LIBERTY CORPORATION
Eigentlich sollte es eine ganz normale Vorstandssitzung werden,
wie sie die LC einmal im Monat abhielt, doch dank Annies Anwesenheit wurde sie
zu einem Desaster für Gregory.
„Schaff mir dieses inkompetente Weib vom Hals!“ fauchte er Ben nach der Sitzung
in dessen Büro an.
„Und wie, bitteschön, stellst Du Dir das vor?“ fragte Ben ruhig.
„Keine Ahnung, lass Dir was einfallen! Ich kann ihre dämlichen unkonstruktiven
Fragen nicht länger ertragen, und ihr blasiertes Benehmen bringt mich zur
Weisglut! Sie macht uns vor dem gesamten Vorstand zum Gespött! Schon allein die
Tatsache, dass sie es einfach nicht fertig bringt, wenigstens pünktlich zu sein!
Diese Person ist ja nicht einmal qualifiziert für einen Anfängerkurs in
Wirtschaftslehre!“
„Nun beruhige Dich erst einmal.“ meinte Ben gelassen. „So schlimm ist sie gar
nicht. Sie versucht eben das Erbe ihres Vaters so gut wie möglich zu verwalten.“
„So gut wie möglich?“ Gregory sah Ben an, als hätte der ihm eben das Ende der LC
prophezeit. „Del würde sich im Grab herumdrehen, wenn er wüsste, wie sich sein
missratenes Töchterlein hier eben wieder aufgeführt hat!“ Er schüttelte den
Kopf. „Ich brauche einen Drink, sonst bekomme ich noch ein Magengeschwür!“
Während Gregory sich einen Cognac eingoss, stand Ben auf und trat ans Fenster.
„Wir können sie nicht einfach hinauswerfen.“ gab er zu bedenken. „Ihr gehört
immerhin ein Drittel der Firma. Denk an die Anteile, die Del ihr vermacht hat.“
„Ich denke an nichts anderes mehr“ knurrte Gregory und nahm einen Schluck aus
seinem Glas. „Ich werde sie ausbezahlen.“
„Was ?“ Ben drehte sich ruckartig herum. „Du willst... was? Gregory, Du weißt
genau, dass wir uns das momentan nicht leisten können.“
„Doch, wir können...“ erwiderte Gregory mit dem grimmigem Lächeln eines
Schakals. „Wer sagt denn, dass wir ihr den vollen Preis dafür zahlen werden?“
Ben kniff die Augen zusammen.
„Was hast Du vor?“
„Überlass das nur mir, mein Lieber. Ich regle das. Du kannst Dich da vollkommen
raushalten, genauso, wie Du Dich die ganze Zeit herausgehalten hast, wenn es um
die liebe Annie ging!“ „Was soll das heißen, Gregory? Immerhin hast Du damals
Del als Teilhaber mit in die Firma geholt, und es ist verdammt noch mal nicht
meine Schuld, dass jetzt Annie an seiner Stelle sitzt! Und deshalb sehe ich
überhaupt nicht ein, dass Du Firmengelder dafür verwendest, Annie auszubezahlen.
Gerade jetzt, wo wir jeden Dollar in den Bau der Ferienanlage investieren!“
Gregory schüttete den Rest seines Drinks hinunter und sah Ben grimmig an.
„Warum hast Du dieses Miststück nicht einfach mit in Dein Bett gelassen, so wie
sie es die ganze Zeit wollte! Dann würde sie uns jetzt garantiert weniger Ärger
bereiten!“
„Nein“ erwiderte Ben und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, „ das ist
nicht ganz richtig. Wenn Annie mit mir liiert wäre, dann würde sie mit
Sicherheit dank ihrer Stimmanteile alle meine geschäftlichen Aktionen voll
unterstützen, und Du, mein Lieber, müsstest um jede Entscheidung betteln!“
Gregory starrte seinen Geschäftspartner einen Augenblick lang fassungslos an.
Dann knallte er sein Glas auf den Tisch und stampfte wütend aus dem Büro.
„Schicken Sie Annie Douglas sofort zu mir, falls sich diese Person noch im Haus
aufhält!“ brüllte er draußen Elisabeth an, bevor er die Tür zu seinem Büro
lautstark zuwarf.
Gabi saß am Fenster des Hotelzimmers und blickte gedankenverloren hinaus.
