Der Strand der untergehenden Sonne    Teil 11

 

 

Nach dem Gespräch mit Gregory fuhr Meg Ben noch zum Flughafen. Während der Fahrt war sie sehr schweigsam, und Ben ahnte, was sie bewegte.
Er legte den Arm um ihre Schultern.
„Du brauchst Dir keine Gedanken zu machen, mein Schatz. Es wird mir nichts passieren. Bevor Du über der vielen Arbeit in der Firma überhaupt richtig gemerkt hast, dass ich weg bin, komme ich schon zurück.“ Er lachte. „Und ich denke, Gregory wird sehr freundlich zu Dir sein, nach dem Gespräch, das wir gerade miteinander geführt haben.“
Sie nickte nur stumm, während sie den BMW in die Parkplatzeinfahrt lenkte. Ihr graute vor den Tagen, die nun folgen würden, allein in Sunset Beach, in dem großen leeren Haus. Es war aber auch zu dumm, ausgerechnet jetzt mußten ihre Eltern abreisen, und zu allem Unglück flogen auch noch Sara und Derek mit ihnen...
Meg straffte die Schultern. Nun, es gab in der Liberty Corporation wirklich genug zu tun, eine günstige Gelegenheit für ein paar Überstunden. Ben hatte recht, sie würde gar nicht viel zum Überlegen kommen. Außerdem gab es ja noch ihre Freunde im Surf Center, und wenn Michael das nächste Mal zu Casey nach L.A. fuhr, würde sie einfach mitfahren.
Die Hauptsache war, dass Ben nichts passierte. Bei dem Gedanken daran saß ihr ein dicker Kloß im Hals.
Ben schien ihre Ängste zu spüren, er stieg aus, ging um den Wagen herum und öffnete ihr die Tür. Wortlos nahm er sie in die Arme und streichelte ihr Haar.
„Ich pass auf mich auf.“ sagte er leise und sah ihr in die Augen, „und das selbe hoffe ich von Dir.“
Meg nickte.
„Ich komm schon klar. Aber bitte ruf mich an, wenn Du in Chicago gelandet bist!“
 „Natürlich, Misses Ben Evans...“ erwiderte er.
Meg sah ihn erstaunt an.
„Was?“
Ben lächelte verschmitzt.
„Na ja, an die Anrede kannst Du Dich ja langsam gewöhnen, bald ist es soweit. Und ich kann es kaum noch erwarten.“
Meg sah ihn voller Zärtlichkeit an.
„Ich liebe Dich, Ben.“  
Sie standen auf dem Parkplatz und küssten sich heiß und innig, alles um sich vergessend.
„Mh...“ machte Ben und verdrehte genüsslich grinsend die Augen, als sich Meg von ihm löste, „wenn Sam nicht mein bester Freund wäre...“
Meg lachte.
„Na los, verschwinde, Ben Evans, sonst kriegst Du heute keine Starterlaubnis mehr, weder von mir, noch vom Tower!“  
 
Meg winkte ihm nach, bis er im Flughafengebäude verschwand. Dann stieg sie in den BMW und fuhr davon.
In sicherer Entfernung, hinter ein paar Bäumen gut versteckt, stand jemand mit einem Fernglas und hatte jede ihrer Bewegungen genau beobachtet.

Jeany

 

 

Olivia lief unruhig im Richards Haus auf und ab. Der Gedanke an den Prozess, der bald bevorstand, hatte sie diese Nacht nicht ruhig schlafen lassen. 

"Ich halte das nicht mehr aus, ich brauche etwas zu trinken", sagte sie zu sich selbst und eilte zu der kleinen Minibar, bis ihr einfiel, dass es ja nur Attrappen waren, die dort standen. "Eigentlich eine Unverschämtheit", murrte sie. "Gregory scheint zu denken, dass ich bei dem kleinsten bisschen Streß wieder zur Flasche greife." Und dann sagte sie sich, dass er damit im Grunde vollkommen recht hatte. Jade Sheridan machte die Situation auch nicht leichter. Olivia hatte versucht, sich abzulenken, und sich auf den Radiosender konzentriert. Aber dort spielte sich AJs Tochter wie die Königin von Saba auf. Was immer Olivia auch vorschlug, Jade hatte mit Sicherheit daran etwas auszusetzen. Jedes vernünftige Argument seitens Olivias, dass man für die Zukunft des Radiosenders zusammenarbeiten müsse, blockte Jade schnell ab und erklärte ihr klipp und klar, dass sie allein nun die Entscheidungen treffe. Also hatte Olivia freiwillig die Flucht ergriffen, fünf Minuten länger mit Jade Sheridan hätte sie nicht mehr ausgelassen.

"Und das alles wegen einer Frau, die eigentlich wegen Drogenhandels im Gefängnis sitzen sollte", murrte Olivia. Aber nicht genug, dass die Kaution gestellt wurde, nein, seltsamerweise wurde das Verfahren gegen sie auch urplötzlich wegen Geringfügigkeit eingestellt. "Ich frage mich, was das alles zu bedeuten hat", wunderte sich Olivia.

Hickengruendler

 

 

"Ich muss sagen, ich bin überrascht," gestand Jade. "Ich hätte es mir nicht träumen lassen, ausgerechnet von Ihnen zum Essen ausgeführt zu werden, Mr. Richards." Sie lächelte Gregory charmant zu, der eine kleine Verbeugung machte.

"Nun, sagen wir mal, dass ich etwas Wichtiges mit Ihnen zu besprechen habe, Jade", erklärte Gregory. "Es ist eine Art geschäftlicher Vorschlag, und ich hoffe sehr, dass Sie annehmen, denn ich habe heute keinen besonders erfreulichen Tag hinter mir." Er dachte an das Gespräch mit Ben.

"Worum geht es?", fragte Jade, neugierig geworden.

"Um den Radiosender", antwortete Gregory direkt. "Er bedeutet meiner Frau sehr viel und..." "Mein lieber Mr Richards", fiel Jade ihm ins Wort. "Mir ist es völlig egal ob Ihrer Schnapsdrossel von Frau der Sender am Herzen liegt, oder nicht. Ich habe dort jetzt das Sagen, und..."

"Auch nicht, wenn ich sie ganz höflich bitte?", fragte Gregory.

"Auch dann nicht."

Plötzlich veränderte sich Gregorys Gesichtsausdruck.

"Damit habe ich auch nicht gerechnet. Aber es soll mir keiner nachsagen, ich hätte es nicht versucht. Sie wundern sich wahrscheinlich, dass Ihr Verfahren eingestellt wurde?"

Jade blickte ihn aufmerksam an, ihr schwante etwas.

"Ganz richtig, das haben Sie mir zu verdanken", bestätigte Gregory ihren Verdacht. Und ich war es auch, der ihre Kaution gestellt habe."

"Aber... warum?"

"Damit Sie sehen, zu was ich in der Lage bin. Ich habe Ihnen den Kopf aus der Schlinge gezogen, Miss Sheridan, aber ich kann ihn dort auch ebenso wieder hineinsetzen. Es ist besser, Sie legen sich nicht mit mir oder meiner Familie an."

Er stand auf, rief zu dem Kellner: "Die Dame zahlt", und schlenderte zufrieden davon, während eine nachdenkliche Jade allein sitzenblieb.

Hickengruendler

 

 

Sam und Bette saßen in ihrer Suite im Hotel und warteten auf die Ankunft von Ben. Da er ja den Van mit sich bringen würde, hatten Ben und Sam abgesprochen, dass sie Ben nicht am Flughafen abholen brauchten, sondern dass Ben mit dem Van zum Hotel käme. Sam hatte sich um ein Zimmer für ihn bemüht und glücklicherweise konnte er die Suite nebenan buchen.

Unruhig lief Bette im Zimmer auf und ab.

„Bette Liebling, bitte setz Dich doch. Auch wenn Du hier einen Graben in den Teppich läufst, so wird Ben doch nicht schneller hier sein.“ versuchte er Bette ein wenig zu beruhigen.

„Ach Sam,“ seufzte Bette „das sagst Du so einfach. Aber solange ich nicht weiß, wo Emily ist, habe ich keine Ruhe.“

Sam stand auf und nahm Bette in den Arm.

„Ich weiß, aber sobald Ben hier ist, werden wir das herausfinden.“

„Danke das Du so geduldig mit mir bist. Ich weiß nicht, was ich ohne Dich machen sollte.“ sagte Bette.

„Dafür bin ich doch da. Ich liebe Dich, so wie Du bist.“ sagte Sam und küsste Bette sanft auf die Lippen. In diesem Moment wurden sie durch ein Klopfen an der Zimmertür gestört. Sam ging hin und öffnete die Tür.

„Hallo Ben, gut das Du da bist. Komm rein.“

„Hi Sam, hallo Bette.“ begrüßte Sam die beiden und betrat die Suite.

„Hallo Ben!“ Bette flog Ben förmlich um den Hals „Wie schön Dich zu sehen.“

“He, langsam Bette. Ich musste Meg versprechen heil und gesund wieder nach Hause zu kommen.“ lachte Ben.

„Oh entschuldige, ich habe eben gar nicht an Deine Verletzungen gedacht. Wie geht es Dir?“ fragte Bette.

„Danke gut. Ich scheine auf Hawaii eine richtige Wundermedizin bekommen zu haben.“ antwortete Ben.

„Ja Du siehst richtig gut aus.“ bestätigte Bette. „Aber dennoch möchte ich mich bei Dir dafür bedanken, dass Du hierher gekommen bist, um uns bei der Suche nach Emily zu helfen.“

Ben lächelte Bette an.

„Wie Du weißt, ist Sam mein bester Freund, und Du bist auch eine sehr gute Freundin von mir. Warum sollte ich Euch nicht helfen? Abgesehen davon, dieses Herumsitzen zu Hause und das Nichtstun ist nicht mein Fall.“

Sam klopfte Ben freundschaftlich auf die Schulter

„Wir sind jedenfalls froh, dass Du hier bist. Wie war denn Dein Flug?“ wollte Sam wissen.

„Der Flug war ruhig. Ich bin zwar schon eine ganze Weile nicht mehr selber geflogen, aber das ist ja wie beim Radfahren, das verlernt man nicht.“

„Ich schätze nicht.“ nickte Sam. „Wenn Du Dich ein wenig ausgeruht hast, können wir auch starten.“

„Nun,“ sagte Ben „groß ausruhen brauche ich mich eigentlich nicht, denn die meiste Zeit bin ich per Autopilot geflogen. Das Einzigste was ich zu tun habe, ist Meg anzurufen und Ihr zu sagen, dass ich gut hier angekommen bin.“

„Mach das und bestell Ihr liebe Grüße von mir und das ich gut auf Dich aufpassen werde.“

Ben lächelte.

„Das wird Meg sicherlich beruhigen. Hast Du denn schon eine Ahnung, wo wir mit der Suche anfangen sollen?“ erkundigte er sich.

„Ich bin mir ziemlich sicher, dass Emily in dem Haus Ihres Vaters ist. Es ist abgesichert wie eine Festung.“ antwortete Sam.

„Gut,“ sagte Ben „lass mich eben Meg anrufen und dann sehen wir uns die Sache mal aus der Nähe an.“

Meg

 

 

Langsam umrundete Sam mit seinen Van das Anwesen von Edward Davis und Ben sah sich ganz genau alles an.

„Du hast recht,“ stellte er fest „das ist hier abgesichert wie eine Festung.“

„Ja,“ bestätigte Sam noch einmal „angefangen bei der Videoüberwachung am Tor, dem elektrischen Zaun auf der Mauer, bis hin zu den Hunden.“

„Wenn Davis nichts zu verbergen hätte, würde er sein Anwesen nicht so absichern. Jetzt heißt es für uns, die Schwachstelle im System zu finden.“ sagte Ben.

„Ja,“ stimmte Sam zu „Nachts gehen noch zusätzlich jede Stunde zwei Wachen auf Streife. Letzte Nacht habe ich mich ein wenig auf die Lauer gelegt.“

„Okay,“ nickte Ben „konntest Du auch schon feststellen, wie viele Hunde es sind?“

„Wenn ich richtig gezählt habe, sind es drei Rotweiler.“ antwortete Sam. „Nun, bleibt uns nur noch das Sicherheitssystem auszukundschaften.“ sagte Ben „Wollen wir es auf die alte Art und Weise machen?“

Sam nickte.

„Ja, der Trick mit der Telefongesellschaft ist immer noch der einfachste.“

Ben lächelte.

„Manche Dinge ändern sich wohl nie. Hast Du schon herausgefunden, bei welcher Telefongesellschaft er ist?“

„Natürlich, er ist bei AT&T Company.“ sagte Sam.

„Gut,“ nickte Ben „wie in alten Zeiten, Deine Hausaufgaben hast Du jedenfalls gemacht. Du oder ich?“

„Ich denke es ist sicherer Du gehst rein.“ antwortete Sam „Ich war mit Bette schon bei Davis in der Firma und dort hingen auch jede Menge Überwachungskameras herum. Davis ist nicht dumm, er wird seinen Leuten bestimmt ein Bild von mir gegeben haben.“

„Das denke ich auch.“ nickte Ben „Okay, dann lass uns zurück fahren und alles vorbereiten.“

„Ja, lass uns loslegen. Ich habe noch ein paar neue technische Spielereinen, die Dir mit Sicherheit gefallen werden.“ sagte Sam „Und ich habe eine Garage ein paar Straßen von hier gemietet, wo wir ungestört alles vorbereiten können.“

„Gut, auf geht’s.“ nickte Ben. Sam wendete den Van und fuhr zu der Garage.

Meg

 

 

Eine Stunde später stand Ben in einem blauen Arbeitsoverall gekleidet vor dem Van von Sam, auf dem groß in rot die Buchstaben AT&T stand. Bette sah sich Ben an.

„Und Ihr glaubt wirklich, dass das klappen wird?“ fragte sie ein wenig ungläubig.

Ben sah Bette an.

„Keine Angst, dass ist nicht das erste mal, dass wir diese Nummer abziehen und bisher hat es jedes mal geklappt.“

„Na gut,“ sagte Bette „ dann will ich Euch mal vertrauen. Ist denn da wirklich nichts, was ich tun kann?“

Sam legte seinen Arm um Bette.

„Nein meine Schöne, Du bleibst schön bei mir im hinten im Van sitzen und zusammen warten wir auf Bens Rückkehr.“

Ben öffnete die hintere Seitentür von Sams Van und überprüfte noch einmal die Werkzeugkiste. „Bette wo ist denn das Sandwich, was Du mir besorgen solltest?“ fragte er. Bette reichte ihm eine braune Papiertüte.

„Ich kann immer noch nicht verstehen, wie Du jetzt ans Essen denken kannst.“ sagte sie.

Ben lachte.

„Keine Angst, das brauche ich nicht jetzt, dass ist für Notfälle.“ Er legte die Tüte mit dem Sandwich in die Werkzeugkiste. Sam trat neben Ben an den Van und reichte ihm eine kleine schwarze Box.

„Dieses ist ein kleines technisches Wunder.“ erklärte er. „Du brauchst es nur an den PC anzuschließen und es lädt sämtliche Dateien runter. Geht viel schneller als das übliche kopieren und fällt weniger auf.“

Ben nahm Sam das Teil ab und legte es ebenfalls in den Werkzeugkasten.

„Gut, das erleichtert mir die Sache ungemein.“ sagte er. „Ich bin mir sicher, dass Du es schaffen wirst, Ben.“ Sam klopfte Ben auf die Schulter.

„So, von mir aus können wir los.“ verkündete Ben.

„Wir sind auch soweit.“ sagte Sam. „Komm Bette, wir steigen gleich hinten ein.“ Er zog Bette mit sich nach hinten in den Van. Ben schloss die Tür und ging um das Fahrzeug herum und stieg auf der Fahrerseite ein.

„Vergiss nicht kurz am Verteilerkasten anzuhalten.“ erinnerte Sam Ben, als dieser den Motor startete.

„Keine Angst,“ sagte Ben und setzte sich ein Baseball Cap auf und zog es tief ins Gesicht „ich mach das ja nicht zum ersten mal.“

„Das stimmt zwar,“ antwortete Sam „aber seit dem letzten mal ist schon eine lange Zeit vergangen.“

Ben sah Sam im Rückspiegel an.

„Das heißt aber noch lange nicht, dass ich eingerostet bin.“

„Ist schon gut,“ entgegnete Sam „ich denke, ich bin einfach nur ein wenig nervös.“

„Wird schon schief gehen.“ sagte Ben und gab Gas.

Meg

 

 

"Das müsste alles sein", sagte Gabi. Ihre Koffer standen gepackt im Flur des Hauses ihres Vaters. Sie umarmte Lorenzo.

"Sag mir bitte sofort Bescheid, wenn ihr angekommen seit, hörst Du?", erklärte er.

"Natürlich", nickte Gabi. Ricardo gab Lorenzo zum Abschied die Hand.

Gabi und Estella blickten sich einen Moment an, keine von beiden sagte etwas. Gabi sah an Estellas Augen, dass sie erleichtert darüber war, dass Gabi Lorenzo nichts über den Anschlag erzählt hatte.

"Wir müssen", meinte Ricardo. "Sonst verpassen wir den Anschlussflug in Kansas City."

"Okay", nickte Gabi. Sie drückte noch einmal die Hand ihres Vaters, dann stieg sie mit Ricardo und den Koffern in den Leihwagen, der sie zu dem kleinen Flughafen bei Ludlow fuhr, von wo aus sie nach Kansas City fliegen würden. Als der Wagen startete, reckte Gabi noch einmal die Hand aus dem Fenster, um zu winken.

Sie fuhren wieder Richtung Sunset Beach.

Hickengruendler

 

 

Meg hatte sich mit Feuereifer in ihre Arbeit gestürzt, um gar nicht erst in Versuchung zu kommen, sich um Ben Sorgen zu machen. Trotzdem blickte sie hin und wieder beunruhigt auf die Uhr und war unendlich erleichtert, als nach ein paar Stunden sein Anruf kam und er sagte, er sei inzwischen gut in Chicago gelandet und befände sich bereits bei Sam und Bette im Hotel. 
Nachdem sie mit Shirley, Bettes derzeitiger Vertretung, einer netten, quirligen Blondine um die Dreißig, in der hauseigenen Kantine schnell etwas zu Mittag gegessen hatte, fand Meg auf ihrem Schreibtisch einen Stapel Akten. Erstaunt blätterte sie darin, wußte aber nicht, was sie damit machen sollte. Also klopfte sie vorsichtig bei Gregory, der gerade von irgend einem kurzfristigen Termin ins Büro zurückgekehrt war, an und hoffte, ihn bei einigermaßen annehmbarer Laune vorzufinden, nachdem er sich den ganzen Vormittag über nicht hatte draußen blicken lassen.
Leise trat sie ein.  
Gregory saß in seinem Drehsessel mit dem Rücken zur Tür und telefonierte. Ihr Klopfen schien er nicht gehört zu haben.
"Nein..." hörte Meg ihn gereizt sagen, "nein, ich wünsche keine weiteren Aktivitäten in dieser Sache, pfeifen sie Ihre Leute zurück... ja sofort! Ich denke, wir haben der Dame einen gehörigen Schrecken eingejagt, so dass sie künftig ihre Nase aus meinen Angelegenheiten raushält... was haben Sie? Das darf doch nicht wahr sein... nein, das habe ich nicht veranlasst, machen Sie das rückgängig, sofort! ... Es ist mir egal, wie Sie das anstellen, tun Sie es einfach!" brüllte er ungehalten, "ich kann es mir nicht leisten, dass ihr noch irgend etwas zustößt!... das ist mir egal, wenn Sie schon einmal in der Wohnung waren, kommen sie auch ein zweites Mal rein, machen Sie sich gefälligst Gedanken, dafür bezahle ich Sie schließlich..."
Meg schloß die Bürotür genauso leise, wie sie diese geöffnet hatte, bevor Gregory ihre Anwesenheit bemerkte.  
Draußen lehnte sie sich an den Türrahmen. Ihre Gedanken arbeiteten fieberhaft.  
Was hatte Gregory damit gemeint, wenn er sagte, er habe der Dame einen Schrecken eingejagt, damit sie sich aus seinen Angelegenheiten raushielte? Und er könne sich nicht leisten, dass ihr noch etwas zustieß?...  
Plötzlich fiel es Meg wie Schuppen von den Augen. Es ging um... Vanessa!  
Wenn sie alles richtig zusammenzählte, hatten Gregorys Leute irgend etwas ausgeheckt, um ihr zu schaden. Dann war sie unter Umständen in großer Gefahr! Sie mußte Vanessa warnen!
"Alles in Ordnung?" fragte Shirley beunruhigt.
Meg nickte hastig.  
"Ja, aber ich muß nochmal kurz weg, mir fällt gerade ein, dass ich für Ben noch etwas auf der Baustelle klären sollte."
Sie nahm ihre Tasche mit dem Autoschlüssel.
"Wenn Mr. Richards nach mir fragt, sagen Sie ihm bitte, ich bin gleich zurück. es dauert nicht lange."
Eilig verließ sie das Büro und machte sich auf den Weg zum Surf Center.

Jeany

 

 

Auf dem Weg zu Edward Davis Haus, stoppte Ben den Van am Verteilerkasten. Sam sprang aus dem Wagen und platzierte ein kleines Gerät auf der Rückseite des Verteilerkastens. Schnell stieg er wieder ein und Ben fuhr weiter. Bette sah Sam an.

„Und was sollte das jetzt?“ fragte sie.

„Das meine Schöne,“ erklärte Sam „war ein kleiner Störsender. Er verursacht Störungen in den Telefonleitungen.“

„Aha“ sagte Bette und legte die Hand auf Ihren Bauch. „Ich hoffe nur, es wird alles gut gehen, mir ist schon ganz schlecht vor lauter Aufregung.“

Sam legte seinen Arm um Bette.

„Keine Angst, Ben und ich haben das schon oft gemacht und noch nie ist irgendwas dabei schief gegangen. Das ist ein richtiges Kinderspiel.“

„Ich hoffe Du hast recht.“ sagte Bette „Oh Gott, ist mir schlecht.“

Sam streichelte Bette über die Wange.

„Wir sind gleich da, dann kannst Du dich hinlegen und ich überwache Bens Einsatz.“ sagte Sam mit beruhigender Stimme. Wenige Augenblicke stoppte Ben das Fahrzeug.

„So, da wären wir.“ sagte er und stieg aus. Er ging um den Van herum und öffnete die hintere Tür, um den Werkzeugkasten mitzunehmen.

„Hast Du Deinen Sender aktiviert, damit ich hören kann, was da drinnen los ist?“ fragte Sam noch einmal. Ben griff sich an die Brusttasche und nickte.

„Ja alles in Ordnung. Schon toll, diese neuen Dinger, die sind gar nicht mehr von einem Pager zu unterscheiden.“

„Ja,“ nickte Sam „es gibt immer neue technische Spielereien. Also viel Erfolg.“

„Danke, bis nachher.“ sagte Ben und schloss die Tür. Dann ging er auf das Haupteingangstor von Edward Davis Anwesen zu.

Meg

 

 

Ben drückte auf den Klingelknopf und trat einen Schritt zurück. Wenige Sekunden später knackte es in dem Lautsprecher über der Klingel und eine Männerstimme fragte

„Ja bitte?“

„Hi, ich komme von der AT&T Company und muss bei Ihnen die Telefonleitungen überprüfen. Uns wurde eine Störung in Ihrer Straße gemeldet und wir müssen nun alle Haushalte überprüfen.“ „Wir wissen von keiner Störung, also brauchen Sie hier nichts zu überprüfen.“ sagte die Stimme. „Haben Sie in der letzten halben Stunde denn versucht zu telefonieren?“ fragte Ben.

„Ähm, Augenblick, ich frage mal nach.“ antwortete die Stimme „Nein wir haben nicht telefoniert, aber eine Überprüfung ist auch nicht notwendig, wir machen das selber.“

„Gut,“ sagte Ben „dann brauche ich aber eine Unterschrift von Ihnen, damit uns hinterher keine Beschwerden kommen.“

„Nun lass Ihn schon rein,“ hörte Ben nun eine zweite Stimme über den Lautsprecher „wenn nachher was nicht in Ordnung ist, gibt es nur Ärger mit dem Boss und der ist schon übel genug gelaunt.“ Ein Summer ertönte und Ben drückte das Tor auf. Er ging die lange Auffahrt hinauf und prägte sich soviel, wie möglich dabei ein, ohne sich auffällig umzudrehen. An der Haustür wurde er bereits von einem bulligen Typen erwartet. Eine Ausbeugung unter dem Jackett ließ Ben vermuten, dass dieser eine Waffe trug.

„Sind Sie dieser Wartungsfritze?“ blaffte er Ben an. Dieser nickte.

„Yep, der bin ich.“ sagte Ben.

„Kommen Sie rein.“ sagte der Typ und gab den Weg frei. Ben betrat das Haus

„Ich muss alle Telefonanschlüsse überprüfen und falls Sie einen Internetanschluss haben, diesen auch.“ erklärte Ben.

„Kommen Sie mit.“ sagte der Typ und ging voran. „Wir haben fünf Telefonanschlüsse im Haus und einen Internetzugang.“

Ben folgte dem Mann und sah sich dabei um. Dabei stellte er fest, das in einer Ecke des langen Flurs eine Videokamera angebracht war. Außerdem war Ihm am Eingang schon die Alarmanlage aufgefallen. Zuerst führte der Mann Ben in das Wohnzimmer. Ben stellte seinen Werkzeugkasten ab und öffnete diesen. Er zog eine Schraubenzieher und ein Messgerät heraus und begann das Telefon zu überprüfen.

„Hier ist alles in Ordnung.“ stellte Ben fest. Der Mann wich die ganze Zeit nicht von Bens Seite und führte ihn von Zimmer zu Zimmer. Das dritte Zimmer war das Büro, indem auch der PC stand. Ben stellte seinen Werkzeugkoffer hinter dem PC ab, holte das kleine Gerät von Sam heraus und schloss es, wie Sam es ihm erklärt hatte, an den PC an. Dann nahm er die braune Papiertüte aus dem Werkzeugkasten und setzte sich auf dem Schreibtischstuhl. Langsam packte er das Sandwich aus und biss genüsslich hinein. Der bullige Typ beobachtete Ben dabei.

„Was soll denn das jetzt?“ fragte er. Ben kaute langsam und nachdem er geschluckt hatte, antwortete er „Das ist jetzt meine gewerkschaftlich festgelegte Pause.“

„Ihre was?“ Der Mann sah Ben entgeistert an. „Können Sie die nicht machen, wenn Sie hier fertig sind?“

Ben schüttelte seinen Kopf.

„Pause ist Pause und meine ist jetzt.“ Wieder biss er von dem Sandwich ab. Er bemerkte, dass der Typ vor Wut kochte, aber nicht wusste, was er mit Ben machen sollte. Also setzte sich dieser und schaute Ben dabei zu, wie dieser langsam sein Sandwich verspeiste. Nach zehn Minuten beschloss Ben, weiter zumachen. Er kroch wieder hinter den PC, entfernte das Gerät und krabbelte wieder hervor.

„Hier ist auch alles in Ordnung.“ stellte er dabei fest.

„Dann haben wir oben noch zwei Telefonanschlüsse.“ sagte der Mann und führte Ben nach oben. Schnell hatte Ben auch noch diese Anschlüsse überprüft und sich dabei alles was er konnte eingeprägt.

„Das war es dann.“ sagte Ben und packte alles zusammen „Bei Ihnen ist alles in Ordnung. Die Störung muss also von woanders herkommen.“ Er reichte dem Mann ein Klemmbrett und einen Stift. „Wenn Sie dann bitte hier unterschreiben, dass ich bei Ihnen alles überprüft habe.“ Knurrend setzte der Mann seine Unterschrift auf das Formular, dass Ben Ihm gereicht hatte. „Ich begleite Sie nach draußen." sagte er dann und führte Ben zur Haustür hinaus und bis ans Tor.“

„Auf Wiedersehen.“ sagte Ben und ging langsam auf den Van zu.

Meg

 

 

„Du verstehst das nicht, Michael.“ Vanessa verdrehte genervt die Augen und stellte den Karton mit den Büchern auf dem Wohnzimmertisch in ihrer Wohnung ab, „ich kann mich einfach nicht dazu durchringen, mit Deiner Ex- Frau unter ein und dem selben Dach zu wohnen.“
„Aber bisher hattest Du doch auch nichts gegen sie einzuwenden.“ entgegnete Michael und ließ sich in den Sessel fallen.
Vanessa lachte bitter.
“Ja, bis jetzt war sie auch weit weg von Dir, in L.A. Und nun wohnt sie plötzlich nur zwei Türen weiter. Kannst Du Dir nicht vorstellen, wie ich mich dabei fühle?“  
Ein Lächeln glitt über Michaels Gesicht. Ehe sich Vanessa versah, hatte er ihre Hand gepackt und zog sie zu sich auf den Sessel.
„Da ist wohl jemand eifersüchtig, oder wie soll ich das verstehen?“ neckte er sie, während seine Arme sie fest umschlossen.
„Michael... hör schon auf, ich bin überhaupt nicht eifersüchtig... laß mich los!“  
„Keine Chance!“ lachte er und gab ihr trotz ihrer Gegenwehr einen Kuß. Dann sah er sie an und sein Gesicht wurde ernst. „Hör mal, Vanessa, Du brauchst Dir überhaupt keine Sorgen zu machen, das mit Virginia und mir ist seit Jahren aus und vorbei, uns beide verbindet nur noch eins, und das ist Jimmy. Er ist unser Sohn, und wir sind es ihm schuldig, das wir beide für ihn da sind.“
„Das weiß ich doch.“ sagte Vanessa leise und schluckte. „Aber ich bin nicht unbedingt scharf darauf, jeden Morgen mit Deiner Ex- Frau zu frühstücken. Außerdem hat Jimmy gesagt, er möchte Megs ehemaliges Zimmer, also ist sowieso nichts mehr frei.“
„Du kannst Saras Zimmer haben. Alex sagte doch extra, sobald es Casey wieder etwas besser ginge, müsse sie zu einem wichtigen Fototermin nach Europa reisen. Sie braucht also das Zimmer gar nicht, wenn er wieder nach Hause kommt.“ erklärte Michael und holte tief Luft. „Also was ist nun, Scoop... lassen wir die blöden Kisten mit Deinen Sachen im Auto, packen diese Bücher da wieder dazu und vergessen die ganze dumme Idee mit dem Rückzug?“
Vanessa sah ihn skeptisch an.
„Ich weiß nicht, Michael...“
„Na komm schon, ich hab mich so gefreut, dass Du für eine Weile zu uns ins Surf Center ziehst! So schön ist Deine Wohnung nun auch wieder nicht, und außerdem...“ er rümpfte die Nase, „irgendwie riecht es hier ganz eigenartig, findest Du nicht?“
Vanessa nickte.
„Ja, ist mir auch schon aufgefallen, als wir reinkamen. Aber vielleicht liegt es daran, dass seit gestern keiner gelüftet hat.“ Sie befreite sich aus Michaels Armen und stand seufzend auf. „Okay, Du hast gewonnen, ich komm wieder mit. Aber ich werde nur so lange im Surf Center bleiben, wie der Prozess dauert. Wenn er vorbei ist, gehe ich sofort zurück in meine Wohnung. Da hab ich mein Badezimmer wenigstens für mich allein!“
Michael lachte und schnappte sich die Bücherkiste.
„Das ist doch ein Wort! Los, gehen wir.“
Sie verschlossen die Wohnung und traten hinaus auf die Strasse, genau in dem Augenblick, als Meg in Bens BMW mit quietschenden Reifen auf der anderen Strassenseite hielt.
Sie winkte ihnen aufgeregt zu und sprang aus dem Wagen.
„Michael, Vanessa, hallo!“ rief sie. “Ihr dürft nicht in die Wohnung gehen!”
Die beiden sahen sich verständnislos an und gingen dann hinüber zu Meg auf die andere Strassenseite.
„Was ist denn los, Meg?“ fragte Michael. „Was hast Du eben gemeint?“
 
In diesem Augenblick ertönte ein ohrenbetäubender Knall, Glasscheiben gingen klirrend zu Bruch, Steine und Trümmerteile flogen krachend bis auf die Strasse und eine riesige graue Staubwolke breitete sich aus.
Zu Tode erschrocken warfen Meg, Vanessa, Michael und andere Passanten, die sich ebenfalls auf dem Fußweg befanden, auf die Erde und schützten ihre Köpfe so gut es ging vor herumfliegenden Teilen.
Als der Staub sich langsam legte, schauten sie vorsichtig auf und trauten ihren Augen nicht.  
Das Haus, das Michael und Vanessa eben verlassen hatten, war kaum wiederzuerkennen. Rechts unten, wo vorher zwei Fenster gewesen waren, klaffte ein riesiges, schwarzes Loch, dass eine mächtige Explosion ins Mauerwerk gerissen hatte.
„Oh nein“ wimmerte Vanessa, unfähig sich zu rühren, „oh nein, Michael, meine Wohnung!“

Jeany

 

 

Ben stieg in den Van und fuhr los.

„So, das wäre geschafft.“ sagte er erleichtert.

„Hat alles geklappt?“ fragte Sam.  Ben nickte.

„Alles lief so weit glatt,“ antwortete er und sah in den Rückspiegel. „Nur... Bette, warum hast Du mir denn ein Roastbeefsandwich mit Remolade besorgt? Du weißt doch, dass ich Remolade nicht ausstehen kann. Weißt Du wie viel Übehrwindung es mich gekostet hat, dieses Sandwich zu essen und dabei noch auszusehen, als wenn ich das genießen würde?“

„Tut mir leid Ben,“ antwortete Bette „ich habe nicht darauf geachtet. Ich bin so nervös gewesen, dass mein Magen verrückt gespielt hat. Ich habe das erstbeste Sandwich genommen und bin nichts wie raus aus dem Laden.“

„Ist schon gut,“ lächelte Ben „ich hab es ja überlebt.“

„Du bist also auch an den PC gekommen?“ wollte Sam wissen.

„Ja und ich hoffe, ich habe alle Dateien runterziehen können.“ antwortete Ben.

„Aber Emily hast Du nicht gesehen, oder?“ fragte Bette.

„Nein,“ Ben schüttelte seinen Kopf „aber ich denke, ich weiß in welchen Zimmer sie sich aufhält.“ „Aber wie kannst Du das denn wissen, wenn Du Emily nicht gesehen hast?“ wollte Bette wissen. „Wenn man sich gut umschaut, sieht man so einiges. Da war ein Zimmer in der oberen Etage, dessen Tür fest verschlossen war. Alle anderen Türen im Haus standen mehr oder weniger offen. Außerdem war diese Tür durch eine Alarmanlage gesichert und der Typ der mich durch das Haus geführt hat, hat darauf geachtet, dass ich dieser Tür nicht zu nahe gekommen bin.“ erklärte Ben. „Am besten fahren wir ins Hotel zurück und werten alles aus was Ben gefunden hat.“ schlug Sam vor. „Denkst Du, Du kannst einen Plan von dem Haus anfertigen Ben?“

Ben nickte.

„Das dürfte kein Problem sein. Aber zuvor sollten wir zur Garage zurück fahren, um die Aufschrift vom Wagen zu entfernen. Außerdem würde ich mich gerne wieder umziehen.“ „Natürlich,“ stimmte Sam zu „die Leute im Hotel würden ein wenig verwirrt dreinschauen, wenn Du im Arbeitsoverall erscheinst.“

„Ich wünschte das Ganze schon vorbei, meine Nerven liegen jetzt schon blank.“ seufzte Bette. Sam legte seinen Arm um Bette.

„Keine Angst, wenn alles gut läuft, können Ben und ich schon heute Nacht versuchen Emily da raus zu holen.“

„Gut,“ sagte Bette „und vielleicht kann ich dieses mal auch etwas tun. Dieses Herumsitzen ist das reinste Gift für mich. Mein Magen spielt schon total verrückt.“

„Wir werden sehen, aber versprechen kann ich Dir noch nichts. Ich möchte nämlich nicht, dass Du Dich in Gefahr begibst.“ antwortete Sam.  Wenige Augenblicke später lenkte Ben den Van in die Garage

„So, da wären wir.“ sagte er und stieg aus.

Meg

 

 

Zehn Minuten später standen vor dem Haus in der West- Avenue zwei Polizeiautos, die Feuerwehr und der Krankenwagen, der vorsichtshalber sofort nach der Explosion dorthin beordert worden war. Zum Glück war von den übrigen Hausbewohnern niemand weiter verletzt worden, und auch die anderen Wohnungen schienen noch unversehrt zu sein, so dass sich der Schaden der Explosion lediglich auf Vanessas Wohnung im Erdgeschoß zu beschränken schien. Dort allerdings sah es verheerend aus. Viel war von der Einrichtung nicht übriggeblieben. Vanessa selbst hockte neben Michael und Meg auf der Mauer an der Strasse gegenüber dem Haus und starrte fassungslos auf das schwarze Loch, hinter dem sich noch vor wenigen Augenblicken ihr Zuhause befunden hatte.
Michael nahm sie liebevoll in den Arm und versuchte sie zu trösten, auch wenn er selbst noch ziemlich erschrocken war.
„Sieh es positiv, Vanessa“ meinte er und streichelte ihre Schultern, „uns ist nichts passiert, und das wichtigste an Sachen ist dort drüben in meinem Auto oder im Surf Center.“
Vanessa wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
„Nur ein paar Sekunden, und wir wären noch da drin gewesen!“
Spencer, der diensthabende Officer, trat zu ihnen.
„Alles in Ordnung?“ fragte er besorgt.
„Ja, uns fehlt nichts.“ antwortete Michael. „Außer einer Erklärung für das, was eben geschehen ist.“
„Tja, viel kann man noch nicht sagen.“ erwiderte Spencer achselzuckend. „Aber das Ganze sieht nach einer Gasexplosion aus.“
„Gas?“ Michael und Vanessa sahen sich vielsagend an. „Deshalb hat es vorhin so merkwürdig gerochen, als wir in die Wohnung kamen.“
Spencer zückte seinen Notizblock.
„Miss Hart, ich brauche noch einige Angaben von Ihnen fürs Dienstprotokoll. Fühlen Sie sich in der Lage, mir ein paar Fragen zu beantworten?“
Vanessa nickte.
„Warte hier, ich bin gleich zurück.“ wandte sie sich an Michael, bevor sie dem Officer zum Einsatzwagen folgte.
Michael sah ihr besorgt nach und atmete dann tief durch.
„Meine Güte“ sagte er kopfschüttelnd, „es ist kaum zu fassen.“ Er blickte Meg an, die bislang schweigend neben ihm auf der Mauer hockte. „Geht’s Dir gut?“
Sie nickte.
„Ja, ich bin okay.“
„Sag mal, was wolltest Du eigentlich hier? Müsstest Du nicht um diese Zeit im Büro sein?“ wunderte sich Michael.
„Eigentlich ja.“ antwortete sie gedankenverloren. Dann griff sie nach seinem Arm und sah ihn mit großen Augen an. „Ich muß Dir etwas erzählen.“

Jeany

 

 

„Nicht zu fassen!“ rief Michael fassungslos. „Ich kann es kaum glauben!“
„Was tun wir jetzt?“ fragte Meg. „Ich meine, viel Sinn hat es bestimmt nicht, die Sache der Polizei zu erzählen, denn soviel ich weiß, braucht man für solche Behauptungen Beweise, und obwohl ich genau gehört habe, was Gregory am Telefon gesagt hat, hab ich doch keinen Zeugen dafür!“
„Nein,“ Michael schüttelte den Kopf, „keine Polizei. Der Kerl ist viel zu gerissen, als das er sich von uns so einfach festnageln läßt. Am Ende verklagt er uns wegen Verleumdung und legt alles ganz anders aus.“ Er verzog nachdenklich das Gesicht. „Meg, hast Du genau gehört, dass er nichts weiter gegen Vanessa unternehmen will?“
„Ja, er will sämtliche Aktivitäten einstellen, hat er wörtlich gesagt. Er hofft, dass sie inzwischen eingeschüchtert genug ist, um keine Nachforschungen mehr wegen Misses Richards anzustellen. Außerdem muß ihm Ben heute morgen ziemlich zugesetzt haben. Er hat ihm sogar gedroht, aus der Firma auszusteigen, wenn Gregory weiterhin so krumme Touren versucht.“
„Gut“ nickte Michael. „Dann wäre Vanessa ja erst einmal in Sicherheit. Im Surf Center hab ich sie im Auge, und ich werde versuchen, sie zu überzeugen, nicht weiter zu recharchieren.“
Michaels dunkle Augen blitzten wütend. „Wir müssen uns anderes überlegen. Bis zur Gerichtsverhandlung wird uns hoffentlich noch was einfallen. Irgendwie werden wir ihn schon drankriegen, diesen Mistkerl!“
„Ich muß wieder los, sonst fragt sich Gregory, wo ich so lange bleibe.“ sagte Meg und stand auf. Sie klopfte sich noch einmal den Staub vom Kostüm und sah Michael vielsagend an.
„Pass gut auf sie auf.“
„Keine Sorge, das werd ich.“ antwortete er lächelnd und umarmte sie kurz. „Danke, Meg, dass Du versucht hast, uns zu warnen.“
„Ich bin so froh, das Euch nichts passiert ist.“ erwiderte sie und stieg in den BMW. „Bis dann, Michael.“
 
Als sie die Strasse hinunterfuhr, folgte ihr unauffällig ein schwarzer Mustang mit abgetönten Scheiben.

