TEIL 52

 

 

Ocean Avenue 15

 

Jude lag schon eine Weile wach und dachte nach.

So viel war in den vergangenen Wochen passiert. Er war mit seiner Crew im Auftrag der Liberty Corporation hierhergekommen, um einige Strandhöhlen auf ihre Statik und Beschaffenheit zu untersuchen. Die Höhlen sollten gesprengt werden, um Platz zu schaffen für den Bau einer gigantischen neuen Ferienanlage.

Jeder Auftrag, den das Archäologenteam bekam, stellte eine neue Herausforderung dar, und Jude hatte sich gefreut, mit Antonio und Gabi hier in Antonios Heimatstadt zusammenzuarbeiten. Womit er nicht gerechnet hatte, war die Tatsache, dass sich Antonio, seitdem er hier war, in geheimnisvoller, ja fast schon beängstigender Weise veränderte, und dass er selbst bei dem Versuch, die Sprengung der ersten Höhle zu verhindern, fast ums Leben gekommen wäre.

Und noch viel weniger hatte er damit gerechnet, dass er sich hier in Sunset Beach verlieben würde...

Aber er war sich nicht sicher, ob Annie Douglas für ihn das Gleiche empfand. Auf irgend eine seltsame Art und Weise schien sie voll und ganz auf diesen Ben Evans fixiert zu sein.

Er hatte die beiden mehrmals heimlich beobachtet und war sich sicher, dass sie eine Affäre miteinander hatten. Daraufhin hatte er versucht, sich von Annie zu distanzieren, doch es war ihm nicht so recht gelungen. Als er dann bei der Sprengung der Höhle verletzt worden war, hatte sie sich rührend um ihn gekümmert und war nicht von seiner Seite gewichen, bis es ihm wieder besser ging. Sie konnten beide diese starken Gefühle füreinander nicht ignorieren, und irgendwann in den letzten Tagen hatte dann eins zum anderen geführt...

 

Er spürte eine Bewegung neben sich und richtete sich vorsichtig auf.

Nachdenklich betrachtete er Annies schlafendes Gesicht. Ihre vollen, sinnlichen Lippen waren leicht geöffnet und ihre Gesichtszüge wirkten weich und entspannt.

Nichts an ihr erinnerte momentan an die impulsive, aufsässige Kratzbürste, die sie meist zur Schau stellte. Jude hatte in den letzten Tagen und Nächten eine ganz andere Annie kennengelernt und er ahnte, dass vieles von ihrem provozierenden und aufmüpfigen Auftreten nur ein Schutzschild war, aus Angst, von irgendwem verletzt zu werden. Das was sie zeigte und das, was sie fühlte, waren grundverschiedene Dinge, aber wahrscheinlich gelang es höchst selten einem Menschen, hinter diese sorgsam aufgebaute Fassade zu blicken. Außer ihre flippigen Tante Bette vielleicht, in der Annie anscheinend so eine Art Mutterersatz sah...

 

Er strich ihr übers Haar und wickelte gedankenverloren eine der prächtigen roten Strähnen um seinen Finger.

„Wie spät ist es?“ murmelte sie und blinzelte verschlafen.

„Zeit zum Frühstücken, Murmeltier!“ erwiderte Jude und beugte sich herunter. „Möchtest Du Kaffee oder...“

„Oder was?“

Er grinste und begann, spielerisch an ihrem Ohrläppchen zu knabbern und zärtlich ihr Gesicht zu küssen.

„Ich für meinen Teil würde ein Frühstück im Bett vorziehen!“ flüsterte er zwischen seinen Liebkosungen, und nach einem ersten, halbherzigen Knurren gab Annie sehr schnell jeglichen Widerstand auf. Als sich ihre Lippen kurz darauf fanden, erwiderte sie seinen Kuss mit schnell wachsender Leidenschaft, während sie die Arme um seinen Hals schlang und ihn dichter zu sich heranzog.