Das Frühstück, dass ihr der Zimmerservice bereits vor einer Stunde gebracht hatte, stand unberührt auf dem Tisch.
Draußen zauberte die Morgensonne eine gleißende silberne Diamantendecke über das Meer, doch Gabi hatte keinen Blick dafür. Ihre Gedanken wanderten wieder zurück zu ihrem Gespräch mit Antonio...
Gestern war er endlich hier im Hotel aufgetaucht, nachdem er sich mehrere Tage weder bei ihr gemeldet hatte, noch zur Arbeit erschienen war. Er sah schlecht aus, so als hätte er lange nichts gegessen, er hatte sich nicht rasiert und seine Augen wirkten irgendwie fremd und ausdruckslos. Seine unverwüstliche Fröhlichkeit, die sie so an ihm geliebt hatte, schien nicht mehr zu existieren.
„Trinkst Du, Antonio?“ hatte ihn Gabi eindringlich gefragt. „Oder nimmst Du irgendwelche Drogen?“
Er hatte nur den Kopf geschüttelt.
„Du weißt, so etwas würde ich nie tun. Du solltest mich besser kennen.“
Gabi seufzte.
„So, wie Du Dich momentan verhältst, zweifle ich daran, Dich wirklich zu kennen. Wo warst Du die ganze Zeit?“
Zuerst schien es so, als wolle er sich nur wieder in Schweigen hüllen, doch dann sagte er leise:
„Ich war in San Diego bei Pater Emilio.“
„Du warst in der Kirche?“ fragte Gabi ungläubig.
Sofort musste sie wieder an jenen Tag denken, als sie während ihres Morgenlaufes zufällig beobachtet hatte, wie Antonio die kleine Kirche in Sunset Beach betrat. Damals war sie ihm heimlich gefolgt und hatte zu ihrem Erstaunen festgestellt, dass ihr Mann, den sie gut zu kennen glaubte, dort eine Kerze anzündete, niederkniete und betete, und das auch noch in fließendem Latein. Als er sie nach einer Weile bemerkte, hatte er so einen merkwürdigen Ausdruck in den Augen... Gabi erinnerte sich genau daran, er hatte... glücklich ausgesehen, und zufrieden. Und als sie ihn fragte, was er hier tat, er hatte etwas gesagt, dass sich seit jenem Tag in ihr Gedächtnis eingebrannt hatte:
Er sprach von seiner Berufung Priester zu werden, und dass die Kirche einmal sein Leben bestimmt hätte, bis zu dem Tag, als...
Gabi blickte auf.
Als sie beide gestern hier zusammensaßen, hatte sie ihn abermals danach gefragt, was damals passiert sei, dass er die Kirche verlassen und einen anderen Weg gewählt hatte. Er hatte nur traurig den Kopf geschüttelt.
„Es gibt Menschen, die können nicht loslassen. Noch schlimmer ist es, wenn sich diese Menschen einbilden, sie müssten den Lebensweg derer, die sie zu lieben glauben, bestimmen. Genau das ist mir passiert. Wenn Du mehr wissen willst, frag meine Mutter und Ricardo. Sie waren diejenigen, wegen denen ich damals ein anderes Leben begonnen habe.“
„Deine Mutter und Ricardo?“
Er nickte.
„Aber die Entscheidung, die Kirche zu verlassen, lag letztlich bei mir selbst, denn ich habe nach dem, was damals geschehen war, etwas an mir selbst bemerkt, was ich nie für möglich gehalten hätte.“ Er sah Gabi in die Augen. „Gott verurteilt jegliche Art von Hass. Ich aber habe sie beide gehasst, meine Mutter und auch Ricardo, ich habe sie für das, was sie mir angetan haben, so sehr gehasst, wie man jemanden nur hassen kann... Als mir das klar wurde, habe ich Sunset Beach und alles, was mir bis dahin etwas bedeutete, verlassen.“
„Warum?“ flüsterte Gabi fassungslos. „Aus welchem Grund hattest Du einen solchen Hass auf Deine Familie?“
Sie erhielt keine Antwort. Er saß nur da, gefangen in seiner Erinnerung, und starrte vor sich hin.
„Hasst Du die beiden immer noch, Antonio?“ hatte Gabi schließlich gefragt.
