Der Strand der untergehenden Sonne  Teil 13

 

 

Am nächsten Tag arbeitete das Spelling- Filmteam wieder am Strand. Außenaufnahmen erfreuten sich bei den Zuschauern und Fans gleichermaßen großer Beliebtheit, und auch den meisten Darstellern gefiel es recht gut, draußen an der frischen Luft zu drehen.
Meg hatte an diesem Tag nur einen kleinen Part zu spielen, die meisten Szenen drehte Jake mit Cynthia Miles, jener rassigen Südstaatenschönheit, die sich auch privat große Chancen auf Jake ausrechnete und deshalb Meg nicht leiden mochte, da sie in ihren Augen eine zu große Konkurrenz darstellte. Dementsprechend ungehalten reagierte sie, als Jake plötzlich eine Szene abbrach und um eine kleine Pause bat. Er hatte Meg bemerkt, deren Arbeit für heute bereits beendet war. Sie ging zu ihrem Wohnwagen hinüber um sich dort umzuziehen und abzuschminken. Wie zufällig gesellte er sich zu ihr, während Cynthia ihm wütend nachschaute und ihrer vermeintlichen Rivalin mindestens die Pest an den Hals wünschte.
„Na, schon fertig?“ fragte er beiläufig.
Meg nickte.
„Ja, zum Glück. So bin ich heute mal etwas früher zu Hause.“  
Jake fiel auf, dass sie sich des öfteren suchend umsah.
„Erwartest Du jemanden?“ erkundigte er sich neugierig.
„Ben wollte mich eventuell heute abholen.“ erwiderte Meg. „Ich hoffe, er findet sich zurecht, denn er war noch nie hier. Ich habe der Security extra bescheid gegeben, damit sie ihn auch durchlassen.“
Jake stutzte.
Wie war das? Ben war angeblich noch nie hier? Wie passte das denn jetzt zusammen?
Und für wen hatte er dann gestern diese kleine Szene gespielt?
Plötzlich zog ein zufriedenes Lächeln über sein Gesicht.
Ach so... er hatte Megs Zukünftigen mit seiner Inszenierung in die Flucht geschlagen! Na, wenn das kein voller Erfolg war! Triumphierend sah er sich um und hatte es mit einem Mal sehr eilig. Er verabschiedete sich von Meg und ging schnellen Schrittes davon.

Jeany

 

 

Die Damen und Herren von der Presse, die wie jeden Tag den Set belagerten, konnten ihr Glück kaum fassen. Jake Williams, der große Star, strahlend und bester Laune, kam höchstpersönlich auf sie zu und zeigte sich bereit, ihnen ein Interview zu gewähren!
Sofort begannen sie, ihn mit den verschiedendsten Fragen zu überschütten. Scheinbar geduldig, kurz und präzise antwortete er. Das seine Blicke immer öfter hinüber zum Security- Eingang wanderten, fiel niemandem auf, alle hingen wie gebannt an seinen Lippen und waren fasziniert von der überaus sympathischen Art, die er an den Tag legte.
„Und wie sieht es privat bei Ihnen aus, Mr. Williams?“ wollte eine besonders neugierige Reporterin wissen. „Die Fans interessiert brennend, ob es eine neue Frau in Ihrem Leben gibt.“
Zu jeder anderen Zeit hatte Jake auf Fragen solcher Art äußerst distanziert, ja sogar abweisend reagiert, doch diesmal lächelte er geheimnisvoll.
„Ja, es gibt in der Tat jemanden.“ erklärte er, was natürlich sofort eine weitere Flut von Fragen auslöste.
In diesem Moment sah Jake den kleinen schwarzen Sportwagen mit dem ihm schon bekannten Kennzeichen auf das Gelände der Spelling- Entertainment einbiegen.
„Ist etwas dran an den Gerüchten, dass Ihr neuer Gaststar Meg Cummings diese Frau ist?“ drang eine weitere Frage an sein Ohr.
„Meg ist eine außergewöhnlich hübsche und sehr talentierte junge Dame.“ Antwortete er bedeutungsvoll, während die Journalisten eifrig auf ihre Notizblöcke kritzelten. „Ich schätze sie wirklich sehr!“
„Sie geben also zu, dass Sie ein Verhältnis mit Miss Cummings haben?“
Der Satz schlug ein wie eine Bombe. Sofort erstarb der Tumult um Jake Williams herum. Alle schienen die Luft anzuhalten, um sich ja keine Silbe einer eventuellen Antwort auf diese mehr als brisante  und indiskrete Frage entgehen zu lassen.
Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte Jake, wie Meg den Wohnwagen verließ und auf Ben zulief, der eben aus dem Wagen stieg.
„Tja, was soll ich sagen... man weiß schließlich nie, ob es einer Dame recht ist, wenn man über ihr Privatleben spricht.“ Mit einem undefinierbaren Lächeln deutete Jake in Megs Richtung. „Aber warum fragen Sie Miss Cummings nicht selber, dort drüben ist sie gerade.“

Jeany

 

 

Schon den ganzen Tag über hatte Meg sich darauf gefreut, dass Ben sie abholen würde.
Der gestrige Abend war traumhaft schön gewesen.
Sie hatten beide Arm in Arm an Deck gestanden und waren auf Bens kleiner Yacht in den Sonnenuntergang gesegelt. Dann hatten sie gemütlich zu Abend gegessen und sich schließlich im silbernen Licht des Mondes leidenschaftlich geliebt, getragen von den sanft schaukelnden Wellen, die ihnen das Gefühl gaben, allein und schwerelos durch Raum und Zeit dahinzugleiten, hinein in eine endlose Weite irgendwo zwischen Himmel und Meer...
 
Ben stieg aus dem Wagen, als Meg auf ihn zugelaufen kam, doch bevor er sie begrüßen konnte, sahen sie sich beide plötzlich von einer Schar sensationslustiger, lärmender Reporter umringt. Fragen wie „Miss Cummings, haben Sie ein Verhältnis mit Jake Williams?“, „Was ist das für ein Gefühl, einen so tollen und berühmten Mann an Ihrer Seite zu haben?“, „Seit wann genau sind Sie und Jake ein Liebespaar?“ oder „Was ist wahr an den Gerüchten, dass sie heiraten werden?“ drangen an ihr Ohr und machten sie sprachlos, während Ben rücksichtslos beiseite gedrängt wurde.
Meg stand wie erstarrt und konnte nicht glauben, was sie da hörte.
Ben brauchte nur einen winzigen Augenblick um sich zu fassen. Kommentare auf diese geschmacklosen Anfragen waren hier völlig überflüssig. Geistesgegenwärtig griff er nach Megs Hand.
„Schnell, steig ein!“ rief er und zog sie zum Wagen, während er ihr mit der anderen Hand versuchte, ihr die Tür freizuhalten. Mit einiger Mühe gelang es ihnen beiden schließlich, der sensationslüsternen Menge zu entkommen. Mit aufheulendem Motor fuhr Ben den Wagen vom Gelände.
 
Jake Williams hatte die Szene mit wachsendem Vergnügen beobachtet.
„Das gibt bestimmt ein bisschen Ärger im Paradies, meine Kleine.“ murmelte er schadenfroh.  
„Falls Dich das freuen sollte, so muß ich Dir sagen, nimm Dich in acht, mein Lieber.“ hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich. Er fuhr erschrocken herum und sah in die stahlgrauen Augen seines Bosses. Aaron Spelling musterte ihn streng. „Ich werde nicht dulden, das Du Deine miesen Spielchen mit ihr spielst. Das Mädchen hat Charakter und das imponiert mir. Vielleicht könntest Du Dich zur Abwechslung auf Deine Arbeit konzentrieren und akzeptieren, wenn Eine mal nicht in Dein Bett will!“
Jake grinste und hob abwehrend die Hände.
„Okay okay, schon gut, ich hab ja verstanden. Aber versuchen kann man es doch mal!“

Jeany

 

 

Das Wochenende war gekommen, und Sara und Derek machten sich auf nach L.A. Sara war erleichtert, als Derek sie vor der Boutique nur aussteigen ließ und dann gleich weiterfuhr. Zögernd betrat sie den Brautladen. Eine mollige Dame mittleren Alters kam gleich auf sie zu und musterte sie interessiert, bevor sie Sara ihre beringte Hand entgegenstreckte.

"Ich bin Gloria Pendleton," stellte sie sich vor, während sie Sara freundlich anlächelte.

"Sara Cummings," sagte Sara schüchtern und streckte ihr ebenfalls die Hand entgegen. "Wir haben telefoniert," fügte sie hinzu. Mrs. Pendleton lächelte wieder.

"Ich bin noch nicht so verkalkt, als das ich mich daran nicht erinnern könnte," sagte sie scherzhaft. Sara spürte, wie sie rot wurde. Sie wusste nicht warum, aber diese matronenhafte Boutiquenbesitzerin ließ sie sich wie ein Schulmädchen fühlen. Tatsächlich schien auch Mrs. Pendleton ähnliche Gefühle zu haben.

"Sie sind noch sehr jung," stellte sie nach einer weiteren kritischen Musterung fest. Sara reckte kämpferisch das Kinn.

"Fast 20!" entfuhr es ihr. Mrs. Pendleton sah sie schmunzelnd an.

"Sie müssen sich doch nicht rechtfertigen," sagte sie. "Meine Tochter ist in etwa in Ihrem Alter," sagte sie fröhlich. Sara sah die Boutiquenbesitzerin überrascht an.

"Ach ja? Aber wahrscheinlich ist sie weder schwanger noch verheiratet, oder?" platzte sie heraus. Mrs. Pendleton konnte sich ein Lachen nicht mehr verkneifen.

"Nein, sie ist nicht schwanger - sie hat mich bereits zur Großmutter gemacht. Mein Enkelsohn ist 7 Monate alt." Sara hob erstaunt den Kopf.

"Oh!" war alles, was sie herausbrachte. Mrs. Pendleton lächelte.

"Das muß Ihnen jetzt nicht peinlich sein. Ich wollte damit auch nur sagen, daß ich Erfahrung damit habe, schwangere Bräute einzukleiden." Sie bekam einen melancholischen Gesichtsausdruck. "Vor ziemlich genau einem Jahr trat meine Tochter vor den Traualtar, und sie war eine so wunderschöne Braut!" Sie riß sich wieder zusammen. "Wir werden auch für Sie das passende Kleid finden," versprach sie, als sie Saras skeptischen Gesichtsausdruck sah.

Zwei Stunden später konnte Sara ihrem Spiegelbild kaum trauen. Mrs. Pendleton hatte wirklich das perfekte Kleid und die dazu passenden Accessoires für sie gefunden. Das bodenlange Brautkleid aus cremefarbenem Satin hatte einen schmalen Schnitt. Nur unterhalb der Brust war es etwas weiter geschnitten, und der weiche Stoff fiel formend aber nicht einengend über Saras Rundungen. Auf dem Kopf trug sie eine Art Diadem aus Blüten und Perlen, und ihre Hände steckten in farblich dazu passenden Handschuhen, die bis zu den Ellenbogen reichten.

Mrs. Pendleton klatschte begeistert in die Hände.

"Einfach perfekt! Das Kleid ist wie für Sie gemacht," stellte sie erfreut fest. Sara nickte, während sie sich vor dem Spiegel hin und her drehte.

"Ja," bestätigte sie. "Es ist einfach ein Traum ..."

Mrs. Pendleton nahm ein paar Nadeln zur Hand und begann den Saum des Kleides hochzustecken. "Vielleicht sollten wir die Länge etwas kürzen," sagte sie, während sie gewissenhaft einige Nadeln positionierte. Danach betrachtete sie zufrieden ihr Werk. "So ist es schon besser."

Sara strich mit beiden Händen über ihren Bauch.

"Meinen Sie, daß mir das Kleid auch noch kurz vor der Trauung passen wird?" fragte sie skeptisch. Mrs. Pendleton sah sie schmunzelnd an.

"Dafür haben wir ja unsere Anproben," beruhigte sie Sara.

Sara sah die Boutiquenbesitzerin lächelnd an.

"Ich nehme es!" brachte sie spontan hervor.

"Fein!" Mrs. Pendleton schien hocherfreut zu sein. "Ich könnte mir auch niemanden denken, dem dieses Kleid besser stehen würde," sagte sie.

Sara lachte.

"Das sagen Sie bestimmt jeder zukünftigen Braut."

Mrs. Pendleton sah sie scheinbar entrüstet an.

"Ich würde es nicht sagen, wenn es nicht so wäre," sagte sie. Sara begann vorsichtig den Haarschmuck abzunehmen.

"Würden Sie mir bitte aus dem Kleid helfen?" bat sie, nachdem sie einen Blick auf die Uhr geworfen hatte. "Ich fürchte, daß mein Verlobter mich gleich abholen kommt, und ich möchte unter allen Umständen vermeiden, daß er mich so sieht!" Mrs. Pendleton nickte.

"Natürlich. Es bringt Unglück, wenn der Bräutigam die Braut in ihrem Hochzeitskleid vor der Trauung sieht."

Sara ging zurück in die Umkleidekabine und Mrs. Pendleton half ihr aus dem Kleid heraus und hängte es danach vorsichtig auf einen Bügel.

"Während Sie sich wieder anziehen, werde ich das Kleid nach hinten bringen," sagte sie und eilte davon. Während Sara in der Umkleidekabine ihre Kleider wieder anzog hörte sie das Geräusch der Türglocke und wenige Augenblicke später eine männliche Stimme, die sich räusperte.

"Hallo? Ist hier jemand?" - Derek war gekommen, um sie abzuholen, und Sara beeilte sich mit dem Anziehen. Freudestrahlend zog sie dann den Vorhang zur Umkleidekabine zurück und ging auf ihn zu.

"Du kommst genau richtig. Ich bin fertig!"

Mona

 

 

Schon seit mehr als zwei Stunden schlenderte Emily nun von Boutique zu Boutique und suchte nach einem passenden Outfit für den Abend. Sam hatte sie gebeten, heute Abend pünktlich um sieben Uhr im Sunset Inn zu erscheinen, und wenn sie wollte, könne sie auch noch jemanden mitbringen. Was Sam vorhatte, wusste Emily nicht so genau, er hatte ihr nur gesagt, dass er für Bette eine Überraschung plane.

Emily seufzte leise. Ihre Mutter hatte wirklich Glück gehabt, einen Mann wie Sam zu treffen, und dass sie nun auch noch schwanger war. Obwohl sie ihre Mutter erst kurze Zeit kannte, war sie überhaupt nicht eifersüchtig. Andere hätten sich erst einmal eine Zeit alleine mit ihrer Mutter gewünscht, aber nicht Emily. Sie hatte sich schon immer eine richtige Familie gewünscht und konnte es kaum erwarten, dass ihr kleines Halbgeschwisterchen das Licht der Welt erblickte. Emily war so in ihren Gedanken vertieft, dass sie gar nicht bemerkte, wie sie von jemanden beobachtet wurde.

„Na, hast Du schon etwas Hübsches gefunden?“ wurde sie von einer Stimme in die Gegenwart zurück geholt. Sie drehte sich um.

„Oh, hallo Cole, wie geht es Dir?“

Cole lächelte, wobei seine beiden Grübchen sichtbar wurden.

„Naja, ganz gut und Dir?“

„Auch gut.“ antwortete Emily. Cole und sie hatten sich schon fast zwei Wochen nicht mehr gesehen, nachdem sie festgestellt hatten, dass Ted und Annies Beziehung sich zu vertiefen schien. Cole nahm Emily das Kleid aus der Hand, dass sie gerade in der Hand hielt.

„Suchst Du etwas bestimmtes?“

Emily zuckte mit den Schultern.

„Ja, irgendwas elegantes für heute Abend. Sam hat uns alle ins Sunset Inn eingeladen. Er plant eine Überraschung für Mom.“

Cole hängte das Kleid kurzentschlossen zurück.

„Kannst Du einen Einkaufsberater gebrauchen?“

Überrascht sah Emily Cole an.

„Traust Du Dir so etwas zu?“

Cole lachte.

„Keine Angst, ich kann mich sogar als eine Art Experte auf diesem Gebiet bezeichnen.“ Er sah, wie Emilys Lächeln von ihrem Gesicht verschwand und fügte schnell hinzu „Meine Schwester Jade hat mich oft genug zum Shoppen mitgeschleppt und wollte dann immer meine Meinung dazu hören.“ Er nahm Emilys Hand. „Komm mit, durch Jade kenne ich die besten Boutiquen hier in Sunset Beach.“ Er führte Emily an der Strandpromenade entlang und blieb mit ihr vor einem fast unscheinbaren Schaufenster stehen. Ohne Cole wäre Emily bestimmt an diesem kleinen Laden vorbeigegangen. Selbstsicher öffnete Cole die Ladentür und zog sie mit sich hinein. „Hi Monica, meine Freundin hier braucht ein schickes Outfit für heute Abend.“ begrüßte er die junge Verkäuferin.

„Hallo Cole, Dich und Jade habe ich ja schon lange nicht mehr gesehen. Wie geht es Deiner Schwester?“

„Ganz gut, denke ich. Sie ist schon seit einiger Zeit verreist.“ antwortete Cole. Dann wandte die junge Frau sich zu Emily.

„Sie suchen also etwas für den Abend?“ Sie musterte Emily kurz. „Größe 36, habe ich recht?“ Emily nickte. Monica ging zu einem Kleiderständer hinüber und griff gezielt nach einem royalblauen Etuikleid. Sie reichte es ihr. „Probieren Sie das mal an.“

Emily nickte, nahm das Kleid und verschwand in eine der zwei Umkleidekabinen. Monica suchte unterdessen noch ein Paar passende Riemchensandaletten heraus und reichte sie Emily in die Kabine. Wenige Minuten später präsentierte sich Emily dem wartendem Cole.

„Wow!“ das war alles was dieser herausbrachte, als er Emily erblickte. Die Farbe des Kleides passte perfekt zu Emilys Augen und Haarfarbe. Der weiche Stoff schmiegte sich sanft um ihren Körper und brachte ihre Figur hervorragend zur Geltung. Der Rock des Kleides endete knapp über ihrem Knie und die hochhackigen Sandaletten brachten ihre schmalen Fesseln und schlanken Beine perfekt zur Geltung.

Monica lächelte zufrieden.

„Für den Abend fehlt nun nur noch eine Kleinigkeit.“ Sie verschwand für einen Augenblick aus Emilys Sichtfeld und erschien kurz darauf mit einem ebenfalls royalblauen Bolerojäckchen, dass mit Pailletten bestickt war. Sie hielt es Emily entgegen.  „Ziehen Sie das mal dazu an.“

Emily zögerte einen Moment, dann aber zog sie das Jäckchen an.

„Nun ist es perfekt.“ Cole klatschte vor Begeisterung in die Hände. Emily drehte sich vor dem Spiegel um sich selbst und betrachtete sich eingehend.

„Ich glaube Du hast recht Cole, das werde ich nehmen.“ Sie ging in die Umkleidekabine zurück und zog sich wieder um. Monica stellte inzwischen die Rechnung aus und zu Emilys Überraschung

fiel diese geringer aus, als sie befürchtet hatte.

„Danke,“ sagte sie, als Monica ihr die glänzende Einkaufstüte reichte. „Ich komme bestimmt noch öfter her.“

„Freut mich, dass ich Ihnen helfen konnte. Viel Spaß mit dem Kleid.“

Zusammen mit Cole verließ Emily den kleinen Laden.

„Cole wie kann ich Dir dafür nur danken?“

Wieder lächelte Cole Emily unwiderstehlich an.

„Wie wäre es, wenn wir mal zusammen ausgehen und Du dieses Kleid trägst?“

Emily überlegte einen Augenblick.

„Gerne, aber warum begleitest Du mich denn nicht einfach heute Abend?“

Cole sah Emily überrascht an.

„Das würde ich sehr gerne tun.“

„Gut, dann treffen wir uns um kurz vor sieben im Sunset Inn. Ich muss jetzt noch zum Frisör.“ verabschiedete sich Emily und ging davon. Cole sah ihr noch einen Augenblick nach, bevor er sich gut gelaunt auf den Weg nach Hause machte.

Meg_Cummings

 

 

Als Meg in einem großen, weichen Badetuch gewickelt aus dem Badezimmer kam, stand Ben vor dem großen Spiegel und versuchte vergebens seine Krawatte zu binden. Er wirkte sehr angespannt. Die ganze Rückfahrt von L. A. nach Sunset Beach, hatte er kaum ein Wort gesagt und war sehr in sich gekehrt.

Meg trat hinter Ben und legte ihre Hände auf Bens.

„Lass mich das machen.“ sagte sie leise. Ben drehte sich abrupt um und trat einen Schritt zur Seite.

„Danke, aber bisher habe ich das noch immer alleine gekonnt.“

Meg seufzte.

„Ben, Du bist doch wohl nicht immer noch sauer über den Vorfall auf dem Set, oder?“

Ärgerlich drehte sich Ben zu Meg um.

„Was würdest Du denn denken, wenn Du mich von der Liberty Corporation abholen willst, von einer Horde wild gewordener Reporter von mir weggedrängt wirst und Du mit anhören müsstest, ob was an den Gerüchten wahr wäre, dass ich mit meinem Geschäftspartner liiert bin und dass wir bald heiraten wollen?“

Meg konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Ben sah sie noch ärgerlicher an.

„Du findest das auch noch lustig, oder?“

Sie trat einen Schritt zu Ben heran.

„Entschuldige bitte, aber erstens ging mir gerade der Gedanke durch den Kopf, dass Du und Gregory ein interessantes Paar abgehen würdet, und dass ich bestimmt sehr stolz auf meinen Verlobten sein würde, da er ja scheinbar ein interessanter und gefragter Mann sein muss, wenn die Presse ihm schon auflauert.“

Ben sah Meg an und konnte seinerseits ein Lächeln nicht länger unterdrücken.

„Ich habe mich wohl sehr albern benommen, oder?“

Meg legte ihre Arme um Bens Nacken.

„Nein, um ehrlich zu sein, bist Du sogar sehr süß und sexy, wenn Du eifersüchtig bist. Aber ich kann Dir versichern, dass Du dazu gar keinen Grund hast. Ich liebe Dich und kann es kaum noch erwarten, Deine Frau zu werden.“

Ben zog Meg ganz fest zu sich heran und küsste sie.

„Kannst Du mir noch einmal verzeihen?“ Meg nickte.

„Aber nur, wenn Du mich noch einmal küsst.“

„Dein Wunsch ist mein Befehl.“ Zärtlich senkte Ben seine Lippen erneut auf Megs. Als sie schließlich atemlos den Kuss unterbrachen, blickte Ben Meg ganz tief in die Augen.

„Ich würde Dir jetzt nur zu gerne zeigen, wie sehr ich Dich liebe, aber dann würden wir zu spät ins Sunset Inn kommen und das würde uns Sam nie verzeihen.“

Meg seufzte.

„Was hat das eigentlich mit dieser geheimnisvollen Einladung auf sich?“

Ben widmete sich wieder seiner Krawatte.

„Tut mir leid, aber ich musste Sam hoch und heilig versprechen, dass ich niemanden davon erzähle. Aber Du wirst es ja bald erfahren, sobald Du angezogen bist und wir im Sunset Inn ankommen.“

„Dann werde ich mich mal beeilen.“ sagte Meg und nahm ihr Kleid vom Bügel. Eine halbe Stunde später verließen Ben und Meg Arm in Arm das Haus.

