The winner takes it all...
Meg schluckte und wagte kaum zu atmen. War das ein böser Traum? Oder gar ein übler Scherz? Nein, Ben würde nie solche Scherze machen, dessen war sie sich sicher.
Sie starrte ihn an, und das Schweigen, das für einen Moment andauerte, stand plötzlich wie eine Mauer zwischen ihnen.
„Warum sagst Du das, Ben? Was ist geschehen?“
Um seine Mundwinkel zuckte es, und seine Lippen waren zu einer dünnen Linie zusammengepresst. Dann holte er tief Luft und strich sich mit der Hand über die Stirn.
„Maria rief mich an, weil sie unbedingt mit mir reden wollte. Ich habe mich also vorhin mit ihr getroffen.“ Er trat näher und sah Meg eindringlich an. „Erinnerst Du Dich an jene Nacht, die ich in ihrer Wohnung verbracht habe, und von der ich Dir damals in der Hütte erzählt habe?“
Meg nickte mechanisch.
„Diese Nacht ist nicht ohne Folgen geblieben, Meg. Maria erwartet ein Kind von mir.“
Die Stille, die darauf folgte, lag schwer wie Blei über dem Raum.
Megs Gesicht hatte jegliche Farbe verloren und ihr Herz schlug so wild und unkontrolliert, als wolle es die Worte ungeschehen machen, die sie soeben gehört hatte. Ihr Blut rauschte laut in den Ohren, so dass sie ihre eigene Stimme kaum hören konnte, als sie schließlich sagte:
„Und... was wirst Du jetzt tun?“
Er senkte den Kopf.
„Ich habe mir, solange ich sie kenne, immer ein Kind von ihr gewünscht...“
Meg stand da, unfähig sich zu rühren. Unverwandt schaute sie in sein Gesicht, als suche sie verzweifelt ein Zeichen dafür, dass dies alles nicht so tragisch war, wie es sich anhörte.
Irgendwann flüsterte sie mit erstickter Stimme:
„Das klingt, als hättest Du Dich bereits entschieden, Ben.“
Er trat zum Fenster und starrte hinaus aufs Meer.
„Ich kann sie jetzt nicht im Stich lassen. Das musst Du verstehen, Meg...“
„Nein, das verstehe ich nicht!“ rief sie plötzlich verzweifelt. „Was wird denn mit uns beiden? Wir ... wir lieben uns doch, uns zwei verbindet so viel, das hast Du selbst unzählige Male gesagt... das kannst Du doch nicht alles wegwerfen!“
Er drehte sich um und sah sie an. Sein Blick schien ihr plötzlich kalt und... fremd.
„Ich werde meinem Kind das Zuhause geben, das es verdient.“ sagte er entschlossen. „Selbst wenn das bedeutet, dass ich Maria heiraten und damit auf die Liebe meines Lebens verzichten muß.“
Eine einzelne Träne löste sich aus Megs dichten dunklen Wimpern und hinterließ eine dünne Spur auf ihrer bleichen Wange.
„Das kann nicht wahr sein!“
Er blieb einen Augenblick unschlüssig stehen, als wüsste er nicht so recht, was er tun sollte, dann trat näher und hob die Hände, um sie in seine Arme ziehen.
„Hör mal Meg, selbst wenn ich wieder mit Maria zusammenlebe, muß das doch nicht das Ende für uns beide bedeuten!“
Sie wich zurück und starrte ihn entsetzt an.
„Was sagst Du da?“
War das noch der Ben, den sie so gut zu kennen glaubte und den sie mit jeder Faser ihres Herzens liebte und begehrte? Er besaß tatsächlich die Unverfrorenheit ihr vorzuschlagen, sie solle in Zukunft so etwas wie seine heimliche Geliebte sein?
„Na ja“ meinte er entschuldigend und zuckte mit den Schultern, „Maria wird akzeptieren, dass ich neben meiner Familie auch mit Dir zusammensein will!“
„Maria muß das akzeptieren...“ wiederholte Meg wie im Trance, dann hob sie den Kopf und sah ihn voll an. „Du wirst etwas akzeptieren müssen, Ben Evans: Du kannst nur eine von uns haben. Maria... oder mich. Und so wie es aussieht, hast Du Deine Entscheidung soeben getroffen! Also geh jetzt bitte...“
„Meg!“ Wieder trat er einen Schritt auf sie zu, doch diesmal wich sie nicht zurück.
