„Bist Du denn von allen guten Geistern verlassen?“ brüllte Gregory seine Tochter wütend an. „Was, um alles in der Welt, hast Du Dir dabei gedacht?“
Caitlin trat einen Schritt zurück und sah ihn verständnislos an.
„Aber Daddy... ich verstehe nicht, wieso Du Dich so aufregst! Schließlich habe ich Mark durch meine Aussage doch nur helfen wollen, und so wie es aussieht, werden sie ihn nun aus dem Gefängnis entlassen müssen!“
„Mein Gott, Caitlin! Gar nichts müssen die! Wie naiv bist Du eigentlich?“ Gregory begann nervös im Zimmer auf und ab zu gehen. Schließlich blieb er stehen und tippte sich mit dem Finger an die Stirn. „Begreifst Du denn immer noch nicht, dass Du Dich damit in allergrößte Gefahr begeben hast?“ Er trat auf Caitlin zu und packte sie an den Schultern. „Hab ich Euch nicht immer und immer wieder gesagt, Ihr sollt über solche wichtigen Dingen grundsätzlich zuallererst mit mir sprechen?“
Rose kam mit dem Handy in ihrer Hand herein.
„Mr. Richards, Telefon für Sie...“ sagte sie zögernd und blieb angesichts der spürbar angespannten Situation in sicherer Entfernung stehen.
„Jetzt nicht!“ brüllte Gregory sie an, worauf sie sofort wieder kehrt machte und verschwand.
„Aber Du warst gerade nicht da, und es schien mir wichtig, dass Mark... na ja, ich wollte doch nur...“
„Caitlin...“ Gregory atmete tief durch und zwang sich mühsam, ruhig zu bleiben. Er ließ sich in einen der Sessel fallen und bedeutete seiner Tochter, sich ebenfalls zu setzen.
„Was ich meine, ist folgendes: hast Du Dir überlegt, was passiert, wenn die Polizei diese Kerle, die Du durch Deine Aussage belastest, nicht fassen kann? Sie könnten leicht herausfinden, wer sie verraten hat, und was ist dann? Ich müßte ständig Angst um Dich haben!“
Caitlin senkte schuldbewußt den Kopf.
„Genau das hat Tim auch gesagt.“ murmelte sie kleinlaut.
„Wer?“ fragte Gregory irritiert.
„Ach ... nichts!“ Fast erschrocken sah Caitlin ihren Vater an. „Aber was... ich meine, was wäre denn mit Mark geschehen, ohne meine Aussage?“ versuchte sie rasch das Thema zu wechseln, doch Gregory hatte bereits Verdacht geschöpft.
„Den hätte ich auch so freibekommen.“ meinte er kurz angebunden. „Eine meiner leichtesten Übungen. Laut Obduktionsbefund war es sowieso kein Mord, höchstens Totschlag. Aber...“ Er sah Caitlin forschend an, „...wer ist Tim?“
„Ein... ein Bekannter von mir.“ erwiderte Caitlin, vermied es jedoch, ihrem Vater dabei in die Augen zu sehen.
„Mit wem hast Du denn noch alles über die Sache geredet, verdammt?“ wetterte dieser los, doch plötzlich ging ihm ein Licht auf und er presste wütend die Lippen zusammen, während er Caitlin mit seinen Blicken förmlich durchbohrte. „Jetzt verstehe ich... Du warst nicht allein in dieser Nacht, hab ich recht?“
„Daddy...“
„Lüg mich nicht an!“ forderte er in scharfem Tonfall. Caitlin zuckte zusammen. Sie wußte, sie hatte ihren Vater noch nie lange an der Nase herumführen können, ohne dass er sie durchschaute.
„Nein“ flüsterte sie mit erstickter Stimme, „ich war nicht allein!“
„Wer ist dieser Tim?“ knurrte Gregory und goß sich einen Drink ein.
„Jemand, den Du nicht kennst.“ erwiderte Caitlin schnell. „Mehr möchte ich im Augenblick nicht dazu sagen.“
„Na toll...“ Gregory schüttete den Drink in einem Zug hinunter. „Jetzt fängst Du auch schon mit solchen Spielchen an, genau wie Deine verdorbene Mutter!“
Caitlin horchte auf.
„Mum? Was hat sie damit zu tun?“
„Das will ich Dir sagen!“ Gregory zog die Zeitung aus seiner Jackettasche und warf sie aufgeschlagen auf den Couchtisch. „Während ich hier alles Erdenkliche tue, damit es meiner Familie gutgeht und auch wirklich keinem etwas passiert, amüsiert sich Deine Mutter bestens in L.A., ohne sich auch nur im Geringsten darum zu scheren, ob wir uns hier Sorgen um sie machen.“ Er verzog angewidert das Gesicht. „Eine Schande ist das!“
Zögernd griff Caitlin nach der Zeitung und sah verwundert auf das Bild, auf dem Olivia neben Eric Forrester zu sehen war.
„Wer ist dieser Mann?“ fragte sie erstaunt. „Kennst Du ihn?“
Gregory lachte abfällig.
„Nicht persönlich. Aber das wird sich bald ändern. Sobald die Sache mit Mark hier geklärt ist, fahre ich rüber nach L.A. und sorge persönlich dafür, dass Deine Mutter schneller wieder da ist, wo sie hingehört, als allen Beteiligten lieb sein wird!“
Nachdenklich hielt Olivia den Telefonhörer in ihrer Hand.
Was hatte Rose gesagt? Gregory war momentan leider nicht für sie zu sprechen?
Was war passiert? War er nur beleidigt, oder hatte er gar schon neue Schlösser in die Haustüren einbauen lassen?
Olivia lächelte bitter. Natürlich war sein Stolz verletzt, aber ihren Anruf hätte er doch wenigstens entgegen nehmen können!
Sie lehnte sich zurück , schloß die Augen und dachte an den gestrigen Tag.
Sie war nach der Modenschau sofort mit Sally wieder in deren Appartement gefahren, ohne Erics Einladung zum anschließenden Empfang im Bonaventure zu folgen, obwohl sie sich eingestehen mußte, dass sie das Angebot verlockt hätte, zu den Ehrengästen der Forresters zu gehören. Eric war überaus charmant, er verstand es, Komplimente zu machen, besonders einer Frau, die eben mal versuchsweise aus einer ziemlich trostlosen Ehe ausgebrochen war und sich nach Liebe und Anerkennung sehnte. Aber er war genauso gebunden wie sie, und sie verspürte keine Lust, ihre Situation durch einen Flirt oder gar eine Affäre noch zu verschlimmern. Also zog sie sich zurück, solange noch Gelegenheit dazu war.
Ihr hatten schon diese aufdringlichen Zeitungsreporter gereicht, die mit einem wahren Blitzlichtgewitter über alle Beteiligten hergefallen waren, während sie die Modenschau verließen. Und das ausgerechnet auch noch im unpassendsten Augenblick, als nämlich Eric ihren Arm genommen und sie überaus charmant gebeten hatte, ihn auf den anschließenden Empfang zu begleiten. Sie konnte nur hoffen, dass diese Fotos nirgends auftauchen und für unnötige Aufregung sorgen würden...
Andererseits geschah es Gregory ganz recht, wenn er sich ihrer Liebe für eine Weile einmal nicht so sicher war, wie das sonst immer der Fall war.
In Sallys Wohnung in Beverly Hills angekommen, hatte sie sich erst einmal ein heißes Bad eingelassen, und während sie sich in der Badewanne zu entspannen versuchte, überlegte sie, was sie als nächstes tun könnte. Davonlaufen war wirklich keine Lösung, ihr war nicht wohl bei dem Gedanken, einfach die Flucht ergriffen zu haben. Aber vielleicht war es Gregory ja sogar recht, dass sie weg war, vielleicht wollte er gar nicht, dass sie zurückkam?
Und was würden Caitlin und Sean von ihr denken?
Tausend Gedanken schossen ihr durch den Kopf, Gedanken, die ihre Laune zunehmend verdüsterten. Sie stieg aus der Wanne und versuchte sich mit ausgiebiger Körperkosmetik abzulenken. Aber irgendwann war sie auch damit fertig, und da ihre Stimmung noch immer auf dem Nullpunkt war, beschloß sie, einen ausgedehnten Spatziergang zu machen. Sie hinterließ Sally, die ins Büro von Spectra Fashions unterwegs war, einen Zettel mit einer kurzen Nachricht und verließ das Appartementhaus.
Sie ging ziellos durch die Strassen von L.A., betrachtete im Vorübergehen ohne viel Interesse die herrlich gelegenen Villen der Reichen und Schönen, bummelte einen Boulevard entlang, auf dem sich vornehmlich Touristen tummelten, die jeden, der vorüberging, aufmerksam betrachteten, weil sie hofften, vielleicht irgend einem berühmten Star zu begegnen.
Schließlich gelangte sie in einen vom lauten Gewimmel der ruhelosen Geschäftsstrassen etwas abgelegenen Park. Sie setzte sich auf eine der Bänke an dem kleinen See und sah gedankenverloren den Enten zu, die geschäftig auf dem Wasser hin und her schwammen.
„Glückliche kleine Geschöpfe...“ dachte Olivia, „sie brauchen sich keine Gedanken über Liebe und Glück zu machen, ihr Lebensinhalt besteht einzig in der Jagd nach dem täglichen Futter, und ab und zu ziehen sie in dieser friedlichen Idylle ein paar Junge groß. Beneidenswert!“
Sie dachte an die Zeit zurück, als sie und Gregory sich kennengelernt und bald darauf geheiratet hatten. Nicht lange danach war Caitlin unterwegs gewesen, und Olivia mußte bei der Erinnerung daran lächeln, wie unendlich liebevoll Gregory seine schwangere Frau umsorgt hatte. Bei Sean war es zwar ähnlich gewesen, aber zu seiner Tochter hatte Gregory von Anfang an ein besonders inniges Verhältnis gehabt, sie war Daddys unbestrittener Liebling, auch wenn er das gegenüber ihr oder seinem Sohn niemals zugab.