Meg_Cummings

 

 

Ein wenig nervös zupfte Bette an ihrem neues Seidenkostüm herum. Vor ein paar Tagen war sie zusammen mit Sam einkaufen gewesen, und er hatte sie zu diesem eierschalenfarbenen Kostüm überredet. Heute Abend wollte Sam Bette groß zum Essen ausführen und hatte sie gebeten, das neue Kostüm anzuziehen. Nun saß sie mit Sam auf dem Rücksitz einer großen Limousine und wusste immer noch nicht, wohin die Fahrt gehen sollte. Sam hatte ihr nur versichert, dass es ein ganz besonderer Abend werden würde. Als die Limousine dann aber von dem Sunset Inn anhielt, konnte Bette eine leichte Enttäuschung nicht verbergen. Sam spürte dies und nahm ihre Hand. „Keine Angst meine Schöne, das ist noch nicht die Überraschung, die ich Dir versprochen habe.“ Sam stieg aus und half Bette aus dem Wagen. Galant reichte er ihr seinen Arm und führte sie ins Innere des Hotels. Sam führte Bette auf einen der kleineren Clubräume zu. An dessen Tür hing ein großes Schild mit der Aufschrift: Geschlossene Gesellschaft.  

Sam öffnete die Tür und ließ Bette eintreten. Diese sah sich erstaunt um. Der ganze Raum war mit vielen Kerzen und Bettes Lieblingsblumen, Margeriten, geschmückt. Eine große, festlich gedeckte Tafel stand in der Mitte des Raumes. Einige Leute waren in dem Raum versammelt.

Wie Bette schnell feststellen konnte, war es Emily, Cole, Annie, Ted, Meg, Ben und Antonio. Etwas verwirrt sah Bette Sam an.

„Ich verstehe nicht....was geht hier vor?“

Sam lächelte und führte Bette zu den anderen, dann drehte er sich zu Bette um und räusperte sich.

„Elizabeth  Katzenkazrahi, willst Du mir die Ehre geben und meine Frau werden?“

Bette lächelte und hielt ihre linke Hand hoch, damit Sam ihren Verlobungsring sehen konnte. „Aber Sam, ich habe Dir doch schon längst mein Ja-Wort gegeben, schon vergessen?“

Sam schüttelte seinen Kopf.

„Nein, das habe ich nicht vergessen. Was ich meine ist, willst Du mich hier und jetzt heiraten?“ Mit großen Augen sah Bette Sam an.

„Aber...aber darauf bin ich doch gar nicht vorbereitet.“ stammelte sie. Sam sah sich um.

„Was fehlt denn noch? Deine Tochter und Deine Nichte und unsere besten Freunde sind hier. Pater Antonio hat sich freundlicherweise bereiterklärt die Trauung vorzunehmen.“ Er griff nach Bettes Hand. „Und das wichtigste, wir beide sind hier. Ich liebe Dich und möchte, dass Du so schnell wie nur möglich meine Frau bist.“

Bette lächelte.

„Wie könnte ich da jetzt noch nein sagen. Ja, Samuel Peterson, ich will Dich heiraten.“

Die umstehenden Gäste brauchen in lauten Jubel und Applaus aus.

Meg_Cummings

 

 

Als sich der Jubel ein wenig gelöst hatte, trat Pater Antonio vor.

„Sollen wir dann beginnen?“ fragte er. Bette und Sam sahen sich an und nickten dann beide. Bette und Sam stellten sich vor Pater Antonio und die anderen stellten sich hinter das Brautpaar. Schnell hatte Emily ihrer Mutter noch einen Brautstrauß gereicht, den Bette ein wenig nervös in ihren Händen hielt.

„Wir haben uns heute hier versammelt,“ begann Pater Antonio mit der Zeremonie „um diese Frau und diesen Mann in den heiligen Bund der Ehe zu vermeiden. Wenn irgendjemand etwas gegen diese Verbindung einzuwenden hat, dann soll er jetzt sprechen oder für immer schweigen.“ Antonio machte eine kleine Pause und fuhr dann fort. „Sam hat mir vorher gesagt, dass er das Ehegelöbnis  gerne selber sprechen möchte.“

Sam drehte sich zu Bette und drückte sanft ihre Hand. „Als ich vor ein paar Monaten nach Sunset Beach kam, um Ben zu helfen, wusste ich nicht, was mich hier erwarten würde. Ich habe immer ein unruhiges Leben geführt und nie den Wunsch verspürt mich irgendwo nieder zu lassen, bis ich Dir begegnet bin. Bette, als ich Dich das erste mal sah, wusste ich sofort, dass Du mein ganzes Leben verändern würdest. Zum ersten Mal in meinem Leben begann ich mich nach einem richtigen Zuhause zu sehnen. Und ich weiß, dass ich es hier bei Dir in Sunset Beach gefunden habe. Du hast mir all das gegeben, wovon ich zuvor nicht zu träumen gewagt habe. Die Liebe einer wunderschönen Frau, eine erwachsene Stieftochter und nicht zuletzt machst Du mich in ein paar Monaten zum Vater. Bette, ich liebe Dich und möchte für den Rest meines Lebens mit Dir zusammen bleiben.“

Verlegen wischte sich Bette eine Träne von der Wange. Pater Antonio sah sie an.

„Ich weiß, dass das ganze hier heute ein wenig überraschend für Sie kam, aber möchten Sie vielleicht dennoch ein paar Worte sagen?“

Bette nickte und wandte sich dann wieder Sam zu.

„Nun, wie Pater Antonio schon sagte, das ganz hier ist für mich ein wenig überraschend, aber dennoch will ich versuchen, meine Gefühle in Worte zu fassen. Du weißt, ich bin nicht so unerfahren, was die Ehe betrifft, wie Du, aber eins weiß ich ganz genau, für meinen keiner vorherigen Ehemänner habe ich soviel Liebe und Zärtlichkeit empfunden wie für Dich. Eigentlich hatte ich es schon aufgegeben, nach dem Mann meiner Träume zu suchen, bis....ja bis Du bei uns ins Büro der Liberty Corporation geplatzt bist und mein Leben gründlich verändert hat. Sam, Du hast mir die Kraft und den Mut gegeben, um nach meiner Tochter zu suchen. Und nicht nur das, Du hast mich tatkräftig dabei unterstützt, Sie von ihrem Vater wegzuholen. Ich weiß, dass Du Emily inzwischen wie eine eigene Tochter liebst und ich kann es gar nicht erwarten zu sehen, wie sehr Du unser Kind lieben wirst. Sam, ich bin glücklich, dass ich heute Deine Frau werde. Ich liebe Dich.“

Pater Antonio lächelte und fuhr dann fort:

„Wenn ich nun um die Ringe bitten dürfte?“

Ben trat einen Schritt hervor und legte die Ringe auf ein kleines silbernes Tablett vor Antonio. Dieser segnete die Ringe, bevor er den kleineren davon Sam reichte und diesen bat, ihm nachzusprechen. Sam nahm den Ring und steckte ihn auf Bettes Ringfinger der rechten Hand und sprach dabei Pater Antonios Worte nach.

„Mit diesem Ring, nehme ich, Samuel Peterson, Dich, Elizabeth Katzenkazrahi zu meiner Frau. Ich will Dich lieben und ehren, in guten, wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, bis das der Tod uns scheidet.“

Dann reichte Antonio Bette den anderen Ring, und auch diese sprach seine Worte nach, während sie Sam den Ring auf den Finger schob.

„Mit diesem Ring, nehme ich, Elizabeth Katzenkazrahi, Dich, Samuel Peterson zu meinem Mann. Ich will Dich lieben und ehren, in guten, wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit, bis das der Tod uns scheidet.“

Dann segnete Pater Antonio das Paar.

„Was Gott zusammen geführt hat, soll der Mensch nicht trennen.“

Antonio zwinkerte Sam zu.

„Sie dürfen die Braut nun küssen.“

Sam zog Bette zärtlich zu sich und küsste sie sanft auf die Lippen. „Zum ersten mal präsentiere ich nun Mr. und Mrs. Samuel Peterson.“ verkündete Pater Antonio dann.

Einen kurzen Augenblick später wurden Bette und Sam dann von allen Anwesenden umarmt und herzlich beglückwünscht.

Meg_Cummings

 

 

Wenig später saß die kleine Hochzeitsgesellschaft an der festlich gedeckten Tafel.

Ben stand auf und nahm sein Glas Champagner in die Hand.

„Als Trauzeuge fällt mir ja nun die Aufgabe zu, auf unser glückliches Paar, und dass sie glücklich sind, ist ja nicht zu übersehen, einen Toast auszubringen. Du Sam, bist mir schon seit Jahren ein guter Freund. Wir beide haben schon so manches Abenteuer erlebt und so manche Gefahr bestanden. So gefährlich die Situation auch manchmal war, eins wusste ich immer ganz genau, Sam würde im richtigen Moment auftauchen und immer dann zur Stelle sein, wenn ich ihn am meisten brauche. Darum, liebe Bette, hättest Du keine bessere Wahl treffen können, denn wenn Sam einmal ein Versprechen gegeben hat, dann kann ihn nichts und niemand davon abhalten, dieses Versprechen einzuhalten. Erhebt nun mit mir das Glas, um auf diese beiden besonderen Menschen anzustoßen. Möge ihre Liebe stets wachsen und sie alle Hochs und Tiefs gemeinsam überstehen. Auf Bette und Sam, cheers!“

„Auf Bette und Sam, cheers!“ stimmten die anderen mit ein.

Sam legte seinen Arm um Bette und küsste sie zärtlich, dann drehte er sich zu Ben um.

„Dir, mein Freund, möchte ich von ganzen Herzen danken. Ohne Deine Hilfe wäre der heutige Abend bestimmt nicht so schön geworden. Aber eins nehme ich Dir doch ein wenig übel,“ er machte eine kurze Pause und grinste Ben an, „nämlich, dass Du mich nicht schon früher überredet hast, nach Sunset Beach zu kommen.“

Die kleine Gesellschaft brach in lautes Gelächter aus. Kurze Zeit später betraten ein paar Kellner den Raum und begannen das Essen zu servieren. Die Anwesenden genossen die nächsten Stunden. Es wurde viel gegessen, gelacht und erzählt. Kurz vor Mitternacht nahm Sam seine Bette zur Seite.

„Leider hat mir Tyus verboten, mit Dir zu verreisen, so dass wir die Hochzeitsreise noch so lange verschieben müssen, bis unser Baby da ist, aber dafür habe ich für uns heute Nacht die Hochzeitssuite für uns reserviert.“

Bette sah Sam an.

„Die Reise ist nicht so wichtig, dafür bekommen wir ja etwas viel Schöneres.“ Sie legte ihre Hand auf den immer noch flachen Bauch. „Aber auf die Hochzeitsnacht möchte ich um nichts in der Welt verzichten. Meinst Du, wir können uns jetzt schon zurückziehen?“

Sam zwinkerte Bette zu und drehte sich dann zu den anderen herum.

„Für Bette wird es jetzt Zeit, dass sie sich ausruht. Ich möchte Euch allen noch einmal dafür danken, dass Ihr diese besonderen Stunden mit uns geteilt habt.“

Dann verabschiedeten sie sich. Sam nahm Bettes Hand und führte sie hinaus.

Meg_Cummings

 

 

"Also weißt Du - eigentlich müsste ich ja jetzt beleidigt sein!" Sara ließ ihrem Unmut freien Lauf, während sie auf dem Sofa sitzend die aktuelle Ausgabe des "Sentinel" studierte.

Verwirrt sah Derek sie an.

"Was genau meinst Du?"

Sara wies auf die Schlagzeile, die in fetten Lettern gedruckt war.

>>Klatschreporterin schließt zum 8. Mal den Bund des Lebens<<

Derek riß ihr die Zeitung weg und überflog kurz den Bericht.

"Das nenne ich eine Überraschung!" sagte er. "Bette und Sam haben geheiratet!"

Sara hob erstaunt den Kopf.

"Willst Du damit sagen, daß Du auch keine Ahnung hattest?" fragte sie mißtrauisch. Derek schüttelte den Kopf und legte zwei Finger auf die Brust.

"Ich schwöre!"

Sara runzelte die Stirn.

"Zumindest Meg hätte ja mal was sagen können!" Sie bekam einen melancholischen Gesichtsausdruck. "Wo ich doch Hochzeiten so liebe!"

Derek lachte.

"Du wirst bald genug Hochzeitsrummel um Dich herum haben - auf Deiner eigenen Hochzeit," sagte er grinsend. Sara grinste zurück.

"Ja, aber das ist wohl kaum dasselbe. Ich werde wahrscheinlich vor lauter Aufregung meinen Text vergessen!"

"Text?" Derek sah sie mit rätselhaftem Gesichtausdruck an.

"Ich meine doch das Ehegelübte," klärte Sara ihn auf. Derek kratzte sich nachdenklich am Kopf. "Ach ja ..." Er schaute auf die Uhr. "Entschuldige, ich muß noch einmal im "Deep" nach dem rechten sehen," sagte er.

Sara zog genervt die Augenbraue nach oben.

"Vielleicht solltest Du besser das "Deep" heiraten, soviel Zeit, wie Du dort verbringst!" platzte es aus ihr heraus. Derek strich sanft über Saras Haar.

"Einer muß ja die Brötchen verdienen," entgegnete er knapp. Als Sara den Mund zum Protest öffnete, gab Derek ihr schnell einen Kuß. "Es könnte heute etwas später werden," sagte er noch, bevor er das Haus verließ. Nachdenklich sah Sara ihm hinterher. Was war nur mit Derek los? fragte sie sich. Wieso nur nahm er immer Reißaus, wenn sie auf das Thema "Hochzeit" zu sprechen kam? Wollte er etwa einen Rückzieher machen?

Ein ungutes Gefühl beschlich Sara, und ohne daß sie es selber merkte, rollten Tränen über ihr Gesicht. Vielleicht hatte er eine heimliche Geliebte, ging ihr plötzlich durch den Kopf. Das würde zumindest erklären, warum er immer so lange arbeitete und dem Thema "Hochzeit" auswich. Ihre eigenen Gedanken erschreckten sie, aber es schien plötzlich ganz logisch für sie zu sein. Wahrscheinlich traf er sich gerade jetzt mit seiner Geliebten im "Deep"!

Sara schaute auf die Uhr. Es waren 20 Minuten vergangen, seitdem Derek das Haus verlassen hatte. Sara griff nach ihrer Jacke und Tasche und verließ ebenfalls das Haus.

Sie musste einfach Gewissheit haben!

Vor der Tür atmete sie tief durch, bevor sie den Weg zum "Deep" einschlug.

Mona

 

 

Während Sara auf dem Weg zum "Deep" war, betrat Derek zum wiederholten Male das kleine Juweliergeschäft, daß sich nicht unweit vom "Sunset Inn" befand. Der Verkäufer hinter dem Tresen lächelte ihm freundlich entgegen.

"Guten Tag, mein Herr. Was kann ich für Sie tun?"

Derek holte aus seiner Brieftasche ein Bild von Sara hervor und legte es vor dem Verkäufer auf den Tresen.

"Vielleicht erinnern Sie sich, daß ich vor einigen Monaten hier war, um für meine Verlobte einen Diamantring zu kaufen?" fragte er. Der Verkäufer runzelte erste nachdenklich die Stirn, doch plötzlich hellte sich sein Gesicht auf.

"Aber natürlich! Der Kristallopal ... Sie haben mit der Auswahl des Steines damals eine sehr gute Wahl getroffen!" sagte er. Derek nickte zustimmend.

"Ja, und genau aus diesem Grund bin ich wieder hier. Ich hätte gerne passende Ohrringe dazu - quasi als Hochzeitsgeschenk."

Der Verkäufer sah ihn bedauernd an.

"Der Kristallopalring, den Sie Ihrer Verlobten damals kauften, war ein Unikat! Wenn Sie passende Ohrringe dazu haben möchten, müssten wir diese speziell für sie anfertigen lassen, was unter Umständen einige Wochen dauern kann. Wann bräuchten Sie die Ohrringe denn?"

Derek kratzte sich nachdenklich am Kopf.

"Thanksgiving," antwortete er knapp. Der Verkäufer nahm seufzend eine Liste zur Hand und blätterte darin.

"Thanksgiving sagen Sie - Moment ..." Mit angestrengtem Gesicht studierte er die Liste. Schließlich schaute er wieder auf. "Ich kann Ihnen nichts versprechen, da wir bis Thanksgiving sehr viele Aufträge zu erledigen haben, aber wir werden es auf jeden Fall versuchen."

Derek atmete erleichtert auf und legte Saras Bild zurück in seine Brieftasche.

"Vielen Dank!"

Der Verkäufer lächelte wieder.

"Johnsons Juweliergeschäft" tut fast alles, um seine Kunden zufrieden zu stellen," merkte er stolz an. Derek erwiderte das Lächeln.

"Ich bin überzeugt davon, daß Sie Ihr möglichstes tun werden."

Der Verkäufer nahm einen Notiz-Block zur Hand.

"So, und nun müsste ich mir noch ein paar Notizen machen. Welche Fassung wünschen Sie? Weißgold? Platin? Wie viele Diamanten sollen es sein? ..."

Derek gab bereitwillig Auskunft, und eine halbe Stunde später war der Kauf perfekt. Zufrieden hielt Derek den Kaufvertrag in der Hand. Er freute sich jetzt schon auf Saras Gesicht, wenn Sie das Geschenk am Hochzeitsmorgen öffnen würde ... Gutgelaunt machte er sich auf den Weg zum "Deep".

Mona

 

 

Ted Evans stand nervös vor seinem Schlafzimmerspiegel und war dabei, sich die Krawatte zu binden. Eine Bewegung hinter sich ließ ihn aufblicken, und er entdeckte Annie im Spiegel. Sie stand mit wirr aufgelösten Haaren in der Tür. Bekleidet war sie nur mit einem Herrenoberhemd. „Sieh an, da ist also mein Lieblingshemd geblieben.“ schmunzelte Ted. Annie strich den Stoff des Hemdes mit beiden Händen glatt.

„Es ist auch mein Lieblingshemd.“

Ted drehte sich um und griff nach seinem Jackett.

„Gut, nun weiß ich ja, wo ich es finde.“ zwinkerte er Annie zu. Sie beobachtete Ted.

 „Willst Du weg?“

„Annie, hast Du das schon wieder vergessen?“ Ted sah sie erstaunt an. „Heute muss ich doch vor den Prüfungsausschuss wegen der Stelle als Bezirksstaatsanwalt.“

„Entschuldige,“ gähnte Annie „das hatte ich tatsächlich vergessen, aber schließlich heiratet meine Lieblingstante nicht jeden Tag.“

Ted durchschritt den Raum und ging auf Annie zu.

„Wolltest Du eigentlich was Bestimmtes?“

„Ach ja,“ erinnerte sich Annie nun, „ich habe keinen Kaffee mehr. Hast Du vielleicht noch ein wenig über?“ Ted nickte.

„Bedien Dich, Du weißt ja, wo er steht.“

Annie drehte sich um und ging Richtung Küche. Ted folgte ihr. Ihr neues Wohnarrangement hatte sich soweit als ganz gut erwiesen. Je nach dem wie sie es wollten, verbrachten sie die Zeit zusammen oder jeder für sich. Auch nahm Annie ihre Arbeit als Teds Assistentin sehr ernst und war in letzter Zeit eine große Hilfe für ihn gewesen.

„Hast Du schon Pläne für heute Abend?“ fragte er Annie, als diese die Kaffeedose aus dem Küchenschrank nahm.

„Bis jetzt noch nicht, warum?“ wollte Annie wissen.

„Nun, dann könntest Du mir heute Abend Gesellschaft leisten. Entweder feiern wir meine Niederlage oder meinen neuen Job.“

„Gut,“ nickte Annie „soll ich uns was nettes fürs Dinner bestellen?“

„Nein, zur Abwechselung würde ich heute gerne selber was kochen.“ antwortete Ted.

„Du willst selber kochen?“ Annie sah Ted erstaunt an. Der lachte.

„Traust Du mir das etwa nicht zu?“

„Doch schon, aber erwarte von mir nicht, dass ich Dir dabei helfe. Ich lass sogar das Wasser anbrennen.“

Ted grinste.

„Keine Angst, das Kochen übernehme ich ganz alleine. Du brauchst nur hübsch und sexy daneben sitzen.“ Er zog Annie zu sich heran und küsste sie. „Und nun wünsch mir viel Glück.“

„Viel Glück, Du schaffst das schon.“ Annie strich Ted eine Strähne seines dichten, schwarzen Haares aus der Stirn „Ich werde hier auf Dich warten.“

„Gut, bis nachher.“ Ted küsste Annie noch einmal auf die Wange und verließ dann das Haus.

Meg_Cummings

 

 

Zögernd betrat Sara das "Deep". Sie schaute sich einen Moment suchend um, bevor sie langsam die Treppe zu Dereks Büro hinaufging. Caitlin, die gerade mit einer Flasche Wein aus dem Weinkeller kam, hielt sie zurück.

"Wenn Du Derek suchst - der ist nicht hier."

Sara verharrte in ihrer Bewegung. Eine Menge Gedanken gingen ihr durch den Kopf. Wo konnte er nur sein? Seufzend ging sie Treppe wieder hinunter und stellte sich an den Tresen.

"Kannst Du mir bitte ein Soda geben?" fragte sie müde. Caitlin nickte und stellte die Weinflasche ins Regal. Während sie Sara ein Soda-Wasser einschenkte, musterte sie diese prüfend.

"Du siehst irgendwie deprimiert aus," stellte sie fest. Sara hob überrascht den Kopf. Sie hatte nicht gewußt, daß man ihr die Sorge direkt ansah.

"Ich bin nur müde," log sie. Caitlin nickte.

"Ja, das ist doch verständlich in Deinem Zustand."

Sara leerte das Glas in einem Zug und stellte es wieder auf dem Tresen ab.

"Danke, Cait. Dann will ich mal wieder nach Hause gehen."

"Wolltest Du denn etwas bestimmtes von Derek?" fragte Caitlin neugierig. "Soll ich ihm vielleicht etwas von Dir ausrichten? Ich denke, er wird sicher bald kommen."

Sara winkte ab.

"Nicht nötig," sagte sie schnell. "Es war nichts Wichtiges." Sie drehte sich um, um zu gehen, als ihr plötzlich noch etwas einfiel. "Woher weißt Du, daß Derek bald kommen wird?" fragte sie Caitlin.

"Na, weil er angerufen hat," entgegnete diese. "Er hat gesagt, daß es heute etwas später werden könnte, weil er vorher noch etwas zu erledigen hätte."

Saras Magen krampfte sich zusammen. Also stimmte es doch, dachte sie. Er hatte eine Geliebte! Caitlin sah, wie Sara plötzlich blaß wurde.

"Ist Dir nicht gut?" fragte sie besorgt. Sara schüttelte mechanisch den Kopf. "Dann solltest Du Dich zuhause etwas hinlegen," schlug Caitlin vor. "Oder soll ich Derek übers Handy verständigen?" fuhr sie fort.

"Nein!" sagte Sara schnell, während sie ihre Tasche enger an sich drückte. "Ich - es geht mir bestimmt an der frischen Luft gleich besser," fügte sie hinzu. "Danke Caitlin, daß Du Dir Sorgen machst, aber das ist wirklich nicht nötig." Sara warf Caitlin noch ein letztes gequältes Lächeln zu und ging dann die Treppe zum Ausgang hinauf. Mit ihrem ganzen Körpergewicht drückte sie die schwere Tür auf, als diese plötzlich nachgab und Sara das Gleichgewicht verlor. Eine Sekunde später wurde sie von starken Armen aufgefangen ...

