Als Casey an diesem Abend ins Surf Center zurückkam, waren dort heiße Diskussionen im Gange. Sie saßen alle in der Küche, während Cole und Tess über ihre Idee sprachen, das Deep zu übernehmen. Nicht alle Mitbewohner teilten ihre Begeisterung.
„Wo wollt Ihr denn so viel Geld hernehmen?“ fragte Rae skeptisch, die Caseys Blick kontinuierlich auswich, seit er den Raum betreten hatte. „Ihr müsst den jetzigen Besitzer auszahlen und außerdem müsst Ihr auch allerhand investieren, um den Laden in Schwung zu bringen!“
„Nein, ganz so schlimm ist das gar nicht.“ wehrte Tess ab. „Cole hat schon mit dem Mann gesprochen und er ist froh, wenn er die Bar los ist, er hat einen Kredit darauf laufen, und wenn wir den übernehmen würden, wäre er einverstanden und der Laden gehört uns!“ erklärte sie euphorisch.
„In die Bar selbst brauchen wir gar nicht so viel zu investieren, es ist alles da, es fehlen nur ein paar neue Ideen, um das Ganze etwas aufzupeppen.“ fügte Cole hinzu.
„Aber Ihr seid nur zwei Leute, wie wollt Ihr das schaffen?“ warf Michael ein. „Oder könnt Ihr Euch schon Angestellte leisten?“
Betreten sahen Cole und Tess sich an.
„Na ja, dann müssen wir eben die doppelte Arbeit machen.“ meinte Tess kleinlaut. „Zumindest in den ersten Wochen.“
„Also mir gefällt die Idee.“ ließ sich Vanessa plötzlich vernehmen. „Das nenne ich Mut zum Risiko!“
„Na, ich weiß nicht recht...“ Rae schien überhaupt nicht begeistert von der Sache. „Was ist, wenn es schief geht?“
Casey trat näher.
“Wenn es schief geht?” wiederholte er und sah Rae dabei bedeutungsvoll an. „Davon geht die Welt nicht unter. Ich finde, es ist durchaus einen Versuch wert. Es gibt nun mal nicht für alles im Leben Garantien, und wenn mal was nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat, ist man zumindest hinterher klüger.“
Rae errötete, denn sie verstand genau, dass Caseys Worte nicht nur Cole und Tess galten.
„Casey hat recht.“ stimmte Meg zu, die unbemerkt von den anderen mit Ben in die Küche gekommen war. „Ich kenne zwar das Deep noch nicht, aber was ich bisher gehört habe...“
Ben schmunzelte.
„Die Bar gibt es schon lange, und sie war jeden Abend brechend voll. Aber in den letzten Jahren ist sie einfach von den falschen Leuten geführt worden, die nur auf schnelles Geld aus waren und nicht wußten, worauf es ankommt. Das richtige Feeling gehört eben dazu.“
„Na das hat Cole ja heute abend schon bewiesen!“ rief Tess und erzählte von seinem gelungenen D.J.- Auftritt.
„Die Leute waren hell begeistert und haben getanzt wie schon lange nicht mehr.“ fügte Mark hinzu und schnipste mit den Fingern. „Sowas würde ich mir auch zutrauen.“
„Na dann machs doch!“ spornte Michael ihn an. „Du hast doch sowieso andauernd nach der Arbeit im Deep ausgeholfen, dann kannst Du auch für Cole und Tess den D.J. machen!“
Mark zuckte die Schultern und sah die beiden abwartend an.
„Ja, wenn Ihr wollt... ich meine, ich würde das auch erst einmal versuchsweise ohne Bezahlung machen, sozusagen auf Probe.“
„Natürlich!“ Tess strahlte. „Das wäre toll, Mark.“
„Also ich würde Euch auch gern in der ersten Zeit aushelfen, solange ich keinen Job gefunden habe und sowieso Urlaub mache.“ erklärte sich Vanessa spontan bereit.
Meg nickte zustimmend.
„Mit mir könnt Ihr auch rechnen.“
„Ich bin dabei. Ihr braucht ja bestimmt jemanden, der sich um die Lieferungen kümmert. Und bevor ich den ganzen Tag dumm hier rumsitze...“ grinste Casey.
„Wow, ich fasse es nicht!“ rief Tess und sprang auf. „Das würdet Ihr wirklich für uns tun?“ Sie blickte Cole an und ihre Augen glänzten. „Ich bin sprachlos!“
„Ein äußerst seltener Zustand!“ erwiderte er trocken und zwinkerte ihr zu. An die anderen gewandt meinte er: „Also ich finde es ganz toll, dass Ihr uns helfen wollt! Zumindest, bis wir ein bisschen Fuß gefasst haben und der Laden läuft, so dass wir uns ein paar Angestellte leisten können.“
Casey hob die Schultern und lachte.
