Derek hatte es vorgezogen, das Feld zu räumen und war joggen gegangen, während Sara unter der Dusche stand. Er ahnte, daß er wieder mal den kürzeren bei dieser Auseinandersetzung ziehen würde, denn Sara, das hatte er mittlerweile gelernt, gab so schnell nicht nach. Er seufzte und schloß die Haustür auf. Im Haus war es verdächtig ruhig, und nachdem Derek sich davon überzeugt hatte, daß auch oben niemand war, ging er die Treppe wieder hinunter. Auf dem Tisch lag ein Zettel. "Bin bei Ben." stand dort in in zierlicher Schrift, und Derek atmete tief durch. "Sicher will sie sich jetzt Rückendeckung von ihrer Familie holen," dachte Derek mißmutig. Er sah an sich herunter. So völlig verschwitzt und ungepflegt konnte er wohl kaum in Ben's Haus erscheinen. Derek ging nach oben und drehte die Dusche auf. 15 Min. später ging er frisch geduscht und in sauberen Klamotten hinüber zu Ben's Haus.
Joan, Meg und Sara saßen im Wohnzimmer und unterhielten sich, als es an der Tür klopfte. Meg öffnete die Tür, und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie Derek sah. "Komm' doch rein," sagte sie freundlich und hielt ihm die Tür auf. Sara und Joan fixierten ihn vom Sofa her, und Derek fühlte sich irgendwie unbehaglich unter ihren Blicken. Was hatte Sara ihnen erzählt? grübelte er. Er sah vorsichtig zu ihr hinüber, doch ihre Miene ließ nichts erkennen. Er setzte sich zu den drei Frauen auf's Sofa. "Sara, wegen vorhin ..." begann er, aber sie fiel ihm einfach ins Wort. "Ach Meg, der eigentliche Grund, warum ich vorbeigekommen bin ..." Sie warf Derek einen kessen Blick zu, und er schloß kurz die Augen. "Ich wollte Dich fragen, ob Du für die heutige Feier etwas für mich zum Anziehen hast?" Meg sah sie überrascht an. "Ja, ich denke schon. Dann müssen wir nachher mal beim Surfcenter vorbeifahren." Sara lächelte. "Danke, ich habe nur so olle Fetzen, und irgendwie hätte ich schon Lust, mich mal so richtig nett zurechtzumachen." Meg sah Sara schelmisch an. "Ah, die kleine Schwester will erwachsen werden," lästerte sie. Joan mischte sich in das Gespräch ein. "Ahm, Sara, zum Erwachsenwerden gehört mehr, als sich nur chic anzuziehen," sagte ihre Mutter belehrend. Sara rollte mit den Augen. "Ja, Mum, sicher." Meg sah Sara an. "Sag' mal, hattest Du nicht vorgehabt, Dir wieder einen Job zu suchen?" Sara warf einen kurzen Blick zu Derek hinüber, der jedoch nur schweigend da saß. Joan hob interessiert den Kopf. "Du hast einen Job in Aussicht?" fragte sie überrascht. Noch bevor Sara etwas erwiedern konnte, beantwortete Derek die Frage. "Sie arbeitet für mich," sagte er betont ruhig. "Sara arbeitet im Java Web und Deep als Kellnerin." Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so ruhig war es mit einem Mal im Wohnzimmer. "Das ist ja toll!" Meg sprang auf und umarmte ihre Schwester, die nicht wußte, wie ihr geschah. Joan verzog leicht das Gesicht. Sie sagte jedoch nichts. Stattdessen rang sie sich zu einem Lächeln durch. Sara sah verwirrt zu Derek hinüber, der sie spitzbübisch angrinste. Auf ihrem Gesicht erschien ein Lächeln. Derek räusperte sich. "Apropos: Deep. Ich muß noch einige Vorbereitungen für heute Abend treffen," sagte er und stand auf. Sara erhob sich ebenfalls. "Warte!" rief sie, als er schon bei der Tür war. "Ich komme mit." Meg und Joan tauschten miteinander vielsagende Blicke aus. "Und was ist mit dem Kleid?" fragte Meg und sah Sara neugierig an. Sara drehte sich um. "Ach, weißt Du was, ich denke, ich finde doch noch was passendes in meinem Kleiderschrank. Dann mußt Du nicht extra zum Surf Central." Meg lächelte. "Gut, dann sehen wir uns heute Abend im Deep!" Sara ergriff Derek's Hand und gemeinsam verließen sie Ben's Haus.
Bette saß an Ihrem Schreibtisch in der Liberty Corporation und grummelte vor sich hin. Sie versuchte sich auf Ihre Arbeit zu konzentrieren, wurde aber ständig durch das Klingeln des Telefons gestört. Dieser Tag hatte für sie mal wieder schrecklich angefangen. Zuerst hatte Ihr Wecker heute morgen nicht geklingelt, dann war Ihr auch noch ein Absatz abgebrochen, als sie in Ihr Auto einsteigen wollte. Nachdem sie die Schuhe gewechselt hatte und endlich losfahren konnte, wurde zu kurze Zeit später wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten worden. Obwohl sie ihren ganzen Charme eingesetzt hatte, hatte sie troztdem einen Strafzettel bekommen. Natürlich war sie dadurch eine viertel Stunde zu spät im Büro erschienen und zu Ihrem Pech war schon ein schlecht gelaunter Gregory da. Meg und Ben hatten sich bisher noch nicht blicken lassen und Bette begann sich langsam Sorgen zu machen. Das war weder Bens noch Megs Art, nichts von sich hören zu lassen. Sie war eben dabei, einen Brief zu tippen, den Gregory Ihr auf das Dirktiergerät gesprochen hatte. Sie war mitten im Brief, als das Band plöztlich anfing zu leiern. Als sie das Gerät öffnete, kam Ihr auch schon der Bandsalat entgegen. "Es gibt Tage, da sollte man besser nicht aufstehen." sagte sie zu sich selbst. Sie war so mit sich selbst und dem Band beschäftig, dass sie gar nicht bemerkte das jemand das Büro betrat. "Guten Morgen Bette." begrüßte Ben sie und Bette fuhr erschrocken hoch. "Mein Gott Ben, hast Du mich jetzt erschreckt!" "Schlechtes Gewissen?" grinste Ben. "Nein, nur einen schlechten Tag. Schön das wenigstens Du gute Laune hast und wieder da bist. Wo ist Meg?" "Sie hat zwei harte Tage hinter sich, sie wird morgen wieder hier sein." antwortete Ben und drehte sich zu Sam um "Komm, lass uns in mein Büro gehen." Bette bemerkte erst jetzt den Mann, der Ben begleitete. An der Tür zu seinem Büro drehte sich Ben noch einmal um "Ach Bette, könntest Du uns bitte zwei Tassen von Deinem köstlichen Kaffee bringen? Danke." Und schon hatte er die Tür hinter sich geschlossen und eine verduzte Bette zurück gelassen.
Ben setzte sich in
seinen Sessel hinter dem Schreibtisch „Setz Dich Sam.“ Sam setzte sich und sah
sich um „Nicht schlecht, Du hast wirklich was aus Dir gemacht.“ „Danke Sam, aber
es steckt auch viel Arbeit dahinter.“ Antwortete Ben. „Das glaube ich Dir.“
Sagte Sam und machte ein Pause „Du hast den Absprung zum richtigen Zeitpunkt
gemacht.“ Ben horchte auf „Das hört sich ja ganz so an, als ob Du auch mit dem
Job aufhören willst.“ Bevor Sam jedoch antworten konnte, betrat Bette mit einem
Tablett das Büro. Sie stellte je ein Tasse Kaffee vor Ben und Sam und stellte
Zucker und Milch dazu. „Danke.“ Sagte Sam und lächelte Bette an. „Bitte gern
geschehen.“ Antwortete Bette. Noch nie in Ihrem Leben hatte sie so grüne Augen
gesehen „Ich bin übrigens Bette Katzenkazrahi. Mein Boss hier hat ja wohl seine
Manieren vergessen.“ Sie nickte in Bens Richtung. Sam nahm Ihre ausgestreckte
Hand in die seine „Nett Ihre Bekanntschaft zu machen, Mrs. Katzen....“ „Bette,
einfach Bette.“ Lächelte Bette. „Bette, ein netter Name. Ich bin Sam Peterson,
Sam für Sie.“ Er gab der verdutzen Bette einen Handkuss. Bette war so fasziniert
von diesem Mann, dass Sie wie eine Statue da stand. Ben konnte sich ein Grinsen
nicht verkneifen „Hast Du keine Arbeit?“ Bette drehte sich zu Ben herum und
streckte Ihm die Zunge heraus „Sklaventreiber.“ Und damit verließ Sie das Büro,
aber nicht ohne vorher Sam noch ein strahlendes Lächeln zu schenken. Nachdem
Bette die Tür hinter sich geschlossen hat, drehte sich Ben wieder zu Sam um „So,
wenn ich Dich richtig verstanden habe, willst du aussteigen.“ Sam stand auf und
ging zum Fenster hinüber „Nun, ich werde auch nicht jünger und langsam sehne ich
mich danach, jeden Abend in ein gemütliches Zuhause zurück zukehren, mit einer
lieben Frau, die auf mich wartet.“ „Meinst Du das wirklich ernst?“ fragte Ben.
Sam nickte „Jetzt nachdem ich Dich wieder getroffen habe und sehe, was Du aus
Deinem Leben gemacht hast, mehr als je zuvor. Das einzigste was mich davor
abschreckt ist ein langweiliger Bürojob.“ Ben überlegte eine Augenblick
„Vielleicht habe ich genau das richtige für Dich.“ „Und was wäre das?“ Sam sah
Ben erwartungsvoll an. „Nun,“ begann Ben „ich habe selber festgestellt, das die
Sicherheitsvorkehrungen im Sunset Inn nicht die besten sind. Wie wäre es, wenn
Du die Leitung der Sicherheitsabteilung übernimmst?“ „Klingt nicht schlecht.“
Sagte Sam „Kann ich mir den Laden mal ansehen?“ Ben stand auf „Natürlich, lass
uns gleich rüber fahren.“ Sie verließen Bens Büro. „Du willst doch wohl nicht
etwa schon wieder gehen Ben?“ fragte Bette. „Doch genau das habe ich vor.“
Antwortete Ben. Verdutzt sah Bette Ben und Sam nach, die eilig das Büro
verließen.
Meg
Am Tag nach ihrer plötzlicher Trennung von Ricardo, hatte Gabi ihre Arbeit nur mechanisch erledigt. Es kam ihr alles immer noch wie ein böser Alptraum vor, aus dem sie hoffte, gleich erwachen zu können. Sie hängte ihren Schwesternkittel an den Haken und ging zur Anmeldung, um sich von Roxi zu verabschieden. Als sie auf die Straße trat, wehte eine kühle Brise zu ihr herüber und Gabi verspürte plötzlich Lust auf einen Spaziergang am Strand. Vom Krankenhaus bis zur Strandpromenade fuhr man nur wenige Kilometer, und als das Meer in Sichweite kam und sie den Strand vor sich liegen sah, überkam sie tiefe Traurigkeit. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, abends alleine am Strand spazierenzugehen, wo es um diese Uhrzeit nur so vor verliebten Pärchen wimmelte. Gabi seufzte und stieg aus ihrem Auto. Sie zog ihre Schuhe aus und lief durch den weichen Sand. Nur noch wenige Stunden, und die Sonne würde in glühenden Farben im Meer versinken. Gabi sah auf das Meer hinaus, das ihr in diesem Moment so friedlich vorkam. Es war tagsüber kaum Wind gewesen, so daß es jetzt glatt wie ein Spiegel war. Nur in unmittelbarer Strandnähe brachen sich einige kleine Wellen. Das Wasser zog Gabi wie magisch an, und langsam ging sie immer weiter in das kühle Nass hinein. Sie spürte nicht, wie ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen, wie das Wasser ihre Hose durchnäßte und sie bemerkte auch nicht die Gestalt, die sie vom Strand aus die ganze Zeit beobachtet hatte, als sie plötzlich von zwei starken Armen zurückgerissen wurde. "Bist Du lebensmüde?" Gabi erschrak, und mit einem Mal wurde ihr bewußt, wie weit sie sich schon vom Ufer entfernt hatte. Das Wasser reichte ihr schon bis zum Bauch, und sie verspürte unter ihren Füssen eine leichte Strömung. Sie sah hoch und schaute in Ricardo's Augen, die vor Entsetzen weit geöffnet waren. "Was hattest Du vor?" schrie er unbeherrscht. "Wolltest Du Dich umbringen?" Gabi schüttelte mechanisch den Kopf und ließ sich von ihm aus dem Wasser führen. Sie ließ sich in den Sand fallen und sah ihn verzweifelt an. "Ich - ich habe nicht gemerkt, daß ich schon so weit hineingegangen war." sagte sie mit zittriger Stimme. Ricardo schüttelte verständnislos den Kopf. "Ja, das scheint mir auch so." Gabi sah ihn an. "Danke!" Ricardo zog sie hoch. "Schon gut, das hätte wohl jeder andere auch gemacht." sagte er und wich ihrem Blick aus. Erst jetzt bemerkte Gabi, daß sich eine Menge Schaulustige am Strand eingefunden hatten, die sie nun interessiert beobachteten. Sie griff nach Ricardo's Hand. "Laß' uns woanders reden, bitte!" flehte sie und warf einen Seitenblick zu den Leuten hin. Ricardo sah sie an. "Was gibt es denn noch zwischen uns zu bereden?" fragte er ungehalten . "Bitte!" Gabi sah ihn verweifelt an. "Gib' mir wenigstens eine Chance, Dir alles zu erklären!" bettelte sie. Ricardo nickte. "Na gut, dann fahren wir jetzt zu Dir und reden!" sagte er bestimmt. Gabi sah ihn dankbar an. "Mein Auto steht gleich da drüben." Gemeinsam verließen sie den Strand und fuhren zum Surf Central.
Gemeinsam betraten Ben, Meg, Joan und Sam das Deep. Joan sah sich um, das war es also, hier wollte Ihre Tochter arbeiten. Sie war zuvor noch nicht in einem Nachtclub dieser Art gewesen, zu Hause ind Ludlow gab es nur das Buckerroo. Als Derek sie hereinkommen sah, winkte er sie gleich zu sich "Hi, ich habe den besten Tisch für uns reserviert. Sara wird auch jeden Augenblick hier sein." Er führte sie zu einem Tisch, nahe der Tanzfläche. Sie setzen sich und Derek öffnete die bereitgestellte Champagnerflasche. Er füllte die Gläser und reichte jedem eins "Auf unseren Sieg und auf einen gelungenen Abend." Sie stiessen an und tranken jeder einen Schluck. "Ihr könnt heute alles bestellen, was Ihr wollt, es geht aufs Haus." sagte Derek. Ben hatte das Deep seit Jahren nicht mehr zu seinem Vergnügen betreten "Ich muss sagen, Du hast einiges aus diesem Laden gemacht. Und zu laufen scheint er ja auch." bemerkte er. Langsam strömten immer mehr junge Leute in das Nachtlokal "Ja, eigentlich kann ich mich auch nicht beklagen." Als die Musik zu spielen begann, drehte sich Ben zu Meg um "Darf ich um diesen Tanz bitten?" "Mit Vergnügen." lächelte Meg und Ben führte sie zur Tanzfläche. Es war ein langsames Lied und so zog Ben sie ganz fest an sich heran. Meg lehnte Ihren Kopf an Bens muskulöse Brust und genoss die Nähe zu Ihm. "Bist Du glücklich?" fragte Ben plötzlich. Meg hob Ihren Kopf und sah Ben an "Ich bin so glücklich wie nie zuvor in meinen ganzen Leben." "Gut," lächlete Ben "ich auch." Langsam beugte er sich zu Meg hinunter und küsste sie zärtlich.