Mona

 

 

Meg und Ben hatten einen schönen Vormittag zusammen verbracht. Ben hatte Meg am Morgen mit einem Frühstück am Bett überrascht. Er hatte sich alle Mühe gegeben und all ihre Lieblingsspeisen zubereitet. Außerdem zierte das Tablett ein schmale Vase mit einer einzelnen Rose. Ben hatte vor dem Bett gestanden, Meg mit seinen blauen Augen angesehen und sich noch einmal für sein Verhalten am Vortag entschuldigt. Lächelnd hatte Meg Ben zu sich aufs Bett gezogen und natürlich wurde der Kaffee kalt, aber das störte die beiden ganz und gar nicht.
 
Nun saßen sie in Bens Mercedes, und er steuerte gerade das Filmgelände an. Meg war heute noch ein wenig aufgeregter als sonst, da heute die erste Kussszene zwischen ihr und Jake gedreht werden sollte. Aaron Spelling hatte ihr am Vortag erklärt, wie so ein Filmkuss ablief. Eigentlich brauchte sie sich ja nicht davor zu fürchten, aber nach allem, was Jake in den letzten Tagen in Bens Gegenwart abgezogen hatte, ließ sie ein wenig misstrauisch werden.

Ben parkte das Auto gleich neben dem Wohnwagen, der Meg als Garderobe diente. Er stieg aus und ging um das Fahrzeug herum, um Meg galant die Tür zu öffnen.

„Danke Ben.“ lächelte sie. „Bist Du auch sicher, dass Du die ganze Zeit hier bleiben willst? Du wirst Dich bestimmt langweilen.“ Energisch schüttelte Ben seinen Kopf.

„Nein, ich möchte Dich heute mal so richtig in Action sehen.“

Meg seufzte fast unmerklich.

„Gut, aber denk daran, dass heute die Szene gedreht wird, wo Jake mich zum ersten mal küssen muss. Dieser Kuss wird aber nicht das geringst bedeuten, es ist nur ein Filmkuss.“

Ben sah Meg an.

„Du glaubst doch wohl nicht, dass ich nur hier bleibe, um Jake Williams zu beobachten?“

„Ich hoffe, ich konnte Dir heute Morgen in Erinnerung bringen, dass es keinen Grund zur Eifersucht gibt, ich liebe nur Dich.“ antwortete Meg.

„Ich liebe Dich auch und nun geh, ich werde schon klar kommen.“

Meg stellte sich auf ihre Zehenspitzen und küsste Ben. Dieser bemerkte Jake aus seinen Augenwinkeln und schlang die Arme um Meg, um sie noch enger an sich heran zu ziehen und vertiefte dann den Kuss. Als er Meg schließlich atemlos wieder losließ, stellte er mit Genugtuung fest, dass Jake mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck in sein Wohnwagen verschwand. Meg hatte von all dem nichts mitbekommen.

„Ich muss jetzt wirklich da rein und mich umziehen.“ sagte sie „Am besten gehst Du schon mal dort rüber, wo die ganzen Kameras aufgebaut sind. Von dort aus, hast Du einen guten Überblick über alles.“

„Gut,“ nickte Ben „bis später dann.“ Er drehte sich um und schlenderte, die Händen tief in den Hosentaschen vergraben, zu der Stelle hin, die Meg ihm gezeigt hatte.

Meg sah ihm noch einen Moment nach, bevor sie ihren Wohnwagen betrat.

Meg_Cummings

 

 

Ben schlenderte zu den Kameras hinüber und stellte sich ein wenig Abseits, um alles ganz genau zu beobachten können. Er blieb aber nicht lange unentdeckt.

„Mr. Evans, schön Sie hier zu sehen.“ Aaron Spelling kam auf ihn zu und reichte ihm zur Begrüßung die Hand.

„Guten Tag Mr. Spelling, ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn ich heute einmal beim Dreh zuschaue?“

Aaron schüttelte seine Kopf.

„Ganz und gar nicht, aber kommen Sie mit rüber zu meinem Platz, von dort haben Sie einen noch besseren Überblick, und ich kann Ihnen nebenbei alles erklären.“

„Danke, das ist sehr freundlich, aber nur, wenn ich auch wirklich nicht störe.“

Aaron winkte ab.

„Wenn Sie mich stören würden, hätte ich Ihnen dieses Angebot erst gar nicht gemacht.“

Ben lächelte Aaron Spelling dankend an und folgte diesem zu seinem Platz. Aaron setzte sich auf einen, für Hollywood üblichen, stoffbezogenen Klappstuhl mit seinem Namen drauf. Er hielt eine junge, geschäftig aussehende Frau auf, die unentwegt in das winzige Mikro Ihres Headsets sprach.

„Judy, bitte sorgen Sie doch dafür, dass Mr. Evans auch ein Stuhl bekommt.“

Judy nickte.

„Ich schicke gleich jemanden ins Lager.“ Und schon war sie verschwunden. Einige Minuten später kam ein Lagerarbeiter und brachte ein Stuhl für Ben. Als der Arbeiter den Stuhl auseinander klappte, fielen Ben vor Staunen fast die Augen aus dem Kopf, denn auf dem Stuhl stand „Sean Connery“. Amüsiert hatte Aaron Ben beobachtet.

„Nun setzen Sie sich schon, Ihr Landsmann würde bestimmt nichts dagegen haben, wenn Sie seinen Stuhl benutzen.“

Ehrfürchtig setzte sich Ben.

„Und Sie meinen, Sir Connery hat tatsächlich in diesem Stuhl gesessen?“

Aaron nickte.

„Wenn sein Name darauf steht, dann war das auch sein Stuhl.“

„Wow,“ entfuhr es Ben „ein erhebendes Gefühl. Sie müssen wissen, ich bin ein großer Fan von Sir Connery.“

Aaron lächelte.

„Wissen Sie was, dann nehmen Sie den Stuhl doch nachher einfach mit.“

Abwehrend hob Ben die Hände.

„Aber nein, das kann ich doch nicht machen. Wenn Sir Connery wieder einen Film hier in Hollywood dreht, dann wird der Stuhl gebraucht.“

Aaron lachte laut auf.

„Man merkt, dass Sie nicht aus der Branche sind. Bei jedem Dreh bekommt er einen neuen Stuhl, also nehmen Sie diesen ruhig mit.“

„Danke, das ist sehr großzügig.“ Ehrfürchtig strich Ben über die Armlehne des Stuhls.

Meg _Cummings

 

 

Plötzlich kam Leben in den aufgebauten Kulissen vor ihnen. Meg und Jake betraten die Szene. Ein Maskenbildner legte letzte Hand an, und dann rief auch schon ein Regieassistent „Achtung Aufnahme!“ Ein anderer hielt eine elektronische Klappe vor die Kamera.

„California Coast Story, 356-25, die Erste.“

Dann ertönte Aarons Stimme.

„Action!“

Und schon ging es los. Jake und Meg standen sich gegenüber und führten einen Dialog. Es sah ganz so aus, als hätten die beiden Charaktere, die sie darstellten, eine heftige Auseinandersetzung. Plötzlich riss Jake Meg an sich und begann sie zu küssen. Unwillkürlich versteifte sich Meg. Sie neigte ihren Kopf so, wie Aaron es ihr erklärt und gezeigt hatte und verschloss die Lippen ganz fest.

In diesem Moment rief Aaron „Cut!“ Er stand auf und ging zu Meg hinüber.

„Meg Honey, nicht so verkrampft. Es ist kein richtiger Kuss, nur ein Filmkuss. Sie können also ganz locker bleiben.“ Meg nickte.

„Ich werde es versuchen.“

„Gut“ nickte Aaron und ging zu seinem Platz zurück. Schon trat der Assistent mit der Klappe wieder vor die Kamera und rief

„California Coast Story, 356-25, die Zweite“ und gleich darauf ertönte Aarons Ruf „Action“.

Die beiden Darsteller begannen wieder mit der Szene. Meg fühlte sich nun ein wenig lockerer und als Jake sie dieses Mal in seine Arme zog, blieb sie ganz entspannt. Wieder neigte sie den Kopf und dann spürte sie Jakes Lippen auf die Ihren. Eigentlich sollte das alles sein, aber zu ihrem Entsetzen spürte sie, wie Jakes Zunge über ihre Lippen fuhr und versuchte in ihren Mund einzudringen. Meg versuchte sich aus Jakes Armen zu befreien.

Ben merkte, dass da etwas nicht stimmte und wollte schon aufspringen, als Aaron ihn zurück hielt.

„Bitte nicht, das ist so gut, wenn Sie jetzt eingreifen, dann müssen wir die Szene noch einmal drehen. Ich knöpfe mir Jake nachher vor.“ sagte er zu Ben. Mit zusammengebissenen und geballten Fäusten sah Ben zu, wie Jake Meg weiter küsste und diese versuchte sich zu befreien. Dann ertönte der erleichternde Ruf „Cut, die Szene ist im Kasten!“ von Aaron.

Endlich gelang es Meg, sich aus den Armen von Jake zu befreien. Wütend schaute sie ihn an, holte aus und verpasste ihm eine kräftige Ohrfeige.

„Hey!“ Jake sprang entsetzt zurück und rieb sich die schmerzende Wange „Was soll denn das?” „Du weißt ganz genau, wofür das war.“ Wütend funkelte Meg Jake an. „Versuch das ja nicht noch einmal mit mir!“ Sie drehte sich um und ließ Jake einfach stehen.

Dann sah sie zu ihrem Entsetzen Ben neben Aaron stehen. Sie lief zu Ben hinüber.

„Entschuldige, dass Du das mit ansehen musstest.“

„Ist schon gut.“ antwortete Ben mit zusammengebissenen Zähnen. Aaron mischte sich nun ein. „Meg, Honey, Sie waren großartig. Jake werde ich mir gleich einmal vorköpfen. Noch mehr von solchen Eskapaden, und er kann sich einen anderen Job suchen.“ Dann lächelte er. „Aber ich muss gestehen, dass ich Ihre Reaktion einfach köstlich fand. So etwas hat Jake Williams bestimmt noch nicht erlebt.“ Nun musste auch Meg lachen.

„Ich konnte einfach nicht anders.“

Aaron nickte.

„So und nun schnappen Sie sich Ihren Verlobten und ab nach Hause mit Ihnen. Sie sind für heute fertig.“

Ben reichte Aaron Spelling die Hand.

„Vielen Dank noch einmal, Mr. Spelling.“

„Nicht zu danken, Mr. Evans und vergessen Sie Ihren Stuhl nicht.“ zwinkerte er Ben zu. Dann drehte er sich um und rief nach Judy.

Ben klappte den Stuhl zusammen und nahm Megs Hand.

„Wie sieht es aus, hast Du Hunger?“

„Einen Bärenhunger, aber lass mich bitte vorher abschminken und umziehen.“

„Gut“ nickte Ben und begleitete Meg zu ihrem Wohnwagen.

Meg_Cummings

 

 

"Hoppla, nicht so stürmisch!" hörte Sara eine bekannte Männerstimme sagen und atmete erleichtert auf.

"Mark! Du bist es ..." Sie befreite sich vorsichtig aus seinen Armen.

"Hast Du gedacht, daß ich Derek bin?" fragte er schmunzelnd. Sara verzog das Gesicht.

"Ja, irgendwie schon ..." Sie strich ihre Bluse glatt. "Danke Mark, daß Du mich ..." Sie unterbrach sich und schaute verlegen zu Boden.

"Dass ich Dich davor bewahrt habe, einen kapitalen Sturz hinzulegen? Nichts zu danken!" grinste er. Erst jetzt bemerkte er, wie blaß Sara um die Nase aussah. "Ist alles okay mit Dir?" fragte er besorgt. Genervt rollte Sara mit den Augen.

"Wieso fragt mich das heute jeder? Es geht mir wirklich gut. Danke der Nachfrage!" Ohne Mark noch eines weiteren Blickes zu würdigen drehte sie sich um und rannte, so schnell es ihr Zustand zuließ, an ihm vorbei Richtung Strand. Verwirrt sah Mark ihr hinterher. Erst jetzt bemerkte er die schwarze Umhängetasche, die neben ihm auf dem Boden lag. Beim Zusammenstoß mit ihm hatte Sara ihre Tasche verloren. Mark hob sie auf und sah sich um, doch Sara war bereits aus seinem Blickfeld verschwunden. Er beschloß, die Tasche in Dereks Büro zu legen. Während er noch nachdenklich die Tasche in der Hand hielt, hörte er plötzlich Schritte hinter sich. Er drehte sich um und sah, wie Derek auf ihn zukam.

"Hallo Mark," begrüßte dieser ihn freundlich. "Willst Du Caitlin abholen?"

Mark nickte.

"Es ist doch hoffentlich okay, daß sie heute etwas früher geht, oder?" fragte er vorsichtig. Derek nickte, während sein Blick an der Tasche hängenblieb.

"Ist das nicht Saras?" fragte er erstaunt. Mark nickte.

"Ja, sie hat sie vorhin verloren, als sie ..." Er räusperte sich. "... als sie vor ein paar Minuten das Deep verließ."

Derek zog die Stirn in Falten.

"Sara war hier? Aber was wollte sie denn?"

Mark schüttelte bedauernd den Kopf.

"Keine Ahnung, aber vielleicht fragst Du mal Caitlin danach. Sie weiß bestimmt mehr." Er drückte Derek die Handtasche in den Arm. "So, dann gehe ich jetzt mal zu Caitlin. Mach's gut, Boss!" Derek nickte geistesabwesend. Irgendein Instinkt sagte ihm, daß bald wieder Ärger ins Haus stehen würde. Was hatte Sara im "Deep" gewollt, und warum hatte sie nicht auf ihn gewartet?

Er würde sich später darum kümmern müssen. Der Tag war noch lang. Jetzt wartete erst einmal eine Menge Arbeit auf ihn. Seufzend öffnete Derek die Eingangstür und ging die Treppenstufen hinunter.

Mona

 

 

Mit einer großen braunen Einkaufstüte in seinen Arm betrat Ted Evans sein Haus. Mit einem Fußtritt ließ er die Haustür hinter sich ins Schloss fallen. Dann machte er sich mit seinen Einkäufen auf den Weg in die Küche. Dort stellte er die Tüte auf die Arbeitsfläche und begann sie auszupacken. Schnell war der Inhalt im Kühlschrank verstaut. Dann ging er in sein Schlafzimmer, um seinen Anzug gegen eine bequeme Jeans und ein T-Shirt auszutauschen. Barfuss machte er sich auf die Suche nach Annie. Er ging durch die Garage und stieg die Treppe zu Annies Apartment hinauf.

„Annie bist Du zu Hause?“

„Ja komm rein!“ rief Annie durch die verschlossene Tür zurück. Kaum hatte Ted die Tür geöffnet, ertönte ein lauter Knall und ein Champagnerregen traf ihn.

„Herzlichen Glückwunsch, Herr Bezirksstaatsanwalt!“ rief Annie dabei aus.

Ted schnappte nach Luft.

„Annie!“ Er wischte sich mit seinem T-Shirt das kühle Nass aus dem Gesicht. „Woher weißt Du denn das schon?“ Annie lächelte.

„Nun, ich lebe lange genug in Sunset Beach, um hier so meine Verbindungen zu haben.“

Sie reichte Ted ein gefülltes Champagner Glas. „Die Sekretärin vom Bürgermeister hat mich angerufen.“ Sie hob ihr Glas an. „Auf Deinen neuen Job.“

„Danke“ lächelte Ted und trank einen Schluck. Dann sah er an sich hinunter. „Sieh nur mal, was Du angerichtet hast.“

„Ach,“ grinste Annie „das trocknet wieder.“

„Aber es klebt fürchterlich.“ Ein vergnügtes Blitzen funkelte in Teds Augen auf. „Ich fürchte, ich muss jetzt unter die Dusche. Und Du kommst mit und hilfst mir. Einer muss mir schließlich den Rücken waschen.“ Langsam ging er auf Annie zu, die Schritt für Schritt zurück wich.

„Ted Evans, was hast Du vor?“

„Das habe ich Dir doch eben erzählt, Du kommst jetzt mit mir unter die Dusche.“ grinste Ted.  Annie sah Ted an.

„Das wagst Du nicht!“

Ted machte noch zwei Schritte auf Annie zu.

„Und ob ich das wage!“ Er duckte sich kurz und ehe Annie sich versah, hatte er sie bereits gepackt und über seine Schulter gelegt. „Aber wir gehen am besten in mein Badezimmer, dort haben wir mehr Platz.“  Ohne auf Annies weiteren Protest zu achten, machte Ted sich auf den Rückweg in seinen Teil des Hauses.

Meg_Cummings

 

 

Eine halbe Stunde später betrat Ted frisch geduscht und gut gelaunt die Küche. Er holte die Kartoffeln aus einem Korb, der in einer Ecke über der Arbeitfläche hing und begann diese unter fließendem Wasser abzubürsten. Dann holte er das Backblech aus dem Backofen, beträufelte es mit ein wenig Speiseöl, streute ein paar Gewürze darüber und legte die halbierten Kartoffeln mit der Schnittfläche nach unten auf das Blech und schob dieses in den Backofen. Dann ging er zum Kühlschrank und holte die beiden Steaks, die er am Nachmittag frisch gekauft hatte heraus. Mit einem Küchentuch tupfte er sie trocken und legte sie neben dem Herd bereit. Dann begann er den Salat auseinander zu pflücken und zu waschen. Er war ganz in seine Arbeit vertieft, dass er Annie erst bemerkte, als diese hinter ihn trat und ihre Arme um seine Taille schlang.

„Mmm, ein Mann der kochen kann. Hier riecht es gut.“

Ted drehte sich zu Annie um und verbarg seine Nase kurz in Annies frisch gewaschene Haare „Du riechst gut.“ sagte er und blickte an Annie herunter, die mal wieder nur eins seiner Hemden trug. „Und Du siehst zum Anknabbern aus.“

Annie wand sich aus Teds Umarmung.

„Nein, im ernst, ich sterbe bald vor Hunger. Dauert es noch lange?“

Ted lachte und legte die Steaks in die vorgeheizte Pfanne.

„Kommt darauf an, wie Du Deine Steaks möchtest.“

„Medium bitte.“ antwortete Annie und goss sich und Ted je ein Glas Rotwein ein.

„Okay, es wird in wenigen Minuten serviert, Madame.“ Ted nahm Annie eins der gefüllten Gläser ab und trank einen Schluck „Du könntest Dich in der Zwischenzeit nützlich machen und den Tisch decken.“

„Sklaventreiber“ murmelte Annie, holte aber dennoch Teller und Besteck heraus „Soll ich hier decken oder auf der Terrasse?“

„Ich war heute fast den ganzen Tag in einem stickigen Büro, also plädiere ich für die Terrasse.“ lächelte Ted „Außerdem sieht es so aus, als wenn wir heute einen wunderschönen Sonnenuntergang zu sehen bekommen.“

„Gut“ nickte Annie und ging hinaus um den kleinen Tisch auf der Terrasse zu decken. Bald schon saßen die beiden dort und genossen das Essen und den Sonnenuntergang.

Meg_Cummings

 

 

Als Derek am Abend nach Hause kam war es merkwürdig ruhig im Haus. Ein ungutes Gefühl beschlich ihn.

"Sara, bist Du da?" rief er, doch er bekam keine Antwort. Sein Blick fiel plötzlich auf einen kleinen Notizzettel, der auf dem Wohnzimmertisch lag. Er nahm ihn hoch und las die Nachricht, die Sara ihm hinterlassen hatte:

"Übernachte bei einer Freundin. - Gruß, Sara"

Derek zerknüllte den Zettel in seiner Hand und warf ihn in eine Ecke des Zimmers.

"Verdammt, Sara, was soll das nun wieder?" fragte er laut in den Raum hinein. Genervt fuhr es sich mit der Hand durch sein dunkles Haar, während er überlegte, bei welcher Freundin Sara wohl übernachten würde. Soweit er wusste, hatte Sara in Sunset Beach nicht allzuviele Freunde. Bisher hatte sie immer Rat bei Meg gesucht, wenn sie Probleme gehabt hatte. Doch Meg und Ben waren in L.A. Wo also konnte sie nur stecken?

Plötzlich kam ihm die Erleuchtung. Sara war im Surf Center! Natürlich, wieso war ihm das nicht gleich eingefallen! Derek griff zum Telefon, ließ den Hörer dann aber wieder sinken. Er würde persönlich zum Surf Center gehen und Sara direkt zur Rede stellen. Aber vorher brauchte er noch einen starken Kaffee! Während die Kaffeemaschine lief, saß Derek am Tisch und grübelte über seine und Saras Beziehung nach. Vielleicht war es ein Fehler gewesen, sie so früh zur Heirat zu drängen. Sie war gerade erst 20 Jahre alt und in mancher Beziehung doch noch ein richtiges Kind. Das konnte er jetzt wieder an ihrem Verhalten erkennen. Wenn es Schwierigkeiten gab, nahm sie gleich Reißaus! Doch so sehr sich Derek den Kopf zermarterte, er wusste nicht, was diese Kurzschlussreaktion ausgelöst haben könnte.

Vielleicht sollten sie erst einmal die Geburt des Babys abwarten und dann sehen, wie sich alles weiter entwickelte.

Der Kaffee war fertig durchgelaufen und Derek goß sich eine Tasse ein. Wahrscheinlich hatte sie "kalte Füße" bekommen und traute sich jetzt nicht, ihm direkt ins Gesicht zu sagen, daß sie ihn nicht heiraten wollte, ging es Derek durch den Kopf. Er stürzte den heissen Kaffee in einem Zug hinunter und stand auf. Das war es! Er würde Sara im Surf Center aufsuchen und ihr den Vorschlag machen, die Hochzeit auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Vielleicht würde das ihr Seelenleben wieder in Ordnung bringen.

Überzeugt von seiner Idee nahm Derek seine Jacke und verließ das Haus.

Mona

 

 

Aufgeregt und mit klopfendem Herzen stand Derek vor der Tür des Surf Center. War es wirklich eine gute Idee gewesen, so spät abends noch hier zu erscheinen? Fast schon bereute er seine Kurzschlußhandlung. Ein beunruhigender Gedanke schoß ihm plötzlich durch den Kopf. Was war, wenn Sara gar nicht hier war?

Während er noch in Gedanken versunken war, öffnete sich plötzlich die Tür und Derek stand einer erschrockenen Gabi gegenüber.

"Derek! Meine Güte, hast Du mich erschreckt!" Sie hielt sich eine Hand an die Brust. "Ich bin zwar gerade auf dem Weg zu Ricardo, aber ein paar Minuten habe ich noch Zeit. Wir sollten miteinander reden!" Sie zog ihn am Arm mit einer entschlossenen Handbewegung ins Haus hinein. "Setz Dich! Möchtest Du ein Bier?"

Derek nickte stumm, während er auf dem Sofa platz nahm. Er war noch zu verdattert von Gabis "Überfall". Sie kam mit einer Flasche Bier und einem Glas zurück und stellte es vor Derek auf den Tisch.

"Sie ist hier, nicht wahr?" fragte er vorsichtig. Gabi setzte sich neben ihn und schlug ihre Beine übereinander.

"Wenn Du Sara meinst? - Ja!"

Derek nahm die Bierflasche in die Hand, setzte sie an seine Lippen und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Irgendwie fehlten ihm jetzt die Argumente für sein plötzliches Auftauchen. "Ich habe mir Sorgen gemacht," sagte er stattdessen. "Kann ich sie sprechen?"

Gabi schüttelte den Kopf.

