Nachdem Ben und Meg Evitas hervorragend zubereitetes Abendessen genossen hatten, begann die Haushälterin in einer Geschwindigkeit, die man ihr auf grund ihrer Fülle gar nicht zugetraut hätte, den Tisch abzuräumen, während Vincent Holz hereinbrachte und den Kamin nachheizte.
„Das Essen war absolut fantastisch!“ lobte Meg, und Ben nickte zustimmend.
„Ja, Mama Evita kocht sensationell. Ich kann von Glück sagen, dass ich nicht allzu oft hier bin, sonst würde ich bei dieser Kost bald aussehen wie ein Fass!“ lachte er und hielt sich den Bauch.
„Ach was, Ihr könnt beide ein bisschen Speck auf die Rippen vertragen.“ erwiderte Evita und zwinkerte ihnen fröhlich zu. „So... Vincent und ich verschwinden jetzt und lassen Euch beiden Turteltäubchen allein.“
Sie sah sich nach ihrem Mann um, der noch immer im Kamin herumstocherte. „Nun komm schon, oder willst Du den ganzen Abend hier herumhocken!“
Vincent knurrte etwas, stand aber sofort auf und nickte Ben und Meg freundlich zu.
„Gute Nacht, Seniorita. Gute Nacht, Senior Ben, einen schönen Abend noch!“
Olivia hatte die langweilige Wohltätigkeitsveranstaltung unter dem Vorwand, sie habe starke Kopfschmerzen, schon frühzeitig verlassen und war auf dem Weg zurück ins Hotel. Sie stoppte den Wagen hinter einem Einsatzfahrzeug der Notmedizin, das direkt vor dem Eingang stand. Davor parkten ein Notarzt- und zwei Streifenwagen, deren Signalleuchten noch eingeschaltet waren.
„Was ist denn hier los?“ fragte sie erstaunt den Pagen, der geeilt kam, um ihr Auto in die Tiefgarage zu fahren. Bevor der junge Mann ihr eine Antwort geben konnte, verließen zwei Polizisten das SUNSET INN und kamen direkt auf sie zu.
„Mrs. Richards?“ fragte der eine.
„Ja… ja, die bin ich.“ erwiderte sie erschrocken. „Ist etwas passiert, Officer?“
„Würden Sie uns bitte folgen?“ forderte der andere sie auf und wies ihr den Weg.
Gemeinsam betraten sie das Hotel, als ihr Ricardo Torres mit einem weiteren Polizisten in der Lobby entgegenkam. In ihrer Mitte führten sie einen jungen Mann in Handschellen.
Olivia starrte ihnen entgegen und zog unsicher die Augenbrauen zusammen.
War das nicht… dieser neue Freund von ihrer Tochter? Tim…?
Plötzlich krampfte sich ihr Magen schmerzhaft zusammen.
„Caitlin!“ rief sie voller Sorge und hielt Ricardo am Ärmel fest. „Was ist hier los? Wo ist meine Tochter?“
Ricardo nickte seinen Kollegen zu und übergab ihnen Tim, der sich mit gesenktem Kopf widerspruchslos abführen ließ. Die Polizisten setzten ihn draußen in den Streifenwagen und verschlossen die Türen.
Ricardo räusperte sich und wies auf die Tür zum Lift.
„Mrs. Richards, würden Sie mich bitte nach oben begleiten?“
Sie nickte geistesabwesend und folgte ihm.
„Sagen Sie endlich…“ murmelte sie, „ist meiner Tochter etwas geschehen? Hat dieser Kerl…“ sie machte eine Kopfbewegung in Richtung des Streifenwagens, „hat er ihr irgend etwas angetan?“
„Caitlin wird gerade untersucht. Der Arzt ist bei ihr. Sie hat eine Kopfverletzung und…“
„Oh mein Gott…“ entfuhr es Olivia. „War das dieser junge Mann dort draußen?“
Ricardo sah sie eindringlich an.
