Teil  31

 

 

Olivia lächelte versonnen vor sich hin. Dieser Eric Forrester hatte schon irgendwie eine besondere Art ihr zu imponieren.

Eigentlich war sie heute Nachmittag nur aus einem Grunde in die Hotelhalle hinuntergegangen, nämlich um ihm unmissverständlich zu sagen, dass sie an keinerlei Beziehung zu ihm interessiert sei, möge er die diversen Treffen mit ihr auch als noch so harmlos dahinstellen, aber immerhin hatte er sie geküsst, und das gefährliche Funkeln in seinen Augen, wenn er sie ansah, sagte ihr mehr als tausend Worte. Oh nein, Probleme dieser Art hatte sie momentan wirklich genug…

Aber als sie ihm dann später gegenüberstand, hatten sich plötzlich alle Vorbehalte in Luft aufgelöst, ihr Verstand schien auf „Standbye“ geschaltet zu sein und ihr Herz begann so stürmisch zu klopfen wie in ihren besten Teenagerzeiten.

Nun saßen sie bereits seit Stunden hier in der kleinen Bar des Hilton- Hotels, in dessen Dachgeschoss sich Sallys Penthousesuite befand.

Eric erwies sich als geduldiger Zuhörer, er war außergewöhnlich charmant und auf eine liebenswürdige Weise zurückhaltend.

Olivia spürte, wie sich die Spannung in ihrem Inneren allmählich löste, und es tat ihr unendlich gut, offen über ihre Probleme zu reden. Da gab es endlich jemanden, dem sie wirklich wichtig zu sein schien, der sie verstand und ihr zudem das Gefühl gab, noch immer schön und begehrenswert zu sein.

Mit Sally konnte sie zwar auch reden, aber ihre Freundin war leider in ihrem Urteilsvermögen bei weitem nicht so neutral und vorbehaltlos wie Eric. Sie hatte Gregory von jeher nicht ausstehen können, und sie machte sie auch kein Hehl aus dieser Tatsache.

Allerdings würde Sally mit Sicherheit ausflippen, wenn sie wüsste, dass sie hier schon die ganze Zeit über mit Eric Forrester saß und über ihre Eheprobleme sprach. Aber… vielleicht ahnte sie es ja sogar, bei ihr war man vor Überraschungen nie sicher.

 

„Würdest Du mit mir tanzen, Olivia?“ holte Erics Stimme sie irgendwann in die Wirklichkeit zurück. Sie sah in seine Augen und nickte lächelnd.

„Ja, sehr gerne.“

Während sie sich beide zum einfühlsamen Klang der Musik bewegten, spürte Olivia Erics Hände, die sanft ihren Rücken streichelten. Widerstandslos ließ sie es zu, dass er sie dicht zu sich heranzog. Sie legte den Kopf an seine Schulter, genoss den herb- würzigen Duft seines Aftershave und schloss die Augen. Sunset Beach, Gregory, alles schien in diesem Augenblick unendlich weit…

Als der Tanz zu Ende war, blieb Eric stehen und sah ihr in die Augen. Da war etwas in seinem Blick, dass auch den letzten Zweifel in ihr verschwinden ließ.

„Diese besondere Nacht gehört uns beiden, Olivia.“ sagte er leise und nahm ihre Hand. Sie nickte nur stumm und folgte ihm in stillem Einvernehmen in Richtung Ausgang.

Draußen wartete eine Limousine. Der Chauffeur sprang aus dem Wagen und öffnete ihnen dienstbeflissen die Tür.

Olivia wollte gerade einsteigen, als sie eine Stimme hinter sich mitten in ihrer Bewegung innehalten ließ.

„Mum?“

Sie fuhr herum und sah direkt in das erstaunte Gesicht ihrer Tochter. 

 

 

 

Es war bereits nach Mitternacht, als Antonio und Gabi von der Eröffnungsparty im Deep zurück ins Hotel kamen. Der Nachtportier reichte ihnen den Zimmerschlüssel zusammen mit einer Nachricht.

