Teil 3

 

 

George Carter wurde vorsichtig auf der Trage über die Gangway zum unten wartenden Notarztwagen transportiert. Die gesamte Crew begleitete ihn bis zum Auto. Er hing bereits an einem provisorischen Tropf und die Wirkung der Spritze sowie der Medikamente machten ihn schläfrig.

Kurz bevor man ihn auf der Trage ins Auto schob, fasste er noch einmal nach Megs Hand.

„Meg...“

Sie beugte sich zu ihm hinunter.

„Sie werden es schaffen, George, ganz sicher!“

„Wo finde ich Sie?“ fragte er, obwohl ihm das Sprechen schwerfiel.

Meg überlegte kurz.

„In Sunset Beach.“ sagte sie dann.

Carter lächelte zufrieden.

„Sunset Beach“ wiederholte er, als müsse er sich den Namen fest einprägen. „Ich danke Ihnen...“

„Alles Gute!“ riefen sämtliche Crewmitglieder, dann schlossen sich die Türen des Rettungswagens und das Fahrzeug brauste mit Blaulicht und aufheulender Sirene über das Rollfeld zum Ausgang.

 

„Tja, das war`s dann wohl, Leute!“ fasste Cole die gegenwärtige Situation zusammen. Er warf einen bedauernden Blick auf den riesigen stählernen „Vogel“ neben sich. „Zeit, Abschied zu nehmen!“

Peter nickte und klopfte auf eines der Räder der Maschine.

„Ich weiß nicht, für wen Du demnächst fliegst, Brieftaube, aber sicher nicht mehr für „Blue Sky“!“ meinte er wehmütig.

Langsam stiegen sie die Rolltreppe wieder nach oben, um ihre persönlichen Sachen aus dem Flugzeug zu holen.

„Hab ich vorhin richtig verstanden, als Carter wissen wollte, wo Du zu finden bist?“ fragte Tess und sah Meg gespannt an. „Hast Du Sunset Beach gesagt?“

Meg nickte.

„Toll!“ Tess strahlte. „Das heißt also, Du kommst mit uns!“

„Klar kommt sie mit.“ mischte sich Casey ein. „Ich brauche Euch doch alle, damit Ihr mein Haus auf Vordermann bringt!“

Alle stöhnten im Chor.

„Also das kannst Du vergessen!“ rief Cole. Er stellte sich oben auf die Rolltreppe und breitete die Arme aus. „Hey Leute, wir sind frei! Erobern wir das Paradies!“

 

 

 

Casey, Vanessa, Cole, Tess und Meg kamen erst in der ersten Morgendämmerung in Sunset Beach an. Der Check- out am Flughafen, die Ausstellung der Papiere und eine kleine Abschiedsparty im Los Angeles- Flughafenbüro der „Blue Sky Airlines“ hatten noch einige Zeit in Anspruch genommen. Zuerst hatten sie erwogen, die restliche Nacht im Hotel zu verbringen, aber Casey hatte sie so neugierig auf seinen Heimatort an der Küste gemacht, dass sie beschlossen, ihr Gepäck nachschicken zu lassen und gleich loszufahren. Sie setzten sich in seinen alten Chevy und waren bester Stimmung und voller Vorfreude auf ihr neues Zuhause, als sie L.A. verließen und auf die Küstenstrasse einbogen.

 

Meg sah aus dem Fenster und dachte während der Fahrt über ihr kurzes Gespräch mit Casey nach ihrer Ankunft am Flughafen nach.

Er hatte sie beim Betreten des Terminals zur Seite genommen, so dass die anderen sie nicht hören konnten.

„Er hat nach Dir gefragt.“

„Wer?“ fragte Meg überflüssigerweise, denn sie wußte sofort, von wem die Rede war.

„Ben. Er wollte sich von Dir verabschieden, kam aber nicht durch, weil der Notarzt gerade bei der Arbeit war.“

„Mmh“ machte Meg nachdenklich. „Schade.“

Casey legte den Arm um ihre Schultern.

„Hör mal, Meg,“ sagte er vertraulich, „ich kenne Ben wie gesagt schon ziemlich lange, und eines weiß ich genau, er hätte nicht nach Dir gefragt, wenn Du ihm gleichgültig wärst.“

„Casey, ich...“ versuchte Meg zu widersprechen, aber er schüttelte nur den Kopf.

