Nachdem Gabis Schicht beendet war, machte sie sich auf den Weg nach Hause. Es war schon kurz nach Mitternacht, als sie im Surf Central eintraf, und die Stille im Haus wirkte beklemmend auf sie. Insgeheim hatte sie gehofft, daß noch einer ihrer Mitbewohner wach sein würde, aber leider mußte sie feststellen, daß außer ihr niemand mehr im Wohnzimmer war.
Gabi dachte über ihr Telefonat mit Paula nach und ihr Magen krampfte sich zusammen. Ein Gedanke ließ sie nicht mehr los: Sie hatte Ricardo mit Casey betrogen, obwohl er ihr immer treu gewesen war!
Gabi stöhnte und drückte ihre Hand an die Stirn. Sie konnte nicht hier bleiben, sonst würde sie die ganze Nacht nur grübeln! Sie beschloß, noch beim Deep vorbeizuschauen. Dort war sie unter Menschen und würde sicher genügend Ablenkung finden.
Entschlossen nahm
sie ihre Jacke und machte sich auf den Weg zum Deep.
In der Bar war wie immer viel los, und Gabi setzte sich an einen der
wenigen freien Tische. Caitlin erschien sofort und fragte sie freundlich nach
ihren Wünschen.
Gabi bestellte sich einen alkoholfreien Drink, denn Alkohol würde in dieser Situation nur noch alles verschlimmern. Sie nahm aus ihrer Handtasche einen kleinen Spiegel und prüfte kurz ihr Make Up, als sie eine wohlvertraute Stimme hinter sich hörte.
"Du siehst, wie immer, wunderschön aus!"
Gabi klappte den Spiegel zu und ließ ihn wieder in ihrer Tasche verschwinden. Langsam drehte sie sich um ... und fühlte plötzlich Ricardos Lippen auf ihren. Sein Kuß überraschte sie so sehr, daß sie nicht einmal reagieren konnte. Er lächelte und setzte sich neben sie. Gabi berührte mit der Hand ihre Lippen.
"Wofür ... war das?" fragte sie unsicher. Ricardo sah sie an und ergriff ihre Hand.
"In der letzten Zeit hast Du Dich so rar gemacht, daß ich einfach glücklich darüber bin, Dich wiederzusehen!"
Gabi zwang sich zu einem Lächeln.
"Ja, die Arbeit in der Klinik war in letzter Zeit ein bißchen viel ...!" Sie wich seinem Blick aus. Ihr schlechtes Gewissen plagte sie, und sie hatte Angst, daß Ricardo ihr die Lüge an der Nasenspitze ansehen würde. Er hielt jedoch weiterhin ihre Hand fest und sah sie verliebt an. Gabi entzog sie ihm vorsichtig.
"Weißt Du schon, daß Paula Sunset Beach verlassen hat?"
Ricardo nickte.
"Ja, sie hat mich vorhin angerufen ...!" Er räusperte sich. "Paula hat mir erzählt, daß Du eifersüchtig auf sie gewesen bist...!"
Gabi starrte ihn nur fassungslos an. Sie konnte einfach nicht glauben, daß Paula so indiskret gewesen war, ihr Geheimnis auszuplaudern!
Gabi schloß die Augen. Wie peinlich war doch diese ganze Situation!
"Hat sie das?" fragte sie unsicher. Ricardo rückte näher an Gabi heran.
"Hast Du wirklich gedacht, daß ich wieder etwas mit Paula anfange?" Er schüttelte den Kopf. "Hast Du so wenig Vertrauen zu mir gehabt?"
Gabi senkte den Kopf. Ricardo hob vorsichtig ihr Kinn und zwang sie, ihn anzusehen. "Weißt Du nicht, wie sehr ich Dich liebe!"
Gabi sah in seine braunen Augen und fühlte, daß er die Wahrheit sagte. Schnell schaute sie wieder nach unten. Wenn sie in seinen Augen die Wahrheit lesen konnte, was würde er dann in ihren sehen? Sie dachte an Casey und ihre gemeinsame Liebesnacht, und ein Gefühl der Schwäche überkam sie. Caitlin brachte gerade ihren Drink, und während sie bei Ricardo die Bestellung aufnahm, nutzte Gabi die Chance und ging zu den Toilettenräumen. Sie schloß sich in der Kabine ein und legte ihre heiße Stirn an die kühlen Fliesen. Sie konnte Ricardo einfach nicht mehr unter die Augen treten, nachdem sie ihn mit Casey betrogen hatte! Ricardo und sie waren immer ehrlich zueinander gewesen, und nun würde eine Lüge ihre Liebe zerstören!
Gabis Beine gaben unter ihr nach und sie sank weinend auf den Fußboden.
Ben freute sich Meg zu sehen, obwohl sie zuvor gemeint hatte, sich heute um Gabi kümmern zu müssen. Zärtlich küßte er sie und führte sie ins Wohnzimmer.
"Ich dachte Du wolltest heute mit Gabi reden?"
"Nun, zuerst war Gabi nicht da und dann rief Dein Bruder an..."
"Mein Bruder?" Ben runzelte die Stirn "Kann er Dich immer noch nicht zufrieden lassen?" "Beruhige Dich Ben." Meg legte Ihre Hand auf Bens Schulter "Es ging um Sara. Sie hatte am Telefon einen bösen Streit mit Mom und Dad, und es ging ihr sehr schlecht. Er hatte mich gebeten nach ihr zu sehen, da sie ihm die Schlafzimmertür nicht geöffnet hatte." "Und das hast Du Ihm abgenommen?" Ben war immer noch skeptisch.
"Ja Ben," nickte Meg, "Sara ging es wirklich sehr schlecht und auch ich brauchte eine ganze Weile, bis sie mir die Tür geöffnet hat. Dein Bruder schein um Sara wirklich sehr besorgt zu sein."
"Na gut, aber vertrau ihm bitte nicht zu sehr."
"Nein, versprochen." Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und küßte Ben. "Aber ich bin nicht hergekommen, um den ganzen Abend über Derek zu sprechen."
"Nein?" lächelte er. "Hast Du denn überhaupt schon etwas zu Abend gegessen?"
Meg schüttelte ihren Kopf.
"Dann kommst Du genau richtig, ich habe eine Lassagne im Ofen, die gleich fertig sein dürfte." Er nahm Megs Hand und führte sie auf die Terrasse "Setzt Dich, das Dinner wird gleich serviert. Möchtest Du ein Glas Rotwein dazu?"
"Ja, das wäre nett." lächelte Meg.
"Gut, ich bin gleich zurück." Ben betrat wieder das Haus und wenige Minuten später kehrte er mit einem Tablett zurück. Darauf befanden sich zwei Teller mit Lassagne und zwei Gläser Rotwein. Sie setzten sich und fingen an zu essen.
"Mmh, das schmeckt sehr gut, ich hatte gar nicht bemerkt, wie hungrig ich eigentlich war." lächelte Meg Ben an.
"Ich glaube ich muß viel besser auf Dich aufpassen, Liebling." lächelte Ben zurück.
Nachdem sie die Teller geleert hatten, stand er auf und räumte den Tisch ab. "Ich bringe nur die Teller hinein. So wie es aussieht werden wir heute einen besonders schönen Sonnenuntergang bekommen."
Er ging ins Haus zurück und Meg stand auf und lehnte sich an die Brüstung. Ben hatte recht, das Farbenspiel der untergehenden Sonne war heute besonders schön. Meg war ganz in Gedanken versunken und bemerkte gar nicht, daß Ben zurück gekehrt war. Er trat hinter Meg und legte seine Arme um Ihre schmale Taille.
"Einen Penny für Deine Gedanken." Entspannt lehnte sich Meg in Bens Armen zurück. "Du hattest recht, heute ist der Sonnenuntergang besonders schön."
"Nicht annährend so schön wie Du bist. Ich liebe Dich, Meg Cummings." Zärtlich drehte Ben Meg zu sich herum und küßte sie. Meg erwiderte Bens Kuß mit genauso viel Leidenschaft. Ohne ein weiteres Wort hob Ben Meg in seine Arme und trug sie in sein Schlafzimmer hinauf.
Ricardo wartete nun schon fast eine Viertelstunde auf Gabis Rückkehr von der Damentoilette und allmählich begann er sich Sorgen zu machen. Er winkte Caitlin zu sich heran.
„Soll es noch etwas zu trinken sein?“ fragte Caitlin als sie an den Tisch trat.
„Nein danke, im Moment nicht,“ schüttelte Ricardo seinen Kopf „aber ich wollte Sie fragen, ob Sie mir einen Gefallen tun können?“
„Das kommt darauf an, was das sein soll.“ Caitlin blickte Ricardo ein wenig skeptisch an. „Nun, meine Freundin Gabi ist schon vor über einer Viertelstunde auf die Damentoilette verschwunden und bisher noch nicht zurückgekehrt. Langsam mache ich mir Sorgen.“ erklärte Ricardo „Könnten Sie vielleicht mal für mich nachsehen?“
„Ja, das werde ich gerne für Sie machen.“ lächelte Caitlin und verschwand in Richtung Damentoilette. Fast zehn Minuten später kehrte sie zurück „Es tut mir leid, aber Sie hat sich weinend in eine der Toiletten eingeschlossen und will mit niemanden reden.“ „Danke, das hatte ich fast befürchtet.“ seufzte Ricardo. Er dachte einen Moment nach „Na dann muss ich die Sache wohl selber in die Hand nehmen.“ sagte er zu sich selber, stand auf und ging in Richtung Damentoilette. Vor der Tür zögerte er einen Moment, zückte dann seine Polizeimarke und betrat den Waschraum der Damen. Er hob seine Polizeimarke hoch und sagte mit lauter Stimme:
„Dies ist eine polizeiliche Untersuchung. Verlassen Sie bitte sofort diesen Raum!“
Zum Glück waren nur drei Frauen anwesend, die auch sofort den Waschraum verließen. Ricardo ging weiter in den Raum hinein und von ganz hinten, aus der letzen Kabine, vernahm er ein Schluchzen. Er ging hinüber und klopfte zaghaft an die Tür.
„Gabi, ich bin es, mach bitte auf.“
„Nein Ricardo“ schluchzte Gabi „geh bitte.“
„Ich werde nicht ohne Dich gehen, Gabi.“ Ricardo machte eine kleine Pause „Wir sollten reden, mach bitte die Tür auf.“
Gabi schnäuzte sich. Sie war völlig durcheinander. Was sollte sie nun tun? Nicht Ricardo hatte sie mit Paula betrogen, sondern sie hatte Ricardo mit Casey betrogen. Das durfte Ricardo nie erfahren, es würde sein Herz brechen.
„Ich kann nicht Ricardo.“ sagte sie leise.
„Warum denn nicht Gabi? Erzähl mir, was Dich bedrückt.“ versuchte er es noch einmal. „Aber ich schäme mich doch so, dass ich Dir nicht vertraut habe.“ antwortete Gabi leise. „Komm schon, mach die Tür auf. So kann ich nicht mit Dir reden.“ beharrte Ricardo.
Gabi zögerte noch einen Augenblick, dann entriegelte sie die Tür.
Ricardo tat es in der Seele weh, Gabi so am Boden zerstört zu sehen. Er zog sie in seine Arme und drückte sie ganz fest an sich.
„Am besten suchen wir uns einen ruhigen Platz und Du erzählst mir ganz genau, warum Du dachtest, ich hätte ein Verhältnis mit Paula.“
Gabi zögerte einen Augenblick und holte dann tief Luft „Vielleicht ist es ja das beste.“ Ricardo nahm Gabis Hand und führte sie hinaus.
Sara betrat das Deep und schaute sich um. Da sie Derek nirgendwo entdecken konnte, vermutete sie, daß er in seinem Büro war. Sie wollte gerade die Treppe hinaufgehen, als sie Ricardo und Gabi aus den Toilettenräumen kommen sah. Sara fiel gleich auf, daß Gabi ziemlich mitgenommen aussah.
Gabi versuchte zu lächeln, als sie Sara erkannte.
"Hallo!" grüßte sie schwach.
Sara warf ihr einen besorgten Blick zu.
"Hallo, Gabi! Alles in Ordnung mit Dir?" Gabi warf Ricardo einen flehenden Blick zu, und er nickte verstehend.
"Wenn Ihr reden möchtet, lasse ich Euch kurz alleine!" Er sah Gabi an. "Ich setze mich an die Bar, falls Du mich suchen solltest!" Er gab ihr noch einen Kuß und ging zur Bar hinüber. Gabi seufzte erleichtert und nahm Saras Arm. Sie war froh, durch Saras Auftauchen einer Aussprache mit Ricardo entgehen zu können. Sie wies auf den freien Tisch.
"Komm', wir setzen uns hier rüber!"
Sara sah sie verwirrt an. Irgendwie hatte sie das Gefühl, als ob Gabi jemanden brauchte, mit dem sie reden konnte. Sie zog sich am Tisch einen Stuhl heran und nahm gegenüber Gabi platz. Neugierig schaute sie sie an.
Gabi befeuchtete ihre Lippen und begann zu erzählen.
"Ich habe ziemlichen Mist gebaut, Sara ...!" begann sie.
Sara lächelte. Sie dachte an den Tag ihres Auszuges, wo Gabi ihr Vorwürfe gemacht hatte.
"Das sagst Du gerade der richtigen!" sagte sie und sah Gabi schmunzelnd an. Deren Miene verzog sich zu einem kläglichen Grinsen.
"Ja, nur diesen Fehler kann ich nicht mehr gutmachen!"
Sara runzelte die Stirn.
"Du sprichst in Rätseln! Was meinst Du damit?"
Gabi holte tief Luft. "Bitte, versprich' mir," flehte sie, "dass niemand davon erfährt ...!" Sie zögerte einen Moment, ehe sie weitersprach. "Ich platze, wenn ich es nicht jemandem erzählen kann!"
Sara riß erstaunt die Augen auf.
"Na los, sag' schon, was Dich bedrückt!"
Gabi war froh, daß die Musik im Deep so laut war, so daß niemand sie hören konnte.
"Ich habe Ricardo betrogen," stieß sie hervor, " mit ... einem anderen Mann!"
Sara schluckte und sah sie ungläubig an.
"Wie? Aber ich dachte, daß Du ihn lieben würdest ...!"
Gabi senkte den Kopf.
"Ja, mehr als alles auf der Welt, aber ... ich hatte einen schwachen Moment!" Sie räusperte sich. Ricardo lächelte ihr von der Bar aus zu, und Gabi spürte, wie ihr die Hitze ins Gesicht stieg. Schnell sprang sie auf.
"Entschuldige, Sara, ich hätte Dir das nicht erzählen dürfen!" Sie drehte sich um und ging schnurstracks zu Ricardo hinüber. Sara sah ihr nachdenklich hinterher.
Ob Meg wohl von Gabis Geheimnis wußte?
Langsam stand Sara auf und lächelte ein letztes Mal dem Paar an der Bar zu, ehe sie die Treppe zum Büro hochging.
Derek sah überrascht von seinem Schreibtisch auf, als Sara das Büro betrat.
"Ich wollte Dich nicht stören!" sagte sie entschuldigend.
Er erhob sich und ging um den Schreibtisch herum.
"Das ist genau die Störung, die ich jetzt gebraucht habe!" Er lächelte verschmitzt, zog sie an sich und küsste sie. Sara befreite sich vorsichtig aus seinen Armen.
"Du bist ja wirklich heute unersättlich!" sagte sie und grinste. Er sah sie besorgt an.
"Ist alles wieder okay mit Dir?"
Sara lächelte.
"Ja, alles bestens!" entgegnete sie. "Ich habe mit meiner Mum telefoniert, und wir haben uns endlich mal aussprechen können! Sie hat eingesehen, daß ich meine eigenen Fehler machen muß, um erwachsen zu werden!"
Derek legte seine Stirn in Falten.
"So, so, ein "Fehler" bin ich also für Dich?"
Sara sah ihn erschrocken an.
"Oh nein!" stotterte sie verlegen, "Du doch nicht! Ich meinte mit Fehlern etwas anderes." Derek grinste.
"Na, dann bin ich ja beruhigt!"
Sara seufzte, und Derek sah sie fragend an.
"Was ist?"
"Ich habe versucht, Meg anzurufen, um mich bei ihr zu bedanken, aber ich kann sie nirgends erreichen!" Sara sah Derek an. "Bei Ben geht niemand dran, und im Surf Central ist sie auch nicht. Selbst ihr Handy ist ausgeschaltet!" Sara strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Derek sah sie überrascht an.
"Du machst Dir Sorgen, oder?"
Sara nickte.
"Ich weiß nicht, ich habe so ein komisches Gefühl ... ich kann es nicht erklären!"
Derek nahm sie in den Arm.
"Mach' Dir keine Sorgen! Es wird schon alles in Ordnung sein. Sie und Ben wollen sicher nur nicht gestört werden und gehen deshalb nicht ans Telefon!" sagte er beruhigend. Sara lächelte ihn dankbar an.
"Ja, vermute ich auch mal!"
Derek strich ihr vorsichtig über die Wange.
"Weißt Du," sagte er nachdenklich, "ich beneide Dich ein bisschen um das gute Verhältnis zu Deiner Schwester!" Er sah Sara an. "Ben und mich verband von Anfang an nur Hass ...!"
Sara nahm seine Hand und hielt sie fest.
"Nein!" sagte sie bestimmt. "Das glaube ich nicht, und ich denke, daß Euch mehr verbindet, als Du und er wahrhaben wollt!"
Derek lächelte sie an.
"Möglich ...!"
Sara lächelte zurück.
"Gut, dann will ich Dich jetzt nicht weiter aufhalten. Du hast sicher noch eine Menge zu tun!" Sie gab ihm noch einen letzten Kuß und verließ das Büro.
Gregory saß im Wohnzimmer, als Olivia gutgelaunt, ein Liedchen trällernd, nach Hause kam.
"Wo kommst Du her?" herrschte er sie an.
Olivia lächelte, ging zum Beistelltisch und schenkte sich ein Glas Mineralwasser ein.
"Seit wann interessiert es Dich, was ich mache, Gregory?" fragte sie ihn schnippisch. Schnell stand er auf und ergriff ihren Arm.
"Spiel hier keine Spielchen mit mir, Olivia! Ich weiß, wo Du warst, und vor allen Dingen ... mit wem!" Sein Gesicht kam näher, und sie roch seinen Atem. Angewidert wich sie zurück.
"Gregory, Du hast ja getrunken!" stellte sie überrascht fest. Sie versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, doch er hielt sie weiterhin fest.
"Gregory, bitte, Du tust mir weh!" sagte Olivia flehend. Er ließ sie los und starrte auf den Boden. Sie rieb sich ihren schmerzenden Oberarm.
"Was ist denn nur in Dich gefahren?" fragte sie erbost.
"Nach diesem Tag ist wohl ein Schlückchen Alkohol erlaubt, denke ich!" Er sah sie verächtlich an. "Du trinkst das Zeug sogar ohne einen Grund zu haben!"
Olivia lachte bitter.
"Ja, weil ich Deinen Anblick und Deine Gegenwart sonst nicht ertragen kann!" Sie sah, wie sein Gesicht aschfahl wurde. "Du weißt, wo ich heute war?" fragte sie unsicher.
Er musterte sie durchdringend.
"Ja, ich weiß alles über die Rettung Deines kleinen Radiosenders und auch, ... wer ihn gekauft hat!" stieß er hervor. Olivia atmete tief durch.
"Und das paßt Dir nicht, nicht wahr?" fragte sie ungehalten. Sie sah, daß sie einen wunden Punkt bei ihm getroffen hatte, und bohrte weiter in der Wunde. "Und das ausgerechnet Dein ärgster Feind Deiner Frau dabei behilflich war, muß wie ein Dolchstoß für Dich gewesen sein!" Sie lächelte vor Genugtuung.
Gregory drehte sich um und warf ihr einen haßerfüllten Blick zu. Olivia ging auf ihn zu und legte ihm die Hand auf die Schulter.
"Mach' Dir nichts draus, Gregory," sagte sie zynisch, "auch Du kannst nicht immer gewinnen!" Mit diesen Worten drehte sie sich um, ging die Treppe hinauf und ließ ihn im Wohnzimmer stehen.
Mona
"So, das war's dann wieder für heute!" Mark stellte die letzen Stühle im Deep hoch und sah Caitlin erwartungsvoll an. "Soll ich Dich noch nach Hause bringen?"
Caitlin band sich die Schürze ab und griff nach ihrer Tasche.
"Ja, das wäre schön," sagte sie und lächelte Mark an.
"Na, dann komm'!" Er nahm ihre Hand und gemeinsam verließen sie das Deep. Draußen war es dunkel, und der Strand war menschenleer. Caitlin zog ihre Schuhe aus und lief durch den weichen Sand. Sie fühlte sich an Marks Seite so geborgen und glücklich, und ihm schien es genauso zu gehen. Als er seinen Arm um ihre schlanke Taille legte, wehrte sie sich nicht. Sie fühlte im Gegenteil, ein tiefes Gefühl der Zusammengehörigkeit. Sie schmiegte sich an ihn, und der Duft seinen Rasierwassers stieg ihr in die Nase.
Als sie beim Richardshaus ankamen, blieben sie noch einen Moment stehen. Die Laterne am Eingang warf ein geheimnisvolles Licht auf die beiden, und ihre Blicke trafen sich. Caitlin schloß die Augen und fühlte daraufhin Marks Lippen auf ihren. Sie erwiderte den Kuß und schlang ihre Arme um seinen Hals.
Für einen Augenblick schien die Erde stillzustehen, doch plötzlich wurde abrupt die Eingangstür aufgerissen, und Mark und Caitlin fuhren auseinander.
"Geh' ins Haus, Caitlin!" Gregory stand schwankend im Türrahmen.
"Daddy, ich ...!" Caitlin sah ihn bittend an.
"Geh' rein, habe ich gesagt!" Gregory duldete keinen Widerspruch. Ohne Mark noch eines Blickes zu würdigen, zog er Caitlin am Arm ins Haus und knallte die Tür hinter ihr zu.
Sara wälzte sich im Bett hin und her. Sie hatte, nachdem sie und Derek nach Hause gekommen waren, noch mehrmals versucht, Meg zu erreichen - doch vergeblich!
Sie rollte sich aus dem Bett, ging die Treppe nach unten, griff zum Telefon und wählte erneut Bens Nummer, und endlich, nach einer halben Ewigkeit, ging jemand dran.
"Ben? Hier ist Sara! Ist Meg da? Ja, sicher weiß ich, wie spät es ist ... ja, tut mir leid! Kann ich sie sprechen? Sie schläft schon? Ach, schade. Na gut, dann richte ihr liebe Grüße und meinen Dank aus, ja? Wofür? Sie weiß schon, wofür!" Sara legte auf und lächelte. Meg würde sie sicher für übergeschnappt halten, daß sie wieder so spät angerufen hatte, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund verspürte sie eine Unruhe, die sie sich nicht erklären konnte. Sie schüttelte den Kopf. Alles war okay, und sie hatte sich mal wieder ganz umsonst Sorgen gemacht.
Leise schlich Sara wieder die Treppe hinauf und legte sich neben Derek ins Bett.
"Hast Du sie endlich erreicht?" Seine Stimme erschreckte sie.
"Ich dachte, Du schläfst!" Er drehte sich zu ihr um.
"Ja, habe ich auch, aber dann wurde es so kalt im Bett ...!"
Sie schmiegte sich an ihn.
"Besser so?"
"Ja, viel besser! Und, hast Du Meg erreicht?"
Sara nickte.
"Ben war dran. Es geht ihr gut. Sie schlief schon ...!"
„Na, siehst Du, habe ich Dir doch gleich gesagt, daß alles in Ordnung ist!" Derek schloß die Augen. "Und wir sollten jetzt auch schlafen. Die Nacht ist bald wieder vorbei!"
Sara gähnte und zog sich die Bettdecke höher.
"Ja, schlaf' gut!" Mit dem beruhigenden Gedanken, daß es ihrer Schwester gutging, schlief Sara ein.
Als Meg am nächsten Morgen aufwachte, war das Bett neben ihr leer. Sie wollte gerade aufstehen, als sich die Schlafzimmertür öffnete und Ben mit einem reichlich gefüllten Frühstückstablett herein kam.
„Guten Morgen mein Schatz, hast Du gut geschlafen?“ Er stellte das Tablett auf seinen Nachtisch ab und beugte sich für einen Kuss zu Meg hinunter.
„Guten morgen Ben,“ lächelte Meg „Ich weiß nicht warum, aber in Deinen Armen schlafe ich immer besonders gut.“
„Das höre ich gerne.“ Ben blickte Meg in die wunderschönen blauen Augen. Er setzte sich neben sie auf das Bett „Wie wäre es mit Frühstück?“
„Das hört sich gut an und Dein Kaffee duftet bereits köstlich.“
Ben nahm das Tablett von seinem Nachttisch und stellte es zwischen sich und Meg. Er goss für Meg und sich je eine Tasse Kaffee ein
„Und was möchtest Du noch? Ich habe hier Eier, Speck, Crossaints, Marmelade, Joghurt und frische Erdbeeren.“
„Mmh, das ist ja besser als in jedem 5 Sterne Restaurant, hierher sollte ich öfter kommen, der Service rundherum stimmt auch.“ lächelte Meg und nahm sich ein Crossaint. Ben begann die Eier zu essen
„Darüber sollten wir übrigens mal reden.“
„Worüber?“ Etwas verwirrt sah Meg Ben an.
„Nun, Du sagtest gerade, dass Du in meinen Armen besonders gut schläfst und dass Dir der Service hier gefällt. Tja, und was mich betrifft, in den Tagen und Nächten, in denen Du nicht hier warst, waren schrecklich einsam für mich. Ich würde gerne jeden Abend mit Dir in meinen Armen einschlafen und genauso jeden Morgen mit Dir in meinen Armen aufwachen. Könntest Du Dir vorstellen, bei mir einzuziehen?“
Erstaunt sah Meg Ben an.
„Meinst Du das ernst?“
Ben nahm Megs Hand und lächelte sie zärtlich an
„Mir war noch nie zuvor etwas so ernst, wie das jetzt hier. Also Meg Cummings, würdest Du gerne Tisch und Bett mit mir teilen und bei mir einziehen?“
Meg stellte Ihre Kaffeetasse ab und umarmte Ben
„Es gibt nichts was ich lieber tun würde.“ Glücklich küsste Ben Meg.
„Ich würde das ja jetzt gerne ausführlich mit Dir feiern, aber leider habe ich in einer Stunde ein wichtiges Meeting.“
„Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben,“ zwinkerte Meg „ich könnte heute Abend ja was schönes für uns kochen und dann feiern wir meinen Einzug hier.“
„Abgemacht!“ lächelte Ben „Aber nun sollten wir unser Frühstück beenden, es wird ein langer Tag.“
Plötzlich fiel Ben wieder ein, das Sara letzte Nacht angerufen hatte.
„Ach Meg, als Du schon geschlafen hast, rief Sara an und wollte Dich sprechen.“
„Oh,“ erstaunt blickte Meg auf „hat Sie gesagt, was Sie wollte?“
„Nein,“ Ben schüttelte seinen Kopf „Sie wollte Dich sprechen, mehr weiß ich nicht.“
„Gut,“ Meg stand auf und begann sich anzukleiden „ich denke, ich werde vor der Arbeit noch mal schnell bei Ihr vorbeischauen. Ich hoffe, Sie konnte sich mit Mom und Dad wieder ein wenig aussöhnen.“ Meg sah auf Ihre Uhr „Ich denke, dass Beste wird sein, wenn ich jetzt gleich losgehe. Bis dann.“ Sie beugte sich vor und küsste Ben „Ich liebe Dich Ben Evans, bis später.“
„Ich liebe Dich auch, Meg.“ Ben erwiderte Ihren Kuss „Ich werde dann im Büro auf Dich warten.“
Schweren Herzens löste sich Meg von Ben und verließ das Haus. Sie entschloss sich, am Strand entlang zu gehen und atmete die klare Morgenluft ein. Ganz in Gedanken versunken machte Sie sich auf den Weg und erschrak, als plötzlich zwei Männer neben Ihr auftauchten und Sie einen kalten, harten Gegenstand in Ihrer Seite spürte.
„Leisten Sie keinen Widerstand und verhalten Sie sich ruhig, dann wird Ihnen nichts passieren.“ sagte der Mann zu Ihrer Rechten zu Ihr. Alle möglichen Gedanken schossen Meg durch den Kopf
„Was soll das? Was wollen Sie von mir?“
„Das werden sie schon früh genug erfahren.“ sagte der Fremde „Würden Sie bitte ohne Aufsehen zu erregen in das Auto einsteigen?“ Er öffnete die hintere Tür einer schwarzen Limousine, mit abgedunkelten Fenstern, die am Straßenrand parkte.
„Oh mein Gott,“ schoss es Meg durch den Kopf „dies ist eine Entführung, ich werde entführt!“ Mit zitternden Knien stieg sie in das Auto ein. Um sich zu wehren oder zu schreien hatte Sie keine Zeit. Die beiden Männer stiegen zu ihr nach hinten ein und einer der Männer gab dem Fahrer ein Zeichen sofort loszufahren.
Nachdem Ben geduscht hatte, zog er sich einen seiner Anzüge an und verließ gut gelaunt sein Haus. Er öffnete das Verdeck seines weißen BMW Cabriolets und fuhr zur Liberty Corporation. Mit einem strahlenden Lächeln, betrat er sein Vorzimmer, in dem Bette schon fleißig am PC arbeitete
"Oh, da hat aber jemand eine blendende Laune." Bette blickte von Ihrer Arbeit auf. "Guten Morgen, Bette," Ben begrüßte Sie mit einem Kuss auf die Wange "mir könnte es auch gar nicht besser gehen."
"Gut für Dich." lächelte Bette. "Wo ist Muffin heute morgen?"
"Wer?" irritiert schaute Ben Bette an.
"Meg natürlich." klärte Bette ihn lachend auf.
"Ach so, sie kommt ein wenig später, da sie nochmal bei Sara vorbei schauen wollte." Ben hatte schon die Klinke zu seinem Büro in der Hand.
"Ist Gregory schon da? Wir haben gleich ein Meeting."
„Nein noch nicht." schüttelte Bette Ihren Kopf.
"Nun gut, sobald er auftaucht, schicke ihn doch bitte zu mir herein."
"Wird gemacht, Boss." Bette setzte Ihre Arbeit fort und Ben betrat sein Büro.
Als Caitlin am nächsten Morgen erwachte, dachte sie gleich an Mark und ihre Auseinandersetzung mit Gregory. Er hatte offenbar ein bisschen viel getrunken und war grob und beleidigend geworden. Sie hatte ihm gesagt, daß sie kein kleines Mädchen mehr wäre und sehr gut ihre eigenen Entscheidungen treffen könnte. Gregory hatte daraufhin ein Glas genommen und es gegen die Wand geschmettert.
