Das Leben geht weiter
„Oh, dann ist dieser Glückspilz hier obendrein noch ein Namensvetter von mir!“ bemerkte George Carter erstaunt, während er John wohlwollend auf die Schulter klopfte. „Na, wenn das kein Zufall ist!“
John lächelte etwas verlegen. Genauso wie Meg fühlte er sich äußerst unwohl dabei, diesen ausgesprochen netten älteren Herrn belügen zu müssen, selbst wenn es sich hierbei um eine so genannte Notlüge handelte.
„Bitte nennen Sie mich einfach beim Vornamen“ sagte er schnell. „Auf diese Art kommen wir uns mit unserem gemeinsamen Nachnamen nicht ins Gehege.“
George lachte.
„Einverstanden John. Ich bin George. Herzlich willkommen!“ Er wandte sich zu Roger um. „Danke alter Junge, dass Du meine Gäste hergebracht hast. Auch wenn Du glaubst, jede Aufregung könnte meine letzte sein!“
Er schnaufte, und Meg fiel wieder seine Kurzatmigkeit auf.
„Ich glaube, Mister Miles sorgt sich einfach um Sie, George, und er meint es nicht böse, wenn er versucht, allen Stress von Ihnen fernzuhalten.“
Roger nickte lächelnd.
„Genau das versuche ich ihm auch immer beizubringen, aber er ist so stur wie ein Muli und hat eine diebische Freude daran, meine gut gemeinten Ratschläge allesamt zu ignorieren.“
Lachend klopfte ihm George auf die Schulter.
„Roger ist eine Seele von Mensch. Mein bester Freund seit über 20 Jahren. Ohne ihn wäre ich ein Wrack und wahrscheinlich längst bankrott. Aber ab und zu übertreibt er es mit seiner Fürsorge ein bisschen. Deshalb will ich heute nichts von meiner Krankheit hören!“ Er zwinkerte Meg und John verschmitzt zu. „Aber jetzt kommt erst einmal alle ins Haus, meine Haushälterin ist schon ganz aufgeregt, dass endlich mal wieder etwas los ist bei uns. Sie hat bereits den Tisch gedeckt und der Köchin ständig auf die Finger geschaut!“
Erwartungsvoll betraten sie das Haus. Wenn die Villa schon von außen an einen Palast erinnerte, wie würde sie dann erst von innen aussehen?
Um keinen Verdacht zu erregen, hatte John Carter Megs Hand genommen, und während sie in die mit antiken Möbeln bestückte große Diele traten, wechselten sie einen kurzen, aber bedeutungsvollen Blick in stillem Einvernehmen, denn beide fühlten sich in ihrer soeben erfundenen „Beziehung“ äußerst unwohl.
Meg wünschte sich von Herzen, sie hätte die Einladung in letzter Minute noch abgesagt, anstatt hier mit einem falschen Verlobten anzutreten, während der Schmerz um ihre echte Liebe sie fast umbrachte. Aber nun war es zu spät für einen Rückzieher. Sie würde dank Johns Hilfe diesen Abend durchstehen und danach ein neues Leben beginnen. Ein bislang unvorstellbares Leben, allein, ohne Ben...
Er hatte alles versucht...
Unzählige Male hatte er die Nummer ihres Handys gewählt. Es blieb ausgeschalten.
Er hatte alle Flughäfen in der Umgebung angerufen. Eine Meg Cummings stand auf keiner Passagierliste.
Er war sogar noch einmal zum Surf Center zurückgegangen. Zum Glück traf er Casey nicht an, aber Mark hatte sich nicht weniger abweisend verhalten, und als es ihm endlich gelungen war, bis zu Sara vorzudringen, war das auch nicht sehr hilfreich gewesen. Megs Schwester kochte vor Wut, und ihre Worte waren eher eine kalte Dusche als eine Hilfe gewesen.
Ben fühlte sich momentan so hilflos wie selten zuvor. Es war fast, als wäre alles Schöne in seinem Leben einfach mit Meg verschwunden.
Nach einem unvergleichlichen Dinner, bei dem sich Meg und John vorgekommen waren wie auf einem Präsidentenempfang, saßen sie mit George und Roger noch eine Weile auf der herrlich angelegten Terrasse zwischen Jasmin und Oleander bei einem Glas Wein zusammen. Von hier aus bot sich den Besuchern ein atemberaubendes Panorama auf die Santa Monica Mountains.