„Mrs. Richards, in welchem Verhältnis steht Ihre Tochter zu Mr. Truman?“
„In welchem… Verhältnis? Na ja, sie.. sie ist mit ihm befreundet, was weiß ich, sie kennen sich ja noch gar nicht lange, und..“ Olivia fuhr sich nervös mit der Hand über die Stirn, „ich wusste gar nicht, dass er wieder hier ist.“
Interessiert horchte Ricardo auf.
„Wie meinen Sie das?“
Sie zuckte hilflos die Achseln.
„Na ja, er war.. eine Weile verschwunden, Detektiv, Caitlin wusste nicht, wo er sich aufhielt…“ Sie brach ab, als die Fahrstuhltüren sich öffneten.
Als sie beide das Wohnzimmer der Penthouse-Suite betraten, wurde Caitlin soeben von den Sanitätern behutsam auf eine Trage gelegt und festgeschnallt.
Der Notarzt, ein junger Mediziner aus dem Huntington Memorial, hielt einen dünnen Schlauch hoch, an dem ein Tropf hing, der mit der Armvene der Patientin verbunden war.
Mit zitternden Knien trat Olivia näher und blickte fassungslos in Caitlins blasses Gesicht, das wie Wachs aussah, als die Sanitäter sie an ihr vorbei zum Lift trugen. Man hatte ihre Stirn bandagiert und einige Strähnen ihres blonden Haares waren rot gefärbt. Ihre Augen waren geschlossen und sie rührte sich nicht.
„Doktor...“ Olivia krallte ihre Fingernägel in den Ärmel das Arztes, „was… was ist mit meiner Tochter?“
„Sie sind... Mrs. Richards?“
Olivia nickte heftig.
Der Arzt sah sie ernst an.
„Mein Name ist Dr. John Carter. Die junge Frau hat eine Verletzung am Hinterkopf, die stark blutet. Wie es dazu gekommen ist, können wir momentan auch nicht sagen. Sie ist bewusstlos, aber nicht in unmittelbarer Lebensgefahr. Wir bringen sie in die Klinik und werden sie dort weiterbehandeln.“
„Und... in welche Klinik?“ fragte sie atemlos.
„Ins Huntington. Ich arbeite dort als Assistenzarzt in Vertretung für einen Kollegen.“ Er sah die Zweifel in Olivias Augen und legte ihr beruhigend seine Hand auf den Arm. „Vertrauen Sie mir, Ma`m, Ihre Tochter ist bei uns in den besten Händen. Wir werden alles Notwendige für sie tun.“ Er gab den Sanitätern ein Zeichen. „Wir müssen uns beeilen.“
„Ich komme mit!“ rief Olivia entschlossen, doch Ricardo hielt sie zurück.
„Beruhigen Sie sich, Mrs. Richards! Ich lasse Sie nachher sofort von meinen Leuten in die Klinik fahren. Aber zuvor sollten Sie mir bitte noch ein paar dringende Fragen beantworten.“
Als die Tür hinter dem Hausmeisterehepaar ins Schloss fiel, atmete Ben tief durch und stand auf.
Er nahm Meg bei der Hand und zog sie dicht zu sich heran.
„Endlich allein...“ flüsterte er und sah ihr in die Augen. „Ich hoffe, Du fühlst Dich wohl hier.“
„Wie sollte ich mich in Deiner Nähe nicht wohlfühlen?“ erwiderte sie mit sanfter Stimme und legte ihre Arme um seinen Hals. „Küss mich, Ben, damit ich weiß, dass das alles hier kein Traum ist!“
Nach einem langen zärtlichen Kuss löste sich Meg aus seinen Armen und ging hinaus auf die Veranda.
„Eine herrliche Nacht!“ schwärmte sie und blickte aufs Meer, das im Mondlicht silbern schimmerte. Von Ferne waren ein paar Lichter von der Küste Santa Monicas sehen, aber das Haus war so gebaut, dass sich der größte Teil des Festlandes auf der anderen Seite der Insel befand, so dass man von hier aus einen freien Blick auf den Ozean genießen konnte.
Nach einigen Augenblicken kam Ben ihr nach und reichte ihr ein Glas mit Champagner.
