Meg drückte auf die grüne Taste und nahm den Anruf entgegen.
"Meg Cummings," meldete sie sich.
"Meg, hier ist Ben," sagte eine vertraute Stimme. Als sie seine Stimme hörte, schlug ihr Herz schneller.
"Ben, wie schön, daß Du anrufst! Ich hatte es vor ca. einer Stunde auch schon bei Dir probiert, aber ..." Meg stockte mitten im Satz. Sie musste die Frage los werden, die ihr so auf den Nägeln brannte!
"Ben, was macht Annie bei Dir in Acapulco?" Sie hörte, wie er schwer atmete.
"Meg, ich schwöre Dir, daß ich keine Ahnung hatte, daß sie mitfliegen würde. Sie hat sich ins Flugzeug eingeschlichen." Ben stieß die Worte nur so hervor. Er ahnte wohl, was in Meg vorging.
"Ben," begann sie vorsichtig, "ich dachte, Du wärst dort geschäftlich."
Ben unterbrach sie.
"Bitte, Meg, ich kann und darf Dir darüber nichts sagen - noch nicht. Dräng' mich nicht. Du wirst alles erfahren, wenn ich wieder zu Hause bin."
Meg nagte nervös an ihrer Unterlippe.
Was sollte das bedeuten? Hatte Ben Geheimnisse vor ihr?
Mona
"Wann kommst Du zurück," fragte sie leise. In ihrer Stimme schwang Sehnsucht mit. "Ich weiß es noch nicht," entgegnete Ben. "Glaub' mir, ich wünsche mir nichts sehnlicher, als bei Dir zu sein." Seine Stimme klang sanft.
"Aber," fuhr er fort, "ich habe hier noch wichtige Angelegenheiten zu regeln. Wenn alles erledigt ist, komme ich zurück."
"Und Annie? ...," entfuhr es Meg. Einen Moment war Ruhe.
"Sie hilft mir dabei, meine Angelegenheiten zu regeln," erwiderte er knapp.
Meg seufzte.
"Vertrau' mir, Meg," hörte sie Ben sagen. Ja, sie würde ihm vertrauen, auch wenn sie spürte, daß hinter der ganzen Sache mehr steckte, als Ben ihr anvertraute.
"Ich liebe Dich," flüsterte sie leise.
"Ich liebe Dich auch."
Meg umklammerte den Hörer, als ob sie Ben dadurch zurückholen konnte, doch er hatte schon aufgelegt. Nachdenklich drückte sie die rote Taste und legte das Handy zur Seite. Was waren das für Angelegenheiten, die Ben in Acapulco festhielten? Vielleicht wusste Bette darüber bescheid. Wenn es etwas Geschäftliches war, musste doch jemand von den Arbeitskollegen darüber etwas wissen.
Entschlossen schnappte sich Meg ihre Tasche und machte sich auf den Weg zur Liberty Corporation.
Mona
Eine Stunde später kam Meg völlig verunsichert ins Surfcenter zurück.
Niemand wusste, wohin Ben so plötzlich verschwunden ist, nicht einmal Gregory.
Der hatte momentan ohnehin ganz andere Sorgen. Dieser Unfall auf der Baustelle könnte ihm noch teuer zu stehen kommen.
Meg schüttelte den Kopf.
"Irgendwie geht in letzter Zeit alles den Bach runter. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste", dachte sie.
Lediglich der bevorstehende Besuch von Sara war ausnahmsweise mal eine gute Nachricht. Sollten sich Ben und Annie derzeit wirklich ein paar schöne Tage in Acapulco machen?
"Man kann Annie doch nicht ernst nehmen", überlegte Meg. "Sie würde alles erzählen, um mich zu ärgern und mich glauben zu machen, die beiden hätten was miteinander. „Aber warum sagt Ben mir nicht einfach die Wahrheit? Warum vertraut er mir nicht?"
Sie ging in ihr Zimmer, zog sich ihre Schuhe aus, warf sich aufs Bett, und schlief unmittelbar darauf ein, ohne sich vorher umzuziehen.
Meg ging allein den Strand entlang.
"Komm nach Sunset Beach", hörte sie immer wieder die Stimme ihrer Freundin Gabi. "Noch hast Du die Chance, ganz von vorne anzufangen, es ist noch nicht zu spät."
Doch während Meg über den Strand ging, blickte sie sich um, und Tim schlenderte hinter ihr her.
"Mach das Du wegkommst. Bitte. Hör auf, mir immer zu folgen."
"Nein Meg", versicherte Tim ihr. "Ich werde Dir bis ans Ende der Welt folgen. Ich liebe Dich."
In diesem Moment sah Meg ihren Ben, wie er am anderen des Strandes auf sie wartete. "Da bist du ja endlich Ben", dachte sie.
Es war Ricardo Torres, der sich ihr in den Weg stellte.
"Hüten Sie sich vor Ben Evans. Er ist gefährlich", betonte er immer wieder.
"Nein, ist er bestimmt nicht", versicherte Meg, schnipste mit den Fingern und Ricardo Torres war verschwunden.
"Nun kann uns nichts mehr trennen, Ben", dachte sie.
Genau in diesem Augenblick kam Annie Douglas auf Ben zu. Als sie bei ihm angekommen war, nahm er sie zärtlich in die Arme, und sie küssten sich lange, anschließend blickte Annie direkt zu Meg und lächelte sie böse an.
"Ich habe Ihnen doch gesagt, daß Sie gegen mich keine Chance haben."
"Vielleicht solltest Du es mal bei mir probieren", hörte sie eine Stimme, und sie sah Bens Ebenbild, nur die Augen waren ganz anders. Er reichte ihr eine Kette, die sie vorher verloren hatte.
"Ich glaube, daß gehört Dir." Dankbar nahm Meg die Kette an. Doch in dem Augenblick, als sie sie nahm, sagte Derek:
"Vergiß nicht. Wir sind füreinander bestimmt. Vergiß die Legende nicht."
Plötzlich berührte er Meg, doch es war kein angenehmes Berühren, er packte sie überall und wollte nicht aufhören, auch nicht, als Meg ihn anflehte. Dann berührten seine Hände ihre Kehle und er drückte zu.
Meg wollte schreien, doch sie brachte keinen Ton mehr heraus.
Das war der Moment, als sie erwachte.
Am frühen Abend
des darauffolgenden Tages fuhr Ben mit Annie in das Casino am Stadtrand.
Um diese Zeit war es dort noch ziemlich ruhig. Einige Leute saßen in dem
angrenzenden Nobel- Restaurant, andere vergnügten sich schon an den
zahlreichen Roulette- Tischen.
Ben wanderte mit Annie, die sich vertraulich bei ihm eingehängt hatte, durch
die Gänge.
Sie unterhielten sich unauffällig leise und sahen sich dabei äußerst
aufmerksam um. Schließlich setzten sie sich an die Bar.
Ben bestellte sich einen Whisky, während er darauf achtete, dass Annies Drink
keinen Alkohol enthielt.
Er musterte sie von der Seite. Zugegeben, Annie wusste, wie man sich gekonnt
in Szene setzte!
Sie trug ein langes, smaragdgrünes Kleid mit dünnen Spagettiträgern, dass bis
weit übers Knie seitlich geschlitzt war und ihre tadellose Figur vorteilhaft
betonte. Dazu hatte sie zwar falschen, aber dafür wirkungsvollen Schmuck
angelegt, der so verführerisch funkelte wie ihre grünen Katzenaugen. Ihr
flammend rotes Haar war lässig aufgesteckt, und einige lose Strähnen
umspielten ihr Gesicht. Sie zog alle Blicke magisch auf sich, und sie genoss
es.
„Schade“ dachte sie, „Auf alle Männer hier mache ich Eindruck, nur der Eine,
den ich will, der schaut durch mich hindurch.“
„Was findest Du eigentlich an Derek?“ fragte Ben plötzlich.
Erstaunt über diese unerwartete Frage sah sie ihn an. Sie nippte an ihrem
Vitamindrink und sagte dann leise:
„Er hat Dein Gesicht, Ben! Er ist wie ein Stück von Dir.“
Ben schüttelte verständnislos den Kopf.
„Aber er ist nicht wie ich. Er ist nicht einmal annähernd so...“
„Ich weiß.“ antwortete Annie gedankenverloren und starrte in ihr Glas.
Ben legte seine Hand auf ihren Arm.
„Annie, Du bist zu gut für ihn, er nutzt Dich nur aus.“
Sie zog wütend ihren Arm weg und fauchte:
„Ach ja? Was Du nicht sagst, Ben! Wenn ich so gut bin, warum liebst Du mich
dann nicht?“
Jetzt war es Ben, der in sein Glas starrte.
„Es tut mir leid, Annie, aber Gefühle kann man nicht erzwingen!“
„Darf es noch
etwas zu trinken sein, Herrschaften?“ fragte der Barkeeper aufmerksam und
musterte Annie wohlwollend. Während sie geschmeichelt lächelte, zog Ben eines
von Eddies Fotos aus der Tasche und reichte es dem Mann über den Tresen.
„Haben Sie diese junge Frau schon einmal hier gesehen?“ fragte er
hoffnungsvoll. Der Barkeeper sah das Bild lange an, dann nickte er plötzlich.
„Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie hier schon gesehen habe.“ Er
wollte sich schon abwenden, doch Ben schob ihm einen nicht zu verachteten
Geldschein über den Tresen.
Der Schein verschwand blitzartig, und die Aufmerksamkeit des Barmannes gehörte
nun ausschließlich Ben und Annie.
„Sie ist sogar sehr oft hier, ist wohl immer mit irgend einem reichen Kerl da,
denn sie spielt oft Roulette, meist dort drüben. Soll ich Ihnen bescheid
geben, wenn sie auftaucht?“ fragte er dienstbeflissen. Ben nickte.
„Das wäre nett, wir sind noch eine Weile hier und sehen uns noch etwas um.“
Er half Annie von ihrem Barhocker und suchte sich mit ihr einen gemütlichen
Platz im Restaurant, von dem aus man gute Sicht auf die Roulette- Tische
hatte.
Der junge Mann an der Bar verschwand kurz im Hinterzimmer, wählte auf dem
Haustelefon eine Nummer und sagte:
„Okay, er hat angebissen, es kann losgehen.“
Annie sah sie
zuerst.
„Ben!“ sagte sie und griff nach seiner Hand, während sie in Richtung Bar
starrte. Eine Gänsehaut lief ihr über den Rücken.
Ben folgte ihrem Blick und erstarrte.
„Maria...“ murmelte er fassungslos.
In diesem Augenblick sagte der Barkeeper irgend etwas zu der jungen Frau im
roten Kleid und deutete in Richtung auf Ben und Annie. Sie blickte
sekundenlang herüber. Dann griff sie nach ihrem Täschchen, dass sie auf den
Tresen gelegt hatte, sprang von ihrem Barhocker und ging eiligen Schrittes in
Richtung Ausgang.
Ben war aufgesprungen.
„Komm Annie!“ rief er und warf noch schnell einen Geldschein auf den Tisch,
bevor er das Restaurant verließ. Annie vermochte ihm kaum zu folgen.
Draußen vor dem Eingang blieb er abrupt stehen. Keine Spur von Maria, nirgends
ein rotes Kleid... Wo war sie hin?
„Sie muss uns gesehen haben, Ben!“ keuchte Annie, „Ich bin sicher, dieser
Barkeeper hat sie extra auf uns aufmerksam gemacht! Aber warum läuft sie vor
uns weg?“
Ben reagierte nicht. Seine Augen wanderten umher und registrierten jede
Bewegung im Umfeld.
„Sie kann noch nicht weit sein...“ murmelte er.
Im nächsten Moment raste ein kleiner weißer Sportwagen um die Ecke und fuhr
mit Vollgas die Strasse hinunter. Für den Bruchteil einer Sekunde blitzte ein
rotes Kleid...
„Los!“ Ben sprang die Stufen hinunter zu seinem Leihwagen. Annie hatte noch
nicht einmal die Autotür geschlossen, da sauste er mit quietschenden Reifen
hinter dem Sportwagen her.
Die wilde
Verfolgungsjagd führte hinauf in die Berge der Sierra Madrè.
Die engen gefährlichen Kurven trieben Annie den Angstschweiß auf die Stirn,
doch Ben schien seine Umwelt überhaupt nicht wahrzunehmen. Er war einzig und
allein darauf fixiert, den Sportwagen mit Maria einzuholen. Er war ihr dicht
auf den Fersen.
In der nächsten Kurve kam ihnen ein Fahrzeug entgegen. Laut hupend versuchte
es dem ersten Auto auszuweichen. Ben machte eine Vollbremsung und konnte
gerade noch sehen, wie der Sportwagen ins Schleudern kam, dann versperrte ihm
der Entgegenkommende die Sicht, da er auch gebremst und sich dadurch verquer
gestellt hatte. Ben manövrierte seinen Wagen mit Mühe an ihm vorbei und wollte
weiterfahren, als Annie einen Schrei ausstieß und den Abhang hinunter zeigte.
Ben stockte der Atem. Maria hatte anscheinend die Kontrolle über ihr Auto
verloren und war den Hang hinuntergerutscht. Zwischen zwei Bäumen war das
Fahrzeug zum Stehen gekommen.
Ben bremste und sprang aus dem Wagen.
„Maria!“ brüllte er und rannte zur Unfallstelle. Er glitt auf dem steilen Hang
aus und rutschte ein Stück, fing sich aber wieder. Am Auto angekommen, riss
er die Fahrertür auf, aber es saß niemand darin. Nach Luft ringend sah er sich
um. Wo zum Teufel war Maria? War ihr etwas geschehen? Noch einmal rief er laut
ihren Namen.
Da hörte er ein leises Wimmern seitlich aus dem Gebüsch. Er stürzte hinüber
und kämpfte sich durch das Gestrüpp.
Da lag sie, mit dem Rücken zu ihm, auf der Seite und stöhnte leise.
„Maria...“ Ben fiel auf die Knie und fasste behutsam ihre Schultern. „Beweg
Dich nicht, ich bin ja da, ich helfe Dir...“
Als er sie vorsichtig umdrehte, traf es ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Auf
den ersten Blick glaubte er, er hielt seine totgeglaubte Frau im Arm, so groß
war die Ähnlichkeit, aber dann sah er in zwei angstvoll aufgerissene
tiefschwarze Augen und er musste erkennen, dass er sich geirrt hatte.
Marias Augen waren blau gewesen, tiefblau wie das Meer...
„Sie sind nicht
Maria...“ sagte er leise, und sie schüttelte leicht den Kopf.
„No Senior!“
Ben hatte das Gefühl, als hätte ihm jemand eine Faust in den Magen gerammt. Er
stöhnte schmerzlich auf. Alles Suchen, alle Hoffnung, sie hier zu finden,
alles umsonst...
Er merkte, wie die junge Frau ihn angstvoll anstarrte und versuchte trotz
allem zu lächeln.
„Haben Sie Schmerzen?“ fragte er leise. Sie nickte. Er strich ihr behutsam das
Haar aus dem Gesicht.
„Keine Angst, wir helfen Ihnen.“
Inzwischen war auch Annie zu ihnen hinuntergeklettert. Fassungslos blickte sie
auf die Verletzte.
„Oh mein Gott, Ben!“ sagte sie bestürzt, den Irrtum ebenfalls bemerkend. „Es
tut mir so wahnsinnig leid!“
Ben schien aus seiner Erstarrung zu erwachen.
„Ruf die Ambulanz, Annie. Mein Handy liegt oben im Wagen!“ befahl er mit
fester Stimme.
Annie nickte und kletterte wieder nach oben.
„Warum sind Sie vor uns geflohen?“ fragte Ben leise. Die junge Frau sah ihn
an. Ihre Stimme zitterte, als sie sagte:
„Sie haben mir Geld gegeben, viel Geld.“
„Wer?“
„Der Amerikaner.“
„Kennen Sie seinen Namen?“
Sie schluckte und schüttelte den Kopf.
„Ich hab ihn nie gesehen, nur den Mann mit der Kamera. Er hat mich bezahlt.“
Sie versuchte sich trotz ihrer Schmerzen aufzurichten.
„Senior, bitte, ich wollte Ihnen nicht schaden! Ich sollte nur vor Ihnen
davonlaufen...“ stöhnte sie leise.
Ben nickt beruhigend und versuchte sie durch eine beruhigende Geste wieder zum
Hinlegen zu bewegen.
Sie legte ihren Kopf zurück ins Gras und begann zu weinen.
„Meine Familie hat wenig Geld, und das Angebot war verlockend...“
Ben sah sie traurig lächelnd an.
„Ist ja gut, nicht weinen, Sie können nichts dafür. Wie heißen Sie?“
„Alma...“
„Halten Sie durch, Alma, der Arzt wird gleich dasein.“
Schweigend waren
sie beide zurück zum Hotel gefahren, nachdem sich die Notfallmediziner um Alma
gekümmert und sie mit in die Klinik genommen hatten.
Erst auf dem Weg zum Fahrstuhl wagte sich Annie zu fragen:
„Was wirst Du jetzt tun, Ben?“
„Pack Deine Sachen, Annie.“ Antwortete er mit monotoner Stimme. „In einer
Stunde fahren wir zum Flughafen.“
Er lächelte finster, als er wie zu sich selbst hinzufügte:
„Ich kann es kaum erwarten, zu Hause einige Dinge zu klären!“
Meg hatte endlich das Einverständnis ihrer Freunde, daß Sara in der WG wohnen konnte, und sie griff zum Hörer, um ihre Schwester anzurufen.
Diesmal war ihre Mutter am Apparat.
"Meggi, Schatz, wie geht's Dir?" Joan Cummings freute sich, daß ihre älteste Tochter sich mal wieder meldete.
"Gut, Mum. Ich hoffe, Dir und Dad geht es auch gut?!"
Joan bejate die Frage.
"Mum, weshalb ich anrufe ..."
"Ja, ich weiß," unterbrach Joan sie, "Du willst bestimmt Sara sprechen, oder?"
"Ja, genau - ist sie da?"
Joan legte den Hörer an die Seite und rief laut nach ihrer jüngsten Tochter. Sara sprang übermütig die Treppe hinunter, als sie hörte, wer am Apparat war.
"So, Meggi, dann übergebe ich Dich mal an Sara. Dir noch alles Liebe. Wir können ja ein anderes Mal ausführlicher reden." Joan hatte Mühe, den Hörer festzuhalten, denn Sara zerrte daran herum.
"Mum, gib' schon her. Das ist ein ganz wichtiges Gespräch." Sara war total nervös, und Joan Cummings übergab ihrer Tochter schmunzelnd den Hörer. Sara war ganz außer Atem.
"Und, hast Du etwas für mich in Sunset Beach gefunden, wo ich bleiben kann?"
Meg musste grinsen. Sara war immer so direkt.