Er schüttelte den Kopf.
„Nein, sonst wäre ich niemals hierher zurückgekehrt. Allerdings habe ich auch nicht ahnen können, welche Wirkung der Ort meiner Kindheit und Jugend noch immer auf mich hat.“
Gabi hatte daraufhin mühsam versucht, den dicken Kloß, der in ihrem Hals zu stecken schien, hinunterzuschlucken, bevor sie die nächste Frage auszusprechen wagte:
„Was wird nun geschehen? Wie geht es weiter, mit Dir... mit uns?“
Antonio hatte ihre Hand genommen. In seinen Augen las sie eine große Traurigkeit, aber da war plötzlich auch wieder dieses Leuchten, dass sie an jenem Tag in der Kirche zum ersten mal bemerkt hatte.
„Ich möchte meinen Weg von damals weitergehen, Gabi. Ich möchte Priester werden und den Menschen etwas von der Kraft geben, die mir Gott verliehen hat.“ Er machte eine kurze Pause, denn der letzte Satz fiel ihm unendlich schwer. „Ich möchte, dass wir unsere Ehe beenden.“
„Nein!“ wollte Gabi schreien. „Nein, das kannst Du mir nicht antun, dass Du an so etwas mehr glaubst als an uns! Ich liebe Dich... Du bist doch gar nicht so... Du gehörst nicht der Kirche, Du gehörst mir! Wir haben uns doch auch etwas geschworen...!“ Doch ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sie hatte den Kopf gesenkt und nur stumm genickt.
Erst als Antonio sie verlassen hatte, war sie weinend zusammengebrochen.
Und nun saß sie hier, und sie wusste, sie würde allein zurückbleiben.
Sie hatte den Mann, den sie liebte, verloren...
Das Klopfen an der Hotelzimmertür ließ sie erschrocken zusammenfahren.
Antonio?
Hatte er es sich am Ende anders überlegt? War er zurückgekommen?
Sie sprang auf und stürzte voller Hoffnung zur Tür.
Es war nicht Antonios Gesicht, in das sie blickte, als sie öffnete.
Es war Ricardos.
Ungläubig zog Ricardo die Augenbrauen zusammen, nachdem Gabi ihm alles erzählt hatte.
„Willst Du damit sagen, Du akzeptierst, dass sich Dein Mann von Dir abwendet und sich für das Priesteramt entscheidet? Du gibst einfach Eure Ehe auf?“
Gabi zuckte nur mit den Schultern.
Sie saßen beide in dem kleinen Hotelzimmer, genau dort, wo sie gestern mit Antonio gesessen hatte.
„So wie es jetzt aussieht, existiert unsere Ehe überhaupt nicht mehr. Antonio hat die ganzen Jahre hindurch wegen irgend einer Familienintrige seine Berufung verdrängen und ein Leben führen müssen, dass er eigentlich nie wollte. Seine Rückkehr nach Sunset Beach hat die alten Wunden wieder aufgerissen.“ Sie sah Ricardo mit großen Augen an. „Sag mir, wie soll ich gegen etwas ankämpfen, das stärker und mächtiger ist, als ich?“
„Du musst es versuchen...“
„Nein!“ sagte sie entschieden. „Ich liebe Antonio, und gerade deshalb möchte ich, dass er glücklich ist. Wenn sein Glück darin besteht, sein Leben der Kirche zu widmen, dann werde ich das akzeptieren.“
Ricardo blickte sie schweigend an.
„Ich bewundere Dich.“
„Wofür?“
„Dafür, dass Du den Mut und die Stärke besitzt, das zu tun. Und noch mehr bewundere ich Dich für Dein Verständnis, Gabi. Gerade das hat meiner Mutter und mir damals gefehlt.“
Plötzlich war es um Gabis lang bewahrte Fassung geschehen.
„Hör auf, Ricardo! Wer sagt Dir, dass ich Verständnis habe für das, was hier geschieht?“ schrie sie ihn an und sprang auf. „Was habt Ihr beide damals getan, Deine Mutter und Du, dass Ihr Antonio so sehr verletzt habt, dass er Sunset Beach verlassen musste?“
„Hat er Dir das nicht erzählt?“ fragte Ricardo ungläubig.