„Die Dame hat schon mehrmals für Sie angerufen, Mr. Torres“ erklärte er wichtig, „Sie sollen sie unbedingt sofort anrufen, wenn Sie zurück sind.“

Antonio warf einen Blick auf die Telefonnummer, die auf dem Zettel stand.

„Meine Mutter.“ registrierte er und nickte dem Portier dankend zu. „Ich werde sie gleich morgen früh anrufen.“ Damit wandte er sich zu Gabi und wollte schon gehen, doch der Mann am Empfang hielt ihn zurück.

„Sir… „ er räusperte sich verlegen, als Antonio sich umdrehte, „die Dame sagte, egal wie spät es wäre, Sie sollen bitte sofort zurückrufen. Es schien ihr sehr wichtig zu sein.“

Antonio stutzte einen Moment und lächelte dann resigniert.

„Bei meiner Mutter ist alles sehr wichtig. Okay…“ er holte tief Luft und nickte Gabi zu, die abwartend stehengeblieben war, „ich werde sie also sofort anrufen. Vielen Dank und gute Nacht.“

Als sich wenig später die Fahrstuhltüren hinter ihnen schlossen, sah Gabi ihren Mann fragend an.

„Das klang sehr ernst.“ meinte sie nachdenklich. „Hoffentlich ist nichts passiert.“

Antonio lachte, aber es war kein fröhliches Lachen.

„Oh ja“ erwiderte er mit einer vor Sarkasmus triefender Stimme, die Gabi völlig fremd an ihm war. „Bei meiner Mutter geschieht immerzu irgendetwas, schon ein Blick in die Karten oder in diese lächerliche Kristallkugel genügt, und sie läuft zur Höchstform auf und sieht das Unglück in allen Ecken lauern!“ Er unterbrach sich, als sich die Fahrstuhltüren wieder öffneten. Sie traten auf den Flur hinaus und gingen zu ihrem Zimmer. „Aber weißt Du was?“ überlegte Antonio, während er die Tür aufschloss, „ich werde jetzt genau das tun, worum sie mit soviel Nachdruck gebeten hat!“

„Was?“ fragte Gabi ungläubig. „Du willst sie doch nicht etwa wirklich um diese Zeit noch anrufen?“

Antonio nickte und griff nach dem Telefonhörer.

„Bitte tu das nicht!“ warnte Gabi. „Sicher schläft sie schon und wird sich zu Tode erschrecken, wenn Du sie jetzt aufweckst…“

„Das ist mir ehrlich gesagt egal. Wenn ich nicht anrufe, wird sie es mir morgen vorhalten.“ erwiderte Antonio. „Glaub mir, ich kenne meine Mutter, und außerdem müsste Frau Wahrsagerin eigentlich wissen, dass in dieser Nacht noch ein Anruf kommt. Also, probieren wir es aus!“

„Warum hasst Du Deine Mutter eigentlich so?“ fragte Gabi so unvermittelt, dass Antonio den Hörer wieder sinken ließ. Seine Lippen zuckten verdächtig, aber er hatte sich sofort wieder unter Kontrolle.

„Ich hasse sie nicht.“ sagte er leise, aber entschieden. „Ich kann selbst nicht erklären, was ich für sie empfinde, denn seitdem ich damals von zu Hause fortgegangen bin, habe ich über meine Gefühle nicht mehr nachgedacht, ich hab sie einfach… ignoriert.“

Gabi musterte ihn mit großen Augen. Sie hatte ein Thema angesprochen, dass irgendwie immer ein Tabu zwischen ihnen gewesen war. Aber sie wollte dieses Tabu brechen.

„Was ist damals zwischen Euch geschehen, Antonio?“

Er sah sie lange an und schüttelte dann fast unmerklich den Kopf.

„Nicht jetzt, Gabi.“ sagte er leise. „Irgendwann werde ich Dir davon erzählen, ganz sicher, aber nicht heute. Entschuldige bitte…“ mit diesen Worten drehte er sich um und wählte die Nummer seiner Mutter.

