KAPITEL 96

Chaos der Gefühle

 

 

Centinela Hospial I.T.S.

 

Unzählige Gedankenfetzen, grellen unvorhersehbar aus dem Nichts auftauchenden Geistesblitzen gleich, schossen kreuz und quer durch Dereks von Schmerzen und Dunkelheit gepeinigtes Gehirn. Jeder Einzelne barg neue qualvolle Hoffnung, in ihm etwas von der verloren geglaubten Erinnerung zu finden, um sich nur Sekunden später wieder wie ein verlorener Leuchtstreifen in der endlosen Nacht zu verlieren. Es war, als hätte man aus einem Roman verschiedene Seiten wahllos herausgerissen und fände keine Möglichkeit, das ganze Buch wieder einheitlich zusammenzufügen.

Aufstöhnend presste Derek seine Fingerspitzen an die pochenden Schläfen.

Er hatte das beklemmende Gefühl, in einem luftleeren Raum zwischen Wachen und Träumen zu schweben, ständig verzweifelt auf der Suche nach Antworten auf die unzähligen Fragen, die in seinem Kopf herumschwirrten, und er wusste nicht einmal, ob und wie lange er zwischendurch geschlafen hatte.

Vor etwa einer halben Stunde war Dr. Pares noch einmal bei ihm gewesen und hatte ihm verschiedene Fragen gestellt. Unter anderem wollte er wissen, wie alt Derek sei. Als er ihm die Frage beantwortete, nickte der Arzt lächelnd und meinte, das passe genau zu seiner Theorie über Dereks Krankheit. Mehr wollte er zunächst nicht verraten, doch als er sich abschließend scheinbar beiläufig danach erkundigte, wer denn der Mann gewesen sei, der ihn besucht hatte, war Derek stutzig geworden. Er verlangte nun seinerseits Antworten auf seine Fragen und hatte sich fürchterlich aufgeregt, als Dr. Pares ihn auf später vertröstete und ihm empfahl, sich noch etwas auszuruhen. Er wollte endlich mehr erfahren.

Was war los mit ihm?

Dr. Pares hatte sich schließlich zu ihm ans Bett gesetzt und ihm in aller Ruhe erklärt, dass der Tumor, der ihm entfernt worden war, lange Zeit negativ auf sein Gehirn eingewirkt hatte. Von Bewusstseinsveränderungen war die Rede gewesen, von Veränderungen in seinem Wesen und seinem Charakter.

„Es ist von großer Wichtigkeit, dass wir gemeinsam herausfinden, wann diese Veränderungen begonnen haben“ hatte Pares ihm erklärt. „Deshalb stelle ich Ihnen all diese Fragen.“

Derek hatte keine Ahnung, von welchem Zeitraum die Rede war, als der Arzt von einer „langen Zeit“ sprach. Erst als Dr. Pares aufstand und ihm einen Spiegel brachte, begriff er allmählich. Der Mann, der ihm entgegenblickte, hatte das Gesicht eines erwachsenen Mannes, nicht das eines heranwachsenden Teenagers... Er war also älter... viel älter, als er geglaubt hatte.

Derek brauchte einen Augenblick um seine Gedanken zu ordnen, doch dann begriff er.

„Oh Gott... nein!“ stöhnte er auf. „Der Besucher vorhin – das war nicht mein Vater... das war Ben!“

 

 

Centinela Hospital

 

Als Meg nach der Arbeit die Klinik verließ, wartete Ben bereits am Eingang auf sie. Erschöpft aber glücklich ließ sie sich in seine Arme fallen und genoss den ersehnten Begrüßungskuss.

„Und... warst Du bei Derek?“ fragte sie gespannt, während sie Hand in Hand zum Parkplatz gingen. „Erzähl schon, wie verhält er sich?“

Ben zuckte mit den Schultern.

„Er scheint sich an nichts mehr von alldem zu erinnern, was in den letzten Jahren passiert ist. Zumindest vermutet zumindest Dr. Pares das. Er meinte, Derek würde glauben, er sei noch ein Teenager.“

Meg starrte Ben fassungslos an.

„Was sagst Du da?“

Er nickte bestätigend.

„Das würde allerdings auch Dereks recht eigenartige Reaktion mir gegenüber erklären.“

Meg zog die Augenbrauen zusammen.