„So bin ich noch nie geweckt worden...“ flüsterte sie schließlich atemlos.

„Dann gewöhn Dich schon mal dran! Dieses Frühstück ist meine Spezialität!“ raunte er zurück und zog die Decke über sie beide...

 

 

Pazifik Coast Highway

 

„Und, wie fühlst Du Dich?“ fragte Mark auf der Rückfahrt von Los Angeles. Er saß auf dem Beifahrersitz von dem schwarzem BMW- Cabrios, das Ben Meg geliehen hatte, damit sie ihre Familie zum Flughafen bringen konnte.

„Könnte nicht besser sein!“ lachte Meg. „Ben ist gestern nacht von seiner Geschäftsreise zurückgekommen. Nachher treffen wir uns. Er hat irgend eine Überraschung für mich.“

Mark lächelte.

„Du liebst ihn sehr, hab ich recht?“

Meg nickte.

„Er war jetzt eine Woche geschäftlich verreist, und es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Ja Mark, ich liebe ihn wirklich sehr.“

„Das ist schön für Dich.“ sagte Mark und blickte geradeaus auf die Strasse.

Es klang so traurig, dass Meg ihn einen Moment lang erstaunt von der Seite anblickte. Doch dann dachte sie an Tiffany.

„Tut mir leid, dass sie Sunset Beach verlassen hat.“ meinte sie mitfühlend. „Aber ich denke, sie konnte sich gar nicht anders entscheiden. Sie und ihre Mutter haben eine neue Chance verdient, vielleicht ist es noch nicht zu spät sich zu versöhnen und neu anzufangen!“

„Und was ist mit mir?“ fragte Mark bitter. „Ich habe sie doch auch gerne, sehr sogar, aber mir gibt sie keine Chance!“

„Ich glaube, Tiffany ist noch etwas zu jung. Durch das Chaos in ihrer Familie wusste sie nie, wohin sie gehört. Gib ihr etwas Zeit. Vielleicht kommt sie ja zurück.“

„Nein, das glaube ich nicht.“ erwiderte Mark. „Mein Gefühl sagt mir, dass ich sie nicht wiedersehen werde. Na ja, was soll`s...“ Er atmete tief durch und strich Spike, der zusammengerollt auf seinem Schoß schlief, übers Fell, „wir beide müssen eben sehen, wie wir zurechtkommen.“

Meg lächelte.

„Du bist ja nicht allein, Mark. Du hast eine ganze wilde Wohngemeinschaft am Hals!“

Sie lachten beide.

„Was war eigentlich mit Deiner Schwester?“ fragte Mark nach einer Weile. „Sie wäre ohne zu zögern hiergeblieben, hatte ich den Eindruck. Liegt das an Sunset Beach, oder hatte das noch einen anderen Grund?“

„Na ja...“ Meg nickte nachdenklich, „Sara ist ein sehr spontaner Typ, sie entscheidet meist aus dem Bauch heraus und schaltet dabei den Verstand völlig aus, meint zumindest meine Mutter.“

Mark grinste.

„Dafür denkt Deine Mutter um so mehr nach!“

„Oh ja, bei ihr muss alles stimmen, sonst kann sie nicht ruhig einschlafen. In dieser Hinsicht sind sie und Sara wie Feuer und Wasser. Sara hatte sich ein wenig in Casey verguckt, ohne zu ahnen, dass er bereits vergeben ist. Und sie platzte ausgerechnet ins Surf Center, als er Rae seinen Heiratsantrag gemacht hat. Danach war sie drei Tage nicht mehr ansprechbar. Dann erkannte sie wohl, dass es hier noch mehr gutaussehende Männer wie Casey gibt, und von da an war Ludlow nur noch ein langweiliges Nest, aus dem sie unbedingt raus will. Allerdings wird sie da bei Dad auf genauso viel Unverständnis stoßen wie bei Mum, und ich bin heilfroh, dass ich bei den Diskussionen, die nun zu Hause folgen werden, nicht dabei bin.“

Mark lachte.

