Ungläubig starrte Derek Meg an.
„Was hast Du eben gesagt?“
„Du hast mich schon verstanden. Ich weiß, wer Du bist und was Du vorhast, und ich muß Dir sagen, das ist absolut krank...“ angewidert verzog sie das Gesicht. „Verschwinde endlich, bevor ich die anderen rufe! Bei mir funktionieren diese Spielchen nicht!“
Plötzlich war da dieses kalte Lächeln auf seinem Gesicht, ein Lächeln, das ihn von Ben unterschied und ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Er wußte, dass er momentan verspielt hatte, aber er dachte nicht daran, aufzugeben.
„Na komm schon, Meg, das war doch nur ein Spass!“ meinte er lauernd und trat einen Schritt auf sie zu. Sofort wich sie zurück.
„Deine Art Humor ist mir fremd!“ fauchte sie. „“Und jetzt raus!“
Derek hob resignierend die Hände, aber dieses Lächeln blieb.
„Okay, fürs erste werde ich gehen. Aber ich verspreche Dir, ich komme wieder, schon sehr bald. Und dann spielen wir das Spiel zu Ende... nach meinen Spielregeln!“ Er deutete grinsend einen Kuß in ihre Richtung an und wandte sich zum Gehen. „Bye mein Liebling! Wir sehen uns!“
Schwungvoll öffnete er die Tür... und sah für den Bruchteil einer Sekunde sein Spiegelbild, bevor ihn eine Faust mit aller Kraft ins Gesicht traf und ihn zurück ins Zimmer schleuderte.
Meg schrie vor Schreck auf und starrte fassungslos zuerst auf Derek, der mit Schwung die drei Treppenstufen hinunterstürzte und ziemlich unsanft hinter dem Sofa landete, dann wanderte ihr Blick wieder zur Tür, wo Ben mit versteinertem Gesicht dastand und sich die schmerzenden Knöchel der rechten Hand rieb.
„Ich denke nicht, dass sie Dich so schnell wiedersehen wird, Du Bastard!“ sagte er gefährlich ruhig, „und sollte das doch der Fall sein, dann wird sie Dich sicher erkennen, nachdem ich hier mit Dir fertig bin!“ Mit wenigen Schritten war er drüben beim Sofa und zog den von dem Schlag immer noch ziemlich benommenen Derek mit einem Ruck hoch.
Meg lief auf Ben zu und hielt ihn zurück, bevor er erneut zuschlagen konnte.
„Nicht Ben! Hör auf, es ist genug!“
„Stimmt, es ist wirklich genug“ schnaufte Ben und starrte seinem Zwillingsbruder ins Gesicht, während er ihn fest am Hemd gepackt hatte, „ich hab mir schon viel zu viel von Dir gefallen lassen, aber damit ist jetzt Schluß!“
„Na los, schlag zu, Du Feigling!“ ächzte Derek und brachte trotz allem immer noch ein höhnisches Grinsen zustande.
„Bitte Ben, laß ihn in Ruhe, er will Dich doch nur provozieren!“ rief Meg und umklammerte Bens Arm. „Glaub mir, er ist es nicht wert!“
Ben preßte die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen.
„Vielleicht hast Du recht...“ brachte er schließlich heraus, „er ist es wirklich nicht wert!“ Er versetzte Derek einen Stoß gegen die Brust, so dass dieser rückwärts in den Sessel fiel.
Meg atmete sichtlich auf.
Ben betrachtete seinen Bruder mit Eiseskälte.
„Und nun raus...“ befahl er ruhig und bestimmt.
„Was ist denn hier los?“
Tess und Cole standen in der Tür und schauten staunend von einem zum anderen.
„Kleiner Familienstreit...“ erwiderte Ben und strich sein Jackett glatt, während er den anderen Arm schützend um Meg legte.
Cole sah erst ihn und dann Derek, der sich gerade aus dem Sessel aufrappelte, an und schüttelte fassungslos den Kopf.
„Das... gibt’s doch gar nicht...“
Tess beobachtete mit offenem Mund, wie Derek schließlich an ihr vorbei zur Tür ging, während er sich das schmerzende Kinn rieb.
„Schönen Tag noch allerseits!“ sagte er und blinzelte ihr trotz seiner Schmerzen herausfordernd zu.
„Wow!“ machte Tess und schaute dann hinüber zu Meg, die etwas blass in Bens Arm lehnte.