Jeany

 

 

Alex Mitchum stand am Fenster von Caseys Krankenzimmer und schaute gedankenverloren hinaus auf den großen Park vor der Klinik. Sie wartete, dass ihr Sohn von der Physiotherapie zurückkam.  
Seit dem Tag, als er das erste Mal seine Zehen bewegt hatte, ging seine Genesung stetig vorwärts. Jeder neue Tag brachte kleine, aber bedeutungsvolle Fortschritte, an denen nicht nur er sich freute. Auch Rae blühte richtig auf, seitdem es ihm besser ging, ihre Augen strahlten und auf ihrem Gesicht lag ein Lächeln, dass sie noch viel hübscher erscheinen ließ.
Alex hatte die junge Ärztin inzwischen fest in ihr Herz geschlossen und nahm regen Anteil an den glücklichen Momenten, die ihr Sohn mit seiner Freundin teilte.  
Raes Eltern schienen sich endlich mit der Wahl ihrer einzigen Tochter abgefunden zu haben, und während Mister Chang für ein paar Tage nach China zurückgekehrt war, wo er sich vorort um dringende Firmengeschäfte kümmern mußte, blieb Misses Chang in L.A. bei ihrer Tochter und wohnte sogar mit in deren Wohnung. Rae selbst genoss die entspannte Lage, sie wirkte aufgeschlossener denn je und strahlte Zufriedenheit und Selbstbewusstsein aus.
„Was doch ein paar klare Worte manchmal so bewirken können!“ dachte Alex und schmunzelte, als sich die Tür öffnete und die Physiotherapeutin Casey in seinem Rollstuhl hereinfuhr.
„Hallo Mum!“ begrüßte er Alex freudig lächelnd. „Wartest Du schon lange?“
„Nein, ich bin gerade erst angekommen.“ antwortete sie und nickte der Schwester freundlich zu. „Dankeschön, ich mach das schon.“
Während sich die junge Frau zurückzog, half Alex ihrem Sohn vom Rollstuhl ins Bett. Dabei merkte sie ganz deutlich, dass diese Übung bei weitem nicht mehr so schwierig war wie noch vor ein paar Tagen. Casey machte tolle Fortschritte. Unermüdlich übte er die vorgegebenen Bewegungen. Langsam kam das Gefühl in den Beinen zurück, und auch seine Muskulatur begann sich wieder zu kräftigen.
„Wenn ich so weiter mache, werde ich den Gerichtssaal hoch erhobenen Hauptes und auf meinen eigenen Beinen betreten!“
Alex lachte.
„So ehrgeizig, wie Du übst, traue ich Dir das ohne Weiteres zu. Aber trotzdem würde ich mich an Deiner Stelle zur Verhandlung noch schön hilflos in diesen Rollstuhl setzen, Du weißt, wie verschlagen Anwälte sein können, und ich traue Gregory Richards ohne weiteres zu, dass er es sofort gegen Dich verwendet, wenn er sieht, dass Du wieder laufen kannst.“
Casey sah seine Mutter nachdenklich an.
„Wahrscheinlich hast Du recht, Mum.“ sagte er ernst, „so gerne ich allen daheim zeigen würde, wie weit ich mich schon erholt habe, aber mit Ehrlichkeit allein kommt man gegen Gregory Richards nicht an. Also werde ich es noch eine Weile für mich behalten, was ich alles schon geschafft habe. Und das ärztliche Gutachten ist ohnehin schon fast fertig, daran wird sich bis zur Verhandlung nicht mehr viel ändern.“ Er verzog wütend das Gesicht.
„Weißt Du, ich hätte es Olivia sogar verziehen, dass sie mich über den Haufen gefahren hat, wenn sie ehrlich zu dem gestanden hätte, was sie getan hat, aber wenn ich höre, wie ihr feiner Herr Gemahl mit allen Mitteln versucht zu manipulieren, zu vertuschen und zu betrügen, dann bekomme ich so eine Mordswut im Bauch, dass ich sie liebend gerne beide hinter Gittern sehen würde! Und ich könnte wetten, Gregory steckt auch hinter Vanessas mysteriösem Autounfall... Nein,“ er schüttelte energisch den Kopf, „so einfach soll er nicht davonkommen, diesmal nicht.“

Jeany

 

 

Als Meg wenig später das Gebäude der Liberty Corporation betrat, traf sie am Eingang mit Gregory zusammen.
„Wo kommen Sie denn um diese Zeit her, Meg?“ herrschte er sie unfreundlich an. „Soweit ich weiß, war Ihre Mittagspause bereits vor zwei Stunden!“
„Ich habe keine Pause gemacht, Gregory, ich war nur kurz auf der Baustelle.“ rechtfertigte sie sich und zwang sich zu einem verbindlichen Lächeln. „Einer der Bauleiter dort brauchte dringend die Pläne, die Ben zu Hause überarbeitet hat. Ich habe sie hingebracht. Leider bin ich unterwegs aufgehalten worden.“ fügte sie schnell hinzu, als sie merkte, dass er sich schon zum Gehen umwandte. „Ich kann wirklich von Glück sagen, dass ich noch lebe!“
Gregory stutzte und sah sie erstaunt an.
„Was ist passiert? Ein Unfall?“
„Nun, ob es ein Unfall war, wird zur Zeit noch ermittelt.“ erwiderte Meg und sah ihn gespannt an. „In einem der Häuser in der West- Avenue gab es eine gewaltige Gasexplosion, als ich gerade dort einbog. Zum Glück war ich noch weit genug davon entfernt, sonst hätte ich...“
„Ist jemand verletzt worden?“ unterbrach sie Gregory atemlos.
„Ich weiß nicht, auf jeden Fall kam der Krankenwagen und die Feuerwehr und natürlich jede Menge Polizei.“ berichtete Meg, und das fassungslose Gesicht ihres Arbeitgebers war ihr eine heimliche Genugtuung. „Nun ja, was auch immer diese Explosion verursacht haben mag, sie werden es schon herausfinden. Werden Sie heute Nachmittag noch einmal ins Büro zurückkommen, Gregory?“
„Nein...“ antwortete er zerstreut und seine Gedanken arbeiteten fieberhaft. „Ich habe noch dringende Termine.“
„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag.“ sagte Meg und sah ihm mit zufriedenem Lächeln nach, wie er eilig das Gebäude verließ.
„Das gönne ich Dir, Gregory“ murmelte sie, „Du kannst ruhig ein bisschen zittern!“
 
Sie drehte sich um und wollte zum Fahrstuhl gehen, als sie mit einem großen, schlanken, dunkelhaarigen Mann zusammenstieß. Er trug Jeans und trotz der Hitze eine schwarze Jacke, und seine Augen wurden von einer dunklen Sonnenbrille verdeckt.
Meg taumelte einen Augenblick von der Wucht des Zusammenpralls, doch er fing sie mit starken Armen auf und hielt sie einen kurzen Moment lang fest.
„Entschuldigen Sie vielmals, Miss, das war meine Schuld. Ich sollte wirklich etwas besser acht geben, wo ich hinlaufe!“  
„Ist ja nichts passiert.“ antwortete Meg etwas verwirrt und befreite sich aus seinem Griff.
Der Mann lächelte.
„Tut mir wirklich leid, dass ich Sie erschreckt habe. `Wiedersehen.“ Er nickte ihr freundlich zu und verschwand in Richtung Ausgang. Irritiert starrte Meg ihm nach.  
Irgend etwas am Klang seiner Stimme und der Art, wie er sich bewegte, kam ihr merkwürdig bekannt vor...

Jeany

 

 

"Gabi!", rief Marc erfreut, "schön, dass Du wieder da bist."

Die beiden umarmten sich. "Hi Ricardo", begrüßte Marc den Polizisten, der kurz nach Gabi das Surf Center betreten hatte. Die beiden schüttelten sich herzlich die Hand.

Ricardo nahm Gabi in den Arm.

"Ihr habt Euch also wieder versöhnt?", forschte Marc.

"Ja, so kann man es nennen", erklärte Ricardo grinsend.

"Freut mich für Euch. Ach Gabi", fügte er dann hinzu, "es ist einiges an Post für Dich gekommen, ich hab sie dort drüben aufs Regal gelegt."

"Danke Marc." Gabi ging zunächst zum Telefon und berichtete ihrem Vater, dass sie sicher angekommen sind, dann nahm sie den Stapel Briefe. "Werbung.... Rechnung..... Werbung.... eine Karte von Rebecca und Bryan aus Rio de Janeiro... noch eine Rechnung.... noch mehr Werbung... oh" Sie hielt einen Moment inne. "Eine Vorladung vom Gericht."

Sie legte alle anderen Briefe zunächst einmal beiseite und öffnete die Vorladung. Sie schluckte einen Moment, und setzte sich dann.

"Was gibts?", fragte Marc besorgt.

"Das ist eine Vorladung vom Gericht", erwiderte Gabi. "Der Prozess ist bereits in drei Tagen."

Hickengruendler

 

 

Gregory atmete tief durch. Er hatte einen Polizisten ausgefragt und der hatte ihm versichert, dass es bei der Explosion keine Verletzten gab. Schließlich hatte es nur eine Warnung für Vanessa Hart sein sollen, nicht ihr Tod. Er war bereits auf dem Rückweg ins Büro, als er vor der Fahrstuhltür Jade Sheridan in die Arme lief.

"Was wollen Sie denn hier?", fragte er leicht gereizt.

"Ich wollte Sie besuchen."  Jade setzte ihr charmantestes Lächeln auf. "Ich dachte schon, ich hätte Pech gehabt. Aber nun sind wir uns ja doch noch über den Weg gelaufen."

"Scheint so", erklärte Gregory höflich. "Darf ich fragen, was dieser unerwartete Besuch zu bedeuten hat?"

"Ich habe mich noch gar nicht richtig bei Ihnen bedankt", erklärte Jade. "Dafür, dass Sie erreicht haben, dass ich nicht in zu große Schwierigkeiten komme. Sie wissen schon wieso." "Keine Ursache. Sie wissen, was ich als Gegenleistung von Ihnen erwarte, daß Sie meine Frau..." "Schon gut, ich habe verstanden." Jade streichelte Gregory über die Schulter. "Ich mag ältere Männer, die mich beschützen. Erinnern mich so an meinen Vater." Sie lächelte ihm erneut zu und verschwand dann.

Hickengruendler

 

 

Leicht irritiert über Jades letzte Bemerkung und den eigenartigen Ausdruck in ihren schönen  Augen stieg Gregory in den Fahrstuhl und fuhr nach oben in sein Büro.
Shirley war bereits gegangen, und Meg, die noch emsig schreibend am Computer saß, blickte erstaunt von ihrer Arbeit hoch.
„Gregory, haben Sie was vergessen?“ fragte sie. „Ich dachte, Sie hätten gesagt...“
„Ja, ich muß dringend noch ein paar Sachen erledigen.“ antwortete er geschäftig und eilte zu seinem Büro. „Würden Sie mich bitte umgehend mit dem Büro des Staatsanwaltes verbinden?“
„Natürlich.“ Meg griff nach dem Telefonverzeichnis. Gregory blieb vor ihrem Schreibtisch stehen und rang sich ein Lächeln ab. „Ach, und Meg... kochen Sie uns beiden einen schönen starken Kaffee, ich glaube, den haben wir uns verdient, nachdem wir hier schon Überstunden machen.“
Meg zog überrascht die Augenbrauen hoch und blickte ihm nachdenklich hinterher, als er in seinem Büro verschwand und die Tür hinter sich schloß.
„Sieh mal einer an“ dachte sie, „hier ist aber jemand mächtig gut aufgelegt, nachdem einer gewissen Reporterin zum Glück nichts geschehen ist!“
Sie suchte die gewünschte Telefonnummer und stellte die Verbindung her.
„Liberty Corporation, einen Moment bitte, ich verbinde Sie mit Mister Richards.“

Jeany

 

 

Die Gerichtsverhandlung ließ Gregory keine Ruhe. Er hatte zwar seine Hausaufgaben gemacht und hoffte auch, dass Vanessa Hart ab sofort kein Problem mehr darstellen würde, aber dennoch gab es in seinem ach so ausgeklügelten System einen Schwachpunkt, den er schlecht einzuschätzen vermochte: Casey Mitchum.
Er wußte, dass Casey als Zeuge vor Gericht aussagen sollte, aber er hatte keine Ahnung, in welchem Zustand der junge Mann sich inzwischen befand. War er nach wie vor gelähmt, sah er leidend aus und würde er vielleicht schon aus diesem Grund das Mitgefühl aller Anwesenden im Gerichtssaal erhalten? Wie würde seine Aussage im Einzelnen aussehen?
Er ahnte nichts Gutes, schließlich hatte Olivia ihn in ihrer Trunkenheit fast umgebracht.  
Nein, er wollte nichts riskieren, was den guten Ruf seiner Familie in irgend einer Weise untergraben würde... dieser Zeuge durfte nicht vor Gericht erscheinen. Er mußte sich schleunigst etwas einfallen lassen...
Bereits nach dem ersten Klingeln des Telefons nahm er den Hörer ab.
„Richards?“
„Ja, hier ist Carol Andrews, Büro der Staatsanwaltschaft.“ hörte er eine freundliche, helle Stimme. „Mister Richards, was kann ich für Sie tun?“
Gregory atmete tief durch. Carol Andrews, das traf sich gut. Er wußte, dass die junge Frau heimlich für ihn schwärmte, und ihm aus diesem Grund auch hin und wieder ein paar vertrauliche Informationen zukommen ließ. Dafür schickte er ihr ab und zu rote Rosen ins Büro. So eine Freundschaft mußte man sich warm halten!
„Carol!“ rief er erfreut, „Schön, mal wieder Ihre Stimme zu hören! Ich hoffe, es geht Ihnen gut?“
„Na ja“ antwortete sie tief durchatmend, „es geht so, wenn man bedenkt, dass ich hier in Arbeit und Schreibkram ersticke! Zur Zeit ist es wie verhext!“
„Sie Ärmste!“ schmeichelte Gregory. „Ihr Chef weiß hoffentlich, was er an Ihnen hat!“
Carol lachte.
„Vielleicht wär`s nicht schlecht, wenn Sie es ihm bei Gelegenheit mal sagen könnten!“
„Das werde ich tun, Carol, ganz bestimmt.“ Er räusperte sich. „Nun zu dem Grund, weshalb ich anrufe. Ich wollte gern wissen, ob der Termin für die Gerichtsverhandlung gegen meine Frau schon feststeht.“
„Oh ja, Mister Richards, die Verhandlung findet bereits in drei Tagen statt.“ teilte sie ihm geschäftig mit. „Deshalb habe ich ja so einen Stress hier. Die Vorladungen mit dem genauen Datum sind noch nicht mal alle raus, und ich weiß überhaupt nicht, wie ich die alle rechtzeitig an den Mann bringen soll, zumal mir vorhin noch ein Bote abgesagt hat. Unglücklicherweise hält sich der eine Zeuge derzeit auch noch in L.A. auf... es ist zum Verzweifeln!“
Bei Gregory läuteten alle Alarmglocken. Das war die Lösung! Ein verschlagenes Grinsen zog sich über sein Gesicht.
„Sagten Sie L.A.?“ fragte er nachdrücklich.
„Ja, die Vorladung müßte ins L.A. Memorial Hospital zugestellt werden. Warum fragen Sie?“
„Na ja, vielleicht kann ich Ihnen da sogar behilflich sein und mich so auch einmal bei Ihnen für Ihre zahlreiche Hilfe bedanken! Mein Mitarbeiter fährt heute noch geschäftlich nach L.A., ich werde ihn bitten, die Vorladung dort in der Klinik abzugeben!“
„Ich weiß nicht recht...“ überlegte Carol, „immerhin muß der Brief persönlich zugestellt und vom Empfänger quittiert werden!“
„Kein Problem“ lachte Gregory, „wie gesagt, ich schulde Ihnen was, und wenn Sie mir das Schreiben in der nächsten Stunde hier vorbeischicken, haben Sie morgen früh die Quittung dafür in Ihrem Briefkasten.“
„Oh, Mister Richards, das wäre phantastisch!“ rief Carol Andrews hocherfreut. „Wissen Sie, ich habe schon befürchtet, ich müßte noch selber dorthin fahren! Vielen Dank, ich sorge gleich dafür, dass man Ihnen den Brief vorbeibringt.“
„Nichts zu danken, meine Liebe.“ antwortete er mit gespielt freundlicher Stimme. „Das tue ich doch gerne für Sie!“... „und für mich...“ dachte er, als er auflegte.  
Sekunden später wählte er die Nummer von einem seiner Leute, die es gewöhnt waren, seine Aufträge schnell, präzise und ohne unnötige Fragen zu stellen, ausführten.
„Die Explosion heute in Vanessa Harts Wohnung war ein Fehler!“ sagte er streng und ohne große Vorrede, als sein Gesprächspartner am anderen Ende abnahm. „Aber ich gebe Ihnen die Chance, diese Schlappe wieder gutzumachen. In einer Stunde in meinem Büro. Ich habe einen Auftrag für Sie!“
Gut gelaunt rieb er sich die Hände. Nun mußte er nur noch eine kleine unauffällige Korrektur in Casey Mitchums Vorladung vornehmen, und er war diesen unliebsamen Zeugen los...
„Meg!“ rief er in ungewöhnlich fröhlichem Ton, „ist der Kaffee schon fertig?“

Jeany

 

 

Bette, Sam und Ben saßen in der Hotelsuite zusammen. Ben war dabei einen Grundriss von Edward Davis Haus anzufertigen. Sam saß an seinem Laptop und wertete die Daten aus, die Ben von dem PC in Davis Haus runtergezogen hatte. Bette hockte nervös auf dem Sofa und blätterte in verschiedenen Zeitschriften herum.

„Und?“ sie sah Sam an, „kommt Ihr voran?“

Zufrieden blickt Sam von seinem Laptop auf.

„Ja, Ben hat gut Arbeit geleistet, und Dein Exmann war dumm genug, alles wichtige auf seinem PC abzuspeichern. Wir haben Ihr alles über die Alarmanlage, die Dienstpläne seiner Wachleute und noch einiges mehr.“

„Und das wird Euch helfen?“ fragte Bette. #

„Da bin ich mir ganz sicher.“ antwortete Sam. Ben sah von seiner Skizze auf.

„Bette, besser könnten die Voraussetzungen gar nicht sein.“ sagte er und winkte sie zu sich heran.  „Sieh mal, ich bin mir ganz sicher, dass sich Deine Tochter in diesem Zimmer hier befindet. Es wird zwar durch eine extra Alarmanlage gesichert, aber das dürfte keine Problem sein, diese zu umgehen.“

Bette betrachtete die Zeichnung. 

„Und wann werdet Ihr Emily da raus holen?“ fragte sie leise.

Sam sah Ben an und dieser nickte kurz.

„Ich denke, je eher umso besser. Wir werden heute nacht Deine Tochter da heraus holen.“

Bette seufzte erleichtert auf.

„Gut, diese Warterei halte ich nicht länger aus.“ Sam stellte seinen Laptop aus und ging zu Bette hinüber. Er nahm sie in seine Arme und drückte sie ganz fest an sich.

„Keine Angst, bald wird alles vorüber sein und Du wirst Deine Emily wieder in Deine Arme schließen können.“  Er küsste sie. „Aber nun müssen Ben und ich noch ein paar Besorgungen machen. Warum versuchst Du Dich nicht ein wenig zu entspannen? Ein heißes Bad würde Dir bestimmt gut tun.“

„Kann ich nicht mit Euch kommen?“ fragte Bette.

„Nein, ich denke es ist besser, wenn Ben und ich alleine gehen.“ antwortete Sam „Wir sind bald wieder da. Warum orderst Du nicht ein großes Dinner für uns drei? Wir werden eine lange Nacht vor uns haben, da sollten wir uns vorher stärken.“

„Na gut, aber heute nacht komme ich mit, da hält mich nichts hier zurück.“ sagte Bette.

„Das ist meine Bette.“ lächelte Sam und küsste sie, „Komm Ben, lass uns gehen, wir haben noch einiges vorzubereiten.“

„Seid vorsichtig.“ sagte Bette und die beiden Männer verließen die Suite.

Meg

 

 

Derek und Sara genossen die Ruhe in Kansas. Nach dem Dinner hat Joan die beide förmlich aus dem Haus geschoben, damit sie einen Spaziergang machen.

„Frische Luft ist gut für werdende Mütter.“ hatte Joan zu Sara gesagt, als diese protestieren wollte. „Und ich möchte gerne ein gesundes Enkelkind bekommen. So lange Ihr zwei hier seid, macht Ihr nur Dinge, die gut für Dich und das Baby sind.“ Ohne eine weitere Antwort hatte Joan dann die Tür vor Saras und Dereks Nase verschlossen.

„Deine Mutter weiß was sie will.“ grinste Derek „Jetzt weiß ich auch, wo Du Deinen Dickkopf her hast.“

Sara funkelte Derek an.

„Was soll das heißen?“

Derek zog Sara zu sich heran und küsste sie.

„Das es gut ist, dass Du so einen Dickkopf hast. Wenn Du nicht so hartnäckig gewesen wärst, dann hätte ich Dich bestimmt wieder gehen lassen und ich hätte nie festgestellt, wie sehr ich Dich liebe.“ Er nahm Saras Hand.  „Komm, Deine Mutter hat recht, ein wenig frische Luft wird Dir gut tun.“ sagte er.  „Außerdem ist es schön, Dich ein wenig für mich alleine zu haben.“

„Wie meinst Du das denn jetzt?“ fragte Sara. Derek seufze.

„Sieh mal, langsam scheinen Deine Eltern mich ja zu akzeptieren, aber manchmal sieht Dein Vater mich mit einem Blick an, das ich ganz unsicher werde und mir wie ein kleiner Junge vorkomme. Ich weiß, wenn ich auch nur einen Fehler mache, wird er mir den Kopf abreißen.“

„Mein armer Liebling.“ Sara streichelte zärtlich über Dereks Wange. „Ich werde schon aufpassen, dass Dir nichts passiert.“

„Oh, da bin ich ja beruhigt.“ lachte Derek, und die beiden gingen Hand in Hand durch die angenehm kühle Abendluft.  
 
Als sie nach anderthalb Stunden wieder zur Farm zurückkehrten, wurden sie schon von Joan erwartet.

„Da seid Ihr ja.“ begrüßte Joan die beiden „Mark hat angerufen und gesagt, Du sollst so schnell wie möglich zurückrufen. Es klang sehr dringend.“

„Oh, hat er gesagt, worum es geht?“ fragte Derek. Joan schüttelte Ihren Kopf.

„Nein, nur das Du zurückrufen sollst.“

„Gut,“ sagte Derek „darf ich das Telefon im Wohnzimmer benutzen?“

„Aber natürlich Derek, Du brauchst doch nicht zu fragen.“ antwortete Joan. Sara folgte Derek ins Wohnzimmer.

„Was kann Mark nur wollen?“ fragte sie.

„Ich denke, irgendwas Geschäftliches.“ antwortete Derek und hob den Telefonhörer ab. Er wählte die Nummer vom Deep und schon bald wurde der Hörer am anderen Ende abgenommen. „Das Deep, Mark Wolper am Apparat, wie kann ich Ihnen helfen?“ hörte Derek die bekannte Stimme am anderen Ende der Leitung.

„Ich bin es, Derek. Du wolltest mich dringend sprechen?“

„Hi Derek, gut dass Du anrufst. Hier ist ein Brief für Dich angekommen, da steht extra dringend drauf.“

„Ein Brief? Von wem ist der?“ fragte Derek.

„Von einer Anwaltskanzlei aus L.A.“

„Warum sollte mir ein Anwalt aus L.A. schreiben?“ Derek war verwirrt. „Mark tu mir bitte einen Gefallen. Öffne den Brief und lies ihn mir vor.“ ordnete er an.

„Bist Du sicher? Ich soll wirklich Deine Post öffnen und Dir vorlesen?“ fragte Mark.

„Rede nicht lange rum, tu es einfach. Natürlich erwarte ich von Dir Verschwiegenheit, was auch immer in diesem Brief steht.“

„Okay Boss.“ sagte Mark. Derek hörte ein Rascheln, und kurz darauf las Mark den Brief vor: „Sehr geehrter Herr Evans, wir möchten Sie bitten, so schnell wie möglich unsere Kanzlei in Los Angeles aufzusuchen, um eine Erbschaftsangelegenheit mit Ihnen klären zu können. Mit freundlichen Grüßen R. Johnson. Anwaltskanzlei Johnson, Johnson & Taylor.“

„Ist ja eigenartig.“ sagte Derek. „Steht da auch eine Telfonnummer?“

„Ja,“ antwortete Mark „O4266/744785123“

„Gut,“ Derek notierte sich die Nummer, „danke Mark, ich werde da gleich morgen früh mal anrufen, und behalt das bitte für Dich.“

„Ist doch klar Boss. Viel Spaß noch in Kansas.“

Beide legten auf und Derek drehte sich zu Sara um.

„Eigenartig, anscheinend hat mir jemand was vererbt. Morgen früh werde ich gleich mal in L.A. anrufen.“

„Und Du hast keine Ahnung von wem die Erbschaft stammt?“ fragte Sara. Derek schüttelte seinen Kopf.

„Nein, aber ich hoffe, das werde ich morgen früh herausbekommen.“ Er gähnte. „Die Landluft macht müde.“ stellte er fest. Sara nahm seine Hand.

„Dann lass uns schlafen gehen.“

Hand in Hand stiegen sie die Treppe hinauf.

Meg

 

 

Erschöpft kam Meg am Abend nach Hause. Diese verdammten Statistiken, mit denen Shirley gänzlich auf Kriegsfuß stand, hatten sie länger aufgehalten, als sie zuerst annahm. Aber Gregory hatte morgen eine wichtige Zusammenkunft mit den Bauleitern des Ferienprojektes, und da mußten diese Unterlagen auf dem neusten Stand sein.
„Jetzt ein schönes heißes Schaumbad, Abendessen auf der Terrasse und dann in die Federn...“ dachte Meg, als sie die Tür aufschloss und ins Haus trat.  
Ein kühler Windzug wehte ihr entgegen, so dass die Tür hinter ihr geräuschvoll ins Schloß fiel. Wo kam denn dieser Durchzug her? Eigenartig...
Plötzlich sah Meg, dass die Balkontür sperrangelweit aufstand. Die vorgezogene Gardine bauschte sich leicht im Wind.  
Ein kalter Schauer fuhr ihr über den Rücken.  
Wieso war diese Tür offen? Sollte sie heute morgen vergessen haben, sie zu verschließen? Nein, das konnte sie sich nicht vorstellen...
Ihre Augen wanderten suchend durchs Zimmer, aber sie konnte nichts Verdächtiges entdecken, alles stand an seinem gewohnten Platz. Nichts deutete darauf hin, dass jemand unerlaubt hier eingedrungen war.
Langsam und vorsichtig sah Meg in jedes Zimmer, auch in der oberen Etage. Das Ganze war ihr nicht geheuer, und sie atmete erleichtert auf, als sie sicher sein konnte, allein im Haus zu sein.
Schnell verschloß sie die Verandatür.
„Mach Dich nicht verrückt, Meg, Du bist doch nicht zum ersten Mal allein im Haus!“ schalt sie sich selbst. Trotzdem fuhr sie total erschrocken zusammen, als das Telefon läutete.
Es war Ben.
Meg war froh, seine Stimme zu hören, und während sie seinen Worten lauschte, spielte sie gedankenverloren mit der goldenen Taschenuhr, die neben dem Telefon auf dem Schreibtisch lag.
Später, als sie aufgelegt hatte, betrachtete sie die Uhr genauer. Komisch, die hatte sie bei Ben noch nie gesehen, wieso lag die plötzlich hier? Hatte er sie mitnehmen wollen? Sie sah sehr wertvoll aus, wie ein altes Familienerbstück. Sogar die goldenen Kette wirkte wie frisch geputzt. Der Sprungdeckel war mit zart geschwungenen Verzierungen versehen. Meg ließ ihn aufklappen und staunte. Das schöne Zifferblatt der Uhr zeigte die genaue Zeit an, so als sei sie erst aufgezogen worden.
Vorsichtig legte Meg die Uhr auf den Schreibtisch zurück und ging hinaus, um sich endlich ihr langersehntes Bad einzulassen. Nachdem sie das Zimmer verlassen hatte, löste sich draußen auf der Veranda ein Schatten und verschwand schnell im Gegenlicht der untergehenden Sonne.

Jeany

 

 

Bei Einbruch der Dunkelheit, machten sich Bette, Sam und Ben auf den Weg. Ben und Sam waren ganz in schwarz gekleidet. Bette trug eine Jeans und ein grünes Hemd mit der Aufschrift „Carlos Pizza“. Ihr Haar war unter einer schwarzen, langhaarigen Perücke versteckt, und zur Krönung trug sie ein Baseball Cap, ebenfalls mit der Aufschrift „Carlos Pizza“. Grummelnd lief sie hinter Sam und Ben her.

„Konntet Ihr kein besseres Outfit für mich finden?“ fragte sie. Sam drehte sich zu Bette um. „Willst Du uns nun helfen oder nicht?“ wollte er wissen. Bette nickte.

„Natürlich will ich Euch helfen, aber muss ich mich dafür wirklich als Pizzalieferantin verkleiden?“

„Bette, das haben wir doch ein paar Mal durch gesprochen. Das ist die beste Möglichkeit für uns, auf das Grundstück zu kommen.“ antwortete Sam. Bette begann schneller zu gehen.

„Dann lasst uns zusehen, dass wir es hinter uns bringen. Ich will diese Klamotten nicht länger wie möglich tragen.“

Vor dem Hotel stand der Van, in dem die drei einstiegen. Sam startete den Wagen und fuhr los. Kurze Zeit später, hielt er vor einer Pizzeria und alle stiegen aus. Sie wurden von einem stämmigen Mann erwartet. Er reichte Sam einen Autoschlüssel und Sam gab dem Mann ein Bündel Geldscheine.

„Hinten drin sind wie abgesprochen die Pizzas.“ sagte der Mann und steckte das Geld ungezählt in seine Hosentasche.

„Wir bringen den Wagen so schnell wie möglich zurück.“ sagte Sam.

Ben und Sam kletterten in den hinteren Teil des Wagens. Beide hatten schwarze Rucksäcke bei sich. Bette setzte sich ans Steuer und fuhr los.

Meg

 

 

Wider Erwarten wurde Bette immer ruhiger, je näher sich der Wagen dem Anwesen von ihrem Exmann nährte.

„Macht Euch fertig, Ihr zwei, wir sind gleich da.“ rief sie nach hinten. Wenige Minuten später stoppte sie das Auto am Tor von Edward Davis Anwesen. Bette drückte auf die Klingel und kurze Zeit später knackte es im Lautsprecher.

„Ja bitte?“

„Carlos Pizzaservice, ich bringe die bestellten Pizzas.“ sagte Bette.

„Was für Pizzas?“ fragte die Stimme.

„Ich habe hier eine Bestellung, zweimal Pizza Vierjahreszeiten, eine Salami mit extra Käse und eine Pizza Hawaii.“ zählte Bette auf.

„Sie müssen sich irren, hier hat keiner Pizza bestellt.“ sagte die Stimme.

„Das ist hier doch die Rosewell Road 203, oder?“ fragte Bette.

„Ja das stimmt.“ antwortete die Stimme.

„Dann ist die Lieferung auch für Sie. Ich bekomme 28 Dollar.“ sagte Bette.

„Sie bekommen gar nichts. Wir haben keine Pizzas bestellt.“ bellte die Stimme aus dem Lautsprecher.

„Wie Sie wollen, dann rufe ich aber die Polizei, das ist nämlich auch eine Art von Zechprellung.“ sagte Bette. Sie hörte durch den Lautsprecher ein Stimmengemurmel.

„Also gut, bringen sie die Pizzas rauf.“ sagte dann die Stimme, und das Tor öffnete sich.

Bette legte den ersten Gang ein und fuhr langsam durch das sich öffnende Tor.

„Denk daran, den Wagen bei den großen Büschen abzuwürgen.“ erinnert Ben sie.

„Ja, schon gut, da denke ich dran.“ Langsam fuhr Bette die lange Auffahrt hinauf. Kurz vor den Büschen, die Ben erwähnt hatte, ließ sie das Auto ein paar mal bocken, ehe sie es abwürgte. Schnell und leise sprangen Ben und Sam aus dem Wagen und versteckten sich hinter den Büschen. Von dort aus beobachteten sie, wie Bette weiter fuhr. Vor der Haustür angekommen, stoppte sie den Wagen und stieg aus. Sie holte die Pizzas aus dem hinterem Teil des Wagens und ging zur Haustür hinüber. Dort wurde sie schon erwartet.

„Nun geben Sie schon her.“ sagte der Mann ungeduldig. Fast riss er Bette dabei die Kartons aus der Hand.

„Hey, halt, ich bekomme noch 28 Dollar.“ sagte Bette. Der Mann drücket Ihr drei Zehner in die Hand.

„Den Rest können Sie behalten und nun sehen Sie zu, dass Sie verschwinden.“ sagte der Mann. Bette stieg wieder in das Auto und so langsam wie sie gekommen war, fuhr sie wieder Richtung Strasse. Ein paar Blocks weiter, parkte sie und wartete.

Meg

 

 

Ben und Sam hielten sich hinter den Büschen versteckt, bis Bette das Grundstück wieder verlassen hatte und die Haustür geschlossen wurde. Ben öffnete seinen Rucksack und holte eine braune Papiertüte heraus.

„Lass uns das Fleisch für die Hunde auslegen.“ sagte er zu Sam. Er öffnete die Tüte und reichte Sam ein paar Fleischstücke. „Hier, geh Du links herum, ich übernehme die rechte Seite.“ flüsterte Ben.

„Gut, bleib nur zu hoffen, dass sie die da drin die Pizza schmecken lassen.“ flüsterte Sam zurück. „Wird schon gut gehen, ich denke nicht, dass sie die Pizzas einfach stehen lassen.“

„Okay,“ Sam setzte sich langsam in Bewegung.  „wir treffen uns auf der Rückseite.“

Ben nickte und schlich sich in die entgegengesetzte Richtung davon. Wenige Minuten später trafen sie sich auf der Rückseite des Hauses wieder.

„Alles okay bei Dir?“ fragte Sam flüsternd. Ben nickte.

„Lass uns jetzt lieber in Deckung gehen, bis die Hunde das Fleisch gefressen haben.“ Geduckt liefen die Beiden zu einer großen Eiche hinüber und kletterten hinauf. Von dort aus beobachteten sie, wie einige Minuten später die Hunde herausgelassen wurden. Von ihrem hohen Aussichtspunkt aus konnten die beiden Freunde beobachten, wie die zwei Hunde in Null Komma nichts die Fleischstücken aufgefressen hatten. Dann dauerte es nur noch weitere zehn Minuten, bis sich die Tiere hinlegten und einschliefen.

„Gut,“ sagte Sam leise, „jetzt hoffen wir nur, das drinnen auch alles glatt gegangen ist.“

Sie verließen Ihren Aussichtspunkt. Geduckt liefen sie über den Rasen zur Hintertür. Sam holte eine Zange aus dem Rucksack. Vorsichtig glitt er mit den Fingern den Türrahmen.

„Ich hab den Draht.“ flüsterte er. Mit geschickten Fingern kappte er den Draht. Danach machte er sich an dem Türschloss zu schaffen und schon nach wenigen Augenblicken sprang die Tür auf. Leise betraten Ben und Sam das Haus. Im dunklen Flur blieben sie einen Augenblick stehen und lauschten, ob von irgendwoher Geräusche kamen, aber nichts war zu hören. Langsam, fast katzengleich bewegten sie sich vorwärts. An einem Verteilerkasten stoppte Ben. Leise öffnete er den Kasten und drückte auf ein paar Schalter.

„So, nun ist die Alarmanlage ausgeschaltet und die Videoüberwachungsanlage steht auf Stand by.“ flüsterte er. Wieder ganz leise schlichen sie weiter. Als nächstes kamen sie an der Küche vorbei. Als sie hineinsahen, bot sich Ihnen ein friedliches Bild. Vier ausgewachsene Männer lagen schlafend über dem Küchentisch. Die vier Pizzakartons standen daneben. Ben lächelte.

„Na, das hat doch super geklappt.“

„Ja,“ sagte Sam „dann wollen wir nur hoffen, dass sich nicht noch mehr Männer im Haus aufhalten.“ Schnell liefen sie die Treppe hinauf. Der obere Flur lag dunkel und verlassen da. Ben deutete auf eine Tür am Ende des Ganges.

„Ich wette, dort hält sich Emily auf.“ Mit schnellen Schritten erreichten sie die Tür. Sam versuchte sie zu öffnen, aber wie er erwartet hatte, war sie verschlossen. Noch einmal griff er in seinen Rucksack und holte ein kleines Etui heraus. Sorgsam wählte er ein kleines Werkzeug aus und mit wenigen Bewegungen knackte er das Schloss. Langsam öffnete er die Tür und sah hinein. In einer Ecke, auf einem Sofa zusammengekauert, saß Emily und schaute Sam mit großen, erschrockenen Augen an.

„Hi Emily, ich bin es, Sam Peterson. Ihre Mutter wartet draußen auf uns.“ sagte er. Es dauerte einen Augenblick, dann aber erkannte Emily Sam wieder.

„Sam, was machen Sie denn hier und wie sind Sie hereingekommen?“ fragte sie.

„Ihre Mutter war in Sorge um Sie, nachdem uns Ihre Freundin erzählt hat, was los war.“ antwortete Sam. Emily stand auf und umarmte Sam.

„Ich bin ja so froh, dass Sie hier sind.“ sagte sie.

„Sam, wir sollten uns nicht länger wie nötig hier aufhalten.“ sagte Ben.

„Du hast recht.“ nickte Sam. Er nahm Emilys Hand.

„Wollen Sie mit uns kommen? Draußen wartet Ihre Mutter sehnsüchtig auf Sie.“

Emily nickte.

„Hier hält mich nichts.“ Schnell gingen die Drei die Treppe hinunter. Sie verließen das Haus durch die Vordertür. Ben drückte auf dem Weg nach draußen den Schalter für das elektrische Eingangstor, so dass sie ungehindert hindurch gehen konnten. Emily zwischen sich nehmend liefen sie so schnell wie sie konnten zum Fahrzeug zurück. Kaum hatte Bette die Drei entdeckt, sprang sie aus dem Auto. Sie lief auf sie zu und umarmte Emily.

„Emily, Gott sei dank, Du bist hier.“

Sam drängte sie vorwärts zum Auto.

„Lass uns lieber erst einmal hier verschwinden. Feiern können wir gleich im Hotel.“ sagte er dabei. Schnell stiegen alle ein und Ben lenkte das Auto zur Pizzeria zurück.

Meg

 

 

Kaum in der Hotelsuite angekommen, nahm Bette Ihre Tochter in den Arm.

„Ich dachte schon, ich sehe Dich nie wieder.“ sagte sie. Emily liefen die Tränen über das Gesicht „Das gleiche dachte ich auch.“

Bette führte Ihre Tochter erst einmal zum Sofa hinüber.

„Komm her, setzt Dich und dann erzählst Du uns erst einmal, was alles passiert ist.“

„Ja“ schluchzte Emily. Ben und Sam setzten sich auch, und Sam reichte Emily ein Taschentuch. Die junge Frau trocknete ihre Tränen und begann zu erzählen.

„Kurz nachdem Ihr gegangen seit, ist meine Freundin Kelly nach Hause gekommen. Ich war noch ganz verwirrt von Eurem Besuch, aber als ich Kelly alles erzählt habe, wurde mir klar, wie viel mir Dein Besuch bedeutet hat und das ich Dich unbedingt wieder sehen wollte. Darum habe ich ja noch am gleichen Abend angerufen. Gleichzeitig bin ich aber immer wütender auf Vater geworden. Schließlich habe ich ihn angerufen und wollte ihn zur Rede stellen, warum er mir erzählt hat, dass Du tot bist. Aber ich hätte wissen müssen, dass das ein Fehler war. Es hat nicht lange gedauert und Vater stand mit zwei seiner Leute vor der Tür. Ohne mich zu fragen haben diese Kerle meine Sachen zusammen gepackt. Natürlich habe ich mich gesträubt mitzugehen, aber der eine Kerl hat mich einfach über seine Schulter genommen und ins Auto verfrachtet. Seit dem war ich in dem Zimmer in Vaters Haus eingeschlossen.“

„Oh mein Gott.“ Bette nahm Ihre Tochter erneut in den Arm.

„Ich verstehe nicht, wie ein Vater so was seiner eigenen Tochter antun kann.“ sagte Ben.

„Mein Vater und ich hatten nie ein normales Vater-Tochter Verhältnis. Er ist ein egoistischer kaltherziger Mann, der vor nichts zurück schreckt. Ich bin mir sicher, dass er schon nach einer Möglichkeit gesucht hat, mich so schnell wie möglich außer Landes zu schaffen.“ antwortete Emily.

„Oh Emily, es tut mir so leid, dass ich noch nicht früher nach Dir gesucht habe, aber genau das hat Edward mir immer angedroht. Außerdem hatte ich nicht die Kraft gegen Edwards Davis anzukämpfen.“ sagte Bette.

„Mom, glaube mir, ich weiß wie er ist und mache Dir keinen Vorwurf.“ Emily blickte ihre Mutter an.

„Mein armes Mädchen, all diese Jahre bei so einem Vater zu leben.“ sagte Bette.

„Na ja, seid ich sechs war, habe ich, zum Glück, nicht viel Zeit im Haus meines Vaters verbracht. Mit sechs hat er mich ins Internat gesteckt und in den Sommerferien immer in ein Camp. Zu Hause war ich nur selten.“

„Ich kann immer noch nicht glauben, wie jemand so kaltherzig sein kann.“ stellte Ben erneut fest. „Nachdem was ich in den letzten Tage alles über diesen Kerl herausgefunden habe, überrascht mich bei Edward Davis gar nichts mehr.“ sagte Sam. Er blickte auf seine Uhr „Uhm, wir haben ja schon fast drei Uhr, langsam sollten wir schlafen gehen.“ Sam sah zu Ben hinüber. „Ich will morgen dem sauberen Mr. Davis noch einen Besuch abstatten, willst Du mich begleiten?“

Ben nickte.

„Diesem Mistkerl will ich gerne kennenlernen.“ Ben kannte seinen Freund nur zu gut und wusste, das Sam mit Edward Davis noch nicht fertig war.

„Sam, denkst Du denn, wir sind hier heute Nacht sicher?“ fragte Bette ein wenig ängstlich.

Sam nickte.

„Keine Angst. Erstens habe ich die Suite auf meinen Namen gebucht und ich denke nicht, dass er den kennt. Zweitens habe ich dem Hotelpersonal angewiesen, niemanden zu uns zu lassen.“

„Und wenn er die Polizei einschaltet und Emily als entführt meldet?“ wollte Bette nun wissen. „Ich denke nicht, dass er das wagen wird.“ antwortete Sam. „Edward Davis hat selber zu viel Dreck am Stecken, um die Polizei einzuschalten.“

Ben stand auf.

„Vertrau einfach Sam, Bette.“ sagte er „Er weiß genau, was er tut. Gute Nacht.“

„Gute Nacht.“ antworteten die anderen und Ben verließ die Suite.

Meg

 

 

Als Vanessa am nächsten Tag zum Frühstück herunterkam, schallte ihr fröhliches Lachen entgegen. Virginia und Michael saßen gemeinsam mit Jimmy am Küchentisch und tauschten gemeinsame Erinnerungen aus, während es nach Kaffee und frischen Brötchen duftete.
„Wie eine kleine Familie...“ dachte Vanessa und ein plötzliches Gefühl der Eifersucht regte sich in ihr und schnürte ihr die Kehle zu. Zögernd trat sie näher.
„Guten Morgen!“
Virginia sah ihr lächelnd entgegen.
„Hallo Vanessa“ sagte sie freundlich, „komm, setz Dich doch zu uns. Michael hat frische Brötchen geholt und Kaffee ist auch noch da.“
„Danke, aber ich hab keinen Hunger.“ antwortete Vanessa mit einem vagen Lächeln. „Ich muß gleich in die Redaktion, bin schon spät dran.“
Michael war aufgesprungen und umarmte sie.
„Na Scoop, wie war Deine erste Nacht im neuen Heim? Hast Du gut geschlafen?“
Vanessa nickte.
„Wenn ich bedenke, was in den letzten Tagen alles geschehen ist, habe ich wirklich ausgezeichnet geschlafen.“ meinte sie und kuschelte sich in seinen Arm.
„Scoop?“ fragte Jimmy und sah erstaunt von Michael zu Vanessa. „Warum nennst Du sie so, Daddy?“
Die beiden lachten.
„Weil sie eine Klasse- Reporterin ist, die sich nicht mit Kleinigkeiten abgibt. Es passt einfach gut zu ihr!“
„Sollen wir Dich dann jetzt auch so nennen?“ erkundigte sich Jimmy vorsichtig.
Michael lachte.
„Nein Sportsfreund, das darf nur ich!“
„Aber warum?“ bohrte der Junge weiter.
„Jimmy!“ ermahnte ihn seine Mutter und stand auf. „Na Vanessa, nicht doch noch einen Moment Zeit für eine Tasse Kaffee?“ fragte sie und winkte bedeutungsvoll mit der Kanne.
„Okay, aber nur eine kleine.“ stimmte Vanessa zu und setzte sich.  
Sie betrachtete Virginia nachdenklich, wahrend diese den Kaffee eingoß. Ob sie wirklich nur eine alte Freundschaft mit ihrem Exmann verband, oder warum war sie so plötzlich mit ihrem Sohn hierher gekommen?
„Weißt Du schon, ob Du in Sunset Beach bleiben willst?“ fragte sie unvermittelt. Virginia warf ihr einen kurzen erstaunten Blick zu.
„Na ja“ sagte sie zögernd, „ich bin mir noch nicht sicher. Kommt darauf an, ob ich hier eine Arbeit finde.“
„Natürlich finden wir was für Dich.“ meinte Michael zuversichtlich. „Wir ziehen nachher beide los und werden uns nach was Geeignetem umsehen. Ich muß heute erst am Nachmittag arbeiten, da passt es gut. Und wenn Du erstmal einen Job hast, kannst Du Jimmy gleich noch in der Schule anmelden, damit er nicht zuviel versäumt.“
„Och, Schule...“ maulte der Junge und verzog das Gesicht.
„Er verbindet Sunset Beach immer mit ewigen Ferien!“ lachte Virginia und meinte dann in gespieltem Ernst: „Aber jetzt ist Schluß damit, wir müssen beide was tun, mein Sohn!“
„Fragt sich nur, was!“ dachte Vanessa insgeheim und schluckte schwer.