„Kann ich mir vorstellen. Und was hält Deine Mum von Ben?“

„Sie findet ihn fantastisch. Genauso wie ich.“

„Das ist doch super.“ meinte Mark ehrlich. „Ben ist ein toller Typ. Halt ihn fest, Meg, ihr beide gehört ganz einfach zusammen!“

 

Ocean Avenue 15

 

Annie lag wohlig eingekuschelt in Judes Arm und strich gedankenverloren mit den Fingerspitzen über seine Brust.

„Woran denkst Du?“ fragte er leise.

„Heute werde ich meinen  Gipsfuß los. Endlich...“ erwiderte Annie und stöhnte befreit auf. „Dann kann ich mich endlich wieder richtig bewegen!“

„Aber Du hast nichts mehr, womit Du Deinen Mitmenschen kräftig auf die Zehen treten kannst, wenn sie Dir nicht in den Kram passen.“ neckte sie Jude.

Annie lachte.

„Ich kann mich anders wehren.“

„Oh ja, ich weiß. Und gewisse andere Leute wissen das auch, befürchte ich.“

„Meinst Du jemand Bestimmtes?“ fragte sie unschuldig.

Jude nickte grinsend.

„Na... zum Beispiel diese junge Frau, mit der Du Dich zur Eröffnung des DEEP so heftig gestritten hast! Maria Torres, Ben Evans Exfrau.“

 „Heftig gestritten?“ Annie blinzelte belustigt. „Mein Lieber, wenn ich mich heftig streite, sieht das etwas anders aus!“

„Etwa so, wie Deinen Überraschungsangriff auf den armen Sprengmeister, von dem man mir berichtet hat?“

Annie winkte ab.

„Das war doch gar nichts. Nein, wenn ich mich mit jemandem richtig streite, dann fliegen die Fetzen, es gibt blaue Flecke und eine Menge Zeug, das zu Bruch geht. Und wenn ein Whirlpool in der Nähe ist, kann ich dir genau sagen, wo der Streit endet...“

Jude lachte.

„Nun, solche Attacken solltest Du dir zumindest bei Maria in der nächsten Zeit verkneifen. Die Dame ist nämlich schwanger...“

 

„Waaas?“ Annie richtete sich kerzengerade auf und starrte ihn an, als hätte er eben verkündet, dass die Welt in einer Stunde untergehen würde. „Was hast Du da eben gesagt?“

„Na ja“ meinte Jude etwas verlegen, „eigentlich dürfte ich Dir das gar nicht sagen, Annie. Bitte versprich mir, dass Du es für Dich behältst!“

„Ja ja, schon gut.“ erwiderte sie hastig. „Also... woher weißt Du, dass Maria schwanger ist?“

„Weil ich gehört habe, wie sich zwei Krankenschwestern miteinander unterhalten haben. Es ging, wenn ich richtig verstanden habe, um einen Ultraschalltermin für das Baby.“

Annie schüttelte den Kopf.

„Das kann gar nicht sein...“

„Was kann nicht sein?“ fragte Jude belustigt. „Traust Du ihr keine Schwangerschaft zu?“

„Der traue ich alles zu.“ fauchte Annie. „Sie war schon immer ein intriganten Miststück! Aber...“ Sie fuhr sich nachdenklich mit der Hand über ihre Stirn, „...von wem sollte sie ein Kind bekommen? Soviel ich weiß, lebt sie allein.“

„Na das ist ja nun kein Hindernis, oder?“ Jude lachte. „Du lebst doch auch allein, und ich bin jetzt bei Dir!“

„Das ist doch gar nicht zu vergleichen!“

„Und ob!“ grinste er. „Was meinst Du, was die Leute denken, wenn ich nachher am helllichten Vormittag Dein Haus verlasse!“

 

Annie wollte etwas erwidern, doch mit Judes letzten Worten wurde ihr Gesicht plötzlich starr. In Gedanken sah sie sich, wie sie damals auf dem Weg in die Liberty Corporation den Ocean Drive hinuntergegangen war. Vor Marias Haus hatte Bens Auto gestanden...

