Teil  26

 

Kurz nachdem Ben das Surf Center verlassen hatte, waren Tess, Cole, Michael und Vanessa aus dem Deep nach Hause gekommen und hatten fassungslos zugehört, was Meg ihnen zu berichten hatte. Sie saßen noch lange nach Mitternacht beisammen und zermarterten sich den Kopf darüber, was wohl an diesem Abend am Pier wirklich geschehen sein könnte, denn dass Mark unschuldig war, daran zweifelte keiner von ihnen auch nur eine Sekunde lang.

„Als ich ihn das letzte Mal sah, wollte er zu Tiffany.“ erinnerte sich Meg. „Er sagte, irgend etwas sei im Waffelshop vorgefallen, und er wollte nachsehen, ob es Tiff gut geht.“

„Und nun ist ihr Vater tot.“ Cole schüttelte nur verständnislos den Kopf.

Sie waren alle fünf schließlich erleichtert und gespannt zugleich, als Casey endlich von der Polizeistation zurückkehrte. Viel neues hatte er allerdings auch nicht zu berichten.

„Mark hockt völlig apathisch in seiner Zelle und beteuert nur immer wieder seine Unschuld.“ erzählte er. „Irgendwie scheint er gar nicht recht zu begreifen, was da mit ihm geschieht.“

„Das glaube ich gerne.“ erwiderte Vanessa kopfschüttelnd. „Wenn ich mir vorstelle, ich würde plötzlich unter Mordverdacht stehen...“

„Gregory Richards kam vorhin gleich zum Revier und hat sich mit Mark unterhalten. Ben war die ganze Zeit dabei und konnte ihn dazu überreden, Marks Fall zu übernehmen, falls es zur offiziellen Anklage kommt.“ teilte Casey weiter mit. „Die beiden sind auch eben erst nach Hause.“

Meg stutzte. Wieso war Ben angeblich die ganze Zeit dort gewesen? War er nach seinem Besuch im Surf Center vielleicht nochmal zu Mark gegangen? Oder irrte sich Casey?

Tess holte sie mit ihrer nächsten Frage aus ihren Gedanken.

„Was heißt das, falls es zur offiziellen Anklage kommt?“

„Nun, es werden immer noch Zeugen gesucht, Leute, die vielleicht etwas beobachtet haben, Spatziergänger, Touristen, vielleicht jemand, der noch einen Abendlauf gemacht hat...“ erklärte Casey. Tess nickte.

„Hoffentlich findet sich jemand, der Mark entlastet!“

Während sich Casey noch einmal auf den Weg zur Klinik machte, um Rae wie versprochen  abzuholen, waren die anderen Surf Center- Bewohner schließlich schlafen gegangen, aber Meg lag noch lange wach und grübelte nach. Die Ereignisse des vergangenen Tages, sowie Bens merkwürdiges Verhalten während seines Besuches im Surf Center und nicht zuletzt die Tatsache, dass er sich zuweilen an zwei verschiedenen Orten gleichzeitig aufzuhalten schien, ließen sie nicht zur Ruhe kommen.

 

Als sie bei Tagesanbruch erwachte, hatte sie das Gefühl, überhaupt nicht geschlafen zu haben. Sie stand auf, duschte eiskalt und beschloß dann, einen Morgenlauf zu machen. Sie zog Jogginghose, Shirt und Turnschuhe an und verließ leise, um die anderen nicht zu wecken, das Haus.

 

 

 

Auch Tim hatte kaum geschlafen. Immer wieder wanderten seine Gedanken zu den zwei Männern am Strand, deren Gespräch er und Caitlin belauscht hatten. Wenn er nur daran dachte, krampfte sich sein Magen schmerzhaft zusammen. Auf was für einen Wahnsinn hatte er sich da nur eingelassen? Er kannte Eddi Connors doch überhaupt nicht, und nun hatten diese Männer, die Eddi mit Tims Geld bezahlt hatte, höchstwahrscheinlich diesen Casey Mitchum umgebracht...

„Ich muß mit Connors reden“ entschloß er sich, als es draußen langsam hell wurde, „ich muß wissen, was geschehen ist!“ Leider fiel ihm ein, dass er weder eine Telefonnummer noch die Adresse von Eddi besaß. „Verdammt!“ Er würde also tatenlos warten müssen, bis Connors sich mit ihm in Verbindung setzte... Oder er würde einfach nachher zu Elaines Waffelshop gehen und die Besitzerin ganz nebenbei, während er seinen Morgenkaffee trank, nach Eddi fragen.

