Kapitel 79

Wo ist Meg?

 

Bens Büro in der LC

Merkwürdigerweise war Ben am nächsten Morgen nicht wie erwartet mit einem Brummschädel aufgewacht. Während er zu Hause noch schnell seinen Kaffee getrunken hatte, dachte er über sein gestriges Gespräch mit Annie nach. Sie war zwar manchmal ein Biest und hatte ihm oftmals in ihrer Hartnäckigkeit ziemlich arg zugesetzt, aber diesmal entpuppte sie sich anscheinend als echte Freundin.

Und während er noch über ihre Worte nachdachte, war ihm plötzlich klar geworden, was er zu tun hatte...

 

Kaum in der LC angekommen, platzte er in Gregorys Büro.

„Gut dass Du da bist, Partner. Ich brauche Deine Hilfe.“

Gregory, der heute einen wichtigen Fall vor Gericht vertreten mußte und mitten in der Ausarbeitung seines Schlußplädoyers steckte, sah unwillig auf.

„Machs kurz, Ben, ich hab nicht viel Zeit.“

„Okay, ich mach es so kurz wie möglich. Ich brauche einen von Deinen Superschnüfflern.“

Gregory ließ den Stift sinken und sah mit gerunzelter Stirn hoch.

„Wie bitte?“

„Du hast mich schon verstanden. Ich brauche einen dieser Privatdetektive, die ihr Schmiergeld wirklich wert sind und ohne Skrupel an jeden Auftrag gehen. Und sag mir jetzt nicht, Du kennst so einen Typen nicht. Also was ist?“

„Was hast Du denn vor, Ben?“ fragte Gregory unsicher. „Wen willst Du finden?“

„Meg.“

„Ah ja...“ Gregory wirkte irgendwie erleichtert und lächelte sogar.

„Ich kenne da tatsächlich jemanden. Sam Logan. Ich werde ihn anrufen und ihn bei Dir vorbeischicken. Ist das okay?“

Ben nickte.

„Aber bitte so bald wie möglich. Am besten heute noch.“ Er sah seinen Partner mit eindringlichem Blick an. „Gregory... ich will den Besten, hast Du verstanden?“

„Er ist der Beste.“

 

 

SB Medical Center

Innerlich aufgewühlt von ihrem Verdacht, der sie seit ein paar Tagen unablässig beschäftigte, klopfte Rae Chang an die Tür ihres Kollegen Dr. Robinson.

„Tyus, kann ich Dich einen Augenblick sprechen?“

Er sah von dem Bericht hoch, den er gerade schrieb und nickte ihr freundlich zu.

„Natürlich Rae, worum geht es denn?“

„Um eine Patientin von mir. Ich habe den Verdacht, dass ihre Schwangerschaft viel weiter ist als sie zugeben will.“

Tyus blickte sie irritiert an.

„Kenne ich die Patientin?“

Rae nickte.

„Maria Torres Evans.“

Tyus Robinson legte seinen Stift weg und lehnte sich interessiert zurück.

„Ja stimmt, ich habe die Schwangerschaft vor ein paar Wochen festgestellt. Damals schien sie nicht sehr begeistert über die Tatsache, dass sie ein Baby erwartet.“

„Nun, das hat sich ja inzwischen geändert. Aber sie lügt eisern, was den Termin betrifft.“

„Warum sollte sie das tun?“

„Weil sie einen Vater für ihr Baby braucht.“

„Bist Du sicher?“

Rae nickte.

„Ja, inzwischen bin ich mir ziemlich sicher. Und es gefällt mir gar nicht, dass hier vielleicht jemand auf ziemlich fiese Art hereingelegt werden soll.“

Dr. Robinson stand auf und trat zum Fenster, während Rae ihrem Kollegen ausführlich von den Umständen ihrer Vermutung erzählte.

„Da kannst Du erst einmal gar nichts tun. Du bist an Deine Schweigepflicht gebunden.“ gab er schließlich zu bedenken. „Ist Maria noch bei Dir in Behandlung?“

„Ja, sie hat übermorgen einen Ultraschall- Termin.“

„Dann versuch doch mit ihr zu reden.“ schlug er vor. „Als Ihre Ärztin, versteht sich...“

„Sie wird nichts sagen, fürchte ich.“

„Ja dann...“ Tyus überlegte einen Augenblick und schüttelte dann den Kopf, „dann kann man nur abwarten, bis das Kind auf der Welt ist und hoffen, dass sich der angegebene Vater über das gut entwickelte „Frühchen“ wundert und vielleicht einen Test machen läßt.“

 

`Oh nein` dachte Rae, `das dauert viel zu lange, bis Ben und Meg vielleicht die Wahrheit erfahren würden!`

Es mußte noch einen anderen Weg geben...