„Ihre Frau muß dieses Haus sehr geliebt haben.“ meinte Meg beeindruckt und spürte, wie das eine Glas Wein, das sie getrunken hatte, eine äußerst beruhigende Wirkung auf ihre überreizten Sinne ausübte.
„Oh ja, meine Frau hat gern hier gesessen.“ erwiderte George mit einem etwas melancholischen Lächeln. „Besonders Morgens, wenn die Sonne aufging. Sie war eine notorische Frühaufsteherin. Sie liebte die Natur, und obwohl wir einen sehr guten Gärtner angestellt haben, arbeitete sie oft selbst draußen. Sie meinte, das täte ihr zur Abwechslung gut, wenn sie mal wieder den ganzen Tag geschäftlich unterwegs gewesen war.“
Meg musste plötzlich an Paradise Island denken und wie sie Evita dort bei der Gartenarbeit geholfen hatte. Paradise Island, die traumhafte Insel, wo Ben ihr an jenem romantischen Abend den Heiratsantrag gemacht hatte... War das wirklich alles erst so kurze Zeit her?
Wehmütig lehnte sie sich zurück und überließ sich ein paar Sekunden der Erinnerung daran. John schien ihre Traurigkeit zu spüren, denn er legte sanft seine Hand auf ihren Arm.
Auch George registrierte diese liebevolle Geste mit einem Lächeln.
„Ihr zwei seid ein schönes Paar.“ sagte er zufrieden. „Was machen Sie eigentlich beruflich, John?“
„Ich bin Arzt und arbeite in der Notaufnahme des California County in Down Town.“
„Oh“ wunderte sich George, „Ich hatte angenommen, Sie arbeiten in Sunset Beach!“
„Das war nur vorübergehend, weil dort Personalmangel herrschte.“ erklärte John. „Jetzt arbeite ich wieder hier.“
„Ein Arzt...“ George nickte Meg lächelnd zu. „“Dann sollten Sie recht bald mit ihrem Studium anfangen, Meg, damit sie Ihrem Verlobten in nichts nachstehen!“
„Ich weiß noch nicht“ erwiderte Meg etwas zögernd, „jetzt wo John wieder in LA arbeitet, hätte ich zwar die Möglichkeit, Ihr großzügiges Geschenk anzunehmen und mir meinen Traum zu erfüllen, aber ich denke, ich werde erst versuchen, mich eine gewisse Zeit wieder als Krankenschwester einzuarbeiten. Ich bin ein wenig aus der Übung...“ ergänzte sie schnell, als sie Johns erstaunten Blick auffing.
George nickte verständnisvoll.
„Benutzen Sie das Geld, wozu Sie möchten, Meg, es gehört Ihnen. Selbst wenn Sie irgendwann Ihre Berufung woanders sehen sollten.“ Er wandte sich wieder an John.
„Dann werden Sie beide wohl fortan auch in LA wohnen?“
„Ich habe eine kleine Mietwohnung im Stadtteil Venice.“ nickte John. „Sie reicht erst einmal für uns beide, bis wir etwas Größeres finden.“
„Ja ja“ George nickte versonnen, „Verliebte brauchen nicht viel Platz. Je enger zusammen, desto besser...“ Er überlegte kurz. „Allerdings, wenn ich es recht bedenke... Roger, was ist eigentlich mit dem kleinen Gartenhaus hinter dem Südflügel? Die Zwei könnten dort einziehen!“
John und Meg sahen einander fast erschrocken an.
„Nein!“ riefen beide zugleich, noch bevor Roger Miles irgendwie reagieren konnte.
John fasste sich als Erster.
„N...nein danke, George, das ist wirklich großzügig von Ihnen, und ich hoffe, Sie verstehen das nicht falsch, aber ich möchte doch lieber aus eigener Kraft für mich und Meg ein Zuhause schaffen. So bin ich nun mal erzogen worden, und dazu stehe ich auch.“
George nickte anerkennend.
„Dieser Charakterzug ehrt Sie wirklich sehr. Ihre Eltern müssen sehr stolz auf Sie sein.“
„Meine Mutter“ verbesserte John, „Ja, ich war ihr ganzer Stolz, und ich habe mir geschworen, sie auch nach ihrem Tod nie zu enttäuschen.“
„Ihre Mutter ist tot?“
Er nickte mit zusammengepressten Lippen.