Jeany

 

 

"Olivia!", erklang Gregorys schneidende Stimme.

"Was gibts?", fragte diese und eilte die Treppe hinunter.

"Ich möchte Dir jemanden vorstellen", erklärte ihr Ehemann. "Das ist Lourdes."

Olivia blickte auf die dunkelhaarige Frau neben Gregory, die die Kleidung eines Dienstmädchens trug und allem Anschein nach soeben das Frühstück serviert hatte.

"Nett", sagte Olivia nur. "Aber wo ist Rose?"

"Ich habe ihr auf unbestimmte Zeit freigegeben, bis sich die Wogen etwas geglättet haben", knurrte Gregory, und Olivia wusste sofort, worauf er anspielte.

"Ach wegen..."

"Ganz recht", murmelte Gregory und gab Olivia mit einem Wink auf Lourdes zu verstehen, still zu sein. Lourdes schien das ebenfalls zu verstehen und eilte Richtung Küche. "Ich habe es für besser gefunden, wenn Rose während des Prozesses nicht da ist. Neulich hat sie sich bei Ben wohl fast verplappert und ich möchte nicht, dass jemand auf den Gedanken kommt, sie könnte etwas über Deine Eskapade wissen und sie als Zeugin vorladen."

Olivia nickte kurz.

"Ich habe alles genau durchdacht", erklärte Gregory. "Sehr wahrscheinlich wirst Du freigesprochen. Aber wir wollen ja nicht, dass irgendwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt."

Hickengruendler

 

 

Beim Frühstück wirkte Derek sichtlich nervös. Sara nahm seine Hand und drückte sie sanft. „Warum gehst Du nicht rüber ins Wohnzimmer und rufst diesen Anwalt an?“ fragte sie.

Derek nickte.

„Ich denke das wird das beste sein.“ antwortete er.

„Hast Du denn immer noch keine Ahnung, um was für eine Erbschaft es sich handelt?“ wollte Sara wissen. Derek schüttelte seinen Kopf.

„Ich habe keine Ahnung was das alles bedeuten soll. Ich kenne niemanden in L.A., der mir irgendetwas hätte vererben können.“

„Ruf da an, vielleicht weißt Du dann mehr.“ Aufmunternd lächelte Sara Derek an. Dieser stand auf und ging in das Wohnzimmer der Cummings. Er holte aus seiner Hosentasche den Zettel mit der Telefonnummer der Anwaltskanzlei heraus und begann zu wählen. Nach kurzem Klingeln meldete sich eine Frauenstimme.

„Anwaltskanzlei  Johnson, Johnson & Taylor, wie kann ich Ihnen helfen?“

„Guten Tag, mein Name ist Derek Evans.“ antwortete Derek. „Ich möchte gerne mit R. Johnson sprechen.“

„Einen Augenblick bitte.“ sagte die Frauenstimme. Wenige Augenblicke klickte es in der Leitung „Ronald Johnson, ja bitte?“

„Guten Tag, mein Name ist Derek Evans.“ wiederholte Derek. „Ich habe gestern einen Brief von Ihnen erhalten, dass ich mich wegen einer Erbschaftsangelegenheit mit Ihnen in Verbindung setzten soll.“

„Das ist richtig Mr. Evans.“ antwortete Mr. Johnson. „Aber es wäre besser, wenn Sie bei uns vorbei kommen würden. Die Angelegenheit können wir nicht am Telefon besprechen.“

„Muss das wirklich sein? Ich bin gerade im Urlaub in Kansas.“ wollte Derek wissen. „Können Sie mir denn nicht wenigstens sagen, wer mir da was vererbt hat?“

„Es tut mir leid Mr. Evans, aber diese Angelegenheit können wir nur persönlich mit Ihnen besprechen.“ antwortete der Anwalt. „Und auch dann müssen Sie sich zuerst ausweisen.“

„Ich kenne aber niemanden in L.A., der mir irgendwas hinterlassen haben könnte.“ sagte Derek. „Mr. Evans, ich kann Sie durchaus verstehen. Ich kann Ihnen nur so viel sagen, Sie sollten so schnell wie möglich kommen sollten, da es sich um eine größere Geldsumme handelt.“

„Okay, wenn es nicht anders geht, dann muss ich wohl kommen.“

„Tun Sie das Mr. Evans. Ich verspreche Ihnen, Sie werden es nicht bereuen.“ sagte Ronald Johnson.

„Gut, ich weiß aber noch nicht, wann ich da sein werde.“ antwortete Derek.

„Wenn Sie hier sind, kommen Sie einfach vorbei. Ich bin meistens in meinem Büro anzutreffen.“ sagte der Anwalt.

„Danke, bis dann.“ sagte Derek und legte den Hörer auf. Sara sah Derek erwartungsvoll an „Und?“

„Tja,“ Derek kratzte sich an der Augenbraue „viel schlauer bin ich jetzt auch nicht. Der Anwalt meinte, die Sache können wir nur persönlich besprechen, da es sich um eine größere Geldsumme handelt. Ich soll nach L.A. kommen.“

Ohne ein Wort zu sagen, nahm Sara den Hörer ab und begann zu wählen. Derek sah sie an.

„Was machst Du da?“ fragte er.

„Ich reserviere uns zwei Tickets für den nächsten Flug nach L.A.“ lächelte sie Derek an.

Meg

 

 

Nach einer unruhigen Nacht wachte Sam früh am nächsten Morgen auf. Bette hatte sich die ganze Nacht hin und her gewälzt. Zu seiner Überraschung war das Bett neben ihm schon leer. Er stand auf und zog sich seinen Morgenmantel über, bevor er das Wohnzimmer betrat. Dort saßen Emily und Bette bereits zusammen und waren am Erzählen. Sam ging zu Bette hinüber und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Guten Morgen, ich hoffe, Du hast wenigstens etwas geschlafen?“

Bette lächelte Sam an.

„Es geht so, Big Boy.“

Sam schaute zu Emily hinüber.

„Ich hoffe, Du hast wenigstens gut geschlafen.“

Emily nickte.

„Danke, besser wie in den letzten Tagen.“

„Gut“ lächelte Sam zurück. „Was haltet Ihr zwei davon, wenn ich uns über den Roomservice das Frühstück bestelle, und wir Ben dazu einladen?“ fragte er.

„Das ist eine gute Idee, Big Boy.“ antwortete Bette. „Aber ich werde das machen. Du kannst in der Zwischenzeit duschen und Dich rasieren, Du kratzt ein wenig.“ Sanft strich sie Sam dabei über das Kinn. Er beugte sich vor und küsste Bette zart auf die Lippen.

„Gut, ich bin gleich zurück.“ Und schon verschwand er im Badezimmer.
 
Emily sah Ihre Mutter an und lächelte.

„Sam ist wirklich nett.“

Bette nickte.

„Ja, ich hätte nie gedacht, dass ich einem Mann wie ihm je begegnen würde.“

„Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er mich da so einfach rausgeholt hat. Ich meine, es war doch auch ein Risiko in Dads Haus einzudringen und mich zu befreien.“

„Das ist mein Sam.“ lächelte Bette. „Er wusste, wie viel mir daran liegt und er hat es einfach getan.“

„Ich mag ihn, Du solltest ihn nicht wieder laufen lassen.“ sagte Emily. Bette spielte mit ihrem Ring am Finger.

„Keine Angst, das habe ich auch nicht vor. Vor kurzem hat Sam mich gefragt, ob ich ihn heiraten will. Ich habe ihm aber erst später von Dir erzählt, da ich mir nicht sicher war, wie er darauf reagieren wird.“

„Und?“ wollte Emily wissen. Bette lachte.

„Er hat über das ganze Gesicht gestrahlt und meinte, dass er ja dann auch gleich Vater wird, wenn wir heiraten.“

Emily umarmte Ihre Mutter.

„Ich freue mich für Dich.“

„Danke Emily und ich freue mich, Dich endlich wieder zu haben.“ sagte Bette. Dann griff sie zum Telefonhörer. „Aber nun werde ich erst mal das Frühstück bestellen und danach Ben anrufen.“

Meg

 

 

„Verdammter Mist!“ Wutentbrannt sprang Annie aus ihrem Wagen und trat fluchend und wenig damenhaft gegen den linken Vorderreifen ihres roten Mustang. „Blöde Schrottkarre, mußt Du mich mitten in dieser Wildnis im Stich lassen!“ Resigniert sah sie sich um. Eine einsame Landstrasse, die durch ein scheinbar unbewohntes Niemandsland zu führen schien, lag vor und hinter ihr und ließ ihre Stimmung unterhalb des Gefrierpunktes sinken.
„Dämliche Kuh!“ beschimpfte sie sich selber, „warum mußtest Du auch durch diese Einöde kutschen, anstatt auf der Küstenstrasse zu bleiben!“ Sie ging zurück zur Fahrertür und kramte ihr Handy aus der Tasche. Wütend tippte sie eine Nummer in die winzigen Tasten und registrierte anschließend einigermaßen erleichtert, dass das Rufzeichen ertönte, was bedeutete, dass die gewünschte Leitung frei war. Das allerdings ihr Gesprächspartner nicht dazusein schien, war ihr nicht in den Sinn gekommen.
„Zum Teufel nochmal, Cole, nimm gefälligst den Hörer ab!“ keifte sie. „Wo steckst Du denn, wenn man Dich mal braucht!“ Schließlich gab sie auf und versuchte es mit einer anderen Nummer. Piep... machte ihr Handy und teilte ihr damit unmißverständlich mit, dass der Akku leer war.
„Das darf doch alles nicht wahr sein!“ stöhnte sie und befürchtete gleich zu platzen. Um sich irgendwie abzureagieren, holte sie aus, um ihr armes unschuldiges Handy an den nächsten Baum zu schmettern, als hinter ihr eine angenehme Stimme erklang:
„Das würde ich lieber nicht tun, Miss! Ich bin mir zwar nicht sicher, was die herumfliegenden Einzelteile eines Handys bewirken, aber im Allgemeinen bedeuten Scherben Unglück. Ich würde es nicht darauf ankommen lassen!“
Zu Tode erschrocken fuhr Annie herum. In ihrer Rage hatte sie den herankommenden Wagen überhaupt nicht gehört und starrte nun fassungslos auf den schlanken, dunkelhaarigen Mann, der ausgestiegen war und sie mit amüsiertem Lächeln betrachtete. Er trug Jeans, ein schwarzes Hemd, dessen obere Knöpfe lässig geöffnet waren, und eine Sonnenbrille.
„Klugscheißer!“ schnauzte Annie, nachdem sie sich einigermaßen gefasst hatte. „Was fällt Ihnen ein, sich so an mich heranzuschleichen! Haben Sie nichts besseres zu tun als hier herumzustehen und so dämlich zu glotzen?“
Ihre Wutattacke bewirkte lediglich, dass er noch breiter grinste.
„Klar hätte ich besseres zu tun, Miss. Ich könnte zum Beispiel in meinen Wagen steigen und weiterfahren, und Sie hier in der prallen Sonne stehen lassen, bis Sie wie ein frisch gegrilltes Brathühnchen aussehen!“
„Bastard!“ fauchte Annie und kniff die Augen zusammen. „Lassen Sie mich in Ruhe und verschwinden Sie!“
Er zuckte nur gleichgültig mit den Schultern.
„Ganz wie Sie wünschen!“ Damit drehte er sich um und ging zu seinem Wagen zurück.
Mit einem Schlag wurde Annie die momentane Ausweglosigkeit ihrer Lage bewußt.
„He, warten Sie!“ rief sie widerwillig und lief ihm panisch nach. Da er keine Anstalten machte, stehenzubleiben, griff sie hilfesuchend nach seinem Arm. In dem Moment drehte er sich um, nahm die Brille ab und Annie sah in zwei unglaublich blaue Augen, die ihr merkwürdig bekannt vorkamen...

Jeany

 

 

Bette, Emily, Sam und Ben genossen ihr gemeinsames Frühstück. Sie erzählten und lachten viel. Nach einer Weile, sah Ben Bette ernst an.

„Sag mal Bette, wie bist Du eigentlich an einen Kerl wie Edward Davis gelangt?“ fragte er.

Bette seufzte.

„Das hatte ich meinem Vater zu verdanken.“ fing sie an zu erklären. „Ich hatte gerade die zweite Scheidung hinter mir. Beide Ehen waren eigentlich mehr Trotzreaktionen gegenüber meinem Vater. Wie Du ja weißt, war mein Vater nicht unvermögend. Er hatte meine beiden ersten Männer nicht akzeptiert und mir auch gleich den Geldhahn abgedreht. Nun ja und wie er es vorausgesehen hatte, haben die beiden Ehen nicht lange gehalten.“ Bette machte eine kurze Pause. „Ich war damals noch jung und wusste nicht was ich machen sollte. Außerdem war ich verwöhnt und verzogen. Arbeiten wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Also habe ich das einzigste gemacht, was mir einfiel, ich bin zu Daddy zurück. Kurze Zeit später hat Daddy mir seinen neuen Geschäftspartner, Edward Davis, vorgestellt. Wenn Edward will, dann kann er sehr charmant und galant sein. Daddy war schnell sehr begeistert von Edward und als dieser begann, sich für mich zu interessieren, war er mehr als glücklich. Edward hat dann schnell um meine Hand angehalten. Ich war mir nicht sicher, aber Daddy meinte, nach den zwei Pleiten zuvor, sollte ich doch einmal im Leben das richtige machen.“

Bette trank einen Schluck Kaffee, bevor sie fortfuhr. 

„Ein paar Monate später haben wir geheiratet und Daddy hat Edward in der Firma zu seinem gleichwertigen Partner gemacht. Kurz nach Emilys Geburt ist mein Vater tödlich verunglückt. Die Testamenteröffnung war dann ein Schock für mich. Del hat natürlich sein Erbteil bekommen und damit seine eigene Firma gegründet. Mein Erbteil hat Daddy Edward vererbt mit dem Vermerkt, bei meinem Mann wäre das alles in besseren Händen und ich bräuchte mir mein hübsches Köpfchen nicht darüber zu zerbrechen. Nach der Testamenteröffnung veränderte sich Edward sehr schnell und hat mir das Leben zur Hölle gemacht. Ich wusste ja nicht an wen ich mich wenden sollte. Del meinte, ich würde übertreiben und ihn damit nicht belästigen. Schon bald habe ich festgestellt, dass Edward mich betrogen hat. Ich habe ihn zur Rede gestellte, aber er meinte nur, wenn es mir nicht passt, dann solle ich doch gehen. Allerdings würde ich dann Emily nie wieder sehen. Etwas über ein Jahr habe ich noch durchgehalten, aber als dann eines Tages seine neue Geliebte in unser Haus einzog und er mir eröffnet hat, ich soll meine Sachen packen und in den Personaltrakt ziehen, weil er meinen Anblick nicht mehr ertragen könne. Das war dann doch zuviel für mich. Ich habe Edward verlassen und die Scheidung eingereicht. Leider hat er mir auch daraus einen Strick gedreht. Vor Gericht hat er dann ausgesagt, ich hätte unser Tochter vernachlässigt und mutwillig unsere Ehe zerstört. Natürlich bekam er Recht. Tja, was dann kam, habe ich Euch ja schon erzählt, ich durfte Emily nicht wieder sehen.“

Entsetzt sahen Emily, Sam und Ben Bette an. Emily umarmte ihre Mutter.

„Mein Gott das ist ja schrecklich.“ sagte sie.

„Und was ist mit Deinem Erbe geschehen?“ fragte Sam.

„Was soll damit sein? Daddy hatte alles Edward vermacht, und ich konnte nichts dagegen tun.“ Wütend erhob sich Sam.

„Ben, ich denke es ist Zeit, Mr. Davis noch einen Besuch abzustatten.“

„Ich glaube Du hast recht.“ stimmte Ben zu. Sam nahm Bette in den Arm.

„Keine Angst, meine Schöne. Edward Davis wird Dir nichts mehr tun, dafür werde ich sorgen.“ „Tu nichts Unüberlegtes, Sam.“ sagte Bette.

„Das werde ich nicht, keine Angst. Aber ich werde dafür sorgen, dass er bekommt, was er verdient.“ Er drehte sich zu Ben um. „Komm, wir haben was zu erledigen.“

Die beiden Männer verließen die Hotelsuite.

Meg

 

 

Sara und Derek waren dabei ihre Koffer zu packen, als es an der Zimmertür klopfte.

„Ja, komm rein.“ rief Sara. Die Tür öffnete sich und Joan betrat das Zimmer. Sie sah die fast fertig gepackten Koffer und seufzte.

„Und Ihr wollt wirklich schon wieder weg?“

„Mom, ich habe es Dir doch vorhin schon erklärt. Derek muss unbedingt nach L.A., am Telefon wollten sie ihm ja keine Auskunft geben.“ sagte Sara.

„Ja ich weiß und ich verstehe es ja auch, aber ich hatte eben doch gehofft, ich könnte Euch noch ein wenig hier behalten. Die Ruhe hier würde Euch beiden gut tun.“

Sara umarmte ihre Mutter.

„Ich weiß Mom, aber Derek würde jetzt hier doch keine Ruhe finden, so lange er nicht weiß, was das mit dieser mysteriösen Erbschaft auf sich hat. Und ehrlich gesagt, bin ich auch neugierig, was das alles zu bedeuten hat.“ erklärte Sara.

„Du hast ja recht.“ Joan lächelte. „Ich bin ja auch nur herauf gekommen, um Euch bescheid zu sagen, das Dad soweit ist und Euch zum Flughafen fahren kann.“

„Danke Mom, wir kommen gleich runter.“ sagte Sara.

„Ist gut, ich warte dort auf Euch.“ antwortete Joan und verließ das Zimmer. Derek zog Sara zu sich heran.

„Du weißt, Du brauchst nicht mitkommen. Wenn Du lieber hier bleiben möchtest, dann verstehe ich das und ich komme so schnell wie möglich zurück.“ sagte er. „Ich meine, vielleicht hat Deine Mutter recht, die Ruhe hier wäre besser für Dich.“

Sara sah Derek an.

„Und Dich ganz alleine nach L.A. fahren lassen, wo so viel schöne Frauen rumlaufen? Nur über meine Leiche.“

Derek lachte und küsste Sara.

„Wann glaubst Du mir endlich, dass es für mich nur noch eine Frau auf der Welt gibt, Dich?“ fragte er.

„Das glaube ich Dir ja, aber dennoch muss ich Dich ja nicht in Versuchung führen.“ lächelte Sara „Und nun mach die Koffer zu und komm, sonst verpassen wir noch unseren Flieger.“

„Ja, ich komm ja schon.“ Derek ließ die Schlösser der Koffer einschnappen und trug sie die Treppe hinab. Sara folgte ihm.

Vor dem Haus stand bereits das Auto der Cummings. Derek legte die Koffer in den Kofferraum und schloss die Klappe. Joan umarmte erst Sara und dann Derek.

„Passt gut auf Euch auf und ruft an, sobald ihr was neues wisst. Und Du, Derek, pass gut auf Sara und Euer Baby auf. Sara braucht jetzt viel Ruhe.“

„Keine Angst Joan, ich lasse sie nicht aus den Augen.“ antwortete Derek. Dann drehte er sich zu Sara um. „Wir müssen jetzt wirklich los.“

„Ja!“ Sara umarmte ihre Mutter ein letztes Mal und dann stiegen sie und Derek zu ihrem Vater ins Auto.

Joan sah dem Auto nach, als es die lange Auffahrt hinunter fuhr.

Meg

 

 

Wie hypnotisiert, die verführerischen roten Lippen vor Erstaunen leicht geöffnet, starrte Annie den Fremden an.
„Sie können mich jetzt loslassen.“ sagte er schmunzelnd, ohne jedoch auch nur eine Sekunde den Blick von ihr abzuwenden. Schlagartig wurde Annie bewußt, dass sie immer noch den Ärmel seines Hemdes mit ihren Fingern umkrampfte. Ernüchtert ließ sie los und trat einen Schritt zurück.
„Wer sind Sie überhaupt?“ knurrte sie ihn an, um ihre momentane Verlegenheit zu überspielen. Er lachte, und um seine Augen bildeten sich kleine Lachfältchen, die ihn noch viel attraktiver erscheinen ließen, genau wie bei...
„Sie haben mich doch vorhin „Bastard“ genannt! Belassen wir`s vorerst dabei.“ meinte er amüsiert und riß sie damit aus ihren Gedanken, während er auf ihren Wagen zuging. „ Wollen mal sehen, was ihm fehlt.“
„He, machen Sie bloß nichts kaputt!“ rief Annie und lief ihm nach.
„Das hatte ich auch nicht vor,“ erwiderte er trocken, „das haben Sie ja schließlich schon ganz alleine geschafft.“
„Idiot!“ zischte Annie, was ihm ein weiteres Lachen entlockte.
„Mein zweiter Vorname für heute, Sie sprühen ja richtig vor Charme, Lady!“ Er öffnete die Motorhaube. „Was hat er denn gemacht, bevor er ausging?“
„Er ist gefahren.“ erwiderte Annie patzig, besann sich dann aber. Schließlich wollte der Mann ihr nur helfen, also beschloß sie, sich etwas kooperativer zu zeigen. „Er hat gebockt und gestottert, da hab ich runtergeschalten, und dann ging er einfach aus.“
Der Fremde nickte und krempelte die Ärmel hoch.
„Haben Sie Werkzeug dabei?“
„Bin ich denn eine Werkstatt?“ fauchte sie ungehalten. Langsam drehte er sich um und hob vielsagend die Augenbrauen.
„Würden Sie dann vielleicht so freundlich sein und im Kofferraum nachsehen, Gnädigste, da liegt nämlich normalerweise so etwas. Schließlich kann ich die Zündkerzen nicht mit den Fingern losschrauben, Sie Herzchen!“
„Unverschämtheit!“ knurrte Annie und ging nach hinten, um den Kofferraum zu öffnen. Der Fremde folgte ihr und beobachtete grinsend, wie sie sich in ihrem hautengen weißen Mini hinunterbeugte und zwischen Päckchen und Plastiktragetaschen, die wirr durcheinander lagen, nach dem Werkzeug suchte.
„Wohl auf Shoppingtour gewesen, was?“ fragte er unvermittelt.
„Das geht Sie gar nichts an, Sie...“
„Bastard.“ ergänzte er schnell und lachte, „noch einen anderen Namen werd` ich mir schlecht merken können!“  
Annie fand endlich so etwas wie eine Werkzeugtasche und richtete sich auf, um sie ihm zu reichen, doch als sie sich umdrehte, hatte sie nicht bedacht, wie dicht er hinter ihr stand. Sie prallte gegen seine Brust und hätte beinahe das Gleichgewicht verloren, doch er hielt sie fest. Einen Augenblick waren sie sich beide wieder ganz nah. Annie spürte, wie heftig ihr Herz zu klopfen begann. Plötzlich verspürte sie das heftige Verlangen, ihn zu küssen...
„Sie... halten mich von der Arbeit ab.“ sagte er mit rauer Stimme und schob sie etwas von sich. „Und wenn Sie dann nicht pünktlich daheim sind, geben Sie wieder mir dafür die Schuld!“
Annie errötete wie ein Schulmädchen und wandte sich abrupt ab.
„Na dann stehen Sie gefälligst nicht dumm herum, sehen Sie zu, dass Sie den Wagen wieder flott machen, ich will nicht hier übernachten!“
Lachend schüttelte er den Kopf und machte sich an die Arbeit.
Ein paar Minuten später sah er hinter der Motorhaube hervor.
„Starten Sie mal!“
Annie setzte sich hinters Steuer und drehte den Zündschlüssel. Der Motor reagierte sofort und der Wagen sprang an.
„Wow!“ rief sie hocherfreut, „das hätte ich nicht erwartet!“
Er klappte die Motorhaube zu und trat ans offene Wagenfenster.
„So, das wär`s. Gute Fahrt, Lady!“
Annie musterte ihn etwas enttäuscht. Sie hätte wenigstens gedacht, dass er versuchen würde, sich mit ihr zu verabreden, aber mit so einer abrupten Verabschiedung hatte sie nun wirklich nicht gerechnet.
„Wollen Sie auch nach Sunset Beach?“ fragte sie scheinbar gleichgültig. Er lachte.
„Kann sein, mal sehen.“
„Ich bin öfter im Deep. Vielleicht sieht man sich.“ Sie trat das Gaspedal durch und fuhr mit quietschenden Reifen davon. Kopfschüttelnd sah der Fremde ihr nach.
„Nichts zu danken!“ meinte er sarkastisch mit einem Blick auf seine von der Reparatur schmutzigen Hände und ging zu seinem Wagen zurück. „Aber das bring ich Dir schon noch bei, Herzchen!“

Jeany

 

 

Als sie im Van saßen und losfuhren, sah Ben Sam an.

„Und wie sieht Dein Plan aus?“ fragte er.

„Wer sagt, dass ich einen Plan habe?“ wollte Sam wissen.

„Niemand,“ antwortete Ben „aber ich kenn Dich lang genug, um zu wissen, dass Du niemals planlos vorgehst. Außerdem hast Du Deinen Laptop mitgenommen, und ich denke nicht, dass Du ausgerechnet jetzt im Internet surfen willst.“

Sam grinste.

„Du kennst mich zu gut, mein Freund.“ sagte er. „Und natürlich hast Du recht. Ich habe in den letzten Tagen ein paar Männer auf Davis angesetzt.“

„Und, was Interessantes herausgefunden?“ fragte Ben.

„Ja,“ Sam nickte „Edward Davis ist bis über beide Ohren verschuldet und braucht unbedingt neue Geldgeber. Und einige seiner Geschäfte sind nicht sauber. Mir hat jemand gesteckt, dass er im letzten Jahr mindestens 2 Millionen am Finanzamt vorbei geschleust hat.“

Ben pfiff durch die Zähne.

„Wow, ganz schön. Und was willst Du nun machen?“

„Nun“ begann Sam, „Davis hat neue Investoren gesucht und meine Mittelsmänner haben ein paar Anteile von ‚Davis Pharmazie’ aufgekauft. Ich besitze nun 60% der Firma. Für die restlichen 40% habe ich auch schon einen Interessenten.“

„Und Du meinst, Davis verkauft die 40% so einfach?“ fragte Ben.

„Ihm wird nichts anderes übrig bleiben. In einer halben Stunde taucht jemand von der Steuerfahndung dort auf, und ich denke, Davis wird für die nächsten Jahre von der Bildfläche verschwinden.“

Ben lachte.

„Nun, er hätte sich eben nicht mit Sam Peterson anlegen sollen.“

„Nein, nicht mit mir, oder meine Lady verletzen.“ stimmte Sam zu.

„Ich bin richtig froh, dass Du und Bette zusammen gefunden habt.“ sagte Ben. „Ich habe Bette noch nie so glücklich gesehen und auch Du bist wie ausgewechselt.“

„Nun, die Liebe bewirkt so einiges.“ antwortete Sam und stoppte den Van vor dem Gebäude der ‚Davis Pharmazie’ „So, nun lass uns Davis einen kräftigen Tritt verpassen.“

Meg

 

 

Nachdem Derek und Sara in L.A. gelandet waren, holten sie ihr Gepäck und verließen dann das Flughafengebäude. Dort standen einige wartende Taxis in einer Reihe. Derek ging auf das erste zu und öffnete für Sara die hintere Tür. Zusammen mit dem Fahrer lud er die Koffer in den Kofferraum, bevor er selber einstieg.

„77th Sunset Strip.“ gab Derek als Adresse an. Der Fahrer nickte und setzte das Fahrzeug in Bewegung. Sara sah aus dem Fenster und betrachtete die Stadt, so gut sie konnte.

„Weißt Du eigentlich, dass ich so lange ich hier in Kaliforniern bin, noch nie in L.A. war?“ fragte sie Derek. Er legte seinen Arm um Saras Schulter.

„Nun, wenn Du möchtest, können wir ja ein paar Tage hier bleiben. Mit uns rechnet ja noch niemand zu Hause in Sunset Beach.“ sagte er.

„Wirklich?“ Sara strahlte Derek an. „Das wäre zu schön. Jetzt kann ich das noch genießen,“ sie legte die rechte Hand auf Ihren Bauch „wenn unser Kleines hier erst einmal da ist, haben wir für so was vorläufig keine Zeit mehr.“

„Also gut,“ lächelte Derek „dann bleiben wir einfach ein paar Tage.“

Das Taxi stoppte.

„Da wären wir. 77th Sunset Strip. Das macht 12,50$.“

Derek zahlte und sie stiegen aus. Der Fahrer lud die Koffer aus und stellte sie Derek vor die Füße. 

„Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt.“ sagte er, bevor er wieder in sein Taxi stieg und davonfuhr. Derek nahm die beiden Koffer.

„Komm, lass uns das hier bei dem Anwalt erst einmal hinter uns bringen.“ sagte er. Zusammen mit Sara betrat er das imposante Gebäude. Am Eingang hing ein goldenes Schild, das auf die Anwaltskanzlei Johnson, Johnson & Taylor hinwies.

Meg

 

 

Derek und Sara betraten die Kanzlei. Mit einem, für Derek typischen Lächeln, ging er auf die Empfangsdame zu.

„Guten Tag, mein Name ist Derek Evans. Ich möchte zu Mr. Ronald Johnson.“

Die junge Frau blickte auf und lächelte zurück.

„Nehmen Sie bitte Platz Mr. Evans, ich sehe nach, ob Mr. Johnson Zeit für Sie hat.“ Sie wies auf eine Sitzgruppe an der rechten Wand.

„Danke“ sagte Derek und setzte sich mit Sara auf das Sofa.

Die junge Empfangsdame griff zum Telefon. Einige Minuten später trat sie an die Sitzgruppe heran.

„Mr. Johnson kann Sie jetzt empfangen. Wenn Sie mir bitte folgen. Ihr Gepäck können Sie gerne hier stehen lassen.“ Sie deutete dabei auf die Koffer. Derek und Sara standen auf.

„Danke“ sagte Derek. Er nahm Saras Hand und zusammen folgten sie der Empfangsdame in dem hinteren Teil der Kanzlei. Sie öffnete eine Tür und ließ Derek und Sara eintrete.

„Mr. Evans.“ kündigte sie Derek an. Zu Dereks Überraschung, erhob sich ein Mann in seinem Alter hinter dem Schreibtisch und kam auf sie zu.

„Herzlich willkommen, Mr. Evans, ich bin Ronald Johnson.“ Er reichte Derek die Hand.

„Nett Sie kennen zu lernen, Mr. Johnson. Das hier ist meine Verlobte Miss Cummings.“ stellte Derek Sara vor. Mr. Johnson reichte auch Sara die Hand.

„Freut mich sehr, Miss Cummings. Darf ich Ihnen etwas anbieten? Kaffee oder Tee vielleicht?“ „Danke,“ sagte Sara „eine Tasse Tee wäre gut.“

„Und Sie, Mr. Evans?“ fragte Mr. Johnson.

„Für mich bitte einen Kaffee.“ antwortete Derek. Der Anwalt nickte.

„Cybill, zwei Kaffee und einen Tee bitte.“ wies er seine Sekretärin an.

„Ist gut, Mr. Johnson.“ sagte diese und verließ das Büro.

„Setzen wir uns doch.“ schlug Mr. Johnson vor und führte Sara und Derek zu einer Sitzgruppe, wo sie alle Platz nahmen. Der Anwalt räusperte sich. „Bevor wir zu Sache kommen, Mr. Evans, brauche ich erst einmal Ihren Ausweis. Schließlich muss ich mich absichern.“

„Kein Problem.“ sagte Derek und holte seine Brieftasche heraus. Er entnahm seinen Ausweis und reichte diesen dem Anwalt hinüber. Dieser sah sich ihn kurz an und gab ihn Derek zurück.

„Gut,“ sagte er „dann sollten wir mal anfangen.“

Die Tür öffnete sich und die Sekretärin kam mit einem Tablett herein. Sie stellte es auf den kleinen Couchtisch ab und verließ lautlos wieder das Büro. Mr. Johnson reichte Derek und Sara die Tassen und erzählte dann weiter.

„Ich muss gestehen, wir hatten einige Probleme, Sie ausfindig zu machen, Mr. Evans, da Sie in New York keine Adresse hinterlassen haben. Erst durch die Schlagzeilen mit Ihnen und Ihrem Bruder in den letzten Woche, war es uns möglich in Kontakt mit Ihnen zu treten.“

Derek sah den Anwalt ein wenig verwirrt an.

„Was hat denn New York damit zu tun?“

„Nun,“ erklärte Mr. Johnson „ sehen Sie, unsere Hauptkanzlei ist in New York. Ich habe erst vor zwei Jahren, diese Kanzlei hier in L.A. eröffnet, da viele unsere Klienten aus New York, einen Teil des Jahres in Kalifornien verbringen. Eine gute Klientin von meinem Vater, hat Ihr Testament beim Ihm gemacht. Vor vier Monaten ist die alte Dame dann verstorben und hat Ihnen 1,5 Millionen US Dollar vererbt.“

Derek fiel vor Erstaunen die Kinnlade hinunter.

„Wow, aber wer sollte mir denn soviel Geld hinterlassen?“ fragte er „Ich kenne niemanden in New York, der soviel Geld hat.“

„Aber irgendwo müssen Sie Miss Ruth Goldstein doch begegnet sein.“ meinte der Anwalt „Ich denke nicht, dass Sie einem Fremden einfach so eine solch große Geldsumme hinterlassen hat.“ Ronald Johnson holte eine Akte hervor. „Am besten lese ich Ihnen mal den Part des Testaments vor, der für Sie bestimmt ist. Also, weiter vermache ich Mr. Derek Evans die Summe von 1,5 Millionen Dollar in bar. Mr. Evans hat mir das Leben gerettet und sich rührend um mich gekümmert. Seiner Zeit konnte ich Ihm nicht danken, darum möchte ich es auf diesem Weg tun. Nicht viele Menschen handeln heutzutage so selbstlos.“ Der Anwalt blickte Derek an.

„Mein Gott, jetzt weiß ich, wer mir das Geld vermacht hat.“ sagte Derek.

Meg

 

 

„Du weißt, wer Dir die Erbschaft hinterlassen hat?“ Sara sah Derek an.

„Ja,“ nickte dieser, „ich kannte sie, aber nicht ihren Namen.“

„Wie kommt denn das?“ wollte Sara wissen.

„Das ist eine längere Geschichte.“ sagte Derek.

„Ach bitte, erzähl es uns doch.“ drängte Sara. Auch der Anwalt nickte Derek aufmunternd zu. „Also gut,“ begann Derek „vor ein paar Jahren habe ich in New York gelebt. Leider gingen meine Geschäfte dort nicht sehr gut. Eines Nachts bin ich mal wieder, weil ich nicht schlafen konnte, stundenlang durch die Straßen von New York gelaufen. Und dort fand ich sie, ohne Bewusstsein und mit einer großen Wunde am Kopf.“

„Und das war diese Ruth Goldstein?“ wollte Sara wissen.

„Nun, ich denke schon.“ fuhr Derek fort „Sie war, wie ich schon sagte, bewusstlos. Ich habe dann einen Krankenwagen gerufen. Ich weiß auch nicht wieso, aber ich habe sie ins Krankenhaus begleitet. Leider hatte sie keine Papiere bei sich und als sie wieder zu sich kam, litt sie unter Amnesie.“

„Und dann?“ fragte Sara.

„Nun, irgendwie tat sie mir leid. Ich habe dann erst einmal die Krankenhauskosten für sie übernommen. Irgendwie hat mich die alte Dame an meine Großmutter erinnert und ich habe sie jeden Tag besucht. Nach drei Tagen sollte sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, aber sie wusste nicht wohin und meiner Meinung nach, war sie nicht fähig für sich selber zu sorgen. Ich habe ihr dann einen Platz in einem kleinen Pflegeheim gesucht und sie dort untergebracht.“

„Oh Derek, das war aber sehr nett von Dir. Hast Du sie dort noch oft besucht?“

„Nur noch zweimal. Ich hatte zu der Zeit meine Zelte in New York fast abgebrochen und wollte nach Sunset Beach gehen. Ich wusste sie ja nun gut versorgt.“

Sara umarmte Derek.

„Ich wusste doch schon immer, dass Du ein großes, weiches Herz hast.“

Derek grinste.

„Erzähl das bloß nicht rum, mein Ruf wäre sonst ruiniert.“

„Nun,“ sagte Mr. Johnson „ Miss Goldstein hat, als Sie wieder weg waren, Ihr Gedächtnis zurück bekommen. Sie wollte sich bei Ihnen bedanken, aber leider waren Sie nirgendwo aufzufinden.“ „Nun, wie ich schon sagte, ich habe New York verlassen und bin nach Sunset Beach gezogen.“ sagte Derek.

„Ja, aber Miss Goldstein hat Sie nicht vergessen. Sie hat es Ihnen hoch angerechnet, was Sie für Sie getan haben. Schließlich hätte es auch gereicht, wenn Sie einfach einen Krankenwagen gerufen hätten. Wer weiß wie viele Leute in dieser Nacht schon an Ihr vorbei gegangen waren.“ sagte der Anwalt.

„Naja, wie ich schon sagte, die alte Dame erinnerte mich an meine Großmutter und man kann doch eine Großmutter nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.“ antwortete Derek.

„Wie dem auch sein, Miss Goldstein hat keine eigenen Kinder, nur einen Neffen, der den Hauptteil Ihres Vermögens geerbt hat.“ sagte Mr. Johnson „Ich hoffe Sie bleiben noch ein paar Tage in L.A. Es gibt noch einiges zu regeln, bevor ich Ihnen den Scheck aushändigen kann.“

Derek nickte.

„Kein Problem, wir wollten eh ein paar Tage in der Stadt bleiben.“ Er erhob sich. „Ich werde mich bei Ihnen melden, sobald ich weiß, in welchem Hotel wir abgestiegen sind.“

Der Anwalt reichte Derek die Hand.

„Gut Mr. Evans, ich werde inzwischen alles in die Wege leiten. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt hier.“

Derek nahm Saras Hand und sie verließen das Büro.

Meg

 

 

Mark und Caitlin hatten einige Einkäufe fürs Deep erledigt und waren gerade dabei, alles aus dem Auto auszuladen. Sie trugen die Flaschen in den Weinkeller und sortierten sie in die Regale.
„Pass auf, dass die Tür nicht zuklappt, sonst sitzen wir hier unten bis in alle Ewigkeit fest!“ warnte Mark. Caitlin stellte die Flaschen ab, die sie gerade in den Händen hielt und trat dicht an Mark heran. Schelmisch lächelnd legte sie ihm die Arme um den Hals und gab mit ihrer Hacke der Tür einen Tritt. Mit einem dumpfen Knall fiel diese ins Schloß.
„Caitlin, was hast Du getan!“ rief Mark entsetzt. „Wie sollen wir denn jetzt hier herauskommen?“
Sie sah ihn mit großen unschuldigen Augen an.
„Wer weiß... vielleicht findet man irgendwann unsere Skelette hier unten, eng umschlungen und für immer vereint!“
Marks Lachen klang etwas skeptisch.
„Ich möchte ja auch mit Dir allein sein, aber nicht gleich bis in den Tod!“  
„Tja“ meinte Caitlin und hob die Schultern, „auf jeden Fall ist das hier ein Platz, wo uns mein Vater mit Sicherheit nicht finden wird. Und außerdem...“ sie nestelte in ihrer Hosentasche herum und brachte einen Schlüsselbund zum Vorschein, „haben wir ja für den Notfall noch den hier!“
Mark schüttelte den Kopf.
„Der wird Dir in diesem Fall nicht viel nützen, Cait, mein Schlüssel steckt nämlich außen an der Tür!“
Caitlin wurde sofort einen Schein blasser.
„Im Ernst?“
Mark nickte.
„Ja, ich fürchte, jetzt haben wir wirklich ein Problem!“

Jeany

 

 

„So ein Mist!“ jammerte Caitlin, „dabei wollte ich doch wirklich nur mal einen Moment mit Dir allein sein, ohne dass wieder irgendwer auftaucht...“ Sie sah Mark verzweifelt an. „Was machen wir denn jetzt? Oben stehen alle Türen auf, oh mein Gott, Derek bringt uns um, wenn nachher was fehlt!“
Mark war zwar auch nicht ganz wohl in seiner Haut, aber er mußte auch zugeben, es war ein verlockend schönes Gefühl, endlich mal mit Caitlin ganz allein zu sein. Zärtlich strich er ihr das Haar aus der Stirn und nahm sie dann liebevoll in die Arme.
„Vielleicht sollten wir laut rufen und klopfen, was meinst Du?“ fragte sie kleinlaut. „Vielleicht hört uns ja jemand!“
„Schon möglich.“ meinte er lächelnd und sah sie liebevoll an. „Aber laß uns damit noch einen Augenblick warten, okay?“
Caitlin verstand. Sie verlor sich in seinem Blick und ihre Ängste waren plötzlich verschwunden.  
Ihre Lippen trafen sich zu einem ersten leidenschaftlichen Kuß, der sie alles ringsum vergessen ließ.
„Mark...“ flüsterte Caitlin und drängte sich ganz eng an ihn. Ihre Knie zitterten, denn so hatte er sie noch nie geküßt. Fieberhaft begann sie, sein Hemd aufzuknöpfen und fuhr sanft über seine Brust, während seine Lippen zärtlich von ihrem Mund seitlich abwärts wanderten. Seine Hände wühlten in ihrem blonden Haar und begannen dann, ihre Bluse aus dem Bund der Jeans zu ziehen. Ihre Haut darunter fühlte sich wie Seide an.
Weder Mark noch Caitlin hätten hinterher sagen können, was alles sonst noch in diesem Keller passiert wäre, hätten sie nicht beide plötzlich wie aus weiter Ferne Stimmen gehört. Stimmen, die sie von einer Sekunde auf die andere aus einem Strudel der Leidenschaft abrupt wieder in die raue Wirklichkeit zurückbrachten.
„Hallo, ist denn keiner da? He Leute, wo seit Ihr denn?“

Jeany

 

 

„Das klingt wie Michael!“ flüsterte Mark atemlos und knöpfte sich hastig das Hemd zu, während Caitlin schnell Kleidung und Frisur in Ordnung zu bringen versuchte. Sie atmeten beide tief durch und warfen einander noch einen letzten sehnsüchtigen Blick zu, bevor sie gemeinsam begannen, wie wild mit den Fäusten gegen die schwere Eichentür zu hämmern.
„Hallo, hierher! Wir sind unten im Weinkeller!“
Sekunden später öffnete Michael die Tür. Kopfschüttelnd betrachtete er die beiden.
„Meine Güte, was macht Ihr denn für Sachen! Da habt Ihr echt Glück, dass wir beide hier vorbeigekommen sind.“ Er wies auf die junge Frau, die zögernd an der Treppe stehengeblieben war. „Virginia und ich sind nämlich unterwegs, um einen Job für sie zu finden.“
„Hi Virginia!“ grüßte Mark sofort, und um seine Verlegenheit zu überspielen, stellte er die beiden Frauen schnell einander vor.
„Ähm... ihr kennt Euch ja noch nicht, Caitlin, das ist Virginia, Michaels geschiedene Frau, Virginia, darf ich Dir meine Kollegin Caitlin Richards vorstellen?“  
„Freut mich, Dich kennenzulernen.“ sagte Virginia spontan und reichte Caitlin die Hand.  
„Ganz meinerseits.“ erwiderte diese und rang immer noch um ihre Fassung. Mark legte ihr den Arm um die Schultern.
„Sie hat sich ganz schön erschreckt.“ erklärte er. Michael grinste.  
„Wieso, ich stell mir das eigentlich ganz romantisch vor hier unten, zu zweit allein... Mal abgesehen von der Tatsache, dass Euch oben vielleicht jemand die Bar geplündert hätte...“
„Nun hör schon auf, Michael.“ mahnte Virginia, der Caitlins Verlegenheit nicht entgangen war. „Ist ja nichts passiert. Laßt uns nach oben gehen.“
Caitlin warf ihr einen dankbaren Blick zu.
„Du suchst also einen Job?“ fragte sie, um schnell vom Thema abzulenken. Virginia nickte.
„Ja, unbedingt. Ich würde gerne mit meinem Sohn hier in Sunset Beach bleiben, aber ich kann mich erst entscheiden, wenn ich was Passendes gefunden habe.“
„Na ja,“ Caitlin tauschte mit Mark einen vielsagenden Blick, „wir brauen dringend eine Kellnerin im Deep. Zur Zeit hilft Sara zwar hin und wieder mit aus, aber das wird sie in ihrem Zustand auch nicht mehr lange können. Und wenn das Kind erstmal da ist...“
„Sara ist schwanger?“ staunte Mark. „Ist ja`n Ding, dann wird der Boss Vater! Wer hätte das gedacht!“
„Warum denn nicht!“ lachte Michael. „Ist doch schön, eine Familie zu haben.“
Virginia sah ihn einen Augenblick lang nachdenklich an, doch dann besann sie sich schnell.
„Und Ihr meint, ich könnte den Job haben?“
„Hast Du schonmal gekellnert?“ fragte Mark.
„Klar, ich hatte in L.A. neben meiner Arbeit in der Fabrik abends noch eine Stelle als Kellnerin, allerdings nicht in so einer chicen Bar wie dieser hier.“
„Und Jimmy ist abends im Surf Center gut aufgehoben, da mußt du Dir keine Sorgen machen. Du wärst sogar immer zu Hause, wenn er von der Schule kommt!“ überlegte Michael. Virginia nickte.  
„Ja, das wäre wirklich toll!“
„Okay“ Mark nickte, „ich muß zwar vorher noch mit dem Boss sprechen, sobald er von seiner Reise zurück ist, aber ich denke, er hat nichts dagegen, wenn er die Stelle endlich besetzen kann.“
Virginia strahlte.
„Danke Mark. Sagst Du mir bescheid, wenn er wieder da ist?“
„Aber klar. Ich rede mit ihm, dann mußt Du nur noch Deinen Arbeitsvertrag unterschreiben und kannst sicher gleich anfangen.“
 
Draußen auf der Strasse fiel Virginia Michael um den Hals.
„Ich hab einen Job! Ich kann`s kaum fassen! Und noch dazu einen, der mir sicher gefällt.“ Strahlend sah sie Michael an und küßte ihn auf die Wange. „Das hab ich nur Dir zu verdanken!“
Michael lachte. Ihre Umarmung machte ihn verlegen und erinnerten ihn an Zeiten, die schon ziemlich lange vorbei waren. Sacht schob er sie ein Stück von sich.
„Alles klar, Virginia. Wenn Ihr beide, Jimmy und Du, glücklich seid, bin ich es auch.“  
 
Vanessa bog gerade auf der Kreuzung in Richtung Mainstreet ab, als sie das Pärchen dort vor dem Deep stehen sah, dass sich gerade umarmte. Plötzlich durchfuhr sie ein eisiger Schreck.  
Es waren Michael und Virginia, die dort eng umschlungen standen.

