch sich den letzten Rasierschaum aus dem Gesicht.

„Auch.“

„Also wie immer die Frauen“, lächelte Ben. „Du hast Dich wirklich nicht verändert.“

„Man kann eben nicht aus seiner eigenen Haut raus“, lachte Derek.

„Und wie ich Dich kenne, hast Du Dir natürlich für dieses Wochenende auch eine weibliche Begleitung mitgebracht“, stellte Ben fest.

„Natürlich. Sie heißt Gina und ist ein Klasseweib“, Dereks Augen leuchteten auf.

Ben sah seinen Bruder überrascht an. „Nanu, so einen Blick habe ich ja bei Dir noch nie gesehen, wenn Du über eine von Deinen Freundinnen gesprochen hast.“

„Gina ist ja auch etwas ganz besonderes“, lächelte Derek. „Sie ist wunderschön, hat Klasse und das Temperament ihrer italienischen Großmutter.“

Ben trocknete sich ab und drehte sich dann zu seinem Bruder um. „Das klingt ja richtig ernst.“

„Ist es auch“, nickte Derek und zog etwas aus seiner Hosentasche.

Ben sah das kleine Schmuckkästchen in der Hand seines Bruders „Was ist das?“

Derek öffnete das kleine Kästchen. „Ein Verlobungsring. Ich will Gina noch heute fragen, ob sie mich heiraten will. Meinst Du ob ihr dieser Ring gefallen wird?“

Ben betrachtete den Diamantring und sah dann seinen Bruder an. „Ich kenne Deine Zukünftige zwar noch nicht, aber ich bin mir sicher, dieser Ring wird ihr gefallen.“

„Gut“, Derek klappte das Kästchen wieder zu und steckte es zurück in die Hosentasche „ich muss gestehen, ich bin nämlich ein wenig nervös deswegen.“

Ben lachte auf. „Du und nervös? Dann muss es wirklich etwas sehr ernstes sein.“

„Und was ist mit Dir?“ wollte Derek wissen.

„Was soll mit mir sein?“ fragend sah Ben seinen Zwilling an.

„Na ich habe Dich vorhin mit einer reizenden Brünetten nach Hause kommen sehen? Deine Freundin? Erzähl mir mehr von ihr. Wie sind die kalifornischen Girls so?“

Ben ging in sein Schlafzimmer hinüber und begann sich anzuziehen. „Sie ist nicht aus Kalifornien.“

Derek war seinem Bruder gefolgt. „Nicht? Woher kennst Du sie dann?“

„Sie kommt eigentlich aus Kansas, arbeitet aber seit ein paar Monaten in St. Claire als Lehrerin. Um genau zu sein, Meg ist ein Gast von Mom and Dad“, erklärte Ben.

Derek zog seine Augenbrauen hoch. „Sag nicht, Mom hat es schon wieder versucht?“

Ben hörte auf sein Smokinghemd zuzuknöpfen und sah seinen Bruder an. „Ich fürchte doch. Als Mutter mir nach meiner Ankunft erzählt hat, dass sie noch jemanden eingeladen haben, war ich erstmal nicht sehr erfreut darüber. Als sie mir dann noch erzählte, dass es eine Lehrerin von St. Claire sei, da hatte ich sofort das Bild einer Frau im braunen Tweedkostüm, mit streng zurückgekämmter Frisur vor mir. Als ich dann aber Meg das erste Mal gegenüber stand und ihre blauen Augen gesehen habe, da hat es mir fast die Sprache verschlagen.“

Derek grinste. „Dann hat es Dich also erwischt?“

Langsam nickte Ben. „Ja, es sieht ganz so aus.“

„Und wie denkt – wie heißt sie noch gleich? – Meg?“

Ben nickte. „Meg Cummings.“

„Also, wie denkt Meg darüber?“ wollte Derek wissen.

„Das weiß ich noch nicht so genau“, antwortete Ben.

„Wieso nicht? Als Ihr vorhin nach Hause kamt, so Hand in Hand, da saht Ihr aus wie ein frisch verliebtes Paar.“

Ben lächelte. „Nun, ich habe sie geküsst und sie hat mich nicht weggestoßen, ganz im Gegenteil.“

Derek ging zu seinem Bruder hinüber und legte seine Hand auf dessen Schulter. „Ben wenn Du wirklich etwas für sie empfindest, dann solltest Du schnellstmöglicht herausfinden, wie sie darüber denkt. Lass Dir diese Chance nicht entgehen.“

„Das habe ich auch nicht vor“, antwortete Ben. „Und nun wäre ich dankbar, wenn ich mich endlich fertig machen könnte. Ich habe Meg versprochen, sie von ihrem Zimmer abzuholen und nach unten in den Ballsaal zu begleiten.“

„Dann will ich Dich nicht weiter aufhalten Ben“, nickte Derek „und selber nach meiner Herzdame schauen. Wir treffen uns dann unten.“

„Ja und ich bin schon gespannt auf Deine Gina.“

„Und ich auf Deine Meg. Bis dann also.“ Derek zog die Tür hinter sich zu.

