Teil 11
Den ganzen Nachmittag über hatte Meg vergeblich auf einen Anruf von Ben gewartet.
Es wurde Abend, und die anfängliche Aufregung wandelte sich allmählich in ein Gefühl der Enttäuschung, obwohl sie sich einzureden versuchte, er würde sie vielleicht überraschen wollen und irgendwann plötzlich in der Tür stehen. Also machte sie sich fein, zog das neue blaue Kleid an und erntete entsprechende Komplimente von ihren Mitbewohnern. Nur der, für den sie sich so fantastisch zurechtgemacht hatte, kam nicht, um sie abzuholen.
Schließlich beschloß sie, nicht mehr länger herumzusitzen und zu warten. Sie zog Jeans und Pulli an und ging hinunter zu den anderen. Die saßen lärmend um den Küchentisch und spielten Karten.
Eigentlich hatte Mark allen vorgeschlagen, später noch im Deep vorbeizuschauen, aber dann hatte irgendwer ein Kartenspiel hervorgeholt und der Abend war gelaufen.
„Nanu, Meg!“ rief Tess. “Wir haben gedacht, Du bist schon lange weg!”
Achselzuckend setzte sich Meg zu ihnen und quälte sich ein verbindliches Lächeln ab.
„Ach was, er ist bestimmt aufgehalten worden.“ versuchte Casey sie aufzuheitern. „Komm, spiel mit, aber Vorsicht, ich bin hier von üblen Betrügern umgeben!“
Und wahrhaftig, die Küche glich einem Casino, sie lärmten und lachten und waren voll im Spielfieber, von dem sich schließlich auch Meg anstecken ließ.
Erst kurz vor Mitternacht löste sich die lustige Runde auf.
Während alle anderen müde die Treppe hinauf in ihre Zimmer schlichen, wagte Casey den zaghaften versuch, Rae noch zu einem kleinen nächtlichen Strandbummel einzuladen. Erstaunt sah sie ihn an, doch als sie gerade antworten wollte, signalisierte ihr Piepser, dass sie als Bereitschaftsärztin in der Klinik erwartet wurde. Sie eilte ans Telefon und war nach einer Minute wieder zurück.
„Tut mir leid, Casey, aber ein Blindarm- Durchbruch war schneller als Du...“ lächelte sie entschuldigend. „Würdest Du mir bitte Deinen Wagen leihen?“
„Natürlich, kein Problem.“ Schnell holte er die Autoschlüssel. „Der Strand ist ja auch morgen noch da.“
„Ja“ nickte sie, erleichtert darüber, dass er nicht böse war. „Morgen habe ich auch keinen Bereitschaftsdienst mehr.“ Sie sah ihn mit einem Blick an, der sein Herz unwillkürlich schneller schlagen ließ. „Gute Nacht, Casey!“
Ganz in Gedanken versunken ging er in die Küche zurück. Ein Zusammenleben mit einer Ärztin wäre bestimmt nicht langweilig, überlegte er, allerdings könnte ja dieser verdammte Piepser noch in ganz anderen Situationen losgehen...
Mark inspizierte gerade den Inhalt des Kühlschrankes und grinste, als er Caseys nachdenkliches Gesicht sah.
„Na, Herr Flugkapitän, das war wohl jetzt eine glatte Bauchlandung, was?“
„Na ja“ stimmte dieser widerstrebend zu, „Dienst ist eben Dienst, da kann man nichts machen.“ Er sah die Wurst in Marks Hand. „Hey, die sind doch für morgen, Fresssack!“
Mark schaute auf seine Uhr.
„Ja und? Es ist morgen!“ entgegnete er mit unschuldigem Blick und vollem Mund.
Kurzentschlossen angelte sich Casey auch ein Würstchen aus dem Glas.
„Mh... wo Du recht hast, hast Du Recht!“ meinte er und biß herzhaft hinein. „Schläfst Du eigentlich wieder auf der Couch heute Nacht?“ fragte er kauend.
