Als Cole später ins DEEP kam, wunderte er sich, Tess nicht wie üblich unten in der Bar vorzufinden. Auf seine Frage hin rollte Vanessa verärgert mit den Augen.
„Seitdem „Seine Hoheit“ vor zwei Stunden hier plötzlich erschienen war, hab ich sie nicht wieder zu Gesicht bekommen.“
„Seine Hoheit?“ wunderte sich Cole belustigt. „Von wem sprichst Du, Vanessa?“
„Von Gregory Richards. Keine Ahnung, was der wollte, aber sie ist mit ihm ins Büro gegangen, und nach einer Viertelstunde verschwand er dann wieder.“ Sie wies unwirsch auf die inzwischen gut gefüllten Tische hinter der Tanzfläche. „So langsam könnte Tess aber wieder herunterkommen, ich renne mir hier nämlich inzwischen fast die Hacken ab!“
Cole nickte und legte ihr versöhnlich die Hand auf die Schulter.
„Danke Vanessa. Ich werde nachsehen, was los ist. Du bekommst hier unten gleich wieder Unterstützung.“
Beunruhigt ging er nach oben.
Was wollte Gregory Richards hier? Und vor allem, was wollte er von Tess?
Mit einem unguten Gefühl in der Magengegend riss er die Tür zum Büro auf.
Tess saß hinter dem Schreibtisch und starrte ein Blatt Papier an, dass auf den ersten Blick wie ein Bankauszug aussah.
„Alles in Ordnung mit Dir?“ fragte er unsicher.
Sie sah hoch und strahlte ihn an.
„Und ob, Cole!“ rief sie und sprang auf, während sie übermütig begann, mit dem Papier vor seiner Nase herumzuwedeln. „Wir brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen! Ab heute sind wir reich!“
Caitlin lächelte. Die Männer waren doch wirklich so berechenbar! Ihr Gefühl in Bezug auf Tim hatte sie nicht betrogen. Soeben hatte der Herr vom Sicherheitsdienst angerufen, ein Mr. Truman sei unten und wünsche sie dringend zu sprechen.
„Schicken Sie ihn bitte herauf, Roger.“ hatte Caitlin geantwortet.
Die Gelegenheit war günstig. Ihr Vater war geschäftlich unterwegs, und ihre Mutter weilte auf einer dieser langweiligen Wohltätigkeitsveranstaltungen, die sie selbst total ätzend fand. Sie nahm sich vor, später auf keinen Fall zu solchen Partys zu gehen. Lieber würde sie ihr Geld anderweitig spenden, als einen ganzen kostbaren Abend ihres Lebens mit diesen aufgetakelten alten Ladys zu verbringen und sich deren Klatsch und Tratsch anzuhören.
Eilig überprüfte sie im Spiegel ihr Make up, zupfte ihr Haar zurecht und öffnete noch schnell einen der oberen Knöpfe ihrer Bluse, als sie auch schon das Signal des ankommenden Fahrstuhls hörte und die Tür sich automatisch öffnete.
Sie setzte ihr strahlendstes Lächeln auf, als Tim mit einem großen Strauß roter Rosen aus dem Lift trat.
„Tim!“
Stürmisch umarmte sie ihn und sah ihm dann fragend ins Gesicht. „Meine Güte, wo hast Du denn die ganze Zeit über gesteckt! Ich habe mir große Sorgen um Dich gemacht!“
Tim, höchst erfreut über den netten Empfang, lächelte siegessicher.
„Tut mir leid, Cait, aber ich bekam die Nachricht, dass es meiner Mutter gesundheitlich sehr schlecht ging, und da bin ich natürlich so schnell wie möglich nach Kansas geflogen.“ log er, ohne mit der Wimper zu zucken. „Zu Hause bei uns ging es dann sehr hektisch zu, wir haben uns alle große Sorgen um Mom`s Gesundheitszustand gemacht, so dass ich darüber völlig vergessen habe, Dich anzurufen.“ Er übergab ihr die Blumen. „Die sind für Dich, als kleine Entschuldigung.“
Caitlin nahm die Blumen und wies auf die Couch.