Ben starrte noch einen Augenblick auf die verschlossene Tür, dann zog er sich weiter an.

 

 

Kapitel 07

 

Meg betrachtete sich noch einmal im Spiegel. Das dunkelblaue, schmal geschnittene, lange Samtkleid stand ihr sehr gut und betonte ihre schlanke Figur. Sie hatte ihre Haare hochgesteckt und nur ein paar einzelne Locken kringelten sich in ihrem Nacken. Als Schmuck trug sie nur zwei kleine Perlenohrringe, die sie von ihrer Großmutter geerbt hatte. Als es an der Tür klopfte, schlüpfte sie schnell noch in ihre hochhackigen Pumps und griff nach ihrer Abendhandtasche, bevor sie die Tür öffnete.

 

„Wow“, war alles was Ben hervorbringen konnte.

Meg lächelte und drehte sich einmal um sich selber. „Gefällt es Dir?“

„Gefallen?“ Ben musste schlucken bevor er weiter reden konnte. „Du siehst atemberaubend aus.“

„Danke“, Meg musterte Ben von Kopf bis Fuß und stellte fest, dass er in dem Smoking, den er trug, umwerfend aussah. „Aber Du machst ja selber auch keine schlechte Figur.“

Ben lachte „Na dann bin ich ja beruhigt.“ Er reichte Meg seinen Arm. „Komm lass uns nach unten gehen, bevor ich es mir anders überlege und Dich irgendwo hinbringe, wo ich Dich für mich ganz alleine habe.“

Meg zog die Tür hinter sich zu und harkte sich bei Ben ein. „Nun, wir können Deine Eltern doch nicht enttäuschen oder?“

Ben legte seine Hand die von Meg und führte sie hinunter.

Meg war immer noch erstaunt darüber, wie die Evans es geschafft hatten, das ganze Haus so schnell weihnachtlich zu schmücken. Ein großer, festlich geschmückter Weihnachtsbaum war in der Halle aufgestellt worden. Tannengirlanden mit großen, roten Schleifen zierten die Treppengeländer, an jedem der Kamine hingen hingen Socken, die nur darauf zu warten schienen, gefüllt zu werden. Überall im ganzen Haus waren unzählige Kerzen verteilt, die alles in ein sanftes Licht tauchten.

„Ich komme mir vor wie in einem Märchen“, seufzte Meg leise.

„Manchmal werden sogar Märchen wahr“, antwortete Ben ebenso leise und drückte dabei Megs Hand. Und ich, dachte er dabei, werde alles daran setzten, um Megs eigenes Märchen wahr werden zu lassen.

Sie erreichten den Ballsaal und Meg blieb wie gebannt stehen. Auch dieser Raum war weihnachtlich dekoriert. An den Außenseiten standen kleine Tische mit Stühlen drum herum, während die Mitte als Tanzfläche frei geblieben war.

Hannah Evans eilte auf Ben und Meg zu, sobald sie die beiden entdeckte. Sie griff nach Megs Händen und sah sie bewundernd an. „Sie sehen bezaubernd aus, Meg.“

„Danke“, lächelte Meg. „Sie aber auch und das ganze Haus. Es ist einfach traumhaft und ich kann immer noch nicht begreifen, dass ich wirklich hier bin.“

„Es ist uns ein Vergnügen, Sie heute hier zu haben“, erklärte Hannah und sah ihren Sohn an. „Ben mein Liebling, warum besorgst Du unserem Gast nicht erstmal ein Glas Champagner?“

„Eine gute Idee“, nickte Ben „Ich bin gleich zurück.“

„Mach Dir keine Sorgen, ich führe Meg unterdessen an unseren Tisch“, sagte Hannah lächelnd und nahm Megs Hand.

Sie führte Meg quer durch den Saal an einem Tisch, an dem bereits Jonathan, eine andere junge, hübsche Frau und ein Mann saßen, der Ben aufs Haar glich. Meg folgerte sofort daraus, dass dies Bens Zwillingsbruder Derek sein musste.

„Gina, Derek, darf ich Euch Meg Cummings vorstellen? Sie ist zur Zeit Gast bei uns und arbeitet als Lehrerin in St. Claire.“

Die beiden Herren hatten sich erhoben.

„Meg, Sie sehen bezaubernd aus“, lächelte Jonathan ihr zu.

„Danke“ lächelte Meg zurück.

