Der Strand der untergehenden Sonne    Teil 12

 

 

Derek gebot Saras Begrüßungsansturm Einhalt, indem er nach ihrer Hand griff und sie mit sich zog. "Du hast später noch Zeit, Dich über unser Wiedersehen zu freuen!" sagte er knapp. "Jetzt müssen wir unseren Flieger kriegen!"

Sara warf dem jungen Mann hinter dem Tresen noch einen entschuldigenden Blick zu, bevor sie Dereks Aufforderung folgte. Gerade noch rechtzeitig erreichten sie den Flugsteig, und nachdem sie eingecheckt hatten, gingen sie als letzte an Bord. Derek half Sara beim Anschnallen, ehe er sich selber neben sie setzte und schweigend geradeaus starrte.

Verstohlen sah Sara ihn von der Seite an.

"Bist Du böse?" fragte sie vorsichtig. Derek holte tief Luft, bevor er ihre Frage beantwortete.

"Nein, wieso sollte ich?" fragte er in sarkastischem Ton. "Ich bin es ja mittlerweile gewohnt, daß Du Dich an keine Absprachen hältst!" stieß er bitter hervor. Sara sah ihn wütend an.

"Moment mal!" begehrte sie auf. "Wer hat sich denn nicht an unsere Absprache gehalten, mich beim Krankenhaus abzuholen?"

Sichtlich irritiert sah Derek sie an.

"Ich bin dort gewesen!" erklärte er zu seiner Entschuldigung. "Ich war an der Information, und dort sagte man mir, daß die Untersuchung bereits abgeschlossen wäre und Du schon gegangen wärst. Ich habe dann noch ca. 15 Minuten vor der Tür auf Dich gewartet, und als Du nicht auftauchtest, habe ich dem Chauffeur die Anweisung gegeben, zum Flughafen zu fahren. Wo zum Teufel hast Du gesteckt?" fragte Derek aufgebracht. Sara schluckte. Es war ihr gar nicht aufgefallen, daß sie sich so lange in der Baby-Boutique aufgehalten hatte! Verlegen und mit rotem Kopf sah sie ihn an.

"Ich  - ich ..." stotterte sie. "Es tut mir leid ..." Ihre Stimme brach und Tränen rollten über ihr Gesicht. Irritiert von ihrem Verhalten legte Derek beschützend einen Arm um Sara.

"Deshalb musst Du doch nicht gleich weinen," sagte er leise, während er mit dem Daumen sanft eine Träne wegwischte. "Wir haben uns eben verpasst," fügte er beschwichtigend hinzu. "Zum Glück hatten wir ja dieselbe Idee, ... ich meine, hierherzufahren."

Sara nickte unter Tränen. Plötzlich kam Derek der Gedanke, daß Saras Traurigkeit vielleicht gar nichts mit ihm zu tun hatte sondern mit dem Untersuchungsergebnis. Besorgt sah er sie an.

"Was hat die Untersuchung ergeben?" fragte er beunruhigt. "Ist alles in Ordnung mit Dir und dem Baby?"

Sara nickte.

"Ja, alles okay."

Derek sah sie nachdenklich und stirnrunzelnd an. So ganz konnte er den Grund ihres Gefühlsausbruches nicht verstehen, aber er tröstete sich damit, daß es wohl in Saras Zustand ganz normal war, etwas überzogen auf alles zu reagieren.

Der Pilot machte seine Ansage, und kurze Zeit später hörte man das Brummen der Motoren. Sara schaute aus dem Fenster, während das Flugzeug langsam die Startbahn hinunterrollte. Instinktiv griff sie in ihre Jackentasche, wo sich immer noch das kleine Geschenkpäckchen befand. Sie war erleichtert, daß sie ihr kleines Geheimnis noch ein bisschen länger für sich behalten konnte. Schließlich brauchte diese besondere Mitteilung einen dem Anlaß entsprechenden Rahmen! Vielleicht bei Kerzenschein, Musik, einem der wunderbaren Sonnenuntergänge in Sunset Beach ... Sara lächelte still vor sich hin, während sich das Flugzeug in die Lüfte erhob und in den Wolken verschwand.

Mona

 

 

In Annies Herzen tobte ein Sturm der Gefühle. Einerseits hatte ihr der Kuss viel bedeutet, andererseits war sie wütend auf Ted Evans und die Art, wie er sie hatte stehen lassen. Das war ihr noch nie passiert. Normalerweise tanzten die Männer nach ihrer Pfeife, und sie benutzte sie, wie sie wollte. Aber so wie Ted hatte sich ihr gegenüber noch nie ein Mann benommen. Das hatte noch keiner gewagt. Ben hatte sie zwar auch immer bestimmt von sich weggeschoben, aber er hatte Annie auch noch nie so leidenschaftlich geküsst. Unbewusst hatte tastete Annie, mit der rechten Hand, nach den immer noch leicht geschwollenen Lippen. Eine weitere Welle der Wut stieg in ihr auf.

„Na warte Ted Evans, dass wirst Du mir büßen.“ schwor sie sich und stapfte in Richtung Ocean Avenue davon. Schon von weitem sah sie, dass der Van von Sam vor der Haustür stand.

„Oh nein, genau dass, was ich jetzt gebraucht habe. Tante Bette und ihr „Bald- Schon- Ehemann“ Nr. 8.“ stöhnte Annie auf. Eigentlich hatte sie sich auf ein entspannendes Bad im Whirlpool gefreut, um Ihre Gedanken wieder zu beruhigen und zu überlegen, wie sie es Ted Evans heimzahlen konnte.

Als sie näher kam, sah sie, dass eine junge Frau, mit schulterlangen rotblonden Haar dabei war, die letzte Reisetasche aus dem Van auszuladen.

„Na wenigstens scheint Sam ja heute nicht hier bleiben zu wollen, denn sonst hätte er bestimmt niemanden aus dem Sunset Inn mitgebracht, der ihnen mit dem Gepäck helfen würde.“ Entschlossen folgte Annie der jungen Frau, die gerade das Haus betreten hatte und die Reisetasche im Wohnzimmer abstellte. Zu Annies Ärger, begann dieses junge, freche Ding sich ungeniert im Wohnzimmer umzusehen.

„Ich hoffe die Einrichtung sagt Ihnen zu!“ fuhr Annie, ohne Vorwarnung, die junge Frau vor sich an. Diese fuhr herum und eine schamhafte Röte legte sich über ihr hübsches, aber ungeschminktes Gesicht. Annie rümpfte die Nase. Sie konnte nicht verstehen, dass eine junge Frau ohne Make up und in ausgeschlissenen Jeans und T-Shirt herumlaufen konnte. Ein wenig Make up und ein schickes, kurzes Kleid würden hier bestimmt Wunder tun. Bevor die junge Frau etwas erwidern konnte, fischte Annie eine Dollarnote aus einer Vase, die auf dem kleinen Tisch neben der Haustür stand, heraus und drückte sie der jungen Frau in die Hand.

„Ich denke, dass dürfte als Trinkgeld reichen.“ Die junge Frau sah Annie sprachlos an.

„Äh.....“

„Ja vielen Dank noch einmal für Ihre Hilfe,“ energisch schob Annie die junge Frau zur Haustür hinaus „Ich bin mir sicher, Mr. Peterson wird Sie später noch ausreichend bezahlen.“

„Ich fürchte....“ begann die junge Frau, aber Annie fiel ihr ins Wort.

„Hören Sie, ich habe einen schrecklichen Vormittag hinter mir und habe jetzt weder die Lust, noch die Zeit, mich mit Ihnen zu befassen. Und ich denke, meine Tante wird sich jetzt nach der langen Reise auch ausruhen wollen. Fahren Sie einfach ins Sunset Inn zurück, Mr. Peterson wird Sie dort schon finden.“ Annie funkelte die junge Frau an. „Oder war das etwa nicht genug Trinkgeld?“

„Anna Claire Douglas,“ hörte Annie plötzlich die Stimme Ihrer Tante hinter sich „was fällt Dir ein, so mit Emily zu reden und umzugehen!“

Annie verdrehte die Augen. Was hatte sie denn jetzt schon wieder angestellt? Ging denn heute alles schief? Sie drehte sich zu ihrer Tante um und legte ein zuckersüßes Lächeln auf.

„Tante Bette, wie schön, dass Du wieder da bist. Wie war die Reise?“

Zu Annies Überraschung schob sich ihre Tante an ihr vorbei und zog die junge Frau wieder ins Haus „Tut mir leid, Emily, ich glaube ich hätte Dich besser auf Annie vorbereiten sollen.“

Verständnislos blickte Annie ihre Tante und die junge Frau an.

„Kann mir vielleicht jemand mal erklären, was hier vor geht?“ fragte sie. Bette legte ihren Arm um die junge Frau.

„Das ist meine Tochter Emily Davis. Emily, dass ist meine Nichte, also Deine Cousine Annie. Leider fehlt es ihr oft an guten Manieren.“

„Deine was?“ mit weit aufgerissenen Augen starrte Annie Bette an. Die verdrehte die Augen und klopfte mit Ihrer Faust an Annies Stirn.

„Hallo ist jemand zu Hause? Poopsie, wenn Du mir ausnahmsweise mal zugehört hättest, bevor ich abgereist bin, dann hättest Du mitbekommen, das wir nach Chicago gereist sind, um meine Tochter Emily zu suchen.“

Richtig, ganz verschwommen konnte sich Annie nun wieder daran erinnern, dass Bette so was vor Ihrer Abreise gesagt hatte.

„Und was macht sie jetzt hier?“ fragte Annie.

„Sie wohnt jetzt für eine Weile bei mir, ganz einfach.“ antwortete Bette.

Meg

 

 

Emily lächelte Annie an und streckte ihr die Hand entgegen.

„Nett Dich kennen zu lernen.“

Widerwillig nahm Annie die angebotene Hand und schüttelte sie kurz.

„Hi Emily, wie lange bleibst Du?“

„Annie wo bleiben denn Deine Manieren.“ Bette schüttelte Ihren Kopf. „Emily ist meine Tochter und darf bleiben, so lange sie will. Haben wir uns da verstanden?“

Annie merkte, dass sie bei ihrer Tante die Grenze fast erreicht hatte.

„Entschuldige Tante Bette, aber ich habe heute einen schlechten Tag. Seit ich aufgestanden bin, läuft einfach alles schief.“ Sie drehte sich um und ging ins Wohnzimmer. „Stell Dir mal vor, heute morgen wache ich in Coles Hotelzimmer auf und er ist weg. Zuerst dachte ich ja, er wäre nur zu Arbeit, aber als ich dann im Hotelrestaurant gefrühstückt habe, wurde mir mitgeteilt, dass das Frühstück nicht mehr auf Coles Rechnung gesetzt werden könne, da er bereits ausgecheckt habe. Stell Dir das mal vor, da lässt mich dieser Kerl einfach im Hotel sitzen, ohne etwas zu sagen. Du hättest mal dieses Grinsen von dem arroganten Kellner sehen sollen, Tante Bette.“

„Annie“ fiel Bette ihr ins Wort „das hört sich wirklich nach einem verkorksten Morgen an, aber ich bin mir sicher, dass Du Cole einen Grund geliefert hast, dass er einfach abgehauen ist.“

„Er hatte einfach die Nase voll und hat die Flucht ergriffen.“ murmelte Sam, der hinter Emily getreten war. Emily konnte gerade noch ein Glucksen unterdrücken.

„Mom, könntest Du mir vielleicht jetzt mein Zimmer zeigen? Ich würde gerne auspacken und dann an den Strand gehen. Es ist ein so herrlicher Tag.“ sagte Emily.

„Aber natürlich, ich komme sofort.“ Sam ging zu Bette hinüber und gab ihr einen Kuss. „Ich werde erst einmal ins Sunset Inn fahren und dort nach dem Rechten sehen.“

„Oh, musst Du wirklich schon gehen?“ fragte Bette enttäuscht.

„Ich fürchte ja, meine Schöne. Aber was hältst Du davon, wenn wir alle ganz groß ausgehen heute Abend? Ins Grenadine zum Beispiel?“

„Das kling gut.“ lächelte Bette.

„Gut, dann ist das abgemacht. Ich werde dort einen Tisch für acht reservieren. Ruf doch Meg und Ben an und lade sie auch mit ein.“ schlug Sam vor.

„Eine sehr gute Idee.“ lächelte Bette und küsste Sam.

„Wir sehen uns dann später, Big Boy.“

„Ich kann es kaum erwarten, meine Schöne.“ Sam winkte Emily und Annie zu und verließ das Haus.

Meg

 

 

„Dieser verflixte Verkehr", regte sich Casey auf. "So kommen wir nie rechtzeitig an."

Rae hantierte an ihrem Handy.

"Zwecklos, kein Empfang", murrte sie. "Wir hätten vom Krankenhaus aus anrufen sollen."

"Hinterher ist man immer schlauer".

"Was glaubt Richards eigentlich, was er damit gewinnen kann?", ereiferte sich Casey.

"Zeit", antwortete Rae. "Wenn das Urteil mal gesprochen ist und Mrs Richards freigesprochen wurde, kann sie nicht mehr nachträglich verurteilt werden."

"Verstehe", nickte Casey. "Und die Chance, dass Mrs Richards zusammenbricht, wenn sie mich sieht, ist Gregory wohl zu groß."

"Ja, das vermute ich auch", stimmte Rae zu.

Hickengruendler

 

 

"Ich rufe die Zeugin Vanessa Hart auf", sagte der Staatsanwalt.

Vanessa betrat den Zeugenstand. Während sie über ihre Wahrheitspflicht belehrt wurde, gingen ihr die unterschiedlichsten Gedanken durch den Kopf.

Wenn sie von ihrem Verdacht gegen Gregory erzählte, musste sie ihre Quelle nennen, und das würde Gabi in Schwierigkeiten bringen, da diese sich über ihre Schweigepflicht hinweggesetzt hatte.

"Haben Sie mich verstanden Miss Hart?", fragte der Staatsanwalt.

"Ja", nickte Vanessa, die die Belehrung schon von mehreren Verhandlungen als ehemalige Gerichtsreporterin kannte. Vanessa gab ihre Personalien und ihren Beruf an.

"Sie können uns etwas über die Geschehnisse am Nachmittag des Unfalls sagen?"

"Sehr richtig", nickte Vanessa.

"Aber Sie waren nicht am Unfallort?"

"Nein, aber ich bin kurz zuvor beinahe mit Mrs Richards zusammengestoßen. Im wahrsten Sinne des Wortes." Sie blickte scharf auf Olivia. "Sie fuhr Schlangenlinien und kam direkt auf mich zu."

Olivia stöhnte auf, und Gregory legte ihr seine Hand auf ihren Arm.

"Sie fuhr obendrein zu schnell, ich konnte ihr nur mit viel Glück ausweichen."

"Miss Hart, um wieviel Uhr war das?"

"Halb drei", sagte sie. "Ein oder zwei Minuten vor dem Unfall. Circa 600 Meter von der späteren Unfallstelle entfernt."

Hickengruendler

 

 

"Miss Hart", begann Gregory. "Sie wissen doch, was ein amtliches Gutachten bedeutet, nicht wahr?" Vanessa nickte. "Und sie wissen doch wahrscheinlich auch, was diese Gutachten über das Verhalten meiner Frau ausgesagt haben?"

"Einspruch", sagte der Staatsanwalt. "Diese Gutachten sind nicht die Angelegenheit der Zeugin."

"Sie wiederspricht ihnen aber eindeutig", erklärte Gregory. "Fachliche, unvoreingenommene Gutachten."

"Ich kann über diese Gutachten nichts sagen", antwortete Vanessa und dachte an Gabis Andeutung. "Aber ich weiss, was ich gesehen habe."

Gregory zögerte einen Moment.

"Miss Hart, Sie sind mit dem Opfer doch befreundet, oder nicht?"

"Ja", erwiderte Vanessa.

"Verstehe", nickte Gregory. Dann fügte er wie beiläufig hinzu. "Erstaunlich dass alle Belastungszeugen sich so gut mit dem Opfer verstehen."

"Einspruch", schrie der Staatsanwalt.

"Stattgegeben", polterte der Richter. "Herr Protokollführer, streichen Sie die letzte Bemerkung, und Sie, Herr Verteidiger, ermahne ich ernsthaft, solche Kommentare zu unterlassen. Noch Fragen an die Zeugin?"

"Keine weiteren Fragen", erklärte Gregory.

Als Vanessa den Zeugenstand verließ, sah sie, dass die Schöffen ihr äußerst mißtrauisch hinterherblickten.

Hickengruendler

 

 

"Außer dem abwesenden Casey Mitchum habe ich keine weiteren Zeugen mehr", erklärte der Staatsanwalt.

"In Ordnung, Mr Richards?" Gregory erhob sich.

"Ich rufe den Zeugen Clay Fortescue auf."

Vanessa, die wieder im Zuschauerraum Platz genommen hatte, sah, wie ein großgewachsener, blonder Mann um die vierzig im Zeugenstand Platz nahm und wie alle Zeugen über seine Pflichten belehrt wurde.

"Mr Fortescue", begann Gregory, "was sind Sie von Beruf?"

"Ich bin unabhängiger Gutachter. Ich habe den Unfallort überprüft und anhand der Bremsspuren die Geschwindigkeit des Autos von Mrs Richards festgestellt."

"Bremsspuren?", rief Gabi. "Welche Bremsspuren? Sie hatte überhaupt nicht gebremst!"

Ricardo legte seine Hand auf ihre Schulter und zwang sie sanft zur Ruhe, während der Richter Gabi ermahnte.

"Noch so ein Zwischenruf, und Sie müssen eine Strafe zahlen."

Gregory fuhr fort.

"Was haben Sie festgestellt?"

Fortescue zögerte einen Moment. Vanessa hatte das Gefühl, als könne sie durch Gregorys Rücken sehen, wie er den Zeugen scharf anstarrte. Wie nicht anders zu erwarten war, antwortete dieser:

"Die Angeklagte ist im Höchstfall 42 km/h gefahren. Keinesfalls schneller."

"Vielen Dank, Mr Fortescue", antwortete Gregory zufrieden.

Hickengruendler

 

 

"Mr Fortescue", begann der Staatsanwalt. "Wie lange arbeiten Sie jetzt in Ihrem Beruf?"

"Zwölf Jahre", erklärte Fortescue unsicher.

"Eine lange Zeit. Und Sie haben bestimmt schon öfters vor Gericht ausgesagt?"

"Allerdings", nickte Fortescue.

"Dann sollten Sie ja wissen, das Meineid strafbar ist. Der Richter hat es ja vorhin auch noch einmal betont."

"Einspruch", ereiferte sich Gregory. "Der Herr Staatsanwalt scheint die Glaubwürdigkeit des einzig neutralen Zeugen anzuzweifeln."

"Und ich erhebe Einspruch gegen diese Formulierung", erwiderte der Staatsanwalt wütend.

"Ruhe, alle beide", fuhr der Richter dazwischen. "Ich ermahne Sie beide, die Unparteilichkeit und Neutralität der Zeugen nicht noch einmal anzuzweifeln, habe ich mich klar ausgedrückt!"

"Also gut, dann anders", zischte der Staatsanwalt. "Herr Fortescue, können Sie sich erklären, einmal angenommen, alle Zeugen, Sie eingeschlossen, sagen die Wahrheit", fügte er schnell hinzu, "warum Ihr Gutachten so sehr von der Aussage dreier verschiedener Zeugen abweicht?"

"Einspruch", erwiderte Gregory. "Es ist nicht die Angelegenheit des Zeugen, die Hirngespinste der drei anderen Zeugen zu erklären, sondern das Gutachten. Was er ja wohl in ausreichendem Maße getan hat."

"Abgewiesen", sagte der Richter.

"Ich kann es mir nur damit erklären", entgegnete Fortescue bedächtig. "dass die anderen Anwesenden in der Hitze der Erregung nach diesen zweifellos schrecklichen Erlebnissen etwas verwechselt haben."

"Gleich alle drei?", forschte der Staatsanwalt. "Eine Reporterin, ein Polizist und eine Krankenschwester, sie sicherlich aufgrund ihrer Berufe an Extremsituationen gewöhnt sind? Halten Sie das wirklich für denkbar, Mr Fortescue?"

Hickengruendler

 

 

Vanessa entging nicht, dass sich Mr Fortescue äußerst unwohl in seiner Haut fühlte. Auch Gregory schien das zu bemerken.

"Einspruch", rief er. "Der Zeuge hat die Frage bereits beantwortet."

"Stattgegeben", erwiderte der Richter. "Fühlen Sie sich nicht gut?", fragte der Staatsanwalt Mr Fortescue. "Nervös? Ich dachte, Sie wären Auftritte vor Gericht gewöhnt. Aber bei Lügen ist das freilich etwas anderes."

"Einspruch", donnerte Gregory.

"Stattgegeben", sagte der Richter.

"Schon gut", zischte der Staatsanwalt. "Keine weiteren Fragen."

Mr Fortescue verließ den Zeugenstand und den Saal in einem erstaunlich schnellen Tempo. An dem zufriedenen Gesicht Gregorys und dem wütenden des Staatsanwaltes erkannte Vanessa, dass es nicht gut aussah. Die Tür des Gerichtssaals öffnete sich und Sean kam herein. Er setzte sich schräg hinter Caitlin und flüsterte ihr etwas zu. Sie zuckte unsicher mit den Achseln.

Gregory hielt kurz Olivias Hand, wie zur Beruhigung. Dann stand er auf und sagte:

"Euer Ehren, meine sehr verehrten Damen und Herren. Ich rufe nun meine zweite und letzte Zeugin auf, die Angeklagte Mrs Olivia Richards."

Hickengruendler

 

 

Bette schloss die Haustür hinter Sam und drehte sich zu Annie und Emily um.

„Wie sieht es aus, Annie, willst Du uns heute Abend begleiten?“

Annie zog die Nase kraus.

„Lieber nicht, für ein Familiendinner bin ich heute nun wirklich nicht in der Stimmung.“ Seufzend ließ sie sich auf das Sofa plumpsen und hoffe inständig, dass ihre Tante ihr nun endlich zuhören konnte. Sie hatte ihr ja noch nicht von ihrer Begegnung mit Ted Evans erzählt und über das Chaos, dass sich daraus entwickelt hatte. Zu ihrer großen Enttäuschung ging Bette aber zum Telefon, nahm den Hörer ab und begann zu wählen. Wenige Augenblicke später trällerte sie lustig los.

„Hi Muffin, ich bin es Bette.“

„Bette, schön Deine Stimme zu hören.“ antwortete Meg „Wann kommt Ihr wieder nach Hause?“

„Nun, um die Wahrheit zu sagen, wir sind seid einer halben Stunde wieder da.“ informierte Bette Meg. „Das ist ja toll, Bette. Ben hat mir schon so viel von Deiner Tochter erzählt, dass ich es kaum erwarten kann, sie persönlich kennen zu lernen.“ sagte Meg.

„Das trifft sich gut. Wir wollten nämlich Dich und den Prinzen Deines Herzen heute Abend ins Grenadine zum Dinner einladen. Ihr habt uns so beigestanden, dass sind wir Euch einfach schuldig.“ schnatterte Bette fröhlich drauf los.

„Wir würden natürlich sehr gerne kommen, Bette, aber da gibt es ein kleines Problem. Bens Bruder ist da.“ antwortete Meg.

„Na es dürfte doch wohl für Ben kein Problem sein, Derek zu Sara nach Hause zu schicken oder gibt es bei denen Probleme im Paradies?“ fragte Bette. Meg lachte.

„Nicht das ich wüsste, aber es handelt sich nicht um Derek.“

„Wie... nicht um Derek?“ Bette war nun ein wenig verwirrt.

„Nun, es handelt sich um Ben und Dereks ältern Bruder Ted. Er ist eine Weile zu Besuch hier.“

„Oh,“ nun war Bette überrascht „etwa eine ältere Ausgabe von Ben, uh?“

Wieder musste Meg lachen.

„Ja, damit liegst Du gar nicht so weit daneben.“

„Ach Muffin, das ist doch gar kein Problem,“ sagte Bette „bringt Ted einfach mit. Ich bin schon ganz gespannt, ihn kennenzulernen.“

„Na gut,“ gab Meg nach „und ich möchte ja schließlich auch Emily kennen lernen. Wann sollen wir im Grenadine sein?“

„Um acht Uhr.“ antwortete Bette „Ich freu mich schon drauf. Ta Ta.“ Und schon hatte sie den Hörer aufgelegt. Annie hatte natürlich aufgehorcht, als Teds Name gefallen war und hatte sich vom Sofa aufgerappelt. Als Ihre Tante das Telefonat beendet hatte, strahlte sie diese an.

„Ich habe es mir überlegt, ich komme heute Abend doch mit. Schließlich ist das doch eine gute Gelegenheit für mich, meine Cousine kennenzulernen.“

„Das freut mich Pupsi.“ lächelte Bette. „Dann sieh zu, dass Du pünktlich fertig wirst.“

„Keine Angst, ich werde pünktlich sein.“ sagte Annie und rannte die Treppe hinauf. Sie wusste schon ganz genau, welches Outfit sie heute Abend wählen würde. Ted Evans würde es die Sprache verschlagen. Bette sah ihr nach, dann drehte sie sich zu Emily um.

„Komm mit Liebes, ich zeige Dir jetzt Dein Zimmer.“

Meg

 

 

Derek öffnete die Haustür, ließ Sara eintreten und nahm dann die beiden Koffer und trug sie hinein. "Wenn Du willst, kannst Du die Koffer gleich nach oben tragen," schlug sie ihm vor. "Dann kann ich gleich damit beginnen, alles zurück in die Schränke zu räumen."

Derek nickte und ging mit den beiden Koffern die Stufen hinauf. Sara hörte den Anrufbeantworter ab. "Hi Schwesterherz," hörte sie Megs Stimme. "Ich habe kürzlich Mom und Dad angerufen und erfahren, daß Du und Derek in L.A. seid. Was habt Ihr denn dort gemacht? Melde Dich bei mir, wenn Ihr wieder da seid, okay?!"

Sara grinste, während sie den Knopf betätigte, um die nächste Nachricht abzufragen.

"Derek? Hier ist Ben! Wenn Ihr wieder im Lande seid, melde Dich bitte bei mir. Ich habe eine Überraschung für Dich!"

Sara runzelte nachdenklich die Stirn. Was war das wohl für eine Überraschung, die Ben für Derek hatte?

"Sara, was machst Du da?" Derek war unbemerkt die Treppe herunter gekommen und sah Sara fragend an. Sie wies auf den Anrufbeantworter.

"Ach, nichts besonderes, ich habe nur die Nachrichten abgehört."

"Und, irgendwas Aufregendes?" fragte Derek neugierig. Sara schüttelte langsam den Kopf.

"Ich weiß nicht ..." murmelte sie. "Meg und Ben haben angerufen. Ben hat eine Überraschung für Dich," fügte sie schnell hinzu. Derek grinste.

"Die habe ich auch für ihn!" sagte er, während er vielsagend mit den Augen rollte. "Ich bin gespannt, was er dazu sagen wird, wenn er erfährt, daß ich Millionär bin!" Er zog den Scheck aus seiner Brieftasche und fuchtelte damit vor Saras Gesicht herum. Sie lachte, griff nach dem Papier und legte es auf Dereks Schreibtisch.

"Ich denke, bis er bei der Bank eingelöst wird, liegt er dort am sichersten," sagte sie. Derek nickte.

"Ja. Ich werde gleich morgen zur Bank gehen und ihn auf meinem Konto gutschreiben lassen." Er rieb sich die Hände. "Ab morgen weht überhaupt wieder ein anderer Wind!" sagte er. "Ich muß mich mal wieder im "Deep" blicken lassen, und Du solltest Dir aus der Bibliothek etwas Lesestoff besorgen, damit Du Dich während meiner Abwesenheit nicht langweilst," sagte er mit einem verschmitzten Grinsen. Sara stemmte empört beide Hände in die Hüften.

"Derek Evans! Was ich tun oder lassen werde, entscheide immer noch ich! Ist das klar?"

Derek mußte sich ein Lachen verkneifen.

"Du gehst ja hoch wie eine Bombe!" stellte er fest. "Ich wollte Dich nicht ärgern," lenkte er dann ein, als er sah, daß Saras Gesichtsausdruck immer abweisender wurde. "Ich dachte nur, daß Dir nach der ganzen Aufregung in L.A. vielleicht etwas Ruhe guttun würde."

Sara lächelte versöhnlich.

"Ja, Du hast recht," gab sie zu. "Aber ich kann ganz gut selber entscheiden, wieviel ich mir zumuten kann."

Derek lächelte, zog Sara blitzschnell an sich und gab ihr einen Kuß, den sie leidenschaftlich erwiderte. "Puh ..." sagte sie, nachdem er sie wieder losgelassen hatte. "Ich glaube, das ist etwas, wovon ich nie genug bekommen werde."

Derek grinste schelmisch.

"Das hoffe ich doch sehr!" sagte er mit ernster Miene. Er sah auf seine Armbanduhr. "Wärst Du sehr böse, wenn ich jetzt noch eine Runde joggen gehen würde, bevor es dunkel wird?" fragte er.

Sara schüttelte den Kopf.

"Nein, überhaupt nicht. Mach Du nur Deinen Strandlauf! Ich werde mich in der Zwischenzeit ein bisschen aufs Sofa legen und in meinem neuen Hochzeitskatalog blättern," sagte sie und schmunzelte.

"Okay, dann ziehe ich mich schnell um und gehe etwas laufen." Derek rannte die Treppe hinauf, um sich umzuziehen, während es sich Sara mit ihrem Katalog auf dem Sofa gemütlich machte.

Mona

 

 

Olivia erhob sich unsicher von ihrem Stuhl und nahm im Zeugenstand Platz.

"Du schaffst das schon", hatte Gregory ihr versichert. "Aber Du musst aussagen, alles andere würde den Eindruck machen, als hätten wir etwas zu verbergen."

"Was ja auch gar nicht der Fall ist", hatte sie damals gemurmelt. Aber jetzt saß sie doch im Zeugenstand und spürte alle Augen auf sich. Vanessa Hart, Gabi Martinez und Ricardo Torres blickten sie mit einer Abscheu an, die Olivia bestürzte. Sie wollte nicht verabscheut werden. Gregory dagegen schien echtes Vertrauen in sie zu haben. Es war so lange her, als Gregory ihr zuletzt wirklich vertraute. Sean und Caitlin warfen ihr halb sorgenvolle, halb aufmunternde Blicke zu.

Und Jade... Was hatte diese Schlampe eigentlich hier zu suchen? Diese Blicke, die sie Gregory zuwarf! Olivia hatte das sofort gespürt.

"Erst bringt sie meinen Sohn ins Gefängnis, und dann spielt sie die gewandelte Sünderin." Während sie dies dachte, hatte sie plötzlich das Gefühl, Jade an die Gurgel gehen zu wollen.

Der Richter belehrte Olivia über ihre Wahrheitspflicht. Aber sie bräuchte nichts zu sagen, wenn sie sich selbst belasten müsste. In Gedanken lachte sie kurz spöttisch auf.

"Was soll ich denn machen? Nichts zu sagen, käme doch einem Schuldeingeständnis gleich. Auch wenn man es nicht gegen mich verwenden kann."

Die Tür öffnete sich und herein kam ein gebrochener Mann, ein Mann im Rollstuhl. Casey Mitchum, der von Rae Chang geschoben wurde. Gregory schien es nicht mitzukommen, denn er ging bereits nach vorne, bereit, Olivia zu befragen.

Hickengruendler

 

 

"Mrs Richards", begann Gregory.

"Mrs Richards", schoss es ihr durch den Kopf, "wie dumm das aus seinem Mund klingt. Dabei weiss hier doch sowie jeder, dass wir verheiratet sind. Außer dieser Schlampe Jade scheinbar."

"Ich stelle nur eine einzige Frage", fuhr Gregory fort. "Sind Sie an diesem Tag betrunken und zu schnell gefahren, als der Unfall geschah?"

"Sag nein, sag einfach nein", dachte Olivia. "Du hast doch sonst keine Probleme zu lügen."

Aber erneut fiel ihr Blick auf Casey, der jetzt erst von Gregory bemerkt wurde. Rae schob Casey nach vorne zum Richter, doch ohne Olivia bemerkte, was überhaupt geschah, sagte sie:

"Ja".

Alle hielten inne. Sie konnte den Schock auf Gregorys Gesicht lesen, aber sie wiederholte es, diesmal lauter und völlig bewusst: "Ja, ja, ich habe genau das gemacht, was man mir vorwirft."

Ein Murmeln durchdrang den Gerichtssaal.

"Euer Ehren", sagte Gregory schnell. "Die Zeugin scheint nicht ganz bei Sinnen zu sein, der Druck." "Mir scheint sie so klar wie die ganze Verhandlung über nicht", antwortete der Staatsanwalt, der zufrieden grinste.

Der Richter beugte sich zu Olivia herunter.

"Mrs Richards, sind Sie bewusst, was Sie da sagen?"

"Ja, das bin ich." sagte Olivia laut. "Ich bekenne mich schuldig."

Einen Augenblick später schloß Gregory seine Aktentasche und verließ wortlos den Gerichtssaal. Olivia wollte ihm nachrufen, brachte aber nichts heraus.

Hickengruendler

 

 

Dann ging alles ganz schnell. Der Staatsanwalt bestand in seinem Plädoyer auf eine hohe Geldstrafe für Olivia, ein Verteidiger war nicht mehr da. Aufgrund Olivias' Geständnis war Caseys Aussage nicht mehr nötig. Jade hatte kurz nach Gregory den Saal verlassen, was Olivia überhaupt nicht verwunderte.

Der Richter kam herein.

"Meine Damen und Herren, bitte erheben sie sich für das Urteil." Alle erhoben sich, außer Casey natürlich. "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: Die Angeklagte Olivia Richards wird wegen gefährlicher Körperverletzung, in Tateinheit mit Alkohol und überhöhter Geschwindigkeit zu einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Dollar verurteilt. Des weiteren wird ihr die Fahrerlaubnis für mindestens zwei Jahre aberkannt. Danach ist sie verpflichtet, sich einer erneuten Prüfung zu unterziehen, um ihre Fahrtauglichkeit unter Beweis zu stellen, sofern sie dies möchte."

Es folgte eine Begründung, der es eigentlich aufgrund Oliviass Geständnis nicht bedurft hätte, in der der Richter aber ausführte, dass ihr Geständnis leicht strafmildernd ausgelegt wurde.

Olivia atmete auf. Das war es also. Es war vorbei. 5000 Dollar, dafür, dass sie das Leben eines Mannes fast gänzlich ruiniert hatte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, sehr glimpflich davongekommen zu sein.

Sean und Caitlin tauchten bei ihrer Mutter auf, und begleiteten sie aus dem Gerichtssaal. Von Gregory nichts zu sehen.

Die anderen blieben noch einen Moment zurück und schauten den Richards hinterher, die den Saal so schnell, wie sie nur konnten, verließen, um den Reportern auszuweichen.

Hickengruendler

 

 

Nach dem Telefongespräch mit Bette und deren zum Abendessen ins Grenadines eilte Meg sofort in Bens Büro, um ihm die Neuigkeiten mitzuteilen.  
„Ich bin schon so gespannt darauf, Bettes Tochter endlich kennenzulernen!“ rief sie voller Vorfreude.
„Tja, ich muß sagen, Emily ist wirklich eine sehr nette junge Dame, und wenn man bedenkt, wer ihre Mutter ist...“ Er machte eine bedeutungsvolle Pause und grinste amüsiert, „dann muß ich sagen, sie ist erstaunlich ruhig und ausgeglichen.“
„Ach Du...“ lachte Meg und gab ihm einen freundschaftlichen Klaps, „vielleicht hat sie ja trotz allem die Ausgeglichenheit von ihrem Vater geerbt.“
Ben schüttelte den Kopf.
„Wohl kaum, von dem gab es höchstens Arroganz, Herrschsucht und Gefühlskälte zu vererben. Zum Glück hat sie davon nichts abbekommen!“
„Er hat sie um ihre ganze Kindheit mit ihrer Mutter betrogen, dieser Mistkerl!“ meinte Meg und schüttelte verständnislos den Kopf. Dann fiel ihr ein, dass Bette auch Ted heute abend mit eingeladen hatte. „Dein Bruder soll uns übrigens heute ins Grenadines begleiten.“ teilte sie Ben mit. „Könntest Du ihn bitte anrufen und ihm bescheid geben?“
Ben sah auf die Uhr.
„Tut mir leid, Meg, ich hab es ziemlich eilig, da Gregory voraussichtlich den ganzen Tag bei Gericht sein wird, muß ich ihn gleich bei einem wichtigen Geschäftstermin vertreten. Ich fahre rüber nach Santa Monica.“ Als er Megs erschrockenes Gesicht sah, lächelte er beruhigend. „Keine Sorge, zu unserem Abend im Grenadines werde ich bestimmt rechtzeitig zurück sein. Du kannst Ted ja anrufen, und sollte ich mich wirklich etwas verspäten, wird er Dich sicher schon zu der kleinen Feier begleiten.“ Er nahm sie liebevoll in die Arme und küßte sie zärtlich. „Weißt Du, daran könnte ich mich wirklich gewöhnen!“ meinte er genießerisch.
„Woran? An den Kuß?“ fragte Meg neugierig. Ben zwinkerte ihr verschmitzt zu.
„Daran, und an vieles mehr...“ Er sah ihr voller Zärtlichkeit in die Augen. „Wir sollten wirklich bald heiraten, Meg. Heute abend, wenn wir alle im Grenadines zusammensitzen, wäre eine günstige Gelegenheit, endlich einen Termin festzulegen!“

Jeany

 

 

Sara klappte ihren Katalog zu und stand auf. Sie schaute auf die Uhr. Ob sie Meg wohl zu Hause erreichen würde? Sie wählte die Nummer und war enttäuscht, daß nur der Anrufbeantworter eingeschaltet war. Schnell legte sie wieder auf und begann erneut eine Nummer einzutippen, Megs Telefonnummer in der "Liberty Corporation". Es dauerte eine Weile, bevor Meg abnahm.

"Liberty Corporation", Meg Cummings am Apparat," meldete sie sich. Sara holte tief Luft, bevor sie zu sprechen begann.

"Hi Meg! Hier ist Sara!" begrüßte sie ihre Schwester.

"Sara! Das ist ja eine Überraschung," erwiderte Meg erfreut. "Von wo rufst Du an?"

Sara verzog lächelnd das Gesicht.

"Wir sind zu Hause, Meg! Wir sind heute Mittag in Sunset Beach gelandet, und nun sitze ich hier auf dem Sofa und langweile mich, während mein Zukünftiger seinen Strandlauf macht."

Meg lachte.

"Da sind wohl alle Männer gleich," entgegnete sie. "Erst kommt das Geschäft, dann das Hobby, und das Schlußlicht bilden wir dann."

Sara musste sich ein Schmunzeln verkneifen.

"Hat Mom Dir erzählt, was uns nach L.A. verschlagen hat?" fragte Sara neugierig. Meg verneinte die Frage, und Sara grinste wieder hinter ihrem Telefonhörer. "Dann laßt Euch mal überraschen!" entgegnete sie schmunzelnd. Meg atmete hörbar ein.

"Wir haben auch eine Überraschung für Euch," verriet sie dann.

"Ja," erinnerte sich Sara, „Ben erwähnte sowas auf dem Anrufbeantworter ... Verrätst Du mir, was es ist?" fragte sie neugierig.

"Lieber nicht," entgegnete Meg. "Ich denke, das ist Bens Aufgabe." Sie holte tief Luft. "Ich mache Dir einen Vorschlag ... Ben und ich haben uns heute mit Sam, Bette und ihrer Tochter im "Grenadines" zum Essen verabredet. Ich denke nicht, daß jemand etwas dagegen hat, wenn Ihr auch kommt," sagte sie.

"Das hört sich nach einem Familientreffen an," stellte Sara fest. Meg lachte leise.

"Ja, so könnte man es bezeichnen, und ..." Sie unterbrach den Satz abrupt, da sie fürchtete schon viel zu viel gesagt zu haben. "Laßt Euch einfach überraschen," fügte sie dann schnell hinzu.

"Du meinst, Bette und Sam haben nichts dagegen, wenn wir auch anwesend sind?" fragte Sara unsicher.

"Nein, ganz sicher nicht," versprach Meg. "Können wir Euch also um 20 Uhr im "Grenadines" erwarten?"

Nach einer kurzen Bedenkenspause stimmte Sara schließlich zu. Sie seufzte innerlich. Jetzt musste sie nur noch Derek von der Idee begeistern, Essen zu gehen.

"Wir werden dann pünktlich dort sein!" versprach sie.

"Prima, ich freue mich schon, Euch beiden wiederzusehen, und natürlich bin ich auch neugierig über Eure Neuigkeiten," entgegnete Meg. "Ich werde Bette gleich mal anrufen und ihr sagen, daß sie noch für zwei Personen mehr reservieren soll.

"Vielen Dank!" bedankte Sara sich. "Dann bis heute Abend!" Sie legte auf. Das Gespräch mit ihrer Schwester hatte sie wieder so richtig munter gemacht, und voller Tatendrang rannte sie die Stufen ins Schlafzimmer hinauf und begann, die Koffer auszuräumen.

Mona

 

 

Annie lehnte sich in dem heißen Badewasser zurück. Irgendwie wollte es nicht in ihren Kopf gehen, das dieses junge, unscheinbare Ding, dass Bette mit nach Hause gebracht hatte, Bettes Tochter und somit ihre Cousine sein sollte. Sicherlich, ein wenig Ähnlichkeit war zweifellos vorhanden, aber das Mädchen musste unbedingt noch einiges darüber lernen, wie man sich hier in Kaliforniern kleidete. Annie seufzte und beschloss ihrer Cousine ein wenig Nachhilfe in Stylingdingen zu geben, denn schließlich wollte sie sich ja nicht blamieren, wenn alle Welt erfahren würde, das Emily ihre Cousine war.

„Aber nicht heute Abend.“ sagte Annie zu sich selber und stieg aus der Wanne. „Heute Abend soll Ted Evans nur Augen für mich haben.“ In ein großes Badehandtuch gewickelt, ging Annie in ihr Zimmer hinüber. Sie öffnete ihren Kleiderschrank und durchsuchte ihre Kleider nach dem geeigneten Stück für den heutigen Abend. Nach kurzer Zeit hatte sie gefunden, was sie suchte. Sie nahm das Kleid vom Bügel, legte es griffbereit auf ihr Bett und konzentrierte sich nun die Auswahl ihrer Dessous. Dieses könnte durchaus wichtig sein, falls es ihr gelang, Ted heute Abend dorthin zu bringen, wo sie ihn haben wollte. Sie entschied sich für einen dunkelroten, trägerlosen BH mit Spitzeneinsatz. Dazu zog sie den passenden Seidenslip an. Aus der Schublade ihrer Kommode holte sie ein Paar halterlose, schwarze Seidenstrümpfe, die sie vorsichtig über ihre glatt rasierten Beine zog. Als letztes zog Annie das Kleid an, dass sie für den Abend ausgewählt hatte. Dann setzte sie sich an ihren Frisiertisch und legte das Make up auf. Danach bürstete sie ihr langes, rotes Haar bis es glänzte, steckte es kunstvoll auf und zog ein paar einzelne Strähnen wieder heraus, die sich verführerisch um ihren Nacken kringelten. Als sie mit ihrer Frisur zufrieden war, legte sie noch ihren Schmuck an. Sie hatte sich für ein schwarzes Satinhalsband mit einem goldenen Herz, dessen Mitte von einem Diamanten verziert wurde, als Anhänger entschieden. Dazu hatte sie die passenden Ohrringe ausgewählt. Als letztes legte sie noch etwas von ihrem Lieblingsparfüm auf. Annie stand auf und betrachtete sich zufrieden in dem großen Spiegel, der an der Wand neben ihrem Schrank angebracht war. Das dunkelgrüne Planesamtkleid schmiegte sich perfekt an ihre Figur. Es reichte ihr bis zur Mitte ihrer Schenkel. Die schwarzen Seidenstrümpfe ließen ihre ohnehin schon langen Beine, endlos erscheinen, zumal sie noch hochhackige Pumps, in der gleichen Farbe des Kleides, angezogen hatte. Die Mitte ihres großzügigen Dekolletè zierte der goldene Herzanhänger, dessen Spitze genau in die Spalte zwischen ihren Brüsten zeigte. Das sorgfältig aufgelegte Make up rundete ihr Outfit ab. Der dunkelrote Lippenstift lud gerade dazu ein, ihren Mund zu küssen und der Mascara und Lidschatten ließen ihre grünen Augen hell erstrahlen. Mehr als zufrieden mit sich selber, griff sie ihr kleines Abendhandtäschen.

 „So Ted Evans, mal sehen, wie Dir das gefällt.“

Meg

 

 

"Was hast Du?" Entgeistert schaute Derek Sara an. Unschuldig senkte sie den Blick.