„Geh zu Deiner Exfrau, Ben. Du hast in Wahrheit nie aufgehört, sie zu lieben. Geh zurück zu ihr... und zu Deinem ungeborenen Kind.“ Ihre Knie zitterten und ihre Stimme war nur noch ein Flüstern, aber sie sah ihm in die Augen. „Geh...“
„Meg, ich wollte doch nicht...“
„Raus!“ schrie sie plötzlich, lief zur Tür und riß diese weit auf. „Verschwinde!“
Er sah sie an, zuerst ungläubig, dann unsagbar enttäuscht. Er ließ die Schultern hängen und trottete langsam hinaus. Draußen drehte er sich noch einmal um.
„Meg, ich liebe Dich doch...“
„Nicht genug, Ben, sonst hättest Du Dich anders entschieden. Bitte geh jetzt, verschwinde einfach aus meinem Leben.“
Als die Tür ins Schloss fiel, schien es Meg, als wäre ihr Leben zu Ende.
Wie betäubt, so, als hätte ihr gerade jemand den Boden unter den Füßen weggezogen, wankte sie zum Bett und ließ sich einfach fallen.
Eine Stunde lang starrte sie mit tränenleeren Augen nur vor sich hin, dann stand sie auf und begann mechanisch wie ein aufgezogenes Spielzeug ihre Sachen zu packen...
Als Derek in seinen Wagen stieg, lächelte er höchst zufrieden. Alles war genauso gelaufen, wie er geplant hatte.
Arme kleine Meg, dachte er in einem Anflug von Mitleid, sie musste schrecklich enttäuscht von Ben sein! Aber ihr Schmerz würde vergehen, und dann war sie frei, frei für eine neue Liebe, frei für ihn...
Und Ben würde sehr bald für immer verschwunden sein, aus Megs Leben, aus der Firma und aus Sunset Beach. Alles war arrangiert. Derek brauchte nur zu warten. Er hatte Zeit...
Meg starrte aus dem Fenster aufs Meer hinaus. Die Sonne hatte den Zenit bereits überschritten, und ihr golden gleißendes Licht ließ das Wasser märchenhaft funkeln und glitzern. Es tat in den Augen weh, wenn man länger hinsah, aber Meg schien das nicht zu stören. Sie nahm überhaupt nicht wahr, was um sie herum geschah. In ihrem Kopf wirbelten die Gedanken wild durcheinander und es gelang ihr nicht, auch nur einen einzigen festzuhalten. Tränen hatte sie nicht, sie fühlte sich wie betäubt.
Weg... fort von hier, das war das einzige, was sie wollte, weg von diesem Ort, wo sie bis vor ein paar Stunden so glücklich gewesen war wie noch nie zuvor in ihrem Leben, und wo sie sich jetzt so unsagbar verraten fühlte von dem Mann, dem sie bedingungslos ihr ganzes Vertrauen und ihre Liebe geschenkt hatte.
Langsam drehte Meg sich vom Fenster weg, zog den Verlobungsring vom Finger, betrachtete ihn einen Augenblick lang und legte ihn dann behutsam in einen Umschlag auf die Kommode neben dem Bett. Sie sah sich in dem kleinen Zimmer um, das ihr in den letzten Wochen so vertraut geworden war. Ein Stück neue Heimat... Sie hätte es sowieso verlassen, aber das wäre ihr nicht schwer gefallen, denn dann hätte ihr gemeinsames Leben mit Ben erst richtig begonnen. Nun verließ sie es, weil alles zu Ende war. Plötzlich, unerwartet, unwiderruflich.
Sie strich sich mit der Hand über die Stirn. Die Tatsache, das Maria ein Kind von Ben erwartete, hätte sie vielleicht irgendwie verkraften können, aber nicht die Art und Weise, wie er es ihr gesagt und ihr seine Entscheidungen mitgeteilt hatte.
Ein bitterer Zug umspielte ihre Lippen, und ihre Augen brannten.
Es war vorbei...
Sie hatte die wichtigsten Dinge in ihrer großen Reisetasche verstaut und sich ein Taxi bestellt. Den Rest konnte Casey ihr nachschicken, wenn sie eine neue Bleibe gefunden hatte. Sie würde heute noch abreisen, weg von hier, weg von Ben...