Derek reichte ihr die Hand „Nun da ich Sie aus der Nähe sehe, kann ich verstehen warum mein Bruder ganz verrückt nach Ihnen ist.“

Megs Herz machte einen kleinen Satz. „Ist er das?“

Derek lachte und griff nach der Hand der jungen Frau, die neben ihm saß. „Und wenn ich meine Gina hier nicht hätte, dann würde ich alles dran setzten, Sie meinem Bruder abspenstig zu machen.“

Ben kam hinzu und reichte Meg ein Glas Champagner. „Platzt Dereks Ego gleich schon wieder mal?“

Meg lachte. „Keine Angst, er hat nichts gesagt, mit dem ich nicht fertig werden könnte.“

„Gut“, lächelte Ben und wandte sich dann an seinen Bruder. „Halt Dich lieber an Deine eigene Begleitung und stell sie uns lieber mal vor.“ Er sah Gina an „Ich hoffe, er ist nicht immer so unhöflich zu Ihnen. Ich bin Ben Evans, Dereks Bruder.“

Gina reichte Ben die Hand und lächelte. „Erfreut Sie kennen zu lernen, Ben. Und keine Angst, ich weiß mich schon meiner Haut zu wehren.“

„Dann ist ja gut“, Ben rückte den Stuhl für Meg zurecht und wartete bis sie sich gesetzt hatte, bevor auch er platz nahm.

Derek wartete bis alle saßen, dann räusperte er sich. „Nun da ja die ganze Familie beisammen ist, habe ich Euch etwas zu sagen.“

Überrascht sah Hannah ihren Sohn an. „Bitte sag uns jetzt nicht, dass Du auch in die Staaten gehen willst.“

„Keine Angst Mutter“, lächelte Derek. „was ich Dir zu sage habe, wird Dir gefallen.“ Derek griff nach Ginas Hand und küsste sie, bevor er weiter sprach. „Diese wunderbare Frau hier, hat vorhin zugestimmt, mich zu heiraten.“

Hannah sprang auf und umarmte beide. „Das sind ja wundervolle Neuigkeiten. Herzlichen Glückwunsch.“

Auch die anderen schlossen sich den Glückwünschen an und alle redeten durcheinander. Nachdem die erste Aufregung sich gelegt hatte, nach Jonathan die Hand seiner Frau. „Es wird Zeit, dass wir unsere Pflicht erfüllen und den Ball offiziell eröffnen.“

„Da hast Du recht, Darling“, nickte Hannah und stand auf.

Beide gingen in die Mitte des Ballsaales, wo Jonathan ein paar kurze Begrüßungsworte sprach, bevor die beiden mit einem Walzer den Ball eröffneten. Schon bald drängten sich andere Paare auf die Tanzfläche.

Ben sah Meg lächelnd an. „Darf ich um diesen Tanz bitten?“

„Mit vergnügen“, nickte Meg.

Ben nahm Megs Hand und führte sie auf die Tanzfläche. Dort legt er Meg seinen Arm um die Taille und begann sie langsam zum Rhythmus der Musik zu führen. Meg genoss die Nähe zu Ben sehr und hatte auch nichts dagegen, als er sie noch ein wenig näher zu sich heran zog.

 

In den nächsten zwei Stunden ließen Ben und Meg fast keinen Tanz aus. Sie gönnten sich nur kleine Pausen, um ein wenig zu trinken.

Nun aber führte Ben Meg an das Buffet. „Es wird Zeit, dass wir ein wenig essen.“

„Ja“ nickte Meg „ich muss zugeben, dass ich wirklich hungrig bin.“

Beide füllten sich die Teller und als Meg zum Tisch zurück gehen wollte, hielt Ben sie zurück.

„Warte!“

„Was ist los?“ wollte Meg wissen.

„Ich würde gerne ein wenig mit Dir allein sein“, schlug Ben vor. „Hast Du etwas dagegen?“

Meg lächelte „Ganz und gar nicht.“

„Gut“, Ben führte Meg aus dem Ballsaal hinaus und in einen kleinen, etwas abgeschiedenen Salon. Auch hier brannte zu Megs Überraschung ein Feuer im Kamin und neben dem Sofa stand ein Kühler, mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern.

„Du warst Dir also sicher, dass ich mit Dir herkommen würde“, lächelte Meg.

Ben nahm ihr ihren Teller ab und stellte diesen auf den Tisch. „Nun, ich hatte es zumindest gehofft und wollte für alles vorbereitet sein.“

„Alles? Was hast Du denn noch so geplant?“ wollte Meg wissen.

Ben zog Meg in seine Arme. „Dich zu küssen zum Beispiel.“

Meg lehnte sich ein wenig zurück und sah Ben in die Augen. „Und wenn ich da nicht mitmache?“

„Du hast gar keine andere Wahl“, erklärte Ben.

Meg zog ihre Augenbrauen nach oben „Und warum nicht?“

„Weil Du mit mir direkt unter einem Mistelzweig stehst und Du willst doch wohl keine alten Tradition brechen oder?“

Meg lachte und legte ihre Arme um Bens Hals. „Nun, dem kann ich wohl nichts entgegensetzten.“

„Gut“, lächelte Ben und senkte dann seine Lippen auf Megs.