"Ja," beruhigte sie ihre kleine Schwester, "ich habe genau die richtige Unterkunft für Dich gefunden ... bei uns, im Surf Central. Was sagst Du nun?"
Sara stieß einen Freudenschrei aus.
"Meg, Du bist ein Schatz! Ich wusste doch, daß auf Dich Verlass ist."
Meg schmunzelte.
"Wofür hat man sonst eine ältere Schwester," fragte sie lachend. "So, nun ist ja alles geregelt und Du kannst in Ruhe Deine Habseligkeiten packen. Weißt Du schon, wann Dein Flieger in Sunset Beach eintreffen wird?"
Sara klatschte sich mit der flachen Hand an die Stirn.
"Ach ja, das hätte ich glatt vergessen. Ich werde mich erkundigen und Dich dann anrufen."
Meg schaute auf den Kalender.
"Ja, mach' das, aber lass' Dir nicht mehr allzuviel Zeit damit. Ich denke, dass Du schon in 3 Tagen fliegen willst? Und - Sara ... wie lange willst Du eigentlich in Sunset Beach Urlaub machen?"
Sara hielt einen Moment den Atem an. Diese Frage hatte ja irgendwann kommen müssen. Sie entschied sich für die Wahrheit.
"Hatte ich gesagt "Urlaub"? Entschuldige, aber so ganz korrekt ist diese Bezeichnung nicht. Ich habe meinen Job geschmissen und bin nun frei wie ein Vogel. Eigentlich hatte ich gedacht ... wenn mir Dein neues Zuhause gefällt, mich dort auch niederzulassen ...!"
Ben hatte fast den
ganzen Heimflug über geschwiegen.
Als sie aus dem Flughafengebäude traten, winkte er eines der Taxis heran.
„Fahr nach Hause, Annie.“ sagte er mit einer Stimme, die keinen Widerspruch
duldete.
Er nannte dem Fahrer die Adresse und bezahlte ihn im Voraus.
„Was hast Du vor?“ rief Annie durch das offene Wagenfenster.
„Das wirst Du noch zeitig genug erfahren.“ antwortete er und ging davon.
Als erstes suchte Ben seine Bank auf und hob eine sehr große Summe Bargeld ab,
dass er sich fein säuberlich in einen Aktenkoffer packen ließ. Dann fuhr er zu
Eddie Connors Wohnung.
Eddie öffnete
sofort nach dem ersten Klopfen. Anscheinend hatte er Besuch erwartet. Aber
nicht diesen Besuch.
Wortlos drängte Ben ihn in die Wohnung und schlug die Tür hinter sich zu. Er
wuchtete den Aktenkoffer auf den schäbigen Stubentisch, wobei ein benutztes
Whiskyglas zu Bruch ging und die dazugehörige halbleere Flasche achtlos auf
den Boden rollte.
Eddie war zu überrascht, um zu protestieren.
„Was wollen Sie?“ fragte er heiser.
Ben öffnete den Koffer und drehte ihn so, dass Eddie den Inhalt sehen konnte.
Dessen Augen wurden groß und rund bei dem Anblick, der sich ihm bot, habgierig
starrte er auf das Geld.
„Wer war Ihr Auftraggeber?“ fragte Ben und musterte ihn gespannt. Eddie wurde
unruhig, er blickte nervös zwischen dem Koffer und Bens entschlossenem Gesicht
hin und her.
„Ich... ähm, Mister Evans, Ben, welcher Auftraggeber...“ stotterte er
zusammenhanglos und stierte weiterhin auf die Scheine vor seiner Nase.
„Eine halbe Million Dollar, Eddie...“ sagte Ben gefährlich ruhig, dann
wiederholte er seine Frage noch einmal:
„Wer war Ihr Auftraggeber?“
Seine dunklen Augen schienen Connors zu durchbohren. Eddie rang mit sich. Ben
machte ihm höllische Angst. Er strahlte eine geradezu tödliche Ruhe aus.
Aber mit Derek war auch nicht zu spaßen.
Verdammt! Das viele Geld! Eddie schluckte schwer.
Wenn er das Geld nahm, würde er noch heute die Stadt verlassen. Irgendwo als
reicher Mann neu anfangen, da, wo ihn keiner kannte...
Eddie knallte den Kofferdeckel zu und legte seine Hände besitzergreifend
obenauf.
„Derek.“ sagte er atemlos. „Ihr Bruder hat mich beauftragt, Sie nach Mexiko zu
locken...“
Er sah noch das eigenartige Lächeln auf Bens Gesicht, so, als hätte er diese
Antwort erwartet, dann kam blitzschnell eine knallharte Faust auf ihn
zugesaust, die ihn mit gnadenloser Wucht an der Kinnspitze traf. Eddie sah
Sterne. Er ging sofort zu Boden und es wurde tiefschwarze Nacht um ihn
herum...
Ben blickte mitleidlos auf ihn herunter. Dann nahm er den Koffer vom Tisch.
„Tja, Connors, ich habe nicht gesagt, dass Du das Geld behalten kannst! Reines
Wunschdenken!“
Er verließ die schäbige Wohnung, ohne sich noch einmal umzusehen.
Sein nächster Weg
führte ihn zu Dereks Strandhaus.
Derek öffnete die Tür. Der Kinnhaken, der ihn ohne Vorwarnung traf,
schleuderte ihn durch das halbe Zimmer. Er knallte gegen einen Schrank und
blieb für einen Augenblick benommen liegen.
„It`s Showtime, Bruderherz!” hörte er Bens Stimme wie aus weiter Ferne.
Ächzend setzte er sich auf und fasste an sein durch den Schlag wie betäubtes
Kinn.
„Was zum Teufel...“ begann er, doch Ben war schon da und zerrte ihn
erbarmungslos an seinem Hemdkragen hoch. Sein Gesicht war ihm ganz nahe, und
die Augen, die ihn hasserfüllt anstarrten, versprachen nichts Gutes.
„Das war für Maria, Du Bastard,“ sagte er gefährlich leise, „und das, was noch
kommt, ist dafür, dass Du Annie und mich auf so hinterhältige Weise betrogen
hast...“ Er holte zu einem weiteren Schlag aus.
„Ben!“ klang Annies Stimme von der Treppe her, „Nicht!“
Ben ließ keinen Blick von Derek, hielt aber in seiner Bewegung inne.
„Du hast alles gehört?“ fragte er sie leise. Annie kam zu ihm herüber und
legte ihre Hand auf Bens Arm.
„Ja, jedes Wort. Lass ihn gehen, Ben, er ist es nicht wert.“
Derek war noch durch den ersten Schlag halb benommen und nicht in der Lage
sich zu wehren. Nur seine Augen wanderten von einem zum anderen.
Ben gab ihm einen Stoß, so dass er nach hinten stolperte und unsanft auf der
Couch landete.
Angewidert verzog er das Gesicht und wandte sich zum Gehen, als Derek begann,
hämisch zu lachen.
„Ben, Du bist ein unverbesserlicher Dummkopf! Nach Jahren läufst Du noch immer
einem Phantom hinterher, während das Leben an Dir vorbeizieht. Du hast Maria
verloren, und Du wirst auch diese Kleine nicht kriegen... weil ich einfach
schneller bin – und cleverer!“
Ben wirbelte herum, doch bevor er sich erneut auf Derek stürzen konnte, fuhr
Annie mit aller Kraft dazwischen.
„Schluss jetzt!“ rief sie entschlossen.
Höhnisch grinsend meinte Derek:
„Ja, verschwinde Ben! Und Du, Annie, kannst gleich mitgehen, läufst ihm ja
sowieso nach wie ein räudiges Hündchen, sogar bis nach Mexiko!“
Annies Augen wurden ganz schmal. Langsam und drohend ging sie auf ihn zu und
blieb kurz vor ihm stehen.
„Ich wäre sowieso gegangen, Derek. Kerle wie Du sind es nicht wert, dass man
sie liebt.“
Sie holte tief Luft und fügte lächelnd hinzu:
„Ich bin heilfroh, dass mein Baby nicht von Dir ist!“
Sie sah noch Dereks fassungslosen Blick, dann drehte sich um und ging zur Tür.
Ben warf seinem Zwillingsbruder einen letzten vernichtenden Blick zu.
„Komm mir nie wieder in die Quere, Derek, oder Du wirst Dir wünschen, nie
geboren zu sein.“
Gemeinsam mit Annie verließ er das Zimmer.
Derek sah den beiden wortlos nach. Dann rappelte er sich auf und rieb sich die
schmerzende Kinnlade. Nein, dachte er, das war heute definitiv nicht sein Tag
gewesen...
Annie wuchtete ihr
Gepäck über die Türschwelle und erschreckte ihre Tante Bette, die gerade ihr
Home- Fitnessprogramm absolvierte, fast zu Tode.
„Annie, was ist denn jetzt passiert?“ keuchte sie erschöpft und schaltete ihr
Laufband ab.
„Ziehst Du wieder hier ein?“
„Genau, Tante Bette, ab heute gibt es wieder jede Menge Ladys- Nights hier bei
uns.“ antwortete Annie und fügte nach einer bedeutungsvollen Pause hinzu:
„Ich habe mich soeben von Derek getrennt.“
Bette nickte.
„Das war ja sowieso nur eine Frage der Zeit mit Euch beiden.“ stellte sie
fachmännisch fest.
Sie nahm sich ihr Handtuch und legte es sich um die Schultern. Dann setzte sie
sich zu ihrer Nichte auf die Couch.
„Na Pupsi, möchtest Du reden bevor ich duschen gehe oder erst danach?“
Annie sah sie sekundenlang an und seufzte herzzerreißend.
„Ich bin so unglücklich!“
„Ja, so unglücklich,“ wiederholte Bette kopfschüttelnd, „und so schwanger! Los
Annie, raus mit der Sprache, wo warst Du die ganze Zeit und wer ist der Vater
Deines Kindes?“
Annie schluckte schwer.
„Also gut, Tante Bette, ich werde Dir die ganze Geschichte erzählen. Richte
Dich auf eine lange Nacht ein...“
Meg dachte, sie hätte sich verhört, als Sara ihr erzählte, daß sie von nun an auch in Sunset Beach leben wollte. Sie war aber nicht wirklich überrascht. Irgendwie hatte Meg schon immer den Eindruck gehabt, als ob Sara nur auf die passende Gelegenheit gewartet hätte, Ludlow zu verlassen. Sara war eine Träumerin. Sie hatte schon als kleines Mädchen davon geträumt, daß einmal ein Prinz auf einem weißen Pferd angeritten kam, um sie zu heiraten. Solche Träume konnten in so einem Kaff, wie Ludlow, natürlich nicht in Erfüllung gehen!
"Meg, ... ich hoffe, Du bist nicht allzu schockiert von dieser Nachricht!" Sara holte sie wieder in die Gegenwart zurück.
"Nein," entgegnete Meg wahrheitsgemäß, "aber diese winzig kleine Information hättest Du mir vielleicht vorher geben können, bevor ich mit meinen Freunden sprach."
Sara wirkte zerknirscht.
"Du hast recht, Meg, aber ich dachte ...daß Du mir das ganze dann vielleicht ausreden würdest." Sara war verunsichert.
Meg beruhigte ihre Schwester.
"Wieso sollte ich, Du bist volljährig und kannst tun und lassen, was Du willst."
Sara atmete erleichtert auf.
"Du bist doch die beste Schwester die es gibt!"
Meg musste sich ein Lachen verkneifen.
"... und die einzige, die Du hast."
"Okay, Meg, ich will Dich nicht länger aufhalten. Tausend Dank noch einmal. Ich kann es kaum erwarten, Deine Freunde kennenzulernen und den Strand, die romantischen Sonnenuntergänge ..." Sara kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.
Meg lachte.
"Du alte Romantikerin. Ich denke, Sunset Beach wird Dir gefallen. So, und nun will ich die Leitung nicht länger blockieren. Du hast bestimmt noch einige Anrufe zu erledigen, ehe Du Ludlow verlässt."
"Bye, Meg. Ich rufe Dich wieder an."
"Bye, Sara!" Meg legte den Hörer auf.
Sie dachte einen Moment an Ben. Was er jetzt wohl machte? Sie konnte ja nicht ahnen, daß er zur selben Zeit nur wenige Meter von ihr entfernt war ...
Jemand hielt Meg von hinten die Augen zu.
"Überraschung!"
"Ben?". Es war mehr eine Feststellung, als eine Frage. "Oh Ben, Du bist wieder da, das ist ja wunderbar. Wie bist Du denn hier hereingekommen?"
"Marc hat mich reingelassen, während Du telefoniert hast."
Sie wandte sich zu ihm um und wollte ihn umarmen, doch im letzten Moment wich sie vor ihm zurück.
"Ben, warum hast Du mir nicht gesagt, daß Annie Dich nach Mexico begleitet?"
"Weil ich es nicht gewusst habe. Als ich das Flugzeug bestiegen habe, saß sie plötzlich da, so war es, ehrlich."
"Und was wolltest du bitte dort? Du hast gesagt, es seien geschäftliche Gründe, aber keiner hat was gewusst, selbst Gregory nicht, und..."
"Ich wollte keinen in Aufregung versetzen, und es hat sich auch letztlich als richtig erwiesen. Annie und ich waren die einzigen, die davon wussten. Meg, es gab einen ernsthaften Grund zu glauben, daß Maria noch lebt."
Meg war fassungslos.
"Wie bitte?"
"Sie haben sich als falsch erwiesen", erklärte Ben schnell. "Als ziemlich geschickte Fälschung, von jemandem, der Annie und mich für einige Zeit loshaben wollte."
"Aber Ben, wer...?", doch in diesem Moment wusste Meg es.
"Derek, nicht wahr?"
Ben nickte. Meg war nicht einmal geschockt. Es passte alles hervorragend zusammen, kaum waren Ben und Annie weg, hatte Derek freie Bahn, sich an Meg heranzumachen. Ob sie Ben davon erzählen sollte? Besser nicht, es würde die Situation nur noch weiter verschärfen. Und dabei hatte sie gerade anfangen, ein bisschen gnädiger über Derek zu urteilen, nach der Sache im Deep.
Doch ganz zufrieden war Meg noch nicht. Sie musste immer wieder an Annies Worte am Telefon denken. Bestimmt hatte Annie gelogen, natürlich hatte sie gelogen, aber was, wenn vielleicht doch nicht?
Sie nahm ihren Mut zusammen.
"Ben, da ist noch etwas, sei mir jetzt bitte nicht böse, aber ich muss einfach mit Dir darüber reden."
Genau in diesem Augenblick klingelte es an der Tür.
Meg öffnete und Ricardo Torres stand davor.
"Guten Abend Meg", begrüßte er sie freundlich. Dann wandten sich seine Blicke Ben zu und die Stimmung wurde sofort frostiger.
"Ich habe Dich vorhin gesehen, als Du hier geklingelt hast. Deswegen bin ich da. Ich habe mit Dir über die Sache auf der Baustelle zu reden."
"Was für eine Sache auf der Baustelle?", wollte Ben wissen.
"Oh Ben, da habe ich ja gar nicht mehr dran gedacht. Das Gerüst ist umgestürzt. Direkt auf Cole Deschanel."
"Was?", Ben war fassungslos. "Ein Unglück?"
"Falsch", erwiderte Ricardo. "Sabotage."
"Sabotage?"
"Ja, und Du verstehst, daß ich deswegen ein paar Fragen an Dich habe. Immerhin bist Du Teilhaber der Liberty Corporation. Ich hoffe, Du hast nichts dagegen, wenn wir das auf dem Revier machen."
Ben hatte durchaus was dagegen. Aber er hatte keine Lust mit Ricardo zu diskutieren, das war ohnehin zwecklos. Also erklärte er sich einverstanden.
"Wir reden später, okay?", sagte er zu Meg, und ging dann mit Ricardo davon.
"So Tante Bette. Jetzt kennst Du die ganze Geschichte", schloss Annie.
Bette schüttelte fassungslos den Kopf.
"Du kannst froh sein, daß Du diesen Dreckskerl los bist, Pupsi."
"Wem sagst du das", meinte Annie. "Wenn Du mich jetzt entschuldigst. Ich brauche dringend etwas Schlaf."
"Pupsi, einen Moment noch", Bettes Neugier war noch nicht gestillt. "Na los, raus damit."
"Womit?"
"Na komm. Du weißt genau was ich meine. Tu nicht so. Wer ist der Vater Deines Kindes?"
Annie überlegte einen Moment. Dann sagte sie: "Ben natürlich. Wer sonst?"
Doch Bette lachte nur.
"Na komm, Annie. Versuch bloß nicht, mich für dumm zu verkaufen, das hast Du noch nie geschafft. Ich kenne Dich und weiß, wann Du lügst."
"Also gut", Annie seufzte und setzte sich wieder neben ihre Tante.
"Ich glaube, Du kennst ihn."
"Ui", machte Tante Bette.
"Er arbeitet auf Gregorys Baustelle. Ich habe ihn vor zwei Monaten getroffen, als er hier an einem anderen Projekt gearbeitet hat." Sie lächelte. "Er hat wundervolle Grübchen." Tante Bette war geschockt.
"Aber doch nicht Cole Deschanel?", sagte sie, hoffend, daß es vielleicht nicht stimmte. Annie nickte jedoch.
"Ich habe doch gesagt, daß Du ihn wahrscheinlich kennst."
Bette schluckte.
"Annie, ich glaube da gibt es etwas, was Du wissen solltest. Es ist etwas passiert, auf der Baustelle..."
Hickengruendler
Mit rotgeweinten
Augenrändern saß Caitlin an Coles Bett und war nicht zu bewegen, das
Krankenzimmer zu verlassen.
Er sah so friedlich aus, als ob er nur schlafen würde, und in gewissem Sinne
tat er das auch, aber niemand konnte genau sagen, wann er wieder aufwachen
würde.
Dr. Tyus Robinson hatte mit seinem Team eine Notoperation durchgeführt. Er
hatte einen akuten Milzriss beseitigt und einen komplizierten
Schlüsselbeinbruch gerichtet. Ansonsten konnte er nicht viel tun. Die starken
Medikamente, die Cole im Tiefschlaf gehalten hatten, waren abgesetzt worden.
Ob und wann er aus dem künstlichen Koma erwachen würde, hing vor allem von
seiner eigenen Konstitution ab.
„Er ist ein kräftiger junger Mann,“ hatte Dr. Robinson zu Caitlin gesagt, „Er
wird es schon schaffen.“
„Cole!“ flüsterte Caitlin und streichelte seine Hand, „Komm doch zurück,
Cole!“
Gregory hatte fast
die ganze Nacht nicht geschlafen.
Schlechtgelaunt saß er am Frühstückstisch und blätterte lustlos in der
Zeitung.
„Rose!“ rief er schließlich ungehalten. Die Haushälterin kam sofort herein und
sah ihn fragend an.