Jeany

 

 

Nachdem die Polizei Edward Davis mitgenommen und Sam einige leitende Angestellten eingewiesen hatte, machten sich  Ben und Sam auf den Rückweg ins Hotel. Dort wurden sie schon von Bette und Emily erwartet. Als sich die Tür der Hotelsuite öffnete und Bette Sam sah, sprang sie auf, lief auf ihn zu und umarmte ihn.

„Da seid Ihr ja endlich, ich habe mir schon Sorgen um Euch gemacht.“ sagte sie. Sam küsste Bette leicht auf die Lippen.

„Keine Angst, alles ist glatt abgelaufen.“ beruhigte er sie. Bette nahm Sams Hand und führte ihn zum Sofa.

„Nun erzähl doch schon. Was ist passiert? Was hat Edward gesagt, und wo ist er jetzt?“ fragte sie. Sam lachte.

„Nun mal langsam.“ begann er, „Also gesagt hat der saubere Mr. Edward Davis nicht viel. Und im Staatsgefängnis ist er sicherlich für die nächsten Jahre gut aufgehoben.“

Bette sah Sam an.

„Du meinst, Du hast ihn verhaften lassen?“

Sam nickte.

„Ja, fürs erste wegen Steuerhinterziehung. Es liegt dann noch an Dir und hauptsächlich an Emily, ob Ihr Ihn auch noch wegen Kidnapping und Freiheitsberaubung anzeigen wollt.“

Bette nahm Emilys Hand in die ihre.

„Das muss Emily entscheiden. Letztendlich ist er immer noch ihr Vater.“ sagte sie dann.

„Nein,“ sagte Emily „ein richtiger Vater war er nie. Ich habe immer die anderen Kinder beneidet, die liebevolle Eltern hatten. Er hat mich mein Leben lang betrogen und belogen. Ich will nichts mehr mit ihm zu tun haben und ihn auch nie wiedersehen. Meinetwegen kann er im Gefängnis verrotten. Und damit er dort so lange wie möglich bleiben wird, werde ich ihn anzeigen. Kein Vater sollte seiner Tochter antun, was er mir angetan hat.“ Während Emily sprach, war sie in Tränen ausgebrochen. Bette nahm sie tröstend in den Arm.

„Ist schon gut Emily, Du bist nicht alleine. Ich werde zusammen mit Dir dadurch gehen, und auch Sam wird uns zur Seite stehen.“

„Danke Mom.“ schluchzte Emily. Sie holte ein Taschentuch hervor und trocknete ihre Tränen „Wenn Du willst....ich meine....ich habe darüber nachgedacht und ich will mit Euch nach Sunset Beach gehen. Ich will in Deiner Nähe leben und ein Teil von Deinem Leben sein. Natürlich nur, wenn Du das auch möchtest.“

Bette sah ihre Tochter einen Moment an.

„Oh Emily, nichts würde mich glücklicher machen, als Dich bei mir zu haben.“ Sie umarmte ihre Tochter. Sam räusperte sich.

„Was haltet Ihr davon, wenn wir heute Abend ganz groß ausgehen und das feiern?“ fragte er. „Ben Du bist natürlich auch herzlich eingeladen, denn ohne Deine Hilfe hätten wir das nicht so einfach geschafft.“

Ben lächelte, schüttelte aber seinen Kopf.

„Das ist gut gemeint Sam, aber ich will so schnell wie möglich nach Meg und nach Sunset Beach zurück. Feiern können wir dann, wenn wir alle wieder zu Hause sind.“

Sam sah seinen Freund an.

„Das verstehe ich natürlich. Wann willst Du starten?“ fragte er. „Nun, sobald ich meine Sachen gepackt und ausgecheckt habe.“ antwortete Ben.

„Gut,“ sagte Sam „aber die Rechnung für das Hotel geht auf mich.“ Er warf Ben die Schlüssel von seinem Van zu. „Hier, nimm den Van wieder mit. Ich habe hier ja noch den Mietwagen.“

Bette stand auf und umarmte Ben.

„Vielen Dank für Deine Hilfe, Ben. Das werde ich Dir nie vergessen.“

„Hey, wozu sind denn Freunde da?“ lächelte Ben. „Erhol Dich noch ein paar Tage und dann möchte ich die alte Bette wieder im Büro sehen.“ Er reichte Emily die Hand. „Ich denke, wir sehen uns dann in Sunset Beach.“ sagte er. Emily nickte „Ja, ich kann es kaum erwarten, alle Freunde von Mom kennen zu lernen. Wir sehen uns, Mr. Evans, und auch von mir noch mal vielen Dank.“ sagte sie. Ben sah Emily an.

„Fürs erste sollten Sie sich merken, dass ich Ben bin und nicht Mr. Evans. Wir haben schließlich ja schon einiges zusammen erlebt.“

Er ging zur Tür. Bevor er die Suite verließ, drehte er sich noch einmal um.

„Ich wünsche Euch noch viel Spaß hier.“

„Danke!“ riefen die anderen drei ihm nach.

Meg

 

 

 

Meg und Gabi saßen gemeinsam im Waffelshop bei Elaine und tranken einen Kaffee. Sie hatten sich ganz spontan hier verabredet, nachdem Gabi Meg im Büro angerufen und ihr gesagt hatte, dass sie wieder aus Ludlow zurück sei. Die beiden Freundinnen hatten  sich, seitdem Meg so überstürzt nach Hawaii abgereist war, kaum gesehen, und es gab so unendlich viel zu erzählen.
Eine Weile gesellte sich Elaine zu den beiden und sie schwatzten über dies und jenes, doch als sie dann wieder allein am Tisch saßen, sah Meg ihre Freundin mit großen Augen an.
„Weißt Du, ich hab ein schlechtes Gewissen, was Dich betrifft.“
Aber wieso denn?“ fragte Gabi erstaunt.
„Ich war in der letzten Zeit so beschäftigt, und ich hatte keine Zeit für Dich, als Du mich gebraucht hast.“
Gabi schüttelte lächelnd den Kopf und legte ihre Hand beschwichtigend auf Megs Arm.
„Dafür brauchst Du Dich doch nicht zu entschuldigen, Meg, Du hast in den vergangenen Wochen ziemlich viel durchgemacht, ich verstehe, dass Du Dich da nicht auch noch um die Probleme Deiner Freundin kümmern konntest.“
„Ja schon, trotzdem tut es mir leid.“ meinte Meg bedauernd und sah Gabi aufmerksam an. „Und mit Dir und Ricardo ist wirklich wieder alles in Ordnung?“
Gabi nickte.
„Ja, ich glaube schon.“ Ein versonnenes Lächeln zog über ihr Gesicht. „Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich war, als er plötzlich in Ludlow auftauchte. Ich konnte es kaum glauben!“
„Du siehst auch wirklich glücklich aus.“ bestätigte Meg. „So strahlend hab ich Dich lange nicht mehr erlebt. Und die neue Frisur steht Dir übrigens auch hervorragend!“
Gabi lachte und strich sich über ihr schwarzes Haar, dass sie aus einem spontanen Entschluß heraus in dem neu eröffneten Friseurgeschäft in der Ocean Avenue zu einer modernen Kurzhaarfrisur hatte schneiden lassen. Ihr Gesicht wirkte dadurch voller und ihre schönen dunklen Augen kamen gut zur Geltung.
„Ricardo gefällt es auch sehr gut.“ sagte sie stolz. „...und Antonio hat die neue Frisur noch gar nicht gesehen.“ fügte sie in Gedanken hinzu.
Meg betrachtete die Freundin aufmerksam.
„Aber irgend scheint Dich aber immer noch zu beschäftigen.“ stellte sie fest. „Möchtest Du darüber reden?“
Gabi sah Meg lange an und nickte dann.
„Ich könnte den guten Rat meiner Freundin gebrauchen.“ gestand sie lächelnd, „bisher habe ich über diese Sache nur mit meinem Vater gesprochen. Er hat mir zwar zugehört, aber helfen konnte er mir auch nicht.“
„Okay, was es auch ist, raus damit!“ ermutigte Meg sie. Gabi kramte einen Geldschein aus ihrer Tasche und legte ihn auf den Tisch.  
„Laß uns ein wenig am Strand entlang gehen, Meg, da erzählt sich`s besser.“
„Okay.“ Die beiden erhoben sich, winkten Elaine kurz zum Abschied zu und verließen den Waffelshop.
 
Ein paar Sekunden, nachdem sie gegangen waren, rief der Mann, der die ganze Zeit über an dem etwas versteckten Ecktisch gesessen hatte, die Wirtin heran und zahlte. Eilig stand er auf und ging hinaus. Vor der Tür sah er sich kurz um und schlenderte dann in die Richtung, die die beiden jungen Frauen kurz zuvor eingeschlagen hatten.

Jeany

 

 

Eine Unterkunft für ihren Aufenthalt in L.A. hatten Derek und Sara schnell gefunden - das "Bonaventure Hotel", mitten in Downtown. Fasziniert schaute Sara an den fünf zylindrischen Türmen hoch, die steil in den Himmel ragten.

"Wow," brachte sie hervor. "Bist Du sicher, das wir uns so ein teures Hotel leisten können?" fragte sie vorsichtig. Derek grinste.

"Vor Dir steht ein zukünftiger Millionär," sagte er verschmitzt lächelnd. "Also warum sollten wir uns nicht ein bisschen Luxus leisten dürfen?" Er nahm die beiden Koffer, und gemeinsam betraten sie die Hotel-Lobby. Derek reservierte für sich und Sara eine Suite im 20. Stockwerk des Wolkenkratzer-Hotels, und dann fuhren sie mit dem Fahrstuhl nach oben. Kaum hatten sie ihre Suite betreten, fing Sara gleich damit an, den Inhalt ihrer Koffer in den riesigen Wandschrank zu räumen. Derek sah ihr leicht belustigt dabei zu.

"Es sieht ja ganz so aus, als ob Du Dich auf einen längeren Aufenthalt einrichten würdest," stellte er grinsend fest.

Sara hängte das letzte Kleidungsstück auf einen Bügel und schloß den Schrank.

"Sagtest Du nicht selber, daß uns in Sunset Beach niemand erwartet?" fragte sie mit einem herausfordernden Lächeln. "Also, wenn ich schon mal hier bin, möchte ich auch etwas von der Stadt sehen," fügte sie bestimmt hinzu. Derek sah sie überrascht an.

"Und sicher hast Du auch schon ganz konkrete Pläne, was wir machen können, oder?" fragte er vorsichtig, wissend, das Sara nichts dem Zufall überließ. Sara nickte heftig.

"Natürlich!" Sie kramte aus ihrem Koffer einen Reiseführer über L.A. Erstaunt sah Derek sie an. "Woher hast Du den denn?"

Sara lächelte.

"Am Flughafen gab es einen Zeitschriftenladen, und da fiel mir dieses Buch ins Auge."

Sie klappte das Buch auf, durchblätterte es und begann, eine ellenlange Liste von Attraktionen aufzuzählen, die sie unbedingt besichtigen wollte. Stöhnend ließ Derek sich in einen Sessel fallen und massierte sich die schmerzende Schulter.

"Das hört sich nicht gerade nach einem Erholungstrip an," stellte er seufzend fest. Sara ging zu ihm hinüber und strich leicht über seine Bandage, die immer noch um seine Schulter und Brust herum lag.

"Tut es noch sehr weh?" fragte sie und sah ihn besorgt an. Derek zog sie blitzschnell auf seinen Schoß, noch bevor Sara wusste, wie ihr geschah.

"Hereingelegt!" sagte er, während er sie frech angrinste. Sara befreite sich aus seinen Armen und stand auf. Sie verschränkte die Arme vor dem Körper und sah ihn empört an.

"Das war nicht fair! Du willst Dich ja nur davor drücken, mit mir auszugehen," sagte sie ungehalten. "Okay, wenn Dir meine Vorschläge nicht passen, kannst Du ja sagen, wo Du hin möchtest!" meinte sie herausfordernd. Derek stand auf und drückte stattdessen Sara sanft in den Sessel. Widerstandslos ließ sie es geschehen.

"Wir haben einen langen Flug hinter uns, waren beim Anwalt, haben uns ein Hotel gesucht - ich denke, das ist Programm genug für einen Tag, oder meinst Du nicht?" fragte er. Als Sara protestierend den Mund öffnete, fuhr Derek schnell fort. "Ich habe Deiner Mutter versprochen, daß ich auf Dich aufpassen würde, daß Du Dich nicht überanstrengen wirst, und bisher habe ich mein Wort immer gehalten." Dereks Stimme klang bestimmt, und Sara wusste, daß es wenig Zweck hatte, ihn noch umzustimmen. Resigniert erhob sie sich aus dem Sessel.

"Vielleicht wäre es möglich, doch noch einen klitzekleinen Programmpunkt mit einzuschieben ..." begann sie zögernd. Sie sah, wie sich Dereks Gesicht verdüsterte.

"Ich dachte, daß ich mich klar ausgedrückt hätte!" sagte er ungehalten. Sara streckte trotzig ihr Kinn vor.

"Aber ich habe Hunger!" platzte es aus ihr heraus. Derek musste wider Willen lachen.

"Du hast recht," gab er zu. "Mein Magen erzählt auch schon Geschichten." Er wies auf Saras Fremdenführer. "Vielleicht kannst Du ja mal nachschauen, ob in diesem Buch auch etwas über die Gastronomie in L.A. steht," sagte er. Sara blätterte die Seiten durch, und wies dann freudestrahlend auf einen Eintrag.

"Was hältst Du von chinesischem Essen?" fragte sie. Derek überflog die Gastronomie-Einträge und nickte.

"Okay," stimmte er zu und ergriff Saras Hand. "Dann los - auf nach Chinatown!"    

Mona

 

 

Während sie dann im "Grandview Gardens" auf ihre Bestellung warteten, gingen Derek die Worte des Anwalts nicht aus dem Kopf. Er konnte immer noch nicht so richtig begreifen, daß eine für ihn fast völlig Wildfremde ihm ein riesiges Vermögen hinterlassen hatte. Er lächelte still vor sich hin. Das Geld kam gerade recht, denn so musste er bei der Ausrichtung der Hochzeit an nichts sparen und es würde auch noch genügend Geld übrig bleiben, um sich vielleicht ein neues Domizil zu suchen - ein neues Zuhause für Sara, ihn und das Baby!

Sara sah Dereks nachdenkliches Gesicht und unterbrach seinen Gedankengang.

"Worüber denkst Du nach?" fragte sie neugierig. Er hob den Kopf und sah sie an.

"Ich habe gerade darüber nachgedacht, daß das Gästezimmer vielleicht doch nicht unbedingt ein geeignetes Kinderzimmer ist," entgegnete er. Sara runzelte die Stirn und sah ihn fragend an. "Was meinst Du damit?"

Er kratzte sich am Kinn.

"Da ich ja nun bald eine nicht unbeträchtliche Summe erben werde habe ich mir überlegt, daß wir vielleicht in ein größeres Haus umziehen könnten." Erwartungsvoll sah er Sara an. Diese riß erstaunt die Augen auf.

"Ist das Dein Ernst?" fragte sie ungläubig. Derek nickte langsam und ließ Sara dabei nicht aus den Augen. Erleichtert stellte er dann fest, daß ihr sein Vorschlag anscheinend gefiel, denn ein glücklich, strahlendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. "Du willst wirklich, daß wir umziehen?" wiederholte sie ihre Frage. Derek nickte erneut.

"Ja, mein Strandhaus war okay für zwei Personen, aber in wenigen Monaten werden wir zu dritt sein, und dann wird es wirklich eng." Er räusperte sich. "Außerdem können Deine Eltern uns dann nicht mehr so einfach besuchen kommen. Das Gästezimmer wird dann von unserem Nachwuchs belegt sein." Er grinste vielsagend. Sara nickte zustimmend.

"Du hast recht. Wenn das Baby erst auf der Welt ist, wird es eng werden." Derek ergriff über den Tisch hinweg nach ihrer Hand.

"Eins nach dem anderen," sagte er. "Was möchtest Du zuerst - heiraten oder umziehen?" Sara erkannte an dem Ausdruck in seinem Gesicht, daß er die Frage nicht ganz ernst meinte. Theatralisch verdrehte sie die Augen.

"Welch eine Frage! Du weißt doch, daß ich es kaum noch erwarten kann, Deine Frau zu werden!" entgegnete sie. "Der Umzug kann warten." Derek sah sie verliebt an.

"Ich freue mich, daß wir darin übereinstimmen," sagte er, während er ihre Hand an seine Lippen führte. "Auch ich kann es kaum noch erwarten, Dir vor dem Altar das Ja-Wort zu geben." Sara lächelte ihn spitzbübisch an.

"Das trifft sich gut, denn ich wollte Dich fragen, ob es Dir etwas ausmachen würde, wenn wir eine kleine Shopping-Tour über den Rodeo-Drive in Beverly Hills unternehmen würden?" fragte sie mit einer Unschuldsmiene. Derek sah sie fragend an.

"Gibt's dort etwas, was es in Sunset Beach nicht gibt?" fragte er interessiert. Sara lächelte verlegen.

"Es gibt dort einen exklusiven Brautausstatter-Laden, und ich dachte mir, daß ich mir vielleicht dort ein paar Modelle anschauen könnte ..." Bittend sah sie Derek an, und er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Und was mache ich in der Zwischenzeit, während Du die vielen verschiedenen exklusiven Modelle anprobierst?" fragte er schmunzelnd und mit hochgezogener Augenbraue. Sara sah ihn empört an. "Ich will sie doch nicht anprobieren ... nur mal anschauen, anfassen, vielleicht einen Katalog mitnehmen, mich inspirieren lassen ..." Derek musste sich ein Lachen verkneifen.

"Ich glaube, da sind wohl alle Frauen gleich. Sicher wälzt Meg zuhause auch schon eifrig Hochzeits-Kataloge," mutmaßte er. Meg! Sara hatte die ganze Zeit nicht mehr an ihre Schwester gedacht, doch nun schlug ihr schlechtes Gewissen.

"Vielleicht sollte ich sie anrufen," sagte sie nachdenklich. "Sie ist ganz alleine zu Hause. Hoffentlich ist alles in Ordnung mir ihr!"

Derek drückte ihre Hand.

"Mach' Dir doch nicht immer so viele Gedanken! Ich bin sicher, daß es ihr gut geht, und Ben wird doch auch nur ein paar Tage fort sein."

Sara griff ihr Thema wieder auf.

"Also, was ist? Bist Du einverstanden, daß wir morgen einen Stadtbummel machen?"

Derek ließ seufzend Saras Hand los.

"Beverly Hills ..." murmelte er geistesabwesend. "Die vielen Taxi-Fahrten werden mich noch in den Bankrott stürzen," sagte er, nachdem er kurz seine Barschaften überprüft hatte. Plötzlich kam Sara ein Gedanke.

"Wie wäre es, wenn wir uns einfach einen Leihwagen mieten würden? Auf die Dauer ist das sicher billiger, als ständig Taxi zu fahren." Derek sah sie überrascht an.

"Ein genialer Vorschlag!" sagte er. "Gleich morgen werde ich mich darum kümmern, aber jetzt sollten wir erst einmal essen," fügte er hinzu, als er sah, wie der Ober gerade ihre Bestellung brachte. Sara nickte, und kaum hatte der Ober die Teller mit gebratenem Hühnchen vor ihnen abgestellt, machten sie sich hungrig darüber her.

Mona

 

 

Gabi und Meg schlenderten am Strand entlang und winkten im Vorübergehen Michael zu, der auf dem Rettungsturm seinen Dienst versah und auf die Sicherheit der zahlreichen Badegäste achtete . Noch  war es ziemlich heiß draußen, aber die Sonne stand schon tief und ein angenehm lauer Abendwind kam auf.
Die beiden jungen Frauen setzten sich in den warmen Sand und sahen eine Weile schweigend dem Spiel der Wellen zu.
Auf dem Weg vom Waffelshop bis hierher hatte Gabi Meg alles erzählt, was ihr auf der Seele brannte, von ihrer Beziehung zu Ricardo, die beinahe an seiner Enttäuschung über ihre kurze Affäre mit Casey zerbrochen wäre, von Estellas Intrigen in Kansas, von der Krankheit ihres Vaters. Sie verschwieg auch nicht Ricardos Schuldgefühle nach Caseys schrecklichem Unfall, und sie hatte ihrer Freundin ebenfalls ihre aufkeimenden Gefühle zu Ricardos jüngerem Bruder Antonio offenbart, die sie so sehr verwirrten.
Meg hatte die ganze Zeit über schweigend zugehört. Es tat Gabi unendlich gut, sich endlich jemandem anvertrauen zu können, aber nun hielt sie dieses Schweigen nicht länger aus.
„Und... was sagst Du? Bin ich wirklich so schlecht, wie ich mich jedesmal fühle, wenn ich nur darüber nachdenke?“ fragte sie leise.
Meg sah sie an und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Nein Gabi, das bist Du nicht.“ sagte sie aufrichtig. „Jeder macht Fehler im Leben, auch Du, und dass Du mit Casey geschlafen hast, war mit Sicherheit einer davon. Aber wenn ich Dich richtig verstanden habe, ist doch die Sache nun zwischen Dir und Ricardo geklärt. Er hat Dir verziehen, oder nicht?“
Gabi nickte zögernd.
„Ja schon, aber da ist immer noch diese Sache mit Antonio...“
„Du meinst, dass Du mehr für ihn empfindest, als nur Freundschaft?“
„Ja, das meine ich.“ Nachdenklich ließ Gabi den Sand durch ihre Finger rieseln. „Weißt Du, Meg, als ich in Ludlow war und etwas Abstand gewonnen hatte, dachte ich zuerst, dass ich in meiner Verzweiflung vielleicht mehr in die Sache hineininterpretiert habe, als es in Wirklichkeit war. Aber seitdem ich zurück in Sunset Beach bin, ist wieder diese Unruhe in mir, wenn ich nur an ihn denke.“
„Und Du bist Dir sicher, dass Antonio genauso empfindet?“ fragte Meg etwas skeptisch. „Ich meine... schließlich ist er Priester...“
Gabi nickte heftig.
„Glaub mir, ich hab es in seinen Augen gesehen. Ich bin ihm auch nicht gleichgültig. Wenn wir uns begegnen, ist eine Spannung zwischen uns, die wir beide spüren können.“
Meg überlegte kurz.
„Dann solltest Du zu ihm gehen und mit ihm darüber reden.“ sagte sie dann entschlossen. „Priester oder nicht, keiner kann gegen seine Gefühle an, auch er nicht. Aber bevor ihr Euch beide unnötig quält, müsst Ihr miteinander sprechen. Und vor allem, Gabi...“ sie sah ihre Freundin eindringlich an, „vor allem solltest Du Dir vorher genau darüber im Klaren sein, wer von den beiden Brüdern Dir mehr bedeutet.“
„Du hast recht.“ stimmte Gabi leise zu, „im Grunde gehöre ich zu Ricardo, schon seit langem, er war es, den ich immer wollte, seit ich hierher gekommen bin.“
„Dann mußt Du Antonio das sagen, damit auch er wieder seine innere Ruhe findet. Ich bin sicher, wenn Ihr Euch offen aussprecht, geht es Euch beiden besser. Immerhin kannst du ihm in einer Kleinstadt wie Sunset Beach nicht ewig aus dem Weg gehen. Und dann steht für ihn auch noch sehr viel mehr auf dem Spiel.“
Gabi sah Meg erstaunt an.
„Wie meinst Du das?“
„Na ja, er hat aus seiner Überzeugung heraus ein Gelübde abgelegt, an das er gebunden ist. Wenn er sich für Dich entscheiden würde, dann müßte er alles aufgeben, an was er bisher geglaubt hat. Ganz zu schweigen davon, dass das gute Verhältnis zu seinem Bruder wahrscheinlich daran zerbrechen würde.“
Gabi schluckte und nickte dann.
„Ich verstehe. Antonio würde mich sicher irgendwann dafür hassen.“ Sie sah Meg mit gequältem Lächeln an. „Manchmal ist das Leben ganz schön kompliziert, findest Du nicht auch?“
Meg lachte.
„Komm schon, wenn alles so zu einfach wäre, würde es ja gar keinen Spass machen!“
Gabi legte ihr die Hand auf die Schulter.
„Danke Meg, dass Du mir zugehört hast. Und danke auch für Deinen Rat. Ich denk darüber nach.“ Sie holte tief Luft. „So, und nachdem wir die ganze Zeit nur über meine Probleme gesprochen haben, bist Du jetzt mal dran. Geht es Dir gut?“
Meg nickte.
„Ja... ich denke schon.“ meinte sie etwas zögernd. Gabi sah sie prüfend an.
„Aber...?“ forschte sie.
„Ich glaube, die Erlebnisse auf Hawaii wirken bei mir noch etwas nach.“ gestand Meg. „Ich sehe schon überall Gespenster.“
„Wie meinst Du das?“
„Na ja, ich weiß auch nicht, ich hab immer das Gefühl, irgendwer verfolgt mich und beobachtet jeden meiner Schritte.“ Sie lachte verlegen. „Das sind aber sicher nur die Nerven. Wenn Ben wieder von Chicago zurück ist, fühle ich mich garantiert besser.“
Gabi sah sich um und stutzte dann.
„Hey, kein Wunder, dass Du dich verfolgt fühlst. Schau mal, dort drüben sitzt jemand, der Dich ganz interessiert beobachtet!“

Jeany

 

 

„Auch das noch!“ dachte Annie, als sie sich von ihrem Sonnenbad aufsetzte und die beiden jungen Frauen sah, die sich unweit von ihr im Sand niedergelassen hatten. „Da träumt man einmal schön, schlägt die Augen auf, und wen sieht man? Gleich zwei Gemüsepflanzen aus der Pampa...!“ Sie verdrehte genervt die Augen und warf Gabi, die sich gerade nach ihr umwandte, einen provozierenden Blick zu. Nun drehte auch Meg den Kopf in ihre Richtung.
„Bestimmt tratschen sie über mich, diese Gänse!“ murmelte Annie gereizt und griff nach ihrer Sonnencreme.
„Darf ich Ihnen vielleicht wieder einmal behilflich sein?“ fragte hinter ihr eine Stimme, die ihr noch sehr lebhaft im Gedächtnis war und ihr wider Willens einen wohligen Schauer über den Rücken jagte.
„Sie schon wieder!“ meinte sie so gleichgültig wie möglich, um sich ihre Überraschung nicht anmerken zu lassen und drehte sich langsam um. Schade, diesmal hatte der Fremde, der ihr heute morgen auf der Landstrasse aus ihrer Misere geholfen hatte, die faszinierenden blauen Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt. Aber sein Lächeln erreichte bei ihr die gleiche Wirkung wie vor Stunden.
„Laufen Sie mir nach?“ fragte sie ziemlich direkt. „Immerhin wußten Sie heute morgen noch nicht einmal, ob Sie überhaupt nach Sunset Beach wollen, und nun sitzen Sie hier am Strand hinter mir.“
„Tja, wer weiß!“ grinste er, nahm ihr die Tube mit der Sonnencreme aus der Hand und begann wie selbstverständlich, ihre Schultern einzureiben. Annie genoß seine Berührung. Am liebsten hätte sie die Augen geschlossen, aber ihr Stolz siegte. Energisch entriss sie ihm die Tube.
„Was soll das! Nehmen Sie gefälligst die Finger weg. Ich habe sie nicht darum gebeten, mir zu helfen.“
„Entschuldigung.“ Er nahm die Brille ab und sah ihr in die Augen. „Für einen Moment hatte ich tatsächlich das Gefühl, es gefällt Ihnen!“
„So ein Blödsinn!“  
Vorsichtig schielte Annie in Megs und Gabis Richtung, aber die beiden nahmen inzwischen keine Notiz mehr von ihr und schienen in ihr eigenes Gespräch vertieft.
„Sie haben mich also nicht gesucht?“ fragte sie und warf dem Fremden einen koketten Blick zu. Der hob erstaunt die Schultern.
„Wieso sollte ich das tun? Ich bin weder Ihr Schutzengel, noch möchte ich mich Ihnen aufdrängen. Das wir uns hier begegnet sind, ist einfach nur ein Zufall.“
Aus dem Augenwinkel heraus sah Annie, wie Gabi und Meg aufstanden und langsam davongingen.
„Na Gott sei dank...“ dachte Annie erleichtert und reckte die Schultern. „Es hätte mir noch gefehlt, wenn eine von den beiden vielleicht noch Cole gegenüber eine gehässige Bemerkung fallen ließe.“
„Wenn ich mir`s recht überlege, Sie können mir jetzt doch den Rücken eincremen.“ meinte sie hoheitsvoll und konnte in Wahrheit kaum erwarten, seine sanften Hände auf ihrer Haut zu spüren.
„Ich habe aber jetzt keine Lust mehr dazu. Vielleicht ein andermal.“ Der Mann setzte seine Sonnenbrille wieder auf, erhob sich, nickte ihr freundlich zu und ging davon.
Sprachlos, so versetzt zu werden, starrte Annie ihm nach. Bedauernd verzog sie das Gesicht.
„Was bin ich doch für eine dusslige Kuh!“ murrte sie und begann mißmutig, ihre Sachen zusammenzupacken.

Jeany

 

 

Bette und Emily hatten beschlossen, den Nachmittag mit Einkaufen zu verbringen. Sam wollte sich mit dem Interessenten für die verbliebenden Anteile an ‚Davis Pharmazie’ treffen, um die Details zu besprechen. Danach hatte er noch eine Versammlung mit den leitenden Angestellten der Firma einberufen, um sie über die neue Firmensituation in Kenntnis zu setzten.  
 
Emily und Bette hatten den Nachmittag so richtig genossen. Gut gelaunt, lachend und erzählend waren sie von Geschäft zu Geschäft gezogen. Sam hatte Bette seine Kreditkarte überlassen und diese ließ es sich nun nicht nehmen, Emily viele neue Kleider zu kaufen.

„Was soll ich denn mit den ganzen neuen Kleidern anfangen?“ fragte Emily. Bette lächelte.

„Keine Angst, Du wirst bestimmt viele Gelegenheiten dafür finden. In Kalifornien ist das Leben viel lockerer als hier im Norden.“ antwortete Bette. „Du wirst schon sehen, sehr bald wirst Du viele neue Freunde haben und auf viele Partys eingeladen werden.“

„Meinst Du wirklich?“ Emily sah Ihre Mutter ein wenig unsicher an. „Ich tue mich eigentlich immer ein wenig schwer, neue Kontakte zu knüpfen.“

„Keine Angst, ich werde Dir dabei helfen. Du wirst schon sehen, das geht schneller, als Du denkst.“ Sie betraten das nächste Geschäft, und während sie die neuste Bademode betrachteten, sah Emily Ihre Mutter an und meinte schüchtern:

„Darf ich Dich was fragen?“

Bette lächelte.

„Aber immer doch, nur zu.“

„Kennst Du Sam schon lange?“ wollte Emily wissen.

„Nein, erst seit ein paar Monaten, aber er ist das beste, was mir in meinem Leben passieren konnte. Ohne Sam hätte ich Dich bestimmt nicht wiederbekommen.“ lächelte Bette.

„Ja, er ist sehr nett und ich mag ihn.“ sagte Emily. „Aber was mich wundert....ich meine....so wie er und Mr....eh Ben mich aus dem Haus meines Vaters geholt haben....das sah aus, als ob sie das nicht zum erstenmal getan haben. Weißt Du etwas über Sams Vergangenheit?“

Bette beugte sich zu Emily hinüber und flüsterte:

„Das liegt daran, dass Ben und Sam früher gemeinsam für den CIA gearbeitet haben. Ben hat aber im Gegensatz zu Sam die ‚Firma’ schon vor ein paar Jahren verlassen. Sam hat sich erst vor kurzem dazu entschieden, nachdem Ben ihn in einer bestimmten Sache um Hilfe bat, und er nach Sunset Beach kam.“

Emily sah ihre Mutter mit großen Augen an.

„Wow, und er hat die Firma wegen Dir verlassen?“ fragte sie.

„Nun, ich denke, ich war wohl ein Grund dafür, aber wenn Du es genau wissen willst, dann solltest Du Sam am besten selber fragen.“ antwortete Bette.

„Aber Mom, das kann ich doch nicht machen.“ sagte Emily schüchtern.

„Natürlich kannst Du das machen. Schließlich werden Sam und ich bald heiraten und dann wird er so was wie ein Stiefvater für Dich. Natürlich kannst Du Ihn dann auch über seine Vergangenheit fragen.“

Emily war immer noch ein wenig unsicher.

„Ich weiß nicht...“ meinte sie.

„Lass Dir Zeit, Du musst es ja nicht heute oder morgen tun.“ antwortete Bette. Sie nahm einen hellblauen Bikini in die Hand „Ich denke, der wird Dir ausgezeichnet stehen, probier ihn mal an.“ Emily nahm Bette den Bikini ab.

„Wenn Du meinst.“ Und damit war sie in einer Umkleidekabine verschwunden.

Meg

 

 

Meg wurde mitten in der Nacht von irgend einem Geräusch geweckt. Erschrocken fuhr sie aus dem Schlaf hoch und starrte in die Dunkelheit.
Da war es wieder... jemand war unten an der Tür!
Mit schlimmsten Befürchtungen dachte sie an die neulich offen stehende Verandatür.  
War vielleicht doch jemand im Haus gewesen und kam nun wieder, um etwas zu stehlen?  
Oder hatte sie ihr Gefühl nicht betrogen, und es verfolgte sie wirklich seit Tagen jemand?
Eigentlich hatte sie Ben von ihren Vermutungen erzählen wollen, aber eigenartigerweise hatte er sich abends nicht, wie gewöhnlich, telefonisch bei ihr gemeldet, und sie vermied es absichtlich, ihn auf seinem Handy anzurufen, um nicht vielleicht eine seiner Aktionen in Chicago zu stören. Also war sie schließlich schlafen gegangen, in der Hoffnung, am nächsten Morgen von ihm zu hören.
Ihre Augen hatten sich mittlerweile etwas an die Dunkelheit gewöhnt. Sie sprang aus dem Bett und sah sich suchend um. Dann packte sie kurzentschlossen den schweren Messingkerzenständer, der auf der Kommode stand. Der müßte reichen, um sich gegen einen Eindringling zu wehren. Langsam schlich sie über den dunklen Flur zur Treppe, als unten wieder ein Geräusch zu hören war. Ganz sicher, irgend jemand machte sich an der Tür zu schaffen...
Obwohl ihre Knie zitterten, schlich Meg Stufe für Stufe die Treppe hinunter. Ihre Hand umklammerte den Griff des Kerzenständers. Egal, was als nächstes passierte, sie würde den Überraschungsmoment nutzen und zuschlagen, bevor sie irgendwelche Fragen stellte. Blieb nur zu hoffen, dass es sich lediglich um einen Einbrecher handelte, nicht gleich um mehrere.
Da... das Schloß schnappte knackend auf und die Tür öffnete sich langsam.
Mit angstvoll aufgerissenen Augen hob Meg den Kerzenständer zum ersten Schlag, bereit sich selbst und Bens Haus zu verteidigen...  

Jeany

 

 

Megs Nerven waren zum Zerreißen angespannt, doch noch bevor sie ihre Waffe auf den vermeintlichen Eindringling niedersausen lassen konnte, wurde sie mit eisernem Griff am Arm gepackt. Scheppernd fiel der schwere Kerzenständer zu Boden. In der selben Sekunde hörte sie eine wohlbekannte Stimme:
„Meg?“
Die Hand, die sich schmerzhaft um ihr Handgelenk geschlossen hatte, ließ zögernd los.  
Kurz darauf  flammte das Licht auf und Meg sah mit schreckgeweiteten Augen in Bens Gesicht.
„Du?“ fragte sie atemlos und brauchte einen Moment, um sich einigermaßen zu fassen. Ihre zitternden Knie drohten nachzugeben, als die Abspannung schlagartig von ihr abfiel, doch Ben fing sie auf und hielt sie fest.
„Was war denn das eben für eine merkwürdige Begrüßung?“ fragte er erstaunt und wies dann grinsend auf den Kerzenständer. „Falls Du Dich über mich geärgert hast, dann entschuldige ich mich, aber ist es nicht etwas übertrieben, gleich mit diesem Ding auf mich loszugehen?“
Meg schnappte nach Luft.
„Ben... ich dachte... oh Gott, es tut mir so leid...“
„Hey, nun mal ganz ruhig!“ sagte er und führte sie zur Couch, wo sie sich beide hinsetzten. „Was hast Du denn gedacht, wer um diese Zeit zur Tür hereinkommt? Ein Einbrecher?“  
Es sollte ein Spass sein, aber als er sah, wie Meg mit Tränen in den Augen heftig nickte, wurde sein Gesicht ernst. „Du hast wirklich geglaubt...“ Er schüttelte den Kopf und streichelte beruhigend ihr Gesicht. „Meg, ich wollte Dich überraschen, deshalb habe ich nicht angerufen, dass ich heute nacht schon aus Chicago zurückkomme, aber wenn ich geahnt hätte, dass ich Dir so einen Schrecken einjagen würde...“
„Nein... es ist schon gut, es war meine Schuld.“ antwortete Meg, schon sehr viel ruhiger. „Ich hab in den letzten Tagen wohl Gespenster gesehen. Ich fühlte mich ständig beobachtet und irgendwie verfolgt, und an dem ersten Abend, als Du wegwarst, kam ich vom Büro, und die Verandatür stand offen, da hab ich gedacht, es sei jemand hier gewesen. Und vorhin bin ich aufgewacht und hörte diese Geräusche an der Tür.“
Ben lächelte.
„Ja, ich hatte den falschen Schlüssel erwischt...“ Er nahm sie zärtlich in die Arme und zog sie zu sich heran. „Jetzt bin ich ja wieder da, und glaub mir, so bald lasse ich Dich nicht wieder allein!“ Er strich ihr übers Haar, und Meg legte ihren Kopf an seine Schulter.  
„Da bin ich aber froh!“ erwiderte sie aufseufzend. „Ich fand das große Haus so unheimlich ohne Dich.“ Sie sah zu ihm auf und ihre Lippen fanden sich zu einem leidenschaftlichen Begrüßungskuß.
„Ich muß sagen, das ist mir wesentlich angenehmer, als mit einem Kerzenständer attackiert zu werden!“ lästerte Ben und zwinkerte Meg zu. Sie verdrehte entnervt die Augen.
Wenn ich mir vorstelle, ich hätte Dich damit getroffen...“
„Hast Du aber nicht.“ meinte Ben beruhigend. „Meine Reflexe sind noch recht gut.“
Er zog seine Jacke aus und warf sie über die Couchlehne.
„Die Sache in Chicago ist erledigt. Sam und Bette wollten noch ein wenig Zeit mit Bettes Tochter verbringen, um sich besser kennenzulernen. Sie ist übrigens ein sehr nettes Mädchen.“
Meg lächelte nachdenklich.
„Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, dass Bette eine Tochter hat. Erzähl mir von ihr!“
„Nun, Du kannst Dir ja bald selbst ein Bild von Emily Davis machen. Sie wird in ein paar Tagen mit nach Sunset Beach kommen. Schließlich will sie ja bei der Hochzeit ihrer Mutter dabei sein, nachdem sie immerhin schon sieben Eheschließungen Bettes verpasst hat!“  
lachte Ben und stand auf.
„Ich werde mir einen Drink genehmigen.“ sagte er und ging zu der kleinen Bar hinüber, die neben dem Schreibtisch stand. „Möchtest Du auch etwas?“
Meg schüttelte den Kopf.
„Nein danke, für mich nicht.“
Ben goß sich einen Cognac ein und wollte schon mit dem Glas in der Hand zur Couch zurückgehen, als sein Blick auf den Schreibtisch fiel.
„Was ist denn das?“ fragte er erstaunt und griff nach der goldenen Taschenuhr, die noch immer dort lag, wo Meg sie gefunden hatte. „Wie zum Teufel kommt denn die hierher?“
Meg stand auf und ging hinüber.
„Ich weiß nicht, ich nahm an, Du hättest sie dort hingelegt, bevor Du abgeflogen bist.“
Ben starrte auf die Uhr in seiner Hand.  
„Nein, sie gehört mir nicht.“ sagte er abwesend. Dann suchten seine Augen Megs Blick.  
„Du hattest recht,...“ meinte er plötzlich mit rauer Stimme, „es war wirklich jemand hier!“

Jeany

 

 

"Sara, ist alles in Ordnung mit Dir?" Derek stand vor dem Badezimmer, in dem Sara vor gut 20 Minuten verschwunden war. Von drinnen hörte er leises Fluchen, und er fragte sich, was sie so lange darin machte. Die Antwort folgte auf dem Fuße, denn Sara öffnete plötzlich ruckartig die Tür, und Derek musste zur Seite springen, um sie nicht an den Kopf zu bekommen. In der Hand hielt sie zwei Hosen und einen Rock, die sie wütend aufs Bett knallte.