„Liebe ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt!“ dachte Olivia und seufzte. Nein, dieses alte Sprichwort traf auf sie und Gregory nicht zu, denn je mehr er sich seinen Kindern, und besondere Caitlin widmete, desto weniger schien am Ende für seine Frau übrigzubleiben. Irgendwann hatte jeder von ihnen sein eigenes Leben geführt, neben dem anderen anstatt mit ihm zusammen, und das tat ihr weh. Sie hatte es still ertragen, anstatt sich zu wehren, hatte versucht, Ablenkung in den verschiedendsten Unternehmungen zu finden, aber Wohltätigkeitsveranstaltungen und hin und wieder ein Dinner mit irgendwelchen langweiligen Frauen von Gregorys zahlreichen Geschäftsfreunden füllten ihr Leben nicht aus.
Doch es gab da einen Punkt in ihrem Leben, auf den sie bisher sehr stolz gewesen war: obwohl sie überall als eine schöne und begehrenswerte Frau galt, war sie niemals fremdgegangen, hatte ihren Mann nie mit einem anderen betrogen... Leider vermutete sie, dass dies nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit beruhte. Was Gregory auf seinen zahlreichen, langen Geschäftsreisen so trieb, würde sie wohl nie erfahren. Und so, wie er sich verhalten hatte, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr, mußte er wohl das selbe von ihr denken.
„Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, damit aufzuhören, mich wie eine brave Ehefrau zu benehmen!“ dachte sie und schloß die Augen.
„Einen Penny für Ihre Gedanken.“ hörte sie plötzlich eine angenehme Stimme dicht neben sich und schaute sich erschrocken um.
„Eric? Wie kommen Sie denn hierher?“ fragte sie erstaunt. Er stand da, das Jackett über dem Arm, die Hemdsärmel lässig aufgerollt und blickte sie lächelnd an.
„Darf ich mich setzen, schöne Fremde?“
„Sind Sie mir gefolgt?“ forschte Olivia mit einem etwas ärgerlichen Unterton in der Stimme und rückte zur Seite, um ihm Platz zu machen.
Eric setzte sich und legte seinen Arm auf die Banklehne hinter ihr.
„Sagen wir mal so, Olivia...“ er beugte sich ganz nah zu ihr herüber und flüsterte verschwörerisch: „ich bin genauso ausgerückt wie Sie!“
Olivia sah in seine braunen Augen und konnte nicht verhindern, dass sie ein wohliger Schauer durchfuhr.
„Ich bin nicht... ausgerückt!“ versuchte sie sich hastig zu rechtfertigen, „aber Sie, warum sind Sie hier, das heute... das ist doch Ihr großer Tag, Eric, die Modenschau war so fantastisch und auf dem Empfang wird man bestimmt nach Ihnen...“
„Schsch...“ Eric legte sanft einen Finger auf ihre Lippen. „Hier mit Ihnen zu sitzen, das bedeutet mir viel mehr, als irgend so ein langweiliger Empfang. Sie haben recht, Olivia, ich bin Ihnen gefolgt, und ich wäre Ihnen noch viel weiter hinterhergelaufen. Ich kann es nicht erklären, aber seit ich Sie das erste Mal gesehen habe, gehen Sie mir nicht mehr aus dem Sinn.“ Seine Stimme klang leise und zärtlich, und während Olivia ihn nur fasziniert anstarrte, näherten sich seine Lippen unmerklich den ihren. Sie hörten plötzlich nicht mehr das Geschnatter der Enten, den fernen Straßenlärm und das Geschrei der Kinder, die in der Nähe spielten, es gab für einen Moment nur sie beide, und als sich ihre Lippen berührten, schien es, als bliebe die Zeit für eine kleine Ewigkeit stehen.
An das alles erinnerte sich Olivia, während sie immer noch den Telefonhörer umkrampft hielt.
Sallys Stimme brachte sie wieder in die Wirklichkeit zurück.
„Livvy, was treibst Du denn die ganze Zeit...“ Sie blieb stehen und maß die Freundin mit einem kritischen Blick. „Laß mich raten, Du träumst von einem bestimmten gutaussehenden Herrn, bei dem es sich auf keinen Fall um Deinen nichtsnutzigen Ehemann handelt, hab ich recht?“
Olivia legte seufzend den Hörer auf und verdrehte die Augen.
„Ja Sally, Du hast recht!“ erwiderte sie genervt, „und Du kannst mir jetzt eine Moralpredigt halten, wenn Du willst, ich hab sie verdient!“
„Als wenn das was nützen würde!“ knurrte Sally gutmütig und setzte sich. „Eigentlich hab ich Dir ja schon immer gesagt, dass Gregory nicht der Richtige für Dich ist, aber wenn ich Dich jetzt so sehe, weiß ich auch nicht, wo die größeren Schwierigkeiten lauern, in Deiner verkorksten Ehe oder in der von Eric Forrester... Vielleicht solltest Du die Sache mit Würde beenden.“
„Welche Sache meinst Du, Sally?“ fragte Olivia.
„Eine von beiden, Schätzchen.“ erwiderte Sally. „Entweder Du greifst gleich nochmal zum Telefon und sagst Gregory, dass es vorbei ist, oder Du beendest die Romanze mit Eric Forrester, bevor sie richtig beginnt und Dir über den Kopf wächst!“
„Ja aber...“ Olivia biß sich nervös auf die Lippen, „ich kann Eric doch nun wirklich nicht einfach anrufen und ihm sagen...“
Sally schüttelte energisch ihre Locken.
„Wer redet von anrufen? Du kannst selbst mit ihm reden, er steht unten in der Halle und wartet auf Dich.“
Als Ben an diesem Abend nach Hause kam, blinkte sein Anrufbeantworter. Es war eine Nachricht von Ricardo, der ihm mitteilte, dass der Staatsanwalt Anklage gegen Mark erhoben hatte. Allerdings nicht wegen Mordes, sondern auf Grund des gerichtsmedizinischen Gutachtens wegen Totschlags. Außerdem habe Gregory Richards erreicht, dass sein Mandant bis zur Verhandlung auf freien Fuß gesetzt werden könne, vorausgesetzt, jemand würde eine angemessene Kaution stellen.
„Ich hab dabei an Dich gedacht, Ben“ hörte er Ricardos Stimme, „bitte ruf mich zurück, wenn Du da bist, oder komm nochmal auf dem Revier vorbei.“
Ben atmete tief durch und wählte Ricardos Nummer.
„Natürlich werde ich die Kaution für Mark stellen.“ sagte er, als sie verbunden waren, „gib mir eine Stunde Zeit, ich muß noch auf der Bank vorbeifahren.“
Er legte auf, goß sich einen Drink ein und trat hinaus auf die Veranda. Ein frischer Wind blies ihm ins Gesicht, und am Horizont zogen erste dunkle Wolken auf. Ben erinnerte sich, wie Ronda vorhin erklärt hatte, es sei eine Sturmwarnung für Teile der Küste herausgegeben worden.
In ihm selbst tobte der Sturm schon, seitdem er nach seiner Begegnung mit Derek am Mittag das Surf Center verlassen hatte.
Warum konnte sein Bruder ihn nicht endlich in Ruhe lassen und ein für allemal verschwinden? Warum setzte er alles daran, sich schon wieder schmerzhaft in sein Leben einzumischen? Meg... sie war so verstört gewesen, und doch hatte sie einen kühlen Kopf bewahrt und ihn davon zurückgehalten, seinen jahrelang aufgestauten Frust abzulassen und Derek windelweich zu prügeln. Sie glaubte wirklich daran, dass die Sache damit erledigt wäre und Derek sie künftig in Ruhe lassen würde.
Aber Ben wußte es besser. Es war nicht vorbei, so leicht nicht...
Und dann war da noch diese Sache mit Maria, alles wäre anders gekommen, wenn da nicht...
Er starrte sekundenlang auf das gefüllte Glas in seiner Hand und schmetterte es dann mit aller Kraft in die Ecke der Veranda, wo es mit einem Klirren in tausend Stücke zersprang.
„Verdammt, Derek, verschwinde endlich aus meinem Leben, und nimm Maria am besten gleich wieder mit!“
Er atmete tief durch, ging zurück ins Zimmer und schloß das Fenster. Mark sollte nicht unnötig in seiner Zelle auf ihn warten. Er nahm seinen Autoschlüssel vom Schreibtisch und wollte schon los, als ihm etwas einfiel. Wenn Mark auf freiem Fuß war, dann würde auch die Party im Deep stattfinden, und danach...
Sein Gesicht hellte sich auf. Er griff zum Telefon und wählte eine Nummer.
Seine Anweisungen waren kurz und präzise.
„Ich möchte, dass am Sonntag alles soweit fertig ist. Schaffen Sie das?... Gut, sehr schön, ich verlasse mich auf Sie. Den Schlüssel bringe ich gleich noch vorbei. Danke, bis dann.“
Er legte auf und lächelte zufrieden.
„Tja“ meinte er achselzuckend zu sich selbst, „dann wird Gregory nächste Woche für ein paar Tage ohne mich auskommen müssen!“
Der Regen setzte schlagartig ein. Während binnen weniger Minuten grelle Blitze am Himmel zuckten, Donnerkrachen alles umher zu erschüttern schien und der Sturm bedrohlich heulte und durch die Strassen von Sunset Beach pfiff, alles vor sich hertreibend, was seiner Kraft nicht standhielt, lenkte Ben den Mercedes in die Garage.
„Ich hätte vielleicht doch nochmal bei Meg im Surf Center vorbeischauen sollen.“ dachte er und schaute besorgt zum Himmel, der sich innerhalb kürzester Zeit rabenschwarz gefärbt hatte. Die Wolken jagten einander und es goß wie aus Eimern.
Fluchend stellte Ben fest, dass er zwar das Garagentor mit der elektrischen Fernbedienung öffnen und schließen konnte, sein Wohnungsschlüssel allerdings lag versteckt unter einem der Blumenkübel an der Vordertür. Was blieb ihm anderes übrig, er mußte zum anderen Eingang laufen.
So schnell er konnte rannte er, die Jacke schützend über den Kopf gezogen, durch die enge Gasse zwischen den Häusern. Der Sturm war hier nicht so stark, aber der Regen hatte ihn fast völlig durchnäßt, als er nach Luft ringend ankam und die Tür zum Hausflur schwungvoll aufstieß.
Er schaltete das Hauslicht ein, schüttelte die Jacke ab und wollte sich gerade nach dem Blumenkübel bücken, um den Schlüssel zu seiner Wohnung hervorzuholen, als er plötzlich merkte, dass er nicht allein war.