„Wozu hat man Freunde! Immerhin waren wir eine Crew!“
„Und ab jetzt sind wir`s auch wieder!“ rief Cole. „Wenn schon nicht in der Höhe, dann wenigstens im Deep, in der Tiefe.“
„Und Du bist sicher, das Du im Deep arbeiten willst?“ meinte Ben ein wenig skeptisch, als Meg ihn zum Abschied an die Tür brachte. „Ich meine, wir hätten ja dann kaum mal einen Abend für uns!“
Meg lächelte.
„Du willst also Deine Abende mit mir verbringen?“ fragte sie schelmisch.
„Du nicht?“ Ben zog sie dicht zu sich heran. „Aber was soll`s, dann werde ich eben Stammgast im Deep.“
Meg schloß die Augen, als er zärtlich ihre Lippen küßte.
„Und wenn Deine Arbeit beendet ist, hole ich dich ab und bring Dich heim... oder auch nicht!“ flüsterte er. Meg kuschelte sich wohlig in seinen Arm.
„Ich werde auch nicht ewig im Deep arbeiten, nur die ersten Wochen, bis sich alles für die beiden eingespielt hat. Sobald im Krankenhaus ein Job frei wird, gibt mir Rae bescheid.“
„Im Krankenhaus?“
Meg nickte.
„Ich würde gern wieder da arbeiten. In der Branche hab ich bisher die meisten Erfahrungen gesammelt, und wer weiß, vielleicht mache ich das Medizinstudium ja doch noch.“
Ben sah sie nachdenklich an.
„Dann sehe ich Dich ja überhaupt nicht mehr!“
„Keine Sorge“ lachte sie, „wozu gibt es Fernstudienplätze! Aber momentan kann ich mir das sowieso nicht leisten, erst muß ich einen festen Job haben.“
„Ich könnte Dich in der Liberty Corporation unterbringen.“ schlug er vor, doch Meg schüttelte den Kopf.
„Für Dich arbeiten? Nein Ben, das möchte ich nicht. Außerdem würde ich dann ständig Annie Douglas über den Weg laufen, und das wird mir auf die Dauer etwas zu stressig!“
Sie lachten beide.
„Annie wird sich schon beruhigen.“ meinte Ben. „Und Du kannst ja nochmal in Ruhe über mein Angebot nachdenken.“
„Okay, das werde ich tun. Gute Nacht, Ben!“ Sie stellte sich etwas auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuß auf die Wange, doch damit gab er sich nicht zufrieden. Behutsam nahm er ihr Gesicht zwischen seine Hände und sah ihr tief in die Augen.
„Das heute war der schönste Tag seit unendlich langer Zeit, Meg!“ sagte er leise. „Du bist einfach wundervoll!“ Und bevor sie etwas erwidern konnte, verschloß er ihre weichen Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuß.
Am nächsten Morgen verließ Maria schon zeitig das Haus, um sich mit einer Maklerin zu treffen, die ihr verschiedene leerstehende Wohnungen anbot. Noch am selben Vormittag entschied sie sich spontan für ein kleines Zweizimmer- Appartement in der Nähe des Strandes mit Blick aufs Meer. Sie handelten einen angemessenen Mietpreis aus, und als sie am Mittag nach Hause kam, hatte sie bereits den Schlüssel zu ihrer neuen Wohnung in der Tasche.
„Das geht mir alles ein wenig zu schnell!“ beschwerte sich Madame Carmen, als ihre Tochter ihr eröffnete, sie wolle sofort mit dem Umzug ihrer Sachen beginnen. „Weshalb dieser überstürzte Auszug? Wieso suchen wir nicht erst in Ruhe ein paar hübsche Möbel für Dich aus, damit Du Dich dort auch wohlfühlst?“ fragte sie mißbilligend. „Du weißt, Du bist hier willkommen und kannst so lange bleiben, wie Du möchtest! Du mußt nicht Hals über Kopf...“
„Ja Mama, ich weiß.“ unterbrach Maria sie mit einem Lächeln, „Aber ich möchte gern noch einmal von vorn anfangen, und dazu gehört eben auch ein eigenes Zuhause. Und wenn ich mich erst wieder an mein Zimmer hier und an Deine gute Kost gewöhnen würde, fiele es mir nur um so schwerer, auszuziehen. Also dann schon lieber sofort!“
Madame Carmen nickte seufzend.