„Mr. Richards?“
„Wo bleibt meine Tochter?“ knurrte er. „Sie sollte mich heute ins Büro
begleiten.“
„Aber... Miss Caitlin war diese Nacht gar nicht zu Hause. Sie wird wohl noch
im Krankenhaus sein.“ antwortete Rose und atmete sichtlich auf, als sie von
Olivia mit einem wohlwollenden Nicken entlassen wurde.
Gregory knallte die Zeitung auf den leeren Stuhl.
„Sie war die ganze Nacht... das darf doch nicht wahr sein!“
„Tja, mein Lieber, es scheint fast so, als hättest Du Dir diesmal ein Eigentor
geschossen, Gregory!“ meinte Olivia schadenfroh. Dann verfinsterte sich ihr
Gesicht.
„Und unsere Tochter ist bei der ganzen Sache diejenige, der Du am meisten
wehgetan hast!“
„Halt doch den Mund, Olivia!“ herrschte er sie an und begann, nervös im Zimmer
auf und ab zu gehen.
„Ich hätte mich doch nie auf diese Sache eingelassen, wenn ich geahnt hätte,
dass Connors zu blöd ist, ein Baugerüst unauffällig zu manipulieren! Die
Polizei wusste sofort bescheid!“
Olivia schüttelte verständnislos den Kopf.
„Und an diesen armen jungen Mann denkst Du gar nicht?“ fragte sie entrüstet.
Gregory blieb stehen und starrte sie an.
„Ich denke an nichts anderes! Verdammt!“
Er griff nach seinem Aktenkoffer und ging zur Tür.
„Ruf mich an, falls es etwas neues gibt, Olivia.“ knurrte
er.
„Und bete zu Gott, dass wir heil aus diesem Schlamassel wieder herauskommen!“
„Wow!“ machte Meg
und lachte, nachdem Ben die Bürotür hinter ihnen geschlossen hatte. „Jetzt
hast Du Bette total aus dem Gleichgewicht gebracht!“
Ben schmunzelte nur und meinte:
„Sie wird es überleben, genauso wie die Tatsache, dass Annie nun wieder bei
ihr zu Hause wohnt.“
Verständnislos starrte Meg ihn an.
„Annie hat sich von Derek getrennt?“
Ben nickte.
„Nach den Ereignissen der letzten Tage und gestern Nacht – kein Wunder!“
Tausend Gedanken schwirrten plötzlich in Megs Kopf herum. Sie wollte Ben noch
so vieles fragen, aber wo sollte sie beginnen?
„Was willst Du jetzt tun?“ fragte sie stattdessen leise.
„Ich werde gleich in die Klinik fahren und mich nach Coles Befinden
erkundigen.“ antwortete Ben. „Nach Ricardos Worten zu urteilen muss es ihn ja
ziemlich übel erwischt haben.“
Meg nickte.
„Caitlin ist bei ihm. Und Gregory hat absolut üble Laune!“ warnte sie mit
einem bedeutungsvollen Seitenblick auf die benachbarte Tür.
„Dann werde ich mich vielleicht als erstes in die Löwenhöhle begeben.“ meinte
Ben seufzend. Er küsste Meg auf die Stirn.
„Also bis später.“
Ben hatte schon fast die Hand auf der Klinke, als ihm plötzlich etwas
einzufallen schien. Er drehte sich noch einmal um.
„Ach ja, was wolltest Du mich eigentlich heute nacht Wichtiges fragen, Meg?“
Meg sah ihn überrascht an. Er hatte ihre Bemerkung also nicht vergessen.
"Ach, nicht so wichtig," log sie.
Das Büro war wohl nicht der richtige Ort, um Ben nach Annie auszufragen. Doch Ben ließ nicht locker.
"Komm schon, Meg, sag' mir ganz einfach, was Du auf dem Herzen hast."
Meg sah auf ihre Schuhspitzen.
"Also gut," begann sie vorsichtig. "Wenn Du es wissen willst... Als ich neulich bei Dir in Acapulco anrief hatte ich Annie am Apparat. Du warst wohl gerade unter der Dusche, und Annie behauptete ..."
Ben unterbrach sie.
"Meg, Meg, was geht nur in Deinem Kopf vor? Du glaubst doch nicht etwa die Lügenmärchen, die Annie Dir aufgetischt hat, oder?"
Er sah sie prüfend an. Etwas sanfter fügte er hinzu:
"Hast Du so wenig Vertrauen zu mir? Ich liebe Dich, nicht Annie, und das habe ich ihr auch eindeutig in Acapulco zu verstehen gegeben."
Ben zog seine Stirn in Falten.
"Und was genau hat Annie zu Dir gesagt?," fragte er neugierig.
Meg war die ganze Angelegenheit peinlich, und sie wollte die Sache so schnell wie möglich vergessen.
"Sie hat gesagt," stieß sie hervor, "dass Du schon immer wusstest, wie man Geschäftliches mit Privatem verbinden kann."
Jetzt war es heraus, und Meg starrte vor sich auf den Fußboden. Als sie es ausgesprochen hatte, kam es ihr regelrecht lächerlich vor.
Ben hob ihr Kinn vorsichtig, damit sie ihm in die Augen sehen konnte.
"Meg, Liebling," sagte er sanft, "es gibt keine andere Frau in meinem Leben, außer Dir." Er hörte mitten im Satz zu reden auf, sprach dann aber nach einer kurzen Sekunde weiter. "Maria ist tot, und Annie ... Annie ist eine gute Freundin, mehr nicht. Du bist die Frau, der mein Herz gehört."
Kaum hatte Ben den letzten Satz ausgesprochen, zog er Meg in seine Arme und gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss.
Mit einem Mal waren alle Bedenken, die Meg noch wegen Annie gehabt hatte zerstreut. Sie gab sich ganz diesem Glücksgefühl hin, in Bens Armen zu liegen und zu wissen, dass er sie liebte! Dieser Kuss hätte noch ewig dauern können, aber Meg erinnerte sich daran, daß sie nicht zum Küssen hier waren sondern zum Arbeiten. Vorsichtig löste sie sich aus seiner Umarmung.
"Ben," sagte sie verlegen. "Was ist, wenn jemand reinkommt?"
Er lachte.
"Um ein Geheimnis aus unserer Liebe zu machen, dazu ist es zu spät."
Meg lachte ebenfalls, aber plötzlich musste sie an Annie denken. Diese kleine Schlange würde sicher nichts unversucht lassen, sie und Ben zu tyrannisieren. Meg zog sich ihre Bluse glatt und fuhr sich mit der Hand durch das Haar.
"Bitte, Ben, wir sollten jetzt wirklich vernünftig sein und nicht nur an unser Vergnügen denken."
Ben rollte mit den Augen.
"Natürlich, Meg, Du hast recht. Arbeit vor Vergnügen."
Ehe Meg es sich versah, hatte er sie schon wieder an sich gezogen und seine Lippen auf ihre gepresst. Danach ließ er sie abrupt los.
"Okay, das muss jetzt bis zur Mittagspause halten," sagte er schelmisch zu ihr. Er sah auf seine Armbanduhr.
"Na, dann will ich mal ins Krankenhaus fahren und mich nach dem Gesundheitszustand von Cole Deschanel erkundigen.
Meg nickte zustimmend.
"Ja, tu das. Ich halte derweil hier die Stellung."
Ben warf ihr noch eine Kusshand zu und verließ den Raum. Meg breitete beide Arme aus und drehte sich im Kreis. Sie war einfach glücklich und hätte die ganze Welt umarmen können. Sie ging zu Bette ins Nebenzimmer und setzte sich neben ihre Kollegin.
Bette musterte Meg von oben bis unten. Ihr entging nicht, wie aufgewühlt Meg und wie unordentlich ihre Frisur war ...
"Na, los, Schätzchen," sagte Bette direkt "ich will die ganze Story über Sie und Ben hören - und bitte nichts auslassen ..."
Tim Truman stellte im "Deep" gerade die Stühle vom Tisch und bereitete alles für die Öffnung vor, als Derek hereinkam.
"So früh Boss?", fragte Tim überrascht. Derek ging gar nicht auf Tims Frage ein, sondern stellte ihm tatsächlich eine andere.
"Ist Marc da?", fragte er. "Nein, er hat heute eine andere Schicht."
Derek nickte.
"Gut", sagte er. "Ich habe mit Ihnen zu reden Tim. Begleiten Sie mich bitte in mein Büro. Es ist wichtig."
Tim schaute verwundert, begleitete seinen Arbeitgeber dann aber.
Hickengruendler
"Nun was gibts", wollte Tim wissen, nachdem die beiden in Bens Büro angekommen waren.
"Setzen Sie sich", forderte Derek Tim auf. "Ich hatte gestern eine heftige Diskussion, mit meinem Bruder. Und eine sehr schmerzliche." Derek rieb sich übers Kinn.
"Ich habe ihn gebeten, sich von Meg fernzuhalten, aber er hat nicht auf mich gehört." "Sie haben ihn gebeten? Warum das denn, wegen mir?", fragte Tim misstrauisch.
"Nein, in erster Linie wegen Ihrer Freundin selbst."
"Wegen Meg?"
Derek nickte nachdenklich.
"Mein Bruder ist gefährlich. Ich möchte nicht, daß Ihrer Freundin das gleiche passiert, wie Maria."
Tim kratzte sich am Kinn.
"So etwas in der Art haben Sie schon einmal gesagt."
"Ja, ich weiß. Und jetzt bin ich mehr denn je davon überzeugt. Ich habe gestern den Gesichtsausdruck meines Bruders gesehen, wie er Meg angeschaut hat, genauso hat er Maria betrachtet, einige Zeit später verschwand sie."
Tim schluckte.
"Dieser Schwachkopf glaubt wirklich jeden Mist", überlegte Derek.
Laut aber sagte er:
"Sie müssen Ihre Freundin davon überzeugen, wie gefährlich mein Bruder ist."
Doch Tim schüttelte besorgt den Kopf:
"Sie hört nicht auf mich, daß hat sie noch nie. Meg ist ein Dickkopf."
"Dann müssen Sie ihr eben Beweise liefern."
"Aber, wo soll ich die denn hernehmen?", meinte Tim skeptisch. Derek zögerte einen Moment, so als wäre ihm sein Plan selbst zuwider.
"Konstruieren Sie welche!"
"Was?"
"Ich sagte, konstruieren Sie welche. Wenn es keine echten Beweise gibt, dass Ben Maria getötet hat, dann fälschen Sie welche. Es ist für einen guten Zweck."
Doch Tim zweifelte noch immer.
"Oder wollen Sie etwa, daß Ben Gelegenheit hat, noch einen Mord zu begehen? Es könnte Ihre Freundin treffen."
Ganz wie Derek es erwartet hatte, überzeugte Tim dieses Argument.
"Ich denke Sie haben recht Derek. Der Zweck heiligt in diesem Fall wohl die Mittel. Leider sind Ihre Gefühle ja kein Beweis. Dabei kennt wohl niemand einen Mann besser, als sein eigener Zwilling."
"Ganz recht. Aber meine Worte werden wohl kaum ausreichen, um Ben seine gerechte Strafe zu geben." Dann beugte er sich vor. "Aber ich versichere Ihnen Tim, ich werde Ihnen helfen, so gut ich kann."
Als Tim gegangen
war, goss sich Derek einen doppelten Scotch ein und trank ihn in einem Zug.
Er war stinksauer. Mit diesem Schwachkopf aus Kansas würde er leichtes Spiel
haben, aber es gab noch eine andere Sache, die ihn zur Weißglut brachte:
Annie!
Er war derjenige, der eine Frau einfach sitzen lassen konnte, nicht umgekehrt!
Was bildete sich Annie eigentlich ein?
Und während er noch mit ihr zusammengelebt hatte, ihre Launen ertrug, sie bei
sich wohnen ließ und versuchte, nett zu ihr zu sein, wurde sie einfach
schwanger von einem anderen... Das ging eindeutig zu weit!
Wütend schmetterte er das Glas, das er gerade in der Hand hielt, an die Wand
seines Büros.
„Das lass ich ihr nicht durchgehen!“ knurrte er rachsüchtig,
„Ich will wissen, mit wem sie mich betrogen hat, dieses Luder!“
Mit diesen Worten griff er seine Jacke und verließ das Deep über die
Hintertreppe.
Sein Kiefer schmerzte bei jedem Schritt. Auch das würde nicht ungesühnt
bleiben, dachte er, um seinen Bruder würde er sich jedoch später kümmern, das
konnte warten.
Als Derek Annies Wohnung fast erreicht hatte, sah er sie plötzlich das Haus
verlassen und in Richtung Main Street davoneilen.
Einem Impuls folgend versteckte er sich und beschloss, ihr unauffällig zu
folgen.
Es war noch relativ früh, zumindest für Annies großzügige Schlafgewohnheiten,
und es musste einen guten Grund haben, wenn sie um diese Zeit in so einem
Tempo die Strasse hinunterjagte.
Annie schlug die Richtung zum Strand ein, und Derek vermutete richtig, ihr
Ziel war das Medical Center. Er folgte ihr so unauffällig wie möglich, als sie
wenig später am Empfang die Schwester etwas fragte und kurz darauf den Gang
entlang zu einem der Krankenzimmer auf der Überwachungsstation eilte.
Nachdem er sich vergewissert hatte, dass ihn niemand beobachtete, schlich
Derek zu dem Zimmer, in dem Annie Sekunden zuvor verschwunden war.
Neugierig las er das Patientenschild an der Tür.
Darauf stand der Name „Cole Deschanel“.
Jeany
Er starrte auf das Schild mit dem Namen. Sollte das vielleicht der Mann sein, mit dem Annie ihn betrogen hatte?
Er wollte schon hineingehen, als eine Schwester ihn zurückhielt.
"Entschuldigen Sie, Sir, sind Sie mit Mr. Deschanel verwandt?" Derek schüttelte den Kopf. "Es tut mir leid, aber dann muss ich Ihnen den Zutritt verweigern. Nur Verwandte dürfen hinein." Die Schwester sah ziemlich entschlossen und resolut aus, und da Derek keinen Ärger haben wollte, gab er klein bei.
"In Ordnung, ich wollte mich nur nach ..." schnell las er den Namen vom Türschild ab, ... "Cole erkundigen," sagte er dann schließlich. "Ich bin ein guter Freund und mache mir Sorgen um ihn. Wie geht es ihm?"
Die Schwester schüttelte entschuldigend mit dem Kopf.
"Auch darüber darf ich Ihnen keinerlei Auskunft geben, Sir. Die ärztliche
Schweigepflicht - Sie verstehen." Sie sah ihm fest in die Augen. "Und nun möchte ich Sie bitten, im Warteraum Platz zu nehmen."
Sie schob Derek energisch zur Seite. "Mr. Deschanel braucht sein Medikament."
Sie wies auf das kleine Tablett in ihrer Hand, auf dem eine aufgezogene Spritze lag. Derek ließ sie passieren und suchte den Warteraum auf. Ihm war schleierhaft, wie Annie so einfach in Deschanels Zimmer gehen konnte. Sie war doch auch keine Verwandte! Derek war in Gedanken versunken, als er eine vertraute Stimme vernahm.
"Du?! Was machst Du denn hier?" Derek schaute auf und sah sich selber gegenüber. "Ben," sagte er säuerlich, "dasselbe könnte ich Dich fragen, Bruderherz."
Ben holte tief Luft.
"Es geht Dich zwar nichts an, aber ein Mitarbeiter von mir hatte einen schweren Unfall auf der Baustelle."
Ben sah Derek fest in die Augen. Dieser grinste plötzlich.
"Ach, nein, und dieser Jemand heißt nicht zufällig Cole Deschanel, oder?"
Ben sah Derek überrascht an.
"Woher kennst Du Mr. Deschanel?"
Derek schmunzelte.
"Ich glaube, der Gute ist der Vater von Annies Balg, wenn ich mich nicht irre," mutmaßte er. Ben zuckte zusammen. Woher wusste Derek das?
Er wollte seinem Bruder gerade antworten, als Annie völlig aufgelöst an ihnen vorbei rannte.
Wie ein roter Blitz rannte sie vorbei. Sie warf einen kurzen Blick auf Derek, der feststellte, daß sie verweinte Augen hatte.
"Ob sie um mich wohl auch so geweint hätte. Vermutlich nicht. Wahrscheinlich vergießt sie nur Tränen für irgendwelche Dreckskerle, die mit ihr eine Nacht verbringen und sie dann sitzenlassen. Oder aber sie weint nur, weil ihr Gör vielleicht schon den Vater verloren hat, bevor es auf der Welt ist, und sie gerade Abschied von den Alimentenzahlungen nimmt", meinte er zynisch.
Ben blickte seinen Bruder zornig an.
"Derek, in den letzten Tagen habe ich festgestellt, daß Du ein noch viel größerer Dreckskerl bist, als ich es je für möglich gehalten habe. Obendrein steht noch überhaupt nicht fest, daß Cole Deschanel wirklich stirbt."
Darauf ging Ben ohne Verabschiedung davon.
"Oh doch Bruder. Das tut es," sagte Derek zu sich selbst mit einem teuflischen Lächeln auf den Lippen.
Derek stand noch immer vor Cole Deschanels Krankenzimmer. Er blickte sich um. Niemand war zu sehen.
"Das ist die Chance. Jetzt oder nie", dachte er. Er schlich sich in das Krankenzimmer und warf einen Blick auf Cole.
"Ich dachte wenigstens, Du hättest mir gehört, Annie. Aber das war wohl auch ein Irrtum. Flittchen. Mit jedem dahergelaufenen Mann steigst Du ins Bett. Und schau ihn Dir an, wie er da liegt. Was für ein jämmerlicher Zustand", dachte er triumphierend. "Eigentlich bräuchte ich ja nur zu warten, bis Du stirbst. Du überlebst das sowieso nicht", sagte er zu dem regungslosen Cole. "Aber das reicht mir nicht. Wer mich hintergeht, sollte bestraft werden. Das Schicksal hat bereits gesprochen. Dein Sturz war die Strafe. Und ich werde den Willen des Schicksals jetzt vollenden. Du bist nicht der erste, der lernen muss, daß es sehr dumm ist, mich zu betrügen."
Sein Blick fiel auf das Kopfkissen.
"Ja, es ist fast zu einfach", überlegte er. "Fehlt irgendwie der Reiz. Aber nichts desto trotz, das Schicksal kann man nicht aufhalten."
Er schlenderte zu dem Kopfende von Coles Krankenbett.
"Was um alles in der Welt hat das zu bedeuten?"
Als Derek die Stimme hörte, drehte er sich herum, und sah direkt in Schwester Gabis vorwurfsvolles Gesicht. Er reagierte blitzschnell.
"Es tut mir leid. Ich weiß, ich sollte hier nicht reinkommen. Aber ich habe mir Vorwürfe gemacht und wollte sehen, wie es ihm geht. Es ist ja schließlich irgendwie auch meine Schuld. Hätte ich ihn nicht angestellt, wäre das gar nicht geschehen, und der arme Kerl läge jetzt nicht hier."