"Sie schläft bereits. Sie war total fertig, als sie hier ankam!" Sie sah ihn vorwurfsvoll an. "Was hast Du nun schon wieder angestellt, Derek Evans? Ich habe Sara immer vor Dir gewarnt - von Anfang an, aber sie wollte ja nie auf mich hören. Einmal ein Weiberheld, immer ein Weiberheld!" Sie spie die Worte förmlich aus. Derek verschluckte sich fast an seinem Bier. Wütend sprang er auf. Diese ungerechtfertigte Anschuldigung wollte er nicht auf sich sitzen lassen.

"Was willst Du damit sagen? ... Ich schwöre Dir Gabi, daß ich absolut gar nichts getan habe! Ich kam vorhin nach Hause, und da fand ich eine Nachricht auf dem Tisch, daß Sara bei einer Freundin übernachten würde. Ich war den ganzen Tag im "Deep" und habe gearbeitet."

Gabi hob wissend eine Augenbraue.

"Wohl doch nicht den ganzen Tag, oder?" fragte sie provozierend. Derek erinnerte sich an das Zusammentreffen mit Mark vor der Eingangstür des "Deep".

"Sara war dort ..." murmelte er, mehr zu sich selber. Gabi nickte zur Bestätigung.

"Du weißt doch mehr, Gabi. Komm, spuck es aus! Was hat Sara gesagt?" Derek wurde zunehmend ungeduldiger. Gabi machte eine abwehrende Handbewegung.

"Das ist eine Sache, die nur Dich und Sara etwas angeht. Ich werde mich da raushalten! Sie hat mich gefragt, ob sie eine Nacht hierbleiben könnte, und ich habe zugestimmt und ihr mein Zimmer angeboten. Ich wollte sowieso zu Ricardo, und für Dich wäre es besser, wenn Du jetzt gehen würdest ... Au, Derek, Du tust mir weh!"

Derek hatte nach Gabis Arm gegriffen und hielt diesen nun eisern fest.

"Ich werde nicht eher gehen, bis ich weiß, was hier los ist!" schnappte er wütend. Gabi warf ihren Kopf zurück.

"Na, gut, wenn es unbedingt sein muß ... Sara hat mir erzählt, daß Du eine Geliebte hättest!" Geschockt lockerte Derek seinen Griff um Gabis Arm. Fassungslosigkeit stand in seinem Gesicht geschrieben.

"Was habe ich?" fragte er ungläubig. Gabi rieb sich den schmerzenden Arm, während sie Derek nicht aus den Augen ließ. Seine Reaktion und sein Gesichtsausdruck irritierten sie. Anscheinend hörte er wirklich zum ersten Mal davon. Er sah zumindest sehr überrascht aus.

"Stimmt es etwa nicht?" fragte sie unsicher. Immer noch völlig unter Schock schüttelte Derek den Kopf.

"Ich liebe Sara, mehr als ich jemals für möglich gehalten habe," sagte er mit leiser Stimme. "Wie kommt sie nur darauf, daß ich sie betrügen würde?"

Gabi machte ein betretenes Gesicht. Diese Frage konnte sie ihm auch nicht beantworten.

"Ich denke, Du solltest morgen mit Sara ein ernstes Gespräch führen," schlug sie vor. Sie schaute nervös auf ihre Uhr. "Es tut mir leid, Derek, aber ich habe Ricardo versprochen, daß ich um 22 Uhr bei ihm sein würde. Er macht sich sonst Sorgen."

Derek nickte.

"Ja, klar, geh nur."

Gabi lächelte verlegen.

"Es tut mir leid, was ich vorhin über Dich gesagt habe! Wenn Du wirklich die Wahrheit sagst, und davon gehe ich aus, dann wird sich die Sache mit Sara schnell wieder einrenken. Viel Glück!" Während sie das Haus verließ, setzte sich Derek wieder aufs Sofa und nahm sein Bier in die Hand. Geistesabwesend nahm er einen Schluck nach dem anderen aus der Flasche, bis sie leer war. Eine wohlige Wärme überkam ihn, und die ganze Anspannung des Tages und der letzten Stunden löste sich. Derek lehnte sich bequem zurück und schloß die Augen. Morgen früh würde er mit Sara über die ganze Angelegenheit reden und das Mißverständnis aus der Welt schaffen. Morgen früh ... Und während er noch darüber nachdachte, was er Sara am nächsten Morgen zu seiner Entschuldigung sagen könnte, schlief er ein.  

Mona

 

 

Ricardo wartete schon ungeduldig, als Gabi sein kleines Appartement betrat. Sie ging auf ihn zu und gab ihm einen Begrüßungskuß.

"Wo bist Du so lange gewesen?" fragte er. "Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Musstest Du Überstunden machen?"

Gabi schüttelte den Kopf.

"Nein, heute war es im Krankenhaus relativ ruhig. Ich bin pünktlich gegangen, aber ..." Sie holte tief Luft und erzählte Ricardo dann in Kurzfassung, was sich im Surf Center ereignet hatte.

"Die arme Sara!" entfuhr es Ricardo. Gabi sah ihn überrascht an.

"Glaubst Du nicht, daß Derek mir die Wahrheit gesagt hat?" fragte sie. Ricardo rieb sich nachdenklich die Nase.

"Ich weiß nicht ..." gestand er. "Wenn ich so an den "alten" Derek zurückdenke ... Der hat wirklich nichts "anbrennen" lassen! Schon möglich, daß er sich geändert hat, aber was Frauen angeht kann ein Mann schonmal schwach werden!"

Gabi sah Ricardo stirnrunzelnd an.

"Du etwa auch?" fragte sie vorwurfsvoll. Er stellte sich breibeinig vor ihr hin.

"Na, bin ich etwa kein Mann?" fragte er scherzhaft. Gabi knuffte ihn in die Seite und lachte. "Was willst Du hören? Das Du der anbetungswürdigste, attraktivste Mann bist, der je unter dieser Sonne gelebt hat?"

Ricardo zog Gabi an sich.

"Findest Du das? Nun, dann wird es wohl stimmen!" Er gab ihr einen leidenschaftlichen Kuß auf den Mund, den Gabi auch erwiderte. "Komm ins Bett!" raunte Ricardo, während er an Gabis Bluse herumnestelte. "Ich warte sowieso schon eine Ewigkeit auf Dich ...!"

Das ließ sich Gabi nicht zweimal sagen. Schnell schlüpfte sie aus ihren Kleidern und ging zu Ricardos breitem Bett hinüber. Langsam, und mit geschmeidigen Bewegungen, streckte sie sich auf den kühlen Laken aus und machte mit ihrem Zeigefinger eine lockende Bewegung.

Ricardo ging langsam auf Gabi zu, und wenige Augenblicke später lagen sie beide eng umschlungen auf dem Bett und gaben sich ganz ihrer Leidenschaft hin.

Mona

 

 

Ein Alptraum riß Sara aus dem Schlaf. Erschrocken fuhr sie hoch und brauchte erst einmal eine Weile, ehe sie wusste, wo sie sich befand. Mit zitternder Hand tastete sie nach der Nachttischlampe. Jetzt, wo sie wach war, fiel ihr der Grund ihres Kommens wieder ein. Schützend legte sie die Hände auf ihren Bauch. Wie hatte ihr Derek das nur antun können? fragte sie sich pausenlos. Sie waren doch so glücklich gewesen!

Sara warf die Bettdecke zurück und stand auf. Sie schaute durch das Fenster nach draußen, doch es war noch zu dunkel, um etwas erkennen zu können. Sie ging zu Gabis kleiner Kommode hinüber und schaute in den Spiegel. Erschrocken trat sie einen Schritt zurück. Kein Wunder, daß Derek sich eine Geliebte genommen hatte, dachte sie voller Ironie. Sie sah einfach schrecklich aus! Ihr Gesicht wirkte kalkig, und unter den Augen konnte man deutlich dunkle Ringe erkennen. Sara nahm seufzend eine von Gabis Bürsten in die Hand und begann ihre Haare zu ordnen. Mit Daumen und Zeigefinger kniff sie sich in die Wangen, um wenigstens etwas Farbe zu bekommen. Ihr Magen begann zu knurren, und der Gedanke an eine Tasse heiße Schokolade und ein Buttercroissant ließ sie ihren momentanen Zustand vergessen.

Sara schaute auf die Uhr. Überrascht stellte sie fest, daß es erst 3 Uhr war. Gabi hatte ihr erzählt, daß die anderen Bewohner des Hauses derzeit alle nicht da waren. Mark hatte abends eine Verabredung mit Caitlin gehabt und wollte danach bei ihr übernachten, und wo die anderen abgeblieben waren, wusste Gabi auch nicht so genau.

Saras knurrender Magen meldete sich wieder, und sie beschloß in die Küche zu gehen, um eine Kleinigkeit zu essen. Sie öffnete die Tür und schaute in den dunklen Flur. Ihr fiel plötzlich wieder ein, daß Gabi ihr erzählt hatte, daß die Flurbeleuchtung kaputt wäre. Neben der Tür stand eine Taschenlampe, die Sara an sich nahm, während sie, nur mit einem kurzen Nachthemd bekleidet und barfuß, die Treppe nach unten ging. Der Lichtschein der Taschenlampe warf bizarre Muster an die Wand, und Sara fühlte sich mit einem Mal gar nicht mehr wohl, so ganz alleine in dem großen Haus.

Erschrocken blieb sie stehen und hielt den Atem an, als sie ein Geräusch vom Sofa her hörte.

Ein Einbrecher? Sie schaltete die Lampe aus und näherte sich vorsichtig dem Sofa, bereit, die Taschenlampe als Waffe einzusetzen, wenn es sich wirklich um einen Einbrecher handeln sollte. Sie hörte, wie sich jemand bewegte, und sie hob die Hand, um zum Schlag auszuholen, als sich plötzlich eine Hand blitzschnell um ihr linkes Handgelenk schloß ...  

Mona

 

 

Für einen Moment war Sara wie gelähmt, doch dann besann sie sich auf die Taschenlampe in ihrer rechten Hand, und während der ahnungslose Angreifer immer noch ihr Handgelenk umklammerte, schlug Sara zu.

Sie hörte ein schmerzvolles Stöhnen und ließ erschrocken die Taschenlampe fallen, während sie zugleich spürte, daß sie losgelassen wurde. Schnell tastete sie sich zum Hauptlichtschalter hinüber, und wenige Augenblicke später erstrahlte der Raum im hellen Licht.

Sara musste ein paar mal blinzeln, bevor sie etwas erkennen konnte, doch als sie erkannte, wer der vermeintliche "Einbrecher" war, stieß sie einen Schrei aus.

"Derek!"

Geschockt sah sie ihn an. Aus einer Wunde an seiner Stirn tropfte Blut, und er schaute irritiert auf den Fußboden, wo sich unter ihm schon eine kleine Lache gebildet hatte. "Oh, nein!"

Sara rannte an Derek vorbei in die Küche und zerrte aus dem Schrank ein sauberes Handtuch. Als sie zurückkam, saß er bereits auf dem Sofa und presste sich ein Taschentuch an die Stirn, um die Blutung zu stillen. Wortlos drückte Sara ihm das Handtuch in die Hand, das er dankend annahm.

"Mann, Du hast vielleicht einen Schlag drauf!" brachte er stöhnend hervor, während er sich das Handtuch weiterhin auf die blutende Wunde hielt.

"Ich ... ich dachte, Du ... Du wärst ein Einbrecher," stammelte Sara leise. Sie kämpfte mühsam mit ihrer Fassung. Derek verzog schmerzverzerrt das Gesicht.

"Ja, das dachte ich auch. So kann man sich irren ..." Sara streckte vorsichtig ihre Hand nach ihm aus. "Laß mal sehen, ob es schlimm ist," bat sie. Sie fühlte sich völlig hilflos in dieser Situation. "Es ... tut ... mir leid!" stammelte sie, während sie vorsichtig das Handtuch wegzog, um nachzuschauen, ob die Blutung gestoppt hatte. Derek ließ sie gewähren. Auch er fühlte sich irgendwie befangen, ohne genau sagen zu können, warum überhaupt.

"Laß gut sein, Sara! Es ist nur ein Kratzer," sagte er müde.

Wie betäubt schüttelte Sara den Kopf.

"Ich werde Gabi anrufen." Entschlossen stand sie auf und griff zum Telefonhörer. Derek versuchte gar nicht, ihr zu wiedersprechen. Er fühlte sich mit einem Mal schwindelig und sein Kopf begann höllisch zu schmerzen. Mit geschlossenen Augen lehnte er sich zurück. Das Handtuch verrutschte und Derek fühlte etwas nasses, klebriges über seine Wange laufen. Kurz darauf spürte er eine kühle Hand, die leicht über seine Wange strich, und er hörte wie aus weiter Entfernung Saras Stimme.

"Gabi kommt gleich. Wir werden Dich ins Krankenhaus bringen! Derek? Hörst Du mich? Sag doch was, bitte! ... Oh mein Gott, was habe ich nur getan!"

Saras Schluchzen war das letzte, was Derek hörte, bevor er das Bewußtsein verlor.

Mona

 

 

Als Derek erwachte, fühlte er als erstes wieder diese kühle Hand, die über seine Stirn und Wange strich und dann Saras Stimme.

"Ich glaube er kommt zu sich, Doktor."

Ein bekanntes männliches Gesicht beugte sich über ihn, und dann sah er in den Schein einer kleinen Taschenlampe.

"Die Pupillenreflexe sind normal," hörte er Dr. Robinson sagen. Derek blinzelte, bis er alles klar erkennen konnte. Schlagartig kam die Erinnerung zurück, und vorsichtig tastete er zu seiner Stirn hin. "Sie hatten eine Platzwunde, die wir nähen mussten," gab Dr. Robinson zur Auskunft. Vorsichtig setzte Derek sich auf und schaute sich um.

"Ich bin im Krankenhaus?" fragte er verwundert. Irgendwie hatte er den Schlag auf seinen Kopf als gar nicht so tragisch empfunden. Sein Blick fiel auf Sara, die auf einem Stuhl neben ihm saß. Sie sah blaß und übernächtigt aus und irgendwie schuldbewußt.

Dr. Robinson wandte sich zu Sara um.

"Dürfte ich Sie jetzt bitten, mich einen Moment mit meinem Patienten alleine zu lassen, damit ich ihn untersuchen kann?" fragte er höflich. Sara nickte stumm und stand auf. Derek wollte noch etwas zu ihr sagen, doch sie hatte das Krankenzimmer bereits verlassen.

Dr. Robinson wandte sich an Derek.

"Nun, wie fühlen Sie sich? Haben Sie Kopfschmerzen, ist Ihnen übel?"

Derek schüttelte leicht den Kopf.

"Nein, nicht das ich wüsste."

"Gut." Dr. Robinson nickte zufrieden. "Dann haben Sie wohl doch keine Gehirnerschütterung. Möglicherweise wurde Ihre Ohnmacht durch den Schock und den Blutverlust ausgelöst." Er machte sich einige Notizen in Dereks Krankenakte. "Zur Vorsicht werde ich Sie aber noch 24 Std. hier behalten," erklärte er.

Derek verdrehte die Augen.

"Vielleicht sollte ich mir einen Dauer-Liegeplatz im Krankenhaus reservieren lassen," sagte er seufzend. Dr. Robinson lachte.

"Ja, wenn ich mir Ihre Akte so ansehe ... 3 Krankenhausaufenthalte in nur 4 Monaten - nicht schlecht!"

Derek stimmte in das Lachen mit ein, doch sofort wurde er wieder ernst.

"Könnten Sie jetzt bitte meine Verlobte hereinbitten?" fragte er. Dr. Robinson nickte.

"Werde ich machen." Er stand auf und ging zur Tür. "Ach ja, würden Sie Ihre Verlobte darum bitten, daß sie beim nächsten Besuch Wechselsachen für Sie mitbringt?" Er wies auf das blutige Hemd, daß über einer Stuhllehne hing. "Das da können Sie bei Ihrer Entlassung sicher nicht mehr anziehen."

Derek grinste.

"Wird erledigt, und ... würden Sie mir den Gefallen tun und es vernichten?"

Dr. Robinson nahm schmunzelnd das Hemd von der Lehne und verließ das Krankenzimmer.

Mona

 

 

Sam stoppte das Auto nicht weit vom Eingang des South Bay Generals. Er stellte den Motor ab, stieg aus und ging um den Wagen herum, um Bette beim Aussteigen behilflich zu sein.

„Danke Sam.“ lächelte Bette ihren Ehemann an.

„Bist Du immer noch so aufgeregt?“ erkundigte sich Sam besorgt. Bette nickte und seufzte.

„Ja, ich wünschte nur, ich hätte es schon hinter mir.“

Sam legte sein Arm um Bettes Taille.

„Es wird schon nicht so schlimm werden.“

Mit gerunzelter Stirn sah Bette Sam an.

„Na Du bist gut, Dir wird ja auch keine lange Nadel in den Bauch gesteckt.“

„Aber ich werde die ganze Zeit bei Dir sein.“ versuchte Sam seine Frau zu beruhigen „Und Du weißt, dass Tyus gesagt hat, wie wichtig diese Untersuchung für das Baby ist.“

„Ja, ich weiß, lass es uns besser hinter uns bringen.“ nickte Bette.

Zusammen betraten sie das Krankenhaus und machten sich auf den Weg zu Tyus Robinsons Büro und Behandlungszimmer. Dort angekommen, trat Sam an den Schreibtisch der Schwester heran „Guten Morgen Trudy, wir haben einen Termin für heute morgen.“

Die Schwester sah auf.

„Guten Morgen Mr. Peterson, bitte nehmen Sie noch einen Augenblick platz, Dr. Robinson wurde vor einiger Zeit zu einem Notfall gerufen. Ich werde mal sehen, ob ich herausbekomme, wie lange er noch braucht.“ Sie griff zum Telefon und wählte eine Nummer. Sam führte Bette unterdessen zu den Ledersesseln in der Nische. Bette griff sich eine Zeitschrift und begann, nervös darin herumzublättern. Sam hingegen spazierte nervös auf und ab.

Nach ca. 15 Minuten kam Dr. Tyus Robinson.

„Entschuldigen Sie bitte, aber ich hatte noch einen Notfall.“ Er reichte Bette und Sam zur Begrüßung die Hand. „Nun kann es aber sofort losgehen, würden Sie mir bitte folgen!“ Er führte die beiden in sein Behandlungszimmer und setzte sich hinter seinen Schreibtisch „Wie wichtig diese Fruchtwasseruntersuchung ist, haben wir ja schon das letzte mal besprochen. Wie fühlen Sie sich heute morgen, Bette?“

„Ein wenig nervös, aber sonst geht es ganz gut, wenn man mal von der Morgenübelkeit absieht.“ antwortete Bette.

„Immer noch so schlimm?“ Tyus sah Bette an.

„Nun, es ist schon etwas besser geworden.“

„Gut,“ Tyus stand auf und kam um seinen Schreibtisch herum, „zuerst möchte ich noch einmal Ihren Blutdruck messen.“ Er holte das Blutdruckmessgerät und sein Stethoskop hervor. Bette hielt ihm ihren rechten Arm hin und Tyus legte die Manschette an und begann diese aufzupumpen. Mit dem Stethoskop kontrollierte er dabei den Puls „180 zu 100, ein wenig hoch, das müssen wir versuchen in den Griff zu bekommen.“ stellte er fest.

Besorgt sah Sam ihn an.

„Ist das gefährlich?“

„Gut ist es nicht gerade, denn dadurch können vorzeitige Wehen ausgelöst werden.“ antwortete Tyus. „Aber keine Sorge, mit viel Ruhe und ein wenig Nachhilfe mit Medikamenten werden wir das hoffentlich in den Griff bekommen.“ Er reichte Bette ein hellgrünes Krankenhausnachthemd. „Wenn ich Sie nun bitten dürfte das modische Schmuckstück hier anzuziehen, dann können wir mit der Untersuchung beginnen.“ Bette nahm das Hemd entgegen.

„Na dann los.“

Meg_Cummings

 

 

Vorsichtig öffnete Sara die Tür zu Dereks Krankenzimmer und schaute hinein. Vom Bett her hörte sie ein gleichmäßiges Atmen. Er schien wieder eingeschlafen zu sein. Langsam ging sie auf das Bett zu und schaute auf den schlafenden Derek herab. Er sah so friedlich aus, wie er dort mit geschlossenen Augen, blaß und leblos da lag. Sara konnte nur mit Mühe ihre Tränen zurückhalten. Sie hätte ihn mit dem Schlag der Taschenlampe umbringen können, ging ihr durch den Kopf. Und nur, weil sie so grundlos eifersüchtig gewesen war.

Sara streckte die Hand aus und berührte fast unmerklich Dereks Wundverband am Kopf. Was war nur in sie gefahren, glauben zu können, daß er sie betrogen hatte? Sara schüttelte über sich selber den Kopf. Warum nur hatte sie nur so wenig Vertrauen gehabt? Sie zog schnell die Hand weg, als sich Derek im Schlaf auf die Seite rollte.

Nachdenklich betrachtete sie den Verlobungsring an ihrer linken Hand. Aus einem Impuls heraus zog sie ihn vom Finger und las die Worte, die dort innen eingraviert waren "Forever Love - D." Der Schriftzug verschwamm, als sich ihre Augen mit Tränen füllten. Der Ring rutschte aus ihren Fingern und verschwand mit einem leisen "Pling" unter dem Bett. Erschrocken sah Sara zu Derek hinüber, doch er schien einen zu tiefen Schlaf zu haben. Vorsichtig begab sie sich auf die Knie und streckte suchend ihre Hand aus, während sie sich Stück für Stück vorwärts unter das Bett schob. Doch ihre Suche war vergeblich. Sara richtete sich wieder auf, weil ihr bereits der Rücken schmerzte.

Sie erstarrte, als sie erkannte, daß Derek sie wohl die ganze Zeit beobachtet hatte.

"Sara? Was zum Teufel tust Du unter meinem Bett?"

Er sah sie verständnislos an. Mit zitternder Unterlippe stand Sara vor ihm, während sie versuchte, ihre Gefühle zu kontrollieren. Wenn sie ihm jetzt sagen würde, daß sie auch noch seinen Ring verloren hätte, wäre es sicher ganz aus, dachte sie verzweifelt. Nervös biß sie sich auf ihre Unterlippe.

"Ich habe ... Dich nicht wecken wollen," brachte sie schwach hervor. Derek wies auf den Fußboden.

"Hast Du gar nicht, ich habe nur gedöst," sagte er nebenher. "Aber mich würde doch interessieren, was Du dort unten gemacht hast. Hast Du etwas verloren?" Fragend sah er sie aus seinen großen blauen Augen an, und da konnte Sara nicht mehr an sich halten.

"Ich habe ihn verloren!" platzte sie heraus, während sich ihre Augen mit Tränen füllten. Derek schüttelte den Kopf, weil er nicht verstand, wovon sie redete. "Mein Ring ..." stammelte Sara, "... meine Liebe ... Dich ... ich habe alles verloren!"

Sie warf sich vor ihm auf die Knie und begann hemmungslos zu weinen.    

Mona

 

 

Kurze Zeit später lag Bette auf dem Untersuchungstisch. Sam saß neben dem Kopfende und hielt ihre Hand. Beide schauten gebannt auf den Monitor des Ultraschallgerätes, auf dem das Bild ihres Kindes erschien. Tyus stand am anderen Ende. Ein Tuch war über so über Bette gespannt, so dass Bette und Sam nicht sehen konnte, was Tyus gerade tat.