 

 

Kapitel 08

 

 

Seufzend schloss Meg ihre Reisetasche. Das ganze Wochenende war wie ein Märchen gewesen, doch nun war es auch schon wieder vorbei. Gleich würde sie nach St. Claire zurück fahren. Der Ball am Vorabend war natürlich der Höhepunkt gewesen. Meg hatte es sehr genossen mit Ben zu tanzen und dabei in seinen Armen zu liegen. Lächelnd musste sie dann wieder daran denken, wie er sie in den kleinen Salon geführt hatte, um einige Zeit mit ihr allein zu verbringen. Noch immer war ihr, als wenn sie seine Lippen auf den ihren spüren konnte. Warum nur musste Ben so weit weg in Kalifornien leben? Ob sie sich wohl jemals wieder sehen würden? Er hatte ihr erzählt, dass er die nächsten Tagen geschäftlich in London verbringen müsste und nach Weihnachten gleich wieder zurück nach Sunset Beach fliegen würde. Sie selber hingegen würde die Feiertage in ihrem kleinen Apartment auf dem Schulgelände verbringen. Um nach Hause zu fliegen waren die Weihnachtsferien einfach zu kurz. Diese Reise würde sie erst im Sommer wieder antreten.

 

Ein Klopfen an der Tür schreckte Meg aus ihren Gedanken. Sie ging zur Tür hinüber und öffnete sie. Es überraschte sie eigentlich nicht, dass Ben ihr lächelnd gegenüber stand.

„Hallo Ben“, begrüßte Meg ihn. „Komm doch herein, ich bin gerade mit packen fertig geworden.“

Ben betrat das Zimmer und schloss die Tür wieder hinter sich. „Es ist schade, dass Du wieder nach St. Claire zurück musst, mir wäre es lieber, Du könntest noch hier bleiben.“

Meg lächelte traurig. „Ja, aber noch sind keine Ferien.“

„Das verstehe ich doch“, sagte Ben und trat ein paar Schritte auf Meg zu. Die ganze Zeit hatte er etwas hinter seinem Rücken versteckt und holte es nun hervor.

„Ich habe uns etwas mitgebracht.“

Meg schaute auf den Mistelzweig in seiner Hand. „Einen Mistelzweig? Warum denn das?“

Ben trat noch näher zu Meg heran und hielt dabei den Zweig über ihre Köpfe. „Nun habe ich endlich wieder Gelegenheit, Dich zu küssen.“

Meg schlang seine Arme um Ben. „Um mich zu küssen, brauchst Du keinen Mistelzweig. Ich könnte Dir auch so nicht widerstehen.“

„Gut“, antwortete Ben leise und küsste Meg leidenschaftlich.

Mit einem kleinen Seufzer gab sich Meg ganz Bens Kuss hin und wünschte sich, dass dieser Moment ewig anhalten würde.

Als Ben schließlich atemlos den Kuss beendete, lehnte er seine Stirn gegen die von Meg. „Ich werde Dich persönlich nach St. Claire bringen und dann gleich weiter nach London fahren.“

Meg lächelte „Schön, dann verbringen wir noch ein wenig Zeit zusammen.“

Ben nickte. „Ja, aber nichts desto trotz sollten wir jetzt langsam los.“

Meg nickte. „Ja, da hast Du wohl recht. Ich muss mich ja auch noch bei Deinen Eltern bedanken.“

„Sie warten schon unten auf Dich, um Dich zu verabschieden“, erklärte Ben und nahm Megs Reisetasche.

Meg sah sich noch einmal im Zimmer um, ob sie auch nichts vergessen hatte, dann folgte sie Ben nach unten in die Halle.

Ben zog seine Jacke über und nickte Meg zu. „Ich bringe schon mal Deine Tasche ins Auto und warte dort auf Dich.“

„Gut“, nickte Meg und wandte sich dann an Hannah und Jonathan. „Ich möchte mich noch mal herzlich für die Einladung bedanken. Dieses Wochenende werde ich bestimmt nicht so schnell vergessen.“

Hannah nahm Megs Hände und drückte sie kurz. „Es war uns ein Vergnügen Sie hier bei uns zu haben Meg. Darum möchten wir Sie für die Feiertage auch gerne wieder zu uns einladen.“

„Das ist wirklich sehr nett, aber…“

„Sie haben schon andere Pläne?“ wollte Hannah enttäuscht wissen.

Meg schüttelte ihren Kopf. „Nein, aber Weihnachten ist das Fest der Familie, da möchte ich doch ungern stören.“

„Sie stören uns keineswegs“, wandte Jonathan ein. „Und Sie sind uns herzlich willkommen.“

„Danke“, lächelte Meg „ich werde darüber nachdenken.“

„Gut und ich werde Sie in den nächsten Tagen anrufen“, lächelte Hannah. „Nun sollten Sie aber gehen, Ben wartet schon.“

„Ja“, stimmte Meg zu. „Nochmals vielen Dank und auf wieder sehen.“

„Auf wieder sehen“, winkten die Evans ihr nach, als sie das Haus verließ.