"Ach Du bist das, Ben. Im ersten Moment dachte ich, Du wärst Derek."
"Nun Gabi. Du bist nicht die Erste, die uns verwechselt."
"Wie dem auch sei. Trotzdem hast Du hier keinen Zutritt. Nur die engsten Verwandten, und da gehörst Du nicht zu", erklärte Gabi. "Selbstverständlich, ich halte mich auch nicht lange auf. Wollte nur mal sehen, wie es ihm geht."
Mit diesen Worten ging Derek davon.
"Verdammt", dachte er. "Aber na gut, aufgeschoben ist nicht aufgehoben."
Ricardo saß in dem
kleinen Lokal in der Nähe des Krankenhauses. Er hatte sich hier mit Gabi
während ihrer Mittagspause verabredet. Die örtliche Nähe war günstig, sollte
Gabi aufgrund eines Notfalls gebraucht werden, war sie schnell wieder
einsatzbereit. Andererseits war das Essen hier aber deutlich annehmbarer, als
das eher umstrittene Mahl in der Krankenhauskantine.
Ein Blick auf die Uhr verriet Ricardo, das Gabi sich bereits ein paar Minuten
verspätet hatte. Doch genau in diesem Moment kam sie durch die Tür. Sie kam
auf Ricardos Tisch zu und die beiden umarmten sich.
"Entschuldigung", sagte sie. "Es ging wirklich nicht schneller."
"Kein Problem."
Die beiden setzten sich und bestellten das Essen.
"Ach ja," warf Gabi während des Gesprächs zwischen ihnen ein, "Ben war vorhin im Krankenhaus."
"Ben Evans? Was wollte er?", fragte Ricardo verwundert und misstrauisch zugleich.
"Er war in Cole Deschanels Krankenzimmer- unerlaubt."
Sie versuchte so zu tun, als wolle sie ihm das nur erzählen, aber ganz so war es nicht. Vorhin, in Coles Krankenzimmer hatte Ben irgendwie einen merkwürdigen Eindruck auf sie gemacht, und sie fühlte sich wohler, wenn Ricardo erfuhr, daß er dort gewesen war, wo er nicht hingehörte. Da sie aber nicht übermäßig misstrauisch erscheinen wollte, vermied sie es, ihm Freund ihren Verdacht direkt zu sagen, sondern wandte diese Methode an.
Ganz wie sie es vermutet hatte, sprang Ricardo darauf an.
"Und was hat er dort gewollt?"
"Er hat gesagt, er wolle sehen, wie es ihm geht."
"Das war gelogen," entschied Ricardo sofort.
"Meinst Du?"
"Ich bin davon überzeugt. Überleg doch mal. Es passt alles zusammen. Ben war es, der Deschanel engagiert hatte. Ohne ihn, wäre er nie auf dieses Gerüst gestiegen. Und dann wird daran sabotiert. Vielleicht war Deschanel an diesem Abend gar nicht auf eigene Faust auf dem Gerüst, sondern weil sein Arbeitgeber ihn darum bat, vielleicht, um irgendwas zu überprüfen."
"Aber Ben war zu diesem Zeitpunkt nicht in der Stadt."
"So etwas geht doch auch telefonisch. Woher wollen wir wissen, daß Ben kein Motiv hat, ihn zu töten? Angenommen, er kennt ihn schon länger, und hat irgendeinen Grund, ihn zu hassen."
"Das sind alles reine Mutmaßungen Ricardo."
"Richtig, ich habe keine Beweise", meinte er ärgerlich. "Aber dann erwischt du ihn in seinem Zimmer. Das nächste Puzzleteil. Ben will verhindern, daß er aufwacht, damit er nicht sagen kann, wer ihn auf das Gerüst geschickt hat."
"Und was willst du jetzt tun?"
Ricardo überlegte.
"Ich werde auf jeden Fall beantragen, daß Coles Krankenzimmer rund um die Uhr bewacht wird. Da es durchaus möglich ist, daß es ein direkter Anschlag auf sein Leben war, müsste ich damit durchkommen."
Gabi atmete auf. Irgendwie war sie darüber erleichtert.
Verärgert über das
Gespräch mit seinem Bruder wollte Ben wieder gehen, als er plötzlich Caitlins
Stimme hörte.
„Ben?“ Etwas verunsichert kam sie näher und sah ihn fragend an. Es gelang ihr
nie auf Anhieb, die Zwillingsbrüder auseinanderzuhalten. Als Ben ihr jedoch
auf seine ganz eigene Art zulächelte, atmete sie erleichtert auf und stürzte
sich aufschluchzend in seine Arme.
„Ben, ich bin so froh, dass Du da bist!“ Sie sah ihn mit großen Augen an.
„Hast Du es schon gehört?“
Er nickte und suchte krampfhaft nach einer Antwort. Caitlin sah furchtbar aus,
total übernächtigt, mit verschwollenen Augen, wirkte sie schwach und
zerbrechlich.
Er nahm sie einfach in den Arm und strich ihr liebevoll übers Haar.
„Ich bin schon die ganze Nacht hier gewesen,“ sagte sie mit tränenerstickter
Stimme, „aber vorhin bestand Dr. Robinson darauf, dass ich in der Cafe- Terria
etwas frühstücke. Er meinte, er könne nicht noch eine Patientin gebrauchen.“
„Da hat er ganz recht.“ antwortete Ben. „Cole braucht Dich jetzt, und Du
kannst ihm nicht helfen, wenn Du selbst zusammenklappst.“
Caitlin nickte tapfer.
„Ich möchte ihm ja helfen...“ schluchzte sie, „aber er liegt die ganze Zeit da
wie... wie...“
Ben tat es weh, Caitlin so zu sehen. Er legte den Arm wie beschützend um sie.
Warum zum Teufel war Gregory nicht hier, wenn seine Tochter ihn brauchte?
„Komm, wir setzen uns irgendwo hin und reden. Das wird Dir gut tun.“
Ben konnte nicht
ahnen, das sein Geschäftspartner momentan ganz andere Sorgen hatte.
Gregory packte gerade einige Akten ein, die er für einen unmittelbar
bevorstehenden Gerichtstermin benötigte, als Bette ihm über die Sprechanlage
Besuch ankündigte.
„Gregory, eine junge Dame wünscht Sie zu sprechen!“
„Jetzt nicht, Bette, ich bin schon spät dran.“ antwortete er leicht gereizt.
Heute ging ihm irgendwie alles auf die Nerven, und das letzte, was er jetzt
gebrauchen konnte, war der Besuch irgend einer „jungen Dame“. Bette schien das
nicht zu stören.
„Sie sagt, es sei sehr dringend!“ betonte sie mit Nachdruck und fügte in
versöhnlicherem Tonfall hinzu:
„Gregory, Sie sollten wirklich...“ Weiter kam sie nicht, denn die Besucherin
bahnte sich selbstbewusst ihren Weg zu seinem Büro und stand Sekunden später
mitten in seinem Büro, gefolgt von Bette, die empört nach Luft schnappte und
fragte, ob sie den Sicherheitsdienst rufen solle.
Gregory zog arrogant die Augenbrauen hoch und maß sie abfällig von oben bis
unten.
„Tiffany...? Was verschafft mir dieses zweifelhafte Vergnügen?“
An Bette gewandt meinte er:
„Ist schon gut, ich denke, der Kammerjäger wäre vielleicht angebrachter!“
Bette rollte mit den Augen und zog sich zurück.
Tiffany grinste böse.
„Sie können mich nicht beleidigen, Mr. Richards, und Sie können mich auch
nicht ignorieren. Ich warte immer noch auf eine Antwort von Ihnen.“ sagte sie
mit ruhiger Stimme.
Gregory sah sie wütend an. Er bemerkte die Entschlossenheit in ihrem Blick und
überlegte fieberhaft, welche Taktik er hier anwenden könnte. Vielleicht erst
einmal die übliche...
Er setzte sich hin und zückte sein Scheckheft.
„Wieviel willst Du?“ Sein Blick schien sie zu durchbohren, doch Tiffany war
entschlossen, sich nicht einschüchtern zu lassen. Sie zog einen Zettel aus
ihrer Tasche und warf ihn achtlos auf seinen Schreibtisch.
„Ich brauche kein Geld. Nicht schon wieder!“
Gregory entfaltete den Zettel mit spitzen Fingern und blickte erstaunt auf
seinen eigenen Scheck, ausgestellt vor fast einem Jahr. Damit hatte er nicht
gerechnet.
Tiffany lachte bitter.
„Tja, Mr. Richards, es war nicht Ihr Geld, weswegen ich die Stadt verließ.
Erinnern Sie sich? Sie wollten meinem Vater sagen, wo er mich findet. Nun...“
sie machte eine bedeutungsvolle Pause, „meinen Vater dürfte nicht mehr
interessieren, wo ich mich aufhalte. Er ist tot!“
Jeany
Gregory kniff die
Augen zusammen. Um seine zunehmende Nervosität zu überspielen, knurrte er:
„Was kann Abschaum wie Du anderes wollen als Geld? Rede schon, ich habe nicht
viel Zeit!“
Bevor er es verhindern konnte, nahm Tiffany das eingerahmte Foto, das seine
Familie zeigte, vom Schreibtisch.
„Nur einen kleinen Freundschaftsdienst!“ sagte sie leise und betrachtete
lächelnd das Bild.
„In ein paar Monaten werde ich sicher mit auf diesem Familienfoto zu sehen
sein, denn ich werde Sean heiraten. Und Sie...“ sie blickte Gregory
herausfordernd an, „Sie werden mich in jeder Weise unterstützen, ihm wieder
näherzukommen. Gestehen Sie ihm ein, wie sehr Sie sich in mir geirrt haben und
wie unendlich leid Ihnen und Ihrer Frau die ganze Sacht tut. Machen Sie ihm
klar, dass ich die einzig Richtige für ihn bin, und was für ein schönes Paar
wir beide sind.“
Sie holte tief Luft, ließ Gregory jedoch keine Sekunde aus den Augen. Dann
fuhr sie fort:
„Als Gegenleistung dafür werde ich unser kleines Geheimnis bewahren, und es
liegt ganz allein bei Ihnen, ob es jemals ans Tageslicht kommt!“
„Damit kommst Du nicht durch!“ fauchte Gregory aufgebracht und sprang auf.
Tiffany zwinkerte ihm frech zu.
„Ich denke doch!“ entgegnete sie. „Kommen Sie nur nicht auf dumme Gedanken,
ich habe vorgesorgt. Das Leben lehrt einen, mit Typen wie Ihnen zu pokern.
Sollte mir etwas passieren, wird ein Freund von mir die nötigen Beweise an die
richtigen Stellen weiterleiten.“
Sie knallte das Foto auf den Tisch und ging zur Tür.
Dort drehte sie sich noch einmal um und meinte drohend:
„Machen Sie keinen Fehler, Mr. Richards! Ich habe nichts zu verlieren, aber
Sie um so mehr!“
Mit einem Lächeln fügte sie noch hinzu:
„Ich denke, wir sehen uns bald öfter – Schwiegervater!“.
Ricardo reagierte schnell auf Gabis Äußerung hin. In nicht mal einer Stunde hatte er angewiesen, daß Cole Deschanels Krankenzimmer überwacht werden sollte. Um sich auch von der ordnungsgemäßen Durchführung zu überzeugen, fuhr er selber ins Krankenhaus, um nach dem rechten zu sehen.
Ihm fiel gleich ein Pärchen am Tisch auf, das sich angeregt unterhielt. Als er näher hinsah erkannte er sie auch sofort. Mit schnellen Schritten ging er zum Tisch.
"Evans!," schnappte Ricardo knapp, "wir müssen reden." Und zu Caitlin gewandt: "Entschuldigen Sie uns, Miss Richards, aber es handelt sich um etwas Vertrauliches." Caitlin nickte nur. Sie war viel zu sehr mit ihren Problemen beschäftigt, um sich auch noch Gedanken um Ben zu machen.
Ben ließ sich nur widerwillig von Ricardo anfassen, der ihn grob am Arm packte und in die Wartehalle führte.
"Was soll das ganze, Ricardo?" Er war sichtlich genervt. Ricardo packte ihn am Kragen. "Halt die Klappe, Ben, Du weißt genau, um was es geht."
Ben zuckte nur mit den Schultern und sah Ricardo fragend an.
"Okay," zischte Ricardo, "dann fällt es Dir vielleicht wieder ein, wenn ich Dich mit aufs Revier nehme."
Allmählich wurde Ben die Sache zu bunt.
"Spuck es schon aus, was ist los?"
Ricardo holte tief Luft, und dann spulte er das ab, was Gabi ihm berichtet hatte.
Ben stand die ganze Zeit fassungslos und mit offenem Mund da. Er wusste sofort, daß Ricardo den falschen Evans-Bruder beschuldigte, aber konnte er seinen Bruder so einfach ans Messer liefern?
Ben schluckte. Ricardo sah ihn prüfend an. Irgendwie verwirrte ihn Bens Reaktion.
Der stand immer noch wie erstarrt am selben Ort und rang mit seiner Fassung.
Die beiden Männer sahen sich schweigend an. Ricardo fand als erster seine Stimme wieder.
"Du hast keine Ahnung, wovon ich rede, oder?" Ben sah hoch. Er schüttelte nur mit dem Kopf. Ricardo seufzte tief.
"Okay, Ben, ich mag Dich nicht besonders, und ich glaube immer noch, daß Du etwas mit dem Tod meiner Schwester zu tun hattest, aber ich... glaube Dir."
Ben verzog überrascht das Gesicht. Ricardo dachte einen Moment nach und stellte dann die entscheidende Frage.
"Wo ist Derek?"
Mona
Ben starrte auf den Fußboden. Er ahnte, warum Derek den jungen Mann umbringen wollte - wegen Annie. Ihm lag nichts ferner als seinen Bruder zu schützen, aber Blut war trotzdem noch dicker als Wasser, und alles in Ben sträubte sich dagegen, Derek an Ricardo auszuliefern.
Dieser wurde ungeduldig.
"Ben, wenn Du es nicht warst, der in Mr. Deschanels Zimmer war, dann war es Derek, und ich will zum Teufel wissen, was er da drin gemacht hat." Ricardo funkelte Ben an. Dieser zuckte mit den Schultern.
"Keine Ahnung, wir gehen selten gemeinsame Wege."
Ricardo sah ihn spöttisch an. "Nun komm mir nicht auf die "mein geliebtes Brüderchen-Tour". Ich weiß, daß Du auf Derek auch nicht gut zu sprechen bist."
Ben kratzte sich am Kinn.
"Vielleicht versuchst Du es mal in seinem Büro im Deep. Da ist er um dieser Uhrzeit meist."
Ricardo griff zum Handy und beauftragte einen Polizei-Kollegen, im Deep vorbeizuschauen. Dann wandte er sich wieder Ben zu.
"In Ordnung, Du bist vorerst entlastet. Ich hoffe für Dich, daß Du wirklich nicht bei dieser Sabotage-Sache mitgemacht hast. Wenn doch, "fügte er gefährlich lächelnd hinzu, "werde ich das herausfinden und Dich fertig machen." Er verabschiedete sich und verließ das Krankenhaus.
Ben ballte die Fäuste. Er war wütend - wütend auf seinen Bruder und wütend darüber, daß Ricardo immer noch glaubte, daß er etwas mit Marias Tod zu tun gehabt hatte. "Verdammt Derek, wie konntest Du das tun," sagte er mehr zu sich selber.
Als er ein Geräusch hinter sich hörte drehte er sich um und blickte in Derek's kalte, blaue Augen ...
Derek klatschte in die Hände.
"Bravo, Bruderherz, das war ja eine rührende Vorstellung, die Du da präsentiert hast." Ben sah ihn zornig an.
"Du hast uns belauscht." Es war mehr eine Feststellung als eine Frage.
"Du kannst sicher sein, Derek, daß ich das nicht für Dich getan habe," fuhr Ben fort. Derek grinste ihn an.
"Nicht? Wieso hast Du mich dann nicht bei Torres verpfiffen?"
Ben überhörte seine Frage.
"Okay, raus mit der Sprache. Was hast Du in Deschanels Zimmer gewollt?"
Derek fuhr sich mit der Zunge über die Lippen.
"Was denkst Du, was ich dort gewollt habe?," fragte er provozierend.
"Verdammt, Derek, spiel' hier keine Spielchen mit mir. Ich will es wissen!"
Ben sah ihm fest in die Augen. Derek hielt dem Blick stand. Er ließ seine Hand Richtung Hals wandern und fuhr mit der Handkante die Kehle entlang. Dabei grinste er seinen Bruder unverschämt an.
Ben sah ihn fassungslos an.
"Du wolltest ihn wirklich töten? Warum?"
Derek hob die Hand und ballte die Faust.
"Dieses Schwein hat meine Annie geschwängert." Derek war außer sich.
Ben sah ihn scharf an.
"Deine Annie? Ich will Dir mal was sagen, Derek, wenn Du sie ein bisschen besser behandelt hättest, wäre sie Dir nicht weggelaufen. Es ist alleine Deine Schuld, daß sie sich dem ersten Besten an den Hals geworfen hat."
Bens Augen funkelten wütend. Derek sah ihm in die Augen.
"Meine Schuld? Das ich nicht lache. Dieses kleine Flittchen ..."
Ben unterbrach ihn barsch.
"Rede nicht so über sie. Du hast Annie nie wirklich verstanden."
Derek lächelte ganz plötzlich.
"So wie Du sie verteidigst könnte man meinen, daß Du auf sie scharf bist. Möglicherweise ist dieser Deschanel - Jüngling gar nicht der Vater ... vielleicht ..." Er unterbrach den Satz und sah Ben prüfend an. Dieser schloss kurz die Augen, ehe er antwortete. Vielleicht konnte er mit einer Lüge Coles Leben retten.
"Und, wenn es nun so wäre ...?"
Derek schnappte nach Luft. Ben war der Vater von Annies Baby? Er konnte es nicht glauben, aber was, wenn doch?!
Die beiden wurden durch Caitlin unterbrochen, die sich um Ben Sorgen gemacht hatte. Überrascht sah die junge Frau von einem Zwilling zum anderen.
"Ben ...", begann sie vorsichtig, nicht sicher, welcher der beiden nun der Richtige war. Bevor Derek etwas sagen konnte ergriff Ben Caitlins Hand.
"Entschuldige, daß ich Dich so lange warten ließ, aber ..." Er wies auf seinen Bruder.
"Wir zwei hatten noch ein wichtiges Gespräch zu führen."
Caitlin nickte nur müde mit dem Kopf.
"Ist schon gut, Ben. Ich will jetzt doch noch mal nach Cole sehen, und dann werde ich wohl auch nach Hause fahren."
Ben nahm sie in den Arm.