Mark nickte.
„Heute nochmal. Morgen suchen Tiff und ich eine Bleibe für sie. Ich hab da schon so eine Idee, mal sehen, ob`s klappt.“
Casey nickte.
„Tja, hoffentlich. Hier kann sie nicht bleiben, wir haben im Moment wirklich keinen Platz. Woran hattest Du denn gedacht?“
„Ich will Elaine fragen, ob das kleine Zimmer über dem Waffelshop noch frei ist. Tiff hat zwar momentan kein Geld, aber vielleicht könnte sie ihr dann ab und zu im Shop etwas helfen, anstatt Miete zu zahlen.“
„Gute Idee!“ fand Casey.
„Apropos Miete...“ Plötzlich fiel Mark etwas ein. Er ging zum Küchenschrank und nahm einen Umschlag aus der Schublade. „Die Miete für diesen Monat... von uns allen!“
Casey sah ihn ungläubig an.
„Was soll das heißen, von Euch allen?“
Mark grinste.
„Wir haben uns heute darüber unterhalten und waren uns alle einig, dass wir Dir monatlich einen bestimmten Betrag zahlen. Schließlich wohnen wir hier, wir kaufen ein, wir kochen Essen und Du mußt den Kredit für das Haus pünktlich zahlen. Außerdem sollten wir so schnell wie möglich eine Haushaltskasse anlegen. Michael, Rae und ich haben uns immer reingeteilt, aber jetzt, wo wir ein paar mehr Leute sind...“
Casey wollte protestieren, doch Mark schüttelte entschieden den Kopf. „Vergiß es, wir sind uns einig, Du hast überhaupt keine Chance! Nimm das Geld, schließlich bist Du ja zur Zeit auch noch ohne Job. Und dann müßte in der nächsten Zeit mal der Zaun repariert werden, spätestens in einem Jahr ist das Dach dran, damit es uns nicht beim nächsten Sturm um die Ohren fliegt, dann wäre da noch...“
Casey hob abwehrend die Hände.
„Okay, okay! Überredet!“ rief er lachend. „Darauf noch ein Würstchen!“
Sie angelten in dem Wurstglas und ließen es sich schmecken, als es plötzlich an der Eingangstür klingelte.
„Nanu“ wunderte sich Casey, „wer kann das sein, um diese Zeit?“ Er ging hinaus und öffnete die Tür.
„Ben?“ fragte er ungläubig. „Reichlich spät für ein Rendezvous, findest Du nicht?“ Er trat beiseite. „Na los, komm erstmal rein!“
Ben trat näher und grinste.
„Ich hoffe, ich hab Dich nicht geweckt? Schlafen etwa schon alle?“
„Na ja, sagen wir, fast alle...“ lachte Casey und fügte mit einem Blick auf den Rosenstrauß hinzu: „Aber ich nehme an, damit willst Du nicht zu mir, oder?“
„Ich wußte nicht, dass Du auf Rosen stehst!“ konterte Ben. Dann aber wurde sein Gesicht ernst. „Sorry, Casey, aber heute ist einfach alles schiefgegangen. Meg hat bestimmt gewartet...“
„Na ja, schon...“ gab Casey zu, „aber ich finde, sie hat es mit Fassung getragen. Ich hab Dir ja schon einmal gesagt, sie ist was Besonderes, weißt Du noch?“
Ben nickte lächelnd.
„Ich weiß.“
Casey wies auf die Treppe.
„Versuch Dein Glück, aber ich kann Dir nicht versprechen, ob sie noch auf ist. Den Gang entlang, das vorletzte Zimmer rechts...“
Ben gab Casey einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter.
„Danke!“ Er eilte die Stufen hoch und klopfte leise an Megs Zimmertür.
Es rührte sich nichts.
Er startete noch einen Versuch, aber wieder keine Reaktion.