„Den gibt’s ja zweimal! Ob ich wohl einen davon abhaben könnte?“
„Du bist ja so schweigsam.“ bemerkte Antonio mit einem Seitenblick auf Gabi, die gedankenversunken neben ihm im Jeep saß, während sie auf die Baustelle hinausfuhren, um sich mit Gregory zu treffen. „Hat unser kleines Familienmeeting Dir die Sprache verschlagen?“
„Tja, so könnte man es auch ausdrücken.“ erwiderte Gabi. „Deine Mutter jedenfalls schien nicht sehr begeistert von mir zu sein.“
Antonio lachte.
„Mein Bruder dafür um so mehr!“
Gabi sah ihn überrascht an.
„Wie kommst Du darauf?“ fragte sie unsicher.
„Na hör mal, so wie er Dich angesehen hat... als ob Du von einem anderen Stern kämst!“ Antonio fuhr den Wagen auf einen der provisorischen Parkplätze, hielt an und legte seinen Arm um Gabi. Liebevoll sah er sie an. „Sowas wie Dich hat er mir eben nicht zugetraut, mein großes schlaues Brüderlein!“
Sie lächelte.
„Du übertreibst!“
Antonio zog sie zu sich heran.
„Kein bisschen, im Gegenteil...“ flüsterte er und wollte sie gerade küssen, als jemand energisch ans Wagenfenster klopfte. Erschrocken fuhren sie beide auseinander und sahen in Judes lachendes Gesicht.
„Hallo Ihr Turteltäubchen! Die Arbeit wartet!“ rief er fröhlich und riß die Tür auf. „Alles andere muß bis heute abend warten!“
„Leider!“ meinte Antonio bedauernd, während er ausstieg und begann, die Ausrüstung aus dem Wagen zu laden. Mit einem Seitenblick auf Jude fragte er schmunzelnd: „Was macht eigentlich Dein kleines Date von gestern?“
„Faucht, beißt und kratzt... und sieht absolut sexy aus mit ihrem Gipsfuß!“
Gabi sah ihn erstaunt an.
„Gipsfuß? Der Unfall auf dem Weg zu den Höhlen?“
Jude nickte bedauernd.
„Ja, Miss Douglas wird uns heute sicher nicht dahin begleiten. Wirklich schade, wenn Ihr mich fragt!“
„Na zum Glück hast Du ja ihre Adresse.“ grinste Antonio. „Oder etwa nicht?“
„Ein Kavalier genießt und schweigt...“ erwiderte Jude vielsagend, und lachend machte sich das kleine Team auf den Weg zum ersten Höhleneingang, wo Gregory und einer seiner Vorarbeiter sie treffen wollten.
Unterwegs wanderten Gabis Gedanken wieder zurück zu diesem merkwürdigen Familientreffen im Hause Torres...
Madame Carmens Augen hatten sie förmlich durchbohrt, während sie einander vorgestellt wurden, und auch später spürte Gabi die prüfenden Blicke von Antonios Mutter auf sich ruhen. Ein Gespräch mit ihr war nur sehr schleppend in Gang gekommen, und erst Marias Auftauchen hatte die Situation schließlich etwas entspannt. Antonios und Ricardos hübsche Schwester war sehr nett zu ihr gewesen, aufgeschlossen und freundlich, aber Gabi war das unbestimmte Gefühl nicht losgeworden, dass Madame Carmen das nicht passte.
Und dann war da noch Ricardo... so unwahrscheinlich gutaussehend und irgendwie einzigartig, er hatte eine besondere Art, sie anzusehen, die ihr ziemliches Herzklopfen verursachte, und eigenartigerweise fühlte sie sich in seiner Gegenwart irgendwie befangen...
Aber immer, wenn sich ihre Blicke getroffen hatten, spürte sie, wie Carmen sie beobachtete, argwöhnisch und mißtrauisch...
„Mach Dir keine Sorgen wegen meiner Mutter“ hörte sie Antonio plötzlich sagen, so, als hätte er ihre Gedanken erraten. „Sie ist manchmal etwas eigenartig, und wenn die Karten ihr frühmorgens nichts Gutes verheißen, dann ist der Tag gelaufen, egal was auch geschieht.“
Gabi sah ihn erstaunt an.