„Na gut, mein Kind, wie Du meinst. Aber warte wenigstens, bis Dein Bruder nach Hause kommt. Er kann dir helfen.“
„Einverstanden.“ Maria nahm die Hand ihrer Mutter und streichelte sie liebevoll. „Mach Dir keine Sorgen, Mama, die Wohnung ist sehr hübsch möbliert und frisch tapeziert. Außerdem ist sie höchstens zehn Minuten von hier entfernt. Wir können uns sehen, sooft wir wollen.“
Später als sie allein in ihrem Zimmer war, griff sie zum Telefon. Wenn ihr Plan gelingen sollte, mußte sie schnell handeln. Sie wählte die Nummer, die sie auswendig wußte.
„Hallo Ben. Ich bin es, Maria!“
Nachdenklich legte Ben den Hörer wieder auf.
War es richtig gewesen, Marias Einladung zum Abendessen anzunehmen? Sie hatte ihm eben erzählt, sie hätte eine eigene Wohnung unten am Ocean Drive, und sie hatte ihn eindringlich gebeten, ihre Einladung für morgen abend zum Abendessen anzunehmen, als Entschuldigung für ihr, wie sie sagte, unmögliches Benehmen vor zwei Tagen in seinem Haus.
„Ich möchte, das wir uns an die schönen Zeiten erinnern, wenn wir uns später begegnen, und uns wie Freunde in die Augen sehen können.“ hatte sie gesagt. „Bitte Ben, gib mir die Chance, wenigstens ein bisschen wieder gutzumachen, was ich Dir angetan habe.“
Erst wollte er spontan ablehnen, aber ihre Bitte klang so ehrlich, und es schien ihr unendlich viel daran zu liegen, alle Mißverständnisse zwischen ihnen auszuräumen, dass er schließlich zustimmte.
„Gut, ein Abendessen, Maria, aber ich bitte Dich, interpretiere nicht mehr hinein, als es ist, nämlich ein Treffen zwischen... Freunden.“
„Natürlich, Ben.“ hatte sie leise geantwortet. Leider konnte er das Lächeln nicht sehen, das sich danach über ihr Gesicht zog.
„...zwischen Freunden“ sagte sie geringschätzig, als sie aufgelegt hatte. „Wir waren ein Liebespaar, Ben, und das werden wir auch wieder sein!“
Rae hatte die halbe Nacht nicht geschlafen. Zuviel ging ihr im Kopf herum, und der Hauptgrund war Casey und sein vermeintliches Verhältnis zu diesem rothaarigen Biest im Badetuch. Wie sie sich in seine Arme geworfen hatte!
Und ausgerechnet vor dem Haus seiner ehemaligen Geliebten war er stehengeblieben und hatte versucht sie zu küssen! Bei dem Gedanken daran verspürte sie wider willens ein angenehmes Kribbeln auf der Haut, so sehr sie es auch zu ignorieren versuchte.
Rae rollte genervt mit den Augen. Das passierte ihr jedesmal, wenn sie an Casey dachte. Vom ersten Augenblick ihres Zusammentreffens hatte er einen ziemlich starken Eindruck bei ihr hinterlassen, und auch wenn sie es sich selbst noch nicht eingestehen wollte, so fieberte sie doch jedem Moment entgegen, in dem sie mit ihm allein war.
Gestern abend war sie ihm absichtlich aus dem Weg gegangen, aber als sie dann später in ihrem Bett lag und über den vergangenen Abend nachgrübelte, kam ihr dieses Verhalten äußerst kindisch vor. Was hatte er denn schlimmes getan? Er hatte einer jungen Frau in einer bedrohlich scheinenden Situation geholfen, weiter nichts. Das diese Frau nun ausgerechnet eine ehemalige Freundin war, hatte doch damit eigentlich gar nichts zu tun. Oder hatte sie wirklich gedacht, er hätte die ganze Zeit bis jetzt wie ein Einsiedler gelebt?
Rae schüttelte den Kopf über sich selbst und stellte die Kaffeetasse auf den Tisch im Schwesternzimmer. Heute früh war sie, ohne zu frühstücken, aus dem Haus geschlichen, um Casey nicht zu begegnen. Nun knurrte ihr der Magen, und ihre Stimmung war so ziemlich auf dem Nullpunkt.
„Also los, die Patienten warten!“ sagte sie zu sich selbst, knöpfte ihren Kittel zu und machte sich auf den Weg zur Rezeption, wo ihr Trudi die erste Krankenakte reichte.