"Ich habe Meg versprochen, daß wir heute pünktlich um 20 Uhr beim "Grenadines" sein werden," wiederholte sie ihre Mitteilung. Derek strich sich das schweißnasse Haar aus der Stirn.

"Na, toll!" murrte er ungehalten. "Ich dachte, wir wollten uns heute einen gemütlichen Abend zuhause machen!"

Sara nahm ein Handtuch und legte es ihm um den Hals. Vorsichtig zog sie ihn damit zu sich heran. "Bitte Derek ... mir zuliebe!" bettelte sie. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm.

"Ich wäre ja noch einverstanden, wenn nur wir beiden und Ben und Meg zusammen ausgehen würden, aber Bette, Sam und ihre Tochter ..." Sara sah ihn stirnrunzelnd an.

"Was ist mit ihnen?" hakte sie nach.

"Womöglich kommt Annie auch noch!" äußerte Derek seine Befürchtung. Sara sah ihn überrascht an. "Meinst Du wirklich, daß sie auch kommen wird?" fragte sie unsicher. Derek warf das Handtuch schwungvoll aufs Bett.

"Bestimmt. Ich kenne doch meine ..." Er suchte nach einer passenden Formulierung für Annie, doch Sara kam ihm zuvor.

"Ex-Verlobte willst Du sagen, nicht wahr?"

Derek nickte.

"Annie wird sicher bei so einem wichtigen Anlaß nicht zuhause bleiben, um das "graue Mäuschen" zu spielen," sagte er mit einem zynischen Grinsen um die Lippen.

"Ja, damit hast Du wohl recht," stimmte Sara zu. Sie ließ Derek los und trat einen Schritt zurück. "Na gut," sagte sie resigniert," dann will ich Meg mal anrufen und ihr sagen, daß wir nicht kommen werden. Ist vielleicht auch besser so ..."

Derek sah Sara prüfend an.

"Du möchtest da unbedingt hin, stimmt's?" fragte er, als er Saras enttäuschtes Gesicht sah.

"Nein," log sie. "Es ist schon okay. Wenn Du nicht möchtest, bleiben wir eben hier."

Derek kratzte sich nachdenklich am Kopf.

"Na schön, wenn es Dir soviel bedeutet, dann gehen wir eben zu diesem Essen," gab er nach. Sara sah ihn irritiert an.

"Woher kommt denn plötzlich dieser Sinneswandel?" fragte sie neugierig. Derek legte einen Finger unter ihr Kinn und sah ihr tief in die Augen.

"Ganz einfach," entgegnete er lächelnd. "Wußtest Du noch nicht, daß ich Dir fast keinen Wunsch abschlagen kann?"

Sara schüttelte vorsichtig den Kopf.

"Wie, das wusstest Du noch nicht?" fragte Derek scheinbar gekränkt, doch plötzlich verzog sich sein Gesicht zu einem breiten Grinsen. "Nun gut ... jetzt weißt Du es!"

Sara sah ihn skeptisch an.

"Und was ist mit Annie?" fragte sie vorsichtig. Derek lachte und zog Sara in seine Arme.

"Ich habe schon schlimmeres überstanden, als einen Abend mit Annie zu verbringen," entgegnete er. Sara verzog das Gesicht.

"Wenn ich mir vorstelle, daß Du wirklich mal mit dieser Frau verlobt warst ..."

Derek legte schnell einen Finger auf Saras Lippen.

"Das ist Vergangenheit," sagte er. "Ich liebe Dich, und nur Dich, und daran wird sich auch nie etwas ändern!" schwor er ihr.

Sara schlang ihre Arme um Dereks Hals und gab ihm einen Kuß.

"Ich liebe Dich!" flüsterte sie. Derek räusperte sich verlegen, während er Sara ein Stück von sich weg schob.

"Nachdem das geklärt wäre," sagte er mit rauher Stimme," sollte ich vielleicht erst einmal duschen und mir frische Sachen anziehen."

Sara nickte und ging zu einem der Kleiderschränke hinüber und öffnete ihn.

"Voila! Alles schon fertig eingeräumt," sagte sie stolz. "Du mußt nur noch zugreifen!"

Derek tat wie ihm befohlen und verschwand dann im Badezimmer.

Mona

 

 

Als Ben am Abend von Santa Monica zurückkam, fand er Ted im Wohnzimmer vor. Sein Bruder saß im feinen dunklen Anzug auf der Couch und grinste, als er Bens erstauntes Gesicht sah.
„Meg ist oben.“ meinte er und deutete mit dem Daumen in Richtung Treppe. „Schade, dass Du schon zurück bist, ich habe gehofft, dass ich sie heute abend für mich allein habe!“
„Ach komm, als ob Du nicht auch andere Chancen in der Damenwelt hättest!“ lachte Ben und stellte seinen Aktenkoffer neben dem Schreibtisch ab. „Möchtest Du einen Drink, bevor wir gehen?“
„Nein, vielen Dank.“ antwortete Ted und hob bedeutungsvoll das Glas, das vor ihm auf dem Tisch stand. „Meine zukünftige Schwägerin ist nicht nur wunderschön, sondern auch sehr aufmerksam!“
„Tja, wem sagst Du das.“ stimmte Ben zu.
„Redet Ihr etwa über mich?“  
Meg kam lächelnd die Treppe herunter.
Sie trug ein ihre schlanke Figur betonendes, tiefschwarzes Kleid mit dünnen Spagettiträgern, das ihr bis knapp übers Knie reichte, darüber einen schwarzen, mit Gold bestickten Bolero und dazu passende hochhackige Pumps. Dezenter Goldschmuck, der aus der Halskette, die ihr Ben geschenkt hatte, einem goldenen Armreif und großen, zart geschliffenen Kreolen bestand, rundete das Bild ab. Ihr Haar hatte sie kunstvoll hochgesteckt, nur ein paar einzelne Strähnchen fielen ihr in natürlichen Locken über Nacken und Schultern. Ebenso dezent wie ihr Schmuck wirkte auch ihr Make up. Meg verstand es ausgezeichnet, mit wenig Kosmetik eine optimale Wirkung zu erzielen, denn sie strahlte so viel jugendliche Frische und natürlichen Charme aus, dass die beiden Männer sie sekundenlang nur fasziniert anstarrten.
Ben fand als erster seine Sprache wieder. Er stellte seinen Drink ab, ging auf Meg zu und  küßte sie auf die Wange.
„Liebling, Du siehst absolut bezaubernd aus!“
„Danke.“ erwiderte sie mit bescheidenem Lächeln. „Ich freue mich, dass Du es doch noch geschafft hast, rechtzeitig zu Bettes großer Party dazusein.“
Auch Ted hatte sich erhoben und trat auf Meg zu. Er umfasste ganz leicht ihre Schultern und sah sie bewundernd an.
„Ich finde es ein bisschen schade, dass er schon zurück ist.“ meinte er mit einem Augenzwinkern. „So entgeht mir die Gelegenheit, mit der hübschesten Frau des heutigen Abends im Grenadines zu erscheinen.“
Meg schaute lachend von einem zum anderen.
„Ich glaube, alle anwesenden Damen werden mich heute beneiden, wenn ich die beiden begehrtesten Junggesellen von Sunset Beach an meiner Seite habe.“
„Na dann will ich mich mal schnell umziehen, damit ich nicht noch den Anschluss verpasse.“ sagte Ben schmunzelnd und lief rasch die Treppe zum Schlafzimmer hinauf. „Geht ja nicht ohne mich!“
„Du hast zehn Minuten!“ antworteten Meg und Ted gleichzeitig und lachten ausgelassen.
„Wer wird denn heute abend alles da sein?“ fragte Ted neugierig.  
„Na ja, auf jeden Fall wirst Du Bette kennenlernen, Annies Tante und meine Kollegin in der Liberty Corporation, ihre Tochter Emily, die sie selbst erst nach 20 Jahren wiedergefunden hat, dann wird Sam da sein, Bens bester Freund und Bettes zukünftiger Ehemann, und ich nehme an, Annie wird uns auch mit ihrer Anwesenheit beehren.“ Sie warf Ted einen prüfenden Blick zu. „Das dürfte Dir ja nicht unangenehm sein, oder?“
Er lachte.
„Ich gebe zu, sie übt einen gewissen Reiz auf mich aus, sie ist irgendwie...“
„...anders.“ ergänzte Meg mit einem bedeutungsvollem Lächeln, das Ted sofort erwiderte.
„Du sagst es.“ meinte er und zwinkerte ihr fröhlich zu. „Und wen werde ich sonst noch kennenlernen? Oder waren das schon alle?“
„Nein... nicht ganz.“ antwortete Meg geheimnisvoll. „Aber mehr werde ich nicht verraten, Ted, laß Dich einfach überraschen.“
Während die beiden noch plauderten, kam Ben im dunkelblauen Anzug die Treppe herunter.
„Na dann los!“ lachte er und bot Meg galant seinen Arm. Ted tat das gleiche, und Meg hakte sich bei beiden ein.
„Party- Time!“ riefen sie fröhlich und marschierten los.  

Jeany

 

 

Während Derek unter der Dusche stand, inspizierte Sara ihren Kleiderschrank nach der passenden Kleidung für den Abend. Sicher würden alle Anwesenden perfekt gekleidet sein, und da konnte sie selber ja schlecht in Alltagskleidung erscheinen. Zum Glück hatte sie bei ihrem Besuch in der Boutique in L.A. auch gleich daran gedacht, sich festliche Umstandsmode zu kaufen. Sara nahm den weinroten, knielangen Samt-Rock und die farblich dazupassende Bluse, die mit feinen, goldfarbenen Fäden durchwirkt war, aus dem Schrank und legte sie aufs Bett. Aus ihrem Schmuckkästchen, das auf der Kommode stand, nahm sie ein Paar tropfenförmige Ohrringe aus Gold und steckte sie an. Es war zwar noch viel zu früh, um sich für den Abend aufzustylen, aber Sara wollte zumindest schon einmal vor dem Spiegel ihre Wirkung testen. Sie zog Rock und Bluse an und griff dann nach Schaumfestiger und Haarbürste, um ihr kurzes Haar in Form zu bringen. Mit den Fingerspitzen zupfte sie sich einige Strähnen in die Stirn und betrachtete sich dann wohlwollend im Spiegel.

"Wow ..." hörte sie plötzlich Dereks Stimme hinter sich. Lächelnd drehte sie sich um und genoß seinen bewundernden Blick. "Du siehst einfach ... zum Anbeißen aus," entfuhr es ihm, während er sich lustvoll über die Lippen leckte. Sara sah ihn entsetzt an.

"Diesen Eindruck wollte ich eigentlich nicht vermitteln!" meinte sie gekränkt. "Schließlich gehen wir in ein Nobelrestaurant, und da kann ich wohl schlecht in Jeans und Turnschuhen auftauchen!"

Dereks Augen bekamen einen seltsamen Glanz.

"Dann muß ich mich ja richtig anstrengen, um mit Dir konkurrieren zu können," sagte er, während er seinen Blick nicht von ihr wenden konnte.

"Mehr als das ..." sie wies auf sein Handtuch, das er sich lässig um die Hüften geschlungen hatte," ... solltest Du vielleicht doch tragen," sagte sie schmunzelnd. Langsam ging er auf sie zu und berührte vorsichtig den weichen Stoff ihrer Bluse.

"Dafür hast Du viel zuviel an," flüsterte er heiser und streichelte sanft ihren Nacken. Als seine Hände immer tiefer wanderten, versuchte sich Sara aus der Umarmung zu befreien.

"Derek, nicht! Wir sind doch verabredet ..." protestierte sie schwach, doch ihr Einwand ging in seinen leidenschaftlichen Küssen unter ...

Mona

 

 

"Sara, Liebling, wach auf!" Derek beugte sich vorsichtig zu ihr herab und gab ihr einen sanften Kuß auf die Wange. Abrupt aus dem Schlaf gerissen zuckte Sara zusammen.

"Wie ... was?" murmelte sie zusammenhangslos. Derek lächelte.

"Ich dachte, daß wir um 20 Uhr mit den anderen im "Grenadines" verabredet wären," sagte er. Sara streckte sich und gähnte.

"Wie spät ist es denn?" fragte sie geistesabwesend.

"Halb acht," entgegnete er knapp. Sara fuhr wie von der Tarantel gestochen hoch.

"Waaas, so spät ist es schon?" fragte sie entsetzt. Mit einem Satz sprang sie aus dem Bett und griff nach ihren Sachen, die verstreut auf dem Fußboden herumlagen. "Warum hast Du mich nicht eher geweckt?" fragte sie vorwurfsvoll, während sie den Rock nach oben zerrte.

"Du hast so friedlich geschlafen, da wollte ich Dich nicht wecken," entgegnete Derek zu seiner Entschuldigung. Sara schüttelte den Kopf.

"Dafür müssen wir uns jetzt doppelt beeilen," sagte sie. Derek nahm einen dunkelblauen Anzug aus dem Schrank und begann sich ebenfalls anzukleiden.

"So fertig!" Sara strich sich die Bluse glatt und fuhr noch einmal mit ihren Fingern durchs Haar. "Wenn Du fertig bist, kannst Du unten auf mich warten," sagte sie, während sie im Badezimmer verschwand. "Ich muß nochmal mein Make Up auffrischen, dann bin ich fertig."

Derek sah auf die Uhr.

"In Ordnung, aber mach nicht zu lange, dann kommen wir wirklich noch zu spät!" gab er zu bedenken. Sara nickte und schloß die Badezimmertür, während Derek nach unten ging, um auf sie zu warten. Nur wenige Minuten später kam sie, perfekt gestylt und lächelnd, die Treppe herunter.

"Ich bin soweit," sagte sie. "Wir können gehen." Sara griff nach ihrer Handtasche, hakte sich bei Derek ein, und gemeinsam verließen sie das Haus.  

Mona

 

 

„Annie wie lange brauchst Du denn noch?“ rief Bette ungeduldig nach oben.

„Ich bin gleich unten, Tante Bette.“ antwortete  Annie. Eigentlich war Annie schön über 15 Minuten ausgehfertig, aber sie wollte auf keinen Fall vor Ted Evans dort eintreffen. Darum war sie noch einmal unter einem Vorwand nach oben gegangen. Vor gut 10 Minuten hatte sie beobachtet, wie Ben, Meg und Ted das Haus nebenan verlassen hatten. Dieser Vorsprung sollte wohl genügen, um ihr die Möglichkeit eines perfekten Auftritts zu geben. Sie verließ ihr Zimmer und schritt die Treppe hinunter. Unten wurde sie von Bette, Emily und Sam erwartet.

„Na endlich junge Dame, viel länger hätten wir jetzt aber nicht auf Dich gewartet.“ sagte Bette ungeduldig.

„Ich habe mich doch schon beeilt so gut ich konnte.“ antwortete Annie mit einem gespielt unschuldigen Augenaufschlag. Verstohlen musterte sie dabei ihre Cousine. Diese hatte ihre Jeans und das weite T-Shirt gegen ein leichtes Sommerkleid gewechselt. Auch hatte sie ein leichtes Make up aufgetragen, ihr Haar aber fiel offen in seidigen Locken über ihre Schultern. Befriedigt stellte Annie fest, dass Emily für sie heute Abend keine Konkurrenz darstellen würde.

Sie befeuchtete mit ihrer Zunge die rotgeschminkten Lippen.

„Worauf warten wir denn noch? Von mir aus könnten wir schon lange im Grenadines sein.“ sagte sie und schwebte zu Haustür.

Bette schüttelte ihren Kopf, hakte sich bei Emily unter und folgte Annie hinaus.

Meg

 

 

Kurze Zeit später stoppte das Taxi, das Sam geordert hatte vor dem Grenadines. Er bezahlte den Fahrer und stieg aus. Dann öffnete er die hintere Tür, damit die Damen aussteigen konnten. Bette rückte noch einmal Sams Krawatte zurecht.

„Du siehst zum Anbeißen aus, Big Boy.“ zwinkerte sie ihm dabei zu. Sam beugt sich ein wenig vor, küsste Bette sanft auf die Wange.

„Das heben wir uns lieber für später auf.“ raunte er ihr dabei zu. Bette lächelte Sam verwegen an und hakte sich dann bei ihm unter.

„Können wir reingehen?“ fragte sie dabei.

Sam bot seinen anderen Arm Emily an.

„Es ist mir ein Vergnügen mit den beiden schönsten Frauen aus Sunset Beach heute Abend auszugehen.“

Sie betraten das Restaurant und Annie folgte ihnen in einigem Abstand. Der Oberkellner begrüßte Sam.

„Guten Abend Monsieur Peterson. Ein Teil Ihrer Gäste sind schon da.“ Er führte sie an einem Tisch, an dem bereits Meg, Ben und Ted saßen. Ben und Ted standen zur Begrüßung auf. Ben reichte zuerst Bette und Emily die Hand.

„Guten Abend, Ihr seht bezaubernd aus.“ Dann drehte Ben sich zu seinem älteren Bruder um. „Ted, darf ich Dir Bette Katzenkazrahi und Ihre Tochter Emily Davis vorstellen?“

Ted ergriff Bettes Hand und hauchte ihr einen Handkuss auf den Handrücken.

„Erfreut Sie kennen zulernen, Miss Katzenkazrahi.“

„Ganz meinerseits, Mr. Evans. Aber bitte nennen Sie mich Bette. Niemand nennt mich Miss Katzenkazrahi.“

„Gut, aber nur wenn Sie mich Ted nennen.“ Charmant lächelte Ted Bette dabei an. Diese konnte ein Grinsen nicht unterdrücken und schaute zu Ben hinüber.

„Jetzt weiß ich endlich, woher Du Deinen Charme hast, Prince of the Darkness.“

„Prince of the Darkness?“ Ted schaute seinen Bruder etwas verwirrt an. Dieser winkte ab.

„Dabei darfst Du Dir nichts denken, Bette findet einfach für jeden einen Spitznamen.”  

„Ach so.“ Dann nahm er Emilys Hand und küsste auch diese.

„Und es ist mir eine Freude, auch Sie kennen zu lernen, Misses Davis.“

Emily errötete leicht.

„Danke Mr. Evans.“

„Annie kennst Du ja bereits und das hier, ist mein bester Freund Sam Peterson.“ stellte Ben nun auch Sam vor. Ted nickte Annie kurz zu und begrüßte dann Sam mit einem Handschlag. „Wie ich hörte, haben Sie und mein Bruder schon so manches Abenteuer erlebt.“

„Das kann man wohl sagen.“ Sam rückte einen Stuhl für Bette zurecht und Ted half Emily.

Annie schien niemand weiter zu beachten. Wütend setzte sie sich hin. Ted Evans hatte sie kaum beachtet. Nicht einmal neben ihm sitzen konnte sie, denn diesen Platz hatte Emily. Heute war anscheinend wirklich nicht ihr Tag, denn ihr ganzer sorgfältig geplanter Auftritt war schief gelaufen.

Meg

 

 

Ben blickte über die Schulter seines älteren Bruders und bemerkte, dass Derek und Sara das Grenadines betreten hatten. Er beobachtete die beiden dabei, wie Derek Sara half, die leichte Jacke auszuziehen. Dabei küsste er ganz kurz aber zärtlich Saras Nacken. Ben musste lächeln, als er diese Geste beobachtete. Wie sehr hatte Derek sich doch in den letzten Monaten verändert und auch das Verhältnis zu ihm, war endlich das eines Bruders. Ben wusste ganz genau, dass er das alles nur Meg und Sara zu verdanken hatte. Derek legte seinen Arm um Saras Taille und führte sie zu dem Tisch, an dem die anderen saßen.

„Entschuldigt bitte die Verspätung,“ sagte Derek mit einem für ihn typischen Grinsen auf den Lippen „aber Sara brauchte nach dem Flug heute noch ein wenig Ruhe.“

Ted drehte sich bei dem Klang der Stimme seines Bruders um.

„Hallo Derek.“ begrüßte er ihn kurz. Sara spürte, wie Derek sich neben Ihr versteifte

„Ted?“ Derek starrte seinen älteren Bruder fassungslos an. Eine gespannte Stille war an dem Tisch eingetreten und alle Augenpaare ruhten auf die Brüder. Ted stand auf und reichte Sara die Hand „Guten Abend. Ich bin Ted Evans, Dereks und Bens älterer Bruder. Und Sie müssen Sara sein, die Frau, die mein Bruder so glücklich macht.“

Sara blickte verwirrt von einem zum anderen.

„Ähm ja.“ räusperte sie sich. Ben schaute seinen Zwillingsbruder an.

„Komm Derek, setzt Dich mit Sara zu uns, damit wir endlich bestellen können.“

Ohne ein Wort zu sagen, führte Derek Sara um den Tisch und rückte den Stuhl für sie zurecht. Dann setzte er sich neben Sara. Um sich abzulenken, ergriff er die Wasserkaraffe und goss sich Wasser in ein Glas. Er trank einen kräftigen Schluck und ließ dabei Ted nicht aus den Augen.

„Was machst Du hier in Sunset Beach?“ brachte er schließlich hervor.  Sara bemerkte, dass Derek, so ruhig er auch äußerlich wirkt, innerlich ganz aufgewühlt war und ergriff seine Hand, die sie zärtlich drückte.

„Derek, ich bin nach Sunset Beach gekommen, um endlich Frieden mit Dir und mit Ben zu schleißen.“ sagte Ted „Nun, ehrlich gesagt muss ich gestehen, bis ich Ben wiedergetroffen habe, wusste ich gar nicht, dass Du auch hier lebst, aber so ist es ja noch besser.“

Derek sah Ted skeptisch an, was Ben sofort registrierte.

„Ich war auch ganz schön überrascht, als Ted hier aufgetaucht ist, aber inzwischen haben wir sehr viel geredet und verstehen uns wieder sehr gut. Gib Ted doch eine Chance, uns hat es doch auch geholfen.“ versuchte er seinen Zwillingsbruder zu überzeugen. Dereks Kopf fuhr zu Ben herum.

„Ben ich weiß nicht....“ Derek war immer noch verunsichert. Ted hatte das Gefühl, dass er etwas unternehmen musste, damit die Stimmung am Tisch nicht umschlug.

„Vielleicht sollten Derek und ich einen Moment an die Bar gehen und in Ruhe miteinander reden.“ schlug er vor. Derek sah Sara unsicher an. Diese nickte.

„Geh ruhig, es kann ja nicht schaden.“

Derek erhob sich.

„Na gut, das ist vielleicht das Beste.“

Auch Ted stand auf und beide gingen an die Bar, wobei ihnen sieben Augenpaare folgten.

Meg

 

 

Derek und Ted setzten sich an die Bar.

„Möchtest Du etwas trinken?“ fragte Ted seinen jüngeren Bruder. Dieser nickte.

„Ein Whisky täte jetzt gut.“  

„Bourbon oder Scotch?“ erkundigte sich Ted.

„Bourbon auf Eis.“ bestellte Derek beim Barkeeper.

„Zweimal“ ergänzte Ted. Wenige Augenblicke standen die Drinks vor ihnen.

„Nun,“ begann Ted „ich kann mir vorstellen, dass Du damals ganz schön wütend auf mich warst.“

„Das kannst Du wohl sagen.“ nickte Derek. „Du warst mein großer Bruder, mein Vorbild und dann schreist Du plötzlich los, dass Du, ich zitiere, mit dieser verlogenen Familie nie wieder was zu tun haben willst. Was glaubst Du, wie ich mich da gefühlt habe?“

Ted nahm einen Schluck von seinem Whisky.

„Und wie glaubst Du habe ich mich gefühlt in jener Nacht, als ich durch einen Zufall herausgefunden habe, dass Catherine nicht meine Mutter ist? Mein ganzes Leben brach an diesem Abend zusammen.“

„Und wo bist Du die ganzen Jahre gewesen?“ fragte Derek.

„Ein paar Jahre in Algerien und dann in Johannisburg.“ erklärte Ted.

„Was zum Teufel hast Du in Algerien gemacht?“ wollte Derek nun wissen. Ted erzählte Derek dann, wie er zuerst bei der Fremdenlegion war und später in Südafrika studiert hatte.

„Da hast Du ja schon einiges erlebt.“ stellte Derek fest. „Und nun ist es Dir wohl ein wenig zu langweilig geworden, Herr Anwalt und meinst, Du musst Bens und mein Leben mal wieder total durcheinander bringen.“ Derek konnte seine aufsteigende Wut kaum noch unterdrücken. „Ich war so wütend auf Dich, weil Du uns, mich verlassen hattest, dass ich über Jahre an Ben ausgelassen habe. Ich will nicht, dass irgendetwas oder irgendwer unsere neue Beziehung wieder zerreißt.“

„Derek, bitte beruhige Dich.“ sagte Ted sanft. „Das ist doch das letzte was ich will. Ich bin hergekommen, weil ich meine Brüder gerne wiedersehen wollte und einige Zeit mit Euch verbringen wollte. Ich will Euch einfach wieder neu kennenlernen. Ich erwarte ja nicht, dass Du mir gleich um den Hals fällst und dass alles vergeben und vergessen ist, aber wir können doch wenigstens einen Versuch starten, uns wieder kennen zu lernen?“

Derek leerte sein Glas.

„Na gut, versuchen können wir es ja, aber erwarte nicht zu viel von mir.“

„Gut,“ lächelte Ted „das ist ein Deal. Habe ich Dir denn schon zu Deiner tollen Frau gratuliert? Und wie ich sehen konnte, ist da wohl auch ein kleiner Evans unterwegs.“

Nun konnte Derek sein stolzes Grinsen nicht mehr zurückhalten.

„Ja, Sara ist etwas ganz Besonderes. Sie hat mir gezeigt, was Liebe ist. Und wir beide freuen uns wahnsinnig auf unser Baby.“

„Das ist schön.“ Ted schlug Derek freundschaftlich auf den Rücken. „Was hältst Du denn davon, wenn wir jetzt zu den anderen zurückgehen?“

Derek stand auf.

„Nichts lieber als das.“

Meg

 

 

Ted und Derek kehrten an den Tisch zu den anderen zurück. Sam hatte inzwischen Champagner für alle bestellt, stand nun auf und hob sein Glas an.

„Keine Angst, ich will keine lange Rede halten. Ich wollte mit diesem Toast Emily hier in Sunset Beach begrüßen und meinem Freund Ben dafür danken, dass er Bette und mir in Chicago geholfen hat. Es ist immer gut, wenn man einen Freund hat, auf den man sich in Notfällen verlassen kann und der ganz genau weiß, was zu tun ist. In diesem Sinne, danke Ben und herzlich willkommen Emily. Cheers.“

Die anderen erhoben auch ihre Gläser.

„Cheers“ Alle prosteten Emily zu. Diese errötete leicht.

„Danke, Ihr seid alle so nett zu mir, ohne mich überhaupt zu kennen.“ sagte sie leise.

Bette ergriff Emilys Hand.

„So sind wir nun mal, fast wie eine große Familie.“  
 
Als nächstes erschien der Ober und nahm die Bestellungen auf. Nachdem er sich wieder zurückgezogen hatte, wurde es Annie zu bunt, dass niemand sie zu beachten schien. Sie setzte ein strahlendes Lächeln auf und räusperte sich, damit sich die Aufmerksamkeit auf sie richtete. Dann, mit einem gekonnten Augenaufschlag, blickte sie Ted an.

„Ted, Du hast uns ja noch gar nicht verraten, wie lange Du hier in Sunset Beach bleiben willst?“ säuselte sie. Ted, dem seine ganze Aufmerksamkeit Emily galt, drehte seinen Kopf kurz zu Annie hinüber.

„Das weiß ich selber noch nicht so genau,“ antwortete er „das kommt ganz darauf an, ob und wie lange mich hier etwas hält.“ Dabei schenkte er Emily ein charmantes Lächeln. Ben, der mit Unbehagen die Spielchen zwischen Annie und seinen Bruder bemerkte, versuchte abzulenken.

„Ich hoffe doch aber, dass Du wenigstens bis zu unserer Hochzeit bleibst?“

Nun hatte Ben Teds Aufmerksamkeit.

„Habt Ihr denn schon einen Termin festgesetzt?“ fragte er. Ben schüttelte seinen Kopf.

„Bisher sind wir noch nicht dazu gekommen, aber ich hoffe, dass wir das vielleicht heute vielleicht klären können.“ Er sah zu Derek und Sara hinüber. „Habt Ihr zwei schon eine Idee?“

„Nun,“ begann Sara „mir wäre es ganz lieb, wenn wir es nicht mehr all zu lange aufschieben. Schließlich will ich ja nicht zum Altar rollen.“

Derek legte seinen Arm um Sara.

„Und es wird Dir dann später bestimmt auch zu anstrengend.“ fügte er hinzu. Ben nahm Megs Hand in die seine.

„Wann könnten denn Eure Eltern es am besten einrichten?“

„Jetzt nach der Ernte und bis zum Frühjahr dürfte es nicht all zu schwierig für sie sein.“ antwortete Meg. „Da fällt mir gerade etwas ein. Was haltet Ihr denn von Thanksgiving?“

„Das ist eine tolle Idee, Meg.“ Sara war sofort begeistert. „Zeit zum Planen bleibt uns da immer noch genug.“

Ben sah Derek an.

„Und was ist mit Dir?“

„Mir ist jeder Termin recht, je eher, desto besser.“

„Gut,“ lächelte Ben „dann setzten wir den Termin für unsere Doppelhochzeit auf Thanksgiving fest.“

Meg

 

 

Tief in einem Alptraum versunken, warf sich Gabi im Bett hin und her. Sie stand auf der Strasse und sah plötzlich, wie ein Auto mit rasender Geschwindigkeit auf sie zuraste. Doch kurz bevor es sie erreicht hatte, bremste der Fahrer abrupt ab und blieb knapp vor ihr stehen. Eine Person stieg aus, doch durch den plötzlich aufsteigenden Nebel konnte Gabi nicht sofort erkennen, wer es war. Sie fühlte, wie sich ein Arm um ihre Taille legte und sich weiche Lippen auf ihren Mund pressten.

"Ich liebe Dich!" hörte sie Ricardos Stimme, doch als sich der Nebel langsam lichtete erkannte sie, daß es nicht Ricardo war, der sie in seinen Armen hielt und küsste, sondern Antonio.

"Antonio!" Gabi wusste nicht, ob sie den Namen nur gedacht oder ausgerufen hatte, als sie schweißgebadet hochfuhr. Mit zitternder Hand fuhr sie sich vorsichtig über ihre Lippen. Schnell schaute sie zu Ricardo herab, der neben ihr ganz friedlich schlief.

Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, daß es gerade erst kurz nach 2 Uhr war.  

Gabi presste eine Hand auf ihr stürmisch klopfendes Herz. Die ganze Zeit hatte sie versucht, das Problem mit Antonio zu verdrängen, und nun verfolgte das schlechte Gewissen sie bis in ihre Träume hinein! Gabi strich sich das Haar nach hinten und stand auf. Die Ereignisse der letzten Tage waren Schuld daran, daß sie so einen Blödsinn träumte, tröstete sie sich selber. Sie liebte Ricardo, und sie würde ihr Leben mit ihm verbringen! Dessen war sie sich hundertprozentig sicher, aber wieso nur hatte sie dann solche Träume? Gabi versuchte, bewußt ruhig zu atmen. Meg hatte recht. Sie musste mit Antonio über ihre Gefühle reden, sonst würde sie niemals mit Ricardo glücklich werden können. Gedankenverloren ging sie zum Fenster und öffnete es. Eine kühle Brise wehte vom Meer her in den Raum hinein, und Gabi atmete tief durch, während sie in die Finsternis hinein starrte.  

Zu Tode erschrocken fuhr sie zusammen, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte ...

Mona

 

 

"Ricardo ... Du hast mich erschreckt!" Gabi verschränkte die Arme vor dem Körper. Er sah sie mit einem entschuldigenden Gesichtsausdruck an.

"Das wollte ich nicht! Ich habe mir nur Sorgen gemacht. Du hast so unruhig geschlafen und im Traum geredet..."

Gabi sah ihn entsetzt an.

"Ich habe im Schlaf geredet?" fragte sie mit zitternder Stimme. "Was - was habe ich denn gesagt?" Ricardo schüttelte den Kopf.

"Ich weiß nicht genau, nur wirres Zeug, das keinen Sinn macht." Er strich ihr eine feuchte Haarsträhne aus der Stirn. "Du hast geschrieen "Nein!" und dann "Wer ist da?" gefragt.

"Das war alles?" Gabi sah ihn mißtrauisch an. Ricardo dachte einen Moment nach.

"Nein, Du sagtest dann noch "Antonio ..."

Gabi hatte plötzlich das Gefühl, als ob sich eine Eisenklammer um ihren Brustkorb legen würde. Das Atmen fiel ihr plötzlich schwer.

"Du hast recht," sagte sie mit heiserer Stimme, als sie wieder besser atmen konnte. "Alles nur wirres Zeug."

Ricardo lächelte.

"Vielleicht wollte Dir mein Bruder im Traum die Beichte abnehmen," sagte er scherzhaft. Gabi lächelte gequält.

"Vielleicht ..." versuchte sie das Thema abzuschließen. Sie wandte sich um und ging wieder zurück in ihr Bett. Ricardo sah sie besorgt an.

"Ist alles in Ordnung mit Dir?" fragte er. Gabi nickte, während sie sich ihre Bettdecke bis zum Hals hochzog.

"Ja, danke, es geht schon wieder. Es war nur ein Alptraum ..."

Ricardo nickte. Er knipste das Licht aus, legte sanft einen Arm um sie und zog sie näher zu sich heran. Obwohl sie sich in seinen Armen geborgen fühlte, konnte ihr Geist sich nicht entspannen.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte Gabi in die Dunkelheit. Es war an der Zeit, in ihrem Gefühlschaos aufzuräumen, dachte sie. Ricardo brauchte nichts davon zu erfahren. Sie würde mit Antonio reden und die Angelegenheit ein für allemal erledigen - und je früher, desto besser! Mit diesem beruhigenden Gedanken, daß sich schon bald alle Sorgen in Wohlgefallen auflösen würden, schlief sie in Ricardo' Armen ein.

Mona

 

 

Annie kochte vor Wut. Der Abend war ganz und gar nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt hatte. Sie saß an der Bar vom Deep und nippte gerade an Ihrem dritten Mai Tai. Der Abend im Grenadines war die reinste Katastrophe gewesen. Nicht nur das sie sich die ganze Zeit das Geschwätz über diese blöde Doppelhochzeit anhören musste, nein auch Ted Evans hatte sie kaum eines Blickes gewürdigt. Den ganzen Abend hatte er mit dieser dummen Kuh Emily geflirtet, sogar getanzt hatte Ted mit Emily. Als sich die, für Annies Geschmack viel zu fröhliche Runde, aufgelöst hatte, hatte sie es strickt abgelehnt, mit Bette und ihrem Gefolge nach Hause zu fahren. Sie hatte Ihrer Tante erzählt, dass sie noch eine Verabredung hatte. Sie nahm noch einen Schluck von Ihrem Drink und langsam begann der Rum in dem Getränk, seine Wirkung zu zeigen. Eine wohlige Wärme breitete sich in Ihrem Innern aus.

„Der Teufel soll Dich holen Ted Evans.“ fluchte sie laut und drehte sich um, damit sie das Geschehen im Deep besser beobachten konnte. Es dauerte nicht lange und sie hatte Blickkontakt mit einem blonden Hünen aufgenommen und begann mit diesem zu flirten. Genau das brauchte sie jetzt, einen Mann, der aber auch überhaupt nichts mit Ted Evans gemeinsam hatte.

Sie lächelte dem blonden Gott zu und er kam zu Annie hinübergeschlendert.

„Hi Süße, darf ich Dich zu einem Drink einladen?“ fragte er mit einer tiefen Bassstimme. Zufrieden ließ Annie Ihren Blick an der Statur hinunter gleiten. Er hatte ein weißes T-Shirt an, dass sich über seinen breiten Brustkorb spannte. Seine langen Beine steckten in einer eng anliegenden Jeans, die seinen, wie Annie schnell feststellte, knackigen Hintern und die schmalen Hüften betonte.

Annie leckte sich über die roten Lippen.

„Gerne, ich nehme noch einen Mai Tai.“

Der Mann ließ sich neben Annie auf einen Barhocker fallen.

„Einen Mai Tai für die Lady und ein kühles Bier für mich.“ bestellte er beim Barkeeper. Dann drehte er sich zu Annie um und musterte sie ungeniert mit seinen klaren blauen Augen. Ein breites Lächeln legte eine Reihe weißer Zähne frei.

„Und hast Du auch einen Namen, Kleine?“

Annie setzte ihr bestes Lächeln auf.

„Annie und wie ist Dein Name?“

„Kevin“ Er deutete mit seinem Daumen auf die Tanzfläche hinter sich. „Lust auf ein kleines Tänzchen?“

„Gerne“ antwortete Annie und glitt von Ihrem Barhocker hinunter und ging zur Tanzfläche hinüber. Dabei wiegte sie ganz besonders aufreizend mit Ihren Hüften. Kaum auf der Tanzfläche angekommen, legte Kevin seine breiten Hände um Annies Taille und zog sie dicht an sich heran. Annie legte Ihren Kopf an seine Brust und schloss die Augen. Ein zufriedenes Lächeln umspielte Ihren Mund. Endlich schien der Abend doch noch etwas zu werden.

Plötzlich hörte sie eine bekannte Stimme hinter sich.

„Danke Kumpel, dass Du auf die Kleine aufgepasst hast, aber ab hier übernehme ich wieder.“

Annie drehte sich um und sah in Teds Augen.

„Ted was machst Du denn hier?“

„Auf Dich aufpassen, was sonst.“ Ted packte Annie am Handgelenk. Sie versuchte Teds Hand abzuschütteln.

„Lass mich los!“

Kevin trat einen Schritt vor.

„He, hast Du nicht gehört, was die Lady gesagt hat?“

Ted sah den Hünen unbeeindruckt an.

„Kumpel ich rate Dir, mischt Dich da nicht ein.“ Er beugte sich vor und flüsterte etwas in Kevins Ohr. Dessen Augen weiteten sich entsetzt.

„Entschuldige, dass konnte ich ja nicht wissen.“ Er sah Annie noch einmal an und zog sich dann zurück. Wütend fuhr Annie Ted an:

„Kannst Du mir mal erklären, was das soll? Und lass mich endlich los!“

Ted achtete nicht weiter auf Annies Gezeter, sondern packte sie und warf sie sich über seine Schulter. Mit der strampelnden Annie verließ er das Deep.

Meg

 

 

„Lass mich sofort runter, Ted Evans!“ wütend bearbeitete Annie Teds Rücken mit ihren Fäusten, der aber ließ sich davon nicht beeindrucken „Hast Du mich nicht gehört oder was?“ wetterte sie weiter. Ohne auf Annie zu achten, ging Ted in die Seitenstrasse, in der er seinen Wagen geparkt hatte. Er stellte Annie neben seinen Porsche auf die Füße, um seinen Autoschlüssel aus seiner Hosentasche zu fischen. Mit dem anderen Arm hielt er Annie fest.

„Ted Evans, lass mich gefälligst los! Was fällt Dir überhaupt ein?“ Annies Stimme wurde immer lauter. „Könntest Du bitte mal für einen Augenblick Deinen Mund halten? Du weckst noch ganz Sunset Beach mit Deinem Geschrei auf.“

„Leck mich doch...“ antwortete Annie.

„Später vielleicht, aber nicht auf offener Straße.“ erwiderte Ted, bevor er sich vorbeugte und Annies Mund mit seinem verschloss. Zuerst versuchte sich Annie zu wehren, als aber Teds Zunge ihre Lippen teilten und begann, Ihren Mund zu erforschen, bekam sie weiche Knie und erwiderte seinen Kuss. Annie schlang Ihre Arme um Teds Nacken und ein leises Stöhnen entwich ihrer Kehle.

Ted löste seine Lippen von Annies.

„Ich denke, wir sollten lieber in mein Hotel fahren.“ sagte er mit heiserer Stimme. Annie konnte nur zustimmend nicken. Ted öffnete die Beifahrertür und ließ Annie einsteigen. Dann lief er um den Wagen und setzte sich hinter das Steuer. Er startete den Motor und schoss aus der Parklücke.

„Sag mal, was hast Du denn dem armen Kevin erzählt, dass er mich so erschrocken angesehen hat?“ wollte Annie wissen, nachdem sie endlich Ihre Sprache wieder gefunden hatte. Ted grinste.

„Nun, ich sagte Ihm nur, dass Du einem Scheich versprochen bist und das dieser angedroht hat, jeden zu einem Eunuchen zu machen, der Dich anrührt.“

Annie sah Ted mit weit aufgerissenen Augen an.

„Das hast Du nicht?“

„Doch“ nickte dieser. Inzwischen waren sie in der Tiefgarage vom Sunset Inn angekommen und Ted parkte das Auto. Er sieg aus, ging um sein Fahrzeug herum und öffnete Annie die Tür. Er griff nach Ihrer Hand und zog sie heraus. Seine Augen wanderten von Annies Gesicht, über Ihr Ausschnitt bis hinunter zu Ihren wohlgeformten Beinen.

„Weißt Du eigentlich, was Du schon den ganzen Abend mit mir angestellt hast?“

Ein Lächeln huschte über Annies Gesicht.

„Was denn?“ fragte sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag.

„Komm mit und ich zeige es Dir.“ flüsterte Ted, bevor er Annie noch einmal leidenschaftlich küsste. Ohne ein weiteres Wort nahm er Annies Hand und führte sie hinauf in sein Zimmer.

Kaum hatte er die Zimmertür hinter sich geschlossen, zog er Annie erneut in seine Arme. Wieder eroberte sein Mund Annies und seine Zunge drang tief in Ihren Mund vor. Annie presste sich ganz fest an Ted. Mit geschickten Händen öffnete Ted den Reißverschluss von Annies Kleid und streifte es von Ihren Schultern. Teds Augen funkelten, als er sah, was Annie unter dem Kleid trug.

„Sexy Dessous, Miss Douglas.“ stellte er fest und mit einem schnellen Schwung, hob er Annie in seine Arme und trug sie zu seinem großen Bett hinüber. Vorsichtig legte er Annie ab. Diese ließ ihre Hände über Teds breite Schultern und Brust wandern. Mit einem Ruck riss sie das Hemd auseinander, so dass die Knöpfe in alle Richtungen flogen.

Ted grinste.

„Bist Du bereit für eine lange Nacht?“ wollte er wissen.

„Du redest zuviel, Ted Evans. Küss mich lieber.“ flüsterte Annie heiser und zog Ted zu sich hinab.

Meg

 

 

Langsam wachte Annie auf und räkelte sich genüsslich.

„Na Du Schlafmütze, hast Du endlich ausgeschlafen?“ wurde sie von einem schon erschreckend munteren Ted begrüßt. Blinzelnd sah sich Annie nach der Stimme um und entdeckte Ted, schon fix und fertig angekleidet, am Fußende des Bettes stehen.

„Was machst Du denn so früh schon auf?“ fragte sie schläfrig.

„Früh? Meine Liebe es ist schon nach 10 Uhr.“ lachte Ted. „Ich muss sagen, Du hast einen gesunden Schlaf. Ich glaube, wenn man Dir das Bett unter Deinem süßen Hintern geklaut hätte, hättest Du es nicht einmal bemerkt.“

Annie setzte sich auf.

„Nun, ich muss zugeben, ich habe sehr gut geschlafen.“ Sie sah Ted an, der gerade sein Jackett anzog. „Sag mal, willst Du schon weg?“ fragte sie. Ted schüttelte seinen Kopf und lachte.

„Annie Douglas, wenn Du Dich gestern Abend nicht die ganze Zeit mit Dir selber beschäftigt hättest, hättest Du wahrscheinlich mitbekommen, dass ich mit Ben verabredet bin und zwar genau“ er blickte auf seine Armbanduhr „in 15 Minuten.“

„Und was ist mit dem Frühstück? Ich dachte wir machen es uns richtig gemütlich hier.“ Annie setzte eine beleidigte Miene auf. Ted beugte sich zu Ihr hinunter und küsste sie.

„Tut mir leid, es ist ein sehr verlockendes Angebot,“ während er sprach, schob sich seine Hand unter die Bettdecke und wanderte über ihren Körper „aber ich kann Ben nicht hängen lassen. Er braucht meinen juristischen Rat. Du kannst Dir Frühstück aufs Zimmer kommen lassen oder unten im Restaurant essen, ganz wie Du möchtest. Wenn Du gehen solltest, zieh einfach die Tür hinter Dich zu. Ansonsten wäre ich auch nicht enttäuscht, wenn ich Dich nachher hier noch genauso vorfinde.“

„Ted Eva...“ Annie wollte protestieren, aber Teds Mund verschloss Ihren mit einem leidenschaftlichen Kuss.

„Wir sehen uns.“ sagte er und verließ den Raum, noch bevor Annie irgendetwas erwidern konnte.