"Passen nicht mehr!" erklärte sie mißmutig. "Wir können unseren Ausflug vergessen, denn ich habe nichts zum Anziehen!"

Derek hörte die Wut und Traurigkeit in ihrer Stimme und nahm sie spontan in den Arm.

"Hey," sagte er sanft," das war doch ganz klar, daß das irgendwann passieren würde. Schließlich bist Du schwanger."

Sara verzog das Gesicht.

"Ja, sicher, aber ich dachte nicht, daß ich so schnell auf "Zelte" umsteigen müsste!"

Derek hob belustigt die Augenbrauen.

"Zelte?" fragte er erstaunt. Sara befreite sich aus seinen Armen.

"Ich meine Umstandsmode." Sie rümpfte die Nase beim Gedanken daran. "Vielleicht hätte ich gestern nicht so viel "Hühnchen mandarin" essen sollen," sagte sie scherzhaft, während sie mit der Hand über ihren Bauch strich. Derek grinste.

"Oh ja, dann hätten Dir sicher noch für diesen einen Tag die Hosen gepasst," zog er sie auf. Sara streckte ihm die Zunge heraus, aber gleich darauf lächelte sie.

"Es sieht ganz so aus, als ob wir unsere Shopping-Tour etwas ausdehnen müssten," sagte sie. "Ich brauche ganz dringend Hosen mit Gummizug!"

Derek sah auf die Uhr.

"Okay, dann will ich jetzt noch einmal zum letzten Mal ein Taxi bestellen, daß uns zur Leihwagen-Firma fährt. Ich habe vorhin dort angerufen und telefonisch einen Wagen für uns bestellt," erklärte er. Sara sah ihn überrascht an.

"Du bist ja richtig fleißig gewesen, während ich im Bad war," sagte sie erstaunt. Derek nickte. "Ich habe gesagt, daß wir den Wagen um 9.30 Uhr abholen würden, und deshalb sollten wir uns jetzt etwas beeilen." Er öffnete die Tür des breiten Kleiderschrankes und durchwühlte Saras Fach nach passender Kleidung für sie.

"Hier, wie wär's damit?" Er warf das ausgewählte Kleidungsstück auf einen Stuhl. Sara sah ihn entsetzt an.

"Ich soll eine Jogging-Hose tragen?" fragte sie entsetzt. Derek nickte.

"Wieso nicht? Sagtest Du nicht, daß Du eine Hose mit Gummizug haben wolltest - hier ist eine." Sara schüttelte den Kopf über seine Gleichgültigkeit.

"Ich dachte dabei nicht an eine Jogging-Hose!" sagte sie empört, schnappte sich dann aber doch murrend die Hose und eine Bluse und verschwand damit im Badezimmer. Derek griff zum Telefon und rief ein Taxi. Als Sara aus dem Badezimmer kam, musste er sich ein Schmunzeln verkneifen. Ihr Outfit war wirklich nicht das, was man von einer zukünftigen Millionärs-Gattin erwartete. Sara warf ihm einen giftigen Blick zu.

"Wenn Du auch nur ein Wort sagst, erwürge ich Dich!" sagte sie drohend, doch Derek hob abwehrend die Hände.

"Keine Sorge, ich möchte doch nicht, daß Du wegen mir zur Mörderin wirst!" entgegnete er. Sara musste plötzlich lachen, und Derek stimmte mit ein. Die ganze Situation erschien ihr plötzlich total albern. Derek ging zur Tür und öffnete sie.

"Dann laß' uns mal gehen, damit wir Dir was anständiges kaufen können," sagte er, während er sich duckte, um Saras ausholendem Arm zu entgehen. Schnell zog er sie in seine Arme und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus der Stirn.

"Es ist mir völlig egal, was Du anhast. Ich würde Dich auch lieben, wenn Du nur einen Kartoffelsack tragen würdest!"

Sara lächelte versöhnlich.

"Du kannst manchmal richtig lieb sein," sagte sie und drückte sich enger an ihn.

Empört sah er sie an.

"Nur manchmal?" fragte er enttäuscht. Sara legte ihre Arme um seinen Hals und gab ihm einen zärtlichen Kuß auf die Lippen.

"Ist das Antwort genug für Dich?" fragte sie. Derek nickte, und eng umschlungen gingen sie den Gang entlang zum gläsernen Aufzug.

Mona

 

 

Meg saß am nächsten Tag im Büro wieder über den Statistiken des vergangenen Monats. Heute wollte sie diesen ungeliebten Teil ihrer Arbeit unbedingt abschließen, aber ihre Gedanken schweiften immer wieder ab. Sie dachte an vergangene Nacht und an Bens fassungslosen Gesichtsausdruck, als er die Taschenuhr vom Schreibtisch genommen und betrachtet hatte.
„Sie gehörte meinem Vater.“ hatte er dann leise gesagt.
„Und er hat sie Dir irgendwann geschenkt?“ schlussfolgerte Meg daraufhin, doch Ben schüttelte nachdenklich den Kopf.
„Nein, nicht mir, und auch nicht Derek, sondern Ted, unserem älteren Bruder.“
„Du hast einen älteren Bruder?“ hatte Meg erstaunt gefragt. „Aber Du hast ihn nie erwähnt!“
Ben schien ihr gar nicht zuzuhören. Er starrte unentwegt die Uhr an.
„Ich weiß noch genau, mein Vater hat sie ihm geschenkt, als er seinen Highschool- Abschluß machte. Derek und ich waren damals 16 Jahre alt. Ted war immer mein großes Vorbild, ich hab mir bei allem, was ich tat, gewünscht, so zu werden wie er. Aber dann, kurz bevor Ted sein Jura- Studium in Harvard beginnen sollte, kam es irgendwie zu einem furchtbaren Streit zwischen ihm und unseren Eltern. Ich weiß noch, Ted hatte ab und zu seine Differenzen, besonders mit unserer Mutter, aber so schlimm war es noch nie. Am nächsten Tag war er verschwunden, und mit ihm seine ganzen persönlichen Sachen. Vater meinte, er würde schon zurückkommen, aber wir haben seitdem nie mehr etwas von ihm gehört. Ich habe immer geglaubt, er sei tot, aber nun liegt diese Uhr hier...“  
Meg hatte ihre Hand auf Bens Arm gelegt und er drehte sich nach ihr um und sah sie mit großen Augen an.
„Ich glaube, er war hier. Er wollte mir damit ein Zeichen geben, Du hast Dich nicht geirrt mit Deiner Vermutung.“
Nun saß Meg an ihrem Schreibtisch und kaute selbstvergessen an ihrem Daumennagel herum.
„Jetzt weiß ich auch, was mir an dem Mann, mit dem ich in der Eingangshalle der Liberty Corporation zusammengestoßen bin, so vertraut vorkam.“ überlegte sie. „Er trug zwar eine Sonnenbrille, aber seine Stimme, die Art, wie er sich bewegte... sie hatte ihm nachgesehen und überlegt, ob sie ihn schon einmal irgendwo gesehen hatte, dabei hatte er sie insgeheim an Ben erinnert. Sein Bruder... auf den Gedanken wäre sie allerdings niemals gekommen. Aber warum hatte er sich nicht einfach zu erkennen gegeben, anstatt ihr hinterherzuschleichen und heimlich in Bens Haus einzudringen?“ Sie schüttelte den Kopf und fragte sich, ob Ben inzwischen schon in Erfahrung gebracht hatte, wo Ted Evans sich aufhielt? Er war heute früh, als sie zur Arbeit ging, aufgebrochen, um einige Erkundungen einzuziehen.
„Bleib doch einfach hier.“ hatte Meg ihm zwar geraten, „er weiß doch, wo er Dich findet, und wenn er wirklich hier ist, wird er sich schon bei Dir melden.“ Doch Ben hielt es nicht zu Hause. Er versprach, sie anzurufen, wenn er eine Spur gefunden hätte. Und nun saß sie hier und kam einfach nicht vorwärts, weil es auf der Welt heute wirklich wichtigere Probleme gab als diese langweiligen Statistiken.
Shirley hatte ihren freien Tag und Gregory war eben zu einem Geschäftsessen aufgebrochen, als es an der Bürotür klopfte.
„Ja bitte!“ rief Meg, ohne jedoch gleich von ihrer Arbeit aufzusehen.
„Hallo Miss Cummings!” hörte sie eine Stimme, die ihr sofort wieder vertraut vorkam. „Können Sie mir vielleicht sagen, wo ich Ben finde?“
Sie blickte auf, geradewegs in Ted Evans Augen.

Jeany

 

 

"Na Richards."

Sean, der vor seinem Unterrichtsraum stand, blickte auf. Brad Nichols hatte sich zu ihm gesellt, einen äußerst zufriedenen Gesichtsausdruck aufgesetzt.

"Ich habe gehört, morgen ist der Tag an dem Deine Mutter fertig gemacht wird. Ein Jammer, dass ich nicht dabei sein kann. Ich würde es gerne persönlich miterleben, wenn die Reichen einmal begreifen, dass sie sich nicht alles erlauben dürfen. Na ja, in den Zeitungen wird wohl alles darüber stehen."

Sean blickte Brad wütend an.

"An Deiner Stelle würde ich sofort mein Maul halte, oder Du bekommst gleich eines drauf." "Doch nicht etwa von Dir, Richards? Das ich nicht lache. Bangst Du um Deine Mutter? Meinst Du, die alte Schnapsdrossel kommt ins Gefängnis?"

Sean wollte auf ihn losgehen, doch das Auftauchen der Lehrerin Tess Marin verhinderte eine Eskalation.

"Konzentrier Dich lieber auf die Prüfungen nächste Woche", zischte Sean, während sie den Klassenraum betraten. "Wir wollen doch nicht, dass Du durchfällst. Was bei Deinen Leistungen kein Wunder wäre."

"Keine Bange", antwortete Brad. "Ich habe da so meine Beziehungen."

"Wie meinst Du das?", wunderte sich Sean.

"Das geht Dich nichts an", erklärte Brad. "Aber sagen wir einmal so, die Wahrscheinlichkeit dass ich durchfalle, ist sehr gering."

Hickengruendler

 

 

Meg fasste sich erstaunlich schnell, so als hätte sie gewußt, Bens älterem Bruder heute zu begegnen.
„Mister Evans!“ meinte sie lächelnd und zog die Stirn in Falten. „Wie schön, Sie einmal vor mir zu sehen, und nicht nur als eine Art Schatten hinter mir!“
Er lachte.
„Das haben Sie bemerkt? Alle Achtung!“
„Auf mein Gefühl konnte ich mich schon immer verlassen.“ erwiderte Meg.  
Ted Evans trat zum Schreibtisch, nahm ihre Hand und führte sie galant an seine Lippen.
„Er hat Bens Augen.“ dachte Meg, während sie ihn aufmerksam musterte, „und die selben  Lachfältchen um die Augen.“
„Sie sind wirklich sehr hübsch.“ sagte er bewundernd. „Ich mußte Ihnen einfach hinterherlaufen!“
„Okay, Schluß jetzt mit diesem Unsinn!“ Megs Stimme nahm einen scharfen Ton an, während sie abrupt aufstand. „Sie haben mich ziemlich erschreckt, Mister Evans, und ich frage mich, warum Sie erst tagelang hinter mir herschleichen und in das Haus Ihres Bruders einbrechen müssen, anstatt einfach an der Tür zu läuten und sich vorzustellen, wie es normale Menschen tun würden!“
Er nickte und sah sie entschuldigend an.
„Bitte nennen Sie mich Ted. Es tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe, Meg. Ich darf Sie doch Meg nennen, oder?“ Wieder das charmante Lächeln. Es erinnerte sie an Derek, den alten Derek, wie er am Anfang war. Ted schien eine gesunde Mischung aus beiden Zwillingsbrüdern zu sein. Hier war Vorsicht geboten.  
„Ben ist nicht hier.“ sagte sie und wies auf einen Besuchersessel. „Setzen Sie sich bitte. Wenn Sie wollen, rufe ich ihn an und sage ihm, dass Sie hier sind.“
Ted schüttelte den Kopf.
„Nein danke, Meg. Ich will Ihnen keine Mühe machen. Falls Ben zu Hause ist, werde ich ihn dort besuchen, ich weiß ja inzwischen, wo er wohnt.“
„Natürlich.“ erwiderte Meg in trockenem Tonfall, „nur betreten wir das Haus für gewöhnlich nicht über die Veranda.“
Ted lachte.
„Ich habe Sie wirklich verärgert, wie mir scheint. Aber ich werde versuchen, es wieder gut zu machen.“
„Darauf bin ich wirklich gespannt!“ erklang Bens Stimme plötzlich von der Tür her.
Ted fuhr herum und stand nach 13 Jahren das erste Mal wieder seinem jüngeren Bruder von Angesicht zu Angesicht gegenüber...

Jeany

 

 

Ein letztes Mal warf Sara einen prüfenden Blick in den großen Wandspiegel, ehe sie die Umkleidekabine verließ. Sie nestelte an ihrem Kleid herum, während sie Derek mit einem schüchternen Blick ansah. Bewundernd zog er seine Augenbrauen nach oben.

"Wahnsinn!" entfuhr es ihm. Sara lächelte verlegen.

"Es gefällt Dir also?" fragte sie vorsichtig. Derek nickte.

"Ja, Du siehst einfach toll aus! Da soll doch mal einer behaupten, daß Umstandsmode nicht chic sein kann."

Sara zupfte in Höhe es Bauches an dem Kleid herum.

"Na ja, bis ich das ausfülle, werden wohl noch einige Monate vergehen," sagte sie und grinste. "Gut, dann nehme ich das Kleid, und nun muß ich mich noch nach Hosen umschauen." Sie wollte gerade auf einen Kleiderständer mit Hosen zusteuern, als Derek sie am Arm festhielt.

"Würde es Dir etwas ausmachen, wenn ich mir ein bisschen vor der Tür die Beine vertrete?" fragte er. Sara schüttelte den Kopf.

"Nein, geh' nur. Ich komme schon alleine zurecht." Sie lächelte verschmitzt. "Es ist wahrscheinlich ziemlich langweilig für Dich, oder?"

Derek kratzte sich verlegen am Kopf.

"Ehrlich gesagt war mir Shopping gehen immer zuwider. Wenn ich noch daran denke, wie lange Annie ..." Er unterbrach seine Ausführung plötzlich. Es war sicher nicht sehr taktvoll, jetzt von seiner Ex-Verlobten anzufangen. Sara tat so, als ob sie es nicht gehört hatte, stattdessen sah sie auf ihre Armbanduhr.

"Sag' eine Uhrzeit, wann wir uns wieder hier treffen wollen," forderte sie ihn auf. Derek sah ebenfalls auf seine Uhr.

"Reichen Dir zwei Stunden, um alle Einkäufe zu erledigen?"

Sara grinste ihn verschmitzt an.

"Aber sicher! Ich denke, daß ich dann sogar noch Zeit haben werde, nach nebenan ins Friseurgeschäft zu gehen."

Derek zog Sara an sich und gab ihr einen Kuß. Verlegen befreite sie sich aus seinen Armen, als sie die interessierten Blicke der Verkäuferinnen bemerkte.

"Derek, nicht hier!" ermahnte sie ihn. Er lächelte verschmitzt.

"Wieso denn nicht? Mir war gerade so danach." Spielerisch knuffte sie ihn in die Seite.

"Nun geh' schon, damit ich hier endlich weitermachen kann."

Während Sara sich dann hilfesuchend an eine der Verkäuferinnen wandte, verließ Derek die Boutique.

Mona

 

 

Erleichtert atmete Derek vor der Tür auf. Shopping-Touren hatten etwas beklemmendes für ihn, und er konnte nicht verstehen, wie sich Frauen stundenlang in Umkleidekabinen aufhalten konnten, ohne daß ihr Blutdruck auch nur im geringsten anstieg. Er erinnerte sich an die Einkaufstouren mit Annie - einfach grausam! Sie musste mindestens 20 Kleider anziehen, ehe sie sich für eins entscheiden konnte, und wenn sie sich endlich entschieden hatte, fiel ihr ein, daß sie unbedingt noch farblich passende Schuhe dazu haben müsste, und das ganze ging von vorne los ... Derek seufzte.

Zum Glück war Sara wesentlich pflegeleichter in dieser Beziehung.

Während Derek den Rodeo-Drive auf und ab lief, beobachtete er die Leute, die geschäftig durch die Gegend rannten. Plötzlich hörte er ein leises Schluchzen und fühlte, wie sich eine kleine Hand in seine schmiegte. Erschrocken schaute er nach unten und sah in das tränenfeuchte Gesicht eines kleinen Mädchen. Sie war vielleicht zwei Jahre alt, hatte blonde Haare und große blaue Augen, mit denen sie ihn schüchtern und zugleich ängstlich ansah.

Derek schluckte, bevor er sich hinkauerte und die Kleine ansprach.

"Wo kommst Du her? Wie ist Dein Name?" Die Kleine legte den Kopf schief und sah ihn mit ihren großen Augen an, während sie immer noch seine Hand umklammerte.

"Wo ist Deine Mama?" versuchte Derek es weiter, doch entweder konnte das kleine Mädchen noch nicht sprechen oder sie wollte es nicht. Schweigend und neugierig beobachtete sie ihn. Derek betrachtete sie genauer. Die Kleine sah nicht aus, als ob sie eine Landstreicherin wäre, denn das Kleid, das sie trug, war zwar schmutzig aber von guter Qualität.

Derek überlegte fieberhaft, was er jetzt tun sollte. Er sah sich um, ob vielleicht ein Polizist in der Nähe war, den er um Rat fragen konnte, doch unter den vorbeieilenden Menschen war nicht ein Polizist dabei. Derek stand seufzend auf.

"Ich kann Dich nicht mitnehmen," erklärte er dem Kind, das ihn immer noch anstarrte. Plötzlich fiel Derek etwas ein, wie er vielleicht doch noch Informationen aus der Kleinen herauslocken konnte. Er musste ihr Vertrauen gewinnen.

"Hast Du Hunger?" fragte er. "Möchtest Du etwas essen?"

Die Kleine nickte, und ein erstes zaghaftes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Derek nickte zufrieden.

"Dann' komm!" Er erinnerte sich daran, daß sich am Ende der Straße ein Fast-Food-Restaurant befand, und obwohl er sich nicht ganz sicher war, ob eine Zweijährige überhaupt schon Hamburger und Hot Dogs aß, war es doch die einzige Möglichkeit, mehr über das Kind herauszufinden. Derek war dann sehr überrascht, mit welch einem Heißhunger sich die Kleine über das Essen hermachte. Als der letzte Bissen verschlungen war, sah Derek sie erwartungsvoll an.

"Okay," begann er. "Jetzt habe ich Dir etwas zum Essen besorgt, jetzt verrätst Du mir doch sicher auch Deinen Namen, oder?"

Das kleine Mädchen wischte sich mit dem Handrücken über den ketchupverschmierten Mund und nickte.

"Becca!" sagte sie, während sie ihren schmutzigen Zeigefinger in ihren Bauch bohrte. Derek runzelte die Stirn.

"Becca?" wiederholte er. Die Kleine nickte, und während Derek noch darüber nachdachte, was für ein komischer Vorname das doch war, hob sie wieder ihre verschmierte Hand und zeigte auf ihn. "Daddy!"

Mona

 

 

Sara war nicht schlecht erstaunt, als Derek mit einstündiger Verspätung und einem Kleinkind an der Hand in der Boutique auftauchte. Er machte ein entschuldigendes Gesicht und wies auf die Kleine.

"Sie ist mir plötzlich nachgelaufen, und da niemand da war, der sich um sie gekümmert hat, habe ich sie einfach mitgenommen," versuchte er sein Handeln zu erklären. Sara musste wider Willen schmunzeln.

"Hat sie auch einen Namen?" fragte sie neugierig, während sie das Mädchen kritisch betrachtete.

"Sie sagt, daß sie "Becca" heißt."

Sara beugte sich zu dem kleinen Mädchen hinunter und strich ihr vorsichtig über die blonden Locken.

"Hallo Rebecca, ich bin Sara!"

Das kleine Mädchen wich Saras Berührung aus und drückte sich ängstlich an Dereks Beine. "Daddy," murmelte sie dabei.

Sara richtete sich auf und schaute Derek überrascht an.

"Gibt es da etwas, was Du mir verschwiegen hast?" fragte sie mißtrauisch.

Ungläubig sah er sie an.

"Du denkst ...? Um Himmels Willen, Sara! Wie kommst Du nur darauf, daß ich Dir ein Kind verheimlichen würde?" Entsetzt sah er sie an. Sara legte beruhigend eine Hand auf seine Schulter.

"Das war ein Scherz!" entgegnete sie und lächelte verschmitzt. Doch so witzig fand Derek die Situation nicht.

"Ich weiß nicht, was daran so komisch sein soll!" stieß er ungehalten hervor. "Hier steht ein kleines Mädchen, von dem wir nichts wissen außer, daß sie Rebecca heißt und denkt, daß ich ihr Daddy bin!"

Sara legte nachdenklich ihre Stirn in Falten.

"Vielleicht sollten wir sie zur Polizei bringen," schlug sie vor. "Die wissen sicher besser, was zu tun ist. Vielleicht haben ihre Eltern schon eine Vermisstenanzeige aufgegeben."

Derek nickte, und zu dritt verließen sie die Boutique.
Mona 

 


Der Polizeiinspektor auf der Wache war sehr freundlich, doch leider war ihm nichts darüber bekannt, daß ein Kind vermißt wurde.

"Was sollen wir denn jetzt machen?" fragte Sara den Inspektor verzweifelt. Er zuckte mit den Achseln.

"Sie sehen ja selber, daß hier nicht unbedingt der richtige Ort für ein Kleinkind ist," sagte er. "Außerdem kann sich hier niemand um die Kleine kümmern." Er spannte ein Formular in die Schreibmaschine ein und begann zu tippen.

"Am besten wäre es," sagte er," wenn sie die Kleine mit zu sich nehmen würden, bis die rechtmäßigen Eltern des Kindes sich melden."

Sara warf einen kurzen fragenden Blick zu Derek hinüber, der das kleine Mädchen auf dem Arm hielt. Rebecca hatte ihren Kopf an seine Schulter gelehnt und lutschte an ihrem Daumen herum. "Wir wohnen nicht in L.A.," erklärte Derek dem Polizisten. "Wir sind nur ein paar Tage auf Stippvisite hier und wohnen im Hotel."

Der Polizeiinspektor nickte.

"Dann geben Sie mir doch bitte ihre Hoteladresse, damit wir sie verständigen können, sobald wir die Eltern ausfindig gemacht haben."

Derek diktierte dem Polizeibeamten seine Adresse und gab ihm auch seine Handynummer.

"Was meinen Sie, wie lange es dauern wird, bis Sie die Eltern gefunden haben?" fragte er. Der Polizeiinspektor schüttelte bedauernd den Kopf.

"Wir werden natürlich alles versuchen, aber wenn die Eltern das Kind nicht als vermißt gemeldet haben, wird es schwierig werden." Er beugte sich etwas näher zu Derek hinüber. "Ich will Ihnen keine Angst machen, aber ... haben sie schon einmal an die Möglichkeit gedacht, daß das Mädchen vielleicht ausgesetzt wurde."

Derek schluckte und warf schnell einen Blick zu Sara hinüber, die den Polizeiinspektor entsetzt anstarrte.

"Sie meinen ... jemand hat die Kleine absichtlich "vergessen?" Sie konnte nicht glauben, daß es Menschen gab, die zu so etwas fähig waren. Der Polizist nickte.

"Ja, leider passiert dies immer öfter, und viele der Kinder landen dann im Heim ..." Er sah, wie Sara kalkweiß wurde, und unterbrach seine weitere Ausführung. "Aber in Ihrem Fall muß es ja nicht so sein," sagte er beschwichtigend. "Vielleicht ist die Kleine nur ausgebüchst, während ihre Mutter einkaufen war."

Sara nickte. Zu mehr war sie einfach nicht mehr fähig. Derek gab dem Polizeibeamten die Hand. "Vielen Dank für Ihre Aufrichtigkeit! Wir werden uns gut um die Kleine kümmern, bis Sie ihre Eltern gefunden haben." Mit der schlafenden Rebecca auf dem Arm verließen er und Sara dann das Polizeirevier.    

Mona

 

 

Bette, Emily und Sam hatten den Vormittag mit Sightseeing verbracht, und nun waren sie noch einmal zum Morton Collage gefahren. Emily hatte noch ein paar Sachen in dem Apartment, die sie abholen wollte. Außerdem wollte sie sich natürlich noch von Ihrer Freundin Kelly Morgen verabschieden.

Als sie das Studentenwohnheim in Cicero betraten, holte Emily Ihren Haustürschlüssel aus Ihrer Handtasche.

„Ich hoffe Kelly ist zu Hause. Ihre Vorlesungen für heute sind jedenfalls vorbei.“ sagte sie.

„Das hoffe ich auch, denn ich möchte mich noch einmal ganz herzlich bei ihr bedanken, dass sie uns erzählt hat, was mit Dir passiert ist.“ lächelte Bette. Sam trug einen großen, gut gefüllten Präsentkorb.

„Ich denke, sie wird sich über unser Dankeschön freuen.“

Emily lachte.

„Ganz bestimmt. Da sind so viele Köstlichkeiten drin, die sich Studenten normalerweise nicht leisten können.“

Inzwischen hatten sie die zweite Etage erreicht und Emily schloss die Tür zum Apartment auf. „Kelly bist Du zu Hause?“ rief sie.

„Emily bist Du das?“ Kelly kam aus dem Wohnzimmer gerannt und umarmte Emily. „Ich bin ja so froh Dich zu sehen.“

„Ich bin auch froh, Dich zu sehen.“ antwortete Emily „Meine Mutter Bette und Ihren Verlobten Sam hast Du ja schon kennen gelernt.“

Kelly nickte und reichte zuerst Bette und dann Sam die Hand.

„Ja, schön Sie wiederzusehen. Wie ich sehe, ist es Ihnen ja tatsächlich gelungen, Emily von Ihrem Vater wegzuholen.“

„Um nichts in der Welt hätte ich Emily dort gelassen.“ sagte Bette. Sam überreichte Kelly den Präsentkorb.

„Das hier ist ein kleines Dankeschön von uns, für Ihre Hilfe.“

„Wow, so etwas Tolles habe ich noch nie bekommen. Danke.“ Kelly strahlte über das ganze Gesicht. „Darf ich Ihnen etwas anbieten? Eine Tasse Kaffee vielleicht?“

„Wenn es keine Umstände macht, wäre mir ein Tee lieber. Kaffee bekommt mir in letzter Zeit nicht zu gut.“ antwortete Bette.

„Kein Problem.“ sagte Kelly und verschwand in der kleinen Küche. Emily führte Bette und Sam in das Wohnzimmer und wenige Minuten später gesellte sich Kelly mit einem Tablett und dem Tee dazu.

„So und nun erzählt mal, was so alles passiert ist.“

Emily lachte.

„Nun, es ist wirklich schwer zu glauben, aber Sam, Mom und ein guter Freund von den beiden haben mich gerettet. Es war ganz wie in einem Actionthriller.“

„Wow! Das hört sich ja spannend an.“ sagte Kelly „Erzähl mehr.“

Die nächste halbe Stunde, verbrachte Emily damit der staunenden Kelly alles ganz genau zu erzählen.

„Und nun habe ich beschlossen, mit Mom und Sam nach Kalifornien zu gehen.“ schloss Emily Ihren Bericht ab.

„Das ist ja toll,“ umarmte Kelly Ihre Freundin „aber ich hoffe, Du wirst mich nicht vergessen.“ „Wie könnte ich Kelly, Du bist schließlich meine beste Freundin.“ antwortete Emily. „Und ich hoffe, Du wirst mich in den Semesterferien besuchen.“

„Das lasse ich mir auf keinen Fall entgehen.“ lachte Kelly.

„Wir wissen natürlich, dass es für Sie schwierig sein wird, von nun an alleine für die Miete aufzukommen, darum werden wir Emilys Anteil noch bis zum Ende des Semesters bezahlen.“ sagte Sam.

„Das ist wirklich großzügig von Ihnen, aber ich denke, dass ich schon einen Nachmieter für Emily habe.“ antwortete Kelly. Emily sah Ihre Freundin an.

„Ich wette, Greg wird so schnell wie möglich hier bei Dir einzeihen.“

„Stimmt,“ antwortete Kelly „so brauchen wir nicht die Miete für zwei Apartments auftreiben.“ Sam reichte Kelly einen ausgefüllten Scheck.

„Das ist gut, trotzdem möchte ich Ihnen diesen Scheck hier lassen. Schließlich waren Sie eine große Hilfe für uns und Studenten sind ja immer knapp bei Kasse.“ zwinkerte Sam Kelly zu.

Kelly wollte Protest einlegen, aber Emily schnitt ihr das Wort ab.

„Keine Widerrede! So, und nun gehe ich meine restlichen Sachen holen.“ Emily stand auf und ging in ihr ehemaliges Zimmer. Eine Viertelstunde später kehrte sie mit einer Reisetasche in der Hand zurück. Sie umarmte Kelly.

„Ich ruf Dich an, sobald ich in Sunset Beach angekommen bin. Grüß Greg und alle anderen von mir.“

„Mache ich.“ Kelly wischte sich eine Träne aus Ihren Augen „Ich wünsche Dir alles Gute.“

Noch einmal umarmten sich die beiden jungen Frauen, dann drehte sich Emily zu Bette und Sam um.

„Lasst uns gehen.“ sagte sie.

Meg

 

 

In ihrem Hotel angekommen, legte Derek das schlafende Kleinkind in die Mitte des breiten Doppelbettes und machte Sara ein Zeichen, daß sie ihm in den Wohnbereich folgen sollte. Stöhnend ließ er sich auf das Sofa fallen und kratzte sich am Kopf.

"Ich bin gespannt, was für eine Überraschung als nächstes auf uns wartet!" sagte er ironisch. Sara zog sich einen Stuhl heran und setzte sich ihm gegenüber.

"Ich kann einfach nicht glauben, daß ihre Eltern sie ausgesetzt haben!" brachte sie hervor. Derek sah sie nachdenklich an, und erst jetzt fiel ihm auf, daß Sara eine neue Frisur hatte.

"Du hast Deine Haare abschneiden lassen!" stellte er überrascht fest. Sara fuhr sich mit der Hand durch ihr kinnlanges blondes Haar und sah ihn stirnrunzelnd an.

"Ja, schon vor zwei Stunden. Ich dachte, daß ich mal eine optische Veränderung bräuchte ... Sag' mal, wo hast Du denn die ganze Zeit hingeschaut, daß Dir das erst jetzt auffällt?" fragte sie tadelnd. Derek verzog das Gesicht und griff sich an die Stirn.

"Tut mir leid, daß ich es nicht gleich bemerkt habe, aber ..." Er seufzte tief. " Der Tag war wohl einfach zuviel für mich."

Mitfühlend ergriff Sara Dereks Hand.

"Was macht Deine Schulter?" fragte sie besorgt. Derek versuchte zu lächeln.

"Nicht so gut, nachdem ich eine Stunde lang ein Bündel von über 20 Pfund tragen musste."

Sara sah ihn schmunzelnd an.

"Das nächste Mal teilen wir uns die Bürde," versprach sie. Derek winkte ab. "Nein," sagte er bestimmt. "In Deinem Zustand solltest Du nicht so schwer heben. Denk' an unser Baby!"

Sara verdrehte genervt die Augen.

"Ich denke an nichts anderes mehr!" stieß sie ungehalten hervor. "Wenn ich jetzt schon nichts mehr machen darf, wie soll das erst in zwei bis drei Monaten werden? Willst Du mich dann im Rollstuhl durch die Gegend schieben?" Ihre Augen funkelten wütend. Derek erkannte, daß er bei ihr einen wunden Punkt getroffen hatte und lenkte ein.

"Natürlich nicht! Aber ich mache mir nun einmal Sorgen um Dich und das Baby ..."

Aus dem Nebenraum hörten sie plötzlich ein leises Weinen, und Derek sprang auf und ging nach nebenan. Rebecca saß verstört im Bett und schluchzte vor sich hin. Als sie Derek sah, streckte sie ihre Arme nach ihm aus, und er zog sie an seine Brust. Über Rebeccas Kopf hinweg sah er Sara entschuldigend an.

"Ist schon in Ordnung," sagte sie, während sie zur Tür ging. "Ich werde jetzt einkaufen gehen und ein paar Dinge besorgen, die ein Kleinkind so braucht."

Derek sah sie überrascht an.

"Weißt Du denn, was so ein kleines Kind braucht?" fragte er. Sara nickte.

"Ja, ich habe als Teenager zu Hause in Ludlow öfter die Kinder unserer Nachbarn betreut und weiß deshalb, wie man mit so einem Baby umgeht."

Derek schien beeindruckt zu sein.

"Du überraschst mich immer wieder!" sagte er bewundernd. "Du sagtest, daß Du die Babies im Teenageralter betreut hättest? Nun, dann ist es ja noch nicht so lange her ..." zog er sie auf. Sara ging ein paar Schritte auf ihn zu und hob drohend ihren Zeigefinger.

"Paß auf, was Du sagst! In zwei Monaten werde ich nämlich schon 20!"

Derek musste sich ein Lachen verkneifen. Er wollte Sara nicht noch unnötig reizen. Rebecca sah interessiert von einem zum anderen.

"Ein wirklich biblisches Alter!" entfuhr es ihm. Sara stemmte ihre Hände in die Hüften und funkelte ihn böse an.

"Wenn Du damit sagen willst, daß ich eigentlich viel zu jung für Dich bin," sagte sie angriffslustig," dann ..." Weiter kam sie nicht, denn Derek stand schnell auf und legte einen Finger auf ihre Lippen.

"Still, zügele Dein Temperament!" befahl er ihr, während er sie an sich zog. "Du bist einfach perfekt für mich, und was den Altersunterschied betrifft ..." er schob sie etwas von sich weg und sah ihr tief in die Augen," ... in 20 Jahren werde ich "alter Knacker" glücklich darüber sein, eine so junge, attraktive Frau an meiner Seite zu haben," fügte er verschmitzt grinsend hinzu. Er strich ihr sanft übers Haar. "Übrigens - Deine neue Kurzhaarfrisur gefällt mir. Sie macht Dich ... reifer!"

Sara lachte und legte ihre Arme um Dereks Hals. Ihre Lippen fanden sich zu einem innigen Kuß. Plötzlich spürten sie, wie sich um ihre Beine herum zwei kleine Arme legten. Überrascht schauten sie nach unten. Rebecca war vom Bett gerutscht und hatte ihre Arme um Saras und Dereks Beine geschlungen. Ihr Blick bettelte nach Zuneigung. Tief gerührt nahm Derek das kleine Mädchen auf den Arm. Gedankenverloren drückte er sie an sich. Nachdem Sara die rührende Szene eine Weile nachdenklich beobachtet hatte, nahm sie ihre Tasche und verließ leise die Hotelsuite.

Mona

 

 

Einen Moment lang standen sich die Brüder gegenüber und musterten sich gegenseitig in stummem Erstaunen, dann aber traten sie aufeinander zu und schlossen sich in die Arme.
Nach einigen Sekunden schob Ben Ted eine Armlänge von sich und sah ihm kopfschüttelnd in die Augen.
„Ted, mein Gott, wo bist Du nur die ganzen Jahre gewesen?“ fragte er fassungslos. „Kein Lebenszeichen, kein Gruß von Dir, nachdem Du uns damals verlassen hast, wir haben alle geglaubt Du wärst tot!“
Ted lächelte.
„Nein, ich lebe, wie Du siehst, und es geht mir gut. Alles andere ist eine lange Geschichte, aber ich habe vor, eine Weile zu bleiben, also kann ich Dir alles in Ruhe erzählen.“
Ben nickte.
„Darauf bin ich schon sehr gespannt.“ Er wandte sich an Meg, die diese Szene von ihrem Schreibtisch aus beobachtet hatte und gerührt war über die Wiedersehensfreude der beiden.
„Meg, darf ich Dir meinen großen Bruder vorstellen?“ Dann blickte er zu Ted. „Meine zukünftige Frau, Meg Cummings aus Kansas.“
Ted lächelte tiefgründig und reichte Meg die Hand.
„Wir haben uns schon kurz kennengelernt, und ich muß sagen, Deine Verlobte gefällt mir sehr, Ben.“ meinte er. „Aber Du hattest ja schon immer einen ausgezeichneten Geschmack.“  
Meg erwiderte nichts, betrachtete aber aufmerksam sein Gesicht.
„Was ist?“ fragte er leicht irritiert.
„Sie haben Bens Augen, aber Dereks Blick.“ antwortete sie geradezu. Erstaunt sah Ted erst sie und dann Ben an. Der lachte.
„Tja, Meg ist so ziemlich die Einzige, die Derek und mich von Anfang an unterscheiden konnte.“  
„Derek ist auch hier?“
„Ja, aber momentan hält er sich nicht in der Stadt auf, er ist mit seiner zukünftigen Frau Sara nach Kansas geflogen, um dort ein paar Tage Urlaub zu verbringen.“ erzählte Ben und lachte. „Sara ist übrigens Megs jüngere Schwester.“
Ted sah wieder zu Meg und grinste.
„Sie haben nicht zufällig noch eine Schwester, vielleicht noch ein paar Jahre älter?“
Meg zuckte die Schultern und stimmte in sein Lachen ein.
„Tut mir leid. Nichts zu machen.“ Er schien ihr doch recht sympathisch, und insgeheim verzieh sie ihm allmählich seine Beschattungsaktionen.
„Nun geht schon, Ihr beiden, ich bin sicher, Ihr habt Euch viel zu erzählen, und ich muß hier noch jede Menge Schreibkram erledigen. Wir sehen uns heute abend.“ sagte sie und küßte Ben auf die Wange.
„Okay“ meinte Ted, „dann lade ich Euch beide für heute abend ins Sunset Inn ein. Dort wohne ich nämlich.“
„Kommt gar nicht in Frage!“ protestierte Ben, „Du wirst natürlich bei uns wohnen. Und wir werden auch unser Wiedersehen gebührend feiern. Ich würde sagen, das Grenadines ist gerade gut genug für einen Anlaß wie diesen!“
„Gut, dann werden wir also heute Abend noch groß ausgehen.“ stimmte Ted zu und klopfte Ben auf die Schulter. „ Und bis dahin, denke ich, haben wir beide uns noch eine Menge zu erzählen!“  

Jeany

 

 

Ted und Ben waren lange am Strand entlanggewandert und hatten sich schließlich auf den Klippen jenseits des Piers niedergelassen. Von dort aus sahen sie aufs Meer hinaus und Ted erzählte seinem jüngeren Bruder, wo er sich die ganzen Jahre über aufgehalten hatte.
„Fremdenlegion?“ fragte Ben erstaunt, „Ich dachte, die gibt es nur noch in Frankreich?“
Ted schüttelte den Kopf.
„Nein, meist werden solche Truppenteile zwar von französischen Offizieren geführt, aber sie sind bunt zusammengewürfelt, bestehend aus Abenteurern, politischen Flüchtlingen und irgendwelchen angeworbenen Ausländern.“ erklärte er und begann zu erzählen. „An diesem Abend nach dem Streit mit Dad und ... Catherine, lernte ich Jean kennen, einen von den Legionären, und er erzählte mir, dass sie noch Leute suchen. Ihr Schiff lag unten am Hafen und sollte noch in der selben Nacht auslaufen, nach Algerien, es klang alles so abenteuerlich, und ich wollte sowieso so weit weg wie möglich. Nach einigen Gläsern Whisky, die mir Jean spendiert hatte, war ich so betrunken und überzeugt von der Sache, dass ich mit ihm ging. Als ich irgendwann am nächsten Morgen aus meinem Rausch erwachte, waren wir schon auf dem Meer, unterwegs nach Afrika. Ich hatte einen Vertrag unterschrieben und war damit der Truppe verpflichtet.“
„Vater hätte Dich da rausgeholt.“ meinte Ben überzeugt. „Warum hast Du Dich nicht gemeldet?“
„Mein Stolz war zu groß und meine Wut im Bauch siegte lange über jeden Rest an Vernunft,“ gestand Ted und lächelte bitter, „und als wir dann mit der Ausbildung in Algerien begannen, gab es kein Zurück mehr. Ich war Legionär, verpflichtet für die nächsten vier Jahre.“  
Er starrte auf die schäumenden Wellen vor sich. „Es war eine harte Zeit, aber ich hab es überstanden, ich bin dadurch erwachsen geworden und ich glaube, ich war danach stärker, als je zuvor.“
Ben sah ihn lange von der Seite an. Sie waren sich ähnlich, nicht nur vom äußeren her, viel mehr charakterlich, und er fühlte sich in diesem Moment seinem Bruder so nahe wie nie zuvor. Kaum zu glauben, dass sie beide plötzlich nur einen Elternteil gemeinsam haben sollten... das seine Mutter nicht Teds Mum war, diese Erkenntnis hatte bei ihm eingeschlagen wie eine Bombe und er glaubte zu ahnen, wie Ted sich gefühlt haben mußte, als er die bittere Wahrheit an jenem Abend erfuhr, als er weglief...
„Wie ging es dann weiter? Warum bist Du nach Deinem Dienst nicht nach England zurückgekehrt?“ fragte er schließlich.  
Ted zuckte die Schultern.
„Ich hatte es vor, aber ein Freund schlug vor, von dem Geld, das wir verdient hatten, in Johannisburg ein Jurastudium zu beginnen, und so ging ich mit, weil ich eine Chance sah, das Versäumte nachzuholen und mir meinen Jugendtraum zu erfüllen. Es war zwar nicht Harvard, aber immerhin, ich habs geschafft.“ Er blickte Ben nachdenklich an. „Ich wollte nicht nach all den Jahren mit leeren Händen nach Hause kommen und in das enttäuschte Gesicht unseres Vaters blicken müssen. Nun ja,“ er straffte die Schultern und blickte Ben nachdenklich an, „in meinen ersten Semesterferien setzte ich mich ins Flugzeug nach London, um Euch endlich wiederzusehen. Am Flughafen las ich die Schlagzeilen in der Tagespresse: „JOHN UND CATHERINE EVANS BEI AUTOUNFALL UMS LEBEN GEKOMMEN“ Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Ich fühlte mich so hilflos, ausgebrannt und ... schuldig, weil ich mich die ganze Zeit nicht gemeldet hatte. Aber es war zu spät. Ich nahm das nächste Flugzeug und flog zurück nach Johannisburg.“
Ben schüttelte verständnislos den Kopf.
„Aber Du hättest doch zur Trauerfeier kommen können, und Du hast gewußt, dass wir auch noch da waren, Derek und ich, Deine Brüder... oder Halbbrüder, wie auch immer!“
Ted nickte.
„Ja schon, aber wie gesagt, ich fühlte mich so schuldig und war total am Boden zerstört, ich wollte keinen Menschen sehen, und so hab ich mich mit Feuereifer in mein Studium gestürzt. Irgendwann habe ich Euch geschrieben, aber der Brief kam zurück, mit dem Vermerk, dass Ihr beide das Anwesen verkauft und mit unbekanntem Ziel verzogen wart.“
„Ja stimmt“ erinnerte sich Ben, „ich war damals noch beim Geheimdienst und nur darauf fixiert, diejenigen zu finden, die am Tod unserer Eltern schuld waren. Danach hab ich meinen Dienst quittiert, mir mein Erbteil auszahlen lassen und bin in die USA ausgewandert, wo es mich dann hierher nach Südkalifornien verschlagen hat. Was Derek tat, interessierte mich nicht sonderlich, Du weißt ja, wir standen uns damals schon nicht besonders nahe, und dieser Zustand hatte sich in der Zwischenzeit eher noch verschärft. Irgendwann tauchte er dann in Sunset Beach auf. Zuerst war ich ziemlich überzeugt, dass in dieser Stadt kein Platz für uns beide war, aber schließlich haben wir versucht, uns wenigstens zu tolerieren und sind uns aus dem Weg gegangen.“ Er lachte. „Das wir uns heute verstehen, haben wir zwei reizenden Schwestern zu verdanken. Die eine hast Du ja schon kennengelernt.“
Ted nickte.  
„Ja, ich hatte gleich das Gefühl, dass Meg was Besonderes ist. Ich habe Euch beobachtet, an dem Tag, als ich hier ankam und Du nach Chicago abgeflogen bist. Dann bin ich ihr gefolgt und später über den Balkon in Dein Haus eingestiegen, wo ich die Taschenuhr auf den Schreibtisch legte. Ich hab genau gewußt, dass Du sie sofort erkennen würdest. Aber es war dumm von mir, Meg zu beschatten, um mehr über Dein Leben zu erfahren, und ich denke, ich werde mich heute abend nochmal in aller Form bei ihr entschuldigen. Ich hoffe, sie verzeiht mir.“
Ben klopfte ihm beruhigend auf die Schulter.
„Ich glaube, das hat sie schon.“ Dann sah er seinen Bruder prüfend an. „Und wie ist es mit Dir? Gibt es in Deinem Leben auch eine besondere Frau?“
„Es gab jemanden, in Johannisburg.“ nickte Ted und lächelte nachdenklich. „Taylor... sie war Medizinstudentin, Fachgebiet Psychologie. Wir waren über fünf Jahre zusammen.“
„Was ist passiert?“
Ted stand abrupt auf.
„Weißt Du, die Geschichte heben wir uns für später auf. Ich könnte erstmal einen Happen zu essen vertragen.“
„Okay“ stimmte Ben zu, „dann komm, gehen wir.“

Jeany

 

 

Sara lenkte den Mietwagen über die überfüllten Strassen von L.A., während sie über Rebecca nachdachte. Ob es schon Neuigkeiten von ihren Eltern gab? Sara machte sich Gedanken darüber, daß Derek sein Herz vielleicht zu sehr an die Kleine hing. Sie dachte an Mrs. Goldstein, der Derek damals das Leben gerettet hatte. Nun war er wieder in einer ähnlichen Situation, und Sara hatte den Eindruck, als ob er an Rebecca das gutmachen wollte, was er bei Mrs. Goldstein versäumt hatte. Instinktiv steuerte Sara den Wagen auf den Highway. Sie wollte noch einmal beim Polizeirevier vorbeifahren, um sich nach dem neuesten Stand der Ermittlungen zu erkundigen.