Er sah auf die Uhr. Der Waffelshop öffnete erst in zwei Stunden. Na gut, so lange mußte er sich wohl oder übel gedulden. Er beschloß, zum Strand hinunterzugehen, um sich etwas abzulenken.

Langsam schlenderte er am Pier entlang und hing seinen düsteren Gedanken nach, ohne auf das Rauschen der Wellen und die Schreie der Möwen zu achten. Erst als ihn ein Jogger überholte, stutzte er. Spielte ihm sein überreiztes Gehirn einen Streich, oder war das eben nicht...

 

„Casey?“ rief er unsicher. Tatsächlich blieb der Läufer stehen und drehte sich fragend nach ihm um. 

Casey!!!

Tim starrte ihn an und hätte vor Erleichterung fast laut gelacht.

„Was wollen Sie?“ fragte Casey abweisend.

„Ich... na ja...“ Gute Frage, was wollte er von Casey Mitchum? „Eigentlich wollte ich... Ihnen sagen, dass ich es Ihnen nicht übelgenommen habe, dass Sie mir gestern eine verpasst haben.“ sagte er eilig. „Ich hatte es wohl nicht anders verdient.“

Casey nickte.

„Ja, da haben Sie recht. Meg gehört zu meinen besten Freunden, und wer ihr so übel mitspielt, wie Sie das getan haben, der bekommt es nun mal mit mir zu tun.“

„Es tut mir leid.“ Tim versuchte reumütig zu klingen. „Glauben Sie mir, ich hab schon tausendmal bereut, was ich getan habe.“

„Das sollten Sie vielleicht ihr erzählen, Tim, nicht mir.“ 

Tim nickte.

„Deshalb bin ich hier. Ich möchte es wieder gutmachen.“

 „Ich weiß nicht, ob das noch möglich ist. Aber das müssen Sie mit Meg selber klären.“ Casey sah ihn prüfend an. „Sie sind doch nicht hier, um ihr wieder Schwierigkeiten zu machen, oder?“

„Nein, bestimmt nicht.“ beeilte sich Tim zu sagen.

„Okay... denn wenn doch...“ Caseys Stimme nahm einen bedrohlichen Unterton an, „Sie wissen ja, ich bin in Ihrer Nähe, mein Freund.“ Er nickte Tim noch einmal kurz zu und setzte dann seinen Morgenlauf fort.

„Puh!“ Tim atmete tief ein und setzte sich in den Sand. „Er lebt, dem Himmel sei Dank!“

Dann aber verfinsterte sich sein Gesicht und das unangenehme Gefühl im Magen kehrte zurück.

Wen, zum Teufel, hatten Eddis Schläger denn dann auf dem Gewissen?

 

 

 

Blass und übernächtigt, tiefe dunkle Schatten unter den Augen betrat Tiffany am morgen die Räume des Police- Departements, gefolgt von Elaine, die sich nun verantwortlicher denn je für das junge Mädchen fühlte und sich große Sorgen um deren Gemütszustand machte.

„Ich möchte zu Mark.“ sagte Tiffany leise und sah Officer Ruiz, der gerade seinen Dienst hinter dem Schalter angetreten hatte, bittend an. Er nickte und gab seinem Kollegen ein Zeichen.

„Lopez, übernimmst Du mal für mich? Ich begleite die beiden Damen in den Arrest- Raum.“ Er nahm den Schlüssel. „Bitte, folgen Sie mir, Ladys.“

Tiffany schluckte schwer, als sich die vergitterte Tür öffnete und den Blick freigab auf den Raum, der wie ein übergroßer Käfig aussah. Überall Gitterstäbe, dahinter ein Waschbecken, eine Toilette, ein schäbiger alter Tisch mit einem Klappstuhl und...

„Mark!“ Es klang wie ein Aufschrei aus ihrem Mund. Mit drei Schritten war sie bei ihm und fasste durch das Eisengitter nach seinen Händen. „Mark...“ ihre Stimme erstarb zu einem Flüstern, „meine Güte, warum... ich meine, Du... Du mußtest das doch nicht für mich tun!“

Mark sah sie mit großen Augen ungläubig an, als würde er gar nicht begreifen, was sie soeben gesagt hatte. Zögernd zog er seine Hände weg und trat einen Schritt zurück.

„Tiff...“ er versuchte, den Kloß, der plötzlich in seiner Kehle steckte und ihm die Luft zu nehmen schien, hinunterzuschlucken, und seine Stimme klang heißer, als er schließlich mühsam hervorbrachte: „Ich hab Deinen Vater nicht umgebracht, Tiffany!“

 

Elaine wandte sich an Officer Ruiz.