 

Ben wartete bereits neben der großen Limousine auf sie und öffnete ihr die hintere Tür. Fast ein wenig enttäuscht stieg Meg ein. Sie hatte gehofft, während der Fahrt neben Ben sitzen zu können. Umso überraschter war sie, als Ben neben ihr auf die Rückbank glitt.

Er gab den Fahrer, den Meg erst jetzt bemerkte, ein kurzes Zeichen und das Fahrzeug setzte sich in Bewegung. Dann drückte Ben einen Knopf und eine Trennscheibe fuhr zwischen dem Fahrer und ihnen hoch.

„Du siehst ganz überrascht aus“, stellte Ben fest, als er Meg ansah.

„Nun ja, ich hatte vermutet Du fährst selber“, erklärte Meg ihm.

Ben zog Meg in seine Arme. „Nein, dann hätte ich das ja nicht tun können.“

Zärtlich begann er Meg zu küssen und schnell waren beide in ihre eigene Welt versunken.

 

Die Fahrt verging viel zu schnell und ehe Ben und Meg sich versahen, stoppte die Limousine schon vor Megs Apartment.

„Da sind wir schon wieder“, stellte Meg mit einem Seufzer fest.

„Ja“, nickte Ben „ich vermisse Dich jetzt schon.“

Meg lächelte. „Ich werde Dich auch vermissen. Die Zeit mit Dir war einfach wunderschön, ich habe sie sehr genossen.“

„Ich auch“, stimmte Ben zu „Und wir werden uns ganz bestimmt wieder sehen.“

„Deine Eltern haben mich zu Weihnachten eingeladen“, erklärte Meg.

„Gut, dann habe ich ja jetzt schon etwas, worauf ich mich freuen kann“, lächelte Ben.

„Ich habe aber noch nicht zugesagt“, wandte Meg ein.

„Das wirst Du aber noch“, sagte Ben mit voller Überzeugung.

„Und warum bist Du Dir da so sicher?“

„Bis dahin habe ich ja noch genug Zeit Dich zu überzeugen“, erklärte Ben.

„Aber wie denn? Du fährst jetzt weiter nach London und ich bleibe ihr in St. Claire.“

„Ganz einfach. Komm am nächsten Wochenende nach London“, lud Ben sie ein.

„Meinst Du das ernst?“ wollte Meg wissen.

Ben nickte. „Ja, komm nach London und wir beide werden dort ein unvergessliches Wochenende verbringen.“

Meg lächelte. „Wie könnte ich da noch widerstehen.“

Ben zog Meg wieder in seine Arme und küsste sie noch einmal leidenschaftlich. „Ich hätte nie gedacht, dass mir das noch mal passieren würde, aber ich habe mich in Dich verliebt und möchte soviel Zeit wie möglich mit Dir verbringen.“

„Das ist gut zu wissen, denn auch ich habe mich in Dich verliebt“, gestand Meg Ben ein.

„Gut, dann haben wir ja beide etwas woran wir die nächsten Tage festhalten können, bis wir uns wieder sehen.“

„Ja“, nickte Meg. „Aber nun sollte ich aussteigen, sonst kommst Du heute nicht mehr bis nach London.“

Sie küsste Ben noch einmal und schlüpfte dann, bevor er es verhindern konnte aus dem Auto. Der Fahrer hatte in der Zwischenzeit Megs Reisetasche aus dem Kofferraum ausgeladen und reichte sie Meg.

„Danke“, lächelte Meg den Fahrer an.

Der Fahrer nickte kurz und setzte sich dann wieder hinter das Steuer. Als der Wagen abfuhr, winkte Meg ihm so lange nach, bis er nicht mehr zu sehen war.

 

 

Kapitel 09

 

Meg schaute aus dem Zugfenster. Es war schon fast dunkel, so dass sie die Landschaft, die an ihr vorbei flog, kaum noch erkennen konnte. Sie konnte es kaum fassen, sie war auf dem Weg nach London, zu Ben. Die letzte Woche war ihr unendlich lang erschienen, obwohl sie jeden Tag mit Ben telefoniert hatte und er ihr jeden Tag eine weiße Rose geschickt hatte. Meg lächelte, sie fühlte sich, als wenn sie auf Wolken schweben würde. Als sie auf ihrer Uhr sah, merkte sie, dass der Zug in wenigen Minuten London erreichen würde. Sie packte ihr Gepäck zusammen und zog sich ihren Mantel an. Sie konnte es kaum noch erwarten, Ben wieder zu sehen.