Der Polizeibeamte erkannte sie sofort, als sie das Revier betrat und bat sie, platz zu nehmen. "Es tut mir leid," sagte er," aber leider haben sich die Eltern des kleinen Mädchens immer noch nicht bei uns gemeldet." Er räusperte sich. "Wenn ich ehrlich sein soll," begann er," hatten wir auch noch keine Zeit, der Sache nachzugehen. Wenn sich die Eltern innerhalb der nächsten 24 Stunden nicht melden, dann ..." Weiter kam er nicht, denn Sara sprang abrupt von ihrem Stuhl auf.

"Wie bitte? Soll das heissen, daß sie jetzt gar nichts tun wollen?" fragte sie aufgebracht. "Sie müssen die Eltern suchen lassen ... vielleicht übers Fernsehen, oder ... die Presse!"

Der Polizeibeamte erhob sich ebenfalls.

"Hören Sie Miss! Anscheinend sind Sie nicht so ganz informiert, sonst wüssten Sie, daß man solche Maßnahmen erst ergreift, wenn eine Person mehr als 24 Stunden vermisst wird!" Er bemühte sich um einen ruhigen Tonfall, doch man konnte erkennen, daß seine Geduld langsam erschöpft war. Sara ließ sich kraftlos auf ihren Stuhl fallen.

"24 Stunden ..." stammelte sie. Der Polizeibeamte sah sie mitfühlend an.

"Tut mir wirklich leid für Sie, aber so sind die Bestimmungen. Sobald wir etwas hören, werden wir Sie umgehend informieren," versprach er ihr. Sara stand mechanisch auf und nickte dem Polizeibeamten noch einmal zu, bevor sie das Revier verließ. Vor der Tür atmete sie tief durch. Die Lust aufs Einkaufen gehen war ihr gründlich vergangen. Ziel- und planlos lief sie die Einkaufsstrasse entlang, während sie über ihre verfahrene Situation nachdachte. Plötzlich trat eine junge Frau auf sie zu und sprach sie an.

"Verzeihen Sie, Miss ..." Sara sah sie fragend an.

"Ja?"

Die Frau zog mit zitternder Hand ein Foto aus ihrer Jackentasche und hielt es Sara vor die Nase. Fassungslos starrte Sara auf das Foto.

"Rebecca ..." stieß sie dann hervor.    

Mona

 

 

Als Meg am Nachmittag vom Büro nach Hause kam, stellte sie erstaunt fest, dass Ted nicht wie erwartet, das Gästezimmer bezogen hatte. Ben erklärte ihr, sein Bruder wolle lieber seine Suite im Sunset Inn behalten, um niemandem zur Last zu fallen, und da er dort dank der Tatsache, dass der Hotelbesitzer mit ihm verwandt war, mietfrei wohnen durfte, war das kein Problem. Meg war sogar ein bisschen erleichtert, immerhin war ihr Bens Bruder noch viel zu fremd, als das sie sich gewünscht hätte, gleich mit ihm unter dem selben Dach zu wohnen.  
Sie kuschelte sich zufrieden neben Ben auf die Couch, schloß die Augen und genoß es, wie er sanft ihren verspannten Nacken massierte, während er ihr von Ted erzählte.
„... und an diesem Abend erfuhr er mehr oder weniger durch einen dummen Zufall, dass Catherine nicht seine leibliche Mutter war. Es kam zu einem heftigen Streit. Ted packte seine Sachen und verließ das Haus. Unsere Eltern glaubten, er würde schon zur Vernunft kommen und nach einer Weile wieder aufkreuzen, aber wir haben nie wieder etwas von ihm gehört, bis heute.“
„Ja aber...“ Meg setzte sich auf und sah Ben ungläubig an. „Wieso war er denn so wütend? Immerhin sagtest Du doch, Catherine sei ihm die ganze Zeit über eine gute Mutter gewesen!“
„Ja schon“ erwiderte Ben, „aber er fühlte sich betrogen, vor allem deshalb, weil sie ihm nicht sagen wollten, wer seine richtige Mutter war. Er hat nur erfahren, dass unser Vater wohl zu Beginn seiner Ehe eine Affäre mit einer anderen Frau hatte und dass diese Frau schwanger wurde, mit Ted. Meine Eltern haben ihn dann adoptiert und vor aller Welt so getan, als sei er auch Catherines Kind. Aber soweit ich mich erinnern kann, war sie genauso lieb und herzlich zu ihm wie zu uns. Sie ist damals sehr unglücklich gewesen, als er wegging, für sie war er wirklich wie ein eigener Sohn.“ Er seufzte. „Ich glaube, Ted war das auch die ganze Zeit über klar, aber er war zu stur, um es zuzugeben. Und als er sich dazu überwunden hatte, zurückzukommen, war es zu spät. Tja, das nennt man wohl Schicksal.“
„Und weiß er inzwischen, wer seine Mutter ist?“ fragte Meg. Ben schüttelte den Kopf.
„Nein, er meinte nur, wenn er wieder nach London käme, wolle er die Suche noch einmal aufnehmen. Vielleicht hat sogar einer unserer alten Familienanwälte noch Dokumente oder Unterlagen aus dieser Zeit.“
„Will er denn wieder nach London?“
„Natürlich, sein Erbteil wartet schließlich dort auf ihn. Die Summe wurde damals eingefroren, bis zu dem Tag, an dem Ted offiziell für tot erklärt worden wäre. Dann wäre das Erbe zu gleichen Teilen an Derek und mich gefallen, aber keiner von uns beiden hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Es war wohl der berühmte „sechste“ Sinn von uns, das Geld nicht anzurühren.“
Meg nickte.
„Na ja, dann hat er doch wenigstens keine finanziellen Probleme und kann sich in Ruhe irgendwo eine Existenz aufbauen.“ Sie sah auf die Uhr und erschrak. „Oh nein, schon so spät! Für wann hattest Du den Tisch im Grenadines bestellt?“
„In einer knappen Stunde.“
Meg sprang auf.
„Dann sollten wir uns langsam fertigmachen, ich muß unbedingt vorher nochmal unter die Dusche!“  „Hey, nicht so eilig!“ Ben hielt ihre Hand fest. „Hiergeblieben!“ Er grinste und zog sie trotz ihres Protestes zu sich heran. „Dafür, dass Du mich letzte Nacht beinahe als Einbrecher erschlagen hättest, bin ich Dir noch was schuldig. Ich wollte nämlich eigentlich nichts stehlen, sondern hab viel mehr etwas mitgebracht. Ich hatte bisher nur noch keine Gelegenheit, es Dir zu geben.“ Geheimnisvoll lächelnd zog er ein Etui aus der Tasche und reichte es ihr.
„Was ist das?“ fragte Meg und musterte es neugierig.
„Nur ein kleines Mitbringsel aus Chicago. Na komm, mach schon auf!“
Meg öffnete erwartungsvoll das Etui.
„Ben!“  
In dem Kästchen lag eine zarte goldene Halskette mit einem in Gold gefassten, tropfenförmigen  Perlenanhänger.
„Gefällt sie Dir?“
Meg sah ihn mit großen Augen an.
„Sie ist wunderschön, und der Anhänger... er sieht fast so aus, wie...“
Ben lachte.
„Dein Talisman, ich weiß. Ich dachte, dieser hier bringt uns vielleicht allen beiden Glück, für die gemeinsame Zukunft.“
Meg hatte Freudentränen in den Augen, als sie Ben umarmte.
„Das wird er ganz bestimmt. Dafür werden wir beide schon sorgen!“

Jeany

 

 

Für einen Moment sah die junge Frau sie nur fassungslos an, dann schien sie zu begreifen, was Saras Ausruf bedeutete.

"Dem Himmel sei dank!" stieß sie dann hervor, während sie Saras Arm ergriff. "Sie haben Sie gefunden? Wie geht es ihr? Wo ist sie?"

Sara fühlte sich total überrumpelt und schaute zwischen dem Foto und der jungen Frau hin und her. Eine gewisse Ähnlichkeit war tatsächlich zu erkennen.

"Sind Sie Rebeccas Mutter?" fragte sie vorsichtig. Die Frau nickte heftig.

"Ja," sagte sie, während sie suchend umhersah. "Wo ist meine Kleine?"

Sara atmete erleichtert auf. Anscheinend stand tatsächlich die leibliche Mutter ihres Findelkindes vor ihr.

"Es geht ihr gut," beruhigte sie die aufgebrachte Frau. "Mein Verlobter kümmert sich um sie." Die Anspannung der letzten Stunden fiel von der jungen Frau ab, und sie begann hemmungslos zu schluchzen.

"Gibt es hier vielleicht ein Cafe oder ein Restaurant, wo wir uns ungestört unterhalten können?" fragte Sara, während sie aus ihrer Tasche ein Taschentuch zog und es der jungen Frau reichte. Diese sah sie dankbar an.

"Ja," schluchzte sie," gleich um die Ecke gibt es ein Cafe."

Sara wartete ab, bis sich die Frau etwas gefangen hatte, dann streckte sie ihr die Hand entgegen.

"Vielleicht sollte ich mich erst einmal vorstellen. Mein Name ist Sara Cummings."

"Diane Montgomery," stellte die junge Frau sich vor. Sie wies auf das Foto. "Und das ist meine Tochter Rebecca. Sie wurde im Mai zwei Jahre alt."

Sara lächelte und ergriff Diane Montgomerys Hand.

"Mrs. Montgomery, ich ..."

Die junge Frau hob die Hand.

"Bitte, nennen Sie mich Diane!" sagte sie, und man konnte tatsächlich ein Lächeln auf ihrem Gesicht erkennen. Sara nickte.

"Ich bin Sara." Sie erwiderte das Lächeln. "Bitte hier entlang!"

Diane ging voran, und Sara folgte ihr. In dem kleinen gemütlichen Cafe um die Ecke suchten sich die Frauen einen freien Tisch und setzten sich. Während Sara dann an ihrer Eisschokolade nippte, hörte sie interessiert zu, was Diane Montgomery ihr über Rebeccas Verschwinden zu erzählen hatte.

"Wir wohnen nur einen Straßenblock vom Einkaufszentrum entfernt," begann sie ihren Bericht. "Ich hatte Rebecca, wie jeden Vormittag, zu ihrem Mittagsschläfchen hingelegt und mich dann selber auch aufs Sofa gelegt. Ich wollte eigentlich nur etwas ausruhen, doch ich muß dann wohl doch eingeschlafen sein, denn als ich eine Stunde später erwachte, war Rebecca fort! Ich habe mir natürlich gleich die größten Vorwürfe gemacht, daß ich nicht genug auf sie aufgepasst hatte. Schließlich weiß ich doch, unter welch emotionalem Druck sie momentan steht ..." Sie unterbrach sich und zog wieder das Taschentuch hervor und schneuzte sich die Nase.

Sara unterbrach sie nicht, spürte sie doch insgeheim, daß mehr hinter der Sache steckte. Ihr Gefühl trog sie nicht.

"Sie möchten bestimmt wissen, was ein kleines Mädchen dazu veranlaßt, von Zuhause fortzulaufen, nicht wahr?" fragte die junge Mutter. Sara nickte.

"Nun, dann muß ich ihnen wohl die Vorgeschichte erzählen ..." Sie holte tief Luft, um sich zu sammeln. "Mein Mann ... Steve hat uns vor 3 Wochen verlassen." Sie presste ihr Taschentuch vors Gesicht, um die aufsteigenden Tränen zu verbergen.

"Das tut mir sehr leid!" sagte Sara und legte mitfühlend ihre Hand auf den Arm der jungen Frau. "Er kam vom Büro nach Hause, wie jeden Tag," fuhr sie in ihrer Erzählung fort, und Sara hörte, wie ihre Stimme zitterte. "Er verhielt sich den ganzen Abend so merkwürdig, und als Rebecca im Bett war, teilte er mir mit, daß er mich verlassen würde." Sie umklammerte mit beiden Händen das Taschentuch, und Sara erkannte, daß es sie Mühe kostete, weiterzusprechen. "Er erzählte mir, daß er sich in eine andere Frau verliebt hätte ..." Ihre Stimme brach, und eine Träne rollte über ihre Wange. "Am nächsten Morgen packte er seine Sachen und verließ unser gemeinsames Haus. Von seinem Anwalt bekam ich vor einigen Tagen ein Schreiben, daß er die Scheidung eingereicht hätte."

Sara spürte, wie sich ihr Magen zusammenkrampfte. Das Schicksal dieser jungen Mutter und ihrer kleinen Tochter berührte sie zutiefst.

"Ich glaube, ich verstehe jetzt, weshalb Rebecca weggelaufen ist," sagte sie leise. Die junge Frau nickte.

"Rebecca liebt ihren Vater über alles. Sie hat bis jetzt nicht akzeptiert, daß er fort ist. Ich habe versucht, Ihr zu erklären, daß Steve und ich uns nicht mehr liebhatten und uns deshalb getrennt haben, aber kann ein kleines Kind von gerade mal zwei Jahren so etwas überhaupt verstehen?" Hilflos sah sie Sara an. Sie nahm einen Schluck Kaffee aus ihrer Tasse.

"Ich verstehe es ja selber nicht!" Sie stellte die Tasse wieder ab, weil ihre Hand zu zittern begann. "Jetzt habe ich die ganze Zeit geredet," sagte sie verlegen. "Aber ich wollte, daß Sie unsere Situation besser verstehen."

Sara nickte.

"Ich danke Ihnen für Ihre Aufrichtigkeit!" sagte sie. Sie atmete tief durch. "Wir ... mein Verlobter und ich, waren heute morgen hier einkaufen, und während ich auf ihn beim Friseur wartete, machte er Bekanntschaft mit ihrer Tochter." Sara fiel plötzlich etwas ein. "Haben Sie zufällig ein Foto von ihrem Mann dabei?" fragte sie. Die junge Mutter schüttelte bedauernd den Kopf.

"Nein, tut mir leid. Wieso?"

Sara sah sie nachdenklich an. Ihr war plötzlich eingefallen, daß Rebecca Derek immer "Daddy" nannte. Das konnte doch kein Zufall sein!

"Können Sie mir eine Beschreibung Ihres Mannes geben?" fragte sie zögernd. Die junge Frau sah sie irritiert an.

"Ja, sicher, aber ich verstehe nicht so ganz, was das mit Rebeccas Verschwinden zu tun hat," sagte sie.

"Sie werden es sicher gleich verstehen," versprach Sara ihr.

"Nun gut, wenn es Ihnen hilft ..." Die junge Frau überlegte einen Moment. "Steve ist 32, hat dunkelbraune Haare, ist ca. 1.90 m groß, schlank, hat eine durchtrainierte Figur ..."

Sara unterbrach sie.

"Danke, ich glaube, das genügt." Sie strich sich nachdenklich eine Haarsträhne aus der Stirn. "Jetzt wird mir einiges klar," murmelte sie. Die junge Frau sah sie irritiert an.

"Was meinen Sie damit?"

Sara musste plötzlich schmunzeln.

"Sie haben gerade ziemlich genau meinen Verlobten beschrieben," entgegnete sie. Diane Montgomery hob überrascht die Augenbrauen.

"Oh, ... tatsächlich?" stotterte sie. Sara trank ihre Eisschokolade aus und winkte die Bedienung heran.

"Wir müssen noch ca. eine halbe Stunde bis L.A. fahren" sagte sie. Sie sah Dianes fragendes Gesicht. "Ich werde Ihnen alles auf dem Weg zum Hotel erzählen," versprach Sara ihr. Nachdem sie bezahlt hatten, verließen die beiden Frauen das Cafe und machten sich auf den Weg zum Parkplatz, wo Sara den Mietwagen abgestellt hatte. Sara hielt Diane Montgomery die Tür auf, bevor sie selber auf dem Fahrersitz platz nahm. Sie drückte beruhigend die Hand der jungen Frau, die nervös an einer ihrer Haarsträhnen herumzupfte.

"Seien Sie ganz ruhig! Es dauert nicht mehr lange, bis Sie Ihre Tochter wieder in die Arme schließen können. Es wird alles gut werden!" versprach sie. Sara startete den Motor, und langsam setzte sich der Wagen in Bewegung.

Mona

 

 

Im Grenadines war es an diesem Abend ziemlich voll.
„Nur gut, dass ich vorbestellt habe!“ meinte Ben, als Gaston, der Oberkellner, sie zuvorkommend begrüßte und zu ihrem Tisch geleitete.
„Sie sehen wie immer bezaubernd aus, Miss Cummings.“ säuselte er liebenswürdig und rückte ihr den Stuhl zurecht. Meg dankte ihm mit einem freundlichen Kopfnicken und mußte lächeln.  
„Was ist?“ fragte Ben leise, als der Oberkellner sich entfernt hatte, um die Weinkarte zu holen.
„Ich habe nur eben daran gedacht, wie schnell ich mich doch an die Welt der feinen Leute gewöhnt habe, seit ich mit Dir zusammen bin.“ meinte sie und schmunzelte, „bei uns zu Hause gab es  nur das Buckerroo, wo man sich einen Platz nicht selten mit den Ellenbogen erkämpfen mußte und kein Oberkellner einem den Stuhl zurechtrückte und sagte, wie toll man aussah...“  Sie lachten beide ausgelassen. Ben zwinkerte ihr zu und ergriff über den Tisch hinweg ihre Hand.
„Du siehst aber auch wirklich wunderschön aus! Und an dem Kleid hängen eine ganze Menge süßer Erinnerungen!“
Meg trug das nachtblaue Abendkleid, das Ben ihr damals heimlich in L.A. gekauft und das sie dann auf ihrer ersten Party bei den Richards getragen hatte. Dazu die neue Halskette und kleine goldene Creolen. Ihr Haar hatte sie lässig aufgesteckt, so wie damals...
„Ich muß sagen, seit diesem Abend hat sich ganz schön viel verändert.“ erwiderte sie lächelnd. „Du hast mein Leben ziemlich auf den Kopf gestellt, Ben Evans!“  
„Oh, in dieser Hinsicht bist Du mir aber auch nichts schuldig geblieben!“ entgegnete er und streichelte ihre Hand, an der sein Verlobungsring funkelte. „Und ich kann Dir versichern, ich genieße jede Sekunde davon!“
„Ist bei Euch zwei Turteltäubchen noch ein Platz frei, oder sollte ich lieber nicht stören?“ ertönte Teds Stimme und holte die beiden in die Wirklichkeit zurück.
Ben lachte.
„Ted, da bist Du ja endlich! Setz Dich, großer Bruder!“ Er winkte Gaston heran. „Bitte eine Flasche vom besten Champagner, eisgekühlt. Wir haben etwas zu feiern!“
„Sehr wohl, Sir!“ Gaston deutete eine Verbeugung an und entfernte sich dienstbeflissen, während Ted Meg mit Komplimenten überhäufte.
„Vielleicht solltest Du mal nachsehen, dass er auch den richtigen Champagner findet“ meinte er und zwinkerte Ben verschmitzt zu, „dann könnte ich mich wenigstens für einen Moment der Illusion hingeben, diese junge Dame gehöre zu mir!“
„Hey“ lachte Ben, „keine Chance! Ich werde sie nicht aus den Augen lassen, alter Charmeur!“
Während sich die drei angeregt unterhielten, war zwei Tische weiter ein Augenpaar unverwandt auf sie gerichtet.
„Na, wen haben wir denn da...“ dachte Annie Douglas interessiert. „Jetzt weiß ich auch, an wen mich seine Augen und sein Lächeln neulich erinnert haben... und wenn es nicht ganz und gar unmöglich wäre, würde ich meinen, Ben und dieser Fremde wären Brüder!“

Jeany

 

 

"So, da wären wir." Sara öffnete die Tür zur Hotellounge und ging mit Diane zu einem der gläsernen Aufzüge. Während sie nach oben fuhren, schaute Sara verstohlen auf ihre Armbanduhr. Seit dem Verlassen ihrer Suite waren mehr als drei Stunden vergangen, und Sara hoffte, daß Derek nicht zu ungehalten über ihren Alleingang und ihr langes Fortbleiben sein würde. Der Fahrstuhl hielt im 20. Stock, und die beiden Frauen stiegen aus.

Sara spürte, daß Diane immer nervöser wurde, je näher sie dem Hotelzimmer kamen. Plötzlich blieb sie stehen.

"Ich habe Angst!" stieß sie hervor. "Was soll ich ihr bloß sagen?"

Sara legte tröstend einen Arm um die junge Frau.

"Ich glaube nicht, daß Sie viel sagen müssen," entgegnete sie. "Nehmen Sie ihre Tochter einfach in den Arm!"

Dankbar sah Diane Sara an.

"Vielleicht ist es besser, wenn ich erst einmal alleine hineingehe und Ihre Tochter vorsichtig vorbereite," schlug Sara vor. Das war nur die halbe Wahrheit, denn in Wirklichkeit wollte sie erst einmal mit Derek alleine reden. Diane nickte.

"Ich werde ein wenig auf dem Flur auf und ab gehen, bis Sie mich holen," sagte sie.

Sara lächelte sie noch einmal an, und steckte dann den Schlüssel ins Türschloß. Doch kaum hatte sie den Schlüssel herumgedreht, wurde die Tür von innen aufgerissen und zwei starke Arme griffen nach ihr und zog sie ins Zimmer. Derek stand vor ihr, und seine Miene verhieß nichts Gutes.

"Wo hast Du gesteckt?" fragte er sichtlich erbost. "Ich habe mir die größten Sorgen gemacht! Ein paar Sachen einkaufen kann doch nicht drei Stunden dauern!" Mit eisernem Griff hielt er ihre Arme umfasst und schüttelte sie leicht. "Außerdem war es keine gute Idee, einfach das Auto zu nehmen!" stieß er aufgebracht hervor. "Was wäre gewesen, wenn Du einen Unfall gehabt hättest? Ich hätte nicht einmal gewusst, in welches Krankenhaus sie Dich dann gebracht hätten!" Sara wand sich aus seinem Griff.

"Nun mach' aber mal halblang!" begehrte sie auf. "Es ist ja nichts passiert! Im Gegenteil ..." Sie überlegte fieberhaft, wie sie Derek jetzt beibringen sollte, daß Rebeccas Mutter vor der Tür stand und darauf wartete, ihre Tochter wieder in die Arme zu schließen. "Du wirst mir noch dankbar sein, wenn Du hörst, was ich getan habe!" sagte sie energisch. Derek sah sie stirnrunzelnd an.

"Darauf bin ich schon sehr gespannt!" sagte er, während er auf dem Sofa platz nahm und die Beine lässig übereinanderschlug. "Ich höre!"

Sara warf einen kurzen Blick zur Tür. Nervös knetete sie ihre Hände.

"Es ist so, daß ich gar nicht einkaufen war, sondern ..." begann sie ihren Bericht und erzählte Derek dann, was sich die letzten Stunden ereignet hatte. Er hörte ihr interessiert zu und wartete geduldig, bis sie ihren Bericht beendet hatte, dann sprang er vom Sofa auf.

"Soll das bedeuten, daß Rebeccas Mom vor der Tür wartet?" fragte er überrascht. Sara nickte, und Derek ging zur Tür und öffnete sie. Er schaute suchend den langen Flur entlang und schloß die Tür dann wieder. Nachdenklich kratzte er sich am Kopf.

"Bist Du sicher, daß sie gesagt hat, daß sie vor der Tür warten wollte?" fragte er Sara. Sie nickte. Ein ungutes Gefühl stieg in ihr auf, was sich auch gleich bestätigte, als Derek den nächsten Satz aussprach. "Tut mir leid, aber da ist niemand!"

Mona

 

 

"Nervös?", fragte Ricardo Gabi, als die beiden in Ricardos Wohnung beim Abendessen saßen. "Ehrlich gesagt, ja", sagte Gabi zögerlich. "Ich habe keine sonderliche Lust dazu, von Gregory Richards im Zeugenstand fertig gemacht zu werden."

"Vielleicht wird es gar nicht so schlimm", meinte Ricardo in wenig überzeugendem Tonfall.

Gabi lachte bitter auf.

"Ricardo, ich bitte Dich. Wir beide sind die wichtigsten Zeugen im Prozeß gegen Olivia Richards überhaupt. Du weisst genauso gut wie ich, dass Gregory alles versuchen wird, um unsere Aussagen anzuzweifeln. Und ich bin nicht gerade glücklich darüber, mich Gregory Richards in den Weg zu stellen."

"Du brauchst nur die Wahrheit zu sagen, dann hast Du nichts zu befürchten."

Gabi warf ihm einen skeptischen Blick zu, antwortete aber nicht.

"Lass uns das Thema wechseln, okay. Morgen ist morgen. Und heute will ich unser Abendessen genießen. Okay?"

"Okay?", nickte Ricardo, und die beiden stießen mit ihren Weingläsern an.

Hickengruendler

 

 

Sara sah Derek entsetzt an.

"Sie ist nicht mehr da?" fragte sie ungläubig. Er zuckte mit den Schultern.

"Anscheinend hat sie "kalte Füße" bekommen."

Sara schüttelte den Kopf.

"Das kann ich mir nicht vorstellen. Sie war zwar vorhin ziemlich ängstlich, aber sie möchte nichts lieber auf der Welt, als ihre Tochter zurückzuhaben!" Sie öffnete die Tür.

"Wo willst Du hin?" fragte Derek überrascht.

"Ich werde sie suchen!" entgegnete Sara. Sie wies zum Nebenraum. "Bleib Du hier bei Rebecca. Ich denke, das Mißverständnis wird sich sicher bald klären."

Für einen Moment sah Derek sie skeptisch an, dann nickte er.

"In Ordnung, aber beschränke Deine Suche auf das Hotel!" sagte er eindringlich. "Ich möchte nicht auch noch nach Dir eine Vermisstenanzeige aufgeben!"

Sara lächelte ihn an.

"Versprochen!" sagte sie und ging dann den Flur entlang zum Aufzug. Während sie mit dem Fahrstuhl nach unten fuhr überlegte sie, wo Diane hingegangen sein könnte. Nachdem sie jedes Stockwerk abgesucht hatte, wurde sie schließlich fündig. Sie fand Diane auf der Damentoilette im Eingangsbereich.

"Es tut mir leid," stammelte diese, als Sara ihr erzählte, daß sie schon eine halbe Stunde nach ihr gesucht hätte. "Ich war so nervös, und da ..."

Sara sah sie verständnisvoll an.

"Ich verstehe, wie Sie sich fühlen müssen. Sie müssen sich nicht entschuldigen!"

Diane verzog das Gesicht zu einem Lächeln.

"Ich bin jetzt bereit," sagte sie und straffte ihre Schultern.

Mona

 
 
Als Sara die Tür öffnete, kam Derek ihr schon entgegen.

"Das ging ja schneller, als ich dachte," sagte er, während er Rebeccas Mom neugierig musterte, die nun auch in das Zimmer trat. "Wir haben uns noch nicht bekannt gemacht," sagte er galant, während er Dianes Hand ergriff. "Ich bin Derek Evans."

Sara warf einen verstohlenen Blick zu Diane hinüber und war überrascht, als sie ein strahlendes Lächeln auf deren Lippen entdeckte.

"Diane Montgomery," stellte sie sich vor. Derek machte eine weit ausholende Bewegung, daß sie eintreten sollte. Sara beobachtete mit gemischten Gefühlen, daß Diane ihren Blick kaum von Derek abwenden konnte, und es ärgerte sie, daß er auch noch besonders charmant zu ihr war. "Meine Verlobte hat mir alles erzählt," sagte er. "Sicher möchten Sie jetzt Ihre Tochter sehen?!" fragte er, während er sie anlächelte. Diane erwiderte das Lächeln und nickte. Derek öffnete die Tür zum Schlafzimmer, wo Rebecca auf dem Bett lag und tief und fest schlief.

"Mein Baby ..." Vorsichtig ging Diane auf die schlafende Rebecca zu und strich ihr leicht über die Wange. Dann wandte sie sich zu Derek um, der im Türrahmen stand und die Szene beobachtete. "Wie kann ich Ihnen jemals danken!" sagte sie, während ihr Tränen der Freude und Erleichterung die Wangen hinunterliefen. Sara zog Derek am Arm ins Wohnzimmer.

"Wir sollten die beiden jetzt eine Weile alleine lassen," sagte sie leise und schloß die Tür. Derek nickte. Sara spürte, daß ihm der Abschied von dem kleinen Mädchen nicht leicht fallen würde, und sie nahm ihn in den Arm.

"Vielleicht können wir Adressen austauschen, damit wir mit den beiden in Kontakt bleiben können," schlug sie vor. Derek sah sie stirnrunzelnd an.

"Wieso sollten wir das?" fragte er erstaunt. Sara nahm lächelnd seine Hand.

"Weil ich weiß, daß Du ein ganz großes Herz hast und es Dir nicht egal ist, was aus der Kleinen wird."

Derek drückte Sara liebevoll an sich.

"Ich liebe Dich! Weißt Du das?" sagte er leise. Sara sah ihn lächelnd an.

"Ja, ich weiß!" entgegnete sie. Sie fuhren beide herum, als sich die Tür zum Schlafzimmer öffnete und Diane, mit der kleinen Rebecca auf dem Arm, ins Zimmer trat.

"Ich danke Ihnen - allen beiden, daß Sie mir meine Kleine zurückgebracht haben!" bedankte sie sich noch einmal bei Derek und Sara. Sie drückte Rebecca fest an sich und lächelte Derek verlegen an. "Ich habe ihr erklärt, daß Sie nicht ihr Daddy sind," sagte sie.

Derek strich Rebecca noch einmal über ihre blonden Locken und lächelte sie an.

"Mach's gut, Kleines," sagte er leise. Ein zaghaftes Lächeln erschien auf dem Gesicht des kleinen Mädchens. Diane holte aus ihrer Tasche einen Zettel hervor.

"Ich habe vorhin gehört, was Sie gesagt haben," sagte sie. "Im Schlafzimmer lagen Block und Kugelschreiber ... hier ist meine Adresse!" Sie reichte Sara den Zettel. Sara nahm ihn an sich und ging dann nach nebenan und schrieb ebenfalls ihre Adresse auf.

"Soll ich Sie nach Hause fahren?" bot Derek sich an, doch Diane winkte ab.

"Sie haben schon so viel für meine Tochter und mich getan ... ich möchte lieber ein Taxi nehmen," sagte sie. Sara atmete erleichtert auf. Der Gedanke, daß Derek mit Diane alleine in deren Wohnung war, behagte ihr wenig, zumal er Dianes Ex-Mann auch noch so verdammt ähnlich sah! "Ich rufe Ihnen gleich ein Taxi," sagte Sara schnell und wählte die Nummer der Taxizentrale. "In 5 Min. kommt das Taxi," teilte sie dann mit. "Wir sollten vielleicht schon einmal nach unten gehen und dort warten," schlug sie vor.

Gemeinsam fuhren sie dann mit dem Fahrstuhl nach unten und warteten auf das Taxi. Es war bereits dunkel geworden, und auf den Straßen brannten die Laternen. Es war ein trauriger Abschied für alle Beteiligten, doch Sara versprach, daß sie sich sofort melden würden, wenn sie zurück in Sunset Beach wären. Als das Taxi dann mit Mutter und Tochter davonfuhr, winkten Derek und Sara zum Abschied.

Derek legte seinen Arm um Saras Taille.

"Wenn wir Ben und Meg erzählen, was wir hier alles erlebt haben - die glauben uns das nie!" sagte er. Sara seufzte.

"Ich glaube, mein Bedarf an Abenteuern ist vorläufig auch gedeckt!" sagte sie. Derek sah sie überrascht an.

"Willst Du damit sagen, daß Du nun doch nicht mehr die Universal Studios und den Hollywood Boulevard besichtigen möchtest?"

Sara schüttelte heftig den Kopf.

"Nein, ich will nur noch nach Hause - nach Sunset Beach!"

Derek gab ihr einen Kuß auf die Nasenspitze.

"Wie schön, daß wir mal wieder einer Meinung sind!" sagte er schmunzelnd.

Sara lächelte verschmitzt.

"Wenn Du denkst, daß Du dort mehr Ruhe haben wirst, hast Du Dich geirrt!"

Derek zog die Stirn kraus.

"Worauf spielst Du an?" fragte er. Sara lächelte wissend.

"Ich denke da an unsere Hochzeit," entgegnete sie. "Es wird langsam Zeit, daß wir mit Ben und Meg einen Termin abstimmen, meinst Du nicht?"

Derek lachte.

"Okay, aber erst einmal sollten wir jetzt schlafen gehen. Morgen ist auch noch ein Tag!" Gemeinsam betraten sie den Fahrstuhl und fuhren nach oben in ihre Suite.

Mona

 

 

„Annie!“
Erschrocken fuhr sie aus ihren Gedanken.
„Hast Du was gesagt?“
„Allerdings.“ Leicht irritiert schüttelte Cole den Kopf. „Ich hab Dich jetzt schon dreimal gefragt, ob Du noch ein Dessert haben möchtest, aber Du scheinst ja heute abend mit Deinen Gedanken wer weiß wo zu sein!“
„Ach was...“ Sie riß den Blick von Bens Tisch los und versuchte sich auf das Gespräch mit Cole zu konzentrieren. „Also...  ich hätte gern noch ein Mousse de Chocolade als Nachtisch. Und bitte bestell mir ein Glas Wein, wenn es Dir nichts ausmacht.“
Während Cole den Kellner heranwinkte, wanderten ihre Augen wieder hinüber zu dem attraktiven Fremden, der Ben so merkwürdig ähnlich war. Er hatte sich, als sie sich begegneten, nicht vorgestellt, und auch später am Strand erwähnte er seinen Namen nicht. „Kein Wunder“ schalt sie sich, „ich war ja auch nicht gerade sehr freundlich zu ihm. Aber irgendwie schien es, als ob ihm das überhaupt nichts ausgemacht hätte...“ Mißmutig beobachtete sie, wie angeregt er sich mit Meg unterhielt und sie überaus charmant anlächelte.  
„Diese Lachfältchen um seine Augen sind so unwahrscheinlich sexy... wenn er nur diese Landpomeranze nicht so anhimmeln würde, es wird mir sowieso ewig ein Rätsel bleiben, was die Männer an dieser Person finden...“
„Annie!“
Diesmal wirkte Cole leicht ungehalten. „Rotwein oder Weißwein?“
„Rotwein.“ antwortete sie und fügte mit einem Blick auf den geduldig wartenden Kellner hinzu: „möglichst einen von den Jahrgängen, die man trinken kann, ohne das man das Gefühl hat, die Wangen würden einem nach innen wachsen, also würzig und vollmundig.“
„Sehr wohl, Madam.“ Der Kellner entfernte sich mit einem Gesicht, wie Annie es gerade beschrieben hatte.
„Warum bist Du so unhöflich?“ entfuhr es Cole. „Wenn Du keine Lust hast, mit mir hier zu sitzen, dann kannst Du es ja sagen.“
„Cole“ Annie holte tief Luft und warf ihm einen anklagenden Blick zu, „wir tun seit Wochen nichts anderes als auszugehen, wenn wir nicht gerade im Hotelzimmer beschäftigt sind.“
Er lachte.
„Bisher hast Du Dich nicht beklagt!“
„Nein, es war auch ganz amüsant.“ entgegnete sie und schielte schon wieder zu Bens Tisch hinüber.
„Bisher?“ fragte Cole und sah sie aufmerksam an. „Was soll denn das nun schon wieder bedeuten?“
„Ach nichts!“ winkte sie ab und griff nach dem Weinglas, dass der Kellner ihr soeben gebracht hatte. „Hör auf, in jedes Wort von mir irgend etwas hineinzuinterpretieren!“
„Was?“ Cole schüttelte genervt den Kopf und sah Annie zu, wie sie einen tiefen Schluck von dem Rotwein nahm. „Sag mal, suchst Du Streit?“
Sie bemerkte gerade noch rechtzeitig, dass sie den Bogen wohl etwas überspannt hatte und schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.
„Liebling, wir haben eine wunderbare Zeit zusammen. Warum sollte ich Streit suchen?“
Cole strich sich über die Stirn.
„Das frage ich mich allerdings auch.“ Er stand auf. „Ich geh mir mal für einen Moment die Beine vertreten, mein Kniegelenk schmerzt etwas vom langen Sitzen.“
Annie nickte eilig.
„Soll ich Dich begleiten?“
„Nein, trink in Ruhe Deinen Wein, ich bin gleich zurück.“
Sie sah ihm nachdenklich hinterher, als er hinausging. Cole war ein attraktiver Mann, sportlich und gut gebaut, und sie bemerkte, wie ihm zahlreiche interessierte Blicke anwesender Damen folgten.
„Ich kann mich doch wirklich glücklich schätzen, dass ich mit ihm zusammenbin“ überlegte sie, während sie sich dabei ertappte, wie sie den geheimnisvollen Fremden bereits wieder heimlich fixierte. Was war es nur, dass sie so zu ihm hinzog? Die Ähnlichkeit mit Ben oder seine freundliche, aber kühle Art, mit der er ihr begegnet war?
Als hätte er ihren Blick gespürt, drehte er plötzlich den Kopf und sah ihr direkt in die Augen. Annie verschluckte sich fast an ihrem Wein. Wie hypnotisiert stand sie auf und ging langsam hinüber zu Bens Tisch, magisch angezogen von dem Lächeln des Fremden...