„Schade“ dachte Ben, „anscheinend schläft sie wirklich schon.“ Etwas enttäuscht wandte er sich um und wollte schon gehen, als hinter ihm die Tür leise geöffnet wurde.
„Ben?“ Ungläubig lugte Meg durch den Türspalt. Dann aber huschte ein Lächeln über ihr hübsches Gesicht und sie trat auf den Flur heraus. „Hey, vielleicht sollten wir das nächste Mal eine bestimmte Zeit verabreden!“ meinte sie schelmisch.
Ben betrachtete sie einen Moment lang lächelnd.
„Du siehst... so süß aus!“ sagte er leise. Er fand sie unwiderstehlich mit den zerzausten Locken, die ihr Gesicht einrahmten, und dem viel zu großen Footballshirt, das sie anscheinend als Nachhemd trug.
Meg nahm einfach spontan seine Hand und zog ihn ins Zimmer.
„Komm schon rein, die anderen schlafen alle längst!“ Sie schloß die Tür und machte Licht.
„Entschuldige die Unordnung, aber ich hatte um diese Zeit nicht mehr mit Besuch gerechnet.“
Er reichte ihr den Rosenstrauß.
„Es tut mir so leid, Meg, dass Du umsonst gewartet hast, ich kann es Dir erklären...“
„Okay“ meinte sie lachend, „nun setz Dich erstmal.“
Ben musterte sie erstaunt. Andere Frauen wären wegen der geplatzten Verabredung sicher beleidigt gewesen, aber sie kein bisschen. Das imponierte ihm.
Meg schnupperte an den Rosen.
„Mmh, wie das duftet! Sie sind wunderschön, Ben, vielen Dank!“
Während sie mit einer Vase hinausging, um im Badezimmer Wasser für die Blumen zu holen, sah er sich kurz im Zimmer um.
Der Raum war nicht sehr groß und auch nur einfach möbliert, aber Meg hatte ihm schon eine ganz besondere persönliche Note verliehen. Über ihrem Bett war der Wimpel der Ludlow-High- School angebracht, eine ganz persönliche Erinnerung an ihre Jugendzeit in ihrem Heimatort in Kansas. Gleich daneben hatte ein großer geflochtener Sonnenhut mit verspielten bunten Bändern seinen Platz gefunden. Auf der kleinen Kommode mit dem runden Spiegel neben der Tür lagen einige persönliche Dinge von ihr, das Handy, ein Lippenstift und ein Fläschchen mit Parfüm. Am Kleiderschrank hing ein wunderschönes blaues Kleid mit Spagettiträgern auf einem Bügel. Ben vermutete, dass sie das wohl heute abend für ihn getragen hätte, wenn er nur pünktlich hier gewesen wäre.
Neben dem Bett auf dem Nachttisch stand ein gerahmtes Foto. Er betrachtete es genauer.
Das mußten wohl ihre Eltern sein, die Ähnlichkeit mit ihrer Mutter war unverkennbar. Und neben ihrem Vater, das war sicher ihre Schwester. Sie hatte die gleiche schöne Augenpartie, nur ihr Haar war blond.
Meg war unbemerkt hinter ihn getreten und wies auf das Foto.
„Meine Mum, mein Dad und Sara, meine jüngere Schwester.“ erklärte sie kurz und stellte die Rosen auf den kleinen runden Tisch, der zwischen zwei Sesseln vor der Veranda stand. Liebevoll ordnete sie die Blumen in der Vase. Dann wandte sie sich um und machte eine einladende Handbewegung Richtung Verandatür.
„Komm mal mit, ich habe hier einen ganz phantastischen Ausblick!“ schwärmte sie und nahm seine Hand. Bereitwillig folgte ihr Ben. Sie legte den Finger an die Lippen.