„Setz Dich doch bitte. Ich hoffe, Deiner Mom geht es inzwischen wieder etwas besser.“
Er nickte hastig.
„Doch doch, es geht.“
Sie bemerkte, dass er sich etwas zögernd umblickte und lächelte.
„Keine Sorge, meine Eltern sind nicht da, und Rosa hat ihren freien Tag. Wir sind ungestört.“
Während sie hinausging um eine Vase für die Blumen zu holen, verengten sich ihre Augen wütend.
Für wie dumm hielt Tim sie eigentlich? Glaubte er allen Ernstes, sie würde ihm diese rührselige Geschichte von seiner Mutter abkaufen? Wie konnte man vergessen, den Menschen, den man angeblich liebte, wenigstens einmal anzurufen! Nein, sie konnte wetten, dass Tim aus einem ganz anderen Grund von hier verschwunden war. Und genau das würde sie jetzt herausfinden. Sie wusste auch schon, wie...
Die „Delphin“ war eine halbe Stunde gefahren, als sie auf eine Insel zusteuerte, die einige Kilometer vor der Bucht von Santa Monica lag.
Ben passierte eine Absperrung, die sich automatisch öffnete, als sie sich mit dem Boot näherten.
„Wieso ist hier eine Schranke?“ wunderte sich Meg, als sie hindurchfuhren.
„Die Insel ist in Privatbesitz.“ erklärte Ben. „Hier dürfen nur die Besitzer und die Angestellten mit ihren Booten anlegen. Und gelegentliche Besucher.“
„Und wen besuchen wir hier?“ fragte Meg und sah sich neugierig um, während Ben das Boot sicher an die Anlegestelle steuerte. Sie konnte kein weiteres Boot entdecken, außer einem kleinen, unscheinbaren Fischerkahn, der hier einsam auf den Wellen schaukelnd vor Anker lag.
„Wie kommst Du darauf, dass wir jemanden besuchen wollen?“ erkundigte sich Ben schmunzelnd und warf einem älteren Mann, der am Steg erschienen war, das Tau zu.
„Herzlich willkommen auf Paradise Island!“ begrüßte der Mann sie beide freundlich und half Meg aus dem Boot, bevor er Ben das Gepäck abnahm. „Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Überfahrt?“
„Ja, die hatten wir.“ erwiderte Ben und drehte sich zu Meg um. „Das ist Vincent. Er ist sozusagen die gute Seele dieser Insel.“
„Sie wohnen hier?“ fragte Meg und musterte ihn erstaunt. Er trug Jeans und ein kariertes Holzfällerhemd und hatte sonnenverbrannte, vom Wind und Salzwasser gegerbte Haut. Meg schätzte ihn auf etwas über sechzig. Er war schlank und nicht sehr groß, und sein Gesicht war gezeichnet von hunderten Fältchen, die das Leben hier draußen, bestimmt aber auch sein sympathisches Lachen tief in sein Gesicht gezeichnet hatten. Sein weißgraues Haar glänzte in der Abendsonne wie Silber.
„Ja Ma`m, ich lebe hier seit einem halben Jahrhundert.“ nickte er und blinzelte ihr freundlich zu. „Hier bei uns ist die Welt noch in Ordnung.“
Ben und Meg folgten Vincent, der sie einen Weg zwischen Palmen und Oleanderbüschen bis zu einer Treppe führte, die kunstvoll in die Felsen eingeschlagen und befestigt war. Staunend sah sich Meg um.
„Es ist wunderschön hier.“ sagte sie andächtig.
Ben lächelte.
„Komm mit, es wird noch besser.“
Die Treppe führte bis hinauf auf die Felsen. Von dort aus schlängelte sich ein weiterer Weg etwa fünfzig Meter durch einen Palmenhain.
Dahinter bot sich Meg ein atemberaubendes Bild.
Da stand, in einem herrlichen Garten aus Palmen, Zypressen, exotischen Blumen und endlosem Grün eine kleine weiße Villa mit großen verspiegelten Glasfenstern und einer breiten Terrasse, von der man direkt aufs Meer hinunterblickte, wo die Sonne vom Horizont aus mit ihren letzten Strahlen des Tages die Welt ringsum in ein märchenhaftes Licht tauchte.