Meg

 

 

Meg sah von Ihrem Computer auf, als Bette das Büro betrat.

„Guten Morgen Bette.“ sagte sie fröhlich, doch dann stutze sie. „Mein Gott, was ist denn mit Dir los? Geht es Dir nicht gut?“ Sie sprang auf und ging zu ihrer Freundin hinüber.

„Morgen Muffin,“ Bette brachte ein kleines Lächeln zustande „frag lieber nicht. Ich habe gestern Abend doch nur zwei Gläser Champagner getrunken, aber heute Morgen fühle ich mich, als hätte ich zwei Flaschen geleert.“

Meg führte Bette zu ihrem Platz.

„Magst Du vielleicht einen Kaffee?“

Bette schüttelte sich.

„Bloß nicht! Allein schon bei dem Gedanken daran, dreht sich bei mir der Magen um.“

Meg kehrte zu ihrem Platz zurück.

„Und warum bist Du dann nicht zu Hause geblieben, wenn es Dir so schlecht geht?“ fragte sie.

„Ach Muffin, ich habe Dich lange genug hier mit der ganzen Arbeit alleine sitzen lassen. Es wird höchste Zeit, dass ich mal wieder ein wenig für mein Geld tue.“ winkte Bette ab.

„Okay, aber bitte sag mir bescheid, wenn es Dir wieder schlechter geht, dann bringe ich Dich höchst persönlich nach Hause.“ Meg sah ihre Freundin besorgt an, die sehr blass um die Nase aussah.

„Ja Ma’am.“ antwortete Bette mit einem Zwinkern und schaltete ihren Computer an.

Kurze Zeit später waren Meg und Bette in Ihre Arbeit vertieft.

„Guten Morgen die Damen.“ begrüßte Ted die beiden, als er das Büro betrat. Meg sah von ihrer Arbeit auf.

„Guten Morgen Ted.“ begrüßte sie ihren zukünftigen Schwager. „Gut gelaunt wie immer.“

Ted nahm Megs Hand in die seine und küsste sie.

„Warum auch nicht? Bei dem netten Familienzuwachs. Ben kann nur froh sein, dass er Dich zuerst hat kennengelernt hat, ansonsten hätte er keine Chance gehabt.“

„Das glaubst aber auch nur Du.“ vernahm man Bens Stimme von seiner Bürotür aus. Er ging zu Meg hinüber und schlang seine Arme um sie. „Nichts und Niemand hätte uns voneinander abgehalten.“

Er beugte sich vor und küsste Meg zärtlich auf den Mund.

„Mmm, genau das habe ich jetzt gebraucht.“ Liebevoll lächelte Meg Ben an.

„Ich stehe gerne zu Diensten. Du weißt ja, ich sitze nur eine Bürotür von Dir entfernt.“ Dann blickte Ben Ted an. „Ich bin froh, dass Du gekommen bist. Ich hoffe Du kannst mir weiterhelfen.“

Ted lächelte.

„Ich kann es zumindest versuchen. Aber warum hilft Dir denn Dein Geschäftspartner nicht weiter? Ich denke er ist Anwalt?“

Ben zuckte mit den Schultern.

„Wenn ich wüsste, wo er steckt, würde ich das auch glatt machen. Aber seit er den Prozess, in dem er seine Frau vertreten hat, verloren hat, ist er wie vom Erdboden verschwunden und niemand weiß, wo er steckt. Selbst über sein Handy kann ich ihn nicht erreichen. Wahrscheinlich versteckt er sich irgendwo und leckt seine Wunden, denn Gregory Richards verliert nicht gerne. Aber komm, lass uns das alles in meinem Büro besprechen.“ Ben drehte sich zu Meg um. „Würdest Du uns bitte Kaffee hineinbringen?“

„Natürlich“ antwortete Meg und stand auf. Kaum hatte Ben seinen Wunsch geäußert, sprang Bette auf und lief hinaus. Verwundert sah Ben ihr nach.

„Was ist denn mit Bette los?“

„Ich weiß nicht so genau. Sie sagte sie fühlt sich nicht besonders wohl und das der Champagner Ihr gestern Abend wohl nicht bekommen ist.“ erklärte Meg. Ben lachte.

„Das ist das erste mal, das ich höre, dass Bette keinen Champagner verträgt. Komm Ted, lass uns an die Arbeit gehen.“ Zusammen verschwanden die Brüder in Bens Büro.

Meg

 

 

Nachdem Ted gegangen war, brauchte Annie noch ein paar Minuten, um richtig wach zu werden. Dann sprang sie wütend aus dem Bett.

„Was denkt der sich eigentlich, wer er ist? Ich bleibe hier doch nicht liegen und warte bis der Herr sich entscheidet wieder zu kommen.“ Sie stand auf und ging ins Badezimmer hinüber, um zu duschen. Nachdem sie sich angezogen hatte, überlegte sie einen Augenblick, ob sie sich Frühstück bestellen sollte oder nicht, entschied sich dann aber dagegen. Ohne Ted eine Nachricht zu hinterlassen, verließ sie sein Zimmer und das Hotel.
 
Da sie hungrig war, entschied sie sich, im Waffelshop zu frühstücken. Sie betrat das kleine, aber gemütliche Lokal und sah sich nach einem freien Platz um, als sie von jemanden angesprochen wurde. „Hallo Annie, willst Du Dich nicht ein wenig zu mir setzten? Ich denke es wäre eine gute Gelegenheit, dass wir uns ein wenig besser kennen lernen.“

Annie drehte sich um und sah Ihrer Cousine direkt ins Gesicht. Noch immer wütend über Teds Verhalten, ging sie einen Schritt auf den Tisch zu, an dem Emily saß.

„Eins will ich gleich mal klar stellen. Du bist zwar meine Cousine, aber ich habe Dich nicht gebeten hier nach Sunset Beach zu kommen.“ legte Annie, nicht gerade leise, los. „Ich kann ja noch verstehen, wenn Du Dich bei Deiner Mutter einnistest, auch wenn wir alle dadurch noch weniger Platz haben, als vorher, aber ich kann auf keinen Fall akzeptieren, dass Du Dich in mein Privatleben einmischst.“

Emily sah Annie mit großen Augen an.

„Ich weiß gar nicht, was Du meinst. Seit ich hier angekommen bin, hast Du kaum drei Sätze mit mir gesprochen. Wie sollte ich mich da in Deine Angelegenheiten mischen.“

„Ach tu doch nicht so unschuldig.“ wetterte Annie weiter. „Glaubst Du, ich habe gestern Abend nicht bemerkt, dass Du Ted Evans schöne Augen gemacht hast?“

„Ich habe Mr. Evans keine schönen Augen gemacht.“ versuchte Emily sich zu verteidigen.

„Ach red doch keinen Unsinn, ich habe Dich und Ted genau beobachtet. Den ganzen Abend habt Ihr miteinander geflirtet oder warum sonst hat er mich nicht beachtet?“

Emily zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß zwar nicht, wovon Du sprichst, aber vielleicht solltest Du mal darüber nachdenken, warum er mich Dir vorgezogen hat.“

Das war zuviel für Annie.

„Du kleines Biest! Ich rate Dir, komm mir ja nicht wieder in die Quere! Ted Evans gehört mir und ich will nicht noch einmal sehen, dass Du Deine Klauen nach Ihm ausstreckst.“ Ohne auf eine Antwort von Emily zu warten, rauschte Annie wütend davon und verließ den Waffelshop.

Sprachlos sah Emily Ihr nach.
 
„Entschuldigung, aber ich konnte nicht überhören, was Annie gerade zu Ihnen gesagt hat.“ Emily sah auf und blickte den jungen Mann an, der vor ihr stand „Darf ich mich einen Augenblick setzen und mit Ihnen über Annie sprechen?“

Verwirrt nickte Emily und wies auf den feien Platz Ihr gegenüber.

„Danke“ sagte der Fremde und setzte sich.

Meg

 

 

Der Fremde lächelte Emily an und zwei Grübchen in seinen Wangen wurden sichtbar.

„Ich bin Cole Deschanel.“ Er reichte Emily die Hand. Diese ergriff sie zögernd.

„Ich bin Emily Davis.“

„Nett Sie kennen zu lernen, Miss Davis.“ sagte Cole. „Wenn ich das richtig verstanden habe, dann sind Sie noch ganz neu hier in Sunset Beach?“

Emily nickte.

„Ich bin gestern erst aus Chicago angekommen.“

„Na das ist ja ganz was anderes als Sunset Beach.“ stellte Cole fest. „Leider haben Sie mit Annie auch nicht gerade eine große Hilfe, sich hier einzuleben. Sie kann einem das Leben ganz schön schwer machen. Ich spreche da aus Erfahrung.“

„So?“ Emily sah Cole fragend an. Dieser nickte.

„Ja und zu allem Überfluss liebe ich Annie auch noch, aber das scheint sie mit ihrem sturem Dickkopf noch immer nicht begriffen zu haben.“ seufzte Cole.

„Haben Sie Annie das denn schon einmal gesagt?“ wollte Annie wissen. Cole lachte laut auf. „Natürlich, aber Annie hört nicht immer zu und wenn, dann auch nur halb. Annie lenkt leider ihre ganze Aufmerksamkeit nur auf das, was sie nicht haben kann. Wenn sie es dann hat, wird es ihr schnell langweilig.“

„Da haben Sie wohl auch Ihre Erfahrungen gemacht?“ fragte Emily.

„Ja leider, aber ich habe nicht vor, Annie aufzugeben, auch wenn sie im Moment nur Augen für Ted Evans hat.“

„Na dann wünsche ich Ihnen viel Erfolg, das wird bestimmt nicht einfach.“ meinte Emily.

„Da haben Sie wohl recht, aber ich hatte dabei auf Ihre Hilfe gehofft.“ antwortete Cole.

„Meine Hilfe?“ Emily sah Cole erstaunt an „Ich glaube kaum, dass ich Ihnen da eine große Hilfe sein könnte. Ich kenne Annie ja kaum.“

„Oh, ich habe da schon einen Plan,“ begann Cole „Sie müssten nur....“ Cole beugte sich vor und unterbreitete Emily leise seinen Plan.

Meg

 

 

"Und, was fangen wir mit dem angebrochenen Tag an?" fragte Ricardo mit vollem Mund kauend, als er und Gabi am Frühstückstisch saßen. Nachdenklich legte sie die Zeitung, die sie gerade angefangen hatte zu lesen, beiseite.

"Ich weiß nicht, aber vielleicht sollte ich mich mal wieder bei meinem Arbeitgeber blicken lassen." Ricardo nickte, während er einen Schluck Kaffee aus seiner Tasse nahm.

"Natürlich, das werde ich auch gleich nachher mal in Angriff nehmen," sagte er schmunzelnd. Sein Blick fiel auf die riesige Schlagzeile auf der ersten Seite des "Sentinel", und sein Lächeln erstarb. "Überraschende Prozeßwende - Olivia Richards gibt Schuldgeständnis ab", las er laut vor. Er schüttelte den Kopf. "Sie ist noch viel zu glimpflich davongekommen," schimpfte er. "Sie hätte Casey beinahe zum Krüppel gemacht, und was bekommt sie dafür? Eine lächerliche Geldstrafe in Höhe eines Taschengeldes!"

Gabi hob erstaunt den Kopf. So wütend hatte sie Ricardo schon lange nicht mehr erlebt.

"Ich bin nur froh, daß es vorbei ist," sagte sie leise. Ricardo griff über den Tisch hinweg nach Gabis Hand und drückte sie.

"Da ist noch etwas anderes, was Dich beschäftigt, nicht wahr?" fragte er sanft. Ruckartig entzog Gabi ihm ihre Hand und stand auf.

"Nein," log sie. "Es ist nichts, wirklich!" versuchte sie abzuwiegeln. Sie konnte Ricardos prüfenden Blick nicht länger standhalten und begann mechanisch und mit gesenktem Kopf, den Frühstückstisch abzuräumen.

"Ich glaube, ich weiß, was Dich bedrückt," sagte Ricardo, doch bevor er mit seiner Vermutung herausrücken konnte, schellte das Telefon. "Verdammt!" Genervt erhob er sich und nahm den Hörer ab. "Mama, bist Du das?" fragte er in den Hörer hinein. Gabi sah, wie er besorgt die Stirn runzelte. "Ich verstehe nicht so ganz ...  ... Nun beruhige Dich doch erst einmal! ... Ja, natürlich komme ich gleich rüber. ... Okay, bis gleich." Ricardo hängte ein und sah Gabi für einen Moment nachdenklich an. "Hat Deine Mutter ein Problem?" fragte sie neugierig, auch wenn sie eigentlich lieber nicht wissen wollte, was diese Frau nun wieder ausheckte. Ricardo fuhr sich mit einer Hand durch sein dichtes Haar.

"Ich weiß auch nicht," sagte er nachdenklich. "Sie will, daß ich sofort zu ihrem Häuschen komme. Sie hat dort etwas dringendes mit mir zu besprechen."

Gabi spürte plötzlich wieder, wie ihr Herz schneller schlug. Es hatte sicher nichts gutes zu bedeuten, wenn Madame Carmen ihren Sohn plötzlich so dringend sprechen musste. Gabi konnte sich nicht so ganz dem Gedanken verwehren, daß es dabei möglicherweise um sie ging.

"Soll ich Dich vielleicht begleiten?" fragte sie vorsichtig, doch Ricardo schüttelte den Kopf.

"Nein, ich denke es ist besser, wenn ich alleine zu ihr gehe." Er zog Gabi in seine Arme und gab ihr einen Abschiedskuß. "Wenn noch etwas sein sollte, kannst Du mich jederzeit im Police Departement erreichen," sagte er.

Gabi nickte.

"Ich werde auch gleich ins Krankenhaus fahren," sagte sie. "Treffen wir uns dann heute abend wieder hier?"

Ricardo grinste schelmisch, ging zur Tür und zog den Schlüssel ab, den er dann Gabi feierlich in ihre geöffnete Hand legte. Erstaunt schaute sie auf den Schlüssel herunter.

"Wow," entfuhr es ihr dann. "Soll das heissen, daß ich ab jetzt hier ein- und ausgehen kann, wie es mir beliebt?" fragte sie lächelnd. Ricardos Miene wurde ernst.

"Es soll sogar noch mehr bedeuten, aber ..." Er sah auf die Uhr. "Ich denke, ich sollte meine Mutter nicht warten lassen," sagte er mit einem entschuldigenden Lächeln. "Wir reden heute abend darüber, okay?" Er gab der verblüfften Gabi noch schnell einen Kuß auf die Wange und verließ dann eilig das Appartement.

Mona

 

 

Ted setzte sich vor Bens Schreibtisch und sah seinen Bruder erwartungsvoll an.

„Und was wolltest Du heute morgen von mir?“

Ben reichte Ted eine Akte.

„Hier ist ein Vertrag, den mein Partner Gregory Richards ausgearbeitet hat. Eigentlich habe ich ihm da immer vertraut, aber in letzter Zeit sind ein paar Dinge vorgefallen, die mich vorsichtiger werden lassen. Nun ist Gregory nach seinem verlorenen Prozess auch noch verschwunden. Ich möchte einfach, dass Du Dir den Vertrag einmal genau ansiehst, da Du ja auch Anwalt bist und mehr davon verstehst als ich.“

Ted nickte.

„Verstehe.“ Er öffnete die Akte und begann zu lesen. Ben beobachtete seinen Bruder gespannt. Als Ted auf Seite drei des Vertrages angelangt war, schaute er Ben an.

„Ich muss sagen, dieser Gregory ist ein gerissener Hund.“

„Ich wusste doch, dass da wieder irgendetwas nicht in Ordnung ist. Was hat er diesmal gemacht?“ wollte Ben wissen. Ted legte die Akte auf den Schreibtisch und zeigte Ben einen Punkt des Vertrages. „Hier, er hat das geschickt getarnt, aber laut dieser Klausel, ist er voll am Gewinn beteiligt, aber falls der Vertrag platzt, bist Du alleine dafür regresspflichtig.“

„Du meinst, er würde abkassieren, aber zahlen dürfte nur ich?“ fragte Ben noch einmal nach.

Ted nickte.

„Ganz genauso sieht es aus.“

Wütend warf Ben die Akte auf den Tisch.

„So langsam habe ich von Gregorys Manipulationen die Nase voll. Erst bringt er unsere ganze Firma in Gefahr und dazu auch noch Menschenleben und nun will er sich auch noch auf meine Kosten bereichern.“

Ted sah seinen Bruder an „Dieser Gregory scheint ja ein ganz schönes Früchtchen zu sein. Ihm sollte mal jemand zeigen, wo seine Grenzen sind. Wenn Du erlaubst, werde ich den Vertrag noch einmal für Dich überarbeiten.“ Ben nickte „Das wäre gut, danke.“ Ben reichte Ted die Akte. Ted nahm sie nachdenklich an sich „Was hältst Du eigentlich davon, wenn ich in Sunset Beach sesshaft werde?“ Ben sah seinen Bruder überrascht an.

„Das wäre großartig. Und hast Du schon irgendwelche Pläne?“

Ted nickte.

„Mir geht da gerade etwas durch den Kopf. Ich habe heute morgen in der Zeitung gelesen, dass die Stadt einen neuen Staatsanwalt sucht, vielleicht wäre das etwas für mich. Mir scheint in dieser Stadt hat Gregory Richards zu viel zu sagen und sollte mal in seine Schranken verwiesen werden.“

Ben grinste.

„Ich denke, die Idee ist nicht schlecht. Ich würde Dich dabei natürlich unterstützen.“

Ted stand auf.

„Gut, dann werde ich mich gleich mal dafür bewerben. Und um Deinen Vertrag kümmere ich mich auch, versprochen.“

Ben begleitete Ted noch bis zur Tür.

„Na dann viel Glück. Ich werde gleich mal ein paar Anrufe tätigen.“

„Danke Ben.“ sagte Ted und verließ das Büro.

Meg

 

 

„Na, was hast Du heute noch vor?“ fragte Ben, als er am Nachmittag mit Meg vom Büro nach Hause kam. „Wir könnten vielleicht noch ein bisschen zum Strand hinunter gehen und die letzten Sonnenstrahlen genießen."  
Bedauernd schüttelte Meg den Kopf.  
„Tut mir leid, aber ich hab was anderes zu tun.“  
„Kann das nicht warten?“ fragte Ben enttäuscht, doch sie ließ sich nicht beeindrucken.  
„Du kannst ja allein zum Strand gehen, vielleicht komme ich später nach.“ lenkte sie ein, schnappte sich einige dicke Modejournale und setzte sich hinaus auf die Veranda.  
Erstaunt sah ihr Ben hinterher und folgte ihr dann schließlich nach draußen. Neugierig blickte er über ihre Schulter in eines der Magazine, dass ihre ganze Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen schien. Hochzeitskleider! Das war es also, was sie so beschäftigte!  
„Da hab ich einen ganz anderen Vorschlag für Dich, mein Schatz.“ meinte er schmunzelnd. Erwartungsvoll blickte sie auf.  
„Was denn für einen Vorschlag?“  
„Na ja...“ Er griff nach dem Journal, in dem sie gerade blätterte und warf es achtlos auf den Tisch. „Auf dem Papier sieht doch ein Kleid wie das andere aus. Ich möchte aber, dass meine zukünftige Frau ein Hochzeitskleid findet, dass wirklich gut zu ihr passt.“ Mit diesen Worten zog er sie lächelnd aus ihrem Sessel hoch und nahm sie in die Arme. „Ich habe gehört, in L.A. auf dem Rodeo Drive soll es ein paar erstklassige Hochzeitsausstatter geben, die in dieser Beziehung keine Wünsche offen lassen.“  
Meg sah ihn mit großen Augen an.  
„Das weiß ich, aber dort einzukaufen kann ich mir mit meinem bescheidenen Gehalt nicht leisten!“
Bens Gesicht wurde eine Spur ernster.  
„Aber ich kann es mir leisten, und ich möchte, dass Du mit mir hinfährst und Dir genau das Kleid aussuchst, das Du vor dem Traualtar tragen möchtest.“  
„Ich weiß nicht recht..“ versuchte sie Einspruch zu erheben, doch er verschloß ihre Lippen mit einem langen, innigen Kuß.  
„Hör zu, Meg“ sagte er danach leise und unendlich zärtlich, „Du bist die Frau, mit der ich mein Leben verbringen möchte, und ich wünsche mir, dass unser Hochzeitstag so perfekt wird, wie ich mir mein zukünftiges Leben an Deiner Seite vorstelle, also tu mir bitte den Gefallen und such Dir ein Hochzeitskleid nach Deinen Wünschen und Vorstellungen aus.“  
„Okay“ nickte Meg, hob jedoch gleich darauf bedenklich die Augenbrauen. „Du darfst es aber vorher nicht sehen!“  
Ben lachte.  
„Einverstanden. Da ich morgen sowieso geschäftlich in L.A. zu tun habe, schlage ich vor, dass wir zusammen hinfahren. Du hättest den ganzen Tag über Zeit, Dich in Ruhe umzuschauen. Wir könnten uns später irgendwann zum Abendessen treffen und dann gemeinsam zurückfahren. Wie findest Du meinen Vorschlag?“  
Meg sah ihn mit einem nachdenklichen Lächeln an.  
„Wir waren schon einmal zusammen in L.A., erinnerst Du Dich?“ fragte sie.  
Ben nickte.  
„Wie könnte ich diesen Tag vergessen!“ Zärtlich strich er ihr eine Haarsträhne aus der Stirn. „Es wird wirklich Zeit, dass wir das mal wiederholen. Was meinst Du?“  
Meg strahlte ihn an und beantwortete seine Frage mit einem weiteren leidenschaftlichen Kuß.  
„Mmh...“ machte Ben und grinste verwegen, als sie sich nach einer Ewigkeit voneinander lösten, „nachdem wir das geklärt hätten, könnten wir ja doch noch zum Strand gehen... es sei denn...“  
„Es sei denn... was?“ fragte Meg herausfordernd und erwiderte sein Lächeln.  
„Es sei denn, wir machen da weiter, wo wir gerade angefangen haben!“

Jeany

 

 

Als Ricardo das kleine Strandhaus seiner Mutter betrat, stellte er erstaunt fest, daß sie nicht alleine da war. Antonio war ebenfalls anwesend. Er war nicht in zivil, sondern trug seine schwarze Soutane. Er hatte die Hände ineinander gekrampft und schaute verlegen zu Boden, als Ricardo eintrat.

Leicht verwirrt ging Ricardo auf seine Mutter zu.

"Hallo Mama!" begrüßte er sie und wandte sich dann Antonio zu. "Hallo Bruderherz! Ich wusste nicht, daß Du auch hier sein würdest."

Antonio hob kurz den Kopf, senkte ihn dann aber wieder.

"Setz Dich, Ricardo!" forderte Carmen Torres ihren ältesten Sohn auf, ohne seinen Gruß zu erwidern. "Antonio hat uns etwas mitzuteilen," fügte sie erklärend hinzu. Ricardo zog sich einen Stuhl heran und nahm platz. Eine eigenartige Spannung lag im Raum, die sich Ricardo nicht erklären konnte. Verstört schaute er von Carmen zu Antonio, doch beide saßen nur mit angespannter Miene auf ihren Stühlen und sagten kein Wort. Man hätte eine Stecknadel im Raum fallen hören können, so still war es. Ricardo räusperte sich.

"Was gibt es denn?" wandte er die Frage an seinen Bruder. Antonio atmete tief durch.

"Ich habe es Mama schon gesagt ..." begann er. "Ich werde Sunset Beach in absehbarer Zeit verlassen."

Ricardo hob ruckartig seinen Kopf und sah seinen Bruder fassungslos an.

"Sunset Beach verlassen ...? Aber wieso denn nur?" fragte Ricardo verwirrt.

Madame Carmen stand abrupt auf und ging mit verschränkten Armen nervös im Raum hin und her. "Sag es ihm, Antonio!" entfuhr es ihr. Ricardo sah seine Mutter irritiert an, dann ging sein Blick zu Antonio, der seine Mutter flehend ansah und leicht den Kopf schüttelte. Madame Carmen ging zu ihrer Kristallkugel hinüber, die auf einem kleinen Beistelltischchen stand, nahm sie vorsichtig in beide Hände und schaute hinein. Antonio sah Ricardo entschuldigend an.

"Ich habe um meine Versetzung gebeten, weil ich ..." Er unterbrach sich und strich sich nervös sein Gewand glatt. "... Weil ich der Meinung bin, daß ich an einem anderen Platz den Menschen eine bessere Hilfe sein kann," fuhr er dann fort. Ricardo schüttelte verständnislos den Kopf.

"Das verstehe ich nicht!" sagte er. "Und was ist mit uns, Deiner Familie? Bedeuten wir Dir gar nichts?" Antonio warf schnell einen Blick zu seiner Mutter hinüber, die immer noch wie gebannt in ihre Kugel starrte.

"Auch wenn Du meine Beweggründe vielleicht nicht verstehen kannst," sagte er dann, zu Ricardo gewandt," aber ich habe mich entschieden."

Ricardo sah Antonio an und erkannte die Entschlossenheit in seiner Stimme. Er senkte den Kopf und nickte.

"Es tut weh, Dich ein zweites Mal verlieren zu müssen," sagte er leise. Antonio verspürte plötzlich einen Kloß in seinem Hals. Wortlos schloß er seinen Bruder in die Arme. Madame Carmen schaute von ihrer Kugel auf und sah ihre beiden Söhne an. Ihre Miene war wie versteinert. Antonio löste sich aus Ricardos Armen.

"Genug der Sentimentalitäten," sagte er. "Ich werde noch ein paar Tage hier sein, bis man eine neue Aufgabe in einer anderen Mission für mich gefunden hat," fügte er hinzu. Ricardo nickte.

"Ein paar Tage ..." murmelte er. "Schade! Ich hatte so sehr gehofft, daß Du Gabi und mir vor dem Traualtar Deinen Segen geben würdest," sagte er leise.

Antonio sah Ricardo fassungslos an.

"Du willst sie heiraten?" brachte er mit heiserer Stimme hervor. Die Antwort blieb ihm schuldig, weil plötzlich ein ohrenbetäubendes Geräusch den Raum erfüllte. Alle Blicke richteten sich auf den Fußboden, wo die kläglichen Überreste von Madame Carmens kristallener Wahrsagekugel lagen.

Mona

 

 

"Hallo Schatz!" Sara öffnete die Tür zu Dereks Büro im "Deep", ging geradewegs auf ihn zu und gab ihm einen Kuß. Derek sah sie überrascht an.

"Wolltest Du nicht erst morgen wieder mit der Arbeit beginnen?" fragte er. Sara lächelte.

"Ja, will ich immer noch. Das hier ist nur ein Besuch bei dem Mann meiner Träume," sagte sie schmunzelnd. Derek stand auf und schob seinen Bürostuhl beiseite. Zärtlich nahm er Sara in den Arm.

"So ist das also ..." raunte er, während er seine Lippen auf ihren Mund drückte. Geschickt wand sich Sara aus seiner Umarmung.

"Stop!" sagte sie. "Deshalb bin ich nicht hergekommen!"

Derek stützte seine Hände in die Hüften und sah sie neugierig an.

"Sondern?" fragte er interessiert.

"Als ich vorhin den kurzen Weg zum "Deep" ging, fiel mir auf, daß der Sonnenuntergang heute besonders schön zu werden scheint," sagte Sara schwärmerisch. Derek sah sie amüsiert an.

"Ja, kann schon sein," sagte er. "Und was hat das mit Deinem Besuch zu tun?" fragte er. Sara rollte genervt mit den Augen.

"Derek Evans! Manchmal hast Du aber eine extrem lange Leitung!" entfuhr es ihr entrüstet. Derek lachte.

"So ein verlockendes Angebot, mit Dir den Sonnenuntergang zu betrachten, kann ich natürlich nicht ablehnen," sagte er dann. Sara sah ihn erfreut an und griff dann nach seinem Arm.

"Du wirst es nicht bereuen!" versprach sie ihm. Derek sah sie fragend von der Seite an, doch Sara lächelte nur still vor sich hin. Derek legte seinen Arm um sie, und gemeinsam verließen sie das Büro. "Mark, Caitlin," rief Derek seine Angestellten zu sich. "Ich bin kurz weg," erklärte er. "Sara und ich machen einen kleinen Spaziergang." Er griff nach Saras Hand, und gemeinsam gingen sie die Treppe hinauf zum Ausgang.

Mona

 

 

Vollbepackt mit Einkaufstüten öffnete Annie die Tür zu dem Haus Ihrer Tante. Sie trat ein und ließ die bunten Tüten auf das Sofa im Wohnzimmer fallen. Nach und nach begann sie ihre Einkäufe auszupacken. Ein Teil nach dem anderen förderte sie hervor, um es, nachdem sie es betrachtet und angehalten hatte, achtlos auf den Boden fallen zu lassen. Schon nach wenigen Minuten sah das  Wohnzimmer aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen wäre. Sie hielt sich gerade ein schwarzes, kurzes Stretchkleid an, als ihr Handy klingelte. Sie fischte es aus ihrer Handtasche.

„Annie Douglas“

„Hey Du Wirbelwind, wo treibst Du Dich denn schon wieder herum?“ säuselte Teds Stimme in ihr Ohr. „Ach,“ sagte Annie und sah sich im Wohnzimmer um „ich hatte ein paar dringende Besorgungen zu erledigen.“

„Ich hoffe Du hast Dir etwas schönes für den Abend gekauft, was nicht ganz so aufreizend ist, wie das Kleid von gestern Abend.“ fragte Ted.

„Oh, und ich hatte letzte Nacht den Eindruck, es hätte Dir sehr gefallen.“ antwortete Annie.

„Es hat mir mehr als nur gefallen, Kleines, aber heute Abend sind wir zum Essen mit dem Bürgermeister verabredet und wir wollen doch nicht, dass der arme Mann eine Herzattacke bekommt.“ lachte Ted.

„Mit dem Bürgermeister?“ Annie war ein wenig verwirrt.

„Ja, es geht um meine Zukunft hier in Sunset Beach, also zieh Dir bitte was Nettes an und komm um acht ins Restaurant vom Sunset Inn.“ erklärte Ted.

„Aber ich verstehe nicht....“ begann Annie, doch Ted fiel ihr ins Wort.

„Kleines ich habe jetzt nicht viel Zeit Dir das zu erklären. Sei einfach pünktlich und nett angezogen im Restaurant.“

„Also gut,“ stimmte Annie zu „um acht im Restaurant vom Sunset Inn, aber Du schuldest mir noch eine Erklärung, Ted Evans.“

„Bekommst Du, versprochen, bis nachher.“ Dann hörte Annie nur noch ein Klicken in der Leitung. Sie raffte Ihre Einkäufe zusammen und stieg die Treppe hinauf.

Von der Terrasse her betrat Emily das Haus. Sie holte einen Zettel aus der Tasche Ihrer Shorts, nahm den Telefonhörer ab und wählte die Nummer, die auf dem Zettel stand.

„Hi Cole, hier ist Emily. Annie und Ted haben eine Verabredung im Restaurant vom Sunset Inn, um acht Uhr.“ Sie lauschte auf das, was Cole antwortete. „Gut, ich bin pünktlich um halb da, bis dann.“ Sie legte den Hörer auf und verschwand in Ihr Zimmer.

Meg

 

 

Die untergehende Sonne tauchte den Strand in ein warmes, goldfarbenes Licht und hinterließ auf den Wellen zauberhafte Reflexe, als Sara und Derek eng umschlungen am Ufer entlang gingen.

"Weißt Du noch, wie Du mir damals die Geschichte von der Legende von Sunset Beach erzählt hast?" fragte Sara und sah Derek an. Er lächelte und zog sie enger an sich.

"Ja, ich erinnere mich," entgegnete er. "Wie ein Wirbelwind bist Du damals in mein Leben getreten, und ich konnte mich nicht einmal dagegen wehren."

Sara hob grinsend den Kopf.

"Ich habe schon immer das bekommen, was ich mir in den Kopf gesetzt habe," sagte sie. Derek schob sie ein Stück von sich weg und sah sie lange und nachdenklich an.

"Ich habe Dir am Anfang sehr wehgetan," sagte er leise. "Ich habe Dich nur für meine Zwecke benutzt, weil ich eigentlich ..."

Sara unterbrach seinen Redeschwall, indem sie seine Hände ergriff und festhielt.

"Bitte nicht!" bat sie. "Laß uns nicht zurückschauen! Was Du getan oder auch nicht getan hast, gehört der Vergangenheit an. Wir sollten jetzt nur noch an unsere Zukunft denken - an die Hochzeit, unser Baby ..."

Tief gerührt von Saras Worten, zog Derek sie in seine Arme.

"Ich liebe Dich! Weißt Du das?" sagte er leise. Sara schmiegte sich an seine Brust, und gemeinsam schauten sie in die glitzernden Wellen. Eine ganze Weile standen sie nur so da und schauten fasziniert dem Farbenspiel am Himmel zu. Sara griff in ihre Jackentasche und zog das kleine Päckchen hervor, daß sie in der Krankenhausboutique gekauft hatte. Wortlos überreichte sie Derek das Präsent.

"Ein Geschenk? Für mich?" fragte er überrascht. Sara nickte. Vorsichtig drehte Derek das Päckchen zwischen seinen Händen hin und her, bevor er das Geschenkband löste und das Papier darum entfernte. Gespannt hob er den Deckel, und war erstaunt, was darunter zum Vorschein kam: Ein Paar Babyschuhe aus rosafarbenem Samt. Er nahm die winzigen Schuhe vorsichtig heraus und balancierte sie auf seiner Hand.

"Ich glaube nicht, daß das so ganz meine Größe ist," stellte er dann schließlich fest. "Und überhaupt ... diese Farbe ...!"

"Die sind doch nicht für Dich, Du Dummer," sagte Sara liebevoll. "Die Schuhe sind für unser Baby!" Sara sah, wie auf Dereks Stirn eine nachdenkliche Falte erschien. Angestrengt schaute er die kleinen Schuhe an. Plötzlich schien er den tieferen Sinn dieses Geschenkes begriffen zu haben, denn er hob plötzlich den Kopf und sah Sara an.

"Rosafarbene Schuhe ..." murmelte er. "Soll das etwa heissen, das wir ein Mädchen bekommen?" fragte er. Sara nickte, während Tränen des Glücks über ihre Wangen liefen.

"Freust Du Dich?" fragte sie zaghaft. Derek stieß einen kurzen Freudenschrei aus, hob Sara hoch und wirbelte sie einmal um seine Achse. Sanft setzte er sie dann wieder ab.

"Ob ich mich freue? Das ist die Untertreibung des Jahres!" sagte er, noch völlig außer Atem. "Ich könnte die ganze Welt umarmen, so glücklich bin ich!" Er umarmte Sara und legte dabei beide Hände auf ihren Bauch. "Eine kleine Tochter ..." sagte er leise.

Sie schauten wieder beide auf das Meer hinaus, wo die Sonne in diesem Moment versank.

Mona

 

 

Nervös schaute Ricardo auf die Uhr. Es war schon nach 20 Uhr, und Gabi hatte doch gesagt, daß sie direkt nach Feierabend zu ihm kommen würde. Es war gar nicht ihre Art, sich zu verspäten, ohne zumindest anzurufen. Ricardo setzte sich an den Esstisch und begann gelangweilt mit dem Essbesteck zu spielen, während er in Gedanken noch einmal die Ereignisse des Vormittags Revue passieren ließ.

Wieso wollte Antonio Sunset Beach wirklich verlassen? Die ganze Zeit hatte Ricardo schon darüber nachgegrübelt, war aber zu keinem vernünftigen Ergebnis gekommen. Es musste etwas Schwerwiegendes sein, über das er nicht sprechen wollte. Wieso nur hatte er das Gefühl gehabt, daß seine Mutter mehr darüber wusste? Sie schien ihm sehr nervös gewesen zu sein, und als dann auch noch ihre Kristallkugel zu Bruch ging, bekam sie fast einen Nervenzusammenbruch. Was hatte sie damit gemeint, als sie daraufhin sagte "Sie ist an allem schuld!"

Ricardo sprang auf und ging wieder nervös umher. Antonio war ihm gegenüber so distanziert, ja geradezu kühl gewesen. Ricardo seufzte tief auf. Er musste noch einmal in aller Ruhe mit Antonio reden. Gleich morgen würde er ihn im Pfarrhaus besuchen. Vielleicht erfuhr er so mehr.

Ricardo schloß die Augen. In seiner Vorstellung sah er wieder die Szene vor sich, wie seine Mutter weinend auf dem Fußboden hockte und ihre Kugel betrauerte. Dabei hatte sie immer gefaselt "Ein böses Omen ... ein böses Omen ..."

Ricardo schüttelte sich, als könnte er so die Gedanken verdrängen. Plötzlich hörte er, wie ein Schlüssel im Türschloß herumgedreht wurde, und wenige Augenblicke später stand Gabi vor ihm.

Mona

 

 

"Entschuldige, Ricardo!" Gabi ging auf ihn zu und gab ihm einen Kuß. "Dr. Robinson bat mich noch kurz vor Feierabend in sein Büro, und irgendwie haben wir uns wohl dort verquatscht."

Ricardo lächelte angespannt.

"Ist schon okay," sagte er. "Ich habe mir nur Sorgen gemacht, daß Du vielleicht einen Unfall hattest." Gabis Blick fiel auf den festlich gedeckten Esstisch.

"Oh nein, sag' jetzt nicht, daß Du extra für uns gekocht hast?"

Ricardo nickte.

Gabi stieß einen Seufzer aus.

"Jetzt ist bestimmt alles kalt, oder?" Entschuldigend sah sie Ricardo an. "Wie kann ich das denn jetzt wieder gutmachen?" fragte sie zerknirscht. Ricardo verzog das Gesicht zu einem Lächeln.

"Indem Du jetzt Deine Jacke ausziehst, Dich hinsetzt und zuhörst, was ich Dir zu sagen habe!" entgegnete er. Gabi folgte seiner Aufforderung, und nachdem Ricardo das Essen zum Aufwärmen noch einmal in die Mikrowelle geschoben hatte, nahm er gegenüber Gabi platz und ergriff ihre Hand. Verstohlen schielte sie auf die Tischdeko.

"Kerzen, Blumen ... Was hatte Ricardo nur vor?" Nervös befingerte Gabi mit ihrer freien Hand die Fransen der Tischdecke.

"Ich hoffe, daß das jetzt nicht zu überraschend für Dich kommt," hörte sie Ricardo sagen. Gabi lächelte gezwungen.

"Du machst es aber sehr spannend," entfuhr es ihr. Ricardo holte tief Luft, bevor er mit seiner Rede begann.

"Gabi ..." begann er. "Wir haben in den letzten Monaten so viele Krisen und Schwierigkeiten überwinden müssen, daß uns das noch enger aneinandergeschmiedet hat. Ich kann mir ein Leben ohne Dich nicht mehr vorstellen, und ich denke, Dir geht es genauso. Deshalb möchte ich Dich fragen, ob ..."

Gabi hörte schon nicht mehr zu, was Ricardo sagte. Sie dachte an ihren Traum, und mit einem Mal bekam sie furchtbare Schuldgefühle. Wie konnte sie Ricardos Antrag - und es war ja wohl ganz eindeutig, daß dies ein Heiratsantrag werden sollte - annehmen, wenn sie gefühlsmäßig noch so durcheinander war. Sie musste etwas tun, bevor er die magischen vier Worte "Willst Du mich heiraten?" aussprach. Abrupt entzog sie ihm ihre Hand und stand auf.

"Warte Ricardo!" unterbrach sie ihn. "Ich muß Dir etwas sagen ..."

Mona

 

 

Kurz vor acht betrat Annie das Sunset Inn. In der Hotelhalle wartete Ted schon auf sie. Er musterte Annie zufrieden von oben bis unten. Sie hatte einen schlichten, schwarzen Hosenanzug gewählt. Dazu trug sie ein goldfarbenes Top. Es sah schlicht, aber dennoch elegant aus. Ted küsste Annie zur Begrüßung auf die Wange.

„Du siehst toll aus.“

Annie drehte sich vor Ted.

„Danke, entspricht das Deinen Ansprüchen?“ Ted lächelte.

„Es ist perfekt.“ Er griff nach Annies Hand. „Nun komm, ich habe einen Tisch für uns reservieren lassen.“

Annie rührte sich keinen Zentimeter von der Stelle.

„Nicht bevor Du mir erklärst, was hier eigentlich los ist.“

Ted seufzte.

„Wir sind zum Dinner mit dem Bürgermeister verabredet.“

„DAS,“ betonte Annie „hast Du mir ja schon am Telefon erzählt. Aber warum sind wir mit dem verabredet?“

„Nun, ich habe mich heute für die Stelle des Bezirksstaatsanwalt beworben und das hier ist sozusagen mein Bewerbungsgespräch.“ erklärte Ted.

„Du meinst, Du willst hier in Sunset Beach bleiben?“ Annie war ein wenig blass um die Nase geworden und sah Ted erschrocken an.

„Ja, warum nicht? Es gefällt mir hier ausgesprochen gut.“ antwortete Ted „Aber nun komm, ich möchte noch vor Bürgermeister Clancy am Tisch sitzen.“ Er zog die etwas widerwillige Annie hinter sich her und führte sie zu dem Tisch, den der Oberkellner ihm schon kurz vorher gezeigt hatte.

 

Emily und Cole beobachteten, wie Ted und Annie das Restaurant betraten. Es hatte Cole zwar ein dickes Trinkgeld gekostet, aber nun saßen sie am Nebentisch von Ted und Annie, so dass Annie sie bestimmt nicht übersehen konnte. „Es geht los.“ flüsterte Cole und ergriff Emilys Hand „Dann wollen wir mal mit unserer kleinen Scharade anfangen.“ Beide hoben Ihr Champagnerglas an und Cole setzte sein verführerischtees Lächeln auf und sah Emily an.
 
Annie traute ihren Augen kaum, als sie von dem Oberkellner an den Tisch geführt wurden. Was taten denn Cole und Emily hier? Sie ignorierte den Stuhl, den Ted ihr höflich vorgezogen hatte und ging stattdessen um den Tisch herum, damit sie Cole und Emily genau beobachten konnte. Ted zuckte leicht mit den Schultern und setzte sich neben Annie.

„Darf ich Ihnen schon einen Aperitif bringen?“ fragte der Ober.

„Für mich bitte ein Glas Champagner, den besten, den Sie haben.“ orderte Annie. Teds Mine verdüsterte sich ein wenig.

„Für mich bitte ein Mineralwasser.“ bestellte er. Er beobachte Annie aus den Augenwinkeln heraus. Irgendetwas schien sie verärgert zu haben und er konnte nur hoffen, dass sie ihm nicht aus einer Laune heraus den Abend verdarb.

Meg

 

 

Als Ted sah, wie der Bürgermeister Georg Clancey und seine Frau Melissa, das Restaurant betraten, erhob er sich und begrüßte seine Gäste.

„Mrs. Clancey, nett Sie kennenzulernen.“ Er beugte sich für einen Handkuss vor, dann wandte er sich an den Bürgermeister. „Mr. Clancey, vielen Dank für Ihr kommen. Darf ich Sie mit meiner Begleiterin Miss Annie Douglas bekannt machen?“ Zu seiner Erleichterung reichte Annie dem Bürgermeister und seiner Frau die Hand und lächelte sogar. Der Bürgermeister und seine Frau nahmen Platz.

„Danke, nach unserem Gespräch heute Nachmittag bin ich Ihrer Einladung gerne gefolgt.“

Der Ober kam und nahm die Bestellungen auf. Es dauerte nicht lange und Ted war in ein Gespräch mit dem Bürgermeister und seiner Frau vertieft. Annie folgte der Unterhaltung schon bald nicht mehr. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt dem Nebentisch, an dem Cole und Emily ungeniert flirteten.

„Was fiel dieser Schnepfe eigentlich ein, so mit ihrem Freund zu flirten?“ dachte Annie wütend und leerte ihr Champagnerglas.

„Sind Sie nicht auch der Meinung, Miss Douglas?“ fragte Bürgermeister Clancey sie plötzlich.

„Wie? Bitte entschuldigen Sie, ich war im Moment mit meinen Gedanken woanders.“ entschuldigte sich Annie.

„Ich fragte gerade, ob Sie nicht auch der Meinung sind, dass Mr. Evans einen ausgezeichneten Bezirksstaatsanwalt abgeben würde?“ erklärte Georg Clancey Annie. Diese nickte geistesabwesend, denn Emily erhob sich gerade und ging in Richtung Waschräume.

„Natürlich, Ted wäre der Beste.“ Annie stand auf. „Wenn Sie mich kurz entschuldigen würden.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, hastete Annie Emily nach.
 
Schwungvoll schob Annie die Tür zum Waschraum auf. Emily, die sich gerade die Lippen nachzog, sah Annie im Spiegel an.

„Hi Annie, Du auch hier?“

Wütend ging Annie auf Emily zu und riss diese herum.