„Auf uns beide, Meg.“ sagte er liebevoll. „Und auf diesen Abend. Mögen noch viele davon folgen...“ Sie tranken einen Schluck und standen dann schweigend Arm in Arm, glücklich darüber, die Nähe des geliebten Menschen zu spüren.
„Wann hast Du Dich eigentlich dazu entschlossen, diese Insel zu kaufen?“ fragte Meg nach einer Weile.
„Vor ungefähr drei Wochen.“ erwiderte Ben.
„Da lag ich noch in der Klinik!“ wunderte sich Meg.
„Ja... das, was Dir passiert ist, war der Anlass dafür, dass ich das Grundstück in den Bergen sofort verkauft habe.“
„Du hast es verkauft?“ Meg sah ihn mit großen Augen an.
Ben nickte.
„Nach dem, was dort geschehen ist, wäre ich ohnehin nie wieder mit Dir hingefahren.“ Er warf ihr einen vielsagenden Blick zu und lächelte. „Also habe ich nach etwas gesucht, dass Dir genauso gut gefallen würde wie mir. Und da der Vorbesitzer von „Paradise Island“ ein alter Geschäftsfreund von mir war, und ich wusste, dass er die Insel verkaufen wollte, habe ich zugegriffen.“
„Du warst also schon hier?“ fragte Meg gespannt.
„Natürlich! ...“ Ben stutzte einen Moment, doch dann schüttelte er schmunzelnd den Kopf.
„Wenn Du jetzt wissen wolltest, ob ich mit Maria hier war, dann lautet die Antwort nein! Sie war niemals auf dieser Insel. Ich war meist nur zu geschäftlichen Besprechungen hier. Aber bei diesen Gelegenheiten lernte ich auch Vincent und Mama Evita kennen. Die beiden leben seit Ewigkeiten hier auf der Insel als Hausangestellte, sie haben das kleine Häuschen am Fuße der Villa mit eigenen Händen gebaut, und ich sah keinen Grund, Ihnen zu kündigen. Sie halten hier alles in Ordnung, auch wenn ich nicht da bin.“
„Willst Du hier wohnen?“ fragte Meg.
„Nein, das wäre mir zu umständlich, jeden Tag mit dem Boot übers Meer ins Büro zu fahren. Aber ab und zu könnten wir die Wochenenden und ein paar freie Tage hier verbringen, wir laden uns Freunde ein und genießen einfach ein paar schöne Stunden auf der Insel!“
Spontan umarmte Meg Ben.
„Du bist wundervoll, weißt Du das?“ sagte sie und schüttelte lachend den Kopf. „Ich fasse es nicht, er kauft einfach eine Insel... Diese Überraschung ist Dir wirklich gelungen!“
Fröhlich stimmte Ben in ihr Lachen ein.
Als er bemerkte, dass Meg leicht fröstelte, zog er sie dichter zu sich heran.
„Lass uns reingehen, sonst erkältest Du Dich noch!“ raunte er leise und zwinkerte ihr zu. „Außerdem hast Du die Zimmer in der oberen Etage noch gar nicht gesehen.“
Als Ricardo die Penthouse- Suite der Familie Richards verließ, war es draußen bereits dunkel.
Während er noch darüber nachgrübelte, was wohl an diesem Abend wirklich zwischen Caitlin und diesem Tim geschehen sein mochte, durchquerte er die Lobby und wäre beinahe über zwei große Koffer gestolpert, die vor der Rezeption mitten im Weg standen.
„Meine Güte, soll ich mir hier das Genick brechen...“ schimpfte er wütend, doch als er hochsah, blieben ihm die Worte fast im Halse stecken.
Am Tresen der Hotellobby stand Gabi und sah ihn erschrocken an.
Ein einziger Blick in ihr Gesicht reichte, und er wusste, dass sie geweint hatte. Ihre Augen waren leicht gerötet und unendlich traurig.
„Tut mir leid, Ricardo.“ sagte sie leise. „Der Page wird mein Gepäck sicher gleich aus dem Weg räumen.“
Bevor er etwas erwidern konnte, bekam Gabi ihren Zimmerschlüssel ausgehändigt. Sie nickte dem Angestellten kurz zu und wollte gehen, doch Ricardo war mit einem Schritt bei ihr und hielt sie zurück.
