Alles war für die Party vorbereitet. Das gleich zwei Paare gemeinsam hier ihre Verlobung feiern würden, hatte es vorher noch nicht gegeben.
Caitlin hastete aufgeregt hin und her und kontrollierte zum wiederholten Male die tadellos aussehende Tischdekoration. Es war ihre erste größere Feier, seitdem sie mit Cole die Bar leitete. Alle sollten zufrieden sein.
Gleich würden die ersten Gäste eintreffen...
Cole, der sich noch hinter der Bar zu schaffen machte, beobachtete Caitlin lachend.
„Hey, wenn Du so weitermachst, wirst Du vor Erschöpfung zusammenbrechen, noch bevor der erste Besucher seinen Fuß über die Schwelle gesetzt hat! Komm schon, ruh Dich noch einen Augenblick aus, bis der große Ansturm losgeht!“
„Ich will eben, dass alles perfekt ist!“ meinte sie ganz außer Atem und setzte sich ihm gegenüber auf einen der Barhocker.
„Aber das ist es doch schon.“ lächelte Cole. „Dank Dir...“
Bevor sie etwas erwidern konnte, betrat ein junger Mann die Bar und blieb zögernd an der Tür stehen.
„Wir haben noch geschlossen, Sir!“ rief Cole, doch Caitlin hatte den Besucher erkannt und sprang erfreut auf.
„Doktor Carter! Das ist aber eine Überraschung! Kommen Sie doch herein!“
Der Mann trat näher und reichte Caitlin die Hand.
„Scheint fast, dass ich etwas zu früh dran bin.“ sagte er entschuldigend. „Wie geht es Ihnen, Caitlin?“
„Oh, alles in Ordnung. Der Kopf tut nicht mehr weh.“ Sie drehte sich zu Cole um, der die Szene interessiert beobachtete. „Cole, ich möchte Dir Doktor John Carter vorstellen. Er hat mich nach meinem... Unfall behandelt. Dr. Carter, das ist Cole Deschanel, mein Geschäftspartner.“
Die beiden Männer schüttelten sich freundschaftlich die Hand.
„Freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Doktor...“
„John, bitte nennen Sie mich John, den Doktortitel lasse ich für gewöhnlich nach Feierabend in der Klinik. Und in Sunset Beach gehört er sowieso ab sofort der Vergangenheit an.“
Caitlin blickte erschrocken auf.
„Sie verlassen Sunset Beach schon wieder?“
„Ja, meine Vertretungszeit ist vorbei. Ich habe eben meine letzte Schicht im Huntington Memorial beendet und wollte noch ein wenig Abschied feiern von der Stadt, die mir sehr gefallen hat.“
Cole nickte und sein Blick wanderte dabei nicht zufällig in Caitlins Richtung.
„Ja, Sunset Beach hat etwas Besonderes an sich, dass die Menschen sehr schnell in seinen Bann zieht.“
John Carter lachte.
„Die Legende von der untergehenden Sonne am Pier... Ich habe davon gehört. Aber funktioniert hat es nicht. Zumindest nicht bei mir...“
„Nun, dann betrachten Sie sich wenigstens an Ihrem letzten Abend als unser Gast, John!“ lud Cole ihn spontan ein. „Wir haben zwar heute eine geschlossene Veranstaltung, aber ich bin sicher, dass Sie viele der Gäste durch Ihre Arbeit an der Klinik kennen werden. Oder waren Sie ausschließlich in Huntington beschäftigt?"
„Nein, ich war auch hin und wieder im SB Medical Center.“ erklärte John. „Vielen Dank für die Einladung. Was wird denn heute hier gefeiert, wenn man fragen darf?“
„Verlobung!“ platzte Caitlin heraus. „Und sogar eine doppelte. Kennen Sie Dr. Chang?“
„Natürlich. Wir haben schon zusammengearbeitet.“
„Sie ist die eine Braut, und sie wird Casey Mitchum heiraten, einen ehemaligen Piloten und guten Freund von Cole. Er und Casey haben eine Zeit lang bei der gleichen Fluggesellschaft gearbeitet. Die anderen beiden sind Meg Cummings, ebenfalls eine ehemalige Kollegin von Cole, und Ben Evans, einer der Geschäftsführer der LIBERTY CORPORATION.“
John zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen.