"Sei unbesorgt, er wird bestimmt wieder gesund."
Derek beobachtete die Szene interessiert und fragte sich, welches Interesse Caitlin an Cole hatte. Dieser Mann war ja heiß begehrt!
Er räusperte sich.
"Also, dann will ich auch mal wieder los." Er sah Ben mit hocherhobenen Kopf an. "Du bist mir noch eine Antwort schuldig, Bruderherz, vergiss das nicht." Er nickte kurz in Caitlins Richtung und verschwand.
Ben atmete auf. Das war noch einmal gut gegangen.
Caitlin sah ihn besorgt an.
"Ben, ist alles in Ordnung?"
Er schaute sie an und war mit seinen Gedanken völlig abwesend. Er fragte sich, was Derek nun vorhatte. Wie ein Blitz traf es ihn. Annie! Er würde sicher als erstes Annie aufsuchen und sie ausquetschen. Dann würde seine Lüge wie ein Kartenhaus zusammenfallen, und Coles Leben wäre in akuter Gefahr. Er sah Caitlins fragendes Gesicht.
"Sei mir nicht böse," sagte er geistesabwesend, "aber ich habe noch einen Termin."
Er drückte ihren Arm ein letztes Mal und eilte den Gang zurück zum Ausgang. Caitlin sah ihm überrascht hinterher. So aufgewühlt hatte sie Ben überhaupt noch nicht erlebt.
Mona
Zur selben Zeit wartete Tiffany Thorne vor der Highschool. "Eigentlich müsste er jetzt Schluss haben", überlegte sie. "Wo bleibt er denn?"
Dann sah sie von weitem Sean Richards, der sehr zu Tiffanys Freude allein war.
"Hi Sean", fing sie ihn ab.
"Tiffany?", meinte Sean verwundert. "Was führt dich denn hierher."
"Na was wohl. Du natürlich. Sonst habe ich hier wirklich nichts verloren, die Schule habe ich schon lange geschmissen", antwortete sie lächelnd.
"Tut mir Leid Tiffany", erklärte Sean abweisend, "ich habe jetzt wirklich keine Zeit. Ich bin gleich verabredet."
"Sean, bitte. Du kannst mich doch jetzt nicht hier so stehenlassen, ich warte schon den ganzen Morgen auf Dich."
"Ich habe Dich nicht darum gebeten."
"Sean!", rief sie flehend, woraufhin er ein Einsehen hatte, und sich ihr zuwandte.
"Also gut, schieß los", meinte er seufzend, "was willst Du von mir?"
"Mit Dir reden, das ist alles."
Sean zuckte die Achseln.
"Du hättest damals mit mir reden können. Mir sagen, was meine Eltern gegen Dich im Schilde führen, anstatt mir so wenig zu vertrauen, und einfach davonzulaufen."
"Sean, sie haben gedroht, meinem Vater zu sagen, wo ich bin."
"Ja Tiffany aber..."
"Nein, kein aber. Verstehst Du mich denn überhaupt nicht? Nein, vermutlich nicht. Du hast ihn ja nie kennengelernt, Du weißt nicht, wie er war." Tiffany kämpfte mit den Tränen. "Er hat mich geschlagen, jeden Tag aufs neue. Als meine Mutter abgehauen ist, hat es damit angefangen. Wenn er abends getrunken hatte, kam er mich noch einmal besuchen, um mir eine zu verpassen, da brauchte er keinen Grund für. Und er hatte oft getrunken." Tiffanys letzter Versuch, die Tränen zu unterdrücken, scheiterten.
"Natürlich, weißt Du das alles. Und Du wolltest mir helfen, hast gesagt, ich sollte Vertrauen zu dir haben. Ich wollte, aber da war die Angst, daß er eines Tages vor der Tür stehen könnte. Sean, ich war zu diesem Zeitpunkt 17. Minderjährig. Ich hätte zu ihm zurückgemusst."
Sean versuchte sie zu beruhigen:
"Ist ja gut Tiffany. Ist ja gut. Nicht weinen." Er fühlte sich ziemlich mies. In den letzten Monaten hatte er sich von allen betrogen gefühlt, von seinen Eltern, von Tiffany, er hatte Tiffanys wahre Gründe später erfahren, aber sich trotzdem nie wirklich in sie hineinversetzt, was er jetzt bereute. Aber dennoch, die Gefühle, die er mal für sie hatte, waren heute nicht mehr so stark. Das war vorbei. Aber er konnte nicht mit ansehen, wie sie weinte und nahm sie tröstend in den Arm.
"Sean Richards! Wer ist dieses Mädchen?", schrillte es hinter ihm. Er drehte sich um und sah in das vorwurfsvolle Gesicht Amys.
Hickengruendler
"Oh, Amy", antwortete Sean. "Darf ich vorstellen, das ist Tiffany, Tiffany, das ist Amy." "Freut mich", antwortete Amy mit einer Stimme, die andeutete, daß sie Tiffany am liebsten erwürgen würde.
"Mich ebenfalls", behauptete Tiffany. "Du bist Seans Freundin, nicht wahr? Ich darf Dich doch duzen? Nun, ich war Deine Vorgängerin. Sean und ich waren unzertrennlich, ein richtiges Traumpaar."
Triumphierend beobachtete sie, wie Amys Mundwinkel immer schmaler wurden.
"Aber das war einmal. Dann ist einiges geschehen, und ich musste weg. Sean verlassen. Nun, aber jetzt bin ich wieder da", sagte Tiffany in einem Tonfall, dass Amy genau wusste, was sie davon zu halten hatte.
"Wie schön", erklärte Amy. "Aber wenn Du uns jetzt entschuldigen würdest, mein Freund und ich haben noch etwas vor."
Sie zerrte leicht an Seans Ärmel, der sich aber leicht von ihr löste. Er wandte sich an Tiffany.
"Alles okay?", fragte er.
"Klar", log diese. "Genieß den Tag mit Amy."
Sean zögerte noch, aber da Amy drängte, ging er mit ihr davon.
Kaum waren die beiden weg, sagte Tiffany zu sich selbst:
"Und genieß Du vor allem den Tag mit Sean, Amy. Du wirst nicht mehr viele mit ihm verbringen. Immerhin habe ich Gregory Richards auf meiner Seite."
Hickengruendler
Derek beobachtete, wie Ben das Medical Center verließ. Er holte sein Handy heraus und wählte eilig eine Nummer. Als sein Gesprächspartner sich meldete, gab er in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ, seine Anweisungen und nickte dann zufrieden.
„Zeit für Runde Nr. 2, Brüderchen, Strafe muss sein!“
Ben suchte Annie zu Hause auf, um sie zu warnen.
Er fand sie vollkommen aufgelöst vor.
„Ist Cole Deschanel der Vater Deines Kindes?“ fragte er sie.
Annie nickte.
„Es tut mir so leid, Ben“ schluchzte sie, „aber ich habe niemandem außer Tante Bette davon erzählt, weil ich ja immer geglaubt habe, mit Derek kommt alles in Ordnung!“
Er schüttelte verständnislos den Kopf und setzte sich neben sie auf die Couch.
„Seit wann bist ausgerechnet Du so naiv? Es muss Dir doch klar gewesen sein, dass Du Derek kein Kind unterschieben kannst!“
„Das hatte ich auch nicht vor!“ antwortete sie trotzig. „Ich war mir doch noch gar nicht sicher, ob ich es wirklich behalten soll!“
„Und nun willst Du Cole sagen, dass er Vater wird, vorausgesetzt, er wacht wieder auf und kann sich überhaupt an irgend etwas erinnern!“ mutmaßte Ben.
Annie sah ihn entsetzt an.
„Glaubst Du, das könnte passieren?“ fragte sie mit zitternder Stimme.
Er zuckte nur mit den Schultern.
„Möglich ist alles, Annie. Und selbst wenn er wieder gesund wird, dann ist da immer noch Caitlin.“
„Was hat Caitlin mit der Sache zu tun?“
„Nun“, Ben zog vielsagend die Stirn in Falten, „Cole und Caitlin sind ein Paar, soweit ich das beurteilen kann. Es ist überhaupt ein Wunder, dass Ihr beide Euch im Medical Center nicht über den Weg gelaufen seit. Sie hat die ganze Nacht an seinem Bett gesessen.“
„Ich hab sie dort gesehen.“ antwortete Annie nachdenklich, „aber ich wusste nicht, dass sie bei Cole war.“ Sie straffte die Schultern und sah Ben entschlossen an. „Ich werde um ihn kämpfen, er gehört zu mir!“ Das war für einen Moment wieder die „alte“ Annie.
Ben lachte nur kopfschüttelnd.
„Annie, Du bist und bleibst unverbesserlich! Wer sagt Dir eigentlich, dass Cole Deschanel Dich überhaupt will, von dem Baby mal ganz abgesehen?“
Verständnislos schaute sie ihn an. Auf diesen Gedanken wäre sie wohl nie gekommen. Natürlich wollte Cole sie! Caitlin konnte ihr doch überhaupt nicht das Wasser reichen!
Was für eine dumme Frage!
„Hör zu, Annie!“ riss Ben sie aus ihren Gedanken. „Derek ist beleidigt und wütend, und in diesem Zustand ist er äußerst gefährlich! Bitte verrat ihm nicht, dass Cole Deschanel der Vater Deines Kindes ist!“
Annie sprang auf.
„Aber... warum denn? Das ist doch jetzt völlig egal, ich habe mich von ihm getrennt!“
Ben lachte bitter.
„Das ist ja das Problem. Ich kenne meinen Bruder nur zu gut, er wird versuchen, sich zu rächen, an Dir...“ er machte eine bedeutungsvolle Pause, stand auf und sah Annie in die mit Wimperntusche verschmierten Augen, „...und an dem Vater Deines Kindes!“
„Nein...“ Sie schüttelte den Kopf und begann, nervös im Zimmer auf und ab zu gehen.
„Nein, Ben, das glaube ich nicht, er wird nicht...“
Ben packte sie an den Schultern und zwang sie, ihn anzusehen.
„Annie! Er hat es bereits versucht!“ sagte er eindringlich. Sie schüttelte stur den Kopf.
„Nein...“ Dann schien sie endlich zu begreifen, was er gerade gesagt hatte. Entsetzt riss sie die Augen auf. „Was hast Du eben gesagt?“
Ben erzählte ihr, was im Medical Center geschehen war. Er berichtete auch von dem Gespräch mit Ricardo Torres, und dass Coles Krankenzimmer ab sofort rund um die Uhr von der Polizei bewacht würde. Fassungslos starrte Annie ihn an.
Dann fing sie an zu weinen. Sie konnte einfach nicht anders. Die Ereignisse der letzten Tage forderten ihren Tribut. Sie lag in Bens Arm und schluchzte haltlos.
Ben hielt sie einfach nur fest und wartete geduldig, bis sie sich beruhigt hatte.
„Wenn mich Derek nun fragt, wer der Vater meines Babys ist, was soll ich denn sagen? Jeder, dessen Namen ich nennen würde, wäre in Gefahr!“ schniefte sie und legte ihren Kopf an Bens Brust.
„Jeder, außer mir!“ sagte er leise.
Annies Kopf schnellte hoch.
„Du?“ fragte sie und ihre Augen leuchteten plötzlich. „Das würdest Du für mich tun?“
Ben lächelte bitter und nickte.
„Ich hab es schon getan. Derek glaubt, Dein Kind ist von mir! So ist Cole erst einmal sicher vor ihm!“
„Ben!“ rief Annie und nahm sein Gesicht zwischen beide Hände, „Das ist ja...“
Bevor er es verhindern konnte, küsste sie ihn stürmisch. Er versuchte, sie wegzuschieben, aber sie drängte sich an ihn und bedeckte sein Gesicht mit Küssen, bevor sie atemlos rief:
„Ich wusste es, ja ich hab es schon immer gewusst, Ben!“
„Hör endlich mit dem Unsinn auf, Annie!“ knurrte er, als es ihm endlich gelang, sich aus ihrer Umarmung zu lösen. „Was soll denn das? Was hast Du gewusst?“
Annie lachte und sah ihn verträumt an.
„Ich wusste schon immer, dass Du mich liebst, Ben!“
Jeany
Ben verdrehte genervt die Augen.
„Ja, Annie, ich liebe dich als gute Freundin! – Mehr nicht“ sagte er und schob sie bestimmt von sich, als sie ihn wieder umarmen wollte. „Ich dachte, wir hatten das ein für alle Mal geklärt!“
Er sah, wie sie enttäuscht zurücktrat und fügte etwas versöhnlicher hinzu:
„Du solltest Dich etwas hinlegen und versuchen zu schlafen, damit du wieder zu Kräften kommst. Denk an das Baby, Annie. Und mach Dir keine Sorgen, es wird sich schon alles regeln.“
Sie starrte ins Leere und nickte nur mechanisch.
„Ben..“
Er führte sie zur Couch und zwang sie mit sanftem Druck, sich hinzulegen. Dann holte er eine Decke und breitete sie fürsorglich über ihr aus. Einen Augenblick später war Annie eingeschlafen.
Ben betrachtete sie nachdenklich.
„Das wird schon wieder, Annie.“ sagte er leise. „Ich helfe Dir, wo ich kann, aber ich werde nie Deine Gefühle für mich erwidern können. Tut mir leid, aber mein Herz ist vergeben.“ Er atmete tief durch und strich ihr über das rote Haar. „Du bist stark, Du wirst es überleben!“
Leise stand er auf und verließ die Wohnung.
Den Mann mit der Kamera, der hinter der Brüstung der Veranda im Windschatten einer dicken Palme kauerte, von wo aus sich ihm freie Sicht auf das Innere von Annies Wohnung bot, bemerkte er nicht.
Jeany
Meg saß im Surf Central auf dem Sofa und blätterte gelangweilt in einer Zeitschrift.
Alle waren ausgeflogen, und sie war in dem großen Haus alleine.
Ein Klopfen an der Tür unterbrach die Stille. Sie stand auf, ging zur Tür und öffnete sie. Im selben Moment wünschte sie sich, die Tür nie geöffnet zu haben, denn vor ihr stand Tim.
"Du gibst wohl niemals auf, oder?" Genervt schaute sie ihn an. Tim war auf diesen frostigen Empfang vorbereitet und lächelte nur.
"Niemals, Meg, aber ich komme wegen einer anderen Sache."
Sie machte eine übertriebene einladende Geste und ließ ihn hinein.
"Mach's kurz, ich habe nur wenig Zeit," log sie.
Tim ließ sich aufs Sofa fallen.
"Habt Ihr Bier?," fragte er. Meg sah ihn scharf an.
"Tim, wir sind hier nicht im Deep. Bei uns gibt's nur Antialkoholisches."
Tim seufzte.
"Seid Ihr ein Haufen von Priestern, oder was?" Er war sichtlich genervt.
Meg ging in die Küche und kam mit einer Karaffe Sodawasser und zwei Gläsern zurück. Sie stellte die Sachen vor Tim auf den Tisch.
"Das trinken wir hier." Sie sah ihn schmunzelnd an.
Er rollte mit den Augen, goss sich dann aber etwas davon ein. Er nahm einen großen Schluck und setzte das Glas wieder ab.
"Also, Meg, weshalb ich Dich sprechen will. Derek hat mir erzählt ..."
Tim kam nicht weit, denn das Telefon klingelte. Meg machte ihm ein Zeichen, daß sie gleich wieder da wäre und verschwand im Nebenraum. Am Apparat war Sara.
"Hi, Schwesterchen, ich wollte mich doch melden. Also, nun ist es ganz sicher. Das Flugzeug wird voraussichtlich morgen früh um 10.15 Uhr auf dem Sunset Beach Airport landen. Kannst Du mich abholen?"
Meg dachte kurz nach. Eigentlich musste sie pünktlich um 8.00 im Büro sein, aber wenn sie Ben bescheid geben würde. Könnte sie sicher etwas später zu kommen.
"Geht klar, ich werde pünktlich da sein. Sara, Du glaubst ja gar nicht, wie sehr ich mich schon auf unser Wiedersehen freue." Sie hörte, wie Sara leise seufzte.
"Ja, Meg, ich mich auch, aber der Abschied von Ludlow fällt mir doch ganz schön schwer."
Meg musste schmunzeln, denn sie hatte anfangs dieselben Gefühle gehabt, als sie ihre Heimat verließ. Doch nun war Sunset Beach ihr neues Zuhause geworden, und genauso würde es auch Sara gehen.
Meg dachte an Tim, der im Nebenzimmer wartete.
"Ähm, Sara, tut mir leid, aber ich kann jetzt nicht so lange reden. Ich habe nämlich gerade Besuch."
Sara lachte.
"Kenne ich ihn?"
Meg seufzte.
"Ja, leider. Es ist Tim."
Sara war überrascht.
"Tim? Aber Meg, ich dachte, es wäre aus zwischen Euch."
"Ja, ist es auch, aber Du weißt sicher noch, wie hartnäckig er sein konnte." Meg rollte mit den Augen.
"Okay, ich will Dich nicht länger aufhalten. Bestell' Tim liebe Grüße."
Meg hörte, wie Sara kicherte.
"Dann bis morgen, Sara."
„Bye, Meg, bis morgen."
Meg legte auf. Sie ging wieder hinüber zu Tim, der in ihrer Zeitschrift herumblätterte. "Wer war das?," fragte er neugierig. Meg setzte sich neben Tim aufs Sofa.
"Sara," antwortete sie knapp. Tim war überrascht.
"Deine kleine Schwester? Was wollte sie denn?"
Meg sah ihn an. "Nicht, dass Dich das etwas anginge, aber sie will, daß ich sie morgen vom Flughafen abhole. Sara wird nämlich von nun an auch in Sunset Beach leben."
Als Annie erwachte lag sie auf der Couch, mit einer Decke zugedeckt. Sie setzte sich auf und musste erst einmal ihre Gedanken sortieren. Ihr fiel das Gespräch mit Ben ein.
Ben! Wo war er nur?
Sie stand auf und rief nach ihm, aber sie bekam keine Antwort. Traurig ließ sie sich wieder auf die Couch fallen. Ihr Blick fiel auf die Uhr auf dem Kaminsims. Annie schnellte hoch. Sie hatte für heute Nachmittag noch einen Termin bei Dr. Chang! Das hätte sie beinahe vergessen.
Annie beeilte sich, schnell fertig zu werden, zog ein frisches Kleid an und bürstete sich die langen roten Haare. Sie sah sich im Spiegel an. Perfekt! Schnell griff sie nach ihrer Tasche und rannte aus dem Haus.
Als sie im Krankenhaus angekommen war, meldete sie sich bei der Anmeldung.
"Annie Douglas - ich habe einen Termin bei Dr. Chang," sagte sie nur knapp.
Die Schwester blätterte in einem großen Terminkalender.
"Ach ja, da steht es ... aber Miss Douglas, Ihr Termin war schon vor einer halben Stunde."