„Eigentlich sollte ich Dich fragen, was Du hier suchst.“

Emily lächelte Annie unschuldig an.

„Ich esse zu Abend hier, was spricht dagegen?“

„Und warum tust Du das ausgerechnet mit meinem Freund?“ zischte Annie.

„Deinem Freund?“ Emily schaute Annie verwirrt an. „Du bist doch selber mit Ted hier. Ich habe heute einen sehr netten jungen Mann kennenge....“

„Ich rede doch nicht von Ted Evans. Der ist nicht mein Freund, sondern Cole Deschanel.“

„Cole ist Dein Freund? Und warum bist Du dann mit Ted hier?“ wollte Emily wissen.

„Weil, weil....“ Annie suchte einen Augenblick nach einer Erklärung. „nun, Cole und ich hatten, sagen wir mal eine kleine Meinungsverschiedenheit. Das heißt aber nicht, dass zwischen Cole und mir nichts mehr ist.“

„Und was ist mit Ted?“ fragte Emily.

„Ted ist ein netter Zeitvertreib. Ich sitze doch nicht dumm rum, bis Cole sich wieder an mich erinnert.“ rechtfertigte Annie sich.

„Wenn Du so großes Interesse an Cole hast, dann würde ich es ihm mal zeigen, anstatt schamlos mit anderen Männer zu flirten.“ erwiderte Emily.

„Halt Du Dich da gefälligst raus und vor allem lass Cole in Ruhe, er gehört zu mir.“ Ohne auf einen weiteren Kommentar von Emily zu warten, verließ Annie den Waschraum.

„Ted ich habe Kopfschmerzen und will nach Hause.“ sagte sie, sobald sie an den Tisch zurück gekehrt war.

„Annie bitte...“ begann Ted.

„Ist schon in Ordnung, Mr. Evans,“ fiel Mr. Clancey Ihm ins Wort „ich denke, wir haben das Wichtigste besprochen. Ich rufe Sie dann morgen an und teile Ihnen meine Entscheidung mit. Bringen Sie nun lieber Ihre charmante Begleitung nach Hause.“

Ted bezahlte und erhob sich dann von seinem Platz.

„Noch einmal vielen Dank für das Gespräch und noch einen schönen Abend.“ bedankte er sich und führte Annie nach draußen.

„Kannst Du mir mal erklären, was das sollte?“ fauchte er Annie an.

„Nichts, ich habe einfach nur Kopfschmerzen und will nach Hause.“ antwortete Annie. Ted sah Annie skeptisch an.

„Dann komm, ich fahr Dich nach Hause.“

Annie schüttelte Teds Hand ab.

„Nicht nötig, ich nehme ein Taxi.“ Ohne sich umzudrehen, rauschte sie davon. Ted schaute ihr wütend nach und fuhr dann mit dem Fahrstuhl in sein Zimmer hinauf.  

Meg

 

 

Verwirrt hielt Ricardo inne.

"Du willst mir etwas sagen? ... Aber hat das keine Zeit, bis ich meinen Satz beendet habe?" fragte er. Gabi schüttelte den Kopf.

"Nein, denn ich möchte Dir etwas erklären, bevor Du mit Deinen Ausführungen fortfährst," entgegnete sie. Ricardo machte eine weitausholende Geste.

"Nun gut, was hast Du auf dem Herzen?"

Gabi setzte sich wieder auf ihren Stuhl und verschränkte die Hände ineinander, bis die Fingerknöchel weiß hervortraten.

"Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll," begann sie zögernd. "Wie Du schon sagtest, haben wir eine Menge in den letzten Wochen durchmachen müssen." Sie holte tief Luft. "Ich habe erst in den paar Tagen in Ludlow erkannt, wie sehr Du mir fehlst und wieviel Du mir bedeutest, aber ..." Sie räusperte sich. "Aber ich bin noch nicht bereit einen so großen Schritt zu tun ... Dich zu heiraten!" Jetzt war es heraus, und Gabi atmete hörbar aus. Ricardo stand auf und ging langsam und nachdenklich um den Tisch herum. Er blieb nach einer Weile stehen und sah Gabi mit gerunzelter Stirn an.

"Du hast gedacht, daß ich Dir einen Antrag machen wollte?" fragte er unsicher. Gabi nickte zaghaft mit dem Kopf. Ricardo sah sie verlegen an.

"Also ... na ja ... ich hoffe, Du bist jetzt nicht zu enttäuscht," begann er," aber ich wollte Dich eigentlich nur fragen, ob Du bei mir einziehen möchtest."

Gabi musste dem Impuls widerstehen, hysterisch aufzulachen.

"Welche Ironie!" dachte sie. Irritiert stellte sie fest, daß sie etwas enttäuscht war. Schnell schob sie den Gedanken beiseite. Ricardo zog die Augenbrauen nach oben.

"Wie kommst Du darauf, daß ich Dir einen Antrag machen wollte?" fragte er verwirrt. Gabi wies schweigend auf den Tisch, wo die Blumen und Kerzen dekorativ arrangiert worden waren.

"Ich verstehe!" Ricardo kratzte sich peinlich berührt am Kopf. "Natürlich möchte ich Dich irgendwann heiraten," gestand er," aber wir müssen das doch nicht übers Knie brechen, oder? Ich hatte gedacht, daß wir vielleicht erst einmal testen, wie es sich gemeinsam leben lässt."

Gabi nickte.

"Natürlich," sagte sie mit fester Stimme. "Da sind wir ganz einer Meinung."

Erleichtert atmete Ricardo auf.

"Und?" fragte er," was sagst Du zu meinem Angebot?"

Gabi seufzte.

"Das geht mir alles zu schnell!" sagte sie wahrheitsgemäß. "Ich liebe Dich, das weißt Du, aber mit Dir zusammenzuziehen ist etwas, wozu ich - zumindest im Moment - noch nicht bereit bin." Sie sah die Enttäuschung in Ricardos Augen und lenkte gleich ein. "Gib mir ein paar Wochen Zeit, Ricardo - bitte!" Er nickte mit gesenktem Kopf und stand auf, um die gewärmten Speisen aus dem Mikrowellengerät zu holen. Schweigend und appetitlos stocherten dann beide in ihrem Essen herum, während jeder seinen Gedanken nachging.

Mona

 

 

Bevor sie am nächsten Morgen nach Los Angeles aufbrachen, fuhr Ben noch einmal im Büro vorbei, wo er verschiedene Unterlagen holen und noch einiges mit Gregory abklären wollte. Meg nutzte die Gelegenheit, um sich davon zu überzeugen, dass es Bette inzwischen wieder besser ginge, doch leider war das nicht der Fall. Blass und still, wie es sonst überhaupt nicht ihre Art war, hockte Bette hinter ihrem Schreibtisch und nippte an einer Tasse Kamillentee.
„Meine Güte, was ist nur los mit Dir?“ begann Meg sich ernsthaft zu sorgen. „So sehr kann man sich doch gar nicht den Magen verderben!“
„Doch, man kann...“ meinte Bette nur und schluckte schwer, während sie genervt die Augen verdrehte. „Ich hab das Gefühl, als hätte ich die Nacht mit einem Suma- Ringer verbracht!“
Ben, der gerade die Tür zu Gregorys Büro öffnen wollte, drehte sich lachend um.
„Laß das mal den guten alten Sam nicht hören!“
„Ach hör bloß auf“ stöhnte Bette, „er kommt nachher vorbei und will mich unbedingt zu einem Arzt schleppen, als ob das nötig wäre, also wirklich! Die moderne Frau von heute verdirbt sich eben ab und zu den Magen, das ist „in“, Leute!“
„Na sicher, Bette, Du siehst aber gar nicht „In“ aus!“ entgegnete Meg besorgt. „Du solltest auf Sam hören!“
„Ach was...“ wehrte diese ab und schnippte mit dem Finger in Bens Richtung. „He, Du kannst die Tür zum Büro des großen Meisters zulassen, Greggy ist nicht da!“
Erstaunt hielt Ben inne.
„Wo steckt er denn?“
Bette zuckte die Schultern.
„Keine Ahnung, Schätzchen, er ist seit seiner Niederlage vorgestern bei Gericht noch nicht wieder aufgetaucht. Weiß der Geier, wo er sich verkrochen hat und seine Wunden leckt!“
„Eigenartig“ überlegte Ben, „das ist doch sonst nicht seine Art!“
„Tja, es passiert ja auch nicht jeden Tag, dass einen die eigene Frau zum Gespött der ganzen Stadt macht.“ entgegnete Bette und nahm einen Schluck Kamillentee.
„Nur weil sie vor Gericht die Wahrheit gesagt hat, meinst Du?“ fragte Meg ungläubig.
Bette lachte geringschätzig.
„Kindchen, inzwischen müßtest Du Gregory doch etwas besser kennen. Glaub mir, er hätte sein liebes Frauchen in der Luft zerrissen, wenn er sie nach dem Prozess nochmal in die Finger bekommen hätte. Da war es schon besser, dass er es vorgezogen hat, sich stattdessen eine Weile zu verkrümeln...“ Sie unterbrach sich, sprang auf und hielt sich den Bauch, während sie den Weg zum Waschraum einschlug. „Ihr entschuldigt mich, bin gleich zurück... der Kamillentee...“
Ben und Meg sahen sich ratlos an.
„Sie sieht nicht gut aus.“ meinte Ben besorgt. „Ich werde Sam anrufen, damit er sie abholt.“
„Okay“ nickte Meg, „dann werde ich eben heute hierbleiben. Für L.A. ist später immer noch Zeit.“
„Unsinn“ widersprach Ben und zwinkerte ihr zu, „wir fahren. Dieses Büro wird nicht gleich untergehen, wenn mal keiner da ist, die eingehenden Anrufe kann auch die Zentrale übernehmen.“  
Während Ben mit Sam telefonierte, sah Meg nach Bette. Die erwies sich als unverwüstlich. Blass und mit zitternden Knien verließ sie den Waschraum und brachte doch tatsächlich noch ein Grinsen zustande.
„Hey Muffin, mach Dir bloß keine Sorgen, der Kamillentee war sicher schuld. Aber jetzt ist er raus!“

Jeany

 

 

Aufgeregt stürmte Sam in Bens Vorzimmer „Bette, alles in Ordnung?“

Bette verdrehte die Augen.

„Ich habe ihm gesagt, er braucht Dich nicht anrufen, Big Boy, aber er wollte ja nicht auf mich hören.“ „Ben hat mich nicht ohne Grund angerufen, also raus mit der Sprache, was ist passiert?“ beharrte Sam.

„Mir war nur ein wenig übel.“ gab Bette zu.

„Ein wenig übel?“ schaltete sich nun Ben ein. „Bette, Du bist hier rausgerannt, als sei der Teufel persönlich hinter Dir her.“

„Und es war ganz gewiss keine leichte Übelkeit, wie Du sagst.“ warf nun auch Meg ein.

Sam sah Bette ernst an.

„Hast Du Dich etwas schon wieder übergeben?“

Bette seufzte und nickte

„Das lag aber bestimmt nur an dem Kamillentee. Davon muss ein gesunder Mensch ja krank werden.“ Sam griff nach Bettes Handtasche.

„Das geht jetzt schon seit Tagen so mit Dir. Es wir Zeit, dass Du einen Arzt aufsucht.“

„Sam Peterson, ich werde keinen Arzt aufsuchen. Ich habe nur einen nervösen Magen, das hatte ich schon öfters. Es war wohl alles ein wenig viel für mich in letzter Zeit.“ Bette lehnte sich energisch in Ihrem Stuhl zurück. Sam griff nach ihrer Hand.

„Bette Darling, bitte, ich mache mir doch Sorgen um Dich.“

Zärtlich streichelte Bette Sam über die Wange.

„Das weiß ich doch, Big Boy, aber mir fehlt wirklich nichts.“

„Bist Du sicher? Du sahst vorhin wirklich sehr blass um die Nase aus.“ versuchte Meg es noch einmal. Bette sah Meg eindringlich an.

„Muffin, glaube mir, alles was mir fehlt, sind ein paar Stunden Schlaf. Und nach dem mir mein großzügiger Boss heute freigegeben hat, werde ich mich nun nach Hause begeben und mich dort von dem Mann meiner Träume verwöhnen lassen.“ Sie schaltete Ihren Computer aus und stand auf.

„Euch beiden wünsche ich einen schönen Tag in L.A.“ lächelte sie Ben und Meg an. Dann drehte sie sich zu Sam um. „Und nun komm, Big Boy, ich könnte eine von Deinen spezial Massagen gebrauchen.“

„Bette,“ lachte Sam „Du bist einfach unverbesserlich.“ Er reichte Ben und Meg die Hand. „Danke, dass Ihr mich angerufen habt, ich hoffe, dass ich Sie doch noch überreden kann, einen Arzt aufzusuchen.“ „Das hab ich gehört, Sam, und ich sage Dir noch einmal, ich brauche keinen Arzt.“

Ben klopfte Sam aufmunternd auf die Schulter.

„Du machst das schon.“

„Na klar, nun werde ich aber erst einmal dafür sorgen, dass meine Lady ins Bette kommt.“

„Eine gute Idee, Big Boy, aber je länger Du da stehst und Konservation betreibst, desto länger dauert es, bis ich im Bett liege.“

Sam lachte und winkte Ben und Meg noch einmal zu, bevor er Bette folgte.

„Das nennt man wohl höhere Gewalt.“

Ben und Meg sahen den beiden noch nach.

„Ich hoffe Bette fehlt wirklich nichts ernstes. Ich mache mir doch ein wenig Sorgen.“ sagte Meg.

Ben zog sie zärtlich in seine Arme.

„Keine Angst, Bette ist hart im nehmen. Wahrscheinlich war die letzte Zeit einfach zu viel für sie.“

Er beugte sich vor und küsste Meg. „So, bist Du fertig für unseren Trip nach L.A.?“

Meg nickte, und Arm in Arm verließen sie das Büro.

Meg

 

 

„Wollen wir uns gegen 17.00 Uhr hier am Bonaventure- Hotel treffen?“ schlug Ben vor, als sie endlich einen Parkplatz im Gewühl von L.A. gefunden hatten. Meg nickte.
„Okay, das ist groß genug, ich denke, das finde ich wieder!“ lachte sie und küßte Ben zum Abschied.  
„Ich wünsche Dir einen schönen Tag, Meg.“ sagte er und fügte augenzwinkernd hinzu: „Pass auf Dich auf und laß Dich nicht von fremden Männern ansprechen!“
„Keine Angst!“ gab sie übermütig zurück und winkte ihm im Davongehen noch einmal zu.
Er sah ihr lächelnd nach, als sie beschwingt die Strasse hinunterging. Sie trug ein helles  Sommerkleid, und ihr dunkles Haar fiel lockig über ihre Schultern.  
„Sie sieht so hübsch aus....“ dachte Ben verliebt, „ich bin doch wirklich ein Glückspilz!“
 
Wenig später bummelte Meg über den Rodeo Drive, auf dem um diese Tageszeit ein geschäftiges Treiben herrschte. Zu Anfang sah sie sich noch aufmerksam um, in der Hoffnung, vielleicht ein bekanntes Gesicht aus der Filmbranche zu entdecken, aber die Stars sahen privat oft ganz anders aus als im Film, und außerdem galt Megs Aufmerksamkeit auch sehr bald den verführerischen Auslagen der zahlreichen Geschäfte mit den bekannten Namen, von denen sie sonst nur in Illustrierten las. Und da war auch schon der erste Hochzeitsausstatter...
Fasziniert blieb sie vor dem Schaufenster stehen und betrachtete die Brautkleider.
„Meine Güte, hier ist ja eines schöner als das andere“ dachte sie hingerissen, „wie soll ich mich denn da jemals entscheiden?“
 
„Ähm... entschuldigen Sie bitte, Miss...“ hörte sie plötzlich eine Stimme hinter sich. Da sie hier niemanden kannte, fühlte sie sich jedoch nicht angesprochen und drehte sich erst dann erstaunt um, als eine Hand ganz vorsichtig ihren Arm berührte...

Jeany

 

 

Hinter ihr stand eine Frau mittleren Alters und sah sie durch eine große Brille abschätzend an. Sie trug ein graues, anscheinend maßgeschneidertes Kostüm und eine moderne Kurzhaarfrisur. Mit der einen Hand hielt sie einen Aktenordner fest, den sie sich wegen seines Umfanges halb unter den Arm geklemmt hatte.
„Meinen Sie mich?“ fragte Meg erstaunt, da sie sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was die unbekannte Frau mitten in einer fremden Stadt von ihr wollte.
„Ja...“ antwortete diese, und ihre anfängliche Verlegenheit schien sofort in geschäftsmäßige Routine überzugehen, „verzeihen Sie bitte, dass ich Sie hier so überfalle, Miss, mein Name ist Gwendolyn Meyers, und ich gehöre zum Team von Spelling Entertainment inc.“ sprudelte sie los und zog einen Ausweis aus dem Aktenordner, den sie der verblüfften Meg unter die Nase hielt. „Wir sind für eine unserer derzeitigen Produktionen auf der Suche nach neuen, unbekannten Gesichtern, und mein Boss hat Sie hier gesehen und möchte Sie gerne kennenlernen. Er meinte gerade, Sie sind genau der Typ Frau, den er sucht...“
Meg trat einen Schritt zurück und hob zunächst abwehrend die Hand, um den Redeschwall der Frau zu unterbrechen.
„M...moment mal, Miss... Meyers...“
„Gwendolyn“ unterbrach diese sie sofort wieder und ergriff Megs Hand, die sie zur Begrüßung kräftig schüttelte. „Bitte nennen Sie mich Gwen, das tun alle, ich höre schon auf gar nichts anderes mehr!“
„Angenehm, Miss... Gwen“ antwortete Meg und nannte mechanisch ihren Namen, obwohl ihr immer noch nicht klar war, was ihr hier gerade wiederfuhr. „Darf ich fragen, wer Ihr Boss eigentlich ist?“
Gwen starrte sie einen Augenblick lang scheinbar sprachlos über die riesigen Gläser ihrer Brille hinweg an.
„Kindchen, wollen Sie damit sagen, Sie wissen nicht, von wem ich rede? Sie sind wohl nicht von hier? Aus welcher Einöde kommen Sie?“
„Aus Kansas...“ antwortete Meg mindestens ebenso irritiert wie die Dame.
„Ach so, na dann...“ bemerkte Gwen trocken und war sofort wieder in ihrem Element. „Dann kommen Sie mal mit, meine Liebe, mein Boss sitzt dort hinten in der dunklen Limousine und würde sich gerne kurz mit Ihnen unterhalten.“ Sie nahm Meg einfach beim Arm und wollte sie mit sich fortziehen, doch die machte sich energisch los.
„Einen Moment, mal!“ meinte sie, leicht verärgert über das in ihren Augen ziemlich anmaßende Verhalten dieser fremden Dame. „Wenn Ihr Boss mich aus was auch immer für Gründen kennenlernen möchte, warum steigt er dann nicht aus und kommt hierher, anstatt Sie vorzuschicken?“
Gwen blieb stehen und betrachtete Meg einen Augenblick lang von oben bis unten. Dann holte sie tief Luft.
„Sie wissen wirklich nicht, wer mein Boss ist, hab ich recht?“
Meg hob abwartend die Augenbrauen.
„Sagen Sie es mir!“
„Augenblick...“ Gwen schien erst einmal etwas aus ihrem geschäftsmäßigen Gleichgewicht geraten zu sein. Dann trat sie einen Schritt näher an Meg heran und meinte in vertraulichem Tonfall:
„Wissen Sie, es ist nicht möglich, dass ein Produzent seiner Größenordnung einfach aus seinem Wagen steigt und jemanden anspricht, das gäbe hier ein Chaos!“
„Was für ein Chaos?“ fragte Meg verständnislos. „Kann er nicht laufen, oder was?“
Gwen stöhnte schmerzlich auf und griff sich an die Stirn.
„Hören Sie, Mary...“
„Meg...“ verbesserte Meg leicht ungehalten.
„Okay... Meg... entweder Sie folgen mir jetzt bitte zu diesem Wagen da drüben, oder...“
„Oder was?“
Resigniert seufzte die Dame.
„...oder ich befürchte, ich bin ab morgen meinen Job los!“

Jeany

 

 

Ted hatte es sich an einem der Außentische von Elaines Waffelshop gemütlich gemacht. Elaine hatte ihm gerade seine zweite Tasse Cappuccino serviert, und er hatte sich in seine Zeitung vertieft, als Annie an seinen Tisch trat.

„Guten Morgen Ted.“

Ted sah auf und schaute sich Annie von Kopf bis Fuß an, die mal wieder in einem von Ihren super Minikleidern steckte. Ein wenig missbilligend zog er die Augenbraunen hoch.

„Morgen Annie, was macht der Kopf?“

Ohne auf eine Einladung zu warten, setzte sich Annie und bestellte lauthals einen Kaffee.

„Dem geht es wieder besser. Hast Du schon was vom Bürgermeister gehört?“

Ted schüttelte seinen Kopf. #

„Nein noch nicht. Und wenn wir schon bei dem Thema sind, könntest Du Dich vielleicht ein wenig dezenter kleiden, wenn wir zusammen sind? Wenn ich hier in dieser Stadt Bezirksstaatsanwalt werden will, dann muss ich ein wenig auf meinen Ruf und auf mein Umgang achten.“

Annie sah Ted erstaunt an.

„Dir ist also wirklich ernst damit? Ich dachte, Du hättest genügend Geld, so dass Du nicht unbedingt auf diesen Job angewiesen bist. Außerdem bekommst Du als guter Anwalt doch bestimmt auch noch besser bezahlte Jobs.“

Ungehalten legte Ted seine Zeitung zur Seite.

„Sag mal Annie, ist Dir eigentlich schon mal in den Sinn gekommen, dass es auch Menschen gibt, die nicht unbedingt alles nur für Geld tun?“

Annie sah Ted entgeistert an.

„Nun, um ehrlich zu sein, nein.“

Ted schüttelte seinen Kopf.

„Weißt Du Annie, ich glaube eine vernünftige Tätigkeit würde Dir auch nicht schaden, dann kämst Du wenigstens nicht immer auf dumme Gedanken.“

„Aber ich studiere doch!“ wandte Annie ein.“ Ted sah Annie misstrauisch an.

„So? Was denn? Die Männer am Strand?“

„Nein, ich bin an der Uni in L.A. für ein Jurastudium eingeschrieben.“ entgegnete Annie.

„So, eingeschrieben in L.A.? Und wann hast Du das letzte Mal einen Hörsaal von innen gesehen?“ Wütend sprang Annie auf.

„Weißt Du was? Du hörst Dich ja fast schon wie mein Vater an!“

„Nun, anscheinend brauchst Du wohl ja auch jemand, der Dir ein wenig Dampf unterm Hintern macht. Annie, das Leben ist eben nicht nur eine einzige Party. Es gibt auch ernstere Dinge, um die man sich kümmern muss.“

„Weißt Du was Ted Evans? Ich dachte eigentlich, mit Dir kann man Spaß haben, aber wie ich sehe, habe ich mich da wohl geirrt.“ sagte Annie wütend. „Nun, ich denke, wir wissen inzwischen. Dass wir eine Menge Spass zusammen haben können, aber als Bezirkstaatsanwalt brauche ich eine Frau an meiner Seite, die sich auch mal ernsten Dingen zuwenden kann.“

„Tja mein lieber,“ Annie beugte sich zu Ted hinunter, „ich fürchte, dann musst Du Dich wohl nach jemanden anderen umsehen.“

Ted nickte scheinbar ungerührt.

„Ja, Dein Verlust.“

Annie drehte sich wütend um und ging weg. Schon wieder einmal hatte Ted die Oberhand behalten und das war etwas, was sie gar nicht mochte.

Meg

 

 

Meg sah abschätzend von Gwen zu der schwarzen Limousine mit den abgedunkelten Fensterscheiben am Straßenrand und schüttelte dann entschieden den Kopf.
„Tut mir leid für Sie, aber ich werde keinesfalls in diesen Wagen steigen, wo ich nicht einmal weiß, wer dort drin sitzt. Sie könnten mir ja hier sonst was für Märchen erzählen, glauben Sie ja nicht, wir hätten in Kansas keine Zeitungen! Ich weiß, was einem in so einer Stadt wie L.A. alles passieren kann... nein danke!“ Sie drehte sich um und wollte weitergehen, doch Gwen stellte sich ihr mit einer Behändigkeit in den Weg, die sie dieser Frau gar nicht zugetraut hätte.
„Bitte... warten Sie... nur einen Augenblick!“ bat sie, während sie aufgeregt zu der Limousine hinüberwinkte.
Und tatsächlich, sofort öffnete sich die Fahrertür. Der mit einer Chauffeursuniform bekleidete Fahrer sprang heraus, ging eilig um den Wagen herum und öffnete den hinteren Verschlag. Kurz darauf stieg ein älterer Mann aus, der Meg irgendwie bekannt vorkam. Er war klein und hager, trug einen dunklen Anzug und sein silbergraues, nach hinten gekämmtes Haar leuchtete in der Sonne. Meg fielen als erstes seine Augen auf, die äußerst aufmerksam ihre Umwelt musterten. Ihnen schien nichts zu entgehen. Das verhaltene, fast scheue Lächeln, dass seine schmalen Lippen umspielte, ließ ihn sehr sympathisch erscheinen. Er drehte den Kopf interessiert in Megs Richtung und nickte anscheinend zufrieden, bevor er sich anschickte, zu ihr hinüberzugehen.
Leider kam er nicht weit, denn augenblicklich wurde er von kreischenden Teenagern und neugierig heraneilenden Leuten umlagert, die ihn von irgendwoher zu kennen schienen.
„Ein Autogramm bitte...“ „Mister Spelling! Welche Freude...“ „Mein Gott, dass ich das erleben darf...“
Einzelne Wortfetzen und Zurufe drangen an Megs Ohr. Der Mann war sofort in der Menge verschwunden, und sie sah, wie ein paar Männer, anscheinend seine Bodyguards wie aus dem Nichts auftauchten, um ihrem Boss zu Hilfe zu eilen.
„Das ist... Mister Spelling?“ wandte sie sich fassungslos an Gwen, die nur resigniert nickte.
DER Mister Spelling, Produzent all dieser schönen Fernsehserien?“
„Ja, meine Liebe“ antwortete Gwen und rollte mit den Augen, „und nun verstehen Sie vielleicht, warum er nicht einfach aussteigen und auf einer Straße wie dieser herumspazieren kann!“
Meg starrte auf den Tumult, der sich binnen weniger Sekunden vor ihren Augen entwickelt hatte.
„Tut mir leid, ich wollte ihn wirklich nicht in Schwierigkeiten bringen!“
„Schwierigkeiten?“ lachte Gwen. „Wenn Sie mir entwischt wären... das wären Schwierigkeiten gewesen. Das hier...“ sie wies auf die zappelnden Fans, „das ist er gewöhnt.“
Und tatsächlich schaffte es Mister Spelling, allerdings mit tatkräftiger Unterstützung seiner „Leibgarde“, sich aus der Menge zu befreien. Lachend hob er die Hände.  
„Genug, Mädels, lasst mich am Leben, ich muß noch ein bisschen arbeiten, okay, okay, Schluss jetzt!“ Er zog seine Anzugjacke glatt und kam auf Meg zu, während seine Bodyguards die Fans erfolgreich zurückhielten.
„Aaron Spelling“ stellte er sich vor und reichte ihr die Hand. „Es imponiert mir, junge Dame, dass Sie nicht gleich in jedes fremde Auto einsteigen, sobald jemand etwas vom Filmgeschäft faselt!“ meinte er lächelnd mit einem Seitenblick auf Gwen, die sich daraufhin empört räusperte.  
Megs Herz klopfte ihr bis zum Hals. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie einem so berühmten Mann gegenüberstand, und dabei wirkte er ganz natürlich und überraschend freundlich.
„Meg Cummings.“ erwiderte sie mit einem schüchternen Lächeln. „Ich freue mich, Sie kennenzulernen, Mr. Spelling!“
„Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Meg.“ antwortete er bescheiden. „Gwen hat Ihnen sicher schon gesagt, um was es geht.“
„Na ja... eigentlich...“ Meg wußte nicht recht, was sie sagen sollte. Aaron Spelling nickte.
„Ich verstehe. Also ich würde Ihnen gerne den kleinen Überfall erklären. Hätten Sie etwas Zeit für einen alten Mann wie mich?“
Meg lächelte.  
„Ja, natürlich.“
„Dann darf ich Sie vielleicht bitten, mit mir zu Mittag zu essen?“ fragte er und bot ihr seinen Arm.
„Sehr gerne.“ antwortete Meg, hakte sich bei ihm ein und ließ sich von ihm zu seiner Limousine führen, wobei sie unablässig daran denken mußte, dass ihr das, was ihr hier gerade wiederfuhr, sicherlich niemand in ganz Sunset Beach glauben würde...

Jeany

 

 

„Sie kommen also aus dem fernen Kansas“ stellte Aaron Spelling interessiert fest, als sie im hinteren Teil eines gemütlichen, aber sehr noblen Restaurant weitestgehend abgeschirmt von der Außenwelt Platz genommen hatten. Am Nachbartisch, außer Hörweite, saßen seine drei Bodyguards und Gwen, die ab und zu einen neugierigen Blick herüberwarf.
„Das ist mein Lieblingsrestaurant“ erklärte der Produzent lächelnd, „weil es hier weit und breit der einzige Laden ist, wo man noch einigermaßen seine Privatsphäre genießen kann. Nicht, dass ich sowas hätte...“  
Sie lachten beide, und Meg verlor allmählich ihre Befangenheit, die sofort vom ersten Augenblick ihrer Begegnung mit diesem berühmten Mann von ihr Besitz ergriffen hatte. Trotzdem wollte sie gerne einiges klären.
„Hören Sie, Mr. Spelling...“
„Nennen Sie mich doch bitte beim Vornamen, Meg, auch wenn ich im Gegensatz zu Ihnen ein uralter Mann bin,“ bat er augenzwinkernd, „ aber so redet es sich leichter, und außerdem tut das in der Filmbranche sowieso jeder.“
Meg nickte.
„Okay. Also... Aaron... ich will ganz ehrlich sein, ich habe weder eine schauspielerische Ausbildung noch sonst irgendwelche  Referenzen in dieser Richtung, mir fehlen jegliche Vorkenntnisse und ich bin mir nicht sicher, ob ich vor laufender Kamera aus lauter Aufregung überhaupt einen zusammenhängenden Satz herausbringe." Sie holte tief Luft. "Alles in allem, ich weiß nicht, ob ich wirklich Diejenige bin, die Sie suchen!“
Der Produzent sah sie prüfend an und lächelte dann zufrieden.
„Das sind Sie, Meg, das sind Sie ganz bestimmt. Ihr Charme und Ihre Natürlichkeit sind Ihre Referenzen, und das zählt für mich. Alles, was Sie ausdrücken, ist ehrlich und kommt von Herzen, und das ist eine Gabe, die heutzutage sehr selten ist. Die Zuschauer werden Sie lieben, davon bin ich überzeugt.“
„Und... wo soll ich mitspielen, ich meine, für welche Rolle wollen Sie Probeaufnahmen machen?“ fragte Meg vorsichtig.
„Ich brauche eine Darstellerin für eine Gastrolle in meinem neusten Projekt, die „California Coast Story“.
„Oh“ entfuhr es Meg voller Ehrfurcht, denn diese Serie, die seit einem Jahr regelmäßig über die Bildschirme flimmerte, galt in den USA derzeit als die beliebteste.  
„Kennen Sie die Serie?“ fragte Aaron.
„Ja, ich sehe zwar aus Zeitgründen nicht jede Folge, aber doch hin und wieder schaue ich rein.“
„Dann wissen sie sicher auch, dass eine meiner Hauptdarstellerinnen gekündigt hat, weil sie sich größeren Projekten widmen möchte.“
Meg nickte.  
„Ja, ich weiß. Sehr bedauerlich.“
„Nun lebt ja die Handlung von einer Art Dreiecksbeziehung, die jetzt leider gesprengt wurde. Damit es nicht langweilig für die Zuschauer wird, brauche ich erst einmal jemanden, in den sich mein Hauptdarsteller verliebt, bis ich dann die fehlende Rolle durch einen bekannten Namen ersetzen kann. Es laufen zwar schon entsprechende Verhandlungen mit zwei Schauspielerinnen, aber ich brauche eben jetzt jemanden, sagen wir... für ein –oder zwei Folgen, vorerst, damit die Spannung erhalten bleibt.“ erklärte Aaron und nickte der Kellnerin, die die Getränke brachte,  dankend zu
„Und Sie glauben, ich bin die Richtige für diese Gastrolle?“ fragte Meg, immer noch etwas ungläubig.
„Das werden die Probeaufnahmen zeigen. Das heißt, wenn Sie damit einverstanden sind!“ Er betrachtete sie nachdenklich. „Wissen Sie, Meg, in meiner Branche lernt man, die Menschen richtig einzuschätzen. Und ich habe, während ich mir meine Storys ausdenke, immer eine ganz genaue Vorstellung von den einzelnen Charakteren. So wie auch von dieser Rolle... als ich Sie vorhin zufällig dort stehen sah, vor diesem Schaufenster mit den Brautkleidern, da wußte ich, die ist es!“
Meg lachte.
„Na hoffentlich werden Sie nicht enttäuscht! Wie gesagt, ich hab keine Ahnung vom Filmgeschäft!“
Aaron Spelling lächelte schelmisch.
„Heißt das, Sie werden es versuchen?“
Meg überlegte einen Moment.
„Hab ich ein bisschen Bedenkzeit?“ bat sie dann. „Ich würde gern vorher mit meinem Verlobten über die Sache reden!“
Er nickte.
„Aber natürlich. Ich gebe Ihnen meine private Telefonnummer, und Sie rufen mich bis morgen abend an und teilen mir mit, wie Sie sich entschieden haben. Länger kann ich leider nicht warten, dass läßt mein Zeitplan für die Dreharbeiten nicht zu. Dann verabreden wir gegebenenfalls ein Treffen zu den ersten Probeaufnahmen, wo Sie auch gleich die anderen Darsteller kennenlernen werden.“
Meg kam das ganze vor wie ein Traum. Aber nein, das konnte kein Traum sein, da war dieser berühmte und zugleich so nette ältere Mann, der ihr gegenübersaß und mit einem Augenzwinkern sein Glas hob, während sie ganz deutlich seine Stimme hörte:
„Trinken Sie mit mir auf eine gute Zusammenarbeit, Meg!“

Jeany

 

 

Vorsichtig schob Gabi die schwere hölzerne Eingangstür auf und ging mit entschlossenen Schritten eilig den langen Gang entlang. Ein eigenartiger Geruch hing in der Luft, und Gabi erkannte, daß es sich um Weihrauch handelte.

"Also ist der Gottesdienst wohl gerade zuende," dachte sie, während sie in der vordersten Bank platz nahm. Sie kniete nieder und faltete ihre Hände zum Gebet. Gabi erinnerte sich plötzlich daran, wie sie mit ihrer Mutter zusammen gebetet hatte. Obwohl sie noch sehr klein war, hatte sie schon damals gespürt, wieviel Trost und Kraft ihre Mutter stets im Gebet gefunden hatte. Gabi schloß die Augen. Sie fühlte sich ihrer Mutter mit einem Mal sehr nahe.

"Mama!" stieß sie flehend hervor. "Wenn Du mich hören kannst, dann sag mir, was ich tun soll!"

"Die Antwort liegt in Ihnen selber," hörte sie eine bekannte Stimme. Erschrocken öffnete Gabi die Augen und sah sich Madame Carmen gegenüber.

"Was tun Sie hier?" fragte sie verwirrt. Madame Carmens Gesichtsausdruck ließ nicht erkennen was sie dachte.

"Ich wusste, daß ich Sie hier finden würde," sagte sie knapp. "Ich möchte mit Ihnen über Antonio reden, aber nicht hier!"

Gabi war schockiert über Madame Carmens Offenheit, aber sie war auch irgendwie erleichtert, sich jemandem anvertrauen zu können. Langsam stand sie auf und nickte. Madame Carmen machte ihr ein Zeichen, daß sie ihre folgen sollte, und gemeinsam verließen die beiden Frauen die Kirche.  

Mona

 

 

Als Derek von seinem Morgenlauf zurückkehrte, saß Sara geistesabwesend auf dem Sofa und hielt ihr Hochzeitsmagazin in der Hand. Sie reagierte nicht einmal auf Dereks Begrüßungskuß.

"Erde an Sara!" sagte er scherzhaft, und als sie immer noch nicht reagierte, kniff er ihr vorsichtig in die Wange. Erschrocken hob Sara den Kopf.

"Alles in Ordnung?" fragte Derek und sah sie prüfend an. Sara nickte.

"Entschuldige, ich habe Dich nicht hereinkommen hören," gab sie zu.

"Ja, das habe ich wohl gemerkt," entgegnete Derek. Sara legte das Magazin seufzend zur Seite.

"Ich habe gerade feststellen müssen, daß es nicht ein Kleid in diesem Katalog gibt, das ich auch nur annähernd tragen kann!" sagte sie frustriert. Sie strich sich mit einer Hand über die Rundung ihres Bauches. "Es hat schon seinen Sinn, weshalb man erst heiraten und dann Kinder in die Welt setzen sollte!" fügte sie ironisch hinzu. Derek musste über Saras Äußerung schmunzeln.

"Na ja," sagte er, während er sich nachdenklich am Kopf kratzte," rückgängig machen können wir es nun nicht mehr."

Sara sah ihn empört an.

"Ja, mach Dich nur lustig über mich!" sagte sie aufgebracht. "Ihr Männer braucht Euch über solche Dinge natürlich keine Gedanken zu machen." Derek erkannte, daß er mal wieder einen schwachen Punkt bei Sara getroffen hatte. Je weiter die Schwangerschaft fortschritt, desto launischer und empfindlicher wurde sie. Schon die kleinste Kleinigkeit konnte bewirken, daß sie in Tränen ausbrach oder den ganzen Tag nicht mit ihm sprach.

"Warum lässt Du Dir kein Kleid anfertigen?" schlug Derek vor. "Da ich ja jetzt Millionär bin, brauchst Du bei der Auswahl Deines Kleides an nichts zu sparen," fügte er hinzu. Sara sah ihn überrascht an. "Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen," gab sie kleinlaut zu. Derek lächelte und strich ihr zart über die Wange.

"Siehst Du," sagte er," Du hast Dich ganz umsonst aufgeregt." Sara nickte.

"Ja, diesbezüglich schon," gab sie zu," aber es gibt da noch ein anderes Problem ..."

Derek seufzte innerlich auf.

"Was denn noch?" fragte er schon leicht ungehalten. "Ich möchte jetzt eigentlich erst einmal eine ausgiebige Dusche nehmen. Wir reden später weiter, okay?" Als ob sie seine Zwischenbemerkung gar nicht gehört hätte, fuhr Sara mit ihrer Erzählung fort.

"Wir können gar nicht heiraten ... Ich habe keine Brautjungfer!" stieß sie verzweifelt hervor. "Meg kann ich ja wohl schlecht bitten, und da ich auch noch nicht so lange in Sunset Beach lebe, fällt mir niemand ein, den ich fragen könnte."

Derek runzelte nachdenklich die Stirn.

"Kennst Du denn niemanden von früher, den Du bitten könntest?" fragte er. Sara dachte angestrengt nach, und plötzlich erschien auf ihrem Gesicht ein strahlendes Lächeln.

"Das ist es!" sagte sie glücklich. Überschwenglich fiel sie Derek um den Hals.

"Vielen, vielen Dank! Du hast wirklich die besten Ideen!" sagte sie, griff sich das Telefon und rannte die Treppenstufen hinauf. Derek sah ihr kopfschüttelnd hinterher. Manchmal konnte er Saras Gedankensprüngen einfach nicht so ganz folgen. Er stieß einen tiefen Seufzer aus und machte sich auf den Weg ins Badezimmer.

Mona

 

 

Ted betrat das Büro des Bürgermeisters und blieb vor dem Schreibtisch der Vorzimmerdame stehen. „Guten Tag, mein Name ist Ted Evans und Bürgermeister Clancey hat mich herbestellt.“

Die etwas ältere Dame hinterm Schreibtisch sah von ihrer Arbeit auf und musterte Ted.

„Der Bürgermeister erwartet Sie bereits.“ Sie stand auf und ging zu einer Tür zu Ihrer Rechten. Dort klopfte sie kurz an und öffnete dann die Tür.

„Mr. Evans ist hier.“

„Gut, bitten Sie Ihn herein.“ konnte Ted die Stimme von Georg Clancey vernehmen. Die Sekretärin trat einen Schritt zur Seite.

„Der Herr Bürgermeister erwartet Sie.“

Ted nickte ihr dankend zu und betrat dann das Büro des Bürgermeisters. Dieser war hinter seinem Schreibtisch aufgestanden und reichte Ted die Hand.

„Mr. Evans, schön das Sie es einrichten konnten.“  

„Kein Problem.“ erwiderte Ted.

„Bitte nehmen Sie Platz.“ Der Bürgermeister weis auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Er wartete, bis Ted sich gesetzt hatte. „Mr. Evans ich will ganz offen mit Ihnen reden. Sie erscheinen mir der beste Kandidat von den drei Bewerbern für das Amt des Staatsanwaltes zu sein. Einer von den Mitbewerbern wurde bereits von Gregory Richards während des Studiums unterstützt und bei dem anderen seiht es auch nicht viel besser aus. Die Firma seines Vaters stand kurz vor der Pleite, bis Richards ihn mit einem großzügigen Kredit unterstützte. Sie sehen also, diese beiden Kandidaten hat Richards bereits jetzt schon in seiner Hand.“

Ted nickte.

„Ich verstehe.“

„Tja,“ fuhr Georg Clancey fort „leider gibt es auch bei Ihnen ein kleines Problem.“ Ted seufzte auf, hoffentlich war Annies gestriger Auftritt nicht daran schuld.

„Und was wäre das Problem?“

Der Bürgermeister beugte sich vor.

„Es geht um Ihre Zulassung hier in Kalifornien. Bisher haben Sie ja nur in Südafrika als Anwalt praktiziert.“

Erleichtert lehnte sich Ted zurück.

„Nun, ich habe mich bereits erkundig. Ich brauche nur eine kleine Nachprüfung zu machen und kann dann ohne weiteres meine Zulassung hier erhalten.“

„Na das hört sich doch vielversprechend an.“ lächelte Georg Clancey. „Ich denke, dann sollten Sie sich darum kümmern und ich werde dafür sorgen, dass Sie unser neuer Bezirksstaatsanwalt werden.“ Ted stand auf.

„Wunderbar, ich denke, dass ich dafür nur ein paar Tage brauche.“

Der Bürgermeister begleitete Ted zur Tür.

„Gut, wir bleiben dann in Verbindung.“

Ted schüttelte seine Hand.

„Danke und grüßen Sie Ihre Frau Gemahlin.“

„Werde ich machen, bye.“ Zufrieden schloss der Bürgermeister hinter Ted die Tür.

Meg

 

 

Madame Carmens Strandhäuschen befand sich nicht unweit der Kirche, und Gabi folgte ihr widerwillig. Sie hätte sich lieber einen neutralen Ort für eine Aussprache gewünscht, aber nun schien es dafür zu spät zu sein. Madame Carmen öffnete die Tür und ließ Gabi den Vortritt.

"Setzen Sie sich doch!" forderte sie Gabi auf und nahm dann selber an dem runden Tisch platz. Schweigend nahm sie ein Bündel Karten in die Hand, mischte sie gut durch und ordnete sie dann in ihrer Hand fächerförmig an.

"Ich möchte, daß Sie 3 Karten auswählen," ordnete sie an, und Gabi tat, wie ihr befohlen. Madame Carmen legte die ausgewählten Karten offen auf den Tisch und sah Gabi lange und nachdenklich an. "Diese Karte hier zeigt die Vergangenheit," sagte sie und wies auf die erste Karte. "Die beiden anderen symbolisieren die Gegenwart und die Zukunft." Sie holte tief Luft. "Möchten Sie etwas über die 3 Symbole wissen?" fragte sie.

Gabi spürte, eine eigenartige Unruhe.

"Alles nur Blödsinn," versuchte sie sich selber zu beruhigen, doch die Unruhe wollte nicht verschwinden.

"Ich glaube nicht an solchen Hokuspokus!" sagte sie schärfer als beabsichtigt. "Sie wollten mit mir über Antonio reden. Also, reden wir!"

Madame Carmen nickte und legte die Karten beiseite.

"In Ordnung, aber ich sagte Ihnen schon einmal, daß sie Ihrem Schicksal nicht entfliehen können." Gabi schlang ihre Arme um den Körper, weil sie plötzlich zu frösteln begann. In Madame Carmens Gegenwart hatte sie sich noch nie wohlgefühlt, und der düstere Raum und die diffuse Beleuchtung, verstärkten diesen Eindruck noch.