 

 

 

Annies Laune hatte sich während des Abends nicht wesentlich gebessert. Wie sollte sie auch, nachdem sie ständig mit ansehen musste, dass Ben hemmungslos mit seiner dahergeflogenen Stewardess flirtete und Jude sich am Tisch mit allen möglichen Leuten unterhielt, die ihm wichtiger zu sein schienen als seine Begleiterin. Zu allem Überfluss sprachen sie auch noch über Themen, von denen sie nichts verstand, zum Verrücktwerden! Tanzen konnte sie ja auch nicht, das wäre mit diesem lästigen Gipsfuß wohl etwas umständlich gewesen. Was allerdings für Jude kein Grund zu sein schien, auf sein Vergnügen zu verzichten und sämtliche Damen am Tisch abwechselnd auf die Tanzfläche zu bitten. Annie schmollte und hätte vor Ärger am liebsten ihr Champagnerglas angenagt. Verstohlen beobachtete sie ihn und musste widerwillig zugeben, dass er auch beim Tanzen eine verdammt gute Figur machte.

Nun waren sie auf dem Heimweg, und Annie hatte endlich Judes ungeteilte Aufmerksamkeit.

Langsam gingen sie die Strandpromenade hinunter. Die Luft war immer noch erwärmt von der Hitze des vergangenen Tages, nur ein leichter Wind sorgte für angenehme Kühle.

Annies Fuß schmerzte. Sie hatte sich bei Jude eingehakt und spürte die Kraft in seinem Arm, während er sie stützte.

„Haben Sie Schmerzen?“ fragte er fürsorglich.

„Es gibt Schlimmeres.“ erwiderte Annie kurz angebunden. Jude bedachte sie mit einem amüsierten Seitenblick.

„Zum Beispiel?“

Annie verdrehte die Augen.

„Zum Beispiel, wenn man den ganzen Abend ignoriert wird…“

Jude blieb stehen.

„Ignoriert?“ Er betrachtete lächelnd ihr Outfit in Form eines ihrer superkurzen Minikleider. „Also ich weiß nicht… Sie haben doch alle Blicke auf sich gezogen, Annie, zumindest die der männlichen Besucher!“

„Und was ist mit Dir?“ hätte sie ihn am liebsten angeschrien, konnte sich aber aufgrund seines Gesichtsausdruckes gerade noch zusammenreißen.

„Grinsen Sie doch nicht so blöd!“ fauchte sie. „Wegen Ihnen und dieser dämlichen Höhlenkraxelei stecke ich doch erst in dieser Misere!“

Jude schüttelte verständnislos den Kopf, ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

„Soll ich Sie tragen?“ fragte er unvermittelt.

„Unterstehen Sie sich!“ knurrte Annie und humpelte mit zusammengebissenen Zähnen weiter neben ihm her. Den Rest des Weges legten sie schweigend zurück.

Vor ihrer Haustür angekommen, angelte Annie ihren Schlüssel aus ihrer winzigen Umhängetasche. Sie ließ es widerstandslos zu, dass Jude ihr half, indem er die Tür aufschloss, und zu ihrem eigenen Erstaunen ertappte sie sich bei dem Wunsch, er möge doch noch bleiben. Aber anscheinend teilte er diesen Gedanken nicht, denn er reichte ihr lächelnd den Schlüsselbund.

„Danke für den bezaubernden Abend, Annie.“ sagte er charmant und versuchte, diesen Satz nicht allzu sarkastisch klingen zu lassen. „Gute Nacht!“

Fassungslos sah Annie, wie er sich umdrehte und davonging.

Nach ein paar Schritten jedoch blieb er plötzlich stehen und drehte sich um.

„Ach… beinahe hätte ich es vergessen…“ meinte er, während er zurückkam, und ehe Annie überhaupt wusste, wie ihr geschah, nahm er sie in seine Arme und küsste sie.