„Officer, könnten Sie uns einen Moment allein lassen, nur eine Minute, bitte!“

Ruiz sah abschätzend von einem zum anderen. Nein, von diesen beiden Besuchern drohte nun wirklich keine Gefahr, da konnte er wohl mal eine Ausnahme machen.

„Okay, aber nur kurz. Ich bin vor der Tür, wenn irgend etwas sein sollte.“ nickte er und ging hinaus. Elaine trat zu Mark und Tiffany.

„Mark, niemand kann uns hören, also bitte, sag die Wahrheit, hast Du etwas mit dem Tod von Roger Thorne zu tun?“

Mark sah Elaine lange an und schaute dann Tiffany fest in die Augen.

„Nein.“ sagte er, „ich habe Deinen Vater nicht umgebracht, Tiff. Ich wußte ja nicht einmal, wer er war, als er dort lag. Aber ich hätte ihm auch so nichts getan. Als ich gestern abend von Dir wegging, wollte ich doch nur mit ihm reden.“ Er senkte den Kopf. „Es stimmt, dass ich große Wut auf ihn hatte, nach allem, was Du mir erzählt hattest. Aber ihn deshalb umbringen... nein, das könnte ich nicht. Bitte glaub mir, Tiff!“

Tiffany sah ihn an, hob langsam die Hand und streichelte sanft über Marks Wange.

„Ich glaube Dir, Mark.“ sagte sie, mühsam die Tränen unterdrückend.

„Ist Dir irgendwas aufgefallen, als Du ihn gefunden hast?“ fragte Elaine eindringlich. „Bitte versuch Dich zu erinnern, selbst das kleinste Detail kann wichtig sein!“

„Ich weiß“ nickte Mark, „Mister Richards hat mich das auch immer wieder gefragt, und auch Ricardo und Ben haben gemeint, ich soll in Ruhe überlegen, aber da war nichts, ich bin den Strand entlanggelaufen und hab etwas da liegen sehen, also bin ich hin um nachzusehen, was es war, und da lag er und rührte sich nicht... ich weiß nicht einmal genau, woran er gestorben ist.“

„Der eine Polizist hat gemeint, er hätte sich bei einer Prügelei wahrscheinlich das Genick gebrochen, genaueres konnten sie jedoch noch nicht sagen.“ erklärte Tiffany. „Aber mit wem sollte er sich denn prügeln, er kannte doch niemanden hier!“

„Vielleicht war er betrunken und ist mit jemandem in Streit geraten.“ mutmaßte Elaine nachdenklich. „Möglich wäre es ja immerhin.“

„Ist Dir am Strand jemand entgegengekommen oder hast Du jemanden weglaufen sehen?“ versuchte Tiffany ihm zu helfen. Mark schüttelte den Kopf.

„Nein, niemand.“ sagte er mutlos.

Verzweifelt sah sich Tiffany in dem Raum um.

„Irgendwie müssen wir Dich hier rausholen, Mark! Es ist furchtbar hier drin, dieses Licht, die Schatten von den Gitterstäben überall an den Wänden...“

Mark hob den Kopf und sah sie ungläubig an.

„Was hast Du eben gesagt?“

„Ich?...“ irritiert blickte Tiffany ihn an, „dass ich das Licht furchtbar finde, und die Schatten an den ...“

„Schatten...“ wiederholte Mark und nickte. „Jetzt erinnere ich mich, da waren zwei dunkle Gestalten, ich sah ihre Schatten, wie sie zwischen den Brückenpfeilern verschwanden, als ich näherkam! Ich dachte noch, das wären vielleicht zwei Landstreicher, die eine Bleibe für die Nacht suchen...“ Sein Gesicht hellte sich merklich auf. „Glaubt Ihr, das könnte mir helfen? Ich muß das in der ganzen Aufregung verdrängt haben, aber eben fiel es mir wieder ein, als Tiff die Schatten erwähnte!“

„Klar kann Dir das helfen, Mark!“ rief Tiffany. „Du mußt das unbedingt Mister Richards erzählen!“

„Ja, das werde ich. Er kommt nachher sowieso vorbei.“

Tiffany lächelte und fasste wieder nach Marks Hand.

„Du kommst schon bald hier raus, Du wirst sehen!“ sagte sie voller Hoffnung.

 

 

 

Madame Carmen saß in ihrem Atelier und legte sich die Karten. Dieses Ritual gönnte sie sich fast an jedem Morgen, einfach um zu sehen, wie der Tag sich für sie entwickeln würde. Die Karten bestimmten ihre jeweilige Laune und diese wiederum bestimmte ihren Tag.

