
Kapitel 11
Die Tage flogen nur so dahin und schon war Heilig Abend. Ben hatte Meg von St. Claire abgeholt und mit nach Blackmoor Castle genommen. Meg war überrascht, als Ben sie dort nicht wieder in das Gästezimmer führte, sondern in sein Zimmer.
„Ben, was werden Deine Eltern denn sagen?“ wandte Meg ein.
„Gar nichts, ich habe ihnen gesagt, dass Du diesmal bei mir im Zimmer wohnst“, erklärte Ben.
„Aber Ben, wie kann ich ihnen denn jetzt unter die Augen treten?“
Ben zog Meg in seine Arme. „Darüber brauchst Du Dir keine Gedanken machen. Meine Eltern freuen sich für uns.“
„Ich weiß nicht Ben…“ Meg war immer noch unsicher.
Ben führte Meg zu dem Sofa, dass in seinem Zimmer stand und setzte sich mit ihr hin. „Ich glaube, ich muss Dir mal etwas erzählen. Bevor ich in die Staaten gezogen bin, hat meine Mutter mehrmals versucht mich zu verkuppeln. Mir hat das nie sehr gefallen. Als ich dann diesmal zu Besuch kam, eröffnete meine Mutter mir, dass sie wieder mal jemanden für mich eingeladen hatten. Ich war natürlich alles andere als begeistert, als ich das hörte.“
„Oh Ben, umso weniger kann ich Deinen Eltern jetzt unter die Augen treten, wenn ich jetzt bei Dir wohne. Schließlich habe ich ihre Pläne durchkreuzt“, stellte Meg fest.
Ben lächelte. „Nein ganz und gar nicht.“
„Wie meinst Du das?“ wollte Meg wissen.
„Ganz einfach“, erklärte Ben. „Meine Mutter erzählte mir, dass sie eine Lehrerin aus St. Claire eingeladen hatten. Irgendwie hatte ich das Bild einer Frau im Tweedkostüm und mit streng nach hinten gekämmten Haaren vor den Augen, umso erstaunter war ich, als Du plötzlich vor mir standest.“
Meg sah Ben mit großen Augen an. „Du meinst…sie haben mich…sie wollten uns verkuppeln?“
Ben nickte. „Ich fürchte das stimmt. Ich hoffe, Du bist ihnen deswegen jetzt nicht böse?“
„Wie sollte ich?“ fragte Meg lächelnd „schließlich konnte mir ja nichts besseres passieren, als Dich kennen zu lernen.“
Ben zog Meg in seine Arme. „Ich liebe Dich.“
Etwas später machten sich beide für das festliche Dinner fertig. Den Heilig Abend würden sie ganz in Ruhe nur mit Bens Eltern verbringen, da Derek mit seiner Verlobten erst am nächsten Tag anreisen würde. Meg hatte sich zu diesem Anlass ein neues, blaues Seidenkostüm gekauft, dessen Farbe die gleiche war, wie der Saphir in dem Anhänger, den sie von Ben bekommen hatte. Genau mit dieser Kette in ihrer Hand trat sie nun aus dem Badezimmer und ging auf Ben zu.
„Kannst Du mir mal bitte mit der Kette helfen?“
„Aber gerne.“ Ben nahm Meg die Kette aus der Hand, legte sie ihr um den Hals und verschloss sie.
Dann trat er einen Schritt zurück und bewunderte Meg. „Du siehst wunderschön aus.“
„Danke“, lächelte Meg.
„Aber etwas fehlt noch“, stellte Ben fest.
„Was denn?“ Meg sah an sich herunter um festzustellen, ob alles in Ordnung war.
Ben holte ein kleines Kästchen aus seiner Tasche und öffnete es.
Meg machte große Augen, als sie die Ohrringe sah, die in dem Kästen lagen. Sie passten genau zu der Halskette, die sie von Ben bekommen hatte.
„Oh Ben, sind die etwas für mich?“
„Na ich kann sie ja schlecht tragen, oder?“ lächelte Ben.
„Aber ich habe doch schon diese wundervolle Kette von Dir bekommen“, wandte Meg ein.
„Und nun bekommst Du noch die passenden Ohrringe dazu. Betrachte sie als mein Weihnachtsgeschenk.“
„Oh Ben, ich weiß gar nicht was ich sagen soll.“
„Sag einfach danke und leg sie an“, schlug Meg vor.
Meg fiel Ben um den Hals und küsste ihn. „Danke Ben, Du verwöhnst mich einfach viel zu sehr.“
„Und genau das macht mir große Freude.“ Ben sah zu, wie Meg die Ohrringe anlegte.