Als Sara schließlich im Deep erschien, war es schon brechend voll, und Mark und Caitlin liefen geschäftig durch die Gegend und bedienten an den Tischen. Derek ging auf Sara zu und gab ihr einen Begrüßungskuß. Sie schaute ihn verliebt an. "Ich habe mich noch gar nicht für den Job bedankt," sagte sie und grinste. Derek warf ihr einen verzweifelten Blick zu. "Ja, und gerade heute merke ich erst, wie dringend wir hier noch eine Kellnerin brauchen." Sara sah sich um. "Ja, ist ganz schön voll hier," stellte sie fest. "Na, dann will ich mich mal an die Arbeit machen!" Sara drehte sich um, um hinter den Tresen zu gehen, doch Derek hielt sie zurück. "Stop! Heute bist Du noch mein Gast," sagte er und lächelte. Sara wollte protestieren, doch Derek schüttelte den Kopf. "Mach' doch bitte nur einmal, was ich möchte, ja?" Sara schmunzelte. "Oder, wenn Du es nicht für mich tun willst, dann tue es für Deine Mutter," fügte er hinzu. "Sie will morgen wieder zurückfliegen, und es wäre sicher schön, wenn wir diesen Abschied gemeinsam feiern könnten, oder?" Er sah sie erwartungsvoll an. Sara lachte. "Ist okay, ich werde einmal tun, was Du verlangst." Sie ging hinüber zum Tisch, wo ihre Mutter und Sam saßen. Sara warf einen sehnsüchtigen Blick auf die Tanzfläche, wo Meg und Ben engumschlungen tanzten. "Ein schönes Paar!" dachte sie. Derek folgte ihrem Blick und grinste. Er ging auf sie zu und streckte ihr die Hand entgegen. "Darf ich bitten?" fragte er und lächelte. "Ja, sehr gerne!" Sara erhob sich und gemeinsam gingen sie zur Tanzfläche.
Derek hielt Sara in seinen Armen, während sie sich im Takt der Musik bewegten, als er plötzlich ein bekanntes Gesicht die Treppe herunterkommen sah. "Was macht denn die Tochter von A.J. Deschanel hier?" fragte er sich. Seit ihrer Begegnung am Strand hatte er sie nicht mehr gesehen, und danach war Meg von ihrem Vater entführt worden. Ihr Auftauchen war also sicher kein Zufall! Nervös beobachtete Derek, wie sie an der Bar platz nahm und sich einen Drink bestellte. Sara spürte Derek's innere Unruhe und folgte seinem Blick. Verärgert mußte sie feststellen, daß er die ganze Zeit eine attraktive Blondine beobachtete, die in diesem Moment auch noch zu ihnen herüberlächelte. Sara drückte Derek demonstrativ enger an sich. Sie hatte von Anfang an über seinen Ruf als Frauenheld bescheid gewußt, doch seitdem sie fest zusammenwaren hatte er keine andere Frau mehr angesehen - hatte Sara zumindest bis zu diesem Tag gedacht. Offenbar hatte sie sich geirrt! Der Song war zuende, und Derek schob Sara ein Stück von sich weg. "Kannst Du mich einen Moment entschuldigen?" fragte er und verließ die Tanzfläche. Sie nickte und ging an den Tisch zurück. Von dort aus beobachtete sie eifersüchtig, wie Derek zur Bar hinüberging und die attraktive Blondine ansprach. "Hallo, Miss Deschanel!" begrüßte er sie. Jade schenkte ihm ihr bezauberndstes Lächeln. "Jade ... Hallo, Derek!" Ihre rauchige Stimme ließ ihm Schauer über den Rücken laufen, doch er erinnerte sich daran, wie sie ihn ausgetrickst hatte. "Was steht heute auf dem Programm?" fragte er sarkastisch, "Mord?" Jade zuckte zusammen. "Ich weiß, was sie denken," sagte sie und senkte den Blick. "Ich schwöre Ihnen, ich wußte nichts davon, daß mein Vater ihre Freundin ... ich meine, die Freundin ihres Bruders entführt hat!" Verzweifelt sah sie ihn an. "Die Geschäfte meines Vater interessierten mich noch nie," log sie. Derek sah sie mißtrauisch an. "Und das soll ich Ihnen glauben?" fragte er und runzelte die Stirn. Jade legte ihre Hand auf seinen Arm. "Sie können von mir denken, was Sie wollen ... ich bin keine Verbrecherin!" Gekonnt schlug sie die Augenlieder nieder, und Derek strarrte auf ihre seidig langen Wimpern. Sara hatte genug gesehen. Wütend sprang sie auf und rannte in Richtung der Toilettenräume. Da Derek mit dem Rücken zu den Tischen saß, sah er sie nicht. Plötzlich fühlte er eine Hand auf seiner Schulter. Er drehte sich um, und stand sich selber gegenüber. "Vielleicht solltest Du Dich zur Abwechselung mal um Deine Freundin kümmern," sagte Ben und sah Derek vorwurfsvoll an. Verwirrt drehte Derek sich um. "Wo ist Sara?" Ben wies Richtung Toilette. Er ging näher an Derek's Ohr heran. "Es wäre besser, wenn Du in der Öffentlichkeit und der Anwesenheit Deiner Freundin nicht mit anderen Frauen flirtest." flüsterte er ihm zu. Derek sah ihn überrascht an. "Ich habe nicht geflirtet!" sagte er empört. Ben schmunzelte. "Nun, ich glaube, Sara sieht das etwas anders." Derek warf einen Blick zu Jade hinüber, die gelangweilt an ihrem Drink nippte und keinerlei Notiz von den beiden Männern nahm. "Danke Dir!" Derek klopfte Ben auf die Schulter und ging dann zu den Toilettenräumen hinüber.
Nachdem Derek sicher war, daß niemand außer Sara im Toilettenraum anwesend war, ging er zögernd hinein. Er klopfte an die verschlossene Zellentür. "Sara, bitte, mach' schon auf!" "Verschwinde!" zischte sie wütend. "Geh' zurück zu Deinem blonden Gift!" Derek mußte schmunzeln, obwohl die Situation an sich gar nicht so komisch war. Er rüttelte an der Tür. "Wenn Du nicht sofort aufmachst, breche ich die Tür auf!" Einen Moment war Stille. "Das wagst Du nicht." brachte Sara schließlich hervor. "Ich würde es nicht drauf ankommen lassen," sagte Derek ruhig. Er hörte plötzlich, wie die Tür entriegelt wurde. Sara sah ihn wütend an. "So, nun zufrieden?" giftete sie. Derek grinste. "Ja, sehr zufrieden." Er sah sie prüfend an. "Du bist doch nicht etwa eifersüchtig?" fragte er überrascht. Sara starrte auf den Fußboden. "Nein," sagte sie ironisch. "Wieso sollte ich? Mein Freund vergnügt sich ja nur mit einer anderen Frau!" Derek ergriff Sara's Hand. "Vielleicht sollten wir die Örtlichkeiten mal verlassen, damit ich mit Dir darüber reden kann." Widerstrebend ging sie mit ihm mit. Überrascht stellte Derek fest, daß Jade mal wieder das Feld geräumt hatte, was ihm in diesem Moment auch ganz recht war. Noch mehr Ärger mit Sara konnte er nun wirklich nicht gebrauchen! Mark war gerade dabei, einige neue CD's aufzulegen. "Komm'," forderte Derek Sara auf. "Laß' uns tanzen, dann erzähle ich Dir alles." Sie nickte und folgte ihm auf die Tanzfläche. Derek räusperte sich und sah Sara an. "Die junge Dame vorhin an der Bar ist die Tochter von A.J. Deschanel," klärte er Sara auf. In knappen Worten erzählte er ihr, was sich in den Stunden vor Meg's Entführung zugetragen hatte. Sara hörte interessiert zu. "Du glaubst also, daß A.J. seine Tochter zum Spionieren ins Deep geschickt hatte?" faßte Sara zusammen und sah Derek fragend an. Er nickte. "Ja, das denke ich, obwohl sie etwas anderes behauptet." Sara sah ihn an. "Es tut mir leid, daß ich so mißtrauisch und ... eifersüchtig war," gab sie kleinlaut zu. Derek küsste sie zärtlich auf die Stirn. "Ich liebe nur Dich, das weißt Du doch," sagte er und sah ihr tief in die Augen. Sara lehnte ihren Kopf an seine Brust. Ben und Meg hatten von ihrem Tisch aus die beiden beobachtet. "Ich bewundere immer, wie schnell sich die beiden immer wieder versöhnen," sagte Ben nachdenklich zu Meg. Sie lächelte und ergriff seine Hand. "Ja, das scheint wirklich die wahre Liebe zwischen den beiden zu sein," sagte sie verträumt. Ben sah sie zärtlich an. "Nicht nur zwischen den beiden ..." sagte er vielsagend und küsste sanft ihre Lippen.
Joan hatte die ganze Zeit vom Tisch aus das Geschehen verfolgt und sich ihre eigenen Gedanken dazu gemacht. Sie schaute diskret zur Seite, als Ben sich zu Meg hinüberbeugte und sie küsste. Sie war so glücklich, daß ihre älteste Tochter ihr Glück in Sunset Beach gefunden hatte, zumal ihr Ben von Anfang an sympathisch gewesen war und er Meg anscheinend auf Händen trug. Eine bessere Partie hätte sie gar nicht machen können! Joan sah hinüber zur Tanzfläche, wo Derek und Sara verliebte Blicke austauschten. Joan seufzte. Derek würde ihr wohl für immer ein Rätsel bleiben. Als sie ihn kennengelernt hatte, hatte er einen ruhelosen, kaltschnäuzigen Eindruck auf sie gemacht. Er war ihr irgendwie unheimlich gewesen, und seine kalten Augen hatten diesen Eindruck nur noch verstärkt. "Wie die Liebe einen Menschen doch verändern kann," dachte sie und lächelte still in sich hinein. "Ein schönes Paar," stellte sie fest, und sie war sich auch sicher, daß Derek nichts tun würde, was Sara schaden könnte. Ihr Blick wanderte zwischen beiden Pärchen hin- und her. "Wenn doch nur Hank sehen könnte, wie glücklich seine Mädchen hier sind," ging ihr durch den Kopf. Plötzlich kam ihr ein Gedanke. In diesem Moment verließen Derek und Sara die Tanzfläche und nahmen wieder am Tisch platz. Joan räusperte sich. "Da jetzt alle beisammen sind, möchte ich Euch etwas sagen ..."
Gabi und Ricardo standen sich im Surf Central gegenüber. "Bitte setz Dich doch", meinte Gabi, da sie nicht wußte, was sie sonst sagen sollte. Doch Ricardo blieb stehen. Schließlich brach es aus Gabi heraus: "Ricardo, bitte, hör mir zu." Ricardo machte eine kurze Geste, von der Gabi vermutete, daß sie so etwas wie "Also Gut", bedeutete. "Damals, nachdem ich dachte, du hättest mich mit Paula betrogen, war ich so einsam, und C..., ich meine, der Mann mit dem ich geschlafen habe, war in einer ähnlichen Situation. Wir haben uns nicht geliebt, nur.. nur... getröstet." Sie warf ihm einen flehenden Blick zu. "Ricardo, bitte, sag was. Sag irgendwas...". Genau in diesem Augenblick klingelte das Telefon. "Ausgerechnet jetzt", stöhnte Gabi. "Martinez", meldete sie sich. "Hi Gabi." "Rae?", meinte sie überrascht. "Mit Dir hätte ich jetzt gar nicht gerechnet." "Ist... ist Casey da?", fragte Rae vorsichtig. "Nein, ich glaube nicht", antwortete Gabi. "Aber ich kann gern mal nachsehen." "Nein, nein, nicht nötig", erwiderte Rae schnell. "Soll ich ihm was ausrichten?" "Nein, ist eigentlich nicht so wichtig", antwortete schnell. Es gab ein Klacken in der Leitung und se hatte bereits wieder aufgelegt. "Das war Rae", erklärte Gabi. Doch als sie sich zu Ricardo umwandte bemerkte sie, daß er das Haus bereits verlassen hatte.
Annie hatte es sich in ihrem Whirlpool bequem gemacht. "Genau das richtige zur Entspannung, nach dieser fürchterlichen letzten Nacht", überlegte sie. Plötzlich spürte sie zwei Hände hinten auf ihrem Nacken. Erschrocken drehte sie sich um. "Du?", fragte sie überrascht. "Was um alles in der Welt willst Du hier." Eddie Connors grinste. "Och, ich wollte einfach mal vorbeischauen. Hab Dich lange nicht mehr gesehen, Annie." "Ach ja? So, nun hast Du mich gesehen, also kannst Du ja jetzt wieder gehen." "Nicht doch, Annie. Ich hatte gehofft, wir können vielleicht einige Erinnerungen auffrischen." "Du träumst wohl", antwortete Annie spöttisch. "Gib mir mein Handtuch, hopp." Sie wollte aus dem Whirlpool aufstehen. "Warum bleibst Du nicht einfach drin, Annie. Ich bin sicher dort ist es gemütlicher. Und ich komme und leiste dir Gesellschaft." Er beugte sich ein wenig zu ihr herab. Das hätte er besser nicht tun sollen. *Wamm* Bevor Eddie überhaupt begreifen konnte, was geschehen ist, landete Annies Faust genau auf seinem Kinn. Eddie stöhnte auf und begann, sich sein schmerzendes Kinn zu reiben. "Ich hoffe, die Antwort war eindeutig, Eddie. Und jetzt gib mir mein Handtuch." "Stör ich?" Sowohl Annie als auch Eddie drehten sich um. Hinter ihnen stand Cole.
"Cole, was machst Du denn hier?", fragte Annie überrascht. "Wollte mal vorbeischauen und mit Dir reden, über das, was ich gestern Abend gesagt habe. Aber scheinbar komme ich ungelegen." Annie stutzte einen Augenblick, dann meinte sie schnell. "Ach so, wegen Eddie. Ja, ich habe ihn angerufen, er sollte mal vorbei kommen und mir Gesellschaft leisten. Tante Bette ist nicht da und allein ist es hier so einsam." Gerade als eddie darauf etwas erwidern wollte, spürte er bereits Annies Ellebogen in der Seite und stöhnte auf. "Mit Eddie Connors. Bist Du sicher, daß er der richtige dafür ist." "Etwa eifersüchtig, Cole?", fragte Annie mit gespielter Unschuld. "Da besteht wirklich kein Grund zu. Eddie und ich sind nur alte Freunde, genauso alte Freunde wie wir beide. Du hast doch selbst gesagt, das wir beide nur alte Freunde sind." "Gut, wie Du meinst", meinte Cole, der sehr zu Annies Freude seinen Unmut nur schwer verbergen konnte. "Dann will ich euch nicht länger stören, bye." "Bye Cole", antwortete Annie in zuckersüßem Ton. Kaum war er weg, spürte sie bereits Eddies lippen auf ihrem Oberarm. "Was um alles in der Welt soll das, Eddie?", fauchte sie. "Habe ich mich vorhin nicht klar genug ausgedrückt." "Aber du hast doch gerade gesagt..." "Da hast Du was mißverstanden. nd jetzt mach, das du wegkommst." "Ach so ist das also. Es geht Dir um Deschanel nicht wahr. Du wolltest ihn eifersüchtig machen, hast mich nur benutzt. Das tut weh." "Mir kommen die Tränen, Eddie." "Alles wegen Deschanel. Weißt Du was, Annie. Langsam glaube ich, daß es besser gewesen wäre, wenn er bei dem Sturz vom Gerüst umgekommen wäre. Ich hätte mich vergewissern sollen, daß..." Plötzlich brach er ab. Doch Annie hatte bereits Lunte gerochen. "Du? Was hast Du damit zu tun?" "Ich. gar nichts, Annie. Entschuldige, du hast recht. Besser ich geh jetzt." Und bevor Annie noch etwas sagen konnte, war Eddie bereits weg.