 

 

Bens Büro in der LC

„Ben?“ klang Rondas Stimme aus der Sprechanlage, „Dr. Chang für Sie auf Leitung Eins!“

Erstaunt zog Ben die Stirn in Falten.

Rae rief ihn an? Nachdem ihn alle aus dem Surf Center in den vergangenen Wochen konsequent gemieden hatten?

„Danke Ronda, stellen Sie durch.“

Er nahm den Hörer ab und holte tief Luft.

„Rae, was kann ich für Dich tun?“ fragte er kühl.

„Hallo Ben. Tut mir leid, wenn ich Dich störe...“

„Du störst nicht.“ erwiderte er. „Obwohl es mich etwas verwundert, dass überhaupt noch jemand vom Surf Center mit mir spricht, nachdem Ihr mich behandelt habt, als hätte ich die Pest am Hals!“

„Tut mir leid, Ben, aber wir sollten uns unbedingt treffen.“

„Worum geht es denn? Hast Du Neuigkeiten von Meg?“ fragte er hoffnungsvoll.

„Nein, darum geht es nicht.“

„So? Und worum dann?“

„Ich... ich habe einige Patienten von Dr. Robinson übernommen, solange er auf Lehrgang ist. Und in Deiner Akte habe ich gelesen, dass ein Gesundheits- Check- up lange überfällig ist. Deshalb wollte ich fragen...“

„Ich fühle mich gesund, danke.“ Enttäuschung klang in seiner Stimme. Er hatte gehofft, Raes Anruf hatte andere Gründe.

„Hör zu, Ben, ich möchte, dass Du zu mir in die Klinik kommst.“ sagte Rae mit einem Nachdruck, der ihn aufhorchen ließ. „Wann passt es Dir?“

„Eigentlich gar nicht...“ brummte er, besann sich dann aber. „Okay, schlag einen Termin vor, ich werde da sein.“

„Fein.“ meinte Rae erleichtert. „Morgen früh, bevor Du ins Büro gehst.“

„Na gut, wenn Dir so viel daran liegt, werde ich da sein. Bis morgen.“

 

 

Sunset Inn

Sobald Derek wieder kalifornischen Boden unter den Füßen hatte, packte ihn sofort die Ungeduld. Er dachte fortwährend an Meg und überlegte fieberhaft, was er als nächstes tun sollte.

Cynthia hatte ihm ein paar Tage nach seiner Abreise nach Caracas telefonisch mitgeteilt, sie habe in Erfahrung gebracht, dass Meg  Ben unwiderruflich den Laufpass gegeben hätte, eine Tatsache, die Derek mit tiefer Genugtuung erfüllte.

Sein Plan schien also aufzugehen.

Sicher war es noch zu früh, sich ihr zu erkennen zu geben, aber er musste unbedingt wissen, wie es ihr ging.

Nachdem er seine Koffer ausgepackt hatte, rief er Cynthia an und bat sie für einen Augenblick in sein Zimmer zu kommen.

Als sie wenig später eintrat und blickte ihn erwartungsvoll anblickte, reichte er ihr einen Zettel mit der Telefonnummer vom Surf Center.

 

„Cynthia, bitte rufen Sie diese Nummer an. Fragen Sie nach, ob  Miss Cummings zu Hause ist.“

Leicht verärgert hob Cynthia die Augenbrauen.

„Warum sollte ich das tun?“

„Weil Sie meine persönliche Assistentin sind, Schätzchen.“ erwiderte er leicht gereizt. Dann zwang er sich zu einem Lächeln. Er durfte Cynthia nicht verärgern, für eine Weile musste er sie noch bei Laune halten. „Meine Stimme klingt wie die meines Bruders, und ich möchte nicht, dass ich dort mit ihm in Verbindung gebracht werde. Also... sagen Sie, Sie seien eine Freundin von Meg und fragen Sie nach, wie es ihr geht.“

„Und wenn sie selbst am Telefon ist?“

„Dann sagen Sie ihr, Sie machen eine Umfrage oder so. Ihnen fällt schon etwas ein!“

Cynthia presste verärgert die Lippen zusammen und wählte die angegebene Nummer.