Annie sah sie genervt an.
"Ja, der Verkehr auf den Straßen hielt mich auf. Ich denke aber nicht, daß das irgendwelche Probleme macht, oder?," fügte sie hinzu.
Die Schwester an der Anmeldung verdrehte die Augen. So ein arrogantes Biest, dachte sie.
"Ich denke nicht," sagte sie stattdessen. "Ich sage Dr. Chang Bescheid, daß Sie nun hier sind. Nehmen Sie noch einen Moment Platz." Sie verschwand im Behandlungsraum und kam wenige Augenblicke später mit Rae wieder.
"Schön, daß es doch noch geklappt hat, Miss Douglas," begrüßte sie Annie freundlich. Annie lächelte gezwungen.
"Ja, nicht wahr. Ich bin schon so neugierig auf das erste Baby-Foto," fügte sie noch hinzu. Rae bat sie in den Behandlungsraum, und nach dem Austausch einiger Formalitäten bat sie Annie, sich freizumachen und auf eine Liege zu legen.
Annie schloss die Augen und dachte an Cole. Wie schön wäre es, wenn sie jetzt zusammen das erste Mal ihr Baby life erleben könnten. Rae hatte den Raum kurz verlassen, um ein Ultraschallgerät aus einem anderen Raum zu holen. Sie stellte das Gerät direkt neben Annie ab, bat diese ihren Bauch ganz frei zu machen und verteilte etwas Gel darauf.
"Miss Douglas," meinte sie fröhlich," ich mache Sie jetzt mit Ihrem Baby bekannt."
Mona
Nur wenige Minuten später verschwand das Lächeln auf Raes Gesicht. Sie wirkte angespannt, während sie die ganze Zeit den US-Kopf über Annies Bauch rotieren ließ. Immer wieder stellte sie etwas am Gerät ein, aber das Ergebnis veränderte sich nicht. Annie spürte, wie Rae immer nervöser wurde. Ihre Hände suchten Halt an den kalten Griffen der Liege. Eine plötzliche Angst schnürte ihr die Kehle zu.
"Was ist?," fragte sie vorsichtig. Doch Rae schüttelte nur den Kopf. Nach weiteren, ewig dauernden Minuten, nahm sie den US-Kopf von Annies Bauch, wischte ihr das Gel ab und stellte das Gerät aus.
"Es tut mir so schrecklich leid," presste sie hervor, "aber ich kann keinerlei Herztöne feststellen. Der Embryo ist tot."
Annie verspürte eine plötzliche Übelkeit. Sie setzte sich auf und presste ihre Hände vor den Mund, um nicht laut zu schreien.
Rae räusperte sich.
"Miss Douglas," begann sie vorsichtig," wir müssen so bald wie möglich einen kleinen Eingriff vornehmen, um ..." Sie stockte mitten im Satz. Annie nahm alles nur noch wie in Trance wahr. Die ganze Situation erschien ihr so unwirklich. Sie hörte Raes Stimme wie durch eine Nebelwand, verstand aber den Sinn nicht.
"Miss Douglas?" Rae sah sie besorgt an. "Soll ich jemanden für Sie anrufen, der Sie nach Hause fährt? In Ihrem Zustand können Sie unmöglich selber Auto fahren." Annie starrte sie nur an. Mechanisch stand sie von der Liege auf und zog sich an.
"Warten Sie, ich rufe Ihnen ein Taxi." Rae eilte zur Anmeldung und sprach mit einer Schwester.
"Miss Douglas, hören Sie mich? Ich werde Sie für morgen auf die OP-Liste setzen. Bitte kommen Sie morgen früh vorbei, damit wir noch einmal alles besprechen können."
Sie sah Annie eindringlich an. Diese stand immer noch unter Schock. Rae setzte Annie in das wartende Taxi und hoffte, daß sie heil zu Hause ankommen würde.
Mühsam schaffte Annie die letzten Schritte zum Haus, ehe sie im Hausflur weinend zusammenbrach ...
Nachdem es Meg gelungen war, Tim auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten und er das Haus verlassen hatte, griff sie zum Hörer und rief Ben an. Es lief jedoch nur der Anrufbeantworter. Sie legte enttäuscht wieder auf und fragte sich, wo Ben um diese Zeit sein konnte.
Sie räumte gerade die Gläser vom Tisch, als Rae, völlig erschöpft, nach Hause kam.
"Hi Meg," grüßte sie müde.
Meg sah Rae aufmerksam an.
"Du siehst aus, als ob Du einen Kaffee vertragen könntest." Meg ging in die Küche und schenkte Rae eine Tasse ein.
"Er ist ganz frisch," sagte sie und stellte die Tasse vor Rae ab.
"Danke!" Rae ließ sich aufs Sofa fallen und schloss die Augen.
"Das war heute ein Tag," sagte sie.
Meg wurde neugierig.
"Was war denn so besonderes los, daß Du jetzt so fertig bist?" Rae sah Meg lange an. Sollte sie ihrer Freundin erzählen, was Annie Douglas heute widerfahren war? Die Tatsache, daß sie ihre Baby verloren hatte, nahm Rae schwer mit.
"Du weißt doch, Meg," begann sie vorsichtig, "daß ich Dir nichts sagen darf."
Doch Meg bohrte weiter.
"Okay, Du Quälgeist, ich sag's Dir. Also, ich musste heute einer jungen Frau mitteilen, daß sie ihr Baby verloren hat. Sie stand danach völlig unter Schock," fügte sie hinzu," dabei hatte ich bei unserem ersten Termin den Eindruck gehabt, als ob ..." Sie unterbrach den Satz.
"Was denn?," drängte Meg sie.
"Als ob sie das Baby anfangs nicht gewollt hätte," beendete sie den Satz.
Meg sah sie an. Ein Gedanke ging ihr durch den Kopf.
"Kenne ich sie?," fragte sie vorsichtig. Rae schüttelte den Kopf.
"Ich denke nicht ... Hör zu, Meg, ich habe schon viel zu viel gesagt. Eigentlich ist es mir nicht gestattet, Auskünfte über meine Patienten zu geben."
In Megs Kopf schwirrte es. Sprach Rae vielleicht von Annie Douglas? Meg konnte sich zwar nicht erklären, warum sie ausgerechnet an Annie denken musste, da Rae ja viele Patientinnen betreute, aber diese Frau ging ihr nicht aus dem Kopf.
"Ist es Annie Douglas?," rutschte es ihr dann schließlich auch heraus. Rae sah sie überrascht an.
"Woher weißt Du ...?," fragte sie und biss sich daraufhin sofort auf die Lippen.
Meg sprang auf.
"Annie hat ihr Baby verloren? Oh, mein Gott!" Sie mochte Annie nicht so besonders, aber diese Nachricht schockte Meg zutiefst. Ob Ben schon davon wusste? Die beiden waren ja so eng befreundet.
Rae hatte ihren Kaffee ausgetrunken und stand auf.
"Entschuldige, aber ich will jetzt duschen und mich umziehen."
Sie verließ den Raum und ließ eine verwirrte Meg zurück.
Als Bette Katzenkazrahi heimkam, saß Annie noch immer auf dem kalten Boden des Flurs ihrer gemeinsamen Wohnung.
"Oh Pupsi, was machst Du denn da?", fragte sie. "Warum sitzt Du denn auf dem Boden? Das ist weder für Dich gut, noch für das Baby."
Annie wandte den Kopf zu ihrer Tante und Bette sah, daß ihre Augen völlig verweint waren.
"Oh", meinte sie mitfühlend. "Wegen Cole? Oh Pupsi, es ist doch gar nicht gesagt, daß er wirklich stirbt, vielleicht kommt er wieder zu sich, und er wird Dir bestimmt helfen, sich um Dein Kind zu kümmern."
"Wohl kaum", meinte Annie, und in ihrem Tonfall lag ein Hauch der "alten" Annie.
"Das Kind ist tot."
Bette wurde kreidebleich.
"Was?"
"Tot. Einfach so. Wahrscheinlich bin ich schuld. Ich habe mir in der letzten Zeit einfach zuviel zugemutet. Die vielen Partys, die Reise nach Mexiko, die ganze Aufregung wegen Cole. Oh Tante Bette, ich habe es umgebracht!"
"Nein, nein Pupsi! So darfst Du nicht denken." Bette nahm ihre Nichte tröstend in den Arm, die an ihrer Schulter zusammensank.
"Es ist nicht Deine Schuld. Rede Dir das ja nicht ein!" Dann fragte sie nachdenklich: "Annie, wie lange hast Du jetzt schon hier allein gesessen?"
"Weiß nicht. So ungefähr seit vier."
"Das sind anderthalb Stunden. Annie, warum hast Du mich denn nicht angerufen? Ich wäre doch für Dich dagewesen! Ich mach Dir jetzt einen Tee, und dann versuch zu schlafen, okay?" Während sie ihre Nichte zur Couch führte, kämpfte Bette selbst mit den Tränen. Annie war immer wie eine Tochter für sie gewesen hätte, und wenn Annie Mutter geworden wäre, wäre es fast genauso, als sei es Bettes Enkelkind.
Aber es sollte nicht sein.
Hickengruendler
Erleichtert registrierte Bette, daß ihre Nichte eingeschlafen war.
"Oh mein Gott, Ben weiß es ja noch gar nicht", überlegte Bette. Sie griff zum Telefon und wählte die Nummer von Bens Handy. Völlig aufgelöst und verwirrt berichtete sie ihm, was geschehen war. Ben hatte große Probleme Bettes verworrene Geschichte zu verstehen, erst nach einiger Zeit begriff er alles.
"Ich bin noch in der Liberty Corporation, Bette. Ich mach mich sofort auf den Weg und bin in zehn Minuten, da", erklärte er geschockt. Fünf Minuten später klingelte es an der Tür und Bette öffnete.
"Oh Ben. Gut, daß Du Dich beeilt hast".
"Wie bitte?"
"Annie schläft. Das mit der Fehlgeburt war wirklich zu viel für sie."
"Annie hatte eine Fehlgeburt?"
An dieser Frage und an dem triumphierenden Lächeln, dass, wenn auch nur für eine Sekunde über die Lippen des Mannes huschte, erkannte Bette, daß sie nicht Ben vor sich hatte.
"Was willst Du hier, Derek?", fragte Bette abweisend.
"Mit Annie reden."
"Nun, Du wirst sicher verstehen können, daß sie jetzt nicht in der Stimmung ist, ausgerechnet mit Dir zu reden."
"Ja, das verstehe ich natürlich. Es muss hart für sie sein. Aber es war natürlich abzusehen."
Bettes Tonfall wurde immer schroffer.
"Was willst Du damit sagen, Derek?"
Hickengruendler
"Nichts, ich will gar nichts damit sagen", erwiderte Derek kalt. "Es ist nun einmal so, daß jeder, der mich betrogen hat, dafür früher oder später bestraft wird. Sieh Dir Cole Deschanel an. Kaum hat er mit meiner Verlobten geschlafen und ihr ein Kind gemacht, fällt er vom Gerüst."
Bette wurde weiß. "Woher weißt Du, daß Cole der Vater von Annies Kind ist?"
"Du hast es mir soeben gesagt", antwortete Derek mit einem kalten Lächeln. "Bis jetzt war ich mir nicht sicher. Auf Wiedersehen, Bette."
Mit diesen Worten schlenderte er davon.
Während sie das
Kaffeegeschirr wegräumte, dachte Meg über das Gespräch mit Rae nach.
Als Ärztin muss man ganz schön was wegstecken, überlegte sie, Rae war vorhin
ziemlich erledigt...
Das Klingeln des Telefons riss sie aus ihren Gedanken.
„Surf Central“ meldete sie sich.
„Meg, bist Du das?“ klang eine Männerstimme am anderen Ende.
Meg verdrehte
genervt die Augen.
„Tim, was ist denn nun schon wieder?“
„Entschuldige, aber Du hast mich vorhin nicht ausreden lassen, ich muss Dir
unbedingt etwas sagen, ich hab da was erfahren...“ begann er zögernd, doch Meg
kannte ihn zu gut.
„Ich nehme an, über Ben.“ schnitt sie ihm das Wort ab. „Lass es gut sein,
Tim.“
„Meg, er ist gefährlich!“
Sie lachte.
„Sicher ist er das. Mein Herz klopft jedes Mal ganz laut, wenn ich ihn treffe.
Nur – es klopft nicht aus Angst...“
Tim schnaufte wütend.
„Mach Dich nur lustig! Er hat seine Frau umgebracht!“
„Tim...“ Jetzt wurde es Meg allmählich zu dumm.
„Na gut“ meinte er versöhnlicher, „vielleicht nicht so, wie Du denkst, aber er
hat sie förmlich in den Tod getrieben! Er liebte sie nämlich gar nicht, er
liebt nur eine einzige Frau, ihr ist er hörig, auch wenn es manchmal nicht so
scheint. Glaub mir, das ist schon seit Jahren so.“
„Ach ja?“ Meg hätte am liebsten aufgelegt. So ein Unsinn! Das war doch
wirklich das Letzte...
Tim ließ sich nicht beirren.
„“Er ist gar nicht fähig eine andere zu lieben, er kehrt immer wieder zu ihr
zurück.“
„Und wer soll diese geheimnisvolle Frau sein?“ fragte Meg ärgerlich.
„Annie Douglas!“
Meg stutzte einen Moment lang. Annie? Nein -, auf keinen Fall würde sie auf
dieses Gerede hören!
„Tim, mach Dich nicht lächerlich! Ben und Annie sind nur befreundet. Gut, mag
sein, dass sie in ihn verliebt ist, aber er empfindet nur Freundschaft für
sie, mehr nicht.“
„Wach endlich auf, Meg!“ rief Tim am anderen Ende der Leitung. „Ben gehört
Annie! Er wird nie frei sein!“
Wieder stutzte Meg sekundenlang. Was hatte er da gesagt? Den Satz hatte sie
doch schon mal gehört... – Natürlich, von Gabi, hier im Surf Central, als
diese sie vor Ben warnen wollte.
Meg ballte die Fäuste.
„Tim, ich werde jetzt auflegen. Diesen Unsinn höre ich mir nicht länger an!
Ach ja,“ fügte sie noch hinzu und kniff die Augen zusammen, „wer hat Dir das
eigentlich alles erzählt? Nein, warte“ sie hob die Hand und rieb sich die
Stirn, „lass mich raten, es war Dein neuer Chef, nicht wahr?“
Weil Tim nicht antwortete, fuhr sie fort:
„Und weil Du so ein netter und vertrauenserweckender Mitarbeiter bist und er
Dich so sympathisch findet, hat er Dir das alles prompt auf die Nase gebunden!
Sicher hast Du ihm bei der Gelegenheit dann auch gleich anvertraut, dass wir
bis vor kurzem noch verlobt waren!“
„Meg...“ begann Tim vorsichtig, doch sie war viel zu wütend, um ihm länger
zuzuhören.
„Weißt Du was? Bestell Derek schöne Grüße von mir, und sag ihm, ich glaube
kein Wort von diesen Lügenmärchen! Und noch was, Tim, komm nicht mehr in den
Surf Central, Du bist hier nicht willkommen!“
Sie legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten.
Zum Teufel mit Dir, Tim Truman!
Als Ben bei Annie
ankam, schlief diese tief und fest. Dafür war Bette vollkommen aufgelöst.
Sie erzählte Ben von Dereks Besuch.
„Es tut mir so leid, ich wollte ihm nichts erzählen, er hat mich ausgetrickst,
dieser Mistkerl!“
Sie schüttelte verständnislos den Kopf. „Wie kann man so gut aussehen und so
einen verdorbenen Charakter haben? Ich werde das nie begreifen.“
Ben strich ihr beruhigend über die Schulter.
„Ist schon gut, Bette, ich glaube, Meg ist die Einzige, die uns
auseinanderhalten kann.“
„Wie schafft sie das?“ schniefte Bette und putzte sich geräuschvoll die Nase.
Ben zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Ich werde sie fragen.“ Er deutete zu Annie, die zusammengerollt
auf der Couch lag, hinüber. „Wie geht es ihr?“
„Schlecht.“ sagte Bette traurig. „Morgen muss sie in die Klinik, ich werde sie
begleiten, falls Gregory mich entbehren kann.“ Ben nickte.
„Ich regle das mit ihm.“
„Na gut“ Bette klopfte ihm auf die Schulter. „Geh ruhig heim, Ben, Du kannst
im Moment sowieso nichts tun.“
An der Tür fiel ihr noch etwas ein.
„Was meinst Du? Wird Derek sich an Mister Deschanel rächen?“
Ben schüttelte den Kopf.
„Ich glaube nicht. Er hat seine Rache, das Baby ist tot. Er wird nichts mehr
unternehmen.“
„Du hättest ihn erleben sollen, Ben, wie kaltherzig er das vorhin gesagt hat,
das jeder, der ihn betrogen hätte, früher oder später dafür bestraft werden
würde! Mir lief es eiskalt den Rücken herunter...Das hat er doch sicher nicht
so gemeint, oder?“
„Glaub mir Bette, ich kenne meinen Bruder. Er meint jedes Wort so, wie er es
gesagt hat.“
Jeany
Nachdem sie sich
etwas beruhigt hatte, rief Meg Ben an. Wieder schien niemand zu Hause zu sein.
Sie ging hinauf in ihr Zimmer und schaute lange gedankenverloren aufs Meer
hinaus.
Zwei Stunden später wählte Meg noch einmal Bens Nummer. Diesmal hob er beim
ersten Klingelzeichen ab.
„Ben!“ rief Meg erfreut, „Ich habe schon mehrmals versucht, Dich zu erreichen,
wo warst Du denn die ganze Zeit?“
„Ich musste noch etwas erledigen.“ sagte er etwas zögernd. „Was gibt es denn
so Wichtiges, sag jetzt nur nicht, Du hast es Dir anders überlegt?“
Meg hörte an seiner Stimme, dass er lächelte.
Sie lachte fröhlich.
„Nein, natürlich nicht! Da wo ich herkomme, lässt man sich doch keine
Einladung zum Abendessen entgehen, Mister Evans!“ Sie überlegte kurz und
meinte dann:
„Ich wollte Dich eigentlich nur fragen, wo wir hingehen, Du weißt doch, die
Anzahl der Sterne auf der Speisekarte bestimmt die Garderobe!“
„Es wird nichts verraten.“ meinte Ben geheimnisvoll, „da wo wir hingehen, ist
alles erlaubt, wenn man so hinreißend aussieht wie du! Lass Dich überraschen.“
Meg lächelte über das nette Kompliment.
„Ach ja“ fügte Ben noch hinzu, „könnten wir uns nachher vielleicht bei mir
treffen, falls es Dir nichts ausmacht?“
„Okay,“ antwortete Meg, „kein Problem.“
„Und Meg...“
„Ja?“
„Ich freue mich sehr auf den Abend mit Dir! Bis dann...“
Meg legte den
Hörer auf. Erschrocken bemerkte sie, dass Casey hinter ihr in der Küche stand
und grinste.