Sie stand klatschnaß und zitternd vor Kälte vor seiner Wohnungstür, die Arme schützend um sich geschlungen, und sah ihn mit großen Augen erleichtert an ...
„Meg!“ Mit einem Schritt war Ben bei ihr und nahm sie in seine Arme. „Was machst Du denn hier, allein und bei diesem Wetter?“
Ein Wassertropfen rollte ihr von dem nassen Haar über die Wange. Oder war es eine Träne?
„Ich bin so froh, dass Du da bist, Ben.“ flüsterte sie und kuschelte sich an ihn. Ben spürte, wie sie zitterte. Schnell nahm er den Schlüssel und öffnete die Tür.
„Komm rein, Du erkältest Dich sonst!“
Er nahm eine Decke von der Couch und legte sie um ihre Schultern.
„Entschuldige Ben“ sagte sie leise, „ich wollte eigentlich nur sehen, ob es Dir gutgeht, nachdem... nach der Begegnung mit Deinem Bruder.“ Sie senkte die Augen und strich ihr nasses Haar zurück. „Ich hätte auf Michael hören sollen. Er kam vorhin vom Strand und meinte, es würde ein Unwetter geben, aber das es so schnell gehen würde...“
„Tja, hier an der Küste muß man mit sowas rechnen.“ meinte Ben und legte wieder seine Arme um sie. „Und Du bist extra hergekommen, um zu sehen, ob es mir gutgeht?“
Meg nickte. Ben strich ihr zart über die Wange.
„Ich liebe Dich, Meg.“ sagte er unendlich sanft und küßte zärtlich ihre Lippen. Meg erwiderte seine Kuß, doch er spürte, dass sie immer noch zitterte und in ihren nassen Sachen fror.
„Du solltest eine heiße Dusche nehmen.“ schlug er vor. „Komm, ich bring Dich nach oben.“
Meg nickte und folgte ihm ins Bad.
Er legte ihr einen flauschigen Bademantel hin.
„Ist der von Maria?“ fragte sie spontan und bereute ihre Bemerkung sofort. Ben warf ihr einen erstaunten Blick zu.
„Nein.“ sagte er ernst. „Du wirst keine Sachen mehr von Maria in diesem Haus finden.“
Meg trat schnell auf ihn zu und küßte ihn auf die Wange.
„Entschuldige bitte, das war nicht so gemeint!“
Er lächelte und wies auf die Duschkabine.
„Laß Dir Zeit, ich werde inzwischen unten ein Feuer im Kamin machen.“
Meg sah ihm einen Moment lang nachdenklich hinterher, als er hinausging. Dann schlüpfte sie schnell aus den nassen Sachen und hing diese notdürftig über den Wäschetrockner. Sie drehte die Dusche auf und schloß die Augen, als sie das angenehm heiße Wasser auf der Haut fühlte. Sollte doch draussen der Sturm toben und der Rest der Welt untergehen, hier bei Ben war sie in Sicherheit.
Als Meg etwas später, eingekuschelt in den weichen Bademantel, die Treppe herunterkam, brannte bereits ein knisterndes Feuer im Kamin und tauchte den ganzen Raum in ein äußerst romantisches Licht. Wohltuende Wärme strahlte ihr entgegen.
Ben hatte sich umgezogen, er trug eine Jeans und darüber ein weites helles Hemd, dessen Ärmel bis zu den Ellenbogen aufgekrempelt waren. Er saß auf dem Lammfell vor dem Kamin und sah gedankenverloren in die Flammen.
Meg hockte sich hinter ihn und schlang die Arme um seinen Hals.
„Woran denkst Du?“
Ben legte lächelnd den Kopf zurück.
„Ich bin so froh, dass Du da bist.“ sagte er leise. Meg nickte.
„Ich auch.“
Er drehte sich um und zog sie in seine Arme. So saßen sie engumschlungen und schauten verträumt dem Spiel der Flammen im Kamin zu.
„Wo warst Du denn vorhin?“ fragte Meg nach einer Weile. „Hattest Du noch im Büro zu tun?“
„Ich war bei Mark.“ antwortete Ben. „Und bevor ich nach Hause kam, hab ich ihn im Surf Center abgesetzt.“
Meg hob erstaunt den Kopf.
„Was? Er durfte nach Hause?“
Ben nickte.
„Er ist auf Kaution freigelassen worden.“
Während Meg staunend lauschte, erzählte er ihr, was er vorhin von Ricardo erfahren hatte. „Caitlin hat versucht, ihm zu helfen, aber leider reicht die Aussage einer einzelnen Zeugin nicht aus, um die Anklage fallen zu lassen.“
„Das war sehr mutig von Caitlin.“ stellte Meg beeindruckt fest. Ben schmunzelte.
„Ich befürchte allerdings, dass Gregory das etwas anders sehen wird.“
Meg richtete sich auf und sah Ben mit großen Augen an.
„Wenn Mark zu Hause ist, dann kann ja morgen auch die Eröffnungsparty im Deep stattfinden!“ rief sie voller Freude. Ben zog bedeutungsvoll die Augenbrauen hoch.
„Seid Ihr denn schon fertig?“
„Ja, Cole und Casey holen vormittags noch die restlichen Lieferungen ab, dann kann es losgehen!“
Sie kuschelte sich wieder in Bens Arm.
„Na, dann werde ich mir den morgigen Abend zur Sicherheit freihalten.“ sagte er und strich zärtlich über ihr vom Duschen immer noch feuchtes Haar. „Falls Du mich mitnimmst!“
„Mal sehen, kommt drauf an...“ neckte sie ihn.
„Worauf?“
„Na... ob Du Dich bis dahin gut benimmst!“
Ben lachte.
„Tja, dann werde ich Dich jetzt mal nach Hause bringen...“
Meg drehte sich um und sah ihn mit gespieltem Entsetzen an.
„Das verstehst Du unter gutem Benehmen?“
„Mh... na ja“ Ben schien angestrengt zu überlegen und grinste dann. „Gut, versuchen wir es mal damit...“ Er strich ihr Haar beiseite und begann seine Lippen sanft über ihren Nacken wandern zu lassen.
„Schon besser...“ schnurrte sie und schloss genießerisch die Augen.
Ben streichelte über ihre Schultern und ließ seine Hände vorsichtig tiefer gleiten, bis er langsam den Gürtel ihres Bademantels löste. Meg drehte sich in seinem Arm und begann ihrerseits, sein Hemd aufzuknöpfen, während sich ihre hungrigen Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuß fanden.
Draußen tobte der Sturm und ließ die Wellen meterhoch ans Ufer schlagen. Während Blitz und Donnerkrachen einander abwechselten, peitschte der Regen an die Fensterscheiben.
Ben und Meg bekamen von alledem nichts mit. Sie küssten, streichelten und liebten sich zärtlich und voller Hingabe, und das prasselnde Feuer im Kamin war nichts im Vergleich zu den Flammen der Leidenschaft, die in ihnen brannte...
Annie stand am Fenster und sah auf den Strand hinaus, wo die tosende Brandung meterhohe Wellen meterhohe Wellen auf das Ufer zutrieb und der Sturm die Palmen und das hohe Schilfgras erbarmungslos bog und rüttelte. Der Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, und obwohl das Zimmer von der Hitze des Tages aufgeladen war, bekam Annie eine Gänsehaut.
Ihr Fuß tat ihr weh, aber noch viel schlimmer schmerzte die Einsamkeit.
Sie hatte keine Ahnung, wie lange ihr Vater mit seinen Geschäften in Tokio zu tun hatte, bevor er zurückkam, und auch ihre Tante Bette würde noch eine Weile wegbleiben.
Na wenigstens hatte diese heute angerufen und ihrer Nichte erklärt, sie mache mit irgend einem Mr. „Sowieso“ ein paar Tage Urlaub in Acapulco.
Annie grinste.
So, wie sie ihre lebenslustige Tante einschätzte, würde die zu ihrem Ferientrip gewiß keinen Pfennig dazubezahlen, schlimmstenfalls kam sie mit Ehemann Nr.8 von ihrer Reise zurück. Sieben Ehen hatte Bette immerhin bereits hinter sich gebracht, da kam es auf eine mehr oder weniger nicht an.
Annies Magen rumorte verdächtig und erinnerte sie an das gemütliche Frühstück mit Jude heute Vormittag auf der Terrasse.
Jude Cavanough... er ging ihr einfach nicht aus dem Sinn. Dabei war er überhaupt nicht ihr Typ... Annie zog die Stirn in Falten. Ja, wer war denn eigentlich ihr Typ? Ben Evans?
Eigenartig, in den letzten zwei Tagen hatte sie hatte sie so gut wie keinen Gedanken an ihn verschwendet, genauer gesagt, seit sie ihm heimlich die Luft vom Reifen seines kleinen Sportwagens gelassen hatte und kurz danach in Gregorys Büro Jude zum ersten Mal begegnet war.
Jude... sie hatte sich ihm gegenüber wirklich zickig verhalten, absolut unmöglich, aber das schien ihn nicht im mindesten zu stören. Im Gegenteil sie konnte noch so abweisend sein, er setzte doch seinen Willen durch, auf eine Art, die ihr neu war und insgeheim auch irgendwie gefiel, die sie zugleich aber auch unsagbar wütend machte.
Nein... Annie presste trotzig die vollen, roten Lippen zusammen. Nein, sie würde sich nicht von ihm einwickeln lassen, auf gar keinen Fall...
Und doch mußte sie insgeheim zugeben, dass sie sich wünschte, er wäre jetzt hier, bei ihr...
Bevor sie sich am nächsten Tag auf den Weg ins Deep machten, um die letzten Vorbereitungen für die Eröffnungsparty zu treffen, gönnten sich Meg, Tess und Vanessa noch eine Stunde am Strand, wo es um die Vormittagszeit noch ziemlich ruhig zuging.
Entspannt streckten sie sich auf ihren Laken im weichen Sand aus und genossen die ersten warmen Sonnenstrahlen des neuen Tages.
Vanessa sah sich um.
„Zum Glück hat das Unwetter letzte Nacht nicht allzuviel Schaden angerichtet.“ stellte sie erleichtert fest. „Wenn ich daran denke, wie der Sturm geheult hat, und dann dieses furchtbare Gewitter und der Regen...“
„...und Meg war nicht zu Hause.“ ergänzte Tess mit spitzbübischem Lächeln. „Gut, dass Du angerufen hast, sonst hätten wir uns ernsthaft Sorgen gemacht!“
Meg nickte.