„Hier ist Miss Myers von der Sunset Beach Zentralbank. Könnte ich bitte Miss Cummings sprechen?“ fragte sie höflich, als sich Mark Wolper, einer der Mitbewohner, meldete.

Derek grinste zufrieden, während Cynthia gespannt in den Hörer lauschte.

`Ein cleveres Mädchen...` dachte er belustigt. Ohne sie hätte er das hier nicht alles so spielend bewältigt.

„Und... wo erreiche ich sie?“ fragte Cynthia.

Derek horchte auf. Meg war nicht zu Hause?

 

„Wo ist sie?“ fragte er beunruhigt, als Cynthia das Gespräch beendet hatte.

„Sie ist weg.“ antwortete sie mit einer gewissen Genugtuung in der Stimme.

„Was heißt das... sie ist weg?“ fragte Derek gereizt.

„Sie hat Sunset Beach verlassen.“

„Wohin?“

Cynthia zuckte mit den Schultern.

„Ihre Mitbewohner wissen es nicht. Sie hat keine Anschrift hinterlassen. Sie kommt nicht zurück.“ Sie sah die Panik in Dereks Augen und plötzlich wurde ihr klar, wovor sie die ganze Zeit die Augen verschlossen hatte: Er liebte diese Frau! Oh ja, er hatte es immer getan, egal, was er ihr für Märchen über sie erzählt hatte!

„Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?“ fragte sie mit Eiseskälte in der Stimme.

Derek war zum Fenster getreten und starrte hinaus. Er schien sie gar nicht zu hören.

Sie drehte sich wortlos um und verließ das Zimmer.

 

Kaum war sie draußen, fuhr Derek herum.

„Verdammt... Meg!“ fauchte er mit wütend verzerrtem Gesicht. „So war das aber nicht gedacht!“ Er packte die Kristallvase, die auf dem kleinen Tisch stand und schleuderte sie mit aller Wucht gegen die Wand. Mit einem lauten Knall verbarst sie in tausend Stücke.

„Du wirst nicht einfach verschwinden, Meg, ich werde Dich schon finden!“

 

 

Büro der LC

Der Mann, der am späten Nachmittag die Büroräume der LC betrat, war um die Vierzig, mittelgroß und hager. Er trug einen teuer aussehenden dunklen Blazer, der im krassen Gegensatz zu seinen ausgebeulten, verwaschenen Jeans stand. Aus seinem kantigen Gesicht sprang eine wuchtige Hakennase hervor, die ihm zusammen mit den wieselflinken, durchdringend dreinblickenden Augen das Aussehen eines hungrigen Habichts einbrachten. Sein schwarzes Haar war zurückgekämmt und sah aus wie frisch geschnitten. Ein Duft von markantem After Shave blieb in der Luft kleben, als er zielstrebig zum Schreibtisch von Gregorys Sekretärin hinüberging.

„Mister Logan?“ fragte Elisabeth, die ihn zu kennen schien, erstaunt. „Sind Sie mit Mister Richards verabredet? Er ist nicht da, und er nichts davon gesagt, dass Sie heute vorbeikommen!“

Der mit Mister Logan Angesprochene blieb dicht vor dem Schreibtisch stehen.

„Ich habe auch keinen Termin mit Ihrem Boss, Schätzchen, ich will zu dem anderen... seinem Geschäftspartner.“

„Oh... zu Mister Evans!“ Elisabeth, der seine plumpe Vertraulichkeit sichtlich unangenehm war, nickte distanziert. „Der ist da. Erwartet er Sie?“

„In gewissem Sinne ja.“ erwiderte er und zwinkerte ihr zu. „Sagen Sie ihm einfach, der gewünschte Schnüffler sein da.“

Elisabeth hob missbilligend eine Augenbraue, drückte jedoch auf den Knopf der Wechselsprechanlage und gab das Gewünschte durch. Zu ihrer Verwunderung schien Ben nicht im Geringsten überrascht.

„Schicken Sie ihn bitte herein, Elisabeth.“

Logan grinste breit und warf ihr eine Kusshand zu, während er zielstrebig auf Bens Büro zusteuerte.