Aber heute war irgend etwas anders als sonst. Sie konnte es nicht erklären, es war einfach ein unbestimmtes Gefühl, dass sie zu beherrschen schien, seit sie aufgewacht war. Sie bemerkte, dass ihre Finger leicht zitterten, als sie die ersten Karten aufdeckte. Und da war es auch schon geschehen, vor ihr lag eine Karte, die sie erzittern ließ...

„Dios mios!“ rief sie erschrocken und starrte auf die Karte in ihrer Hand. „Dem anfänglich Guten folgt das Böse...“ Sie schloß für einen Moment die Augen und gab sich ihren unheilvollen Gefühlen hin. „Ich werde große Freude empfinden, aber nur kurze Zeit, denn dann wird etwas oder jemand diese Freude überschatten, für lange Zeit.“ murmelte sie und strich über ihre Stirn. Mit versteinertem Gesicht erhob sie sich und verließ langsam ihr Atelier, um sich den unvermeidlichen Geschehnissen zu stellen, die sie heimsuchen würden.

 

 

 

Ihr Morgenlauf führte Meg natürlich an Bens Strandhaus vorbei und ihr Herz machte sofort unkontrollierte Sprünge, als sie ihn neben seinem Auto vor der Tür stehen sah, wo er sich gerade mit einem Mann im blauen Arbeitsoverall unterhielt. Sie zögerte kurz und wollte schon weiterlaufen, um nicht zu stören, als Ben sie erblickte und ihr freudig zuwinkte.

Sie blieb stehen und atmete tief durch. Dann strich sie mit beiden Händen ihr Haar zurück und trat interessiert näher, als sie hörte, wie der Mann im blauen Overall gerade sagte:

„Tja, Mr. Evans, da haben Sie wirklich Glück gehabt, den Reifen mußten wir nicht wechseln, der ist okay, da hatte Ihnen schlicht und einfach jemand die Luft abgelassen.“

„Was?“ fragte Ben erstaunt und verärgert zugleich. „Wer zum Teufel sollte denn sowas tun?“

Der Mann zuckte nur mit den Schultern.

„Keine Ahnung, Sir. Tatsache ist, dass sich jemand an Ihrem Wagen zu schaffen gemacht hat, als Sie ihn dort in der Ocean Avenue abgestellt hatten. Irgendwer wollte Sie wohl ärgern. Ein übler Streich, wenn Sie mich fragen. Allerdings...“ lachte er und rückte sein Basecap zurecht, „der jenige, der sich diesen Scherz erlaubt hat, muß sich ziemlich schmutzige Finger geholt haben, denn Ihre Reifen sahen aus, als hätten Sie mit dem Wagen eine Gelände- Ralley gewonnen!“

Ben nickte nachdenklich.

„Ja, ich gebe zu, ich war in letzter Zeit etwas nachlässig.“ Er gewahrte Meg, die zögernd näher getreten war und sein Gesicht hellte sich auf. „Hallo! Was für eine nette Überraschung, ein richtiger Lichtblick heute morgen!“ Er legte seinen Arm um ihre Schultern und zog sie leicht zu sich heran, während er sie zur Begrüßung auf die Wange küßte.

„Was bin ich Ihnen schuldig, Gary?“ wandte er sich wieder an den Mann von der Autowerkstatt. Der zog eine Rechnung aus seiner Tasche und reichte sie Ben.

„Für den Reifen und die Autowäsche gar nichts, Sir, wir haben aber gleich den überfälligen Check- up durchgeführt und einen dringend notwendigen Ölwechsel vorgenommen.“

Er klopfte leicht auf die Motorhaube des Mercedes. „Jetzt ist das „Baby“ wieder fit.“

„Danke Gary.“ erwiderte Ben lächelnd. „Ich werde Ihnen das Geld heute noch überweisen.“ Er griff in seine Hosentasche und reichte dem Mann einen Schein als Trinkgeld. Der bedankte sich freundlich, wünschte Ben und Meg noch einen schönen Tag und verschwand.

 

„Na Du Spitzensportlerin!“ grinste Ben mit einem Blick auf Megs Outfit, „darf ich Dich zu einem Frühstück mit einem einsamen Junggesellen einladen?“

Meg trat einen Schritt zurück.

„Eigentlich mag ich keine Männer, die ihre Autos sträflich vernachlässigen!“ entgegnete sie mit gespielt finsterer Miene. „Aber andererseits...“ sie zwinkerte ihm verschmitzt zu,

„dieses Angebot klingt einfach zu gut, um es abzulehnen, Mister Evans!“

„Na dann komm rein“ Ben machte eine einladende Handbewegung, „Der Kaffee ist gleich fertig!“

Lachend betraten sie das Haus.