„Tja, was soll ich sagen... das Unwetter kam schneller, als ich dachte, und als ich bei Ben ankam, war ich schon völlig durchnäßt!“
Tess grinste.
„Ich bin sicher, er hat Dich gut abgetrocknet und dafür gesorgt, dass Du Dich nicht erkältest!“
Sie lachten übermütig.
Vanessa sah zum Liveguard- Turm hinüber.
„Michael ist dort oben ganz allein...“ stellte sie bedauernd fest. Tess zwinkerte ihr zu.
„Wieso bist Du noch hier?“
„Okay“ Vanessa sprang lachend auf. „Ich werd mal rübergehen und den diensthabenden Rettungsschwimmer etwas ablenken, während Du von den Haien gefressen wirst!“
„Gibt es hier Haie?“ fragte Meg scherzhaft.
„Ja, aber nur zweibeinige!“ grinste Tess, „einer davon ist mir gestern begegnet, und ich muß sagen, von dem würde ich mich gerne mal anknabbern lassen!“
Meg schüttelte den Kopf.
„Falls Du auf Derek anspielst, da wäre ich an Deiner Stelle etwas vorsichtig!“ warnte sie die Freundin. „Ich glaube, sich mit ihm einzulassen, ist mehr als nur ein Spiel mit dem Feuer!“
Tess betrachtete Meg nachdenklich.
„Ich weiß nicht...“ meinte sie schließlich, „Ben hat mir schon von Anfang an gefallen, aber der war ja nicht mehr zu haben, aber nun ist da einer, der genauso gut aussieht, und so verschieden können Zwillingsbrüder ja wohl nicht sein, oder?“
„Nachdem, was ich bisher erlebt und gehört habe, würde ich fast sagen, die beiden weichen etwas von der Norm ab.“ erwiderte Meg. „Außerdem dachte ich immer, Du stehst mehr auf Cole?“
Tess machte eine wegwerfende Handbewegung.
„Der hat seit ein paar Tagen nur noch Augen für diese Malerin!“
„Maria?“ fragte Meg erstaunt. Tess nickte verbissen.
„Ich kann sie nicht ausstehen! Weiß sie eigentlich, dass Du mit ihrem Ex zusammen bist?“
„Nein.“ antwortete Meg und mußte über Tess` Ausdrucksweise lachen.
„Recht hast Du, sie muß ja nicht alles wissen, aber in diesem Nest hier spricht sich sowas bestimmt schnell herum.“
Meg zuckte mit den Schultern.
„Von mir aus... ich hab kein Problem damit.“
„Na dann“ Tess stand auf und reckte sich. „Ich werde mich mal ein wenig abkühlen.“
Sie warf ihr langes blondes Haar zurück und stürzte sich mit wenigen Sätzen mutig in die schäumenden Wellen.
Meg sah ihr nach. Tess hatte wirklich eine erfrischende Art an sich, es tat gut, mit ihr zusammenzusein. Sie wünschte, die Freundin würde auch bald die große Liebe finden, aber sie hoffte von Herzen, dass es nicht jemand wie Derek sein möge, der ihre Spontanität und Lebensfreude nur gewissenlos ausnutzen würde.
Sie schloß die Augen und genoß die Sonne auf der Haut, als ihr plötzlich eine dunkle Gestalt das Licht nahm. Sie setzte sich erschrocken auf und schirmte ihre Augen gegen das blendende Licht ab, um besser erkennen zu können, wer da vor ihr stand.
„Ben?“ fragte sie unsicher.
Der Man vor ihr lachte und setzte sich vertraulich neben sie.
„Um es diesmal gleich richtig zu stellen, meine Süße, ich bin Derek, nicht Ben.“
„Und ich bin ganz sicher nicht Deine Süße!“ erwiderte Meg leicht gereizt. „Was willst Du?“
„Dich!“ antwortete er prompt und grinste sie herausfordernd an. „Am liebsten so wie Du gerade bist, im Bikini!“
Meg rückte demonstrativ ein Stück ab.
„Ich befürchte fast, Ben hat gestern etwas zu heftig zugeschlagen.“ meinte sie abweisend.
Derek rieb sich das Kinn und verzog das Gesicht.
„Was mich nicht umbringt, macht mich stark.“
Seine Blicke irritierten Meg und jagten ihr eine Gänsehaut über den Rücken.
„Ich habe gehört, dass Mark Wolper auf Kaution frei ist.“ wechselte Derek scheinbar zusammenhanglos das Thema und streckte gemütlich die Beine aus. „Leider wird das nicht von langer Dauer sein...“
„Wie meinst Du das?“ fragte Meg misstrauisch.
„Nun“ meinte er gedehnt, „wenn er erst für diesen... Mord, oder was auch immer es war, verurteilt wird, dann sitzt er bestimmt lange hinter Gittern. Armer Kerl, dabei ist er völlig unschuldig!“
Meg starrte Derek an.
„Was willst Du damit sagen? Was weißt Du darüber?“
Er drehte den Kopf und sah ihr ins Gesicht.
„Mehr als Du glaubst. Ich war dabei.“
„Du...“ Meg schluckte fassungslos. „Hast Du diesen Mann etwa...“
Mißbilligend schüttelte Derek den Kopf.
„Meg... Du traust mir wirklich nur Schlechtes zu! Das enttäuscht mich. Nein, ich habe niemanden umgebracht, aber ich hatte an diesem Abend eine Verabredung mit einer gewissen jungen Dame, die mich dann leider versetzt hat...“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause, und Meg begriff plötzlich, worauf er hinaus wollte.
„Du wolltest Dich mit mir an der Seebrücke treffen, und Du hast mich glauben lassen, Du wärst Ben. Natürlich..., nur hat mich Ben an diesem Abend selbst im Surf Center abgeholt!“
Derek grinste.
„So wird es wohl gewesen sein, und ich hab oben in den Dünen gesessen und gewartet und so manches Interessante dabei beobachtet...“
„Derek!“ Für einen Augenblick vergaß Meg alle Zwistigkeiten und legte aufgeregt ihre Hand auf seinen Arm, „dann kannst Du durch Deine Aussage Mark vor dem Gefängnis retten! Zusammen mit Caitlins Zeugenaussage müsste das doch reichen, damit die Staatsanwaltschaft die Anklage fallenläßt!“
Derek schaute sie etwas verwundert an und faßte dann nach ihrer Hand.
„So gefällt mir das, Meg. Es darf ruhig etwas mehr sein.“
Sie zog ihre Hand mit einem Ruck weg.
„Laß das!“ Während sie versuchte, seinen erneuten Annäherungsversuch zu ignorieren, sah sie ihn gespannt an. „Wirst Du Mark helfen?“
„Klar.“ erwiderte Derek sofort und lehnte sich lässig zurück. Er betrachtete Meg von der Seite und genoß die Erleichterung auf ihrem Gesicht, bevor er hinzufügte: „Unter einer Bedingung...“
Meg musterte ihn wütend.
„Ben hatte recht!“ sagte sie ungehalten. „Er meinte, alles was Du sagst oder tust, hat einen Haken. Was willst Du dafür?“
Er lachte.
„Das sagte ich doch vorhin schon. Dich!“
Empört kniff Meg die Augen zusammen.
„Du willst mich erpressen?“ Sie sprang auf und funkelte ihn zornig an. „Das wird nicht funktionieren, Derek! Niemals, vergiss es! Wir brauchen Dich nicht, um Mark zu helfen! Gregory schafft das auch ohne Dich...“
„Da wäre ich mir nicht so sicher.“ antwortete Derek gefährlich leise und erhob sich ebenfalls. Er trat ganz nahe an Meg heran. „Überleg Dir mein Angebot. Ich nehme Dich mit nach Europa oder wohin Du willst, ich lege Dir die Welt zu Füßen, Baby, Du brauchst nur mitzukommen.“
„Das selbe miese Spielchen, das Du damals mit Maria gespielt hast, ja?“ zischte Meg erbost.
Derek grinste.
„Oh, das war überhaupt nicht mies, im Gegenteil, Maria und ich haben uns prächtig amüsiert. Aber sie war auf Dauer nicht die Richtige für mich. Du dagegen...“ er legte einen Finger unter ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. Mit einer schnellen Bewegung schlug sie seine Hand weg.
„Ich werde nirgendwohin mit Dir gehen. Ich liebe Deinen Bruder.“
Sein merkwürdiges, überlegenes Grinsen machte sie stutzig. „Was ist, wenn ich ablehne?“
„Tja... das wäre sehr schade, Meg... denn in dem Falle müßte ich eine etwas andere Aussage machen...“
Meg starrte ihn fassungslos an.
„Das wagst Du nicht...“
Er zuckte mit gleichgültiger Miene die Schultern.
„Mark ist angepöbelt worden und hat einfach die Nerven verloren, sowas passiert eben...“
„Du bist... so fies!“ schrie Meg ihn an und raffte ihre Sachen zusammen. „Ich werde Ben alles erzählen...“
Noch bevor sie einen Schritt tun konnte, hatte Derek sie fest am Arm gepackt.
„Hör zu, meine Süße“ zischte er ihr gefährlich nahe zu, „Du wirst Ben gar nichts sagen, denn wenn Du das tust, bleibe ich garantiert bei meiner zweiten Aussage, und der gute Mark verschwindet für viele Jahre hinter dicken, hohen Gefängnismauern!“
Sie starrten einander sekundenlang an. Dann riß Meg sich los und lief davon.
Derek sah ihr nach und lächelte siegessicher.
„Hey, welcher Zwilling sind Sie?“ fragte eine helle Stimme hinter ihm. Er drehte sich um und sah in Tess` grüne Augen. Wie lange stand sie da schon? schoß es ihm durch den Kopf.
Aber so, wie sie ihn anlächelte, konnte sie wohl nichts von seinem Gespräch mit Meg mitbekommen haben.
„Welchen von beiden hätten Sie denn gerne?“ erkundigte er sich charmant. Tess warf lachend den Kopf zurück.
„Den, der noch nicht vergeben ist!“
„Dann ist wohl heute mein Glückstag.“
Derek nahm das Handtuch und begann ihr sanft Schultern und Rücken abzutrocknen.
Anschließend ließ er sich neben ihr auf dem Strandlaken nieder und betrachtete sie aufmerksam. Tess spürte eine leichte Verlegenheit.