„Meine Güte...“ entfuhr es Meg. „Das ist ja zauberhaft!“
Bevor Ben etwas erwidern konnte, verließ eine füllige ältere Dame das Haus und kam mit ausgebreiteten Armen strahlend auf sie zugeeilt.
„Senior Evans... schön, Sie zu sehen!” rief sie in leicht mexikanischem Akzent und begrüßte Ben stürmisch.
„Hallo Mama Evita!” lachte Ben. “Du siehst aus wie ein junges Mädchen!”
„Das macht der Ärger mit Vincent!“ grinste sie. „Er sorgt dafür, dass ich keine Zeit habe, ans Altwerden zu denken!“ Sie wandte sich zu Meg um.
„Ist das die Seniorita, von der Sie uns erzählt haben?“ Sie ging auf Meg zu und ergriff deren Hände.
„Herzlich willkommen!“ rief sie temperamentvoll. „Ich habe gleich zu meinem Mann gesagt, die Frau, der Ben Evans sein Herz schenkt, muss etwas ganz Besonderes sein! Und das sind Sie auch...“ Sie betrachtete Meg voller Begeisterung. „Eine wunderschöne Seniorita!“
„Vielen Dank.“ erwiderte Meg leicht verlegen und warf Ben einen fragenden Blick zu.
Er trat näher und legte seinen Arm um sie.
„Meg, das sind Vincent und Evita. Sie wohnen schon ewig auf dieser Insel und haben unterhalb der Villa am Fuße des Felsens ein kleines Häuschen. Vincent kennt hier jeden Stein und sorgt für Ordnung im Paradies, und Mama Evita...“ er lachte, als er die erwartungsvoll funkelnden Augen der Seniora sah, „tja, was soll ich sagen, keine kocht so gut wie sie!“
Evita lachte geschmeichelt. Dieses Kompliment gefiel ihr gut.
„Oh, verstehe“ sagte Meg und lächelte, „dann haben Sie uns heute hierher eingeladen!“
Vincent und Evita sahen sich einen Moment lang irritiert an, doch bevor einer von ihnen etwas erwidern konnte, zwinkerte Ben ihnen zu und schmunzelte geheimnisvoll.
„Nun, ganz so ist die Sache nicht, Liebling. Ich werde es Dir erklären...“
„Erklären Sie es nachher, Senior Ben“ unterbrach ihn Evita in resolutem Tonfall. „Jetzt wartet das Abendessen auf Sie beide! Kommen Sie bitte, sonst wird noch alles kalt!“
Sie warf sich in die Brust und marschierte allen voran ins Haus.
„Möchtest Du etwas trinken, Tim?“ fragte Caitlin, als sie wieder ins Zimmer trat. Er saß auf der Couch und lächelte ihr entgegen.
„Nicht nötig, danke. Ich möchte nur in Deiner Nähe sein, darauf habe ich mich die ganze Zeit gefreut.“
Sie stellte die Rosen auf den Tisch und ließ sich neben Tim in die weichen Polster fallen.
„Ich bin froh, dass Du wieder da bist.“ Abwartend sah sie ihn an. „Bekomme ich eigentlich gar keinen Begrüßungskuss?“
Tim stutzte, doch dann legte er seinen Arm um ihre Schultern.
„Tut mir leid, Cait, ich war mir nicht sicher, ob Du noch böse auf mich bist. Immerhin war unser letztes Treffen im SEABREEZE etwas...“ Er suchte krampfhaft nach dem richtigen Wort.
„Merkwürdig.“ ergänzte Caitlin und nickte. „Ja, das war es wirklich. Aber jetzt kann ich Deine Unruhe verstehen.“ Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. „Sehr gut sogar...“
Sie küsste ihn wieder und immer wieder, während sie sich an den Knöpfen seines Hemdes zu schaffen machte. Tim seufzte wohlig und fühlte sich am Ziel seiner Träume. Er zog Caitlin dicht zu sich heran und suchte hungrig nach ihren Lippen. Seine Hände begannen, ihren Körper zu streicheln.
„Jetzt ist alles gut!“ flüsterte er atemlos.