„Was für eine Reaktion? Was hat er getan?“

„Er meinte, ich hätte seinetwegen nicht so eine weite Reise machen müssen. Er glaubt, er lebt noch in England, und er weiß nicht, wie und warum er nach Kalifornien gekommen ist.“

Meg atmete sichtlich auf.

„Okay... und war das alles?“

„Wir haben nicht viel geredet, er war noch sehr erschöpft. Aber als ich mich dann verabschieden wollte, hat er mich plötzlich gefragt, warum Ben nicht mitgekommen sei und ob er ihm noch böse wäre.“

„Was?“

Ben lächelte bitter.

„Du musst wissen, dass wir unserem Dad sehr ähnlich sehen. Zuerst habe ich nicht begriffen, was Dereks Frage bedeuten sollte, aber nach dem Gespräch mit Dr. Pares war es mir plötzlich klar: Derek glaubte, er habe unseren Vater vor sich.“

„Oh nein!“ Meg blieb stehen und legte mitfühlend ihre Hand auf Bens Arm. „Das ist schlimm, ich weiß, aber wie Dr. Pares bereits sagte, das kann sich alles noch ändern. Du musst nur Geduld haben.“ Sie wollte ihm Mut machen, dachte jedoch zugleich insgeheim mit Schaudern daran, wie Derek vor ein paar Stunden aufgewacht und sie mit ihrem Namen angesprochen hatte. Zum Glück war daran nur das Namensschild an ihrem Kittel schuld gewesen, wie sie kurz danach erleichtert festgestellt hatte.

„Falls Dich das tröstet, Ben, mich hat er auch nicht erkannt.“ sagte sie leise.

„Wann warst Du denn bei ihm?“

„Kurz bevor ich in der Firma angerufen habe. Ich stand an seinem Bett, als er aufwachte.“ erwiderte Meg und berichtete Ben von ihrem Krankenbesuch. Er hörte aufmerksam zu und legte dann seinen Arm wie beschützend um Megs Schultern.

„Es muss Dich unendlich viel Überwindung gekostet haben, zu ihm zu gehen.“ sagte er leise.

„Mach Dir keine Gedanken, ich bin nicht aus Watte.“ lächelte Meg.

Ben nickte.

„Das weiß ich doch.“

 

Sie waren bei seinem Wagen angekommen und blieben stehen.

„Und was wird nun?“ fragte Meg. „Ich meine, wie geht es mit Derek weiter?“

Ben hob resignieret die Schultern.

„Keine Ahnung. Ehrlich gesagt weiß ich nicht so recht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten soll. Vielleicht ist es besser, wenn er sich erst einmal ein paar Tage erholt und nur mit Dr. Pares spricht. Immerhin ist es möglich, dass dadurch seine Erinnerung zurückkommt.“ Er seufzte. „Außerdem habe ich erst einmal ein paar sehr wichtige Dinge in der Firma zu klären. Gregory hat mir einen ziemlichen Scherbenhaufen hinterlassen und ich weiß noch nicht, ob ich es überhaupt irgendwie schaffen kann, die LC zu halten.“

„Oh Ben, das tut mir leid!“

„Mach Dir keine Sorgen, Liebling, selbst wenn ich die Firma verliere, ist das für mich zu verkraften. Jetzt, wo wir beide uns wiedergefunden haben, ist alles andere nur halb so schlimm!“

Meg schlang ihre Arme um Bens Hals.

„Wir werden das gemeinsam durchstehen. Ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst.“

Er lächelte.

„Danke Meg, das bedeutet mir sehr viel. Und was Derek betrifft, Dr. Pares meint, er braucht einfach etwas Zeit.“

„Dann solltest Du sie ihm geben, Ben.“ erwiderte Meg. „Er muss schließlich erst einmal ein wenig zu Kräften kommen. Hier in der Klinik wird er bestens betreut.“ Sie nahm seine Hand. „Komm, wir holen meine Sachen aus Venice und dann fahren wir nach Hause.“

Die Tatsache, dass sie sein Haus als ihr Zuhause betrachtete, erfüllte Ben in diesem Augenblick mit einem tiefen Glücksgefühl.