„Es wird jetzt gleich einen Augenblick kalt werden, wenn ich Ihnen das Betäubungsspray auf den Bauch sprühe.“ warnte Tyus „danach werden Sie dann nicht spüren, wenn ich die Nadel einführe. Konzentrieren Sie sich einfach auf Ihr Kind.“

Bette drückte Sams Hand und dieser strich mit der freien Hand eine Haarsträhne aus Bettes Stirn.

„Keine Angst, ich bin ja bei Dir.“

„Gut,“ lächelte Bette Sam an. Dann sah sie über das Tuch hinüber zu Tyus. „Nun fangen Sie schon an.“

„Gut, dann geht es jetzt los.“ antwortete Tyus. Einen kurzen Augenblick später zuckte Bette zusammen.

„Huch, das war aber wirklich kalt.“

„Das war aber auch schon alles. Alles was Sie nun noch spüren sollten, ist ein leichter Druck, wenn ich die Nadel einführe. Wenn Sie wiedererwarten doch Schmerzen haben sollten, dann sagen Sie es bitte.“ sagte Tyus.

„Okay Doc, legen Sie schon los.“

Dann herrschte Schweigen in den Raum. Gebannt schauten Bette und Sam zu, wie sich auf dem Monitor langsam eine lange Nadel vorschob.

„Oh mein Gott.“ ächzte Bette auf einmal auf, verdrehte die Augen und sank bewusstlos zurück. „Doktor schnell, Sie hat das Bewusstsein verloren.“ sprang Sam auf.

„Einen Augenblick, ich bin sofort da.“ antwortete Tyus. Bedächtig zog er die lange Nadel der Spritze wieder heraus, nachdem er ein wenig Fruchtwasser in den Kolben hochgezogen hat. Er legte die Spritze auf den kleinen Tisch neben sich und griff zum Blutdruckmessgerät. Schnell legte er Bette die Manschette an und pumpte sie auf.

„Fast was ich befürchtet habe, Ihr Blutdruck ist in die Höhe geschossen.“

„Können Sie etwas dagegen tun?“ fragte Sam besorgt. Tyus nickte und ging zu seinem Medikamentenschrank hinüber. Er holte ein kleines Glasfläschchen hervor und zog die klare Flüssigkeit in eine Spritze. Mit der Spritze kehrte er zu Bette zurück, nahm einen Alkoholtupfer und reinigte damit eine Stelle in Bettes Oberarm. Geschickt setzte er die Spritze an und verabreichte Bette das Medikament.

„Sie sollte gleich wieder zu sich kommen.“ sagte er dabei. Und richtig, wenige Augenblicke später schlug Bette wieder die Augen auf.

„Was ist passiert?“

„Ihr Blutdruck ist wohl durch die Aufregung noch weiter in die Höhe geschossen, aber jetzt scheint es wieder zu gehen.“ Tyus kontrollierte noch einmal Bettes Blutdruck. „Na bitte, das sieht doch schon besser aus.“ Ernst blickte er Bette und Sam an. „Allerdings würde ich Sie gerne ein oder zwei Tage hier behalten, damit wir den Blutdruck unter Kontrolle bekommen.“

„Muss das wirklich sein?“ fragte Bette.

Sam nahm ihre Hand.

„Bitte Bette, es ist zu Deinem Wohl und zum Wohl unseres Kindes. Ich wäre viel beruhigter, wenn Du eine Weile unter Aufsicht stehst.“

„Also gut, aber bitte nicht länger als nötig.“

„Keine Angst,“ lächelte Tyus „sobald wir Ihren Blutdruck wieder unter Kontrolle haben, dürfen Sie wieder nach Hause.“ Er drehte sich zu seiner Schwester um. „Trudy sorgen Sie bitte dafür, dass Mrs. Peterson in ein Zimmer kommt. Außerdem verordne ich Ihr absolute Bettruhe.“

„Ist gut Doktor,“ antwortete Trudy „ich sehe sofort nach, welches Zimmer frei ist.“

Meg_Cummings

 

 

Erschrocken von Saras heftigem Gefühlsausbruch, schwang Derek die Beine über die Bettkante und ließ sich neben Sara nieder. Behutsam nahm er sie in den Arm und wischte mit einer Hand vorsichtig über ihr tränennasses Gesicht.

"Du hast mich nicht verloren," sagte er bestimmt und fügte dann leise hinzu," und meine Liebe auch nicht ...!"

Sara hatte ihren Kopf in seiner Armbeuge verborgen, und man hörte nur hin und wieder ein leises Schluchzen. Vorsichtig half Derek ihr hoch, und gemeinsam setzten sie sich auf sein Bett. Auf dem Tischchen neben dem Bett lagen einige Taschentücher, die Derek Sara reichte. Sie nahm sie dankbar entgegen und schneuzte sich die Nase.

"Danke," sagte sie kläglich. Derek sah sie prüfend an.

"Geht es wieder?"

Sara nickte. Derek stand auf und ging in eine Ecke des Zimmers, wo ein Besen stand. Er nahm ihn und begann damit, den Fußboden unter und neben dem Bett nach dem Ring abzusuchen. Es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er fündig wurde. Er nahm den Ring hoch und betrachtete ihn eingehend, bevor er Saras Hand ergriff und ihr den Ring vorsichtig über ihren Finger schob.

"Ich liebe Dich!" sagte er dabei leise. Beschämt sah sie zu ihm auf.

"Nach alledem, was ich Dir angetan habe, liebst Du mich immer noch?" fragte sie ungläubig. Derek versuchte zu lächeln.

"So schnell kann meine Liebe zu Dir nichts erschüttern," sagte er, während er vorsichtig zu seinem Verband hintastete. Gleich wurde er wieder ernst. "Gabi hat mir erzählt, daß Du geglaubt hättest, daß ich Dich betrügen würde." Er schüttelte den Kopf. "Ich kann nicht verstehen, wie Du darauf kommst. Habe ich Dir einen Grund gegeben zu glauben, daß ich eine Freundin habe oder warum?"

Sara wusste, daß es Zeit war, offen über ihre Ängste und Gefühle zu sprechen, und während sie sich alles von der Seele redete, hörte Derek geduldig zu und unterbrach sie nicht. Danach stand er auf und ging nachdenklich im Raum umher.

"Dann bin ich ja eigentlich derjenige, der sich bei Dir entschuldigen muß," sagte er mit ernster Stimme. "Ich wollte mit meinem Rückzug aus der ganzen Hochzeitsvorbereitung nicht damit sagen, daß ich Dich nicht mehr heiraten will oder gar nicht mehr liebe, sondern dachte ich vielmehr, daß es eher Aufgabe der Braut wäre, sich um das ganze Drumherum vorher zu kümmern," gestand er kleinlaut. Sara atmete erleichtert auf. Sie erkannte, daß er die Wahrheit sagte.

"Ich bin froh, daß wir das geklärt haben," sagte sie. Doch eine Frage brannte ihr noch auf den Nägeln. "Wo bist Du denn gewesen, als ich Dich im "Deep" besuchen wollte?" fragte sie neugierig. Derek musste sich ein Schmunzeln verkneifen.

"Also wohl doch nicht so ganz von meiner Unschuld überzeugt, scheint mir," merkte er schelmisch an. Sara spürte, wie sie rot wurde. Derek lachte.

"Da Du ja doch nicht eher Ruhe gibst, bis ich Dir sage, wo ich war, will ich es mal gleich hinter mich bringen." Er setzte sich wieder zu ihr aufs Bett und schlang einen Arm um sie.

"Also schön ..." begann er. "Diesmal war ich in Sachen Hochzeitsvorbereitungen unterwegs, aber was ich genau gemacht habe, werde ich Dir nicht verraten. Da musst Du Dich wohl noch ein paar Wochen gedulden."

Sara sah ihn von der Seite an.

"Eine Überraschung?" fragte sie aufgeregt. Derek zog seufzend den Arm weg.

"Sara, wenn ich es Dir jetzt sage, ist es keine Überraschung mehr!" versuchte er ihr klarzumachen. Sara nickte.

"Sicher, ich höre ja auch schon auf," sagte sie verlegen. Derek legte wieder einen Arm um sie, zog sie näher zu sich heran und sah ihr fest in die Augen.

"Ist jetzt auch wirklich alles wieder okay?" fragte er. Sara fuhr leicht mit ihrem Finger über seine Stirn.

"Eine "nette" Erinnerung habe ich Dir da beigebracht," entfuhr es ihr.

"Ja, an diesen Tag werden wir uns wohl unser ganzes Eheleben lang erinnern und mit unseren Kindern darüber scherzen," grinste er. Sara sah ihn empört an.

"Das ist nicht komisch, Derek!" sagte sie. Er nickte, schon etwas ernster. "Es soll mir eine Warnung sein," sagte Sara mit ehrfurchtsvoller Stimme," daß ich niemals wieder voreilig falsche Schlüsse aus einer Situation ziehen werde."

Derek zog sie noch ein Stückchen näher zu sich heran, so daß sich ihre Lippen fast berührten. "Dann wäre ja alles gesagt ..." flüsterte er, und ehe Sara es sich versah, fanden sich ihre Lippen zu einem zärtlichen Versöhnungskuß.

Mona

 

 

So fand Gabi die beiden einige Minuten später, als sie die Tür zu Dereks Krankenzimmer öffnete. Sara und Derek, sich innig umarmend und leidenschaftlich küssend.

Leise zog Gabi die Tür wieder zu und ging mit strahlendem Lächeln auf Ricardo zu, der gerade aus der Cafeteria kam.

"Du grinst so selbstzufrieden," stellte er fest, nachdem er Gabis Gesicht genauestens studiert hatte. Sie lachte.

"Ja, das bin ich auch, denn - stell Dir vor - es hat geklappt! Derek und Sara haben sich wieder versöhnt."

Ricardo pfiff anerkennend durch die Zähne.

"Ich gratuliere," sagte er ganz ohne Spott. "Dann scheint es ja tatsächlich etwas gebracht zu haben, daß Du Sara die Leviten gelesen hast," stellte er fest. Gabi nickte.

"Ja, dabei habe ich ihr nur das erzählt, was mir Derek auch schon gesagt hatte, und  ... na ja, vielleicht auch noch ein bisschen mehr." Sie lächelte. "Wir Frauen müssen doch zusammenhalten," sagte sie mit einem vielsagenden Grinsen. Ricardo grinste ebenfalls.

"Okay, ich bin erst einmal froh, daß alles so glimpflich abgegangen ist," sagte er. Gabi nickte. "Und ich erst!" Sie strich ihm zärtlich über die Wange. "Und noch einmal vielen Dank, daß Du uns ins Krankenhaus gebracht hast!" sagte sie.

"Gern geschehen." Er schlug die Hacken zusammen und machte vor Gabi einen Diener. "Lieutenant Ricardo Torres -stets zu Ihren Diensten, Madam."

Gabi lachte.

"Ich hoffe dann, daß es angenehmere Umstände sein werden," sagte sie, und ihre Augen sahen ihn neckend an. Ricardo schaute auf die Uhr.

"Mist, schon halb 10 Uhr! Ich kann jetzt direkt weiter zum Police-Departement fahren," stellte er seufzend fest, während er sich mit einer Hand über seinen Stoppelbart fuhr. Gabi nickte.

"Ja, ich bleibe auch gleich hier. Meine Schicht fängt auch gleich an." Sie gähnte hinter vorgehaltener Hand. "Dabei bin ich totmüde!"

Ricardo drückte ihr seine schon halb geleerte Tasse Kaffee in die Hand.

"Hier, schmeckt gar nicht schlecht und hält Dich garantiert bis zur nächsten Pause fit."

Gabi verzog das Gesicht.

"Danke ... Sehen wir uns heute abend?"

Ricardo schüttelte bedauernd den Kopf.

"Ich würde liebend gerne," sagte er," aber meine Mutter hat sich mit mir im Grenadines verabredet."

Gabi warf Ricardo einen verwunderten Blick zu.

"Im Grenadines? Wow, ich hätte Deiner Mutter gar nicht so einen guten Geschmack zugetraut," entfuhr es ihr. Schnell schlug sie sich auf den Mund. Ricardo lachte.

"Laß nur, ich habe dasselbe gedacht, als ich von der Einladung hörte." Er schaute wieder auf die Uhr. "Tut mir leid, ich muß jetzt wirklich los."

„Ich begleite Dich noch bis zum Ausgang.“ erwiderte Gabi und hakte sich bei ihm ein.

Mona

 

 

Emily hatte sich ein schattiges Plätzchen unter einer Palme am Strand gesucht. Nachdem sie den ganzen Vormittag in der Universität zugebracht hatte, genoss sie nun die frische Brise, die vom Ozean her wehte. Sie saß mit dem Rücken an den Stamm der Palme gelehnt und ein Buch lag auf ihren Knien, aber mit ihren Gedanken war sie nicht bei den Gesetztexten, die sie eigentlich lernen sollte.

„Einen Penny für Deine Gedanken.“ hörte sie plötzlich eine bekannte Stimme neben sich. Sie blickte auf und musste ins Sonnelicht blinzeln.

 „Hi Cole!“

Cole ließ sich neben Emily in den Sand fallen.

„Und verrätst Du sie mir?“

„Was?“ Leicht verwirrt schaute Emily Cole an.

„Na Deine Gedanken, in die Du gerade so vertiefst warst.“ lächelte Cole.

 „Ach, das war nichts weiter.“ errötete Emily „Ich habe nur gerade daran gedacht, wie schön es hier ist und wie glücklich ich hier bin.“ Sie hob Ihre Hand und deutete über den Ozean. „Ist dieser Anblick nicht einfach herrlich?“

Cole nickte langsam.

„Ja, es ist atemberaubend.“ Dabei sah er Emily an. Er bewunderte Iihr Haar, das in leichten Wellen über ihre Schultern fiel. Das Sonnenlicht brach sich darin und ließ Ihr leicht rotblond erstrahlen, als sei es entflammt. Cole ließ seine Augen weiter über Emilys Gesicht wandern. Ihre klaren blauen Augen strahlten und auf und um ihre Stupsnase hatten sich kleine, freche Sommersprossen gebildet. Ihre rosigen, ungeschminkten Lippen warteten seiner Meinung nach nur darauf geküsst zu werden.

Diesmal war es Emily, die Cole aus seinen Gedanken riss.

„Erde an Cole!“

„Entschuldige, sagtest Du etwas?“ fragte er Emily.

„Ich fragte, was Du um diese Zeit hier am Strand machst?“ lächelte Emily.

„Oh, ich bin gerade auf den Weg zu den Höhlen. Ich muss dort noch einiges für unser Bauprojekt überprüfen.“

„Höhlen?“ fragte Emily.

„Ja,“ nickte Cole „oben in den Klippen sind ein paar alte Höhlen. Einige davon wurden gesprengt, aber der Rest steht unter Naturschutz und soll abgesichert werden.“

„Hört sich interessant an.“ sagte Emily.

„Das ist es auch. Einige dieser Höhlen dienten früher als Schmugglerhöhlen.“ antwortete Cole. „Klingt spannend. Meinst Du, da haben früher wirklich Piraten gehaust?“

Cole nickte.

„Könnte ich mir denken.“ Er blickte auf seine Uhr. „Tut mir leid, aber ich muss mich jetzt beeilen, aber wenn Du magst, können wir ja heute Abend ein Spaziergang zu den Höhlen machen und dann zeige ich Dir alles.“

Emily nickte begeistert.

„Ja, das klingt toll. Wann?“

Cole stand auf.

„Ich hole Dich gegen 7 ab, okay.“

„Ja, bis dann Cole.“ antwortete Emily.

„Bis dann.“ verabschiedete sich Cole und ging in Richtung Kippen davon.

Meg_Cummings

 

 

„Meg, bist Du da? Darf ich reinkommen?“
Nach einem kurzen Klopfen steckte Jake Williams seinen Kopf durch den Türspalt von Megs Garderobe. Sie saß vor dem großen Spiegel und bürstete in aller Ruhe ihr Haar, denn bis zu ihrem nächsten Einsatz vor der Kamera war noch etwas Zeit.  
Als sie Jake bemerkte, drehte sie sich um und musterte ihn etwas argwöhnisch.
„Hast Du wieder irgend eine Eselei vor?“  
Er hob ergeben die Hände und lächelte so unwiderstehlich freundlich wie sonst nur vor der Kamera.
„Keine Eselei... versprochen.“
„Keine sensationslustigen Reporter in der Tasche, die neuen Schlagzeilen über uns hinterherjagen?“
„Nein, keine Reporter!“
Sie nickte zufrieden.
„Okay, dann komm rein.“
Er schloß die Tür und trat näher, wobei er von irgendwoher eine rote Rose hervorzauberte und sie ihr reichte.  
„Zur Versöhnung, für die schönste Frau am Set!“
Meg erhob sich, nahm die Rose und schnupperte daran.  
„Bist Du hergekommen, um mir Komplimente zu machen, Jake?“
„Nicht nur...“ antwortete er etwas zögernd, „eigentlich wollte ich mich für  mein unmögliches Benehmen neulich entschuldigen.“ Er sah sie fast reumütig an. „Es ist nur so, wenn ich eine Frau küsse, egal ob privat oder vor der Kamera, dann tue ich das richtig. Bei mir gibt es nur ganz oder gar nicht, und ich glaube, gerade das macht die Sache auf der Leinwand glaubwürdig.“
„Das mag ja sein.“ erwiderte Meg, „Bestimmt schätzt Dein Publikum das an Dir, und ich denke, einigen Deiner Partnerinnen wird Dein Engagement auch gut gefallen, aber ich bin ein blutiger Anfänger im Filmgeschäft, und ich versuche eine Trennlinie zu ziehen zwischen meinem Privatleben und der Arbeit hier. Und ich bin sicher, viele Schauspieler sehen das genauso. Die Gefühle sollten doch nur gespielt sein, oder etwa nicht?“
„Ja, da hast Du recht.“ meinte Jake ernst. „Sie sollten nur gespielt sein, aber manchmal...“ Er unterbrach sich und lachte. „Nun, wie dem auch sei, ich möchte Dir ein Friedensangebot machen, Meg. Ich lade Dich zum Essen ein.“
Sie überlegte kurz und nickte dann zustimmend.
„Okay, wann und wo?“
„Am besten nachher, wenn wir hier fertig sind. Wir gehen zu Francesco, gleich hier um die Ecke. Du magst doch italienische Küche, oder?“
Meg lachte.
„Ich liebe italienische Küche.“
„Okay“ Jake zwinkerte ihr zu, „dann bis gleich.“
Meg sah ihm nachdenklich hinterher, als er das Zimmer verließ. Während sie die Rose in eine Vase stellte, beschlich sie das eigenartige Gefühl, soeben einen Fehler begangen zu haben.

Jeany

 

 

Jake verhielt sich wie ein perfekter Gentleman, als sie beim Essen saßen. Meg stellte erleichtert fest, dass er diesmal wirklich nicht den leisesten Annäherungsversuch startete. Im Gegenteil, er war zuvorkommend und erfrischend kumpelhaft. Mehr als einmal brachte er sie mit seinen lustigen Bemerkungen zum Lachen, und sogar für ein paar junge Mädchen, die ihn vom Nachbartisch aus erkannt und um ein Autogramm gebeten hatte, fand er einige nette Worte. Dennoch entging ihr nicht, dass er sich mehrere Male suchend umsah.
„Erwartest Du noch jemanden?“ fragte sie interessiert, doch er schüttelte den Kopf.  
„Nein, ich will nur sichergehen, dass uns die Press in Ruhe läßt.“ erwiderte er stirnrunzelnd. „Aus diesem Grund hatte ich auch ein kleineres Lokal ausgewählt. Diese Leute da vorn an dem Tisch...“
Meg lächelte.  
„Jake, das sind nur Touristen, die sich gegenseitig fotografieren.“ Sie sah auf die Uhr. „Langsam wird es Zeit für mich. Ich will noch einen kleinen Einkaufsbummel unternehmen.“
„Darf ich Dich begleiten?“ fragte Jake sogleich.
„Das wäre allerdings ein gefundenes Fressen für die Presse.“ lachte Meg. „Ich will mir Brautkleider ansehen, und wenn man uns zusammen vor dem Hochzeitsausstatter entdeckt, dann kann ich Dir die Schlagzeilen von morgen bereits nennen.“
„Tja, der Preis des Ruhmes.“ stimmte Jake in ihr Lachen ein. „Übrigens heiratet meine kleine Schwester auch bald. Ich möchte sie gerne mit einem besonderen Geschenk überraschen... dazu brauche ich Deinen Rat als Frau.“ er nestelte in seiner Jackettasche herum und brachte schließlich ein Samtkästchen zum Vorschein. „Sie liebt Diamanten, und ich dachte, ich kann ihr hiermit eine Freude machen. Sie hat so schöne blaue Augen wie Du. Was meinst Du zu diesem hier...“ Er öffnete das Kästchen und hielt ihr einen phantastisch aussehenden schmalen Diamantring entgegen, dessen fein eingearbeitete Steine in verschiedenen azurblauen Farben funkelten.
„Wow...“ Meg staunte. „Der ist aber schön!“
„Meinst Du?“ fragte Jake und hielt ihr den Ring vor die Nase, als müsse er ihn allen Leuten im Lokal zeigen.
Meg nickte.
„Sie müßte schon blind sein, wenn er ihr nicht gefallen würde. Du hast einen guten Geschmack.“
Jake grinste übers ganze Gesicht und steckte den Ring zufrieden wieder weg.
„Okay, das wollte ich hören. Danke, Meg.“

Jeany

 

 

Nachdem Meg einen Zwischenstopp in Venice Beach eingelegt hatte, wo sie einige Zeit in einer kleinen unscheinbar wirkenden Boutique verschwunden war, fuhr sie zurück nach Sunset Beach. Sie war froh, sich Bens Sportwagen geliehen zu haben, so war sie unabhängig und nicht angewiesen auf die Limousine, deren mürrischer Chauffeur ihr sowieso ziemlich auf die Nerven fiel.
Ben war noch nicht zu Hause, und so beschloss Meg, endlich einmal bei ihrer Schwester vorbeizuschauen. Die beiden hatten sich in der letzten Zeit äußerst selten gesehen, was bei Megs Drehplan kein Wunder war. Sie mußte sich eingestehen, dass sie Sara vermisste, genauso wie ihre Freunde aus dem Surf Center. Soviel Spass ihr die Dreharbeiten in L.A. auch machten, sie würde froh sein, wenn alles endlich vorüber war, denn wenn sie abends nach Hause kam, fühlte sie sich meist ausgelaugt und unheimlich abgespannt. Außerdem hatte sie gemerkt, dass Ben ihr Verhältnis zu Jake immer noch etwas mißtrauisch zu betrachten schien, auch wenn er meinte, es mache ihm nichts aus, wenn sie irgendwelche Szenen zusammen drehten.  
Meg lächelte versonnen, während sie zu Dereks Haus hinüberfuhr.
Es war eine ungewöhnliche Situation für sie und Ben, und irgendwie konnte sie ihn verstehen. Jake war attraktiv, reich und berühmt, und er war für seinen unwiderstehlichen Charme Frauen gegenüber bekannt. Trotzdem konnte er Ben in ihren Augen niemals das Wasser reichen. Sie würde in kurzer Zeit den Mann heiraten, für den sich ihr Herz vom ersten Augenblick ihres Zusammentreffens an entschieden hatte. Nach dem heutigen gemeinsamen Mittagessen mit Jake und seinem Friedensangebot hoffte sie, dass er nun auch endlich begriffen hatte, dass es für sie nur einen Mann gab.
Meg sprang aus dem Wagen und klopfte voller Vorfreude auf das Zusammentreffen mit Sara an Dereks Tür. Enttäuscht mußte sie feststellen, dass niemand da zu sein schien. Sie überlegte kurz. Vielleicht waren die beiden im Deep!
Ein Blick zur Uhr zeigte ihr, dass noch genügend Zeit war, also fuhr sie hin.
 