Caitlin zog ihr Schultern hoch. Sie konnte sich nicht erinnern, ihren Vater jemals so wütend gesehen zu haben. Er schien völlig die Kontrolle über sich verloren zu haben und faselte dauert etwas von "Flittchen". Caitlin war daraufhin die Treppe hochgerannt, und hatte sich in ihrem Zimmer auf dem Bett ausgeheult. Sie schlug seufzend die Bettdecke zurück und stand auf. Sie machte sich schnell fertig und ging dann die Treppe hinunter, hoffend, daß ihr Vater schon im Büro sein würde. Ihr Wunsch wurde ihr erfüllt, denn sie traf nur ihre Mutter an.
"Hallo, Mum!" begrüßte Caitlin sie.
Olivia schaute von ihrer Zeitschrift auf, in der sie geblättert hatte.
"Hallo, mein Schatz!"
Caitlin schaute sich suchend um.
"Ist Daddy schon im Büro?"
Olivia hörte die Angst in Caitlins Stimme und sah sie prüfend an.
"Ja, er ist schon seit fast einer Stunde weg! Wieso, wolltest Du etwas von ihm?"
Caitlin verzog das Gesicht.
"Nein, genau das Gegenteil! Ich bin froh, daß er weg ist!"
Olivia runzelte die Stirn.
"Bist Du für die Glasscherben auf dem Teppich verantwortlich?"
Caitlin seufzte und nahm neben ihrer Mutter platz.
"Nein, das war Daddy. Ich weiß nicht, was gestern in ihn gefahren ist - er war so ... anders!"
Olivia legte ihre Hand auf Caitlins Arm.
"Willst Du mir erzählen, was los war?"
Caitlin sah ihre Mutter an.
"Er war betrunken als ich nach Hause kam, und dann fing er Streit an und plötzlich ... plötzlich hob er das Glas und warf es gegen die Wand! Oh, Mum, was ist denn nur mit Daddy los?"
Olivia nahm ihre Tochter wortlos in den Arm und strich ihr übers Haar.
"Er hat einmal in seinem Leben verloren ...!" sagte sie geistesabwesend mehr zu sich selber. Caitlin hob den Kopf und sah sie an.
"Es ist also nicht meine Schuld?"
Olivia drückte Caitlin wieder an sich.
"Liebes, nein, Dein Vater liebt Dich abgöttisch, und Du könntest niemals etwas tun, was ihn so verletzen würde, daß er so ausrastet ...!" sagte sie traurig. Sie wußte, daß es ihre Schuld war, daß es Gregory so schlecht ging. Caitlin löste sich aus der Umarmung und stand auf.
"Entschuldige, Mum, aber ich muß los!"
Olivia sah Caitlin überrascht an.
"Wohin willst Du denn so früh schon?"
Caitlin sah auf ihre Fußspitzen. Sie wollte zu Mark, um sich für das unmögliche Betragen ihres Vater zu entschuldigen. Olivia sah sie neugierig an, doch plötzlich hellte sich ihr Gesicht auf.
"Du willst zu dem jungen Mann, der kürzlich hier war, ... wie hieß er doch gleich?"
Caitlin wurde rot.
"Mark ... " sagte sie und wich dem Blick ihrer Mutter aus. Diese lächelte.
"Na, dann wünsche ich Dir einen schönen Tag!"
"Danke!" Caitlin umarmte Olivia ein letztes Mal und verließ die Richards-Villa.
Im Sunset Medical Center begann für Gabi eine neue Schicht. Sie zog sich ihren Kittel über und begann, die Patientenlisten zu ordnen. Sie war allerdings überhaupt nicht bei der Sache, und als Roxi sie rief, damit sie bei einer Patientin einen Verband erneuern sollte, war sie für diese Ablenkung dankbar.
So ging es einfach nicht weiter! Nicht nur ihr Privatleben litt unter ihrer Lüge, sondern auch ihre Arbeit war beeinträchtigt. Sie mußte Ricardo endlich erzählen, daß sie mit Casey geschlafen hatte!
Gabi schüttelte den Kopf, und die ältere Dame, der sie gerade den Verband am Knie anlegte, sah sie neugierig an.
"Sie sehen nachdenklich aus, Schwester," sagte sie. Gabi versuchte zu lächeln. Die ältere Dame bohrte weiter. "Es geht bestimmt um einen Mann, stimmt's?"
Gabi sah sie überrascht an.
"Wie kommen sie darauf?"
Die ältere Dame lächelte.
"Ich bin von Beruf Schriftstellerin und habe eine gute Menschenkenntnis!"
Gabi verkniff sich ein Lachen. "Eher eine blühende Fantasie!" dachte sie. Die ältere Dame schmunzelte.
"Ich hatte recht, oder?"
Gabi mußte ebenfalls schmunzeln.
"Ja, sie haben recht!" gab sie schließlich zu. Die ältere Dame sah zufrieden aus. "Kummer?"
Gabi hob überrascht den Kopf.
"Hat Ihnen schon jemand mal gesagt, daß Sie ganz schön neugierig sind?" fragte sie. Die ältere Dame grinste verschmitzt.
"Eine Berufskrankheit!"
Gabi beendet ihre Arbeit.
"So, fertig! Sie können sich wieder anziehen!"
Die ältere Dame ging hinter den Paravant und begann, sich wieder anzukleiden.
"Ich gebe ihnen nur einen Rat," drang ihre Stimme durch die Pappwand. "Man sollte immer ehrlich sein, egal was passiert!"
Gabi verließ nachdenklich den Behandlungsraum. Ja, die ältere Dame hatte recht, sie sollte Ricardo endlich die Wahrheit über sich und Casey erzählen - egal, wie schmerzlich es auch sein würde!
Gabi nickte entschlossen und sortierte weiter die Patientenlisten ein.
Als Ben gegen 11 Uhr aus seinem Meeting zurückkehrte, war er verwundert, dass Meg nicht da war.
"Macht Meg irgendwelche Besorgungen?" fragte er Bette, die gerade aus Gregorys Büro kam.
"Nein, sie war noch gar nicht hier heute." antwortete Bette.
"Was?" Ben war erstaunt und sein Magen krampfte sich plötzlich zusammen. Irgendetwas mußte Meg aufgehalten haben und er hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Er nahm den nächsten Telefonhörer in die Hand und wählte die Nummer vom Surf Center, vielleicht war Meg ja dort, um noch ein paar Sachen zu holen. Er ließ das Telefon bestimmt zwanzig mal klingeln, aber niemand nahm es ab.
"Keiner da!" er legte den Hörer kurz auf, um ihn gleich darauf wieder abzunehmen. Dieses mal wählte er Megs Handynummer, aber auch dort meldete sie sich nicht. "Verdammt, wo steckt Meg bloß oder vielmehr, was hat er ihr nur nun wieder angetan! Ich sollte Sie nicht mehr alleine dort hingehen lassen." murmelte er vor sich her.
"Was meintest Du, Ben?" verwirrt blickte Bette Ihn an.
"Ach nichts Bette. Ich muß mal für eine Weile weg. Falls Meg sich melden sollte oder anruft, ruf mich bitte auf meinem Handy an." Und schon hatte er das Büro verlassen, ehe Bette die Gelegenheit hatte, irgendwas zu erwidern.
Mit schnellen Schritten verließ er die Liberty Corporation, sprang in sein Cabriolet und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
Caitlins Weg führte sie an diesem Morgen ins Java Web, weil sie wußte, daß Mark dort heute aushalf. Er stand hinter dem Tresen und notierte etwas auf einem Zettel, als er sie hereinkommen sah. Sofort legte er den Zettel beiseite und sah sie besorgt an.
"Hi Cait! Alles in Ordnung mit Dir?"
Caitlin fuhr sich mit den Fingern durch die Haare.
"Wenn Du den Auftritt meines Vaters gestern abend meinst - ja, es geht mir gut!" Sie sah ihn an. "Deswegen bin ich gekommen ... ich möchte mich bei Dir für das Verhalten meines Vaters entschuldigen!"
Mark schien entrüstet.
"Aber das ist doch nicht Deine Schuld!" sagte er. Caitlin sah auf den Boden. Mark hob vorsichtig ihr Kinn. "Hörst Du?" sagte er eindringlich. "Es ist nicht Deine Schuld, rede Dir das bloß nicht ein!" Caitlin versuchte ein Lächeln. "Schon besser!" bemerkte Mark sofort. "Möchtest Du etwas trinken - geht natürlich auf meine Kosten!" Caitlin nickte, und Mark schenkte ihr eine Cola ein. Über den Rand des Glases sah sie ihn an. Sie erinnerte sich wieder an den Kuß, und plötzlich verschluckte sie sich. Hustend und nach Luft ringend suchte Caitlin Halt am Tresen und spürte plötzlich, wie zwei starke Arme sie festhielten. "Arme hoch!" befahl Mark ihr, und Caitlin streckte brav die Arme nach oben, während er ihr auf den Rücken klopfte. Dankbar sah sie ihn an, und spürte wieder diese Schwäche, die sie immer überkam, wenn Mark ihr sehr nahe war. Schnell trat sie einen Schritt zurück.
"Danke, es ist wieder okay!" sagte sie und sah ihn an. Enttäuscht zog er seine Hand zurück und ging wieder hinter den Tresen. Von einem der hinteren Tische bekam er ein Zeichen, und er wandte sich zu Caitlin.
"Tut mir leid, aber die Arbeit ruft! Wir sehen uns heute Abend im Deep!"
Caitlin nickte und sah Mark hinterher, wie er den Gast bediente. Sie leerte ihre Cola und verließ das Java Web.
Sara und Derek saßen auf der Terrasse und genossen ihr spätes Frühstück. Derek hatte sich gerade die zweite Tasse Kaffee eingeschenkt, als es an der Tür Sturm klingelte und zur gleichen Zeit jemand ungeduldig dagegen hämmerte.
"Mein Gott, wer ist denn da so früh schon so ungeduldig?" Genervt legte er sein Brötchen auf den Teller und stand auf. Er durchquerte das Wohnzimmer und öffnete die Haustür. „Ben, was ist denn in Dich gefahren, hier so ein Spektakel zu machen! Die ganze Nachbarschaft wird ja auf uns aufmerksam!"
Ben blickte Derek wütend an, schob ihn zur Seite und betrat das Haus.
"Wo ist Sie?"
"Dir auch einen guten Morgen, Ben." Derek schloß die Haustür "Wen suchst Du denn?" "Na Meg natürlich." erklärte Ben ungeduldig. Verwirrt sah Derek Ben an.
"Aber warum suchst Du Sie denn hier? Seit gestern Nachmittag habe ich Sie nicht mehr gesehen."
"Lüg mich doch nicht an Derek!" Ben wurde immer wütender "Sie wollte heute morgen vor der Arbeit noch einmal kurz nach Sara sehen."
"Ben," Derek sah seinen Bruder an "Meg war heute noch nicht hier, tut mir leid."
Sara hatte Ben gehört und betrat nun auch das Wohnzimmer.
"Was ist mit Meg?"
Ben drehte sich zu Sara herum.
"Hast Du Meg heute schon gesehen? Sie wollte vor der Arbeit noch mal hier vorbei schauen."
"Nein," Sara schüttelte Ihren Kopf "hier war sie nicht."
"Ben, das habe ich Dir gerade doch schon gesagt. Sara und ich waren den ganzen morgen zusammen." Derek hatte das Gefühl, das Ben ihm nicht so richtig glauben wollte "Wenn Du willst kannst Du ja das ganze Haus durchsuchen."
In diesen Moment klingelte das Telefon und Derek nahm den Hörer ab
"Evans!" meldete er sich ungeduldig.
"Wir haben etwas, dass Ihnen gehört und Sie haben etwas, was unserem Boss gehört und er will es zurück haben." sagte eine Männerstimme am anderen Ende der Leitung. "Pardon?" Derek war verwirrt.
"Lassen Sie es mich so sagen, Sie haben ein paar Juwelen, die nicht Ihnen gehören, dafür haben wir aber einen ganz besonderen Diamanten hier, der Ihnen gehört."
Derek wurde immer ungeduldiger.
"Tut mir leid, aber ich weiß nicht wovon Sie reden."
"Mein Gott, haben Sie eine lange Leitung!" Nun wurde auch der Anrufer ungeduldig "Wir haben Ihre Freundin und wollen dafür die Deschanel Juwelen wieder. Wir melden uns wieder und geben Bescheid, wann und wo der Austausch stattfinden soll. Und Mr. Evans, keine Polizei, verstanden? Anderenfalls bekommt es Ihre Freundin zu spüren."
Bevor Derek noch irgendetwas erwidern konnte, hatte der Anrufer aufgelegt. Dereks Gesicht war weiß wie eine Wand geworden und er blickte zuerst Sara und dann Ben an. "Ben, ich muß Dich mal alleine sprechen, es ist geschäftlich."
"Derek ich habe jetzt keine Zeit für Deine Geschäfte und will auch nichts davon wissen." Ben drehte sich herum und wollte Dereks Haus verlassen, als dieser ihn packte und in sein Büro schob. Bevor er die Tür hinter sich schloß, drehte er sich zu Sara um.
"Kannst Du uns bitte noch mal frischen Kaffee kochen?"
Verwirrt sah Sara Derek an und nickte. Derek schloß die Tür, nachdem er sicher war, dass Sara in die Küche gegangen war und drehte sich dann zu Ben um.
"Ich weiß was mit Meg passiert ist."
"Ich wußte es doch, dass Du damit zu tun hast." zischte Ben wütend "Wo ist Sie?"
"Das weiß ich leider nicht Ben."
"Wieso weißt Du das nicht? Du sagtest eben, Du wüßtest, was mit Meg passiert ist?" Ben ging auf seinen Bruder zu und packte diesen an den Kragen "Was ist mit Meg, los sag es endlich."
"Ich..." stammelte Derek "ich denke, Sie ist aus Versehen entführt worden."
"Aus Versehen entführt? Wie soll ich das verstehen?"
"Ben, das war eben ein Anruf der Entführer. Sie teilten mir mit, dass Sie meine Freundin haben und Sie gegen etwas eintauschen wollen."
"Du meinst, Sie wollten eigentlich Sara?"
Derek nickte.
"Ich denke schon."
Ben war geschockt.
"Mein Gott Derek, was hast Du nun wieder angestellt? Was wollen die von Dir?" "Juwelen!" antwortete Derek kurz.
"Juwelen? Was für Juwelen? Wir sollten die Polizei anrufen." Ben griff zum Telefon, doch Derek stoppte ihn.
"Nein, keine Polizei, das haben sie ausdrücklich verlangt, anderenfalls wird Meg es zu spüren bekommen."
Ben sah seinen Bruder an
"Na gut, vorerst keine Polizei, aber Du wirst mir nun einiges erklären."
Derek nickte.
"Setz Dich, das wird eine Weile dauern."
Meg
Nachdem die Limousine losgefahren war, holte einer der Männer eine Augenbinde hervor. "Tut mir leid Lady, aber das muß jetzt sein." Er verband Meg die Augen damit. Sie hatte natürlich gehofft, sich merken zu können, wo sie hinfuhren. Nun musste sie sich auf ihr Gefühl verlassen, aber nachdem der Wagen ein paarmal seine Fahrtrichtung geändert hatte, war es unmöglich für sie zu sagen, in welche Richtung Sie sich bewegten. Während der restlichen Fahrt, schwiegen die Männer, und Meg überlegte die ganze Zeit, was sie wohl von ihr wollten.
Plötzlich stoppte die Limousine und der Motor wurde abgestellt.
"So, nun müssen wir ein Stückchen zu Fuß weitergehen." sagte der Mann, der Meg auch die Augen verbunden hatte. Anscheinend war er derjenige, der das sagen hatte. Mit seiner Hilfe stieg Meg aus. Sie versuchte sich auf die Geräusche in Ihrer Umgebung zu konzentrieren, um festzustellen, wo Sie waren. Sie konnte Möwen schreien hören und spürte eine frische Brise auf Ihrer Haut.
"Wir sind irgendwo ganz in der Nähe des Ozeans." dachte Meg. Einer der Männer faßte Meg an Ihrem Arm an und schob sie vorsichtig vorwärts.
"Hier lang!" sagte er knapp. Vorsichtig tastend ging Meg weiter und schon bald verließen sie den Asphalt und gingen durch den Sand. Nach einigen Minuten blieben Sie stehen und die Augenbinde wurde Meg abgenommen. Sie musste einen Augenblick blinzeln, bevor sie erkennen konnte, wo sie war. Sie befanden sich in einer Höhle. In einer Ecke lag eine Luftmatratze und ein Schlafsack. Daneben stand ein Picknickkorb und eine große Taschenlampe.
"Im Korb finden Sie etwas zu Essen und auch noch neue Batterien für die Lampe. Außerdem hat der Boss noch ein paar Bücher mit eingepackt, damit Ihnen nicht langweilig wird." sagte der Mann.
"Sie wollen mich doch nicht hier lassen? Was wollen Sie überhaupt von mir?"
"Wie lange Sie hier bleiben, liegt ganz daran, wie kooperativ Mr. Evans ist." sagte der Mann und ging Richtung Ausgang der Höhle "Und versuchen Sie gar nicht erst zu schreien, es würde Sie doch niemand hören." Er verließ die Höhle und kurze Zeit darauf, wurde ein großer Felsblock vor den Eingang geschoben. Nur ein kleiner Spalt für die Zufuhr von frischer Luft blieb noch.
Am ganzen Laibe zitternd, ging Meg zu der Luftmatratze hinüber und setzte sich darauf. "Oh Ben, ich hoffe Du findest mich schnell." sagte sie laut vor sich hin.
Nachdem Caitlin das Java Web verlassen hatte, machte sie sich auf den Weg ins Krankenhaus. Sie wollte Cole einen Besuch abstatten, doch als sie dort ankam, teilte man ihr mit, daß er schon entlassen worden war. Caitlin war etwas verwirrt, denn Cole hatte ihr nichts von einer Entlassung gesagt, geschweige denn wußte sie, wo er jetzt wohnte. Enttäuscht wollte sie das Krankenhaus wieder verlassen, als ihr im Warteraum eine rothaarige, junge Frau auffiel. Sie erkannte sie sofort, und ihr Magen krampfte sich zusammen. Keine Geringere als Annie Douglas saß dort und blätterte in einer Zeitschrift. Offenbar wartete sie auf jemanden.
Caitlin wollte schon weitergehen, als auch Annie sie erblickte.
„Hallo, Miss Richards ... ich meine Caitlin, wie geht es Ihnen?" Annie lächelte verbindlich, und Caitlin rang sich ebenfalls zu einem Lächeln durch.
"Hallo Annie!"
Annie legte ihre Zeitschrift zur Seite.
"Wenn Sie Cole besuchen wollen ... er wurde gestern morgen entlassen!" Annie lächelte, doch Caitlin spürte den Zynismus in ihrer Stimme.
Sie richtete sich zu ihrer vollen Größe auf.
"Ja, das weiß ich schon," log sie und wich Annies Blick aus. "Ich ... ich wollte nur eine Freundin von mir besuchen, die hier als Krankenschwester arbeitet!"
Annie grinste.
"Ach so - na, dann interessiert es Sie auch sicher nicht, wo er jetzt wohnt?!"
Caitlin fühlte sich ertappt und sah Annie unsicher an.
"Sie wissen, wo er wohnt?"
Annie lachte und stand auf.
"Natürlich!" Sie machte eine Pause und sah Caitlin an. "Er wohnt im Sunset Inn. Sein Vater hat ihm dort ein Zimmer besorgt."
Sunset Inn ... Caitlin hatte es plötzlich furchtbar eilig, sich von Annie zu verabschieden. Sie mußte dringend mit Cole reden! Caitlin war nach dem Kuß von Mark klargeworden, daß sich ihre Gefühle gegenüber Cole verändert hatten. Sie mußte herausfinden, wie er zu ihr stand.
Caitlin verließ das Sunset Memorial. Ihr Weg führte sie zum Sunset Inn, wo sie auf eine Aussprache mit Cole hoffte.
Es herrschte einen Moment eisige Stille in Dereks Büro.
Ben trat ans Fenster und blickte hinaus. Seine Gedanken waren bei Meg.
"Ich hoffe, es geht Dir gut, mein Liebling." dachte er und schloß die Augen für einen Augenblick. "Ich mag gar nicht daran denken, was Sie Dir alles antun können."
Derek beobachtete seinen Bruder. Er machte sich genauso viel Sorgen um Meg, wie Ben. Gleichzeitig dachte er aber auch daran, was wäre, wenn Sie tatsächlich Sara und nicht Meg entführt hätten. Ihm lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn er musste sich eingestehen, dass Sara Ihm mehr bedeutete, als er Anfangs zugeben wollte.
Ben vergrub seine Hände tief in seine Hosentaschen und drehte sich langsam zu Derek herum.
"Ich warte!"
"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich anfangen soll." Derek blickte seinen Bruder an. "Wie wäre es ganz am Anfang, damit ich weiß, warum Du in diesem Schlamassel steckst."
"Okay, aber Du solltest Dich setzten, es ist eine lange Geschichte."
Ben ging zu dem Sofa hinüber und setzte sich.
"Warum habe ich das befürchtet?"
In diesem Augenblick kam Sara mit dem Kaffee herein. Sie stellte das Tablett auf den Schreibtisch ab und sah erst Derek und dann Ben an. Beide machten sehr ernste Gesichter und Sara hatte das Gefühl, das irgend etwas nicht stimmte.
"Was ist los, Derek?" Sie sah ihn fragend an.
Derek zog Sara zu sich heran und küsste sie auf die Wange.
"Ich werde Dir später alles erzählen, aber zuvor habe ich mit Ben zu reden."
Sara sah Ben an.
"Na gut, ich werde Euch am besten alleine lassen. Ich bin auf der Terrasse, wenn Du mich brauchst." Mit einem unguten Gefühl verließ sie das Büro, gleichzeitig darauf hoffend, dass sich die beiden Brüder endlich aussprachen.
Beide Männer sahen Sara nach.
"Oh Gott, wie soll ich es ihr nur erklären?" fragte Derek.
"Vielleicht ist es besser, wenn sie es im Moment noch nicht erfährt. Aber Du solltest endlich anfangen zu reden." Ben sah seinen Bruder erwartungsvoll an.
Derek setzte sich in seinen Sessel hinter dem Schreibtisch.
"Okay, es ist eine lange Geschichte und es begann, kurz nachdem ich nach Sunset Beach kam....."
Derek holte tief Luft und begann zu erzählen.
"Nachdem unsere Eltern vor 12 Jahren verunglückt waren, habe ich mein Erbteil genommen und bin die nächsten drei Jahre durch die Welt gereist. Irgendwann hatte es mich dann hier nach Kalifornien verschlagen. Mir ist dann eine Zeitung in die Finger gekommen, in der ein Artikel über einen jungen erfolgreichen Geschäftsmann stand, der zwei Jahre zuvor von England nach Sunset Beach gekommen war. Daneben war ganz groß ein Bild von Dir.
Tja, was soll ich sagen, ich war ja schon immer eifersüchtig auf das, was Du hattest.
So bin ich dann nach Sunset Beach gekommen. Hier angekommen, mußte ich feststellen, dass Du schon eine Reihe Freunde hier hattest. Zu allem Überfluss habe ich dann auch noch im Sentinal gelesen, dass Du Dir gerade eine Segelyacht hast bauen lassen und sie gerade auf den Namen 'Mariah' hast taufen lassen."
Derek machte eine kurze Pause
"Und was hat das alles mit Megs Entführung zu tun?" wollte Ben ungeduldig wissen. "Dazu komme ich jetzt gleich. Nun wie gesagt, ich war ja immer schon eifersüchtig auf die Dinge, die Du hast, und ich nicht. Ich wollte also auch eine Segelyacht haben und habe mich im Hafen danach umgesehen. Dort habe ich eine alte, etwas heruntergekommene Yacht entdeckt, und als ich mich umhörte, ob die zu verkaufen sei, erzählte mir ein Fischer, dass auf diesem Boot ein Fluch läge und es daher nicht zu verkaufen sei. Tja und was soll ich sagen?" grinste Derek "Alles was verboten ist, reizt mich umso mehr. Also habe ich mich eines Nachts auf die Yacht geschlichen und habe mich dort umgesehen. Unter Deck ist mir dann ein kleines Mißgeschick passiert, die Dielenbretter sind unter mir eingebrochen. In diesem Loch habe ich dann etwas sehr Interessantes gefunden. Es war einen alten Koffer. Ich habe diesen Koffer mit nach Hause genommen und dort habe ich das Schloss geknackt und darin zwei Schatullen mit Diamanten und einen kleinen Kasten mit sehr vielen, wunderschönen Juwelen gefunden. Ich habe den Koffer dann in meinem Haus, im Safe, versteckt. Dort hat er die nächsten Jahre gelegen, bis das Geld von Vater und Mutter aufgebraucht war. Ich habe dann einen Teil der Diamanten in Europa verkauft und mir davon dann das Deep gekauft. Leider gingen die Geschäfte nicht so gut, wie ich dachte, und ich hatte auch ein paar Fehlinvestitionen an der Börse gemacht. Kurz und gut, zwei Jahre später habe ich die restlichen Diamanten und vor einem halben Jahr habe ich ein besonders schönes Stück aus der Juwelencollektion verkauft. Irgendwie muss dann der rechtmäßige Besitzer davon Wind bekommen und mich hier in Sunset Beach aufgespürt haben."
Ben hatte schweigend zugehört.
"Und weißt Du, wem die Juwelen gehören?"
"Ich denke ja." Derek machte eine Pause "Es sind die Deschanel Juwelen."
"Du meinst A.J. Deschanel hat Meg?" Ben sprang hoch.
Derek nickte.
"Ja. Ben, es tut mir leid, ich wollte das wirklich nicht."
"Aber was ich immer noch nicht begreife, wieso haben sie Meg und nicht Sara entführt?" Derek überlegte einen Augenblick.
"Nun, ich habe die Diamanten und Juwelen natürlich unter einem falschen Namen verkauft. Ich denke, der Käufer muss Mr. Deschanel eine genaue Personenbeschreibung von mir gegeben haben. Tja und da Du Derjenige von uns beiden ist, der ständig in der Zeitung abgebildet ist, hat er wahrscheinlich Dich für mich gehalten."
"Das wäre natürlich eine Möglichkeit." überlegte Ben. "A.J. ist ja hier in Sunset Beach und die Firma seines Sohnes arbeitet für die Liberty Corporation, aber persönlich sind wir uns noch nicht begegnet."
Derek leerte seine Kaffeetasse.
"Vielleicht weiß er noch nicht einmal, das ich noch einen Zwilling habe."
"Anzunehmen," stimmte Ben zu. "und ich denke, wir sollten auch vermeiden, dass er das erfährt. So ist Sara vielleicht in Sicherheit. In der Zwischenzeit werde ich versuchen, Meg zu finden."
Derek sah seinen Bruder an.
"Ben, ich würde Dir gerne dabei helfen. Schließlich ist es ja irgendwie meine Schuld und Meg sollte nicht darunter leiden."
Ben überlegte einen Augenblick und musterte Derek dabei. Scheinbar war er wirklich um Meg besorgt. Und er selbst konnte dringend Hilfe gebrauchen.
"Nun gut, aber nur, wenn Du mir versprichst, nicht den Helden zu spielen und keinen Alleingang zu unternehmen."
"Versprochen!" sagte Derek. "Nun habe wir aber noch ein Problem. Was sagen wir Sara?" "Tja," seufzte Ben "das wird nicht einfach werden, aber wir können es nicht vor Ihr verheimlichen."
"Nein," stimmte Derek zu "die beiden sind sich so nahe. Sie würde sofort merken, wenn etwas nicht stimmt."
"Am besten reden wir zusammen mit ihr." schlug Ben vor.
"Danke Ben, danke fürs Zuhören und dass Du mich helfen läßt. Ich hätte es Dir nicht einmal übel nehmen können, wenn Du abgelehnt hättest."
"Nun, ich denke, wenigstens dieses eine Mal sollten wir uns wie Brüder verhalten und uns helfen." erklärte Ben "Und nun hol bitte Sara her, damit wir mit ihr reden können."
Sara lief nervös im Wohnzimmer auf und ab, als Derek sie endlich zu sich rief. Unsicher betrat sie den Raum und sah Ben fragend an. Als er ihrem Blick auswich suchte sie Augenkontakt zu Derek, doch auch er sah nur zu Boden.
"Was ist hier los?" fragte Sara. Sie fühlte die Spannung im Raum, und ein Gefühl von Angst beschlich sie. "Eine Verschwörung?"
Dereks Erstarrung löste sich, und er sah sie an.
"Setz' Dich! Was wir Dir zu sagen haben, ist nicht ganz einfach zu verstehen!"
Saras Anspannung wuchs, und sie schüttelte den Kopf.
"Nein, ich will lieber stehenbleiben!"
Derek seufzte und Ben ging zu Sara hinüber und legte seine Hand auf ihre Schulter.
"Du solltest Dich wirklich besser setzen!"
Erstaunt sah sie ihn an, setzte sich dann aber auf einen freien Stuhl. Gespannt sah sie die Brüder an. Derek wechselte einen kurzen Blick mit Ben und holte dann tief Luft.
"Meg wurde entführt!" stieß er hervor.
Ben warf seinem Bruder einen verständnislosen Blick zu.
"Hättest Du Ihr das nicht ein bisschen schonender beibringen können, Derek!" Er sah Sara besorgt an. Jegliche Farbe war aus ihrem Gesicht verschwunden.
"Ent - führt?" stammelte sie und ihre Augen suchten Derek, der ihrem Blick jedoch auswich. Da er anscheinend vollkommen die Sprache verloren hatte und wie geistesabwesend dastand, übernahm es Ben, Sara über Dereks Vorleben und Megs Entführung aufzuklären. Während er ihr alles von den Deschanel Juwelen erzählte, saß Sara nur da und starrte auf den Fußboden. Nachdem Ben seine Erzählung beendet hatte, stand Sara langsam auf und ging zu Derek hinüber. Ihr Blick war wie versteinert.
"Es ist alles Deine Schuld!" presste sie unter Tränen hervor, ehe sie mit der Hand ausholte und ihm eine Ohrfeige verpaßte.
Für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Seine Gesichtszüge verschwammen jedoch plötzlich vor ihren Augen, und der Boden schien sich unter ihr aufzutun.
Ohnmächtig sank Sara vor Dereks Füssen zu Boden.