„Wir müssen leise sei, damit wir die anderen nicht aufwecken.“
Sie standen auf dem Balkon und sahen gemeinsam aufs Meer hinaus. In den Wellen spiegelte sich das Mondlicht. Der Wind rauschte leise durch die Blätter der Palme neben dem Haus.
„Weißt Du was,“ flüsterte Meg, „ich fühle mich hier wie im Paradies!“
Ben nahm sie lächelnd in den Arm, und sie legte ihren Kopf an seine Schulter. So standen sie eine Weile und genossen einfach nur gegenseitig die Nähe des anderen.
Irgendwann löste sich Meg von Ben und trat ins Zimmer zurück.
„Du wolltest mir noch erzählen, warum Du Dich heute abend nicht gemeldet hast.“ sagte sie leise, setzte sich in den einen Sessel und wies auf den anderen. „Oder hast Du keine Zeit mehr?“
„Ich habe alle Zeit der Welt, Meg.“ antwortete er, ohne den Blick von ihr abzuwenden, und nahm Platz.
Meg sah ihn gespannt an. Würde er ihr von Maria erzählen oder sich nur fadenscheinig herausreden?
„Du erinnerst Dich doch bestimmt an Gregory Richards, meinen Geschäftspartner?“ fragte er. Meg nickte.
„Natürlich.“
„Seine Frau hatte gestern abend einen Unfall. Sie ist die Treppe in ihrem Haus hinuntergestürzt und erlitt eine Fehlgeburt. Gregory war natürlich völlig fertig und rief mich heute im Büro an. Ich bin dann nach Feierabend zu ihm gefahren und wir haben einfach nur geredet...“ Er machte eine Pause. „Aber das war noch nicht alles.“ sagte er dann mit bedeutungsvollem Blick. „Eigentlich fing das ganze Dilemma schon am Abend zuvor an, als ich vom Surf Center nach Hause kam...“
Und dann erzählte Ben ihr von Maria, so wie sie ihm von Tim erzählt hatte. Er ließ nichts aus und sprach zum ersten Mal auch über seine Gefühle während der letzten zwei Jahre. Mit Erstaunen stellte er fest, dass es ihm guttat, darüber zu reden. Meg hörte aufmerksam zu und unterbrach ihn nicht.
„Und als ich dann heute abend endlich nach Hause kam, war Maria noch da.“
„Im hellblauen Negligè“ dachte Meg, sagte aber nichts.
„Und... wo ist sie jetzt?“ fragte sie stattdessen.
„Sie wollte zu ihrer Mutter.“ antwortete Ben. Meg sah ihn einen Moment lang schweigend an.
„Sag mir bitte die Wahrheit“ bat sie dann mit ernster Stimme, „liebst Du sie noch?“
Nachdenklich starrte er auf einen imaginären Punkt im Zimmer.
„Bis vor zwei Tagen hätte ich diese Frage nicht beantworten können, weder für mich selbst, noch für jemand anderen.“ meinte er, mehr zu sich selbst, doch dann suchten seine Augen Megs Blick. „Ich wäre nicht hier, wenn meine Gefühle für Maria noch die selben wären.“
Meg lächelte und stand auf.
„Es ist spät, Du solltest jetzt gehen.“ sagte sie leise. Ben erhob sich und nickte.
„Ja, Du hast recht.“
Als sie an der Tür standen, legte er seine Hände auf ihre Schultern und streichelte sie sanft.
„Bist Du mir böse wegen der geplatzten Verabredung?“
„Nein, überhaupt nicht.“ antwortete sie. „“Ich danke Dir, dass Du so ehrlich warst und mir alles von Deiner... von Maria erzählt hast.“
Ben lächelte.
„Schon okay, Du hast mir doch auch von Deiner geplatzten Hochzeit erzählt.“ Er strich ihr
liebevoll über die Wange.
„Meg?“
„Ja?“
„Ich möchte gern morgen den Tag mit Dir verbringen, nur wir beide. Hast Du Zeit für mich?“
Sie nickte glücklich.