"Darf ich Ihnen einen Tee anbieten?" fragte Madame Carmen und stand auf. Gabi nickte mechanisch. Vielleicht würde der Tee sie etwas aufwärmen. Madame Carmen brachte Gabi eine Tasse und schenkte sich dann selber Tee ein.

"Keine Angst," sagte sie, als sie Gabis kritischen Blick bemerkte. "Er ist nicht vergiftet." Gabi sah die alte Frau entsetzt an, doch Madame Carmens Miene ließ mal wieder keinerlei Gefühle erkennen.

"Ich möchte eins klarstellen," sagte sie. "Ich habe nichts gegen Sie persönlich, Gabi, aber bestimmte Ereignisse in der Vergangenheit, die auch die Zukunft betreffen, zwingen mich einfach dazu, bestimmte Dinge zu tun!"

Gabi sah Madame Carmen verwirrt an. Sie verstand ihre Andeutung nicht.

"Ich will nicht lange drum herumreden," sagte diese, nachdem sie einen Schluck aus ihrer Tasse genommen hatte. "Ich möchte Ihnen einen Vorschlag machen."

Gabi sah sie mißtrauisch an. Vorschläge von Madame Carmen bedeuteten meist nichts gutes.

"Ich habe lange darüber nachgedacht," begann sie," und der einzige Weg, damit wir alle wieder unseren Frieden bekommen ist, wenn Sie Sunset Beach verlassen würden!" Jetzt war es heraus, und Gabi sah Madame Carmen mit verständnisloser Ungläubigkeit an.

"Wie bitte?" stotterte sie. "Sie wollen, daß ich Sunset Beach verlasse? Wieso?"

Madame Carmen faltete nachdenklich ihre Hände.

"Weil Sie nicht gut sind für meine Söhne - für keinen von beiden!" entgegnete sie.

Gabi schnappte vor Empörung nach Luft.  

"Was fällt Ihnen ein, sich in meine Beziehungen einzumischen?" fragte sie aufgebracht. "Ich werde mir von Ihnen doch nicht sagen lassen, was ich tun und lassen soll!" begehrte sie auf. "Ich werde nicht gehen!"

Madame Carmen stand auf und ging langsam um Gabi herum.

"Dann sehe ich mich leider gezwungen, Ricardo von Ihrem kleinen Geheimnis zu erzählen," sagte sie ruhig. Entsetzt sah Gabi sie an.

"Welches Geheimnis?" fragte sie, obwohl sie wusste, daß Madame Carmen über sie und Antonio sprach. Madame Carmen lachte höhnisch auf.

"Sie können vielleicht andere täuschen, aber nicht mich!" erwiderte sie. Sie ging ein paar Schritte auf Gabi zu und sah ihr fest in die Augen. "Sie wissen hoffentlich, daß es Ihre Schuld ist, daß mein jüngster Sohn Sunset Beach verlassen will?" sagte sie anklagend. Gabi spürte mit einem Mal, wie ihr Herzschlag für eine Sekunde aussetzte.

"Was sagen Sie da?" fragte sie entsetzt. "Antonio will Sunset Beach verlassen?"

Madame Carmen runzelte die Stirn.

"Wussten Sie das nicht?" fragte sie überrascht. Gabi schüttelte wie betäubt den Kopf.

"Wir haben uns schon länger nicht mehr gesehen," stammelte sie. Madame Carmens Gesicht nahm einen traurigen Ausdruck an.

"Ja, er will Sunset Beach verlassen, weil er es nicht mehr ertragen kann, sie und Ricardo glücklich vereint zu sehen."

Gabi erfasste ein unkontrolliertes Zittern.

"Ich  - ich habe nicht gewusst, daß ..." begann sie, doch Madame Carmen unterbrach sie.

"Was?" fragte sie. "Das Antonio in Sie verliebt ist?" fragte sie. Gabi nickte. Sie wagte es dabei nicht, Madame Carmen anzusehen. Diese nickte.

"Ja," erwiderte sie. "Er hat es mir selber gesagt, und von Ihnen weiß ich, daß es in Ihrem Herzen nicht anders aussieht."

Gabi spürte einen Kloß in ihrem Hals, doch sie nickte tapfer.

"Was glauben Sie," begann Madame Carmen," wie wird Ricardo auf die Nachricht reagieren, daß seine große Liebe in Wirklichkeit seinen Bruder liebt?" fragte sie anzüglich. Gabi konnte sie nur fassungslos ansehen.

"Das würden Sie nicht wagen!" sagte sie schwach.

"Die Familie geht mir über alles," entgegnete Madame Carmen. "Ich werde alles tun, um meine Söhne zu schützen," fügte sie hinzu. "Alles, Gabi!"

Gabi erkannte die Entschlossenheit in Madame Carmens Stimme. Langsam, weil ihr ihre Beine wie aus Gummi vorkamen, stand sie auf.

"In Ordnung," sagte sie mit tonloser Stimme. "Sie haben gewonnen. Ich werde Sunset Beach verlassen!"

Mona

 

 

„Und Du hast wirklich nichts dagegen?“ vergewisserte sich Meg noch einmal mit einem prüfenden Seitenblick auf Ben, als sie am späten Nachmittag von Los Angeles nach Hause zurückfuhren.
„Aber nein“ erwiderte er lächelnd und legte seinen Arm um ihre Schultern, während er den Wagen mit sicherer Hand den Highway entlangsteuerte. „Wenn es Dich glücklich macht, dann solltest Du diesen Produzenten anrufen und sein Angebot annehmen!“ Lächelnd schüttelte er den Kopf. „Ich fasse es nicht, da lasse ich meine zukünftige Frau mal einen halben Tag allein in L.A., und schon wird sie ein Filmstar!“
„Ben“ wehrte Meg peinlich berührt ab, „das ist doch nur eine winzig kleine Rolle, ich werde höchstens in ein oder zwei Folgen der Serie kurz zu sehen sein, und viel Text habe ich dann auch nicht, wer weiß, vielleicht passt auch meine Stimme gar nicht und sie müssen sie synchronisieren...“
„Mein Schatz, an Dir passt alles!“ unterbrach Ben sie amüsiert, denn er merkte ihr an, wie sehr diese Sache sie beschäftigte. „Hauptsache, Du bleibst, wie Du bist, denn genauso liebe ich Dich.“
„Keine Angst, das werde ich.“ erwiderte sie und legte ihren Kopf verträumt an seine Schulter. Aber sie war momentan viel zu aufgeregt, um lange so auszuharren.
„Ben...“ fuhr sie Sekunden später erschrocken wieder hoch, „ich kann das Angebot nicht annehmen, ich meine... wer soll denn dann in der Zeit im Büro meine Arbeit erledigen?“
Ben lachte.
„Tja, die Firma steht nun natürlich vor dem Untergang!“ meinte er scherzhaft. „Ich fürchte, wir werden von Deiner Gage leben müssen!“
„Ach Du...“ Meg boxte ihn zum Spass leicht in die Seite.
Ben überlegte kurz, bremste dann den Wagen ab und blieb auf dem Seitenstreifen stehen.
„Hör mal, Meg“ sagte er, während er sich ihr zuwandte und ihr liebevoll über die Wange strich. „Mach Dir bitte nicht unnötig so viele Gedanken. Ich werde das im Büro schon regeln, keine Sorge. Wir behalten eben Shirley noch eine Weile, sie kann Dich an den Tagen vertreten, an denen Du in L.A. bist, das wird ihr bestimmt besser gefallen, als in der Zentrale zu sitzen, und außerdem sagtest Du doch, sie hätte sich in der Zeit, als Bette nicht da war, ganz gut eingearbeitet. Außerdem...“ er machte eine kleine Pause und sah sie prüfend an, „ich weiß ja gar nicht, ob Du nach unserer Hochzeit überhaupt noch arbeiten willst. Ich meine, Du könntest auch...“
„Zu Hause sitzen und auf Dich warten?“ Meg zog ein saures Gesicht und schüttelte energisch den Kopf. „Auf keinen Fall, Ben Evans. Ohne mich, das kannst Du vergessen!“
„Na, dann wäre das ja auch geklärt.“ erwiderte Ben zufrieden grinsend und küßte sie auf die Wange. „Nur eines ist schade...“ meinte er schelmisch, als sie wieder losfuhren.
„Was?“ fragte Meg gespannt.
„Du hast Dir heute kein Hochzeitskleid gekauft, Liebling. Müssen wir den Termin nun verschieben?“
Meg lachte fröhlich.
„Oh nein, mein Lieber, keine Chance! Ich habe heute lediglich die Vorauswahl getroffen, aber mein nächster Besuch beim Hochzeitsausstatter wird teuer! Dann werde ich nämlich gnadenlos zuschlagen, und Du wirst Dir noch wünschen, mir nie Deine Kreditkarte überlassen zu haben!“
Übermütig lachend bogen sie vom Highway auf die schmale Küstenstrasse ab, die sie direkt nach Sunset Beach führte.

Jeany

 

 

Nachdem Ben und Meg zu Abend gegessen hatten, erinnerte sich Ben plötzlich daran, dass ihn Derek bereits am Abend zuvor angerufen und gebeten hatte, mit Meg bei ihm vorbeizukommen, da er etwas äußerst Wichtiges zu berichten hätte. Er hatte dabei sehr geheimnisvoll geklungen.
„Bitte ruf Deine Schwester an und sag ihr, dass wir noch kurz auf einen Sprung vorbeischauen.“ bat er Meg, während er, nur mit einem Handtuch um die Hüften, aus der Dusche kam. „Derek hat irgendwelche Neuigkeiten.“ Insgeheim hoffte er, dass diese Neuigkeiten nichts mit Ted und den immer noch bestehenden Spannungen zwischen Derek und seinem älteren Bruder zu tun haben mochten.
„Was macht Ted eigentlich?“ fragte Meg, als hätte sie seine Gedanken erraten. „Will er in Sunset Beach bleiben?“
„Wenn er einen geeigneten Job findet, spricht nichts dagegen.“ antwortete Ben und suchte sich ein frisches Hemd aus dem Schrank. „Übrigens hat er da vielleicht was in Aussicht. Die Stelle des Bezirksstaatsanwaltes ist immer noch nicht besetzt, und Ted wäre wirklich qualifiziert für diesen Posten.“
Meg trat auf ihn zu und schlang lächelnd die Arme um seinen Hals.  
„Drei Evans- Brüder in einer Stadt, gutaussehend und erfolgreich... ich glaube, Gregory Richards wird sich allmählich ausgebootet fühlen!“
Ben nickte.
„Ja, Gregory ist einer der Gründe, warum ich Ted gerne in diesem Amt sehen würde. Glaub mir, es ist wirklich von Vorteil, wenn ihm hin und wieder mal jemand ein bisschen auf die Finger schaut, den er nicht bestechen kann.“
Meg seufzte.
„Da hast Du bestimmt recht.“ Sie küßte Ben auf die Nasenspitze . „Und nun los, beeil Dich, sonst kommen wir nie rechtzeitig bei Deinem Bruder an!“

Jeany

 

 

Sara öffnete die Tür und strahlte Ben und Meg freudig an.
„Los, rein mit Euch!“ rief sie und konnte scheinbar kaum erwarten, die geheimnisvollen Neuigkeiten loszuwerden.
„Nanu, was ist denn bei Euch los?“ wunderte sich Meg, als sie sah, dass Champagnergläser auf dem Tisch standen.
„Wir haben was zu verkünden.“ erwiderte Derek, der mit einer Flasche aus der Küche kam. „Herzlich willkommen.“
Während sie Platz nahmen und Sara die Kerzen anzündete, sahen sich Ben Meg fragend an.
„Tja, also wir wissen, dass Ihr beide heiraten wollt, der Termin steht auch fest, und dass Ihr Nachwuchs erwartet, ist uns ebenfalls bekannt.“ fasste Ben zusammen. „Was kann es denn außerdem noch für Neuigkeiten geben?“
Meg sah ihrer Schwester an, dass sie vor Vorfreude beinahe platzte. Also konnten es zumindest keine schlechten Nachrichten sein...
„Für mich bitte ein Wasser.“ bat Sara, als Derek den Champagner in die Gläser füllte.
Als er sich schließlich gesetzt hatte, hob Derek sein Glas.
„Nachdem wir nun den Termin für unsere Doppelhochzeit festgelegt haben, und ich ja weiß, wie besorgt Meg immer um ihre kleine Schwester ist...“ begann er schmunzelnd, „möchte ich Euch verraten, dass ab sofort finanziell bestens für uns und unser Baby gesorgt sein wird.“
„Wieso? Hast Du die Preise für die Getränke im Deep erhöht, alter Gauner?“ platzte Ben heraus und alle lachten fröhlich.
„Nein, keine Sorge, Du wirst auch weiterhin als ein Gast des Hauses bedient werden.“ konterte Derek. „Außerdem ist das überhaupt nicht nötig, weil...“ er machte eine bedeutungsvolle Pause, „...Sara und ich ab sofort Millionäre sind!“
„Ja!“ lachte Sara und freute sich von Herzen über die erstaunten Gesichter von Ben und Meg. „Derek hat eine überraschende Erbschaft gemacht!“

Jeany

 

 

Nachdem Derek ausführlich über seine unerwartete Erbschaft und deren Hintergründe berichtet und seine Gäste ihm freudig überrascht gratuliert und ihre Gläser geleert hatten, stand er auf und sah Ben und Meg entschuldigend an.
 „Tut mir leid, aber ich muß unbedingt nochmal im Deep nach dem Rechten sehen, in der letzten Zeit habe ich den Laden ziemlich vernachlässigt!“
„Kein Problem“ nickte Ben, „geh ruhig.“ Er sah abwechselnd von Meg zu Sara. „Was haltet Ihr davon, wenn wir Derek ins Deep begleiten? Der Abend hat doch erst angefangen!“
„Oh ja!“ Sara klatschte übermütig in die Hände. „Eine gute Idee, dann muß ich nicht allein hier rumsitzen.“ Sie legte sich eine Hand auf ihren Bauch, der sich mittlerweile ziemlich deutlich unter ihrer Bluse abzeichnete und schielte schmunzelnd zu Derek hinüber. „Arbeiten hat mir dieser Pascha nämlich bis auf weiteres streng verboten!“
„Recht hat er!“ ergriff Ben schmunzelnd Partei für seinen Bruder. „Wenn Meg mal irgendwann schwanger sein sollte, werde ich genauso streng darauf achten, dass sie nur das tut, was gut für sie und das Baby ist!“
„Hört hört!“ lachte Meg und die anderen stimmten fröhlich in ihr Lachen ein.
„Also dann, lasst uns gehen.“ meinte Derek und öffnete den anderen die Tür.

Jeany

 

 

Im Deep war noch nicht allzuviel los, als sie ankamen. Nachdem Caitlin sie freudig begrüßt hatte, wies ihnen Derek einen kleinen Tisch unweit der Bar zu, von dem aus sie einen sehr guten Überblick hatten.
„Ich werde für eine Stunde im Büro verschwinden und einiges aufarbeiten, was liegengeblieben ist, und danach gehöre ich ganz Euch!“ versprach er augenzwinkernd und küßte Sara liebevoll auf die Wange.  
Während Ben zur Bar ging, um bei Caitlin etwas zu trinken zu bestellen, sahen Meg und Sara sich neugierig um.
„Es ist doch immer wieder schön im Deep.“ meinte Meg lächelnd. „Wir haben schon sehr lustige Abende hier verbracht, seit wir beide in Sunset Beach sind.“
Sara nickte.
„Da hast Du recht. Hier habe ich auch Derek kennengelernt. Ich habe damals sofort gewußt, das ist der Mann, den ich haben will!“
Meg erinnerte sich gut daran. Damals war sie über Saras Wahl gar nicht begeistert gewesen, denn Dereks machte seinem zweifelhaften Ruf alle Ehre. „Wie sich ein Mensch so ändern kann...“ dachte sie und war im Grunde ihres Herzens froh, dass ihre jüngere Schwester ihr Glück gefunden hatte.
„Sag mal, ist das nicht Michaels Ex- Frau Virginia, die dort hinten an den Tischen bedient?“ fragte sie erstaunt, als sie die neue Kellnerin bemerkte.  
„Ja“ bestätigte Sara, „sie ist mit Jimmy nach Sunset Beach gekommen, nachdem sie in L.A. ihren Job verloren hat. Und da Mark sehr oft im Sender zu tun hat, und ich nun auch nicht mehr arbeiten darf, hat Derek sie eingestellt.“
Meg erinnerte sich an Jimmys Anruf und lächelte. Trotzdem rief Virginias Anwesenheit ein Gefühl der Skepsis bei ihr hervor. „Vanessa ist bestimmt nicht sehr begeistert von der Tatsache, dass die ehemalige Mrs. Bourne jetzt hier sesshaft wird.“ dachte sie mit einem gewissen Mitgefühl für die Freundin, doch sie behielt ihre Vorurteile lieber vorerst für sich .  
„Da hatte Virginia ja richtig Glück.“ antwortete sie stattdessen knapp und sah sich suchend um. „ Ich hoffe, wir treffen heute auch noch ein paar von unseren Freunden aus dem Surf Center.“
„Ich glaube, Dein Wunsch wird soeben erfüllt.“ lachte Sara und wies auf Michael und  Vanessa, die eben hereinkamen und ihnen zuwinkten.
„Das ist ja eine Überraschung!“ freute sich Vanessa. „Dürfen wir uns zu Euch setzen?“
„Aber natürlich!“ Meg und Sara rückten etwas zusammen und Michael holte noch zwei Stühle heran.  
„Wie in alten Zeiten, Leute.“ schwärmte er und fügte dann bedauernd hinzu: „na ja, fast... Casey und Rae fehlen, und Gabi...“
„Dafür ist Virginia immer in unserer Nähe.“ erwiderte Vanessa und warf Meg einen bedeutungsvollen Blick zu, der nur allzu deutlich bestätigte, was diese schon vermutet hatte.
„Wie geht es Casey?“ wechselte sie schnell das Thema. „Hat er den Prozess gut verkraftet?“
„Ich denke, ja.“ antwortete Michael zuversichtlich. „Schon der Gedanke, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wurde, hat ihm Mut gemacht, auch wenn die Strafe für Olivia Richards in meinen Augen viel zu milde ausgefallen ist!“  
Vanessa nickte.
„Er meinte, wenn er weiter so gute Fortschritte macht, wird er vielleicht nächste Woche hierher nach Sunset Beach verlegt.“ berichtete sie.
„Das ist ja großartig!“ freute sich Meg und teilte Ben, der gerade an den Tisch zurückkam, sogleich die Neuigkeit mit. „Casey kommt bald heim!“
„Das sind ja wirklich gute Nachrichten.“ meinte Ben angenehm überrascht und begrüßte Michael und Vanessa. „Schön, Euch zu sehen.“
So saßen sie beisammen und hatten sich viel zu erzählen. Vanessa berichtete ausführlich von dem Prozess, in dem Olivia überraschenderweise ihre Schuld an dem schweren Unfall von Casey zugegeben hatte.
„Wie hat der Herr Anwalt diesen Ausbruch von Reuegefühlen seiner Gattin verkraftet?“ fragte sie danach etwas sarkastisch, denn sie mußte unwillkürlich daran denken, wie Gregory ihr vor dem Prozess zugesetzt hatte, um ihre Nachforschungen mit allen erdenklichen unlauteren Mitteln zu boykottieren.  
Ben zuckte nur mit den Schultern.
„Er hat sich seitdem noch nicht wieder in der Firma blicken lassen.“
„Und wo ist er?“ erkundigte sich Sara erstaunt.
„Keine Ahnung“ erwiderte Meg. „Er scheint wie vom Erdboden verschwunden.“
„Na ja, auch kein großer Verlust.“ meinte Michael und grinste. „Irgendwann taucht der feine Herr wieder auf, als sei nichts gewesen.“
„Ja, das denke ich auch.“ stimmte Vanessa zu und nippte an ihrem Drink. „Und was gibt es sonst noch Neues?“ fragte sie interessiert in die Runde. Ben und Meg sahen sich vielsagend an.
„Hast Du es Ihnen schon erzählt?“ fragte Ben. Meg schüttelte den Kopf und grinste.
Hellhörig geworden reckten Vanessa und Sara sofort die Hälse.
„Meg, was ist los? Nun verrat uns schon die Neuigkeiten!“ bat Vanessa, und Sara sah ihre Schwester gespannt an. „Bekommst Du etwa auch ein Baby?“
Meg lachte.
„Nein, das nicht.“
„Aber?“
Meg sah von einem zum anderen und amüsierte sich über die gespannten Blicke.
„Ich habe in L.A. jemanden kennengelernt. Einen ganz berühmten Mann. Und ich darf vielleicht in einer seiner Produktionen eine ganz kleine Rolle übernehmen!“

Jeany

 

 

„Was ?“ rief Sara begeistert. „Du spielst in einem Film mit? Das gibt’s doch gar nicht! Wer ist der Schauspieler, den Du kennengelernt hast? Wie heißt der Film? Los Meg, nun erzähl schon!“
„Also der Film ist eigentlich eine Serie.“ begann Meg vorsichtig. „Und es ist auch kein Schauspieler, den ich kennengelernt habe, sondern der Produzent dieser Serie. Sagt Euch der Name „California Coast Story“ etwas?“
Sara klappte der Unterkiefer einige Zentimeter nach unten.
„Willst Du damit sagen, Du hast... „ begann sie zögernd „Aaron Spelling kennengelernt?“
Meg nickte bestätigend, was sowohl Sara als auch Vanessa sofort einen Begeisterungsschrei entlockte.  
„Meg!“ Vanessa schüttelte fassungslos den Kopf. „Kannst du mir verraten, wie Du es geschafft hast, an diesen Mann heranzukommen? Ich versuche seit Monaten, ein Interview mit ihm zu arrangieren, leider ohne jeden Erfolg...“
Meg lachte.
„Ich bin nicht an ihn „herangekommen“, er hat mich angesprochen.“ erklärte sie leichthin. Vanessa und Sara starrten sie mit feuchten Augen an.
„Ich fasse es nicht.“ meinte Sara. „Und er hat Dich engagiert? Einfach so?“
„Erst einmal nur zu Probeaufnahmen.“ nickte Meg.
Vanessa schien sich von ihrem ersten Schrecken erholt zu haben und fiel der Freundin einfach um den Hals.
„Meg, ich freu mich so für Dich!“
Auch Sara nahm ihre Schwester in den Arm.
„Meine Güte, wenn das Mum und Dad erfahren, und überhaupt, ganz Ludlow wird Kopf stehen, Du in einer Spelling- Serie!“
Während Ben die ganze Szene zunehmend amüsiert beobachtet hatte, sah Michael fragend von einem zum anderen.
„Kann mir bitte mal jemand verraten, worüber Ihr Euch so aufregt?“ erkundigte er sich interessiert.
„Meg wird vielleicht eine Gastrolle in einer Serie von Aaron Spelling bekommen.“ erklärte Ben schmunzelnd.
„Und wer ist dieser Spelling?“  
Vanessa verdrehte die Augen.
„Michael, Du hast keine Ahnung! Das ist einer der derzeit wichtigsten Männer in der Filmbranche. Er hat diese ganzen bekannten Serien herausgebracht, nach denen alle so verrückt sind!“
„Zum Beispiel?“ fragte Michael unbeirrt weiter, denn es war ihm schleierhaft, wie eine simple Fernsehserie solche Freudenausbrüche verursachen konnte.
Sara schüttelte mißbilligend den Kopf.
„Ihr Männer habt aber auch keinen Schimmer von den wirklich wichtigen Sachen!“ tadelte sie. „Zum Beispiel die Serie „Beach of the Sunset“, oder „The next Generation“.“
„Genau, oder „Light and Shadow“, „After the Deep“ oder  „Sunset Paradise”...“ ergänzte Vanessa begeistert.
“Und “A sad Story of Love” nicht zu vergessen!” fügte Sara mit wichtiger Miene hinzu.
Michael sah aus, als hätte er kein Wort verstanden. Hilfesuchend schaute er zu Ben. Der stand auf und klopfte ihm lachend auf die Schulter.
„Komm mit, wir überlassen die Damen für eine Weile dem Filmgeschäft. Ich gebe ein Bier aus. Du kannst Dir ja später von Vanessa Nachhilfeunterricht in Sachen „Serien“ geben lassen.“
Michael nickte nur erleichtert und folgte Ben zu Caitlin an die Bar.

Jeany

 

 

„Was feiert Ihr denn hier so ausgelassen?“ fragte Derek, der an den Tisch getreten war, ohne dass Vanessa, Sara und Meg ihn bemerkt hatten.
„Meg wird ein Filmstar!“ rief Sara übermütig und zog ihn auf den freien Platz neben sich. „Sie bekommt eine Rolle in einer Spelling- Produktion.“
„Wow“ machte Derek nur und warf Meg einen erstaunten Blick zu. „Hast Du schon mal vor einer Kamera gestanden?“
Sie schüttelte den Kopf.
„Noch nie, und dass hab ich ihm auch gesagt, aber er meinte nur, das wäre ohne Bedeutung.“
Derek sagte nichts mehr dazu, sah nur plötzlich sehr nachdenklich aus. Erst viel später, nachdem er einige Male mit Sara getanzt hatte, forderte er Meg plötzlich zum Tanz auf.
„Und Du willst wirklich diese Probeaufnahmen machen?“ fragte er nachdrücklich.
Meg sah ihn erstaunt an.
„Derek, Du hörst Dich an, als würdest Du mir das nicht zutrauen.“ erwiderte sie erstaunt.
„Doch, aber das ist es nicht.“
„Was dann?“
Er sah ihr in die Augen.
„Sei bitte vorsichtig.“
Meg zog irritiert die Augenbrauen zusammen.
„Wieso? Was meinst Du?“
„Ich meine diese Filmtypen. Die wollen doch alle nur das eine von einem hübschen Mädchen. Du hast keine Erfahrung mit falscher Freundlichkeit. Ich frage mich, wieso Ben dem Unsinn so ohne weiteres zustimmt... Das bringt nur Ärger, glaub mir. Sara würde ich es verbieten.“
Jetzt mußte Meg lachen.
„Du kennst doch Saras Dickschädel. Glaubst Du wirklich, sie würde sich das von Dir verbieten lassen?“
Nun lachte auch Derek.
„Vermutlich nicht.“  
Sie tanzten eine Weile schweigend und Meg mußte daran denken, dass diese Eintracht zwischen ihnen noch vor ein paar Monaten überhaupt nicht denkbar gewesen wäre.  
„Bitte pass gut auf Dich auf.“ sagte Derek leise, als er Meg nach dem Tanz schließlich zu ihrem Platz zurückbrachte.

Jeany

 

 

Später, als Meg für einen Moment mit Vanessa allein am Tisch saß, kam Virginia kurz herüber und begrüßte die beiden Frauen freundlich.
„Tut mir leid, dass ich Euch nicht bedienen kann“ meinte sie lächelnd, „aber mein neuer Chef hat mich für die Tische dort hinten eingeteilt.“
„Und wie gefällt Dir die neue Arbeit?“ fragte Vanessa.
„Oh, sehr gut.“ Virginia lachte. „Alle sind sehr freundlich zu mir, ich habe tagsüber mehr Zeit für Jimmy und abends ist im Surf Center meistens jemand da, so dass ich mir um ihn keine Sorgen machen brauche.“ Sie wandte sich an Meg.
„Nochmal vielen Dank, dass Du meinem Sohn so eine gute Freundin bist.“ sagte sie. „Seit Eurem Gespräch damals am Strand hält er große Stücke auf Dich.“
„Das hat er Dir erzählt?“ fragte Meg erstaunt.
„Ja, und er meinte damals, er könne nun alles viel besser verstehen, und dass Du gesagt hättest, sein Vater würde ihn garantiert nicht weniger lieben, auch wenn er jetzt eine neue Freundin hätte.“
„Das freut mich.“ erwiderte Meg. „Ich mag ihn auch sehr, und er kann mich und Ben jederzeit besuchen kommen, auch wenn er kein Problem hat!“  
Sie lachten beide, während Vanessas Lächeln dagegen etwas gezwungen wirkte.
Als Virginia wieder gegangen war, verdrehte sie die Augen und sah Meg entschuldigend an.
„Tut mir leid, wenn ich mich eben etwas zurückgehalten habe, aber ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass Michaels Ex- Frau nicht nur hier ist, weil sie Arbeit gesucht hat.“
„Du denkst, sie ist wegen Michael hergekommen?“ fragte Meg ungläubig.
Vanessa nickte heftig.
„Ja, das denke ich.“
Meg legte Vanessa beschwichtigend ihre Hand auf den Arm.
„Mach Dich nicht verrückt.“ sagte sie leise. „Michael liebt Dich, er ist geradezu verrückt nach Dir! Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass er ausgerechnet jetzt anfangen sollte, alte Geschichten aufzuwärmen!“
Vanessa seufzte und lächelte wehmütig.
„Ich hoffe, Du hast recht, Meg!“

Jeany

 

 

Virginia setzte ihr Tablett mit den leeren Gläsern hinter der Theke ab.
„Caitlin, ich mache kurz eine Pause.“ erklärte sie, lächelte Michael, der sich noch mit Ben an der Bar unterhielt, kurz zu und ging nach draußen. Die kühle Nachtluft tat ihr gut. Sie setzte sich auf eine der Bänke an der Strandpromenade und  ließ ihre Gedanken in vergangene Tage wandern, Tage, die erfüllt gewesen waren von Unbeschwertheit und Lachen, Tage mit Michael...  
Sie waren damals beide so verliebt gewesen, und sie glaubte, diese Liebe würde für immer halten, aber dann wurde Jimmy geboren, und mit dem Baby kam Verantwortung in ihr gemeinsames Leben, eine Verantwortung, die sie beide tragen mußten, obwohl sie eigentlich noch gar nicht dazu bereit waren. Von da an war alles anders geworden, sie stritten sich, oft nur über Kleinigkeiten, sie redeten kaum noch miteinander, und irgendwann waren sie zu dem schmerzlichen Schluß gekommen, das eine Trennung die einzige Möglichkeit sei, wenigstens einigermaßen im Guten auseinanderzugehen.  
Michael war sofort von L.A. weggezogen, und sie hatten über die Jahre hinweg kaum Kontakt gehabt, aber um Jimmy kümmerte er sich immer, er schickte regelmäßig Geld und vergaß nie den Geburtstag seines Sohnes oder besondere Feiertage. Zu Anfang hatte sie sich dagegen gewehrt, dass er Jimmy sah, aber mit der Zeit konnte der Junge eine halbwegs freundschaftliche Beziehung zu seinem Dad aufbauen und in der letzten Zeit liebte er ihn nahezu abgöttisch.
Virginia lächelte versonnen. Sie mußte sich eingestehen, dass ihr Michael auch längst nicht so gleichgültig war, wie sie sich in den ganzen Jahren einzureden versucht hatte. Vielleicht war das auch der Grund dafür, dass sie keine neue Beziehung eingegangen war. Nicht, dass sie keine Chancen gehabt hätte, aber sie war einfach nicht bereit dazu, sich erneut zu binden.  
Hier in Sunset Beach würde sie nur allzugern ein neues Leben beginnen, mit Michael und mit ihrem gemeinsamen Sohn.
Wenn...  ja, wenn da nicht seine Freundin wäre!
„Vanessa“ Virginia zog die Stirn in Falten, „eigentlich ist sie viel zu nett, um sie zu hassen.“ dachte sie, „aber andererseits muß ich auch einmal an mich denken, und vor allem daran, was für Jimmy das Beste wäre!“
Sie holte tief Luft und straffte die Schultern. „Kommt Zeit, kommt Rat.“ meinte sie zu sich selbst und stand auf, um wieder an die Arbeit zu gehen...  

Jeany

 

 

„Vanessa, ich habe eine Idee.“ meinte Meg, um die Freundin auf andere Gedanken zu bringen. „Du wolltest doch ein Interview mit Aaron Spelling?“
„Ja“ bestätigte Vanessa, „nur hat es leider nie geklappt.“
„Dann komm doch morgen zu diesem Casting einfach mit. Ich stelle Dich ihm vor und Du schreibst Deinen Artikel. Und ein Bericht über die gegenwärtigen Dreharbeiten zu „California Coast Story“ wird die Leser doch sicher auch interessieren!“
Vanessa sah sie mit großen Augen an und strahlte.
„Meg, das ist eine Super Idee!“ Sie überlegte einen Moment und meinte dann voller Tatendrang: „Weißt du was? Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich über Deinen ersten Tag am Drehort berichten.“
Meg verzog das Gesicht etwas bedenklich.
„Ich weiß nicht recht... Bist du sicher, dass das irgend jemanden interessieren könnte?“ fragte sie bescheiden. Vanessa lachte.
„Hör mal, Süße, wenn Du Dich auf Spelling Entertainment einlässt, und sei es nur für eine Gastrolle, dann wirst Du im Mittelpunkt der Öffentlichkeit stehen, ob Du willst, oder nicht. Jedes neue Gesicht wird von der Presse begeistert unter die Lupe genommen, also besser, ich schreibe darüber, als wenn irgend so ein Sensationsreporter die Sache unnötig aufbauscht und das Blaue vom Himmel über Dich und Dein Privatleben erfindet.“
Meg nickte.
„Daran hab ich noch gar nicht gedacht.“  
„Woran hast Du noch nicht gedacht?“ ließ sich Ben vernehmen, der mit Michael gerade zurück an den Tisch kam. „Vielleicht daran, mit mir zu tanzen? Darf ich bitten, schöne Unbekannte?“ Er nahm ihre Hand, und sie begleitete ihn lachend auf die Tanzfläche. Michael und Vanessa folgten ihnen.  
„Diesen Song spiele ich für alle Verliebten...“ ließ sich der DJ vernehmen.
„Na, dann sind wir ja hier genau richtig!“ raunte Michael Vanessa zu und nahm sie zärtlich in den Arm, während sie sich langsam zur Musik bewegten.  

Jeany

 

 

Langsam schlug Bette die Augen auf. Sie fühlte sich immer noch wie zerschlagen, obwohl sie den restlichen Tag gestern im Bett verbracht hatte und auch die Nacht gut durchgeschlafen hatte. Vorsichtig drehte sie ihren Kopf und sah den neben ihr schlafenden Sam an. Selbst im Schlaf wirkte sein Gesichtsausdruck noch besorgt. Leise seufzte sie auf. Noch nie hatte sie einen Mann so geliebt wie Sam und noch nie fühlte sie sich so geliebt und geborgen, wie von Ihm.

Vorsichtig stellte Bette zuerst ein Fuß aus dem Bett und dann den zweiten. Auf der Bettkante sitzend wartete sie einen Augenblick, ob ihr wieder übel wurde, aber diesen Morgen schien alles gut zu sein. Langsam und vorsichtig erhob sie sich und schlüpfte in Ihren seidenen Morgenmantel. Hinter ihr drehte sich Sam im Bett, wachte aber nicht auf. Leise schlüpfte Bette in Ihre Pantoffel und ging in das angrenzende Badezimmer hinüber. Sie schaltete das Licht an und betrat den exklusiv eingerichteten Raum. An der längst Wand war eine große Badewanne eingebaut, die gleichzeitig auch als Whirlpool benutzt werden konnte. Daneben war eine große Duschkabine eingebaut, in der auch bequem zwei Personen Platz hatten. In der Wand eingelassene Düsen ermöglichten eine rundum Wassermassage. An der gegenüberliegenden Wand befanden sich die Toilette und das Waschbecken. Der Fußboden war mit Marmor ausgelegt und die Wände waren mit Fliesen in einem eleganten Grauton gekachelt. Bette trat an das Waschbecken heran und betrachtete sich erschrocken im Spiegel. Ihre Augen lagen tief in den Höhlen und waren mit dunklen Ringen umrandet. Eine unnatürliche Blässe überzog ihren Teint und ließ ihre Nase extrem spitz erscheinen.

„Oh, oh Bette, es wird mal wieder Zeit für einen Besuch im Schönheitssalon. So kannst Du Dich ja nirgendwo mehr blicken lassen.“ sagte sie zu sich selber, beugte sich über das Waschbecken und spritzte sich ein wenig kaltes Wasser ins Gesicht. Als sie sich wieder aufrichtete, sah sie plötzlich nur noch Sterne und alles um sie herum wurde schwarz. Bevor sie wusste, was ihr geschah, gaben ihre Knie nach und sie sank zu Boden. Dabei riss sie ein Wasserglas mit zu Boden, dass mit einem lauten Knall in tausend Scherben zersprang.

Meg

 

 

Sam schreckte hoch, als er den lauten Knall im Badezimmer hörte. Alarmiert sprang er aus dem Bett und rannte ins Badezimmer hinüber. Zu seinem großen Schrecken lag Bette dort bewusstlos am Boden. Mit zwei großen Schritten war er neben Bette und kniete sich nieder. Vorsichtig hob er ihren Kopf an und klopfte ihr leicht auf die Wange.

„Bette, hörst Du mich?“ fragte er dabei. Fast zeitgleich standen nun auch Emily und Annie in der Badezimmertür.

„Mein Gott, was ist denn hier passiert?“ wollte Emily wissen. Sam sah zu den beiden jungen Frauen auf.

„Ich weiß auch nicht. Ich habe einen lauten Knall gehört und Bette dann hier so vorgefunden.“

„Soll ich einen Krankenwagen rufen?“ fragte Annie. Sam stand auf.

„Nein, das dauert mir zu lange. Ich bringe Bette selber ins Krankenhaus. Bleibt bitte kurz bei ihr, ich muss mir nur etwas überziehen.“ Sam lief ins Schlafzimmer zurück und zog schnell eine Jeans und ein T-Shirt über und war schon wieder zurück, um Bette vorsichtig hochzuheben.

„Könnt Ihr mir bitte die Türen öffnen?“ fragte er. Emily schob Annie vor sich her. „Helfe Du ihm, ich zieh mir schnell was über und fahre mit ins Krankenhaus.“  

Wie ein Blitz eilte sie an Annie vorbei. Schon wenige Augenblicke später war Emily, in einer Jogginghose und T-Shirt bekleidet, am Van von Sam, der gerade Bette vorsichtig auf den Rücksitz legte.

„Ich setzte mich zu ihr und pass auf.“ sagte sie zu Sam. Dieser nickte nur und schob die Seitentür zu. Flink kletterte er auf den Fahrersitz und ließ den Motor an. Schnell schoss er aus der Ausfahrt runter und fuhr mit Vollgas Richtung South Bay General davon.

Meg

 

 

Derek war im Java Web gerade dabei, die Lagerbestände auf einer Liste abzuhaken, als er eine ihm wohlvertraute Stimme hörte.

"Wäre es wohl möglich einen Kaffee zu bekommen?" Erstaunt schaute er hoch, und ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er den Besucher erkannte.

"Ted! Das ist ja eine Überraschung!" begrüßte er seinen Bruder. "Was verschlägt Dich hierher?"

Ted wies auf die Kaffeemaschine in Dereks Rücken.

"Wenn Du mir einen Kaffee spendierst, erzähle ich es Dir," sagte er mit einem verschmitzten Grinsen. Derek nahm zwei leere Tassen aus dem Regal und schenkte sich und Ted Kaffee ein. Dann ging er hinüber zu einem der freien Tische und setzte sich.

"Es ist sowieso nichts los," meinte er. "Da kann ich mir auch gleich eine Pause genehmigen."

Ted nickte und setzte sich zu Derek an den Tisch.

"Ich habe gehört, daß Du für das Amt des Bezirksstaatsanwaltes kandidierst," begann Derek die Unterhaltung. Ted nickte stolz.

"Ja, und ich hätte nie gedacht, daß der Bürgermeister sogar mir den Vorzug geben würde, aber es hängt wohl damit zusammen, daß ich der einzige Kandidat bin, der nicht nach Gregory Richards' Pfeife tanzt," erklärte er grinsend. Derek nahm einen Schluck aus seiner Tasse.

"Ja, der Typ ist echt unangenehm. Es wird Zeit, daß ihn mal jemand in seine Schranken weist, aber - entschuldige, Du wolltest doch sicher nicht mit mir über Gregory reden, oder?"

Ted nahm einen großen Schluck aus seiner Tasse und sah Derek über den Rand hinweg nachdenklich an.

"Geht es vielleicht um Annie?" äußerte Derek seine Vermutung. Irritiert sah Ted seinen Bruder an. "Annie? Wie kommst Du denn auf diese Idee?" fragte er erstaunt. Derek runzelte die Stirn.

"Ach ja," erwiderte er dann," Du kannst es ja gar nicht wissen. Ted sah Derek neugierig an.

"Was kann ich nicht wissen?" hakte er nach. Derek nahm einen Schluck aus seiner Tasse.

"Annie und ich waren mal verlobt!" erklärte er dann dem verblüfften Ted. Dieser atmete tief durch.

"Oh ... in der Tat - davon hatte ich keine Ahnung!"

Derek sah seinen Bruder verlegen an.

"Ich komme auch nur darauf, weil ich bemerkt habe, daß Dein Interesse an Annie ... nun, wie soll ich sagen ... mehr als nur freundschaftlich ist," fügte Derek hinzu. Ted lachte.

"Ja, so könnte man es wohl nennen, aber deshalb habe ich Dich nicht aufgesucht ..."

Derek sah Ted fragend an.

"Dann will ich mal die Katze aus dem Sack lassen," begann Ted. "Ich wollte Dich fragen, ob Du schon einen Brautführer hast?"

Derek sah ihn überrascht an.

"Komisch, daß Du mich das fragst! Erst gestern sprach ich mit Sara darüber ... Nein!"

Ted rieb sich erfreut die Hände.

"Wenn Du damit einverstanden bist, würde ich das gerne übernehmen," erklärte er. "Sieh es als ein Friedensangebot an," fügte er hinzu. Derek hatte Ted schweigend zugehört, doch nun drängte sich bei ihm eine Frage auf.

"Wieso fragst Du mich und nicht Ben?" Ted sah seinen Bruder nachdenklich an.

"Weil ich sehr viel mehr bei Dir gutzumachen habe als bei Ben," erklärte Ted schlicht. "Bevor ich Catherine und unseren Vater verließ, hatten Du und ich ein so inniges Verhältnis zueinander. Es fiel mir nicht leicht, alles hinter mir zu lassen, und ich weiß, daß ich Dir mit meinem Fortgehen sehr wehgetan habe." Ted senkte die Stimme, als er fortfuhr. "Ich glaube, es ist auch ein bisschen meine Schuld, daß Du später so verbittert wurdest."

Derek sah seinen Bruder überrascht an. Teds Aufrichtigkeit berührte ihn.

"Du bist mein Vorbild gewesen," sagte er leise. "Als Du fortgingst, starb ein Teil von mir."

Ted sah seinen Bruder mitfühlend an.

"Du hattest doch Ben!"

Derek schüttelte den Kopf.

"Nein, Ben habe ich schon als Kind gehasst, weil er immer der Liebling war! Er war der Gute, ich der Böse ..." Derek machte eine wegwischende Handbewegung. "Das gehört zum Glück alles der Vergangenheit an," sagte er. "Ich bin glücklich, daß Ben und ich noch eine zweite Chance erhalten haben!"

Ted lächelte.

"Und, bekomme ich auch eine?" fragte er. Derek sah seinen älteren Bruder nachdenklich an. Dann streckte er ihm die Hand entgegen.

"Einverstanden!" sagte er. Mit einem kräftigen Händedruck besiegelten die Brüder den Neuanfang.

Mona

 

 

Mit quietschenden Reifen stoppte Sam den Van vor dem Eingang der Notaufnahme des South Bay General. Er stieg aus und rannte um den Van herum.

„Hey Mann, hier können Sie nicht stehen bleiben, das ist der Eingang zur Notaufnahme.“ rief ihm ein zufällig vorbeikommender Pfleger zu. Sam beachtete diesen gar nicht, sonder öffnete die seitliche Tür und hob vorsichtig, die immer noch bewusstlose Bette heraus.

„Fahr bitte das Auto zur Seite.“ bat er Emily und drehte sich dann, mit Bette in seinen Armen zu dem Pfleger um „Wir brauchen einen Arzt! Schnell!“ rief er diesem zu. Der Pfleger erkannte die Situation und lief Sam voraus.

„Folgen Sie mir.“

Sam folgte dem Mann ins Hospital. Drinnen schnappte sich der Pfleger eine fahrbare Trage.

„Legen Sie Ihre Frau hier drauf, wir bringen Sie in die Notaufnahme.“

Sam tat, was der Pfleger sagte, und zusammen mit dem Pfleger schob der die Trage in einen der Notfallräume. Der Pfleger nahm der Hörer des roten Telfons an der Wand ab und drückte die Null.

„Dr. Tyus Robinson bitte in die Notaufnahme Raum 2.“ Er drehte sich zu Sam um.

„Der Doktor wird gleich hier sein.“ Der junge Pfleger nahm sich ein Blutdruckmessgerät und legte es bei Bette an. In diesem Moment betrat ein junger Farbiger den Raum.