Wohin, das wusste sie selbst noch nicht so genau. Erst einmal nach Los Angeles, sie würde den Flieger nehmen, der sie und Ben im Auftrag von George Carter nachher abholen sollte. Das ging schnell und unkompliziert. Ihren Mitbewohnern und ihrer Schwester konnte sie eine Nachricht hinterlassen, denn sich zu verabschieden, dazu fehlte ihr momentan einfach die Kraft.
Später, irgendwann, wenn sie etwas Ruhe gefunden hatte, würde sie ihnen alles erklären, und sie würden verstehen... alle, auch Sara.
Das Klopfen an der Tür ließ sie zusammenfahren.
War das Ben? War er zurückgekommen, um ihr zu sagen, das alles nur ein Missverständnis gewesen war?
Zitternd starrte sie auf die Tür, unfähig sich zu rühren...
Gegen 14 Uhr betraten Annie und Cynthia das Gebäude der Liberty Corporation und fuhren mit dem Lift nach oben bis zum Vorzimmer der Chefetage.
„Richten Sie Mr. Richards und Mr. Evans aus, dass ich sie beide in meinem Büro erwarte.“ erklärte Annie von oben herab und marschierte grußlos mit Cynthia im Schlepptau an der erstaunten Elisabeth vorbei in jenen kleinen Raum, den ihr Gregory damals hoheitsvoll als ihr eigenes Büro überlassen hatte. Sie benutzte die „Abstellkammer“, wie sie ihr Büro geringschätzig zu nennen pflegte, so gut wie gar nicht. Trotzdem war das Zimmer auf ihre Veranlassung hin großzügig und modern ausgestattet worden.
„Sehen Sie sich in aller Ruhe um, Cynthia“ lächelte Annie, „Es gehört ab sofort alles Ihnen!“
Cynthia trat zum Fenster und warf einen Blick hinaus. Von hier aus sah man hinunter auf den großen Firmenparkplatz. Dahinter spiegelte sich in gleißenden Farben das Meer.
Sie wandte sich ab und betrachtete als nächstes fachmännisch den Computer, der auf dem Schreibtisch stand.
„Haben Sie Zugang zu allen Geschäftsunterlagen, Annie?“
„Keine Ahnung, hab mich nie darum gekümmert.“ erwiderte diese und ging zum Barschrank hinüber. „Was möchten Sie zur Feier des Tages trinken? Cognac, Burbon oder lieber Champagner?“
„Weder, noch.“ erwiderte Cynthia und schaltete den PC ein. „Ein Glas Wasser würde mir reichen.“
„Wie Sie wollen.“ Annie goß drei Cognac ein und füllte ein Glas mit Mineralwasser.
„Wenn Gregory mitbekommt, was hier läuft, dann braucht er mindestens einen Doppelten!“ prophezeite sie grinsend und drückte auf die Wechselsprechanlage. „Elisabeth!“
„Ja, Miss Douglas?“
“Ich wollte die Herren sofort sprechen, nicht irgendwann in einer Woche! Hatten Sie das gerafft?“
Sie hörte, wie die Chefsekretärin geräuschvoll die Luft einsog.
„Tut mir leid, Miss Douglas, ich kann nur arbeiten, nicht zaubern.“ erwiderte sie gereizt. „Mr. Evans telefoniert und Mr. Richards ist soeben erst von einem Termin eingetroffen. Sie werden sich also einen Moment gedulden müssen!“
„Alte Schlange!“ zischte Annie, als sie die Verbindung beendet hatte und wandte sich wieder an Cynthia. „Die steckt mit Gregory voll unter einer Decke! Sie sollten als erstes dafür sorgen, dass die gefeuert wird!“
Cynthia hörte gar nicht richtig hin, sondern tippte bereits eifrig in die Tastatur.
„Wie lautet Ihr Passwort, Annie?“ fragte sie, den Blick konzentriert auf den Monitor gerichtet.
„Mein... was?“ Annie verdrehte die Augen. „Nie davon gehört. Ich stehe mit den Dingern auf Kriegsfuß.“
„Das merkt man.“ murmelte Cynthia und nickte dann. „Okay, ich werde das sowieso alles konfigurieren und neu sortieren.“
„Konservieren Sie, was Sie wollen, es gehört ja jetzt alles Ihnen!“ brummte Annie und sah ungeduldig auf die Uhr.