„Gerne!“
Er deutete zum Schrank hinüber.
„Ziehst Du das dort an? Daran siehst Du sicher phantastisch aus!“
Sie mußte lachen.
„Das Blaue? Mal sehen, was sich machen läßt...“
Ben zog sie dicht an sich heran und küßte sie leidenschaftlich. Durch den dünnen Stoff ihres T- Shirts spürte er ihren schlanken Körper und die Wärme, die davon ausging.
Meg erwiderte seinen Kuß voller Hingabe, doch dann legte sie ihre Hände auf seine Brust und schob ihn sanft von sich.
„Gute Nacht, Ben!“ sagte sie zärtlich, aber bestimmt. Er verstand.
„Bis morgen!“ flüsterte er leise und verschwand auf den dunklen Flur hinaus.
Meg schloß die Tür und lehnte sich schweratmend dagegen.
„Laß Dir Zeit...“ mahnte eine innere Stimme, aber eine andere meckerte sogleich:
„Warum hast Du ihn gehen lassen?“
Sie holte tief Luft und wollte gerade das Licht löschen, als es abermals an der Tür klopfte.
Ben stand draußen, lässig an den Türrahmen gelehnt und grinste.
„Sorry, aber ich komm hier nicht raus. Unten ist abgeschlossen. Wo habt Ihr den Schlüssel?“ fragte er leise.
Meg zog die Augenbrauen hoch.
„Keine Ahnung, wo Casey den hingetan hat! Vielleicht liegt er auf dem Tisch im Wohnzimmer?“
„Da wollte ich gerade nachsehen, aber Mark schläft auf der Couch und ich möchte ihn nicht erschrecken...“
„Mh...“ Meg überlegte. Das würde bedeuten, dass Ben hier übernachten mußte, es sei denn, er sprang vom Balkon!
Er schien ihre Gedanken zu erraten und lachte.
„Wenn Du eine Decke hast, dann schlafe ich auf dem Fußboden, kein Problem!“
„Auf dem... nein, auf keinen Fall!“ meinte Meg entschieden, schloß aber zunächst die Tür hinter ihm.
„Warte, ich hab eine Idee!“ sagte er und schob kurzerhand die beiden Sessel zusammen. „So, das geht doch hervorragend!“ Ehe Meg sich versah, zog er sein Hemd aus, setzte sich in den einen Sessel und legte die Beine auf den anderen. „Siehst Du, das Problem hätten wir gelöst.“
Meg betrachtete die Sache skeptisch.
„Ich kann ihn ja schlecht in mein Bett einladen“ dachte sie, „das wäre wohl etwas zu offensichtlich...“
„Glaubst Du wirklich?“ fragte sie. „Ich meine, wir... wir könnten ja auch unten ein Fenster öffnen oder uns an Mark vorbei zum Küchenausgang schleichen...“
Ben verbiß sich ein Lächeln.
„Ich wette, in der Küche ist auch abgesperrt, und Mark wird sich derart erschrecken, dass er das ganze Haus zusammenbrüllt.“
„Auch wieder wahr...“ Immer noch etwas ratlos holte Meg schließlich eine Decke aus dem Schrank und reichte sie ihm.
„Na dann“ sie hauchte ihm einen Kuß auf die Wange. „Gute Nacht, Ben!“
Sie löschte das Licht und huschte ins Bett.
„Gute Nacht, Meg.“
Es war ganz still im Zimmer, nur das ferne Rauschen der Wellen drang durch die geöffnete Verandatür. Meg hoffte, dass Ben nicht hören konnte, wie ungewöhnlich laut ihr Herz schlug.
Sie wagte kaum zu atmen.
Wenig später hörte sie, wie er sich in dem Sessel herumwarf und anscheinend vergeblich versuchte, eine bequeme Lage zu finden.
„Ben?“ rief sie schließlich leise.