Casey stand auf seinen Rettungsturm und beobachtete das Geschehen am Strand und im Wasser. Immer wenn er von weitem eine junge Frau mit langen, seidigen und schwarzen Haar sah, mußte er an Rae denken. Er vermisste sie so sehr und wünschte sich, sie würde noch einmal vor ihm stehen und ihn mit ihren wunderschönen, dunklen, mandelförmigen Augen ansehen. Dann würde er nicht zögern und sie in seine Arme nehmen und küssen. Er würde ihr sagen, wie sehr er sie vermisst hatte und das er sie liebte. Und er würde sie bestimmt nicht wieder gehen lassen.
Casey war ganz in seinen Gedanken versunken, dass er gar nicht bemerkte, wie Michael seinen Turm betreten hatte.
"Erde an Casey." sagte Michael und holte Casey damit in die Realität zurück.
"Hi Michael, ich habe Dich gar nicht kommen sehen."
"Das habe ich bemerkt." grinste Michael, wurde dann aber gleich ernst.
"Sag mal, habe ich das eben im Hauptquartier richtig mitbekommen, dass Du heute schon wieder eine Doppelschicht schieben willst?"
"Ja das stimmt." nickte Casey.
Michael sah ihn besorgt an.
"Übertreib es ja nicht, Buddy."
"Keine Angst," meinte Casey, "ich passe schon auf mich auf."
„Bist Du Dir da sicher?" Michael war besorgt um seinen Freund. Seit Rae Sunset Beach verlassen hatte, hatte Casey sich wie ein Verrückter in seine Arbeit gestürzt. Er schob eine Doppelschicht nach der anderen und gönnte sich kaum eine Pause.
"Casey, ich weiß, Du vermisst Rae, aber Du musst auch an Dich denken. Du nützt keinem etwas, wenn Du zusammenbrichst."
"Danke für Deine Fürsorge Michael, aber im Moment ist Arbeit die beste Ablenkung für mich." Casey nahm erneut das Fernglas in die Hand und begann den Strand zu beobachten.
"Vielleicht sollten wir heute Abend mal wieder was zusammen unternehmen?" schlug Michael vor. "Wir können ja auch noch den Rest von der Surf Central Clique fragen, es kommen bestimmt einige mit."
"Wer denn?" fragte Casey ein wenig sarkastisch. "Meg verbringt den Abend bestimmt wieder mit Ben, Sara ist ausgezogen, Tiff zieht es immer mehr zu den Richards, tja und Gabi scheint sich zum Glück ja auch wieder mit Ricardo ausgesprochen zu haben. Nein Michael, es ist nett gemeint, aber ich werde heute Abend im Hauptquartier den ganzen Papierkram aufarbeiten.
"Okay," Michael zuckte mit den Schultern "Du musst es wissen, aber ich werde da sein, falls Du mich brauchst."
"Danke Michael, ich weiß das zu schätzen."
"Hey Buddy," Michael lächelte und schlug Casey freundschaftlich auf den Rücken "dazu sind Freunde doch da. Allerdings muss ich jetzt auf meinen Turm, bis später."
"Bye" Casey sah Michael nach, wir er den Strand in Richtung seines Rettungsturms entlang ging. Er seufzte auf. Im Grunde hatte sein Freund ja recht, aber im Surf Central fühlte er sich zur Zeit einfach nicht sehr wohl.
Dereks Erstarrung löste sich und er kniete neben Sara nieder und hob ihren Kopf. Ben, der die ganze Zeit in der anderen Ecke gestanden und die Szene beobachtet hatte, beugte sich ebenfalls zu Sara hinunter.
"Wir müssen sie nach nebenan bringen!" sagte er und sah Derek an. Dieser nickte, hob Sara hoch und brachte sie ins Wohnzimmer. Vorsichtig legte er sie auf dem Sofa ab. Ben ging in die Küche und holte einen nassen Lappen, den er Sara auf die Stirn legte. Derek sah ihn dankbar an. Er tätschelte leicht Saras Wangen, und langsam öffnete sie ihre Augen und sah ihn an. Derek sah schnell zu Ben hinüber und dann wieder zu Sara.
"Es tut mir alles so schrecklich leid!" stieß er dann hervor. "Ich würde es gerne ungeschehen machen, aber das kann ich nicht!" Er wandte sich ab und Sara spürte seine Verzweifelung.
Ben räusperte sich.
"Ich lasse Euch jetzt alleine, damit Ihr in Ruhe alles besprechen könnt!" Er drehte sich um und schloß vorsichtig die Eingangstür hinter sich. Derek sah Sara an, und sie streckte die Hand nach ihm aus. Vorsichtig berührte sie seine Wange.
"Es tut mir leid! Ich weiß nicht, was plötzlich in mich gefahren ist, Dich zu schlagen, aber ...!" Sie unterbrach sich und sah ihn an.
"Ich habe es wohl nicht anders verdient!" sagte er bitter und erwiderte ihren Blick. "Jetzt holt mich meine Vergangenheit wieder ein, und andere Menschen müssen darunter leiden!"
Sara setzte sich auf.
"Ich kann einfach nicht glauben, daß Meg entführt wurde!" sagte sie mit tränenerstickter Stimme. Derek nahm sie in den Arm. Er wußte zwar noch nicht wie, aber er würde alles in seiner Macht stehende tun, um Meg zu befreien!
"Mach' Dir bitte keine Sorgen," sagte er, "wir werden sie finden und heil nach Sunset Beach zurückbringen!"
Sara nickte und wischte mit dem Handrücken über ihr Gesicht. Ein Gedanke schoß ihr plötzlich durch den Kopf.
"Ich muß es meinen Eltern sagen!"
Derek schüttelte den Kopf.
"Nein!" sagte er schnell. "Jetzt noch nicht. Sie werden dann die Polizei einschalten, und dann ist Megs Leben keinen Pfifferling mehr wert!" Er sah, wie Sara entsetzt die Augen aufriß und nahm sie wieder in den Arm. "Beruhige Dich! Soweit wird es nicht kommen, wenn Ben und ich die Sache in die Hand nehmen!" Er stand auf und sah Sara an. "Ich gehe jetzt zu Ben, um alles weitere mit ihm zu besprechen. Kommst Du ohne mich klar?" Sara nickte und stand ebenfalls auf.
"Ja, ich komme schon klar. Mach' Dir um mich keine Sorgen - denk' lieber an Meg!" Derek zog Sara in seine Arme und gab ihr einen Kuß. Dann machte er sich eilig auf den Weg zu Bens Haus.
Während Ben auf seinen Bruder wartete, rief er einen alten Freund von sich an.
"Hi Sam, ich bin es, Ben." Er lauschte was dieser am Telefon zu ihm sagte. "Ja, es ist wirklich schon verdammt lange her. Sam, ich brauche dringend Deine Hilfe." Wieder machte er ein Pause und hörte zu. "Nein, es ist zu gefährlich, Dir das am Telefon zu erklären." Ruhelos wanderte Ben auf und ab. "Großartig. Wann kannst Du hier sein?"
Ben blickte auf seine Uhr. "Soll ich Dich abholen? Nein auch gut. Bis dann."
Erleichtert legte er den Hörer auf.
"So Mr. Deschanel, wir wollen doch mal sehen, wer dieses Spiel gewinnt. Es ist noch niemanden gut bekommen, sich mit einem Evans anzulegen." Er schaltete seinen Computer ein und loggte sich ins Internet ein. "Mal sehen, was wir so über Dich herausfinden können."
Ben stand auf und öffnete den versteckten Safe in seinem Wohnzimmer. Aus einem Geheimfach, das in den Safe eingebaut war, nahm er einen dünnen Aktenordner und kehrte damit an seinen Schreibtisch zurück. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich das noch mal brauchen würde." sagte er zu sich selber und sah eine Reihe Zahlen durch, bis er das gefunden hatte, wonach er gesucht hatte. Er rief eine Webseite auf und gab das Passwort ein, nachdem er soeben gesucht hatte.
Nach wenigen Augenblicken wurde die gewünschte Seite aufgerufen.
"So, jetzt wollen wir doch mal sehen, was wir so alles über Dich finden können." Ben gab den Namen Armando Deschanel Junior ein und wenige Augenblicke später hatte er eine Menge Informationen. Er schaltete seinen Drucker ein und druckte alles aus. Währendessen nahm er den Aktenordner und versteckte diesen wieder im Tresor.
Er war gerade damit fertig, als es an der Tür klingelte.
Ben öffnete und ließ seinen Bruder hinein
"Wie geht es Sara?"
"Besser denke ich." Derek sah bedrückt zu Boden "Glaube mir Ben, ich wollte nicht, dass das passiert."
"Nun, wir können nur hoffen, dass wir alles zum Guten wenden können. Ich habe inzwischen schon etwas in die Wege geleitet und ein paar Informationen eingeholt. Das solltest Du Dir mal ansehen." Ben führte Derek in sein Büro. "Wo ist Sara jetzt eigentlich?"
"Zu Hause." antwortete Derek knapp.
"Gut," sagte Ben "vorsichtshalber sollte sie vorläufig das Haus nicht mehr alleine lassen." "Glaubst Du wirklich, sie lässt sich einsperren?" Derek sah Ben entsetzt an.
"Nein," Ben schüttelte seinen Kopf "so habe ich das auch nicht gemeint, aber wir sollten jemanden als ihren Bodyguard einstellen."
"Ein Bodyguard? Ben, Du denkst doch nicht wirklich, das Sara einem Bodyguard zustimmen würde?" Derek kannte Sara inzwischen gut genug, um zu wissen, das Sie dazu niemals ihre Einwilligung geben würde.
"Nun, um ehrlich zu sein, ich wollte Sara gar nichts davon sagen. Ich habe schon Kontakt zu jemanden aufgenommen, der morgen mit seinen Leuten hier sein wird, dann sehen wir weiter. Nun solltest Du Dir aber erst einmal dieses hier ansehen." Er reichte Derek die Papiere, die er eben ausgedruckt hatte. Derek sah es sich erstaunt an.
"Wie kommst Du denn an diese Informationen? Ben, ich glaube, Du hast mir auch so einiges zu erklären."
Ben nickte
"Ich denke, Du hast recht. Setzt Dich besser hin, denn es ist eine komplizierte Geschichte. Das ganze hatte angefangen, als ich vor mehr als 15 Jahren in der Marine eingetreten bin...."
Ben wollte gerade anfangen seine Geschichte zu erzählen, als Ihm noch etwas einfiel "Sag mal Derek, was ist eigentlich, wenn die Entführer jetzt noch mal anrufen und Sara ans Telefon geht?"
"Keine Angst," beruhigte Derek Ben. "Ich habe die Anrufumleitung eingeschaltet und Sara ausdrücklich gesagt, dass Sie nicht ans Telefon gehen soll. Alle Anrufe werden auf mein Handy umgeleitet."
"Gut." Ein wenig erleichtert sah Ben Derek an.
"Und nun spann mich nicht länger auf die Folter, erzähle weiter." forderte Derek seinen Bruder auf.
Ben setzte sich und begann erneut.
"Nun, Du weißt ja, dass ich gerade 18 war, als ich in der Marine eingetreten bin."
"Ja und wieder einmal warst Du Vaters ganzer Stolz." warf Derek ein.
"Mag schon sein," stimmte Ben zu "aber im Nachhinein gesehen, hätte ich es nicht tun sollen, vielleicht würden Mutter und Vater dann noch leben."
Verwirrt sah Derek seinen Bruder an.
"Wie meinst Du denn das? Sie starben doch bei einem Autounfall."
"Warte noch einen Augenblick, dann wirst Du es verstehen und mich vielleicht mehr hassen denn je." Ben holte tief Luft und fuhr dann fort. "Etwa ein Jahr, nachdem ich in die Marine eingetreten bin, wurde ich vom Geheimdienst angeworben."
"Willst Du mir erzählen, Du warst ein Geheimagent, so was wie 007?" Derek war sprachlos.
"Ja, sowas in der Art. Nur ist es in der Realität ganz anders wie im Film." Ben machte eine kurze Pause und schloss die Augen. "Ich war damals gerade dabei, gegen ein paar Leute der IRA zu ermitteln, als der 'Unfall' von Vater und Mutter passierte. Ich wünsche mir noch heute, dass ich an diesem Tage zu Hause gewesen wäre, dann wäre das ganze vielleicht nicht passiert. Das Auto von Vater sprang an diesem Morgen nicht an und die beiden beschlossen, mein Auto zu nehmen. Leider wurde, wie wir später festgestellt haben, die Bremsen an dem Wagen manipuliert und so..."
"Mein Gott Ben, willst Du mir etwa erzählen, dass das eigentlich ein Anschlag auf Dich war und kein Unfall?" Derek war geschockt.
Ben stand auf und sah einen Moment aus dem Fenster. Als er sich wieder zu Derek umdrehte, liefen ihm die Tränen über die Wangen.
"Ja und somit bin ich am Tod von unseren Eltern Schuld. Währe ich nicht in die Marine eingetreten und hätte mich vom Geheimdienst anheuern lassen, dann würden Vater und Mutter noch leben."
Derek wusste nicht was er denken sollte. Noch gestern hätte er Ben dafür gehasst, aber heute waren Sie sich so nahe, wie seit Ihrer Kindheit nicht mehr gewesen und er hatte gerade am eigenen Leib erfahren, wie sich aus einem scheinbaren kleinen Fehltritt plötzlich etwas Grosses entwickeln konnte. Er selber hatte ja auch nicht gewollt, dass Meg entführt wurde und nun darunter leiden musste, dass er vor vielen Jahren die Juwelen an sich genommen hatte.
Derek stand auf und ging zu seinem Bruder hinüber. Er blieb vor Ben stehen.
Ben war darauf gefasst, dass Derek nun zuschlug und schloss erneut die Augen.
Zu seiner Überraschung aber umarmte ihn sein Bruder.
"Mein Gott Ben, so wie ich Dich kenne, machst Du Dir noch heute Vorwürfe."
Ben nickte nur, denn ein dicker Kloß blockierte seine Kehle.
"Und bist Du immer noch beim Geheimdienst tätig." wollte Derek nun wissen.
"Nein!“ Ben schüttelte seinen Kopf. "Ein Jahr später hatten wir die Täter geschnappt und ich habe meinen Dienst quittiert. Bis heute hatte ich seit dem keinen Kontakt mehr zu irgendjemand von damals."
"Und nun hast Du ein paar von Deinen alten Freunden angerufen?"
"Nur einen, den Besten, und der ist bereits auf den Weg hierher." antwortete Ben.
Casey stand wieder auf seinem Aussichtsturm und schaute mit dem Fernglas auf das bunte Treiben am Strand.
Plötzlich stutzte er. Eine junge Frau mit langen, dunklen Haaren lief direkt auf den Wachturm zu.
"Rae" schoß ihm durch den Kopf, doch als er näher hinsah, erkannte er Gabi. Offenbar wollte sie zu ihm. Casey legte das Fernglas zur Seite und kletterte nach unten
"Hi, Gabi!" begrüßte Casey sie, als sie ihm gegenüber stand.
"Hi Case ...!" Gabi schluckte und sah ihn an. "Können wir ungestört reden?"
Casey nickte irritiert.
"Ja, Michael ist schon ins Surf Central gegangen. Warum?" Neugierig sah er sie an.
Gabi seufzte.
"Ich will Ricardo die Wahrheit über uns erzählen!"
Casey hob entsetzt den Kopf.
"Du willst ihm erzählen, daß wir miteinander geschlafen haben?"
Gabi nickte.
"Er wird Dich dafür hassen!" stellte Casey nüchtern fest und fügte schnell hinzu. "und mich umbringen!"
Gabi sah ihn verzweifelt an.
"Was soll ich denn sonst tun?" fragte sie kläglich. "Wir waren immer ehrlich zueinander, und nun steht diese Lüge zwischen uns ..." Ich kann so nicht weitermachen, Casey!" Sie sah ihn eindringlich an, und er schüttelte den Kopf.
"Das ist keine so gute Idee ...!"
Gabi atmete tief durch.
"Ich muß es tun - tut mir leid!" Sie drehte sich ein letztes Mal zu ihm um. "Ich muß zurück ins Krankenhaus." Dann lief sie, so schnell sie konnte, den Strand entlang.
Casey sah ihr besorgt hinterher und ging dann wieder zurück zu seiner Aussichtsstelle. Keiner der beiden bemerkte die Gestalt, die nur ein paar Meter entfernt, hinter Palmen verborgen stand und sie neugierig beobachtete.
Mona
Nachdem Ricardo sicher war, daß er nicht gesehen worden war, kam er aus seinem Versteck heraus. Nachdenklich lief er den Strand entlang. Er hatte Gabi während ihrer Mittagspause besuchen wollen, doch im Krankenhaus war sie nicht und als er beim Surf Central vorbeifuhr, erzählte ihm Michael, daß sie wohl gerade zum Strand gegangen war. Er war dann ebenfalls den Strand entlanggelaufen, in der Hoffnung, sie noch zu erwischen. In weiter Entfernung sah er sie dann auch und wollte schon ihren Namen rufen, als er sah, wie sie den Weg zum Rettungsturm einschlug.
Ricardo war neugierig, was sie da wollte und versteckte sich, um nicht gesehen zu werden. Er sah dann, wie sich Gabi und Casey unterhielten. Verstehen konnte er nichts, dafür war er zu weit entfernt, aber an Gabis Miene und Gestik konnte er erkennen, daß sie offenbar verzweifelt war. Auch Casey wirkte irgendwie bedrückt, fiel Ricardo auf. Welches Geheimnis teilten die beiden miteinander?
Während Ricardo weiter den Strand entlanglief, fragte er sich das pausenlos! Vielleicht machte Gabi die Sache mit Paula immer noch zu schaffen, rätselte er. Aber nachdem sie sich ausgesprochen hatten, war doch alles zwischen ihnen geklärt gewesen.
Ricardo schüttelte den Kopf. Nein, es mußte einen anderen Grund geben, warum sie so unglücklich war - aber welchen nur? Und warum suchte sie Rat bei Casey und nicht bei ihm? In Ricardos Kopf schwirrte es, und er beschloß, Gabi beizeiten danach zu fragen. Plötzlich kam ihm eine Idee! Vielleicht könnte ihm seine Mutter dabei behilflich sein, herauszufinden, was Gabi fehlte. Madame Carmen, die Hellseherin, hatte ihm schon so oft die Zukunft gedeutet. Möglicherweise wußte sie diesmal auch Rat.
Entschlossen machte sich Ricardo auf den Weg zu seiner Mutter.
Mona
Ben löste sich aus seiner Erstarrung.
"Genug jetzt von den alten Zeiten, es wird Zeit das wir uns um Mr. Deschanel kümmern und vor allem Meg wieder bekommen."
"Du hast recht." stimmte Derek zu. "Dann wollen wir doch mal sehen, was Du bis jetzt herausgefunden hast." Er nahm die Papier, die Ben ihm zuvor gegeben hatte zur Hand und begann diese zu studieren. Als er auf der zweiten Seite angelangte stutzte er.
"Das ist ja interessant, ich wusste doch gleich, sie führt etwas im Schilde."
"Wer?" fragte Ben verwirrt. Derek drehte das Blatt zu Ben herum, auf dem das Bild einer jungen Frau zu sehen war.
"Seine Tochter, Jade Sheridan, ich bin ihr schon ein paar mal begegnet."
"Wirklich?" Ben zog die Stirn in Falten "Wo denn?"
"Nun, das erste mal kam Sie ins Deep und hat ein Gespräch mit mir begonnen." Derek machte eine Pause und dachte an den Abend zurück. "Dann musste ich einen Anruf in meinem Büro entgegen nehmen und als ich wieder in die Bar zurückkam, war sie wie vom Erdboden verschwunden."
"Merkwürdig!" sagte Ben.
"Ja, jetzt im Nachhinein finde ich das auch. Dann hatte ich noch eine Begegnung am Strand mit ihr. Das heißt, ich war joggen und plötzlich lag sie dort vor mir und auch dann hat sie sich wieder ein wenig eigenartig verhalten. Ich denke Sie wollte mich wahrscheinlich ausspionieren." meinte Derek und verschwieg wohlweißlich, wie sehr er mit Jade geflirtet hatte.
"Das denke ich auch." stimmte Ben zu.
In diesem Moment klingelte Dereks Handy. Er zog es aus seiner Tasche und nahm das Gespräch entgegen
"Evans"
"Nun Mr. Evans, vermissen Sie Ihren Juwel jetzt?"
"Wo ist Sie?" fragte Derek.
"Alles zu seiner Zeit." antwortete der Mann am Telefon "Sind Sie nun bereit mit uns zusammen zu arbeiten und die Juwelen zurück zugeben?"
"Ich will erst mit meiner Freundin sprechen, ich will von Ihr selber hören, wie es Ihr geht."
"Nun gut, das ist jetzt nicht möglich, aber ich werde mich in Kürze wieder melden und dann können Sie sie sprechen." und schon hatte der Anrufer wieder aufgelegt.
Derek sah Ben an.
"Das waren die Entführer. Sie wollen sich in Kürze nochmal melden und mich dann mit Meg reden lassen. Irgendwie müssen wir Sie warnen, dass Sie mit Sara verwechselt wurde."
"Ja, und hoffentlich verrät Sie sich nicht schon vorher."
Meg
Unruhig lief Meg in der Höhle auf und ab. Sie war nun schon ein paar Stunden hier, wusste aber noch immer nicht warum. Sie vermisste Ben und wünschte sich nichts sehnlicher, als in seinen starken Armen zu liegen.
Seufzend ließ sie sich auf die Luftmatratze fallen. Ihr Blick fiel auf den Picknickkorb und plötzlich fing Ihr Magen an zu knurren.
"Du solltest ruhig etwas essen, Meg Cummings" sagte sie laut zu sich selber. "Du brauchst all Deine Kräfte, irgendwie musst Du doch hier herauskommen." Sie öffnete den Picknickkorb und begann ihn auszupacken. Sie fand eine Flasche Mineralwasser, eine Thermoskanne mit Kaffee, ein paar Sandwiches und ein paar Äpfel und Bananen. Sie goss sich eine Tasse Kaffee ein und nahm sich ein Sandwich. Meg genoss den heißen Kaffee, und auch das Sandwich war nicht schlecht. Als sie das Sandwich gegessen und den Kaffee getrunken hatte, nahm sie eins der Bücher in die Hand.
"Na toll, auch noch ein Krimi." seufzte Meg. Sie hatte gerade angefangen zu lesen, als Sie plötzlich Geräusche am Höhleneingang hörte. Sie legte das Buch zur Seite und hielt den Atem an. Wenige Augenblicke später standen ihre beiden Entführer wieder vor ihr. "Zeit, einen Anruf zu machen, Lady." sagte der eine Mann "Aber versuchen Sie keine Tricks, kein Wort darüber wo Sie sind. Verstanden?"
Meg nickte. Der Mann holte ein Handy aus seiner Jackentasche und wählte.
"Ich bin es und hier ist jemand, der Sie sprechen will." Er reichte das Telefon an Meg weiter. Sie öffnete den Mund um etwas zusagen, als sie auch schon eine Stimme hörte "Hallo SARA mein Schatz, ich hoffe es geht Dir gut."
Meg war ein wenig verwirrt.
"Wieso ist Derek am Telefon und nicht Ben" schoss es ihr durch den Kopf "und warum nennt er mich so betont Sara?"
Derek sprach weiter.
"Mir und Deiner Schwester Meg geht es gut, bist Du in Ordnung?"
"Ja," brachte Meg hervor "mir geht es gut."
"Halte durch, Du wirst bald wieder bei uns sein."
"Das reicht!" Der Mann nahm Meg das Telefon wieder ab und sprach hinein.
"Nun habe Sie sie gehört, der Boss wird sich bei Ihnen melden." Und damit legte er auf. Er drehte sich zu Meg um.
"Brauchen Sie noch etwas?" Meg schüttelte ihren Kopf.
"Gut, wir werden morgen wieder nach Ihnen sehen." sagte der Mann und sie verließen die Höhle. Wenige Augenblick war der Eingang wieder versperrt.
Meg saß verwirrt auf der Luftmatratze und dachte über das kurze Gespräch mit Derek nach.
Plötzlich ging Ihr ein Licht auf.
"Mein Gott, sie wollten Sara entführen und haben stattdessen mich erwischt!"
Carmen Torres' Häuschen lag etwas versteckt inmitten einer Palmenlandschaft.
Ricardo öffnete die Tür und trat zögernd ein.
"Mutter!" rief er. "Bist Du da?" Er schaute sich im Raum um.
"Komm' nur!" erklang die Stimme seiner Mutter aus dem Nebenraum. "Ich habe Dich schon erwartet!"
Ricardo zog den Vorhang zur Seite und betrat einen kleinen, dunklen Raum. Carmen saß an einem runden Tisch inmitten des Raumes, und um sie herum standen überall brennende Kerzen. Vor ihr auf dem Tisch befand sich eine Glaskugel, und daneben hatte sie ihre Karten ausgelegt.
Unsicher kam Ricardo näher.
"Du hast mich erwartet?" fragte er ungläubig. Sie lächelte und machte eine Handbewegung, daß er Platz nehmen sollte.
"Ja, ich verspürte in der letzten Zeit negative Schwingungen, wenn ich meine Karten für Dich legte." Sie sah ihn mit einem durchdringenden Blick an. "Da ist etwas zwischen Dir und Gabi, nicht wahr?" Sie wartete seine Antwort nicht ab, sondern schloß gleich die Augen und legte ihre Hände auf ihre magische Kugel. "Wann ist ihr Geburtstag?"
Ricardo kratzte sich am Kopf.
"Am 15. März, wieso?"
Carmen hielt ihre Augen weiter geschlossen. Sie fuhr mit ihren Händen um die Kugel herum und fiel in eine Art Trancezustand. Gebannt verfolgte Ricardo jede ihrer Bewegungen.
Carmen öffnete plötzlich ihre Augen und sah Ricardo an.
"Was hast Du gesehen?" fragte er neugierig.
Sie schüttelte den Kopf.
"Nichts klares. Es ist alles verschwommen, undeutlich, aber ich verspürte plötzlich einen tiefen Schmerz ...!" Sie runzelte die Stirn. "Sie hat großen Kummer, und es hat mit ..." Sie unterbrach den Satz und sah Ricardo prüfend an. "...mit Dir zu tun!"
Ricardo schluckte.
"Mit mir?" fragte er überrascht.
Carmen nickte.
"Ja, als ich versuchte, dem Grund ihres Kummers auf die Spur zu kommen, da sah ich Dich ganz deutlich in der Kugel ...!"
Ricardo fuhr sich nervös durchs Haar.
"Du solltest mit ihr reden!" sagte Madame Carmen bestimmt. "Ich bin mir sicher, daß sich dann alles klären wird!"
Ricardo stand auf und umarmte seine Mutter.
"Danke! Ich werde heute Abend mit Gabi reden." versprach er. Er gab seiner Mutter einen Kuß auf die Wange und verließ das Häuschen.
Madame Carmen sah ihm nachdenklich hinterher. Sie hatte ihm verschwiegen, daß sie noch ein anderes Gesicht in der Kugel gesehen hatte - das Gesicht eines unbekannten Mannes! Ihr Gefühl sagte ihr, daß zwischen diesem Mann und Gabi eine Verbindung bestand, nur welcher Art, das war ihr nicht ganz klar. Sie würde noch einmal die Karten danach befragen. Auf jeden Fall bedeutete dieser Mann Ärger.
Sie seufzte. Jetzt brauchte sie erst einmal eine Stärkung. Sie stand auf und ging nach nebenan, um sich einen Kaffee zu holen.
Nervös tigerte Derek durch Bens Wohnzimmer, als sein Handy plötzlich klingelte.
"Die Entführer!" schoß ihm durch den Kopf, und er machte Ben ein Zeichen, daß er mithören sollte. Die Stimme, die sich dann jedoch am Handy meldete, war eindeutig weiblich und gab sich dann als Joan Cummings zu erkennen.
Derek atmete erleichtert auf.
"Hallo Joan" begrüßte er sie freundlich.
"Derek ... Hallo! Kann ich wohl mal Sara sprechen, ist sie da?"
Derek räusperte sich und sah hilfesuchend zu Ben hinüber. Dieser schüttelte den Kopf. Auf keinen Fall durften Sara und Megs Eltern von der Entführung erfahren!
"Sie ist ... unter der Dusche," log Derek.
Joan ließ sich jedoch nicht abschütteln.
"Na gut, dann kann sie mich ja nachher mal anrufen. Das wird ja wohl nicht ewig dauern!"
Derek schloß die Augen.
"Nein, sicher nicht. Ich sage ihr, daß Sie angerufen haben!"
"Danke!" sagte Joan nur knapp und legte auf.
Derek ließ das Handy sinken. Er sah Ben an.
"Verdammt ... Ich muß Sara bescheid geben, daß sie ihre Mutter anrufen soll!"
Er seufzte. "Die Frau ist nicht dumm ... sie riecht förmlich, wenn etwas mit ihren Kindern nicht in Ordnung ist."
Ben mußte unwillkürlich schmunzeln, als er an Joan dachte.
"Ja," bestätigte er, "sie hat irgendwie den 6. Sinn! Es wäre vielleicht gut, wenn Sara mit ihr reden und sagen würde, daß alles okay ist."
Derek nickte und machte sich auf den Weg zu seiner Wohnung.
Mona
Als Derek das Haus betrat, fand er es verlassen vor. Er ging die Treppe nach oben und rief nach Sara, doch er bekam keine Antwort. Sie hatte offenbar das Haus verlassen! Wütend nahm Derek ein Kissen und warf es gegen die Wand. Wieso mußte sie immer genau das Gegenteil von dem tun, was er von ihr erwartete!
Mißmutig ging er wieder die Treppe hinunter, um nachzuschauen, ob Sara ihm wenigstens eine Nachricht hinterlassen hatte, wohin sie gegangen war, als sich die Tür öffnete und sie verschwitzt und schweratmend vor ihm stand.
"Wo kommst Du her?" herrschte er sie an.
"Ich war joggen!" antwortete sie knapp. "Das sieht man doch wohl, oder?"
Derek schüttelte den Kopf packte sie unsanft und schüttelte sie leicht.
"Bist Du wahnsinnig, alleine draußen herumzuspazieren, während die Entführer hier vielleicht herumlaufen?"
Sara riß sich los.
"Du tust mir weh - und außerdem habe ich aufgepaßt, daß mich niemand verfolgte!" Derek sah sie fassungslos an.
"Das war sehr unvernünftig von Dir!"
Sara schaute ihn verzweifelt an.
"Hast Du eine Ahnung, wie es ist, hier eingesperrt zu sein? Meine Schwester schwebt in Lebensgefahr, und Du erwartest von mir, daß ich hier seelenruhig zu Hause sitze und abwarte, was passiert!" Sie wischte sich energisch eine Träne weg, die ihr über die Wange rollte. "Das kannst Du nicht von mir verlangen!"