„Du mußt wissen, er hat es nicht gerade leicht gehabt in den letzten zwei Jahren. Er hat eine ziemliche Enttäuschung wegstecken müssen. Du weißt ja, was das heißt.“

Sie antwortete nicht, strich sich nur müde mit der Hand über die Stirn.

„Auf jeden Fall“ fuhr Casey fort, „hab ich ihm gesagt, wenn er Dich wiedersehen möchte, soll er mich fragen.“

Meg sah erstaunt auf.

„Du hast... was? Hey, das hättest Du nicht tun sollen!“

„Doch“ nickte er und gab ihr einen freundschaftlichen Kuß auf die Wange, „Das war genau das Richtige, wetten?“

 

Meg lächelte in Erinnerung an diese Unterhaltung still vor sich hin, während Casey den Wagen über die kurvenreiche Küstenstrasse lenkte. Im Grunde war sie ihm dankbar, denn nun gab es vielleicht doch eine Chance, diese tiefblauen Augen wiederzusehen. Vorausgesetzt, Ben wollte das auch...  Dann würde er sich irgendwann melden.

Plötzlich wurde Meg von einem tiefen Glücksgefühl erfasst. Vielleicht gab es ja doch ein Schicksal! Und vielleicht würde sich ihres in Sunset Beach erfüllen.

Mit oder ohne Ben Evans, heute fing ein neues Leben an!

 

 

 

 

Am Ortseingangsschild von Sunset Beach, Bundesstaat Kalifornien, stoppte Casey.

„Gedenkminute, Leute! Das ist der Einzug der Gladiatoren. Seit Ihr bereit?“

„Yeah...!“ riefen alle, trotz ihrer Müdigkeit in bester Laune.

Kurz darauf bogen sie in die Ocean Avenue ein.

Plötzlich trat Casey auf die Bremse und setzte den Wagen ein Stück zurück.

„Ist es das hier?“ fragte Vanessa gespannt. „Das schöne Sonnengelbe?“

Caseys Gesicht sprach Bände.

„Das ist doch...“ er riß die Wagentür auf und sprang hinaus. Ratlos blieb er stehen.

Die anderen folgten ihm.

„Was ist?“ erkundigte sich Cole gespannt.

Casey kratzte sich irritiert am Kopf.

„Das ist... nicht mein Haus!“

„Was soll denn das heißen?“ fragte Tess verwirrt.

„Das soll heißen, hier stand das letzte Mal, als ich zu Hause war, noch ein alter grauer Betonklotz, der dringend Farbe gebraucht hätte!“ klärte Casey sie überwältigt auf.

„Wow“ staunte Tess, „Du hast ja wirklich klasse Freunde!“

Casey nickte und hob dann die Hand.

„Wartet bitte einen Moment hier. Mir fällt gerade ein, ich hab gar keinen Schlüssel mit, und ich will die beiden nicht gleich mit einer wilden Horde überrumpeln. Bestimmt schlafen sie noch.“

Er ging zur Haustür und betätigte die Klingel.

Lange Zeit tat sich nichts, dann wurde die Tür langsam und zögernd einen Spaltbreit geöffnet, gesichert durch eine dicke Kette, und Casey sah in das verschlafene, aber unbeschreiblich hübsche Gesicht einer jungen Chinesin.

„Was wollen Sie denn um diese Zeit?“ fragte diese und maß ihn mit einem äußerst misstrauischen Blick.

„Ich...“ Casey fand keine Worte. Wer war diese Frau, wie kam sie in sein Haus und seit wann war an seiner Tür eine Sicherheitskette?

Die junge Chinesin taxierte ihn noch immer missbilligend.

„Falls Sie eine Bleibe für den Rest der Nacht suchen sollten, dann sind Sie hier falsch. Wir sind keine Herberge!“ Sie schloß mit Nachdruck die Tür und Casey stand draussen, ausgesperrt aus seinem eigenen Haus und sprachlos, wie schon seit langem nicht mehr.

Die anderen traten zögernd näher.

„Was war denn das?“ fragte Tess. „Casey, bist Du sicher, dass wir in der richtigen Strasse sind?“

„Nein... ich meine.. ja!“ stotterte der irritiert und ließ keinen Blick von der Haustür.

„Und warum läßt sie Dich dann nicht rein?“

„Keine Ahnung...“ Casey sah seine Freunde ratlos an.