„Nach Hause...“ wiederholte er lächelnd, „das klingt gut!“

 

 

Zwischen Las Vegas und Sunset Beach

 

Cole saß neben Casey im Cockpit der kleinen LC Privatmaschine und starrte gedankenverloren vor sich hin. Sie befanden sich auf dem Rückflug von Las Vegas, wo der zuständige Friedensrichter die erst vor ein paar Tagen geschlossene Ehe zwischen ihm und Caitlin annulliert hatte.

In Anbetracht der Tatsache, dass die Firma sowieso vor dem finanziellen Bankrott stand und es auf ein paar Dollar mehr oder weniger nicht mehr ankam, hatte Ben Casey veranlasst, Cole und Caitlin nach Nevada zu fliegen, um sich so schnell wie möglich scheiden zu lassen. Eigentlich sollte Cole froh sein, dass die ganze Sache ohne irgendwelche Probleme vonstatten gegangen war. Stattdessen fühlte er sich absolut miserabel. Er warf einen prüfenden Blick über seine Schulter zu Caitlin, die hinter ihnen im Passagierraum saß. Sie schien die Sache weitaus gelassener zu nehmen, denn sie lehnte entspannt in ihrem Sitz und blätterte in einer Illustrierten.

„Meine Frau... meine geschiedene Frau“ schoss es Cole durch den Kopf. Ihm war, als hätten sie beide mit der Unterschrift, die sie vor knapp einer Stunde unter die Scheidungsurkunde gesetzt hatten, ihre Liebe zueinander verraten. Und wofür? Für finanzielle Unabhängigkeit? Für eine dämliche Immobilie, die ihm nicht halb so viel bedeutete wie Caitlin?

„Ich weiß nicht, ob das alles richtig war...“ murmelte er selbstvergessen und starrte auf die Berge der Sierra Nevada, deren staubig brauner Gürtel sich auf dem Weg zurück nach Kalifornien scheinbar endlos unter ihnen durch das Tal des Todes erstreckte und genauso trostlos wirkte wie seine Stimmung.

Casey warf ihm einen prüfenden Blick zu.

„Hey, was ist denn los? Hat doch alles perfekt geklappt!“

„Ja, einfach perfekt...“ erwiderte Cole sarkastisch. „Ich kann Gregory förmlich grinsen sehen!“

„Ach komm schon, Mann, in ein paar Wochen ist die ganze Sache über die Bühne.“ versuchte Casey ihm in seiner typisch unbekümmerten Art Mut zu machen. „Dann habt Ihr die Villa verkauft und holt Euch das DEEP zurück. Somit sind Gregorys testamentarische Verfügungen erfüllt und Du kannst Deine Caitlin wieder heiraten.“ Er grinste. „Hat sie Dir eigentlich erzählt, dass Ben ihr versprochen hat, Eure zweite Hochzeit samt Feier zu  bezahlen? Ich finde das wirklich großzügig von ihm, wenn man bedenkt, in welcher geschäftlichen Misere er dank Gregory Richards momentan steckt!“

Cole nickte.

„Ja, ich weiß. Aber erst einmal muss es soweit sein.“ Er fuhr sich mit den Fingern durch sein kurzes dunkles Haar und lehnte den Kopf zurück. „Und ich kann mir nicht helfen, ich habe bei der ganzen Sache kein besonders gutes Gefühl!“

„Ach was“ winkte Casey ab, „Verheiratet oder nicht, was bedeutet das heutzutage denn schon? Rae und ich leben bereits seit Wochen ohne Trauschein zusammen.“

„Aber ihr wollt doch heiraten!“

„Ja, klar...“ nickte Casey. „Irgendwann in nächster Zeit. Aber was ich meine, ist folgendes: Im Grunde ist es doch völlig egal, ob man mit oder ohne Trauschein zusammenlebt, Hauptsache ist, dass man sich liebt. Und das tut ihr zwei, da bin ich ganz sicher!“

„Ja“ nickte Cole. „Ich liebe sie wirklich sehr.“

 

 

Venice

 

Ben, Meg, John und Abby hatten nicht lange gebraucht, um Megs kleines Appartement auszuräumen. Allerdings erwies sich Bens Mercedes-Cabriolet als etwas zu klein für eine solche Aktion. Mit Einfallsreichtum und viel Geschick versuchten sie, dennoch möglich alle Sachen darin unterzubringen.

“So, das ist erst einmal der letzte!” schnaufte John und übergab Ben den vollgepackten Karton, den dieser in die letzte winzige Lücke auf dem Rücksitz seines Autos quetschte.