„Ich bin Dr. Robinson, was ist passiert?“ Er richtete seinen Blick kurz auf Sam, bevor er mit einer kleinen Lampe die Pupillenreflexe bei Bette überprüfte.

„Sie fühlte sich schon seit einiger Zeit nicht sehr wohl, hat sich auch öfters übergeben müssen. Heute morgen ist sie bewusstlos im Badezimmer zusammengebrochen.“ berichtete Sam, während Tyus Bette abhorchte.

„Der Blutdruck ist 40 zu 60, leicht steigend, Puls 86.“ gab der Pfleger die Vitalwerte an den Doktor weiter. In diesem Augenblicken begannen die Augenlider von Bette zu flattern und sie öffnete langsam die Augen.

„Was.....was ist passiert?“ fragte sie und wollte sich aufsetzten, aber Ihr Kopf schmerzte schon bei der kleinsten Bewegung und sie sank zurück.

„Immer langsam Mrs. Katzenkazrahi, Sie hatten das Bewusstsein verloren. Wie fühlen Sie sich?“ lächelte Tyus Robinson Bette an. Bette erkannte nun auch den Doktor.

„Dr. Robinson, was machen Sie denn hier?“

Leise lachte Tyus auf.

„Nun, ich arbeite hier und dieser Herr,“ er deutete auf Sam „hat Sie hergebracht.“

Bettes Blick wanderte zu Sam hinüber.

„Sam....ich hatte Dir doch gesagt, dass ich keinen Arzt brauche.“

„Paperlapp, Du hast uns allen einen großen Schreck eingejagt und Du wirst das Krankenhaus nicht eher verlassen, bis Dr. Robinson Dich gründlich untersucht hat und die Ursache für Deine Übelkeit und Deine Bewusstlosigkeit gefunden hat.“ antwortete Sam. Tyus nickte zustimmend.

„Das sehe ich ganz genauso.“ Er wandte sich an den Pfleger. „Steve, machen Sie bitte ein großes Blutbild und ich brauche auch eine Urinprobe.“

„Gut“ sagte Steve und begann alle Utensilien dafür bereitzulegen. Tyus sah Sam an.

„Sie sagten, Sie hat sich in der letzten Zeit öfter übergeben. Hat Sie überhaupt etwas bei sich behalten?“ Sam überlegte einen Moment.

„Also unter dieser Übelkeit leidet Sie vielleicht seit zwei, drei Wochen. Mal mehr und mal weniger. Gestern hat Sie so gut wie gar nichts bei sich behalten.“

„Okay. Steve dann legen Sie bitte noch einen Glukosetropf bei Mrs. Katzenkazrahi an. Und die im Labor sollen sich mit den Untersuchungen beeilen.“

„Gut Doktor.“ sagte Steve, während er Bette eine Blutprobe entnahm.“

Bette sah den jungen Arzt an.

„Darf ich jetzt nach Hause?“

Tyus Robinson schüttelte seinen Kopf.

„Nein, Sie kommen jetzt an den Tropf und bis der durch ist, habe ich hoffentlich schon ein Ergebnis aus dem Labor.“ Er drehte sich zu Sam um. „Wenn Sie möchten, können Sie solange bei ihr bleiben.“ Sam nickte.

„Danke Doktor.“

Meg

 

 

Wenn Meg anfangs geglaubt hatte, Dreharbeiten würden einen Riesenspaß bedeuten, so sah sie sich bereits an ihrem ersten Tag am Set arg getäuscht.  
Mister Spelling ließ sie am Morgen mit einer seiner teuren Limousinen in Sunset Beach abholen, obwohl sie viel lieber selbst gefahren wäre. Aber sein Wort galt, er war der Boss, und sie wollte ihn nicht verärgern. Also ließ sie sich gemeinsam mit Vanessa, die diese Gelegenheit wie verabredet nutzte, um einen Artikel über die Dreharbeiten an der „California Coast Story“ für den „Sunset- Sentinel“ zu schreiben, nach Venice Beach chauffieren, wo derzeit verschiedene Szenen gedreht wurden und einige Probeaufnahmen mit Meg und noch zwei neuen Darstellern gemacht werden sollten.
„Er behandelt Dich jetzt schon wie eine Diva“ lachte Vanessa mit einem Blick auf den Chauffeur in seiner Uniform, von dem sie eine diskrete Glasscheibe im Wageninneren trennte.
„Hör bloß auf“ stöhnte Meg und verdrehte die Augen, „mir ist ganz schlecht, seit ich in diese Nobelkarosse gestiegen bin! Worauf habe ich mich da bloß eingelassen?“
„Ruhig Blut, Meg“ entgegnete Vanessa in beruhigendem Ton, „ich bleibe immer in Deiner Nähe!“
Das erwies sich als gar nicht so einfach, denn am Set herrschte ein Gewimmel wie in einem Bienenstock, überall Kameras, Scheinwerfer, Kabel und dazu dutzende Leute, die diese Technik bedienten. Jeder Einzelne hier schien sich für unersetzbar zu halten.  
Meg sah Gwen mit einem Schreibblock umhereilen. Sie erteilte Anweisungen, an die sich offensichtlich kaum jemand hielt, und schien einem Nervenzusammenbruch nahe. Über ihre Riesenbrille hatte sie Meg natürlich sofort erspäht und bahnte sich hartnäckig einen Weg durch die Menge.
„Meg!“ rief sie und winkte aufgeregt. „Kommen Sie schnell, Mr. Spelling erwartet Sie bereits!“ Sie schob Meg in einen provisorisch aufgestellten Wohnwagen. „Zuerst einmal gehen Sie hier in die Maske, da werden Sie für die ersten Aufnahmen zurechtgemacht. Sie bleiben draußen!“ herrschte sie Vanessa an, die ihnen gefolgt war und warf einen mißbilligenden Blick auf den Schreibblock, den die junge Frau einsatzbereit in der Hand trug. Journalisten sind hier nicht zugelassen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung vom Boss.“
„Okay“ Vanessa steckte den Block in die Tasche, „ich bin eigentlich auch nur privat hier, als Begleitung von Miss Cummings.“
„Trotzdem müssen Sie draußen warten.“ erwiderte Gwen unerbittlich, verschwand in dem Wohnwagen und zog die Tür hinter sich zu. Schulternzuckend ergab sich Vanessa ihrem Schicksal und beschloß, sich hier in der Nähe etwas umzusehen, bis Meg irgendwann wieder auftauchen würde.

Jeany

 

 

Erstaunt bemerkte Meg, dass sie nicht die Einzige zu sein schien, die heute hier zu Probeaufnahmen eingeladen war. Während die Maskenbildnerin mit geschickten Händen und einigen utopisch aussehenden Hilfsmitteln das Gesicht einer vermeintlichen Mitbewerberin bearbeitete, saß auf dem Sofa daneben eine weitere junge Dame, die Meg mit unverhohlener Neugier musterte.
Meg nahm zögernd neben ihr Platz. Die junge Frau rückte widerwillig ein Stück zur Seite. Sie trug einen superkurzen Mini und ein ziemlich gewagtes Oberteil. Ihr weizenblondes Haar reichte bis auf die Schultern und sie betrachtete Meg aus ihren eisblauen Augen fast feindselig.
„Hi, ich bin Meg. Bist Du auch zu Probeaufnahmen hier?“ fragte Meg schließlich, um überhaupt etwas zu sagen. Die Blonde nickte.
„Julie...“ antwortete sie kurz angebunden. „Mach Dir keine Hoffnung, Kleine“ fügte sie kurz darauf mit etwas heißer klingender Stimme hinzu, „die Rolle geht sowieso hundertprozentig an mich.“
„Wie kommst Du darauf?“ fragte Meg erstaunt. Julie lehnte sich zurück und atmete tief durch.
„Du wirst mein Gesicht bald auf allen Plakaten sehen. Ich habe die richtige Portion Talent.“
„Und die richtige Portion Selbstüberschätzung.“ erwiderte Meg trocken.  
Die Blonde öffnete die rotgeschminkten Lippen, um zu einer Antwort auszuholen, als die Tür aufging und ein großer, schlanker, sportlich aussehender Mann hereinkam, der Meg irgendwie bekannt vorkam. Er hatte dunkelblondes, nach hinten gekämmtes Haar und ein markant geschnittenes, gutaussehendes Gesicht, aus dem blaue Augen die Anwesenden kurz musterten. An Meg blieb sein Blick haften, während er laut sagte:
„Die Erste soll sich draußen melden, es geht los.“
„Ich bin aber noch nicht ganz fertig, Jake!“ widersprach die Maskenbildnerin, doch der Mann winkte nur unwirsch ab.
„Schick Sie raus, Cathy, sie sind schön genug! Es sind ja sowieso nur Probeaufnahmen, und ich befürchte, auch heute werden die Damen wieder keinen zusammenhängenden Satz herausbringen. Langsam bin ich es wirklich leid, jeden Tag Amateure zu testen!“ Damit drehte er sich um und ging hinaus, die Tür geräuschvoll hinter sich zuwerfend.
„Was für ein eingebildeter Affe!“ dachte Meg wütend.  
Julie war aufgesprungen.  
„Ich mache den Anfang.“ meinte sie selbstbewußt und zog ihren Mini glatt.
„Ja aber...  Sie waren doch noch gar nicht unter der Maske!“ protestierte Cathy erstaunt.
Julie lächelte von oben herab.
„Danke, aber ich bin überzeugt, die kann ich mir sparen. Ich brauche kein Make up, um die Rolle zu bekommen!“ Mit diesen Worten stolzierte sie hoch erhobenen Hauptes hinaus.
Meg und Cathy wechselten einen vielsagenden Blick.
„Tja, da kann man nichts machen.“ meinte die Maskenbildnerin achselzuckend und wandte sich an die junge Frau, die sie bisher kunstvoll zurechtgemacht hatte. „So, Sie sind fertig, meine Liebe. Viel Glück!“ Sie nickte Meg aufmunternd zu. „Und jetzt zu Ihnen...“

Jeany

 

 

Seit über eine Stunde warteten Bette, Emily und Sam jetzt darauf, das Dr. Tyus Robinson mit den Ergebnissen von Bettes Laboruntersuchungen zurückkehrt. Nervös schritt Sam auf und ab, während Bette auf den Glukosebeutel, der durch einen dünnen Plastikschlauch, an deren Ende eine Kanüle in Bettes Vene endete, starrte, als ob sie diesen hypnotisieren wollte. Emily saß unterdessen auf einen Stuhl und beobachtete die beiden. Obwohl sie Ihre Mutter erst sei so kurzer Zeit wieder hatte, war sie ihr doch sehr ans Herz gewachsen. Und auch Sam war ein netter Mann, der gut mit Ihrer, manchmal sehr temperamentvollen, Mutter zurecht kam. Zusammen gaben sie ein sehr schönes Paar ab und Emily spürte genau, dass sich Sam sehr um Bette sorgte.

Plötzlich öffnete sich die Tür und Tyus kam, mit Bettes Krankenakte in der Hand, herein. Er trat an Bettes Liege heran und überprüfte den Tropf.

„Na, wie geht es Ihnen jetzt?“ fragte er.

„Besser,“ lächelte Bette „ich hoffe, Sie lassen mich gleich nach Hause gehen.“  

Tyus zog sich einen Hocker heran und setzte sich neben Bette.

„Nun, darüber sollten wir uns unterhalten.“

Aus Bettes Gesicht wich alle Farbe.

„Oh mein Gott, es ist etwas Ernstes. Ein Geschwür, stimmt es? In mir wächst ein Geschwür heran! Wie lange habe ich noch, Doktor?“

Tyus griff nach Bettes Hand.

„Nun beruhigen Sie sich bitte, Mrs. Katzenkazrahi. Sie werden nicht sterben, aber in Ihnen wächst tatsächlich etwas heran.“

Bette sah Tyus verwirrt an und fragte dann ganz leise:

„Was ist es Doktor, bitte sagen Sie mir die Wahrheit.“

Tyus lächelte Bette an.

„Nun, um die Wahrheit zu sagen, ich kann Ihnen im Moment noch nicht genau sagen, was in Ihnen heranwächst, da müssen wir uns wohl noch 6 oder 7 Monate gedulden.“

„Ich verstehe nicht?“ Bette sah Sam an, der auch nur mit den Schultern zuckte.

„Also Mrs. Katzenkazrahi, wann hatten Sie das letzte Mal Ihre Periode?“ wollte Tyus nun wissen.

„Das muss ungefähr vor 8 bis 10 Wochen gewesen sein. Wissen Sie, in meinen Alter achtet man da nicht mehr so drauf.“

„Na gut, ich denke, das können wir beim Ultraschall feststellen, wie weit Sie genau sind.“

Dr. Robinson machte sich Notizen in Bettes Krankenakte.

„Was meinen Sie? Ich bin doch nicht.....nein, dass kann doch gar nicht sein. Sie wollen mir doch nicht gerade erzählen, dass ich schwanger bin?“ Bette konnte kaum einen vollständigen Satz zu Ende bringen. Tyus nickte.

„Genau das will ich damit sagen. Sie sind schwanger.“

Kaum hatte Tyus diesen Satz ausgesprochen, hörte er hinter sich ein lautes Krachen. Besorgt sah er sich um und entdeckte Sam, der sich bei dem Versuch, sich zu setzten, den Stuhl verfehlt hatte und nun am Boden saß.

Meg

 

 

Tyus sprang auf und eilte zu Sam hinüber.

„Mein Gott, Mr. Peterson, haben Sie sich verletzt?“

Sam rappelte sich auf und schüttelte seine Gliedmaßen.

„Nein, alles in Ordnung.“

„Gut“ sagte Tyus und kehrte dann zu Bette zurück. Diese sah Tyus mit großen Augen an.

„Und Sie sind sicher, dass ich schwanger bin?“  

Tyus nickte.

„Ganz sicher, dass haben unsere Tests eindeutig ergeben.“

„Aber wie ist das möglich? Ich....ich“ Bette beugte sich zu Tyus hinüber und flüsterte „ich bin doch schon 46. Andere Frauen sind doch da schon in den Wechseljahren.“

Tyus lehnte sich zurück und nickte.

„Viele Frauen ja, aber nicht alle. Meine älteste schwangere Patientin bisher war 48.“

„Wow und wie soll es jetzt weitergehen?“ wollte Bette wissen.

„Auf Grund Ihres Alters zählen Sie natürlich zu den Risikoschwangeren.“ begann Tyus.

„Moment mal, was soll das heißen?“ schaltete sich nun Sam ein.

„Das soll heißen, dass wir auf Mrs. Katzenkazrahi und auf das Baby besonders aufpassen werden und einige zusätzliche Untersuchungen vornehmen werden, wie zum Beispiel eine Fruchtwasseruntersuchung.“

„Ja,“ davon habe ich schon einmal gehört.“ nickte Sam. Tyus stand auf.

„Ich werde Sie jetzt für ein paar Augenblicke allein lassen, da Sie bestimmt das ein oder andere besprechen wollen. Ich bereite in der Zwischenzeit ein paar Tests vor.“ Er drehte sich zu Bette um „Und lasse Ihnen ein Zimmer vorbereiten, da ich Sie gerne ein oder zwei Tage unter Beobachtung haben möchte.“

„Muss das denn wirklich sein?“ fragte Bette.

„Ja, das halte ich für notwendig.“ nickte Tyus und verließ den Raum, bevor Bette erneut Einspruch einlegen konnte.  
 
Bette sah Sam an und dieser sah Bette an.

„Und was sagst Du nun? Das ist ein Knaller oder?“

Stumm nickte Sam, dann ging er auf Bette zu und umarmte sie.

„Das ist der Megaknaller! So was hat uns bestimmt niemand mehr zugetraut.“

Bette schaute zu Sam auf.

„Und was sollen wir nun machen? Sollen wir das Baby bekommen?“

„Was denkst Du denn?“

Sam schaute zu Emily hinüber, die die beiden nicht aus den Augen ließ.

„Eine große wunderbare Tochter hast Du mir doch schon geschenkt und nun bekomme ich die Gelegenheit, doch noch das Wechseln der Windeln zu lernen und alles was dazugehört.“

„Bist Du Dir sicher?“

Sam nickte und küsste Bette.

„Du machst mich zum glücklichsten Mann der Welt.“

„Gut,“ lächelte Bette „das hatte ich schon immer vor.“

In diesem Augenblick kehrte Tyus zurück.

„Nun Mrs. Katzenkazrahi, sind Sie fertig für ein paar Tests?“

Bette nickte.

„Ich denke schon.“

Sam küsste Bette noch einmal.

„Bist Du mir sehr böse, wenn ich mal für eine halbe Stunde verschwinde? Ich muss dringend etwas erledigen.“ fragte er.

„Bei den Tests, die wir jetzt machen, können Sie sowieso nicht dabei sein und mit dem Ultraschall warten wir, bis Sie wieder zurück sind.“ schaltete sich Tyus ein. Bette lächelte.

„Du hast ihn gehört, Daddy. Also sieh zu, dass Du rechtzeitig wieder zurück bist.“

Sam küsste Bette noch einmal.

„Ich liebe Dich.“

Dann wurde Bette hinausgerollt und auch Sam verließ den Raum.

Meg

 

 

Sam betrat mit einem kleinen Päckchen unter dem Arm geklemmt, das Vorzimmer zu Bens Büro in der Liberty Corporation. Ein wenig irritiert stellte er fest, dass Meg nicht anwesend war und an ihrer Stelle eine junge Frau saß.

„Guten Tag, ist der Boss da?“ fragte Sam und zeigte dabei auf Bens Bürotür. Die junge Frau blickte von ihrer Arbeit am Computer auf und nickte kurz. Als Sam sich jedoch der Tür nährte, sprang sie auf. „Entschuldigen Sie bitte, aber wen darf ich melden?“

Sams gute Laune war durch nichts zu stoppen.

„Sagen Sie ihm bitte, dass Sam hier ist, um eine Wettschuld einzulösen.“

Etwas irritiert sah die junge Frau Sam an und drückte dann einen Knopf auf der Gegensprechanlage „Mr. Evans? Hier ist ein... Sam, der sagt, er will eine Wettschuld bei Ihnen einlösen.“

„Danke Shirley,“ ertönte Bens Stimme aus dem Lautsprecher der Gegensprechanlage „schicken Sie ihn bitte rein.“

Als die junge Frau aufstehen wollte, um Sam den Weg zu weisen, winkte dieser ab.

„Danke, aber ich kenne mich hier bestens aus.“

Mit viel Schwung und Elan betrat Sam Bens Büro.

„Hi Ben alter Junge, wo hast Du denn Meg gelassen?“

„Hi Sam,“ begrüßte Ben Sam „Meg ist in Los Angelos und steht dort vor der Kamera für eine Fernsehserie.“

Sam sah Ben ein wenig irritiert an. Ben lachte.

„Nun, als wir gestern in Los Angelos waren, wurde Meg mitten auf der Strasse von einer jungen Frau angesprochen, die für Aaron Spelling arbeitet. Tja und heute ist sie nach Los Angelos zu Probeaufnahmen gereist.“

„Wow, sieht so aus, als wenn Deine Zukünftige eine Karriere in der Fernsehindustrie anstrebt.“ lächelte Sam. Ben zuckte die Schultern.

„Erst mal sind es ja nur Probeaufnahmen und Meg sieht das ganze als großen Spaß an. So, und nun erklär mir mal, von was für einer Wettschuld Du redest? Wir haben doch schon lange nicht mehr miteinander gewettet.“

Sam grinste und überreichte Ben das Päckchen, dass er die ganze Zeit unter seinem Arm geklemmt hatte.

„Hier, vielleicht erinnerst Du Dich dann.“

Ben nahm das Päckchen und öffnete es.

„Zigarren? Und dann noch die besten aus Havanna?“

„Und erinnerst Du Dich nun?“ fragte Sam grinsend. Ben sah ihn verständnislos an. Dann plötzlich begann es ihm zu dämmern.

„Hatten wir nicht gesagt, dass derjenige, der zuerst Vater wird, dem anderen eine Kiste von diesen Zigarren schuldet?“

Sams Grinsen wurde noch breiter.

„Stimmt.“

Überrascht sah Ben Sam an.

„Du meinst doch nicht etwa...? Willst Du mir vielleicht damit sagen, dass Bette schwanger ist?“

„Genau das will ich damit sagen.“ bestätigte Sam.

„Wow,“ Ben sprang auf und umarmte Sam. „Ihr zwei seid aber auch immer für eine Überraschung gut! Das war also die Ursache für Bettes Übelkeit die ganze Zeit.“

„Ja,“ nickte Sam „allerdings haben wir natürlich nicht an eine Schwangerschaft gedacht.“

„Und wie geht es der werdenden Mutter?“ erkundigte sich Ben.

„Sie ist immer noch im Krankenhaus. Tyus wollte ein paar zusätzliche Tests mit ihr machen. Ich habe auch nicht viel Zeit, da sie mit dem Ultraschall auf mich warten wollen. Ich wollte Dich nur um einen Gefallen bitten.“

Ben setzte sich wieder.

„Ich höre.“

„Also,“ begann Sam „ich habe mir folgendes gedacht...“

Während Ben zuhörte, erklärt Sam ihm seinen Plan.

Meg

 

 

Meg saß vor dem riesigen Spiegel und beobachtete gespannt die Arbeit der Maskenbildnerin. Allerdings hatte Cathy bei ihr nicht allzuviel zu tun. Sie lobte Megs glatten, ebenmäßigen Teint, trug lediglich ein wenig Rouge auf und wedelte ihr mit einer Puderquaste kurz um die Nase.
„Noch mehr Mädels wie Sie, und ich werde arbeitslos!“ grinste sie und begann, Megs schulterlange, dunkles Locken zu bürsten.
Meg hörte gar nicht richtig zu, was Cathy ihr erzählte, sie war viel zu aufgeregt und ihr Herz klopfte, dass es ihr in den Ohren dröhnte. Sollte sie wirklich gleich dort hinaus gehen und vor irgend eine Kamera treten, beobachtet von unzähligen kritischen Augen und sich vielleicht von einem dieser überheblichen Typen zerpflücken lassen, sobald sie irgend einen kleinen Fehler machen würde?
Sie dachte zurück an die Theateraufführung vor vielen Jahren an ihrer Highschool in Ludlow/Kansas... sie war damals so aufgeregt gewesen, dass sie glaubte, kein Wort herausbringen zu können, und dabei hatte sie noch nicht einmal die Hauptrolle in dem Stück gespielt...
„Und... wie finden Sie ihn?“ drang Cathys Stimme an Megs Ohr. Zerstreut blickte sie auf.
„Wen meinen Sie?“
„Na, wen schon... Jake Williams natürlich!“
Meg sah die Frau im Spiegel erstaunt an.
„Wollen Sie damit sagen, das vorhin... war Jake Williams, der Star der Serie?“
„Ja natürlich! Haben Sie ihn denn nicht erkannt?“
„Nein“ murmelte Meg etwas beschämt, „ich muß wohl ein paar Folgen verpasst haben!“
Cathy lachte.
„Kindchen, er spielt seit der ersten Folge in der Serie mit, diese Produktion lebt gewissermaßen von ihm und seinem Erfolg bei den Fans!“ Sie sah Meg mit verklärtem Lächeln an. „Er sieht unwahrscheinlich gut aus, nicht wahr?“
Keine der beiden Frauen bemerkte, wie jemand leise den Wohnwagen betrat.
„Also wenn Sie mich so direkt fragen... ich halte ihn nach seinem Auftritt vorhin hier drin für einen absolut eingebildeten, eiskalten und arroganten Macho!“ antwortete Meg im Brustton der Überzeugung auf Cathys letzte Frage.  
Die Hände der Maskenbildnerin hörten schlagartig auf, ihr Haar zu bürsten. Sie starrte Meg erschrocken im Spiegel an, während sie sich auffällig räusperte.
„Was ist?“ fragte Meg erstaunt. „Sind wir fertig?“
Sie drehte sich um und sah genau in die blauen Augen von Jake Williams...

Jeany

 

 

Gabi saß an ihrem Schreibtisch im Surf Center und starrte mit tränenverschleiertem Blick auf das leere Blatt Papier vor sich. Zögernd nahm sie ihren Füllfederhalter und begann zu schreiben.
 
Lieber Ricardo!
 Wenn Du diese Zeilen liest, werde ich Sunset Beach bereits verlassen haben. Du musst mir glauben, daß mir dieser Schritt nicht leichtgefallen ist, aber vielleicht erkennst Du eines Tages, daß meine Entscheidung für uns alle das Beste ist. Ich wähle diesen Weg des Abschieds, weil es für uns beide so leichter ist, Lebewohl zu sagen. Ich bin nach langer Überlegung zu dem Schluß gekommen, daß es zuviele Kluften zwischen uns gibt, die wir niemals überwinden können. Die Basis einer Beziehung sollte aus Vertrauen und Ehrlichkeit bestehen. Wenn Du Dir selber gegenüber ehrlich bist, wirst Du zugeben müssen, daß diese Basis bei uns fehlt. Denke nur an mein Mißtrauen Dir gegenüber als Paula in Sunset Beach auftauchte, oder als ich Dich mit Casey betrogen habe ... Ich muß mein Leben erst neu ordnen, bevor ich Entscheidungen für die Zukunft treffen kann. Deshalb möchte ich Dich bitte, mich nicht zu suchen. Ich werde für eine Weile ins Ausland gehen, um den nötigen Abstand zu bekommen. Ich liebe Dich, Ricardo! Das macht es auch so schmerzvoll für mich, Dir diese Zeilen zu schreiben, aber es ist der einzige Weg!
 In Liebe, Deine Gabi

 Eine Träne fiel auf die frischgeschriebenen Zeilen und verwischte einige Buchstaben. Hastig faltete Gabi das Papier zusammen und steckte es in einen Umschlag, den sie auf der Vorderseite mit "Ricardo" beschriftete. Sie starrte ein letztes Mal auf den Schriftzug, bevor sie den Brief in ihre Handtasche steckte. Sie ging zum Spiegel und betrachtete sich. Ihre Augen waren vom stundenlangen Weinen rot umrandet und geschwollen, und ihr Gesicht wirkte wie eine Maske - bleich und leblos. Gabi kramte aus ihrer Kommode eine Sonnenbrille hervor und setzte sie sich auf die Nase. Es war zwar niemand im Hause, aber für den Fall, daß sie auf dem Weg zu Ricardos Appartement jemandem begegnen würde, konnte sie ihren Zustand so besser verheimlichen. Gabi ging die Treppe hinunter ins Wohnzimmer und griff zum Telefonhörer. Langsam wählte sie Ricardos Nummer. Erleichtert stellte sie fest, daß nur der Anrufbeantworter geschaltet war. Wie sie bereits vermutet und gehofft hatte, war er wohl gerade im Police Departement. Gabi drückte ihre Tasche enger an sich und verließ entschlossen das Surf Center.

Mona

 

 

Jake hatte lässig die Hände in die Taschen seiner Hose gesteckt und schaute Meg unverwandt an.  
„Interessante Charakteristik...“ meinte er grinsend und bedeutete Cathy anschließend mit einer knappen Handbewegung, dass sie verschwinden solle.
„Lass uns doch mal einen Moment allein!“
Cathy warf Meg einen äußerst mitleidigen Blick zu, bevor sie sich eilig zurückzog.  
Meg stand auf und hielt seinem Blick stand, obwohl ihr das Herz vor Aufregung bis zum Hals klopfte.
„Tut mir leid, aber das war mein erster Eindruck von Ihnen.“ sagte sie so ruhig wie möglich.
Er nickte.
„Gut, dann will ich mir mal einen ersten Eindruck von Ihnen verschaffen, Miss...“  
„Meg Cummings.“
„Meg“ wiederholte er gedehnt, „ich will meine Filmpartnerinnen vorher kennenlernen, sonst kann ich nicht mit ihnen arbeiten. Eine natürliche Reaktion von mir.“ Er betrachtete sie mit unverhohlener Neugier von oben bis unten und verzog die Mundwinkel zu einem anmaßenden Grinsen. „Mh, was ich bisher sehe, gefällt mir.“  
Meg schluckte und merkte, wie sie langsam wütend wurde.
Jake Williams streckte ihr seine Hand entgegen.  
„Kommen Sie her!“
„Ich denke nicht daran.“ entgegnete Meg und rührte sich nicht von der Stelle. „Fassen Sie mich nicht an, sonst lernen Sie mich schneller kennen, als Ihnen lieb ist!“
Er lachte nur amüsiert, und Meg mußte sich eingestehen, dass er wirklich gut aussah, genauso wie in der Serie kam er wohl bei den meisten Frauen sofort an, was auch sein selbstsicheres Auftreten erklärte. Er war einfach von sich überzeugt, hielt sich für unwiderstehlich...
„Meg...“ Er hatte eine besondere Art, ihren Namen auszusprechen, „na kommen Sie schon her, ich beiße Sie nicht!“
Meg ließ es schließlich zögernd zu, dass er ihre Hand ergriff. Aber kaum war das geschehen, zog er sie mit einem Ruck zu sich heran und schlang den anderen Arm um ihre Taille, dass ihr fast die Luft wegblieb.  
„Na also“ meinte er mit einem Grinsen, „da kommen wir der Sache doch schon näher!“ und bevor Meg wußte, was geschah, fühlte sie seine Lippen auf ihrem Mund. Das war sicher der Moment, wo die meisten Frauen in seinen Armen jeglichen Widerstand aufgaben, aber nicht Meg...
„Au verdammt!“  
Binnen zwei Sekunden war sie frei. Er hielt sich die schmerzende Wange und sah sie fassungslos an.
„Kleines Biest!“
Meg hob lächelnd die Augenbrauen.
„Tja, Mister... soviel zu meinen natürlichen Reaktionen!“

Jeany

 

 

Sie starrten einander einen Augenblick lang an. Dann begann er zu lachen.
„Alle Achtung, das ist mir noch nicht passiert!“ rief er kopfschüttelnd.
„Ich finde, dann wurde es Zeit!“ erwiderte Meg trocken und ließ sich schließlich wider Willens von seinem Lachen anstecken.  
Das Eis war gebrochen, die beiden reichten sich die Hand und lachten ausgelassen über den Vorfall.
 
„Ihr scheint Euch ja wirklich gut zu verstehen!“  
Aaron Spelling trat, dicht gefolgt von Gwen, in den Wohnwagen und sah erstaunt von einem zum anderen. Er wußte, Jake war ein Vollprofi, aber mitunter auch ein etwas schwieriger Mensch, und dass er seine ziemlich häufig wechselnden Filmpartnerinnen ohne Probleme akzeptierte, geschah äußerst selten.  
Aarons Blick blieb an  Jakes Gesicht haften, denn auf der rechten Wange seines Hauptdarstellers zeichneten sich deutlich rote Flecke ab.  
„Was ist denn mit Dir passiert?“
Jake warf Meg einen bedeutungsvollen Blick zu.
„Nichts, was die Maske nicht wieder hinbekommen würde.“ meinte er augenzwinkernd.
„Na dann...“ Aaron winkte Meg zu, ihm zu folgen.  
„Und, was hast Du für einen Eindruck von ihr?“ raunte er Jake im Hinausgehen zu. Der grinste.
„Volltreffer! Sie hat ein sehr erfrischendes Temperament. Ich glaube, sie ist genau die Richtige.“

Jeany

 

 

Antonio war auf dem Weg zu Ricardos Appartementhaus. Nachdem das gemeinsame Treffen auf so unglückselige Weise enden musste, nachdem seine Mutter ihre Kristallkugel hatte fallen lassen, wollte Antonio noch einmal in aller Ruhe mit Ricardo reden. Er wollte ihm noch einmal erklären, daß es nicht an ihm lag, daß er Sunset Beach verlassen wollte. Antonio seufzte und beschleunigte dabei seinen Schritt. Wenn er erst einmal Sunset Beach verlassen und in einer anderen Mission wieder Arbeit gefunden hatte, würde er Gabi sicher bald vergessen haben. Seitdem er sie das letzte Mal gesehen hatte, plagten ihn Alpträume, die ihn nachts kaum noch zur Ruhe kommen ließen.

Antonio dachte an den letzten Satz, den Ricardo gesagt hatte, bevor die Kugel seiner Mutter zerbrach. "Schade, ich hatte gehofft, daß Du Gabi und mich trauen würdest!"

Antonio fuhr sich mit einer Hand nervös durch sein dichtes, dunkles Haar. Es konnte doch einfach nicht wahr sein - er war tatsächlich eifersüchtig auf seinen eigenen Bruder! Unbewusst waren seine Schritte ins Laufen übergegangen, und Antonio musste stehenbleiben, um Atem zu holen. Er schloß für einen Moment die Augen, und da sah er sie wieder vor sich - ihre wunderschönen braunen Augen, ihre langen seidigen Wimpern, ihr Lächeln, daß ihn an das Lächeln eines Engels erinnerte, und diese weiche, zarte wohlgebräunte Haut ...

Antonio riss, erschrocken über seine eigenen Gedanken, die Augen auf und erstarrte plötzlich.

Spielte ihm seine Phantasie einen Streich, oder war es tatsächlich Gabi, die dort mit schnellem Schritt auf Ricardos Appartement zuging. Anscheinend hatte sie es sehr eilig, denn sie schien ihn nicht einmal zu bemerken.

Antonios Herz klopfte wild, als er sich hinter einer Palme versteckte, damit sie ihn nicht sehen konnte. Aus seinem sicheren Versteck beobachtete er dann jede ihrer Bewegungen. Er sah, wie Gabi die Treppe nach oben ging, dann aus ihrer Tasche einen Umschlag nahm, ihn noch einmal an ihre Lippen führte und dann unter der Tür hindurchschob.

Antonio wagte es kaum zu atmen. Er sah, wie Gabi ein Taschentuch aus ihrer Tasche zog, die Sonnenbrille abnahm und sich die Augen rieb. Er hörte ein unterdrücktes Schluchzen und fragte sich, was vorgefallen war, daß sie dermaßen unglücklich war. Er duckte sich tiefer, als Gabi sich suchend umsah. Schnell setzte sie die Brille wieder auf und verschwand so leise, wie sie gekommen war. Antonio trat aus seinem Versteck hervor und atmete tief durch.

Langsam ging er die Treppe zu Ricardos Appartement hinauf und blieb unschlüssig vor der Tür stehen. Als er nach unten schaute sah er einen Zipfel von Gabis Brief unter der Tür hervorlugen.

Er bückte sich und zog den Brief vorsichtig unter der Tür hervor.

"Er ist nicht für Dich!" mahnte ihn eine innere Stimme, aber Antonios Neugierde war geweckt. Vielleicht stand in diesem Brief die Antwort auf seine Fragen!

Antonio schaute sich um, und als er sicher war, daß ihn niemand gesehen hatte, steckte er den Brief in seine Jackentasche und machte sich auf den Weg nach Hause.

Mona

 

 

Nach seinem Gespräch mit Ben kehrte Sam ins Krankenhaus zu Bette zurück. Tyus hatte soweit seine Untersuchungen abgeschlossen und machte nun, in Sams Gegenwart, den Ultraschall. Fasziniert hatten Bett und Sam auf den Bildschirm geschaut und konnten Ihr Glück kaum fassen. Nachdem Sam Tyus hoch und heilig versprochen hatte, gut auf Bette aufzupassen und dafür zu sorgen, dass sie sich viel Ruhe gönnte, hatte er Bette noch ein paar Vitamin und Mineraltabletten zusammen mit seiner privaten Telefonnummer überreicht und Bette nach Hause entlassen.  
 
Zu Hause angekommen, hatte Sam darauf bestanden, dass sich Bette erst einmal auf das Sofa legte und sich ausruhte. Er richtete ein paar Kissen in Bettes Rücken, damit sie es auch schön bequem hatte.

„Möchtest Du etwas trinken?“ fragte er lächelnd. Bette seufzte.

„Ich lechze nach einer Tasse Kaffee, aber genau den hat Tyus mir ja verboten. Aber ich wäre auch mit einem Glas Wasser zufrieden.“

Sam küsste Bettes Stirn, bevor er in die Küche ging, um für Bette ein Glas Eiswasser zu holen.

„Bitte schön, brauchst Du sonst noch etwas?“ er überreichte Bette das Glas.

„Nein danke.“ lächelte Bette an. Sam setzte sich auf das Sofa zu Bette und nahm ihre Füße in seinen Schoß. Mit kreisenden Bewegungen begann er sie zu massieren.

Bette und Sam waren beide in Ihre Gedanken vertieft, dass sie Annie nicht gleich bemerkten, die von der Terrasse her das Haus betreten hatte.

„Ach, Ihr seid ja auch zu Hause. Wie geht es Dir, Tante Bette?“ fragte sie.

Bette sah Annie an und lachte über das ganze Gesicht.

„Mir könnte es gar nicht besser gehen.“

„Dann geht es Deiner Magenverstimmung besser?“ erkundigte sich Annie. Bette fing an zu lachen „Nun, die Magenverstimmung hat sich dann doch als etwas ernsteres herausgestellt.“

Annie sah Ihre Tante irritiert an.

„Oh mein Gott, Du hast doch wohl hoffentlich kein Magengeschwür?“

Bette schüttelte Ihren Kopf.

„Nein, das habe ich nicht. Ich bin schlicht und einfach schwanger.“

Annies Kinnlade klappte nach unten.

„Schwanger? In Deinem Alter?“

„Also Annie,“ Bette zog hörbar die Luft ein „so alt bin ich doch nun auch wieder nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass das nicht geplant war, freuen Sam und ich uns nun auf unser Baby.“

Mit großen, entsetzt aufgerissenen Augen, sah Annie Bette an.

„Du willst doch wohl nicht sagen, dass Du das Kind behalten willst?“

Bette nickte.

„Natürlich will ich es behalten.“ Aus einem schützenden Impuls heraus legte Bette ihre Hand auf den Bauch. „Ich könnte nie ein ungeborenes Kind umbringen.“

„Aber in Deinem Alter soll so was doch sehr gefährlich sein.“ wandte Annie ein.

„Kann, muss es aber nicht. Dr. Tyus Robinson wird mich die ganze Zeit über betreuen und ganz genau überwachen.“

Immer noch geschockt sah Annie von Bette zu Sam und wieder zurück.

„Ich brauche frische Luft.“ Sie drehte sich auf dem Absatz herum und rannte nach draußen.

Meg

 

 

Mit einem ganzen Stapel Bücher im Arm kam Ted aus der Buchhandlung heraus. Er hatte sich gerade für ein kleines Vermögen für Bücher über die Gesetze in Kalifornien gekauft. Sicher, er hätte diese wahrscheinlich auch in der Bücherei ausleihen können, aber er hatte sich in seiner Studentenzeit angewöhnt, Randbemerkungen einzufügen, um schneller auf bestimmte Abschnitte zurückgreifen zu können. Auf dem Weg zu seinem Auto, versuchte er seinen Autoschlüssel aus seiner Jacketttasche zu fischen. Dabei achtete er nicht darauf, wo er hinging und stieß prompt mit jemanden zusammen. Natürlich rutschten Ihm dabei einige der Bücher aus der Hand.

„Mein Gott!“ hörte er eine bekannte Stimme. Ted konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

„Nicht ganz, ich bin es nur, Ted.“ Er blickte auf und sah direkt in Annies wütend funkelnde Augen. „Kannst Du nicht aufpassen, wo Du hingehst?“ fauchte Annie Ted an. „Du hast mir heute noch zu meinem Glück gefehlt.“

Ted bückte sich und begann seine Bücher aufzusammeln.

„Na, wie ich sehe, ist Dir ja nichts passiert, Du bist charmant wie eh und je.“ erwiderte Ted trocken. Alles was sich in den letzten Tagen in Annie aufgestaut hatte, drohte nun auszubrechen. Tränen schossen Ihr in die Augen.

„Ach lass mich doch einfach zufrieden.“ sagte sie zu Ted und drehte sich um, in der Hoffnung, dass er die Tränen nicht bemerkt hatte. Diese waren Ted aber keineswegs entgangen. Irgendwas stimmte mit Annie nicht, denn bisher hatte er noch nicht erlebt, dass Ihr Kampfgeist Sie verlassen hatte. Er schloss sein Auto auf und warf die Bücher hinein. Dann rannte er Annie nach und hielt sie am Arm zurück. „Hey Annie, willst Du mir nicht sagen, was los ist?“

„Was los ist?“ Annie konnte die Tränen nun nicht mehr zurück halten „Mein ganzes Leben geht im Moment den Bach runter, dass ist los Mr. Evans.“

„Komm her,“ Ted zog Annie sanft in seine Arme „wir beide suchen uns jetzt ein ruhiges Plätzchen und dann erzählst Du mir alles.“

Annie schluchzte noch einmal auf und nickte dann. Vielleicht war es ja ganz gut, sich alles von der Seele zu reden  und vielleicht würde Ted sie dann auch ein wenig besser verstehen. Ted nahm Annie bei der Hand und führte sie zu seinem Auto zurück. Er öffnete die Beifahrertür für sie und half ihr beim Einsteigen. Dann ging er um das Fahrzeug herum und setzte sich hinter das Steuer.

„Möchtest Du an einen bestimmten Platz?“

Annie schüttelte stumm Ihren Kopf.

„Gut, dann fahren wir einfach ein Stück, bis wir etwas Geeignetes finden.“

Meg

 

 

Ted steuerte seinen schnittigen Sportwagen geschickt durch die engen Kurven der Küstenstrasse. Er hatte das Verdeck geöffnet und genoss den frischen Fahrtwind. Ein kurzer Blick auf Annie zeigte ihm, dass sie sich langsam wieder entspannte.

„Geht es wieder?“ fragte er leise. Annie strich sich eine Ihrer feuerroten Haarsträhnen aus dem Gesicht und nickte. Schweigend fuhren sie noch eine Weile weiter, bis Ted einen kleinen Parkplatz entdeckte. Er lenkte sein Auto dorthin und stellte den Motor aus.

„Komm, lass uns ein Stückchen laufen und dann erzählst Du mir, was Dich so bedrückt.“

Sie stiegen aus und gingen zum Rand der Klippe, auf der sie sich befanden. Ted setzte sich in das warme Gras und zog Annie mit sich.

„So und nun erzähl mir, was los ist.“

„Ach Ted, das ist eine sehr lange Geschichte. Seid ein paar Monaten schon läuft mein Leben nicht mehr so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Alles, aber auch alles läuft schief.“ begann Annie. Sie drehte Ihren Kopf und sah Ted an. „Weißt Du eigentlich, dass ich mal mit Deinem Bruder verlobt war?“

Ted nickte.

„Ja, Derek hat mir davon erzählt.“

„Hat er Dir auch erzählt, warum wir es nicht mehr sind?“ fragte Annie. Ted schüttelte seinen Kopf „Nein, das hat er nicht getan.“

Ein flüchtiges Lächeln umspielte Annies Mund.

„Ich hätte nie geglaubt, dass ich das mal zugeben muss, aber er hat sich wirklich verändert, seit er mit Sara zusammen ist. Noch vor ein paar Monaten hätte er Dir mit Vergnügen unter die Nase gerieben, dass ich daran Schuld war, dass unsere Beziehung auseinander gebrochen ist.“ Annie machte eine Pause und auch Ted sagte nichts. Dann begann Annie ihm alles zu erzählen. Von Ihrer Beziehung zu Derek, dem Baby was sie verloren hatte, Ihre Eifersucht auf Meg, die Bens Herz im Sturm erobert hatte, von der zerbrochenen Beziehung mit Cole, ihrer Eifersucht auf Emily, und schließlich erzählte sie Ted auch noch von dem Baby, das ihre Tante nun erwartete.

Ted nahm Annie tröstend in den Arm.

„Aber das ist doch nun eigentlich etwas, über das Du Dich freuen solltest.“

Annie seufzte.

„Ich weiß, aber Tante Bette ist doch der einzigste Mensch, der mir geblieben ist. Wenn Sie jetzt dieses Baby bekommt, dann vergisst Sie mich bestimmt auch ganz schnell.“

Zärtlich wischte Ted Annie die Tränen von der Wange.

„Arme Annie, und ich habe Dir gestern auch noch so zugesetzt.“

Annie nickte.

„Ja und weißt Du was das Schlimmste daran ist?“

Ted schüttelte seinen Kopf.

„Das schlimmst ist, dass Du vollkommen Recht hast. Ich bin nichts, ich kann nichts und ich bin zu nichts nütze. Wenn ich plötzlich verschwinden würde, würde mich nicht einmal irgend jemand vermissen.“

Ted drückte Annie fest an sich.

„Das stimmt nicht. Ich würde Dich sehr vermissen und ich bin sicher, Deine Tante auch. Alles andere, kannst Du wieder in den Griff bekommen, wenn Du Dich nur ein wenig bemühst.“

Annie seufzte.

„Aber was soll ich denn nur machen? Ich habe ja nicht einmal einen Job. Ich habe nichts gelernt und mit einem abgebrochenen Jurastudium kann man auch nicht viel anfangen.“

Ted sah Annie überrascht an.