Alle setzten sich und sahen Joan erwartungsvoll an. "Ist irgendetwas nicht in Ordunung?" fragte Meg besorgt. Joan lächelte sie an "Nein mein Schatz, keine Angst es ist alles in Ordnung. Ich habe gerade nur darüber nachgedacht, dass Euer Vater Euch bestimmt auch gerne wiedersehen würde." Jaon macht eine Pause "Aber Ihr wißt auch, dass Dad die Farm nicht so einfach sich selber überlassen kann. Ich habe gerade darüber nachgedacht, ob Ihr nicht für ein paar Tage mit nach Ludlow kommen wollt. Ben und Derek Ihr beide seid natürlich auch mit eingeladen. Ich bin mir sicher, mein Mann würde Euch sehr gerne kennen lernen." Meg strahlte Ihre Mutter an "Oh Mom, das ist eine wundervolle Idee. Ich vermisse Dad sehr und würde Ihm Ben gerne vorstellen." Sie drehte sich zu Ben um "Was denkst Du darüber?" Ben beugte sich zu Meg hinüber und küsste Meg auf die Wange "Das ist eine gute Idee und ich würde auch gerne Deinen Vater kennen lernen." Ben sah seinen Bruder an "Was meinst Du?" Derek sah von einem zum anderen. Er war es nicht gewohnt, so mit einbezogen zu werden, schon gar nicht in eine Familie. Aber er musste sich auch eingestehen, dass Ihm der Gedanke daran gefiel "Ich wäre mit dabei." sagte er und Sara fiel Ihm um den Hals. "Danke Derek, das bedeutet mir sehr viel." "Derek kann ich mal Dein Telefon benutzen?" fragte Ben seinen Bruder "Ja nur zu, geh einfach in mein Büro." nickte dieser. Ben stand auf und ging ins Büro. "Was hat er vor?" wollte Sara wissen. "Weiß ich auch nicht, aber ich bin mir sicher, dass wir das bald erfahren." antwortete Meg. Wenige Minuten später kehrte Ben zurück. "Denkt Ihr, Ihr schafft es bis morgen Nachmittag um zwei gepackt zu haben?" fragte er in die Runde. "Natürlich Ben. Hast Du die Flugtickets bestellt?" wollte Meg nun wissen. "Nicht direkt," lächelte Ben "aber der Firmenjet der Liberty Corporation wird uns morgen Nachmittag nach Kansas bringen." "Du meinst wir fliegen mit einem Jet nur für uns alleine?" fragte Sara ungläubig. Ben lachte "Ja, genau das meinte ich." "Wow" das war alles, was Sara noch herausbringen konnte.
Caitlin beobachtete Mark vom Tresen her. Sie war sehr traurig darüber, daß sich ihre Wege, kaum daß sie sich nähergekommen waren, wieder getrennt hatten. Mark ging ihr seit dem Aufenthalt im Fahrstuhl aus dem Weg, und es war eine Qual für sie, ihn sehen zu müssen, aber nicht mit ihm reden zu können. Caitlin stellte einige Getränke und Gläser auf ein Tablett und ballancierte es vorsichtig zu einem der Tische hinüber, als sie von einem tanzenden Pärchen angerempelt wurde. Sie versuchte das Tablett noch zu halten, doch es rutschte aus ihren Händen und fiel samt Flaschen und Gläsern laut scheppernd auf den Boden. Der Inhalt der Flaschen ergoß sich auf die Fliesen und vermischte sich mit den Glasscherben. "Verflucht!" Caitlin kniete nieder und versuchte mit der blossen Hand die Scherben aufzuheben. "Autsch!" Eine Scherbe bohrte sich tief in ihr Fleisch und hinterließ einen üblen Schnitt. Caitlin steckte sich ihren Finger in den Mund, um zu verhindern, daß sie auch noch den Fußboden vollblutete. Mark, der die Szene von seinem D.J. Platz beobachtet hatte, rannte sofort zu ihr hinüber. "Zeig' mal her!" Zögernd streckte Caitlin ihm ihre Hand entgegen. "Das sieht böse aus!" stellte Mark fest und half Caitlin beim Aufstehen. "Vielleicht muß es sogar genäht werden." Caitlin sah ihn an. "Ach wo, ich halte die Hand unter Wasser, und dann machen wir einfach ein Pflaster drüber." Mark nickte. "Kommst Du alleine klar?" fragte er besorgt. Caitlin lächelte. "Ich werde mir wohl noch selber ein Pflaster anlegen können." sagte sie empört. Mark nickte wieder. "Okay, dann werde ich in der Zwischenzeit hier sauber machen." Caitlin sah ihn dankbar an. Sie verschwand in der Damentoilette und kam kurze Zeit später mit einem Pflaster an der Hand wieder. Mark hatte in der Zwischenzeit die Sauerei auf dem Fußboden entfernt. Caitlin hielt ihm ihre Hand entgegen. "Siehst Du, es war halb so wild." Mark atmete erleichtert auf. "Gut. Kannst Du weiter bedienen, oder soll ich das für Dich übernehmen?" Caitlin freute sich insgeheim darüber, daß Mark sich anscheinend wirklich Sorgen um sie gemacht hatte. Also war sie ihm doch nicht so egal! Sie lächelte und legte vorsichtig ihre Hand auf seinen Arm. "Danke, aber es geht mir wirklich gut. Ich schaffe das schon." Mark warf ihr einen letzten, nachdenklichen Blick zu und ging dann wieder zurück zu seinem D.J. Platz.
Nach einem langen Tag betrat Bette das Deep. Sie war nach der Arbeit noch shoppen gewesen, zum einem um Ihren Frust über diesen verkorksten Tag los zu werden und zum anderen hatte sie die Hoffnung, Bens Freund, Sam Peterson, noch einmal über den Weg zu laufen. Sie trug ein neues, blaues Seidenkleid, das Ihre Augen regelrecht leuchten ließ. Sie schritt die Treppe in das Nachtlokal hinunter und sah sich um. Dann glaubte sie Ihren Augen nicht zu trauen, als sie die beiden Evans' Brüder einträchtig an einem Tisch sitzen sah. Anscheinend schienen sie etwas zu feiern, denn sie stießen gerade mit Champagner an. Mit am Tisch saßen natürlich Meg und Sara, Joan und zu Bettes großer Freude auch Sam. Bette ging zur Bar hinüber und setzte sich so, dass sie Sam genau beobachten konnte. Sam hatte Bette auch bemerkt und lächelte ihr zu.
Als Mark von dem DJ Pult zur Bar hinüber kam, um sich ein Glas Wasser zu holen, konnte sich Bette nicht mehr zurück halten
"Sag mal Kleiner, was ist denn da drüben los?" Sie nickte mit dem Kopf in Richtung von Ben und Derek. "Seit wann kommt Ben ins Deep und sitzt dann auch noch mit seinem Bruder einträchtig zusammen?"
Mark zuckte die Schultern.
"Ich weiß auch nicht was da los ist. Jedenfalls scheinen sie sich bestens zu verstehen." Mark nahm sich sein Wasser. "Ich muss wieder zurück an meine Arbeit." Er ging zu seinem DJ Pult zurück.
Bette wusste immer noch nicht, was sie von dieser Sache zu halten hatte. Normalerweise wäre sie ja zu Ben hinüber gegangen und hätte ihn selber gefragt, was da los ist, aber Sams Anwesenheit hielt sie zurück. Sie nippte an den Cocktail, den sie sich bestellt hatte und überlegte, wie sie es am besten schaffen konnte, an Ben heran zukommen, ohne zu neugierig zu wirken. Sie war so in Gedanken vertieft, dass sie gar nicht bemerkt hatte, dass Sam zu ihr hinüber gekommen war.
"Eine so schöne Frau sollte nicht alleine hier sitzen." sagte er. Bette schreckte hoch und lächelte Ihn an.
"Nun bin ich ja nicht mehr alleine."
Sam lachte und es bildeten sich lauter kleine Lachfältchen um seine Augen
"Nun, ich bin froh, dass ich Ihnen helfen konnte. Darf ich Sie um diesen Tanz bitten?"
Bette stellte Ihr Glas ab.
"Mit Vergnügen." Sam reichte ihr seinen Arm und führte sie zur Tanzfläche. Dort legte er sanft einen Arm um ihre schmale Taille und in seine andere Hand nahm er Bettes Hand. Langsam und sicher führte er Bette in dem Rhythmus der Musik über die Tanzfläche.
"Sie sind also ein alter Freund von Ben?" fragte Bette.
"Ja, wir kennen uns schon viele Jahre." Bette sah in die grünen Augen von Sam.
"Zu schade, dass Sie Ihn nicht schon viel früher besucht haben, dann wären wir uns schon viel eher begegnet.“
Ein Lächeln huschte über Sams Gesicht.
"Noch ist es ja nicht zu spät, sich kennen zu lernen."
"Bleiben Sie denn in Sunset Beach?" wollte Bette nun wissen.
Sam zog sie dichter an sich heran.
"Ich denke, ich habe mich eben entgültig entschieden hier zu bleiben." flüsterte er in ihr Ohr.
Ricardo saß auf seinem Bett und hielt nachdenklich den Hörer in der Hand. Vielleicht sollte er Gabi anrufen und ihr sein plötzliches Verschwinden erklären. Er fühlte sich einfach noch nicht in der Lage, die volle Wahrheit zu erfahren. Was er von ihr erfahren hatte, hatte ihn tief verletzt, und damit mußte er erst einmal fertig werden. Deshalb hatte er das Surf Central und Gabi so überstürzt verlassen. Er brauchte Abstand und Zeit zum Nachdenken!
Er war ganz in Gedanken versunken, als das Telefon klingelte. Sicher, das es Gabi war, nahm er den Anruf entgegen.
"Gabi? Ich wollte Dich auch gerade anrufen ..." Weiter kam er nicht, denn er hörte, wie sich eine Männerstimme räusperte.
"Ich bin's, Antonio! Wer ist Gabi?" Ricardo schluckte.
"Hallo kleiner Bruder! Wie geht's?"
Antonio lachte.
"Lenk' nicht ab, Ricardo. Wer ist Gabi?" wiederholte er seine Frage.
Ricardo atmete tief durch.
"Sie ist meine ..." Er suchte nach Worten. "... meine Ex-Freundin." Ricardo hörte, wie Antonio sich wieder räusperte.
"Scheint ja langsam bei Dir ein Normalzustand zu werden, daß Du Dich immer noch mit Deinen Ex-Freundinnen triffst."
Ricardo lachte bitter.
"Ja, komisch, nicht wahr?" Einen Moment war Stille.
"Weshalb ich anrufe, ... vielleicht weißt Du es ja auch schon von Mama ..."
Ricardo wurde ungeduldig.
"Was soll ich wissen?" fragte er neugierig.
"Ich komme wieder zurück nach Sunset Beach," erzählte ihm Antonio.
Ricardo war für einen Moment sprachlos.
"Das sind ja tolle Neuigkeiten," stieß er dann hervor. "Wann sehen wir Dich wieder?"
"Oh, ich denke schon bald. Hier ist soweit alles für meine Nachfolge geregelt."
"Prima!" Ricardos Stimmung verbesserte sich gleich.
"Mama hat mir erzählt, daß Du Probleme hast," hörte er Antonio sagen.
"Was für Probleme?"
"Ah, ich verstehe," sagte Antonio," laß' mich raten ... Frauengeschichten?" Als Ricardo nicht antwortete fuhr er fort. "Habe ich also richtig geraten! Mann, bin ich froh, daß ich Priester bin!" Ricardo konnte sich ein Lachen nicht mehr verkneifen.
"Ja, Du bist wirklich zu beneiden!"
Antonio lachte ebenfalls.
"So, ich muß mich wieder um meine Schäfchen kümmern. Wir sehen uns dann ja bald. Mach's gut!" Antonio legte auf, und Ricardo hielt wieder nachdenklich den Hörer in der Hand.
"Warum meldest Du Dich nicht, Gabi?" dachte er. "Wo bist Du?"
Mona
Annie hatte lange geschwankt, was sie tun sollte. Zugegeben, Cole hatte sie ziemlich verletzt, und es würde ihr eine große Freude machen, ihm eins auszuwischen, aber diesmal wollte sie mit offenen Karten spielen, und Cole von ihrem Verdacht erzählen. Entschlossen klopfte sie an seine Hotelzimmertür.
"Herein", hörte sie ihn.
Annie trat ein, als Cole sich gerade mit AJ unterhielt. Er zog die Augenbrauen hoch.
"Annie", meinte er überrascht, "Mit Dir hätte ich nicht gerechnet." Es klang so, als wäre er auch nicht sonderlich begeistert über diesen Besuch.
"Ich muß mit Dir reden", meinte sie. "Allein."
"Ich habe keine Geheimnisse vor meinem Vater, also wenn..."
Doch AJ unterbrach ihn.
"Ich habe sowieso noch was vor", meinte er lächelnd und ging.
"Nun, was willst Du Annie. Hast Du vor, mir zu erzählen, wie toll es mit Eddie war?"
"Eddie, als ob mich dieser Versager interessieren würde", antwortete Annie abfällig.
Erneut zog Cole die Augenbrauen vor.
"Das hat sich aber vorhin noch ganz anders angehört."
"Was schert mich ein Geschwätz von vorhin?", blockte Annie ab. "Obwohl, in gewisser Weise geht es schon um Eddie, aber auch um Dich."
"Um mich. Langsam machst Du mich wirklich neugierig."
"Hast Du eigentlich eine Idee, wer damals hinter deinem Sturz vom Gerüst gesteckt hat? Es war doch Sabotage, nicht wahr?"
"Ja Annie, es war Sabotage. Definitiv. Und nein, ich habe keine Idee, wer dahintersteckt."
Annie ließ eine kleine Pause, bevor sie antwortete, damit ihre Worte auch wirkten.
"Aber ich!" posaunte sie schließlich.
Hickengruendler
"Du? Na dann bin ich aber mal gespannt, wer deiner Meinung nach dahintersteckt."
"Eddie", erklärte sie ihm. Doch Cole blickte sie nur skeptisch an.
"Eddie Connors. Nein, nie im Leben."
"Oh doch. Er hat sich vorhin verraten." Und Annie erzählte Cole genau, was Eddie gesagt hatte. "Hmm, zugegeben", meinte Cole schließlich. "Das klingt schon seltsam. Aber wäre es nicht reichlich dumm von ihm, Dir das einfach so zu sagen."
"Er hat es mir nicht einfach so gesagt. Es ist ihm mehr oder weniger raugerutscht. Und außerdem ist er ein Idiot. Zwei Einzeller hätten zusammen mehr Gehirnzellen als er."
"Ja, da ist schon was dran." Doch Cole war immer noch nicht überzeugt. "Aber warum sollte er sowas tun? Er hat kein Motiv."