„Sie starb vor zwei Jahren an Krebs, und obwohl ich damals bereits meinen Doktortitel hatte, konnte ich nichts für sie tun.“
„Das ist in der Tat hart...“ meinte George nachdenklich und blickte John und Meg dann lächelnd an. „Also, wie gesagt, mein Vorschlag mit dem Gartenhäuschen steht. Nur für den Fall, dass Sie es sich doch noch anders überlegen. Ich würde mich freuen! Sie sind mir beide jederzeit willkommen.“
John stellte sein Glas ab und blickte Meg vielsagend an.
„Es wird Zeit, Liebling. Wir sollten langsam aufbrechen.“
Sie reagierte sofort.
„Ja, Du hast Recht.“ Während sie sich rasch erhob, reichte sie George lächelnd die Hand.
„Danke für die nette Einladung. Es war sehr schön, Sie einmal wieder zu sehen!“
George nickte.
„Ja, das ist wahr. Ich habe mich ebenfalls gefreut, dass Sie heute Zeit für mich alten Mann gefunden haben, Meg, und noch dazu in so netter Begleitung! Es beruhigt mich zu wissen, dass Sie in guten Händen sind.“
Meg schluckte und griff Hilfe suchend nach Johns Hand, während Roger und George die jungen Leute hinausbegleiteten.
„Die Limousine wird Sie nach Hause fahren.“ George umarmte Meg und reichte John zum Abschied die Hand. „Ich wünsche Ihnen beiden alles Gute und ich hoffe, wir sehen uns recht bald wieder, jetzt, wo Sie hier in LA leben! Wie gesagt, Sie sind mir jederzeit willkommen! Ein Anruf genügt und ich schicke Ihnen meinen Fahrer!“
Von irgend einem Geräusch schreckte Ricardo hoch. Einen Augenblick lang wusste er nicht, wo er sich befand, doch dann sah er Gabis blasses Gesicht vor sich in den Kissen, umrahmt von einer Flut schwarz glänzenden Haares, und er ergriff wieder die schmale Hand, die reglos auf der Bettdecke lag.
Die Tür öffnete sich fast lautlos und eine der Schwestern huschte ins Zimmer. Ricardo warf ihr einen verzweifelten Blick zu.
„Warum wacht sie denn nicht endlich auf?“ fragte er verunsichert.
Die Schwester lächelte beruhigend.
„Sie müssen Geduld haben, Mr. Torres. Dr. Robinson hat ihr ein starkes Beruhigungsmittel gespritzt. Er meint, sie braucht diese Zeit, denn während sie schläft, erholt sich ihr Körper. Sie war eine Weile fast ohne Sauerstoff, bevor man sie fand.“
Nachdem sie Gabis Vitalwerte überprüft und ordnungsgemäß in der Krankenakte vermerkt hatte, trat die Schwester ans Bett und legte Ricardo kurz ihre Hand auf die Schulter.
„Es sieht bisher alles gut aus. Sie ist jung und stark, ihre Werte sind normal, sie wird es schaffen. Und Sie sollten vielleicht nach Hause gehen und sich auch etwas Schlaf gönnen.“
„Nein“ wehrte Ricardo entschieden ab. „Ich bleibe hier. Sie hat dort unten mit Sicherheit Todesängste ausgestanden, und ich will da sein, wenn sie erwacht.“
Auf der Fahrt zurück nach Venice schwiegen sie beide. John blickte mehrmals verstohlen zu Meg hinüber und sah, wie sie vergeblich versuchte, die Tränen zu verbergen, die ihr immer wieder über die Wangen liefen. Schließlich griff er nach ihrer Hand.
„Nicht weinen, Meg.“ sagte er leise. „Wie ich schon sagte, der Schmerz vergeht, irgendwann. Morgen frage ich bei uns in der Klinik nach, ob sie noch Schwestern brauchen. Vielleicht kannst Du dort anfangen.“
Sie nickte dankbar.
Er überlegte einen Augenblick, dann schmunzelte er.
„Und Du wirst sehen, meine Besuchercouch ist für den Anfang gar nicht so übel! Du wirst Dich wie zu Hause fühlen!“
`Zu Hause` dachte Meg voller Wehmut, `Wo ist das?`
Sie fuhren ein Stück an der Küste entlang und John fiel auf, dass Meg sehnsüchtig über die Strandpromenade hinaus zum Horizont blickte, wo die Sonne gerade wie ein glutroter Feuerball im Meer versank.