Derek seufzte und nahm sie in den Arm.
"Hier bist Du aber wenigstens sicher." sagte er. Er schob sie von sich weg. "Weshalb ich gekommen bin ... Deine Mum hat angerufen!"
Sara hob erstaunt den Kopf.
"Und was wollte sie?"
Derek kratzte sich am Kinn.
"Keine Ahnung, aber was es auch ist ..." er holte tief Luft. "sie darf auf keinen Fall erfahren, daß Meg entführt wurde!" Er hob ihr Kinn und sah ihr fest in die Augen. "Dir wird schon was einfallen, was Du ihr sagen kannst!" Er ging zur Tür und drehte sich noch einmal um. "Ich gehe jetzt wieder zu Ben, und ... Sara - keine Alleingänge mehr, bitte!" Sie hörte die Besorgnis in seiner Stimme und nickte.
Beruhigt machte er sich wieder auf den Weg zu Bens Haus.
Sara griff seufzend zum Telefon und wählte die Nummer ihrer Eltern.
Mit zitternden Fingern wählte Sara die Nummer ihrer Eltern, und als sich ihre Mutter meldete, fühlte sie, wie ihr Mund trocken wurde. Sie hatte niemals Geheimnisse vor ihren Eltern gehabt, aber nun mußte sie lügen - um Meg zu schützen!
"Hi, Mum!" sagte sie betont lässig.
"Sara, schön daß Du gleich zurückrufst. Geht es Dir gut?"
Sara schluckte, ehe sie antwortete.
"Ja!" log sie und hoffte, daß ihre Mutter das Zittern in ihrer Stimme nicht erkennen würde.
"Weißt Du, was mit Meg los ist? Sie wollte mich vor 2 Tagen zurückrufen, doch bisher hat sie das nicht getan. Ich habe im Büro angerufen, bei Ben, auf ihrem Handy - nichts! Ich habe mir Sorgen gemacht, weil sie doch sonst immer so zuverlässig ist. ... Geht es Meg gut?"
Sara umklammerte den Hörer. Sie spürte eine plötzliche Übelkeit in sich hochsteigen. "Ja!" sagte sie knapp. "Ich denke schon ..." Das Gespräch nahm eine unerfreuliche Wende, und Sara überlegte angestrengt, was sie ihrer Mutter sagen könnte. Da ihr nichts vernünftiges einfiel, schwieg sie lieber.
"Na gut," hörte sie ihre Mutter sagen. "Und Dir geht es auch gut, ja?"
Sara atmete tief durch.
"Ja, mir geht es auch gut!"
"Dann ist ja alles bestens! Ich wollte auch nur mal hören, wie es Euch geht. Also, dann grüße bitte Meg ganz lieb von mir!"
Joan legte auf, und Sara atmete erleichtert auf. Das war ja besser gelaufen, als sie gedacht hatte.
Sie ging die Treppe hoch. Nach einer ausgiebigen Dusche würde sie sich sicher gleich besser fühlen. Sie schlüpfte schnell aus ihren Sachen und ließ sich das heiße Wasser über den Körper laufen.
Auf ihrer Farm in Kansas drehte sich Joan Cummings nachdenklich zu ihrem Mann um. "Da stimmt etwas nicht, Hank!" sagte sie und schaute ihn an.
Er blickte von seiner Zeitung auf.
"Wie? Was soll nicht stimmen?" fragte er geistesabwesend.
Joan wies auf das Telefon.
"Das war nicht Sara, mit der ich mich gerade unterhalten habe ..." sagte sie nachdenklich.
Er sah sie überrascht an.
"Wie meinst Du das?"
Sie machte eine weitausholende Bewegung.
"Na, Du weißt doch, daß man bei Sara kaum ein Wort dazwischenbekommt, wenn sie mal angefangen hat zu reden."
Hank nickte.
"Vorhin mußte ich ihr jedes Wort aus der Nase ziehen, und sie war so kurz angebunden, als ich sie nach Meg fragte." Sie sah ihn an. "Da ist etwas ganz und gar nicht in Ordnung, und ich will wissen, was es ist!"
Hank seufzte und stand auf.
"Joan, bitte, die Mädchen sind erwachsen. Sie werden schon wissen, was sie tun!"
Sie schüttelte den Kopf.
"Davon werde ich mich persönlich überzeugen - ich werde den nächsten Flug nach Sunset Beach nehmen!" sagte sie bestimmt.
Er sah sie an und zuckte mit den Schultern.
"Tu, was Du nicht lassen kannst, aber glaube mir - die beiden werden nicht begeistert davon sein, daß Du ihnen hinterher spionierst!"
Sie erwiderte seinen Blick.
"Mag schon sein, aber vielleicht kann ich ihnen auch helfen!"
Entschlossen griff sie erneut zum Telefonhörer und wählte die Nummer der Flugauskunft.
In seiner Suite im "Sunset Inn" legte A.J. Deschanel mit einem zufriedenen Lächeln den Hörer auf. Er hatte gerade mit Olivia Richards telefoniert und ihr die Idee schmackhaft gemacht, anlässlich der erfolgreichen Übernahme des Radiosenders eine Feier zu veranstalten. Zu seiner großen Freude hatte sie sofort zugesagt, sich um die geplanten Festivitäten zu kümmern. Gefeiert werden sollte im Nobelrestaurant "Grenadines", wo Olivia für diesen Abend einen der Säle mieten wollte.
A.J. stand auf und rieb sich zufrieden die Hände. Alle seine Transaktionen und Pläne schienen derzeit von einem guten Stern begleitet zu sein! Nicht nur, daß die Entführung von Derek Evans' Freundin reibungslos verlaufen war, auch die Übernahme des Radiosenders klappte wie am Schnürchen.
A.J. dachte an Derek, und er ballte die Fäuste.
"Es wird nicht mehr lange dauern, Evans, dann habe ich meine Juwelen wieder!" sagte er laut zu sich selber. Eigentlich widerstrebte es ihm zutiefst, einer Frau Gewalt anzutun, aber in diesem Fall blieb ihm keine andere Wahl. Evans' kleine Freundin gegen die Juwelen - ein fairer Tausch, und wenn er vernünftig war, würde er auch keine miesen Tricks versuchen. A.J. räusperte sich. Ansonsten würde er sich genötigt fühlen ... Er schloß kurz die Augen und schüttelte den Kopf. Darum würde er sich später kümmern. Jetzt mußte er erst einmal zum Radiosender und öffentlich bekanntgeben, daß eine Feier stattfinden würde. Später würde er dann noch einmal Olivia anrufen und sich erkundigen, ob alles arrangiert wäre.
A.J. strich sich den Anzug glatt und verließ seine Suite.
Gabi hatte ihre Schicht für den heutigen Tag beendet und machte sich auf den Weg nach Hause. Sie war überrascht, daß anscheinend alle mal wieder ausgeflogen waren. Sie wollte gerade hoch in ihr Zimmer gehen, als es an der Tür klopfte.
Gabi öffnete die Tür und stand Ricardo gegenüber. Bevor sie etwas sagen konnte, beugte er sich zu ihr herunter und gab ihr einen Kuß. Gabi sah ihn überrascht an.
"Waren wir heute verabredet?" fragte sie und überlegte angestrengt, ob sie nicht vielleicht ihr Date vergessen hatte.
Ricardo schüttelte den Kopf.
"Nein, ich bin spontan vorbeigekommen!" Er sah sie prüfend an, und Gabi fühlte sich mit einem Mal unbehaglich. Sie ging in die Küche.
"Möchtest Du vielleicht auch einen Kaffee?" lenkte sie ab.
Ricardo runzelte die Stirn.
"Ja, von mir aus ... Gabi, wir müssen unbedingt miteinander reden!" Er sah sie an, und sie senkte schnell den Kopf und drehte sich um. "Er ahnt etwas!" ging ihr durch den Kopf. Sie hatte sich alles so schön zurechtgelegt, wie sie Ricardo alles über sich und Casey erzählen würde, doch nun erschien ihr dieses Vorhaben total absurd! Sie biß sich auf die Lippen und drehte sich zu ihm um.
"Über was möchtest Du mit mir reden?" fragte sie unsicher. Ricardo ging auf sie zu und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Du machst in letzter Zeit einen so bedrückten Eindruck ... ich mache mir einfach Sorgen!" Er sah ihr tief in die Augen. "Ist es immer noch wegen Paula?"
Gabi räusperte sich und wich seinem Blick aus.
"Ja", log sie. Ricardo nahm sie in den Arm.
"Ich habe Dir doch schon gesagt, daß nichts zwischen uns war!" sagte er verzweifelt. Gabi sah ihn an.
"Du hast mir erzählt, daß damals eine Welt für Dich zusammenbrach, als sie Dich verließ." sagte Gabi zögernd.
Ricardo nickte.
"Ja, das war damals ein Schock für mich, aber ... das ist längst Vergangenheit! Ich bin jetzt mit Dir zusammen, und nichts anderes zählt mehr!"
Gabi schluckte und befreite sich aus seinen Armen. Niemals durfte Ricardo von ihr und Casey erfahren - das würde er nicht verkraften! Ricardo wies die Treppe hinauf.
"Wollen wir auf Dein Zimmer gehen?" Gabi dachte daran, wie sie mit Casey in ihrem Zimmer geschlafen hatte, und Panik stieg in ihr hoch.
"Nein!" stieß sie lauter hervor als beabsichtigt. Ricardo sah sie verwundert an.
„Ich - ich habe Hunger! Vielleicht können wir irgendwo eine Kleinigkeit essen!" fügte sie schnell hinzu.
Ricardo nickte.
"Ja, eine gute Idee!"
Gabi lächelte.
"Dann werde ich mich schnell frisch machen und mich umziehen." Schnell rannte sie die Treppe hinauf, um sich für ihren Abend mit Ricardo fertig zu machen.
Ben war dabei eine Strategie zu entwickeln, wie Meg befreit werden sollte, als das Telefon klingelt. Er nahm den Hörer ab und meldete sich.
"Evans."
"Hi Ben, hier ist Olivia. Ich wollte Dich zu einer kleinen spontanen Party heute einladen. Um acht im Grenadine."
"Oh, so spontan, dass ist doch sonst nicht Deine Art." erwiderte Ben erstaunt.
"Nun, es hat sich ganz plötzlich und quasi in letzter Sekunde ein neuer Teilhaber für meinen Radiosender gefunden und das soll heute gefeiert werden."
"Ein neuer Teilhaber? Gratuliere und wer ist es? Kenn ich Ihn?" Ben war neugierig geworden, denn er wusste, das würde Gregory bestimmt nicht gefallen.
"Zumindest kennst Du seinen Sohn, es ist A.J. Deschanel."
Ben horchte erstaunt auf.
"Olivia, ich gratuliere Dir von Herzen, aber leider habe ich heute abend schon etwas anderes vor und das kann ich leider nicht aufschieben." sagte er dann.
"Na ja, da kann man nichts machen, ich hätte Dich eben gerne dabei gehabt." versuchte Olivia es noch einmal.
"Ein anderes Mal gerne, Olivia. Sei mir bitte nicht böse, aber ich bin schon spät dran." "Na dann, bis bald, bye." sagte Olivia und legte auf.
Ben ging hinauf in sein Schlafzimmer und holte einen Koffer aus seinem Wandschrank, den er ganz hinten dort versteckt hatte.
"Gut zu wissen, dass Mr. Deschanel heute abend nicht in seinem Hotelzimmer sein wird." sagte Ben zu sich selber und trug, nachdem er sich umgezogen hatte, den Koffer nach unten. Ein paar Minuten später kam Derek.
"Gut das Du endlich da bist, wir beide haben heute noch etwas vor." begrüßte Ben seinen Bruder.
Derek sah Ben von oben bis unten an. Ben hatte eine schwarze Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover an.
"Und was haben wir vor?" fragte Derek.
"Nun, wie ich vorhin erfahren habe, wird Mr. Deschanel heute abend auf einer Party sein, und diese Gelegenheit müssen wir ausnutzen." antwortete Ben.
"Aha und was genau hast Du vor?" Derek war etwas verwirrt. Ben öffnete den Koffer, den er auf dem Tisch abgestellt hatte
"Dieses hier," er zeigte Derek einen Apparat, der sich in dem Koffer befand "ist eine Abhöranlage und wir beide werden noch heute ein paar Wanzen in A.J.'s Hotelsuite verstecken."
Derek sah Ben an und wusste nicht so recht was er sagen sollte
"Und wie stellst Du Dir das vor?"
"Ganz einfach." Ben rollte einen Bauplan vom Sunset Inn auseinander. "Wir werden das Hotel durch den Lieferanteneingang betreten und mit dem Lastenaufzug fahren wir dann hoch. Hier ist A.J.'s Suite, darüber ist nur noch das Dach und von dort aus, werde ich mich zu seinem Balkon herunter lassen. Dich brauch ich oben als Absicherung für mich." "Wie kommst Du denn an die Baupläne vom Sunset Inn?" Derek merkte, dass er seinen Bruder die letzten Jahre sehr unterschätzt hatte.
"Nun," grinste Ben, "was keiner weiß, das Sunset Inn gehört mir. Ich habe es über einen Mittelsmann vor ein paar Jahren gekauft. Nicht einmal Gregory weiß davon, er macht mir zuviel krumme Geschäfte, und ich möchte mich sobald wie möglich von ihm lösen." "Wenn Dir das Sunset Inn gehört, warum gehen wir dann nicht ganz offiziell durch die Eingangshalle in das Hotel hinein?" Derek hätte viel lieber den einfachen Weg gewählt. "Weil ich nicht möchte, dass uns irgend jemand sieht. Vielleicht hat A.J. ja sogar ein paar Leute in der Hotellobby abgestellt, die alles beobachten sollen."
"Gut, ich verstehe. Wann soll es losgehen?" Derek rieb sich die Hände. Ganz allmählig fing er an, Gefallen an der ganzen Aktion zu finden.
"Sobald Du umgezogen bist. Ich habe Dir oben etwas zurecht gelegt. Dann brauchen wir nur noch warten, bis es dunkel ist. Zum Glück haben wir keinen Vollmond."
"Okay, dann gehe ich mich mal umziehen. Ist da noch etwas, was ich jetzt wissen sollte?" fragte Derek.
"Nein, ich denke soweit ist alles klar. Den Rest erkläre ich Dir lieber an Ort und Stelle."
Eine Stunde später verließen die beiden Brüder Bens Haus. Derek war nun auch ganz in Schwarz gekleidet und Ben trug einen schwarzen Nylonrucksack bei sich. Sie stiegen in Bens schwarzen Mercedes und fuhren davon. Während der Fahrt zum Sunset Inn, achtete Ben darauf, dass sie nicht verfolgt wurden. Sicherheitshalber fuhr er ein paar kleine Umwege. Dann parkte er das Auto in einer dunklen Gasse hinter dem Hotel. Vorsichtig, sich immer im Schatten der Häuser aufhaltend, betraten sie von der Rückseite das Gelände des Sunset Inn. Sie schlichen sich zu dem Lieferanteneingang hinüber und Ben holte ein Schlüsselbund aus seiner Hosentasche. Er probierte ein paar Schlüssel und der vierte passte. Ben öffnete vorsichtig die Tür und sah hinein.
"Alles klar, niemand zu sehen." Schnell betraten sie das Gebäude und verschlossen die Tür hinter sich. Ben wies auf dem Lastenaufzug am Ende des Ganges. Ohne ein Wort zu wechseln, huschten die beiden hinüber und betraten den Aufzug.
Ben drückte den Knopf für die Dachetage und wenige Augenblicke setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung. Als sie das Dachgeschoss erreicht hatten, stiegen sie aus. Die Tür nach draußen war verschlossen und wieder holte Ben das Schlüsselbund aus seiner Tasche. Dieses Mal musste er ein paar Schlüssel mehr ausprobieren, bevor er den passenden gefunden hatte. Sie betraten das Dach und gingen zur Brüstung hinüber "Genau hier drunter ist Deschanels Suite." Ben beugte sich über die Brüstung, um sich zu vergewissern. Dann holte er ein schwarzes Nylonseil mit Gurt aus seinem Rucksack. Er legte sich das Seil um und setzte sich den Rucksack auf.
"Jetzt musst Du mich absichern. Wirst Du das schaffen?" fragte er Derek.
Der nickte.
"Klar."
"Am besten bindest Du Dir das andere Ende des Seils um und läßt es dann locker über das Geländer runterlaufen." wies Ben seinen Bruder an.
"Du weißt anscheinend genau, was Du tust." grinst Derek.
"Nun, es ist nicht die erste Aktion dieser Art für mich." erwiderte Ben. „Bist Du fertig?" "Ja" nickte Derek."
"Okay, auf geht's." Ben schwang sich über das Geländer und war verschwunden.
Derek blickte Ben hinterher und sah, wie dieser mit einigen, sicheren Bewegungen, den Balkon der Suite erreichte. Und dann war Ben aus Dereks Sicht verschwunden. Einige Minuten später, Derek kam es wie eine Ewigkeit vor, tauchte Ben wieder auf.
"Alles okay, zieh mich jetzt rauf!" rief er leise Derek zu. Derek tat, was Ben sagte und wenige Augenblicke war Ben wieder oben auf dem Dach. Er verstaute das Seil in seinem Rucksack.
"Lass uns hier verschwinden." sagte er.
Derek und Ben verließen auf dem gleichen Weg, auf dem sie gekommen waren, ungesehen wieder das Hotel.
Aufgeregt stand Caitlin vor der Eingangstür des Surf Central und zupfte ihren Rock zurecht. Nachdem sie von ihrer Mutter erfahren hatte, daß im "Grenadines" eine Feier zur Übernahme des "Radio SB"- Senders stattfinden sollte, hatte sie sich spontan überlegt, Mark dazu einzuladen. Zu ihrer großen Enttäuschung war es nicht Mark, der öffnete, sondern Michael.
"Hallo, junge Dame!" begrüßte er sie freundlich. "Wen willst Du denn zu so später Stunde besuchen?"
Caitlin errötete.
"Ich möchte zu Mark ... ist er da?"
Michael lächelte und hielt ihr die Tür auf.
"Hereinspaziert!" Caitlin schenkte ihm ein Lächeln und ging dann schnell die Treppe zu Marks Zimmer hinauf. Sie klopfte vorsichtig an die Tür, und sah dann Marks überraschtes Gesicht vor sich, als er sie erkannte.
"Caitlin?! Was machst Du denn hier?"
Sie lächelte.
"Hast Du für heute Abend schon etwas vor?"
Er schüttelte verwirrt den Kopf.
"Nein, wieso?"
Caitlin schmunzelte.
"Na, dann hast Du jetzt eine Verabredung!" sagte sie geheimnisvoll. Mark runzelte die Stirn.
"Wie? Das verstehe ich jetzt nicht!"
Caitlin erzählte Mark in knappen Worten von der geplanten Feier im Nobelrestaurant, und danach sah sie ihn erwartungsvoll an.
Mark kratzte sich nachdenklich am Kopf.
"Ich weiß nicht, Caitlin ... "sagte er zögernd. "Da sind doch nur alles Leute, die bei diesem Radiosender arbeiten. Was soll ich da?"
Caitlin lächelte geheimnisvoll.
"Na ja, ich dachte mir, wenn Du es geschickt anstellst, könntest Du auch bald dazugehören!"
Mark riß die Augen auf.
"Ich soll für den Radiosender arbeiten?" fragte er und sah sie irritiert an. Caitlin schob ihn ins Zimmer, Richtung Sessel.
"Setz' Dich! Ich will Dir erklären, wie ich das meine."
Er setzte sich brav und hörte sich an, was Caitlin ihm zu sagen hatte.
"Du meinst also," sagte er danach skeptisch, "das ich talentiert genug bin, um als Moderator bei einem Radiosender Karriere zu machen?"
Caitlin lächelte wieder.
"Ja, auf jeden Fall!"
Mark nickte.
"Na gut, vielleicht hast Du recht und ich sollte diese Chance wahrnehmen!"
Caitlin klatschte in die Hände.
"Super! Nun mußt Du nur noch was geeignetes zum Anziehen finden!" Er öffnete seinen Kleiderschrank und schaute hinein. "Hm, das wird schwierig ... Moment - ich habe doch noch den Anzug, den ich vor 3 Jahren auf der Hochzeit von Freunden getragen habe. Vielleicht paßt er ja noch!" Mark holte den Anzug aus dem Schrank und sah verlegen zu Caitlin hinüber. "Könntest Du ... ich meine würdest Du bitte unten ...!"
Sie grinste.
"Ja, natürlich werde ich unten warten, während Du Dich umziehst. Aber bitte, beeile Dich, die Feier findet schon in 45 Min. statt ... und wir wollen doch nicht zu spät kommen!" Sie lächelte wieder, und Mark wurde es ganz warm ums Herz.
Caitlin schloß die Tür hinter sich, und Mark machte sich daran, den Anzug anzuziehen.
Als Derek wieder neben Ben im Auto saßen, grinste er seinen Zwillingsbruder vielsagend an.
"Ich hätte nie gedacht, dass Du solche Fähigkeiten hast."
"Nun, ich denke wir haben in den letzten 15 Jahren zu wenig miteinander geredet, um alles über den anderen zu wissen."
"Da hast Du wohl recht, Ben." gab Derek zu. "Aber um ehrlich zu sein, habe ich Dich viel zu sehr um alles beneidet was Du hattest und war so wütend auf Dich, dass ich nicht mit Dir reden wollte."
"Eigentlich schade, denn wir sind ein gutes Team." sagte Ben und sah seinen Bruder an. "Ja, ist schon eigenartig. Die letzten Jahre sind wir uns ständig an die Kehle gesprungen, aber nun ziehen wir auf einmal an dem selben Strang und vertrauen uns unsere Geheimnisse gegenseitig an." Für einen Moment herrschte Schweigen zwischen den Brüdern.
"Kannst Du mich jetzt bitte nach Hause zu Sara bringen?" fragte Derek plötzlich. "Natürlich" antwortete Ben. "Derek, darf ich Dich was Persönliches fragen?"
Derek sah seinen Bruder überrascht an
"Ich denke schon." antwortete er nach kurzem Zögern.
"Was bedeutet Dir Sara wirklich? Ich mache mir ein wenig Sorgen um sie, sie ist schließlich Megs Schwester."
Derek schwieg einen Moment und dachte darüber nach.
"Sara bedeutet mir mehr, als ich gestern noch zugegeben hätte. Nach allem was heute passiert ist, sehe ich meine Beziehung zu Sara mit ganz anderen Augen. Anfangs war sie einfach nur ein nette Abwechslung für mich und ich wollte über sie versuchen, an Meg herankommen. Aber heute ist mir klar geworden, dass Sara mir sehr viel bedeutet. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn A.J. tatsächlich Sara geschnappt hätte. Und nun mache ich mir richtig Sorgen um Meg, aber auch um Sara, da sie Meg sehr nahe steht." "Gut," sagte Ben und stoppte das Auto vor Dereks Haus, "Ich hoffe, das bleibt auch so, denn wenn Du Sara verletzt, dann...."
"Keine Angst Ben, das habe ich nicht vor." Derek stieg aus. "Ich melde mich morgen früh bei Dir oder falls sich die Entführer melden sollten, schon früher."
"Ist gut, gute Nacht." sagte Ben und fuhr davon.
Als Derek sein Haus betrat, wurde er von Dunkelheit empfangen. Er machte das Licht an und sah sich um. Im unteren Geschoss des Hauses konnte er nirgends eine Spur von Sara finden. Er eilte die Treppen hinauf und betrat das Schlafzimmer. Auch dieser Raum war dunkel und er begann sich Sorgen um Sara zu machen.
Als er das Licht im Schlafzimmer anschaltete, entdeckte er Sara zusammen gerollt im Sessel sitzen. Ganz bleich saß Sara da und sah Derek mit weit aufgerissenen Augen an. "Habt Ihr Meg gefunden?" brachte sie hervor.
Derek gab es ein Stich ins Herz Sara so zu sehen. Er ging zu Ihr hinüber und nahm sie in seinen Arm.
"Nein, aber man hat mich mit ihr telefonieren lassen, und es geht ihr soweit gut." versuchte er Sara zu trösten. Sie brach in Tränen aus.
"Glaubst Du, ich werde meine Schwester jemals wieder sehen?"
Derek drückte Sara noch fester an sich.
"Ja, da bin ich mir ganz sicher. Ben und ich haben da schon etwas in die Wege geleitet und Hilfe ist auch auf dem Weg nach Sunset Beach. Ich habe heute eine ganz neue Seite von Ben kennengelernt, und ich bin mir ganz sicher, dass wir Meg bald finden."
"Oh Derek, ich habe alles vermasselt." schluchzte Sara los.
"Was meinst Du?" Derek war verwirrt.
"Ich habe doch mit Mom telefoniert und sie hat sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt und nun wird sie morgen kommen. Wenn sie erst erfährt was los ist, dann wird sie bestimmt die Polizei rufen."
"Beruhige Dich Sara." sanft wiegte Derek Sara in seinen Armen. "Ich bin fest davon überzeugt, das wir damit fertig werden. Ben wird Deine Mutter schon beruhigen können." Plötzlich fiel Derek etwas ein. "Sag mal Liebling, hast Du überhaupt etwas gegessen?" "Nein," Sara schüttelte Ihren Kopf "und ich denke auch nicht, dass ich etwas hinunter bekomme."
"Okay, aber weißt Du was? Du machst Dich jetzt fürs Bett fertig und ich koche uns eine heiße Schokolade und danach versuchen wir zu schlafen."
Sara nickte.
"Danke Derek, ich weiß nicht, was ich ohne Dich machen würde. Ich liebe Dich."
Derek drückte Sara noch einmal fest an sich.
"Ich liebe Dich auch, Du ahnst ja gar nicht wie sehr."
Schnell, über sein eigenes Eingeständnis verblüfft, stand Derek auf und verließ das Schlafzimmer.
Gabi sah auf den schlafenden Ricardo neben sich, und das schlechte Gewissen plagte sie. Sie waren, nach ihrem Besuch im Restaurant, zu Ricardo gegangen, und dort hatten sie sich ganz ihren leidenschaftlichen Gefühlen hingegeben. Gabi hatte sich nach 4 Gläsern Rotwein leicht und beschwingt gefühlt, und ihre Sorgen und Gedanken waren immer mehr in den Hintergrund getreten. Nun, wo die Wirkung des Alkohols so langsam nachließ, kamen auch die Erinnerungen zurück und die Scham, die sie beim Gedanken an ihre Affäre mit Casey empfand.
Gabi rollte sich vorsichtig aus dem Bett und stand auf. Sie ging ins Badezimmer und drehte die Dusche auf. Sie ließ das Wasser über ihren Körper laufen, als sie plötzlich zwei Hände um ihre Taille spürte.
"Ricardo ...!" Erschrocken drehte sie sich um. Er lächelte und begann ihren Rücken einzuseifen.
"Es gibt doch nichts aufregenderes, als mit einer schönen Frau die Dusche zu teilen!" Gabi drehte sich zu ihm um und versuchte zu lächelte. Sie war doch so glücklich mit Ricardo gewesen, warum nur mußte sie mit Casey schlafen?
Gabi seufzte und griff nach ihrem Handtuch, das über der Duschwand hing.
"Schon fertig?" fragte Ricardo enttäuscht.
Gabi wickelte sich schnell das Handtuch um den Körper und trat aus der Dusche.
"Ja, tut mir leid!" sagte sie schnell. Sie zog sich an, während Ricardo zu Ende duschte. Als er aus der Dusche kam, nur mit einem Handtuch um die Hüften, bereute sie ihre abweisende Haltung. Sie ging auf ihn zu und schlang ihr Arme um seinen Hals.
"Ich liebe Dich!" sagte sie leise und vergrub ihren Kopf in seiner Halsbeuge. Ricardo sah überrascht auf sie hinunter.
"Ja, ich liebe Dich auch!" erwiderte er. Gabi sah zu ihm auf und lächelte. Sie fühlte sich mit einem Mal sehr geborgen und wünschte sich, daß dieser Zustand nie aufhören möge. Ricardo räusperte sich und löste sich aus der Umarmung.
"So gerne ich auch den Vormittag mit Dir verbringen möchte ... aber ich muß zum Polizeirevier." sagte er entschuldigend. "Wir haben einige ziemlich dringende Fälle zu bearbeiten!"
Gabi nickte verstehend.
"Ist okay, wir sehen uns dann später!"
Ricardo lächelte.
"In Ordnung! Soll ich Dich wieder vom Surf Central abholen?"
Gabi schüttelte den Kopf.
"Nein, ich komme zu Dir!"
Er zog sie in seine Arme.
"Ich kann kaum den Feierabend erwarten!" sagte er liebevoll und schaute Gabi tief in die Augen.
"Ich auch nicht ..." flüsterte sie. Sie umarmten sich ein letztes Mal, und dann verließ Gabi seine Wohnung. Einen Moment stand sie noch unschlüssig vor der Tür, ehe sie den Weg zum Surf Central einschlug.
Schlecht gelaunt und mit rasenden Kopfschmerzen betrat Gregory sein Büro. Nicht nur, das er A.J. Deschanel dabei beobachtet hatte, dass dieser seine Frau geküsst hatte, nein A.J. hatte sich auch noch in den Radiosender eingekauft. Das hatte erstens seine ganzen Pläne durcheinander gebracht und zweitens hatte er gestern Abend auch noch mit zu diesem Dinner gemusst. Die ganze Zeit hatte er eine gute Mine machen müssen und das Schlimmst war, jedesmal wenn er A.J. angesehen hatte, hat dieser ihn triumphierend angegrinst.
Gregory hatte gestern mehr als gewöhnlich getrunken und daher stammten wahrscheinlich seine höllischen Kopfschmerzen.
"Morgen Bette," begrüßte er seine Sekretärin knapp. „Ich möchte heute morgen nicht gestört werden. Und wenn sich Ben endlich wieder mit seiner Präsens beehrt, dann schicken Sie Ihn bitte gleich zu mir hinein." Mit diesen Worten, schlug er auch schon die Tür zu seinem Büro hinter sich zu.
Bette seufzte.
"Das mag ja ein vergnüglicher Tag heute werden." sagte sie sarkastisch zu sich selber. Gregory riss nochmal die Tür auf.
"Ach ja, sobald Meg da ist, schicken Sie sie bitte mit einer Tasse Ihres extra starken Kaffees und dem Stenoblock zu mir herein."