"Er war schon immer hinter mir her. Vielleicht hat er rausgekriegt, daß ich ein Kind von dir erwartete und wollte Dich beseitigen."
"Nein", erwiderte Cole. "Das paßt nicht zu ihm." Plötzlich kam ihm ein Gedanke. "Wenn, dann hat er es für Geld getan."
"Genau, das ist es", erwiderte Annie enthusiastisch. "Jemand hat ihn dafür bezahlt. Na was ist Cole, wer hat ein Motiv, dich umzubringen und genug Geld, Eddie zu bezahlen."
Coles Antwort kam prompt.
"Derek, dein Exverlobter."
Doch Annie zögerte. Zugegeben, Derek hatte im Krankenhaus versucht, Cole zu töten, aber... "Ich bin mir ziemlich sicher, daß er zu diesem Zeitpunkt noch nichts über unser Verhältnis wußte. Ich hatte ihm erst später gesagt, daß ich ein Kind von einem anderen Mann bekomme und er war wirklich schockiert darüber. Das habe ich ihm angesehen."
"Er scheint ein guter Schauspieler zu sein."
"Oh ja. Er kann sich prima verstellen", erwiderte Annie bitter. "Aber damals, ich bin sicher es war echt. Aber freilich, genau weiß ich es nicht."
Cole, mittlerweile ebenfalls von Annies Theorie überzeugt, daß Eddie für den "Unfall" verantwortlich war, überlegte lange. Derek war eine Möglichkeit, aber es gab da noch eine andere, die ihm soeben in den Sinn bekam. Laut aber sagte er:
"Ich bin mir noch nicht sicher, wer es war. Aber ich habe eine Idee wie ich es herausfinden könnte. Aber dazu bräuchte ich deine Hilfe, Annie."
Sie blickte ihn interessiert an.
Hickengruendler
Am nächsten Morgen war Ben schon sehr früh im Büro. Er hatte noch ein paar wichtige Dinge zu erledigen, bevor sie am Mittag nach Kansas flogen.
Als Bette um kurz nach neun kam, war sie überrascht ihren Boss schon anzutreffen.
"Nanu? So früh schon hier?" fragte sie.
"Ja, ich habe einiges zu erledigen, da ich ein paar Tage nicht da sein werde." antwortete Ben. "Oh!" Bette war überrascht "Eine Geschäftsreise?"
Ben lächelte und schüttelte seinen Kopf.
"Nein, Megs Mutter hat uns alle nach Kansas eingeladen."
Bette stutzte.
"Uns alle?" fragte sie.
"Na Meg, Sara, Derek und mich." antwortete Ben.
Nun war Bette sprachlos. Ben und Derek würden also zusammen verreisen!
"Du willst mit Deinem Bruder zusammen nach Kansas fahren? Du hast es ja sonst kaum im selben Raum mit Ihm ausgehalten." stelle sie fest.
Ben bemerkte, dass Bette fast vor Neugier platzte.
"Wir haben uns in den letzten Tagen ausgesprochen und sind uns wieder näher gekommen." erklärte Ben kurz. "Ach Bette, könntest Du bitte Kaffee kochen? Sam will gleich noch vorbei kommen, wir haben noch so einiges zu besprechen."
Als Ben Sam erwähnte leuchteten Bettes Augen auf.
"Aber sicher doch." Sie verließ eilig das Büro von Ben und setzte den Kaffee auf. Dann holte sie Ihre Haarbürste aus Ihrer Handtasche und mit einigen kräftigen Bürstenstriche brachte sie Glanz in Ihr Haar. Dann holte Sie Ihren Lippenstift hervor und zog die Lippen nach. Zum Schluss kniff Sie sich noch in die Wangen und als Sie sich im Spiegel betrachtete, war Sie mit dem Ergebnis zufrieden. Sie setzte sich an Ihren Schreibtisch und begann beschwingt mit Ihrer Arbeit. Dieser Tag versprach besser zu werden, als der vorherige.
"Guten Morgen Mrs Richards." Tiffany kam gut gelaunt die Treppe hinunter. Olivia verzog die Mundwinkel. Die hatte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Tiffany blickte sie einige Momente an, dann wiederholte sie in etwas lauterem Ton: "Guten Morgen."
"Guten Morgen", murmelte Olivia ziemlich abweisend.
"Die anderen sind schon alle weg. Also sind wir die einzigen im Haus. Wie wäre es, wenn wir heute morgen irgendwas zusammen unternehmen würden", fragte Tiffany, in einem Versuch, freundlich zu sein.
"Rose ist auch noch da", erwiderte Olivia sarkastisch. "Warum verbringst Du nicht den Vormittag mit ihr? Ihr könntet so viele Dinge gemeinsam machen, putzen und aufräumen. zum Beispiel." Tiffany zögerte einen Moment und blickte Olivia fest an, dann fragte sie plötzlich unvermittelt: "Sie mögen mich nicht, nicht wahr?"
"Warum sollte ich auch?"
Tiffany zuckte mit den Achseln.
"Keine Ahnung. Aber irgendwie habe ich immer gehofft, daß Sie mich akzeptieren würden, auch als Seans Freundin. Bei Ihrem Mann erscheint es mir hoffnungslos. Aber ich habe zumindest gehofft, Sie würden ihre Einstellung mir gegenüber ändern."
Olivia warf ihr einen abschätzigen Blick zu.
"Warum sollte ich meine Einstellung gegenüber jemandem ändern, der sich durch eine Erpressung in unser Haus eingeschlichen hat?"
"Was hätte ich denn sonst tun sollen?", fragte Tiffany. Sie war nicht aufgeregt oder hysterisch, sondern ruhig und sachlich. "Ich habe es am Anfang auf die normale Weise versucht, aber sie haben mich fortgejagt. Ich glaube nicht, daß mir eine andere Wahl geblieben ist. Ich habe es langsam satt, immer davongejagt zu werden. Ich werde um das kämpfen, was ich will, und zwar mit allen Mitteln."
"Und was wollen Sie?", forschte Olivia. "Meinen Sohn? Oder sein Geld?"
Anstatt darauf zu antworten erhob sich Tiffany und rauschte davon.
Eddie schreckte auf, als das Telefon klingelte. Er warf einen Blick auf die Uhr. Fast 11!
Er hatte verschlafen. War ziemlich spät geworden, gestern Abend. Er hatte sich mit einigen Whiskys über Annies Abfuhr getröstet. Und mit der hübschen Blonden. Das heißt, hätte er gern. Aber dummerweise hatte die hübsche Blonde einen ziemlich muskulösen Freund, und Eddie hatte keine Lust gehabt, sich noch einen Kinnhaken einzufangen.
"Connors", meldete er sich verschlafen.
"Eddie, störe ich?", fragte eine honigsüße Stimme.
"Annie?", fragte er überrascht.
"Hi, ich wollte nur mal so hören, wie es Dir geht. Hoffe, das Kinn schmerzt nicht mehr zu sehr?" "Du hast einen ziemlich festen Schlag, das muß ich schon sagen."
"Ja, tut mir leid. Irgendwie läuft in letzter Zeit einiges bei mir schief, und ich habe das ausgerechnet an Dir ausgelassen."
"Schon gut, Annie."
"Nein, ist es nicht. Ehrlich, Eddie. Ich habe das Gefühl, das ich das wieder gutmachen muß. Darum rufe ich auch an. Was hälst Du davon, wenn wir das verplatzte Date von letzter Nacht nachholen? Komm doch einfach wieder vorbei, heute Abend."
"Eh, ich weiß nicht, Annie. Du scheinst Deine Meinung in letzter Nacht ziemlich oft zu ändern..." Annie lachte.
"Keine Angst Eddie. Diesmal bekommst Du keinen Kinnhaken, versprochen."
Eddie grinste über beide Backen.
"Also gut, Annie. Ich denke, ich werde das Angebot annehmen. Bis heute Abend dann."
"Ciao, Eddie." Annie hörte ein Klacken in der Leitung. Eddie hatte aufgelegt.
"So ein Dummkopf", lästerte sie. Cole, der neben ihr stand, blickte sie neugierig an.
"Und hat er den Köder geschluckt?"
Annie lächelte zufrieden.
"Selbstverständlich. Oder hast Du etwa etwas anderes erwartet?"
„So, seid Ihr alle bereit?“ fragte Ben und sah sich um „Alle angeschnallt?“ Ein vierstimmiges „Ja“ ertönte Ihm entgegen. Ben drückte einen Knopf in der Armlehne seines komfortablen Ledersitzes „Charlie, wir sind start klar.“ sagte er.
Es knackte kurz in dem Lautsprecher und eine männliche Stimme sagte „Gut, wir werden in wenigen Augenblicken zur Startbahn rollen. Ich habe eben das „ready for take off“ vom Tower erhalten. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Flug.“
„Danke Charlie“ antwortete Ben kurz. „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass wir in einem Privatjet nach Kansas fliegen.“ sagte Sara aufgeregt. Derek nahm Saras Hand in die seine.
„Ist etwas anderes als die Touristenklasse, oder?“
Sara nickte.
„Alleine schon diese Ausstattung.“ Sara sah sich erneut um.
„Ja es ist schon etwas ganz besonderes.“ Meg drückte Bens Hand.
Wenige Minuten später hatte der Jet abgehoben. Ben löste seinen Gurt.
„Wenn Ihr möchtet, im vorderen Teil findet Ihr eine Bar und auch ein Snack wurde vorbereitet.“ Sara löste auch Ihren Gurt und sprang auf.
„Komm Derek, das müssen wir uns ansehen.“ Sie zog Derek hoch und beide begaben sich in den vorderen Teil des Jets. Meg lächelte Ben an.
„Ich kann es kaum erwarten, dass Du Dad kennen lernst.“
„Ich kann es auch kaum erwarten, Ihn kennen zu lernen. Hoffentlich wird er mich mögen.“ antwortete Ben.
„Keine Angst, mein Dad wird Dich bestimmt mögen, nicht wahr Mom?“ Meg sah Ihre Mutter erwartungsvoll an. Joan nickte.
„Er wird sicherlich ein paar Fragen stellen, aber ich denke, wenn er Ben und Derek erst einmal kennen gelernt hat, dann wird er beide mögen.“ Joan lehnte sich zur Seite, so dass sie Sara und Derek im vorderen Teil des Flugzeuges beobachten konnte. Derek saß dort mit Sara auf seinem Schoß und beide fütterten sich gegenseitig mit Früchten. Zwischendurch küssten sie sich immer wieder. Joan lächelte vor sich her. Sara und Derek schienen wirklich glücklich zu sein. Derek war ganz anders als bei Ihrem ersten Besuch in Sunset Beach. Wenn Sie Ihn jetzt sah und beobachtete, wie er mit Sara umging, dann erkannte sie, dass Sara Ihm wirklich viel bedeutete. Sie hoffte nur, dass Hank sich davon auch überzeugen ließ. Nach Ihrer Rückkehr von ihrem ersten Besuch hatte sie nicht gerade in den besten Tönen von Derek gesprochen.
Joan lehnte sich zurück und schloss die Augen. Bald war sie eingeschlafen.
Zwei Stunden später weckte Meg sie sanft.
„Mom, Du musst Dich wieder anschnallen, wir landen in ein paar Minuten in Kansas City.“
Joan setzte sich auf und schnallte sich wieder an.
„Danke Meg.“
Wenige Minuten später landete der Jet sicher in Kansas City. Als das Flugzeug zum stehen kam, lösten alle Ihre Gurte und standen auf. Ben öffnete die Tür und sie verließen den Jet.
„Um das Gepäck brauchen wir uns im Moment nicht zu kümmern. Charlie sorgt dafür, dass es ausgeladen wird.“ sagte Ben. Meg sah sich um.
„Dort ist Dad.“ Sie zeigte auf einen grauhaarigen Mann, der ihnen zuwinkte. Meg lief zum ihm hinüber und fiel ihm um den Hals.
„Daddy, ich habe Dich ja so vermisst.“
„Ich Dich auch Meggi.“ Hank drückte seine älteste Tochter an sich. Die anderen waren Meg inzwischen gefolgt und auch Sara umarmte Ihren Vater.
„Hi Dad, schön mal wieder nach Hause zu kommen.“
„Hallo Sara, mein Schatz“ begrüßte Hank seine jüngste Tochter. Dann gab er Joan einen Kuss „Willkommen zu Hause Joanie.“
„Dad darf ich Dir Ben vorstellen?“ fragte Meg. „Ben, das ist mein Vater Hank Cummings und das ist Ben Evans, Dad.“ stellte sie die beiden Männer einander vor. Die Männer schüttelten sich die Hände.
„Nett Sie endlich kennen zu lernen, Mr. Cummings.“ sagte Ben. „Die Freude ist ganz meinerseits und nennen Sie mich einfach Hank.“ antwortete Hank.
„Okay, aber dann müssen Sie mich Ben nennen.“ lächelte Ben.
Sara tippelte schon ganz unruhig von einem Fuß auf den anderen.
„Und das hier ist mein Derek“ sagte sie. Hank schüttelte auch Dereks Hand.
„Nett auch Sie kennen zu lernen, Derek.“
„Danke Mr. Cummings.” Derek fühlte sich ein wenig unsicher.
„Auch für Sie einfach nur Hank.“ bot Hank an.
„Danke.“ Nun fühlte Derek sich irgendwie etwas erleichtert.
„So, unser Gepäck ist da. Ich habe für uns einen Mietwagen bestellt, damit wir ein wenig unabhängig sind. Wenn Sie vorausfahren, können wir Ihnen folgen Hank.“ sagte Ben.
„Eine gute Idee.“ stimmte Hank zu „Lasst uns gehen.“
Sie nahmen Ihr Gepäck und verließen das Flughafengebäude.
Nach ihrem Anruf, bei dem sich Gabi gemeldet hat, hatte Rae noch einige Male versucht, Casey anzurufen, allerdings jedesmal wieder eingehängt, noch bevor sie die Nummer zu Ende gewählt hatte. "Vergiß ihn. Du mußt Casey vergessen", sagte sie sich immer wieder. "Morgen bist Du die Frau von Wei-Lee. Dann gehört Casey endgültig der Vergangenheit an." Rae schüttelte den Kopf. Morgen schon. Wie schnell plötzlich alles ging. Ihr Vater hatte sein bestes getan, um den schnellst möglichsten Termin zu bekommen. Rae hatte zugestimmt, sie wollte sich nicht schon wieder mit ihrem Vater zerstreiten. Aber mußte es gleich so schnell gehen. Der Termin am Standesamt war Nachmittags, für Morgen war keiner mehr freigewesen. "Ein paar Stunden Galgenfrist", schoß es Rae durch den Kopf. Und plötzlich kamen die Zweifel erneut hoch. "War es wirklich die richtige Entscheidung gewesen, Casey zu verlassen?" Aber was nützte es, sich jetzt noch darüber Gedanken zu machen. Jetzt war es sowieso zu spät.
"Eddie, hi. Da bist Du ja", lächelte Annie verführerisch. "Ich hatte schon Angst, Du überlegst es Dir vielleicht noch anders."
"Ganz bestimmt nicht", murmelte Eddie. Sein Blick ruhte auffallend auf Annie. Sie hatte ihr knappstes und kürzestes Kleid angezogen, daß ihre langen und eleganten Beine fast vollständig zum Vorschein brachte.
"Setz Dich doch Eddie". Er kam dieser Aufforderung sofort nach.
Annie ging mit den
Worten "Ich hol nur noch etwas zu trinken" davon.