 

„Oh nein!“ Allein der Gedanke ließ ihre schlimmsten Alpträume wahr werden. „Bloß das nicht!“

„Was ist denn los?“ fragte Jude leicht beunruhigt.

„Nichts.“ erwiderte sie hastig und sprang aus dem Bett. „Zieh Dich an, Jude. Ich muss weg, was erledigen!“

 

SB Medical Center

 

„Ist mit dem Baby wirklich alles in Ordnung, Dr. Chang?“ fragte Maria während der Ultraschalluntersuchung unsicher und ließ keinen Blick von dem kleinen Monitor.

„Aber ja.“ beruhigte Rae ihre junge Patientin, „Ich werde Ihnen gleich noch ein Bild ausdrucken, das können Sie dann mit nach Hause nehmen und es in ein paar Jahren Ihrem Kind zeigen. Möchten Sie wissen, was es wird?“

„Kann man denn das schon erkennen?“

„Nun, ab der dreizehnten Woche sollte das eigentlich möglich sein.“

„Dreizehnte Woche?“ Maria richtete sich erschrocken auf. „Aber... ich bin doch  höchstens erst in der neunten Woche!“

Rae stutzte. Sie schaltete das Gerät ab, langte nach dem Ultraschallbild, dass sich eben aus dem Drucker schob und betrachtete es genau.

„Sie müssen sich irren, Maria, das Baby wäre für den von Ihnen angegebenen Termin ungewöhnlich weit entwickelt. Sind Sie sicher, dass Sie sich nicht verrechnet haben?“

 „Ganz sicher.“ erwiderte Maria und erhob sich von der Liege, während sie mit hastigen Bewegungen ihre Bluse zuknöpfte. „Es kommt nur ein Termin in Frage, Doktor, und der war vor neun Wochen.“

„Mh“ Rae schaute erneut skeptisch das Bild, doch sie beschloss, erst noch einmal mit ihrem Kollegen Rücksprache zu halten. Immerhin hatte Tyus Marias Schwangerschaft festgestellt, und sie wollte die Patientin nicht unnötig beunruhigen. Aber sie war sich ziemlich sicher, dass Marias Schwangerschaft bereits um einiges weiter war, als die junge Frau anscheinend wahrhaben wollte.

 

„Ich habe Ihnen noch ein paar Vitamine aufgeschrieben.“ sagte Rae wenig später und reichte Maria zum Abschied die Hand. „Kommen Sie bitte in zwei Wochen noch einmal in die Sprechstunde, dann werden wir die Ultraschall- Untersuchung wiederholen. Und dann erfahren sie auch, ob Sie sich auf einen Sohn oder eine Tochter freuen können. Natürlich nur, falls Sie das vor der Geburt wissen möchten.“

Maria nickte zerstreut und verließ eilig die Praxis. Sie musste etwas unternehmen... Keiner durfte Verdacht schöpfen, dass sie ihren Schwangerschaftstermin manipuliert hatte. Wenn es soweit war, würde sie eine Frühgeburt haben. Ein kräftiges Achtmonats- Baby. So etwas sollte ja zuweilen vorkommen...

Sie war so in Gedanken, dass sie zutiefst erschrocken war, als sich ihr plötzlich jemand in den Weg stellte.

 

SB Medical Center

 

„Entschuldigung bitte!“ murmelte Maria überrascht und wollte sich an der Person, die sie beinahe umgerannt hatte, vorbeischieben, als sie unsanft am Arm gepackt wurde.

„Nicht so schnell, meine Liebe!“

Erstaunt blickte sie hoch und sah in Annies böse funkelnde Augen.