„Na komm, einen Versuch hast Du noch, danach stürmen wir den Laden!“ grinste Cole. „Worauf wartest Du?“

Casey betrachtete einen Moment lang die mit dunkelbrauner Farbe kontrastvoll abgesetzten Tür- und Fensterrahmen, die perfekt mit dem Sonnengelb der neu angestrichenen Hauswände harmonierten. In den Fenstern standen Blumen, und über dem Eingang prangte eine liebevoll aufgemalte Sonne. All das schien mehr das Werk einer zarten Frauenhand zu sein, als das zweier hartgesottener Junggesellen.

Was war hier los?

Entschieden trat er wieder näher und klingelte, diesmal langanhaltend. Als daraufhin erneut nur einen Spaltbreit geöffnet wurde, stellte er todesmutig seinen Fuß zwischen Tür und  Schwelle.

„Hören Sie...“ versuchte er schnell zu erklären, als er sah, wie sich das Gesicht der jungen Frau binnen Sekunden deutlich ins Rötliche färbte, „das hier ist ein Mißverständnis...“

„Das hoffe ich!“ fauchte sie wütend, „denn wenn Sie nicht augenblicklich verschwinden und aufhören, mich zu belästigen, rufe ich die Polizei!“

„Be...lästigen?“ Casey schluckte, behielt aber hartnäckig den Fuß in der Tür. „Hören Sie, Miss, zufällig wohne ich hier!“ brachte er endlich heraus, doch sie lachte nur.

„So so“ meinte sie spöttisch, „und der Papst wohnt im Nebenhaus! Also mit der Masche hat es hier auch noch niemand versucht!“ Sie schüttelte den Kopf und blitzte ihn mit ihren schönen mandelförmigen Augen herausfordernd an. „Nehmen Sie endlich Ihren Fuß da weg!“

Langsam wurde es Casey zu bunt. Er holte tief Luft.

„Das darf ja wohl nicht wahr sein!“ legte er los. „Mein Name ist Casey Mitchum, und ganz zufällig ist das hier mein Haus, das meine Freunde Mark und Michael für mich verwalten sollten. Aber wie ich die Sache hier einschätze, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob die beiden dieser Aufgabe gewachsen waren! Und ich bin mir auch nicht im Klaren darüber, was Sie in diesem Haushalt zu suchen haben, aber meine Freunde hier“ er wies auf die anderen, die wartend auf dem Fußweg standen und die ganze Sache mit wachsendem Interesse verfolgten, „und ich, wir sind seit vielen Stunden unterwegs, und wir sind müde und hungrig, also hätten Sie vielleicht die Güte, diese alberne Kette zu lösen und uns endlich hereinzulassen!“

Die Chinesin starrte ihn sprachlos an.

Unbewusst hatte er, während er sprach, seinen Fuß zurückgezogen. Mit einem Knall war die Tür zu.

„Na, das war`s jetzt.“ dachte er, drehte sich zu den anderen um und zuckte ratlos mit den Schultern.

Zögernd traten seine Freunde näher, als sie plötzlich hörten, wie die Kette innen im Haus klirrend gelöst und die Tür langsam wieder geöffnet wurde.

„Und... Sie sind wirklich Mister Mitchum, der Flugkapitän?“ fragte die junge Frau, noch immer sehr mißtrauisch.

Casey verbeugte sich grinsend.

„Höchstpersönlich, Miss...“

Sie machte keinerlei Anstalten, sich vorzustellen.

„Können Sie sich ausweisen?“ fragte sie stattdessen streng.

„Ähm... ausweisen?“ Er überlegte kurz. Na gut, so in Shirt und Jeans sah er wirklich nicht wie ein Flugkapitän aus, und diese fremde junge Frau maß ihn mit einem Gesichtsausdruck, der keinen Zweifel daran ließ, dass sie die Tür sofort wieder schließen würde, wenn er nicht sofort ihren Forderungen Folge leistete.

„Cole“ rief er, „bitte hol doch mal die Papiere aus dem Wagen, damit wir diese freundliche Lady endlich davon überzeugen können, dass wir den Palast hier bezahlt haben!“

Sekunden später hielt er ihr seinen Führerschein unter die Nase. Sie studierte das Dokument aufmerksam und verglich das darauf befindliche Lichtbild sogar mit Caseys Gesicht.

„Ich bin es wirklich!“ grinste der schelmisch, „ich sah damals nur noch nicht so gut aus!“

Seine Freunde hinter ihm lachten verhalten, während die energische junge Dame keine Miene verzog.

Schließlich reichte sie Casey das Papier zurück und trat zur Seite.