„Mmh?“
„Das ist doch sicher sehr unbequem, ich meine... na ja, ich könnte ja auch ein Stück zur Seite rücken...“ Sie biß sich verlegen auf die Lippen.
Einen Moment lang war Ruhe, dann meinte er leise:
„Also das wäre vielleicht... autsch... eine ganz gute Idee...“ Wumm!
Es gab einen dumpfen Knall.
„Ben?“
Meg schaltete erschrocken das Licht auf ihrem Nachtisch ein. Das Bild, das sich ihr bot, kostete sie ihre ganze Selbstbeherrschung, um nicht laut loszulachen.
Durch seine letzte Drehung hatte Ben den einen Sessel nach hinten und den anderen mit den Füßen nach vorn weggeschoben und war ziemlich unsanft auf dem Fußboden gelandet, wo er sich leise fluchend aus der Decke befreite.
„Ich hoffe nur, Dein Angebot eben war ernst gemeint, bevor ich mir hier das Genick breche!“
knurrte er und sah zu Meg hinüber, die lachend auf die Bettkante wies und demonstrativ zur Seite rückte.
Grinsend rappelte er sich auf und kam herüber.
„Okay, auf Deine Verantwortung!“ meinte er und streckte sich auf der angebotenen Betthälfte aus. Meg klebte hinten an der Wand.
„Machst Du bitte das Licht aus?“
Er drückte auf den Lichtschalter.
Dunkelheit. Stille.
„Meg?“
„Mmh?“
„Du wirst Dich erkälten, wenn Du die ganze Zeit so dicht an der kalten Wand liegst!“
Er streckte seinen Arm aus. „Na komm schon her, ich beiße nicht.“
Sie lächelte im Dunkeln und ihr Herz machte völlig unkontrollierte Sprünge.
Absichtlich zögernd rückte sie näher und kuschelte sich in seinen Arm.
„Bequem so?“ fragte er und zog sie sicherheitshalber noch ein Stück zu sich heran.
„Mmh...“ schnurrte sie und fühlte sich plötzlich unbeschreiblich wohl. Die Vernunftstimme in ihrem Inneren war konsequent zum Schweigen verurteilt.
Sie legte eine Hand auf seine Brust, zuckte aber erschrocken zurück, da sie nicht daran gedacht hatte, dass er kein Hemd mehr trug.
Jetzt war es Ben, der im Dunkeln lächelte.
Er nahm ihre Hand und legte sie zurück auf seine Brust. Seine Finger strichen leicht und zärtlich über ihren Arm.
„Schlaf gut, Meg“ flüsterte er und küßte ihr Haar. Meg spürte das und hob den Kopf.
Ihre Lippen fanden sich sofort, als würden sie magisch voneinander angezogen, und mit diesem innigen Kuß waren alle guten Vorsätze dahin...
Ben küßte sie so intensiv und leidenschaftlich, dass sie glaubte, ihr würden die Sinne schwinden. So hatte sie noch nie zuvor empfunden... Sie spürte, wie seine Hand unter ihr Shirt glitt und ihren Körper Zentimeter um Zentimeter erkundete. Sie stöhnte leise und schaltete den Verstand aus, viel zu schön war dieses Gefühl...
Sie liebten sich voller Hingabe und ließen sich von einem überwältigenden Gefühl der Leidenschaft davontragen.
Später, viel später lagen sie sich beide außer Atem in den Armen und schliefen glücklich engumschlungen ein.
Casey stand auf seinem Balkon und bemerkte, wie nebenan bei Meg das Licht gelöscht wurde.
Zufrieden grinsend trat er ins Zimmer zurück und schwang mit einem bedeutungsvollen Blick auf den Schlüsselbund, der auf seinem Nachttisch lag, die Beine ins Bett.
„Manchmal muß man dem Schicksal eben ein wenig nachhelfen!“ dachte er und schlief wenig später beruhigt ein.