 

Ben hatte den Kragen seines Mantels hochgeschlagen und ging auf dem Bahnsteig auf und ab. In wenigen Augenblicken musste der Zug mit Meg eintreffen. Eigentlich hatte er vor gehabt, Meg selber mit dem Auto von St. Claire abzuholen, aber ein wichtiges geschäftliches Meeting hatte ihn daran gehindert. Aber nun hatte er das ganze Wochenende frei für Meg und er konnte es kaum erwarten, sie wieder in seinen Armen zu halten.

 

Ben trat einen Schritt von der Bahnsteigkante zurück, als der Zug einlief. Gespannt wartete er darauf, dass die Türen sich öffneten und die Passagiere ausstiegen. Er sah Meg sofort, als sie aus dem Zug kletterte und sich umsah.

„Meg!“ rief er und lief ihr entgegen.

Als Meg Bens Stimme hörte, breitete sich ein strahlendes Lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie begann in Bens Richtung zu laufen. Wenige Augenblicke später waren sie nur noch einige Schritte von einander entfernt. Meg ließ ihrer Reisetasche fallen und flog förmlich in Bens Arme.

„Ben! Ich habe Dich ja so vermisst.“

Ben wirbelte Meg voller Freude herum. „Und ich erst. Aber jetzt bist Du hier und ich werde jede Minute mit Dir verbringen.“

Er stellte Meg vorsichtig ab und zog sie für einen zärtlichen Kuss dicht an sich heran.

Meg und Ben waren so in ihre eigene Welt vertieft, dass sie gar nicht bemerkten, wie die Menschen teils lächelnd, teils kopfschüttelnd an ihnen vorbei liefen. Nach einer kleinen Ewigkeit löste sich Ben sanft von Meg.

„Lass uns lieber ins Hotel fahren“, schlug er lächelnd vor.

„Gut“, nickte Meg.

Ben nahm Megs Reisetasche und führte sie von dem Bahnsteig. Er hatte sein Auto vor dem Bahnhof abgestellt, so dass sie nicht weit gehen mussten. Wenige Minuten später saßen sie im Wagen und Ben fädelte sich in den dichten Verkehr ein. Meg lehnte sich entspannt zurück und genoss die Fahrt durch das festlich geschmückte London. Bevor sie sich versah stoppte Ben den Wagen auch schon vor einem Hotel. Meg stieg aus und sah an der Fassade des alten Gebäudes hoch und stellte fest, dass diese liebevoll restauriert worden war. ‚Dolphin Square Hotel’ stand in einer schwungvollen, aber dennoch dezenten Schrift über dem Eingang.

„Wow, das sieht aber teuer aus“, stellte Meg fest.

Ben lächelte. „Es ist das beste Hotel in ganz London. Von unserer Suite haben wir einen tollen Ausblick auf die Themse.“

„Unsere Suite?“ Meg sah Ben überrascht an.

Ben nahm Megs Reisetasche aus dem Kofferraum und reichte dann seinen Autoschlüssel einem herangeeilten Pagen.

„Ja, ich habe für uns eine Suite gebucht. Mit zwei Schlafzimmern, zwei Badezimmern und einem gemeinsamen Wohnzimmer. Ich hoffe, das stört Dich nicht.“

Meg schüttelte ihren Kopf. „Nein, ich war nur so überrascht. In so einem Hotel war ich noch nie. Zuhause in Ludlow haben wir auch ein Hotel, aber ich glaube nicht, dass es dort überhaupt eine Suite gibt.“

Ben nahm Megs Hand und küsste sie. „Von jetzt an sollst Du nur noch das beste bekommen.“

Meg lachte und beide betraten das Hotel. Mit dem Fahrstuhl fuhren sie in die oberste Etage. Meg kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Der Teppich war so dick und weich, dass sie das Gefühl hatte, darin zu versinken. Ben führte Meg zur letzten Tür auf der Etage und öffnete diese mit einer Magnetkarte.

„Herzlich willkommen in der Admiral /& Mastersuite“, Ben trat zur Seite, damit Meg als erstes eintreten konnte.

Mit großen Augen sah sich Meg um. Das Wohnzimmer war mit edlen Antiquitäten eingerichtet. Von der großen Fensterfront hatte man einen atemberaubenden Blick über die Themse.

Meg wirbelte zu Ben herum. „Das ganze kommt mir wie ein Traum vor.“

Ben stellte Megs Gepäck ab. „Es ist kein Traum.“

Meg legte ihre Arme um Ben und küsste ihn. „Danke, dass Du mir das hier alles zeigst.“

„Wenn es nach mir geht, dann war das hier erst der Anfang“, erklärte Ben.