„Irrtum“ rief Meg, die mit zwei weiteren vollgestopften Taschen aus der Haustür trat. „Oben steht noch einer mit Büchern.“ Sie lachte, als sie Bens hilfesuchenden Blick sah. „Den holen wir später, okay?“ meinte sie diplomatisch und gab ihm einen Kuss auf die Wange. „Sonst ist am Ende in Deinem Wagen kein Platz mehr für mich!“

Ben schüttelte beim Anblick seines vollgestopften Autos nur staunend den Kopf.

„Ich frage mich, wie Du in so kurzer Zeit so viel Sachen ansammeln konntest!“

„Also wirklich“ stimmte John grinsend zu, „Ich wohne seit über einem Jahr hier und bekäme meinen persönlichen Kram mit Sicherheit noch immer in einen einzigen Koffer.“

Meg und Abby warfen sich einen gespielt mitleidigen Blick zu.

„Männer...“ sagten beide gleichzeitig und lachten.

„Casey und Rae haben mir nach und nach meine Sachen aus dem Surf Center hergebracht, und den Rest habe ich mir dann gekauft. Die meisten der Bücher brauche ich fürs Studium.“ erklärte Meg und zwinkerte Ben schelmisch zu. „Ich hoffe, Du hast schon ein paar Schränke für mich freigemacht, wenn ich bei Dir einziehen soll.“

„Ein paar? An wie viele hattest Du denn gedacht?“ ging er auf ihren scherzhaften Ton ein.

„He Ben, pass bloß auf“ lachte John, „Ehe Du Dich versiehst, wohnst Du auf der Veranda!“

„John!“ rief Meg in gespieltem Entsetzten.

„Sag jetzt nichts mehr ohne Deinen Anwalt, Meg!“ riet ihr Abby sofort augenzwinkernd. Dann jedoch wurde ihr Gesicht ernst. „Danke, dass Du mir Deine Wohnung überlässt. John und ich... wir brauchen einfach noch etwas Zeit.“ meinte sie leise, so dass es die anderen beiden nicht hören konnten..

Meg lächelte verständnisvoll.

„Kein Problem. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass Ihr wieder zueinander findet.“

Abby seufzte.

„Ja, das hoffe ich auch. Übrigens habe ich morgen ein Bewerbungsgespräch in Eurer Klinik. Ich habe nachgefragt, und sie meinten, auf der Inneren wäre noch eine Arztstelle zu vergeben. Vielleicht, mit ein wenig Glück, bekomme ich die Stelle und muss gar nicht nach Santa Monica.“

„Das wäre fantastisch, Abby!“ erwiderte Meg mit ehrlicher Begeisterung. „Wir drei zusammen in einer Klinik...“

 

 „Ziehen Sie wirklich aus, Kindchen?“ hörte sie plötzlich eine bekannte Stimme hinter sich.

Misses Housman stand an der Tür und musterte mit einer Mischung aus Neugier und Erstaunen Bens vollgepacktes Cabrio.

Meg lächelte.

„Ja Misses Housman, ich versuche mich an den guten Rat halten, den Sie mir vor ein paar Tagen gegeben haben.“ Sie wies auf Ben, der neben John schmunzelnd an seinem Auto lehnte und das Gespräch interessiert verfolgte, „Ich lasse diesen Mann nicht mehr aus den Augen!“

„Das machen Sie richtig“ nickte die alte Dame eifrig. „Trotzdem ist es schade, dass Sie mich verlassen. So eine nette Nachbarin bekomme ich bestimmt nicht gleich wieder!“

Meg trat auf sie zu und legte ihr den Arm um die Schultern.

„Möchten Sie meine Nachfolgerin kennenlernen?“

„Aber ja...“ nickte Mrs. Housman begierig. Ihr Blick blieb an Abby hängen, die lächelnd nähertrat und ihr freundschaftlich ihre Hand entgegenstreckte. „Ich bin Abby Lockhart, und Meg war so nett, mir ihre Wohnung zu überlassen.“

Mrs. Housman zog skeptisch die Augenbrauen zusammen.

„Sind Sie nicht... die neue Freundin von unserem Doktor?“

„Äähm...“ Etwas verunsichert biss sich Abby auf die Lippen und blickte sich hilfesuchend nach John um.