„Und?“ wollte Meg dann wissen.
„Perfekt, Du siehst wunderschön aus“, lächelte Ben und reichte Meg seinen Arm. „Aber nun sollten wir gehen, meine Eltern warten bestimmt schon.“
Das Dinner fand in einer entspannten Atmosphäre statt. Während des Essens, erzählte Meg den Evans’ viel von ihrer Kindheit auf der Farm in Kansas, wo wie aufgewachsen war. Hannah erzählte einiges aus der Zeit, als Ben und Derek noch klein waren und was sie so alles angestellt hatten. Nach dem Dinner setzten sich die vier noch im Salon zu einem Glas Wein zusammen.
„Ich hoffe, wir konnten es ein wenig gut machen, dass Sie zu Weihnachten nicht bei Ihrer Familie sein konnten“, begann Hannah das Gespräch.
Meg nickte. „Mehr als das, ich fühle mich sehr wohl hier.“
„Gut, wir freuen uns nämlich wirklich, Sie hier zu haben“, lächelte Hannah „Und wir freuen uns sehr, dass Sie und Ben sich so nahe gekommen sind.“
Ben nahm Megs Hand in seine und küsste sie, dann sah er seine Mutter an. „Wir sind uns mehr als nur etwas näher gekommen, Mutter. Ich liebe Meg und Meg liebt mich.“
„Das ist ja wundervoll“, Hannah konnte ihre Begeisterung kaum zurück halten. „Nun da Sie ja fast schon zur Familie gehören, schlage ich vor, dass wir das mit dem Sie lassen.“
„Gerne“, erwiderte Meg.
„Willkommen in unserer Familie, Meg“, hob Hannah ihr Glas zum Toast an.
„Halt nicht so schnell Mutter“, wandte Ben ein.
Erstaunt hielt Hannah inne. „Was ist los Ben? Habe ich etwas verkehrt gemacht?“
Beruhigend legte Ben seine Hand auf die seiner Mutter. „Nein, aber warte bitte noch einen Augenblick, bevor Du Meg in unserer Familie willkommen heißt.“
Etwas verwirrt nickte Hannah. „Wenn Du meinst.“
„Danke Mutter“, lächelte Ben und stand auf. „Eigentlich wollte ich das ja später machen, wenn wir alleine sind, aber ich fürchte, so lange kann ich nicht mehr warten.“ Ben holte noch ein kleines Kästchen aus seiner Hosentasche, öffnete diese und kniete dann vor Meg nieder. „Meg, als ich Dich das erste Mal gesehen habe, hast Du mir den Atem geraubt. Nie zuvor bin ich einer Frau begegnet, die mich so fasziniert hat wie Du. Bis ich Dir begegnet bin, habe ich nicht an liebe auf dem ersten Blick geglaubt, aber nun weiß ich es anders. Ich liebe Dich von ganzen Herzen Meg. Darum frage ich Dich jetzt, willst Du meine Frau werden?“
Fassungslos schaute Meg erst auf den Ring, den Ben in seiner Hand hielt und dann Ben an. Es kam ihr alles wie ein Traum vor und sie hatte Mühe zu sprechen.
„Ja“, nickte sie schließlich und lächelte „ja, ja, ja, ich möchte gerne Deine Frau werden. Ich liebe Dich Ben Evans.“
Strahlend schob Ben Meg den Ring auf den Finger, dann zog er sie für einen leidenschaftlichen Kuss zu sich heran. Dabei achtete er gar nicht darauf, dass seine Mutter einen Freudenschrei ausstieß. Als Ben endlich Meg freigab, schob seine Mutter ihn sanft zur Seite.
„Nun lass uns doch auch mal unsere neue Tochter umarmen“, Hannah umarmte Meg und drückte sie an sich. „Herzlich willkommen in unserer Familie.“
Auch Jonathan folgte seiner Frau. „Ich freue mich, Dich als Tochter zu bekommen.“
„Und ich freue mich, in Zukunft zu Eurer Familie zu gehören“, sagte Meg gerührt.