„Hast Du das Hellsehen von ihr geerbt?“ fragte sie. „Oder wieso wußtest Du, dass ich gerade über sie nachgedacht habe?“
Antonio schmunzelte und legte den Arm um sie.
„Ich merke schon die ganze Zeit, was Dich beschäftigt, mein Schatz, dazu braucht man keine mystischen Fähigkeiten.“
„Ist das so offensichtlich?“ Gabi seufzte. „Das tut mir leid, aber irgendwie hat sie mir das Gefühl vermittelt, als sei ich eine unerwünschte Fremde. Und dabei hatte ich mich wirklich gefreut, endlich Deine Familie kennenzulernen.“
„Sie wird sich an Dich gewöhnen, Gabi“ tröstete Antonio, „aber laß ihr etwas Zeit, sie tut sich mit solchen Dingen meistens etwas schwer.“
Sie unterbrachen ihr Gespräch, als sie sahen, wie Gregory Richards aus seinem Dienstwagen stieg und mit einem geschäftsmäßig verbindlichen Lächeln auf sie zukam.
„Also dann, wollen wir mal eintauchen in die unergründlichen Tiefen des kalifornischen Felsgesteins...“ raunte Antonio seiner Frau zu und gab ihr einen liebevollen Klaps. „Komm schon, Gabi, mach Dir keine Gedanken, wir beide haben uns, alles andere ist unwichtig!“
„Mark, Besuch für Dich!“ sagte Ricardo, als er den Zellentrakt im Sunset Beach Police Departements betrat.
Mark sprang von seiner Pritsche auf und sah erwartungsvoll zur Tür, in der Hoffnung, Gregory Richards käme mit neuen Nachrichten. Aber es war nicht sein Anwalt, der hinter Detektiv Torres den Raum betrat, sondern dessen Tochter Caitlin.
„Hallo Mark!“ sagte sie und sah sich etwas befremdet um, bevor sie zögernd an die Gitterstäbe herantrat. Mark zog erstaunt die Augenbrauen hoch.
„Cait? Was tust Du denn hier?“
„Ich... wollte eigentlich erst mit meinem Vater sprechen, aber da ich ihn nicht erreichen konnte, bin ich sofort hierher gekommen, um Dir zu sagen, dass Du Dir keine Sorgen mehr zu machen brauchst. Es gibt einen Zeugen für das, was am Pier geschehen ist.“
Mark starrte sie an und auch Ricardo war sofort hellhörig geworden.
„Was sagst Du da, Caitlin? Was für einen Zeugen?“
„Mich.“ erwiderte Caitlin und nickte bestätigend, als sie Marks ungläubigen Blick sah. „Ich weiß, wer den Mann umgebracht hat, und ich weiß auch, wer den Auftrag dazu gab, denn ich habe es mit eigenen Ohren gehört.“
Ricardo räusperte sich auffällig.
„Ähm.. Caitlin, vielleicht sollten Sie mit dem, was Sie zu sagen haben, warten, bis Ihr Vater dabei ist.“ meinte er vertraulich.
Caitlin sah ihn fragend an.
„Aber wieso denn, Ricardo? Was sollte mein Vater dagegen haben, wenn es darum geht, die Wahrheit herauszufinden, die seinen Mandanten entlastet?“
„So einfach ist das nicht...“ erklärte Ricardo vorsichtig, „immerhin sind Sie damit eine wichtige Zeugin, und Ihr Vater würde vielleicht lieber erst mit Ihnen allein reden!“
„Warum sollte er das? Das würde überhaupt nichts an der Tatsache ändern, dass ich gehört habe, wer den Mord begangen hat.“ erwiderte Caitlin überzeugt und wandte sich an Mark, der gespannt die Gitterstäbe umklammerte, um kein Wort von dem zu verpassen, was sie zu sagen hatte.
„Wer war es, Cait? Wer hat mich in diese verflixte Lage gebracht?“
„Also da waren zwei Männer, die sich gestern nacht am Strand unterhalten haben.“ begann Caitlin zu erzählen. „Ich war noch spazieren, etwa zu der Zeit, als mein Vater Dich hier auf dem Revier besucht hat. Da habe ich die beiden gehört, wie sie sich über den Mord unterhalten haben.“ Sie überlegte kurz und meinte dann mit einem kurzen Blick auf Ricardo: „Na ja, eigentlich nicht direkt, aber sie sprachen davon, dass das Ganze ein bedauerlicher Unfall gewesen sei, als der Mord geschah. Und dass Connors sie nicht verpfeifen würde, weil er ja selbst mit in der Sache drinsteckt.“
Ricardo blies geräuschvoll die Luft zwischen den Zähnen aus.