„So?“

„Ja, am liebsten würde ich Dir die ganze Welt zu Füßen legen“, lächelte Ben „Aber fürs erste müssen wir wohl mit London anfangen. Wie sieht es aus, hast Du Hunger? Und was würde Dir gefallen? Französisch, italienisch, chinesisch, indisch…“

Meg legte ihren Finger auf Bens Lippen, um ihm zum schweigen zu bringen. „Ben, das alles klingt ja ganz toll, aber danach ist mir im Augenblick überhaupt nicht.“

Ben sah Meg erschrocken an. Hatte er sie zu sehr gedrängt. Er musste schlucken, bevor er sprechen konnte. „Und wonach ist Dir im Moment?“

Meg küsste Ben zärtlich. „Welches ist Dein Schlafzimmer?“

„Mein Schlafzimmer?“ brachte Ben heiser hervor.

„Ja“, nickte Meg „ich möchte, dass Du mir zeigst, wie sehr Du mich liebst.“

Ben hob Meg in seine Arme. „Bist Du auch sicher? Ich möchte Dich zu nichts drängen.“

Meg sah Ben tief in die Augen. „Du drängst mich zu nichts. Die ganze Woche habe ich mir schon vorgestellt, wie es sein wird, Dich zu lieben.“

Nun brauchte Ben keine weitere Aufforderung mehr. Er trug Meg in sein Schlafzimmer und legte sie vorsichtig auf dem Bett ab. Dann legte er sich daneben und zeichnete zärtlich die Konturen ihres Gesichts mit seinem Finger nach. „Ich liebe Dich, Meg Cummings.“

„Ich liebe Dich auch, Ben“, wisperte Meg.

Dann verloren sich beide in einem leidenschaftlichen Kuss.

 

 

Kapitel 10

 

 

Langsam öffnete Meg die Augen. Im ersten Moment wusste sie gar nicht, wo sie war, dann aber fiel ihr sofort wieder ein, dass sie ja in London war, bei Ben. Sie drehte sich um und sah in Bens lächelndes Gesicht.

„Guten Morgen, mein Liebling“, Ben beugte sich vor und küsste Meg zärtlich auf die Lippen.

„Mmm“, Meg leckte sich die Lippen. „Ist das schön so morgens aufzuwachen.“

„Ich fand es auch schön, neben Dir aufzuwachen. Aber noch besser hat es mir gefallen, Dich in meinen Armen zu halten, als ich eingeschlafen bin.“

Meg kuschelte sich dichter an Ben heran. „Das hat mir auch sehr gefallen.“

„Es war die schönste Nacht meines Lebens.“ Ben zog Meg fester an sich heran. „In der letzten Woche habe ich immer davon geträumt, wie es wäre, mit Dir zu schlafen – nein, dass ist nicht der richtige Ausdruck. Dich zu lieben passt besser“, korrigierte Ben sich selber. „Also letzte Woche habe ich mir immer wieder ausgemalt, wie es wohl sein würde, Dich zu lieben, aber letzte Nacht hat meine kühnsten Erwartungen weit übertroffen.“

Meg standen Tränen in den Augen. „Ich liebe Dich Ben Evans.“

„Ich liebe Dich auch, Meg“, Ben senkte seinen Mund auf den von Meg, um sie leidenschaftlich zu küssen.

Als er ein grummelndes Geräusch aus Megs Bauch vernahm, löste er sich lächelnd von Meg. „Da scheint mir jemand sehr hungrig zu sein.“

„Nun, da Du ja gestern Abend kein Dinner wolltest, ist es ja auch kein Wunder.“

„Tja“, lächelte Meg „ich hatte halt andere Dinge im Kopf, die mir wichtiger erschienen.“

„Aber nun sollten wir aufstehen, duschen und dann zum Frühstücken nach unten in den Speisesaal gehen, sonst wird uns das Personal hier noch verhungert vorfinden“, erklärte Ben.

Meg lachte. „Solange ich dabei in Deinen Armen liegen kann, stelle ich mir das gar nicht so schlimm vor.“

Ben lachte, stand auf und hob Meg in seine Arme.

„Hey, was machst Du jetzt?“ wollte Meg wissen.

„Wir gehen jetzt duschen“, erklärte Ben.

„Zusammen?“

„Ja, oder glaubst Du, ich lasse Dich an diesem Wochenende auch nur für ein paar Minuten aus meiner Sicht?“ grinste Ben.

 

Es dauerte über eine Stunde, bis sie beide endlich im Speisesaal saßen und ihr Frühstück genossen.

„Hast Du für heute schon irgendetwas geplant?“ wollte Meg wissen und sah Ben über den Rand ihrer Kaffeetasse an.

„Noch nichts bestimmtes. Warst Du schon mal in London?“

„Wenn man mal von meiner Ankunft hier in England absieht, dann noch nicht. Aber damals habe ich nur den Flughafen gesehen und sonst nichts“, erklärte Meg.

„Gut“, lächelte Ben. „dann werde ich Dir heute London zeigen. All die Plätze, die Du sonst wahrscheinlich nur aus dem Fernsehen oder aus Büchern kennst.“

„Darauf freue ich mich schon sehr“, antwortete Meg.