„Ja, wir brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen.“ erwiderte Caitlin zwischen ihren Küssen leise. „Eddie Connors kann Dir nicht mehr schaden...“
„Nein...“ erwiderte Tim, noch ganz im Taumel der Gefühle, als ihm plötzlich klar wurde, was sie eben gesagt hatte. Er hielt inne und sah sie verunsichert an.
„Was hast Du eben gesagt? Wie... wie kommst Du auf Eddie Connors?“
Abrupt befreite sich Caitlin aus seiner Umarmung und richtete sich kerzengerade auf.
„Lass den Unsinn, Tim!“ sagte sie bedeutungsvoll. „Du brauchst mich nicht länger für dumm zu verkaufen! Ich weiß bescheid!“
Tim biss sich nervös auf die Lippen. Wieso wusste Caitlin von Connors? Verdammt, war während seiner Abwesenheit am Ende der ganze Schwindel aufgeflogen? Dann würden ihn einige Leute zu Hackfleisch verarbeiten, allen voran Caitlins Vater! Der bloße Gedanke daran ließ ihn erschauern, und er sah seine Felle davonschwimmen. Krampfhaft versuchte er zu retten, was noch zu retten war.
„Ähm.. Caitlin... Schatz, Du scheinst da was missverstanden zu haben...“
„Was gibt’s denn da mißzuverstehen?“ fragte Caitlin und zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen. „Eddie Connors hat Dich auf übelste Weise erpresst! Und nur, weil...“
Er ließ sie gar nicht ausreden.
„...weil seine beiden Handlanger am Pier den Falschen erwischt haben! Wer konnte denn ahnen, dass sie ihn gleich umbringen!“
„Waaas?“ Caitlin starrte ihn entgeistert an, doch er merkte in seiner Rage nicht, dass sie eigentlich gar nichts von dem wusste, was er jetzt preisgab.
„Glaub mir, sie sollten diesem Macho, diesem Casey nur eine kleine Abreibung verpassen, nur dafür haben wir sie bezahlt, und diese Idioten haben alles vermasselt!“
„Casey? Die haben Casey aufgelauert? In Eurem Auftrag?“
Caitlin konnte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte. Tim und Eddie waren Komplizen gewesen? Deswegen hatte Eddie ihn am Telefon mit „Partner“ angesprochen!
So langsam wurde ihr einiges klar.
„Und diese beiden Typen, die wir am Strand belauscht haben... die hatten von Dir und von Eddie den Auftrag!“ sprach sie ihre Vermutungen aus. „Und als Du dann gegen sie aussagen solltest, hat Eddie Dich erpresst, damit Du den Mund hälst!“
Tim nickte.
„Ja, genauso war es. Aber...“ er musterte Caitlin skeptisch, „ich dachte, dass weißt Du schon alles?“
Caitlin sprang auf.
„Nein, ich wusste bisher nur, dass Connors Dich erpresst hat. Ich erhielt damals im Hotel einen Anruf, der für Dich bestimmt war, und in dem er Dir auf übelste Weise drohte. Ich konnte mir die Zusammenhänge nicht erklären... bis jetzt.“ Sie sah ihn verachtend an.
„Du bist ein Mistkerl, Tim! Wegen Deinen kindischen Rachegelüsten wurde ein Mensch getötet! Wegen Dir ist unser Haus abgebrannt! Meine Familie war in höchster Gefahr und ich selbst hatte Todesangst! Und Du hast das alles zugelassen... Schlimmer noch, Du warst einer der Auftraggeber für diesen Mord!“
„Moment mal, Cait… » versuchte Tim sich zu verteidigen und sprang auf.
Sofort ging Caitlin ein paar Schritte rückwärts.
„Komm ja nicht näher!“ rief sie, zitternd vor Wut. „Sag mir nur eins... was hat Casey Euch getan, dass Ihr Feiglinge zwei Schläger auf ihn hetzt?“
„Er hat mir eine verpasst.“ knurrte Tim.
Caitlin lachte verächtlich.
„Ach ja? Warum hast Du Dich nicht gewehrt wie ein Mann? Feigling!“
„Cait, das war doch alles nur wegen...“
„Wegen was?“
Tim holte tief Luft. Nun war sowieso schon alles egal.