„Meg Cummings... So eine überaus hübsche Brünette?“ Er sah Caitlin bestätigend nicken und lächelte. „Wenn ich mich nicht irre, war sie kürzlich erst bei mir in der Sprechstunde.“
„Ach ja?“ Caitlin überlegte kurz. „Meg wurde vor ein paar Wochen entführt und mit einer Überdosis betäubt. Sie hat danach einige Zeit im Koma gelegen.“
„Ja genau, und ich habe die Nachuntersuchungen durchgeführt.“
„Megs Entführung war eine schlimme Sache.“ erinnerte sich Caitlin stirnrunzelnd. „Ben hatte große Angst um ihr Leben.“
„Sie ist eine bemerkenswerte junge Dame.“ sagte John Carter.
„Ja, das ist sie. Ich kenne sie noch nicht sehr lange, aber ich mag Meg sehr gerne. Sie und Ben haben sich im Flugzeug kennengelernt.“ Sie lächelte verklärt. „So wie Cole mir das erzählt hat, war es wohl Liebe auf den ersten Blick.“
Cole grinste und schob John ein Bier über die Theke.
„Caitlin ist hoffnungslos romantisch. Ich versuche gerade, sie zu einer harten Geschäftsfrau umzuerziehen, aber das wird mir wohl nie ganz gelingen!“
In diesem Augenblick flog die Tür auf und die erste Gästeschar stürmte lärmend und lachend in die Bar. Imnu waren alle Tische besetzt. Der extra für diesen Abend bestellte DJ ließ sich nicht lange bitten und sorgte gleich zu Anfang für eine stimmungsvolle musikalische Umrahmung, während die beiden Brautpaare, die kurz darauf erschienen, mit übermütigen Hochrufen willkommen geheißen wurden.
Die Party konnte beginnen...
Mark sah auf die Uhr. Verflixt, schon so spät! Ausgerechnet heute hatte er die Schicht eines erkrankten Kollegen übernehmen müssen. Nun würde die Party im DEEP ohne ihn anfangen!
Er beschleunigte seinen Schritt und nahm schließlich die drei Stufen vor dem Eingang des SURF CENTERS gleich mit einem Sprung. Als er die Tür aufschloss, hielt ein Taxi hinter ihm.
Erstaunt drehte Mark sich um. Hatte sich jemand in der Hausnummer geirrt?
Die junge Dame, die ein paar Sekunden später ausstieg, sah jedoch nicht so aus, als wäre sie hier verkehrt. Als sie Mark erblickte, kam sie zielstrebig auf ihn zu und umarmte ihn spontan.
„Hallo Mark, bin ich froh, dass ich noch einen von Euch hier erwische! Ich habe schon befürchtet, Ihr wärt bereits alle auf Megs Party!“
Total überrumpelt trat Mark einen Schritt zurück und starrte sein Gegenüber ungläubig an.
„Sara...! Was tust Du denn hier?“
Statt einer Antwort winkte sie übermütig lachend den Taxifahrer, der unschlüssig mit zwei riesigen Koffern am Wagen stehengeblieben war, zu sich heran. Mit den Worten „Der Rest ist für Sie...“ reichte sie ihm einen zusammengefalteten Geldschein, worauf er sich dankend verabschiedete.
Sie blinzelte Mark schelmisch an und zuckte mit den Schultern.
„Tja, da bin ich. Oder denkst Du vielleicht, ich will mir die Verlobungsparty meiner großen Schwester entgehen lassen?“
In einem unauffälligen Mietwagen bog Derek in die Ocean Avenue ein und hielt ein ganzes Stück entfernt vom Haus seines Bruders. Von hier aus konnte er alles gut überblicken.
Er brauchte nicht allzu lange zu warten. Etwa eine Viertelstunde später verließ Ben mit einem großen Rosenstrauß das Haus. Schnell verbarg Derek sein Gesicht hinter einer Zeitung und tat so, als würde er eifrig lesen, als sein Bruder an ihm vorbei in Richtung DEEP eilte.
„Du bist spät dran, mein Freund!“ knurrte Derek leise und blickte ihm hämisch grinsend nach. „Aber das bist Du ja immer!“
Er wartete noch, bis Ben außer Sichtweite war. Dann vergewisserte er sich, dass niemand ihm Beachtung schenkte, nahm die Perücke ab, verstaute sie unterm Sitz und verließ den Wagen. Auf die lästigen Kontaktlinsen hatte er verzichtet, da seine Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen waren.