 

Sie beendeten ihr Frühstück und begannen dann mit ihrer Tour durch London. Ben zeigte ihr alles, was Meg gerne sehen wollte. Angefangen von der Tower Bridge über Westminster Abby, den Buckhingham Palast, Trafalgar Square und noch einiges mehr. Der Höhepunkt aber war, ein Hubschrauberflug über London, den Ben arrangiert hatte. Meg hatte den ganzen Tag das Gefühl, sie würde nur träumen, aber jedes Mal wenn Ben sie küsste, wusste sie, dass sie keinesfalls träumte.

 

Am späten Nachmittag kehrten sie nach einem ereignisreichen Tag ins Hotel zurück. Als sie die Suite betraten, bemerkte Meg ein Paket, das auf dem Tisch im Wohnzimmer lag.

„Was ist das denn?“ wollte Meg wissen.

„Mach es doch einfach mal auf“, schlug Ben vor.

Vorsichtig öffnete Meg das Paket und schlug das Seidenpapier auseinander. Zum Vorschein kam ein wunderschönes Abendkleid aus weinroter Seide. Sie drehte sich zu Ben um.

„Wofür ist das?“

„Gefällte es Dir nicht?“ erkundigte Ben sich sofort besorgt.

„Doch“, nickte Meg „es ist wunderschön.“

„Gut“, lächelte Ben erleichtert. „Warum ziehst Du es dann nicht mal an? Ich möchte nämlich heute Abend mit Dir ausgehen und die ganze Nacht durchtanzen. Und alle Männer werde mich beneiden, weil Du die schönste Frau sein wirst.“

Meg errötete ein wenig. „Ben, Du machst mich ja ganz verlegen.“

Ben zog Meg in seine Arme und küsste sie. „Nun geh schon und probier es an. Ich ziehe mich inzwischen auch um, denn ich habe uns ein Tisch im exklusivsten Restaurant der Stadt reserviert.“

„Danke Ben“, Meg küsste Ben und eilte dann ins Badezimmer, um sich herzurichten.

 

Ben zog inzwischen seinen Smoking an und wartete dann auf Meg. Als sie dann endlich erschien, verschlug ihr Anblick ihm für einen Augenblick die Sprache. Das Kleid passte perfekt und brachte ihre schlanke Figur voll zur Geltung. Die dunkelrote Farbe stand ihr ausgezeichnet. Meg hatte ihrer Haare zu einer lockeren Frisur hochgestellt und Ben hatte alle Mühe dem Drang, mit beiden Händen in Megs Haare zu fassen, zu unterdrücken.

„Wow, Du siehst toll aus“, brachte er schließlich hervor.

Meg drehte sich um sich selber. „Ich komme mir vor, wie eine Prinzessin.“

Ben lächelte. „Gut, aber etwas fehlt noch.“

Meg blickte an sich hinunter. „Was denn?“

„Dreh Dich mal bitte um“, forderte Ben sie auf.

Meg tat, worum Ben sie gebeten hatte. Sie hörte, wie Ben hinter ihr mit irgendetwas hantierte, dann spürte sie, wie sich etwas kühles um ihren Hals legte.

„Nun ist es vollkommen“, sagte Ben und trat einen Schritt zur Seite.

Meg lief zum Spiegel hinüber und sah hinein. Ben hatte ihr eine wunderschöne Halskette umgelegt. Es war eine schlichte goldene Kette, mit einem herzförmigen Anhänger, in dessen Mitte ein großer, blauer Saphir eingefasst war.

„Oh Ben“, Meg berührte vorsichtig den Anhänger „die Kette ist wunderschön.“

„Es freut mich, dass sie Dir gefällt.“ Ben war hinter Meg getreten und legte seine Arme um Megs Taille.

„Du solltest mir aber nicht solche Geschenke machen“, wandte Meg ein.

„Ich möchte es aber“, entgegnete Ben. „Weißt Du, dass der Saphir der Stein der Treue ist?“

Meg schüttelte ihren Kopf. „Nein das habe ich nicht gewusst.“

„Nun weißt Du es und ich möchte Dir mit diesem Geschenk versprechen, Dir immer treu zu bleiben.“

„Oh Ben“, Tränen stiegen in Megs Augen. „Ich weiß jetzt gar nicht was ich sagen soll.“

„Du brauchst auch nichts zu sagen“, entgegnete Ben. „Nun sollten wir aber gehen, unser Taxi wartet schon.“

Meg konnte nur noch nickten. Sie drehte sich zu Ben um und küsste ihn. „Danke, ich liebe Dich.“

„Ich liebe Dich auch“, antwortete Ben und nahm Megs Hand. Er wusste genau, wenn sie jetzt nicht gingen, würden sie wieder das Dinner verpassen.