„Hallo, jemand da?“ rief sie, als sie die Treppe zur Bar hinunterging.
„Meg!“ Caitlin bereitete gerade alles für den Abend vor und sah erstaunt hoch. „Das ist ja eine Überraschung, dass sich unser Filmstar auch einmal wieder hierher verirrt!“
Meg lachte.
„Filmstar? Glaub mir, Caitlin, ich bin weit davon entfernt. Im Moment würde ich sogar liebend gern mit jemand tauschen.“  
„Oh, wenn das so ist... ich bin dabei! Aber nur, wenn morgen eine heiße Szene mit Jake Williams im Drehplan vorgesehen ist!“ grinste Caitlin. „Er ist sooo süß!“
„Er ist ein Mann wie jeder andere.“ meinte Meg, doch Caitlin ließ sich nicht beirren.
„Er ist mein Schwarm!“ Sie betonte jedes Wort und verdrehte dabei die Augen. „Aber sag das ja nicht Mark!“
Sie kicherten beide wie Teenager.
„Willst Du was trinken?“ fragte Caitlin und verschwand hinter der Bar.
„Nein danke“ lehnte Meg ab, „eigentlich bin ich auf der Suche nach Sara. Bei Derek war niemand zu Hause, also dachte ich...“
„Ach Du meine Güte!“ unterbrach Caitlin sie erschrocken. „Dann weißt Du es ja noch gar nicht!“
„Was denn? Ist irgendwas mit Sara nicht in Ordnung?“ fragte Meg beunruhigt.
„Nein, Sara geht’s gut.“ beeilte Caitlin sich zu sagen. „Aber ich vermute, sie wird bei Derek in der Klinik sein. Er... er hatte da einen kleinen Unfall.“
„Einen Unfall?“ rief Meg. „Was ist denn passiert?“
„Oh, das wird Dir Deine Schwester am besten selbst erzählen. Auf jeden Fall geht es ihm schon wieder besser, soweit ich gehört habe.“
„Ich werde gleich hinfahren!“ Meg sprang von ihrem Barhocker, verabschiedete sich hastig von Caitlin und verließ eilig das Deep.

Jeany

 

 

Im Sunset Memorial wäre sie beinahe mit Gabi zusammengerannt, die sich an der Rezeption gerade von Ricardo verabschiedete.
„Meg!“ rief sie erstaunt, „heute schon zurück aus der Traumwelt?“
„Hallo Ihr beiden, ich war eben im Deep, und Caitlin sagte, Derek hätte einen Unfall gehabt. Ist Sara bei ihm?“  
„Beruhige Dich, Meg, es ist nicht so schlimm, wie es sich anhört.“ Gabi legte ihr die Hand auf die Schulter, während Ricardo schelmisch grinste.
„Deiner Schwester geht es gut.“ meinte er augenzwinkernd, „Jedenfalls hat sie in ihrem Zustand noch ganz schön schlagkräftige Argumente, wenn ihr Verlobter sie ein bisschen zu ärgern versucht!“
„Ricardo!“ mahnte Gabi mißbilligend und wandte sich an Meg, die erstaunt von einem zum anderen blickte. „Hör nicht auf ihn, Derek hat Sara nicht geärgert, das Ganze war nur ein Mißverständnis! Ich bring Dich zu ihr.“
„Ich werd ´dann mal...“ verabschiedete sich Ricardo lachend und machte sich auf den Weg zu m Police Department, während die beiden Frauen den Gang entlang zu Dereks Krankenzimmer liefen.
„So, hier ist es.“ sagte Gabi leise. „Du kannst ruhig reingehen, aber Vorsicht, ich glaube, die beiden versöhnen sich gerade...“
„Versöhnen?“ Meg verzog das Gesicht. Das Ganze klang ja ziemlich mysteriös!
Zaghaft klopfte sie an und öffnete vorsichtig die Tür.
Derek saß im Bett, einen Verband um die Stirn, und hielt Sara in seinen Armen. Die beiden küssten sich zärtlich und schienen die Besucherin überhaupt nicht zu bemerken.
Erst als Meg sich leise räusperte, fuhren sie erschrocken auseinander.
„Meg!“ rief Sara hocherfreut und sprang auf, während Derek nur etwas verlegen grinste.
„Was ist denn mit Dir passiert?“ fragte Meg und wies auf seinen Kopfverband.
„Ach ja... das, das ist nichts weiter...“ erwiderte er zögernd, doch Sara unterbrach ihn sofort.
„Ich... ich bin an allem schuld, Meg, ich mit meiner dummen Eifersucht, ich hätte ihn fast umgebracht!“
Meg schüttelte verständnislos den Kopf.  
„Ich verstehe kein Wort! Jetzt mal der Reihe nach... wer hat nun hier wen k.o. geschlagen?“
„Also das war so...“ sprudelte Sara los, während sich Meg setzte und verwundert ihren Worten lauschte. Schließlich begann sie zu lachen.
„Was ist so witzig daran?“ fragte Sara, fassungslos darüber, dass ihre Schwester dieses Mißgeschick auch noch zu belustigen schien.
„Oh Sara! Die ganze Sache erinnert mich an einen Vorfall, der noch gar nicht so lange her ist.“  
„Ach ja?“
„Wißt Ihr noch, als Ted neu in der Stadt war, und ich mich von einem vermeintlichen Einbrecher verfolgt fühlte? In dieser Nacht kam Ben überraschend eher aus Chicago zurück, und ich hätte ihn beinahe mit einem Kerzenständer niedergeschlagen, weil ich dachte, er sei der Einbrecher!“
Jetzt lachte auch Derek.
„Ja stimmt, das hat Ben mir erzählt. Zum Glück konnte er noch rechtzeitig reagieren, so dass du ihn nicht getroffen hast!“
Saras Augen füllten sich wieder mit Tränen.
„Aber ich habe getroffen... und nicht zu knapp!“ meinte sie kläglich.
„Ach komm“ Meg nahm sie in den Arm und tauschte mit Derek einen vielsagenden Blick, „ich wette, Dein zukünftiger Mann hat einen verdammt harten Schädel und steckt das locker weg!“
„Das versuche ich Ihr schon die ganze Zeit einzureden!“ grinste Derek und fasste nach Saras Hand. „Ich bin wieder total okay, Liebling! Dr. Robinson wird nachher nochmal nach mir sehen, und vielleicht kann ich danach schon nach Hause. Du solltest jetzt mit Meg gehen, Ihr beide habt Euch sicher eine Menge zu erzählen.“
Sara wischte sich die Tränen weg und schluckte.
„Bist Du sicher?“
Er nickte liebevoll.
„Na los, nun verschwindet schon, Ihr beiden schlagkräftigen Damen. Bis später!“

Jeany

 

 

„Wie weit bist Du eigentlich mit Deinen Hochzeitsvorbereitungen?“ erkundigte sich Meg, während sie Sara nach Hause fuhr.  
„Also ein Kleid habe ich schon, wenn Du das meinst.“ erwiderte die Jüngere stolz und klopfte mit der Hand leicht auf ihr sich allmählich rundendes Bäuchlein. „Und ich habe sogar eines gefunden, in das die kleine Kugel hier mit reinpasst.“
Meg lachte.
„Das ist doch super! Hast Du es hier gekauft?“
„Nein, in L.A., aber mehr möchte ich noch nicht verraten. Und wie ist es mit Dir? Hast Du momentan überhaupt Zeit, Dich um Brautmoden zu kümmern?“
„Na ja, ich muß sagen, viel Gelegenheit dazu hatte ich wirklich noch nicht.“ gestand Meg. „Aber Cathy, meine Maskenbildnerin am Set, hat mir die Adresse ihres Verlobten gegeben. Er ist Designer, oder will mal einer werden, jedenfalls hat er eine kleine Boutique in Venice Beach, und sie hat keine Ruhe gelassen, bis ich heute dorthin gefahren bin.“
„Und?“ fragte Sara gespannt.
„Mh“ Meg verzog das Gesicht, „zuerst dachte ich, oh gott, als ich die Auslagen sah, alles ziemlich flippig und gewagt, aber dann mußte ich feststellen, dass dieser Pascal wirklich was von seinem Handwerk versteht. Er hat sich meine Wünsche und Vorstellungen angehört und im Handumdrehen einen Entwurf für mich gezeichnet. Auch der Stoff, den er ausgewählt hat, ist vom Feinsten und genau das, was ich mir gewünscht habe. Er meinte nur, ich könne in zwei Tagen schon zur Anprobe kommen. Und wenn mir das Kleid trotz allem nicht gefällt, voilà, dann hängt er es einfach mit in die Auslagen!“
„Voilà?“ fragte Sara verständnislos. Meg lachte.
„Er ist Franzose, und er redet und redet, dass einem ganz schwindlig wird, aber ich denke, er ist okay. Bin schon ganz gespannt auf das Kleid!“ Sie stoppte den Wagen vor Dereks Haus. „So, da sind wir!“
„Kommst Du nicht mit rein?“ fragte Sara ein bisschen enttäuscht, aber Meg schüttelte mit einem Blick zur Uhr bedauernd den Kopf.  
„Tut mir leid, doch Ben wird schon warten und sich fragen, wo ich so lange bleibe. Ich verspreche Dir aber, dass wir unser Plauderstündchen bald nachholen.“
Sara nickte.
„Das hoffe ich auch.“ Sie maß ihre Schwester mit einem kritischen Blick. „Du siehst etwas müde aus, Meg. Ich glaube, Du mutest Dir in der letzten Zeit einfach zuviel zu.“
Meg lächelte.
„Die Dreharbeiten sind bald vorbei. Dann führe ich wieder ein geregeltes Leben. Darauf freue ich mich schon, und natürlich auf die Hochzeit!“
Sie winkten sich noch einmal kurz zu, und Sara sah ihrer Schwester hinterher, bis der Sportwagen hinter der nächsten Kurve verschwand.

Jeany

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Ricardo strich sich seinen Anzug noch einmal glatt, bevor er die Tür zum "Grenadines", Sunset Beachs Nobel Restaurant, öffnete. Suchend ging sein Blick in die Runde.

"Einen wunderschönen guten Abend, Sir!" wurde er von dem Oberkellner begrüßt. "Was kann ich für Sie tun?"

Ricardo lächelte dem Mann freundlich zu.

"Auf den Namen 'Torres' wurde für heute Abend ein Tisch reserviert," erklärte er.

Der Oberkellner nickte eifrig.

"Natürlich, Sir. Bitte hier entlang!" Er machte Ricardo ein Zeichen, daß er ihm folgen sollte. Madame Carmen hatte sich einen Tisch in einer der Nischen ausgesucht, etwas abseits gelegen von den übrigen Restaurantbesuchern. Als sie ihren Sohn auf sich zukommen sah, stand sie auf und gab ihm einen Kuß auf die Wange.

"Ricardo! Wie schön, daß Du meiner Einladung gefolgt bist!"

Ricardo nickte dem Oberkellner noch einmal dankend zu und nahm dann gegenüber seiner Mutter platz.

"Es klang ziemlich dringend am Telefon," sagte er knapp.

Madame Carmen schlang ihre beringten Finger ineinander.

"Ich habe eine Überraschung für Dich," antwortete sie. Ricardo hob erstaunt die Augenbrauen. "Eine Überraschung? Was ist es?"

"Warte noch einen Moment," bat Madame Carmen. "Dann wirst Du es schon sehen." Um ihren Mund herum spielte ein geheimnisvolles Lächeln. Sie griff nach der Speisekarte und begann die einzelnen Seiten zu studieren. Nervös trommelte Ricardo mit seinen Fingern auf der Tischplatte herum.

"Ricardo, bitte!" Madame Carmen warf ihrem Sohn einen mißbilligenden Blick zu. Seufzend nahm Ricardo die Hände vom Tisch.

"Mama, ich bin nicht hierher gekommen, um meine Zeit totzuschlagen!" sagte er ungehalten. "Du hast am Telefon gesagt, daß es etwas Dringendes zu besprechen gibt, und nur deshalb bin ich hier. Eigentlich hatte ich für heute Abend schon ganz andere Pläne ..." Er räusperte sich. Madame Carmen sah von ihrer Speisekarte auf.

"Du redest von Gabi, nicht wahr?" Ricardo sah sie verwirrt an.

"Ja," gab er zögernd zu. Madame Carmen beugte sich zu Ricardo hinüber und sah ihn mit einem durchdringenden Blick an.

"Was bedeutet Dir dieses Mädchen?" fragte sie direkt, während sie ihn nicht aus den Augen ließ. Ricardo sah seine Mutter stirnrunzelnd an. Er verstand nicht, worauf sie hinauswollte.

"Du weißt doch, was sie mir bedeutet," entgegnete er. "Ich liebe sie mehr als mein Leben, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das sie eines Tages 'Mrs. Torres' wird!"

Um Madame Carmens Mund herum zuckte es.

"Und bist Du Dir sicher, mein Sohn" begann sie zögernd," daß sie Dich genauso liebt?" Ihre Augen schienen ihn zu durchbohren, und Ricardo wich ihrem Blick aus. Er fühlte sich mit einem Mal sehr unbehaglich. Schweigend starrte er auf seine Hände.

"Mama!" Antonios Ausruf unterbrach die quälende Stille. Erschrocken fuhr Ricardo herum. "Antonio ..." rief er überrascht, nachdem er sich von seinem Schreck erholt hatte. Madame Carmen sah ihren Jüngsten mit einem undefinierbaren Blick an, was auch Ricardo nicht verborgen blieb. Antonio legte Ricardo zur Begrüßung eine Hand auf die Schulter, bevor er neben ihm platz nahm.

"Ich glaube, ich bin gerade zur rechten Zeit gekommen," sagte er, während er einen vorwurfsvollen Blick zu seiner Mutter hinüberwarf. Ricardo sah irritiert von einem zum anderen. Was verbargen seine Mutter und sein Bruder vor ihm? Antonio räusperte sich, bevor er mit dem Grund seines Kommens herausrückte.

"Ich bin sehr froh, daß wir jetzt alle hier beisammen sind, denn ich habe Euch etwas Wichtiges mitzuteilen." ...

Mona

 

 

Antonio räusperte sich erneut, bevor er weitersprach.

"Ich bin nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluß gekommen, Sunset Beach nicht zu verlassen."

Ricardo hob den Kopf und sah seinen Bruder erstaunt an, während Madame Carmen still vor sich hin lächelte.

"Das ist ja großartig!" Ricardo sprang auf und umarmte seinen Bruder spontan. Verlegen machte Antonio eine Abwehrbewegung und lachte.

"Hey, langsam, großer Bruder! Du erwürgst mich ja!"

Ricardo ließ Antonio los und stimmte in sein Lachen mit ein. Madame Carmen hatte die ganze Zeit schweigend am Tisch gesessen und die rührende Szene beobachtet. Sie war überglücklich darüber, daß Ihr Jüngster nun doch nicht fortgehen würde, doch sie wusste auch, daß diese Tatsache nur wieder für Ärger sorgen würde. Sie zwang sich zu einem Lächeln.

"Das ist wirklich eine Überraschung!" rief sie. Antonio grinste seine Mutter verschmitzt an. "Nicht wirklich, Mama, oder? Du hast doch bestimmt schon wieder alles vorher in Deiner weisen Kugel gesehen."

Madame Carmen lächelte geheimnisvoll.

"Natürlich! Deshalb habe ich ja auch dieses Treffen engagiert."

Ricardo ignorierte die Bemerkung seiner Mutter und wandte sich an seinen Bruder.

"Wie kommt es zu dem plötzlichen Sinneswandel?" fragte er neugierig. Antonio warf schnell einen Blick zu seiner Mutter hinüber bevor er antwortete, doch Madame Carmen hatte sich schon wieder in ihre Speisekarte vertieft.

"Nun," begann er," als ich Euch damals erzählte, daß ich zu einer anderen Mission wechseln wollte, seid Ihr alle so unglücklich darüber gewesen, und ..." Er machte eine Pause. "Und mir wurde plötzlich auch bewußt, wieviel mir meine Familie wirklich bedeutet."

Ricardo nickte.

"Das war die beste Entscheidung, die Du je getroffen hast," stellte er fest.

Antonio griff nach der Speisekarte.

"So, nachdem das jetzt geklärt wäre, könnten wir doch eigentlich bestellen, oder was meint Ihr?"

Ricardo grinste.

"Gute Idee! Ich verhungere schon fast."

Madame Carmen legte ihre Speisekarte zur Seite.

"Und zur Feier des Tages möchte ich Euch alle einladen!" erklärte sie und gab dem Ober ein Handzeichen, daß sie bestellen wollten.

Mona

 

 

Pünktlich stand Cole vor dem Haus von Bette, um Emily abzuholen. Als er gerade die Klingel drücken wollte, öffnete sich die Haustür.

„Hi Cole, ich habe Dich schon kommen sehen.“ lächelte Emily Cole an.

„Hi Emily, bist Du fertig?“ fragte Cole. Emily nickte und zog die Haustür hinter sich zu.

„Ich hoffe, ich bin für unsere Expedition richtig gekleidet?“

Cole ließ seinen Blick über Emily streifen. Sie trug eine gut sitzende Jeans und eine ärmellose Bluse. Ihre nackten Füße steckten in einem Paar Leinenturnschuhe. Anerkennend nickte Cole. „Perfekt. Komm lass uns gehen, damit wir vor Sonnenuntergang bei den Höhlen sind.“

Schweigend gingen die beiden am Strand entlang.

Plötzlich bemerkte Emily Ted und Annie in einiger Entfernung, wie diese Hand in Hand an der Strandpromenade entlang spazierten und dabei ausgiebig die Auslagen in den Schaufenstern betrachteten. Dabei lachten sie und einmal zog Ted Annie kurz zu sich heran und küsste sie auf die Wange.

Emily bemerkte, dass auch Cole die beiden beobachtet hatte.

„Macht es Dir immer noch sehr viel aus, dass die beiden nun zusammen sind und unser Plan nicht funktioniert hat?“

„Nein,“ antwortete Cole ohne zu zögern „im Nachhinein ist mir klar geworden, dass Annie und ich nicht richtig zusammen gepasst haben. Die kurze Zeit mit ihr war schön, aber auch anstrengend.“ Emily lachte.

„Das kann ich mir vorstellen. Aber Ted scheint ganz gut mit ihr klar zu kommen.“

„Ja,“ nickte Cole „sieht so aus.“ Dann fasste er Emily bei der Hand.  „Komm, die Höhlen sind gleich da vorne.“ Vorsichtig half er Emily dabei die Felsen hinaufzuklettern. Wenige Minuten später standen sie vor dem Eingang einer der Höhlen. Emily sah sich um.

„Wow, der Ausblick von hier oben ist atemberaubend.“

„Ja nicht wahr?“ sagte Cole leise und lies dabei Emily nicht aus den Augen.

Die Sonne stand nun schon sehr tief und würde jeden Augenblick das Meer berühren. Das Licht ließ Emilys Haare aufleuchten und Cole konnte seine Augen nicht von ihr abwenden. Vorsichtig streckte er seine Hand aus und berührte Emilys Haar.

„Weißt Du eigentlich, dass Du wunderschön aussiehst?“

Erstaunt drehte Emily ihren Kopf zu Cole um.

„Ach Cole, das brauchst Du jetzt nicht zu sagen.“

Cole lächelte.

„Ich sage das nicht nur so, ich meine es auch.“

Leicht errötend schlug Emily die Augen nieder und wusste nicht, was sie antworten sollte. „Emily,“ sagte Cole leise und hob mit seiner Hand ihr Kinn an, so dass sie ihn wieder ansehen musste „Ich meine es wirklich so. Ein Grund, warum ich Annie nicht mehr nachtrauere ist der, dass ich mich in Dich verliebt habe.“ Cole trat einen Schritt auf Emily zu. Er sah ihr tief in die Augen, dann senkte er langsam den Kopf uns sanft berührten seine Lippen die von Emily.

Einen Augenblick zögerte Emily, dann aber schmiegte sie sich an Cole an und erwiderte seinen Kuss. Als sie sich endlich von einander lösten, standen sie Stirn an Stirn und schauten sich in die Augen.

„Heißt das, dass Du mich auch magst?“

Emily nickte.

„Ja Cole, ich habe mich auch in Dich verliebt, ich hatte nur die ganze Zeit angst, dass Du immer noch Annie liebst.“

Sanft zog Cole sie in seine Arme.

„Darüber brauchst Du Dir keine Sorgen zu machen, über Annie bin ich hinweg.“

„Gut“ lächelte Emily und schmiegte sich in Coles Arme. „Schau der Sonnenuntergang, ist der nicht wunderschön.“

„Ja und ich verspreche Dir, wir werden noch viele Sonnenuntergänge zusammen ansehen.“ Schweigend beobachteten die beiden, wie die Sonne im Meer versank. Dann nahm Cole Emilys Hand.

„Komm, wir sollten wieder runter klettern, bevor es ganz dunkel wird.“ Vorsichtig half Cole Emily bei Abstieg und Hand in Hand gingen sie am Strand zurück. Vor Bettes Haus zog Cole Emily noch einmal in seine Arme und küsste sie.

„Sehen wir uns morgen?“

Emily nickte.

„Ruf mich einfach an, ja?“

„Mache ich. Gute Nacht und träum schön.“ Dann drehte er sich um und ging in der Dunkelheit davon. Emily sah ihm noch einen Augenblick nach, bevor sie ins Haus ging und die Haustür hinter sich verschloss.