„Entschuldigen Sie, Mister Mitchum, aber ich hatte keine Ahnung, dass Sie heute schon ankommen, noch dazu so früh am Morgen!“

„Kein Problem!“ meinte Casey charmant und drehte sich zu den anderen um.

„Na los, Leute, rein mit Euch!“ rief er mit einladender Handbewegung. „Fühlt Euch ganz wie zu Hause!“

Während Vanessa, Meg, Tess und Cole das Haus betraten, blieb Casey an der Tür stehen und sah die fremde junge Frau neugierig an.

„Verraten Sie mir nun bitte, mit wem ich das Vergnügen habe?“

Sie schluckte nervös und schloß die Tür. Etwas zögernd reichte sie ihm die Hand.

„Rae Chang.“ sagte sie und stellte leicht beunruhigt fest, dass er Casey ihre Hand gar nicht wieder losließ. „Ich bin noch nicht sehr lange in der Stadt, und als ich Mark im Krankenhaus kennenlernte, hat er mir angeboten, ich könnte vorübergehend zur Untermiete hier wohnen.“

„Mark war im Krankenhaus?“ fragte Casey beunruhigt. Rae nutzte die Gelegenheit und entzog ihm hastig ihre Hand.

„Na ja“ meinte sie, „es war nicht weiter schlimm. Er war auf einen Seeigel getreten, und ich hab ihn verarztet.“

Casey kniff die Augen zusammen.

„Dann sind Sie... die neue Ärztin, von der Michael mir am Telefon erzählt hat!“ kombinierte er scharfsinnig. „Allerdings hat er nicht erwähnt, dass Sie meine neue Untermieterin sind.“

Sie nickte.

„Jetzt, wo Sie wieder da sind, werde ich selbstverständlich sofort das Feld wieder räumen...“ beeilte sie sich zu sagen, aber Casey hob abwehrend die Hand.

„Das kommt überhaupt nicht in Frage.“ meinte er. „Wir haben schließlich genug Platz hier.“

Er wollte seinen Freunden nachgehen, als ihm noch etwas einfiel.

„Ähm... Dr. Chang...“

Sie lächelte, das erste Mal an diesem Morgen.

„Bitte nennen Sie mich Rae.“ bat sie. „Den Doktortitel lasse ich für gewöhnlich in der Klinik.“

Casey lächelte zurück.

„Rae...“ seine Stimme klang für einen Augenblick weich und zärtlich. „Sagen sie, wer hat eigentlich das Haus so schön angestrichen?“

„Das haben wir am vergangenen Wochenende gemacht.“ erklärte Rae. „Ich fand dieses öde Grau so furchtbar erdrückend.“ Sie sah ihn prüfend an. „Ich hoffe, es gefällt Ihnen, Mister Mitchum?“

Er betrachtete sie wohlwollend, während sie sprach. Sie war wirklich hübsch mit ihren dunklen, lebhaften Augen und dem langen, schwarzglänzenden Haar. Ihre schlanke, zierliche Figur verhüllte sie gekonnt in einem kimonoartigen Morgenmantel.

„Und ob es mir gefällt. Wunderschön!“ sagte er leise mit verklärtem Blick, und es schien, als meine er nicht nur die Farbe des Hauses damit. Eine zarte Röte überzog daraufhin ihr Gesicht, und sie blickte einen Moment lang verlegen zu Boden. Diese Bewegung ihrer Augen holte Casey in die Wirklichkeit zurück.

„Ähm, Rae... wir sind hier eigentlich alle per Du.“ erklärte er spontan. „Also“ er wies auf seine Freunde, die sich fürs erste um den Couchtisch in dem großen als Wohnzimmer dienenden Eingangsraum niedergelassen hatten, „das sind Vanessa, Meg, Tess und Cole. Und ich bin Casey.“ Sie reichten Rae zur Begrüßung alle die Hand.

„Ich bin Rae“ stellte sich die junge Frau nun ihrerseits vor. „Freut mich, Euch kennenzulernen.“

„Hey, bist Du wirklich Ärztin?“ fragte Tess neugierig.

Rae nickte.

Tess stieß Meg in die Seite.

„Dann habt Ihr zwei ja schon was gemeinsam!“ meinte sie und fügte erklärend hinzu: „Meg versteht nämlich auch`ne Menge von Medizin.“

„So ein Unsinn!“ widersprach diese sofort. „Von einem Doktortitel bin ich ungefähr so weit entfernt wie von meiner Heimatstadt!“

Rae lachte.