„Ich bin hierher gekommen, um meine Exverlobte zurück nach Hause zu holen. Sie hat sich darüber furchtbar aufgeregt, und da hat Casey mich angegriffen und niedergeschlagen.“
„Deine Exverlobte...“ Caitlin starrte ihn an und schüttelte fassungslos den Kopf. „Langsam wundert mich bei Dir gar nichts mehr, Tim Truman! Du bist doch wirklich das Letzte!“
„Komm schon, Cait, so schlimm war das doch gar nicht, lass uns in Ruhe über alles reden...“ machte Tim einen letzten Versuch, sie zu beschwichtigen, doch Caitlin hob abwehrend die Hände.
„Ich will nichts mehr hören! Was Du getan ist, das ist unverzeihlich! Ich rufe jetzt den Sicherheitsdienst!“
Entschlossen ging sie hinüber zum Telefon.
„Nein, Caitlin, tu das nicht!“
Mit drei Schritten war Tim bei ihr und versuchte ihr den Hörer zu entreißen.
Sekundenlang rangen sie miteinander, dann riss Caitlin sich los. Durch den Ruck verlor sie jedoch das Gleichgewicht und stolperte rückwärts, wo sie mit dem Hinterkopf hart am Kamin aufschlug und zu Boden stürzte.
Durch den Aufprall verlor sie das Bewusstsein und blieb regungslos liegen.
„Was sagst Du da? Was soll das heißen?“
Cole sah Tess fragend an und ließ sich in den Sessel hinter dem Schreibtisch fallen.
Tess hielt ihm mit glänzenden Augen den Scheck unter die Nase.
„Sieh her, Cole, sieh auf die riesige Summe, die Gregory Richards uns für das DEEP geboten hat! Wir verkaufen den Laden und fangen irgendwo ganz neu an!“
Er schob ihre Hand mit dem Scheck achtlos beiseite.
„Was redest Du denn da? Wieso sollten wir das DEEP verkaufen?“ Ungläubig zog er die Augenbrauen zusammen. „Ich verstehe gar nicht, was plötzlich in Dich gefahren ist, Tess? Warum willst Du unbedingt irgendwo neu anfangen? Ich dachte, Du bist hier genauso glücklich wie ich! Immerhin haben wir in der kurzen Zeit so viel erreicht, ich finde, wir können sehr stolz auf uns sein, und auf unsere Freunde, die uns geholfen haben.“ Er sah die Zweifel in Tess` Augen und schüttelte verständnislos den Kopf. „Zählt das denn alles nicht für Dich, nur weil so ein machthungriger Immobilienhai daherkommt und Dir so einen lächerlichen Scheck auf den Tisch legt?“
„Lächerlich?“ rief Tess empört. „Was erzählst Du für einen Schwachsinn, Cole? Gregory will das DEEP kaufen, und er bietet uns eine Summe dafür an, die weit über dem tatsächlichen Wert der Bar liegt. Wo ist da für Dich das Problem?“
Cole erhob sich und trat, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben, zu dem breiten Panoramafenster, von dem aus man die ganze Bar unten überblicken konnte.
„Das Problem ist, dass ich das alles hier nicht aufgeben will! Oder macht es Dich gar nicht stolz, was wir geschafft haben?“ Er drehte sich um und sah sie abwartend an. Da jedoch keine Reaktion kam, fuhr er schließlich fort:
„Tess, wir haben uns endlich gefunden, wir lieben uns und wir sind auf dem besten Weg dazu, dass DEEP wieder zu dem zu machen, was es einmal war... eine gemütliche Tanzbar, wo Leute jeden Alters sich wohlfühlen!“
„Ja schon..“ warf Tess zögernd ein, „aber was ist mit uns, mit unseren Bedürfnissen und Wünschen? Wir brauchen schließlich irgendwann auch einen Platz, wo wir uns wohlfühlen! Und da könnte ich mir gut vorstellen, dass ein kleines Haus irgendwo im Grünen...“
„Also was mich betrifft, Schatz, ich fühle mich hier absolut wohl!“ unterbrach Cole sie, ging zu ihr hinüber und zog sie lächelnd in seine Arme. „Ein eigenes Geschäft und eine tolle Frau wie Dich an meiner Seite, das war schon immer mein Traum!“
Tess wand sich unwillig aus seiner Umarmung und marschierte zur Tür.