Ben setzte sich wieder neben Meg und legte seinen Arm um sie „Und kommst Du nach den Feiertagen mit mir nach Kalifornien?“
„Ach Ben“, seufzte Meg auf. „Ich habe doch noch meine Stellung in St. Claire. So gerne ich auch mit Dir kommen würde, ich kann nicht.“
„Warum nicht?“ wandte Jonathan ein. „Wir werden Dich in St. Claire zwar sehr vermissen, weil Du eine sehr gute Lehrerin bist, aber ich denke, Du gehörst an Bens Seite. Irgendwie werden wir Dich schon ersetzten.“
Meg sah Jonathan an. „Das meinst Du jetzt nicht ernst oder?“
„Doch natürlich“, nickte Jonathan. „Was nutzt mir eine Lehrerin, die sich die ganze Zeit nach ihrem Verlobten sehnt? Ihr seid nur einmal jung und solltet die Zeit miteinander genießen.“
„Dann ist es also abgemacht, gleich nach den Feiertagen fliegen wir“, lächelte Ben. „Wir legen dann noch einen kurzen Zwischenstopp in Kansas ein, denn schließlich möchte ich meine zukünftigen Schwiegereltern auch gerne kennen lernen.“
Epilog
Meg stand am Fenster und sah gespannt auf die Strandpromenade hinaus. Ben trat hinter sie und legte seine Arme um sie.
„Woran denkst Du?“ wollte er wissen.
„An all das, was in dem vergangenen Jahr passiert ist. Genau vor einem Jahr hast Du mir einen Heiratsantrag gemacht.“
„Ja, daran kann ich mich noch ganz genau erinnern“, lächelte Ben.
„Du hast mich damit ganz schön überrascht.“
„Ich glaube, damit hatte ich wohl uns alle überrascht“, stellte Ben fest.
Meg lachte. „Kann schon sein. Meine Eltern sind ja auf jeden Fall aus allen Wolken gefallen, als wir gleich nach Weihnachten bei ihnen aufgetaucht sind und von unserer Verlobung erzählt haben.“
„Ja, ich dachte im ersten Moment, Dein Vater würde seine Schrotflinte hervor holen und damit auf mich losgehen.“
Meg lehnte sich gegen Ben. „Aber inzwischen liebt er Dich, wie Deinen eigenen Sohn.“
„Ja, Deine Eltern sind etwas ganz besonderes“, stimmte Ben zu.
„Deine aber auch. Wir können uns glücklich schätzen“, nickte Meg.
„Lass uns mal weiter überlegen, was im vergangenen Jahr alles passiert ist“, schlug Ben vor.
„Die Hochzeit von Gina und Derek im Juni“, erinnerte sich Meg.
„Oh ja“, lachte Ben. „das war ein Ereignis, dass wohl niemand so schnell vergisst. Aber ich denke noch viel lieber an unsere eigene Hochzeit im September.“
„Ja ich auch“, lächelte Meg „Ich hatte nie gedacht, dass ich noch glücklicher sein könnte, wie an diesem Tag, aber ich habe mich geirrt. Jeder Tag mit Dir zeigt mir aufs neue, wie glücklich ich bin.“
„Du machst mich auch sehr glücklich, Meg Evans“, antwortete Ben und küsste Meg auf den Nacken.
Meg seufzte. „Gleich werden unsere Eltern hier erscheinen, um mit uns gemeinsam Heilig Abend zu feiern. Ich freue mich, dass sie sich so gut verstehen.“
„Ja, das ist wundervoll. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass meine Eltern ein paar Tage auf der Farm von Deinen Eltern verbracht haben, bevor sie gestern zusammen hierher geflogen sind.“
Meg lachte „Ja, sie sind ja fast unzertrennlich.“
„Ich durfte sie ja nicht mal aus dem Hotel abholen heute Abend“, ergänzte Ben.
„Meinst Du, dass Deine Eltern sehr enttäuscht sind, dass wir dieses Jahr nicht bei Ihnen in England Weihnachten feiern konnten?“
Ben legte seine Hände auf den leicht gewölbten Leib seiner Frau. „Nein ganz und gar nicht. Du kannst nichts dafür, dass Tyus Dir in Deinem Zustand untersagt hat, solange zu fliegen. Und außerdem freuen sie sich riesig auf ihr Enkelkind.“
„Ben Du weißt immer das richtige zu sagen“, Meg drehte sich um und küsste ihren Mann. „Ich liebe Dich.“
„Ich liebe Dich auch.“
Ben zog Meg fester in seine Arme und küsste sie erneut, bis sie durch das Klingeln an der Haustür unterbrochen wurden.
„Da sind unsere Eltern“, stellte Meg aufgeregt fest.
Hand in Hand gingen sie zur Haustür, um ihre Gäste zu begrüßen.
***Ende***

Ich wünsche allen Lesern ein Frohes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr!