Sich mehrmals vorsichtig umsehend lief er die Ocean Avenue hinunter. Bisher war ihm außer ein paar Touristen, die wohl vom Strand heraufkamen, niemand weiter begegnet.
Kurz vor Bens Haus blieb er stehen. Alles war ruhig. Das Gartentor war unverschlossen und Derek betrat das Grundstück. Die Eingangstür zu öffnen, würde keine große Herausforderung darstellen. Allerdings fiel ihm schlagartig etwas ein, was er die ganze Zeit überhaupt nicht in Betracht gezogen hatte: in Bens noblem Strandhaus war mit aller Wahrscheinlichkeit eine Alarmanlage installiert! Verdammt, warum hatte er nicht früher daran gedacht!
Er schlich nach hinten in den Garten zum Wirtschaftseingang. An der Wandseite hinter der Glastür blinkte ein rotes Lämpchen... Also doch! Derek knirschte mit den Zähnen und überlegte fieberhaft. Er hatte schon vieles versucht, aber mit einer solchen Anlage hatte er keine Erfahrung. Wenn er hier einbrach und das Ding ging los... Nicht auszudenken! Aber vielleicht konnte man ja über die Veranda in die Wohnung gelangen.
Derek straffte die Schultern. Ein Versuch war es wert. Sollte ihn wider Erwarten jemand sehen, würde er ihn für Ben Evans halten und sich nichts dabei denken.
Zielstrebig ging er wieder zurück.
Zu Tode erschrocken fuhr er zusammen, als er um die Hausecke bog und urplötzlich Madame Carmen gegenüberstand...
Meg trat mit einem herrlichen Rosenstrauß an die Bar. Ihre Augen strahlten und ihre Wangen waren vor Aufregung leicht gerötet. Man sah ihr an, dass sie rundherum glücklich war.
„Kannst Du die Blumen bitte ins Wasser stellen?“ bat sie Caitlin und reichte ihr den Strauß.
„Wow, sind die aber schön!“ Fast ehrfürchtig strich Caitlin mit den Fingerspitzen über die zarten Blüten.
Cole musste lächeln. Für ein verwöhntes Mädchen, dass in unermesslichem Reichtum aufgewachsen war und dem man bis vor kurzem jeden Wunsch erfüllte hatte, konnte sich Caitlin erstaunlicherweise auch an kleinen Dingen des Lebens erfreuen, sie strahlte so viel Lebensfreude und Herzlichkeit aus, dass es eine Freude war, sie zu beobachten.
„Hey Meg... Dein zukünftiger Mann hat wirklich Geschmack!“ Lachend zwinkerte Caitlin ihr zu und verschwand mit dem Strauss im Lagerraum, der zum Keller führte, um eine Vase zu holen.
„Da kann ich Ihnen nur voll zustimmen!“ John Carter hatte sich erhoben. „Ihr Verlobter hat nicht nur einen guten Geschmack, sondern auch sehr viel Glück!“
Erstaunt drehte sich Meg um.
„Doktor Carter!“ rief sie überrascht und reichte ihm sichtlich erfreut die Hand.. „Das ist eine nette Überraschung! Schön, dass Sie zu unserer Party gekommen sind!“
John hielt ihre Hand einen Augenblick lang fest.
„Eigentlich habe ich es einem Zufall zu verdanken, dass ich heute hier bin. Um so mehr freue ich mich, dass ich diese tolle Party miterleben darf. Herzlichen Glückwunsch, Meg!“ sagte er mit einem herzlichen Lächeln. „Ich wünsche Ihnen und Ihrem zukünftigen Mann alles Gute!“
„Haben Sie Ben schon kennengelernt?“ fragte Meg.
Er schüttelte den Kopf.
„Ich glaube nicht.“
„Dann kommen Sie, ich stelle Sie ihm und unseren Freunden vor!“
Sie zog ihn einfach mit sich fort, durch das Gedränge auf der Tanzfläche, hin zu dem Tisch, an dem Ben und die übrigen Bewohner des Surf Centers saßen.