„Connors...“ knurrte er. Dann straffte er die Schultern und trat einen Schritt auf Caitlin zu.
„Wissen Sie, wer diese Männer waren?“
Caitlin nickte.
„Der eine heißt Ramon, er sah aus wie ein Mexikaner, und den anderen nannte er Scotti. Der war größer und kräftiger, mit einer Stirnglatze. Wenn ich richtig verstanden habe, arbeiten die beiden sonst für Mister Douglas. Und sie befürchteten, dass dieser sehr wütend wäre, wenn er davon erfahren würde, dass sie einen Auftrag außer der Reihe von Connors angenommen hatten.“
Ricardo überlegte einen Moment.
„Ich glaube, ich kenne die Typen. Wenn Sie einverstanden sind, Caitlin, gebe ich sofort eine Fahndung raus. Waren Sie allein, als Sie das Gespräch gehört haben?“
Caitlin zögerte kurz und nickte dann mit zusammengepressten Lippen.
„Ja, ich war allein.“
„Mist...“ entfuhr es Ricardo. „Es wäre besser gewesen, es gäbe noch einen zweiten Zeugen... Aber egal, wir kriegen sie auch so.“
Mark faßte durch die Gitterstäbe nach Caitlins Händen und drückte diese.
„Cait... ich weiß gar nicht, wie ich Dir danken soll...“
„Langsam, Mark!“ meinte Ricardo, „zuerst müssen wir die Aussage überprüfen. Ich hoffe nur, dass sich alles bestätigt, was Caitlin uns erzählt hat.“
„Was willst Du damit sagen, Tim?“
Eddi packte ihn am Arm und sah ihn mit unheilvoll zusammengekniffenen Augen an. „Rede schon, was soll das bedeuten, wir würden bald mehr Ärger haben, als uns lieb wäre?“
„Laß mich los, verdammt!“ zischte Tim und stand auf. Er warf das Geld für seinen Kaffee auf den Tisch. „Komm mit nach draußen, ich will nicht, dass uns das ganze Lokal zuhört!“
Eddi musterte den Schein, den Tim hingelegt hatte und registrierte, dass es samt Trinkgeld auch für seinen Kaffee reichte. Er grinste zufrieden und folgte Tim hinaus.
Hinter dem Waffelshop drehte Tim sich um.
„Also hör zu! Jemand hat Deine beiden Gorillas belauscht, wie sie sich über den
Mord unterhalten haben.“
“Wer?“ fragte Eddi sofort. Tim winkte ab.
„Völlig unwichtig, wer es war. Auf jeden Fall wird die Polizei bald die Namen der beiden auf ihrer Fahndungsliste haben... und Deinen auch, Connors!“
Eddi packte Tim an der Gurgel.
„Du hast mich verpfiffen, Du Bastard!“
„Unsinn!“ ächzte Tim und schlug seine Hand weg. „Ich bin doch nicht blöd, Mann! Wenn Du hängst, hänge ich mit, das ist mir völlig klar! Was meinst Du, warum ich Dir das alles erzähle!“
Eddi starrte ihn an. Seine Gedanken arbeiteten fieberhaft.
„Verdammt!“ brachte er schließlich heraus und fuhr sich mit den Fingern nervös durchs Haar.
„Die beiden müssen verschwinden...“
„Und Du gleich mit!“ erwiderte Tim. „Zumindest, bis etwas Gras über die Sache gewachsen ist.“
Eddi nickte und fluchte noch einmal unflätig.
„Hör zu, Tim...“ sagte er schließlich drohend, „wenn Du mich gelinkt hast, wird es Dir leidtun, das weißt Du!“
„Warum sollte ich das tun?“
„Keine Ahnung...“ knurrte Eddi. „Aber eines weiß ich, wenn ich den erwische, der uns an die Bullen verraten hat, dann wird derjenige es bitter bereuen!“ Er tippte mit dem Zeigefinger auf Tims Brust. „Verhalt Dich ruhig, Kleiner, bis wir wieder voneinander hören!“ Er sah sich noch einmal schnell nach allen Seiten um und verschwand in einer Seitengasse.