„Olivia Richards“ las sie, “Entlassungstag voraussichtlich heute. – Na, dann wollen wir mal sehen, ob Misses Richards sich soweit erholt hat, um wieder nach Hause zu gehen!“
Nach einer Stunde erschien Gregory Richards in der Klinik, um seine Frau abzuholen. Olivia erwartete ihn bereits. Mit einem fürsorglichen Lächeln beugte er sich vor, um sie zur Begrüßung zu küssen, aber sie drehte den Kopf zur Seite, so dass seine Lippen nur ihre Wange streiften.
„Laß uns gehen.“ sagte sie kühl, „ich kann es kaum erwarten, hier heraus zu kommen.“
Gregory nahm ihre Tasche und geleitete sie zum Wagen.
Während der Fahrt blieb sie einsilbig, so sehr er sich auch um ein Gespräch bemühte. Gregory musterte sie mehrmals besorgt von der Seite. Sie war sehr blass, und ihre Wangen wirkten hohl, wie nach langer Krankheit.
„Rose wird Dir gleich einen schönen Kakao machen, das wird Dir bestimmt guttun. Und dann legst Du dich gleich hin und ruhst Dich noch etwas aus.“ meinte er und legte seine Hand auf ihre. Wortlos zog sie die Hand weg.
„Es geht mir gut, Gregory.“ sagte sie mit Nachdruck und sah angestrengt durchs Fenster hinaus auf die Strasse.
Gregory schluckte. An dem Tag, als Ben bei ihm zu Hause gewesen war und ihm klargemacht hatte, dass er sich mehr um seine Frau bemühen müsse und ihr so über den Verlust des Babys hinweghelfen könne, hatte er wirklich alles getan, um das in Wut und Frustration Gesagte wieder gutzumachen. Er war jeden Tag mehrmals in die Klinik gefahren, hatte ihr Blumen und keine Geschenke gebracht und versucht, ihr jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Aber es schien, als habe sich Olivia total vor ihm verschlossen, sie wirkte still und gleichgültig, fast apathisch. Er hoffte, das würde sich zu Hause in der vertrauten Umgebung ändern.
Doch das stellte sich leider als Irrtum heraus.
„Guten Tag, Misses Richards.“ begrüßte sie Rose an der Tür und nahm sogleich das Gepäck in Empfang. „Herzlich willkommen zu Hause!“
„Danke.“ nickte Olivia. „Ich bin auch froh, wieder hier zu sein.“ Sie sah sich kurz um und atmete tief durch, während Gregory hinter ihnen die Tür schloß.
„Ach, Rose... einen Augenblick bitte!“
Die Haushälterin, die mit der Reisetasche schon am Treppenaufgang stand, wandte sich sofort um.
„Ja, Ma`m?“
„Bringen Sie mein Gepäck bitte ins Gästezimmer. Und die anderen Sachen aus dem Schlafzimmer bitte auch.“
Rose sah einen Augenblick erstaunt von einem zum anderen und nickte dann ergeben.
„In Ordnung, Misses Richards.“
Fassungslos starrte Gregory seine Frau an.
„Olivia, was soll das? Was willst Du im Gästezimmer?“
Langsam und bedächtig drehte sie sich um und sah ihn bedeutungsvoll an, wobei sie die eine Augenbraue leicht anhob.
„Glaubst Du etwa, das ich nach dem, was Du mir unterstellt hast, noch das Bett mit Dir teile? Nein, mein Lieber, ich denke gar nicht daran. Ich wohne ab jetzt im Gästezimmer, ob es Dir passt oder nicht. Keine Angst, vor unseren Freunden werde ich natürlich weiter die treusorgende Ehefrau spielen. Aber für mich selbst fange ich ab jetzt damit an, das Leben zu führen, das Du mir ohnehin schon unterstellt hast. Wer weiß, vielleicht gefällt es mir ja sogar!“ Und mit einem erhabenen Lächeln drehte sie sich um und ging davon.
Wuuummm.... Ein lauter dumpfer Knall ließ Eddie Connors aus seinen Träumen hochfahren, doch bevor er die Augen richtig aufhatte, um zu sehen, was ihn da so abrupt aus dem Schlaf riß, wurde er von einer unbekannten, mächtigen Kraft hochgehoben. Bruchteile von Sekunden später traf ihn ein alles vernichtender Schlag am Kinn und schleuderte ihn durch das ganze Zimmer. Vor seinen Augen tanzten Sterne. Er krachte auf das Sofa und versuchte keuchend hochzukommen, als ihn bereits der nächste Schlag traf. Noch während er stürzte und irgend etwas mit sich riß, was scheppernd umfiel, hatte er das Gefühl, sein Kopf verwandle sich in einen Wattebausch, der ihn davonfliegen ließ. Irgendwer fing ihn mit starken Armen auf, während ein weiterer Hieb ihn erbarmungslos in den Magen traf. Er krümmte sich stöhnend zusammen, und der Wattebausch verwandelte sich augenblicklich in eine schmerzende, dröhnende Masse, während Eddi hilflos auf die Knie sackte. Seine Stirn berührte den Fußboden, und sein Magen revoltierte.