„Nein, keiner von Euch hat mir bisher erzählt, um was es hier eigentlich geht!“
„Okay“ Ricardo nickte, „setz Dich, ich werde Dir erzählen, was damals geschehen ist.“
Annies Haus
„Er will... was?“ Bette schüttelte ungläubig den Kopf. Sie saß gerade im
Whirlpool, als Annie zu Hause ankam und ihrer Tante sofort haarklein von ihrem
jüngsten Gespräch mit Gregory berichtete. „Hör mal. Poopsie, du hast Dich doch
nicht etwa darauf eingelassen?“
„Bin ich blöd, Tante Bette?“ Empört schüttelte Annie die roten Locken und ließ
sich in den Korbsessel neben dem Pool fallen. „Gregory hat, solange er lebt,
noch niemandem ein Freundschaftsangebot gemacht! Weshalb sollte er damit bei mir
anfangen?“
„Wieviel hat er Dir denn geboten?“ fragte Bette neugierig.
Annie zuckte die Schultern.
„Keine Ahnung, soweit hab ich` s gar nicht kommen lassen. Er kriegt die Anteile
nicht, und damit basta!“
Bette verzog bedenklich die Mundwinkel.
„Langsam Kindchen. Du kennst unsere finanzielle Lage, oder...?“
Annie schaute sie fragend an.
„Was willst Du damit sagen?“
„Was ich damit sagen will?“
Bette kletterte in einem grell pinkfarbenen Badeanzug aus dem Pool, hüllte sich
in ein flauschiges Duschtuch, setzte sich zu Annie und musterte sie
eindringlich.
„Nun, wir werden in Zukunft unseren Lebensstil etwas einschränken müssen, meine
Liebe. Unsere Konten weisen mehr Nullen auf, als die von Bill Gates, nur mit dem
Unterschied, dass bei dem noch ein paar andere Zahlen davorstehen. Und wenn Du
weiterhin in der Mainestreet einkaufen und im GRENADINES dinieren willst, dann
müssen wir uns etwas einfallen lassen.“
„Was ist mit Deinem reichen Galan?“ fragte Annie gereizt.
Bette verdrehte die Augen.
„Welchen meinst Du? Derzeit hab ich in dieser Richtung nichts laufen, tut mir
leid, nicht mal ein heißes As im Ärmel. Ledige oder spendierfreudige Millionäre
gibt es nun mal nicht wie Sand am Meer...“
„Ja ja...“ ungeduldig winkte Annie ab. „Und was machen wir jetzt, Tante Bette?“
„Keine Ahnung, Poopsie... vielleicht sollten wir uns beide einen Job suchen!“
Annie verzog angewidert das Gesicht.
„Etwas besseres fällt Dir nicht ein? Ich meine...“ Annie sprang auf und begann
ungeduldig auf der Veranda auf und ab zu laufen, „was sollen wir denn für Jobs
annehmen? Soll ich als Tellerwäscherin arbeiten? Und Du... was kannst Du denn
schon, außer Dir aller paar Monate einen neuen Idioten zu suchen, der Deine
Rechnungen bezahlt!“
„Ich muß doch bitten...“ Bette verzog beleidigt das Gesicht, „das waren alles
sehr nette und vornehme Gentlemen!“
„Aber geheiratet hat Dich keiner!“
„Ich hab aber wenigstens versucht, mein Leben in die richtigen Bahnen zu lenken,
Schätzchen, ganz im Gegensatz zu Dir. Du jagst seit Jahren einem Mann hinterher,
der Dich gar nicht will...“ Sie stutzte kurz, dann erhellte ein strahlendes
Lächeln ihr immer noch sehr hübsches, lebhaftes Gesicht. „Moment mal... ich hab`
s!“
„Was denn, Tante Bette?“ fragte Annie hoffnungsvoll.
„Ben Evans! Er ist die Lösung für unsere Probleme!“
„Ben? Ja aber...“
Bette sprang so hastig auf, dass sie beinahe ihr Handtuch verloren hätte.
„Du willst nicht, dass Gregory Deine Anteile bekommt? Dann verkauf sie einfach
an jemand anderes! Verkauf sie an ... seinen Geschäftspartner, an Ben!“
Fremde kamen und gingen in Sunset Beach, das war nichts Außergewöhnliches. Es waren Touristen, Urlauber oder einfach nur Durchreisende. Wenn allerdings ein Fremder diesen besonderen Platz am Rande der Stadt besuchte, dann fiel das den Einheimischen natürlich sofort auf.