„Denkst Du vielleicht, ich habe keine Träume?“ knurrte sie böse und drehte sich noch einmal zu ihm um, bevor sie hinausging.
„Ich werde Vanessa unten helfen. Überleg Dir das Ganze noch mal, Cole. Das Geld wäre eine
große Chance für uns. So eine Gelegenheit kommt bestimmt nicht wieder!“
Resigniert setzte sich Cole zurück in den Sessel. So saß er eine Zeitlang da und starrte noch immer auf die Tür, lange nachdem Tess sie hinter sich geschlossen hatte.
„Verdammt, Richards!“ stieß er schließlich wütend hervor und hieb mit der Faust auf den Tisch. Da spazierte dieser widerliche Rechtsverdreher hier einfach so herein und knallte einen Scheck von diesem Ausmaß auf den Tisch, und plötzlich nichts mehr so war wie vorher.
Cole schüttelte den Kopf.
Nein, für ihn war die Antwort klar, er war auf dem besten Weg, sich mit dem DEEP seinen Lebenstraum zu erfüllen, und er hatte in den wenigen Wochen, in denen er hier war, ein neues Zuhause gefunden. Er würde nicht verkaufen, auf gar keinen Fall!
Aber was war mit Tess? War ihre Liebe zu ihm wirklich stark genug, um gegen Gregorys finanzielle Argumente zu bestehen?
Cole schloss die Augen.
Er wollte Tess nicht verlieren, aber wenn ihr das DEEP nicht genauso viel bedeutete wie ihm und sie nur scharf auf das Geld war, dann würde sie sich entscheiden müssen. So oder so. Bleiben oder ... gehen.
Ben nahm Megs Hand und betrat mit ihr zusammen die Villa.
„Wow“ Meg sah sich staunend um. Der große Vorraum war mit perlmuttfarbenen Parkettfußboden ausgelegt. Tapeten und Möbel hatten einen dazu passenden hellen Farbton.
Moderne Strahler zierten die Zimmerdecke und die eine Wand war fast vollständig verspiegelt. Prächtige Einpflanzungen rundeten das Bild ab.
Das riesige Wohnzimmer war ebenfalls sehr hell und modern, aber überaus gemütlich eingerichtet und durch zwei Stufen, die das Zimmer teilten, von einer kleinen Einbauküche getrennt. Auch hier gab es in jeder Ecke saftig grüne Pflanzen, die einen wirkungsvollen Kontrast zur übrigen Ausstattung boten. An der Seite hinter der Couchgarnitur aus feinstem weichen Leder führte eine Treppe nach oben. Die gesamte gegenüberliegende Wandfläche bestand aus zwei riesigen Glastüren, die einen fantastischen Blick auf die Veranda und den dahinter liegenden Ozean boten.
Im Kamin neben der Tür prasselte bereits ein wärmendes Feuer.
„Gefällt es Dir?“ fragte Ben gespannt. Meg nickte fasziniert.
„Ich dachte, so etwas gibt es nur im Film!“ sagte sie und trat hinaus auf die Terrasse. Erstaunt stellte sie fest, dass es hier draußen sogar einen Swimmingpool gab. Ringsherum erleuchteten kleine weiße Laternen die hereinbrechende Dunkelheit. Meg kuschelte sich in Bens Arm und legte ihren Kopf an seine Schulter.
„Bevor ich noch glaube, ich träume nur, solltest Du mir vielleicht endlich verraten, wer hier wohnt und uns für den heutigen Abend eingeladen hat?“
Ben lächelte und sah Meg in die Augen.
„Ich habe Dich heute eingeladen, schon vergessen? Und ich habe Dir eine Überraschung versprochen.“
Meg sah ihn ungläubig an.
„Was soll das heißen, Ben? Hast Du dieses Anwesen für den heutigen Abend gemietet?“
Ben lachte.
„Nein, das ist nicht ganz richtig. Diese Insel hier... mit allem, was dazugehört ... sie gehört mir."