Jeany

 

 

„Hallo zusammen!“ grüßte Annie freundlich, wobei sie Megs Anwesenheit natürlich völlig ignorierte.
Ben schmunzelte und nickte ihr zu.
„Annie...“  
Der Mann ihm gegenüber warf ihr einen amüsierten Blick zu und erhob sich von seinem Platz.
„Hi, Annie... schön Sie wiederzusehen!“ begrüßte er sie wie eine alte Bekannte. „Na, die Zündkerzen noch intakt?“
„Ihr beide kennt Euch?“ fragte Ben erstaunt, bevor Annie etwas erwidern konnte.  
„Nun ja, das könnte man so sagen. Ich hab ihr gestern eine kleine Starthilfe gegeben, nicht der Rede wert.“ erklärte Ted und reichte ihr die Hand. „Wir haben uns noch gar nicht offiziell vorgestellt, mein Name ist Ted Evans.“
Annie ergriff seine Hand, aber als sie seinen Namen hörte, klappte ihr Unterkiefer wenig damenhaft nach unten.
„Evans?“ wiederholte sie und starrte ihn fassungslos an. „Dann sind Sie... ich meine...“ sie deutete auf Ben „wollen Sie etwa damit sagen, ihr beide seid...“
„Brüder.“ antwortete Ben und lachte. „Was ist daran so ungewöhnlich, Annie?“
„Na ja... eigentlich nichts, ich hab nur nicht damit gerechnet, dass... Du einen Bruder hast!“ stotterte sie und ließ kein Auge von Ted. Der wiederum musterte sie wohlwollend von oben bis unten. Was er sah, schien ihm zu gefallen. „Sie sehen übrigens bezaubernd aus, ... Miss...“
„Douglas“ antwortete sie und fügte hastig hinzu „nennen Sie mich Annie.“
„Das tue ich ja schon.“ meinte er und deutete lächelnd auf den freien Stuhl neben sich.
„Bitte nehmen Sie Platz, Annie.“
„Oh... Ted, ich glaube, Annie ist nicht allein hier.“ mischte sich Meg ein, die wenig Lust verspürte, den Abend mit dieser Frau an ein und dem selben Tisch zu verbringen.
„Nein“ entgegnete Annie schnell, dachte dann aber an Cole, der gleich wieder zurücksein würde und verbesserte sich schnell: „na ja, eigentlich schon, aber... einen Moment hab ich Zeit, denke ich.“
Meg sah zu Ben hinüber und verdrehte die Augen, während Ted Annie galant den Stuhl zurechtrückte.
„Darf ich Ihnen etwas zu trinken bestellen?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Danke, nicht nötig.“ Sie warf Meg einen giftigen Blick zu.
„Hübsch, Ihr Kleid.“ meinte sie in zuckersüßem Ton. „Wenn ich mich nicht irre, haben Sie das doch auf der Party der Richards getragen, mein Gott, ist das schon wieder lange her! Es erstaunt mich, dass es Ihnen noch passt!“
Meg hasste diese kleinen Gemeinheiten aus tiefstem Herzen, aber wenn es sein mußte, konnte sie sich darauf einstellen.  
„Oh ja, und ich habe heute schon tolle Komplimente dafür bekommen.“ antwortete sie gespielt liebenswürdig. „Aber Sie haben Recht, Annie, die Richards- Party ist wirklich schon lange her. Wenn ich mich recht erinnere, waren Sie damals mit Derek liiert, oder war es schon Cole? Auf jeden Fall hatten Sie es zu dieser Zeit noch auf Ben abgesehen.“
Annie blitzte sie wütend an. Der neugierige Blick, den Ted ihr zuwarf, war ihr nicht entgangen.
„Na warte, Früchtchen!“ dachte sie wütend. „Das wirst Du mir büßen!“
Sie blieb Meg die Antwort schuldig, drehte sich zu Ted und lächelte ihn strahlend an.
„Haben Sie vor, länger in Sunset Beach zu bleiben?“
„Um ehrlich zu sein, ich weiß es noch nicht.“ meinte er und winkte den Kellner heran. „Bitte noch ein Glas für Miss Douglas.“  
Während Gaston eilte, um das Gewünschte zu bringen, wandte sich Ted wieder Annie zu. „Sunset Beach ist eine schöne Stadt, und Kalifornien gefällt mir gut. Mal sehen, was sich ergibt.“
„Und... Sie kommen aus England?“
„Ich bin dort geboren, wenn Sie das meinen. Aber die letzten Jahre habe ich in Johannisburg verbracht.“
„Johannisburg...“ wiederholte Annie erstaunt.
„Das ist eine Millionenstadt im Süden Afrikas.“ half ihr Meg auf die Sprünge und verkniff sich ein Grinsen.
„Danke, aber das wußte ich bereits.“ giftete Annie ungehalten. Sie wandte sich wieder an Ted „Wie kommt denn ein Mann wie Sie ins tiefe Afrika?“
Er lachte.  
„Das ist eine lange Geschichte, ich befürchte, so viel Geduld wird Ihr Begleiter nicht haben.“ Annie folgte Teds Blick und bemerkte, dass Cole bereits wieder am Tisch platzgenommen hatte. Ungeduldig sah er sich um.
„Auf unser unverhofftes Wiedersehen!“ Ted hatte sein Glas erhoben und lächelte. Auch Ben und Meg tranken einander zu. Annie nippte von ihrem Champagner und sprang Sekunden später eilig auf.
„Also dann, noch einen schönen Abend allerseits.“ meinte sie nervös und eilte zu ihrem Tisch zurück, bevor jemand etwas sagen konnte. Ted sah ihr schmunzelnd nach.
„Eine interessante Frau.“ murmelte er und sah die anderen beiden fragend an. „Was meint Ihr?“
Meg lachte geringschätzig.
„Insofern man intrigant, selbstsüchtig und gemein mit dem Begriff „interessant“ umschreiben möchte..., dann würde ich sagen, ja... Annie kann sehr „interessant“ sein!“  

Jeany

 

 

"Guten Morgen, Schatz." Gregory blickte kurz hinter seiner Zeitung hervor, als eine mürrisch und verängstigt wirkende Olivia sich an den Frühstückstisch setzte. Sie nickte Lourdes dankend zu, als diese ihr eine Tasse Kaffee eingoß und gab dem Hausmädchen dann zu verstehen, dass diese sie beide allein lassen sollte.

"Wo sind die Kinder?", fragte sie, um ein Thema zu beginnen.

"Caitlin habe ich heute noch nicht gesehen, und Sean ist schon zur Schule. Du wirkst so unsicher, meine Liebe. Ist irgendwas?"

Olivia sah ihren Mann fassungslos an.

"Das fragst Du noch?", rief sie.

"Es geht doch nicht etwa um den Prozess?", meinte Gregory gleichgültig. "Da brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen, Olivia. Ich habe die Sache genaustens durchdacht. Wir können gar nicht verlieren."

"Dein Wort in Gottes Ohr", murmelte Olivia. Gregory legte nun die Zeitung beiseite und schaute seiner Frau direkt in die Augen.

"Ich habe in meinem Leben bisher genau zwei Prozesse verloren", erklärte er ruhig. "Und ich beabsichtige nicht, dass das heute der dritte wird. Keine Angst, Olivia. Du hast einen der besten Anwälte überhaupt auf Deiner Seite. Nein, falsch, ich korrigiere mich. Den besten. Keine Bange, Olivia. Wenn Du Dich an unsere Absprachen hälst, wird das heute ein glorreicher Erfolg im Gericht."

Hickengruendler

 

 

"Bestimmt sitzt er jetzt am Frühstückstisch und wähnt sich schon als Sieger", meinte Vanessa grimmig. Sie riss ein trockenes Brötchen in zwei Hälften und kaute mit finsterer Mine darauf herum.

"Du nimmst die Sache ja persönlich", erwiderte Marc mit dem Anflug eines Grinsen.

"Das würdest Du an meiner Stelle auch", keifte sie zurück. "Ein Wunder, dass ich überhaupt noch lebe."

"Ja", sagte Michael. "Ich wünschte, ich könnte Dich heute zum Prozess begleiten, aber ich habe Aufsicht am Strand."

"Das macht gar nichts", erwiderte Vanessa mit einem dankbaren Blick zu ihrem Freund. "Ich freue mich schon direkt auf meine Zeugenaussage."

"Sei vorsichtig. Mit Richards ist nicht zu spaßen."

"Ich weiß, aber glaube mir, mit mir auch nicht, wenn ich wütend bin."

"Daran habe ich keinen Zweifel", grinste Michael. Er wollte aufstehen, um sich eine neue Tasse Kaffee zu holen, aber Virginia war schneller.

"Ich mach das schon", rief sie. Sie goss Michael eine neue Tasse ein, während sie meinte: "Ich freue mich doch, wenn ich Euch nützlich sein kann."

"Unsere Virginia", lachte Michael. "Sie ist schon richtig unverzichtbar geworden."

Dies senkte Vanessas Laune noch weiter. Sie verkniff sich jedoch die Bemerkung, die ihr auf der Zunge lag und schaute stattdessen auf den leeren Stuhl an der anderen Seite des Tisches.

"Wo ist Gabi?", fragte sie.

"Sie hat bei Ricardo übernachtet", erklärte Marc. "Sie wollen gemeinsam zum Prozess gehen." "Sie ist sehr aufgeregt, nicht wahr?", fragte Virginia. Marc nickte.

"Ich hoffe, Richards nimmt sie heute nicht zu hart ran.“

Die anderen antworteten nicht, aber auch Marc war klar, dass diese Hoffnung relativ gering war.

Hickengruendler

 

 

"Findest Du das nicht ein bißchen unfair?", fragte Rae, aber auch sie konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

"Als ob ausgerechnet Gregory Richards jemand wäre, der Rücksicht nehmen würde", meinte Casey mit einem breiten Grinsen. "Immerhin hat er zwei Anschläge auf Vanessa verübt und ich denke, es wird Zeit, dass er einen Denkzettel bekommt. Außerdem ist es ja wirklich nicht so, dass ich wieder fit auf den Beinen wäre. Ich hätte mich so oder so in den Rollstuhl setzen müssen."

Rae nickte.

"Ja, Du hast vermutlich recht." Dann half sie ihn aus seinem Bett und führte ihn vorsichtig zu seinem Rollstuhl. "Auf zur Untersuchung. Dass Du fertig bist, wenn wir aufbrechen müssen."

"Na, bis dahin sind es ja noch ein paar Stunden Zeit", erwiderte Casey und blickte noch einmal auf die Vorladung, die ihm zugeschickt wurde. "Hier steht, dass die Verhandlung erst heute Nachmittag beginnt."

Hickengruendler

 

 

"Beeil Dich Olivia, die Verhandlung beginnt bereits in zwanzig Minuten und das letzte, was wir brauchen können, ist, das wir nicht pünktlich da sind."

"Ich komme gleich", rief Olivia von oben.

Gregory öffnete die Tür, als er mit Jade Sheridan zusammenstieß.

"Was wollen sie denn schon wieder hier?", fragte er ungläubig.

"Ich wollte sehen, wie es Ihnen geht. Ihnen vielleicht ein bisschen Gesellschaft leisten", sagte Jade mit einem charmanten Lächeln.

"Über mangelnde Gesellschaft werde ich mich heute kaum beklagen können", erwiderte Gregory spöttisch.

"Oh natürlich", hauchte Jade. "Heute ist ja der Prozess gegen Ihre Frau. Ich bin sicher, Sie werden ihn gewinnen."

"Ich auch", erwiderte Gregory knapp.

"Sie scheinen der Typ Mann zu sein, der alles tun würde, für die Frau, die ihm etwas bedeutet." "Freut mich, dass Sie das finden, aber wenn Sie jetzt bitte gehen würden... Ich habe nicht mehr viel Zeit."

Jade lehnte sich an den Türrahmen.

"Ich denke, ich werde der Verhandlung auch beiwohnen. Würde Ihnen das gefallen?"

"Da es ein öffentlicher Prozess ist, kann ich es Ihnen ja kaum verbieten."

"Fein. Also bis dann", winkte ihm Jade zum Abschied zu und schlenderte davon. In diesem Augenblick kam Olivia die Treppe hinunter.

"Mit wem hast Du geredet?", fragte sie.

"Nur eine lästige Vertreterin", erwiderte Gregory kühl, "aber ich habe sie abgewimmelt. Und jetzt komm Olivia, es wird Zeit."

Olivia atmete noch einmal tief durch und die beiden machten sich auf den Weg.

Hickengruendler

 

 

Nachdenklich hielt Derek den Hörer in der Hand, bevor er eine Nummer eintippte.

"Hier ist Derek Evans. Ich möchte bitte mit Mr. Ronald Johnson sprechen!" sagte er in den Hörer hinein, als sich die Empfangsdame meldete. Ungeduldig drehte er den Hörer in der Hand hin und her, bis er schließlich die Stimme des Anwalts vernahm.

"Mr. Evans, wie schön, daß Sie sich melden! Ich habe Neuigkeiten für Sie! Können Sie vielleicht heute noch in meinem Büro vorbeikommen? Am Telefon möchte ich über diese Angelegenheit nicht so gerne reden."

Derek kratzte sich am Kopf.

"Mr. Johnson, der Grund weshalb ich anrufe ..." Derek warf einen Blick auf seine Uhr. "Meine Verlobte und ich haben beschlossen, L.A. doch früher als geplant zu verlassen. Um es genau zu sagen, geht unser Flieger bereits in zwei Stunden."

Für einen Moment herrschte Stille am anderen Apparat.

"Sicher können Sie verstehen, daß ich Ihnen den Scheck nicht aushändigen kann, ohne eine persönliche Unterschrift von Ihnen?" hörte Derek Mr. Johnson fragen. "Es dauert wirklich nur einen kurzen Augenblick ... vielleicht könnten wir die Angelegenheit noch vor ihrer Abreise über die Bühne bringen?" Mr. Johnson ließ nicht locker. Seufzend stimmte Derek zu.

"Ja, gut, ich werde dann gleich vorbeikommen," versprach er. Nachdem er aufgelegt hatte, klopfte er vorsichtig an die Badezimmertür.

"Sara? Bist Du gleich fertig?" Er hörte, wie der Wasserhahn abgedreht wurde, und dann öffnete sich die Tür und Sara stand im Rahmen. Um ihren Kopf hatte sie ein Handtuch geschlungen.

"Was ist denn los?" fragte sie und sah ihn neugierig an.

"Ich habe vorhin mit Mr. Johnson aus der Anwaltskanzlei telefoniert," erwiderte Derek. "Ich habe ihm erzählt, daß wir heute aus L.A. abreisen wollen, aber er meinte, daß er mich vorher unbedingt noch einmal sehen müsste."

Sara zog sich das Handtuch vom Kopf und fuhr sich mit den Fingern durch ihr kurzes Haar.

"Hast Du ihm denn nicht gesagt, daß wir in zwei Stunden am Flughafen sein müssen?" fragte sie vorwurfsvoll. Derek nickte.

"Ja, natürlich, aber was er mit mir besprechen will, dauert nur wenige Minuten. Außerdem braucht er noch für die Übergabe des Schecks meine persönliche Unterschrift."

Sara nickte verstehend.

"Na gut," sagte sie zögernd," wenn es wirklich so wichtig ist." Sie grinste ihn schelmisch an. "Gib' mir nur 10 Minuten, dann bin ich fix und fertig angezogen und gefönt!"

Derek nickte.

"Gut, dann gehe ich schon einmal runter zum Empfang und bezahle unsere Rechnung. Wir können dann ja direkt von der Kanzlei aus zum Flughafen fahren. Ich rufe dann die Leihwagenfirma an, daß sie das Auto dann dort in Empfang nehmen kann." Sara nickte und ging zurück ins Badezimmer, während Derek mit dem Aufzug nach unten zum Empfang fuhr.

Mona  


 
Sara hatte Wort gehalten. Kaum hatte Derek die Suite wieder betreten, kam sie ihm schon entgegen.

"Können wir los?" fragte er erwartungsvoll. Sara nickte.

"Ja, nur gut, daß wir die Koffer schon gestern abend gepackt haben." Sie wies auf das Gepäck, das neben dem Bett stand. Derek nahm die beiden Koffer, warf noch einen letzten Blick durch den Raum, und dann verließ er mit Sara die Suite. Sie betraten einen der drei wartenden Aufzüge, und Derek drückte auf den unteren Knopf. Die Tür schloß sich, und während sie langsam nach unten fuhren, zählte Sara in Gedanken die Zahlen der Stockwerke mit, die sie hinter sich ließen.

Plötzlich gab es in Höhe des 13. Stockwerks einen heftigen Ruck und der Aufzug blieb stehen. Sara beschlich ein ungutes Gefühl. Ängstlich sah sie zu Derek hinüber, der hilflos auf den Knöpfen herumdrückte.

"Verdammt!" presste er wütend hervor. Sara starrte durch die gläsernen Wände des Aufzugs nach unten in die endlose Tiefe. Schwindel erfasste sie, und schnell hob sie wieder ihren Kopf. "Was-was ist passiert?" fragte sie nervös, obwohl sie die Antwort bereits wusste. Derek drehte sich zu ihr herum, und an seinem Blick konnte sie erkennen, daß er keine gute Nachrichten hatte. "Ich glaube," begann er," wir stecken hier fest!"    

Mona

 

 

Als Annie am anderen Tag gegen Mittags erwachte, war das Bett neben ihr leer. Sie reckte sich und schlug die Decke zurück. Auf dem Nachttisch entdeckte sie einen Zettel.
„Bin auf der Baustelle, Cole“
„Na wenigstens schreibt er mir, wenn er schon nicht mit mir spricht.“ dachte sie und knüllte den Zettel voller Verachtung zusammen. „So ein Theater um nichts!“
Sie ging ins Bad und begann sich vor dem großen Spiegel ihr rotes Haar zu bürsten.  
Nach dem Vorfall im Grenadines gestern, als er sie an Ben Evans Tisch hatte sitzen und mit einem fremden Mann flirten sehen, reagierte Cole ungewohnt eifersüchtig und hatte den ganzen Heimweg über kein Wort mehr zu ihr gesagt. Nicht dass sie sich sonderlich bemüht hätte, ein Gespräch mit ihm in Gang zu bringen, nein, dazu war sie selbst viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.  
So wie jetzt... denn sofort wanderten ihre Gedanken wieder zu Ted Evans... Was für ein Mann!
Annie seufzte.
Sie hatte sich, so lange sie denken konnte, immer Ben an ihrer Seite gewünscht, so sehr, dass es während dieser Zeit damals manchmal schon wehtat, und nun gab es da plötzlich jemanden, der mindestens so interessant war wie er, und auch ebenso gut aussah...  
Sollte sie Cole dafür aufgeben?  
Eigentlich wollte sie das nicht wirklich, sie war sehr glücklich in ihrer Beziehung zu dem gutaussehenden, intelligenten jungen Mann, er hatte ihr diese innere Unruhe genommen, die sie ständig beherrschte, diese krankhafte Eifersucht auf Ben. Aber seit sie Ted gestern kennengelernt hatte, war diese Unruhe plötzlich wieder da.
„Verdammt!“ Annie warf die Haarbürste wütend in die Ecke und streckte ihrem Spiegelbild die Zunge heraus. „Sowas kann ja wieder nur Dir passieren, Annie Douglas, endlich hast Du mal einen Typen gefunden, der zu Dir passt, da taucht plötzlich ein anderer auf, der noch besser passen könnte! Gratulation!... Und was nun?“

Jeany

 

 

Entsetzt und fassungslos starrte Sara Derek an.

"Willst Du damit sagen, daß wir hier, in diesem Aufzug, zwischen Himmel und Erde, festhängen?" fragte sie ungläubig. Derek nickte langsam.

"Oh mein Gott ...!" Sara musste sich zusammenreißen, nicht panisch zu reagieren, aber der Gedanke, daß sie in diesem gläsernen Aufzug wie in einem Käfig gefangen waren, hatte etwas bedrohliches für sie. Unwillkürlich spürte Sara, wie ihr Puls sich beschleunigte und ihre Atemfrequenz sich erhöhte, was zur Folge hatte, daß sie sich schwindelig fühlte und ihr plötzlich übel wurde.

Derek sah mit Besorgnis, wie Saras Gesicht immer mehr an Farbe verlor. Er ging einen Schritt auf sie zu und hielt sie fest.

"Setz Dich hin!" befahl er ihr, während er sie sanft aber bestimmt nach unten drückte. "Du siehst aus, als ob Du gleich ohnmächtig werden würdest!"

Sara gehorchte ausnahmsweise sofort, denn sie spürte plötzlich selber, daß ihre Beine drohten, unter ihr nachzugeben. Seufzend sank sie auf den Boden. Derek kniete sich neben sie und strich ihr über die Stirn.

"Ist Dir schlecht?" fragte er besorgt. Sara nickte.

"Versuche ruhiger zu atmen!" ordnete er an. Sara lehnte ihren Kopf an die kühle Scheibe des Aufzugs und schloß die Augen. Sie vermied es absichtlich, nach unten zu schauen. Nachdem sich Derek davon überzeugt hatte, daß es Sara nicht allzu schlecht ging, ging er wieder hinüber zu der Anzeigetafel und drückte wahllos auf den verschiedensten Knöpfen herum. Schließlich hatte er Glück. Eine weibliche Stimme meldete sich.

"Ja bitte, Sir?"

"Meine Güte, das hat ja eine Ewigkeit gedauert!" stieß Derek ungehalten hervor. Die Dame schien überrascht.

"Wenn Sie mir bitte sagen würden, welche Beschwerde Sie haben, könnte ich Ihnen vielleicht weiterhelfen," entgegnete sie kühl. Derek holte tief Luft, und warf einen Blick zu Sara hinüber, die immer noch bleich und mit geschlossenen Augen an der Glasscheibe lehnte.

"Hören Sie, Miss!" sagte er betont ruhig. "Meine Verlobte und ich sitzen hier in einem Ihrer Fahrstühle fest, und wir würden uns sehr freuen, wenn Sie vielleicht einem Techniker bescheid geben könnten, uns hier herauszuholen!"

"Oh ..." hörte Derek wieder die weibliche Stimme als Reaktion auf seine Äußerung.

"Das tut mir außerordentlich leid, Sir, aber unser Computer hat gar keine Störung angezeigt. Sie müssen wissen," erklärte sie belehrend," daß unsere Aufzüge computergesteuert und mit den neuesten technischen Raffinessen ausgestattet sind ..."

Derek platzte nun endgültig der Kragen.

"Es ist mir völlig egal, ob Ihr genialer Computer eine Störung angezeigt hat oder nicht!" brüllte er in den Lautsprecher. "Fakt ist, daß er nicht funktioniert, und meine Verlobte ist schwanger, und es geht ihr gar nicht gut!"

Für einen Moment hörte Derek nur ein Knacken im Lautsprecher, dann ertönte wieder die weibliche Stimme.

"Ich werde sofort einen Techniker vorbeischicken! Wo, ich meine ... in welchem Stockwerk hängen Sie fest?"

Derek gab der Dame die Auskunft und drückte dann zufrieden die "Aus"- Taste.

Sara hob ruckartig den Kopf, als sie hörte, was Derek der Dame über ihren Gesundheitszustand erzählte. Schwankend erhob sie sich und sah ihn vorwurfsvoll an.

"Was sollte das denn?" fragte sie. Derek sah sie fragend an.

"Was meinst Du?" Sara wies auf den Lautsprecher. "So dramatisch, wie Du meinen Zustand geschildert hast, müssen die denken, daß ich hier in den Wehen liege!"

Derek konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

"Na, wenn Sie das denken, beeilen Sie sich vielleicht ein bisschen , uns hier herauszuholen."

Sara schüttelte verständnislos den Kopf.

"Du hast vielleicht einen merkwürdigen Humor!" entgegnete sie, während sie mit den Augen rollte. Derek grinste.

"Wie ich sehe, geht es Dir besser," stellte er erfreut fest. Sara verzog das Gesicht.

"Ja, ... leider, vielleicht wäre es wirkungsvoller, wenn ich die Bewußtlose spiele, bis wir gerettet sind."

Derek lachte und zog sie in seine Arme.

"Keine schlechte Idee, aber nur, wenn ich dann die Mund-zu-Mund-Beatmung bei Dir vornehmen darf."

Noch bevor Sara protestieren konnte, hatte er ihren Mund mit seinen Lippen verschlossen und begann langsam, die Knöpfe ihrer Bluse zu öffnen. Für einen Moment sah Sara ihn erstaunt an, dann begann sie ebenfalls, sein Hemd aufzuknöpfen. Achtlos ließen beide die Kleidung des anderen auf den Boden fallen, während sie sich leidenschaftlich umarmten und küssten.

Plötzlich gab es einen heftigen Ruck, und der Fahrstuhl setzte sich in Bewegung ...

Mona

 

 

Sam stoppte den Mietwagen vor dem Gebäude von Davis Pharmazie. Bette sah Sam an.

„Ich verstehe immer noch nicht, warum Emily und ich heute hier noch einmal mit herkommen sollten.“ sagte Bette. Sam lächelte sie an.

„Das wirst Du schon früh genug erfahren, meine Schöne.“ Er stieg aus, ging um das Fahrzeug herum und öffnete zuerst Bette und dann Emily die Tür. Die beiden Frauen stiegen aus und gemeinsam mit Sam gingen sie auf den Eingang des Gebäudes zu.

 „Ich bin ein richtiger Glückspilz, dass ich gleich von zwei wunderschönen Frauen begleitet werde.“ sagte Sam.

Bette lachte.

„Sam Peterson, Du bist ein alter Schmeichler.“ Sie küsste ihn zärtlich auf die Wange „Und nun lass uns reingehen, ich will endlich wissen, was hier los ist.“

Sie betraten das Gebäude und wurden gleich von dem Portier begrüßt.

„Mrs. Katzenkazrahi, Miss Davis.“ nickte er den beiden Frauen zu und wandte sich dann an Sam. „Mr. Peterson, es ist alles so vorbereitet, wie Sie es wollten. Mr. Hansen ist auch schon vor wenigen Minuten eingetroffen und wartet bereits im Konferenzraum auf Sie.“

„Danke Ed.“ nickte Sam. Er führte Bette und Emily zu den Aufzügen hinüber. Sie stiegen ein und Sam drückte den Knopf für die 7. Etage.

 „Willst Du mir immer noch nicht verraten, was hier vor sich geht? Wer ist dieser ominöse Mr. Hansen?“ legte Bette los, sobald sich die Aufzugtüren geschlossen hatten. Sam lachte.

„Nur noch ein paar Minuten, dann wirst Du es erfahren.“ zwinkerte er.

Der Fahrstuhl stoppte und leise glitten die Türen auf.

Sie traten auf den Gang hinaus, und Sam führte die beiden Frauen in den Konferenzraum.

Dort saß bereits ein Mann. Er war Ende vierzig, hatte dichtes, dunkel braunes Haar, das an den Schläfen bereits einige grauen Strähnen aufwies. Als er Sam erblickte, leuchteten seine wachsamen blauen Augen auf.

 „Sam, schön Dich zu sehen.“ Er begrüßte Sam mit einen Handschlag.

„Hi Bob, schön Dich zu sehen. Darf ich Dir meine Verlobte Bette Katzenkazrahi und ihre Tochter Emily Davis vorstellen?“ Sam drehte sich zu Bette und Emily um. „Bette, Emily, das ist Bob Hansen, ein guter alter Freund von mir und der neuste Teilhaber von Davis Pharmazie.“

Bob reichte Bette und dann Emily die Hand.

„Ich bin erfreut Sie kennenzulernen.“ begrüßter er sie. „Sam Du bist ein Glückspilz.“ zwinkerte er Sam zu. Der lachte.

„Und wie geht es Jill?“ fragte er. Bobs Augen leuchteten erneut auf.

„Ihr geht es sehr gut und sie kann es gar nicht erwarte, wieder nach Chicago zu ziehen.“ antwortete Bob. In diesem Augenblick betraten vier weitere Herren den Konferenzraum.

„Ah, da sind Sie ja alle.“ sagte Sam. „Bitte nehmen Sie Platz, dann können wir anfangen.“

Er wartete einen Augenblick, bis alle saßen und fuhr dann fort: „Wie Sie wissen, habe ich Sie heute hergebeten, um Ihnen die neue Geschäftsleitung von Davis Pharmazie vorzustellen. Da wäre zum einen Robert Hansen, der vierzig Prozent der Anteil hält. Er wird aber die volle Prokura bekommen, da die beiden anderen Eigner die meiste Zeit in Kalifornien sein werden. Das letzte Veto werden aber Mrs. Katzenkazrahi und Ihre Tochter, Miss Davis haben.“

Während Sam sprach, war Bette die Kinnlage heruntergeklappt. Sie zupfte Sam am Jackenärmel und flüsterte:

„Was soll das heißen, Sam?“

Sam lächelte Bette an.

„Das soll heißen, dass Dir und Emily ab jetzt offiziell sechzig Prozent der Anteile von Davis Pharmazie gehören.“

Meg

 

 

Der Gerichtssaal füllte sich langsam.

Vanessa setzte sich in die erste Reihe, auf die Plätze der Zeugen, schräg vor Caitlin.

Caitlin nickte Vanessa kurz zu und diese erwiderte das Nicken.

"Wo ist dein Bruder?", fragte sie.

"In der Schule", erklärte Caitlin. "Er hat bald Prüfungen und kann nicht fehlen. Er kommt heute Nachmittag vorbei, wenn der Prozess dann noch andauert."

"Verstehe", sagte Vanessa.

Sie begann sich die Zeit damit zu vertreiben, die Menschen beim Hinein - und Hinausgehen zu beobachten.

Der Staatsanwalt wirkte auf eine seltsame Art glücklich und angespannt zeitgleich. Vanessa hatte das Gefühl, dass er sehr zufrieden damit war, die Frau von Gregory Richards auf der Anklagebank zu sehen. Ganz im Gegensatz dazu wirkte Gabi sehr nervös. Als sie und Ricardo eintraten und sich neben Vanessa saßen, konnte sie sehen, dass Gabi mit ihrer rechten Hand ein Papiertaschentuch zerknüllte.

Die Tür öffnete sich quietschend, und als Vanessa sich umdrehte, sah sie, wie Gregory seinen Kopf hineinsteckte und Caitlin ein Zeichen gab, zu ihm nach draußen zu gehen. Was das zu bedeuten hatte, verstand Vanessa erst, als sich die Tür wieder öffnete und Gregory eintrat, den einen Arm um Olivia gelegt, den anderen um seine Tochter. Die Richards boten ein Bild der Stärke und Geschlossenheit.

Vanessa war sehr überrascht Jade Sheridan im Gerichtssaal zu sehen. Diese zog einen Taschenspiegel hervor und legte Gesichtspuder auf, dann ging sie durch bis in die erste Reihe, setzte sich direkt neben Caitlin und hinter Gregory Richards. Sie beugte sich vor und flüsterte ihm etwas ins Ohr, dass Vanessa nicht verstand. Olivia machte ein grimmiges Gesicht.

Der Richter betrat den Saal und stellte sich hinter sein Pult.

"Wo ist Casey?", schoss es Vanessa durch den Kopf.

Die Anwesenden erhoben sich, und der Richter räusperte sich.

"Ich erkläre den Fall des Staates Kalifornien gegen Olivia Richards für eröffnet."

Hickengruendler

 

 

Für einen Moment sahen sich Derek und Sara nur geschockt an, dann hob Sara schnell ihre Bluse auf und half Derek dabei, sein Hemd wieder anzuziehen. Während der Fahrstuhl langsam nach unten glitt, bemühten sich beide hektisch darum, den Normalzustand wieder herzustellen. Keiner der beiden sagte ein Wort, aber sie dachten wohl dasselbe: Wären sie halbnackt im Aufzug erwischt worden, hätten sie bestimmt eine Anzeige wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" riskiert!

Der Fahrstuhl hielt im Erdgeschoß, und durch die gläsernen Wände des Fahrstuhls konnte man schon erkennen, daß sie nicht so klammheimlich verschwinden konnten.

Sara ergriff Dereks Hand, und nachdem sich die Türen geöffnet hatten, verließen beide mutig den Fahrstuhl.

Ein gut gekleideter Herr, mittleren Alters, trat auf die beiden zu und streckte Derek seine Hand entgegen.

"Wenn ich mich vorstellen darf? Mein Name ist Donald Barnes - ich bin der Hotelmanager!" Derek hob erstaunt die Augenbrauen, doch dann streckte er Mr. Barnes freundlich die Hand entgegen.

"Derek Evans," stellte er sich vor, während er sich zu einem Lächeln zwang. So ganz wohl war ihm nicht in seiner Haut, zumal der Hotelmanager sein Lächeln nicht einmal erwiderte.

Saras Griff um Dereks Hand wurde fester. Am liebsten wäre sie in einem Mauseloch verschwunden, zu peinlich war diese ganze Situation! Wahrscheinlich würde man sie jetzt des Hotels verweisen, oder noch schlimmer - anzeigen!

Sara spürte schon wieder, wie ihre Knie weich wurden. Sie machte sich heftige Vorwürfe, daß sie Dereks Drängen nachgegeben hatte. Was hätte noch alles passieren können, wenn der Fahrstuhl sich nicht plötzlich wieder in Bewegung gesetzt hätte? Sara mochte gar nicht daran denken!

"Das ist meine Verlobte, Sara Cummings," stellte Derek sie dem Hotelmanager vor. Sara lächelte nervös. Hinter Mr. Barnes tauchten nun noch zwei weitere Männer auf, die Derek und Sara scheinbar interessiert musterten. Saras Herz schlug ihr bis zum Hals. Was würden ihre Eltern wohl zu einer Schlagzeile sagen wie "Pärchen vergnügt sich nackt im Aufzug!" ? Sicher hätten sie dann keine so gute Meinung mehr von Derek - und das musste ausgerechnet alles vor ihrer baldigen Hochzeit passieren!

Sara spürte, wie ihr Mund trocken wurde, ihre Hände zu kribbeln anfingen und sich ein Gefühl der Leere in ihrem Kopf ausbreitete. Die Gesichter der Anwesenden verschwammen vor ihren Augen, und dann empfing sie eine gnädige Ohnmacht ...  

Mona

 

 

"Zuerst muss ich die Anwesenheit der Zeugen feststellen", begann der Richter. Er rief den Namen jedes Zeugen auf, der sich daraufhin meldete. Als Caseys Name aufgerufen wurde, antwortete niemand.

"Casey Mitchum?", wiederholte der Richter. Erneut kam keine Antwort. "Ich stelle fest, dass der Zeuge Mitchum nicht anwesend ist." Der Richter schreib kurz etwas auf.

"Weisst Du, wo er ist?", flüsterte Gabi Vanessa ins Ohr.

"Ich habe keine Ahnung", erwiderte Vanessa leise. Doch das zufriedene Grinsen, dass sich auf Gregory Richards Gesicht zeigte, weckte ein Ungutes Gefühl in ihr.

"Ich muss die anwesenden Zeugen bitten, draußen zu warten", forderte der Richter auf, und Vanessa, Gabi, Ricardo, sowie ein weiterer Mann, den Vanessa nicht kannte, standen auf und gingen nach draußen. Kurz nach ihnen öffnete sich die Tür erneut und der Assistent des Staatsanwaltes kam heraus. Er zog sein Handy hervor, und wählte eine Nummer.

"Was soll das heissen, nicht erreichbar", beschwerte er sich. "Krankengymnastik? Hören Sie, können Sie ihm eine Nachricht hinterlassen? Es ist äußerst dringend."

"Versucht er Casey zu erreichen?", wollte Gabi wissen.

"Ich nehme es an", nickte Ricardo. "Ich nehme es an."

Hickengruendler

 

 

Nach einem erfolgreichen Meeting verließen Bette, Emily und Sam die Davis Pharmazie.

„Ich kann immer noch nicht glauben, dass Du uns zu Teilhabern gemacht hast.“ sagte Bette, als sie im Auto saßen.

„Das ist doch nur fair. Schließlich hat Edward Davis ja Dein Erbe genommen, um die Firma zu gründen und es ist ja auch Emilys Erbe.“ antwortete Sam.

„Aber Du hättest das dennoch nicht tun müssen.“ wandte Bette ein. Sam lächelte Bette an und strich ihr zärtlich über die Wange.

„Hast Du immer noch nicht begriffen, dass ich für Dich alles tun würde, meine Schöne?“ fragte er. Bette nickte.

„So langsam beginne ich das zu glauben, aber gleichzeitig habe ich immer noch Angst, dass ich aufwache und alles nur ein schöner Traum war.“ antwortete sie. Sam beugte sich vor und küsste Bette zärtlich auf die Lippen.

„Fühlt sich das wie ein Traum an?“ wollte er wissen.

„Nein, ganz und gar nicht. Ich liebe Dich, Sam Peterson.“ sagte Bette.

„Ich liebe Dich auch.“ sagte Sam. Dann setzte er sich zurecht und drehte den Zündschlüssel um „Nun, Ihr zwei, seid Ihr bereit, nach Sunset Beach zurück zu kehren?“ fragte er dabei.

„Hier ist nichts mehr, was mich noch hält.“ antwortete Emily.

„Und ich kann es auch kaum noch erwarten, nach Hause zu kommen.“

„Gut, dann wird es Euch ja bestimmt freuen zu hören, dass der Jet der Liberty Corporation bereits am Flughafen auf uns wartet. Wir brauchen nur noch unser Gepäck holen und im Hotel auschecken.“ erklärte Sam. Bette sah Sam erstaunt an.

 „Wann hast Du denn das wieder in die Wege geleitet?“ fragte sie.

„Eigentlich war es Bens Idee. Er schlug mir vor, den Jet zu schicken, damit wir einen ganz gemütlichen Rückflug haben. Außerdem können wir dann schon ein wenig feiern. Ich habe uns ein tolles Dinner für den Flug bestellt.“

„Worauf warten wir hier dann noch?“ fragte Bette.  „Gib Gas und sieh zu, dass wir zum Flughafen kommen. Ich bin fast am Verhungern.“

„Das ist meine Bette.“ lachte Sam und setzte das Fahrzeug in Bewegung.

Meg

 

 

"Liebling, hörst Du mich?"

Sara erkannte Dereks Stimme und öffnete die Augen. Für einen Moment wusste sie gar nicht, wo sie sich befand, doch Derek gab ihr sofort Auskunft darüber.

"Wir sind in Mr. Barnes' Büro," erklärte er ihr. "Zum Glück gibt es hier ein Sofa ..." Er legte seine Hand vorsichtig auf ihre Stirn. "Geht es Dir besser? Wir waren alle sehr besorgt, als Du vor unseren Augen einfach bewußtlos wurdest!"

Sara setzte sich vorsichtig auf. Erst jetzt sah sie, daß sie und Derek nicht alleine im Büro waren. Mr. Barnes und ein anderer Mann standen ebenfalls ein paar Meter von ihnen entfernt, und ihre Gesichter sahen sorgenvoll aus.

"Es - es tut mir leid!" stammelte Sara. Derek warf ihr einen undefinierbaren Blick zu und legte seinen Arm um ihre Schultern. Sich verlegen räuspernd kam Mr. Barnes näher.

"Miss ... es muß uns leidtun, nicht Ihnen!“  Er sah Sara fest in die Augen. "Die Schuld liegt ganz alleine bei uns!" wiederholte er noch einmal mit Nachdruck. "Einer unserer Computer, der für die Steuerung der Aufzüge verantwortlich ist, hatte einen Defekt. Leider fiel auch gerade in diesem Moment der Überwachungsmonitor im Aufzug aus ..." Er senkte den Kopf. "Eine Verkettung unglücklicher Umstände ..."

Derek hob überrascht den Kopf, als ihm die Worte des Hotelmanagers ins Bewußtsein drangen. "Soll das etwa heissen, daß es in jedem Aufzug eine Überwachungskamera gibt, die alles aufzeichnet, was sich im Inneren abspielt?" fragte er vorsichtig. Mr. Barnes nickte.

"Ja, im Normalfall schon, nur ... in Ihrem Fall fiel zeitgleich mit dem Steuercomputer des Aufzuges auch die Kamera aus." Mr. Barnes kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Seltsam ..." entfuhr es ihm. "Die Kamera wird von einer ganz anderen Anlage gesteuert. Schon ein komischer Zufall!"

Derek zwang sich zu einem Lächeln, während er innerlich aufatmete. Sara fiel ein ganzer Felsblock vom Herzen! Erleichtert stand sie auf.

"Ich glaube, ich fühle mich jetzt schon viel besser," sagte sie lächelnd. "Mein Verlobter und ich haben noch einen wichtigen Termin wahrzunehmen, bevor wir L.A. verlassen," fügte sie noch hinzu. Mr. Barnes schüttelte den Kopf.

"Ich bestehe darauf, daß Sie sich von einem Arzt untersuchen lassen, ob auch wirklich alles mit Ihnen und Ihrem Baby in Ordnung ist!" sagte er bestimmt. Sara sah den Hotelmanager irritiert an, bevor sie ihren Blick zu Derek wandte.

"Ich denke, daß das nicht nötig sein wird," sagte er schnell, doch Mr. Barnes ließ sich nicht beirren.

"Es tut mir leid, Sir, aber alleine schon wegen möglicherer Nachfolgeschäden und daraus resultierender Regressansprüche muß ich auf diese Untersuchung bestehen!"

Sara warf Derek eine hilflosen Blick zu.

"Wenn Sie meinen, daß das wirklich nötig ist," gab er zu Saras Entsetzen nach. Mr. Barnes nickte erfreut und winkte den Mann heran, der die ganze Zeit hinter ihm gestanden hatte.

"Unser Chauffeur wird Sie ins Krankenhaus bringen," sagte er. Sara und Derek sahen sich erstaunt an.

"Sie brauchen sich um die entstehenden Kosten keine Gedanken zu machen," hörten sie Mr. Barnes sagen. "Natürlich kommt das Hotel dafür auf." Er überreichte Derek einen Scheck, den dieser überrascht entgegennahm. "Wir möchten Ihnen hiermit auch die Kosten für die beiden Übernachtungen in unserem Hotel zurückerstatten. Das ist das Mindeste, was wir tun können, um den Schaden wieder gutzumachen, der Ihnen durch uns entstanden ist."

Sara und Derek gaben Mr. Barnes zum Abschied noch einmal die Hand und bedankten sich für seine Hilfsbereitschaft und noble Geste. Dann verließen sie mit dem Chauffeur das Hotel.

Mona

 

 

Eine Durchsage ertönte.

"Der Zeuge Ricardo Torres bitte in den Zeugenstand".

Ricardo nickte Gabi noch einmal kurz zu, dann betrat er den Gerichtssaal und setzte sich in den Zeugenstand.

"Sie sind mit der Angeklagten weder verwandt noch verschwägert?", fragte der Richter.

"Nein", erklärte Ricardo.

"Dann muss ich Sie darüber belehren, dass Sie verpflichtet sind, die Wahrheit zu sagen. Eine eventuelle Falschaussage kann strafrechtliche Folgen haben."

"Ich weiss", nickte Ricardo. Dann stand der Staatsanwalt auf.  

"Mr Torres", begann er. "Was sind Sie von Beruf?"

"Ich bin Detektive im Sunset Beach Police Department", erklärte Ricardo. Der Staatsanwalt machte eine vielsagende Geste, als wollte er den Anwesenden andeuten, wie vertrauensvoll dieser Zeuge war.  

"Mr Torres", fuhr er dann fort. "Sie waren zugegen, als der Unfall geschah?"

"Ja", bestätigte Ricardo.

"Beschreiben Sie mir bitte in ihren eigenen Worten, was geschehen ist."

"Ich bin Mr Mitchum gefolgt. Wir hatten, hmm, eine Meinungsverschiedenheit. Dann kam der Wagen von Mrs Richards, in völlig überhöhter Geschwindigkeit."

"Einspruch", warf Gregory ein, "der Zeuge gibt hier seine subjektive Meinung wieder. Diese ist auf keinerlei Tatsachen gestützt."

"Stattgegeben", sagte der Richter.

"Miss Martinez konnte ihm ausweichen und Mr Mitchum hat mich noch zur Seite gestoßen." Ricardo schluckte. Er schien nicht gern an das Ereignis zurückzudenken. "Aber Casey... Mr Mitchum wurde von dem Auto erfasst. Anschließend ist Mrs Richards mit dem Wagen gegen eine Palme gefahren."

"Mr Torres, ich habe noch eine Frage wegen der Geschwindigkeit des Autos. Sind Sie sich absolut sicher, dass Sie zu schnell fuhr?"

"Ich bin Polizist", erklärte Ricardo. "Ich habe ein Auge dafür."

"Keine weiteren Fragen", erwiderte der Staatsanwalt. "Ihr Zeuge, Herr Verteidiger."

Hickengruendler

 

 

Gregory stand auf, ein selbstsicheres Lächeln auf den Lippen.

"Mr Torres", begann er. "Wenn ich Ihre Worte richtig in Erinnerung habe, sagten Sie, dass Sie eine Meinungsverschiedenheit mit Mr Mitchum hatten? Ist das richtig?"

"Ja", nickte Ricardo.

"Könnten Sie diesen Vorfall etwas genauer erklären, etwas detaillierter?"

"Einspruch, irrelevant", sagte der Staatsanwalt. Gregory ergriff das Wort.

"Euer Ehren, wenn Sie mich fortfahren lassen, werden Sie sehen, dass es in der Tat sehr relevant ist."

"Einspruch abgelehnt. Beantworten Sie bitte die Frage, Mr Torres", entschied der Richter. "Casey Mitchum und ich haben uns geprügelt."

"Interessant", sagte Gregory. "Darf ich fragen, warum es bei dieser Prügelei ging."

"Das dürfen Sie nicht", erklärte Ricardo scharf. "Es spielt für den Fall keine Rolle."

"In Ordnung", meinte Gregory. "Mir geht es auch gar nicht so sehr um den Grund des Streites, als um den Ort, wo er stattgefunden hat. Sicher gehe ich richtig in der Annahme, dass ein Rettungsschwimmer und ein Polizist schlau genug waren, diesen Streit an einem sicheren Ort auszutragen."

Ricardo zögerte.

"Nein", gab er dann schließlich zu. "Wir haben uns auf der Straße geprügelt."