„Du hast mal Jura studiert?“ Annie nickte. „Aber nur drei Semester, dann wurde es mir zu unbequem.“ Ted sah Annie an.

„Nun, weißt Du, so wie es aussieht, werde ich der neue Bezirksstaatsanwalt hier in Sunset Beach und ich könnte noch eine Hilfe gebrauchen.“

Empört funkelte Annie Ted an.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich die Tippse für Dich spiele.“

Ein Lächeln umspielte Teds Mund, denn endlich kam die alte, kämpferische Annie wieder zum Vorschein.

„Ich habe doch nichts von Tippse gesagt. Eine Sekretärin wird mir gestellt. Ich dachte eher an eine Assistentin, die sich auch ein wenig mit dem Gesetz auskennt und für mich recherchiert.“

„Das würdest Du mir zutrauen?“

Ted nickte.

„Natürlich, aber Du müsstest Deinen Job schon ernst nehmen. Das heißt pünktlich und regelmäßig erscheinen, gegebenenfalls auch mal für Überstunden bereit sein.“

Kämpferisch richtete sich Annie auf.

„Natürlich werde ich diesen Job ernst nehmen.“ Sie stand auf. „So, und nun kannst Du mich zum Essen ausführen, ich verhungere gleich.“

Lachend stand Ted auf.

„Und da ist sie wieder, meine gute alte Annie. Komm, dann suchen wir uns mal ein nettes Restaurant.“

Meg

 

 

Es war fast Mitternacht, als Meg nach Hause kam.
Ben saß auf der Veranda und hatte auf sie gewartet.  
„Na, wie war Dein erster Tag als Star?“ neckte er sie. „Hast Du die Rolle?“
Meg nickte.
„Hör bloß auf!“ stöhnte sie und ließ sich erschöpft in seine Arme sinken. „Glaub mir, das ist alles andere als lustig!“
„Ist ja auch ziemlich spät geworden.“ meinte Ben mit einem Blick zur Uhr. „War Vanessa die ganze Zeit über mit dort?“  
„Nein“ erwiderte Meg, „der Chauffeur hat sie am Nachmittag nach Hause gefahren, damit sie ihren Bericht vor Redaktionsschluss noch fertigmachen konnte.“
„Dann werden also morgen alle in Sunset Beach lesen, was für eine Berühmtheit meine zukünftige Frau ist!“ schmunzelte er.
„Hör schon auf, mich zu ärgern, Ben!“ knurrte sie ihn scherzhaft an. „Ich bin viel zu müde, um über sowas nachzudenken!“
„Schade...“ meinte Ben und grinste, „dann bist Du sicher auch nicht mehr in der Lage, eine tolle neue Nachricht zu verkraften!“ Er wandte sich zum und wollte hinaufgehen, doch Meg hielt ihn am Ärmel fest.
„Hiergeblieben!“ Sie schlang die Arme um seinen Hals und gab ihm einen Kuß. „Los, erzähl schon, ich sterbe vor Neugier!“
Ben lachte.
„Du solltest Dich setzen, denn das haut Dich um!“  
Meg zappelte wie ein ungeduldiges Kind und Ben genoß es sichtlich, sie auf die Folter zu spannen. Schließlich lüftete er das Geheimnis.
„Sam war heute bei mir und hat mir eine Schachtel Zigarren geschenkt.“
Meg sah ihn verständnislos an.
„Das ist die Neuigkeit?“ fragte sie sichtlich enttäuscht.
„Wir haben uns vor langer Zeit gegenseitig versprochen, wer von uns beiden als erster Vater wird, schenkt dem anderen eine Schachtel Zigarren...“ erklärte Ben mit einem Augenzwinkern, während ein geheimnisvolles Lächeln seine Lippen umspielte. Meg zog ungläubig die Augenbrauen zusammen.
„Willst Du damit sagen... Bette...“ Sein Nicken bestätigte ihre Ahnung und entlockte ihr auf der Stelle einen Freudenschrei. „Wow!“ strahlte sie und umarmte Ben, „das ist ja phantastisch! Wer hätte das gedacht! Deshalb ging es ihr gestern so schlecht... sie ist schwanger!“  
„Ja, aber Sam sagte, in ihrem Alter sei die Schwangerschaft nicht ganz ohne Risiko, deshalb habe Dr. Robinson angeordnet, sie ein paar Tage zur Beobachtung in der Klinik zu behalten und sie eingehend zu untersuchen.“ erklärte Ben. „Aber vorhin rief er mich noch einmal an und meinte, mit dem Baby alles in Ordnung, und Bette durfte nun doch schon mit nach Hause.“
Meg lächelte überwältigt.
„Ich freue mich so sehr für die beiden.“ sagte sie. „Ich werde sie besuchen, sobald ich Zeit dazu habe.“
Ben zog sie von der Couch hoch und legte den Arm um sie.
„Wir sollten schlafen gehen, Du siehst total müde aus.“ meinte er besorgt. „Außerdem hast Du mir noch gar nicht erzählt, wie Dein Tag in L.A. war.“
 
Während sie beide nach oben gingen, berichtete Meg kurz, was sie alles erlebt hatte. Die erste Begegnung mit Jake Williams im Wohnwagen erwähnte sie dabei nicht, denn sie fürchtete, Ben könnte völlig falsche Schlüsse daraus ziehen.
Jake war schwer einzuschätzen, vor allem von Außenstehenden. Unter seiner scheinbar rauen Schale schien er ein wirklich netter Mensch zu sein, und vor der Kamera war er perfekt.
Eine Szene mit ihm zu drehen war wie tanzen, er führte und sie ließ sich mitreißen.  
Aaron hatte gemeint, sie beide harmonierten nahezu perfekt miteinander, und schon nach den ersten Versuchen verlor Meg ihre Scheu vor der Kamera und gewann sehr schnell an Selbstvertrauen, so dass sie ihre Rolle zur Zufriedenheit des Regisseurs und Produzenten spielte.
„Mußt Du morgen wieder hin?“ fragte Ben, als sie bereits im Bett lagen.
„Ja, wahrscheinlich die ganze Woche über.“ antwortete Meg und zog die Decke bis ans Kinn.  
Sie gähnte, und kaum hatte Ben das Licht gelöscht, schlief sie auch schon in seinem Arm ein.  

Jeany

 

 

Gabi öffnete den Kleiderschrank und begann missmutig ihre Kleider von den Bügeln zu ziehen. Achtlos warf sie ihre Klamotten aufs Bett.

Das war es also, dachte sie - das Ende ihres Lebens in Sunset Beach! Sie musste nur noch ihre Koffer packen, und eine ganz besonders unangenehme Aufgabe stand ihr auch noch bevor: Sie musste Dr. Robinson die Kündigung überbringen! Schließlich konnte sie jetzt noch nicht absehen, wie lange sie fortbleiben würde. Während sie sich verstohlen eine Träne aus dem Auge wischte, räumte sie ihren Schreibtisch leer und packte die Habseligkeiten in eine große Tasche.

Zum Glück waren alle im Surf Center ausgeflogen, so dass sie sich keinem gegenüber verantworten musste. Sie hatte einen Brief an die Mitbewohner geschrieben, den sie im Wohnzimmer auf dem Couchtisch deponieren wollte. Dort würde man ihn sicher nicht übersehen. Vielleicht würde sie Mark und Michael später einmal den wahren Grund ihres Fortgehens erklären, aber im Moment brauchten sie nur die halbe Wahrheit zu erfahren.

Gabi schreckte plötzlich zusammen, als sie die Türglocke hörte. Wer konnte das nur sein, so früh am Morgen? fragte sie sich. Seufzend öffnete sie ihre Zimmertür und rannte die paar Stufen nach unten. Als sie die Tür öffnete erstarrte sie zur Salzsäule.

Vor ihr stand Antonio, und er hielt etwas in der Hand, das haargenau so aussah, wie der Brief den Gabi an Ricardo geschrieben hatte ...

Mona

 

 

"Darf ich hereinkommen?" Antonio sah Gabi bittend an. Stumm nickte sie und öffnete die Tür, damit er eintreten konnte. Schweigend und nachdenklich sahen sich die beiden an. Gabi fand als erste die Stimme wieder.

"Was - was möchtest Du ... ich meine ... Sie hier?"

Antonio lächelte, und Gabis Herz machte einen freudigen Sprung. Wie konnte es sein, dass schon alleine sein Lächeln sie so durcheinander brachte? fragte sie sich.

"Bleiben wir doch beim "Du"," sagte er knapp. Gabi lächelte verlegen.

"Soll mir recht sein." Ohne Aufforderung nahm Antonio auf dem Sofa platz und schlug seine langen Beine übereinander.

"Was ich ... Dir zu sagen habe, wird nicht ganz einfach sein, und ich entschuldige mich jetzt schon einmal dafür, dass ich mich in Dein Leben einmischen werde."

Gabi sah ihn irritiert an. Sie verstand nicht eine Silbe von dem was er sagte. Misstrauisch schielte sie auf den Umschlag in seiner Hand.

"Ist das ... ist das mein ...?" stotterte sie. Antonio nickte.

"Es tut mir leid, aber als ich Dich vor Ricardos Tür stehen sah ... so verzweifelt und unglücklich, da konnte ich nicht anders, als den Brief an mich zu nehmen." Antonio sah sie entschuldigend an.

Gabi schoss die Schamröte ins Gesicht. Schockiert sah sie ihn an, doch plötzlich überkam sie eine unbändige Wut.

"Was fällt Ihnen ... Dir überhaupt ein! Der Brief war an Ricardo gerichtet, und dort stehen sehr persönliche Dinge drin, die nur ihn und mich etwas angehen!" brauste sie auf. Antonio nickte.

"Ja, ich weiss, und ich sagte ja schon eingangs, dass es mir leid tut," sagte er zerknirscht. Gabi konnte über soviel Dreistigkeit nur den Kopf schütteln.

"Bitte, hör mich an!" bat Antonio. Gabi sah ihn misstrauisch an. Da sie aber neugierig war, was er ihr zu sagen hatte, stimmte sie zu.

"Na gut, 5 Min., aber nicht eine Sekunde länger!"

Antonio holte tief Luft, bevor er weitersprach.

"Geh nicht!" sagte er dann knapp. Überrascht sah Gabi ihn an.

"Was auch immer zwischen Dir und Ricardo vorgefallen ist, ich bin sicher, dass er Dich liebt!" fuhr Antonio fort. "Es bricht ihm das Herz, wenn Du ihn verlässt!" sagte Antonio eindringlich. "Ich habe damals die Trennung zwischen ihm und Paula miterlebt. Er war danach nicht mehr derselbe, kapselte sich völlig von der Außenwelt ab, ließ niemanden mehr an sich heran. Wir, meine Mama und ich, hatten schon die Befürchtung, dass er sich möglicherweise etwas antun würde ..." Antonio brach den Satz ab und atmete schwer. "Bitte, Gabi, ich flehe Dich an, lass es nicht wieder soweit kommen!"

Gabi hörte die Sorge in Antonios Stimme, und mit einem Mal brach ihre mühsam aufrechterhaltene Fassade zusammen.

"Aber ich verlasse Sunset Beach doch gar nicht wegen Ricardo," rief sie verzweifelt," sondern wegen ... Dir!"

Mona

 

 

Kaum hatte Gabi den Satz ausgesprochen, bereute sie ihren spontanen Ausbruch schon wieder, doch es war bereits zu spät. Antonio sah sie völlig entgeistert an. Gabi schüttelte den Kopf, als könnte sie so das gesagte ungeschehen machen. Dabei vermied sie es, Antonio anzusehen. Sie verschränkte die Arme vor dem Körper und starrte auf den Fußboden. Langsam löste sich Antonios Starre, und er ging langsam auf Gabi zu. Vorsichtig hob er ihr Kinn an.

"Das ist es also," sagte er ruhig. Gabi fühlte sich wie hypnotisiert, während sie in seine warmen, braunen Augen schaute. Die Berührung seiner Finger an ihrem Kinn ließ ihren Puls höher schlagen. Sie standen sich für einen Moment nur gegenüber und sahen sich an, ehe Antonio das Schweigen brach. "Ich habe es die ganze Zeit geahnt, aber wohl nicht wahrhaben wollen," sagte er leise.

Gabi senkte betreten den Kopf. Die Situation kam ihr so absurd vor, so dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Antonio nahm seine Hand von ihrem Kinn und begann nervös und mit verschränkten Händen im Wohnzimmer hin und her zulaufen.

"Als ich Dich das erste Mal sah ... damals in der Kirche, da habe ich es das erste Mal in meinem Leben bereut, Priester geworden zu sein," sagte er mit ernster Stimme. Gabi schloss die Augen. Sie erinnerte sich daran, wieviel Sympathie sie ihm schon damals entgegengebracht hatte, obwohl sie sich kaum gekannt haben. Wie aus weiter Ferne hörte sie Antonios Stimme.

"Ich habe Gefühle für Dich, Gabi ..." gestand er ihr gerade," ... Gefühle, die ein Priester nicht haben, geschweige denn zeigen darf."

Gabi hob den Kopf und sah ihn mit verschleiertem Blick an. Sie konnte es einfach nicht fassen, dass Antonio dieselben Empfindungen hatte wie sie.

"Ich - ich dachte, wenn ... wenn ich gehen würde, dann wäre uns allen geholfen," stammelte sie. "Carmen ... Deine Mutter," gestand sie," gibt mir die Schuld daran, dass Du Sunset Beach verlassen willst."

Antonio sah Gabi schockiert an.

"Meine Mutter? Aber was hat sie denn mit der Sache zu tun?"

Gabi holte tief Luft, bevor sie Antonio erzählte, was sich in Madame Carmens Haus zugetragen hatte. Fassungslos schüttelte er den Kopf.

"Das sie sich aber auch in alles einmischen muss!" sagte er ungehalten, und etwas sanfter fügte er hinzu. "Es tut mir leid, Gabi, dass meine Mutter Dir so zugesetzt hat."

Gabi nickte.

"Ist schon gut." Sie versuchte zu lächeln. "Falls ich eines Tages mal eigene Kinder haben sollte würde ich wohl genauso handeln."

Antonio nickte.

"Ja, wahrscheinlich."

"Und was machen wir jetzt?" Gabi hatte die Frage ausgesprochen, ohne weiter darüber nachzudenken, und an Antonios Gesichtsausdruck konnte sie erkennen, dass er genauso ratlos war. "Versprich mir zuerst," begann er zögernd," dass Du Sunset Beach nicht verlassen wirst! Weglaufen ist keine Lösung."

Gabi nickte stumm. Sie wusste, dass er recht hatte, aber wie würde ihr Leben in Sunset Beach aussehen? Konnte und durfte sie Ricardo verschweigen, dass sie in seinen Bruder verliebt war, und wie war es mit Antonio - konnte er mit diesem Wissen leben?

"Ich kann nicht," sagte sie verzweifelt, während sie ihre Hände vor das Gesicht schlug.

Plötzlich fühlte sie, wie Antonio seine Hände um ihre legte und vorsichtig zur Seite zog. Sanft umfasste er dann ihr Gesicht. Gabi schloss die Augen und ließ zu, was sie die ganze Zeit so sehr herbeigesehnt und doch zugleich gefürchtet hatte. Antonio senkte seine Lippen auf ihre, und Gabi gab sich ganz diesem leidenschaftlichen Kuss hin.

Mona

 

 

Nur für wenige Sekunden genoß Gabi diesen Moment der totalen Hingabe, doch schlagartig setzte ihr Verstand wieder ein. Sie drückte Antonio von sich weg und ging ein paar Schritte rückwärts. Überrascht sah er sie an.

"Es tut mir leid," brachte er dann schließlich hervor und senkte verlegen den Blick. "Ich weiss gar nicht, was über mich gekommen ist," versuchte er sein Handeln zu erklären. Gabi nickte nur. Sie rieb sich über ihre erhitzten Wangen.

"Wir sind wohl beide für einen Moment schwach geworden," sagte sie leise. Antonio atmete schwer, während er Gabi betrachtete. Man konnte ihr anmerken, dass der Kuss sie völlig durcheinander gebracht hatte. Sie sah so wunderschön aus mit diesen leicht geröteten Wangen und dem zerzausten Haar ... Antonio rief sich zur Ordnung.

"Ich glaube, es ist das Beste, wenn ich jetzt gehe!"

Gabi räusperte sich, weil sie plötzlich einen Kloß in ihrem Hals verspürte.

"Ja, ich denke, das wäre wirklich das Beste," stimmte sie zu. Dabei vermied sie es, ihn anzusehen. "Na gut, ich werde gehen," sagte Antonio mit fester Stimme. "Nur noch eins ... Denk' darüber nach, was ich Dir vorhin gesagt habe," bat er sie, bevor er sich umdrehte und grußlos das Surf Center verließ.
 
Gabi hörte, wie die Tür ins Schloss fiel und zuckte leicht zusammen. Erst jetzt wagte sie es, wieder aufzuschauen. Ihr Blick fiel auf den Brief, den Antonio aufs Sofa geworfen hatte. Sie hob das Papier auf und starrte auf die geschriebenen Zeilen, die langsam vor ihren Augen verschwammen. Ruckartig riß sie den Brief dann in mehrere Teile und ließ die Schnipsel in den Papierkorb flattern. Antonio hatte recht. Weglaufen war keine Lösung, und ihren Gedanken und Gefühlen konnte sie sowieso nicht entfliehen. Nach diesem Kuss war ihr eins bewusst geworden: Sie liebte beide Brüder gleichermaßen - und nur in Sunset Beach konnte sie herausfinden, wen das Schicksal für sie für die Zukunft bestimmt hatte - Antonio oder Ricardo!?

Mona

 

 

Ein paar Tage später hatte Ben geschäftlich nach Los Angeles zutun, und da er  früher als geplant mit allem fertig war, beschloß er, Casey in der Klinik einen Besuch abzustatten und anschließend Meg von ihren Dreharbeiten in Malibu abzuholen.
 
Als er die Etage im L.A. Memorial betrat, in der Caseys Zimmer lag, kam ihm ein Mann an Krücken entgegen. Ben wäre fast an ihm vorbeigelaufen, doch plötzlich blieb er abrupt stehen.
„Casey?“ fragte er ungläubig. Der Mann, der sich bis dahin voll auf seine Gehübungen konzentriert hatte, hob erstaunt den Kopf. Sofort flog ein Lächeln über sein Gesicht.
„Ben! Was tust Du denn hier?“
Ben lachte und betrachtete Casey kopfschüttelnd.
„Meine Güte, ich wäre fast an dir vorbeigerannt, weil ich nicht erwartet hätte, Dich schon richtig laufen zu sehen!“  
„Ich übe auch wie verrückt!“ erklärte Casey stolz, und wies auf seine Krücken. „Aber richtig zufrieden bin ich erst, wenn ich die Dinger hier für immer loswerde!“
Die beiden Männer schüttelten sich die Hand.
„Hast Du ein bisschen Zeit mitgebracht?“ fragte Casey unternehmungslustig, und Ben spürte deutlich, wie sehr er sich über seinen Besuch freute. Er war zwar immer noch blass und ziemlich dünn, aber er strahlte wieder Optimismus und ein gewisses Maß an Lebensfreude aus. Es ging sichtlich aufwärts, und Ben war hergekommen, weil er eine Idee hatte, die Casey gewiß bei seiner Genesung helfen würde.
„Klar hab ich Zeit.“ erwiderte er. „Den ganzen Nachmittag!“
Casey strahlte.
„Dann komm mit, wir trinken gemütlich einen Kaffee, dann drehen wir eine Runde unten durch den Park!“

Jeany

 

 

Ben und Casey saßen eine Weile in der Cafe- Terria der Klinik, und Ben erzählte von Megs neusten Unternehmungen. Casey lachte und konnte es nicht glauben.
„Wow, das ist kaum zu fassen!“ rief er. „Wenn ich bedenke, was manche Leute alles anstellen, um zum Film zu kommen, und sie stellt sich einfach auf dem Rodeo Drive vor ein Schaufenster und wird vom Fleck weg engagiert! Rae glaubt mir kein Wort, wenn ich ihr das erzähle!“
„Wenn Du mir was erzählst?“ ertönte Raes Stimme hinter ihnen. Die junge Ärztin stand da, die Hände in den Taschen ihres Kittels vergraben und setzte eine gespielt strenge Miene auf.
„Du bist ein unmöglicher Patient, Casey Mitchum! Ich suche Dich seit einer halben Stunde, als wärst Du mein Privatpatient!“
„Aber das bin ich doch, Frau Doktor!“ erwiderte er mit unschuldiger Miene und zwinkerte Ben zu. „Oder etwa nicht?“
Die drei lachten ausgelassen und Rae begrüßte Ben herzlich.
„Komm, setz Dich einen Augenblick zu uns.“ bat Casey. Rae nahm Platz.
„Was gibt es denn so Aufregendes, das Du mir unbedingt erzählen wolltest?“ fragte sie neugierig.
„Meg spielt in einer Fernsehserie von Aaron Spelling mit.“ platzte Casey begeistert heraus. „Spelling hat sie gesehen und gleich Probeaufnahmen gemacht, und sie hat die Rolle bekommen.“
„Nur eine kleine Rolle, sie drehen vielleicht noch zwei Wochen, dann ist es schon wieder vorbei.“ warf Ben ein.  
Rae nickte.
„Also stimmt es doch, was ich gehört habe!“ meinte sie und zog eine Illustrierte aus ihrer Kitteltasche. „Julie, eine der Schwestern von meiner Station, erzählte vorhin, dass sie zum Casting für eine Nebenrolle in „California Coast Story“ war, und da wäre so eine kleine Brünette namens Meg gewesen, die sofort diese Rolle bekommen hätte. Julie war sehr enttäuscht, sie hatte fest geglaubt, diese Rolle sei ihr sicher.“ Sie lachte. „Ich hab mir eben die Zeitung gekauft, in der etwas darüber drinstehen soll.“
Gespannt streckten alle drei ihre Hälse und begannen, in der Illustrierten zu blättern.
„Hier...“ Rae zeigte auf die farbige Doppelseite, „das muß es sein, „Aaron Spellings Coast- Story...“
Darunter waren Bilder von den Darstellern zu sehen und ein Interview mit dem Produzenten. Von Meg war nichts zu finden. Etwas enttäuscht blätterte Rae um... und erstarrte.
„Ein unbekanntes Gesicht in der Coast Story“ stand da dick gedruckt, und darunter prangte ein großes Bild von Jake und Meg, die sich scheinbar total verliebt in die Augen sahen, untermalt von der Schlagzeile „Ist Meg die neue Favoritin in Jake Williams Leben?“  
Daneben ein Interview mit dem Star der Serie, in dem er seine neue Partnerin als „Frau zum Verlieben“ bezeichnete und kein Hehl daraus zu machen schien, wie unwiderstehlich er sie fand. „Jake Williams, dafür bekannt, dass er den Frauen reihenweise den Kopf verdreht, scheint weitaus mehr als nur berufliches Interesse an der bildhübschen jungen Frau aus Kansas zu haben.“ konnte man unter diversen kleineren Fotos lesen, die ihn mit einigen seiner zahlreichen Partnerinnen aus der Coast Story zeigten. „Wenn Meg Cummings in ihrer Gastrolle bei den Zuschauern genauso gut ankommt wie bei der Crew um Aaron Spelling, könnte ein neuer Star am Himmel Hollywoods aufgegangen sein, und wer weiß, vielleicht beschert uns die Zukunft ein phantastisches, neues Traumpaar, im Film wie auch privat...“

Jeany

 

 

Rae schluckte und schielte zu Ben hinüber. Sein Gesicht hatte sich verdüstert, während er las.
Als er schließlich hochblickte, zog Rae schnell die Zeitung weg und klappte sie zu.
„So ein Unsinn“ sagte sie betont lässig und setzte ein missbilligendes Lächeln auf. „Diese Zeitungsleute sind doch wirklich das letzte... wenn sie nicht wissen, was sie schreiben sollen, erfinden sie einfach irgendwelche Geschichten!“
Ben grinste.
„Na ja, mir scheint, damit werde ich die nächsten Wochen leben müssen.“ meinte er betont lässig. Rae nickte schnell, doch sie vermeinte aus seinem belanglos fröhlichen Tonfall einen gewissen Sarkasmus herauszuhören. „Armer Ben!“ dachte sie mitfühlend, „er liebt seine Meg über alles und muß nun diesen Unsinn in der Zeitung lesen!“ Das es sich bei diesem Artikel um glatte Übertreibungen handelte, daran hatte Rae keinen Zweifel. Meg war mindestens genauso verrückt nach Ben, wie er nach ihr. Aber vielleicht war diese Filmerei doch keine so besonders gute Idee gewesen...
„Hattest Du geschäftlich in L.A. zu tun?“ fragte sie, um endlich das Thema zu wechseln.
Ben nickte.
„Geschäftlich und privat. Einer der Gründe, warum ich hier bin, ist, dass ich Euch unbedingt was fragen muß.“
„Schieß los!“ meinte Casey gespannt. „Wir sind ganz Ohr!“
„Tja also...“ Ben lächelte geheimnisvoll, „Habt Ihr beide an Thanksgiving schon etwas vor?“
Rae und Casey warfen einander einen erstaunten Blick zu.
„Nein, bisher noch nicht.“ erwiderte Casey dann und grinste. „Weißt Du, zumindest mein Terminplan ist zur Zeit immer noch etwas leer. Mein einziges Date ist die Psychotherapeutin...“
Rae knuffte ihn lachend in die Seite und sah Ben bedeutungsvoll an.
„Merkst Du etwas? Es geht ihm besser... Aber nun verrat` schon endlich, was ist denn so Besonderes an Thanksgiving?“
Ben sah lächelnd von einem zum anderen, bevor er stolz verkündete:
„Meine Hochzeit mit Meg.“

Jeany

 

 

„Hey, das ist ja eine Überraschung!“ rief Casey erfreut. „Wunderbar, ich freue mich für Euch beide!“
„Na ja“ schmunzelte Ben, „so wie es aussieht, werden wir wohl zu viert vor dem Traualtar stehen.“
„Sara und Derek?“ fragte Rae gespannt und strahlte, als Ben bejahte. Ihre schönen Mandelaugen bekamen einen besonderen Glanz, während sie fast andächtig meinte:
„Zwei Brüder und zwei Schwestern... wie romantisch!“
Ben lachte.
„Ja, Hank Cummings führt als Brautvater gleich beide Töchter auf einmal zum Altar, das dürfte wohl auch nicht allzu oft vorkommen.“ Er räusperte sich bedeutungsvoll. „Rae, Casey, Ihr beide gehört zu unseren besten Freunden, Meg und ich würden uns sehr freuen, wenn Ihr an unserem Hochzeitstag dabeisein könntet!“
„Das würden wir sehr gerne, Ben“ sagte Rae und fügte dann mit einem kurzen Blick auf Casey vorsichtig hinzu: „aber ich bin mir nicht sicher, ob...“
Casey fasste nach Raes Hand, und plötzlich lächelte er fast so schelmisch wie früher.
„Natürlich kommen wir zu Eurer Hochzeit, Ben! Und bis dahin werde ich laufen üben, soviel ich kann, denn eines verspreche ich Dir, mein Freund, ich werde nicht im Rollstuhl in die Kirche fahren, wenn Ihr Euch das Jawort gebt!“

Jeany

 

 

Nach seinem Treffen mit Casey lenkte Ben seinen Mercedes in Richtung Strandpromenade, wo er nach längerem Suchen endlich eine Parklücke fand.
Meg hatte ihm gesagt, dass sich die Crew heute zu Außenaufnahmen auf dem firmeneigenen Strandabschnitt von Spelling Entertainment aufhielt. Wo sich dieses Gelände befand, war leicht zu erkennen. Obwohl es natürlich weiträumig abgeriegelt war, drängten sich vor den Absperrungen zahlreiche Schaulustige, um vielleicht wenigstens aus der Ferne einen Blick auf die beliebten Serienstars werfen zu können. Doch die meisten von ihnen wurden enttäuscht, Kamerateams, jede Menge Kabel und Technik, riesige Sonnenblenden, grelle Scheinwerfer und zahlreiche Wohnwagen des Teams versperrten ihnen die Sicht.
Ben bahnte sich mit einiger Mühe einen Weg durch die Menge und wandte sich zuversichtlich an einen der Sicherheitsleute, die mit wichtiger Miene unnachgiebig ihr Revier verteidigten und die Absperrungen passierten.
„Einen Moment bitte“ sagte er so höflich wie möglich, worauf der Mann nur widerwillig sein Gespräch mit einem Kollegen unterbrach und ihn ohne großes Interesse taxierte. „Ich möchte zu Meg Cummings.“
Ein abfälliges Lachen war die Antwort.
„Das wollen alle, stellen Sie sich hinten an!“ knurrte er unfreundlich. Obwohl Ben ihn liebend gern am Kragen gepackt hätte, versuchte er jedoch, möglichst gelassen zu bleiben.
„Ähm... ich bin kein Fan, ich bin ihr Verlobter.“
Der Mann warf ihm einen amüsierten Blick zu.
„Ach ja? Was Sie nicht sagen! Da sollten Sie sich mal was Originelleres einfallen lassen, den Text höre ich nämlich mindestens hundert Mal am Tag!“ Er besann sich einen Augenblick und meinte dann in geschäftsmäßig routiniertem Ton: „Tut mir leid, Sir, aber ohne Presseausweis oder dergleichen kommen Sie hier nicht rein, Mr. Spelling möchte nicht, dass die Stars belästigt werden.“
Ben holte tief Luft.
„Ich will niemanden belästigen, ich will meine Verlobte abholen, verdammt! Und zwar hier und jetzt!“
Der Mann, anscheinend an solche Auftritte gewöhnt, zuckte nur gleichgültig mit den Schultern.
„Ich kann nur wiederholen, ich darf hier niemanden durchlassen. Machen Sie bitte keine Probleme, ich erledige nur meinen Job.“
Damit ließ er Ben stehen und wandte sich wieder an seinen Kollegen.
„Das kann ja wohl nicht wahr sein!“  
Ben kratzte sich ratlos an der Stirn, als er plötzlich sah, wie die Leute ein paar Meter weiter drüben zur Seite traten, um einer dunklen Limousine Platz zu machen. Der Fahrer ließ das Seitenfenster herunter.
„Miss Stevens Chauffeur.“ hörte Ben ihn sagen, dann wurde die Absperrung geöffnet und der Wagen durfte passieren.
Ben zog einen Moment nachdenklich die Augenbrauen hoch und grinste dann.
„Das ist zwar nicht unbedingt mein Stil, aber was soll`s.“ dachte er. „Einen Versuch ist es wert.“
Er ging zurück zu seinem Mercedes, zog sein Jackett über, setzte die dunkle Sonnenbrille auf und lenkte das Fahrzeug mit sicherer Hand zum Strand. Ein kurzes Hupen, und die Fans machten neugierig Platz. Ben warf einen Blick zu den beiden Sicherheitsbeamten von vorhin, aber die waren noch immer in ihr Gespräch vertieft. Zufrieden öffnete er das Seitenfenster und legte lässig den Ellenbogen auf.
„Evans Enterprises, Miss Cummings Chauffeur.“ sagte er ganz selbstverständlich. Ein kurzes Nicken des Wachmannes, die Schranke öffnete sich und Ben fuhr unter den neidischen Blicken der umstehenden Fans hinein ins Filmtraumland.

Jeany

 

 

Derek war im Deep gerade dabei, den Lagerbestand im Weinkeller zu kontrollieren, als er von Caitlin ans Telefon gerufen wurde.

"Wenn es nichts Wichtiges ist, möchte ich nicht gestört werden," sagte er unwirsch, ohne von seiner Liste aufzublicken. Caitlin verdrehte die Augen.

"Es wäre besser, wenn Du dran gehst!" erklärte sie. "Es ist Sara, und sie klingt irgendwie aufgeregt!" Seufzend legte Derek die Liste beiseite.

"Ist schon gut, Caitlin, ich gehe in mein Büro und rede mit ihr."

Auf dem Weg zum Büro fragte er sich, was Sara nun wieder ausheckte. Schon seit Tagen nervte sie ihn mit ihren Plänen für die bevorstehende Hochzeit, dabei hatten sie noch Wochen Zeit. Sara legte eine Betriebsamkeit an den Tag, daß es Derek ganz schwindelig wurde. Sie hatte auch bereits telefonischen Kontakt mit einem exklusiven Brautausstatter in L.A. aufgenommen, und ein Zimmer für ihre Freundin Caroline war auch bereits im Sunset Inn gebucht worden. Letzte Nacht hatte sie ihn dann mit der Nachricht überrascht, daß sie am kommenden Wochenende einen Stadtbummel in L.A. zu machen gedachte, um die Baby-Erstausstattung zu kaufen.

Derek setzte sich an seinen Schreibtisch und nahm den Hörer ab.

"Hallo Schatz!" hörte er Saras aufgeregte Stimme. "Mrs. Pendleton hat vorhin angerufen. Sie meinte, daß ich sofort kommen sollte. Du hast doch nichts dagegen, wenn ich Deinen Wagen nehme, oder?" Derek unterbrach Saras Redeschwall.

"Wer hat angerufen?" fragte er irritiert. Sara schien genervt.

"Mrs. Pendleton! Du weisst schon ... "Pendletons Brautausstatter" am Rodeo Drive."

"Ah ja ..." war alles, was Derek dazu einfiel. "Also Mrs. Pendleton rief vorhin an und meinte, daß sie ganz bezaubernde Hochzeitskleidermodelle bekommen hätte, die ich mir unbedingt ansehen müsste. Ich habe ihr gesagt, daß ich in ca. 2 Std. bei ihr sein könnte."

Derek unterbrach Sara abermals.

"Moment, was soll das heissen?" fragte er ungehalten. "Du willst doch wohl nicht alleine mit dem Wagen nach L.A. fahren!"

"Wieso nicht?" entgegnete Sara schnippisch. Derek umklammerte den Hörer, bemühte sich aber um einen sachlichen Ton.

"Soweit ich mich erinnern kann sagte Dr. Robinson Dir doch vorgestern, daß Du Dich ab sofort mehr schonen sollst, oder etwa nicht?" Derek hörte ein unwilliges Schnaufen.

"Ja, sicher, aber ich will ja auch an keinem Marathonlauf teilnehmen! Ich werde ganz brav im Auto sitzen! Was ist nun, kriege ich nun Deinen Wagen oder nicht?"

Derek atmete tief durch, bevor er antwortete.

"Nein!"

Als Antwort auf seine Äußerung hörte er nur noch ein Klicken in der Leitung. Sara hatte aufgelegt. "Verdammt!" Derek sprang auf und rannte die Stufen hinunter. "Entschuldige, Caitlin! Kannst Du die Stellung halten? Ich muß kurz nach Hause!"

Caitlin nickte nur, während sie Derek hinterhersah, der eilig das Deep verließ.

Mona

 

 

Völlig außer Atem öffnete Derek die Haustür und stürmte ins Wohnzimmer. Keine Spur von Sara. Wütend knallte er den Haustürschlüssel auf den gläsernen Wohnzimmertisch. Wieso nur musste sie immer ihren Dickkopf durchsetzen, dachte er frustriert.

"Derek? Bist Du das?" Sara stand oben an der Treppe und schaute neugierig hinunter.

"Gott sei dank!" entfuhr es ihm. Die Erleichterung konnte man ihm im Gesicht ablesen. Sara ging mit gerunzelter Stirn die Treppe hinunter.

"Was ist denn los?" fragte sie mit sanfter Stimme. Derek sah sie verständnislos an.

"Das fragst Du noch?" sagte er aufgebracht. "Ich verbiete Dir, das Auto zu nehmen, und Du legst einfach kommentarlos auf! Was soll ich da wohl denken?"

Sara sah ihn mit einem empörten Blick an.

"Ich bin vielleicht manchmal sprunghaft und etwas naiv aber ganz bestimmt nicht gewissenlos!" verteidigte sie sich. "Du hast wirklich gedacht, daß ich Deinen Wagen trotzdem nehme, obwohl Du es mir verboten hast?"

Derek nickte.

"Na, herzlichen Dank! Das zum Thema "Vertrauen!" entfuhr es Sara spöttisch. Derek stemmte die Hände in die Hüften.

"Und was sollte dann diese Aktion, einfach aufzulegen?" fragte er provozierend.

"Ich war wütend!" gab Sara zu. "Seitdem ich schwanger bin, darf ich gar nichts mehr, und jeder mischt sich in mein Leben ein und sagt mir, was gut für mich ist. Ich weiß doch wohl selber am besten, was für mich gut ist oder nicht?"

Derek hielt sich mit einem Kommentar zurück, stattdessen stellte er eine Gegenfrage.

"Wen meinst Du mit "jeder mischt sich ein"?

Sara holte tief Luft, bevor sie antwortete.

"Dr. Robinson, Du, meine Mutter ...  einfach alle!"

Spontan nahm Derek sie in den Arm.

"Wir machen uns eben alle Sorgen um Dich. Kannst Du das denn gar nicht verstehen?"

Sara nickte an seiner Schulter.

"Das macht es ja gerade so schwierig," entgegnete sie. "Ich weiß ja, daß Ihr es nur gut meint, aber ich fühle mich einfach bevormundet, als wenn ich noch ein Kind wäre, daß noch keine eigenen Entscheidungen treffen kann, und das macht mich einfach wütend!"

Derek sah Sara überrascht an.

"Ich habe gar nicht bemerkt, daß Du so unzufrieden warst," sagte er. Sara wand sich aus seiner Umarmung.

"Kein Wunder," entfuhr es ihr. "Du bist ja auch ständig unterwegs, seitdem wir aus L.A. zurückgekehrt sind!"

Derek sah sie verlegen an.

"Es tut mir leid," sagte er zerknirscht. "Ich verspreche Dir, daß ich mir mehr Zeit für Dich nehmen werde, sobald ich wieder alles aufgearbeitet habe."

"Und wann wird das sein?" fragte Sara neugierig. Derek sog tief die Luft ein. Jetzt nur nichts falsches sagen, dachte er.

"Wir könnten ja den Anfang damit machen, daß wir am kommenden Wochenende nach L.A. fahren, um Shopping zu gehen. Was hältst Du davon?"

Sara fiel ihm überglücklich um den Hals. "Das ist die beste Idee, die Du seit langem hattest," erwiderte sie.

"Dann wäre das ja geklärt." Derek rieb sich zufrieden die Hände.

"Und was ist mit "Pendletons Brautshop"?" fragte Sara. Derek rieb sich nachdenklich die Stirn. Den Grund für ihre Aussprache hätte er beinahe vergessen!

"Kann das nicht noch ein paar Tage warten?" fragte er. "Wenn wir am Samstag sowieso nach L.A. fahren, könnten wir doch auch gleich beim Brautshop vorbeischauen." Er sah Saras kritisches Gesicht und korrigierte sich. "Ich meine, daß Du Dir dort die verschiedenen Modelle anschauen und anprobieren kannst, während ich spazieren gehe oder so."

Sara musste sich ein Schmunzeln verkneifen.

"Du bist ja schon geübt im Warten," sagte sie.

"Das kannst Du wohl laut sagen," entgegnete Derek grinsend.

"Also abgemacht," stimmte Sara zu. "Samstag gehen wir Bummeln, und Du kannst jetzt wieder zurück ins Deep gehen um Deinen Kram aufzuarbeiten."

Derek sah sie skeptisch an.

" Wieder alles okay?" fragte er vorsichtig. Sara lächelte.

"Alles bestens!" versicherte sie ihm. Derek zog sie für einen Kuß noch einmal nahe zu sich heran.

"Ich habe einen besseren Vorschlag," raunte er ihr zu. "Du kommst einfach mit."

Sara befreite sich lachend aus seiner Umarmung.

"Dann wirst Du wohl kaum zum Arbeiten kommen ... nein, nein, geh' Du nur arbeiten. Ich mache es mir zu Hause gemütlich, lese etwas oder schaue fern. Mach Dir keine Sorgen, es geht mir wirklich gut!"

Beruhigt griff Derek zum Haustürschlüssel, warf Sara noch einmal einen Handkuß zu und verließ das Haus.  

Mona

 

 

„So, Schluß für heute, Kinder!“ rief Aaron Spelling und erhob sich. „Das war gute Arbeit, Ihr habt Euch den Feierabend verdient!“  
Während sich alle Beteiligten beeilten, der Aufforderung Folge zu leisten, bevor der gestrenge „Herr und Meister“ es sich vielleicht doch noch anders überlegte, nahm Mr. Spelling einen seiner Mitarbeiter diskret beiseite.
„John, ich möchte, dass Sie mir die Szenen möglichst heute noch zusammenschneiden, Sie wissen ja, wir sind durch die Umbesetzungen ziemlich in Zeitdruck, und geben Sie sich besonders Mühe bei den Aufnahmen mit Jake und Meg, ich hab so das Gefühl, die Kleine wird bei den Zuschauern großartig ankommen. Die Resonanz auf die ersten Zeitungsartikel war schon riesig.“
Der Mitarbeiter nickte.
„Ich glaube, Sie haben recht, Boss. Sie ist sehr fotogen, und sie bewegt sich vor der Kamera ganz natürlich, als wären wir gar nicht anwesend. Sowas ist selten, manch einer muß hart dafür arbeiten, um soweit zu kommen.“ Er lachte und wies auf eine grell geschminkte junge Dame, die mit abweisender Miene unweit von ihnen durch den Sand stöckelte. „Und mancher schafft es nie.“
Aaron folgte seinem Blick und verzog das Gesicht.
„Cynthia...“ meinte er nachdenklich, „macht sie Ärger?“
„Ich bin mir nicht sicher, aber wundern würde es mich nicht. Sie malt sich Chancen auf Jake aus, und auf die Hauptrolle, und sie sieht in Meg in beidem eine Konkurrenz.“
„Keine Sorge, John, als ich Meg zum ersten Mal traf, wollte sie sich gerade ein Hochzeitskleid kaufen. Ich bin sicher, sie hat kein Interesse an irgend einem Flirt.“
„Jake ist aber nicht „irgend ein Flirt“, Sir, das sollten Sie bedenken! Sie wäre ja nicht die Erste, die für ihn alles andere hinter sich läßt.“ gab John zu bedenken, doch Aaron klopfte ihm beruhigend auf die Schultern.
„Keine Sorge, ich glaube, sie weiß genau, was sie will, und Jake Williams ist es ganz sicher nicht! Warten wir erst einmal ab, wie in zwei Wochen die Folgen mit ihr anlaufen, und dann werden wir weitersehen.“

Jeany

 

 

„Darf ich Dich noch zu einem Kaffee einladen?“ fragte Jake, als er gemeinsam mit Meg zur „Maske“ hinüberging, wo Cathy im Wohnwagen schon auf sie wartete, um sie abzuschminken.  
Meg sah auf die Uhr und schüttelte den Kopf.
„Tut mir leid, Jake, aber ich möchte heute nicht zu spät nach Hause kommen. Ben und ich haben uns in den letzten Tagen kaum gesehen.“
Enttäuscht verzog Jake das Gesicht und überlegte fieberhaft, womit er sie vielleicht doch noch zu einem Date überreden konnte, als er plötzlich sah, wie sich ihnen ein schwarzer Sportwagen langsam näherte. Der Fahrer trug eine dunkle Sonnenbrille und sah sich suchend um. „BE 1“ stand auf dem Nummernschild. Jake kniff die Augen zusammen.  
„Ben Evans... natürlich, der Beschreibung nach mußte das Megs Verlobter sein... verdammt, der sah ja richtig gut aus... er war also der Mann, zu dem sie jeden Abend heimfuhr, in dessen Armen sie lag, wenn er, der berühmte Jake Williams, nur an sie denken konnte, weil sie ihn bis in seine Träume verfolgte...
Meg schien ihn noch nicht bemerkt zu haben, aber der Mann im schwarzen Mercedes sah jetzt zu ihnen herüber, stoppte den Wagen und schickte sich an, auszusteigen.
Einem Impuls folgend drehte Jake sich zu Meg um.
„Warte, Du hast da was am Auge...“ sagte er und beugte sich vor, um angeblich etwas wegzuwischen. „Beweg Dich nicht, sonst fällt es rein!“ Er hatte eine Hand um ihre Schulter gelegt und strich mit der anderen zärtlich unter ihrer Augenpartie entlang. „So... das hätten wir!“ sagte er Sekunden später und gab ihr einen Kuß auf die Wange, „ich hab Dich gerettet.“
„Jake...“ ermahnte ihn Meg, die seine Vertraulichkeiten außerhalb der Dreharbeiten nicht mochte, ärgerlich. „Bitte laß das doch.“
Er hob ergeben die Hände und grinste.  
„Okay, schöne Lady, das war ja nur ein Freundschaftskuss.“  
In der sicheren Annahme, dass Ben diese Szene nicht entgangen war, grinste er und zwinkerte ihr verschwörerisch zu. „Bis morgen dann, und noch einen schönen Abend mit Deinem Verlobten!“ Er drehte sich auf dem Absatz um und ging schnellen Schrittes davon.  
Kopfschüttelnd lief Meg weiter und wollte eben die Tür zu Cathys Wohnwagen öffnen, als sie hinter sich eine vertraute Stimme hörte:
„Hallo Meg!“
 Jeany

 

 

Gregory erwachte und blinzelte verschlafen. Sein Kopf schmerzte und das Sonnenlicht, dass durch die halbgeöffneten Vorhänge ins Zimmer drang, tat seinen Augen weh. Warum, zum Teufel, waren die Jalousien nicht heruntergelassen?
Ächzend warf er sich herum, und langsam kam die Erinnerung... er befand sich gar nicht zu Hause, nein, er befand sich seit mehreren Tagen in seinem Wochenendhaus in Aspon in den Bergen, wohin er sich sofort nach diesem Desaster um Olivias Verhandlung geflüchtet hatte. Seine grenzenlose Wut und Enttäuschung darüber, dass seine eigene Ehefrau ihn so maßlos enttäuscht und vor der ganzen Stadt durch ihre unüberlegte, gefühlsduselige Aussage lächerlich gemacht hatte, saß so tief, dass er seine Gefühle zuerst durch reichlichen Genuß des vorrätigen Whiskybestandes zu betäuben versuchte, was ihm aber außer einem verdorbenen Magen und jeder Menge Katzenjammer am nächsten Morgen auch nichts Nennenswertes einbrachte. Die darauffolgenden Stunden hatte er damit zugebracht, sich selbst zu bemitleiden, was wiederum dazu führte, dass er abermals zur Flasche griff.  
Und dann war sie plötzlich hier aufgetaucht... blond, schön, verführerisch... zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um ihn vergessen zu lassen...
Gregory fuhr herum... hatte er am Ende alles nur geträumt? Er riß die Augen auf und fragte sich für einen Bruchteil von Sekunden, ob sein immer noch alkoholbenebeltes Hirn ihm vielleicht nur einen Streich spielte. Aber nein, sie war wirklich da!  
Sie lag neben ihm und hatte, sogar noch während sie schlief, dieses verführerische Lächeln auf den Lippen... Jade Sheridan.