„Gabi...“ Eindringlich sah er sie an, „was hat das zu bedeuten? Was tust Du hier?“
Sie schluckte.
„Nicht jetzt, Ricardo. Bitte...“
Der heraneilende Page nahm die beiden Koffer auf und blickte Gabi erwartungsvoll an.
„Bringen Sie das Gepäck bitte nach oben“ sagte Ricardo in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete und reichte dem Angestellten einen Geldschein, den er kurz zuvor aus der Jackentasche gezogen hatte. „Die Dame kommt später nach.“
Der Page deutete eine Verbeugung an und verschwand mit dem Gepäck im Lift, während Ricardo Gabis Arm nahm und sie zu einer der Sitzgarnituren führte, die in der Lobby platziert waren. Widerspruchslos ging sie mit und ließ sich in die weichen Polster fallen.
„Antonio und ich, wir trennen uns.“ sagte sie tonlos und zerknüllte nervös das Taschentuch, dass sie in der Hand hielt.
Ricardo starrte sie verblüfft an.
„Was? Gabi, was ist denn passiert?“
Sie hob den Kopf und sah ihm in die Augen. Ihr Blick ging ihm unter die Haut. Er glaubte Wut und Unverständnis darin zu sehen, und... Hass.
„Das fragst Du mich noch? Ausgerechnet Du, Ricardo?“ Sie lachte bitter. „Deine Mutter hat mich wie eine Aussätzige behandelt, seitdem wir hier sind, Deine Schwester ignoriert mich und Du gehst mir am liebsten aus dem Weg. Und Antonio... mein eigener Mann wird mir von Tag zu Tag fremder. Er ist tagelang unterwegs, er spricht kaum noch mit mir und wenn ich ihn frage, was los ist, weicht er mir aus. Seine Arbeit vernachlässigt er auch. Ich bin froh, dass Jude so weit wie möglich über Antonios Versäumnisse hinwegsieht. Ich weiß nur nicht, wie lange er das noch tolerieren kann, bevor wieder ein Unglück geschieht, wie vor ein paar Wochen bei der Sprengung der Höhle.“
Sie wischte sich ungeduldig eine Träne weg, die ihr über die Wange lief.
Ricardo schwieg betreten. Was sollte er auch erwidern, dass, was sie gesagt hatte, stimmte, das wusste er. Er musste ihr zugestehen, dass sie die ganze Situation sogar ziemlich lange ertragen hatte, ohne sich zu beklagen. Aber nun schien das Maß voll zu sein, und er überlegte, ob es nicht besser wäre, ihr endlich die Wahrheit zu sagen... die Wahrheit über Antonio und darüber, was damals geschehen war.
Aber hatte er überhaupt ein Recht dazu?
Während er noch überlegte, was er tun sollte, erhob sich Gabi.
„Du kannst Antonio bestellen, dass ich bis zu unserer Abreise hier im SUNSET INN wohnen werde. Wenn er mit mir reden möchte, soll er herkommen. Ich werde in Sunset Beach bleiben, bis unser Auftrag bei der LIBERTY CORPORATION beendet ist. Bis dahin hat er Zeit, sich über alles klar zu werden.“ sagte sie mit fester Stimme. „Gute Nacht, Ricardo!“
Sie ging zum Fahrstuhl hinüber, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Ricardo starrte ihr nach, bis sie verschwunden war.
Nein, sie durfte nicht aus Sunset Beach weggehen! Nur das nicht...
Plötzlich war er bereit, sich selbst einzugestehen, was er die ganzen Wochen, seitdem sie hier war, vergeblich zu verdrängen versuchte: er hatte sich in sie verliebt. Vom ersten Augenblick an. Ausgerechnet in die Frau seines Bruders...