So wie an diesem Nachmittag...
Pfarrer Paul Matthews , ein sehr naturverbundener Mensch, hatte seine Robe gegen Jeans und Baumwollhemd getauscht und war dabei, die üppig wuchernde Hecke zu verschneiden, die den Friedhof umgab. Dieser letzten Ruhestätte der Menschen aus dieser Gegend widmete er besonders viel Freizeit, um alles in Ordnung zu halten. Er fand, dass man es dem Andenken der Verstorbenen schuldig war, hier eine Oase der Ruhe und des Friedens zu schaffen.
Als er irgendwann von seiner Arbeit aufblickte, sah er sie...
Die junge Frau ging zögernd durch die Reihen von weißen Marmorsteinen und schien die Namen zu lesen, die darin verewigt worden waren. Schließlich blieb sie etwas ratlos stehen und blickte sich suchend um.
Sie trug ein maßgeschneidertes nachtblaues Kostüm, das ihre schlanke Figur vorteilhaft zur Geltung brachte. Der dazu passende elegante Hut und die dunkle Sonnenbrille verdeckten fast gänzlich ihr Gesicht. In der Hand hielt sie ein großes, teuer aussehendes Bukèt aus roten Rosen.
Pfarrer Matthews legte seine Heckenschere weg und wischte sich die Hände flüchtig an seiner Jeans ab, bevor er nähertrat.
„Entschuldigen Sie, Miss...“ sprach er die Fremde höflich an, „Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“
Etwas erschrocken drehte sie sich um und musterte ihn einen Augenblick lang. Dann zog ein verbindliches Lächeln über ihr Gesicht, während sie die Sonnenbrille abnahm.
Paul Matthews fiel auf, wie hübsch sie war.
„Kennen Sie sich hier aus?“ erkundigte sie sich vorsichtig und sah ihn fragend an.
Er nickte.
„Das will ich wohl meinen. Ich bin hier der Pfarrer.“
„Oh, dann werden Sie sicher wissen, wo ich das Grab dieser Frau finde...“ Sie reichte ihm einen Zettel, auf dem ein Name stand. „Sie war noch sehr jung und ist erst vor kurzem auf tragische Weise ums Leben gekommen. Es war ein Unfall.“ fügte sie erklärend hinzu.
Überrascht las Paul Matthews den Namen auf dem Papier.
„Das ist eigenartig.“ erwiderte er und maß die Fremde mit erstauntem Blick. „Ich kenne diese junge Frau, aber wie kommen Sie darauf, dass sie tot sei? Soviel ich weiß, erfreut sie sich bester Gesundheit und beabsichtigt sogar in Kürze zu heiraten!“
Die Unbekannte sah ihn aus großen dunklen Augen fassungslos an.
„Sind Sie sicher?“
„Absolut!“
„Dann muß mein Bekannter eine falsche Nachricht erhalten haben... zum Glück!“ meinte sie stattdessen, besann sich einen Augenblick und überreichte dem verdutzten Pfarrer dann kurzentschlossen das Rosenbukèt.
„Ich danke Ihnen für diese ... phantastische Nachricht, Sir! Bitte tun Sie mir den Gefallen und schmücken Sie mit diesen Blumen Ihre Kapelle.“
„Vielen Dank, Miss...“
Sie dachte nicht daran, ihren Namen zu nennen. Stattdessen grüßte sie freundlich zum Abschied und verließ schnellen Schrittes den Friedhof.
Nachdenklich stand Pfarrer Matthews mit den herrlichen Rosen in der Hand da und sah ihr nach, bis sie verschwunden war.
Draußen lehnte sich Cynthia Rodriges an die kühle Friedhofsmauer und schloss für einen Augenblick die Augen. Seit dem Tod ihrer Eltern hasste sie diese Orte der ewigen Ruhe.
Sie beschworen dunkle Erinnerungen herauf und machten ihr Angst.
Aber sie vermochte ihrem neuen Boss einfach keine Bitte abschlagen.
Und wer immer diese Meg Cummings auch sein möge, Derek würde sich sicher sehr freuen, zu erfahren, dass sie überraschenderweise am Leben war!