„Ein Rendezvous?“
Meg nickte glücklich lachend.
„Zieh das Schwarze an, das von neulich, als wir im „Deep“ waren, das sah
phantastisch aus!“
schlug Casey mit fachmännischer Mine vor. Meg zog erstaunt die Augenbrauen
hoch.
„Ach ja? Haben wir gelauscht, Mister Mitchum?“ fragte sie schmunzelnd.
Er ignorierte ihre Frage hoheitsvoll und setzte noch eins drauf.
„Glaub einem alten Frauenkenner! Ich kann das beurteilen! Ben wird begeistert
sein.“
„Frauenkenner, ja?“
Rae stand hinter ihm in der Küchentür und hatte beide Hände in die Hüften
gestützt.
Casey räusperte sich verlegen. Rae wandte sich an Meg:
„Frauenkenner!“ wiederholte sie bedeutungsvoll und grinste. „Das ist wirklich
ein Witz!“
„W- wieso?“ stotterte Casey.
Mehr zu Meg als zu ihm antwortete Rae mit gespielter Empörung:
„Seit der Party bei den Richards, als ich meinen Jugendfreund getroffen habe,
meidet er mich, als hätte ich eine ansteckende Krankheit!“ Sie drehte sich zu
Casey.
„Heute abend gehen wir aus!“ sie tippte mit dem Zeigefinger auf seine breite
Brust, „Du, - und ich.“
„Na klar!“ meinte Casey freudig überrascht, „w- wunderbar, Rae, gute Idee!“
„Nicht wahr? Ich wusste, das gefällt Dir!“
„Und wo möchte die Dame hin?“ fragte er galant, nachdem er seine Fassung
einigermaßen wiedererlangt hatte.
„Tja, wohin...“ Rae schien angestrengt zu überlegen, „In die Hotelbar des
Sunset Inn!“ sagte sie dann spontan.
Casey sah sie fragend an.
„Na ja“ meinte sie achselzuckend und zwinkerte Meg zu, die die ganze Szene
amüsiert beobachtete, „Wei- Lee hat uns beide eingeladen. Das wird bestimmt
ein lustiger Abend!“
Jeany
Auf dem Weg zu Ben
ging Meg noch einmal ihr Gespräch mit Rae durch den Kopf.
Annie würde also ihr Baby verlieren! Arme Annie... Keine Frau hatte das
verdient.
Was würde Ben dazu sagen? Vielleicht war er ja vorhin bei ihr gewesen und
hatte sie getröstet? Meg beschloss, ihm nichts von Annie zu erzählen, das ging
sie nichts an und außerdem wollte sie nicht, dass jemand mitbekam, dass Rae
mit ihr über eine vertrauliche Angelegenheit gesprochen hatte.
Tims Anruf fiel ihr wieder ein und verursachte ein flaues Gefühl in der
Magengegend.
Was hatte er gesagt?
„Ben ist Annie hörig, seit vielen Jahren. Er wird nie frei sein...“
Sie schüttelte energisch den Kopf.
„Unsinn, ich lasse mir nichts einreden. Ben liebt Annie nicht. Er hat es mir
selbst gesagt und ich glaube ihm. Und diesen Abend lasse ich mir nicht
verderben!“
Vor Bens Wohnungstür angekommen verscheuchte sie bewusst alle trüben Gedanken,
strich ihr Haar zurück und drückte auf den Klingelknopf.
Ben öffnete ihr die Tür.
Er trug eine schwarze Hose, dazu ein weißes Hemd und in der Hand hielt er eine
weiße Rose, die er ihr lächelnd zur Begrüßung reichte.
„Meg“ sagte er mit zärtlichem Blick, „Du siehst phantastisch aus!“
Sie lächelte ihn strahlend an.
„Danke Ben!“
Als sie ins Zimmer trat, glaubte sie zu träumen. Überall brannten Kerzen und
wohin sie schaute, standen weiße Rosen. Der Tisch war fertig gedeckt und
Champagnergläser standen bereit.
Fassungslos schaute Meg sich um.
„Ben...“
Er betrachtete sie amüsiert und freute sich, dass ihm die Überraschung
gelungen war.
Lächelnd reichte er ihr eines der Gläser.
„Auf uns, Meg! Auf einen unvergesslichen Abend!“
Auch für Casey
schien dieser Abend unvergesslich zu werden.
Genervt musste er mit anhören, wie dieser perfekte Mister Young mit seinen
vollendeten Manieren, seinem erstklassigen Geschmack und seinem eigenartigen
Humor den größten Teil der Unterhaltung bestritt, Rae mit Komplimenten
überschüttete und laufend versuchte, ihm in seiner überheblichen Art schlaue
Fragen zu stellen, um ihn möglichst dumm aussehen zu lassen. Das schlimmste an
der Sache war, dass Rae auch noch über seine blasierten Witzchen lachen
konnte.
Arme Rae! Wie schrecklich musste ihre Kindheit gewesen sein, mit so einem
Freund an ihrer Seite.
Casey war echt frustriert.
Als Wei- Lee Rae nach dem Essen galant zum Tanzen aufforderte, ging er an die
Bar und bestellte sich einen doppelten Whisky, obwohl er eigentlich so gut wie
nie Alkohol trank, außer vielleicht mal ein Bier im „Deep.“
„So ein affektierter Heini!“ dachte er wütend und trank sein Glas in einem Zug
aus.
„Ärger?“ fragte jemand neben ihm.
Erstaunt drehte Casey sich um.
„Paula?“ rief er ungläubig.
Die junge dunkelhaarige Frau lächelte ihn strahlend an.
„Paula Stevens? Das gibt’s doch gar nicht!“
Lachend umarmten sich die beiden.
Casey
sah Paula prüfend an.
„Gut siehst
Du aus!“
„Danke, Du hast Dich auch super gehalten!“
Casey überlegte einen Moment.
„Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Zwei Jahre?“
Sie nickte. „Fast drei.“
„Und wie geht’s Dir so in der Ferne?“
„Ich kann nicht klagen. Ich hab mich gut eingelebt in Dallas, das Landleben
gefällt mir besser, als ich anfangs dachte.“ Sie machte eine bedeutungsvolle
Pause und meinte dann:
„Ja, ich bin wirklich glücklich dort, obwohl ich manchmal schon Sehnsucht habe
nach Sunset Beach.“ Casey lächelte.
„Das kann ich verstehen. Und wie lange bleibst Du in der Stadt?“
Sie überlegte kurz.
„Eigentlich nur ein paar Tage. Ich wollte meine Mutter mal wieder besuchen und
ein paar Tage Urlaub machen.“
„Na dann, auf unser Wiedersehen!“ lachte Casey und die beiden prosteten sich
zu.
„Weißt Du was, Paula, setz Dich doch mit zu uns an den Tisch, dann können wir
noch ein wenig aus der Vergangenheit erzählen. Heute ist sowieso der Tag der
Jugendfreundschaften!"
Rae sah ihnen
erstaunt entgegen, als Casey Paula zu seinem Tisch führte und sie einander
vorstellte.
„Paula, das sind meine Mitbewohnerin und sehr gute Freundin Rae Chang und ihr
Jugendfreund Wei- Lee Young, und das ist Paula Stevens, meine Jugendfreundin!“
Sie reichten einander die Hand.
Von nun an lief der Abend eher nach Caseys Geschmack.
Wei- Lee hielt sich vornehm zurück und Rae verfolgte aufmerksam das Gespräch
zwischen ihm und Paula.
Die junge Frau erzählte, dass sie früher in Sunset Beach als Polizistin
arbeitete, was ihre Mutter Elaine ständig in Angst und Schrecken versetzte.
Bei einem Sondereinsatz in Sacramento hatte sie dann einen jungen Kollegen
kennengelernt, dem sie später nach Dallas folgte. Inzwischen waren die beiden
glücklich verheiratet, hatten eine kleine Tochter und lebten auf einer Ranch.
Paula hatte ihren Polizeidienst quittiert, nachdem ihre Tochter geboren war
und widmete sich ihrer Mutterrolle und dem Leben auf der Ranch.
Rae betrachtete die junge Frau aufmerksam. Sie war außergewöhnlich hübsch und
hatte lebhafte Augen. Mit Casey schien sie eine lange und tiefe Freundschaft
zu verbinden, die beiden waren so vertraut miteinander.
Rae spürte etwas Eifersucht und plötzlich wurde ihr klar, wie Casey sich in
Wei- Lees Gegenwart fühlen musste.
Sie nahm sich vor, diesen Abend mit ihm nachzuholen, allein.
Irgendwie fand sie es entwürdigend, wie ihr Freund Wei- Lee immer wieder
versuchte, Casey spüren zu lassen, dass er ihm intellektuell wahrscheinlich
nicht gewachsen war.
Sie wollte gerade etwas entgegnen, als er erneut eine Frage stellte, die eines
Jurastudenten im fortgeschrittenen Semester würdig gewesen wäre. Aber Casey
reichte es. Vor Paula wollte er sich hier nicht auch noch zum Clown machen.
Ohne zu überlegen gab er Wie- Lee eine perfekte juristische Antwort.
Wei- Lee stutzte.
„Sie scheinen sich in juristischen Dingen ja doch recht gut auszukennen.“
meinte er anerkennend.
Casey hörte sehr wohl den arroganten Unterton in der Stimme des
Geschäftsmannes und erwiderte lässig:
„Haben Sie geglaubt, mein Horizont reicht über Seepferdchen, Muscheln und
Rettungsringe nicht hinaus? Da muss ich Sie leider enttäuschen, Wei- Lee, um
meinen IQ brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen.“ Er lachte. „Wie heißt
doch ein altes chinesisches Sprichwort: Nicht alles ist so, wie es scheint...“
Jeany
Zur selben Zeit saß Caitlin Richards in Coles Krankenzimmer. Noch immer lag er regungslos da, anhand von Schläuchen an einen Apparat gebunden.
Gregory war vorhin dagewesen, hatte Caitlin angefleht, nach Hause zu kommen, sie bräuchte den Schlaf. Dr. Robinson hatte ihr versichert, trotz des Schweigegelübdes ihr Bescheid zu geben, wenn sich etwas an seinem Zustand verändere.
Aber Caitlin hatte sich geweigert, wollte nicht von Coles Seite weichen.
Sie bemerkte, dass es ihrem Vater nicht passte. Es war fast so, als nahm Gregory es Cole übel, daß er nach seinem Sturz Caitlins Zeit noch mehr beanspruchte.
"Oh Cole", meinte sie. "Wie konnte das nur passieren? Wer hat denn ein Interesse daran, Dich umzubringen?" Sie wischte sich die Tränen aus den Augen. "Ich bleibe bei Dir, bis Du aufwachst ich verspreche es Dir."
Plötzlich veränderte sich etwas an Coles Zustand.
"Was...", setzte Caitlin an, doch weiter kam sie nicht. Sie warf einen Blick auf Cole und sah, wie er langsam die Augen aufschlug.
"Cole? Cole! - Dr. Robinson, Dr. Robinson, ich glaube er ist aufgewacht!"
Hickengruendler
Die nachfolgenden Minuten kamen Caitlin vor wie Stunden. Dr. Robinson hatte sie aus Coles Krankenzimmer herausgeschickt, um ihn genauer zu untersuchen.
Ungeduldig ging sie vor Coles Krankenzimmer auf und ab. Dann öffnete sich die Tür endlich, und Dr. Robinson, gefolgt von einer Krankenschwester, kam heraus.
"Und...", fragte Caitlin.
Dr. Robinson lächelte sie an.
"Er ist aufgewacht", erklärte er, fügte aber auf Caitlins erleichterten Gesichtsausdruck sofort hinzu: "Dennoch ist sein Zustand noch kritisch. Er braucht jetzt Ruhe, und ich muss Sie bitten, nach Hause zu gehen. Morgen können Sie wieder zu ihm."
Caitlin wollte protestieren, aber an Tyus Robinsons entschlossener Stimme erkannte sie, daß sie diesmal keine Chance hatte.
"In Ordnung", gab sie schließlich nach. Die Tränen, die ihr jetzt liefen, waren Freudentränen.
"Jetzt wird alles gut für uns, Cole", dachte sie.
Sie bemerkte nicht, daß sie beobachtet wurde.
Hickengruendler
Derek Evans hatte die Szene von einem sicheren Platz aus beobachtet. Er grinste zufrieden. War sein Gespür neulich also doch richtig geschrieben, Deschanel hatte etwas mit Gregorys Tochter.
Er wusste, was
jetzt zu tun war.
Derek fing Caitlin im Krankenhausflur ab.
"Ben?", fragte Caitlin vorsichtig, doch als sie statt eines freundlichen Lächelns ein eiskaltes Grinsen bekam, fügte sie rasch hinzu: "Ach nein, Derek."
"Gratuliere, es gibt nur wenige, die uns so zielsicher auseinanderhalten können."
Caitlin zuckte mit den Achseln. Sie hatte für Derek nicht viel Sympathie übrig.
"Ich habe vorhin Ihr Gespräch mit dem Doktor gehört", gab Derek zu. "Das Cole aufgewacht ist."
"Ja, ist er", antwortete Caitlin abweisend.
"Das freut mich, wirklich", log Derek. "Schade, daß er nicht einen Tag früher erwacht ist. Es ist ein Jammer."
"Wieso?"
"Nun, vielleicht hätte das Annie beruhigt, und sie hätte das Kind nicht verloren."
Caitlin schaute ihn verdutzt an.
"Welches Kind?"
"Na das, was sie von Cole erwartet hat."
Zufrieden bemerkte er, daß Caitlin fassungslos war.
Hickengruendler
"Ben, das ist
unglaublich schön" sagte Meg völlig begeistert. Alles, was ihr den Abend hätte
verderben können, war wie ausgelöscht.
"Nun, es ist nicht annähernd so schön wie Du..." Er nahm sie in die Arme und
küsste sie leidenschaftlich.
Dann geleitete er sie zu dem wunderschön gedeckten Tisch und rückte ihr, ganz
Gentleman, den Stuhl zurecht.
Das Essen war phänomenal, es gab Hummer und zum Nachtisch eine herrlich leicht
geschlagene Creme aus Erdbeeren.
Als sie mit dem Essen fertig waren, sagte Meg:
"Ich wünschte,
dieser Abend hätte nie ein Ende, und ich müsste nachher nicht noch zurück zur
Surf Central.“
"Dann bleib doch einfach hier bei mir" entgegnete Ben.
"Darf ich Dich zum Tanz auffordern?" fragte er die sprachlose Meg, nachdem er
wunderbar romantische Musik aufgelegt hatte. Er ließ Meg gar nicht antworten,
sondern nahm sie einfach in die Arme und tanzte mir ihr. Ach, wie sehr Meg ihn
doch liebte, seine wundervolle Art, so romantisch und liebevoll! Nein, was die
anderen erzählt hatten, konnte einfach nicht stimmen!
Auch Beg gefiel der Abend sehr gut, er konnte endlich einmal abschalten, nach
den vielen Ereignissen, die sich in den letzten Tagen abgespielt haben. Er
wusste, dass dies die Frau seines Lebens sein würde und dass er bei Maria nie
eine solch tiefe Vertrautheit und Liebe empfunden hatte.
Scarlett
Caitlin wich einen Schritt zurück und starrte ihn nur an.
"D ...das ist nicht wahr!" Sie kämpfte mir ihrer Selbstbeherrschung. Derek grinste nur unverschämt.
"Das haben Sie sich nur ausgedacht," schrie Caitlin. "Cole würde niemals ..."
Sie beendete den Satz nicht. Derek lachte spöttisch.
"Mädchen, wach auf, er ist nicht der Gentleman, den er vorgibt zu sein. Würde er sonst eine Schwangere einfach sitzenlassen?" Er sah sie provozierend an.
Caitlin zitterte plötzlich am ganzen Körper. Ihre Gedanken wirbelten durcheinander. Konnte es wirklich sein, daß Cole mit Annie Douglas eine Affäre hatte? Sie schaute Derek verwirrt an, doch er zuckte nur mit den Schultern.
"So sieht's aus, aber keine Sorge - zumindest das Baby ist nun kein Hindernis mehr."
Er lächelte diabolisch.
Caitlin zuckte zusammen. Wie konnte ein Mensch nur so roh sein?!
"Woher ... wissen Sie, daß Annie ihr Baby verloren hat," fragte sie neugierig.
Derek kratzte sich am Kinn.
"Ich war gerade bei ihr, und dort erfuhr ich von der Sache. Wirklich tragisch!" Er rollte theatralisch mit den Augen.
Caitlin sah ihn an. Arme Annie Douglas, dachte sie nur. Derek sah auf seine Armbanduhr. "So, ich habe einen Termin einzuhalten. Einen schönen Tag wünsche ich noch."
Er machte vor Caitlin eine Verbeugung und grinste sie frech an.
Derek war längst gegangen, als Caitlin immer noch wie erstarrt im Krankenhausflur stand.
Meg schmiegte sich enger in Bens Arme. Der Champagner und die Musik hatten sie leicht benebelt, und sie fühlte sich, als ob sie schweben würde. Ben zog sie näher zu sich heran. Sie sahen sich zärtlich in die Augen, und ihre Lippen trafen sich zu einem innigen Kuss. Meg wünschte, daß dieser Abend niemals zuende gehen würde. So geborgen hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt.
Plötzlich aber schoss ihr ein Gedanke durch den Kopf. Sara! Sie hatte ja ganz vergessen, Ben zu fragen, ob sie sich für den morgigen Tag einige Stunden frei nehmen konnte.
Ben spürte, wie sie sich plötzlich verkrampfte und schob sie ein Stück von sich weg.
"Was ist, Meg?," fragte er und sah sie prüfend an. Sie schloss einen Moment die Augen. Ein nicht gerade passender Moment, dachte sie genervt, aber sie musste ihr Anliegen los werden.
"Ben," begann sie vorsichtig. "Ich wollte Dich eigentlich schon vorhin gefragt haben, ob es Dir was ausmachen würde, wenn ich morgen etwas später ins Büro komme?"
Ben sah sie nachdenklich an. Er dachte an Annies OP-Termin, und dass Bette sie ins Krankenhaus begleiten wollte. Er schüttelte den Kopf.
"Tut mir leid, Meg, aber gerade morgen ist es ungünstig, denn ... Bette hat sich ebenfalls für morgen freigenommen."
"Ach ja?" Meg sah ihn überrascht an. "Davon hat sie mir gar nichts erzählt."
Ben atmete tief durch. Er wollte Meg nichts von Annies Fehlgeburt erzählen, und deshalb umschrieb er das Ganze.
"Bette bat mich kurzfristig um Urlaub, weil sie ... persönliche Dinge regeln muss."