Genau in diesem Augenblick öffnete sich die Tür.
Cynthia sah interessiert hoch und machte große Augen. Im ersten Moment glaubte sie, Derek käme herein, aber dann fiel ihr ein, dass es sein Zwillingsbruder war, mit dem sie es hier in der Firma zu tun haben würde. Alle Achtung, die Ähnlichkeit zwischen den beiden war absolut verblüffend.
Ihm folgte ein etwas älterer, aber ebenfalls recht gutaussehender Mann in tadellosem dunklen Anzug. Gregory Richards, erinnerte sich Cynthia, Derek hatte ihr ein Foto von ihm gezeigt.
„Was gibt’s denn so Wichtiges, Annie?“ fragte Ben, während Gregory strenger Blick den Raum durchforschte und an Cynthia hängenblieb.
„Darf ich fragen, was Sie an diesem Computer zu schaffen haben?“ fragte er ungehalten und beäugte sie misstrauisch.
„Halt die Luft an, Gregory“ erwiderte Annie und nahm hinter ihrem Schreibtisch Platz. „Setz Dich lieber hin und hör zu, was ich Euch zu sagen habe. Ach ja...“ Sie deutete hoheitsvoll auf die gefüllten Gläser, „nehmt Euch einen Drink, Ihr werdet ihn brauchen.“ Sie selbst hob ihrerseits das Glas und lächelte zufrieden. „Da ist etwas, auf das wir gemeinsam anstoßen sollten.“ Sie wandte sich an Cynthia. „Es gibt drei Teilhaber in dieser Firma, die sich die Macht und die Führungstätigkeit gleichberechtigt teilen. Mr. Ben Evans“ sie wies auf Ben, der interessiert dem Geschehen folgte, „Er ist äußerst loyal und vertrauenswürdig, er kann ein knallharter Geschäftsmann sein, aber auch ein guter Freund.“ Sie grinste. „Und Mr. Gregory Richards, ein etwas egozentrischer, aber dennoch brillanter Rechtsverdreher, der jeden skrupellos vernichtet, der sich ihm in den Weg zu stellen versucht.“
Gregory, dem das Ganze nicht geheuer war, maß Annie mit einem vernichtenden Blick.
„Komm endlich zur Sache, meine Zeit ist äußerst knapp und für Deine Eskapaden viel zu kostbar!“
„Okay... machen wir`s also kurz und schmerzlos“ Annie hob ihr Glas. „Ben, Gregory... Darf ich Euch beiden Cynthia Rodriges vorstellen? Sie ist ab sofort Eure neue gleichberechtigte Teilhaberin in der Liberty Corporation!“
„Meg, bist Du da?“
Das war Caseys Stimme.
„Komm rein.“ sagte sie unter Aufbietung ihrer ganzen Willenskraft und kämpfte innerlich mit ihrer Enttäuschung.
Casey riss mit dem ihm eigenen Elan schwungvoll die Tür auf und betrat mit einem strahlenden Lächeln den Raum.
„Hey, schön dass Du da bist, ich wollte Dich fragen...“ Er sah Megs versteinertes blasses Gesicht und brach erschrocken ab. „Meg... Geht’s Dir nicht gut?“ Beunruhigt blieb er an der Tür stehen. Dann fiel sein Blick auf die Reisetasche.
Geistesgegenwärtig schloss er die Tür hinter sich und ging zu Meg hinüber.
„Was ist passiert?“ fragte er, umfasste ihre Schultern und sah in ihre Augen. „Meg, was ist los?“
Sie blickte ausdruckslos an ihm vorbei ins Leere.
„Ich verlasse das Surf Center.“ sagte sie leise.
Caseys beschlich ein unheilvolles Gefühl. Sein Magen krampfte sich zusammen und sein Herz klopfte ihm plötzlich bis zum Hals.
„Natürlich verläßt Du das Surf Center“ meinte er beschwichtigend und versuchte trotz allem noch ein wenig fröhlich zu klingen., „Ich weiß doch, dass Du zu Ben ziehst. Aber so schnell?“
„Ich ziehe nicht zu Ben.“ erwiderte Meg und sah ihm in die Augen. „Ich gehe weg von Sunset Beach. Das Taxi muß jeden Moment da sein.“
„Was sagst Du da?“ Casey glaubte sich verhört zu haben.