„Wir sind gute Freunde“ half er ihr mit einem vielsagenden Lächeln aus der Patsche. „Außerdem ist meine Wohnung viel zu klein für zwei.“

„Freunde...“ knurrte Mrs. Housman und runzelte missbilligend die Stirn, „Wenn ich das schon höre! Mein verstorbener Mann – Gott hab ihn selig – pflegte immer zu sagen: Es gibt keine Freundschaft zwischen Mann und Frau. Entweder da ist was oder nicht!“

Abby und John grinsten etwas peinlich berührt.

„Ach wissen Sie“ flüsterte Meg Mrs. Housman verschwörerisch zu, „manche Dinge brauchen einfach seine Zeit. Achten Sie bitte gut auf die beiden, ja?“

„Darauf können Sie sich verlassen, Kindchen!“ nickte die alte Dame eifrig, und keiner der Anwesenden zweifelte auch nur im Geringsten an ihren Worten. Mrs. Housmans wachsamen Augen und Ohren würde nichts entgehen...

 

 

Sunset Beach

 

In Sunset Beach angekommen, bat Cole Caitlin, allein zur Villa ihrer Eltern zu fahren.

„Ich werde zuerst im DEEP nach dem Rechten sehen.“ erklärte er. „Schließlich möchte ich die Bar pünktlich öffnen.“

„Du willst das DEEP öffnen?“ fragte Caitlin etwas erstaunt. „Ich dachte, Du wolltest damit warten, bis...“

„Bis man es mir wegnimmt?“ Cole lachte bitter. „Oh  nein, ich öffne den Laden planmäßig wie jeden Abend. Warum sollten wir schließen, wenn wir vorhaben, das DEEP durch Barbezahlung so bald wie möglich wieder auszulösen?“

Caitlin zuckte die Schultern und nickte dann zustimmend.

„Sicher hast Du recht, Schatz. Ich werde so bald wie möglich nachkommen.“

 

Als Cole am DEEP angelangte, sah er sofort die rot-weiße Absperrung.

Nichts Gutes ahnend trat er näher. Das Siegel, mit dem die Tür verschlossen worden war, trug das Wappen der Stadt.

„Eigentum der Stadt Sunset Beach. Betreten strengstens verboten!“ stand auf dem vom Oberstaatsanwalt eigenhändig unterzeichneten Schreiben, das gut sichtbar darüber angeheftet war.

„Verdammt, diese Aasgeier!“ murmelte Cole erschüttert. „Gregory ist noch nicht einmal achtundvierzig Stunden weg und schon sind sie zur Stelle!“ Er stand da und starrte verbittert auf die Tür, die ihm nun verschlossen bleiben sollte.

„Ich werde mir das DEEP zurückholen, Gregory!“ schwor er sich in diesem Augenblick. „Und Du wirst es auch nicht schaffen, Caitlin und mich zu trennen!“

 

 

Venice

 

Ben und Meg hatten sich soeben von John und Abby verabschiedet und wollten gerade losfahren, als Bens Handy klingelte.

„Ja bitte?“

„Spreche ich mit Ben Evans?“ fragte eine Männerstimme, die ihm bekannt vorkam.

„Ja. Wer ist denn da?“

„Hier spricht Dr. Pares.“

„Doktor Pares!“ rief Ben und tauschte mit Meg einen erstaunten Blick. „Gibt es etwas Neues?“

„Allerdings.“ Marc Pares` Stimme klang ernst. „Ben... Sie sollten sofort herkommen!“

„Ist etwas mit Derek nicht in Ordnung?“

„Das kann man wohl sagen.“

Erschrocken hielt Ben die Luft an.

„Hat sich sein Zustand verändert? Geht es ihm schlechter?“

Er hörte, wie Dr. Pares tief durchatmete.

„Ben... Wenn es irgendwie möglich ist, dann kommen Sie bitte so schnell wie möglich in die Klinik!“

„Ja... ja natürlich...“ Voller dunkler Vorahnungen presste Ben das Handy an sein Ohr.

„Bitte, Doktor... was ist los?“

„Nicht am Telefon. Wie schnell können Sie hier sein?“

Ben warf einen Blick auf seine Uhr.

„In etwa zwanzig Minuten.“

„Gut. Ich erwarte Sie.“

Bevor Ben noch irgend etwas fragen konnte, hatte der Arzt aufgelegt.