Sofort verfinsterte sich ihre Miene um ein Vielfaches.

„Was willst Du?“ fragte sie abweisend und wand sich mit einem energischen Ruck aus Annies Griff.

„Mit Dir reden.“ erwiderte Annie giftig und betrachtete Maria von oben bis unten.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Du hast ein wenig zugelegt!“

Maria holte tief Luft.

„Hör zu, Annie, ich hab es eilig und außerdem wüsste ich nicht, was Dich meine Figur angeht.“

„Figur nennst Du das?“ Annie lachte. „Du hast doch nie eine gehabt, Schätzchen!“

Maria schüttelte missbilligend den Kopf.

„Du kannst es einfach nicht lassen...“ Sie drehte sich um und wollte gehen, doch Annie packte sie abermals am Arm.

„Ich bin noch nicht mit Dir fertig!“

Erstaunt bemerkte Maria die Wut in Annies Augen.

„Was soll denn das!“ zischte sie empört und versuchte, ihre Stimme etwas zu dämpfen, um in der Klinik kein Aufsehen zu erregen. „Lass mich sofort los!“

Annie humpelte mit ihrem Gipsfuß ganz dicht an Maria heran.

„Das hast Du ja sauber hingekriegt, Du Schlampe!“

Maria war zwar einiges von Annie gewohnt, aber so viel Unverfrorenheit machte sie sprachlos.

„Waas? Wie hast Du mich eben genannt?“ brachte sie schließlich heraus.

Annie lachte verächtlich.

„Du hast schon richtig verstanden. Spiel keine Spielchen mit mir, ich weiß alles.“

Sie sah die Rivalin sekundenlang an und genoss förmlich deren bange Erwartung dessen, was nun kommen würde, bevor sie fortfuhr:

„Du bist schwanger, Maria! Ich weiß zwar noch nicht genau, wie Du es geschafft hast, Ben in Dein Bett zu locken, aber das eine kann ich Dir versprechen: auch wenn Du ihm jetzt noch ein Balg anhängst, Du bekommst ihn nicht! Und wenn ich mich dafür mit dem Teufel verbünden muss... ich werde nicht tatenlos zusehen, wie Du Bens Leben ein zweites Mal kaputtmachst.

Ich werde Dir das Leben zur Hölle machen und aller Welt erzählen, dass Du ihn hereingelegt hast!“

Maria brauchte einen Augenblick, um den Schock zu überwinden. Wo wusste Annie her, dass sie schwanger war? Und wie kam sie dabei auf Ben?

Plötzlich jedoch wurde ihr klar, dass Annie Douglas ihr eben, ohne es zu ahnen, einen riesigen Gefallen getan hatte, und ein diabolisches Lächeln zog über ihr Gesicht.

„Tu das, Annie. » erwiderte sie zuckersüß. „Erzähl allen, dass ich ein Kind von Ben erwarte! Alle Welt soll es wissen, denn ich freue mich auf mein Baby. Und was Dich betrifft, liebste Freundin...“ Sie machte eine bedeutungsvolle Pause und ergötzte sich nun ihrerseits an Annies erstauntem Gesicht, „Du brauchst Dich meinetwegen mit niemandem zu verbünden, ich bin sicher, Du schaffst es ganz alleine, Dich schwarz zu ärgern!“

Schwungvoll drehte sie sich um und verließ hoch erhobenen Hauptes das Krankenhaus, eine fassungslose Annie Douglas hinter sich zurücklassend.

 

Liberty Corporation

 

Für den Nachmittag hatte Gregory eine Vorstandssitzung einberufen. Ben sollte von den Ergebnissen seiner jüngsten Geschäftsreise berichten. Er hatte gute Nachrichten. Investoren aus Schweden und Großbrittanien und ein bislang noch anonymer Interessent aus Südamerika hatten vor, sich an dem Ferienprojekt zu beteiligen, wodurch sich für die LC zusätzliche ungeahnte Möglichkeiten boten.