Gabi war für ihn der Inbegriff dessen, was er sich jemals bei einer Frau gewünscht hatte, sie war klug, einfühlsam, sensibel und dennoch eine starke Persönlichkeit, und sie war wunderschön. Aber sie gehörte nicht zu ihm, sie gehörte Antonio. Deshalb hatte er ihre Gegenwart gemieden, wo immer es ging. Es tat ihm weh, die beiden zusammen zu sehen. Es schmerzte, sie um sich zu haben, so nahe und doch... unerreichbar.
Und da war noch diese andere Sache...
Es fand, es war an der Zeit, mit seiner Mutter zu reden. Und mit Antonio. Die Geheimnisse der Vergangenheit mussten endlich begraben werden.
Ricardo stand auf und verließ schnellen Schrittes die Hotelhalle.
In seiner Zelle im Sunset Beach Police Departement saß Tim auf der harten Pritsche und hatte das Gesicht in beiden Händen vergraben.
Er konnte kaum begreifen, was an diesem Abend passiert war.
Warum zum Teufel ging momentan alles, aber wirklich alles für ihn schief?
Er hätte nicht herkommen sollen, nicht wegen Caitlin, auch nicht wegen Meg... sie waren es beide nicht wert, dass man ihn jetzt hier einsperrte wie einen Verbrecher.
Was hatte dieser Detektiv gesagt?
„Ich verhafte Sie wegen des dringenden Verdachtes, Miss Caitlin Richards tätlich angegriffen und lebensgefährlich verletzt zu haben...“
Sein Magen krampfte sich zusammen, wenn er darüber nachdachte, was geschehen war.
Dank seiner eigenen Dussligkeit wusste Caitlin nun über alles bescheid, und wenn sie ihre Informationen an die Polizei weitergab... er durfte gar nicht daran denken.
Und was, wenn sie... wenn sie nach diesem Sturz und aufgrund der Kopfverletzung vielleicht nicht wieder aufwachte oder sich an nichts mehr erinnern konnte!
Dann würde er beweisen müssen, dass er Caitlin nicht im Streit angegriffen und mit Absicht gegen den Kamin gestoßen hatte... Und das konnte er nicht.
Tim schluckte. Er hatte das Gefühl, er müsse sich jeden Moment übergeben.
„Lieber Gott“ flüsterte er mit zitternder Stimme, „lass mich einigermaßen heil aus dieser Sache herauskommen, und ich schwöre, ich werde von diesem verhexten Ort verschwinden... wenn es sein muss, auch ohne Meg, auf Nimmer Wiedersehen...“
Fasziniert sah sich Meg in dem hellen geräumigen Schlafzimmer um. Auch hier war farblich alles aufeinander abgestimmt. Der Boden war mit dickem weichen Teppichboden ausgelegt. Auf dem Schränkchen vor dem riesigen ovalen Wandspiegel stand ein Strauß aus frischen Gartenblumen, deren zarter und zugleich betörend exotischer Duft sich dezent im Zimmer ausbreitete.
Beim Anblick des bequemen breiten Doppelbettes huschte ein Lächeln über Megs Gesicht, denn sie musste unwillkürlich an jene Nacht mit Ben im Surf Center denken, in der sie sich das erste Mal geliebt hatten. Ihr Bett war nicht halb so breit gewesen wie dieses hier...
Bewundernd strich sie mit ihren Fingern über die bestickte Seidendecke. Als sie diese zurückschlug, entdeckte sie ein champagnerfarbenes Neglige aus hauchdünnen Spitzen und einen dazu passenden seidenen Hausmantel. Neugierig hob sie die beiden Stücke hoch und betrachtete sie andächtig, während sie damit vor den Spiegel trat.
„Wunderschön!“ urteilte sie und sah zögernd zur Tür.
Ben war vorein paar Minuten nach unten gegangen, um im Kamin etwas Holz nachzulegen.
Das würde sicher noch einen Moment dauern...
Kurzentschlossen schlüpfte Meg aus ihren Sachen und streifte das Neglige und den Mantel über. Beides passte perfekt. Sie kramte in ihrer Tasche und brachte eine goldene Haarspange zum Vorschein. Dann öffnete sie die Tür zum angrenzenden Badezimmer, das sie vorhin schon besichtigt hatten und trat vor den großen Spiegel.