Er wich Megs Blick aus, denn er hasste es, sie anzulügen, aber er hatte Annie versprochen, daß niemand davon erfahren würde - auch Meg nicht.
Meg nickte. Sie wusste, warum Bette sich frei genommen hatte, aber das konnte sie Ben nicht sagen. Er zog sie wieder in seine Arme, und während sie sich im Takt der Musik hin- und her wiegten, hing jeder seinen Gedanken nach.
"Was soll ich
getan haben?" fragte Ben und starrte Tim ungläubig an. "Wer sind Sie
überhaupt? Kennen wir uns?"
Tim sah ihn böse an.
"Ich kenne Sie inzwischen besser, als Ihnen lieb ist!" knurrte er
angriffslustig.
"Mein Name ist Tim
Truman, und ich bin Megs Verlobter!"
Ben überlegte kurz. Verlobter? Ihr Gespräch damals in Los Angeles fiel ihm
ein.
Meg hatte ihm
erzählt, dass sie beinahe geheiratet hätte, und als er sie fragte, was
geschehen sei, meinte sie nur, sie sei ihrem Bräutigam sicher nicht genug
gewesen...
Und nun stand dieser Mistkerl hier und stellte freche Behauptungen auf!
"Sie übersehen da eine Kleinigkeit, Mister, Sie waren Megs
Verlobter..."
"Das tut nichts zur Sache," versuchte Tim abzulenken, "Merken Sie sich eins,
Evans, ich werde nicht zulassen, dass Sie Meg schaden, wie auch immer!"
Ben musste über so viel Unverfrorenheit lachen.
"Ich ihr schaden? Fassen Sie sich mal an die eigene Nase, mein Lieber!"
Tim fühlte sich in die Enge getrieben.
"Diese Frau, Annie, sie war durch Ihre Schuld in diesem Zustand, und Ihre
eigene Frau haben Sie auch..."
Weiter kam er nicht. Ben packte ihn mit eiserner Faust am Hemdkragen.
"Raus hier, bevor ich mich vergesse!"
Ehe er sich versah, stand Tim draußen auf dem Flur. Krachend flog die Tür
hinter ihm ins Schloss.
Er glättete verdaddert sein Hemd.
Nein, mit Ben Evans war wirklich nicht zu spaßen!
Meg war etwas enttäuscht darüber, daß ihre erste gemeinsame Nacht mit Ben so enden musste, doch sie dachte an Annie, die jetzt sicher Bens Hilfe mehr gebrauchen konnte. Gabi kam müde von der Nachtschicht, als sie auf Meg traf, die sich in der Küche einen Kakao mixte.
"Was machst Du hier?," fragte sie überrascht. "Warst Du nicht heute mit Ben verabredet?"
Meg seufzte, und dann erzählte sie ihrer Freundin von dem verpatzten Abend.
"Das tut mir leid!" Gabi legte Meg tröstend den Arm um die Schultern. "Es werden sicher noch andere Gelegenheiten kommen, mit Ben alleine zu sein," sagte sie.
Meg lächelte. Genau dies waren auch ihre Worte gewesen.
"War es denn nett ...ich meine, ehe Bette auftauchte?" Gabi sah Meg neugierig an.
Die stand auf und stellte ihren Kakaobecher ab.
"Wir haben Champagner getrunken, getanzt ... und uns geküsst. Oh Gabi, Ben ist ja so romantisch! Er hatte das ganze Wohnzimmer mit Blumen geschmückt und überall standen Kerzen ..." Während Meg erzählte, leuchteten ihre Augen.
Gabi freute sich für ihre Freundin, auch wenn sie Meg lieber mit einem anderen Mann gesehen hätte. Sie wäre allerdings die letzte, die sich in diese Beziehung einmischen würde.
Meg hatte ihren Kakao ausgetrunken und unterdrückte ein Gähnen.
"Weißt Du, Gabi, ich glaube, ich bin doch müder als ich anfangs dachte. Ich werde mich wohl hinlegen."
"In Ordnung, Meg, dann wünsche ich Dir süße Träume von Ben," rief ihr Gabi schmunzelnd hinterher.
Meg ging allerdings nicht sofort ins Bett. Unschlüssig stand sie vor Marks Zimmer, ehe sie dann doch anklopfte. Er war schon im Pyjama und schaute überrascht, wer ihn zu später Stunde noch besuchen wollte. Er lächelte als er Meg erkannte.
"Hi, Meg, wolltest Du mir noch etwas wegen morgen sagen?"
"Darf ich noch kurz reinkommen?," fragte Meg zögernd. Ihr war es etwas peinlich, daß sie Mark anscheinend aus dem Bett geholt hatte.
"Klar," antwortete er kurz und zog sie ins Zimmer. "Schau Dich nur nicht um. Ich bin nicht der Ordentlichste."
Meg lachte. Sie setzte sich auf einen Stuhl.
"Ich wollte mich dafür bedanken, daß Du meine Schwester morgen vom Flughafen abholst. Du hast mir aus einer Zwickmühle geholfen ... vielen Dank!"
Mark winkte ab.
"Mache ich doch gerne. Ach Meg, da fällt mir ein ... ich weiß ja gar nicht, wie Deine Schwester aussieht. Womöglich erkenne ich sie nicht rechtzeitig und sie fliegt dann wieder nach Kansas zurück." Er lächelte spitzbübisch.
Meg musste lachen.
"Also gut, dann gebe ich Dir eine kleine Personenbeschreibung von ihr ... Sara und ich, wir sind zwar Schwestern, aber wir sehen uns überhaupt nicht ähnlich," begann Meg zu beschreiben. "Ich bin dunkel, Sara ist blond. Ich bin klein, Sara ist groß ... na ja, zumindest größer als ich. Sie hat eine tolle Figur ..."
Mark unterbrach sie.
"Siehst Du, ihr habt doch etwas gemeinsam."
Meg sah ihn schmunzelnd an.
"Danke für das Kompliment. Ach übrigens - wenn Sara mal angefangen hat zu reden, hört sie meist nicht wieder so schnell damit auf."
Jetzt war es Mark, der lachen musste. "Hört sich interessant an," sagte er.
"Sara ist das unkomplizierteste Mädchen, daß ich je kennengelernt habe. Außerdem ist sie sehr direkt." Sie unterbrach ihre Ausführungen. "Ich denke, das reicht, um sie am Flughafen zu identifizieren."
Mark grinste. "Das denke ich auch."
Meg stand auf. "Ich werde dann mal gehen. Gute Nacht, Mark." Kurz bevor Meg die Tür erreicht hatte, drehte sie sich noch einmal um. "Ach, Mark. Wenn du Sara ins Surf Central gebracht hast, kannst du mich mal anrufen, damit ich weiß, das alles geklappt hat."
Mark nickte.
"Mach' ich, Meg. Schlaf' gut!"
Meg ging in ihr Zimmer, zog sich aus, und kaum lag sie im Bett, fielen ihr die Augen auch schon zu.
Am nächsten Morgen machte sich Mark schon früh auf den Weg zum Flughafen.
Als er gerade sein Auto aufschloss hörte er eine Stimme hinter sich.
"Du bist aber schon früh auf den Beinen." Er drehte sich um und sah sich Tim gegenüber. "Ja, ich hole gleich Megs Schwester vom Flughafen ab. Sie bat mich darum, weil sie heute ins Büro musste."
Tim sah ihn überrascht an.
"Kennst Du Sara denn?"
Mark schüttelte mit dem Kopf.
"Nur von Megs Erzählungen her, aber sie soll ganz nett sein." Mark wartete auf Tims Antwort, aber dieser machte sich schon bereit zum Aufbruch.
"Na dann, einen schönen Tag noch. Ich muss los. Du weißt ja, daß Derek Wert auf Pünktlichkeit legt." Tim verabschiedete sich und ging in Richtung Deep davon.
Mark stieg in seinen Wagen und fuhr los. Es war eine Menge los auf den Straßen von Sunset Beach, und er kam prompt in einen dicken Stau. Nervös schaute er auf die Uhr. Nur noch 10 Min., dann würde der Flieger mit Sara an Bord landen. Das würde er niemals schaffen! Völlig abgehetzt stand er dann um 10.40 Uhr endlich in der Wartehalle.
Er schaute sich um. Niemand war zu sehen, auf den Megs Beschreibung gepasst hätte. Mark seufzte und setzte sich auf eine der Bänke. Er hatte sie verpasst! Was würde Meg dazu sagen?
Mark beugte sich nach vorne und legte das Gesicht in seine Hände.
Er war in Gedanken versunken, als er eine Hand auf seiner Schulter fühlte.
"Entschuldige, heißt Du zufällig Mark?" Er sah hoch und schaute in zwei wunderschöne braun-grüne Augen. Die blonden, schulterlangen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, und auf dem Rücken trug sie einen Rucksack. Sie war lässig gekleidet, trug zu einer grünen Hose ein orangefarbenes T-Shirt.
Mit offenem Mund starrte er sie an.
"Mark?," fragte sie noch einmal.
Mark räusperte sich.
"Entschuldige, ... ja, ich heiße Mark."
Ein Lächeln erhellte das Gesicht der jungen Frau. Sie streckte ihm die Hand entgegen. "Hi, ich bin Sara, Meg' kleine Schwester."
Als Tim im Deep ankam, hatte Derek schon angefangen, die Stühle runterzustellen.
Er wies auf die Uhr.
"Du bist zu spät. Wenn alle meine Angestellten so eine Arbeitseinstellung hätten, wäre der Laden schon längst pleite." Er war sichtlich erbost.
Tim entschuldigte sich. Er erzählte Derek, daß er auf seinem Weg zum Deep noch Mark getroffen hätte und sie sich dann wohl verquatscht hätten.
Derek runzelte die Stirn.
"Warum ist Mark denn schon so früh auf?," fragte er neugierig. "Er hat doch heute seinen freien Tag. Da sollte er mal besser ausschlafen."
Tim überlegte kurz und dann erzählte er Derek von Sara.
"So, so," sagte dieser nur, als Tim seine Geschichte beendet hatte. "Die kleine Meg hat also eine Schwester ... Sieht sie gut aus?"
Tim musste schmunzeln. Sein Boss hatte anscheinend nur Frauen im Kopf.
"Ihre Figur ist nicht übel, aber sie redet mir ein bisschen viel. Ich habe sie eigentlich immer nur als Schwester meiner Verlobten gesehen, mehr nicht. Deshalb kann ich mir wohl kaum ein Urteil erlauben."
Tims Gerede machte Derek neugierig, und er fragte ihn weiter aus. Am Ende des Gespräches wusste Derek fast alles über Sara, und in seinem Gehirn arbeitete es.
Er überlegte, wie er Sara für seine Zwecke, nämlich Meg zu erobern, nutzen konnte.
Er sah Tim an.
"So, dann wollen wir mal den Laden öffnen. Ich denke, Du kommst alleine klar? Mir fällt nämlich gerade ein, daß ich noch etwas dringendes zu erledigen haben."
Er klopfte Tim kumpelhaft auf die Schulter und ging Richtung Ausgang.
"Meg," dachte er, und ein böses Grinsen erschien auf seinem Gesicht, "sehr bald wirst Du mir gehören, und Deine kleine Schwester wird mir dabei behilflich sein ..."
Mark sah sie genauer an. Nein, sie hatte wirklich keinerlei Ähnlichkeit mit Meg aber sie strahlte dieselbe Herzlichkeit aus.
Er stand auf und nahm ihr den Rucksack ab.
"Tut mir leid, wegen der Verspätung," entschuldigte er sich bei ihr, "aber um diese Uhrzeit sind überall Staus."
Sie winkte ab.
"Ist schon okay, ich habe mir am Zeitungskiosk eine Illustrierte geholt und etwas darin geblättert. Meg rief mich noch in der Nacht an und erzählte mir, daß mich jemand anders abholen würde." Sie machte eine kurze Pause, ehe sie weitersprach. "Na ja, und dann war anfangs niemand da und ich befürchtete schon, daß man mich vergessen hätte."
Sie lächelte Mark an, und seine Knie wurden weich. Er war Mädchen gegenüber sowieso immer eher schüchtern gewesen, aber Sara beunruhigte ihn auf besondere Weise.
Sie sah ihn prüfend an.
"Was denkst Du?," fragte sie neugierig.
Er schüttelte leicht den Kopf.
"Ist schon gut, ich dachte an ... nichts weiter. Okay," fügte er schnell hinzu, "dann lass' uns jetzt mal zum Surf Central fahren ... Deinem neuen Zuhause."
Sara rieb sich unternehmungslustig die Hände.
"Auf geht's! Ich kann es kaum erwarten, die anderen kennenzulernen."
Mark grinste.
"Da wirst Du wohl noch bis heute Abend warten müssen, denn alle, ohne Ausnahme, gehören der arbeitenden Bevölkerung an."
Sara seufzte.
"Ja, sobald ich mich eingelebt habe, werde ich mir auch hier einen Job suchen müssen ... aber daran will ich nicht jetzt schon denken."
Mark hakte sie unter, und sie verließen gemeinsam das Flughafen-Gelände.
Als sie nach einer halbstündigen Fahrt endlich zu Hause ankamen, wurden sie überschwenglich von Gabi begrüßt. Mark war überrascht, denn er hatte nicht damit gerechnet, überhaupt jemanden anzutreffen.
Gabi erklärte ihm kurz, daß sie gerade Mittagspause hätte und später wieder ins Krankenhaus zurück musste.
"Willkommen im Surf Central, Sara," begrüßte sie den neuen Gast.
Sara fiel Gabi spontan um den Hals. "Hi Gabi, ich freu mich! Schön, Dich nach so langer Zeit wiederzusehen!“ sagte sie fröhlich.
Sie sah sich um.
"Nett habt ihr's hier," stellte sie fest. "Ich denke, hier kann ich's eine Weile aushalten." Sie lächelte schelmisch.
Was für ein Mädchen! Mark konnte Sara immer nur anstarren. Sie war so voller Lebensfreude und so herrlich offen und ehrlich.
"Habt Ihr vielleicht Cola da? Ich bin am Verdursten." Sara ging in die Küche und öffnete den Kühlschrank.
Gabi beobachtete sie schmunzelnd. Ganz schön selbstbewusst die Kleine!
Sara zog eine Cola-Flasche aus dem Kühlschrank, öffnete sie und hielt sie an die Lippen. "Wir haben auch Gläser ..." begann Mark, aber Sara leerte die Flasche in einem Zug. Danach wischte sie sich über den Mund.
"Puh, das brauchte ich jetzt." Sie sah, wie die beiden grinsten.
"Tut mir leid, wir in Kansas haben nicht so feine Manieren." Sie wirkte leicht zerknirscht, doch Mark nahm sie gleich in Schutz.
"Ach was, ich trinke mein Bier auch nur aus der Flasche. Man muss dann keine Gläser abwaschen." Er lächelte sie an, und wieder spürte er einen Stich in der Magengrube, als sie zurücklächelte.
Gabi unterbrach sie. "Leute, ich muss zurück. Meine Mittagspause ist zu Ende."
Sie sah Sara an.
"Wir reden heute Abend weiter." Sie ließ die Tür ins Schloss fallen.
Mark schlug sich mit der Hand an die Stirn.
"Mensch, das hätte ich ja beinahe vergessen. Ich sollte Meg anrufen, wenn wir da sind." Er ging zum Telefon und wollte den Hörer abheben, doch Sara kam ihm zuvor.
"Lass' mich das machen."
Sie wählte Megs private Handynummer. Als Meg abhob, rief sie überschwenglich:
"Hallo Schwesterherz, ich bin da!"
Etwa zur selben Zeit fuhren Annie und Bette in die Klinik.
Kaum im Krankenhaus angekommen, wurde Annie ein Zimmer und Bett zugewiesen, und sie musste sich noch einmal einer gründlichen Untersuchung unterziehen. Bette blieb bei ihr, bis eine Schwester sie abholte, um sie für die OP vorzubereiten.
Annie hatte Tränen in den Augen, als sie sich von Bette verabschiedete. Sie drückte noch einmal die Hand ihrer Tante, ehe die Schwester ihr Bett den Gang runter zum OP schob. Bette sah ihr, ebenfalls mit Tränen in den Augen, hinterher. Sie stieß ein Stoßgebet aus, daß alles gut gehen möge, dann suchte sie den Warteraum auf und setzte sich auf einen der Stühle.
Sie sah anfangs nicht die junge Frau, die nur wenige Meter von ihr entfernt saß. Erst als diese sich erhob, um sich eine Zeitschrift vom Tisch zu nehmen, erkannte sie sie. "Caitlin," sagte Bette überrascht, "was machen Sie hier?"
Caitlin sah auf, als sie ihren Namen hörte und erkannte die Sekretärin ihres Vaters. "Bette ... dasselbe könnte ich Sie fragen." Sie war ebenfalls überrascht.
Bette räusperte sich.
"Meine Nichte wird heute operiert, und ich brachte sie her."
Caitlin wurde hellhörig.
"Was hat sie denn," fragte sie neugierig, "oder ist das eine zu persönliche Frage?"
Bette überlegte einen Moment. Sollte sie Caitlin von Annies Fehlgeburt erzählen?
Sie entschied sich dagegen. Stattdessen sagte sie nur "Eine Frauensache."
Caitlin zuckte innerlich zusammen. Also hatte Derek die Wahrheit gesagt. Annie hatte eine Fehlgeburt.
Caitlin sah Bette fest in die Augen.
"Sie halten mich jetzt bestimmt für unhöflich, aber ... ich weiß, warum Ihre Nichte hier ist."
Bette zog die Augenbrauen nach oben und sah Caitlin überrascht an.
"Sie wissen ...? Woher denn nur?"
Caitlin fühlte sich unwohl bei der ganzen Sache, aber sie wollte nicht lügen.
"Derek hat es mir gesagt," vertraute sie Bette an.
Bette ballte die Fäuste.
"Dieser ..." Sie schluckte das Schimpfwort runter, das sie auf den Lippen gehabt hatte. Caitlin sah den Zorn in Bettes Augen, und sie wusste nun ganz sicher, daß Annie wirklich schwanger gewesen war. Nur - von wem?
Caitlin nahm ihren ganzen Mut zusammen. "Bitte, Sie müssen es mir sagen," flehte sie, "ist ...war Cole Deschanel der Vater von Annies Baby?"
Bette sah Caitlin fassungslos an. Sie war total sprachlos über die Direktheit der jungen Frau. Sie wollte Caitlin gerade antworten, als eine junge Ärztin sie zu sich rief.
"Miss? Sie können jetzt zu ihrer Nichte gehen. Sie hat die OP gut überstanden und wird jeden Moment aus der Narkose erwachen."
Bette drehte sich zu Caitlin um und machte ein entschuldigendes Gesicht. Dann ging sie in Annies Zimmer und wartete an ihrem Bett, bis sie vollständig aus der Narkose erwacht war.
Mona