Meg nickte unmerklich.
„Die Ferien sind zu Ende und der Traum ist ausgeträumt. Es ist vorbei, Casey...“ sagte sie bitter und wollte sich abwenden, doch er hielt sie fest.
„Rede mit mir, Meg! Was ist los?“
Sie schluckte.
„Ben hat andere Pläne für sein künftiges Leben. Für mich ist darin kein Platz.“
„Was zum Teufel erzählst Du denn da für einen Unsinn?“ rief Casey ungläubig. „Ben liebt Dich mehr als alles andere auf der Welt, gestern haben wir Eure Verlobung gefeiert und Ihr habt vor zu heiraten...“
„Er möchte mit Maria zusammensein.“ Meg löste sich aus Caseys Armen und ging hinüber zum Fenster. „Ich habe es schon immer geahnt, dass die beiden mehr verbindet, als er zugeben wollte. Jetzt habe ich die Bestätigung. Maria bekommt ein Kind von Ben, und er wird sie nicht im Stich lassen.“
„Was?“ Fassungslos starrte Casey Meg an. „Das glaube ich einfach nicht...“
„Glaub es.“ erwiderte sie kurz. „Er war vorhin hier und hat es mir selbst gesagt. Und das Schlimmste an der Sache ist, es schien ihm nicht einmal allzu viel auszumachen. Er hat mir sogar vorgeschlagen...“ Sie unterbrach sich und fuhr sich nervös mit den Fingern durchs Haar. „Lassen wir das. Das tut nichts zur Sache.“
Casey trat wieder zu ihr und drehte sie zu sich um, so dass sie gezwungen war, ihn anzuschauen.
„Was, Meg? Was hat er Dir vorgeschlagen?“
Er sah, wie sie mit sich kämpfte. Dann war es plötzlich um ihre lang bewahrte Fassung geschehen.
„Er meinte, ich könne mich doch weiter heimlich mit ihm treffen, während er mit Maria zusammenlebt.“ meinte sie aufschluchzend und barg den Kopf an Caseys Schulter. Jetzt kamen die Tränen, die sie so lange zurückgehalten hatte.
Casey strich ihr übers Haar. Was er eben gehört hatte, konnte er nicht glauben. Er kannte Ben Evans schon so lange, und das hier..., nein, das passte überhaupt nicht zu seinem Freund. In keiner Weise. Und doch, Meg konnte sich doch nicht verhört haben!
Mit sanftem Druck zwang er sie, sich aufs Bett zu setzen, dann hielt er sie nur noch stumm in den Armen, während sie weinte. Es tat ihm unsagbar weh, sie so leiden zu sehen, und er schwor sich in Gedanken, der Sache auf den Grund zu gehen und Ben zur Rede zu stellen, sobald sich die Gelegenheit ergab.
So, als hätte sie seine Gedanken erraten, hob Meg plötzlich ihr tränennasses Gesicht und blickte ihn an.
„Versprich mir bitte, dass Du nichts unternimmst, Casey!“
„Ich werde auf jeden Fall mit Ben reden!“
„Nein! Das wirst Du nicht. Es ist alles gesagt. Du wirst Dich da nicht einmischen. Und vor allem wirst Du ihm nicht sagen, wohin ich gehe.“
„Und wohin gehst Du?“
„Ich bleibe vorübergehend in LA, und sobald ich dort eine Bleibe gefunden habe, rufe ich Dich an und gebe Dir meine Adresse. Dann kannst Du mir bitte meine Sachen nachschicken. Aber ich möchte nicht, dass Ben jemals erfährt, wo ich mich aufhalte. Ich will diesen Teil meines Lebens hinter mir lassen.“ Sie sah ihn mit ihren großen blauen Augen eindringlich an. „Bitte Casey, versprich mir, dass Du Dich nicht einmischst!“
Casey kämpfte mit sich.
Oh, er würde sich Ben gar zu gerne vornehmen, um zu erfahren, warum er Meg so unsagbar wehtat. Aber gleichzeitig spürte er, wie ernst es ihr mit ihrer Bitte war, wenn er ihr das Versprechen nicht gab, würde sie vielleicht für immer verschwinden, ohne dass er jemals erfuhr, wohin.