„Wohin ist denn Meg so schnell verschwunden?“ fragte sie schnell.
„Keine Ahnung, sie hatte wohl noch etwas zu erledigen.“ erwiderte er, ohne seinen Blick abzuwenden. „Aber wenn Sie nichts dagegen haben, werde ich Ihnen ein wenig Gesellschaft leisten.“
Tess lächelte und reichte ihm die Sonnencreme.
„Wenn Sie sich ein wenig nützlich machen, können Sie gerne bleiben.“
Mark holte gerade die Post herein, als Meg im Surf Center ankam. Die beiden umarmten sich zur Begrüßung.
„Mark, ich bin so froh, dass Du wieder zu Hause bist!“ sagte Meg erleichtert.
„Ich auch“ meinte er, sah sie aber etwas bedrückt an.
„Was hast Du?“ fragte sie besorgt und folgte ihm ins Haus.
„Na ja“ er zuckte mit den Schultern, „ich war gestern abend unendlich froh, wieder in meinem eigenen Bett zu liegen, aber... schlafen konnte ich trotzdem nicht. Mir geht so viel im Kopf herum.“
Meg nickte.
„Das kann ich verstehen.“ Selbst innerlich noch total aufgewühlt von dem Gespräch mit Derek eben am Strand zwang sie sich mühsam zur Ruhe.
„Weißt Du, Meg“ Mark sah sie an, und sie bemerkte, wie abgespannt er aussah, „ich bin zwar momentan frei, aber ich fühle mich, als ob man mich in unsichtbare Ketten gelegt hätte, und daran wird sich sicher nichts ändern, bis alles vorbei ist, egal, wie diese Sache ausgeht!“
„Mark...“ Meg nahm seine Hand, „ich kann mir vorstellen, wie Dir zumute ist, und ich möchte Dir so gerne helfen...“
„Du und Ben, Ihr glaubt an mich und daran, dass ich unschuldig bin, so wie alle meine Freunde, und das bedeutet mir unbeschreiblich viel.“ sagte er lächelnd. „Und was Ben für mich getan hat, werde ich ihm niemals vergessen. Ich war so wahnsinnig erleichtert, als er gestern die Kaution für mich hinterlegt hat und ich mit ihm zusammen das Revier verlassen durfte.“
Meg nickte.
„Wir sind auch weiterhin für Dich da, Mark.“ sagte sie und wandte sich schnell ab, weil sie spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. „Wir werden das mit Dir gemeinsam durchstehen.“ - Fragt sich nur, zu welchem Preis... dachte sie, und ihr Herz schien sich zusammenzukrampfen. Wie weit würde sie selbst bereit sein, für Marks Freiheit zu gehen?
„Was hast Du, Meg?“ fragte er besorgt.
„Nichts... ich hab etwas im Auge...“ erwiderte sie schnell.
„Laß mal sehen!“
„ Nein, ist schon gut.“ Sie nahm ihre Strandtasche und war mit ein paar Schritten an der Treppe. „Wir sehen uns dann später im Deep!“ rief sie ihm scheinbar fröhlich zu, während sie nach oben ging. „Das wird Deine Nacht, Mark!“
Oben in ihrem Zimmer lehnte sie sich an die kühle Wand, während ihr die Tränen über die Wangen liefen.
„In diesem Laden klappt zur Zeit überhaupt nichts!“ rief Gregory und knallte die Unterlagen, die seine Sekretärin ihm gerade hereingereicht hatte, wütend auf den Schreibtisch.
Ben grinste.
„Sind wir etwas ungehalten heute?“
Gregory schnaufte.
„Ungehalten? Ich könnte platzen!“ Er ließ sich in seinen Sessel fallen und rieb sich angespannt die schmerzenden Schläfen. „Caitlin verzapft den größten Blödsinn ihres Lebens, Ricardo berichtet mir, dass weder von Connors, noch von diesen beiden Ganoven, die angeblich für den Mord am Strand verantwortlich sein sollen, irgendwo eine Spur zu finden ist, meine Frau tut derweil in L.A. sonst was und macht mich vor der gesamten Nation lächerlich... jetzt willst Du auch noch verreisen! Und der Pilot von unserem Privatjet kündigt, weil er was besseres gefunden hat! Zum Teufel, womit hab ich das verdient!“
„Wenn Du nur in Selbstmitleid badest, wird’s auch nicht besser.“ erwiderte Ben ungerührt.
„Der Pilot kommt nicht wieder, und was mich angeht, ich werde trotzdem wegfahren.“ Er überlegte kurz. „Was allerdings den Piloten angeht... da habe ich vielleicht einen Vorschlag.“
„Ach ja? Und welchen?“ knurrte Gregory ungehalten.
„Du fährst wie normale Menschen mit dem Auto nach L.A.“
Gregory verzog nur säuerlich das Gesicht.
Ben lachte.
„Ah... verstehe, Mister Richards will gewisse Leute beeindrucken, indem er mit dem Privatjet einfliegt und seine Gattin nach Hause holt! In dem Falle hätte ich allerdings eine Lösung für Dich!“
„Und die wäre?“
„Casey Mitchum! Er ist doch zur Zeit ohne Job.“
Interessiert blickte Gregory auf.
„Und Du meinst, der würde mit unserem Privatjet durch die Gegend fliegen?“
„Warum nicht, jeder ist bestrebt, Geld zu verdienen.“
Gregory stand auf und zog sein Jackett über.
„Frag ihn.“ meinte er knapp und nahm seinen Aktenkoffer. „Er soll morgen Vormittag bei mir zu Hause vorbeikommen, wenn er Interesse hat.“ An der Bürotür drehte er sich noch einmal kurz zu Ben um. „Und sei spätestens Wochenmitte wieder da. Ich brauche Dich hier. In der Gegend herumfahren kannst Du auch später!“
Ben grinste.
„Dir auch noch einen schönen Tag, Partner!“ Er sah auf die Uhr. Noch zwei Stunden, dann würde die Eröffnungsparty im Deep beginnen. Er mußte sich beeilen...
Tim fand keine Ruhe. Sein schlechtes Gewissen plagte ihn, und er grübelte die ganze Zeit über, wie er halbwegs unbeschadet aus der Misere herauskommen konnte, ohne sich noch weiter in Gefahr zu bringen.
Caitlin hatte keinen Augenblick gezögert, um Mark zu helfen, nicht einmal die Tatsache, dass sie sich selbst damit in Gefahr begab. Aber seit ihrem Gespräch heute morgen im Waffelshop hatte er nichts wieder von ihr gehört. Sicher hielt sie ihn nun für einen unbeschreiblichen Feigling, weil er nicht bei der Polizei hatte aussagen wollen. Wenn sie die Hintergründe wüßte, dann würde sie anders darüber denken...
Vielleicht sollte er ihr alles erzählen?
Tim zog die Stirn in Falten. Was war nur los mit ihm? Er war doch hergekommen, um Meg zurückzugewinnen, seine Jugendliebe, die Frau, die er heiraten wollte!
Caitlin sollte doch nur eine von seinen Zufallsfreundinnen sein, ein Mädchen, dass man kennenlernte, ein paar nette Tage mit ihr verbrachte und dann wieder vergaß. Und nun ging sie ihm nicht aus dem Kopf, er machte sich Sorgen um sie und mußte sich eingestehen, dass sie ihm schon weit mehr bedeutete, als er bisher zugeben wollte.
Kurzentschlossen griff er zum Telefon und rief sie an, doch ihr Handy war ausgeschaltet.
Ob sie wohl zu der Eröffnungsparty ins Deep ging?
Nein, da wollte er nicht hin, Meg würde dort sein, und wer weiß, wie sie reagierte, wenn er mit einer Freundin da aufkreuzte... Außerdem verspürte er kein Verlangen, schon wieder diesem Casey Mitchum zu begegnen.
Eddie hatte sich nicht noch einmal gemeldet, und seine beiden Schläger waren anscheinend irgendwo untergetaucht. Zumindest hatte er das vorhin im Waffelshop mitbekommen, als sich zwei Polizisten mit Elaine darüber unterhielten.
Hoffentlich war Cait nichts passiert!
Resigniert und beunruhigt ließ sich Tim aufs Bett fallen und starrte an die Zimmerdecke. Sein Einstieg in Sunset Beach war nicht gut gelaufen, gar nicht gut...
Es war schon dunkel, als er erwachte.
Nach kurzem Überlegen beschloß er, zur Richards- Villa zu gehen. Vielleicht konnte er Caitlin doch noch erreichen.
Er nahm seine Jacke und machte sich auf den Weg.
Das Deep strahlte in seinem schönsten Glanz. Über dem Eingang hingen Dutzende bunter Luftballons und auch innen war der ganze Raum zur großen Eröffnungsparty wirkungsvoll geschmückt.
Verschiedene Strahler gaben geheimnisvolle Lichtreflexe ab und verliehen der Bar ein modernes und zugleich angenehmes Flair. Schnell waren alle Stühle restlos besetzt, während sich draußen unaufhörlich Besucher drängten und vergeblich darauf hofften, vielleicht doch noch einen freien Platz zu ergattern. Es schien, als habe die Bevölkerung von Sunset Beach nur darauf gewartet, dass endlich wieder ein geeignetes Tanzlokal seine Pforten für sie öffnete.
Mark stand an der Discoanlage und sortierte die CDs für den heutigen Abend, während er eine rhythmische Scheibe nach der anderen auflegte. Tiffany, die nicht von seiner Seite wich, half ihm dabei.
Tess, Vanessa und Meg sorgten dafür, dass alle Gäste möglichst schnell mit den gewünschten Getränken versorgt wurden. Sie bekamen nicht nur für die freundliche Bedienung Komplimente, sie sahen auch in ihren sonnengelben Blusen und den schwarzen Miniröcken ausgesprochen gut aus.
Während sich Michael und Rae, die eben ihre Schicht in der Klinik beendet hatte, an dem Tisch setzten, der für die Bewohner des Surf Center reserviert war, schenkte Casey hinter der Bar Getränke aus und Cole mixte unter Anleitung eines erfahrenen Barkeepers, den sie eigens für den Eröffnungsabend engagiert hatten, exotische Drinks. Hinter ihnen erstrahlte die von Maria prächtig ausgestaltete Schiffswand mit ihren Bullaugen, die einen Blick in die geheimnisvolle unterirdische Welt des Ozeans freizugeben schienen.