 

Während Ben den Kaffee und frischen Toast aus der Küche holte, machte Meg es sich auf der Veranda bequem.

„Sag mal...“ begann sie zögernd, als er sich schließlich zu ihr setzte, „wieso hast Du mir eigentlich neulich erzählt, Dein Wagen hätte einen Motorschaden, obwohl nur ein Reifen platt war?“

Ben stellte seine Tasse ab und sah Meg an, als hätte sie gerade chinesisch gesprochen.

„Ich habe... was?“

„Na ja“ Meg zuckte nur mit den Schultern, „gestern Mittag am Strand. Du sagtest, Dein Wagen stände mit einem Motorschaden seit dem Abend zuvor in der Ocean Avenue.“

Ben kniff die Augen ungläubig zusammen und musterte Meg unverwandt.

„Wir haben uns gestern Mittag am Strand getroffen? Bist Du sicher?“

Meg mußte lachen.

„Ich glaube, Du solltest dringend mal ausspannen, Ben. Gestern abend hast Du Dich auch so merkwürdig verhalten, als Du spät abends nach Deinem Besuch bei Gregory nochmal im Surf Center warst.“

Ben starrte sie mit versteinertem Gesicht an. Jetzt wurde Meg unsicher.

„Was ist denn los mit Dir? Ist alles in Ordnung?“

„Nichts ist in Ordnung...“ murmelte er geistesabwesend und fragte dann mit unheilvoll heißerer Stimme, während er nach ihrer Hand griff:

„Was habe ich von Dir gewollt, so spät abends?“

Meg wurde das Ganze unheimlich. Sie versuchte ihre Hand zurückzuziehen, aber er hielt sie fest.

„Ben, bitte, Du machst mir Angst! Was hast Du denn?“

Sein Griff lockerte sich etwas, aber sein Gesicht behielt diesen seltsamen gespannten Ausdruck.

„Entschuldige, Meg, ich werde Dir alles erklären, aber bitte, sag mir, was gestern abend vorgefallen ist, als ich im Surf Center war!“

„Tja, das war schon irgendwie eigenartig.“ begann Meg zögernd und suchte krampfhaft nach den richtigen Worten. „Du sagtest mir, wie unwiderstehlich Du mich findest und wolltest unbedingt mit mir hinauf in mein Zimmer gehen, aber...“ sie stockte, als sie bemerkte, wie Bens Gesicht sich sofort wieder verfinsterte, „ich mußte ständig an den armen Mark denken und konnte nach allem, was an diesem Abend geschehen war, keinen klaren Gedanken fassen. Ehrlich gesagt... fand ich Dein Verhalten irgendwie... unpassend, und Du schienst auch ziemlich verärgert, als ich Dich abgewiesen habe. Dann hast Du noch den Vorschlag gemacht, dass wir zusammen wegfahren sollten, nur Du und ich, am liebsten sofort, doch ich bat Dich, damit noch zu warten, bis die Sache mit Mark geklärt sei. Aber...“ Sie musterte ihn irritiert, „warum fragst Du das alles, Ben? Weißt Du zuweilen nicht, was Du tust?“

„Ich bin mir nicht sicher...“ antwortete er zerknirscht. „Erzähl weiter, was war dann?“

„Gar nichts weiter. Du wolltest nach Hause, ich habe mich nur gewundert, als Casey kurz darauf heimkam und meinte, Du wärst die ganze Zeit über mit Gregory bei Mark gewesen.“

„Also doch... er ist wieder hier...“ Ben hatte die ganze Zeit gedankenverloren vor sich hingestarrt und ballte nun die Fäuste. „Dieser Bastard!“ brachte er schließlich wütend hervor.

Meg sah ihn mit ständig wachsender Unruhe an.

„Ben, willst Du mir nicht endlich erklären, was das alles zu bedeuten hat? Wer ist wieder hier?“

„Derek!“ Er spie den Namen förmlich aus. Dann stand er auf und war mit zwei Schritten bei Meg. Er zog sie hoch zu sich und sah ihr eindringlich in die Augen.

„Du darfst ihm nicht vertrauen, Meg!“ sagte er entschlossen, fast drohend, „er ist hinterhältig, bösartig und gemein!“

„Wer, Ben?“ fragte Meg, von unbestimmten dunklen Vorahnungen beschlichen. „Wer ist Derek?“

Ben verzog den Mund zu einem bitteren Lächeln, bevor er leise erwiderte:

„Derek ist mein Zwillingsbruder."