Bette hatte gar keine Chance, Gregory zu antworten und ihm mitzuteilen, dass Meg schon gestern nicht im Büro war. So beschloß sie Ben anzurufen und zu fragen, wann er und Meg denn vorhatten im Büro aufzutauchen. Sie nahm den Telefonhörer in die Hand und begann Bens Nummer zu wählen.
Meg
Cole machte in seinem Zimmer einige Laufübungen mit seinen Krücken, als es plötzlich an der Tür klopfte. Seufzend ging er Richtung Tür und öffnete sie. Vor ihm stand die Frau, die ihm in den letzten Tagen nicht aus dem Kopf gegangen war: Annie Douglas!
Sie lächelte, als sie ihn sah.
"Hallo, Cole!" sagte sie mit samtweicher Stimme, so daß ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief.
"Annie ..." Cole verspürte plötzlich einen Kloß im Hals. Er war sonst Frauen gegenüber nie schüchtern gewesen, aber sie jetzt vor sich zu sehen, wo er gerade noch an sie gedacht hatte, brachte ihn etwas aus dem Konzept. "Komm' doch rein!" sagte er mit belegter Stimme, "und fühl' Dich ganz wie zuhause!"
Annie sah ihn mit ihren Katzenaugen an und warf die langen roten Haare zurück.
"Schön hast Du es hier." stellte sie fest und betrat das Zimmer. Sie zog sich einen Stuhl heran und nahm platz.
"Wie geht es Dir?" Prüfend sah sie Cole an.
"Gut, danke!" Annie schlug die langen, schlanken Beine übereinander. "Ich wollte Dich zu einem kleinen Spaziergang einladen!" sagte sie und sah ihn erwartungsvoll an. "Was hältst Du davon?"
Coles Herz klopfte schneller.
"Ja, liebend gerne!" sagte er und sah ihr tief in die Augen.
Annie lächelte.
"Sehr schön. Ich verspreche Dir auch, sollte es Dir zuviel werden, daß ich Dich dann sofort wieder zurückbringe!"
Cole erwiderte ihr Lächeln.
"Ich denke, das schaffe ich schon!"
Annie stand auf und Cole erhob sich ebenfalls. Einen Augenblick sahen sie sich tief in die Augen, und Cole mußte dem Impuls widerstehen, Annie in seine Arme zu nehmen und sie zu küssen!
Er schüttelte den Kopf. Erst mußte er mit Caitlin reden und die Beziehung beenden.
Cole seufzte und ergriff seine Krücken.
"Laß' uns gehen. Ein bisschen frische Luft wird mir guttun!"
Annie öffnete die Tür und gemeinsam betraten sie den Aufzug.
Mark war gerade auf dem Weg zum Java Web, als ihm ein Pärchen auffiel, daß über die Strandpromenade flanierte. Die Frau erkannte er sofort an ihrem roten Haar, den Mann erkannte er erst auf den zweiten Blick. Das war doch ... Caitlins Freund, der da mit Annie Douglas spazierenging! Die beiden wirkten so vertraut und ... verliebt, stellte Mark bei näherer Betrachtung fest.
"Arme Caitlin!" schoß ihm durch den Kopf. Ob sie wohl wußte, daß ihr Freund sich heimlich mit einer anderen Frau traf? Mark kratzte sich nachdenklich am Kopf. Das ging ihn eigentlich nichts an.
Er schlug den Weg zum Java Web ein und dachte weiter über Caitlin nach. Er mußte sich eingestehen, daß sie ihm mehr bedeutete, als er bisher wahrhaben wollte. Er wußte jedoch, daß ihr Herz immer noch an diesem Deschanel-Jüngling hing!
Mark hatte das Java Web erreicht und öffnete die Tür. Er mußte unbedingt mit seinem Boss über die kommenden Veränderungen sprechen, denn die gestrige Feier des "Radio SB"- Senders würde sein ganzes Leben verändern. Zu seiner großen Überraschung hatte sich der neue Inhaber sofort bereiterklärt, ihn als neues Mitglied im Moderatorenteam aufzunehmen!
Marks Gedanken wanderten wieder zu Caitlin zurück. Das hatte er alles nur ihr zu verdanken! Er überlegte angestrengt, wie er sich ihr gegenüber dafür erkenntlich zeigen konnte. Mark seufzte. Ihm würde sicher schon noch was einfallen.
Ein Mann machte vom Tisch her Zeichen, daß er bestellen wollte, und Mark machte sich an die Arbeit.
Ben hatte die Nacht kaum geschlafen. Er hatte stundenlang da gesessen, mit Kopfhörer auf, und hat gelauscht, ob in der Deschanel Suite irgend etwas passiert. Sehr spät in der Nacht waren A.J., sein Sohn Cole und seine Tochter Jade nach Hause gekommen, aber über Meg oder die Entführung haben sie kein Wort verloren. Irgendwann war Ben dann eingenickt und hatte von Meg geträumt. Nach nur zwei Stunden war er wieder aufgewacht, hat eine kurze Dusche genommen und sich etwas zum Frühstück zubereitet. Er saß mit dem Rücken zur Terrassentür und lauschte dem belanglosen Gespräch zwischen A.J. und seiner Tochter Jade, als er ein leises klicken hinter sich hörte.
Ohne sich umzudrehen sagte er „Guten morgen Sam, immer noch die alten Tricks?“
„Und Du bist immer noch so wachsam wie früher.“ antwortet eine Stimme hinter ihm. Ben nahm die Kopfhörer ab, drehte sich um und umarmte seinen alten Freund.
„Gut Dich zu sehen, Sam.“
Sam war ein großer, schlanker Mann Ende vierzig. Sein dunkles Haar war mit einigen silbernen Strähnen durchzogen.
„Du bist alt geworden Mann.“ stellte Ben fest.
Sam lachte.
„Das sieht nur so aus. Die Frauen lieben diesen Look. Im inneren bin ich noch ganz der Alte.“ Seine grünen Augen blitzten dabei auf.
„Das hoffe ich doch sehr, ich kann den alten Sam gut gebrauchen. Willst Du einen Kaffee?“ bot Ben an.
„Ja gerne und dann bringst Du mich auf den neusten Stand der Dinge.“
Ben goss Sam einen Kaffee ein und reichte Ihm die Tasse, dann setzten sie sich und Ben erzählte Sam alles was geschehen war und was er wusste. Ben war gerade damit fertig, als das Telefon klingelte.
Ben hob ab und lauschte Bette, die am anderen Ende war.
„Nein Bette, weder Meg noch ich werden heute ins Büro kommen, sag das bitte Gregory.“ Wieder lauschte er einen Moment.
„Ja ich weiß Bette. Na gut, stell mich mal durch zu Ihm, ich sag es ihm selber.“ Es knackte in der Leitung und wenige Augenblicke war Gregory am Apparat.
„Verdammt noch mal Ben, wo steckst Du denn. Du und Meg solltet zur Abwechselung auch mal an die Arbeit denken, ich erwarte Dich in einer viertel Stunde hier.“ fuhr Gregory Ben sofort an.
„Das werden wir ganz bestimmt nicht, da wir nicht in der Stadt sind. Es gab einen Notfall in Megs Familie und ich habe sie begleitet.“ log Ben.
„Tut mir leid zu hören, aber wie Du weißt, sollen heute die Höhlen gesprengt werden.“ sagte Gregory.
„Verdammt, daran habe ich gar nicht gedacht. Pass auf, die Unterlagen dazu liegen auf meinem Schreibtisch, Du musst Dich wohl selber darum kümmern.“ antwortete Ben.
“Na gut, aber ich hoffe Du bist bald wieder zurück, ich brauche Deine Hilfe bei einer anderen Sache.“ erwiderte Gregory.
„Sobald es geht, werde ich wieder da sein.“ sagte Ben. „Nun muss ich aber los, bye.“ Bevor Gregory noch etwas sagen konnte, hatte er aufgelegt.
„Noch mehr Probleme?“ wollte Sam wissen.
„Nein,“ Ben schüttelte seinen Kopf „damit wird mein Geschäftspartner schon alleine fertig.“
In diesem Augenblick klingelte es an Bens Haustür. Er öffnete und Derek stürmte an ihm vorbei.
„Ben, es kommt ein großes Problem auf uns zu.“
Ben verdrehte die Augen.
"Was ist denn nun schon wieder passiert?" Er führte Derek ins Wohnzimmer. "Sam das ist mein Bruder Derek. Derek das ist Sam, der Freund von dem ich Dir erzählt habe." stellte Ben die beiden Männer gegenseitig vor.
"Guten Morgen." Derek reichte Sam die Hand zur Begrüßung "Wenigstens ein Lichtblick heute morgen."
Ben sah Derek an.
"Ist etwas mit Sara oder haben sich die Entführer wieder gemeldet?"
"Nein, mit Sara ist soweit alles in Ordnung, wenn man davon mal absieht, dass sie sich große Sorgen um Meg macht." antwortete Derek. "Aber Joan wird in einer halben Stunde in Sunset Beach landen. Joan hat mit Sara gestern telefoniert und natürlich hat sie gleich gemerkt, dass etwas nicht stimmt."
Ben fuhr sich mit der Hand durch das Haar.
"Das hat uns gerade noch gefehlt. Joan hat einen siebten Sinn dafür, wenn mit Ihren Kindern irgendetwas nicht stimmt."
"Wenn ich das richtig verstanden habe, ist diese Joan die Mutter von Meg?" mischte sich Sam ein.
"Ja und sie wird sich bestimmt nicht mit irgend einer Ausrede abspeisen lassen. Sie wird darauf bestehen die Polizei einzuschalten und ob das gut ist, bezweifle ich." klärte Ben seinen Freund auf. Sam saß da und überlegte einen Augenblick.
"Ben ich denke, das beste wird sein, wir beide holen sie ab und sagen ihr die Wahrheit, zumindest einen Teil davon."
"Was meinst Du damit?" fragte Ben.
"Nun ich denke, wir werden sie vielleicht davon abhalten können, wenn wir ihr genau das erzählen, was ich im Sinn habe. Aber das werde ich Dir unterwegs erklären. Ich denke es wird Zeit, das wir fahren, damit wir sie noch am Flughafen erwischen."
Ben sah auf seine Uhr.
"Du hast Recht." Er drehte sich zu Derek um. "Kannst Du hierbleiben und aufpassen, was in Deschanels Suite passiert? Du kannst mich jederzeit über mein Handy erreichen."
"Klar mache ich," nickte Derek. "ich hoffe mit Joan klappt alles."
"Ich auch." sagte Ben und verließ mit Sam das Haus.
Meg hatte nicht viel schlafen können. Sie war zwar ein paarmal kurz eingedöst, aber immer wieder hatte sie von Ben geträumt. Sie vermisste ihn so sehr. Es hatte ihr gefehlt in seinen Armen zu schlafen.
Sie war gerade mal wieder für ein paar Minuten eingeschlafen, als sie Geräusche am Höhleneingang vernahm und kurze Zeit später stand der fremde Mann wieder vor ihr. "Guten Morgen, ich bringe Ihnen Frühstück." Er stellte einen weiteren Korb vor Meg ab. "Ich hoffe Sie haben gut geschlafen?"
"Gut geschlafen?" fauchte Meg den Mann an. "Wie würden Sie denn schlafen, wenn man Sie entführt hätte und gegen Ihren Willen in einer Höhle einsperrt?"
"Nun, wenn Ihr Freund heute gut kooperiert, dann können Sie heute abend schon wieder bei ihm sein." sagte der Mann und verließ ohne ein weiteres Wort die Höhle.
Meg konnte nur hoffen, dass Derek vernünftig genug war und auf die Entführer hörte. Sie hatte immer noch keine Ahnung, was sie von Derek wollten, aber sie hoffte inständig, dass sie ihm genug bedeutete, damit er ihr hier heraus half. Sie stand auf und begann ruhelos in der Höhle auf und ab zu laufen.
"Meg, komm schon, Du musst versuchen einen klaren Kopf zu bewahren, wer weiß, was noch passiert." Sie öffnete den Korb und stellte zu ihrer Erleichterung fest, das sich darin eine neue Thermoskanne mit frischen Kaffee befand. Sie goss sich eine Tasse ein und begann den Kaffee mit kleinen Schlucken zu trinken. Sie nahm sich auch noch einen Muffin aus dem Korb und biss davon ab.
Plötzlich gab es einen lauten Knall und die ganze Höhle begann zu zittern. Die Kaffeetasse glitt Meg aus der Hand, und sie begann vor Angst zu schreien. Steine lösten sich aus der Decke und Wand und fielen hinab. Meg duckte sich und versuchte ihren Kopf mit ihren Armen zu schützen, aber dennoch traf sie ein Stein am Kopf und Meg verlor das Bewusstsein.
Ben und Sam nahmen Bens Auto und fuhren Richtung Flughafen.
"So und nun erzähl mir was Du vor hast." Ben sah seinen Freund an.
"Nun, wir werden Joan erzählen, was passiert ist. Nicht alle Details, aber eben, dass Meg entführt wurde." sagte Sam.
"Nun gut, aber so wie ich Joan kenne, wird sie dann gleich die Polizei einschalten wollen." entgegnete Ben.
"Nicht, wenn wir ihr erzählen, dass das FBI bereits an dem Fall arbeitet." brachte Sam hervor.
"Und wie stellst Du Dir das vor?" fragte Ben. "Ich kenne Joan gut genug, um zu wissen, dass sie dann jemand vom FBI sprechen will."
"Kein Problem." Sam griff in seine Jackentasche und holte ein einen Ausweis hervor. "Hier, das habe ich bei meinem letzten Einsatz gebraucht."
Ben nahm den Ausweis und sah ihn sich an
"Das ist gut, Agent Sam Ferguson, FBI."
Sam nickte.
"Ich werde mit ihr reden und danach bringen wir sie am besten zu ihrer anderen Tochter. In Deinem Haus können wir sie nicht gebrauchen."
Ben parkte das Auto vor dem Flughafengebäude.
"Das dürfte kein Problem sein."
Die Männer stiegen aus und gingen in das Flughafengebäude hinein. Joans Maschine war gerade gelandet und es dauerte auch nicht lange, bis Ben sie entdeckte. Sie gingen Joan entgegen.
"Ben? Wo ist Meg?" fragte Joan sofort.
"Hi Joan," begrüßte Ben die Mutter seiner Freundin, "kommen Sie mit, dann werde ich Ihnen alles erklären und zu Sara bringen."
Verwirrt folgte Joan Ben und dem fremden Mann hinaus. Im Auto erklärten Ben und Sam was passiert war.
"Oh mein Gott!" Joan liefen die Tränen über die Wangen. "Ich habe doch gewußt, das irgendwas nicht stimmt. Bitte Ben, bitte bring mir mein Baby zurück!"
Ben sah Joan an.
"Keine Angst Joan, das werde ich."
"Mrs Cummings, Sie können uns vertrauen, wir werden alles daran setzten, Meg gesund und munter wieder nach Hause zu bringen."
"Danke" sagte Joan.
"Ich denke, wir bringen Sie jetzt erst einmal zu Sara, sie braucht Sie jetzt." schlug Ben vor. "Das alles hat sie sehr mitgenommen."
"Ja" nickte Joan "ich denke das ist das beste."
Ben startete das Auto und fuhr zu Dereks Haus.
Nachdem Ben und Sam Joan bei Sara abgeliefert hatten, fuhren sie zu Bens Haus zurück. Derek wartete schon ungeduldig auf die beiden, da er dieses Herumsitzen und Nichtstun hasste.
"Und wie ist es mit Joan gelaufen?" wollte er auch sofort von Ben wissen.
"Ich denke, wir haben die Situation so weit im Griff. Sie ist jetzt bei Sara."
"Das ist gut," Derek atmete erleichtert auf "Sara braucht jemanden, der sie ein wenig aufbaut und bei ihr ist im Moment." Ben sah Sam an, der einen großen Koffer aus seinem Auto geholt hatte "Und was machen wir nun?"
Sam öffnete den Koffer
"Nun, Ihr habt ja schon gute Vorarbeit geleistet, als Ihr die Abhöranlage in Deschanels Suite installiert habt, aber ich denke, wir müssen ihn noch mehr überwachen."
"Und wie stellst Du Dir das vor?" fragte Ben. Sam drehte den Koffer um, so dass Ben und Derek hineinsehen konnten
"Indem wir ihn nicht nur abhören, sondern auch beschatten. Damit wir aber immer einen Schritt voraus sind, habe ich diese Kommunikationsanlage mit gebracht. Wir beide, Ben, legen uns vor dem Hotel auf die Lauer. Derek hört weiterhin die Suite ab und sobald sich da etwas rührt, gibt er uns bescheid." Sam holte ein paar Teile aus dem Koffer. "Wir beide werden jeder so einen kleinen Kopfhörer hier im Ohr haben und ein Mirko am Kragen. So stehen wir dann die ganze Zeit über mit Derek hier in Kontakt. Wenn nun etwas in der Suite passiert, kann Derek uns gleich informieren."
"So weit, so gut," wandte Derek ein, "aber warum soll ich hier die ganze Zeit rumsitzen?" "Nun," lächelte Sam, "Ben und ich waren früher Partner und ein eingespieltes Team. Wenn es hart auf hart kommt, können wir uns auf uns gegenseitig verlassen. Außerdem brauchen wir nicht viel zu kommunizieren dabei. Ben weiß, was er zu tun hat und ich weiß, was ich zu tun habe."
„Okay," gab Derek zu "Das ist natürlich ein Argument. Dann erklären Sie mir mal, wie das hier funktioniert."
Sam erklärte Derek die technischen Details, die er wissen musste. Dann machten er und Ben sich bereit und verließen das Haus. Sie stiegen in Sams Van und fuhren in Richtung Sunset Inn davon.
Caitlin schlenderte über die Strandpromenade, als sie plötzlich eine junge Frau und einen Mann auf Krücken in weiter Entfernung sah. Bei genauerem Hinsehen erkannte sie Annie Douglas. Aber wer war der Mann an ihrer Seite? Caitlins Magen krampfte sich zusammen, als sie ihn schließlich erkannte. Das war ja Cole! Was machte er hier mit Annie? Anscheinend verstanden die beiden sich bestens, denn ihr fröhliches Lachen schallte zu Caitlin herüber. Sie ging etwas schneller, weil sie es vermeiden wollte, den beiden zu begegnen.
Annie und Cole!
Caitlins Herz wurde schwer, als sie an ihr Gespräch mit Cole in der Klinik dachte. Er hatte sehr darunter gelitten, daß Annie ihr gemeinsames Baby verloren hatte. Anscheinend fühlte er sich doch noch mehr zu Annie hingezogen, als er zugegeben hatte.
Caitlin schlug traurig den Weg zum Java Web ein. Sie dachte an die schönen Momente, die sie mit Cole erlebt hatte, als sie frisch verliebt gewesen waren. Sollte dies nun alles vorbei sein?
Sie schüttelte den Kopf, als könnte sie so ihre düsteren Gedanken vertreiben. Sie hatte ja selber mit ihm über die Beendigung ihrer Beziehung sprechen wollen, als sie ihn in seinem Hotelzimmer besucht hatte. Warum nur tat es dann so weh, ihn mit einer anderen Frau zu sehen?
Caitlin bemerkte, daß sie angefangen hatte, zu laufen. Wovor sie allerdings wegrannte, wußte sie selber nicht so genau. Vielleicht vor ihren eigenen Gedanken und Gefühlen? Völlig außer Atem stand sie dann vor dem Java Web und ermahnte sich zur Ruhe. Sie konnte unmöglich, so völlig außer Atem und aufgelöst, ihre Arbeit beginnen. Caitlin fuhr sich durchs Haar und strich sich ihre Bluse glatt, ehe sie das Java Web betrat.
Nachdem Ben und Sam das Haus verlassen hatten, holte sich Derek einen neuen Becher Kaffee und setzte sich dann im Wohnzimmer vor die Abhöranlage. Bisher war noch nicht viel passiert. A.J. Deschanel hatte war gerade am telefonieren. Ben hatte ein Wanze in das Telefon eingebaut, so dass er nun das ganze Gespräch mit verfolgen konnte. Überrascht war er allerdings, das Deschanel mit Olivia sprach und noch mehr überraschte ihn die Art und Weise, wie die beiden miteinander sprachen. Sie schienen sich ganz gut zu kennen, und A.J. flirtete ganz ungeniert mit Olivia.
Derek lehnte sich in dem Sessel zurück und grinste vor sich her
„Ob Richards wohl ahnt, was da hinter seinem Rücken vor geht?“ fragte er sich selber
A.J. beendete sein Gespräch mit Olivia, nachdem er sich mit ihr zum Lunch verabredet hatte. Danach lief er in seiner Suite auf und ab.
„Zu dumm,“ dachte Derek „das ich nicht auch noch sehen kann, was er macht.“ Dann vernahm er Bens Stimme aus dem anderen Lautsprecher.
„Derek, wir sind nun in Position. Hast Du schon irgendetwas gehört?“
Derek drückte den Knopf für das Mirkophon
„Nicht viel, nur hat sich Deschanel gerade zum Lunch verabredet, mit Olivia Richards.“ „Okay und was macht er nun gerade?“ wollte Ben wissen.
„Läuft hin und her.“ informierte Derek seinen Bruder „Warte, es hört sich jetzt so an, als würde er duschen.“
„Gut, sag uns bitte bescheid, sobald etwas passiert oder er seine Suite verlässt.“
„Mach ich.“ antwortete Derek.
Kurze Zeit später klingelte in A.J. Suite erneut das Telefon.
Gespannt setzte sich Derek auf und wartete darauf, dass A.J. abnahm.
„Ja was ist?“ sagte A.J. ungeduldig, als er das Telefon abhob.
Derek grinste, wahrscheinlich war Deschanel gerade aus der Dusche gekommen und stand nun tropfnass da, stellte er sich vor.
„Ich bin es, Boss.“ meldete sich eine Männerstimme „wir haben ein Problem.“
„Was ist los? Die Kleine ist Euch doch wohl hoffentlich nicht ausgebüchst?“ fragte A.J. nach.
Alarmiert setzte sich Derek auf und lauschte angestrengt.
„Das nicht, aber es gab eine Sprengung und nun ist der Eingang zur Höhle verschlossen.“ sagte die unbekannte Männerstimme.
„Mein Gott,“ dachte Derek, „was haben die bloß mit Meg gemacht?“
„Ihr verdammten Idioten!“ schrie A.J. los. „In welche Höhle habt Ihr sie denn gesteckt? Ich hatte Euch doch ausdrücklich gesagt, in die letzte, da die anderen in den nächsten Tagen nach und nach gesprengt werden!“
„Wir haben sie in die letzte Höhle gesteckt,“ versuchte sich der Mann zu verteidigen „die letzte von Süden her.“
„Ihr Idioten!“ fuhr ihm Deschanel dazwischen „Ich sagte, die letzte von Norden her! Seht zu, dass Ihr dort hinkommt und beginnt den Ausgang freizulegen. Ich bin gleich da, ich muss nur noch meine Verabredung absagen!“ A.J. knallte den Hörer wieder auf, ohne auf eine Antwort zu warten.
Derek war ganz bleich geworden. Schnell drückte er die Taste für das Mikrophon
„Ben, Meg ist in einer Höhle, allerdings hat eine Sprengung den Eingang versperrt.“ informierte er Ben und Sam.
„Oh mein Gott, wir fahren sofort hin! Leite alles in die Wege, damit ein Rettungsteam dort hinkommt.“ Ben wusste natürlich sofort, um welche Höhle es sich handelte, da er selber die Sprengung veranlasst hatte.
“Ben,“ meldete sich Derek „ich kenn einen anderen Weg in die Höhle. Von dort erreichen wir Meg schneller und vor allem Deschanel bekommt davon nichts mit. Er will sich dort mit seinen Leuten treffen.“
Nun schaltete sich Sam ein.
„Gut, Derek hör zu, befreie Du Meg, und Ben und ich kümmern uns um Deschanel. Wo können wir uns treffen?“
„In meinem Büro im Deep.“ sagte Derek.
„Gut, wir treffen uns dort so schnell wie möglich, bis dann.“ beendete Sam die Unterhaltung.
Derek sprang auf und verließ das Haus.
Mark stand hinter dem Tresen, als Caitlin das Java Web betrat. Er sah gleich, daß sie etwas bedrückt wirkte. Sonst begrüßte sie ihn immer fröhlich und lachte, doch heute nickte sie zur Begrüßung nur kurz und verschwand gleich im hinteren Raum. Da derzeit nicht viel im Java Web los war, beschloß Mark, ihr zu folgen, um nachzusehen, was ihr fehlte.
Er öffnete die Tür zum Waschraum und schaute vorsichtig hinein.
Caitlin stand am Waschbecken und starrte in den Spiegel gegenüber. Sie erkannte nur verschwommen ihr Spiegelbild, weil sich ihre Augen mit Tränen gefüllt hatten. Erschrocken drehte sie sich um, als sie hörte, wie sich die Tür öffnete. Schnell wischte sie sich die Tränen aus den Augen, als sie Mark erkannte.
"Hallo!" schniefte sie. Mark ging zu ihr und legte einen Arm um ihre Schultern.
"Du hast sie auch gesehen, oder?" sagte er und sah sie mitleidig an.
Caitlin hob überrascht den Kopf.
"Wen meinst Du?" fragte sie, obwohl sie wußte, daß Mark von Annie und Cole sprach. Mark strich ihr vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Auf dem Weg hierher," begann er vorsichtig, "sah ich Annie Douglas und ..." Er unterbrach sich.
"... Cole!" beendet Caitlin den Satz. "Ja, ich habe sie auch gesehen!" Sie kramte aus ihrer Schürzentasche ein Taschentuch und schnäuzte sich die Nase.
"Es tut mir leid!" sagte Mark. Caitlin versuchte zu lächeln.
"Wieso?" sagte sie scheinbar gleichgültig. "Er kann doch ausgehen, mit wem er will!" Mark sah sie überrascht an.
"Habt Ihr etwa Schluß gemacht?"
Caitlin biß sich auf die Lippen. Was sollte sie Mark antworten? Sie hatte ja wirklich mit Cole schlußmachen wollen, als sie in seinem Hotelzimmer war - um für Mark frei zu sein. Eine vertrackte Situation!
Sie straffte ihre Schultern.
"Ja!" log sie. "Ja, Cole und ich sind nicht mehr zusammen!"
Mark sah sie irritiert an.
"Seit wann denn nicht mehr?"
Caitlin fühlte, wie ihr heiß wurde. "Lügen haben kurze Beine!" ging ihr durch den Kopf. "Seit ...seit gestern morgen," sagte sie und wich Marks prüfendem Blick aus.
"Oh!" entfuhr es ihm. Er versuchte sich nicht anmerken zu lassen, wie erleichtert er war. Caitlin steckte das Taschentuch wieder ein.
"Und warum hast Du dann geweint?" Mark bohrte weiter. Caitlin fühlte sich in die Enge getrieben.
"Weil ... weil ich ... ich nicht damit gerechnet habe, daß ... daß er sich so schnell mit einer anderen tröstet!" stotterte sie.
Mark nickte.
"Ja, und ausgerechnet mit Annie Douglas!" Caitlin hörte Verachtung in seiner Stimme. "Ja ..." Caitlin ging zur Tür. "Wir sollten jetzt wirklich zurückgehen, sonst kriegen wir Ärger mit dem Boss."
Mark zuckte mit den Schultern. "Der ist gar nicht da! Keine Ahnung, wo er steckt. Ich wollte mit ihm reden, wegen der Kündigung."
Caitlin nickte.
"Ja, wenn Du erst bei "Radio SB" arbeitest, wirst Du sicher nicht mehr für Derek Evans arbeiten können! Schade ...!"
Mark lächelte.
"Wir sehen uns doch weiterhin," tröstete er sie. "Wir sind dann nur keine Arbeitskollegen mehr!" Mark öffnete die Tür, und stellte überrascht fest, daß sich in seiner Abwesenheit einige Leute an den Tischen eingefunden hatten.
"Auf geht's," sagte er zu Caitlin. "Die Arbeit ruft!"
Gabi war im Krankenhaus gerade dabei, den Medikamentenschrank einzuräumen, als sie von Roxanne ans Telefon gerufen wurde. Gabi sah sie fragend an.
"Wer ist da?" flüsterte sie Roxi zu. Diese schüttelte den Kopf.
"Keine Ahnung ... eine Madame sowieso!" Sie reichte den Hörer an Gabi weiter.
"Hier ist Schwester Martinez!" meldete sie sich unsicher.
"Hier ist Carmen Torres!" hörte sie eine resolute Stimme sagen. "Gabi ... ich möchte Sie zu einem Kaffee in meinem Häuschen am Strand einladen. Sagen Sie mir, wann es Ihnen passt!" Die Stimme klang bestimmt und duldete keinen Widerspruch.
Gabi umklammerte den Hörer. Was wollte Ricardos Mutter von ihr? Sie fühlte sich mit einem Mal unbehaglich.
"Ich bin heute für die Frühschicht eingeteilt," sagte sie schnell. "Ich werde wohl um 15.30 Uhr Feierabend machen können!"
"Sehr schön!" Madame Carmen schien zufrieden zu sein mit Gabis Antwort. "Dann erwarte ich sie pünktlich um 16.30 Uhr in meinem Haus!" Bevor Gabi noch etwas entgegnen konnte, hatte sie schon aufgelegt.
Gabi umklammerte immer noch den Hörer, als Roxi sie ansprach.
"Erde an Gabi!"
Gabi schüttelte den Kopf.
"Wie? Was?" sagte sie in Gedanken versunken. Roxi wies auf den Hörer in ihrer Hand. "Du kannst auflegen, denke ich!" Sie sah Gabi prüfend an. "Schlechte Nachrichten? Du siehst aus, als ob Du einem Geist begegnet wärst!"
Gabi legte den Hörer auf die Gabel und sah Roxi an.
"Ja, sowas ähnliches ...!" murmelte sie. "Entschuldige, ich sollte mich jetzt besser wieder um die Medikamente kümmern."
Gabi schob Roxi zur Seite und ließ diese einfach stehen.
Mark wischte einen der Tische ab und ging dann zu Caitlin hinüber, die hinter dem Tresen dabei war, Geld zu zählen.
"So ..." Mark warf den Wischlappen schwungvoll auf den Tresen. "Der größte Ansturm ist erst einmal vorüber!" Er sah Caitlin erwartungsvoll an. "Wollen wir zusammen Mittagspause machen?"
Sie lächelte und folgte ihm an einen Tisch.
"Wenn das der Boss sieht, gibt's Ärger!" bemerkte sie und sah sich um.
Mark grinste.
"Was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß!"
Caitlin verkniff sich ein Lachen.
"Ja, Du hast gut reden! Du stehst ja bald nicht mehr auf seiner Lohnliste!"
Mark sah Caitlin nachdenklich an.