Die Künstlerin selbst hatte auf einem der Barhocker Platz genommen und sah interessiert in die Runde. Sie kannte viele der Besucher, schließlich war sie in dieser Stadt aufgewachsen und hatte die, wie sie meinte, schönsten Jahre hier verlebt. Vielleicht würde sie sich diese Zeit zurückholen und die Erinnerungen gegen Zukunftspläne eintauschen... Zuversichtlich bestellte sie sich bei Cole einen alkoholfreien Früchtedrink und schenkte ihm bei dieser Gelegenheit ein strahlendes Lächeln, dass er sofort erwiderte.
„Eine Tüte Arsen wäre jetzt nicht schlecht...“ knurrte Tess, der die Blicke der beiden nicht entgangen waren, Meg zu. Die lachte.
„Du wirst Ärger bekommen, wenn Du gepanschten Fruchtsaft ausschenkst!“
Tess schnaufte genervt.
„Das wär`s mir wert!“
Etwas später wies Tess wies auf die Tür.
„Dort kommt der Mann Deiner Träume! Oder... ist das vielleicht der Mann meiner Träume?“
Meg schüttelte den Kopf.
„Derek würde es nicht wagen, hier aufzukreuzen.“ entgegnete sie überzeugt. Tess verzog vielsagend das Gesicht.
„Da wäre ich mir nicht so sicher!“
„Was soll das heißen?“ Meg sah die Freundin erschrocken an. „Willst Du damit sagen...“
Tess nickte.
„Ich hab ihn eingeladen.“ erklärte sie trotzig. „Was Cole kann, das kann ich schon lange!“
Sie drehte sich um und marschierte mit ihrem Tablett davon.
„Na toll...“ murmelte Meg und bahnte sich einen Weg zu Ben, der sie bereits entdeckt hatte und lächelnd auf sie zukam. Da war wieder diese Frage... war er Ben?
Als hätte er ihre Gedanken erraten, nahm er sie zur Begrüßung zärtlich in den Arm.
„Du siehst absolut bezaubernd aus!“ flüsterte er ihr zu und küßte sie. „Obwohl... im Bademantel fand ich Dich fast noch reizvoller!“
Maria, die Ben hatte ebenfalls kommen sehen und von ihrem Barhocker aufgestanden war, um ihn zu begrüßen, blieb abrupt stehen. Binnen Sekunden war alle Farbe aus ihrem Gesicht gewichen. Doch es war zu spät, um sich aus dem Weg zu gehen. Ben kam, den Arm liebevoll um Megs Schultern gelegt, genau auf sie zu.
„Hallo Maria.“ sagte er in verbindlichem Tonfall. „Schön, Dich zu sehen. Bei der Gelegenheit möchte ich Euch gleich miteinander bekannt machen...“
„Nicht nötig.“ erwiderte Maria eisig und warf Meg einen vernichtenden Blick zu. „Wir kennen uns bereits, schon eine ganze Weile.“
„Maria hat bei der Renovierung des Deep geholfen und die Wand dort drüben gestaltet.“ erklärte Meg schnell und zeigte in die Richtung der Bar. Ben folgte ihrer Hand mit den Augen.
„Ja, in künstlerischen Dingen ist sie unschlagbar!“ meinte er lächelnd und nickte seiner Exfrau kurz zu. „Wir sehen uns sicher noch. Ich wünsche Dir einen schönen Abend.“
Er zwinkerte Meg zu.
„Ich werde Michael und Rae ein wenig Gesellschaft leisten. Bis nachher.“
Während er zum Surf Center- Tisch hinüberging, wandte sich Meg wieder Maria zu, die sich nicht von der Stelle gerührt hatte. Sie hatte deren Blicke bemerkt und beschloß, am besten sofort in die Offensive zu gehen.
„Du scheinst ziemlich schockiert!“ stellte sie fest.
„Tja, Du hattest es ja nicht nötig, mir zu sagen, dass Du Bens neue Freundin bist!“ sagte Maria kühl. Meg zuckte die Schultern.
„Aus welchem Grund hätte ich das tun sollen?“ fragte sie erstaunt. „Ihr seid schließlich geschieden und jeder von Euch lebt sein eigenes Leben.“
„Ganz so einfach ist das nicht, meine Liebe.“ erwiderte Maria und schob trotzig das Kinn vor. „Uns verbindet noch viel mehr, als Du vielleicht ahnst.“
„Was willst Du damit sagen?“ fragte Meg so ruhig wie möglich. Maria zuckte nur mit den Schultern.
„Frag ihn doch selbst!“ meinte sie etwas schnippisch und ließ Meg einfach stehen. Sie nahm ihr Täschchen von der Bar, winkte Cole kurz zu und begab sich in Richtung Ausgang.
Meg sah ihr einen Augenblick lang irritiert hinterher.
Was hatte Maria mit ihrer letzten Bemerkung gemeint? Sie würde Ben danach fragen, aber nicht jetzt und schon gar nicht hier. Auf jeden Fall waren nun die Fronten zwischen ihr und Miss „Ex-Frau“ geklärt, und darüber war sie froh. Sie drehte sich um und machte sich dann wieder an ihre Arbeit.
Ben unterhielt sich zwar mit Michael, war aber mit seinen Gedanken nicht ganz bei der Sache. Immer wieder wanderten seine Blicke zu den beiden Frauen hinüber. Er war etwas beunruhigt. Eigentlich hätte er sich ja denken müssen, dass die beiden sich vielleicht in der Zwischenzeit schon kennengelernt hatten, aber warum hatte Meg ihm das nicht erzählt? Außerdem hatte Maria vorhin ziemlich abweisend reagiert und er befürchtete, sie könnte Meg aus Rache von jener merkwürdigen Nacht erzählen, die Nacht, an die er sich noch immer nicht erinnern konnte. Er mußte Meg das endlich beichten, wenn es nicht schon zu spät war...
Zu seiner großen Erleichterung registrierte er, dass Maria das Deep verließ.
Meg brachte den Gästen am Nebentisch eben die bestellten Getränke und schenkte ihm im Vorübergehen ein strahlendes Lächeln. Er atmete sichtlich auf und zwinkerte ihr zu, bevor sie wieder in Richtung Bar verschwand.
Maria öffnete schwungvoll die Tür und wäre fast mit ihrem Bruder Antonio und dessen Frau zusammengestoßen. Schnell verdrängte sie ihren Ärger über Ben und Meg und setzte ein krampfhaftes Lächeln auf, das jedoch sofort wieder verschwand, als sie sah, wen die beiden mitgebracht hatten. Den jungen Mann kannte sie nicht, dafür aber seine Begleiterin.
„Annie“ sagte sie frostig. Die Antwort war ein kaltschnäuziges Grinsen.
„Na wenn das kein Zufall ist... Maria Torres Evans persönlich! Was tust Du denn hier? Ich dachte, wir wären Dich ein für allemal los!“
„Tja, so kann man sich irren.“ Maria wandte sich an Annies Begleiter und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. „Hallo, ich bin Maria, Antonios Schwester.“
Er lächelte charmant zurück.
„Freut mich sehr. Mein Name ist Jude...“
Annie, die sich bei ihm eingehakt hatte, um besser laufen zu können, zog ihn mit einem Ruck an ihre Seite und blitzte Maria böse an.
„Vergiß es, er ist mit mir hier. Streck Deine Krallen woanders aus. Übrigens... wo wir schon beim Thema sind...“ Sie grinste hinterhältig, „Ben ist auch wieder vergeben, und seine neue Freundin ist überaus nett und ausgesprochen hübsch!“
„Das weiß ich, und ich bin froh darüber.“ log Maria und maß Annie mit einem giftigen Blick. „Mir ist jede an seiner Seite recht, solange Du es nicht bist!“
Gabi warf Antonio einen fragenden Blick zu, doch der rollte nur genervt die Augen und grinste, während Jude die Szene mit wachsendem Erstaunen verfolgte.
„Ich habe es doch nicht nötig, Deinem Ex hinterherzulaufen!“ empörte sich Annie. Maria lachte und wies schadenfroh auf deren Gipsfuß.
„Na ja, irgendwem scheinst Du aber hinterhergelaufen zu sein.“ Sie wandte sich an Jude. „Sie müssen wissen, Annie läuft immer irgendwem hinterher! Meistens war mein Ex-Mann das Opfer!“
„Was Du nicht sagst, im Hinterherlaufen hast Du ja wohl viel mehr Übung!“ ereiferte sich Annie, bevor Jude überhaupt an eine Antwort denken konnte. Er klappte seinen Mund wieder zu und zuckte nur mit den Schultern, während er mit Antonio einen weiteren vielsagenden Blick wechselte.
Maria schob kampflustig das Kinn vor.
„Wenn schon, dann tue ich das mit etwas mehr Stil als Du. Aber Stil hast Du ja sowieso nie gehabt. Passen Sie auf, Jude, dass Ihnen dieses Trampel nicht beim Tanzen mit ihrem Gips auf die Füße tritt... Schönen Abend noch!“ sie drehte sich um und wollte gehen, doch Annie war schneller. Sie griff nach Marias Arm und hielt sie fest.
„Nicht so hastig... ich gebe Dir einen guten Rat, Du verhinderte Künstlerin, geh heim zu Mama und laß Dir von ihr die Zukunft lesen, dann wirst Du erfahren, dass es hier niemanden gibt, der Dich vermißt hat. Dann schluck Deine Vitaminpillen und verschwinde!“ Sie wandte sich zu Jude um . „Gehen wir, hier draußen zieht es!“
„Was war das denn?“ fragte Gabi entgeistert, als sie mit Antonio die Treppe zur Bar hinunterging. Ihr Mann lachte nur.
„Das war schlicht und einfach Zickenalarm!“ erklärte er gleichgültig und fügte in fachmännischem Ton hinzu: „Solche Duelle lieferten sich die beiden früher regelmäßig. Sie hassen sich voller Leidenschaft!“
„Und warum?“ fragte Jude, ohne auf Annies wütenden Blick zu achten.