Tim lehnte sich an das kühle Mauerwerk hinter ihm und atmete tief durch.
„Hoffentlich verschwindest Du mit Deinen beiden Schlägern für ganz lange Zeit, Connors, am besten für immer!“
Als Gregory nach seinem Treffen mit den Archäologen bei den Höhlen am späten Nachmittag in sein Büro zurückkehrte, war Elisabeth bereits nach Hause gegangen. Auf seinem Schreibtisch lag ein Notizzettel, worauf vermerkt war, dass Caitlin schon mehrmals versucht hätte, ihn telefonisch zu erreichen.
Während er noch darüber nachdachte, was seine Tochter wohl wichtiges auf dem Herzen gehabt haben könnte, fiel sein Blick auf eine Boulevardzeitung, die neben dem Faxgerät lag und die Elisabeth anscheinend vergessen hatte. „L.A. Daily mirrow” las er und wunderte sich, wie so ein Blatt in sein Büro kam. Er begann, einer inneren Eingebung folgend, darin zu blättern, während das Telefon auf dem Schreibtisch seiner Sekretärin zu klingeln begann.
Gregory nahm den Hörer ab.
Es war Detektiv Torres, der sich am anderen Ende der Leitung meldete.
„Mister Richards, leider reichen die neu vorliegenden Beweise noch nicht ganz aus, um Ihren Mandanten auf freien Fuß zu setzen. Ich habe eben erfahren, dass die Staatsanwaltschaft beabsichtigt, Mark...“
„Wovon reden Sie, Torres?“ fuhr ihm Gregory ins Wort. „Welche neuen Beweise?“
Ricardo schien irritiert.
„Ja aber... hat denn Ihre Tochter noch nicht mit Ihnen gesprochen?“
„Meine Tochter? Was hat Caitlin mit der Sache zu tun?“
„Ich rede von der wichtigen Zeugenaussage im Fall Mark Wolper, die Ihre Tochter heute gemacht hat, Mr. Richards. Sie weiß, wer den Mord am Strand begangen hat.“
„Sie weiß... was?“ Ungläubig und voller böser Vorahnungen zog Gregory die Augenbrauen zusammen. „Da muß ein Irrtum vorliegen, Torres, das ist unmöglich!“
„Sie war heute Mittag hier und hat ihre Aussage zu Protokoll gegeben.“ erwiderte Ricardo.
„Das kann ja wohl nicht...“ entfuhr es Gregory. Er biß sich auf die Zunge und versuchte, einen einigermaßen ruhigen Ton anzuschlagen. „Hören Sie, Detektiv, ich werde so bald wie möglich auf dem Revier vorbeikommen, und bis dahin möchte ich auf keinen Fall, dass mein Mandant ohne mein Beisein von irgendwem vernommen wird, ist das klar?“
„Ich verstehe, Sir“ antwortete Ricardo, „aber ich kann für nichts garantieren. Wenn der Staatsanwalt hier auftaucht...“
„Tun Sie einfach, was ich Ihnen sage!“ fauchte Gregory. „Ohne mich läuft in dem Fall gar nichts! Ich bin in spätestens zwei Stunden da!“ Ohne eine Antwort abzuwarten, knallte er den Hörer auf die Anlage und starrte gedankenverloren auf die achtlos aufgeschlagene Zeitung vor sich.
Worauf hatte seine Tochter sich da eingelassen? Verdammt nochmal, anscheinend war sie sich überhaupt nicht dessen bewußt, in was für eine Gefahr sie sich damit begab!
Er mußte sofort nach Hause und mit ihr sprechen...
Noch während er angestrengt überlegte, wie er diese Situation am besten entschärfen konnte, wurde ihm plötzlich bewußt, worauf er schon die ganze Zeit geschaut hatte, ohne etwas wahrzunehmen... Eine dick gedruckte schwarze Überschrift sprang ihm aus dem Boulevardblatt, das da vor ihm lag, förmlich ins Auge...
„Neue Forrester Creations- Collection“ ein sensationeller Erfolg in der internationalen Modebranche“ las er, und das Foto darunter lies ihn erstarren:
der Modezar persönlich, Eric Forrester, strahlend, gutaussehend, im maßgeschneiderten dunklen Anzug, und an seiner Seite, lächelnd und wunderschön... Olivia !