Nur Sekunden später war sie mit einer Flasche Wein wieder da.
"Hat Derek mir mal geschenkt", erklärte sie. Dann fügte sie leicht verbittert hinzu. "Muss damals wohl einen schlechten Tag gehabt haben." Sie öffnete die Flasche und füllte beide Gläser bis an den Rand. "Prost Eddie. Laß uns anstoßen. Auf einen unvergeßlichen Abend."
Eddie leerte sein Glas in einem Zug, während Annie lediglich an ihrem nippte. Rasch schenkte sie ihm ein zweites Glas ein. Diesmal leerte Eddie nicht in einem Zug, aber binnen weniger Minuten war auch das zweite Glas leer. Dann folgte das Dritte, und das vierte.
"Was für eine Verschwendung", murrte Annie.
"Was? Ich hab Dich nicht verstanden."
"Ich habe lediglich gesagt, daß es mich freut, daß jemand wie Du den ganzen Wein trinkt."
"Ist wirklich eine gute Marke", meinte der bereits leicht angeheiterte Eddie. "Kann ich noch was?"
"Tut mir leid, ist leer. Aber ich bin sicher, ich finde noch was anderes für Dich." Annie kam mit einer Flasche Whisky wieder, von der sie Eddie sogleich ausschenkte.
"Ich hoffe sehr dein Plan funktioniert Cole", schoß es ihr durch den Kopf. "Andernfalls fülle ich ihn für nichts und wieder nichts ab."
"Annie *hicks* Annie. Du hasssst wirklisch ausgeseischende Getränke, ausgeseischende. *hicks* Sollde öfters mal vorbei kom...men."
Annie lächelte zuckersüß.
"Du bist jederzeit willkommen. Das weißt Du doch Eddie?" Eddie machte große Augen.
"Escht?", fragte er verwundert.
"Natürlich. Du bist so sensibel, verständnisvoll und gar nicht egoistisch. Ganz anders als die anderen Männer, die ich in meinem Leben kennengelernt habe."
"Sensssssibbel und versttänndnisvoll *hicks* genau ssso bin isch *hicks*"
"Das weiß ich doch Eddie. Wenn ich Cole dagegen sehe..."
"Dasss genaue Geggenteil, das genaue Geggenteil. G-G-Gregggory Rischards findet das auch." Annie machte keinen großen Bemühungen, ihre Neugier zu verbergen.
"Ach findet er?"
"Ja. War gar nischt begeissert, als Caitlin mit Cole ging. Gar nicht begeisstert. Wollte die beiden unbeddingt drennen."
"Aber das stelle ich mir gar nicht so einfach vor?"
"Na ja. Er hatte ja misch."
"Ach so, na bei dieser Hilfe kann natürlich nichts schiefgehen."
"Hat mich beauf- beauft- beauftr-, wollte dass ich das Gerüsst manipu-, was daran rumwerke, damit Cole verschwindet. Wär auch fasst gutgeangen, konnten ja nischt wissen, dass dieser Idiot *hicks* noch aufs Gerüst klettern muss."
"Nein, natürlich. Das konntet ihr nicht wissen. So und jetzt gute Nacht Eddie."
"Was? Isch dachte, wir lasssen die Nacht zussammen ausklinnngn."
"Bestimmt nicht. Du hast eine Fahne."
"Aber isch..."
"Gute Nacht Eddie." Und bevor Eddie überhaupt begriff, was geschehen ist, war er bereits vor der Tür. Mißmutig torkelte er davon. Annie kramte in ihrer Tasche und holte ein Aufnahmegerät hervor. Sie spulte es ein Stück zurück und betätigte die Wiedergabetaste.
"Wollte, dass ich das Gerüst manipu-, was daran rumwerke", sagte Eddies Stimme auf dem Band. "Na also, triumphierte Annie. "Bingo."
Hickengruendler
Der Mietwagen bog um die Ecke und blieb schließlich vor der Cummings- Farm stehen. Zögernd stieg Meg aus. Sie dachte an den Augenblick zurück, wo sie die Farm ihrer Eltern das letzte Mal gesehen hatte. Damals hatte sie sich gerade von Tim getrennt, nachdem sie erfahren hatte, daß er ihr kurz vor der geplanten Hochzeit untreu geworden war. Sie war damals tief verletzt gewesen, und um ihm aus dem Weg zu gehen, war sie Gabis Einladung gefolgt. Damals war sie ohne eine Zukunftsperspektive nach Sunset Beach gekommen.
Meg atmete tief durch. Nicht im Traum hätte sie daran gedacht, daß sich all ihre Wünsche im Land der untergehenden Sonne erfüllen würden, und noch weniger hätte sie geglaubt, daß sie dort ihrer großen Liebe begegnen würde! Sie warf einen Blick zu Ben hinüber, der sich gerade mit Derek unterhielt. Erstaunlich, wie sich alles irgendwie zum positiven gekehrt hatte. Wenn man die beiden Brüder jetzt beobachtete, konnte man nicht glauben, daß sie ihr halbes Leben lang Feinde gewesen waren.
Joan trat zu ihr hinüber.
"Woran denkst Du, Meggy?"
Meg seufzte.
"Wie schön es ist, wieder zu Hause zu sein," sagte sie und lächelte. Joan legte einen Arm um ihre Schulter.
"Na, dann laß' uns reingehen." Sie zwinkerte Meg zu. "Vielleicht nimmst Du Ben gleich mit und zeigst ihm unser Haus."
Meg nickte und ging zu Ben hinüber.
"Komm mit, ich zeige Dir jetzt, wo ich die letzten 21 Jahre gelebt habe." Sie ergriff seine Hand und ging mit ihm ins Haus hinein.
Derek stand etwas unschlüssig neben dem Wagen und schaute sich um. Überall sah man Felder und Wiesen, so weit das Auge blickte, und dazwischen weideten einige Rinder und Schafe. Derek hörte plötzlich ein seltsames Geräusch, und er fühlte, wie sich etwas weiches an sein Bein schmiegte.
"Das ist Lucy!" erklärte ihm Sara und lächelte. Sie bückte sich und hob das schwarz-weiße Kätzchen vorsichtig hoch. "Meine Güte, ist sie großgeworden," stellte sie fest. "Als ich Ludlow verließ war sie noch ein Baby!" Sara rieb ihre Wange an dem weichen Fell. Sie hielt Derek das Kätzchen entgegen. "Möchtest Du sie mal streicheln?"
Er schüttelte den Kopf.
"Nein, lieber nicht," sagte er unsicher. "Sie kennt mich doch gar nicht."
Sara lächelte.
"Aber sie mag Dich, sonst wäre sie vorhin nicht um Deine Beine herumgeschlichen."
Vorsichtig streckte Derek die Hand aus und strich über das Katzenfell. Bisher hatte er immer nur in Großstädten gelebt, weit weg von allem ländlichen, und nun war er mittendrin und wußte nicht, wie er sich richtig verhalten sollte. Sara beobachtete ihn, und ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
"Das machst Du gut," sagte sie. "Hör' mal, sie schnurrt ganz zufrieden!"
Derek hob den Kopf und lächelte gequält.
"So, die Feuerprobe ist bestanden," sagte Sara grinsend," nun werde ich Dir die anderen Tiere vorstellen!"
Derek verzog das Gesicht.
"Aber ich dachte, daß wir vielleicht erst einmal reingehen."
Sara winkte ab.
"Später. Im Moment ist das Haus sowieso überfüllt, und Mum und Dad sind damit beschäftigt, Meg und Ben alles zu zeigen." Noch bevor Derek protestieren konnte, hatte Sara ihn am Handgelenk gepackt und zog ihn zum Stall hinüber. Derek war überrascht, daß Sara wirklich jedes Tier mit Namen kannte, und man merkte ihr förmlich an, wie sehr sie auch alle vermißt hatte. Als sie schließlich zurück zum Haus gingen, ergriff er ihre Hand.
"Ich kann verstehen, warum es Dir schwer gefallen ist, hier wegzugehen," sagte er. Sara sah ihn überrascht an.
"Wirklich?" fragte sie ungläubig. "Ich dachte immer, daß Dir das Landleben zu öde wäre."
Derek grinste.
"Nun ja, ein Farmer wird aus mir sicher nicht, aber ich kann jetzt die Menschen besser verstehen, die das ruhige Landleben einem hektischen Großstadtleben vorziehen."
Sara drückte seine Hand.
"Es ist schön, daß Du das sagst, aber wenn man 19 Jahre lang in dieser "Ruhe" leben musste, wird es schon langweilig, glaub' mir!"
Derek lachte. Er schaute auf die Uhr.
"Wir sollten jetzt besser mal zurückgehen. Wir werden bestimmt schon vermisst!"
Sara schmunzelte.
"So riesig ist unsere Farm nicht, daß man sich dort verlaufen kann." Sie sah ihn von der Seite an. "Hat Dir unser kleiner Ausflug gefallen?"
Derek nickte schmunzelnd.
"Ja, ich bin schwer beeindruckt!" gab er zu. Sara lachte. Sie nahm seine Hand, und gemeinsam rannten sie zum Haus zurück.
Meg startete die Führung durchs Haus mit Ben in der großen, wohnlich eingerichteten Küche. Die Küche war mit hellen Kiefermöbeln ausgestattet und in der Mitte des Raumes stand ein großer, rustikaler Eßtisch mit 6 Stühlen drum herum.
"Die Küche war und ist der Mittelpunkt unseres Hauses." erklärte Meg. Ben nickte.
"Das kann ich mir vorstellen."
"Nun, es gibt aber auch noch ein paar andere Räume zu besichtigen." Joan schob Ben und Meg sanft Richtung Tür. "Ich würde gerne mit dem kochen für das Dinner beginnen."
"Kann ich Dir helfen, Mom?" fragte Meg. Joan schüttelte Ihren Kopf.
"Nein, zeig Du nur Ben das Haus."
Meg führte Ben ins Wohnzimmer hinüber. Es war gemütlich eingerichtet, mit einem großen Sofa und einem alten Ohrensessel direkt am Kamin.
"Im Winter sitzt Ihr bestimmt oft an diesem Kamin?" wollte Ben wissen.
"Ja," nickte Meg "wenn draußen alles verschneit und vereist ist, dann haben wir oft hier zusammen gesessen. Mom hat dann immer heiße Schokolade mit Marshmellows für uns alle gekocht und Dad hat uns Geschichten erzählt. Er ist der beste Geschichtenerzähler den ich kenne."
Ben lächelte.
"Ihr hattet bestimmt eine schöne Kindheit."
Meg nickte wieder.
"Ja, die hatten wir." Sie zog Ben zur Treppe. "Komm, jetzt zeige ich Dir mein Zimmer." Hand in Hand stiegen sie die Treppe hinauf und Meg öffnete die Tür zu Ihrem Zimmer. "Das ist mein Reich."
Ben betrat das Zimmer und sah sich um. Es war ein heller Raum, der geschmackvoll eingerichtet war.
"Es gefällt mir." sagte Ben.
"Gut," lächelte Meg "denn hier wirst Du in den nächsten Tagen zusammen mit mir wohnen."
Ben sah Meg ein wenig verwirrt an.
"Du meinst wir beide hier in diesem Zimmer?"
"Nun schau doch nicht so entsetzt," lachte Meg "wir haben leider kein Gästezimmer. Außerdem, wir leben hier zwar auf dem Land, aber noch lange nicht im vorigen Jahrhundert. Oder meinst Du vielleicht, meine Eltern denken, wir würden in Deinem Schlafzimmer nur Händchen halten?"
Ben schüttelte seinen Kopf.
"Ich denke Du hast wohl recht."
"Gut" sagte Meg und zog Ben zu einem leidenschaftlichen Kuss zu sich heran.
"Ich hätte es mir denken müssen, daß er es war", fauchte Cole. Er hatte soeben zum zweiten Mal das Tonband abgehört, daß Annie mitgeschnitten hatte. "Es paßt alles zusammen. Deswegen wollte er sich auch um die finanziellen Mittel für meine Genesung kümmern. Es war das schlechte Gewissen. Einfach nur das reine schlechte Gewissen."
Annie gab einen spöttischen Laut von sich.
"Es wäre mir neu, daß Gregory so etwas wie Gewissen hat", erwiderte sie schließlich. "Da steckt bestimmt noch was anderes dahinter."
Doch Cole winkte ab.
"Das ist jetzt nicht so wichtig." Er wedelte bedeutungsvoll mit dem Tonband in seiner Hand. "Dieser Drecksack. Aber damit kommt er mir nicht durch." Er stürmte zur Tür raus.
"Was hast Du vor?", rief Annie ihm hinterher.
"Ich will Gregory einen kleinen Besuch abstatten", meinte er zornig.
"Um diese Zeit?"
"Das wird ihn umso mehr überraschen."
"Warte, ich komme mit."
"Deine Hilfe war von großer Bedeutung, Annie. Aber das mach ich besser allein."
"Das könnte Dir so passen, mir die Drecksarbeit aufhalsen und mich den ganzen Abend mit Eddie Connors verbringen lassen, und mich dann nicht mitnehmen, wenn es interessant wird." Und sie stürmte hinter Cole her, der die Wohnung bereits verlassen hatte.
Olivia Richards saß gelangweilt auf dem Sofa am Wohnzimmertisch. Neben sich hatte sie ein Glas Orangensaft stehen, an dem sie hin und wieder nippte. Sie blätterte in einer Modezeitschrift, die sie jedoch bald darauf wieder lustlos zur Seite legte. Als die Tür aufging, drehte sie sich erwartungsvoll um, in der Hoffnung, es könnte vielleicht Gregory sein.
"Hi Mum", begrüßte sie Sean. Er kam herein, während Tiffany schüchtern in der Tür stehen blieb. Nach ihrem letzten Gespräch schien sie keine große Lust zu haben, sich auf eine erneute Diskussion mit Olivia einzulassen.
"Tiffany und ich wollen nochmal ins "Deep", erklärte Sean. "Will nur schnell meine Jacke holen." Er lief nach oben und kam 30 Sekunden später mit der Jacke wieder zurück.
"Sean?", fragte Olivia ihren Sohn, bevor er das Haus verließ. "Du weißt nicht zufällig, wo dein Vater solange bleibt?"
"Keine Ahnung, Mum", meinte Sean und verließ das Haus.
Olivia seufzte.
Wenige Minuten später klackte das Türschloss erneut und diesmal war es wirklich
Gregory, der heimkam.
"Wo bist du solange gewesen?", fragte sie. "Ich habe mir Sorgen gemacht."
"Das wäre mir neu", erwiderte Gregory kalt. "Aber zu deiner Beruhigung. Ich hatte noch einige Arbeit, die nicht warten konnte."
"Du hättest wenigstens anrufen können. Es ist sehr spät."
"Warum hast Du nicht AJ Deschanel angerufen?", konterte ihr Mann. "Er hätte Dir bestimmt Gesellschaft geleistet."
"Weil ich den Abend lieber mit Dir verbracht hätte", hätte Olivia fast geantwortet. Aber sie hielt sich zurück und erwiderte stattdessen: "Ja, Du hast recht, Gregory. Das hätte ich tun sollen."
In diesem Moment hämmerte jemand wie wild an ihre Tür. Gregory erkannte die Stimme von Cole Deschanel, als dieser rief:
"Machen sie sofort auf, Richards. Ich muß mit Ihnen reden!“
Hickengruendler
Gregory schien für einen Moment unschlüssig, ob er öffnen sollte, aber da Cole keine Ruhe gab, gab Gregory schließlich nach.