Ihr erster Impuls war, sich gegen diese unerwartete Umarmung zu wehren, doch als sie seine Lippen spürte, erstarb ihr Widerstand sofort. Sein Kuss war zärtlich und fordernd zugleich und verursachte ihr ein unwiderstehliches Kribbeln auf der Haut. Sie drängte sich dicht an ihn und schlang ihre Arme um seinen Hals. Nach ein paar Sekunden jedoch spürte sie, wie Jude sich sanft von ihr löste. Er trat einen Schritt zurück und lächelte.

„Ich komme morgen vorbei und bringe Dir das Frühstück.“ sagte er und deutete noch einen Kuss in ihre Richtung an, während er davonging und Annie in einem wahren Wirbelsturm der Gefühle zurückließ.

 

 

 

„Caitlin?“

Fassungslos starrte Olivia ihre Tochter an. „Schätzchen… meine Güte… wo kommst Du denn her?“ stammelte sie erschrocken und versuchte krampfhaft, ihrer Stimme ein gewisses Maß an Fröhlichkeit zu geben, was jedoch gründlich misslang.

Caitlin kam die wenigen Stufen vom Hoteleingang herunter, während sie ihre Mutter und Eric abschätzend betrachtete.

„Ich habe mir Sorgen um Dich gemacht.“ sagte sie, und Olivia vermeinte sehr wohl den Vorwurf in ihrer Stimme zu hören. Sie stand Caitlin gegenüber und fühlte sich mit einem Mal klein und schmutzig.

Eric, dem die angespannte Stimmung zwischen den beiden Frauen nicht entging, räusperte sich auffällig und versuchte die peinliche Situation auf seine Art unter Kontrolle zu bringen.

„Olivia, willst Du mich der jungen Dame nicht vorstellen?“ rief er gespielt freundlich und lächelte Caitlin charmant an, doch die war dafür unempfänglich.

„Nicht nötig, ich weiß, wer Sie sind.“ sagte sie abweisend. „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, Mr. Forrester, würde ich jetzt gern mit meiner Mutter allein sprechen.“

Mit dieser deutlichen Abfuhr hatte Eric nicht gerechnet. Er zog erstaunt die Augenbrauen hoch, doch bevor er etwas erwidern konnte, kam Olivia ihm zuvor.

„Ich danke Dir für diesen schönen Abend, Eric.“ sagte sie hastig, während sie beschwichtigend ihre Hand auf seinen Arm legte. „Wir sehen uns… vielleicht morgen. Gute Nacht.“

Schnell, fast fluchtartig, wandte sie sich um und folgte ihrer Tochter, die ihm zum Abschied knapp und ziemlich kühl zunickte, ins Hotel zurück.

 

Eric stand da und starrte den beiden Frauen sekundenlang nach. Dann wandte er sich abrupt um und stieg in den Wagen.

„Wohin, Mr. Forrester?“ fragte der Chauffeur vorsichtig.

„In die nächste Bar, ich brauche einen Drink!“ knurrte Eric unfreundlich und lockerte mit wütender Bewegung seine Krawatte. Dann ließ er sich sichtlich schlecht gelaunt in die weichen Polster fallen, während sich die Limousine zügig in den fließenden Verkehr einordnete.

 

 

 

„So, fertig!“

Meg zog den Verschluß ihrer Reisetasche zu und sah sich prüfend im Zimmer um. „Hoffentlich habe ich an alles gedacht! Es ist gar nicht so einfach, die passenden Sachen zu packen, wenn man nicht einmal ansatzweise weiß, wohin die Reise geht.“ stöhnte sie.

Tess, die mit verschränkten Armen am Türrahmen lehnte, lachte.

„Also ich find` das cool, total romantisch! Ich hoffe nur, Bens Bruder hat diese außergewöhnlichen Gene auch!“

Meg sah die Freundin missbilligend an.