Jeany

 

 

Rastlos lief Olivia im Zimmer auf und ab. Wo mochte Gregory nur sein?
Sie telefonierte bereits seit Tagen herum, hatte schon „Gott weiß wen“ angerufen, doch ihr beleidigter Ehemann schien wie vom Erdboden verschwunden und sein Handy war ausgeschalten.  
Sogar in ihrem Ferienhaus in Aspon hatte sie bereits versucht anzurufen, doch ausgerechnet nach dort bekam sie keine Verbindung, die Dame vom Amt hatte ihr erklärt, es läge eine Störung vor, wie sie nun mal in den Bergen zuweilen vorkommen könne, und versprach, sofort zurückzurufen, sobald die Leitung frei sei, aber bisher hatte sich niemand gemeldet.
Während Olivia nervös auf und ab lief, wanderte ihr Blick immer öfter hinüber zu der kleinen Bar, in der Gregory seit dem Unfall die alkoholischen Getränke verschlossen hatte. Inzwischen kannte sie das Versteck für den Schlüssel. Sie ging zum Sekretär und zog eine Schublade auf. Unter einem Stapel Visitenkarten lag er, klein, silbern und... verlockend. Sie griff danach und schloß die Augen, während ihre Finger mechanisch das kühle Metall umschlossen.
„Einen Schluck... nur einen...“ bettelte eine Stimme tief in ihrem Inneren, und sie stellte sich vor, wie der erste Schluck des goldgelben Cognacs erst auf ihren Lippen und dann in ihrer Kehle brennen und wenig später schließlich eine wohlige Wärme verursachen und ihre strapazierten Nerven beruhigen würde. Von einer unsichtbaren Kraft angetrieben ging sie Schritt für Schritt auf die Bar zu und steckte den Schlüssel ins Schloß.
Mit einem leisen Klicken sprang die Tür auf.  
Da standen sie, die Flaschen mit dem Inhalt, von dem sie genau wußte, daß er eigentlich pures Gift für sie war, der ihr jedoch in ihrer momentanen Situation wie der größte Schatz auf Erden erschien...
Während ihr Verstand noch versuchte, gegen die Gier nach der Droge anzukämpfen, griffen ihre Hände bereits nach der erstbesten Flasche.
„Nur einen Schluck... dann geht es mir besser... dann kann ich in Ruhe nachdenken und überlegen, was ich als nächstes tun werde...“ versuchte sie sich selbst zu überzeugen, das Zittern ihrer Hände beim Öffnen der Flasche ignorierend. Der vertraute würzige  Alkoholgeruch stieg ihr in die Nase und gierig führte sie die Flasche an ihre geöffneten Lippen...
 
Ein lautes, langanhaltendes Läuten an der Haustür erschreckte Olivia derart, dass sie beinahe fallenließ, was sie da so krampfhaft in ihren Händen hielt. Fassungslos starrte sie auf die Flasche und schien wie aus einem tiefen Traum zu erwachen.
„Mein Gott, ich hätte wirklich beinahe...“ murmelte sie, während sie den Whisky angewidert zurück in die Bar stellte, ohne davon getrunken zu haben. Unsanft verschloß sie die Tür der kleinen Bar, als es abermals an der Tür schellte.
Olivia holte tief Luft und wischte sich über die Stirn.
„Ich mache selbst auf, Rose!“ rief sie der Haushälterin zu, die eilig aus der Küche gelaufen kam.
„In Ordnung, Misses Richards.“ erwiderte Rose und machte sich wieder an ihre Arbeit.
Olivia ging hinüber zur Haustür und öffnete, in der Hoffnung, Gregory sei vielleicht endlich zur Vernunft gekommen und heimgekehrt.
Es war nicht ihr Ehemann, der da vor ihr stand. Es war A.J.

Jeany

 

 

„Du?“ rief Olivia fassungslos und wollte, einem inneren Impuls folgend, die Tür wieder zuwerfen, doch A.J. hatte den Fuß dazwischengestellt. Mühelos schob er sie beiseite und trat ein.
„Ich warne Dich.... mach sofort, dass Du hinaus kommst, Du Verbrecher, oder ich rufe die Polizei!“ Olivia war bis zur Couch zurückgetreten und starrte den Eindringling aus angstvoll geweiteten Augen an. A.J. hab beschwichtigend beide Hände.
„Olivia... bitte tu das nicht! Ich bin nicht hergekommen, um Dir Schwierigkeiten zu machen, Du bist der einzige Mensch, dem ich hier noch vertrauen kann. Hör mir zu, nur einen Moment...“
„Warum sollte ich das tun, nach allem, was Du uns angetan hast?“ fragte sie mißtrauisch, während sie ihre Fingernägel beunruhigt in die Couchlehne grub. „Immerhin hast Du mich beschimpft und beschuldigt, Dich verraten zu haben. Deinetwegen bin ich damals betrunken in meinen Wagen gestiegen und habe diesen schweren Unfall verursacht, bei dem beinahe ein Mensch sein Leben verloren hätte...!“ fauchte sie wütend. „Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, hast Du dann auch noch versucht, meinen Mann zu töten!“
„Du weißt...“ Erstaunt sah A.J. sie an. Olivia verdrehte genervt die Augen.
„Für wie dumm hälst Du mich eigentlich, Du Bastard! Natürlich weiß ich das... Glaub mir, ich habe die Affäre mit Dir bitter bezahlt!“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht glauben, dass ich Dir vertraut habe...“
A.J. trat auf sie zu.
„Olivia...“
„Komm ja nicht näher!“ schrie sie ihn an und wich weiter zurück. „Ich hasse Dich, für das, was Du mir angetan hast, und auch dafür, dass Du Gregory umbringen wolltest!“
Sie starrten einander an, und dann lachte A.J. plötzlich. Es war ein höhnisches Lachen, das ihr einen Schauer über den Rücken jagte.
„Ja, Du hast Recht...“ sagte er und ließ sich in einen der Sessel fallen. „Ich habe Dich benutzt, zu Anfang jedenfalls... aber dann“ Er sah sie an und sein Gesicht wurde ernst, „dann hab ich mich in Dich verliebt, Olivia. Aber Gregory wollte mich vernichten, und dazu war ihm jedes Mittel recht.“
„Was willst Du damit sagen?“ fragte Olivia unsicher.
A.J. lächelte bitter.
„Ich werde Dir jetzt mal erzählen, was Dein ach so unfehlbarer Ehemann unternommen hat, um mich entgültig loszuwerden. Der Tag wird mir ewig im Gedächtnis bleiben...“
Er musterte sie mit seinen blauen Augen, und sein Blick schien sie zu durchbohren.
„Acht bezahlte Schläger war es ihm wert, mich für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen...“
„Was... was sagst Du da?“ fragte Olivia fassungslos. A.J. nickte.
„Kurz vor der mexikanischen Grenze haben sie mich erwischt. Das letzte, an was ich mich erinnern kann, waren die Worte „Gregory Richards“... Ich wachte Tage später in einem Krankenhaus in Tijuana auf, wohin mich ein paar Mexikaner gebracht hatten, nachdem sie merkten, dass der Tote, den sie in einem verlassenen Abbruchhaus fanden, doch noch nicht ganz tot war. Später erzählte man mir, ich hätte wohl keinen heilen Knochen mehr im Leib gehabt, sie sprachen von einem Wunder, dass ich noch am Leben war. Lange wußte ich aufgrund einer schweren Gehirnerschütterung nicht einmal meinen Namen, aber dann, irgendwann kamen bruchstückhaft die Erinnerungen zurück, und mit ihnen der Name des Mannes, dem ich das alles zu verdanken hatte... der Name Deines geliebten Ehemannes, Olivia...“
Olivia stand wie versteinert.
„Das ist... mein Gott... A.J... ich glaub Dir kein Wort...“
Er lachte.
„Doch das tust Du... denn im Grunde Deines Herzens weißt Du ganz genau, wozu Gregory fähig ist! Du willst es nur nicht wahrhaben!“
Olivia schlug die Hände vors Gesicht.
„Geh, A.J., verschwinde endlich... ich will das nicht hören... Du lügst, Du bist keinen Cent besser als er...“
A.J. stand auf.
„Das habe ich auch nicht behauptet.“ sagte er ruhig. „Ich wollte Dich nur wissen lassen, dass Du mir noch immer sehr viel bedeutest. Und ich hatte insgeheim gehofft, dass Du Dich vielleicht inzwischen von Gregory getrennt haben könntest, aber leider sehe ich, dass Ihr immer noch zusammenseid... schade.“ Er betrachtete sie für einen Moment nachdenklich, und seine Augen nahmen diesen Ausdruck an, der sie vor nicht allzu langer Zeit so sehr an ihm fasziniert hatte. Dann aber fasste er sich schnell wieder. „Vielleicht kannst Du mir wenigstens sagen, wo ich meine Tochter finde...“
Olivia starrte ihn gedankenversunken an. Fast war sie versucht ihm zu glauben, aber der Name der verhassten Rivalin ernüchterte sie schlagartig.
„Jade? Nein, ich weiß nicht, wo sie ist. Und ich bin auch froh, wenn ich nichts von ihr sehe oder höre!“ rief sie. „Und jetzt geh endlich. Wir haben uns nichts mehr zu sagen!“
„Schade!“ sagte A.J. leise und wandte sich zur Tür, als plötzlich das Telefon zu läuten begann.
 Jeany

 

 

„Ja?“  
Froh über die Ablenkung riß Olivia den Hörer an sich und lauschte gespannt.
„Ihre Verbindung nach Aspon kann jetzt hergestellt werden, Misses Richards.“ sagte die Dame vom Fernamt.
Olivia hörte das Rufzeichen in der Leitung, dann vernahm sie die Stimme einer fremden Frau.
„Ja bitte?“
Olivia war für einen Moment verwirrt. Hatte man sie falsch verbunden?
„Ich... ähm... ist das 333759 in Aspon?“
Die Stimme am anderen Ende lachte leise.
„Aber natürlich, Olivia, Sie haben sich nicht verwählt. Hier ist Gregorys Ferienhaus. Aber er will nicht mit Ihnen sprechen, fürchte ich.“
„Wer sind Sie?“ fragte Olivia gepresst, obwohl ihr schlagartig klar wurde, mit wem sie sprach.
„Das wissen Sie doch längst, meine Liebe! Hier spricht Jade Sheridan.“
„Jade...“ keuchte Olivia erbost.
 
A.J., eben im Begriff zu gehen, blieb stehen und drehte sich erstaunt um.
 
„Was tun Sie in unserem Ferienhaus, Sie Schlampe?“ fauchte Olivia in den Hörer. Als Antwort ertönte ein spöttisches Lachen.
„Dreimal dürfen Sie raten!“
Olivia verdrehte wütend die Augen und griff sich an die Stirn.
„Oh mein Gott, ich hätte wissen müssen, dass Sie dahinterstecken! Aber das Eine kann ich Ihnen versprechen, Sie bekommen Gregory nicht!“
Wieder dieses höhnische Lachen.
„Aber aber...! Ich habe ihn doch bereits!“
Außer sich vor Wut ballte Olivia die Fäuste und schüttelte A.J.s Hand, die er ihr beruhigend auf die Schulter gelegt hatte, mit einem Ruck ab.
„Was wollen Sie?“ fragte sie mit zitternder Stimme, sich vergebens zur Ruhe zwingend. „Warum tun Sie das?“
„Ganz einfach... ich will Ihren Mann.“
„Was? Sie sind ja nicht bei Trost! Was sollte Gregory mit einem Flittchen wie Ihnen anfangen?“
„Oh.. glauben Sie mir, meine Gute, uns fällt schon was ein...“ Jade lachte und räusperte sich dann. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Olivia, trinken Sie zur Beruhigung ein paar doppelte Whisky, dann setzen Sie sich in Ihren Wagen und fahren hierher, das wird bestimmt lustig! Vielleicht erwischen Sie diesmal mit Ihrer Kühlerhaube den Richtigen!“
„Sie mieses Drecksstück!“ schrie Olivia mit sich überschlagender Stimme, doch ein monotones Piepsen am anderen Ende der Leitung zeigte ihr, dass Jade bereits aufgelegt hatte, bevor A.J. nach dem Hörer greifen konnte.
 
„Olivia... alles in Ordnung?“ fragte er und trat vorsichtig näher. Olivia fuhr mit zorngeröteten Wangen herum.
„Nichts... gar nichts ist in Ordnung... dank Deiner verkommenen Tochter!“ fauchte sie.
A.J. sah, wie sie zitterte. Er packte sie kurzentschlossen bei den Schultern und zwang sie sich zu setzen.  
„Was ist los, Olivia? Wo ist Jade?“ fragte er so ruhig wie möglich und sah sie eindringlich an. Das war der Moment, wo es um ihre letzte Beherrschung geschehen war. Sie brach in Tränen aus und sank schluchzend an seine Schulter.
„Dieses Miststück... sie ist schon lange hinter Gregory her, und nun...“ sie schniefte und nahm dankbar das Taschentuch an, dass er ihr reichte. „.. nun hat Gregory Wut auf mich, wegen meiner Aussage vor Gericht und sie nutzt anscheinend diese Tatsache schamlos aus...“
A.J. zog die Augenbrauen zusammen.
„Was soll das heißen, sie ist hinter ihm her? Willst Du damit sagen, Jade ist jetzt bei ihm?“
Olivia nickte heftig.
„Ja, sieht so aus.“
„Wo sind sie?“ rief A.J. erbost. Der Umstand, dass seine Tochter, mochte sie nun erwachsen sein oder nicht, allem Anschein nach mit seinem Erzfeind schlief, machte ihn absolut wütend.
„In unserem Ferienhaus in Aspon.“ antwortete Olivia.
A.J. sprang auf.
„Pack ein paar Sachen ein.“ befahl er in entschlossenem Tonfall. „In einer halben Stunde komme ich Dich abholen.“
Verständnislos starrte Olivia zu ihm hoch und zerknüllte nervös das Taschentuch in ihrer Hand.
„Was... um Gottes Willen hast Du denn vor, A.J.?“
„Ich hole meine Sachen und meinen Wagen.“ erwiderte er grimmig. „Und dann fahren wir hinauf in die Berge und werden den beiden in Aspon einen Überraschungsbesuch abstatten!“

Jeany

 

 

Ted sah von seinen Büchern auf und beobachtete Annie. Mit vor Eifer geröteten Wangen saß sie ihm gegenüber und war in einem Buch über das Kalifornische Strafrecht vertieft. Ted dachte an die letzten Tage zurück, in denen er sehr viel Zeit mit Annie zusammen verbracht hat. Seit ihrem Gespräch auf der Klippe war Annie ein wenig offener geworden und als sie bemerkte, dass Ted es wirklich ernst damit meinte, dass er sie als Assistentin und nicht als Sekretärin brauchte, hatte sich Annie regelrecht in die Arbeit gestürzt. Ted gelangte immer mehr zu der Überzeugung, dass Annie einfach nur gefordert und ernst genommen werden wollte.

Je mehr Ted über Annies Vater erfuhr, desto wütender wurde er auf diesen. Anstatt seiner Tochter Zuneigung zu schenken, hat er sie stets nur mit Geld überhäuft. Nie hatte er Annie richtig wahrgenommen. Zweifellos lag Annie die Juristerei, aber als sie damals ihr Studium anfing, hatte ihr Vater, statt sie zu unterstützen und zu zeigen, wie stolz er auf sie war, nur darüber gelächelt und gemeint, Annie solle damit nicht ihre Zeit verschwenden, sondern lieber ihre weiblichen Reize einsetzten, um sich einen geeigneten Ehemann zu suchen. Dies alles hatte Annie Ted in den letzten Tagen anvertraut und Ted wünschte sich, er könne Del Douglas einmal persönlich die Meinung sagen.  
 
Annie spürte Teds Blick und sah auf.

„Ist irgendwas?“

Erschreckt fuhr Ted aus seinen Gedanken.

„Nein, ich habe gerade nur daran gedacht, welch große Hilfe Du mir in den letzten Tagen warst.“

Ein Lächeln überzog Annies Gesicht.

„Es hat mir auch sehr viel Spaß gemacht.“

Ted sah auf seine Uhr.

„Oh, wusstest Du eigentlich, wie spät es schon ist?“

Annie schüttelte Ihren Kopf.

„Nein, ich habe nicht auf die Zeit geachtet.“

Ted stand auf und streckte sich.

„Was hältst Du von einer Pause? Ich könnte ein wenig Bewegung gebrauchen.“

Annie legte Block und Stift beiseite.

„Und was schwebt Dir da so vor?“

„Ein Spaziergang für den Anfang.“ Ted zog sich sein Jackett an. „Außerdem möchte ich Dir noch etwas zeigen.“

Neugierig stand Annie auf.

„Was denn?“

Ted nahm Ihre Hand.

„Abwarten, komm einfach mit.“

Zusammen verließen sie Teds Hotelzimmer.

Meg

 

 

Schweigend schlenderten Ted und Annie eine Weile am Strand entlang, dann plötzlich ergriff Ted Annies Hand erneut und zog sie mit sich.

„Komm, ich wollte Dir doch etwas zeigen.“

Sie verließen die Ocean Avenue und bogen in eine kleine Seitenstrasse ein. Vor einem kleinen Bungalow hielt Ted an und fischte einen Schlüssel aus seiner Jacketttasche. Er lächelte Annie an und schloss dann die Tür auf.

„Ich überlege, ob ich mir dieses Haus kaufen soll.“ Er führte Annie hinein. „Es ist nicht groß, aber für mich würde es reichen.“

Erstaunt sah Annie Ted an.

„Ich wusste ja gar nicht, dass Du auf Haussuche bist.“

„Nun, da ich vorhabe hier in Sunset Beach zu bleiben, denke ich, dass ich ein Platz zum wohnen brauche. Ich kann schließlich nicht auf immer und ewig im Sunset Inn bleiben.“

Annie grinste.

„Knöpft Dir Dein Bruder zu viel Geld dort ab?“

Ted lachte.

„Nein, Geld ist nicht das Problem, aber ich habe gerne meine Privatsphäre und lebe nicht gerne auf Dauer in Hotels.“

„Aber im Hotel hast Du es doch sehr bequem. Zimmerservice und ein gutes Restaurant gibt es dort auch.“

„Das stimmt schon,“ nickte Ted „aber ich bin gerne mein eigener Herr. Außerdem koche ich ab und zu auch mal ganz gerne.“

„Du kannst kochen?“ Annie sah Ted überrascht an. Lachend zog Ted Annie an sich.

„Du kennst noch lange nicht alle meine Geheimnisse.“ Er küsste Annie und zog sie dann mit sich „Komm, ich zeig Dir das Haus. Hier drüben ist gleich das Wohnzimmer.“

Sie betraten den Raum, der bereits möbliert war. An der rechten Wand stand eine offene Schrankwand aus edlem Kirschholz. An der gegenüberliegenden Seite stand eine Sitzgruppe aus weichen, eierschalenfarbenen Nappaleder. Ein passender Couchtisch rundete das Bild ab. Gleich neben der Tür befand sich eine Theke, die die Küche vom Wohnzimmer abtrennte. Ein großes Panoramafenster gab einen tollen Blick auf den Park frei.

„Leider hat das Haus keinen Blick auf den Ozean, wie bei Ben, aber dennoch ist der Ausblick nicht zu verachten.“ Ted führte Annie weiter durch das Haus. „Hier unten ist dann noch ein großes Badezimmer und ein Abstellraum.“ Er führte Annie die Treppe hinauf. „Hier ist dann das Schlafzimmer.“ Er öffnete eine Tür und gab den Blick auf den Raum frei, der in warmen Beigetönen eingerichtet war. Auch dieser Raum war schon komplett, aber geschmackvoll eingerichtet. „Und dann wäre hier oben noch ein Raum, den ich als Büro nutzen kann.“

Annie sah sich auch noch den letzten Raum an.

„Meinst Du nicht, dass das alles ein wenig zu klein ist?“

Ted schüttelte seinen Kopf.

„Nein, ich denke, für mich wäre es gerade groß genug.“ Er lächelte Annie an. „Aber ich habe Dir ja noch nicht alles gezeigt.“ Er führte sie wieder hinunter, durchquerte die Küche mit ihr und öffnete eine Tür, die in die Garage führte. Im hinteren Teil der Garage führte eine kleine Wendeltreppe nach oben. Dort stieg Ted mit Annie hinauf. Er zog einen weiteren Schlüssel aus seiner Hosentasche und öffnete die Tür, vor der sie standen. „Hier über der Garage ist noch ein kleines Zweizimmer- Apartment mit kleiner Kochnische.“ Ted sah Annie an. „Ich dachte, das würde Dir vielleicht gefallen. Jetzt, wo es bei Deiner Tante im Haus ein wenig eng ist und nun auch noch ein Baby unterwegs....“

Annie strahlte Ted an.

„Du meinst, ich soll hier einziehen?“

Ted nickte.

„Ich dachte, es wäre vielleicht ganz nett. So hat jeder sein eigenes Reich und wäre dort für sich.“ Annie nickte.

„Du weißt gar nicht, wie viel mir das bedeutet. Als Kind hat mich Daddy immer von einem Internat ins andere geschickt und nie hatte ich dort ein Zimmer für mich alleine. Seit ich hier in Sunset Beach lebe, wohne ich bei Tante Bette. Ich hatte noch nie ein Apartment nur für mich.“

„Dann ist es also abgemacht?“

Annie nickte.

“Gut,“ lächelte Ted „dann lass uns das feiern gehen.“

Gut gelaunt verließen sie den Bungalow.

Meg

 

 

Schweigend starrte Olivia geradeaus auf den dunklen Asphalt, der sich wie eine glänzende Schlange seinen Weg durchs Gebirge bahnte.
A.J. steuerte den Wagen mit sicherer Hand die kurvenreiche schmale Strasse entlang.  
Während der fast dreistündigen Fahrt hinauf in die Berge hatten sie kaum gesprochen, jeder von ihnen hing seinen Gedanken nach.
Olivia war unglaublich wütend und frustriert darüber, dass Gregory sich anscheinend mit Jade eingelassen hatte, ausgerechnet mit diesem gerissenen, geldgierigen Luder. Schon die ganze Zeit über hatte A.J.s Tochter versucht, ihn in ihr Bett zu locken, aber Olivia hätte nie geglaubt, dass Gregory dumm genug war, um auf sie hereinzufallen! Während sie sich zu Hause das Hirn zermartert hatte, wo er sein könnte, vergnügte er sich allem Anschein nach mit Jade hier in ihrem gemeinsamen Ferienhaus, an dem so viele schöne Erinnerungen hingen... Oder hatte A.J.s Tochter gelogen? Nein, sie war in Aspon, wie sonst hätte sie mit ihr telefonieren können!
Olivia biß sich auf die Lippen. Sie wollte Gewissheit haben, heute, ein für allemal.
 
Kurz bevor sie das Haus erreichten, bat Olivia A.J., anzuhalten.
„Laß mich zuerst hineingehen. Falls sich das Ganze als Irrtum herausstellt, möchte ich nicht, dass Gregory Dich hier sieht.“  
A.J. lachte.
„Aber vielleicht möchte ich Gregory sehen! Schließlich habe ich noch eine Rechnung mit ihm offen!“
Olivia verdrehte genervt die Augen.
„Bitte... mir zuliebe!“
„Na gut, geh hinein, aber falls Jade wirklich bei ihm ist, möchte ich, dass Du die Ruhe bewahrst.“ meinte er streng. „Meine Tochter bedeutet mir einiges, und ich möchte nicht, dass die beiden Frauen, die ich liebe, sich gegenseitig die Augen auskratzen!“
Olivia starrte ihn sekundenlang erstaunt an.  
„Er liebt mich!“ dachte sie eigenartig berührt. „Trotz allem, was geschehen ist, liebt er mich immer noch!“  
Doch dann gewann die Wut über ihren treulosen Ehemann die Oberhand, und sie drehte sich um und lief zum Haus hinüber, während sie ihren Schlüssel aus ihrer Tasche kramte.
 
A.J. lehnte mit verschränkten Armen an seinem Wagen und beobachtete mit wachsender Unruhe, wie Olivia die Tür aufschloss und ins Haus ging.

Jeany

 

 

Olivias Timing war perfekt.
Gregory saß im Bett, in der Hand das Whiskyglas und starrte sie aus trüben Augen an.
„Olivia...“ lallte er mit schwerer Zunge. Im selben Augenblick trat Jade im durchsichtigen Morgenmantel aus dem Nebenzimmer, ein Tablett mit zwei Tellern in den Händen.
„Ich hab uns etwas zu essen gemacht, Liebling, schließlich können wir ja nicht nur von der Liebe leben!“ rief sie fröhlich. Als sie Olivia in der Tür stehen sah, blieb sie erschrocken stehen, doch Sekunden später zog ein spöttisches Lächeln über ihr Gesicht.
„Olivia... na wenn das keine Überraschung ist!“ sagte sie zuckersüß und stellte das Tablett ab.  
„Was führt Sie denn hierher? Sie sind doch nicht etwa selbst gefahren?“
„Halten Sie den Mund, wenn Sie wissen, was gut für Sie ist!“ fauchte Olivia und trat näher zum Bett, keinen Blick von ihrem Ehemann lassend, der sie unablässig anstarrte, als sähe er einen Geist. Er sah erbärmlich aus, mit wirrem Haar, unrasiert und betrunken...
„Mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass Du so tief sinken kannst, Gregory!“ sagte sie angewidert. „Die erste kleine Meinungsverschiedenheit ist es Dir wert, einfach zu verschwinden, während ich vor Sorge um Dich fast wahnsinnig geworden wäre! Aber stattdessen amüsierst Du dich hier mit dieser...“ sie wies auf Jade, schluckte jedoch das Wort, dass sie hatte sagen wollen, mühsam hinunter und schüttelte nur verständnislos den Kopf. „Sie könnte Deine Tochter sein, Gregory!“
Jade beobachtete die Szene scheinbar ungerührt. Abwartend verschränkte sie die Arme vor der Brust und sah amüsiert von einem zum anderen.
Gregory nahm einen Schluck aus seinem Glas und richtete sich dann auf.
„Hör auf mit dem Theater, Olivia!“ rief er aufgebracht. „Du bist doch selber schuld an allem, Du hast mich zum Narren gemacht vor der ganzen Stadt... meine Autorität als Anwalt untergraben, meine Ehrlichkeit in Frage gestellt...“
„Ehrlichkeit?“ erklang A.J.s Stimme von der Tür her. „Wo haben Sie denn dieses Fremdwort her, Richards?“

Jeany

 

 

„Deschanel...“ Gregory riß die Augen auf, als sähe er einen Geist.
„Daddy...“ rief Jade und das Grinsen verschwand augenblicklich aus ihrem Gesicht.
„Zieh Dich an!“ befahl A.J seiner Tochter in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete. „Und dann warte draußen im Wagen auf mich!“
Jade drehte sich wortlos um, raffte ihre Sachen zusammen und verschwand im Badezimmer.
„Und nun zu Ihnen, Richards...“ A.J. trat einen Schritt näher. Olivia griff nach seinem Arm, um zu verhindern, dass er etwas Unüberlegtes tat, doch er nickte ihr beruhigend zu.
„Keine Angst, Olivia, ich werde mir an ihm nicht die Hände schmutzig machen. Vorerst nicht..."  
Gregory lachte.
„Der Witz war gut. Ihre Hände sind schmutzig, Deschanel, Sie haben gestohlen, betrogen, Leute entführt und sogar gemordet...“
A.J. nickte.
„Genau wie Sie! Anscheinend sind wir uns ähnlicher, als wir uns jemals eingestehen werden. Aber Ihr letztes kleines Mordkomplott hat nicht ganz funktioniert, Sie sollten Ihr Geld zurückverlangen, denn Ihre Killer waren nicht sehr gründlich!“
Gregory schlang sich mit einer schnellen Bewegung das Laken um die Hüften und stand auf. Er schwankte leicht, als er auf A.J. zutrat.
„Ich bin noch nicht mit Ihnen fertig, Deschanel!“ zischte er voller Haß.
A.J. maß ihn mit verachtendem Blick.
„Doch... Sie sind fertig, fix und fertig, sehen Sie sich nur an! Betrunken, nackt und bloßgestellt. Fehlt nur noch eins...“
„Und das wäre?“ fragte Gregory provozierend.  
A.J. warf einen kurzen Blick auf Olivia.  
Mit den Worten „Verzeih mir, meine Liebe, aber das muß sein!“ holte er aus und versetzte Gregory einen Faustschlag mitten ins Gesicht.  
Olivia schrie erschrocken auf, während Gregory zurück aufs Bett geschleudert wurde, wo er ächzend liegenblieb.
„Das war erst einmal dafür, dass Sie Ihre Finger nicht von meiner Tochter lassen konnten!“ knurrte A.J.
„Alles andere werden wir bereinigen, wenn Sie irgendwann wieder bei klarem Verstand sind!“
Er packte Jade, die soeben aus dem Bad trat, am Arm. „Komm, lass uns gehen.“ An der Tür drehte er sich noch einmal um.
„Olivia, wir warten draußen, falls Du mit uns zurückfahren möchtest!“
Sie nickte nur kurz, den Blick auf Gregory geheftet, der wie ein Häufchen Elend auf dem Bett kauerte.
„Hilf mir, Olivia!“ ächzte er und streckte ihr die Hand entgegen, als die Tür hinter A.J. und seiner Tochter ins Schloss gefallen war.
„Ja, ich helfe Dir.“ sagte sie mit monotoner Stimme und zog mißbilligend eine Augenbraue leicht in die Höhe. „Ich helfe Dir, Deinen Ruf als ehrlicher und unumstrittener Anwalt wieder herzustellen, um den ich Dich auf so schändliche Weise gebracht habe. Du solltest Dich freuen, mein Lieber, denn Du bist mich bald los. Ich lasse mich von Dir scheiden!“

Jeany

 

 

Überrascht drehte Meg sich um, als sie jemanden ihren Namen rufen hörte.
„Vanessa!“ rief sie erstaunt. „Was tust Du denn hier?“
„Ich hatte noch einen Termin für weitere Interviews“ erwiderte Vanessa Hart. „Und als ich eben fertig war, sah ich, dass hier gerade zusammengepackt wird, und da wollte ich Dich fragen, ob Du vielleicht mit mir nach Sunset Beach zurückfahren willst!“ Sie zog neugierig die Augenbrauen hoch. „Sag mal, war das eben Jake Williams, der da neben Dir stand und Dich geküßt hat?“
Meg verdrehte lachend die Augen.
„Das war nur Spass, obwohl...“ sie zögerte, und Vanessa sah sie fragend an.
„Obwohl.. was?“
„Na ja“ meinte Meg leise, „Ich hab ihm schon mehrmals gesagt, er soll das lassen, obwohl ich mir eigentlich sicher bin, dass es nichts zu bedeuten hat, aber andere könnten es missverstehen, so wie Du eben.“
„Oder Ben!“ ergänzte Vanessa. Meg warf ihr einen erstaunten Blick zu.
„Wie kommst Du auf Ben?“
„Na ja, ich hätte vorhin schwören können, dass ich seinen schwarzen Mercedes auf dem Gelände gesehen hätte, aber...“ sie sah sich suchend um und zuckte die Schultern, „anscheinend hab ich mich geirrt.“
„Ganz sicher hast Du das.“ erwiderte Meg. „Ich glaube nicht, dass er mich heute hier abholen würde. Er hatte irgendwo ein Meeting, da wird es meistens später. Ich werde mich wohl bis heute abend gedulden müssen.“
Vanessa lachte.
„Warum soll es Dir besser gehen als mir? Michael hat auch Spätschicht.“ Sie sah auf die Uhr. „Dann hätten wir beide sogar noch Zeit, irgendwo einen Cappuccino zu trinken. Und dann fahren wir gemütlich nach Hause, einverstanden?“
Meg hakte sich gut gelaunt bei ihrer Freundin ein.
„Eine super Idee. Laß uns gehen!“

Jeany

 

 

Als Ben etwas später auf die Küstenstrasse abbog, die nach Sunset Beach zurückführte, war sein erster Frust bereits wieder verflogen, und er begann sich zu ärgern, dass er so spontan und unüberlegt reagiert hatte und einfach weggefahren war, nachdem er Meg mit diesem Schauspieler zusammen gesehen hatte. Was war denn schon schlimmes passiert?  
Wie auch immer, der Typ wirkte sehr vertraut mit ihr, zu vertraut für Bens Geschmack. Und er hatte sie geküßt... na gut, auf die Wange, aber immerhin...  
Ben schüttelte ärgerlich den Kopf.
Meg liebte ihn über alles, da war er sich ganz sicher, und er vertraute ihr auch, sonst hätte er von Anfang an versucht, dieser Filmerei einen Riegel vorzuschieben, aber diese übertriebenen und erfunden Zeitungsschlagzeilen nervten ihn, und er konnte eine gewisse Eifersucht nicht verleugnen, obwohl er sich im Grunde seines Herzens dafür schämte.  
Und er hätte vorhin schwören können, dass dieser Filmheini ihn gesehen und genau gewußt hatte, wer er war, und dass er diese kleine Szene zwischen ihm und Meg eigens für ihn inszenierte, um ihn zu ärgern... Nun, wenn Jake Williams das wirklich beabsichtigt hatte, dann war ihm das gelungen, zumindest diesmal...  
Er lachte bitter.  
„Tja, Ben Evans, Du bist darauf hereingefallen, wie ein dummer Anfänger!“ schalt er sich selbst. „Aber aus Schaden wird man klug!“  
Er trat das Gaspedal durch und beeilte sich, um schnell nach Hause zu kommen. Er würde diesen missglückten Nachmittag wieder gutmachen, indem er für sich und Meg einen romantischen Abend plante, der ihr bestimmt gefiel und den sie sich beide verdient hatten.

Jeany

 

 

Als Meg nach Hause kam, schien niemand da zu sein.
„Bestimmt muß Ben noch arbeiten.“ dachte sie ein wenig enttäuscht. „Sicher dauert das Geschäftsmeeting länger, als er angenommen hat.“
Sie überlegte kurz und entschied sich dann, zum Surf Center hinüberzugehen. Schließlich wollte sie Gabi schon lange einen Besuch abstatten, denn seit ihrem Gespräch am Strand vor ein paar Wochen hatte sie die Freundin noch nicht wieder gesehen. Es tat ihr unendlich leid, Gabi so vernachlässigt zu haben, zumal sie wußte, dass diese seit geraumer Zeit einige private Probleme zu haben schien. Außerdem hatte sie sich überlegt, sie zu bitten, ihr an ihrem bevorstehenden Hochzeitstag als Brautjungfer zur Seite zu stehen. Schließlich kamen sie beide aus der gleichen Heimatstadt im fernen Kansas, wo sie ihre Kindheit und einen Teil ihrer Jugend gemeinsam verbracht hatten, und wäre Gabi damals nicht gewesen, wer weiß, ob Meg jemals den Mann ihrer Träume kennengelernt hätte.
Sie lächelte versonnen und dachte einen Augenblick lang zurück an jenen ersten Nachmittag, als sie hier in Sunset Beach angekommen war. Anstatt gleich zu ihrer Freundin, die ihre Ankunft ungeduldig erwartete, in die Klinik zu gehen, hatte sie am Strand gesessen und fasziniert die untergehende Sonne betrachtet, dieses unvergleichliche Farbenspiel zwischen Himmel und Meer, das es in dieser Vollendung nur hier zu geben schien, am Strand des Sonnenunterganges...
Wie viel war seitdem geschehen! Sie würde heiraten, den Mann, den sie von ganzem Herzen liebte, und bald würde sie Misses Ben Evans sein!  
Ein unbeschreibliches Glücksgefühl durchströmte sie. Ja, es passte einfach alles. Ihr Leben an Bens Seite würde perfekt sein, jeder Tag einzigartig und schön...
Beschwingt und gut gelaunt nahm sie ihre Tasche und machte sich auf den Weg zum Surf Center.

Jeany

 

 

Ben hatte alles arrangiert.
Das Boot war startklar, das Abendessen, extra geliefert aus dem Grenadines, stand in der kleinen Kajüte bereit, der Tisch war geschmackvoll gedeckt. Sogar an Kerzen hatte er gedacht. Außerdem war heute Vollmond, und was konnte romantischer sein, als eine Bootsfahrt, die bei Sonnenuntergang beginnen und im matten, geheimnisvollen Glanz des Mondes irgendwann in der Nacht enden würde, und das Ganze mit der Frau, die er liebte...
Noch stand die Sonne eine Handbreit über dem Horizont, aber wenn der glutrote Feuerball später ins Meer tauchte, würde er mit Meg an Bord gehen und hinausfahren. Er wußte ja, wie sehr sie diese märchenhaft romantischen Sonnenuntergänge liebte.
Zufrieden lächelnd ging er heim und schloß die Tür auf.
„Meg... bist Du zu Hause?“ rief er fröhlich. Keine Antwort.  
Zutiefst enttäuscht mußte er feststellen, dass sie noch nicht da war. Beunruhigt sah er auf die Uhr. Die Dreharbeiten waren doch bereits vor Stunden beendet gewesen!
Nachdenklich trat Ben auf die Veranda hinaus.
Wo blieb sie nur? Hatte der Wagen, der sie nach Hause bringen sollte, vielleicht eine Panne? Oder war sie von irgendwem aufgehalten worden? Wenn ja, dann interessierte ihn brennend, von wem... Vor seinem geistigen Auge erschien wieder jene Szene, wie Meg mit diesem Schauspieler vor dem Wohnwagen stand, wie er ihr zärtlich übers Gesicht strich und sie anschließend auf die Wange küßte... war sie jetzt vielleicht bei ihm?
Ben wehrte sich energisch gegen diesen Gedanken, und doch vermochte er nicht zu verhindern, dass sich eine gewisse quälende Unruhe in seinem Inneren ausbreitete und die Vorfreude auf die geplante Bootsfahrt langsam zu verdrängen drohte. Dazu kam der Ärger über sich selbst und die Tatsache, dass er vorhin in L.A. einfach die Flucht ergriffen und davongefahren war.
Gedankenversunken starrte er hinaus auf die sanfte Brandung. Welle um Welle rollte ans Ufer, ein Spiel, das sich unaufhörlich wiederholte.
Würde sich der Alptraum von damals auch wiederholen? Holte ihn die Vergangenheit, gegen die er so lange vergeblich gekämpft hatte, nun doch wieder ein?
Oh, er hatte Maria geliebt, von ganzem Herzen, und sein Vertrauen in sie war unerschütterlich gewesen, Eifersucht hatte es für ihn nie gegeben, bis zu jenem Tag...  
Ben richtete sich auf. Nein, er wollte jetzt nicht darüber nachdenken, nie mehr...
Er strich sich deprimiert über die Stirn und schloß für einen Moment die Augen, als sich plötzlich von hinten ganz sanft und zärtlich zwei Arme um seine Schultern legten...
 Jeany

 

 

Erstaunt drehte er sich um und sah in Megs schöne blaue Augen.
„Ben!“ sagte sie mit einem strahlenden Lächeln, dass ihn bis ins Innerste berührte. „Endlich bist Du da! Das Meeting hat aber lange gedauert!“
„Welches...“ begann Ben irritiert, doch Meg ließ ihn gar nicht zu Wort kommen, sondern verschloß seine Lippen mit einem zärtlichen Kuß, den er trotz aller trüben Gedanken, die ihn bis dahin beschäftigt hatten, sofort erwiderte. Er hielt sie in seinen Armen und konnte den Blick gar nicht von ihr lösen. Sie sah so glücklich aus...
„Wo warst Du denn die ganze Zeit über, ich dachte...“ begann er zögernd, doch auch diesmal kam er nicht zu Wort.
„Wir waren heute schon ganz zeitig fertig mit den Dreharbeiten“ sprudelte Meg los, „und stell Dir vor, dann stand plötzlich Vanessa da, sie hatte ein Interview am Set, und weil ich wußte, dass Du heute etwas später zurück sein würdest, haben wir zusammen noch einen Cappuccino getrunken. Dann sind wir nach Hause gefahren. Es war viel lustiger, mit Vanessa zu fahren, als mit diesem langweiligen Chauffeur, der die ganze Zeit über schweigt wie ein Grab...“ Sie lachte und vertrieb damit, ohne es zu ahnen, auch den letzten Rest von Bens schlechter Laune.
„Aber weil Du noch nicht zu Hause warst, als ich hier ankam, habe ich mir überlegt, ich könnte noch schnell zu Gabi ins Surf Center rübergehen. Du weißt doch, ich wollte sie fragen, ob sie meine Brautjungfer sein möchte!“
Ben lächelte.
„Ja, ich weiß. Und... klappt es?“
Meg nickte.
„Sie hat sich wahnsinnig gefreut, und weil wir uns so lange nicht gesehen hatten, haben wir uns noch ziemlich festgequatscht... ich hoffe, Du bist mir nicht böse, dass es später geworden ist!“
Ben sah sie an und streichelte ihr zärtlich über die Wange.
„Böse? Ich glaube, ich könnte Dir niemals böse sein, Liebling!“ sagte er leise. „Mir tut es nur um jeden Augenblick leid, den ich nicht gemeinsam mit Dir verbringen kann.“
Meg kuschelte sich in seinen Arm.
„Mir geht es genauso. Aber die Dreharbeiten sind bald abgeschlossen, und dann bin ich wieder den ganzen Tag in Deiner Nähe.“
„Ja, ich kann es kaum erwarten.“ erwiderte Ben. „Und damit uns die Zeit bis dahin nicht zu lang wird, habe ich eine Idee.“
„Und welche?“ fragte Meg gespannt. Ben nahm ihre Hand und lächelte geheimnisvoll.  
„Komm mit, aber wir müssen uns beeilen, sonst verpassen wir das Beste!“
Hand in Hand liefen sie hinunter zum Strand. Meg warf Ben einen neugierigen Blick zu, als sie zur Bootsanlegestelle abbogen.
„Wollen wir nicht lieber zum Pier hinübergehen? Die Sonne geht gerade unter, und ich...“
„Nein...“ lachte Ben, „wir gehen nicht zum Pier. Ich dachte mir, eben weil Du die Sonnenuntergänge hier in Sunset Beach so liebst, genießen wir diesen heute etwas länger, indem wir ihm einfach hinterherfahren!“
Inzwischen waren sie am Bootssteg angekommen.
„Hinterherfahren?“ wiederholte Meg und zog irritiert die Augenbrauen zusammen, doch dann verstand sie. „Ben! Wir fahren mit Deinem Boot hinaus?“ rief sie begeistert.
Er nickte und wies auf die kleine Jacht, die dort leicht schaukelnd vor Anker lag.
„Darf ich bitten?“
„Nichts lieber als das!“ lachte Meg und ließ sich von ihm an Bord helfen.
Kurz darauf legten sie ab und tauchten ein in die vom Schein der untergehenden Sonne gefärbten Wellen, die den Bug des Bootes wie flüssig gewordenes Gold umspielten.
 Jeany