„Okay“ nickte er schließlich, ich verspreche es. Ich werde mich nicht einmischen.“
„Danke Casey.“ sagte sie erleichtert. „Du bist ein echter Freund. Es tut mir leid, Euch alle einfach zu verlassen, aber wenn ich es nicht tue, werde ich hier keine Ruhe finden. Ich liebe Ben von ganzem Herzen, und momentan weiß ich nicht, wie ich damit umgehen soll, dass er nicht mehr zu meinem Leben gehört. Deshalb muß ich weg.“
Sie atmete tief durch und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Ich würde gern noch einen Augenblick allein sein, bevor ich gehe. Bitte grüß Sara von mir. Überlass ihr mein Zimmer und sag ihr, sie soll sich keine Sorgen machen, ich werde mich ganz bestimmt bei ihr melden. „Und den hier...“ sie reichte Casey einen Umschlag, „den gib bitte Ben, wenn Du ihn siehst.“
„Ein Abschiedsbrief?“
„Nein. Der Verlobungsring.“
Schweren Herzens nahm Casey den Umschlag und erhob sich. Meg folgte ihm zur Tür. Dort drehte er sich noch einmal um und nahm sie in die Arme.
„Du wirst uns so unsagbar fehlen, Meg.“ sagte er mit belegter Stimme und küsste sie auf die Wange.
„Ihr mir auch. Alle... Es war schön bei Euch, die schönste Zeit meines Lebens.“
Schnell schloss sie die Tür und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Mit zitternden Knien stand sie da und fühlte plötzlich eine Leere in sich, die sie zu überwältigen drohte.
Nervös lief Maria in ihrem Wohnzimmer auf und ab.
Warum meldete sich Ben nicht endlich? Dabei hatte sie ihn schon mehrmals angerufen! Sie mußte ihn unbedingt sprechen, bevor am Ende noch alles aus der Bahn lief...
Nachdem ihn ihre Mutter ohne ihr Wissen aufgesucht und ihm die Neuigkeit brühwarm erzählt hatte, hätte er normalerweise irgendwie reagieren müssen! Aber das er gar nichts zu der Tatsache zu sagen hatte, dass er Vater werden würde... das verunsicherte sie nun doch ziemlich. Ihre Mutter hatte schließlich durch ihre Einmischung schon genug Schaden angerichtet. Außerdem war sich Maria nicht sicher, wem Carmen bereits alles erzählt hatte, dass ihre Tochter ein Kind von Ben Evans erwartete...
Grübelnd biss sie sich auf die Lippen und ihr Blick wanderte zur Uhr. Um diese Zeit war Ben garantiert noch im Büro.
Kurz entschlossen griff sie nach ihrer Tasche und verließ eilig die Wohnung.
Unten auf der Strasse erklang ein Hupen.
Das Taxi war da.
Meg nahm ihre Tasche, sah sich noch einmal in dem kleinen Zimmer um und zog dann die Tür hinter sich zu.
Casey trug ihr Gepäck zum Wagen.
„Bleib doch, Meg. Wir sind alle für Dich da.“ sagte er beschwörend, doch sie lächelte nur müde.
„Danke Casey, das weiß ich zu schätzen, aber das reicht mir einfach nicht. Der, auf den es wirklich ankommt, der will mich nicht mehr. Er hat sich für eine andere entschieden. Ich könnte es nicht ertragen, ihm jeden Tag zu begegnen. Noch nicht...“ Sie schluckte. „Mach`s gut, Casey. Ich melde mich. Grüß alle von mir.“
Sie stieg ein, doch bevor sie die Tür schloss, sah sie Casey noch einmal eindringlich an.
„Bitte denk an das Versprechen, das Du mir gegeben hast. Ich verlasse mich auf Dich.“
Casey stand an der Strasse und sah mit brennenden Augen dem Taxi nach, bis es hinter der Biegung verschwunden war.
„Ohne Dich wird es hier nie mehr so sein, wie es war.“ flüsterte er mit erstickter Stimme, und seine Füße waren schwer wie Blei, als er sich umdrehte und langsam zurück ins Haus ging.