 

 

Bens Büro in der LC

Ben verspürte auf Anhieb eine Abneigung gegen den Mann, der sein Büro betrat. Die Art, wie er auftrat und sich blitzschnell umblickte, er erinnerte ihn an eine  Hyäne auf Beutezug. Schleichend, allgegenwärtig und immer bereit zum tödlichen Sprung. Mit solchen Leuten gab sich sein Partner also ab, wenn er diverse Aufträge zu vergeben hatte! Und den sollte er wirklich auf Megs Spur hetzen?

Aber der Kerl mußte gut sein, sonst hätte Gregory ihn nicht vorbeigeschickt. Und schließlich sollte er ja nur herausfinden, wo Meg sich derzeit aufhielt, weiter nichts.

Er stand auf, ging dem Mann ein paar Schritte entgegen und reichte ihm die Hand.

„Ich nehme an, Sie sind in Gregory Richards Auftrag hier, Mister...?“

„Sam Logan“ stellte dieser sich vor, während seine stechenden Augen sein Gegenüber gründlich musterten. „Ja, ganz recht, Mister Richards rief mich an und teilte mir mit, dass sein Geschäftspartner eventuell einen Auftrag für mich hätte.“

„Ich bin Ben Evans.“ erwiderte Ben mit einem verbindlichen Lächeln und wies auf die Besucherecke. „Bitte nehmen Sie Platz, Mister Logan. Es ist richtig, ich habe tatsächlich einen Auftrag für Sie.“

Logan setzte sich und schlug die Beine übereinander.

„Um was geht es bei dem Auftrag?“

„Ich möchte, dass Sie jemanden für mich ausfindig machen. Eine junge Frau. Sie lebte bis vor kurzem hier in Sunset Beach, aber vor ein paar Wochen ist sie spurlos verschwunden.“ erklärte Ben, nahm Megs Bild vom Schreibtisch und reichte es Sam Logan.

Der warf einen kurzen Blick darauf, grinste und pfiff anerkennend durch die Zähne.

„Hübscher Käfer. Ist sie Ihnen durchgebrannt?“ Er sah Bens finsteren Blick und sein Lächeln erstarb sofort. „Wie ist der Name der Dame?“

„Meg Cummings.“

Sam Logan nickte und zog ein kleines abgegriffenes Notizbuch aus seiner Jackettasche.

„Okay“ brummte er und begann zu schreiben, „ich brauche noch einige Auskünfte von Ihnen.“

Ben beantwortete ihm so geduldig wie möglich seine Fragen und atmete erleichtert auf, als Logan sein Buch zuklappte, denn er hatte das Gefühl, als werde Megs Privatsphäre beschmutzt, indem ein völlig Fremder sich über sie Notizen machte.

„Noch irgend etwas, was ich wissen müsste?“ fragte Logan und steckte Buch und Stift zurück in seine Tasche.

„Eins noch, Mister Logan“ Ben sah ihn ernst an, „Falls Sie Miss Cummings finden, und davon gehe ich aus, dann möchte ich keinesfalls, dass Sie in irgend einer Weise mit ihr in Verbindung treten. Sie soll Sie gar nicht bemerken. Sie rufen mich einfach nur an oder kommen bei mir vorbei und teilen mir Miss Cummings derzeitigen Aufenthaltsort mit, nicht mehr und nicht weniger! Haben wir uns verstanden?“

„Natürlich Sir.“ erwiderte Logan ungerührt und starrte wie gebannt auf den Umschlag, den Ben vor ihm auf den Tisch legte.

„Ein kleiner Vorschuss. Sollte erst einmal alle Spesen decken.“ erklärte Ben. „Den Rest bekommen Sie, wenn sie den Auftrag erfüllt haben.“

Logan griff nach dem Umschlag, warf einen Blick hinein und ließ ihn dann blitzschnell in seiner Jackentasche verschwinden.

„Sie hören in den nächsten Tagen von mir.“ sagte er sichtlich zufrieden, stand auf und ging zur Tür.

"Sie werden sehr zufrieden sein."

"Das wird sich zeigen." erwiderte Ben distanziert.

Ein breites Grinsen zog über Logans Gesicht.

„Bis bald, Mister Evans.“

 

Mit einem unguten Gefühl im Magen sah Ben ihm hinterher und fragte sich insgeheim, ob diese Entscheidung richtig gewesen war.

 

 

Sunset Inn

Derek saß in seinem Hotelzimmer und grübelte wie ein Besessener darüber nach, was er als nächstes tun sollte.