Meg_Cummings

 

 

Meg hatte am nächsten Tag, als sie am Set ankam, kaum ihre Garderobentür hinter sich geschlossen, als diese schon wieder aufflog und Cynthia Miles mit wütend blitzenden Augen hereingerauscht kam.  
„Hey, Du Miststück, laß Dir eins gesagt sein, Du kommst nicht aus Deinem Kornfeld daher und schnappst mir Jake vor der Nase weg!“ keifte sie außer sich und knallte eine Tageszeitung auf den Tisch.
Meg, an derartige Ausbrüche der erfolgsgewohnten Darstellerin inzwischen gewöhnt, ließ sich nur seufzend in dem Sessel vor der Spiegelkommode fallen. Sie verspürte keinerlei Lust, mit Cynthia zu streiten, was auch immer sich die Medien da wieder aus den Fingern gesogen haben mochten.
„Laß mich in Ruhe, ich muß mich auf meine Rolle vorbereiten.“ meinte sie nur und sah sich genauer im Spiegel an. Sara hatte recht, die dunklen Schatten unter ihren Augen waren kaum zu übersehen. Nun ja, Cathy würde das mit ein bisschen Schminke hinbekommen.
Cynthia dachte jedoch nicht daran, sofort zu verschwinden. Sie baute sich vor Meg auf und sah die vermeintliche Rivalin bitterböse an.
„Ich sag es Dir zum letzten Mal, laß Deine Krallen von Jake, oder es wird Dir noch sehr sehr leid tun!“
„Du drohst mir?“ Meg lachte. „Nimm Dich in acht, Cynthia, so etwas geht manchmal nach hinten los!“ Sie holte tief Luft und drehte sich um. „Du kapierst es einfach nicht, oder? Ich habe kein Interesse an Jake, weder jetzt noch sonst irgendwann, Du kannst ihn haben, falls er Dich überhaupt will!“
„Erzähl mir keine Märchen!“ fauchte Cynthia. „Lies die Zeitung, falls Du lesen gelernt hast in dem Kaff, wo Du herkommst! Und dann sag mir nochmal ins Gesicht, Du hättest kein Interesse an Jake, Du... Du...“
„Was ist denn hier los?“ klang Jakes drohende Stimme von der Tür her, während er abwartend von einer zur anderen blickte.
„Frag sie...“ erwiderte Meg resigniert. „Ich weiß selbst nicht genau, worum es diesmal wieder geht.“
„Ach nein? Nein? Du hast Dich mit ihm verlobt, Du Schlange, und willst mir weismachen, Du wüßtest nichts davon?“ schrie Cynthia und stürmte auf Jake zu. „Wie kannst Du mir das nur antun, Du Mistkerl!“ schluchzte sie theatralisch und schaffte es sogar, dass Tränen in ihren Augen schimmerten. Dann drehte sie sich um und lief aus dem Zimmer, wobei sie die Tür so heftig ins Schloss warf, dass die Wände zu wackeln schienen.
„Ich habe... was?“ Meg erhob sich langsam und griff ungläubig nach der Zeitung.  
„He, warte mal, warte...“ Jake wollte sie zurückhalten, doch Meg hatte die Schlagzeilen schon entdeckt.
Und sie lieben sich doch!“ stand da in fetten Lettern. Ein deutliches Foto zeigte Jake und Meg bei ihrem gestrigen Mittagessen. Jake hielt ihr den Diamantring vor die Nase, der angeblich für seine Schwester bestimmt war, und Megs Gesicht zeigte auf dem Bild ein überraschtes Lächeln. „Jake Williams und Meg Cummings verlobten sich gestern heimlich während einer sehr privaten, romantischen Feier in einem kleinen Restaurant in L.A. Diese Informationen wurden bisher von keiner Seite dementiert.“ stand darunter groß und breit zu lesen.
Langsam hob Meg den Kopf und sah Jake in die Augen.
„Du hast das arrangiert, hab ich recht?“
„Nein, Meg, ich hatte keine Ahnung, dass man uns beobachtet! Wirklich nicht!“
Sie blieb erstaunlich ruhig.
„Dann geh hin und dementiere diese Lügen.“
„Das kann ich nicht.“ sagte er schuldbewußt.
„Wieso nicht?“
„Damit würde ich mich nur zum Narren machen, und das kann ich mir nicht leisten!“
„Aber Du kannst Dir leisten, mir meine Zukunft kaputtzumachen, ja?“
„Meg, das Geschmiere glaubt doch sowieso keiner!“
„Was glaubst Du eigentlich, wie Ben sich dabei fühlt?“
„Meine Güte, ich kann nicht auch noch auf seine Gefühle Rücksicht nehmen!“
Meg drückte ihm die Zeitung schwungvoll in die Hand, ging zur Tür und öffnete sie.
„Verschwinde!“
„Meg, was soll denn das, laß uns doch darüber...“
„Ich hab genug von Deinen Spielchen! Raus!“
Er gab auf und verließ das Zimmer.
Endlich allein ließ sich Meg auf das Sofa fallen und schloß die Augen. Das Zimmer drehte sich plötzlich, und ihr war übel.  
So fand sie Cathy, die Minuten später hereinkam.
„Kindchen, was ist denn mit Ihnen los?“ rief sie erschrocken und nahm sie mit mütterlicher Geste in den Arm. Meg legte ihren Kopf an Cathys Schulter.
„Ich fürchte, ich bin dem ganzen Theater hier manchmal nicht so richtig gewachsen.“ sagte sie matt.
Cathy nickte verstehend.
„Das kann man lernen, Kleines, glauben Sie mir!“ Sie musterte Meg prüfend und lächelte ihr dann ermutigend zu. „Wir werden zwar heute etwas mehr Schminke brauchen als sonst, fürchte ich, aber das kriegen wir schon hin!“

Jeany

 

 

Schwungvoll öffnete Tyus die Tür zu Bettes Krankenzimmer und betrat dieses.

„Guten Morgen Bette, wie geht es uns denn heute?“

Ärgerlich blickte Bette auf.

„Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich werde hier noch verrückt.“

Tyus ließ sich nicht von Bettes schlechter Laune beeindrucken und trat an ihr Bett, um ihr den Puls zu fühlen.

„Nun sagen sie bloß nicht, Sie genießen Ihren Aufenthalt in unserm Haus nicht?“ fragte er und begann in Bettes Krankenblatt zu lesen.

„Abwechselung, puh!“ Bette rollte mit den Augen. „Sie, Doc, haben mir doch Ruhe verordnet oder?“

Tyus nickte.

„Ja das ist richtig.“

„Nun,“ Bette kreuzte ihre Arme vor ihrer Brust, „dann erklären Sie mir mal bitte, wie das funktionieren soll? Immer wenn ich gerade am einschlafen bin, kommt irgendeine Schwester und will meinen Blutdruck messen oder schiebt mir ein Thermometer in den Mund. Nicht einmal in Ruhe Fernsehen kann man hier. Als vorhin gerade die California Coast Story lief, kamen doch tatsächlich zwei Putzfrauen hier rein und fingen an sauber zu machen.“

Tyus konnte ein Lächeln kaum unterdrücken.

„Nun bin ich aber überrascht, ich hätte nie gedacht, dass Sie sich eine Soap ansehen.“ „Normalerweise mache ich das ja auch nicht, aber seit Meg in dieser Serie mitspielt, verfolge ich die Serie und bin schon richtig gehend süchtig danach. Nur heute habe ich leider nicht viel davon mitbekommen. Dabei wurde doch heute die Folge gezeigt, wo sich Jake und Meg zum ersten Mal leidenschaftlich geküsst haben.“

Erstaunt sah Tyus Bette an.

„Ich habe ja noch gar nicht gewusst, dass unsere Putzfrauen so einen Krach veranstalten.“

Bette rollte ihre Augen.

„Nun, haben Sie schon mal zugehört, wenn sich zwei Mexikanerinnen unterhalten? Nicht einmal verstehen kann man sie, was die Sache noch unangenehmer macht.“

Nun konnte Tyus sein Lachen nicht mehr zurück halten.

„Na gut, was halten Sie davon, wenn ich Sie heute entlasse?“

Sofort wollte Bette aus dem Bett springen, wurde aber von Tyus gestoppt.

„Halt nicht so schnell, zuvor gibt es noch ein Paar Regeln, die Sie beachten müssen.“

Bette seufzte.

„Warum habe ich das geahnt? Also, was muss ich tun?“

Tyus zog sich einen Stuhl heran und setzte sich.

„Zunächst einmal müssen Sie sich viel Ruhe gönnen und wenn Sie müde sind, dann gönnen Sie sich einfach ein Nickerchen. Dann bekommen Sie von mir einen speziellen Diätplan mit, nach dem Sie sich bitte genau halten und noch ein paar Tabletten, die Sie regelmäßig einnehmen müssen. Und was ganz wichtig ist, Sie kommen jede Woche bei mir vorbei für ein Check up.“

Bette nickte.

„Sonst noch etwas?“

Tyus stand auf.

„Nein, ich mache dann Ihre Entlassungspapiere klar. Sie können dann in der Zwischenzeit Ihren Mann anrufen, damit er Sie abholt.“

„Danke Doc und ich verspreche Ihnen, mich ganz genau an Ihre Anweisungen zu halten.“

„Das ist gut.“ nickte Tyus. „Wir sehen uns dann noch, bevor Sie gehen.“ Er verließ das Krankenzimmer und Bette griff sofort zum Telefon, um Sam anzurufen.

Meg_Cummings

 

 

Total sauer mit sich und dem Rest der Welt war Gregory schließlich wieder nach Sunset Beach zurückgekehrt und hatte sich zunächst hinter einem Berg Arbeit verschanzt. Aber die Vorfälle der letzten Tage gingen ihm einfach nicht aus dem Kopf, und besonders die Tatsache, dass sein Erzrivale, A.J. Deschanel, immer noch am Leben war und ihn obendrein jederzeit wegen Anstiftung zum Mord verklagen konnte, nagte an ihm wie eine böse Krankheit.
Mit Olivia war nicht zu reden, sie hielt an ihrem Vorhaben fest, sich von ihm scheiden zu lassen, nachdem sie ihn mit Jade im Bett erwischt hatte. Sogar aus dem gemeinsamen Schlafzimmer war sie sofort ausgezogen, und sobald er nach Hause kam, ließ sie keine Gelegenheit aus, um ihn anzugiften. Es war zum Verzweifeln!  
Voller Wut und Frustration hieb er mit der Faust auf seinen Schreibtisch. Er wollte keine Scheidung von Olivia, ebenso wenig würde er sich von A.J. erpressen lassen, und noch viel weniger würde er dabei zusehen, wie sich dieser Scharlatan wieder an seine Frau heranmachte. Es war langsam an der Zeit, das Zepter wieder in die Hand zu nehmen und hier in dieser ganzen vertrackten Situation für Ordnung zu sorgen!
 
Rita, seine Vertretungssekretärin, die ihn mit ihrer zeitweiligen Begriffsstutzigkeit auf die Nerven ging, steckte den Kopf durch den Türspalt, ohne vorher angeklopft zu haben.
„Mr. Richards, ein Anruf für Sie auf Leitung...“
„Raaaaus!“ schrie er sie an. „Ich will nicht gestört werden!“
Total geschockt schloß die junge Frau schnell die Tür wieder.
„So...“ Gregory atmete tief durch, „fangen wir an, hier ein wenig Ordnung zu schaffen, nur so zur Einstimmung, damit hier nicht jeder macht, was er gerade will!“ Er nahm das Telefon und wählte Bettes Nummer.
„Hallo, hier ist Gregory. Bette, bitte beantworte mir eine Frage: Da Du schwanger bist und Deine Schwangerschaft, wie ich hörte, kompliziert ist, hast Du doch sicher vorerst nicht vor, weiter für mich zu arbeiten?... okay, das wollte ich hören... ja, ich werde Dir eine angemessene Abfindung zahlen und Dir eine entsprechend gute Beurteilung schreiben, meine Liebe... ja, verdammt, Du kannst Dich darauf verlassen!“ Er legte auf und rieb sich zufrieden die Hände. „Soweit dazu... die bin ich los. Weiter...“
Er stand auf und ging hinaus ins Vorzimmer. Seine Aushilfe, sowie Shirley, die Meg vertrat, schauten erschrocken hoch, als er schwungvoll die Tür öffnete.
„Kann ich etwas für Sie tun, Sir?“ fragte Rita schnell.
„Allerdings, das können Sie.“ erwiderte Gregory gedehnt und schien sie mit seinen Blicken zu durchbohren. „Setzen Sie eine Annonce auf und schicken Sie diese sofort an den Sentinel.“
Diensteifrig griff Rita nach dem Stift.
„Mit welchem Wortlaut bitte?“
„Persönliche Assistentin für  renommierte Immobilienfirma in Sunset Beach dringend gesucht. Bevorzugt Anwaltsgehilfin.“
„Sie wollen noch jemand einstellen, Mr. Richards?“ fragte Rita interessiert, während sie eifrig auf ihren Block kritzelte.
„Ja“ erwiderte er knapp und war schon wieder an der Tür zu seinem Büro. „Im übrigen, Rita, wenn Sie damit fertig sind, können Sie gehen. Sie sind gefeuert!“

Jeany

 

 

Nachdenklich starrte A.J. auf das Telefon. Gregory Richards hatte ihn eben angerufen und ein Treffen mit ihm vereinbart, angeblich, um ein für allemal die Unstimmigkeiten zwischen ihnen beiden beizulegen.  
A.J. traute dem Frieden nicht, und er traute Gregory noch viel weniger. Ein heimtückischer, skrupelloser Geschäftsmann wie er, der noch vor kurzem versucht hatte, ihn ohne Bedenken aus dem Weg zu räumen... Wollte er wirklich nur ein klärendes Gespräch oder steckte mehr dahinter?
Während A.J. noch darüber nachgrübelte, klopfte es an die Hotelzimmertür. A.J. stand auf und öffnete. Als er seine Tochter erblickte, verfinsterte sich seine Miene noch mehr. Wortlos trat er zurück und ließ sie ein.
„Daddy?“ Jade ging hinüber zur Couch und setzte sich, während sie die langen Beinen elegant übereinanderschlug. „Wir müssen reden.“
A.J. lachte sarkastisch.
„Ich wüßte nicht, worüber.“
„Du kannst mich nicht weiterhin wie Luft behandeln!“ begehrte sie auf. „Ich bin Deine Tochter!“
„Daran hättest Du früher denken sollen, bevor Du mit dem Mann ins Bett steigst, der alles daran setzt, mich ein für allemal loszuwerden.“
Jade schüttelte mißbilligend den Kopf.
„Du hast immer noch nicht gerafft, warum ich das getan habe!“
„Erklär es mir!“
„Okay...“ Jade stand auf und goß sich ein Mineralwasser ein. Mit dem Glas in der Hand begann sie, im Zimmer auf und abzugehen. „Du warst plötzlich spurlos verschwunden, und Gregory hatte mir eine Falle gestellt. Ich wurde wegen Drogenmissbrauchs angeklagt, Drogen, die ich in Deinem Auftrag Sean Richards unterschieben sollte, erinnerst Du Dich? Gregory stellte mich vor die Wahl... entweder ich verzichte auf den Radiosender, den er ja um jeden Preis wieder zurückhaben wollte, oder... na ja, den Rest kannst Du Dir denken. Ich hatte keine Wahl, ich mußte auf diesen Kompromiss eingehen.“
„Dann hat er auch von Dir verlangt, mit ihm zu schlafen?“ fragte A.J. ungläubig.
Jade schüttelte den Kopf.
„Nein, das war Teil meines eigenen Planes.“
„Was für ein Plan?“
„Ich habe erlebt, wie Gregory sich mit seiner Frau zerstritten hat, nachdem sie ihn mit ihrer gefühlsduseligen Aussage vor Gericht zum Narren machte. Ich dachte, wenn ich mich an ihn heranmache, und seine Schwäche ausnutze, kommt es vielleicht zur Scheidung zwischen den beiden, und dann...“
A,J. wirbelte herum und starrte seine Tochter fassungslos an.
„Und Du dachtest tatsächlich, Du könntest ihn Dir angeln, und mit ihm sein ganzes Vermögen?“ Er begann zu lachen. „Jade, ich habe Dich wirklich cleverer eingeschätzt. Glaubst Du, Gregory läßt sich so einfach übers Ohr hauen? Oh mein Gott...!“
Beleidigt musterte Jade ihren Vater.
„Auch der allmächtige Gregory Richards ist gegen gewisse Reize nicht unempfänglich.“ meinte sie selbstbewußt. „Man muß nur wissen, wie und wann man sie einsetzt.“
„Er hat mich vorhin angerufen. Er will mit mir reden.“ wechselte A.J. das Thema.
„Gregory?“ fragte Jade erstaunt. „Worüber will er mit Dir reden?“
„Er schlägt einen Waffenstillstand zwischen uns vor.“
Jade betrachtete nachdenklich das Glas in ihrer Hand.
„Und? Wirst Du darauf eingehen?“
„Ich weiß noch nicht. Vielleicht ist es das Beste. Ich bin im Moment nicht so stark, wie ich sein sollte, weder finanziell noch körperlich. Es wäre vielleicht gut, unsere  Machtkämpfe für eine Weile auszusetzen.“
„Das ist doch nicht Dein Ernst!“ rief Jade. „Wo bleiben Deine Prinzipien?“
„Das mußt Du mir gerade sagen. Schließlich warst Du sogar bereit, diesen Mann zu heiraten!“
„Das ist doch was anderes, Daddy, dabei ging es mir letztendlich auch nur ums Geschäft.“
A.J. nickte abwesend.
„Wie dem auch sei... Er will sich mit mir heute abend in Aspon treffen, allein.“
„In seinem Wochenendhaus?“ staunte Jade.
„Ja, nur wir beide.“
„Und Du traust ihm?“
„Nein.“ A.J. sah seine Tochter bedeutungsvoll an. „Ich weiß mich schon entsprechend abzusichern.“
Jade stellte das Glas auf den Tisch und nickte.
„Okay, Dad, ich werde Dich nach Aspon begleiten.“

Jeany

 

 

Als Gregory nach Hause kam, öffnete Rose ihm diensteifrig die Tür.
„Guten Abend, Mister Richards.“
„Rose...“ begrüßte er seine Angestellte und übergab ihr seinen Aktenkoffer. „Bringen Sie den hier bitte in mein Arbeitszimmer.
Wo ist Mrs. Richards?“
“Oben, Sir.”
“Gut.” Gregory überlegte einen Moment. „Sagen Sie ihr, dass ich zu Hause bin und sie hier unten zu sehen wünsche. Und danach fangen Sie unverzüglich an, die persönlichen Sachen meiner Frau zurück in unser gemeinsames Schlafzimmer zu räumen.“
„In Ordnung, Sir.“ antwortete Rose, und falls sie erstaunt über die Anweisung war, so ließ sie es sich nicht anmerken. Sie hatte in diesem Haus schon zu viel erlebt, als sich ernsthaft über solche Dinge zu wundern.
Während Gregory die Post durchsah, erschien Olivia mit zornesgeröteten Wangen auf der Treppe.
„Was fällt Dir ein, Rose zu sagen, sie soll...“
„Halt den Mund, Olivia.“ erwiderte er ungerührt. „Ab heute ist Schluß mit diesem Theater. Du wirst Dich benehmen wie meine Ehefrau.“
Sie lachte wütend auf.
„Ha... dann solltest Du erst einmal lernen, Dich wie mein Ehemann zu benehmen.“
„Das werde ich, meine Liebe, das werde ich.“ Er maß sie mit einem prüfenden Blick. „Im übrigen würde ich Dir empfehlen, Dich jetzt umzuziehen. Wir gehen heute abend aus.“
Olivia schnappte verblüfft nach Luft.
„Also ich muß schon sagen...“
„Ich habe im Grenadines einen Tisch für uns bestellt. Es wird Zeit, dass wir uns wieder in der Öffentlichkeit präsentieren, Du und ich, glücklich vereint und in schönster Harmonie.“ fuhr Gregory ungerührt fort, als in diesem Moment das Telefon zu läuten begann. Er streckte bereits die Hand nach dem Hörer aus, drehte sich aber noch einmal zu seiner Frau um. „Und leg die Juwelen an, die ich Dir zum letzten Hochzeitstag geschenkt habe.“ Seine Stimme klang ruhig, fast sanft, duldete aber keinen Widerspruch.
Olivia holte trotzdem tief Luft, um etwas zu entgegnen, doch Gregory war bereits in sein Telefonat vertieft.
„Ja, ich bin es selbst... natürlich bleibt es dabei, ich möchte, dass Sie alles so erledigen, wie ich es Ihnen gesagt habe. Diesmal dürfen Sie sich keinen Fehler leisten, ansonsten sorge ich persönlich dafür, dass Sie nie wieder einen Fehler machen!... das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen! Führen Sie diesen Auftrag aus, und informieren Sie mich diskret, wenn alles zu meiner Zufriedenheit erledigt ist.“
Erstaunt hörte Olivia zu. Sie hatte keine Ahnung, um was es ging, aber Gregorys Ton war überzeugend und gebieterisch, seine Stärke und Kompromisslosigkeit in gewissen Dingen war etwas, was sie schon früher immer an ihm fasziniert hatte, und sie spürte auch diesmal wieder dieses gewisses Kribbeln auf der Haut, das alle Zweifel in ihr auf einen Schlag beseitigte.
Als Gregory das Telefonat beendet hatte, war sie bereits nach oben geeilt, um sich für den Abend mit ihrem starken, skrupellosen und überzeugenden Ehemann schön zu machen...

Jeany

 

 

A.J. parkte seinen Wagen ein ganzes Stück entfernt von dem kleinen Anwesen der Richards und schaltete die Scheinwerfer aus. Inzwischen war es völlig dunkel, aber im Haus brannte Licht. Also war jemand da.  
A.J. vermeinte im Schatten der Bäume erkennen zu können, dass ein einzelner Wagen in der Auffahrt geparkt war. Er nahm eine Pistole aus dem Handschuhfach und reichte sie Jade, die neben ihm auf dem Beifahrersitz saß.
„Du wartest hier auf mich.“ befahl er seiner Tochter. „Ich will erst nachsehen, ob er wirklich allein ist, oder ob es sich wieder nur um einen seiner miesen Tricks handelt. Steig unter keinen Umständen aus und zögere nicht zu schießen, falls Dich jemand angreifen sollte.“
Er selbst zog ebenfalls eine Waffe aus seiner Jackentasche und entsicherte sie. Dann verließ er den Wagen und lief geduckt auf das Haus zu.
 
Jade wartete eine Weile, bis A.J. in der Dunkelheit verschwunden war. Von ihrer inneren Unruhe angetrieben, stieg sie schließlich aus, die Pistole in Anschlag, und sah sich vorsichtig um. Es war tödlich still hier, zu still, wie sie fand.
Langsam schlich sie zur Auffahrt hinüber.  
Ob ihr Vater inzwischen schon im Haus war? Vielleicht war von einem der Fenster aus etwas zu erspähen, was drinnen vorging.
Schritt für Schritt, sich immer wieder mißtrauisch umsehend, ging sie auf eines der erleuchteten Seitenfenster zu, als sie ein merkwürdiges, leises Zischen hörte.
 
Im nächsten Augenblick erhellte plötzlich ein greller übermächtiger Blitz den sternenklaren Himmel, unmittelbar begleitet von einem explosionsartigen, vernichtenden Donnerschlag, der die Stille der Nacht zerriß und von den Bergen wiederhallte, während er das Wochenendhaus mitsamt dem dazugehörigen Grundstück der Richards in einen grellen, alles verzehrenden Feuerball verwandelte, der sich mit dumpfem Grollen emporwälzte und alles ringsum binnen Sekunden in vernichtenden Flammen stehen ließ.
 
Langsam senkte sich wieder eine unheimliche Stille über den Ort dieser furchtbaren Explosion.  
Nur noch das prasselnde, knackende Geräusch der Flammen war zu hören, die sich in rasender Eile durch die Trümmer und Überreste des Hauses fraßen, bevor ihnen die Nahrung auszugehen drohte.
Gregory Richards Anwesen in den Bergen von Aspon gab es nicht mehr.

Jeany

 

 

Ludlow/Kansas - Auf der Ranch der Cummings
 
"So, das wäre geschafft."

Joan Cummings ließ das Schloß ihres Koffers zuschnappen. Sie drehte sich zu ihrem Mann um, der gerade das Schlafzimmer betrat. "Wo bist Du gewesen, Hank? Ich habe Dich gesucht."

Er strich sich nachdenklich über sein Kinn.

"Ich habe vorhin noch einmal mit Mr. Collins telefoniert, um die letzten Einzelheiten zu besprechen."

Joan sah ihn an.

"So ganz wohl ist Dir nicht dabei, die Ranch alleine zu lassen, stimmt's?" fragte sie.

Er nickte zustimmend.

"Nein, aber nichts ist mir wichtiger als meine drei Frauen," sagte er lächelnd, während er Joan an sich zog. "Und so oft kommt es ja auch nicht vor, daß unsere Töchter heiraten," fügte er hinzu. "Um nichts in der Welt möchte ich das verpassen! Und wir sind ja auch nicht lange fort ..." sagte er zu seiner eigenen Beruhigung. Joan wies auf einen halb gepackten Koffer, der auf dem Bett lag.