"Hm, ja, ich überlege schon die ganze Zeit, wen wir als neue Aushilfe anwerben können." Er zuckte mit den Schultern. "Seitdem Tim auch noch weg ist, müssen wir die Arbeit sowieso durch zwei teilen."
Caitlin sah Mark fragend an.
"Wo ist Tim eigentlich?"
"Er ist nach Kansas geflogen. Er will da wohl private Dinge regeln. Keine Ahnung, um was es sich handelt." Er sah Caitlin an. "Wir waren nie die besten Freunde!"
Caitlin kratzte sich nachdenklich am Kopf.
"Ich glaube, ich weiß, wen wir fragen könnten!" sagte sie plötzlich und sprang auf. Mark sah sie neugierig an.
"Dann schieß mal los!"
Caitlin lächelte.
"Wie wär's, wenn wir meine Vorgängerin einfach fragen - Sara Cummings!"
Mark runzelte die Stirn.
"Ich glaube nicht, daß der Boss damit einverstanden wäre."
Caitlin hob überrascht den Kopf.
"Wieso denn nicht?"
Mark lächelte.
"Sie ist seine Freundin, und ich glaube nicht, daß er es toll fände, wenn sie hier als Kellnerin arbeitet!"
Caitlin schnaubte verächtlich durch die Nase.
"Männer!" stieß sie hervor.
Mark hob überrascht die Augenbrauen.
"Anwesende natürlich ausgeschlossen," fügte sie schnell hinzu und lächelte ihn an.
"Ich werde Sara fragen, was sie von der Idee hält, hier wieder als Aushilfe zu arbeiten!" Caitlin rieb sich die Hände. "Sie wird schon wollen, denke ich, und so wie ich sie einschätze, tut sie auch nur, was sie will!"
Mark schmunzelte.
"Ja, da hast Du recht. Sie ist enorm eigenwillig und immer für eine Überraschung gut!" Ein Gast betrat das Java Web und Mark ging hinter den Tresen, während Caitlin einige Aschenbecher auf den Tischen leerte. Sie zwinkerte Mark zu. Jetzt mußte sie nur noch die Sache mit Cole beenden, damit sie wirklich und ehrlich für ihn frei war!
Beschwingt ging sie zu einem der Tische, wo der Gast platzgenommen hatte und nahm die Bestellung auf.
Derek sprang in sein Auto und fuhr mit quietschenden Reifen davon.
Hoffentlich war Meg nichts passiert! Wer weiß, wie es in der Höhle aussah!
Obwohl er mit dem Auto nur fünf Minuten bis zum Deep brauchte, kam ihm die Zeit wie eine kleine Ewigkeit vor.
Er parkte sein Auto auf dem Hof hinter dem Deep und sprang hinaus. Er machte sich weder die Mühe, die Autotür wieder zu schließen, noch abzuschließen. Er holte sein Schlüsselbund aus seiner Hosentasche und schloss die Tür auf, wobei seine Hände so zitterten, dass er es nicht gleich auf Anhieb schaffte.
„Komm schon Derek, reiß Dich zusammen, vielleicht ist Meg verletzt und jede Minute zählt jetzt!“ versuchte er sich selber zur Ruhe zu zwingen. Endlich gelang es ihm, die Tür aufzuschließen.
Er betrat das Deep. Da um diese Tageszeit hier noch niemand anwesend war, lag das ganze Lokal im Dunkeln. Derek hielt sich erst gar nicht damit auf, das Licht einzuschalten, schließlich kannte er sich in seinem eigenen Lokal ja bestens aus. Er durchlief den Gang, kam an den Toiletten vorbei, überquerte die verlassene Tanzfläche und stieß sich dann sein Schienbein an einem Stuhl an.
„Verdammt, wer hat den Stuhl denn hier mitten im Weg stehen gelassen!“ schimpfte er los. Er rieb sich kurz sein schmerzendes Schienbein und lief dann weiter.
Hinter der Bar führte eine Tür in den Keller. Er ging dort hinunter und in den Weinkeller hinein. Hier endlich schaltete er das Licht an und sah sich um. Ganz hinten, im letzten Regal entdeckte er, wonach er gesucht hatte.
Er nahm die Taschenlampe vom Regal und überprüfte, ob sie funktionierte.
„Gott sei dank!“ sagte er erleichtert, als die Lampe aufleuchtete. Dann ging er auf die andere Seite des Weinkellers und klappte einen an der Wand befestigten alten Kerzenleuchter herunter. Dadurch öffnete sich ein Tür in der Wand und Derek schlüpfte hindurch.
Ein langer, dunkler Gang lag vor ihm, den er nun so schnell es ging entlang lief.
Als Meg wieder zu sich kam, wusste sie im ersten Augenblick nicht, wo sie war oder was passiert war. Vorsichtig setzte sie sich auf und sah sich um.
Plötzlich fiel ihr alles wieder ein.
Die Entführung gestern, das sie hier in der Höhle gefangen gehalten wurde und das es eine Explosion gegeben hatte. Zum Glück war die Lampe heil geblieben, so dass sie nicht vollkommen in der Dunkelheit saß.
Vorsichtig stand sie auf. Der ganze Boden war mit großen und kleinen Felsbrocken überseht. Meg nahm die Lampe in die Hand und tastete sich vorsichtig bis zum Höhlenausgang vor. Zu ihrem Entsetzen musste sie feststellen, dass der Eingang nun völlig verschlossen war.
„Oh mein Gott!“ Zum ersten Mal seit der Entführung stieg in Meg ein Gefühl der Panik hoch. Sie sank auf den Boden und fing an zu schluchzen. Die Tränen liefen ihre Wangen hinunter. Sie wusste nicht, wie lange sie dort so gesessen hatte, aber ganz plötzlich meinte sie jemanden ihren Namen rufen zu hören.
„Na klasse, jetzt hast Du schon Halluzinationen.“ sagte sie zu sich selber. Aber wenige Augenblicke hörte sie es noch einmal und diesmal deutlicher und näher.
Sie stand auf und ging an das andere Ende der Höhle hinüber.
„Hier bin ich, hier her!“ fing sie an zu rufen.
„Meg ich bin gleich bei Dir. Ist alles in Ordnung mit Dir?“ konnte Meg nun ganz deutlich Dereks Stimme vernehmen.
„Ja, soweit ist alles okay, ich will nur raus hier!“ antwortete Meg.
Wenige Augenblicke später wurde ganz langsam ein Felsbrocken zur Seite geschoben und Dereks Gesicht tauchte auf
„Meg, gleich bist Du draußen!“ sprach Derek ihr zu. Er schob den Fels noch ein wenig weiter. „So, ich glaube jetzt müsstest Du durchpassen.“ stellte er fest und trat zur Seite. Meg zwängte sich durch den Spalt. Erleichtert fiel sie Derek um den Hals.
„Danke, ich habe mich noch nie so sehr gefreut Dich zu sehen. Wo ist Ben?“ Meg sah sich suchend um.
„Keine Angst Meg, er wird gleich hier sein.“ Derek nahm Megs Hand. „Komm, lass uns hier verschwinden.“
Meg zog ihre Hand zurück.
„Nein, ich will auf Ben warten.“
Derek sah sie an.
„Meg, ich kann verstehen, dass Du mir, nach allem was passiert ist, nicht vertraust, aber dieses Mal arbeiten Ben und ich zusammen. Dieser Gang hier führt direkt ins Deep und dort werden wir auf Ben treffen.“
Immer noch ein wenig zweifelnd sah Meg Derek an, beschloss dann aber ihm zu folgen.
"Oh Liebling, ich bin so froh, daß du zurückgekommen bist. Damit hat dieser lächerliche Streit endlich ein Ende."
Nicht zum ersten Mal hatte Mrs Chang diese Worte verlauten lassen. Und nicht zum ersten Mal hatte Rae versichert, daß sie auch glücklich sei. Sie saß in ihrem Apartment in Los Angeles, doch während sie die Worte ihrer Mutter fast nebenher aufnahm, hingen ihre Gedanken immer wieder an Casey.
"Du wirst schon sehen, daß es die richtige Entscheidung war. Wei-Lee ist ein angesehener Geschäftsmann. Mit ihm wirst Du glücklich werden."
"Ja, wahrscheinlich hast Du recht. Er ist ja auch sehr gebildet... und charmant."
"Ganz genau. Ihr paßt hervorragend zusammen." Mrs Chang, die bemerkte, daß Rae schweigsamer war als gewöhnlich, sagte das so betont, daß Rae für einen Moment den Eindruck hatte, daß ihre Mutter nicht nur sie, sondern auch sich selbst überzeugen wollte. "Dein Vater hat übrigens gemeint, daß es am besten wäre, wenn alles möglichst schnell über die Bühne geht. Deswegen dachten wir zunächst an eine Hochzeit im kleinsten Kreis auf dem Standesamt. Die Verwandten können wir ja auch zu einem späteren Zeitpunkt einladen."
Rae nickte geistesabwesend.
"Aufgrund des Einflusses den Dein Vater und Wei-Lee haben, kann alles schon in ein paar Tagen erledigt sein."
Rae horchte auf.
"Ein paar Tage, nur noch ein paar Tage", meinte ihre Mutter, "dann bist du Mrs. Rae Young."
Die Koffer standen gepackt im Wohnzimmer des Surfcenters.
"Ich kann kaum glauben, daß er wieder abreist", meinte Michael.
"Ich verstehe Dich", munterte ihn Vanessa auf. "Aber auch Jimmys Ferien gehen einmal vorüber. Fährst Du ihn morgen zurück?"
"Nein, Virginia hat sich freigenommen, und wird ihn abholen."
Vanessa zögerte. Irgendwie hatte sie auf die Ankunft von Michaels Exfrau nun wirklich keine Lust. Michael schien ihre Gedanken zu erraten.
"Keine Bange. Virginia ist in Ordnung, wirklich."
"Das ist es ja gerade, was ich befürchte", dachte Vanessa. Laut meinte sie:
"Sicher."
In diesem Augenblick kam Jimmy die Treppe hinunter.
"Was machen wir heute?", forschte er.
"Weißt Du was", antwortete Michael. "Das darfst Du Dir raussuchen. Dieser Abend gehört ganz allein Dir. Es ist schließlich Dein letzter in Sunset Beach.
"Dann gehen wir in den Waffelshop und essen ein Eis", beschloß Jimmy.
"Abgemacht", meinte Michael.
Vanessa lächelte und ging Richtung Tür, als Jimmy plötzlich enttäuscht fragte:
„Kommt denn Vanessa nicht mit? Ich möchte so gern, daß sie mitkommt!"
"Jetzt hast Du keine Wahl", meinte Michael sarkastisch. "Er scheint Dich zu mögen."
"Na dann muß ich ja wohl oder übel mitkommen", erwiderte Vanessa lachend. Michaels Sohn schien sie tatsächlich zu akzeptieren. Jimmy war am Anfang ihrer Begegnung so abweisend gewesen, daß sie gar nicht damit gerechnet hätte.
"Es wird ein Abend zu dritt", erklärte Michael.
Hickengruendler
Ben und Sam mussten nicht mehr lange warten, bis A.J. aus dem Hotel kam.
"Dort ist er." sagte Ben. Sam startete den Motor des Van und ließ dabei A.J. nicht aus den Augen. Dieser überquerte die Strasse und blieb vor seinem Auto stehen, um die Fahrertür aufzuschließen. Das war der Moment, auf den Ben und Sam gewartet hatten. Sam gab Gas und stoppte den Van genau neben A.J. Deschanel.
Bevor dieser noch wusste, was geschah, hatte Ben die Seitentür geöffnet, sprang heraus und versetzte A.J. einen gezielten Handkantenschlag. Dieser sank bewußtlos zusammen. Ben fing ihn auf und legte ihn hinten in den Van. Er sprang in das Auto und rief, noch während er die Tür schloss "Fahr zu!"
Das Ganze hatte
nur Bruchteile von Sekunden gedauert und wurde von niemanden beobachtet.
Auf dem schnellsten Weg steuerte Sam den Van zum Deep. Sie parkten
neben Dereks Wagen.
"Derek ist schon hier, hoffentlich hat er Meg." stellte Ben fest. Sie stiegen aus und gemeinsam trugen sie den immer noch bewußtlosen A.J. ins Deep. Ben sah sich um, konnte aber nirgends eine Spur von Derek entdecken.
"Derek, wo bist Du, und wo ist Meg?" rief er.
"Wo können wir Deschanel denn hinbringen, damit wir uns nach Derek umsehen können?" fragte Sam. Ben überlegte einen Moment.
"Am besten in Dereks Büro."
Sie schleppten A.J. die Stufen zu dem Büro hinauf und legten ihn dort auf dem Sofa ab. Sam zog sich einen Stuhl heran.
"Geh Du und such Deinen Bruder und Meg, ich bleibe hier und passe auf Deschanel auf." "Gut." Ben verließ das Büro und ging wieder in das Lokal zurück. Er blieb mitten auf der Tanzfläche stehen und rief noch einmal "Derek? Meg? Seid Ihr hier?"
Angestrengt lauschte er und dann hörte er plötzlich eilige Schritte. Wenige Augenblicke später tauchte Meg in der Tür hinter der Bar auf. Sie bleib einen Moment stehen.
Als sie Ben in Halbdunklen auf der Tanzfläche stehen sah, gab es kein Halten mehr für sie. Sie rannte auf Ben zu und fiel Ihm in die weitgeöffneten Arme. Ihre Lippen trafen sich für einen langen Kuss. Als sie sich außer Atem von einander lösten, sah Ben Meg an. Er bemerkte eine Beule an Ihrer Stirn und strich vorsichtig mit seinen Fingern darüber. „Geht es Dir gut? Ist alles in Ordnung?"
Meg nickte.
"Ja, jetzt geht es mir gut. Ben, ich hatte solche Angst!" Ihre Augen füllten sich mit Tränen. "Und stell Dir mal vor, Derek hat mich gerettet."
"Ich weiß, mein Liebling." Ben nahm Meg in den Arm und warf seinem Bruder, der inzwischen auch wieder aus dem Keller zurück gekehrt war, einen dankbaren Blick zu. "Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber dieses mal haben Derek und ich zusammen gearbeitet." erklärte Ben und sah Meg zärtlich an. "Ich bin ja so froh, dass es Dir gut geht. Wenn Dir auch nur etwas passiert wäre, würde ich Deschanel eigenhändig umbringen."
Meg sah Ben verwirrt an.
"Was hat Cole Deschanel denn damit zu tun?"
"Nicht Cole, aber sein Vater A.J. Deschanel. Komm mit in Dereks Büro, dann erzähle ich Dir alles." sagte Ben und die drei gingen ins Büro hoch.
Gabi zog den Schwesternkittel aus und hing ihn an die Garderobe.
Endlich Feierabend!
Sie schaute auf die Uhr. Sie hatte noch eine Stunde Zeit, um sich bei Madame Carmen einzufinden. Plötzlich fiel ihr siedendheiß ein, daß sie sich ja mit Ricardo verabredet hatte. Sie ging in die Halle zu einem der öffentlichen Fernsprecher und wählte seine Nummer. Es lief jedoch nur der Anrufbeantworter, und Gabi sprach ihren Text auf.
Sie beschloß, nicht noch einmal nach Hause zu gehen, sondern direkt zu Madame Carmens Häuschen am Strand zu fahren. Gabi nahm ihre Tasche und ging zum Taxistand vor dem Krankenhaus. Sie stieg in ein wartendes Taxi und nannte die Adresse. Auf dem Weg dorthin grübelte Gabi darüber nach, was Ricardos Mutter wohl so Dringendes mit ihr zu besprechen hatte. Sie hatte Madame Carmen als charmante, charismatische, etwas geheimnisvolle Persönlichkeit kennengelernt. Gabi hatte sie auf Anhieb sympathisch gefunden, und Madame Carmen hatte ihr damals sogar die Zukunft vorhergesagt.
Gabi seufzte tief, als sie an die Prophezeiungen dachte. Sie zog die Schultern hoch, weil sie plötzlich zu frieren anfing.
Der Taxi-Fahrer stoppte das Auto und drehte sich zu ihr um.
"So, junge Dame, wir sind da! Gleich hinter diesem Hügel liegt die von Ihnen genannte Adresse!" Gabi drückte ihm einen Geldschein in die Hand und stieg aus.
Der Strand war menschenleer, und Gabi überkam ein beklommenes Gefühl. Als sie schließlich vor Carmen Torres' Haus stand, klopfte ihr Herz bis zum Hals. Warum war sie nur so nervös? Sie war doch nur zum Kaffee eingeladen worden!
"Vielleicht will sie mir aus dem Kaffeesatz lesen," dachte Gabi und mußte schmunzeln. Sie hob die Hand, um anzuklopfen, als die Tür sich plötzlich wie von Geisterhand öffnete. Gabi trat erschrocken einen Schritt zurück.
Aus dem Inneren des Hauses hörte sie eine Stimme.
"Willkommen, Gabi! Sie sind etwas früh. Ich lege gerade meine Patiencen. Kommen Sie rein und schließen Sie bitte die Tür!" Gabi schloß die Tür und trat vorsichtig näher.
Ihre Hände fühlten sich klamm und kalt an.
Madame Carmen kam hinter einem Vorhang hervor und begrüßte sie freundlich. "Entschuldigen Sie bitte, aber ich mußte meine Sitzung gerade noch beenden ..."
Sie öffnete den Vorhang und machte Gabi ein Zeichen, daß sie ihr folgen sollte.
"Nehmen sie doch Platz!"
Gabi setzte sich und starrte auf die Kugel vor ihr. Madame Carmen lächelte geheimnisvoll.
"Damit kann ich Dinge sehen, die anderen Menschen verborgen bleiben ...!" Sie machte eine Pause und sah Gabi durchdringend an. "Damit kann ich in die Seele eines Menschen schauen!"
Gabi schluckte. Ihre Hände krallten sich um die Stuhllehne.
"Was - was wollen Sie von mir?" stammelte sie.
Madame Carmen stand auf und ging zu einem kleinen Tisch hinüber.
"Einen Kaffee, Gabi?"
Gabi nickte mechanisch. Sie wäre am liebsten aufgestanden und hinausgerannt, aber irgendetwas hinderte sie daran. Madame Carmen brachte Gabi eine Tasse Kaffee und setzte sich wieder vor ihre Kugel.
"Sie wollen wissen, warum ich Sie hierher gebeten habe?" Sie sah Gabi fest in die Augen. "Nun, ich will es Ihnen sagen ...!"
Madame Carmen ergriff Gabis Hand.
"Ich liebe meinen Sohn," sagte sie und schaute Gabi in die Augen," und ich möchte verhindern, daß ihm wieder so weh getan wird, wie ... damals!"
Gabi schluckte. Schnell entzog sie Madame Carmen ihre Hand.
"Ich - ich liebe ihn auch!" sagte sie schwach. Madame Carmen nickte.
"Ich weiß!" sagte sie knapp. "Und doch gibt es etwas, was Sie ihm verschweigen ...!" Entsetzt sah Gabi sie an.
"Ich - ich weiß nicht, was Sie meinen!" log sie, und fühlte, wie ihr Mund trocken wurde. Madame Carmen sah Gabi durchdringend an und wies auf ihre Kugel.
"Ich habe die Wahrheit in meiner Vision gesehen ..." sagte sie geheimnisvoll.
Gabi sprang auf.
"Was haben Sie gesehen?" stieß sie nervös hervor. Madame Carmen machte eine Handbewegung, daß sie sich wieder setzen sollte, doch Gabi war wie erstarrt.
"Ich habe Sie gesehen und einen ... anderen Mann, und mein Gespür sagt mir, daß sie zwei etwas besonderes verbindet!"
Gabi zuckte zusammen. Sie spürte, wie ihr plötzlich Tränen über die Wangen liefen.
"Ich wollte es Ricardo sagen," stieß sie hervor," gleich nachdem es passiert ist, aber ich konnte es einfach nicht ..." Ihre Stimme brach. Madame Carmens Gesicht bekam einen traurigen Ausdruck.
"Sie hatten mit diesem anderen Mann also ein Verhältnis!" stellte sie fest und sah Gabi nachdenklich an. Erleichtert darüber, daß sie sich endlich jemandem anvertrauen konnte, schrie Gabi die Wahrheit nur so heraus.
"Ja, ich habe Ricardo mit einem anderen Mann betrogen!" Sie sank weinend zurück auf den Stuhl und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Erschrocken schaute sie hoch, als plötzlich der Vorhang zurückgerissen wurde.
Madame Carmen fand als erste ihre Stimme wieder.
"Ricardo ..." Entsetzt über das, was er gerade gehört hatte, stand er wie angewurzelt da. Gabi starrte ihn nur an, unfähig, auch nur ein Wort zu sagen.
"Du hast mich betrogen?" fragte er ungläubig und sah sie an. Gabi sprang auf und ging ein paar Schritte auf ihn zu.
"Ich wollte nicht, daß Du es so erfährst!" sagte sie verzweifelt.
Madame Carmen räusperte sich.
"Ihr entschuldigt mich?" Sie stand auf und ging in das Nebenzimmer.
Ricardo sah Gabi an. In seinem Gesicht standen Trauer und Schmerz. Abrupt drehte er sich um, öffnete die Tür und rannte, so schnell er konnte, den Strand entlang.
Gabi rannte hinter ihm her und rief verzweifelt seinen Namen, doch er war zu schnell für sie. Weinend ließ sie sich in den Sand fallen und krallte ihre Hände hinein. Sie hatte alles zwischen ihnen zerstört!
Plötzlich erinnerte sie sich an das, was Madame Carmen ihr beim letzten Besuch vorhergesagt hatte: <<Vergangene Dinge treten an die Oberfläche, und alle müssen mit den bitteren Konsequenzen leben ...>>
"Sie hat es gewußt," schrie Gabi verzweifelt" und sie hat mich in mein Unglück rennen lassen!" Ihre Tränen tropften auf den Boden und vermischten sich mit dem feinen Sand, als sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter spürte ...
"Findest Du nicht auch, daß es im Surfcenter richtig leer geworden ist", meinte Michael gerade zu Mark. "Erst ist Rae ausgezogen, dann Sara und Tiffany, und jetzt fährt Jimmy wieder ab. Meg hat sich schon seit Tagen nicht mehr blicken lassen, wahrscheinlich ist sie die ganze Zeit bei Ben. Und Casey und Gabi verhalten sich auch irgendwie merkwürdig." Mark blickte ihn neugierig an.
"Findest Du? Ist mir gar nicht aufgefallen."
Michael zuckte mit den Schultern.
"Kommt mir so vor. So verkrampft. Als hätten sie sich gestritten. Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein."
"Also ich hab nichts dergleichen bemerkt", erwiderte Mark. "Und was unsere Auszüge angeht, wie wäre es, wenn wir die Zimmer neu vermieten würden?"
"Und an wen?"
"Es müßten sich natürlich die Richtigen finden. Geht sicher nicht von heute auf morgen." In diesem Augenblick klingelte es an der Tür und Jimmy eilte die Treppe hinunter. "Mami!" rief er.
"Hi Schatz!" Virginia hob Jimmy hoch und umarmte ihn.
"Hallo Michael", meinte sie lächelnd, "lange nicht mehr gesehen."
Hickengruendler
Das Wiedersehen verlief relativ kühl. Beiden, Virginia und Michael, fiel es schwer, die richtigen Worte zu finden.
"Aber immerhin", dachte Virginia später sarkastisch, als sie mit Jimmy bereits im Zug auf dem Rückweg war, "ein Fortschritt zu damals ist es allemal, da haben wir uns nur angeschrien."
In all den Jahren nah der Scheidung hat Virginia versucht, Michael zu vergessen, aber heute nachdem sie ihn wieder gesehen hatte, wurde ihr plötzlich klar, daß ihr dies nicht gelungen war. Alte Gefühle kamen wieder hoch, von denen sie sich nicht bewußt war, daß sie noch immer existierten. Ihr wurde plötzlich klar, daß sie Michael noch immer liebte. Jimmy hatte etwas von einer Freundin erzählt.
Natürlich, Virginia konnte nicht erwarten, daß er all die Jahre allein blieb, so wie sie. Aber in diesem Augenblick war sie sich sicher, daß sie Michael zurückwollte, irgendeine Freundin war ihr da egal.
"Kann ich die nächsten Ferien wieder zu Daddy?", fragte Jimmy plötzlich.
"Vermißt Du ihn schon?", forschte seine Mutter. Jimmy nickte. Virginia lächelte ihn an. "Warts mal ab, ich hab so das Gefühl, daß du ihn bald wieder öfters sehen wirst." Zufrieden mit dieser Antwort lehnte sich Jimmy zurück.
Hickengruendler
Meg, Ben und Derek betraten Dereks Büro.
A.J. lag immer noch bewusstlos auf dem Sofa. Als Sam die anderen hereinkommen sah, stand er auf.
Ben legte seinen Arm um Megs Schulter
„Meg, darf ich Dir meinen besten Freund vorstellen? Das ist Sam Peterson, aber er wechselt auch gerne mal seinen Namen. Sam, das ist die Liebe meines Lebens, Meg Cummings.“ stellte Ben die beiden gegenseitig vor.
Sam schüttelte Megs Hand.
„Nett Sie endlich kennenzulernen. In den letzten Stunden habe ich sehr viel über Sie gehört.“
Meg sah Sam ein wenig verwirrt an.
„Danke, leider kann ich nicht das selbe von Ihnen sagen.“
Ben drückte Meg ein wenig fester an sich.
„Keine Angst Liebling, ich werde Dir später alles über Sam erzählen und über unsere gemeinsame Vergangenheit. Zuerst müssen wir uns aber um A.J. Deschanel kümmern, ich möchte nicht, das er noch mal einen Versuch starten, einem von uns zu nahe zu treten.“
„So wie ich Dich kenne, hast Du auch schon einen Plan, Ben.“ lächelte Sam.
„Natürlich.!“ antwortete Ben. Er drehte sich zu Derek um „Wo bewarst Du die restlichen Juwelen auf?“
„Hier im Safe vom Deep.“ erwiderte Derek. „Was hast Du denn damit vor?“
„Ich will sicher gehen, dass A.J. keinen weiteren Versuch startet, um an die Juwelen zu kommen. Allerdings wirst auch Du Dich davon trennen müssen.“
„Das ist doch wohl nicht Dein Ernst?“ fragte Derek entsetzt „Die sind meine finanzielle Rücklage! Du weißt doch, das Geschäftliche liegt mir nicht so wie Dir.“
„Derek, ich werde Dir in Zukunft bei Deinen Geschäften helfen, vorausgesetzt, Du kooperierst und startest keinen Versuch, mich zu hintergehen. Ich hoffe, Du hast begriffen, dass ich sehr einflussreiche Kontakte habe, die Dir das Leben zur Hölle machen können.“ redete Ben auf seinen Bruder ein.
Derek war für einen Augenblick sprachlos. Nie im Leben hätte er erwartet, dass Ben ihm eine geschäftliche Partnerschaft anbot. Andererseits, musste er sich eingestehen, dass sie in den letzten beiden Tagen ein unschlagbaren Team gewesen und sich dabei sehr viel näher gekommen waren.
„Also gut,“ gab er nach und öffnete den Safe. Er holte eine Schatulle heraus und reichte sie Ben. „Hier sind die restlichen Juwelen.“
Ben nahm die Schatulle an sich.
„Gut, jetzt muss ich nur noch zwei Telefonate führen und dann müssen wir zu sehen, das A.J wieder zu sich kommt.“ Er ging zum Schreibtisch hinüber, hob den Hörer ab und wählte.
„Hi Pater Marcus, hier spricht Ben Evans. Hätten Sie vielleicht Zeit für eine halbe Stunde ins Deep zu kommen? Es geht um eine größere Spende für die Mission.“ Er lauschte einen Moment. „Gut, bis gleich dann, bye.“
Ben legte den Hörer auf, nahm ihn aber gleich wieder ab und wählte erneut.
„Hi Vanessa, hier ist Ben Evans. Haben Sie Interesse an einer Story? Es geht um eine größere Spende für die Mission. Gut, dann kommen Sie doch bitte gleich ins Deep, bye.“ Er legte den Hörer auf und drehte sich um.
„So, Zeit für Mr. Deschanel aufzuwachen.“
Gabi fuhr erschrocken herum, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie blickte hoch und sah in Madame Carmens grün-braune Augen.
"Steh' auf, mein Kind," sagte diese und half Gabi hoch. Gabi schluchzte und wischte sich übers Gesicht. Mechanisch folgte sie Madame Carmen zurück ins Haus. Wortlos reichte diese ihr eine Tasse Kaffee. Gabi saß wie versteinert und starrte auf den Boden. "Manchmal kann es auch ein Fluch sein, in die Zukunft schauen zu können," sagte Madame Carmen leise.
Gabi hob erstaunt den Kopf.
"Sie wußten es also wirklich?" fragte sie und sah Madame Carmen mit großen Augen an. Diese nickte.
"Ja, ich habe es gewußt," gab sie zu, "aber seinem Schicksal kann man nicht entrinnen," fügte sie schnell hinzu.
Gabi stand auf und stellte die Tasse ab.
"Danke," sagte sie, "Sie sind wenigstens ehrlich zu mir."
Madame Carmen lächelte, nahm Gabis Hand und drehte die Innenfläche zu sich.
"Ich mag Sie, Gabi ...!" Sie räusperte sich. "Sehr sogar, und ich sehe für ihre Zukunft viel Glück und Liebe ...!" Sie unterbrach sich und schaute angestrengt in Gabis Hand. "Diese Linie," sie fuhr mit ihrem Finger eine Handlinie entlang," bedeutet eine Prüfung." Sie strich sanft mit ihren Fingern über Gabis Hand. "Ich sehe ... Veränderungen, ihr Leben wird nicht mehr das sein, was es vorher war."
Sie schaute zu Gabi auf und lächelte.
"Keine Angst," sagte sie. "Veränderungen sind nicht immer negativ zu deuten. Das Leben ist eine einzige Veränderung. Stillstand bedeutet Tod!"
Gabi zuckte zusammen. Madame Carmen ließ ihre Hand los.
"Wenn Sie und Ricardo wirklich füreinander bestimmt sind, wird das Schicksal sie auch wieder zusammenführen," sagte sie geheimnisvoll. Sie stand auf und ging zur Tür. "Gehen Sie jetzt und denken Sie über meine Worte nach!" Madame Carmen öffnete die Tür, und Gabi ging wortlos nach draußen.
Wie im Trancezustand lief sie den Strand entlang, und als sie endlich am Surf Central ankam, konnte sie sich nicht erinnern, wie sie dort hingekommen war.
Ben ging zu A.J. Deschanel hinüber, nahm etwas Wasser und befeuchtete damit dessen Gesicht.