„Sie wollten beide den gleichen Mann.“ erwiderte Antonio. „Ben Evans.“
„Halt die Klappe, Antonio“ meinte Annie wenig charmant und sah sich hoheitsvoll um. „Kümmere Dich lieber um Plätze für uns, ich habe nicht vor, den ganzen Abend auf einem Bein hier herumzustehen.“
„Ben Evans?“ fragte Jude unbeirrt. „Na, auf den Mann bin ich gespannt.“
Antonio griff sich an die Stirn.
„Oh... natürlich, Ihr beide kennt Euch ja noch gar nicht, da Du letztens bei dem Geschäftsessen nicht dabei warst.“ fiel ihm ein. „Ben ist Gregory Richards Geschäftspartner in der Liberty Corporation. Ich werde Euch natürlich gleich miteinander bekannt machen.“ Er sah sich suchend um. „Dort drüben sehe ich ihn, mit ein paar Freunden, vielleicht sollten wir uns einen Moment zu ihnen setzen.“
„Ich halte das für keine so gute...“ wollte Annie widersprechen, doch Antonio hatte Jude schon mit sich fortgezogen, so dass ihr gar nichts anderes übrig blieb, als auf ihrem Gipsfuß hinter ihnen und Gabi herzuhumpeln.
„Ben, darf ich Dir Jude Cavanough vorstellen, den Leiter unserer Forschungsgruppe... Jude, das ist Ben Evans, einer der beiden Geschäftsführer der Liberty Corporation.“
Die beiden Männer reichten sich die Hand. Nachdem Ben auch Gabi und Annie begrüßt hatte, bat er sie platzzunehmen und stellte sie den anderen am Tisch vor. Kurz darauf erschien Meg, um eine weitere Getränkebestellung aufzunehmen.
„Gabi, Antonio!“ rief sie erfreut, „wie schön, Sie beide heute hier zu sehen.“
„Arbeiten Sie hier?“ fragte Gabi sogleich.
Meg lachte.
„Das Deep gehört meinen Freunden und ich helfe mit aus.“ erklärte sie und konnte förmlich sehen, wie Annie krampfhaft eine bissige Bemerkung hinunterwürgte.
„Hallo Miss Douglas...“ sagte sie betont freundlich.
Antonio wies auf Jude.
„Meg, darf ich Ihnen meinen Chef vorstellen?... Jude, das ist Bens Freundin.“
Jude erhob sich höflich und reichte Meg lachend die Hand.
„Freut mich sehr, Meg. Ich muß sagen, Annie hat wirklich nicht übertrieben, Sie sind tatsächlich außergewöhnlich hübsch und sehr nett.“
„Annie...?“ Ungläubig starrte Meg ihn an.
Ben verkniff sich ohne großen Erfolg ein Grinsen, während sich Gabi und Antonio köstlich amüsierten.
Annie schaute peinlich berührt weg und tat so, als habe sie Judes letzte Bemerkung nicht gehört. Sie hätte ihn erwürgen können. Dabei war sie noch vor wenigen Stunden insgeheim froh gewesen, als er sie anrief und bat, ihn ins Deep zu begleiten. Und nun das... diese Blamage! Manchmal glaubte sie fast, er tat das mit Absicht...
„Und nun ein Song für alle Verliebten, und solche, die es vielleicht noch werden wollen!“ ließ sich Marks Stimme durch den Lautsprecher vernehmen. Während er die Beleuchtung herunterdrehte, erklang ein gefühlvolles Liebeslied.
Sofort füllte sich die Tanzfläche merklich.
Ben stand auf.
„Ihr entschuldigt mich bitte einen Augenblick, ich denke, Meg hat sich eine kleine Pause verdient!“
„Ben, das ist jetzt nicht...“ versuchte sie einzuwenden, doch als er ihre Hand ergriff und sie mit sich fortzog, gab sie lachend allen Widerstand auf und folgte ihm. Er nahm sie in seine Arme und bewegte sich mit ihr zum Klang der einfühlsamen Musik.
„Darf ich bitten, Frau Doktor?“
Casey stand hinter Rae und legte seine Hände auf ihre Schultern. Erstaunt hob sie den Kopf.
„Kannst Du denn Deine Bar einfach verlassen?“ fragte sie erstaunt. Er nickte.
„Klar, ich hab ein Schild aufgestellt: Selbstbedienung!“ erklärte er augenzwinkernd. Sie erhob sich und ergriff seine Hand.
„Es ist kein Platz zum Tanzen!“ stellte sie angesichts der sichtlich überfüllten Tanzfläche sachkundig fest.
„Dann müssen wir eben enger zusammenrücken.“ erwiderte Casey und schlang seine Arme um sie. Rae verspannte sich sofort in seiner Umarmung, doch im Rhythmus der Musik wurden ihre Bewegungen nach und nach fließender. Sie ließ sich einfach treiben und vertraute sich ihrem Partner voll an, ein Umstand, der sie selbst erstaunte. Aber sie mochte nicht darüber nachdenken, dieser Tanz brauchte keine Analyse, sie wollte einfach nur Caseys Nähe spüren und bei ihm sein...
„Bevor ich den nächsten Song spiele, bitte ich Euch für ein paar Sekunden um Eure Aufmerksamkeit!“ tönte Marks Stimme plötzlich abermals durch die Lautsprecher.
„Zuerst ein Glückwunsch... und zwar an Tess und Cole, die neuen Besitzer des „Deep“, und an ihre Freunde. Das alles hier...“ er machte eine weit ausholende Bewegung, die das ganze Lokal einschloss, „das habt Ihr toll hingekriegt, ich glaube, ab sofort hat das Deep die schlimmsten Zeiten hinter sich!“
Sofort brandete Beifall auf. Tess wandte sich lachend zur Bar um, von wo aus Cole ihr aufmunternd zuzwinkerte.
„Und noch etwas möchte ich an dieser Stelle unbedingt loswerden.“ fuhr Mark fort und legte während der nächsten Worte seinen Arm um Tiffanys schmale Schultern.
„Ihr alle wißt, was in den letzten Tagen geschehen ist.“
Stille trat ein, man hätte eine Stecknadel fallen hören.
„Das ich heute hier sein kann, habe ich allein meinen Freunden zu verdanken, in erster Linie Ben Evans, der für mich die Kaution gestellt hat, damit ich das Gefängnis bis zur Verhandlung verlassen durfte, meinem Anwalt Gregory Richards, der mich während des kommenden Prozesses vertreten wird, aber vor allem den Menschen, die fest an meine Unschuld glauben. Ich danke Euch für Euer Vertrauen und hoffe, dass alles ein gutes Ende finden wird. Vielen Dank, Freunde!“
„Wir glauben an Dich, Mark!“ rief jemand spontan aus der Menge. Alle Anwesenden hatten sich erhoben und bekundeten mit ihrem Beifall, dass sie von seiner Unschuld überzeugt waren.
Tiffany küßte Mark auf die Wange, und man sah ihr deutlich an, wie erleichtert sie war. Sie hatte zwar ihren Vater verloren, aber für sie bedeutete das, was geschehen war, dass sie in Zukunft frei und ohne Angst leben würde.
Vanessa stellte die Drinks am Surf Center- Tisch ab und äugte mißtrauisch zu Virginia hinüber. Die Reporterin wollte einen Artikel über die Eröffnungsparty schreiben, saß jedoch schon geraume Zeit neben Michael und unterhielt sich angeregt mit ihm.
„Hallo Vanessa!“ säuselte sie, zu liebenswürdig für Vanessas Geschmack.
„Hallo“ erwiderte diese wenig begeistert. „Wie ich sehe, geht es vorwärts mit Deinem Bericht über den heutigen Abend! Leider befürchte ich, dass das Ganze etwas einseitig wird, wenn Du die ganze Zeit über nur eine Person interviewst!“
Virginia verstand diese Spitze sehr wohl.
„Keine Sorge, ich weiß schon, was ich tue.“ antwortete sie leicht frostig.
Vanessa nickte.
„Mh, eben das befürchte ich ja.“ Sie stellte das Tablett ab und lächelte Michael verführerisch an. „Ich habe jetzt meine Pause. Tanzt Du mit mir?“
„Nichts, was ich lieber täte.“ erwiderte er begeistert. Er folgte Vanessa auf die Tanzfläche und ließ eine sichtlich frustrierte Virginia zurück.
Meg legte ihren Kopf an Bens Schulter, während sie sich zum Takt des nächsten Songs bewegten. Alles schien perfekt, in seinen starken Armen fühlte sie sich sicher. Doch da war immer noch so ein Gefühl der Hilflosigkeit, das einfach nicht vergehen wollte. Nach Marks kleiner Ansprache eben war es wieder da, fast noch stärker als vorher.
Sie überlegte, ob es vielleicht besser wäre, Ben einfach von Dereks Erpressungsversuch zu erzählen, doch sie wollte Mark nicht gefährden. Wenn sie jetzt etwas Falsches tat, war er vielleicht verloren...
Der Song war fast zu Ende.
Als sie die Augen öffnete, sah sie ihn... erstand oben an der Treppe zum Eingang und schaute zu ihnen herüber, unbeweglich und mit überlegenem Lächeln, er war sich seiner Sache sicher...
Ben bemerkte, wie Meg den Kopf hob und folgte mit den Augen der Richtung, in die sie blickte.
„Derek!“ knurrte er grimmig. „Was will der denn hier?“
„Tess hat ihn eingeladen, glaube ich.“ erklärte Meg hastig. „Sie findet ihn... interessant.“
„Oh ja“ meinte Ben sarkastisch, „interessant ist wirklich die harmloseste Umschreibung, die mir für meinen Bruder einfällt!“
Er nahm Megs Hand und ging mit ihr zum Tisch zurück. „Sag ihr, sie soll sich vorsehen!“
Derek schlenderte zur Bar und zog dabei einige erstaunte Blicke auf sich. Nicht alle in Sunset Beach kannten Bens Zwillingsbruder.
Er bestellte sich einen Drink und sah sich weiter um.
Tess hatte ihn entdeckt und kam strahlend auf ihn zu.
„Schön, dass Du da bist!“
Derek legte seinen Arm um sie, genau wie heute am Strand.
„Um keinen Preis hätte ich das versäumen wollen.“ meinte er charmant. „Ich muß schon sagen, Ihr habt das gute alte Deep ganz ordentlich aufgepeppt. Aber die neue Mitbesitzerin ist trotzdem nicht zu übertreffen!“
„Schmeichler!“ grinste Tess und schielte in Coles Richtung, doch der war mit seinen Drinks beschäftigt und schien sie gar nicht zu bemerken.