Sie nahm ihr langes Haar zusammen und steckte es mit der Spange geschickt hoch.
Übermütig drehte sie sich vor dem Spiegel und fand die Verwandlung herrlich.
Plötzlich verzog sie den Mund zu einem verwegenen Lächeln.
Sie ging ins Schlafzimmer zurück, nahm ihre Sachen und packte sie in einen der Schränke.
„So“ sagte sie zufrieden und warf im Hinausgehen noch einen prüfenden Blick in den Wandspiegel, „die ganze Zeit hast Du mich überrascht, Ben, jetzt bin ich an der Reihe, Dir eine Überraschung zu bereiten!“
Ben hatte das Feuer im Kamin geschürt und neues Brennholz aufgelegt. Die Flammen und das Kerzenlicht gaben dem Raum eine absolut romantische Atmosphäre. Bevor er jedoch die Deckenbeleuchtung herunterdrehte, sorgte er noch rasch für angenehme, gedämpfte Musik aus der Stereoanlage und war eben dabei, frischen Champagner in die Gläser zu füllen, als plötzlich das Licht vorzeitig erlosch, und er hinter sich ein Geräusch hörte.
Er hielt inne und drehte sich erstaunt um.
Überrascht starrte er auf die Treppe, von wo aus Meg langsam auf ihn zukam.
Sie sah überwältigend aus. Der zart schimmernde Seidenstoff umschmeichelte ihren Körper bei jedem Schritt, den sie tat, und Ben konnte seinen Blick keine Sekunde von ihr abwenden. Als sie endlich vor ihm stand, hob er die Hände und berührte vorsichtig ihre Schultern, so als hätte er Angst, sie existiere nur in seiner Einbildung und könnte unter seiner Berührung sofort wieder verschwinden.
„Du siehst wunderschön aus, Meg!“ sagte er leise. „Ich habe geahnt, dass es perfekt zu Dir passen würde!“
„Du hast wirklich an alles gedacht, Ben!“ meinte sie anerkennend, und er lächelte.
„Ich habe die Sachen auf meiner Geschäftsreise in einem New Yorker Schaufenster auf dem Broadway gesehen und sofort gewusst, das ist das Richtige für Dich!“
Sie trat ganz dicht an ihn heran und erwiderte seinen Blick, während sie ihre Arme um seinen Hals schlang. Sacht strich sie mit ihren Fingerspitzen über seinen Nacken.
„Ich hoffe, ich bin auch die Richtige für Dich.“
„Da bin ich mir ganz sicher...“ flüsterte er und begann zärtlich ihr Gesicht zu küssen. Meg stöhnte leise auf und legte den Kopf zurück, worauf er seine Lippen über ihren Hals bis hinunter zu ihrem Dekollete wandern ließ. Langsam streifte er den Hausmantel über ihre Schultern, von wo aus der hauchdünne Stoff lautlos auf den Boden glitt.
Megs Hände fuhren über seine Brust und begannen, einen Hemdknopf nach dem anderen zu öffnen, während sich ihre hungrigen Lippen mit denen Bens zu einem leidenschaftlichen Kuss fanden.
Sekunden später lag auch Bens Hemd achtlos am Boden. Meg ließ ihre Finger über seinen nackten Rücken wandern und presste sich zitternd vor Leidenschaft an ihn, als sie sich erneut küssten und er mit seiner Zunge ihren Mund erforschte.
Schweratmend von dem langen innigen Kuss ließen sie schließlich voneinander ab und sahen sich für Sekunden in stummem Einverständnis in die Augen, dann nahm Ben Meg auf seine Arme und trug sie leichtfüßig die Treppe hinauf ins Schlafzimmer.
Voller Begierde entledigten sie sich gegenseitig ihrer restlichen Sachen.
Nach den letzten Wochen voller Sorgen und Ängste hatten sie einander endlich wiedergefunden und hielten sich in den Armen, während sie sich auf das breite Doppelbett fallen ließen und sich liebten, und voller bedingungsloser Leidenschaft in eine glühende Welt eintauchten, in der es nur sie beide gab...