"Du solltest besser mit dem Packen weitermachen," sagte sie mahnend. "Caroline wird gleich hier sein. Als ich vor einer halben Stunde bei ihr angerufen habe sagte sie, daß sie gleich losfahren wollte. Ich gehe dann schon mal runter, damit Du in Ruhe zuende packen kannst." Sie gab ihrem Mann einen freundschaftlichen Klaps auf den Po, bevor sie das Schlafzimmer verließ.

Sie stand schon auf der obersten Treppenstufe, als sie sich umdrehte und nachdenklich den Gang zurück ging. Zögernd öffnete sie die Tür zu Saras Zimmer und trat ein. Erinnerungen wurden wach, als sie die Fotos aus Saras Kinder- und Jugendzeit betrachtete, die über ihrem Bett hingen. Neben den Bildern hing ein getrockneter Blumenstrauß, den Sara zu ihrem Abschlußball in der Tanzschule von ihr und Hank bekommen hatte. Auf ihrer Kommode lag eine goldene Haarspange - ein Geschenk zu ihrem 19. Geburtstag. Sara hatte ihre schulterlangen Haare damals immer zum Pferdeschwanz gebunden gehabt.

War das tatsächlich alles erst ein knappes Jahr her?

Seufzend ließ sich Joan auf Saras Bett nieder und kämpfte mit den Tränen. Ihr "Baby" war in nur 12 Monaten erwachsen geworden und würde nun bald selber Ehefrau und Mutter sein. "Joan?" Hank öffnete vorsichtig die Tür und schaute ins Zimmer hinein. "Hier bist Du also."

Joan hob ihren Kopf und sah ihn mit Tränen in den Augen an.

"Ach, Hank ..." Ihre Stimme erstarb, und er setzte sich schnell neben sie aufs Bett und nahm sie tröstend in den Arm.

"Du brauchst nichts zu sagen. Ich weiß, was in Dir vorgeht. Ich war vorhin in Megs Zimmer ..." Er räusperte sich. "Wir sollten es positiv sehen. Wir verlieren die beiden nicht, wir bekommen zwei Söhne dazu."

Joan lächelte gequält.

"Ja," schniefte sie," Du hast recht! Wir sollten uns darüber freuen, daß unsere Mädchen zwei so gute Partien gemacht haben." Hank wischte ihr vorsichtig die Tränen fort.

"So ist es schon besser," sagte er und lächelte. Joan erwiderte sein Lächeln und stand auf. "Schluß mit der Sentimentalität!" rief sie sich selber zur Ordnung. "Bist Du fertig?"

Er nickte.

"Sehr gut, dann gehen wir jetzt runter und lassen die Vergangenheit hinter uns. Was meinst Du?" Hank hielt seiner Frau lächelnd den Arm hin.

"Das ist die beste Idee, die Du seit langem hattest," sagte er, und gemeinsam verließen sie Saras Zimmer und gingen die Treppe hinunter.

Mona

 

 

Auf dem Friedhof am Rande von Sunset Beach hatte sich eine kleine Trauergemeinde um eine frische Grabstätte versammelt. Die Stille wirkte bedrückend und dieser sonnige Tag passte überhaupt nicht zu der Szenerie, die sich dort abspielte.  
Pater Antonio hielt eine kurze Rede, obwohl er den Eindruck hatte, dass die meisten der anwesenden Trauergästen ihm gar nicht richtig zuhörten. Alle starrten mehr oder weniger betroffen auf die beiden einfachen, schmucklosen Holzsärge, die an dem offenen Grab aufgebahrt waren, und schienen ihren Gedanken nachzuhängen. Gedanken, die nicht unbedingt von Mitleid geprägt waren mit den beiden Menschen, die am heutigen Tage ihre letzte Ruhe finden sollten.
AJ Deschanel und Jade Sheridan hatten hier in Sunset Beach nicht viele Freunde gehabt.
Nur einer stand da und sah mit brennenden Augen zu, wie die Särge langsam in die dunkle Erde hinabgelassen wurden. Dieser Vorgang hatte so etwas furchtbar Entgültiges, Unwiderrufliches, und Cole presste die Lippen aufeinander, um wenigstens nach außen hin die Fassung zu wahren. Er hatte vor einigen Tagen auf tragische Weise die beiden Menschen verloren, die ihm bis dahin am nächsten standen, seinen Vater und seine Schwester.  
In stummer Verzweiflung musterte er die Anwesenden, die gekommen waren, um seiner Familie die letzte Ehre zu erweisen. Mark und seine Kollegen, die Jade vom Sender her kannten, waren da, Sam und Emily hatten ebenfalls darauf bestanden, Cole zu begleiten und ihm in dieser schweren Stunde des Abschieds beizustehen, und er rechnete es besonders Ben und Derek hoch an, dass sie beide heute ebenfalls hier waren, trotz ihrer schwerwiegenden Differenzen  mit AJ in der Vergangenheit.  
Sein Blick wanderte weiter zu dem Mann, den er eigentlich hier am wenigsten erwartet hatte: Gregory Richards, nebst Ehefrau Olivia.  
Argwöhnisch betrachtete er das Gesicht des Mannes, der in den letzten Monaten unbestritten der Erzfeind seines Vaters gewesen war. Und er sah etwas, was ihm den Atem stocken und vor Entsetzen erstarren ließ.  
Während Antonio vortrat und, den Blick hinabgesenkt auf das noch offene Grab, leise ein abschließendes Gebet sprach, lächelte Gregory...  
Es war ein triumphierendes, gemeines und hinterhältiges Grinsen, und schlagartig wurde Cole bewußt, dass sein Vater und Jade nicht einfach nur durch Zufall bei einer unvorhergesehenen Gasexplosion ums Leben gekommen waren...

Jeany

 

 

Gregory nahm zufrieden mit sich und der Welt eine Handvoll Erde und verharrte kurz am offenen Grab.  
Alles war so gelaufen, wie er es wollte, zumindest fast alles. Er hatte gemütlich mit seiner Frau im Grenadines zu Abend gegessen, als ihm die schreckliche Nachricht übermittelt wurde, dass sich auf seinem Wochenendgrundstück in Aspon eine furchtbare Gasexplosion ereignet hatte, bei der zwei Menschen ums Leben gekommen waren. Als ihn die Polizei später fragte, ob er sich erklären könnte, was AJ Deschanel und dessen Tochter wohl allein und zu so später Stunde dort oben in den Bergen gemacht hätten, gab er sich ratlos. Er erwähnte, dass er mit AJ vor einiger Zeit geschäftliche Differenzen gehabt hatte und dieser ihm mehrfach drohte, ihn vernichten zu wollen. Daraus schlossen die Ermittler, dass AJ vielleicht mit der Absicht nach Aspon gefahren sei, heimlich an der Gasleitung des Hauses zu manipulieren und dabei selbst den Tod gefunden hatte.  
Gregory triumphierte innerlich. Diesmal hatten seine Leute wirklich ganze Arbeit geleistet!
Na gut, Jade hatte nicht dort sein sollen, als sein Wochenendhaus in die Luft flog, aber wer hätte auch ahnen können, dass sie ihren Vater zu diesem Treffen begleiten würde!
„Dumm gelaufen, Süße!“ dachte er gleichgültig, „Du warst sehr reizvoll und wolltest so clever sein, hast versucht, den alten Gregory um den Finger zu wickeln. Eigentlich solltest Du gar nicht sterben, aber wer weiß, wofür dieser Zufall gut war. Vielleicht bleiben mir damit auch noch gewisse Probleme erspart. Schlaf gut, Schätzchen!“  
Ohne Reue wandte er seinen Blick dem anderen Sarg zu.
„Leb wohl, AJ, Du Bastard, der es gewagt hat, sich mit mir anzulegen, der hierherkam und dachte, er könne sich ohne Respekt alles erlauben, mir meine Frau nehmen und mich ruinieren und noch darüber lachen! Du wolltest alles, und nun hast Du nichts, nicht einmal mehr Dein erbärmliches Leben! In der Hölle sollst Du schmoren, Deschanel, in Ewigkeit, Amen!“
 
Während Olivia hinter ihm verhalten schluchzte, ließ er die schwarze, feuchte Erde langsam durch seine Finger auf die Särge niederrieseln. Das leise  Geräusch, als sie unten aufschlug, klang wie Musik in seinen Ohren.  
Er wandte sich ab und wollte gehen, doch als er den Kopf hob, blickte er geradewegs in Coles dunkle Augen und verharrte erschrocken. Der wissende Blick des jungen Mannes, der ihn so unvorbereitet traf, wirkte wie ein kalter Guss der Ernüchterung, und Gregory wurde mit einem Male klar, dass Cole ahnte, was wirklich geschehen war. Trotz der Hitze dieses Tages lief es ihm für Sekunden eiskalt über den Rücken.  
Coles Gesicht sagte ihm mehr als tausend Worte, und der Blick aus seine Augen gaben ihm ein stummes, unmissverständliches Versprechen.
Cole war auf Rache aus...

Jeany

 

 

„Hi Annie und Ted, schön, dass Ihr da seid.“ begrüßte Sam die beiden, als er die Haustür öffnete „Kommt rein.“

„Hi Sam,“ begrüßte Ted ihn mit einem Handschlag. „wie geht es Dir?“

„Mir geht es ganz gut, jedenfalls leide ich nicht unter morgendlicher Übelkeit.“

„Geht es Tante Bette immer noch so schlecht?“ fragte Annie besorgt.

„Nun ja, ich denke, es würde ihr viel besser gehen, wenn sie alles ein wenig gelassener sehen würde.“ seufzte Sam. „Aber seit Dr. Robinson Ihr strickte Bettruhe verordnet hat, ist sie einfach ungenießbar.“

„Das kann ich mir gut vorstellen. Ich würde auch verrückt werden, wenn ich den ganzen Tag im Bett liegen müsste. Wie lange muss sie denn die Bettruhe halten?“ wollte Annie wissen.

„Dr. Robinson meinte, zunächst einmal bis zur Hochzeit von den Evans’, danach wird er sie wieder genau untersuchen. Sie soll halt Stress vermeiden und sich schonen, damit Ihr Blutdruck nicht wieder ansteigt.“ Sam wurde durch den hellen Ton einer Glocke unterbrochen.

„Was war denn das?“ fragte Ted.

„Das,“ Sam verdrehte seine Augen „das ist Ihre königliche Hoheit. Mal sehen, was sie diesmal braucht.“

Ted lachte.

„Sie hält Dich wohl ganz schön auf Trab, was?“

Sam seufzte.

„Wenn Du wüsstest. Wenn ich Bette nicht so sehr lieben würde und mich nicht wahnsinnig auf das Baby freuen würde, hätte ich Ihr bestimmt schon den Hals umgedreht. Mal braucht sie ein weiteres Kissen, dann hat sie wieder zu viel Kissen im Rücken. Als nächstes möchte sie das Fenster geöffnet haben, damit sie die Seeluft einatmen kann und dann wieder ist es ihr am Strand zu laut, so dass das Fenster wieder geschlossen werden muss.“

„Ist Emily denn nicht zu Hause?“ sah Annie sich um.

„Das arme Mädchen hat den ganzen Vormittag mit Bette verbracht, so dass ich sie jetzt erst einmal nach draußen geschickt habe.“ erklärte Sam.

Wieder ertönte ein Klingeln.

„Ich gehe wohl mal besser nachsehen, was los ist.“

„Warte,“ stoppte Annie ihn. „Ich mach das schon, Du und Ted, Ihr habt ja so einiges zu besprechen.“

„Danke Annie.“ nickte Sam.

„Kein Problem.“ sagte Annie und lief die Treppen hinauf. Sam sah ihr nach.

„Ist schon erstaunlich, wie sich Annie verändert hat. Ich denke, dass haben wir wohl Dir zu verdanken.“

Ted zuckte mit den Schultern.

„Ich habe ihr nur gezeigt, dass auch sie viel erreichen kann, wenn sie sich nur bemüht und sich nicht nur darauf verlässt, dass Daddy oder sonst jemand alles für sie regelt.“

Sam reichte Ted ein Drink.

„Jedenfalls scheinst Du genau das zu sein, was Annie braucht. Aber nun lass uns dazu über gehen, den Junggesellenabschied für Ben und Derek zu planen.“

Dankbar nahm Ted den Drink entgegen.

„Ja, Du hast recht. Also ich habe heute morgen die Yacht gechartert. Mark hat mir versprochen, sich um die Getränke zu kümmern.“

„Gut“ nickte Sam. „Ich habe soweit auch alles in die Wege geleitet. Ist Dir noch jemand eingefallen, den wir einladen sollten?“

Ted schüttelte seinen Kopf.

„Nein, mir ist da niemand mehr eingefallen. Dir?“

Sam nickte.

„Ja, mir ist da in der Tat jemand eingefallen. Vor ein paar Monaten überlebte Ben einen Flugzeugabsturz über Hawaii. Auf mysteriöse Weise ging er dabei verschollen und wir befürchteten zuerst, er wäre in dem Flugzeugfrack verbrannt. Meg aber blieb hartnäckig und hat darauf bestanden, dass wir die Suche nach Ben nicht aufgeben, also sind wir nach Hawaii geflogen. Dort haben uns Freunde dann geholfen Ben zu finden.“ Sam erzählte nun ausführlich, wie und wo sie Ben letztendlich gefunden haben und mit welchem Trick sie ihn befreien konnten.

„Wow“ staunte Ted „das hat mir ja bisher noch niemand erzählt.“

Sam zuckte mit den Schultern.

„Wahrscheinlich hat einfach niemand daran gedacht.“

„Aber Eure Freunde einzuladen halte ich für eine gute Idee. Ben würde sich bestimmt freuen, wenn sie kommen würden.“

„Ja“ nickte Sam „und am besten rufe ich dort gleich mal an.“

Meg_Cummings

 

 

Hawaii
 
Thomas Magnum hatte es sich auf seinem Sofa gemütlich gemacht und schaute sich ein Baseballspiel im Fernsehen an. Auf seinem Schoß balancierte er eine große Schüssel Popcorn und in der einen Hand hielt er eine Bierflasche. Zu seinen Füßen lagen die beiden Hunde, die seinem Chef gehörten. Satt und zufrieden lagen sie dort und schnarchten leise vor sich hin.

„Verdammt“ murmelte Magnum vor sich hin, als das Telefon zu klingeln begann. Er hob den Hörer ab, ohne seine Augen vom Bildschirm zu nehmen.

„Ich hoffe es ist wichtig!“ sagte er ins Telefon. Sam am anderen Ende lachte.

„Hi Thomas, hier ist Sam Peterson aus Sunset Beach, ich hoffe, ich störe nicht.“

Thomas stellte seine Bierflasche ab und setzte sich auf.

„Hi Sam, lange nichts mehr gehört. Ich hoffe, bei Euch ist alles okay oder ist mal wieder jemand verloren gegangen?“

„Nein,“ beruhigte Sam ihn, „hier ist alles okay. Ich rufe an, um Dich, Higgins und Master Robin zu einer Hochzeit einzuladen.“

„Eine Hochzeit? Welcher arme Kerl bekommt denn Ketten angelegt?“

Wieder lachte Sam.

„Es sind sogar gleich zwei. Ben und Derek heiraten beide. Es gibt eine große Doppelhochzeit.“ „Dann hat es die kleine Meg tatsächlich geschafft, dass Ben sie zum Traualtar führt?“

„Ja, also was ist, wirst Du kommen?“ fragte Sam.

„Natürlich, so etwas kann ich mir doch nicht entgehen lassen. Wann und wo findet das große Ereignis statt?“ fragte Magnum. Sam nannte ihm die Daten.

„Sag mal Thomas, ich habe schon versucht im Haupthaus anzurufen, aber da meldet sich niemand. Weißt Du, wann Higgins und Master Robin zu erreichen sind?“

„Nun,“ antwortete Thomas, „Higgins müsste bald nach Hause kommen. Was Master Robin betrifft, der hält sich zur Zeit mal wieder irgendwo in Europa auf. Vielleicht weiß ja Higgins, wo man ihn erreichen kann.“

„Gut, dann werde ich einfach später noch mal versuchen Higgins zu erreichen.“ sagte Sam.

„Ach was, ich werde Higgins alles ausrichten. So wie ich den kenne, braucht es eh einige Überredungskunst, um ihn zum Mitkommen zu bewegen.“  

Wie aufs Stichwort hörte Thomas ein aufgebrachtes „Maaaagnuuuum!!!“ von draußen.

„Oops Sam, wenn man vom Teufel spricht..., ich mache besser Schluss und ich rufe Dich später noch einmal zurück.“

„Okay, bis dann und grüß Higgins von mir. Bye.“

„Bye“ antworte Magnum und legte auf, gerade rechtzeitig, bevor die Tür aufgerissen wurde „Magnum, wo sind die Jungs?“

Thomas musste sich zusammenreißen, um nicht in lautes Lachen auszubrechen, als er Higgins sah. Seine kakifarbenen Bermudasshorts hatten wie immer eine tadellose Bügelfalte und auch das Hemd sah knitterfrei aus, obwohl Higgins, wie Thomas wusste, die letzten Stunden unterwegs gewesen war. Den goldenen Abschluss aber bildete der Tropenhelm, den Higgins trug.

„Hi Higgiboy, schön Sie zu sehen.“

„Nenne Sie mich nicht immer so.“ schnaubte Higgins. „Wo sind die Jungs?“

„Die sind hier, keine Panik.“ antwortete Magnum und zeigte auf die schlafenden Hunde.

„Was haben Sie mit den armen Tieren gemacht?“

„Nichts,“ Thomas zuckte mit den Schultern „ich habe sie nur anständig gefüttert.“

„Sie haben was?“ Higgins lief rot vor Ärger an. „Sie wissen doch ganz genau, dass sie auf Diät sind. Wie konnten Sie nur?“

„Ach gönnen Sie den Jungs doch auch mal einen Spaß.“ winkte Magnum ab. „Apropos Spaß, Sie sollten Ihren Smoking aufbügeln, wir sind zu einer Hochzeit eingeladen.“

„Zu einer Hochzeit?“ fragte Higgins noch mal nach.

„Ja, nach Kalifornien.“

„Nun, ich denke nicht, dass ich die Zeit habe, für eine Hochzeit nach Kalifornien zu reisen.“ „Wollen Sie denn gar nicht wissen, wer heiratet?“

„Nein, da ich nicht vorhabe hinzureisen.“ antwortete Higgins.

„Schade,“ zuckte Thomas mit den Schultern und trank ein Schluck Bier. „Meg wird sicherlich enttäuscht sein.“

„Meg?“ überrascht schaute Higgins auf. „Sie meinen Mater Ben und Miss Meg heiraten?“

„Ja, sagte ich das nicht gerade?“ Magnum schaute Higgins an. Der nickte strahlend.

„Na das ist natürlich etwas anderes.“ meinte er. „Da komme ich selbstverständlich mit. Und außerdem... schließlich muss Sie ja jemand im Auge behalten! Kommt Jungs, wir machen jetzt einen Spaziergang.“

Sichtlich lustlos standen die Hunde auf und folgen Higgins nach draußen.

Meg_Cummings

 

 

Als Ted am Abend vom Büro nach Hause kam, fand er Annie vor dem Fernseher sitzend vor. Als sie ihn bemerkte, schaltete sie sofort auf ein anderes Programm und blinzelte verlegen.  
„Mußt Du Dich immer so anschleichen?“ knurrte sie unwillig, als er nähertrat und ihr einen Kuß auf die Wange gab.
„Wer so leicht erschreckt wie Du eben, der hat meistens was zu verbergen.“ grinste er und schnappte sich, bevor Annie es verhindern konnte, blitzschnell die Fernbedienung. „Na, was haben wir denn eben Interessantes verfolgt?“
Ein Knopfdruck, und die „California Coast Story“ flimmerte über den Bildschirm.
„Seifenoper...“ zog er Annie auf, „also ich muß schon sagen, das verdirbt jetzt aber wirklich Dein ganzes Image, Herzchen! Ich bin entsetzt!“
„Gib sofort die Fernbedienung her, verdammt!“ Sie war aufgesprungen und angelte wütend nach dem Objekt ihrer Begierde, das Ted lachend hochhielt. Sie rangen miteinander, doch plötzlich hielt er inne und starrte erstaunt auf den Bildschirm.  
„Na, wen haben wir denn da? Ist das nicht... meine hübsche, zukünftige Schwägerin?“
„Was?“ Annie tat ganz überrascht, warf einen kurzen Blick auf den Fernseher und verdrehte dann theatralisch die Augen. „Das darf ja nicht wahr sein! Jetzt muß ich dieses Landei auch noch im Abendprogramm ertragen, großer Gott, ich fasse es nicht!“
Ted betrachtete sie schmunzelnd von der Seite.
„Gib doch zu, dass Du eben dabei warst, Meg in ihrer TV- Rolle zu bewundern, als ich reinkam!“
„Ich? Niemals!“ rief Annie erbost, konnte aber nicht verhindern, dass sie rot wurde. „Das würde ich mir doch niemals freiwillig antun! Ich bin froh, wenn sie mir hier in Sunset Beach nicht ständig über den Weg läuft! Außerdem... wie konnte dieser Aaron Spelling nur so ein... ein Bauerntrampel für seine Serie engagieren, sie passt doch überhaupt nicht zu Jake Williams!“  
„Na ja, dafür, dass Du angeblich keine Serien anschaust, bist Du aber erstaunlich gut informiert, mein Schatz.“ stellte Ted lachend fest und nahm sie in den Arm.
„Laß mich...“ knurrte Annie verärgert und sträubte sich halbherzig gegen seine Umarmung. Ted ließ sich nicht beirren.
„Also ich finde Meg reizend... privat ebenso wie auf dem Bildschirm. Mein Bruder ist wirklich ein richtiger Glückspilz!“
„Ach ja... da kann man allerdings geteilter Meinung sein.“ schnappte sie beleidigt.  
Er betrachtete sie nachdenklich.
„Sag mal, Annie, was hast Du eigentlich gegen Meg?“
„Sie hat mir Ben weggenommen.“
„Ben?“ Ted schüttelte verständnislos den Kopf. „Aber er hat Dir doch nie gehört, soviel ich weiß. Du warst eine Zeitlang mit Derek zusammen, aber...“
„Aber ich wollte immer Ben!“ rief sie, doch als sie seinen erstaunten Blick sah, schlug sie verlegen die Augen nieder. „Zumindest damals...“ fügte sie kleinlaut hinzu.
Ted nickte.
„Okay, aber dafür kann doch Meg nichts. Findest Du nicht, es wäre an der Zeit, das Kriegsbeil zu begraben? Die bevorstehende Hochzeit wäre eine gute Gelegenheit dazu!“
„Die Hochzeit? Da gehe ich nicht hin!“ erwiderte Annie und streckte trotzig das Kinn vor. „Ich bin ja nicht mal eingeladen!“
„Aber natürlich haben sie Dich eingeladen!“ widersprach Ted lächelnd. „Auf meiner Einladung steht auch Dein Name mit drauf.“
Ungläubig musterte Annie ihn.
„Ehrlich?“
„Klar.“ Er nickte bestätigend. „Ich dachte, das hätte ich erwähnt.“
„Nein, hast Du nicht.“ meinte sie trotzig. Ted lachte.
„Also kommst Du mit?“
Sie zögerte einen Moment.
„Na gut, Ben zuliebe... und ... Dir zuliebe!“
Plötzlich umspielte ein freches Grinsen seine Lippen.
„Eigentlich könntest Du Meg fragen, ob sie noch eine Brautjungfer braucht!“ sagte er und zog vorsichtig den Kopf ein.
„Ted Evans!“ schrie Annie erbost und warf ein Sofakissen nach ihm.