„Es ist Zeit zum aufwachen, Mr. Deschanel.“ sagte er dabei. Nach wenigen Augenblicken begann A.J leise zu stöhnen und langsam öffnete er die Augen.
„Mein Gott, was ist denn nur passiert?“ Er versuchte sich vorsichtig aufzurichten. Als er in die Gesichter der Personen sah, die um ihn herum standen, sah, stöhnte er auf und schloss wieder die Augen „Irgendwas muss mich härter getroffen haben, als ich dachte, ich sehe doppelt!“
„Keine Sorge, Mr. Deschanel, Sie sehen keinesfalls doppelt. Allerdings sollten Sie das nächste Mal, bevor Sie eine Entführung planen, genauer recherchieren. Denn wenn Sie das gründlicher getan hätten, dann hätten Sie festgestellt, dass es zwei Evans hier gibt.“ Ben konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
A.J. öffnete wieder sein Augen und sah Ben verwirrt an.
„Wie meinen Sie das?“
„Nun, darf ich Ihnen meinen Bruder Derek Evans vorstellen?“ Ben zeigte auf Derek. „Und ich bin Ben Evans. Leider haben Sie nicht nur uns verwechselt, sondern Sie haben auch noch die falsche Frau entführt.“
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden!“ versuchte A.J. zu leugnen. „Geben Sie es auf, Deschanel. Sie haben sich mit den falschen Leuten angelegt. Wir haben so einiges auf Tonband, unter anderem Ihr letztes Telefonat mit Ihren Leuten, als Sie Ihnen mitteilten, dass die Höhle, in die Sie Meg gefangen hielten, gesprengt wurde. Das war auch ein Fehler von Ihnen. Ein sehr großer Fehler sogar.“ Bens Stimme bekam einen gefährlichen Unterton. „Ihr Glück ist, dass mein Bruder meine Freundin unversehrt aus der Höhle retten konnte, ansonsten würden Sie jetzt nicht mehr leben.“
A.J. starrte einen Augenblick in Bens dunkle Augen und merkte, dass er jedes Wort so meinte, wie er es sagte.
„Das habe ich ja nicht gewollt, alles was ich wollte, sind meine Juwelen.“ brachte er hervor. „Nun, Ihr Pech, dass Sie sich mit mir angelegt haben, von den Juwelen werden Sie nichts bekommen.“ Ben machte eine Pause „Und wenn Sie auch nur eben daran denken, irgendjemand der mir oder meinem Bruder nahe steht, noch mal zu entführen oder sonst irgendwas anzutun, dann gnade Ihnen Gott. Ich habe sehr viele einflussreiche Freunde und Sie könnten gar nicht so schnell packen, wie Sie das Land verlassen müssten. Das gleiche gilt für Ihre beiden Kinder.“
„Lassen Sie Jade und Cole daraus.“ wagte A.J. zu widersprechen.
„Lassen Sie die Finger von uns, dann lassen ich Sie und Ihre Familie zufrieden.“
„Aber die Juwelen gehören mir und ich will sie wiederhaben.“
„Die Juwelen werden Sie nie wieder bekommen, dafür sorge ich. Sie werden Sie Pater Marcus und seiner Mission stiften.“
„Einen Teufel werde ich tun!“ A.J. sprang nun auf.
„Nun gut, wenn Sie nicht kooperieren, werden wir gleich die Polizei rufen und Sie wegen Entführung anzeigen. Wir haben genug Beweise gegen Sie.“
„Versuchen Sie das ruhig, dann zeige ich Sie auch wegen Entführung an. Ich bin schließlich nicht freiwillig hier.“
„Oh doch das sind Sie.“ sagte Ben zu ihm „Wir alle hier werden bezeugen, dass Sie freiwillig hierher gekommen sind, um mit meinem Bruder zu reden.“
Resigniert setzte sich A.J. wieder. Er merkte, dass er dieses Spiel verloren hatte und Ben alle Trümpfe in der Hand hielt.
„Ich muss zugeben, dass Sie besser sind als ich und dass Sie dieses Spiel gewonnen haben. Aber das ist noch nicht das Ende.“
„Ganz ruhig mein Freund,“ schaltete sich nun Sam ein „denken Sie daran, was Mr. Evans Ihnen gesagt hat. Wenn auch nur einem von uns etwas passiert, werden Sie das für den Rest Ihres Lebens bereuen.“
„Also?“ fragte Ben „Kooperieren Sie nun mit uns?“
„Mir bleibt ja keine andere Wahl.“ sagte A.J. Deschanel „Und wie soll das ganze ablaufen?“
„Nun, Pater Marcus und jemand von der Presse, werden gleich hier sein und dann werden Sie zusammen mit Derek die Juwelen an Pater Marcus überreichen. Das wird eine gute Publissity für Sie geben, wo Sie doch gerade dabei sind, geschäftlich hier in Sunset Beach Fuß zu fassen.“
„Das wissen Sie auch schon?“ fragte A.J. erstaunt.
„Wie ich schon sagte, ich habe meine Hausaufgaben gemacht.“ antwortete Ben.
Bevor noch jemand etwas sagen konnte, klopfte es an der Tür.
Nachdenklich legte Mark im Java Web den Telefonhörer auf. Caitlin sah ihn fragend an. "Das war der Boss," sagte Mark. "Er meinte, daß wir Feierabend machen sollten. Das Deep würde heute geschlossen bleiben wegen irgendwelcher Renovierungsarbeiten." Caitlin sah sich im Raum um.
"Na ja, so viel wäre heute sowieso nicht los gewesen," stellte sie fest und zog ihre Schürze aus. "Und was fangen wir jetzt mit dem angebrochenen Tag an?" fragte sie und sah Mark erwartungsvoll an. Er überlegte einen Augenblick, und dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht.
"Hast Du Lust zu surfen? Die Wetterverhältnisse und Wellen sind geradezu ideal dafür!" Mark lächelte und Caitlin sah ihn unsicher an.
"Ich weiß nicht ..." sagte sie und kratzte sich am Kopf. "Kannst Du denn surfen?" fragte sie neugierig. Mark stellte sich entrüstet vor sie und streckte die Brust heraus.
"Hast Du schonmal einen Beach Boy in Californien kennengelernt, der nicht surfen kann?" Caitlin sah ihn schmunzelnd an.
"Angeber!" sagte sie und boxte ihn in die Seite. "Okay," sagte sie fröhlich," dann kannst Du ja dem Beach Girl ein paar Deiner Tricks verraten."
Mark sah sie überrascht an.
"Du kannst nicht surfen?" fragte er verwundert. Caitlin schüttelte den Kopf.
"Nein, Sean wollte es mir mal beibringen, aber es kam immer etwas dazwischen."
Mark lächelte.
"Wenn es Dir nichts ausmacht, würde ich gerne Dein Lehrmeister sein."
Caitlin lachte.
"Ich sehe schon, Du kannst es kaum noch erwarten. Na, dann mal los!"
Mark holte seine Sachen, schaltete die Computer aus, und gemeinsam verließen sie das Java Web.
Während Caitlin schnell ihr Badesachen holte, wartete Mark vor der Richards-Villa auf sie. Er hatte es vorgezogen, draußen zu warten, weil er weder Gregory noch Olivia Richards über den Weg laufen wollte. Sie hatte ihn beim Dinner im "Grenadines" ständig so merkwürdig angeschaut, und er hatte sich sehr unwohl unter ihren Blicken gefühlt. Er hatte auch irgendwie den Eindruck gehabt, als ob es Caitlins Vater gar nicht recht gewesen wäre, daß seine Tochter mit ihm ausgegangen war.
Mark seufzte und setzte sich. Mit den Fingern malte er gedankenverloren Ornamente in den Sand. Plötzlich hörte er ein Geräusch hinter sich und drehte sich um.
Caitlin sah ihm neugierig über die Schulter.
"Was machst Du da?" fragte sie. Schnell verwischte Mark das Herz, das er gemalt hatte mit seinen Händen und stand auf.
"Nichts ... ich habe nur auf Dich gewartet." Er sah sie an. "Sehr sexy," dachte er. Caitlin trug einen Badeanzug mit einem tiefen Rücken- und Beinausschnitt, so daß ihre weiblichen Reize perfekt zur Geltung kamen. "Können wir los?"
Caitlin nickte und gemeinsam gingen sie zum Wachturm, in dessen Nähe ein Schuppen stand, in dem sich die Surfboards befanden.
"Wir sollten vielleicht erst einmal Trockenübungen machen." sagte Mark und legte das Board auf den Boden. Er machte Caitlin ein Zeichen, daß sie sich aufs Board stellen sollte. Folgsam tat sie, was er verlangte.
"Siehst Du die Schlaufen? Da mußt Du Deine Füße reinschieben."
Caitlin gehorchte, doch plötzlich verlor sie das Gleichgewicht und kippte samt Board um. Mark lachte und half ihr beim Aufstehen. Caitlin schüttelte sich den Sand aus den Haaren.
"Mann, surfen ist gar nicht so einfach!" stellte sie fest. Mark hielt sich vor lachen den Bauch.
"Im Wasser fällst Du weicher." versprach er ihr. Caitlin streckte ihm die Zunge raus. "Los, wieder rauf aufs Board!" ordnete er an. "Ich helfe Dir auch dabei."
Caitlin sah ihn dankbar an. Sie stellte sich wieder auf das wackelige Board, und Mark stellte sich hinter sie. Vorsichtig legte er seine Arme um ihre Taille.
"Besser so?" fragte er leise. Caitlin nickte. Sie fühlte seinen warmen Körper, roch sein würziges Aftershave und irritiert durch seine Nähe, verlor sie abermals das Gleichgewicht. Mark versuchte noch gegenzusteuern, doch sie riß ihn mit sich, und gemeinsam landeten sie im Sand.
"Alles okay?" Mark sah sie besorgt an. Er hielt sie fest in seinen Armen, und ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt, so daß er ihren Atem spüren konnte. Ihre Blicke trafen sich, und ihre Lippen fanden sich zu einem innigen Kuß. "Caitlin?!"
Erschrocken fuhren die beiden auseinander und schauten in Seans erstauntes Gesicht. Tiffany stand mit Spike daneben und sah verlegen zur Seite.
Schnell stand Caitlin auf schüttelte den Sand ab.
"Was macht Ihr hier?" fragte Sean und sah seine Schwester irritiert an. Mark stand ebenfalls auf.
"Ich bringe ihr das Surfen bei," sagte er knapp. Sean riß überrascht die Augen auf, und Tiffany kicherte.
"Ach so ... na, dann macht mal weiter damit." Er wies auf Spike. "Wir wollten nur mit dem Hund gassi gehen." Dann drehte er sich zu Tiffany um. "Komm' Tiff, stören wir die beiden nicht weiter beim Surfen." Er unterdrückte ein Grinsen, und Caitlin sah verlegen auf den Boden.
Tiffany und Sean gingen weiter, und Mark sah Caitlin an.
"Eine Wiederholung gefällig?"
Sie hob abwehrend die Hände.
"Nein, für heute reicht es mir!"
Mark ergriff ihre Hand.
"Na komm', dann laß' uns gehen!"
In diesem Moment hörten Mark und Caitlin hinter sich plötzlich eine rauhe, unfreundliche Stimme. Sie drehten sich um und sahen einen etwa 18jährigen Teenager, sehr groß gewachsen, breitschultrig und mit grimmigem Gesicht.
"Wen haben wir denn da?", meinte er. "Wenn das nicht die Tochter von Gregory Richards ist."
Wie im Reflex stellte sich Mark sofort einen Schritt vor Caitlin, die aber antwortete. "Kennen wir uns?"
"Unsere Väter tun es zumindest. Dein Dad hat meinen gefeuert. Er ist jetzt arbeitslos." "Das tut mir leid", meinte Caitlin.
"Glaub ich Dir nicht", antwortete der Junge frech. "Euch Reiche interessiert das doch gar nicht. Ihr kümmert euch nur darum, wie ihr noch mehr Geld scheffeln könnt, wer dabei auf der Strecke bleibt, ist euch doch egal."
"Nein, ich..."
"Kein Wort mehr, Du Miststück!"
Nun platze Mark der Kragen. Er holte aus und verpaßte dem Jungen einen Kinnhaken. Der Junge taumelte einen Moment, ging aber nicht zu Boden, sondern zielte nun seinerseits gezielt auf Marks Bauch.
"Mark!", schrie Caitlin. Der Junge wollte sich nun weiter auf den benommenen Mark stürzen. Doch plötzlich hielt ihn irgendetwas zurück. Er blickte in die Ferne und er ergriff plötzlich die Flucht.
Den Grund begriff Caitlin, als sie sich umblickte und sah, daß ein Auto der Rettungsschwimmer auf sie zukam.
"Mark, alles in Ordnung?", fragte sie besorgt. Mark nickte, doch als er sich aufrichten wollte, taumelte er erneut.
"Von wegen", widersprach Caitlin. "Wir gehen jetzt zusammen zu einem Arzt, und keine Widerrede." Dann lächelte sie. "Du bist ja ein richtiger Held."
"Schöner Held, der sich zusammenhauen läßt."
"Ach was. Du hast ihn doch gesehen. Hulk Hogan hätte keine Chance gegen ihn gehabt, und Du hast ihn wenigstens ins Wanken gebracht!"
Caitlin wartete vor dem Sprechzimmer von Dr. Robinson, bis Mark herauskam.
"Und, was hat er gemeint?", fragte sie besorgt.
"Halb so wild. Wie ich es Dir gesagt habe."
Caitlin atmete auf.
"Gott sei Dank", meinte sie.
"Hmm, obwohl", plötzlich zögerte Mark, "wenn ich es mir recht überlege, geht es mir wohl doch nicht so gut."
Caitlin blickte ihn unruhig an, doch dann grinste er. "Aber ich glaube ein Eis im Waffelshop mit der zauberhaftesten Frau in Sunset Beach würde mich recht schnell kurieren."
Caitlin lächelte.
"Oh, die müßten wir dann aber erst noch auftreiben."
"Haha", meinte Mark. "Was ist, hast Du Lust?"
"Für meinen Helden tue ich heute alles." Die beiden hatten sich mittlerweile auf dem Weg zum Fahrstuhl gemacht und warteten nun.
"Alles", meinte Mark, "hmm, dann muß ich mir ja noch was Gemeines einfallen lassen." "Wehe", sagte Caitlin lachend.
In diesem Moment öffnete sich die Fahrstuhltür, und Caitlin staunte nicht schlecht, wen sie da vor sich sah. Im Fahrstuhl, offensichtlich von einem oberen Stockwerk kommend, standen Cole und Annie.
Hickengruendler
Keiner dieser vier hatte mit dieser Begegnung gerechnet. Cole war der erste, der die Sprache wiedergefunden hatte, nachdem Mark und Caitlin ebenfalls in den Fahrstuhl gestiegen war.
"Caitlin, was um alles in der Welt machst Du hier?", fragte er verwundert.
"Das gleiche könnte ich Dich auch fragen", erwiderte sie.
"Ich muß täglich zu meiner Nachuntersuchung. Das weißt Du doch."
"Und warum ist sie dabei", fragte Caitlin und wies auf Annie.
"Er hat mich gefragt, ob ich ihn begleiten wolle", antwortete Annie mit einem triumphierenden Lächeln. "Dir sollte das auch nichts ausmachen, denn offensichtlich", sie schaute vielsagend auf Mark, "hast Du Dich mit etwas anderem beschäftigt."
Caitlin wollte gerade zur Antwort ausholen, als es plötzlich einen Ruck gab, der alle vier ziemlich durchrüttelte. Annie verlor das Gleichgewicht und fiel direkt gegen Mark, unglücklicherweise genau auf die Stelle, die der Junge am Strand getroffen hatte. Für einen Moment stöhnte Mark unter dem Schmerz auf. Caitlin ging sofort auf ihn zu, während Cole dies mit einem kritischen Blick maß.
Annie blickte sich verwundert um.
"Sind wir schon unten?", fragte sie. "Wir halten ja."
"Auch das noch", zischte Cole. "Dieser verflixte Aufzug steckt fest."
Madame Carmen legte gerade ihre Karten, als das Telefon schellte. Sie lächelte und nahm den Hörer ab.
"Antonio, wie schön, daß Du mich anrufst," sagte sie erfreut. Am anderen Ende der Leitung war einen Moment Stille. Dann hörte Madame Carmen ein fröhliches Lachen.
"Du bist mir unheimlich, Mama! Woher wußtest Du, das ich es bin?"
Madame Carmen lachte ebenfalls.
"Du weißt doch, das nichts vor mir verborgen bleibt," sagte sie und lächelte.
"Nun," hörte sie die Stimme ihres jüngsten Sohnes, "dann weißt Du sicher auch, warum ich anrufe?"
Madame Carmen schüttelte den Kopf.
"Nein, ich sehe die Zukunft, nicht die Gegenwart," sagte sie weise.
Antonio räusperte sich.
"Der verlorene Sohn kehrt heim," sagte er knapp. "Meine Mission in Venezuela ist beendet. Ich werde in Kürze nach Sunset Beach zurückgeschickt."
Madame Carmen stieß einige spanische Worte hervor.
"Das ist eine Überraschung!" sagte sie dann hocherfreut. "Wann wirst Du kommen?" "Wenn meine Arbeit hier beendet ist," sagte Antonio. "Ich muß noch meinen Nachfolger einweisen. Ich schätze, in 1-2 Wochen werde ich sicher freigestellt werden."
Madame Carmen seufzte.
"Du glaubst nicht, wie sehr ich mich freue, Dich wiederzusehen!"
Antonio lachte.
"Ja, und ich erst ... Wie geht es Ricardo?"
Madame Carmen atmete tief durch.
"Er hat großen Kummer," sagte sie traurig.
Antonio horchte auf.
"Kummer? Was bedrückt ihn denn?"
Madame Carmen schloß für einen Moment ihre Augen. Sie sah Gabi vor sich, wie sie weinend im Sand lag.
"Darüber möchte ich am Telefon nicht reden," wich sie aus.
"Ist schon gut," entgegnete Antonio. "Mama, ich muß jetzt auflegen. Gleich findet die Gebetsstunde statt, dazu möchte ich nicht zu spät kommen."
Nachdem Antonio aufgelegt hatte ging Madame Carmen zum Beistelltisch, auf dem noch Gabis leere Kaffeetasse stand. Nachdenklich fuhr sie mit dem Mittelfinger um den Tassenrand herum.
"Dein Schicksal wird sich erfüllen," sagte sie leise. "Schon sehr bald ..."
"Es muß doch jemand merken, daß dieser Aufzug feststeckt", ereiferte sich Annie.
"Nur die Ruhe, Annie. Bestimmt ist es schon jemandem aufgefallen, und sie arbeiten bereits daran, uns zu befreien", erwiderte Cole.
"Sie hätten zumindest Kontakt mit uns aufnehmen können", gab Caitlin Annie recht. "Aber es reagiert ja keiner."
"Wahrscheinlich schlafen alle", giftete Annie. "Das ist hier immerhin ein Krankenhaus. Theoretisch könnte hier ein schwer herzkranker Patient drinstecken. Da wäre es doch vernünftig wenn man ihm erklärt, daß Rettung unterwegs ist. Das schlimmste ist, daß es hier so eng ist. Man kann sich nicht einmal richtig ausbreiten, weil man dann sofort jemandem auf die Füße tritt."
"Da hast Du doch sonst keine Probleme mit", erwiderte Caitlin spöttisch.
"Oh", gab Annie zurück, "versucht da jemand komisch zu sein?"
"Irgendwer muß hier ja für gute Laune sorgen, Du scheinst dazu ja nicht in der Lage." Jetzt meldete sich Cole zurück.
"Vielleicht wartet Ihr, bis wir hier raus sind, bevor Ihr Euch die Köpfe einschlagt."
"Halte Du Dich da raus", schrie Caitlin ihn an. "Du bist ja überhaupt an allem Schuld." "Wie bitte?" Cole starrte sie fassungslos an.
"Was glaubst Du eigentlich, wie ich mich dabei fühle, wenn Du ständig mit der Frau herumläufst, die ein Baby von Dir erwartet hat."
"Der Verlust des Kindes", erwiderte Cole steif, "hat uns menschlich ein bißchen näher gebracht. Als gute Freunde, das ist alles." Obwohl er sie nicht ansah, konnte Cole daraufhin Annies Blick in seinem Rücken spüren.
"Ich glaube Dir kein Wort", entgegnete Caitlin. "Eher kommt es mir so vor, als plant Ihr schon fürs nächste Kind, aber solange wir zusammen sind..."
"Moment mal", mischte sich jetzt Mark ein, "was soll das heißen? Du hast mir doch gesagt, Du hättest Dich von Cole getrennt!"
Caitlin rang nach Worten.
"Mark, ich..." Dann wandte sie sich an Cole, der sie anstarrte.
"Du hast ihm erzählt, wir hätten uns getrennt?"
"Oh, oh", meinte Annie frech, "das war aber sehr verlogen von Dir, Caitlin. Na ja, da war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken."
"Halt Du Dich da raus, Annie!" tobte Caitlin.
"Nein, oh nein", wandte Cole ein. "Sie hat vollkommen recht. Scheinbar ist Dein Interesse an ihm größer als an mir, sonst hättest Du das wohl kaum behauptet. Aber bitte, wenn Du es so haben willst", er wandte sich an Mark, "von nun an ist es wirklich offiziell. Wir haben uns getrennt."
Caitlin schaute nun ebenfalls Richtung Mark, der aber ihrem Blick auswich.
"He, Sie da..." ertönte plötzlich eine Stimme von oben.
"Na endlich!" meinte Annie, "sie holen uns hier raus."
"Wir haben soeben damit begonnen, nach dem Fehler zu suchen."
"Wie bitte?" fragte Annie entrüstet. "Soeben begonnen! Wir sitzen seit zwei Stunden hier drin. Was haben sie denn die ganze Zeit gemacht?"
"Nur die Ruhe,
Lady. Jetzt sind wir ja da. Sie werden sehen, wir haben das im Handumdrehen
hingekriegt. Das versichere ich Ihnen."
Weitere zwei Stunden später waren die vier noch immer im Aufzug. Von den
Arbeitern hatten sie schon seit geraumer Zeit nichts mehr gehört, und
irgendwie hatte Cole das Gefühl, daß sich dies für den Rest des Abends auch
nicht mehr ändern würde.
"Na, toll", murrte Annie. "Das scheint eine hervorragende Nacht zu werden."
Jeder setzte sich in eine andere der vier Ecken des Aufzugs und versuchte so gut es ging, den Blicken der anderen auszuweichen.
Derek öffnete die Tür zu seinem Büro. Vor Ihm stand ein kleiner, stattlicher, etwas schüchtern wirkender Mann. Er trug einen schwarzen Anzug mit einem weißen Kragen. Sein Brille rutschte ihm auf seiner Nase herunter und er schob sie mit einer nervösen Handbewegung zurück.
Derek kombinierte schnell, dass dies der Pater sein musste.
„Pater Marcus, nehme ich mal an. Ich bin Derek Evans, bitte kommen Sie herein. „Danke.“ Sichtbar nervös betrat er das Büro und sah sich um. Als er Ben entdeckte, huschte ein schüchternes Lächeln über seine Lippen.
„Mr. Evans, Sie wollten, dass ich herkomme? Was ist denn los?“
Ben reichte Ihm zur Begrüßung die Hand.
„Sie werden es gleich erfahren Pater, wir warten nur noch auf jemanden.“
In diesem Augenblick betrat Vanessa Hart das Büro
„Entschuldigung für die Verspätung, aber ich war am anderen Ende der Stadt.“ brachte sie außer Atem hervor.
Derek räusperte sich.
„Nun, da alle da sind können wir ja anfangen. Mein Bruder wird Ihnen alles erklären.“ Ben trat in die Mitte des Raumes und zog A.J. mit sich. Aus seiner Jackentasche holte er die Schatulle mit den Juwelen hervor. Dann wandte er sich an Pater Marcus und Vanessa, die schon Ihr Notizblock und einen Stift hervor geholt hatte.
„Sie alle haben bestimmt schon einmal von dem verschwundenen Deschanelschatz gehört.“ begann Ben „Und wie sich heute herausgestellt hat, hat mein Bruder einen Teil des Schatzes gefunden. Normalerweise wird so ein Fund dann zwischen dem Finder und dem eigentlichen Besitzer geteilt, aber mein Bruder Derek Evans und Mr. Armando Deschanel Junior haben sich darauf geeinigt, die Juwelen Pater Marcus und seiner Mission zu überlassen. Er kann das Geld sicher gut gebrauchen.“
Ben überreichte Pater Marcus die Schatulle. Dieser nahm sie mit nervös zitternden Händen entgegen
„Danke, ich...“ stammelte er „ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich bin ganz überwältigt von Ihrer Großzügigkeit.“ Er schob seine rutschende Brille wieder nach oben „Ich werde die Juwelen gut aufbewahren, bis Pater Antonio in zwei Wochen zurückkehrt. Er weiß am besten, was wir damit tun können.“
Vanessa hatte die ganze Zeit mitgeschrieben.
„Darf ich jetzt noch ein Foto machen? Am besten ist es, wenn sich der Pater zwischen Mr. Evans und Mr. Deschanel stellt. Symbolisch könnte einer der Herren die Juwelen ja noch einmal überreichen.“
Die Männer machten es so, wie Vanessa es wollte und diese schoss ein paar Fotos.
„So, ich werde gleich in die Redaktion fahren, damit der Artikel noch in der morgigen Zeitung erscheint, bye.“ Sie drehte sich um und war auch schon verschwunden.
„Pater Marcus, mein Freund Sam wird Sie zur Mission zurückfahren.“ schlug Ben vor und der Pater nickte erleichtert.
„Das wäre nett.“
„Ich muss jetzt auch gehen.“ zischte A.J. „Ich habe noch so einiges zu erledigen.“
„Es war nett, Ihre Bekanntschaft zu machen, Mr. Deschanel.“ lächelte Ben A.J. an. „Und vergessen Sie nicht, worüber wir vorher geredet haben.“
„Keine Angst.“ brachte A.J. hervor, nickte dem Pater zu und verschwand.
Als Olivia Richards das Wohnzimmer betrat, hörte sie ihren Mann telefonieren.
"Aber wo kann sie denn sein? Ihr Dienst ist doch schon seit Stunden dabei.... Werden sie nicht unverschämt! Ich merke auch so, daß Sie mir nicht helfen können." Wütend knallte Gregory den Hörer auf die Gabel.
"Probleme?", fragte seine Frau spöttisch.
"Caitlin ist noch immer nicht zurück. Dabei ist ihr Dienst schon seit heute Nachmittag vorbei."
"Ach, das ist es." Olivia maß ihren Mann mit belustigtem Blick. "Hätte ich mir eigentlich denken können. Nun will ich Dir mal was sagen, Gregory. Falls Dir das nicht aufgefallen sein sollte, Caitlin ist kein kleines Mädchen mehr, sondern eine junge Frau. Sie ist nicht pünktlich um acht daheim."
"Wir halben halb zehn", knurrte Gregory.
"Immer mit der Ruhe Gregory", meinte Olivia. "Vielleicht verbringt sie den Abend mit Cole, oder mit diesem reizenden jungen Mann, ihrem Kollegen."
"Ich befürchte ja gerade, daß sie mit einem der beiden zusammen ist."
Olivia lächelte spöttisch.
"Ach, das ist es also? Mal wieder eifersüchtig? Finde Dich damit ab, Gregory. Du kannst sie nicht für den Rest ihres Lebens in ihrem Zimmer einsperren, um zu verhindern, daß sie sich verliebt."
"Ich habe ja gar nichts dagegen, daß sie sich verliebt." Den Einwand, zu dem Olivia einsetzen wollte, beachtete er nicht. "Aber ein Bauarbeiter und ein Kellner. Das sind nicht die richtigen Verehrer für meine Tochter. Wenn es ein intelligenter Geschäftsmann wäre..."
"Ach Gregory mach Dir doch nichts vor. Keiner ist Dir gut genug für deine Tochter."
"Sobald wir hier rauskommen, sorge ich dafür, daß diese Möchtegern-Aufzugsmechaniker gefeuert werden", zeterte Annie. "Wahrscheinlich sitzen sie jetzt in ihrer Stammkneipe beim vierten Bier."
"Wir sind hier in einem Krankenhaus", sagte Mark. "Es gibt noch andere Leute als uns, denen daran gelegen ist, daß diese Maschine endlich wieder funktioniert. Die werden schon für den notwendigen Druck sorgen."
Die vier saßen noch immer in den vier Ecken des Fahrstuhls. Nun erhob sich Annie aus ihrem Winkel und schrie nach oben.
"Hallo! Noch da? Wir sitzen hier unten fest, falls Sie sich erinnern!"
Keine Antwort.
"Haaaaalllllooooo", brüllte Annie erneut.
"Hallo, hat da jemand was gesagt?" ertönte eine ältere, weibliche Stimme.
Nun erhoben sich auch Caitlin, Cole und Marc.
"Ja, hier unten", erwiderte Cole. "Sind die Arbeiter noch immer da?"
"Welche Arbeiter? Wo sind Sie denn?", fragte die verwirrt klingende Stimme.
"Im Aufzug!" erwiderte Annie patzig. "Wo wir auch schon die letzten fünf Stunden waren. Aber das scheint ja keinen zu interessieren."
"Aber was steigen Sie denn in einen defekten Fahrstuhl?"
"Ja", meinte Caitlin ungeduldig. "Wenn wir gewußt hätten, daß der Fahrstuhl kaputt ist, wären wir nicht eingestiegen."
"Aber haben Sie denn das Schild nicht gesehen?"
"Welches Schild?", fragte Mark.
"Das die Männer vorhin angebracht haben. Fahrstuhl bis morgen außer Betrieb. Aber da stand er ja schon. Wie sind Sie denn dann da reingekommen? Seltsam. Oh jetzt müssen sie mich aber entschuldigen. Ich muß schlafen. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht." Mit diesen Worten trottete die etwas verwirrte ältere Frau davon.
"Ich habs ja gesagt, beim vierten Bier," giftete Annie. "Na Bravo".
Nachdem auch Pater Marcus gegangen war, setzte sich Meg mit zitternden Knien.
„Kann mir jetzt vielleicht mal jemand erklären, was das alles sollte?“
Ben ging zu ihr hinüber.
„Das will ich gerne machen Liebling, aber ich denke, wir sollten erst einmal zu Sara und Joan fahren. Schließlich wissen die beiden ja noch nicht, dass Du befreit bist und das es Dir gut geht.“
Meg sah Ben an.
„Du willst mir doch wohl nicht erzählen, dass meine Mutter hier in Sunset Beach ist?“
Ben nickte.