Ein Raunen ging durch die Zuschauer.

"Das ändert aber nichts daran, dass der Wagen der Angeklagten mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren ist", betonte Ricardo.

"Ach", fragte Gregory. "Woher wollen Sie das denn wissen? Ihren eigenen Worten nach waren Sie doch, nun sagen wir, abgelenkt. Ich bezweifle, dass Sie überhaupt auf den Verkehr geachtet haben. Ich glaube Ihnen, dass der Wagen der Angeklagten für Sie sehr plötzlich erschien, aber nicht, weil er zu schnell war, sondern weil Sie nicht darauf geachtet haben."

"Einspruch", donnerte der Staatsanwalt. "Der Herr Verteidiger stellt dem Zeugen keine Frage, sondern erzählt ihm eine Geschichte, wie er den Vorfall gerne hätte."

"Stattgegeben", sagte der Richter.

"Dann anders", meinte Gregory. "Mr Torres, ist es richtig, dass Ihre Aufmerksamkeit damals, nun sagen wir, zumindest geteilt gewesen sein muss."

Ricardo schwieg einen Moment.

"Ja, das ist richtig", gab er schließlich zu.

"Keine weiteren Fragen", sagte Gregory zufrieden.  

Hickengruendler

 

 

Derek vergewisserte sich, daß der Chauffeur hinter der Trennscheibe wirklich nichts hören konnte, dann lehnte er sich lässig in seinem Sitz zurück und schlug die Beine übereinander. Er sah Sara von der Seite an, die schweigsam neben ihm saß und ihren eigenen Gedanken nachging. "Mach' Dir keine Gedanken!" beruhigte er sie. "Als Du Deinen Plan ausgeführt hast konntest Du ja nicht wissen, daß es so enden würde."

Sara sah ihn verwirrt an.

"Plan? Wovon redest Du überhaupt?"

Jetzt war es Derek, der sie überrascht ansah.

"Na, ich rede von Deinem genialen Plan, die Ohnmächtige zu spielen," klärte er sie auf. Sara musste sich ein Schmunzeln verkneifen.

"Du hast also die ganze Zeit gedacht, daß ich die Ohnmacht nur gespielt habe?" fragte sie amüsiert. Derek nickte. Prüfend sah er sie an.

"Etwa nicht?" fragte er irritiert. Sara schüttelte seufzend den Kopf.

"Ich wünschte, es wäre so, aber mir war wirklich plötzlich wieder schwindelig, und dann war alles nur noch schwarz vor meinen Augen."

Derek griff sich an die Stirn.

"Und ich Idiot dachte die ganze Zeit, daß ..." Besorgt griff er nach ihrer Hand. "Nur gut, daß Mr. Barnes so ein vorausschauender Mensch ist! Hätte ich auch nur geahnt, daß Du wirklich das Bewußtsein verloren hast, hätte ich Dich persönlich ins Krankenhaus gefahren!"

Sara sah ihn liebevoll an.

"Du übertreibst mal wieder, aber trotzdem ... danke für Deine Besorgnis!" Sie warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. "Oh nein," entfuhr es ihr geschockt. "Wir haben nicht mal mehr eine Stunde Zeit, bevor unser Flieger nach Sunset Beach geht!"

Derek nickte.

"Notfalls müssen wir den Flug stornieren und zu einem späteren Zeitpunkt fliegen."

Erleichtert stellten beide fest, daß das L.A. General Hospital gerade in Sichtweite kam. Der Fahrer hielt direkt vor der Tür und half Sara beim Aussteigen.

"Ach, Sir," sprach sie den Chauffeur an," würden Sie meinen Verlobten bitte weiter zum "77th Sunset Strip" fahren? Er hat dort noch einen geschäftlichen Termin mit seinem Anwalt."

Derek sah Sara verblüfft und erstaunt an.

"Aber ich ..." versuchte er zu protestieren, doch Sara legte ihm einen Finger auf die Lippen. "Still!" sagte sie im Befehlston, der keinerlei Wiederspruch duldete. "Wir haben beide ein Interesse, möglichst schnell aus dieser Stadt herauszukommen, nicht wahr?"

Derek nickte zustimmend.

"Dann wirst Du jetzt zu Mr. Johnson fahren und die Sache mit dem Scheck klären, und ich werde meine Pflicht tun und dort ..." sie wies auf die Eingangstür des Krankenhauses," ... hineingehen." Derek hob überrascht die Augenbrauen. So resolut hatte er Sara schon lange nicht mehr erlebt, und mit einem verschmitzten Grinsen auf den Lippen nickte er.

"Ja, Boss, wie Sie befehlen!" sagte er scherzhaft, während er sie ein letztes Mal in seine Arme zog. "Wir holen Dich ..." er verbesserte sich lächelnd, während er vorsichtig seine Hand auf Saras Bauch legte," ... Euch nachher wieder ab." Derek stieg zurück in den Wagen, und kurz darauf gab der Chauffeur Gas und verließ das Krankenhausgelände.

Mona

 

 

Saras erster Weg, nachdem sie das Krankenhaus betreten hatte, führte sie zur Information. Die Dame hinter der Glasscheibe begrüßte sie lächelnd.

"Womit kann ich Ihnen behilflich sein, Miss?"

Sara dachte einen Moment nach, wie sie der Frau den Grund ihres Kommens erklären sollte. "Also, ich ... begann sie zögernd. "Mein Name ist Sara Cummings, und ich möchte ..."

Die Dame an der Information sah sie erfreut an.

"Miss Cummings!" sagte sie zur Begrüßung. „Mr. Barnes hat uns vorhin schon darüber informiert, daß Sie vorbeikommen würden." Sie zwinkerte Sara freundlich zu. "Dr. Ambrose erwartet Sie bereits."

Völlig perplex und verwirrt stand Sara da, während die Dame zum Telefon griff und etwas in die Sprechmuschel hinein sagte. Nachdem sie aufgelegt hatte, wandte sie sich wieder Sara zu. "Einen kleinen Moment bitte, Dr. Ambrose wird gleich kommen, um sie abzuholen."

Sara schaute verstohlen zur Wanduhr hinauf. Nur noch 45 Minuten bis zum Abflug! Nervös knetete sie ihre Finger und begann hin und herzulaufen.

"Miss Cummings?" hörte Sara plötzlich eine weibliche Stimme, und überrascht sah sie hoch. Eine junge Frau von schätzungsweise Anfang dreißig stand vor ihr und streckte ihr die Hand entgegen. "Ich bin Dr. Claire Ambrose," stellte sie sich vor. Sie lächelte, als sie Saras verwirrtes Gesicht bemerkte. "Sie wundern sich sicher darüber, daß wir schon auf sie gewartet haben, nicht wahr?" fragte sie. Sara nickte. "Nun, wenn Sie mir in mein Sprechzimmer folgen würden, werde ich Ihnen alles erklären," entgegnete Dr. Ambrose. Sara folgte der jungen Ärztin, neugierig, was sie ihr zu sagen hatte. Im Sprechzimmer bot Dr. Ambrose Sara einen Stuhl an und nahm dann selber Platz.

"Kommen wir gleich zum Punkt, weshalb Sie hier sind," begann Dr. Ambrose ohne Umschweife. "Donald Barnes, der Hotelmanager vom Bonaventure Hotel ist ... mein Vater."

Sara fiel die Kinnlade vor Überraschung herunter.

"Das ist ja ein witziger Zufall!" entfuhr es ihr. Dr. Ambrose schüttelte den Kopf.

"Nein, kein Zufall! Daddy ist sehr gewissenhaft, wenn es um den Gesundheitszustand seiner Gäste geht. Ich wurde schon mehr als einmal ins Hotel gerufen, weil jemand eine Alkoholvergiftung oder eine Platzwunde hatte." Sie nahm einen Kugelschreiber und drehte ihn zwischen ihren Fingern hin und her. "Als mich mein Vater heute anrief und mir von Ihrem Schwächeanfall erzählte, hielt ich es für besser, Sie im Krankenhaus zu untersuchen."

Sara nickte.

"Ich verstehe," sagte sie. "Ihr Vater ist wohl beunruhigt, daß wir vielleicht das Hotel dafür haftbar machen könnten, falls doch noch Spätfolgen auftreten."

Die junge Ärztin nickte.

"Ja, und das zu recht, denn wir hatten schon einmal so einen Fall ..." Sie unterbrach sich schnell, als hätte sie schon zuviel gesagt, doch Sara bohrte nach.

"Was ist denn damals passiert?" fragte sie neugierig. Dr. Ambrose stand auf und sah Sara einen Moment nachdenklich an.

"Es ist schon etwas länger her," begann sie zögernd. "Eine junge Frau, die Gast im Hotel war, stürzte in ihrem Zimmer so unglücklich, daß sie kurze Zeit später ihr Baby verlor." Sie sah Saras entsetztes Gesicht und lenkte sofort ein. "Im nachhinein konnte man nicht mehr feststellen, ob die Fehlgeburt von dem Sturz herrührte oder ob es auch unter normalen Umständen dazu gekommen wäre." Sie holte tief Luft. "Die Angelegenheit wurde gerichtlich geklärt, und das Hotel musste der Frau Schmerzensgeld in einer nicht unerheblichen Summe zahlen. Eine unschöne Sache! Mein Vater ist seitdem sehr vorsichtig, was man ihm sicher nicht verdenken kann!" Sara nickte mechanisch. Dr. Ambrose lächelte entschuldigend. "Jetzt habe ich Ihnen Angst gemacht. Das wollte ich nicht. Ich bin sicher, daß es Ihrem Baby gut geht." Sie wies auf eine Liege in der Ecke des Sprechzimmers. "Und um das festzustellen, möchte ich Sie bitten, sich jetzt hinzulegen, damit ich sie untersuchen kann."

Während Dr. Ambrose das Ultraschallgerät anstellte, legte Sara sich auf die Liege und schob ihre Bluse hoch. Gewissenhaft führte die junge Ärztin den Ultraschallkopf über Saras Bauch, während sie die Daten am Monitor ablas.

"Den Daten nach zu urteilen müssten sie jetzt im 5. Monat sein. Ist das richtig?" fragte sie. Sara nickte.

"Ist mit dem Baby alles in Ordnung?" fragte sie, und ihrer Stimme konnte man die Anspannung und Nervosität anmerken. Dr. Ambrose lächelte.

"Ja, Ihrem Baby geht es gut." Sie drehte Sara den Monitor herum, damit sie besser sehen konnte. "Und, möchten Sie wissen, ob es ein Mädchen oder Junge wird?" fragte sie. Sara setzte sich überrascht auf.

"Kann man das denn schon so eindeutig erkennen?" fragte sie. Dr. Ambrose lächelte wieder. "Normalerweise bin ich sehr vorsichtig mit Auskünften über das mögliche Geschlecht, aber bei Ihnen bin ich mir zu 99 % sicher." Also," wiederholte sie ihre Frage," möchten Sie es wissen?" Sara holte tief Luft, bevor sie dann zaghaft mit dem Kopf nickte. Langsam lehnte sie sich dann wieder zurück und schloß die Augen, in Erwartung, was die Untersuchung ergeben würde.

Mona

 

 

Casey kam soeben aus seiner Gymnastik zurück.

"Hervorragend", lobte ihn Rae. "Du machst große Fortschritte. Man merkt eben doch, wie sportlich Du bist."

Casey nickte kurz. Ja, Fortschritte machte er. Aber es würde lange dauern, bis er wieder richtig laufen konnte, wenn überhaupt ohne Unterstützung. Und außerdem hatte er eine Niere verloren. Es gab keinen Zweifel, er konnte seinen Beruf als Rettungsschwimmer nicht mehr ausüben. Doch wie sollte es weitergehen? Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als der Telefonapparat über seinem Bett klingelte. Rae nahm ab und reichte ihm den Hörer.

"Mitchum", meldete er sich. "Was? Aber das kann doch nicht sein..., auf der Vorladung stand doch...., okay, ich komme sofort."

"Was gibts?", fragte Rae.

"Richards", murmelte Casey. "Er hat was damit zu tun, ich weiss es. Beeil Dich, Rae. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, der Prozess hat bereits begonnen, ich erkläre es Dir unterwegs."

Hickengruendler

 

 

Mit einem etwas beklommenen Gefühl betrat Cole gegen Mittag das Büro der Liberty Corporation. Meg saß hinter ihrem Schreibtisch und tippte eifrig etwas in den Computer ein. Als sich die Fahrstuhltür öffnete, sah sie erwartungsvoll hoch.
„Hallo Cole!“ begrüßte sie ihn freundlich. Er lächelte und reichte ihr die Hand.  
„Hi Meg. Na, viel Arbeit?“
„Es geht so.“ erwiderte sie. „Es ist in der letzten Zeit ziemlich viel liegengeblieben.“
Cole nickte.
„Wem sagen Sie das!“ Er machte eine bedeutungsvolle Kopfbewegung in Richtung Gregorys Bürotür. „Ist er da?“
Meg schüttelte bedauernd den Kopf.
„Tut mir leid, Cole, er ist bei Gericht und wird voraussichtlich heute gar nicht mehr ins Büro kommen. Zur Zeit läuft doch der Prozess gegen seine Frau wegen des Autounfalls, den sie verursacht hat.“
„Ja, ich erinnere mich.“ Cole setzte sich nachdenklich auf den Schreibtischrand. „Dabei wurde doch Casey Mitchum schwer verletzt, wenn ich mich recht erinnere. Wie geht es ihm?“
„Na ja, es hatte ihn ziemlich schlimm erwischt. Ganz langsam rappelt er sich wieder hoch, aber es wird bestimmt noch sehr viel Zeit vergehen, bis er wieder ganz der Alte ist, wenn überhaupt.“ Meg sah traurig aus, als sie das sagte, und man merkte sofort, dass ihr Caseys Schicksal sehr am Herzen lag.  
„Ich hoffe, er wird wieder ganz gesund.“ antwortete Cole ehrlich. „Ich weiß inzwischen selbst nur zu gut, wie hart es ist, wenn man sich jeden Tag ein kleines Stück von seinem alten Leben neu zurückerobern muß. Aber man darf sich nicht aufgeben, der Wille kann Berge versetzen!“
„Stimmt.“ nickte Meg, „Sie haben auch gekämpft, und wie man sieht, hat es sich gelohnt.“ Sie lehnte sich in ihrem Computerstuhl zurück. „Wann werden Sie wieder arbeiten können?“  
Cole lächelte etwas gequält.
„Deshalb bin ich hier. Ich wollte mir von Gregory meine Papiere holen. Irgendwo werden meine Jungs und ich schon wieder etwas finden.“
„Bleiben Sie denn nicht hier?“ fragte Meg erstaunt. „Der Auftrag läuft doch noch, und Arbeit gibt es auf der Baustelle mehr als genug!“
„Tja, das ist wohl wahr...“ Cole strich sich nachdenklich über die Stirn, „aber nach allem, was da zwischen Gregory und mir gelaufen ist, wird er mich wohl kaum weiterbeschäftigen wollen, nehme ich an. Schließlich war  er es, der für meinen Unfall damals verantwortlich war, und um das zu vertuschen, hat er meinen Krankenhausaufenthalt und alle Rehabilitations- Maßnahmen bezahlt.“
„Ja, ich weiß.“ antwortete Meg. „Das haben Sie übrigens Ben zu verdanken, dass Gregory sich damals so loyal verhalten hat. Ben hat ihn durchschaut, und in solchen Sachen geht er keine Kompromisse ein.“
Cole lächelte.
„Das hatte ich fast schon vermutet. Dann habe ich Ben Evans eine ganze Menge zu verdanken, wie mir scheint.“
„So ist es, Cole.“ erklang Bens Stimme. Unbemerkt von den beiden stand er an der Tür zu seinem Büro, die Hände in den Hosentaschen und ein zufriedenes Grinsen in den Mundwinkeln. „Und ich weiß auch schon, wie Sie das wieder gutmachen können.“
Cole erhob sich und zog fragend die Augenbrauen hoch. Ben ging auf ihn zu und streckte ihm seine Hand entgegen.
„Arbeiten Sie weiter für mich, Cole. Sie und Ihr Team, zu den gleichen Konditionen wie bisher, nur mit dem Unterschied, dass ich ab sofort Ihre Lohnschecks unterschreibe, und nicht Gregory.“
Cole starrte ihn einen Augenblick lang ungläubig an, doch dann zog ein Lächeln über sein Gesicht.  
„Ich wüßte nicht, was ich lieber täte, Ben!“ meinte er und schlug ein. „Sie werden es nicht bereuen!“  
Mit einem festen Handschlag besiegelten die beiden Männer den neuen Arbeitsvertrag.

Jeany

 

 

Lächelnd betrachtete Sara das kleine Päckchen in ihrer Hand. Eine kleine Schleife in neutraler Farbe zierte das Geschenk. Nachdem sie von Dr. Ambrose das Geschlecht des Babys erfahren hatte, war ihr die Idee gekommen, Derek auf besondere Weise damit zu überraschen. Zum Glück gab es innerhalb des Krankenhaus-Komplexes eine kleine Boutique, die sich auf Babykleidung spezialisiert hatte, und Sara wurde dort schnell fündig. Die Verkäuferin an der Kasse hatte sie wissend angelächelt und neutrales Geschenkpapier und Band zum Einpacken verwendet.

"Damit die Überraschung erhalten bleibt!" hatte sie gemeint.

Sara ging vor dem Taxi-Stand nervös auf und ab, während sie immer wieder einen Blick auf ihre Uhr warf. Wo steckte Derek nur? fragte sie sich. Ein Formular auszufüllen konnte doch nicht so lange dauern! Ein Taxi hielt neben ihr, und der Fahrer sprach sie an.

"Kann ich Sie mitnehmen, Miss?" fragte er höflich. Sara schaute auf ihre Uhr. Nur noch 15 Minuten bis ihr Flugzeug nach Sunset Beach abheben würde!

"Können Sie mir sagen, wie lange Sie zum Flughafen brauchen würden?" fragte Sara. Der junge Taxifahrer kratzte sich nachdenklich am Kopf.

"Sie haben's eilig, was?" stellte er fest. Sara nickte.

"Nun ja," fuhr er fort, während er breit grinste," wenn Sie bereit sind, das Strafmandat für mich zu zahlen, dann schaffen wir es in 5 Minuten."

Sara rang mit sich. Fieberhaft überlegte sie, was sie tun sollte. Auf Derek zu warten wäre zwecklos, denn dann würden sie es sicher nicht mehr rechtzeitig bis zum Abflug schaffen. Sara steckte das kleine Kästchen in ihre Jackentasche.

"Okay," stimmte sie zu und nahm auf dem Beifahrersitz platz. "Dann geben Sie mal Gas!"

Der Fahrer grinste und tat, wie ihm befohlen wurde, und mit quietschenden Reifen fuhr das Taxi los.

Mona

 

 

"Ich rufe die Zeugin Gabriela Martinez auf", erklärte der Staatsanwalt.

"Die Zeugin Gabriela Martinez bitte in den Zeugenstand", ertönte draußen die Durchsage.

Gabi atmete tief durch, bekam ein aufmunterndes Lächeln von Vanessa und betrat den Gerichtssaal. Nachdem sie im Zeugenstuhl Platz genommen hatte und vom Richter über ihre Wahrheitspflicht aufgeklärt wurde, begann der Staatsanwalt mit seiner Befragung.

"Miss Martinez, Sie waren bei dem Unfall, bei dem Mr Mitchum verletzt wurde, ebenfalls zugegen."

"Ja", bestätigte Gabi.

"Bitte sagen Sie mir, was aus Ihrer Sicht geschehen ist."

Gabi überlegte einen Moment

"Ich hatte versucht, zwischen Casey Mitchum und Ricardo Torres zu schlichten", sagte sie dann. "Die beiden hatten eine Auseinandersetzung, die in einem handfesten Streit geendet ist."

"Was ist dann geschehen?", fragte der Staatsanwalt.

"Sie haben sich geprügelt, auf der Straße", sagte Gabi. "Dann kam das Auto. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass Mrs Richards am Steuer saß. Es fuhr schnell und in Schlangenlinien. Ich habe die beiden noch gewarnt, dann bin ich zur Seite gesprungen. Es war ein Reflex. Und als ich mich wieder aufgerappelt habe, habe ich gesehen, wie auch Ricardo, Mr Torres meine ich, in Sicherheit war. Und dann wurde Casey Mitchum von dem Wagen erfasst und durch die Luft geschleudert. Es war so schrecklich. Dieses... dieses schreckliche Geräusch, als er aufgeschlagen ist. Ich werde das nie vergessen. Dann hat es einen weiteren Knall gegeben, und als ich mich umgedreht habe, habe ich gesehen, dass der Wagen von Mrs Richards verunglückt ist."

"Aber zunächst hatten Sie nur auf Mr Mitchum geachtet."

"Ja".

"Miss Martinez, ich frage Sie noch einmal, da Sie im Gegensatz zu Mr Torres und dem abwesenden Mr Mitchum nicht durch den Streit abgelenkt waren, ist Mrs Richards zu schnell und Schlangenlinien gefahren?"

"Ja, das ist sie", sagte Gabi mit fester Stimme.

Hickengruendler

 

 

Der Staatsanwalt hatte seine Befragung beendet und nun kam Gregory wieder zu Wort.

"Miss Martinez", sagte er, "wir haben schon einiges darüber gehört, dass Mr Mitchum eine, nun sagen wir, handfeste Auseinandersetzung mit Mr Torres hatte. Was wir aber noch nicht wissen, ist der Grund dafür."

"Ich habe Ihnen doch bereits gesagt, dass der Grund irrelevant ist", rief Ricardo.

"Bitte Ruhe im Saal", unterbrach ihn der Richter. "Sie als Polizist sollten das eigentlich wissen, ohne dass ich Sie darüber informiere, Mr Torres."

Ricardo verstummte.

"Miss Martinez", erklärte der Richter. "Ich erinnere Sie noch einmal daran, dass Sie die Frage nicht beantworten müssen, wenn Sie nicht möchten."

"Schon gut, ich möchte", sagte Gabi.  "Ich war der Grund", erklärte sie dann. "Sie haben sich wegen mir gestritten."

Gregory nickte.

"Dann machen Sie sich doch bestimmt Vorwürfe, nicht wahr, Miss Martinez?"

"Ähm, ja..."

"Natürlich tun Sie das", erwiderte Gregory. "Sie geben sich die Schuld an Casey Mitchums Zustand. Das ist ja auch nur zu verständlich. Wer würde das nicht. Ich kann auch gut verstehen, dass Sie verzweifelt nach einem weiteren Schuldigen suchen."

"Nein", sagte Gabi, so ist das nicht.“

"Einspruch", rief der Staatsanwalt.

"Stattgegeben", erwiderte der Richter.

"Aber meiner Frau die Schuld zu geben wird Ihr Gewissen nicht beruhigen", fügte Gregory unbeirrt hinzu.

"Einspruch", polterte der Staatsanwalt noch lauter.

"Stattgegeben", wiederholte der Richter. "Mr Richards, ich warne Sie, solche Vorführungen vor Gericht in Zukunft zu unterlassen."

"Keine weiteren Fragen", sagte Gregory.

Hickengruendler

 

 

Auf dem kurzen Weg zum Flughafen fragte sich Sara die ganze Zeit, ob sie auch die richtige Entscheidung getroffen hatte. Sie hatte aus einem Impuls heraus gehandelt und war sich nun gar nicht mehr so sicher, daß Derek die gleich Idee wie sie gehabt hatte und auch weiter zum Flughafen gefahren war, um die Maschine noch rechtzeitig zu bekommen.

Der Taxifahrer hatte das Flughafengelände erreicht und bremste den Wagen ruckartig ab.

"Da wären wir, Miss," sagte er, während er den Zähler seiner Uhr anhielt. Sara drückte ihm einen Geldschein in die Hand.

"Passt so!" sagte sie, während sie die Beifahrertür öffnete und ausstieg. "Vielen Dank nochmal." Der Fahrer grinste.

"Ich hoffe, die Mühe hat sich gelohnt und sie bekommen ihren Flieger noch!"

Sara lächelte gezwungen. Der Fahrer nickte ihr noch einmal zu und startete dann wieder seinen Wagen. Sara sah auf die Uhr. Noch 8 Minuten bis zum Abflug! Sie sah sich auf dem Parkplatz um, doch von der Limousine des Bonaventure Hotels keine Spur. Mutlosigkeit überkam sie. Was hatte sie getan? Ohne nachzudenken war sie einfach ins Taxi gestiegen, ohne Derek eine Nachricht zu hinterlassen. Wahrscheinlich war er jetzt gerade im Krankenhaus, um sie abzuholen!

Sara schüttelte den Kopf. Diese Stadt war verhext! Seitdem sie hier angekommen waren, war alles nur schief gegangen. Mißmutig betrat sie das Flughafengebäude und ging zu einem der Schalter hinüber.

"Auf den Namen "Evans" wurden zwei Flugtickets reserviert," sagte sie zu dem jungen Mann hinter dem Tresen. Dieser nickte und schaute dann in seinem Karteikasten nach den reservierten Karten. Bedauernd schüttelte er dann den Kopf.

"Es tut mir leid," sagte er dann. "Ich habe keine Reservierung auf den Namen "Evans" ..."

Mona

 

 

Nachdem Annie geduscht und sich zurechtgemacht hatte, beschloß sie, sich ein ausgiebiges Frühstück in der Hotelbar zu leisten, um in Ruhe über alles nachzudenken. Sie fuhr mit dem Lift hinunter und suchte sich einen kleinen Ecktisch, wo sie sich Kaffee, Orangensaft und Toast mit Ananas- Konfitüre bestellte.
Nachdem der Kellner ihre Bestellung aufgenommen und sich wieder entfernt hatte, sah sie sich gelangweilt um. Momentan war es ziemlich ruhig in der Hotelbar, nur wenige Besucher gönnten sich um diese fortgeschrittene Vormittagszeit noch ein Frühstück, einige saßen auch nur bei einem Drink zusammen, unterhielten sich oder lasen die Zeitung, wie der Herr am Nebentisch, den Annie nicht sehen konnte, weil sein Gesicht gänzlich hinter dem „Sunset Sentinel“ verschwunden war.
Nach ein paar Minuten, die Annie wie eine Ewigkeit erschienen, brachte der Kellner ihre Bestellung. Grimmig starrte sie ihm entgegen.
„Na endlich, warum hat das so lange gedauert?“
„Verzeihung, Ma`m“ antwortete der Kellner beleidigt, „der Kaffee ist frisch gebrüht, und die Zubereitung der Toastscheiben...“
„Ja ja, sparen Sie sich das.“ unterbrach sie ihn barsch und winkte nur ab, während sie einen Schluck von dem Orangensaft nahm. „Ich hoffe, der ist auch frisch gepresst.“ stichelte sie und grinste, als sie sah, wie der Kellner hörbar ausatmete, weil er sonst sicherlich geplatzt wäre. „Schreiben Sie mein Frühstück auf die Rechnung von Mister Deschanel.“
„Wie Sie wünschen, Ma`m“ antwortete er, und es war ihm anzusehen, dass er statt „Ma`m“ viel lieber etwas anderes gesagt hätte. Mit einem mißbilligenden Blick entfernte er sich.
Annie bestrich sich eine Toastscheibe mit reichlich Butter und Konfitüre, und während sie herzhaft hineinbiß und noch genüsslich kaute, kramte sie mit der anderen Hand ihr Handy aus der Tasche und wählte Bettes Nummer.
„Hallo Tante Bette“ rief sie, immer noch kauend, „ja, ich bin es, Annie, Deine Lieblingsnichte, wer sonst!... Mh, ja, danke, es schmeckt... nein, ich schmatze nicht, das ist eine Störung in der Leitung!... nein, es ist nichts passiert, nun laß mich doch mal ausreden, ich wollte wissen, wann Du nach Hause kommst... was?... am Flughafen?... ja, ich versteh Dich ganz schlecht... hallo? Tante Bette?... oh verdammt!“ Wütend knallte sie das Handy auf den Tisch. „Wozu bezahle ich meine Gebühren, wenn man nicht mal ein einfaches Telefongespräch führen kann, ohne dass die Leitung zusammenbricht?“ knurrte sie und widmete sich wieder ihrem Toast.
 
Über den Rand des Sentinel hinweg beobachteten sie unbemerkt zwei dunkle Augen, um die sich angesichts dieser kuriosen Vorstellung, die sie bot, zahlreiche attraktive Lachfältchen bildeten.

Jeany

 

 

Satt und fast zufrieden lehnte sich Annie wenig später zurück und schloß für einen Moment die Augen. Sie würde jetzt einen kleinen Strandspatziergang machen und dann nach Hause gehen und sich ein schönes Schaumbad einlassen. Wenn Bette bereits am Flughafen war, dann würde es sicher nicht mehr lange dauern, bis sie hier aufkreuzte, mit Ehemann Nummer Acht im Marschgepäck, und dann war es sowieso mit der Ruhe vorbei...
Außerdem wurde es Zeit, sich nach einer anderen Wohnung umzusehen, denn jetzt, wo Bette nicht mehr allein lebte, wäre mit Sicherheit einer zuviel im Haus, und dieser Sam sah nicht danach aus, als ob er sich auf Dauer Annies Eskapaden bieten lassen würde. Vor ein paar Tagen hatte sie noch erwogen, zu Cole zu ziehen und sich mit ihm gemeinsam nach einer geeigneten Wohnung umzusehen, denn das Hotel war auf Dauer viel zu kostspielig für ihn, seitdem Gregory nicht mehr für die Kosten aufkam. Aber nach dem Streit mit Cole gestern abend und ihren zwiespältigen Gefühlen, seit Bens Bruder plötzlich in Sunset Beach aufgetaucht war, wußte sie nicht, ob das wirklich so eine gute Idee war.
 
Ein bedeutungsvolles Räuspern holte sie aus ihren Gedanken.  
Der Kellner stand mit Quittungsblock und gezücktem Stift vor ihr und sah sie von oben herab schadenfroh an.
„Es tut mir leid, Ma`m, aber ich kann Ihr Frühstück nicht auf die Rechnung von Mister Deschanel setzen, er hat bereits alles bezahlt, da er anscheinend heute im Laufe des Tages beabsichtigt, das Hotel zu verlassen.“
„Waaas?“ Schockiert über diese unerfreulichen Neuigkeiten richtete sich Annie kerzengerade auf. „Was soll das heißen?“
„Nun, das soll heißen, dass Sie Ihre Rechnung wohl selbst bezahlen müssen.“
Annie holte tief Luft.
„Dann... soll Mister Deschanel die Rechnung begleichen, wenn er später seine Sachen holt.“ versuchte sie die Sache zu regeln. Der Kellner zog überlegen die Augenbrauen hoch und schüttelte den Kopf.
„Tut mir leid, Ma`m, aber darauf kann ich mich nicht verlassen.“
„Ich habe aber kein Geld dabei!“ erklärte Annie, inzwischen ziemlich kleinlaut. „Soll ich vielleicht mit in die Küche kommen und abwaschen?“
„Das lassen unsere Hygienebestimmungen leider nicht zu.“ antwortete der Kellner, der diese peinliche Situation nach den Beleidigungen, die er zuvor durch die Dame hatte hinnehmen müssen, sichtlich genoß. „Aber Sie können ja im Büro des Hotelchefs warten, bis Mister Deschanel hier auftaucht.“
„Das kommt überhaupt nicht in Frage!“ brauste Annie erbost auf. „Was erlauben Sie sich eigentlich?“
Der Herr am Nebentisch faltete amüsiert seine Zeitung zusammen.  
„Kann ich Ihnen vielleicht behilflich sein, Annie?“
Sie fuhr herum und sah sich Ted Evans gegenüber.
„Ich... ich weiß nicht“ stotterte sie, weil ihr die Situation ziemlich peinlich erschien, doch der Kellner fiel ihr sogleich siegessicher ins Wort.
„Die Dame kann ihre Rechnung nicht bezahlen, Sir!“
„Halten Sie doch den Mund, Sie ...“ Schnell würgte sie das Wort hinunter, das ihr auf der Zunge lag. „Ich kann diese Rechnung sehr wohl bezahlen, ich hab nur momentan kein Kleingeld bei mir!“
„Wir nehmen auch Schecks.“ säuselte der Kellner zynisch.
Ted trat heran und warf ihm einen mißbilligenden Blick zu.
„Nun hören Sie schon auf zu grinsen und geben Sie her!“ meinte er und schnappte sich die Rechnung, während er mit der anderen Hand einen Geldschein lässig aus der Hosentasche zog und dem Kellner reichte. „Stimmt so. Ich denke, damit ist diese Angelegenheit geregelt.“
„Sehr wohl, Sir.“ Mit säuerlicher Miene eilte der Kellner davon.
Ted zog sich einen Stuhl heran und setzte sich zu Annie.
„Alles in Ordnung?“
„Das hätten Sie nicht tun müssen.“ meinte sie abweisend. „Was erwarten Sie denn jetzt von mir?“
Ted lachte und ergriff ihre Hand.
„Wie wäre es mit einem Lächeln und einem einfachen Dankeschön?“
Annie sah ihn irritiert an und zog ihre Hand weg.
„Ich gebe Ihnen das Geld nachher sofort zurück.“ sagte sie abweisend.
Sein Lächeln verschwand.
„Vergessen Sie es, Annie.“ entgegnete er und stand auf. „Es war mir eine Freude, Sie zum Frühstück einzuladen. Bye.“
„Wo wollen Sie denn hin?“ rief Annie, erschrocken über die Tatsache, dass er einfach wegging und sie hier allein sitzen ließ. Er blieb kurz stehen und drehte sich um.
„Ich gehe zum Strand hinunter.“
„Warten Sie, Ted, ich... ich komme mit!“ Eilig sprang sie auf und folgte ihm zum Ausgang.

Jeany

 

 

Für einen Augenblick hatte Sara das Gefühl, als ob sich der Boden unter ihr auftun würde. Leicht schwankend hielt sie sich am Tresen fest.

"Was meinen Sie damit - Sie hätten keine Reservierung auf den Namen "Evans"?" fragte sie schwach. Der junge Mann lächelte.

"Wie ich es gesagt habe," entgegnete er. "Ich habe hier weder eine Reservierung vorgemerkt noch Tickets."

Sara atmete hörbar ein.

"Aber das kann doch nicht sein!" sagte sie verzweifelt. Der junge Mann hinter dem Tresen blieb ruhig.

"Wohin möchten Sie denn fliegen?" fragte er freundlich. "Vielleicht gibt es in der Maschine noch freie Plätze."

Sara schaute auf die Uhr.

"Es ist eh zu spät," stellte sie resigniert fest. "Sunset Beach ..." murmelte sie dann.

Der junge Mann grinste.

"Kein Wunder, daß ich keine Reservierung habe. Sie sind am falschen Schalter, Miss!" Er wies auf eine Anzeigetafel über sich. "Ich bin zuständig für europäische Fluglinien," erklärte er. "Mein Kollege nebenan bearbeitet die Reservierungen für die Inlandsflüge."

Noch bevor Sara sich Gedanken über dieses Mißverständnis machen konnte, hörte sie plötzlich, wie jemand ihren Namen rief. Erschrocken drehte sie sich um und stand Derek gegenüber ...

Mona

 

 

Bette klappte Ihr Handy zusammen.

„Tja, da war die Verbindung wohl nicht stabil genug.“

„Du kannst Annie ja gleich noch mal anrufen, wenn wir im Auto sind. Hier am Hanger ist der Funkverkehr wohl zu stark und beeinträchtig das Handynetz.“ Sam half dabei, dem Piloten der Liberty Corporation das Gepäck aus zuladen und auf einen Gepäck in seinen Van umzuladen „Sag mal, ich kann mich gar nicht erinnern, dass wir so viel Gepäck auf dem Hinflug hatten.“ Er grinste dabei Bette an.

„Big Boy, Du vergisst, dass wir auf dem Hinflug Emily noch nicht dabei hatten. Zwangsläufig haben wir mehr Gepäck.“ lächelte Bette.

„Das stimmt schon, aber komischerweise gehören Emily nur ein Koffer und eine Reisetasche. Wir können nur glücklich sein, dass Ben uns den Jet der Liberty Corporation geschickt hat, ansonsten hätten wir bestimmt Probleme bei der Gepäckaufgabe gehabt.“ Sam verstaute den letzten Koffer in den Van und schloss die Hecktür. Dann drehte er sich zu Bette um.

„Wollte Annie denn was wichtiges?“

Bette zuckte mit den Schultern.

„Kann ich nicht genau sagen, ich konnte sie ganz schlecht verstehen. Das einzigste was ich verstanden habe war, dass sie wissen wollte, wann wir zurückkommen.“

Sam ging um seinen Van herum und öffnete die Seitentür für Emily.

 „Oh, da wird Sie aber überrascht sein, dass wir schon hier sind. Hast Du Annie eigentlich schon darauf vorbereitet, dass Du Deine Tochter mit nach Hause bringst?“

Bette seufzte.

„Nein und so wie ich Annie kenne, wird es bestimmt nicht ohne eine Szene abgehen. Darum wollte ich es Ihr auch nicht am Telefon sagen.“

„Aber Emily ist schließlich Deine Tochter und Annie, versteh mich jetzt nicht falsch, ist nur Deine Nichte.“ wandte Sam ein.

„Ja schon, aber in Annies bisheriges Leben, war ich die einzige Person, auf die sie sich immer verlassen konnte und die immer zu ihr gehalten hat.“ Bette seufzte noch einmal.  „Mein lieber Bruder Del hat alles getan, dass seine junge Frau damals, als Annie noch ganz klein war, das Weite gesucht hat. Dels Erziehung von Annie sah so aus, dass er ihr zuerst jeden Wunsch von den Augen abgelesen hat und ihr alles gekauft hat, was sie wollte und plötzlich vor ein paar Jahren, hat er seine Taktik geändert und ihr den Geldhahn komplett abgedreht. Ich war die einzige Zuflucht, die Annie dann hatte.“

Sam legte seinem Arm um Bette und drückte sie an sich.

„Du hast Dein Bestes getan, aber ich denke, es wird Zeit, dass Annie Douglas auch mal erfährt, dass sie nicht der Nabel der Welt ist. Sie wird bestimmt toben und wütend sein, aber sie muss auch begreifen, dass Du eine wunderbare Tochter hast, die Du über alles liebst und die bei Dir wohnen wird. Annie muss sich entweder damit abfinden oder gehen.“

„Das sagst Du so einfach.“ seufzte Bette.

„Weißt Du was? Wir fahren jetzt erst einmal zu Dir nach Hause und warten ab, wie Annie reagiert. Vielleicht überrascht Sie uns ja.“

Bette gab Sam einen Kuss.

„Ach Sam, was habe ich die ganzen Jahre nur ohne Dich gemacht?“

„Auf mich gewartet.“ lachte Sam.  „Und nun lass uns endlich nach Hause fahren.“

Meg

 

 

Schweigend schlenderten Annie und Ted nebeneinander am Strand entlang. Ein frischer Wind hatte sich erhoben, und hohe Wellen klatschten tosend an die Kaimauer, an der sie gerade vorbeikamen. Plötzlich blieb Annie stehen und sah Ted forschend an.
„Sie haben mir schon zweimal aus der Klemme geholfen. Warum?“
„Was wollen Sie denn jetzt hören?“ meinte er lachend und drehte sich zu ihr um. „Dass ich Sie schon mein ganzes Leben lang gesucht habe, dass mich Ihr unverwechselbarer Charme magisch anzieht und dass ich jede Nacht von Ihnen träume?“
„Wie Ben...“ dachte Annie, als sie ihn so dort stehen sah, mit den vom Wind zerzausten Haaren, die Hände in die Hüften gestemmt und die Augen leicht zusammengekniffen.
„Hören Sie schon auf, Ted, veralbern kann ich mich selber!“ meinte sie verärgert und wollte schon weitergehen, als er plötzlich auf sie zukam und sie hochhob.
„He, was soll denn das?“ Erschrocken krallte sie sich an seinen Schultern fest, als sie merkte, wie beängstigend nah an die Kaimauer herantrat. „Sind Sie wahnsinnig? Lassen Sie mich sofort runter!“
„Bitte...“ sagte er ungerührt.
„Was?“ Annie klammerte sich noch fester und schaute ihn mit angstvollem Blick irritiert an.
„Sagen Sie „bitte“, Annie! Ich möchte nur ein einziges Mal dieses Wort aus Ihrem Mund hören... genauso wie das Wort „danke“, wenn ich Sie vielleicht gleich loslasse und Sie nicht hinuntergefallen sind!“
Annie starrte ihn an, als hätte er eben von ihr verlangt, sie solle einen Besen verspeisen.  
„Das darf doch wohl nicht wahr sein!“ sprudelte sie ungehalten los und strampelte hilflos mit den Beinen, „Sie sind ja total übergeschnappt, wo sind wir denn hier, im Kindergarten oder was?! Lassen Sie mich jetzt sofort los, Ted Evans, oder...“
Einige Strandspatziergänger sahen im Vorbeigehen amüsiert zu ihnen herüber.
„Oder was?“ fragte er ungerührt und trat noch einen Schritt näher an die Mauer. Sofort hörte Annie auf zu zappeln und schlang ihre Arme panisch um seinen Hals.
„Sie... Sie...  bitte!“ Das klang sehr kläglich, und Ted drehte sich sofort mit ihr von der Mauer weg und setzte sie sanft ab.
„Und jetzt... danke!“ grinste er und hielt sie immer noch ziemlich fest.
Annie war einen Moment lang von seinen Augen, die so gefährlich nahe waren, wie hypnotisiert. Dann aber gewann ihre Wut wieder die Oberhand und sie holte tief Luft, um ihm gehörig die Meinung zu sagen. Da tat Ted etwas, womit sie absolut nicht gerechnet hatte:  
er beugte sich vor und küßte sie.
Ihr erster Impuls war sich zu wehren, doch als sie seine Lippen spürte, erstarb ihr Widerstand und sie gab sich dieser unerwarteten Zärtlichkeit voller Leidenschaft hin.  
Es waren Sekunden, in denen sie glaubte zu schweben. Die Wut war mit einem Schlag verraucht, und mit ihr alle Vorsicht, Einwände und guten Vorsätze. Hätte Ted in diesem Moment von ihr verlangt, sie solle mit ihm nach Alaska gehen, sie wäre ihm bedingungslos gefolgt.
Augenblicke später aber löste er sich von ihr und sah sie ernst an.
„Laß mich eines klarstellen, Annie.... ich mag Dich, aber ich bin nicht Ben! Und ich will auch kein Ersatz für ihn sein.“
„Ted, ich...“
„Bevor Du Dir nicht über Deine Gefühle vollkommen im klaren bist und Deine Beziehung zu diesem jungen Mann von gestern abend geklärt hast, wollen wir`s vorerst lieber dabei belassen, einverstanden?“
Er küßte sie noch einmal flüchtig auf die Wange und ging davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Annie sah ihm nach und fühlte sich so hilflos, wie schon lange nicht mehr.
„Nein, ich bin nicht einverstanden, Ted Evans, ganz und gar nicht!“ murmelte sie völlig aufgelöst und widerstand angesichts der zahlreichen Strandbesucher nur mühsam dem Drang, wütend wie ein kleines Kind mit den Füßen aufzustampfen, um dem Gefühlschaos in ihrem Inneren Luft zu machen.
 
Oben auf der Strandpromenade hinter den Dünen stand Cole und hatte das Ganze beobachtet. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem bitteren Lächeln und er nickte unmerklich, als hätte er das, was er eben sah, bereits geahnt.
„Das war`s dann wohl für uns, Annie.“ murmelte er, und die Enttäuschung stand ihm ins Gesicht geschrieben, als er sich umdrehte und langsam davonging.