„Du solltest Dir Derek endlich aus dem Kopf schlagen, Tess.“ mahnte sie. „Ich habe bisher schon mehrere Beschreibungen von ihm gehört, aber „romantisch“ war nicht dabei.“

„Ach, komm schon, Meg“ widersprach Tess, „der fährt total auf mich ab! So was spüre ich sofort. Und wenn mich nicht irgend so ein Vollidiot im Weinkeller eingesperrt hätte, glaub mir, dann wäre zwischen Derek und mir schon längst alles klar!“

Meg verdrehte genervt die Augen. Sie kannte Tess zu gut. Wenn die verliebt war, dann redete man gegen eine Wand. Aber die Sache mit dem Weinkeller war schon ein bisschen eigenartig, das musste sie zugeben.

„Bist Du wirklich sicher, dass Dich jemand absichtlich da unten eingesperrt hat?“ fragte sie zweifelnd. „Ich meine, vielleicht hat nur ein Luftzug die Tür…“

„Meg“ unterbrach Tess sie ungeduldig, „wo soll den da unten in dem alten Gemäuer ein Luftzug herkommen? Außerdem habe ich einen Schatten gesehen und auch etwas gehört, bevor die Tür zukrachte.“

Meg zuckte mit den Schultern.

„Wer hat Dich eigentlich wieder rausgelassen?“ fragte sie schließlich.

„Cole.“ erwiderte Tess. „Irgendwann hat er mich anscheinend oben vermisst und sich zum Glück daran erinnert, dass er selbst mich hinuntergeschickt hatte, weil an der Bar der Whisky ausgegangen war. Na ja, und da hat er mich dann auch gefunden…“ Sie stöhnte schmerzlich. „Leider zu spät für mein Rendezvous mit Derek. Als ich nach oben kam, war die Party vorbei  und mein Kavalier fühlte sich von mir wahrscheinlich total verschaukelt und war gegangen.“ Sie verzog das Gesicht. „Soweit also zur Romantik von gestern Abend… Bestimmt ist Derek jetzt böse auf mich. Wenn ich mir vorstelle, wie schön es hätte sein können!“

Meg schleppte ihre Reisetasche an Tess vorbei auf den Flur, setzte sie dort ab und legte der Freundin den Arm um die Schultern.

„Tess… der Abend war auch so wunderschön! Ein absolut toller Erfolg! Morgen bringt Virginia noch eine große Story im „Sentinel“ über die Neueröffnung des Deep, und spätestens dann ist Eure Bar die erste Adresse in Sunset Beach! Was willst Du mit Derek, wo Du doch Cole an Deiner Seite hast!“

„Ach der….“ meinte Tess trotzig, „der macht sich doch überhaupt nichts aus mir! Derek dagegen…“ ihre grünen Augen glänzten, „er ist so… männlich! Du hättest ihn unten am Strand erleben sollen…“

„Oh ja“ dachte Meg bitter, „ich hab ihn erlebt, den wahren Derek!“ In Gedanken hörte sie noch einmal seine erpresserischen Worte, sah sein eiskaltes Lächeln und bekam sofort wieder eine Gänsehaut.

„Glaub mir, Tess, vielleicht war es ganz gut, dass Du da unten eingesperrt warst.“ sagte sie entschieden. „Wahrscheinlich ist Dir auf die Art eine große Enttäuschung erspart geblieben!“

„Wie kannst Du nur so etwas sagen!“ beschwerte sich Tess lautstark, während sie Meg dabei half, die Tasche hinunterzutragen. “Schließlich ist er Bens Zwillingsbruder!“

„Ja, kaum zu glauben.“ murmelte Meg, verbiss sich aber jegliche weitere Bemerkung, als draußen ein lautes Hupen ertönte.

„Ben ist da!“ rief Michael, der eben zur Haustür hereinkam. Er schnappte sich Megs Tasche.

„Dann mal los, hinein ins Abenteuer!“

 

Auch die anderen Bewohner begleiteten Meg nach draußen.