„Nur noch einen Moment, ich hab gleich eine Pause.“ erklärte Tess und zwinkerte Derek zu.
„Ich kann es kaum erwarten.“ erwiderte er.
Grimmig schüttelte Cole den Shaker, den er gerade in der Hand hielt.
Dieser Evans- Bruder machte doch tatsächlich Tess schöne Augen! Und ihr schien das auch noch zu imponieren! Dabei hatte sie doch neulich selber mitbekommen, dass er allen, die mit ihm zutun hatten, nur Schwierigkeiten bereitete.
Ihm zumindest gefiel das gar nicht.
Er würde sehr wachsam sein...
Es war schon ziemlich spät, als Ben den Anruf erhielt, auf den er insgeheim den ganzen Abend gewartet hatte.
„Alles ist vorbereitet, Mr. Evans, genau wie Sie gesagt haben. Der Schlüssel befindet sich bereits bei Ihnen zu Hause im Briefkasten.“
Ben lächelte.
„Danke“ meinte er zufrieden, „das war genau das, was ich hören wollte.“
Er steckte sein Handy ein und nahm Meg bei nächster Gelegenheit diskret zur Seite.
„Wenn ich mich hier so umschaue, würde ich sagen, Du warst ziemlich fleißig. Alle Gäste sind bestens versorgt und sehen sehr zufrieden aus... Ich denke, ich kann die Geschäftsleitung überreden, Dir ein paar Tage freizugeben!“
„Was?“ fragte Meg ungläubig. Wieso das denn?“
Er nahm sie in den Arm.
„Weil ich dich Tag und Nacht und zu jeder Stunde in meiner Nähe haben möchte!“
Meg nickte.
„Das möchte ich auch.“
„Gut“ Ben holte tief Luft, „das wäre also geklärt. Hast Du morgen schon etwas vor?“
„Nein...“
„Und Übermorgen?“
„Auch nicht, aber was soll...“
Ben ließ sich nicht beirren.
„Und die darauffolgenden beiden Tage?“
„Ben...“ Lachend knuffte sie ihn in die Seite. „Nun sag schon, was hast Du vor?“
„Das ist eine Überraschung!“ erklärte er geheimnisvoll. „Pack morgen Vormittag einfach ein paar Sachen zusammen, ich hole Dich gegen Mittag ab, und wir verschwinden für ein paar Tage. Und nimm bitte auch Pullover und Jacke mit, in den Bergen ist es abends kühl...“
„In den Bergen?“ Meg sah ihn gespannt an, aber er schüttelte den Kopf.
„Mehr werde ich nicht verraten! Und den Rest kläre ich mit Cole.“ Er zwinkerte ihr zu und verschwand in Richtung Bar.
Meg sah ihm nach und konnte ihr Glück kaum fassen. Sie würde ein paar Tage verreisen, mit dem Mann ihrer Träume, weg von hier, weg von Maria, von Derek... nur Ben und sie! Eigentlich war ihr völlig gleich, wohin sie fahren würden, hauptsache fort von allen Problemen, und wer weiß, vielleicht hatte sich ja alles geklärt, bis sie wieder zurück waren...
„Du strahlst ja so!“
Tess` Stimme riß sie aus ihren Gedanken. „Gute Nachrichten?“
„Du mußt die nächsten Tage hier im Deep auf meine Hilfe verzichten, Tess“ platzte Meg heraus, „Ben und ich verreisen!“
„Wow... Liebesurlaub!“ staunte Tess und grinste. „Du bist wirklich zu beneiden! Wo soll es denn hingehen?“
„Keine Ahnung, er hat es mir nicht verraten.“ erklärte Meg. „Ich weiß nur, dass wir irgendwo in die Berge fahren.“
„Romantisch...“ schwärmte Tess. „Ich freue mich für Dich! Und mach Dir keine Sorgen wegen dem Deep, das bekommen wir schon hin. In der Woche wird hier ohnehin nicht allzuviel los sein, denke ich.“
„Danke, Tess.“ Meg umarmte die Freundin und atmete dann tief durch. „Also dann, auf zum Endspurt, wir haben immer noch ein paar ewig Durstige!“
Derek trat hinter dem Raumteiler hervor, hinter dem er die ganze Zeit gestanden hatte. Das Gespräch der beiden Frauen war sehr interessant gewesen.
Sein Bruder, dieser Mistkerl, wollte sich also mit Meg aus dem Staub machen!
Er knirschte wütend mit den Zähnen.
Das mußte er verhindern...
Er ging wieder zur Bar hinüber und überlegte angestrengt. In die Berge... aber wohin genau wollten die beiden fahren?
Plötzlich trat wieder dieses unergründliche, gefährliche Funkeln in seine Augen und er grinste überlegen. In die Berge? Natürlich... das mußte es sein!
„Ich glaube, ich werde Euch einen Besuch abstatten und den kleinen Liebesurlaub etwas abwechslungsreicher gestalten!“ murmelte er grimmig und bestellte sich einen neuen Drink.
„Ich mach`ne Pause!“ verkündete Tess, die gerade mit ihrem Tablett zur Bar kam, um eine neue Bestellung aufzugeben. Sie stützte sich auf den Tresen und rollte mit den Augen.
„Meine Füße fühlen sich schon an wie der Gipsfuß dieser rothaarigen Hexe aus dem Flugzeug!“ stöhnte sie. Cole lachte.
„Aber vorher holst Du mir bitte noch zwei Flaschen von dem Tennessee- Whisky aus dem Keller!“ bat er.
„Okay.“ Tess angelte sich den Schlüssel. „Läuft doch ganz gut, oder?“ raunte sie ihm zu.
„Ich denke schon“ erwiderte Cole. „Für den ersten Abend können wir wirklich zufrieden sein.“
Sie war schon an der Treppe, als er leise ihren Namen rief. Erwartungsvoll sah sie sich um.
„Wir sind ein gutes Team.“ sagte Cole und lächelte.
Sie nickte.
„Ja, das sind wir.“
Tess stieg die Steinstufen hinunter und schloß den Weinkeller, der ihnen als Lager diente, auf. Während sie noch nach den gewünschten Flaschen suchte, hörte sie plötzlich ein Geräusch hinter sich. Erschrocken fuhr sie herum.
Sie konnte gerade noch einen Schatten vorbeihuschen sehen, und dann fiel die schwere Eichentür ins Schloß.
Tess war gefangen...
Als Tim vor dem Eingang der Richards- Villa stand, verließ ihn plötzlich der Mut. Was, wenn Caitlin gar nicht da war, oder ihr Vater öffnete die Tür?
Er kam sich vor, wie ein Schuljunge, der im Begriff war, etwas Verbotenes zu tun. Noch einmal wählte er Caitlins Handynummer, aber wieder meldete sich nur die Mailbox.
Er überlegte, was er tun sollte. Schließlich entschloß er sich, erst einmal ums Haus zu laufen, vielleicht konnte er auf der Rückseite jemanden über die Veranda erspähen.
Sich vorsichtig umsehend, durchquerte er den Garten, insgeheim hoffend, dass da kein Wachhund oder eine Alarmanlage war. Alles blieb ruhig, nur weiter drüben knackten ein paar Äste und plötzlich hörte er flüsternde Stimmen.
Kurz darauf erhellte ein greller Blitz die Nacht und blendete seine Augen. Er sah etwas durch die Luft fliegen, was wie ein kleiner Feuerball aussah, dann hörte er Glas zerbersten. Erschrocken blinzelte er und sah noch, wie zwei Gestalten in die Nacht verschwanden.
Brandgeruch stieg ihm in die Nase, und als er um die Ecke zum Hintereingang kam, bemerkte er, dass einer der unteren Räume in hellen Flammen stand.
„Mein Gott“ dachte er entsetzt, „jemand hat Feuer gelegt! Caitlin... ich muß ihr helfen!“
Mit zitternden Händen langte er nach seinem Handy und rief die Feuerwehr. Dann zerschlug er mit dem Schuh ein weiteres Fenster und stieg ins Haus ein.
Nachdem ihm dieser Tag wirklich nichts Gutes gebracht hatte, war Gregory zeitig schlafengegangen. Sean wollte sich mit Freunden von der Highschool auf irgend einer Party treffen, und Caitlin war ihrem Vater nach ihrem Streit vorhin aus dem Weg gegangen und hatte sich in ihrem Zimmer eingeschlossen. Ihm war das ganz recht, so konnte ihr wenigstens nichts geschehen. Bis diese Gangster gefasst waren, würde er sowieso keine ruhige Minute haben...
Von irgend einem merkwürdigen Geräusch wurde Gregory schließlich munter. Er starrte in die Dunkelheit und hörte plötzlich jemanden laut rufen. Draußen? Am Strand?.... nein, das klang, als ob jemand im Haus war!
Er sprang aus seinem Bett und langte nach seinem Morgenmantel, während er die Schlafzimmertür aufriß. Im selben Moment bemerkte er den beißenden Brandgeruch, der bereits durchs ganze Haus zog.
„Was zum Teufel...“ entfuhr es ihm, als er den jungen Mann bemerkte, der aufgeregt die Treppe hinaufgehastet kam. „Was ist denn hier los?“
„Feuer... die untere Etage!“ rief Tim atemlos. „Kommen Sie schnell, Sie müssen hier raus! Die Feuerwehr muß jeden Moment da sein!“
Gregory sah sich fassungslos um.
„Caitlin!“ schrie er. „Wir müssen sie aufwecken!“
Er rannte zum Zimmer seiner Tochter, das am anderen Ende des Flures lag. Tim folgte ihm. Von Ferne waren bereits die Sirenen der Feuerwehr zu hören.
„Caitlin, wach auf! Mach die Tür auf, hörst Du!“ schrie er, während sie beide gegen ihre Zimmertür hämmerten. Nichts rührte sich.
„Ich versuch es anders...“ rief Tim und warf sich mehrmals verzweifelt gegen die Tür. Der Brandgeruch wurde immer stärker. Man hörte das Bersten von Fensterscheiben und die drohenden Geräusche, die nur lodernde Flammen verursachen konnten.
Mit letzter Kraft trat Tim auf die Tür ein, die daraufhin krachend nachgab.
Die beiden stürzten in Caitlins Zimmer und blieben dort wie angewurzelt stehen.
Ihr Bett war leer...