„Genau das will ich Dir sagen. Sie hatte Sara gestern angerufen und gleich gespürt, dass irgendetwas nicht stimmt. Natürlich hat sie gleich das nächste Flugzeug genommen und nun ist sie hier.“
Meg lächelte
„Ja, das sieht Mom ähnlich. Sie spürt sofort, wenn etwas nicht stimmt.“
„Na dann komm,“ Ben nahm Megs Hand „dann lass uns mal Deine Mutter und Sara beruhigen.“
Derek ging zu seinem Schreibtisch hinüber und holte ein Schild aus der Schublade „Wartet, ich will nur noch das Schild an die Tür hängen, der Club bleibt heute geschlossen.“
Gemeinsam verließen alle das Deep. Meg stieg zu Ben und Sam in den Van und Derek in sein Auto und fuhren davon. Wenige Minuten später hielten Sie vor Dereks Haus und stiegen aus.
Noch bevor Derek die Haustür aufschließen konnte, wurde die Tür von innen aufgerissen und Sara stürmte heraus. Sie fiel Meg um den Hals
„Gott sei Dank, Dir geht es gut!“
Gleich hinter Sara kam auch Joan aus dem Haus gelaufen und umarmte Meg.
„Geht es Dir gut, Kind?“ fragte sie.
„Ja Mom, es geht mir gut.“ lächelte Meg. Joan aber entdeckte die Beule an Megs Kopf „Mein Gott, Du bist ja verletzt!“
Meg fasste sich an den Kopf.
„Ach das? Das ist halb so wild, ich hatte es schon ganz vergessen.“
„Warum gehen wir nicht erst einmal in Haus?“ fragte Ben. „Ich denke, Ihr habt eine Menge Fragen, und Derek und ich haben viel zu erzählen.“
Joan nickte.
„Ja, kommt herein. Ich habe auch etwas gekocht, Ihr seid doch bestimmt hungrig!“
Meg lachte.
„Das ist typisch Mom.“ Sie drehte sich zu Ben um. „Ich wette, Sie hat für eine ganz Armee gekocht. Immer wenn Sie nervös ist oder auf etwas warten muss, kocht Mom.“ Sam schob sich an Ben und Meg vorbei.
„Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich bin sehr hungrig.“
„Na dann hinein mit Euch.“ lächelte Joan. „Und während Ihr esst, erzählt Ihr Sara und mir alles, was passiert ist.“
Gemeinsam betraten Sie das Haus.
A.J. öffnete die Tür zu seiner Suite und ließ sich kraftlos in einen Sessel fallen. Die Ereignisse der letzten Stunden gingen ihm noch einmal durch den Kopf. Wie konnte sein Plan nur so dermaßen schief laufen, obwohl doch alles so perfekt durchdacht gewesen war! Wütend warf er seine Jackettjacke auf den Boden und zerrte an seiner Krawatte herum.
Schwungvoll öffnete sich plötzlich die Tür, und Jade trat herein.
"Daddy, wie schön, daß man Dich auch mal wieder antrifft," sagte sie sarkastisch. Sie musterte ihn von oben bis unten. "Wo hast Du nur die ganze Zeit gesteckt? Ich habe mehrfach angerufen, aber niemand ging ran." sagte sie säuerlich und warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu.
A.J. stand auf, ging ein paar Schritte auf sie zu und packte sie an beiden Armen.
"Sei still!" zischte er. "Ich bin Dir keinerlei Rechenschaft schuldig. Ist das klar?" Er lockerte seinen Griff und atmete tief durch.
Das Verhalten ihres Vaters irritierte Jade. So wütend hatte sie A.J. lange nicht mehr erlebt.
"Ist etwas schief gelaufen?" fragte sie vorsichtig.
Er schnaubte wütend durch die Nase.
"ETWAS," stieß er hervor, "ist nicht das richtige Wort ... ALLES wäre treffender!"
Jade sah ihren Vater entsetzt an.
"Alles ... aber Daddy, ich dachte die Entführung von Evans' kleiner Freundin wäre erfolgreich gewesen?!" Sie verstand die Welt nicht mehr. A.J. ließ sich wieder in seinen Sessel fallen.
"Erinnere mich nicht daran!" sagte er gefährlich ruhig. Dann platzte es plötzlich aus ihm heraus, und Jade erfuhr alles über die Verwechselung und den Verlust der Juwelen.
"Mein Gott ...!" Fassungslos sank sie aufs Bett. "Daddy ...," begann sie, doch A.J. schnitt ihr mit einer wütenden Handbewegung das Wort ab.
"Jade, bitte ... würdest Du mich jetzt einfach alleine lassen?"
Sie nickte und stand auf. Sie warf ihrem Vater noch einen letzten Blick zu, der wie ein Häufchen Elend in seinem Sessel hockte und das Gesicht in den Händen begraben hatte. Leise schloß Jade die Tür hinter sich. Sie hob den Kopf und ballte die Fäuste.
"Dafür wirst Du mir büßen, Derek Evans," sagte sie leise. "Das hast Du nicht umsonst getan!
"Was soll das heißen, sie können nichts machen? Wozu bezahle ich denn meine Steuergelder! Vierundzwanzig Stunden... Hören sie, meine Tochter ist nicht nach Hause gekommen... Ach rutschen Sie mir doch den Buckel herunter!" Gregory legte den Telefonhörer auf und schnaubte wütend. "Scheinbar besteht die Polizei aus einer Gruppe von Idioten! Wann wollen die denn etwas unternehmen? Wenn man Caitlins Leiche am Strand findet?"
Seine Frau blickte ihn kritisch an.
"Wirklich Gregory! Dein Verhältnis zu Caitlin ist noch kranker, als ich gedacht habe." "Olivia, wir haben halb zwei Uhr, und sie ist noch immer nicht zu Hause."
"Vielleicht schläft sie woanders. Gregory, sie ist kein kleines Kind mehr!"
"Dir scheint es völlig egal zu sein, wenn Deine Tochter vielleicht jetzt gerade in höchster Gefahr schwebt! Aber was wundert es mich. Du hast ja in letzter Zeit bewiesen, wie wenig Dir die Familie bedeutet."
Olivia wurde plötzlich blaß. Sie richtete sich auf und blickte ihn fest an.
"Was willst Du damit sagen?"
"Denkst Du, ich würde nicht merken, wenn Du hinter meinem Rücken mit diesem Deschanel rummachst!"
Für einen Moment huschte ein freudiges Lächeln über Olivias Gesicht.
"Soll das etwa heißen, daß Du eifersüchtig bist?", fragte sie hoffnungsvoll.
"So ein Unsinn", murrte Gregory. "Das würde ja bedeuten, daß ich noch etwas für Dich empfinde. Ich will lediglich, daß Du Dir Deinen Pflichten bewußt wirst. Du hast mich geheiratet, und solltest damit darauf achten, daß mein guter Ruf nicht durch Dich in den Schmutz gezogen wird!"
"Dein guter Ruf? Das ich nicht lache! Du hast so viel mehr Dinge getan, die Deinem vermeintlich so einwandfreien Ruf schaden könnten, als ich. Du bist kalt, rücksichtslos, gehst über Leichen. Ganz anders als AJ Deschanel."
"Meinst Du?", fragte Gregory. "Ich glaube, Deine Gefühle für Cole Deschanels Vater trüben Deine ansonsten einwandfreie Menschenkenntnis." Er kam auf sie zu und blickte ihr fest in die Augen. "Ich will Dir mal was sagen, Olivia. Wenn ich mich nicht sehr täusche, ist der gute Herr Deschanel bei weitem nicht so unschuldig und integer, wie Du ihn gerne haben möchtest. Paß auf, daß Du keine Enttäuschung erlebst."
Hickengruendler
Derek, Sara, Ben, Meg, Joan und Sam betraten Dereks Haus. Sie setzten sich alle um den großen Küchentisch und Joan trug das Essen auf, dass sie den ganzen Tag über zubereitet hatte. Zuerst rührte sich niemand, dann aber griff Meg zu.
„Ich hatte gar nicht bemerkt wie hungrig ich eigentlich bin.“
Die Atmosphäre entspannte sich, und alle füllten ihre Teller. Während des Essens berichteten Meg, Ben und Derek abwechselnd, was in den letzten zwei Tagen geschehen war. Joan ergriff Megs Hand und drückte diese.
„Ich bin ja so froh, dass Dir nichts passiert ist.“
Meg lächelte.
„Ich habe die ganze Zeit gewusst, das Ben alles tun wird, um mir zu helfen.“
Joan nahm nun auch Bens Hand in die ihre und drückte sie.
„Ja und ich kann ihm gar nicht genug dafür danken.“ Dann blickte Sie Derek an.
„Und auch Ihnen möchte ich für Ihre Mithilfe danken, Derek.“
„Nichts zu danken, Mrs Cummings. Ich hätte mir selber nie verziehen, wenn Meg oder auch Sara etwas zugestoßen wäre.“
Joan schaute Derek an und zum ersten Mal konnte sie tief in seine Augen blicken. Irgendwie schien er sich seit Ihrem letzten Besuch verändert zu haben. Der harte Zug um seine Augen war verschwunden und die Augen blickten Sie auch nicht mehr so kalt an.
„Ich bin Joan und ich denke, da Sara jetzt hier bei Ihnen lebt sollten wir von vorne anfangen.“ lächelte sie. „Sara hat mir heute sehr viel über Sie erzählt.“
Ein scheues Lächeln huschte über Dereks Gesicht. Er legte seinen Arm um Sara und drückte sie fest an sich.
„Glauben Sie mir Mrs.....äh Joan, Sara bedeutet mir sehr viel.“ Dann drehte er sich zu Ben um. „Ich habe in den letzten zwei Tagen eine Menge über mich selber gelernt und auch über Dich und ich wäre wirklich froh, wenn wir versuchen könnten, das Kriegsbeil zwischen uns zu begraben.“
Ben war, als fiele eine Zentner schwere Last von seinen Schultern
„Ich wäre auch froh darüber und wie sich ja gezeigt hat, können wir ein gutes Team sein.“
Derek sah Ben an.
„Bist Du Dir auch sicher? Ich meine....ich habe Dir das Leben in den letzten Jahren wirklich manchmal zur Hölle gemacht und ich könnte es verstehen, wenn Du nicht wirklich etwas mit mir zu tun haben möchtest.“
„Derek,“ begann Ben „Du bist mein Bruder und ich habe meinen Bruder sehr vermisst in den letzen Jahren und wenn es eine Chance für uns zwei gibt, dann sollten wir es versuchen.“
„Deal“ sagte Derek und die beiden Brüder reichten sich die Hände.
Sara und Meg hatten das ganze schweigend verfolgt. Sie wussten beide, dass die Brüder noch einen langen Weg vor sich hatten, aber der Anfang war getan.
„Ben,“ sagte Meg leise, „ich bin sehr müde und würde gerne nach Hause gehen.“
„Aber natürlich Liebling.“ sagte Ben und drehte sich zu Joan und Sam um. „Ich würde mich freuen, wenn Ihr beiden bei uns wohnt. Ich habe genügend Gästezimmer.“
Joan lächelte.
„Danke Ben, ich würde sehr gerne in Megs Nähe sein.“
„Und mich brauchst Du nicht zweimal zu fragen, Buddy.“
„Na dann lasst uns gehen.“ sagte Ben und stand auf.
„Was haltet Ihr davon, wenn wir unseren Sieg morgen Abend alle zusammen im Deep feiern?“ fragte Derek.
„Ich denke, dass ist eine gute Idee.“ antwortete Ben. Dann verließen Ben, Meg, Joan und Sam das Haus.
Nachdem alle gegangen waren, räumte Sara den Tisch ab und stellte die Spülmaschine an.
"So erledigt!" Sie streckte sich. "Ich könnte jetzt hier an Ort und Stelle umkippen," sagte sie und gähnte. Derek gähnte ebenfalls.
"Ja, der Tag hat mich auch geschafft," gab er zu. "Wollen wir noch ein Glas Wein zusammen trinken ... zum Abschluß des Tages?" fragte er und sah Sara erwartungsvoll an.
"Ja, warum nicht." Sie setzte sich aufs Sofa. Derek holte eine Flasche Wein und 2 Gläser und schenkte Sara und sich etwas von dem Wein ein. Er nahm ebenfalls auf dem Sofa Platz und schaute auf das Glas in seiner Hand.
"Worauf stoßen wir denn jetzt an?" fragte er ratlos und sah Sara an. Sie überlegte einen Moment und nahm dann auch ihr Glas vom Tisch.
"Wir trinken auf die erfolgreiche Befreiung meiner Schwester und die Versöhnung mit Deinem Bruder!"
Derek warf ihr einen liebevollen Blick zu und erhob sein Glas.
"Auf Meg und Ben ..." sagte er, "und auf eine wundervolle Zukunft ... für uns alle!" fügte er hinzu und sah Sara tief in die Augen. Sie nahm einen Schluck aus dem Weinglas und lächelte. Vorsichtig nahm er ihr das Glas aus der Hand und stellte es zu seinem auf den Tisch zurück.
"Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet," sagte er sehnsüchtig und fuhr mit seinen Fingern durch ihr Haar. Sie strich ihm sanft über die Wange.
"Ja, ich auch," flüsterte sie und seufzte glücklich, als sie seine Lippen auf ihrem Mund spürte.
"Ich liebe Dich ...!" Derek flüsterte die Worte kaum hörbar, doch Sara erkannte in seinen Augen die Liebe, die er für sie empfand. Überglücklich schlang sie ihre Arme um seinen Hals und gab sich ganz ihren leidenschaftlichen Gefühlen hin.
"Wie spät haben wir?", wollte Annie wissen.
"Fünf Minuten später, als das letzte Mal", gab Cole zur Antwort.
"Nimmt denn diese Nacht niemals ein Ende!" maulte Annie.
"Könnt Ihr nicht einmal ruhig sein!" mischte sich Caitlin ein, "ich versuche zu schlafen." "Hier?"
"Warum nicht? Haben wir eine Wahl? Ich läge jetzt auch lieber in einem bequemen Bett, aber hier zu schlafen ist mir noch immer lieber, als überhaupt nicht."
Plötzlich begann Annie hysterisch zu lachen.
"Wißt Ihr, eigentlich ist es schon ziemlich albern, das gerade wir vier hier im Aufzug sitzen! Unwahrscheinlicher als jeder Roman."
"Ich finde das weniger lustig", erwiderte Caitlin.
Annie blickte sie neugierig an.
"Und vorhin hast Du mir noch vorgeworfen, ich würde die Stimmung verderben, tja. Oh, hätte ich doch nur meine Uhr mitgenommen. Wie spät haben wir, Cole?"
"Wieder fünf Minuten später."
Mark hatte die ganze Zeit geschwiegen. Das war nicht typisch für ihn, so daß Caitlin vermutet hatte, er wäre eingeschlafen. Aber plötzlich meinte er völlig unvermittelt: "Warum hast Du das gemacht, Caitlin?"
"Was gemacht?"
"Mich angelogen. Du hättest mir doch sagen können, daß Du noch mit Cole zusammen bist. Warum hast Du mich angelogen?"
"Mark, bitte! Das mußt Du verstehen... Ich wollte Dir nicht wehtun. Ich hätte mich ja von Cole getrennt."
Mark gab einen sarkastischen Lacher von sich.
"Nun, wenn das Dein Grund war, muß ich Dir leider sagen, daß Du keinen Erfolg hattest. Du hast mir wehgetan."
"Mir kommen gleich die Tränen", gab Annie spöttisch von sich. "Unsere kleine Caitlin scheint es sich ja jetzt gleich bei beiden Männern verdorben zu haben. Was für ein Pech aber auch."
"Sei sofort still, Du rothaariges Biest", erwiderte Caitlin.
"Laß sie in Ruh", meinte Cole. "Sie hat doch recht."
"Du brauchst mich gar nicht zu verteidigen. Du bist auch nicht besser", schimpfte Annie. "Als gute Freunde. Das ich nicht lache! Um Dir die Wahrheit zu sagen, Blondie: Cole und ich haben uns wieder geküßt. Und das war bestimmt nicht nur ein Kuss zwischen guten Freunden."
"Ach so ist das also", meinte Caitlin mit einem kühlen Blick auf Cole. "Heuchler! Aber das du es weist. Mark und ich haben uns auch geküßt." Sie rückte demonstrativ näher an Mark heran, der das jedoch bemerkte, und wiederum ein kleines Stück weiter weg rutschte.
"Er muß wirklich sehr verletzt sein", überlegte Caitlin.
"Wie spät haben wir?", wollte Annie wissen.
Hickengruendler
Ben öffnete die Haustür und ließ alle eintreten.
"Danke Ben." lächelte Joan ihn an.
"Dort drüben ist die Küche, bedient Euch einfach, wenn Ihr etwas braucht. Und hier im Wohnzimmer findest Du auch etwas Hochprozentiges, wenn Dir danach ist, Sam."
"Danke Ben, aber heute will ich nur noch eine Dusche nehmen und schlafen. Es war ein langer Tag."
Ben nahm Joans Tasche wieder in die Hand.
"Dann kommt, ich zeige Euch am besten die Zimmer."
"Und ich werde erst einmal ein langes, heißes Bad nehmen." sagte Meg.
"Tu das, Liebling, ich bin bald bei Dir." Ben führte seine Gäste in die obere Etage und zeigte Ihnen ihre Zimmer. Er holte noch frische Handtücher und gemeinsam mit Joan bezog er die Betten.
"Ich wünsche eine gute Nacht. Meg und mein Zimmer ist gleich gegenüber."
"Danke Ben, aber ich glaube ich habe alles, schlaf gut."
Ben schloss die Tür hinter sich und ging ins Schlafzimmer hinüber. Meg war immer noch im Bad. Vorsichtig öffnete er die Tür und sah hinein. Meg lag ausgestreckt in der vollen Badewanne und war eingeschlafen. Er nahm ein großes weiches Badehandtuch und weckte Meg vorsichtig.
"Liebling, wach auf, Du solltest im Bett weiterschlafen."
Meg öffnete Ihre Augen
"Es tut mir leid, ich wollte nicht einschlafen."
"Hey Meg, das ist okay, Du hast eine harte Zeit hinter Dir." Ben half Meg aus der Wanne und wickelte Sie in das Handtuch. Danach hob er sie hoch und trug sie ins Schlafzimmer hinüber. Vorsichtig legte er Meg aufs Bett, zog sich aus und legte sich zu ihr. Er nahm sie in den Arm und küsste sie.
"Gute Nacht und schlaf gut."
"Das werde ich in Deinen Armen ganz bestimmt." Meg schloss die Augen und war gleich darauf eingeschlafen.
Den vier Leuten im Fahrstuhl war es schließlich tatsächlich gelungen, einzuschlafen. Und am nächsten Morgen wurden sie von einem seltsamen Ruck geweckt.
"Was ist das?", fragte Caitlin verschlafen. In diesem Augenblick setzte sich der Aufzug in Gang und fuhr nach unten.
"Ein Wunder!" meinte Cole.
Der Aufzug kam unten an und die Tür öffnete sich. Der Aufzugsmechaniker erwartete die vier bereits.
"Sehen Sie, ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich Sie raushole."
Als Antwort maß Annie ihn mit einem giftigen Blick.
"Das hat noch Konsequenzen. Wie unfähig sind Sie eigentlich?"
Der Mechaniker wollte zur Antwort ansetzen, aber Annie war zu müde, um zu streiten. "Lassen sie es gut sein", wehrte sie ab. "Ich will jetzt einfach heim."
Sie ging davon, ohne sich von einem der drei anderen zu verabschieden, auch Mark und Caitlin brachen dann auf, in getrennte Richtungen. "Und sie?", fragte der Mechaniker Cole. "Wolle sie nicht auch heim?"
"Jetzt nicht mehr", antwortete Cole sarkastisch. "Ich habe in 30 Minuten meinen nächsten Termin."
"Sie ist die ganze Nacht nicht nach Hause gekommen." Gregory lief ungeduldig im Wohnzimmer auf und ab, während Olivia, Sean und Tiffany am Tisch saßen und frühstückten. "Ich verstehe nicht, wie ihr noch in aller Ruhe was essen könnt."
"Nun beruhige Dich aber mal, Dad", meinte Sean. "Caitlin ist volljährig. Und das schon seit einiger Zeit."
Olivia lächelte spöttisch.
"Das hab ich ihm gestern schon ein paar mal versucht beizubringen. Aber es ist zwecklos. Für Deinen Vater wird sie immer das kleine Mädchen bleiben."
In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine völlig erschöpft aussehende Caitlin kam herein. Gregory kam sofort auf sie zu, während Olivia vielsagend die Augenbrauen hob. "Caitlin", legte ihr Vater los, "wo um alles in der Welt bist Du gewesen?"
Caitlin blickte ihn verwundert an.
"Kannst Du Dir nicht vorstellen, das wir uns Sorgen gemacht haben? Das heißt, Deiner Mutter warst Du ziemlich egal."
Olivia schaute fassungslos auf ihren Ehemann, der sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen bis. "Aber mir jedenfalls nicht. Hättest Du dich nicht melden können."
"Daddy, ich..."
"Das ist nur der falsche Umgang! Barkeeper und Bauarbeiter, ein Mädchen wie Du hat was Besseres verdient! Nun sag schon, mit wem von beiden warst Du letzte Nacht zusammen?"
Plötzlich huschte Caitlin ein spöttisches Lächeln über ihre Lippen.
"Mit beiden," antwortete sie schließlich.
Gregory blickte seine Tochter fassungslos an, Olivia beunruhigt und auch Sean und Tiffany schauten nun neugierig zu ihr herüber.
"Ja, und Annie Douglas war auch dabei." Dann ließ sie sich auf einen Stuhl fallen. "Wir haben im Krankenhaus im Fahrstuhl festgesteckt, die ganze Nacht."
Gregory atmete erleichtert auf.
"Ach so, das ist alles."
"Ja, das ist alles", meinte Caitlin. "Und wenn es nicht alles gewesen wäre, was dann? Wenn ich es gewagt hätte, mit einem Jungen den ich gern habe, zusammenzusein, obwohl er Dir nicht in den Kram paßt?“
"Caitlin, ich..."
"Ach, laß gut sein. Die letzte Nacht war so ziemlich eine Katastrophe, und ich bin nicht in der Stimmung, mit Dir zu diskutieren." Mit diesen Worten ging sie auf ihr Zimmer.
Hickengruendler
Als Sara am nächsten Morgen erwachte, stellte sie überrascht fest, daß sie sich im Bett befand. Sie setzte sich auf und warf Derek, der gerade gutgelaunt aus dem Badezimmer kam, einen fragenden Blick zu. Er grinste, ging zum Bett und beugte sich über sie.
"Du fragst Dich wahrscheinlich, wie Du hier her gekommen bist, oder?" fragte er und schmunzelte.
Sara nickte.
"Du bist irgendwann total erschöpft in meinen Armen eingeschlafen, und dann trug ich Dich die Treppe hoch." erklärte er. Er sah sie überrascht an. "Du hast wirklich nichts davon gemerkt?"
Sara schüttelte den Kopf.
"Da kannst Du mal sehen, wie müde ich war," sagte sie und lächelte ihn an.
Derek lachte.
"Vielleicht hattest Du ja auch einen kleinen Schwips," zog er sie auf.
Sara sah ihn empört an.
"Von einem Schluck Wein ... unmöglich!" Sie schlug die Bettdecke zurück und stand auf. "Wie spät ist es?" fragte sie und reckte sich.
"Kurz vor 10 Uhr - wieso?"
Sara gähnte und schüttelte den Kopf.
"Wieso bin ich dann immer noch so müde?" sagte sie und öffnete die Tür zum Badezimmer. Derek zuckte mit den Schultern
"Keine Ahnung! Vielleicht ist es der Streß und die Anspannung der letzten Tage."
Sara verschwand im Badezimmer, und Derek öffnete den Kleiderschrank, als man von unten das Klingeln des Telefon hören konnte. Noch bevor Derek reagieren konnte, rannte Sara aus dem Badezimmer an ihm vorbei die Treppe hinunter.
"Es ist bestimmt meine Mutter oder Meg!" rief sie Derek zu, ehe sie den Hörer abnahm. Es war jedoch nicht ihre Mutter, die sie anrief, sondern Mark. Er kam gleich zur Sache und erzählte der verblüfften Sara, daß er wegen seines neuen Jobs beim "Radio SB" -Sender einen Nachfolger fürs Java Web und Deep suchen würde. Sara war sehr überrascht, daß er gleich an sie gedacht hatte und fühlte sich irgendwie geschmeichelt. Sie versprach ihm, darüber nachzudenken und ihm dann bescheidzugeben, wie sie sich entschieden hätte.
Derek sah sie fragend an, als sie die Treppe wieder hochkam.
"Wer war das?" fragte er neugierig. "Meg?"
"Nein, nein," Sara schüttelte den Kopf. "Das war Mark."
Derek runzelte die Stirn.
"Und was wollte er von Dir?" fragte er mißtrauisch. Sara sah ihn an.
"Er hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, wieder im Deep zu arbeiten, da er demnächst einen anderen Job bei einem Radiosender hat."
Derek riß überrascht die Augen auf.
"Wie schön, daß ich das auch noch erfahre," sagte er ironisch. Sein Blick verdüsterte sich. "Seit wann bestimmt Mark, wer für mich arbeitet?" fragte er ungehalten. "Noch bin ich der Boss hier!" Er atmete tief durch. "Und ich bin dagegen, daß meine Freundin in einer Nachtbar arbeitet!"
Sara schnappte nach Luft.
"Das ist doch wohl ...!" Sie biss sich auf die Lippe, weil sie verhindern wollte, daß sie etwas sagte, was ihr hinterher vielleicht leid tun würde. Stattdessen zog sie es vor, erst einmal eine ausgiebige Dusche zu nehmen.
"Darüber reden wir noch!" sagte sie und hielt ihm drohend ihren Zeigefinger vors Gesicht. Dann drehte sie sich um, ging ins Badezimmer und knallte die Tür hinter sich zu.
Gregory fiel sofort auf, daß Olivia bis über beide Backen grinste.
"Da hat sich hier aber jemand ganz schön zum Trottel gemacht, nicht wahr, Gregory?" Gregory wollte gerade zur Antwort ausholen, als sich Sean erhob.
"Ich muß jetzt zur Schule, bye zusammen."
"Ich begleite Dich noch ein Stück", meinte Tiffany. Die beiden gingen hinaus.
"Hast Du das gehört? "Ich begleite Dich noch ein Stück." Sie sollte ihn lieber ganz begleiten und in der Schule was lernen, anstatt den ganzen Tag hier rumzuhängen."
"Oh, aber Gregory", meinte Olivia grinsend, "vergiß nicht, wie sehr Du sie ins Herz geschlossen hast, seit du Amy kennengelernt hast!"
"Ha, ha! Veralbern kann ich mich auch selbst. Ich muß einen Weg finden, diese lästige Erpresserin loszuwerden. Und diesmal für immer. Es wäre einfacher, wenn Sean nicht über die Sache mit Cole Bescheid wüßte. Verflixt", fluchte er.
"Die Dinge laufen nicht so, wie Du es gern hättest, nicht wahr?", meinte Olivia plötzlich sachlich. "Tiffany wohnt im Haus, Ben hat die Sache auf der Baustelle herausgefunden und zwingt Dich, Coles Regeneration zu zahlen, Caitlin verliebt sich in einen Jungen, der Dir nicht paßt, und ich..." Sie lächelte wie abwesend und beendete den Satz nicht.
Doch Gregory blickte sie kalt an.
"Du bist mir völlig egal, merk Dir das, Olivia. Glaube ja nicht, daß ich auch nur die kleinste Eifersucht auf Deschanel spüre! Eigentlich kann er mir direkt leid tun, eine Frau wie Dich am Hals zu haben! Wahrscheinlich ist er in zwei Wochen über alle Berge."
Olivia blickte ihn mit großen Augen an.
"Bist Du denn kein bißchen eifersüchtig?", fragte sie plötzlich unvermittelt.
"Oh doch, und wie", dachte Gregory. "Oder glaubst Du, ich könnte es ertragen, Dich an diesen Kerl zu verlieren?" Laut aber sagte er:
"Nein, überhaupt kein bißchen. Du kannst mich nicht mehr verletzen, mit Deinen Eskapaden. Du bist mir mittlerweile völlig egal."
Hickengruendler
Als Ben am nächsten Morgen aufwachte, war der Platz im Bett neben ihm leer. Er stand auf, duschte und zog sich eine Jeans und ein T- Shirt an, bevor er nach unten ging. Auf dem halben Weg zur Küche, wurde er schon von einem köstlichen Duft nach frisch gebratenen Speck und Eiern begrüßt. In der Küche saßen bereits Sam, Meg und Joan am Tisch und ließen sich das Frühstück schmecken.
"Guten Morgen." sagte Ben und ging zu Meg hinüber. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Warum hast Du mich nicht geweckt?"
"Du hast noch so fest geschlafen und sahst so friedlich aus, da habe ich das nicht über mein Herz gebracht." lächelte Meg Ben an.
"Nun, mit Dir in meinen Armen schlafe ich auch viel besser." Ben goß sich eine Tasse Kaffee ein.
"Setzen Sie sich Ben, es sind noch genug Eier da." sagte Joan.
"Danke Joan, aber Sie hätten das nicht machen brauchen, Sie sind mein Gast."
"Ach was," winkte Joan ab "das mache ich doch gerne."
"Und es schmeckt fabelhaft." fügte Sam hinzu. "Ben, wenn Deine Meg auch nur halb so gut kocht, dann musst Du Deine Joggingrunden bald vergrößern!"
Ben lachte.
"Ich fürchte da hast Du recht." Er füllte sich seinen Teller und begann zu essen
"Joan, Sam hat recht, es schmeckt ausgezeichnet." Während des Frühstücks erzählten und lachten sie noch viel. Dann viel Bens Blick auf die Uhr.
"Oh mein Gott, schon 10 Uhr? Langsam sollte ich mich mal im Büro sehen lassen."
Ben stand auf.
"Ich komme auch gleich." sagte Meg. Ben sah sie an und schüttelte seinen Kopf.
"Nein, Du bleibst heute schön zu Hause und genießt den Tag mir Deiner Mutter."
"Bist Du sicher, Ben?" fragte Meg. "Ich meine, es ist eine Menge Arbeit liegengeblieben in den letzten Tagen."
"Da kommt es auf den einen Tag mehr oder weniger auch nicht an." erwiderte Ben.
"Aber ich würde Dich gerne begleiten." sagte Sam "Ich würde gerne etwas mit Dir besprechen."
"Gut," stimmte Ben zu, "dann komm."
Er gab Meg einen Kuss und dann verließen er und Sam das Haus.