Kurz entschlossen bat er den Fahrer anzuhalten.
„Bis zu meiner Wohnung ist es nicht mehr weit, wir werden den Rest des Weges zu Fuß gehen.“ erklärte er und half Meg aus dem Wagen.
„Was tust Du denn da?“ fragte sie verwirrt, doch er lächelte nur.
„Komm schon, die frische Luft wird Dir gut tun.“
Schweigend gingen sie die Promenade entlang. Irgendwann blieb Meg stehen und sah John Carter unschlüssig an.
„Du hast heute so viel für mich getan.“ sagte sie leise. „Dafür möchte ich Dir danken.“
Erstaunt hob er die Augenbrauen.
„Was habe ich denn schon Großartiges getan?“
„Ohne Deine Hilfe hätte ich diesen furchtbaren Tag nicht überstanden. Du bist hier, an meiner Seite, Du hast mir zugehört, hast dieses dumme Spiel mitgespielt und ich darf auf Deiner Couch übernachten. Und das alles, obwohl wir uns kaum kennen. Das ist mehr als genug, John.“
Er lächelte und die untergehende Sonne spiegelte sich in seinen Augen.
„Wenn ich Dich ansehe, habe ich das Gefühl, wir kennen uns schon ewig.“ sagte er leise, strich ihr mit den Fingerspitzen sacht übers Haar und atmete dann tief durch. „Und deshalb weiß ich, dass Du jetzt bestimmt gern einen Augenblick lang allein wärst.“ Er deutete auf eine leere Parkbank ein paar Meter entfernt. „Lass Dir Zeit, Meg, ich warte dort drüben auf Dich.“
Sie nickte ihm dankbar zu, wandte sich um und trat dicht an das Geländer, das Dünen und Meer von der Promenade trennten.
Mit sehnsuchtsvollen Augen blickte sie hinaus auf das Farbenspiel der untergehenden Sonne. Zugegeben, dieses Naturschauspiel war einmalig schön, auch hier in LA. Aber es war nicht mehr das selbe wie vorher. Etwas Entscheidendes fehlte... Ben.
Zur gleichen Zeit stand Ben vor seinem Haus unten am Strand und starrte genau wie Meg hinaus in den Sonnenuntergang. Aber er nahm ihn gar nicht wahr. Seine Gedanken waren bei ihr...
„Wo bist Du, Meg?“ fragte er sich zum tausendsten Mal an diesem Abend. „Warum bist Du einfach weggelaufen, ohne mir die Chance zu geben, wenigstens mit Dir zu reden!“
Irgendwie passte das nicht zu ihr. Die Meg, die er kannte, hätte ihn wenigstens zur Rede gestellt. Okay, sie war damals auch davongelaufen, als er ihr von seiner Nacht mit Maria erzählte, aber wäre Derek nicht gewesen... Derek! „Verdammt, diesmal kann ich meinem Bruder keine Schuld geben.“ dachte er bitter. „Diesmal hab ich das ganz alleine mir und meiner Dummheit zu verdanken!“
Er dachte an sein Gespräch mit Sara vorhin im Surf Center, und ihre wütenden Worte klangen ihm noch deutlich im Ohr:
„Du bist schuld daran, dass meine Schwester die Stadt verlassen hat, und dass keiner, nicht einmal ich, jetzt weiß, wo sie ist! Du verdammter Mistkerl, gestern verlobst Du Dich mit ihr und schwörst ihr ewige Treue, und heute lässt Du sie eiskalt fallen!“
„Ich hab sie doch nicht fallen lassen, Sara! Ich konnte noch nicht einmal...“ hatte er versucht, sich zu verteidigen, doch sie ließ ihn überhaupt nicht zu Wort kommen.
„Ich habe Dich für einen anständigen, vertrauenswürdigen Mann gehalten, ich fand Dich absolut toll und habe Meg glühend um Dich beneidet. Jemanden wie Dich kennen zu lernen war mein größter Wunsch! Jetzt bin ich froh, dass sich dieser Wunsch nicht erfüllt hat! Verschwinde bloß von hier, Ben, und lass uns in Ruhe.“
Sie wollte die Tür schon zuschlagen, als ihr noch etwas einfiel.