„Schluß, hört auf, der hat genug.“ hörte er wie aus unendlich weiter Ferne eine wohlbekannte Stimme.
„D... Del...“ stöhnte er und spuckte Blut.
„Ganz recht, mein Freund.“
Del Douglas sah überlegen und mit kaltem Blick auf ihn hinunter. „Das war nur eine kleine Warnung, Connors. Wenn Du das nächste Mal Deine dreckigen Pfoten nach meiner Tochter ausstreckst, lasse ich Dich dorthin befördern, wo es mächtig nach feuchter Erde riecht!“
„Ich... Del, ich wollte doch...“
„Erspar mir die Einzelheiten, ich kann mir schon denken, was Du wolltest. Ich bezahle Dich aber nicht dafür, dass Du Annie an die Wäsche gehst, Du Stümper!“ Del packte Eddie am Hemd und zog ihn mit aller Gewalt hoch.
„Nicht schlagen...“
„Nun schaut Euch diesen Jammerlappen an!“ höhnte Douglas und kam Eddies Gesicht ganz nahe, während hinter ihnen jemand hämisch lachte. „Ich will endlich Resultate sehen, Connors, ansonsten werde ich Dich mit diesen beiden Gentlemen etwas näher bekannt machen!“
Eddie drehte mühsam den Kopf und sah die beiden Muskelpakete, die ihm so zugesetzt hatten. Mit verschränkten Armen standen sie breitbeinig da und grinsten ihn unverschämt an, jederzeit bereit wieder zuzuschlagen.
„Ich... hab Resultate, Del! Das wird Sie interessieren...“ ächzte er mit weichen Knien. Abrupt ließ Del Douglas ihn los, so dass er nach hinten taumelte und fast wieder gestürzt wäre.
„Ich höre...“
Eddie schleppte sich zur Anrichte gegenüber und griff nach dem Fax.
„Das habe ich gestern abend... von meinem Kontaktmann aus Tokio erhalten.“ sagte er und unterdrückte mühsam seine aufsteigende Übelkeit, während er Del das Blatt reichte. Der nahm es und las mit wachsender Aufmerksamkeit. Dann bedeutete er mit einer Handbewegung seinen beiden Schlägern, draußen auf ihn zu warten. Erleichtert ließ sich Eddie in den Sessel fallen und hielt sich den schmerzenden Magen.
„Na also, warum nicht gleich so.“ Zufrieden grinsend faltete Del das Fax zusammen und ließ es in seiner Jackentasche verschwinden. „Nun müßten wir nur noch wissen, wo sich dieses Mädchen aufhält.“
„Hier...“ knurrte Eddie und schluckte krampfhaft, „sie lebt hier in Sunset Beach. Ich hab sie gesehen, und ich glaube, ich weiß, wo ich sie finde.“
„Gut!“ Del lachte. „Was doch so ein paar gut platzierte Schläge ausmachen, sofort ist Dein Spatzenhirn wieder einigermaßen intakt, Connors!“ Er ging einen Schritt auf Eddie zu und beugte sich zu ihm herunter.
„Sag Deinem Kontaktmann, ich werde selbst nach Tokio fliegen und diesen neuen Geschäftsführer unter die Lupe nehmen. Wenn er bereit ist, mit uns zu kooperieren, um so besser für ihn. Wenn nicht...“ er machte eine bedeutungsvolle Pause, „dann möchte ich, dass Ihr die Kleine ausfindig macht und mit ihrer Hilfe unserem Freund im Land der Morgenröte bei seinen Entscheidungen ein wenig auf die Sprünge helft. Du solltest Dich also besser mit den beiden Herren draußen vor der Tür anfreunden, Ihr werdet Euch künftig öfter begegnen und zusammenarbeiten.“ Er richtete sich auf und strich sein Jackett glatt. „Und denk daran, Connors, die Pfoten weg von meiner Tochter!“
Mit glasigen Augen starrte Eddie auf die eingetretene Tür, die hinter Del Douglas krachend zuschlug. Nach einer Weile stand er mühsam auf, schleppte sich ins Bad und übergab sich.