"Deschanel, was um alles in der Welt wollen Sie?", polterte er los. "Wenn sie nicht sofort aufhören, zeige ich sie wegen nächtlicher Ruhestörung an."
"Sie sind wirklich der letzte, der jemandem mit der Polizei drohen sollte, Richards."
"Was um alles in der Welt wollen Sie damit sagen?" In diesem Moment tauchte Annie hinter Cole auf und betrat das Richards Haus nun ebenfalls.
"Komme ich zu spät?", wollte sie wissen. "Ich habe doch nicht etwa das beste verpaßt?"
"Annie", meinte Olivia. "Je später der Abend, desto unerwarteter die Gäste."
"Ich wußte doch, daß Du Dich freust, mich zu sehen, Olivia."
Cole warf Annie einen Blick zu, der wohl so etwas wie, "Ich hätte es wissen sollten", bedeutete und wandte sich dann wieder Gregory zu.
"Sie wissen also wirklich nicht, wovon ich rede, Richards? Nun, vielleicht hilft das ihrem Gedächtnis auf die Sprünge." Er zeigte Gregory das Aufnahmegerät. Annie setzte sich neben Olivia auf die Couch.
"Du solltest Chips holen, Olivia", schlug sie ihr vor. "Jetzt wird es wird es dramatisch."
Cole begann damit, das Tonbad abzuspielen. Gregory reagierte scheinbar gelassen, auf Eddies beichte, aber Cole viel auf, daß er leicht blässer als noch vor einigen Minuten wirkte. Olivia dagegen stand der Schock ganz deutlich ins Gesicht geschrieben. Cole vermutete fälschlicherweise, weil sie über die Enthüllungen über ihren Mann entsetzt war.
"Lächerlich", meinte Gregory. "Eddie Connors klingt offensichtlich betrunken. Sie wollen doch dem wirren Geschwätz von jemandem, der zuviel Alkohol zu sich genommen hat, keine Beachtung schenken."
"Oh doch. Manchmal schon. Zum Beispiel, wenn es zu den Tatsachen paßt."
"Zu welchen Tatsachen?"
"Zu der Tatsache, z.B., daß die Liberty Corporation meine gesamte Genesung bezahlt. Ist doch sehr außergewöhnlich, oder?"
Gregory gab ein verächtliches Lache von sich.
"Da will man mal jemandem was Gutes tun, und dann das. Ist doch wirklich unvorstellbar." Plötzlich wurde der Ausdruck um seine Mundwinkel noch eine Spur härter.
"Und jetzt hören Sie mir gut zu, Deschanel. Ihnen ist doch klar, daß dieses Tonband als Beweis keinen Pfifferling wehrt ist."
"Vielleicht nicht vor dem Gesetz", konterte Cole. "Aber es gibt eine andere Branche, für die es bestimmt sehr nützlich ist."
"Und das wäre?"
"Die Presse, Richards. Ich bin sicher, für die Reporter wird das ein gefundenes Fressen sein. Oder was, wenn Caitlin davon erfährt?"
Gregory wollte nach dem Tonband greifen, vermutlich, um es zu zerstören, aber Cole war schneller und verstaute es wieder in seiner Tasche.
"Ich warne Sie, Deschanel", drohte Gregory. "Wenn Sie dieses Band an die Presse bringen, zeige ich sie wegen Verleumdung an, das schwöre ich Ihnen. Und wenn Sie es Caitlin vorspielen, mache ich Sie persönlich fertig."
"Mir schlottern die Knie."
"Raus!", tobte Gregory. "Raus sofort. Und das gleiche gilt für Dich." Er eilte zum Sofa, packte Annie unsanft am Oberarm und setzte sie vor die Tür. Cole folgte Annie nach draußen.
"Bist Du etwa beunruhigt, Gregory?", forschte Annie. Doch die Tür war bereits zugeknallt. "Verflixt", fluchte Gregory.
"Tja", meinte Olivia, deren erster Schreck sich wieder verflogen hatte. "Sieht so aus, als ob Du jetzt ziemlich in der Tinte sitzt."
Caitlin war überrascht, als sie sah, wie Tiffany und Sean die Treppe zum Deep herunterkamen. Nachdem die beiden einen freien Tisch gefunden und platzgenommen hatten, ging sie auf die beiden zu.
"Kann ich Euch etwas bringen?"
Sean sah Tiffany an.
"Ich geh' grade mal austreten. Vielleicht bestellst Du mir einfach was. Ich bin gleich zurück." Tiffany nickte.
Sean stand auf und ging zu den Toilettenräumen.
"Hast Du einen Moment Zeit?" fragte Tiffany und sah Caitlin an.
"Ja, sicher," entgegnete sie und nahm Platz. "Gibt es was zu besprechen?" fragte sie unsicher. Tiffany kratzte sich am Kopf.
"Ich will ja nicht neugierig erscheinen, aber was läuft zwischen Dir und Mark?"
Caitlin wich Tiffanys Blick aus.
"Nichts weiter," log sie. "Wir sind nur gute Freunde!"
Tiffany sah sie skeptisch an.
"Na ja, wie ein Freundschaftskuss sah das aber nicht aus, damals am Strand."
Caitlin warf Tiffany einen undefinierbaren Blick zu.
"Mark wollte mir nur das Surfen beibringen, und dann ..." Sie unterbrach den Satz. "Dann fiel ich vom Board und ..." Sie unterbrach sich abermals. "Ich wüßte nicht, was Dich das angeht!" sagte sie unwillig. Tiffany hob beide Hände nach oben und grinste.
"Habe ich da vielleicht einen wunden Punkt getroffen?"
Caitlin warf ihr einen bösen Blick zu.
"Ich sagte doch schon, daß es Dich nichts angeht, mit wem ich zusammen bin!"
Tiffany hob den Kopf und schmunzelte.
"Also bist Du doch mit ihm zusammen?" fragte sie neugierig. Caitlin wollte gerade antworten, als Sean wiederkam. Er spürte die Spannung, die im Raum lag.
"Was ist los?" fragte er irritiert. Caitlin warf einen bösen Blick zu Tiffany hinüber.
"Deine kleine Freundin ist verdammt neugierig," presste sie hervor. Sean runzelte die Stirn. "Wieso, was hat sie denn gefragt?"
Caitlin warf einen Blick zu Mark hinüber, der an seinem DJ-Pult stand.
"Ah, ich verstehe." Sean grinste. "Ja, Caitlin, das würde mich ja auch mal interessieren, was mit Dir und Mark ist?" Er sah sie neugierig an. "Seid Ihr zusammen?"
Caitlin warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
"Jetzt reichts aber! Habt Ihr Euch gegen mich verschworen?" Wütend nahm sie ihren Block und ging zum Tresen zurück. Sie sah noch einmal zu Mark hinüber, und da er genau in diesem Moment auch zu ihr herübersah, trafen sich ihre Blicke. Verwirrt senkte sie den Kopf. Sean und Tiffanys Frage ist berechtigt, ging ihr durch den Kopf. Sie wußte selber nicht, ob Mark und sie nun zusammen waren oder nicht!
Caitlin schnappte sich ihren Block und ging wieder zu den Tischen hinüber, um weiter Bestellungen aufzunehmen.
"Guten Morgen zusammen." Vanessa wedelte mit einer Tüte frischer Brötchen, mit denen sie soeben das Surfcenter betrat.
"Morgen Vanessa", wurde sie von Casey, Marc, Michael und Gabi wie aus einem Mund begrüßt.
"Oh Brötchen." Michael drückte Vanessa an sich und küßte sie. "Mir scheint, du kannst Gedanken lesen. Du hast mal wieder genau das für mich, was ich jetzt gerade brauche."
Die fünf setzten sich gemeinsam an den Tisch und begangen mit dem Frühstück.
"Ist euch eigentlich aufgefallen, daß wir immer weniger werden?", meinte Vanessa. "Wenn ich daran denke, wer hier zu richtig hektischen Zeiten noch alles gesessen hat. Meg, Rae, Sara, Tiffany, sogar Joan Cummings. Aber langsam lichtet sich das Feld."
Casey hatte sich den Sunset Sentinel" gegriffen und überflog ihn nur oberflächlich, weil er in Eile war. Doch plötzlich schien sein Auge an einer Stelle hängen zu bleiben und er las die Stelle, wieder, und wieder, und wieder. Gabi blieb das nicht verborgen.
"Steht was wichtiges
drin?", fragte sie Casey. Anstatt zu antworten gab Casey ihr die Zeitung und
deutete auf eine Stelle. Da die anderen ebenfalls neugierig geworden waren las
Gabi laut vor.
Hochzeitsanzeige
Dr. Rae Chang, ehemalige Ärztin der South Bay Klinik hier in Sunset Beach, sowie
Mr. Wei-Lee Young, geben bekannt, daß sie sich heute in Los Angeles das Ja- Wort
geben werden. Es wird lediglich eine standesamtliche Trauung geben, die Feier
mit Familienangehörigen findet später statt.
Die anderen sahen Casey bedauernd an.
"Tja", meinte er kurz angeboten. "Ich muß sagen, daß es so schnell geht, überrascht mich dann doch."
Aufgebracht flatterte Rae mit der Zeitung umher.
"Wei-Lee, Du sagst mir jetzt sofort, was das zu bedeuten hat!" herrschte sie ihn an.
Wei-Lee warf einen überraschten Blick auf Rae.
"Mir war nicht klar, daß Du noch immer den Sentinel abonniert hast?"
"Habe ich aber."
"Ist aber völlig unnötig", meinte Wei-Lee mit einem freundlichen Lächeln. "In Los Angeles gibt es genug Zeitungen, wirklich."
"Das ist jetzt völlig nebensächlich", polterte Rae los. "Sag mir lieber, was das hier soll." Sie wies mit dem Finger auf die Heiratsanzeige.
"Gefällt es Dir nicht?", fragte Wei-Lee scheinheilig. "Ich dachte einige Deiner Freunde und ehemaligen Patienten in Sunset Beach würden sich freuen, zu erfahren, daß Du heiratest."
"Und warum hast Du mir nichts von dieser Anzeige erzählt?"
Darauf wußte Wei-Lee keine Antwort.
"Das hast Du wegen Casey gemacht. Nicht wahr? Nur wegen Casey. Du wolltest den Finger nochmal extra in seine Wunde legen, um den Triumph auszukosten."
"Rae, was redest Du denn da! Das ist doch Unsinn. Ich bin doch kein Sadist."
"Da bin ich mir langsam gar nicht mehr so sicher."
"Stell Dir mal vor, er wäre unvermittelt hier aufgetaucht und hätte auf diese Weise erfahren, daß wir inzwischen schon verheiratet sind. Wäre das besser gewesen?" Er ging auf Rae zu und wollte sie an der Schulter berühren, doch sie wich einen Schritt zurück.
"Du wirst schon sehen, bald wirst Du Casey Mitchum endgültig vergessen haben.“
"Das ist ja nicht zu fassen." AJ Deschanel blickte seinen Sohn ungläubig an, nachdem er soeben das Tonband angehört hatte. "Gregory Richards, dieses Stinktier", zischte AJ. "Was willst Du jetzt machen, Cole?"
Cole zuckte mit den Achseln.
"Wenn ich das so genau wüßte", meinte er verdrießlich. "Richards, hat schon recht. Dieses Tonband wird vor Gericht nicht als Beweis anerkannt."
"Du könntest es wirklich der Presse vorspielen?"
"Ja, das könnte ich", meinte Cole eher unwillig. "Aber..." "Caitlin und ich haben uns getrennt", brachte er schließlich hervor. "Aber das bedeutet nicht, daß ich sie unbedingt verletzen will. Es würde ihr das Herz brechen, wenn sie erfährt, daß ihr Vater dahintersteckt."
"Vielleicht wäre es ganz gut, wenn ihr jemand mal die Augen, über ihren Vater öffnet."
"Ja, vielleicht", meinte Cole unschlüssig. "Nun, wir werden sehen. Vorerst werde ich, denke ich, gar nichts unternehmen." Er spielte bedeutungsvoll mit dem Tonband in seiner Hand. "Das kann ich ja später immer noch. Zunächst einmal reicht es, wenn ich mir einfach ein paar Kopien von diesem Tonband machen lasse."
"Und jetzt", stieß AJ zornig hervor, "werfe ich ein paar Worte mit Mr Richards reden."
Hickengruendler
Gregory Richards saß in seinem Büro über einem Stapel Arbeit.
"Ausgerechnet jetzt sind Ben und Meg in Urlaub", stöhnte er. Jeder der genau hinsah, erkannte, daß er mit der Arbeit nur oberflächlich beschäftigt war, seine Gedanken schweiften immer wieder ab, zu dem Tonband, das ihm Cole Deschanel und Annie Douglas gestern Abend vorgespielt hatten. Was würde Deschanel unternehmen? Diese Frage ließ Gregory keine ruhige Minute mehr. In diesem Moment hörte er wütende Geräusche von draußen und Bettes Stimme, die irgendwas sagte, wie: "Sie können da jetzt nicht rein, Mr Richards ist beschäftigt." In diesem Moment flog die Tür aber schon auf und AJ Deschanel kam mit einem wie Gregory sofort auffiel, zornesrotem Gesicht hereingestürmt.
"Ich habe versucht ihn aufzuhalten, aber er war nicht zu bremsen", ließ sich Bette nun vernehmen.
"Schon gut, Bette", antwortete Gregory schließlich, nachdem er einen Moment gezögert hatte. Anschließend gab er Bette das Zeichen, die Tür von außen zu schließen. "Nun, darf ich fragen, was das soll?", wandte sich Gregory direkt an AJ, nachdem er sich vergewissert hatte, daß Bette wirklich gegangen war.
"Hören sie auf damit Richards", erwiderte AJ. "Mein Sohn hat mir das Tonband vorgespielt, und..."
"Ach darum geht es.“
„Ja, darum geht es."
"Nun, dann werden Sie gehört haben, daß Eddie Connors wohl ganz offensichtlich so viel getrunken hatte, daß er nicht mehr Herr seiner Sinne war."
"Oh nein, Richards." AJ blickte ihn scharf an. "Wir beide wissen ganz genau, daß es die Wahrheit wahr."
Plötzlich ging eine Veränderung in Gregory vor. Ein eiskaltes Lächeln zuckte um seine Mundwinkel, so, als ob ihm gerade etwas eingefallen wäre.
"Ich denke es ist sinnlos, ihnen etwas vorzumachen, Deschanel. Sie haben natürlich vollkommen recht. Es ist die Wahrheit."
AJ war für einen moment sprachlos. Da saß dieser Mann und sagte ihm eiskalt ins Gesicht, daß er seinen Sohn fast umgebracht hätte.
"Allerdings bin ich jetzt sehr beschäftigt, die Arbeit, sie verstehen?", meinte Gregory trocken. "Aber wenn sie mehr Informationen wollen, warum fragen sie dann nicht Olivia?"
"Wie bitte?" AJs Gesicht wurde weiß.
"Meine liebe Frau. Sie wußte natürlich von Anfang an Bescheid. Oder überrascht Sie das etwa Deschanel?"
Jegliche Farbe war aus AJs Gesicht gewichen. Er stürmte aus Gregorys Büro aus.
Kaum war er gegangen, begann Gregory über das ganze Gesicht zu grinsen. Er ahnte schon, wohin AJs nächster Weg führen würde.
Als Sara und Derek
am nächsten morgen zum Frühstück nach unten kamen, fanden sie einen Zettel
mitten auf dem Küchentisch.