„Nun schau mich nicht an, als ob Du einen Geist vor Dir hättest!“ grinste Sara und wies auf die beiden Koffer. „Hilf mir lieber mal mit dem Gepäck, oder wollen wir hier draußen stehen bleiben?“
Mark schüttelte fassungslos den Kopf.
„Meg hat uns nicht verraten, dass Du extra von Kansas herkommst!“
Sara lachte.
„Du Schäfchen! Wie soll sie Euch etwas verraten, was sie selbst noch gar nicht weiß!“ Sie nahm ihren Rucksack und öffnete die Tür. „Ich will sie mit meinem Besuch überraschen!“
„Und dazu brauchst Du so viel Gepäck?“ ächzte Mark, der beim Anheben der beiden Koffer fast in die Knie ging.
„Ich dachte, wenn ich einmal hier bin, könnte ich ja auch gleich eine Weile bleiben.“ erwiderte Sara leichthin, worauf Mark seine Last fast fallen ließ.
„Wie lange ist denn bei Dir eine Weile?“ fragte er vorsichtig, nachdem er es geschafft hatte, die Koffer unbeschadet bis in die Wohnstube zu wuchten. Spike kam sofort aus Richtung Küche und umkreiste die Besucherin freudig bellend. „Hallo Kleiner!“ Sara nahm ihn auf den Arm und begrüßte ihn liebevoll. „Na ja...“ meinte sie dann und sah sich um, als sei sie nach langer Reise endlich nach Hause gekommen. „„Jetzt, wo meine Schwester in festen Händen ist, wird sie sicher aus dem Surf Center ausziehen und bei ihrem Verlobten wohnen.“ Aufseufzend ließ sie sich dann auf das Sofa fallen, während Spike es sich sogleich auf ihrem Schoß bequem machte. „Und ich habe mir gedacht, wo doch ihr Zimmer hier frei wird, könnte ich vielleicht...“ Sie sah das grenzenlose Erstaunen auf Marks Gesicht und richtete sich erschrocken auf. „Meinst Du, Casey hat etwas dagegen, wenn ich hier einziehe?“
„Ähm... keine Ahnung... ich weiß ja nicht mal, ob Meg wirklich ausziehen will!“
„Mit Sicherheit...“ erwiderte Sara im Brustton der Überzeugung. „Wenn ich mit so einem tollen Mann verlobt wäre, würde ich jedenfalls keinen Augenblick zögern. Außerdem hat Ben so ein fantastisches großes Haus, das wäre es doch Verschwendung, wenn er noch länger allein dort wohnen würde!“ Sie lächelte Mark auf die ihr ganz eigene Art an. „Kann ich bitte etwas zu trinken haben? Ich bin am verdursten!“
Während er schnell in der Küche verschwand, um das Gewünschte zu holen, sah sich Sara zufrieden um. Sie hatte es geschafft... sie war wieder hier, in Kalifornien, dem Land ihrer Träume! Hier würde für die nächsten Wochen und Monate ihr neues Zuhause sein.
Zu dumm, das ihre Eltern noch nichts davon ahnten! Sie würde schnellstens anrufen müssen...
„Was sagen denn Deine Eltern dazu?“ fragte Mark, der eben mit einem Glas Mineralwasser aus der Küche zurückkam. „Du studierst doch zur Zeit irgend etwas, wenn ich mich recht erinnere!“
„Agrarwissenschaft...“ Sara spie das Wort förmlich aus und verzog das Gesicht, als hätte sie auf etwas Saures gebissen. Dann nahm sie mit dankbarem Lächeln das Glas und trank gierig einen tiefen Schluck.
„Aaah, das tut gut.“ seufzte sie und kam noch einmal auf Marks letzte Frage zurück. „Mein Studium habe ich für eine Weile unterbrochen, zunächst einmal für ein oder zwei Semester. Danach werden wir weitersehen.“
„Da wird Deine Mutter nicht so sehr begeistert gewesen sein.“ grinste Mark und setzte sich ihr gegenüber in den Sessel. Das Grinsen verging ihm, als er Saras Blick sah. „Hey.. Moment mal...“ Abwehrend hob er beide Hände, „sag jetzt bloß nicht, Deine Eltern wissen das noch gar nicht!“
„Na ja, wenn man es genau nimmt...“ begann sie zögernd, doch Mark unterbrach sie mit fassungsloser Miene. „Das gibt es doch gar nicht. Lass mich raten... Mister und Misses Cummings aus Ludlow Kansas haben keine Ahnung, dass ihre jüngste Tochter ihr Studium abgebrochen und sich auf den Weg nach Kalifornien gemacht hat?“
Schuldbewusst senkte Sara den Blick.