„Und wage bloß nicht, unsere Eltern in Kansas anzurufen! Sie ist nicht dort, und ich werde die größte Mühe haben, meiner Mum etwas vorzulügen, um sie nicht unnötig zu beunruhigen, bevor sich Meg nicht bei mir gemeldet hat!“
Nun stand er hier, starrte auf die glitzernden Wellen, fühlte sich schuldig und wußte nicht, wohin die Liebe seines Lebens verschwunden war. Ihre gemeinsamen Freunde schwiegen und wandten sich von ihm ab. Maria erwartete ein Kind und eine Antwort von ihm. Und sein Herz lag schwer wie Blei in seiner Brust...
Mechanisch zog Meg ihr Handy aus der Tasche und blickte auf die winzigen Tasten. Seitdem sie Sunset Beach verlassen hatte, war es ausgeschalten.
„Ruf ihn an, einmal noch“ sagte eine innere Stimme.
„Wozu? Es ist alles gesagt...“ entgegnete eine andere.
„Ist es nicht!“
„Doch. Er wird mir das selbe sagen, wie vor ein paar Stunden. Und es wird wieder furchtbar weh tun...“
„Riskier es!“
„Nein!“
Entschlossen steckte sie das Handy wieder ein.
„Ich liebe Dich, Ben. Trotz alledem. Ich weiß nicht, ob das jemals vergehen wird. Im Augenblick weiß ich nur, dass es mich fast umbringt. Aber wir müssen nun unseren Weg gehen. Jeder den, den er gewählt hat.“ murmelte sie leise. Ihre Hände umkrampften das Geländer, während sie zusah, wie das letzte Stück des Sonnenfeuerballs im Meer versank. „Morgen beginnt ein neuer Tag... leb wohl, Ben Evans!“
Zum hundertsten Mal zog Ben sein Handy aus der Hosentasche und blickte auf das leuchtende Display. Keine Nachricht... Seine Finger wählten wieder und wieder ihre Nummer, vergeblich. Ihr Handy war aus. Eine unpersönliche Computerstimme teilte ihm mit, dass auch die Mailbox nicht aktiviert sei. Er kannte die Worte bereits auswendig...
In einem ohnmächtigen Anfall von Wut schleuderte er das Handy vor sich in den Sand.
Der Schmerz in seiner Brust nahm ihm fast den Atem.
„Komm zurück Meg...“
Das Klingeln des Telefons riß Olivia aus dem Schlaf. Erschrocken fuhr sie hoch.
Neben ihr lag Gregory.
Ein Lächeln zog über ihr Gesicht. Sie konnte sich kaum daran erinnern, wann sie das letzte Mal neben ihm aufgewacht war...
Knurrend drehte er sich und griff nach dem Hörer auf dem Nachttisch.
„Was ist?“
„Ein dringendes Gespräch für Sie, Mr. Richards.“ ließ sich die Stimme des Sicherheitsdienstes vernehmen. „Soll ich durchstellen?“
„Ja, verdammt... Hallo? Wer auch immer das ist, ich hoffe, Sie haben einen guten Grund, mich um diese Zeit zu stören!“
„Den haben wir allerdings, Mr. Richards.“ erklang eine sonore Stimme aus dem Hörer. „Wir hatten eine Abmachung getroffen, erinnern Sie sich? Unser Teil dieser Abmachung wurde pünktlich auf die Minute erfüllt. Nun fragen wir uns ernsthaft, wieso Sie das nicht auch tun! Wo bleibt unser Geld? Wir hatten doch einen klaren Deal, Mr. Richards! Sie sind überfällig, und das bereits seit mehr als 24 Stunden.“
Gregory biss sich nervös auf die Lippen.
„Ja... ja“ erwiderte er hastig mit einem vorsichtigen Seitenblick auf Olivia, die ihn neugierig musterte. „Es ist etwas dazwischengekommen. Ich werde mich gleich morgen früh darum kümmern.“
„Das hoffen wir doch sehr, Mr. Richards.“ ließ sich die Stimme mit deutlich drohendem Unterton vernehmen. „Ansonsten würden wir uns nämlich leider gezwungen sehen, uns das Geld persönlich bei Ihnen abzuholen.“
Ein kurzes Knacken, die Leitung war tot...