Guten Morgen Ihr Langschläfer,
Ihr findet hier alles fürs Frühstück. Meg und Ben sind schon nach Ludlow zum
einkaufen gefahren. Dad und ich sind draußen, lasst es Euch schmecken.
Mom
Sie setzten sich an den gedeckten Tisch und Sara goß zuerst Derek und dann sich
selber eine Tasse Kaffee aus der Thermoskanne ein. Plötzlich rümpfte sie die
Nase, stand auf und goss Ihren Kaffee in den Ausguß. Derek beobachtete sie.
"Was machst Du denn nun?" fragte er.
"Irgendwie ist mir plötzlich nicht mehr nach Kaffee. Ich brüh mir lieber einen Tee auf." antwortete Sara. Sie setzte das Wasser auf und nachdem es gekocht hatte, brühte sie sich den Tee auf.
"Und was wollen wir zwei heute machen?" fragte Derek. Sara zuckte mit den Schultern.
"Soll ich Dir nachher ein wenig die Farm zeigen?" Derek überlegte und da es hier ja bestimmt nicht viel anderes zu tun gab nickte er.
"Ja, das kannst Du gerne machen." Sie beendeten beide ihr Frühstück.
"Weißt Du was? Warum gehst Du nicht schon nach draußen und wenn ich die Küche ein wenig aufgeräumt habe, komme ich nach." schlug Sara vor.
"Gut" Derek stand auf. "Ich warte dann draußen auf Dich." Er verließ die Küche und ging nach draußen.
Hinter dem Haus war Hank Cummings gerade damit beschäftigt Holz zu hacken. Derek steckte seine Hände in die Hosentaschen und schlenderte hinüber.
"Guten Morgen."
Hank hielt einen Moment inne.
"Guten Morgen Derek. Haben Sie gut geschlafen?"
Derek nickte.
"Ja, danke." Er sah sich ein wenig verlegen um. "Kann ich Ihnen vielleicht irgendwie helfen?" fragte er schließlich. Hank legte die Axt zur Seite und überlegte einen Augenblick.
"Wenn Sie wollen, gerne. Die Kühe müssen gemolken werden und dabei können wir uns dann ein wenig unterhalten. Kommen Sie mit in den Stall."
Derek schluckte, traute sich aber nicht irgendetwas zu sagen. Saras Vater war eine Respektsperson, dem er nicht widersprechen wollte. Er folgte Hank in den Stall. Hank drückte Derek ein paar Gummistiefel in die Hand.
"Hier ziehen Sie die an, sonst ruinieren Sie sich Ihre guten Schuhe." Derek nahm die Stiefel und zog sie sich an. Dann folgte er Hank weiter in den Stall hinein. Hank reichte Derek die Saugstücke der Melkmaschine.
"Hier, die müssen an die Kühe angelegt werden." Unsicher sah sich Derek das Teil in seiner Hand an und ging dann vorsichtig auf die erste Kuh zu. Amüsiert beobachtete Hank, wie Derek langsam sich der Kuh näherte und schließlich leise auf sie einsprach, bevor er sich zu dem Euter hinunter beugte und die Melkmaschine an dem Euter befestigte. Nun lächelte Hank
"Gut Junge." er schaltete die Maschine ein und winkte dann Derek zu sich "Meine Frau hat mir natürlich so einiges nach Ihrem ersten Besuch in Sunset Beach, über Sie erzählt und ich muss zugeben, dass ich Anfangs nicht sehr begeistert über Ihre Beziehung zu Sara war."
Derek öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Hank hob die Hand und gab ihm zu verstehen, dass er noch nicht zu Ende geredet hatte. "Gestern hat mir Joanie berichtet, dass Sie sich sehr verändert haben und ich muss auch sagen, dass es so scheint, als ob Ihnen an Sara eine Menge liegt. Ich möchte Ihnen nur sagen, dass ich nichts gegen diese Beziehung habe, solange Sie Sara nicht verletzten, in welcher Form auch immer. Denn wenn Sie das tun, dann sehe ich nicht mehr ruhig zu."
Derek schluckte. "Hank, ich habe nicht vor, Sara zu verletzten, ich liebe sie."
"Gut," lächelte Hank. In diesem Augenblick hörten Sie Sara nach Derek rufen. "Nun geh schon mein Junge, lass sie nicht warten." sagte Hank. "Danke." erleichtert verließ Derek den Stall.
"Ich geh schon, Rose", rief Olivia, als jemand ziemlich stürmisch klingelte.
"Oh AJ, wie schön", meinte sie mit einem Lächeln, als sie geöffnet hat. Doch AJ lächelte nicht, sondern blickte Olivia nur mit einem grimmigen Gesicht an.
"Ist das wahr?", wollte er nur wissen. Olivia reagierte verunsichert.
"Ich weiß nicht, was Du genau meinst."
"Ist das wahr, daß Du gewußt hast, daß Gregory für Coles Sturz verantwortlich ist?"
Olivia versuchte, mit einem spöttischen Lächeln ihre wahren Gefühle zu überspielen.
"Oh AJ, bitte. Du wirst diesem lächerlichen Tonband doch nicht etwa zu viel Bedeutung beimessen. Wer weiß, was Eddie Connors so alles erzählt, wenn er zuviel getrunken hat. Nur die Hälfte davon ist wahrscheinlich war."
"Vielleicht, aber das hier ist zufällig wahr. Ich weiß es, und Du weißt es auch. Die Frage ist nur, ob Du es schon gewußt hast, bevor Cole Dir dieses Tonband vorgespielt hat."
"Oh bitte, AJ. Das ist doch lächerlich. Wer um alles in der Welt hat dich denn auf diese Idee gebracht?"
"Dein Mann", erwiderte AJ kalt.
Es war nicht mehr als ein Flüstern, als Olivia meinte:
"Gregory."
"Ich hatte bis jetzt gehofft, es ist eine seiner Lügen, aber jetzt ist mir klar, daß es die Wahrheit ist."
"AJ bitte."
"Laß mich in Ruhe, Olivia. Oder glaubst Du, ich würde mich noch mit jemandem abgeben, der versucht hat, meinen Sohn umzubringen?"
Sie wollte ihn festhalten, doch er schüttelte sie ab.
"Bleib mir bloß vom Lieb", meinte er. Er knallte die Tür hinter sich zu und Olivia brach in Tränen aus.
Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, griff Olivia zum Telefon und wählte hastig eine Nummer. "Büro Gregory Richards", hörte sie Bettes Stimme.
"Bette, stell mich zu meinem Mann durch."
"Oh Livvy... Ich weiß nicht, ob..."
"Sofort!"
"Jaja, schon gut. Meine Güte haben heute alle eine schlechte Laune."
"Ja?", meldete sich nun Gregory.
"Du Mistkerl", schrie Olivia in den Hörer. "Du elender Mistkerl."
"Was ist?"
"AJ Deschanel war eben hier."
"Ach, ich verstehe. Nun, es war doch nur fair, daß ich ihn aufgeklärt habe? Immer mit offenen Karten spielen, Olivia."
"Mit offenen Karten spielen. Das mußt Du gerade sagen."
"Was ist? Wollte er plötzlich nichts mehr von Dir wissen? Vielleicht wird Dir jetzt klar, wo Du hingehörst. Noch bist Du mit mir verheiratet, und glaubst Du, ich lasse es zu, daß du durch Deine Eskapaden den guten Ruf meiner Familie aufs Spiel setzt? Du hast AJ Deschanel für immer verloren, ich hoffe, da machst Du Dir nichts vor, Olivia. Aber das sollte Dir nichts ausmachen. Schließlich bist Du ja schon mit halb Sunset Beach ins Bett gesprungen, einschließlich meinem besten Freund. Du wirst schon den nächsten Idioten finden, der wieder auf Dich reinfällt." *Klack* Mit diesen Worten hatte Gregory aufgelegt, noch ehe Olivia etwas erwidern konnte.
Für einen Moment blieb sie starr sitzen, dann blickte sie auf, und lief zum Küchenschrank. "Irgendwo muß doch noch etwas sein", meinte sie zu sich selbst. Dann entdeckte sie die Flasche Wodka.
"Na, also", meinte sie, und führte die Flasche zu ihrem Mund.
Ohne Pause hatte sie sie kurz darauf leer getrunken.
Die anderen waren bereits aufgebrochen, so daß Casey und Gabi noch allein im Surfcenter zurück blieben. Casey warf einen Blick auf die Uhr.
"So spät schon. Ich muß runter zum Strand."
"Ich begleite Dich", bot Gabi, die heute ihren freien Tag hatte, ihm an. Rasch fügte sie hinzu: "Natürlich nur, wenn es Dir nichts ausmacht."
"Nein, ganz und gar nicht", versicherte Casey ihr schnell. Die beiden verließen das Surfcenter und machten sich auf den Weg.
"Es tut mir leid wegen Rae", meinte Gabi schließlich. Casey zuckte scheinbar gleichmütig mit den Achseln, aber an seinem Gesicht konnte Gabi erkennen, daß es ihm keineswegs egal war:
"Sie hat ihre Entscheidung getroffen", erwiderte er. "Ich denke, da gibt es nichts, was ich daran noch ändern könnte. Ich muß versuchen, Sie zu vergessen."
"Ja, ich weiß", nickte Gabi. "Das ist der Grund, warum wir es getan haben. Wir wollten beide vergessen, deswegen haben wir miteinander geschlafen."
"Du hast mit Casey geschlafen?", hörte sie eine entsetzte Stimme hinter sich.
Casey und Gabi drehten sich blitzartig um und sahen Ricardo direkt in die Augen.
Als Rose zum Aufräumen ins Zimmer kam, blickte sie erschrocken auf Olivia Richards. Olivia saß nicht auf, sondern vor der Couch, sie hatte eine Wodkaflasche in der Hand, und drei andere, alle leer, lagen um sie herum verteilt auf dem Boden. Es war nicht das erste Mal, daß Mrs Richards getrunken hatte, das wußte Rose. Aber es war das erste mal seit ein paar Wochen, sie hatte sich so sehr gebessert, und jetzt schien es schlimmer als je zuvor.
"Kommen Sie doch Rose...", trällerte Olivia. "Setzen Sie sich doch ein wenig zu mir. Lassen Sie uns gemeinsam feiern." Das sagte sie in einer sehr hohen und unnatürlichen Stimmlage, nur um kurz darauf in ein hysterisches Lachen auszubrechen. "Lassen Sie uns anstoßen Rose. Oder wollen Sie nicht. Verabscheuen Sie mich etwa? Sagen Sie schon Rose, Sie verabscheuen mich, nicht wahr?"
Rose antwortete nicht, sondern machte sich stattdessen daran, die leeren Flaschen neben Olivia aufzusammeln.
"Aber Sie sind da keine Ausnahme. Jeder verabscheut mich, Rose. Jeder. Caitlin, sie war immer Daddys Tochter. mir war sie nie so nah wie Gregory, dem wundervollen Gregory." Erneut lachte sie schrill. "Und Sean. Er hat mir nie verziehen, daß ich Tiffany damals fortgejagt habe. Dieses kleine Flittchen, was hat sie in meinem Haus zu suchen! In meinem Haus. Läuft hier rum und spielt sich wie die Königin auf. In meinem Haus. Aber ER ist schlimmer als alle zusammen." Olivia blickte Rose nun direkt an. Rose war sofort klar, wen sie meinte.
"Wissen Sie, was es bedeutet, mit ihm verheiratet zu sein? Sie können es nicht wissen, Sie sind nicht verheiratet. Seien Sie froh. das sage ich Ihnen, seien Sie froh. Früher oder später bricht er einem doch das Herz. Und je mehr Sie lieben, desto leichter kann es gebrochen werden." Das sagte sie jetzt gar nicht hysterisch sondern fast ruhig und sachlich. "Er hätte doch nur herkommen brauchen. Das hätte doch gelangt. Ich wollte doch nur, daß er eifersüchtig wird." Plötzlich lachte sie wieder. "Aber er ist nicht gekommen. Ooooh Nein. Er hat es mir heimgezahlt. Er wollte, daß die anderen mich so hassen, wie er mich haßt. Und er hat es geschafft. Ja, er hat es geschafft."
"Sie sind aufgeregt Mrs Richards. Am besten, Sie schlafen ein wenig, und..."
"Schlafen? Oh Nein. Jetzt nicht. Erst muß ich es hinter mich bringen." Sie torkelte Richtung Telefon. "Ich muß es ihm sagen. Ihm sagen, daß ich mir das nicht mehr gefallen lasse. das ich ihn verlassen werde. Jawohl, die Scheidung werde ich einreichen." Doch dann überlegte sie es sich anders. "Nein, so nicht. Nicht am Telefon. Das ist zu einfach. Ich will es ihm persönlich sagen, will sein Gesicht sehen." Sie eilte auf Schlangenlinien Richtung Tür.
Rose folgte ihr und hielt sie fest.
"Mrs Richards, ich halte das für keine gute Idee. in Ihrem Zustand."
"Fassen Sie mich nicht an." Mit einem Stoß, zu dem sie im nüchternen Zustand wohl niemals in der Lage gewesen wäre, stieß sie Rose von sich, die taumelte und auf einen der Sessel fiel. "Sagen Sie mir nicht, was ich zu tun habe, Rose." Mit diesen Worten verschwand sie, und daß nächste, was Rose mitbekam, war, wie der Motor des Wagens ansprang und sich das Auto in Bewegung setzte.
Rose eilte zum Telefonbuch und suchte ungeduldig nach der Nummer von Gregorys Büro. Nachdem sie diese gefunden hatte, wählte sie blitzschnell.
"Guten Tag. Geben sie mir bitte sofort Mr Richards. Es ist wichtig!"
Hickengruendler
"Du warst es also, mit dem Gabi geschlafen hat!" Ricardo war noch immer fassungslos.
Casey wollte etwas sagen, aber Gabi kam ihm zuvor:
"Ricardo, ich hab Dir das doch damals erklärt. Es hat uns beiden nichts bedeutet. Wir waren nur einsam."
"Ach so, einsam", spottete Ricardo. "Und weil Du Dich so einsam gefühlt hast, bist Du sofort mit meiner Freundin in die Kiste gestiegen?"
"Zu diesem Zeitpunkt war sie nicht Deine Freundin", erwiderte Casey. Und bevor er sich überlegt hatte, ob es schlau war, das zu sagen, fügte er bereits hinzu: "Du hattest hauptsächlich Augen für Paula, erinnerst Du Dich?"
*Wamm* Ricardo hatte ausgeholt und Casey direkt unters linke Auge getroffen.
"Sag mal spinnst Du?" Casey ging auf Ricardo los, und die beiden lieferten sich auf offener Straße ein Handgemenge.
"Jungs, was macht Ihr denn da! Hört auf damit, bitte!" Gabi wollte dazwischen gehen.
Aber Ricardo und Casey ließen nicht voneinander ab.
Der blaue Sportwagen mit Olivia Richards am Steuer schoß nur so über die Straßen Sunset Beachs. Zwischen links und rechts schien sie dabei keinen Unterschied zu machen, sondern steuerte vielmehr in Schlangenlinien von einem Fahrtstreifen zum anderen. Fast wäre sie dabei mit Vanessas Wagen zusammengestoßen, die gerade noch so ausweichen konnte. "Sonntagsfahrerin", polterte Olivia. "Heutzutage kriegt wohl jeder den Führerschein."
Doch Olivias Gedanken wanderten wieder zu Gregory zurück.
"Jetzt ist bald
alles vorbei, für immer Gregory! Ich werde mich scheiden lassen. Du wirst mich
nie wieder quälen, dafür sorge ich!"