„Ich glaube fast, es ist besser, wenn ich sie jetzt mal anrufe und ihnen sage, dass ich das Wochenende doch nicht bei einer Studienfreundin verbringe...“ murmelte sie, gar nicht mehr so selbstsicher.
Mark verdrehte die Augen.
„Du bist ja vielleicht ein Herzchen!“ lachte er kopfschüttelnd. „Und wie hast Du ihnen die zwei tonnenschweren Koffer erklärt?“
„Die hat ein Freund für mich zum Flughafen gefahren, als niemand zu Hause war.“
„Clever bist Du jedenfalls...“ Er überlegte kurz. „Und volljährig hoffentlich auch, oder?“
Sie nickte heftig.
„Ich werde in ein paar Monaten einundzwanzig... Und zum Studieren habe ich schließlich noch mein ganzes restliches Leben Zeit. Außerdem hat mir ein gewisser junger Mann vor kurzem beim Abschied am Flughafen in LA erklärt, ich solle nicht traurig sein, es würden schließlich täglich Flugzeuge hierher fliegen...“
„Hey, Du weißt genau, wie das gemeint war!“ verteidigte sich Mark, konnte jedoch ein Lachen nicht verkneifen. „Aber wo Du schon mal hier bist, sollten wir uns vielleicht so langsam auf den Weg ins DEEP machen, sonst ist die Party zu Ende, bevor wir dort ankommen!“
Sara nickte, sprang auf und tätschelte Spike, der sich genüsslich zwischen den Sofakissen zusammengerollt hatte, den Kopf.
„Dann mal los, lass uns gehen!“
„Ben...“ Madame Carmen trat einen Schritt zurück und schluckte, als müsse sie sich erst überwinden, das Wort an ihren Ex- Schwiegersohn zu wenden.
Dereks Verstand arbeitete auf Hochtouren. Was um alles in der Welt wollte Marias Mutter hier?
Sie hielt ihn eindeutig für Ben... Jetzt nur keinen Fehler machen!
„Hallo Carmen.“ sagte er möglichst gleichgültig und zog in gespieltem Erstaunen ein wenig die Augenbrauen hoch. „Was willst Du hier?“
„Ich muß mit Dir reden.“ erwiderte sie, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
Obwohl er abgebrüht war wie kein anderer, ließ ihr durchdringender Blick Derek frösteln. Diese Frau hatte von je her etwas Respekteinflößendes an sich.
„Ich höre?“
„Können wir vielleicht ins Haus gehen?“ fragte sie und wies auf die Tür.
Auch das noch!
„Tut mir leid, Carmen, aber ich bin in Eile. Heute findet die Verlobungsparty für mich und meine zukünftige Frau im DEEP statt, und ich bin spät dran.“ erklärte er so höflich wie möglich.
„Deine zukünftige Frau...“ Carmen presste mit bitterem Lächeln die Lippen aufeinander, „Verstehe. Ich werde Dich nicht lange aufhalten, Ben, aber was ich Dir zu sagen habe, ist äußerst wichtig.“
„Nun gut, ich höre.“
„Es geht um Maria...“
Derek nickte.
„Schickt sie Dich her, um mir ihre Glückwünsche zu meiner Verlobung zu überbringen?“ fragte er spöttisch.
Carmens Gesicht zeigte keine Regung.
„Maria weiß nicht, dass ich hier bin. Aber ich hielt es für dringend angebracht, Dich über die gegebenen Umstände zu informieren, bevor es dafür zu spät ist.“
Was sollte das denn jetzt heißen? Dereks Augen verengten sich misstrauisch.
„Zu spät? Wofür?“
„Um die Verlobung wieder zu lösen und Deinen Verpflichtungen nachzukommen.“ erwiderte Carmen mit fester Stimme.
„Wovon zum Teufel sprichst Du?“
„Maria ist schwanger, Ben. Sie bekommt ein Kind von Dir. Das Kind, das Du Dir so lange gewünscht hast!“