„Darüber sollten wir uns aber bei Gelegenheit mal unterhalten.“ schlug sie vor. Dann fiel ihr Blick auf die Uhr über dem Sofa. „Meine Güte, schon so spät!“ rief sie erschrocken. „Ich muß zum Dienst, wir sehen uns später!“ Sie eilte die Treppe hinauf.

Casey sah ihr fasziniert hinterher.

„Mann, ist das eine Klassefrau!“ schwärmte er.

„Hey“ beschwerte sich Tess mit scherzhaftem Unterton, „werd` mir bloß nicht untreu!“

„Na woher denn...“ ging er auf ihren Tonfall ein, zog sie von der Couch hoch und gab ihr einen freundschaftlichen Klaps, „kommt Leute, wir wollen mal sehen, ob wir uns in diesem Single- Haushalt ein kräftiges Frühstück zurechtzaubern können!“

 

„Moment, nicht so eilig! Das Passwort für den Kühlschrank habe immer noch ich!“ tönte eine Stimme von der Treppe her.

Der junge Mann Mitte Zwanzig, der langsam und in lässigem Gang die Stufen hinunterkam, war nur mit Jeans bekleidet. Er wirkte muskulös, drahtig und sehr sportlich. Seine dunkle Haut hatte eine schokoladenbraune Farbe, die schwarzen Augen blitzten schelmisch. Er trug sein Haar kurz, hatte einen gepflegten Bart und um seine Lippen spielte ein verschmitztes Lächeln.

„Michael!“ Casey ging eilig auf ihn zu und die Männer begrüßten sich herzlich.

„Hey Mann, laß Dich ansehen, Du Überflieger!“ rief Michael und maß Casey mit prüfendem Blick. „Na immerhin, den abschied von Deiner „Brieftaube“ scheinst Du ja ganz gut überstanden zu haben.“ Seine Augen wanderten zu den anderen hinüber, die diese Szene interessiert beobachteten.

Casey stellte seinem Freund die jungen Leute vor. Freundlich lächelnd reichten sie sich die Hände.

„Wow, hier ist ja ein Mädchen schöner als das andere!“ schwärmte Michael und sah Vanessa dabei tief in die Augen. „Willkommen in Sunset Beach, dem Paradies, das die Liebe erschaffen hat!“

„Dankeschön“ lächelte Vanessa zurück und betrachtete ihn wohlwollend, während er ihnen den Weg in die Küche wies.

„Mark schläft noch“ erklärte er Casey beiläufig, „er hat gestern bis spät in die Nacht im „Deep“ ausgeholfen und war todmüde.“

„Haben die etwa immer noch Personalmangel?“ fragte dieser ungläubig. Michael nickte.

„Ja, und wie ich gehört habe, will der neue Besitzer die Bar auch wieder abgeben, da er angeblich nicht aus den roten Zahlen rauskommt.“

„Schade drum.“ Casey zuckte bedauernd die Schultern. „Dabei ist das „Deep“ wirklich eine Investition wert. Wenn es endlich einer verstehen würde, das Lokal richtig zu führen, dann könnte das eine wahre Goldgrube sein!“

„Na dann“ meinte Michael spasshalber, „ich denke, Ihr sucht momentan alle einen neuen Job!“

„Wir?“ Cole grinste und zwinkerte den anderen zu. „Wir machen jetzt erst einmal Ferien und lassen die anderen arbeiten!“

 

Minuten später zog ein köstlicher Duft von frischem Kaffee, aufgebackenen Brötchen und Rührei mit Schinken und Speck durchs Haus.

Rae steckte den Kopf zur Tür herein.

„Mmh... das schnuppert!“ schwärmte sie.

„Na komm, setz Dich zu uns, es ist genug von allem da.“ rief Casey mit einer einladenden Handbewegung, doch Rae wehrte bedauernd ab.

„Keine Zeit, ich bin schon ziemlich spät dran! Bis dann...“ Weg war sie.

„Ihr habt Euch schon kennengelernt?“ fragte Michael.

Casey nickte bedeutungsvoll.

„Sie ist klasse!“ meinte er anerkennend.

Michael grinste.

„Und sie hat Euch so ohne weiteres einfach ins Haus gelassen?“ erkundigte er sich ungläubig.

„Klar!“ antwortete Casey mit einem Blick wie ein Unschuldslamm, worauf alle in schallendes Gelächter ausbrachen.