Ben war ausgestiegen und begrüßte alle. Er gab Meg einen Kuss.

„Na, bereit mit mir durchzubrennen?“ fragte er augenzwinkernd. Sie schmiegte sich lachend in seinen Arm.

„Bring sie uns bloß heil zurück, Mann!“ meinte Michael und boxte Ben aus Spass leicht in die Seite.

„Und lasst keine Langeweile aufkommen!“ fügte Vanessa grinsend hinzu.

„Darauf kannst Du wetten!“ gab Ben zurück und hielt Meg die Wagentür auf. „Also dann, bis bald! In ein paar Tagen sind wir zurück!“

 

Die Freunde winkten ihnen nach, bis das schwarze Cabrio hinter der nächsten Kurve verschwunden war.

 

 

 

„Wo ist Casey eigentlich die ganze Zeit?“ fragte Rae, als sie alle zusammen wieder ins Haus gingen. Sie hatte heute ihren freien Tag und war etwas enttäuscht gewesen, als er nicht zum Frühstück erschienen war.

„Soviel ich weiß, hatte er einen Termin bei Gregory Richards.“ erklärte Michael. „Er sagte, er wolle wegen einer freien Stelle in der Liberty Corporation nachfragen.“

„In der Liberty?“ wunderte sich Rae.

Michael nickte.

„Wenn ich richtig verstanden habe, sucht Gregory einen Piloten für den Privatjet der Firma.“

Cole blickte sich erstaunt um.

„Die Liberty kann sich einen Privatjet leisten? Alle Achtung, das hätte ich nicht erwartet!“

Michael zuckte die Schultern.

„Na ja, die Firma ist hier an der Südwestküste die Größte ihrer Art. Da gehört so was einfach zum Prestige, vermute ich.“

„Außerdem hat Gregory Richards genug Geld, um sich so einen Luxus leisten zu können.“ fügte Rae hinzu.

„Woher weißt Du das?“ fragte Tess neugierig. Rae lachte.

„Man hört so einiges, vor allem, wenn man mal in der Pause mit den Krankenschwestern zusammen einen Kaffee trinkt.“ Sie verzog das Gesicht. „Gregory ist wohl unbestritten der mächtigste Mann in Sunset Beach, sein Ruf eilt ihm voraus.“

„Na ja“ erwiderte Michael, „böse Zungen behaupten aber auch, seine Geschäfte wären mitunter nicht ganz legal, und wenn Ben ihm nicht ab und zu auf die Finger schauen würde… Auf jeden Fall aber soll er ein brillanter Anwalt sein, clever, kompromisslos und wenn es sein muß, knallhart.“

„Tja, das wird sich erst noch zeigen.“ schaltete sich Mark ein, der bisher geschwiegen hatte. „Genauso einen Anwalt werde ich nämlich brauchen.“

In diesem Moment bog Casey mit seinem Wagen rasant um die Ecke und kam mit quietschenden Bremsen vor dem Haus zu stehen. Erschrocken drehten sich die Surf Center Bewohner um.

„Hey, fährst Du´ ne Rallye oder so was?“ rief Michael kopfschüttelnd.

Casey sprang aus dem Wagen.

„Leute, Ihr werdet nicht erraten, wo ich gerade herkomme!“ rief er aufgeregt. Seine Freunde sahen ihm lachend entgegen.

„Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job!“ riefen sie alle durcheinander. Casey stutzte.

„Was für ein Job?... Ach so, den meint Ihr…“ fiel es ihm wieder ein, doch er schüttelte den Kopf. „Also das muß noch warten, weil nämlich… etwas passiert ist!“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause und sah seine Freunde mit ernstem Gesicht an.

„Was ist denn los? Nun red` schon, Mann!“ meinte Michael ungeduldig.

Casey holte tief Luft und straffte die Schultern.

„Es ist unglaublich… Ich war eben bei Gregory Richards zu Hause. Stellt Euch vor… heute Nacht ist seine Villa abgebrannt!“