Verdammt, alles war so exakt nach seinen Plänen verlaufen und nun das! Wie konnte dieses kleine Biest es wagen, einfach aus der Stadt zu verschwinden, ohne jemandem zu sagen, wo sie zu finden war!

Schließlich ging er hinüber zu Cynthia und klopfte an ihre Tür.

„Wie läuft eigentlich die Beziehung zwischen meinem Bruder und seiner Exfrau?“ fragte er innerlich gespannt, während er so lässig wie möglich im Türrahmen lehnte, als sie ihm öffnete.

Erstaunt hob Cynthia die Augenbrauen.

„Das weiß ich nicht.“ sagte sie abweisend und dachte insgeheim an ihr Gespräch mit Bens Sekretärin. „Ben ist meistens den ganzen Tag über im Büro, und wo er seine Abende verbringt, davon habe ich keine Ahnung.“

„Haben Sie ihn irgendwann mit seiner Exfrau zusammen gesehen?“

„Seine Exfrau?“ fragte Cynthia gespielt unschuldig.

„Maria Torres Evans, die Frau, die ein Kind von ihm erwartet.“ erwiderte Derek ungeduldig.

„Nein.“ Cynthia wandte sich beleidigt ab und ging zurück ins Zimmer. „Ich arbeite zwar in Ihrem Auftrag in dieser Firma, aber ich wußte nicht, dass ich mich auch noch für das Privatleben Ihres Bruders zu interessieren habe!“

Derek verdrehte genervt die Augen und atmete tief durch. Nur die Ruhe, er mußte das ganze etwas anders anfangen...

Sacht schloss er die Tür und folgte ihr, bis er ganz dicht hinter ihr stand.

„Cynthia, Liebling!“ raunte er ihr leise ins Ohr, während er von hinten die Arme um ihre Taille schlang und sie zu sich heranzog. „Nun komm schon, sei nicht gleich sauer, Du weißt doch, das gehört alles zu meinem Plan. Je mehr ich über Ben weiß, desto besser!“

`Über Ben, oder vielmehr über... diese Meg Cummings?` dachte sie bitter, doch seine Lippen, die verführerisch über ihren Hals fuhren und begannen, sacht an ihrem Ohrläppchen zu knabbern, ließen keine weiteren Überlegungen zu. Seine Hände begannen sich langsam Stück für Stück aufwärts zu tasten und die Knöpfe ihrer Bluse zu öffnen. Jede seiner Bewegungen jagte ihr heiße Schauer über den Rücken und ließ ihre Sinne vibrieren. Sie lehnte sich an ihn und schloss die Augen.

`Was soll’s` dachte sie, bereits schon verloren in dieser sinnlichen Umarmung, `Genieße einfach den Augenblick, Cynthia. Vielleicht empfindet er ja doch mehr für Dich, als Du glaubst...`

Ein Mann, der so ausgesprochen zärtlich zu sein vermochte, konnte doch nicht lügen... oder doch?

 

„Stimmt es, dass Du Deinem Bruder die Frau ausgespannt hast?“ murmelte sie in einem letzten hilflosen Versuch der Gegenwehr zwischen Verzückung und Neugier.

Für einen kurzen Augenblick stutzte Derek, doch dann hatte er sich sofort wieder in der Gewalt.

„Er ist ein hinterhältiger Tyrann.“ flüsterte er, während seine Lippen ihren Mund suchten. „Sie wollte weg von ihm, und ich habe ihr dabei geholfen. Alles andere ist nur erfunden, glaub mir!“

„Und jetzt ist sie wieder bei ihm?“

„Das wollte ich ja von Dir wissen, meine Süße!“

„Mmh...“ schnurrte Cynthia und presste sich sehnsüchtig an seinen Körper, „Sie ruft ihn ab und zu an, aber er verhält sich sehr distanziert. Ich hab sie jedenfalls noch nicht zusammen gesehen, seitdem ich hier bin. Er ist immer allein...“

`Das ist nicht gut` dachte Derek grimmig, während er Cynthia mit Leichtigkeit hochhob und auf seinen Armen ins Schlafzimmer hinübertrug, `die beiden sollten sich doch inzwischen wieder etwas näher gekommen sein!`

Noch während er sich ungeduldig sein Hemd abstreifte, um sich dem schlanken, wohlgeformten Körper seiner persönlichen Assistentin zu widmen, beschloss er insgeheim, der Sache mit Ben und Maria auf jeden Fall etwas nachzuhelfen...