Gregorys Laune verbesserte sich zusehens, und nicht einmal die Tatsache, dass Annie Douglas als Firmenteilhaberin während dieser wichtigen Sitzung wieder einmal durch ihre Abwesenheit glänzte, konnte ihn aus der Ruhe bringen.

„Keine Ahnung, sie wird es wohl verpasst haben, ist ja nichts Neues bei ihr! Aber mir soll es recht sein, denn sie hätte uns mit ihren lästigen und unqualifizierten Fragen sowieso nur alles durcheinandergebracht.“ meinte er und rang sich ein müdes Lächeln ab, als Ben ihn nach der Sitzung diesbezüglich ansprach. „Wir sollten lieber noch einmal die Liste der Bewerber durchgehen, die Geschäfte und Ausstellungen im Ferienprojekt planen. Ich hatte noch keine Zeit, sie mir anzusehen, aber Elisabeth meinte, es seien interessante Leute aus allen möglichen Branchen dabei.“

Ben sah auf die Uhr und schüttelte den Kopf.

„Tut mir leid, Gregory, aber ich bin mitten in der Nacht erst vom Flughafen zurückgekommen. Ich werde jetzt Feierabend machen, heimgehen und duschen. Dann treffe ich mich mit Meg.“

„Natürlich, mein Lieber!“ grinste Gregory und klopfte seinem Partner wohlwollend auf die Schulter. „Schließlich habt ihr Euch ja ein paar Tage nicht gesehen! Bestell Ihr schöne Grüße! Ach ja...“ Er unterbrach sich kurz und zog bedenklich die Stirn in Falten, „dann wirst Du allerdings morgen die Anträge allein durchgehen müssen, ich bin die nächsten zwei Tage in San Francisco bei Gericht.“

„Kein Problem“ erwiderte Ben, „ich werde ein paar interessante Leute heraussuchen und entsprechende Einladungen zu Gesprächen herausschicken. Am besten, wir treffen uns mit den Bewerbern, wenn unsere Innenarchitekten mit der Anlage fast fertig sind, dann können sich Interessenten gleich vor Ort ein Bild von ihrem künftigen Wirkungskreis machen.“

„Perfekt, Ben.“ nickte Gregory zufrieden. „Du wirst das schon machen, ich verlasse mich ganz auf Dich. Und nun raus mit Dir, lass Meg nicht so lange warten!“

 

Liberty Corporation

 

Schnellen Schrittes verließ Ben die Liberty Corporation und wollte schon den Weg zu Fuß nach Hause einschlagen, als er plötzlich stutzte...

Mit quietschenden Reifen hielt ein schwarzes Cabrio dicht neben ihm. Darin saß die atemberaubendste Frau, die er je gesehen hatte... schulterlange, dunkle Locken, die vom Wind zerzaust waren, und die Augen so blau wie das tolle Kleid, das sie trug.

Dieses Kleid...!

Ben erinnerte sich nur zu gut daran... er hatte es zum ersten Mal gesehen, als er damals mitten in der Nacht bei ihr im Surf Center aufgetaucht war.

„Meg!“

Ohne seinen Blick von ihr abzuwenden, warf er seinen Aktenkoffer auf den Rücksitz, während sie die Tür öffnete und ausstieg. Er sah sie sekundenlang atemlos an, dann zog er sie an sich und küsste sie voller Leidenschaft. Seufzend schlang sie ihre Arme um seinen Hals und erwiderte seinen Kuss, als hätten sie sich seit Wochen nicht gesehen.

 

Gregory, der kurz nach Ben das Gebäude verließ, sah die beiden dort stehen und grinste.

„Muss Liebe schön sein!“ murmelte er und verdrehte die Augen. „Lenk Ben ruhig ein bisschen von diversen Geschäften ab, meine liebe Meg, das kommt mir momentan wirklich sehr gelegen!“