"Seit Ihr denn wahnsinnig geworden!" Auch Gabis weitere Versuche, Casey und
Ricardo zu trennen, verliefen erfolglos. "Wenn ihr nicht sofort..." Doch weiter
kam sie nicht mehr.
Ein heftiges
Quietschen war zu hören und in diesem Augenblick raste ein blauer Sportwagen um
die Kurve. Gabi reagierte blitzschnell und sprang an den Straßenrand. Casey und
Ricardo dagegen blickten sich einen Moment zu lang verwundert an.
"Was um alles in der Welt machen die da? Mitten auf der Straße...", schoß es
Olivia Richards durch den Kopf. Sie trat sofort auf die Bremse, doch sie war
viel zu schnell. Der Versuch, den Wagen zu steuern, schlug fehl, sie hatte die
Kontrolle verloren. Der Wagen schoß direkt auf Casey und Ricardo zu.
Gabi schrie.
In allerletzter Sekunde reagierte Casey und stieß Ricardo zur Seite, wo dieser direkt vor Gabis Füßen landete.
Entsetzt beobachteten die beiden, wie Casey von dem Wagen erwischt und durch die Luft geschleudert wurde. Ein Stück entfernt schlug er hart auf.
Es ging viel zu schnell, als das Olivia wirklich begriff, was geschehen war. Die
Kontrolle über den Wagen gewann sie nicht zurück. Mit einem lauten Krachen
knallte das Auto gegen eine Palme, die am Straßenrand stand, und Olivia wurde
mit dem Kopf durch die Windschutzscheibe geschleudert.
Hickengruendler
Im Java Web war, wie oft um diese Uhrzeit, wenig los, und Caitlin und Mark saßen, jeder an einem anderen Tisch, gelangweilt herum und starrten wie gebannt auf die Tür. Krampfhaft überlegte Caitlin, wie sie ein unverfängliches Gespräch beginnen könnte.
Plötzlich fiel ihr etwas ein.
"Hast Du eigentlich schon mit dem Boss über Deine Kündigung gesprochen?" fragte sie vorsichtig. Mark hob ruckartig den Kopf.
"Wie? Hast Du was gesagt?" Caitlin nahm ihren ganzen Mut zusammen und wiederholte die Frage. "Nein!" sagte er knapp. Caitlin biß sich auf die Lippen. Anscheinend war er ihr wegen der Sache mit Cole immer noch böse und wollte nicht mit ihr reden. Geistesabwesend begann sie, sich das Pflaster von ihrem Finger herunterzuziehen. Sie bemerkte gar nicht, daß Mark zu ihr herübersah.
"Tut es noch weh?" hörte sie ihn fragen. Caitlin sah überrascht auf.
"Nein, es ist gut verheilt." Zögernd stand sie auf und setzte sich zu Mark an den Tisch. Er hob nur kurz den Kopf, senkte dann aber wieder seinen Blick.
"Mark?"
Unwillig hob er den Kopf wieder und sah sie an.
"Ja?"
Caitlin legte ihre Hand auf seinen Arm, doch als ob er sich verbrannt hätte, zuckte er weg.
"Es tut mir leid!" presste Caitlin hervor. Mark sah sie verwirrt an.
"Was tut Dir leid?"
Caitlin holte tief Luft.
"Das ich Dich belogen und behauptet habe, daß mit Cole Schluß wäre."
Mark schluckte.
"Ich war so durcheinander damals," fuhr Caitlin mit ihrer Beichte fort," nachdem ich Annie und Cole zusammen gesehen hatte ... ach, ich weiß auch nicht." Caitlin warf Mark einen verzweifelten Blick zu. "Ich wollte wirklich mit ihm Schluß machen, ehrlich, weil ich mich ..." Caitlin unterbrach den Satz und biß sich auf die Lippe.
"Weil Du was?" fragte Mark neugierig. Caitlin krallte ihre Hände um die Tischplatte.
"Weil ich mich in Dich verliebt habe!" Jetzt war es heraus, und sie schaute betreten zu Boden. Es herrschte einen Moment Totenstille. Mark hob vorsichtig ihr Kinn, damit sie ihn ansehen mußte.
"Mir ging es doch genauso," sagte er leise. "Deshalb hat es mich auch so verletzt, daß Du mich angelogen hattest."
Caitlin ergriff seine Hand.
"Und nun bist Du nicht mehr böse?" fragte sie hoffnungsvoll. Marks Gesicht verzog sich zu einem Lächeln.
"Nein, ich bin Dir nicht mehr böse. Jetzt weiß ich ja, daß alles nur ein Mißverständnis war."
Ihre Blicke trafen sich, und vorsichtig kamen sich ihre Lippen näher. Ein Räuspern am Nebentisch unterbrach ihre Aktion.
"Entschuldigung, aber wird man hier denn auch mal bedient?"
Caitlin und Mark grinsten sich an. Dann erhob sich Mark, ging zum Gast hinüber und nahm die Bestellung auf.
Hand in Hand schlenderten Ben und Meg die Hauptstrasse in Ludlow entlang. Meg studierte noch einmal die Einkaufsliste in ihrer Hand.
"So, bis auf das Fleisch haben wir jetzt alles." stellte sie fest.
"Und wo willst Du das kaufen?" fragte Ben. Meg deutete auf einen kleinen Laden an der nächsten Straßenecke.
"Dort drüben. Das ist die Metzgerei von Millers und dort bekommt man das beste Fleisch in der ganzen Umgebung." Sie überquerten die Straße und Meg sah durch das Schaufenster in den kleinen Laden hinein. "Oh je, das ist ja wieder ganz schön voll. Da werde ich eine ganze Weile brauchen." seufzte sie.
"Wenn es Dir nichts ausmacht, werde ich hier draußen warten." lächelte Ben. Meg stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste Ben auf die Wange.
"Kein Problem, aber es wird eine Weile dauern." sagte sie und verschwand in den Laden.
Ben schlenderte ein wenig weiter. Der nächste Laden war ein kleines Juweliergeschäft. In dem Schaufenster erregte ein wunderschönes Paar goldene Ohrringe seine Aufmerksamkeit. Kurzentschlossen ging er in den Laden hinein. Fünf Minuten später kam er mit einer kleinen Samtbox in seiner Hand wieder heraus. Er schaute sich die Ohrringe noch einmal an, bevor er das Kästchen wieder verschloß und gerade noch rechtzeitig in seine Jackentasche verschwinden lassen konnte, bevor Meg aus der Metzgerei heraus kam.
"So, nun haben wir alles, lass uns nach Hause gehen."
Hand in Hand gingen
sie davon.
Was keiner von Beiden bemerkt hatte, war, dass Tim ihnen schon eine ganze Weile
gefolgt war und sie sehr genau beobachtet hatte.
"Ich möchte zu gerne wissen, was Du im Schilde führst, Ben Evans!" sagte er zu sich selber.
Auf dem Schauplatz des Unfalls bot sich ein Bild des Grauens. Gabi eilte auf Casey zu, während Ricardo die benommene Olivia Richards aus dem Wagen zog.
"Mrs Richards,
können sie mich verstehen? Mrs Richards." Als Antwort gab Olivia ein leises
Brummeln von sich, daß Ricardo zeigte, daß sie bei Bewußtsein war. Ihr Gesicht
war blutüberströmt. Sie hatte mehrere tiefe Schnittwunden von den Scherben.
"Casey, Casey sag doch was!"
Gabi war in Panik.
Doch Casey blieb regungslos liegen. Gabi fühlte den Puls. Er war nur noch sehr
schwach. Dann begann sie mit den notwendigen erste Hilfe Maßnahmen. Ricardo
hatte auf seinem Handy inzwischen den Krankenwagen alarmiert.
Immer mehr Schaulustige versammelten sich um die Unfallstelle.
"Jetzt stehen Sie doch nicht alle hier rum", schrie Gabi. "Sie versperren dem Notarzt ja sonst den Weg!"
Genau in diesem Augenblick hörte Gabi, wie ein Auto mit quietschenden Reifen anhielt. Es war aber nicht der Notarzt. Gregory Richards kam herausgesprungen. Er hatte den blauen Sportwagen offensichtlich bereits erkannt, und Gabi bemerkte sofort, daß er sich zwar bemühte, gefaßt zu wirken, aber weiß wie eine Wand war.
"Olivia", stieß er hervor, und aus seinem Tonfall war die reine Panik heraus zu hören.
Den restlichen Tag lungerte Tim auf dem Geländer der Cummings Farm herum. Er wollte unbedingt herausfinden, was Ben und Meg in Kansas machten. Gut getarnt saß er zwischen ein paar Büschen und beobachte das Haus. Er hatte Glück und kurze Zeit später kam Ben heraus und schlenderte ein wenig umher. Fünf Minuten später folgte zu Tims Überraschung Sara und umarmte Ben. Die beiden küssten sich und gingen dann Arm in Arm ein wenig spazieren.
„Ich habe doch
gewusst, dass Du ein Schweinehund bist, Ben Evans.“ sagte Tim zu sich selber und
folgte dem Pärchen. Nach einer Weile, setzten sich Ben und Sara auf eine Bank.
Derek legte den Arm um Sara.
„Ich hätte nicht gedacht, das ein Sonnenuntergang in Kansas so schön sein kann.“ sagte er.
„Ich auch nicht.“ stimmte Sara zu. „Früher ist mir das nie aufgefallen, das muss an Dir liegen.“ Derek lachte und küsste Sara.
„Du bist unbeschreiblich, ich liebe Dich.“
„Ich liebe Dich auch, Derek.“ antwortete Sara. Derek griff in seine Hosentasche und holte etwas hervor.
„Sara, ich weiß, ich habe es Dir zu Anfang nicht leicht gemacht und habe Dir auch nicht oft genug gezeigt, wie viel Du mir bedeutest. Aber das wird sich nun ändern.“ Er reichte Sara ein kleines Kästchen. „Hier, das ist für Dich.“
Sara sah in überrascht an.
„Wirklich für mich?“ fragte sie. Derek nickte.
„Nun mach schon auf.“
Sara nahm das Schmuckkästchen und öffnete es.
„Oh Derek, das ist wunderschön.“ Sie holte eine Goldkette mit einem goldenem Herz als Anhänger hervor. „Hilfst Du mir das umzumachen?“ fragte sie mit leuchtenden Augen. Derek nickte und nahm die Kette. Er legte sie Sara um den Hals zu verschloss sie. Sara konnte sich nun nicht länger zurückhalten. Sie fiel Derek um den Hals und küsste ihn leidenschaftlich.
„Danke Derek, Du
weißt gar nicht, was mir das bedeutet.“
Tim hatte von seinem Versteck aus die ganze Szene beobachtet.
„Evans, das wirst Du mir büßen. Ich werde Meg die Augen über Dich öffnen. So kommst Du mir nicht davon!“ schwor er sich selber.
Als im Java Web das Telefon klingelte, war Caitlin gerade dabei, einige Tische abzuwischen, Mark brachte gerade ein Getränk an einen Tisch.
"Laß' nur, ich geh' schon," sagte sie zu Mark und nahm das Gespräch entgegen. Als Mark zurück zum Tresen kam, legte Caitlin gerade auf. Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen, und wie versteinert starrte sie ins Leere.
"Was ist los?" fragte Mark neugierig. "Wer war das?"
Caitlin befeuchtete ihr Lippen, ehe sie antwortete.
"Das war mein Dad," stammelte sie. "Meine Mutter hatte einen Verkehrsunfall. Sie wurde ins Sunset Memorial gebracht."
Mark riß entsetzt die Augen auf.
"Oh, Caitlin, das tut mir leid! Ich hoffe, sie ist nicht schwer verletzt?"
Caitlin schüttelte geistesabwesend den Kopf.
"Man weiß noch nichts genaues," sagte sie. Sie sah Mark mit einem verzweifelten Blick an. "Ich muß zu ihr und meinem Daddy. Sie brauchen mich jetzt!"
Mark nickte verständnisvoll.
"Ist doch klar." Er sah sich im Laden um. "Leider kann ich Dich nicht fahren, weil ich hier nicht weg kann."
Caitlin wischte sich übers Gesicht.
"Ja, das verstehe ich doch. Ich werde mir ein Taxi bestellen."
Mark strich ihr leicht über die Wange.
"Ich komme nach, sobald ich Zeit habe." Caitlin versuchte zu lächeln.
"Danke, aber das ist nicht nötig."
Mark nickte entschieden mit dem Kopf.
"Doch, das ist es!" sagte er. "Du willst Dich um Deinen Dad und Deine Mom kümmern, und wer ist für Dich da?"
Caitlin sah ihn an.
"Ja," sagte sie. "Du hast sicher recht, aber ..."
"Nichts aber," unterbrach Mark sie," wir sehen uns dann im Krankenhaus."
Caitlin nickte.
"Na gut, wenn Du unbedingt möchtest." Sie griff zum Telefon und wählte die Nummer der Taxi-Zentrale.
"Caitlin will sofort kommen", meinte Gregory zu Sean. Die beiden warteten unruhig auf neue Nachrichten über Olivias Gesundheitszustand. Tiffany hatte sich angeboten, einen Kaffee für sich und Sean zu holen, Gregory wollte keinen.
"Wie lange dauert das eigentlich, bis man hier mal gesagt kriegt", schoß es plötzlich auf Gregory heraus. "Man sollte doch erwarten, daß man zumindest informiert wird..." In diesem Augenblick kam Schwester Roxy über den Gang geeilt.
"Schwester, wie geht es meiner Frau?", fragte Gregory. Doch Roxy winkte ab.
"Tut mir leid, ich kann Ihnen nichts neues sagen. Sie ist noch im Operationssaal." Auf Gregorys ungeduldigem Blick fügte sie hinzu: "Dr Manning ist ein ausgezeichneter Chirurg. Ihre Frau ist bei ihm in den besten Händen." Damit ging sie. Gregory setzte sich und raufte sich die Haare. "Diese verdammte Ungewissheit macht mich noch fertig."
Sean lächelte seinem Vater aufmunternd zu. Gregory überlegte für einen Moment, wann Sean ihm gegenüber das letzte Mal ein freundliches Gesicht gemacht hatte.
"Das wird schon, Dad.", meinte Sean. "Du hast die Krankenschwester doch gehört. Mum kommt schon wieder auf die Beine." Doch auch ihm stand die Sorge und Ungewißheit ins Gesicht geschrieben.
Tiffany ging mit den beiden Kaffeebechern vorsichtig durch die Krankenhausflure.
"Die arme Mrs Richards", überlegte sie. Sie und Olivia standen sich nie nahe. Tiffany hatte sich am Anfang aufrichtig bemüht, sich mit Olivia anzufreunden, aber da diese ihr nie eine Chance gegeben hatte, hatte Tiffany es bald aufgegeben. Aber das hatte sie ihr nicht gewünscht. In diesem Augenblick sah Tiffany Gabi, die Tränen in den Augen hatte.
"Gabi", rief sie. "Wie... wie geht es Casey?"
Gabi drehte sich zu ihr um.
"Er ist sehr schwer verletzt", antwortete sie. "Dr Robinson will ihn nach Los Angeles verlegen lassen, weil hier nicht genügend medizinische Instrumente vorrätig sind."
Tiffany blickte erschreckt auf.
"Aber er kommt doch durch?"
"Ich weiß es nicht", flüsterte Gabi.
"Gabi", Tiffany und Gabi blickten auf und sahen, wie Michael und Vanessa über den Flur geeilt kamen.
"Irgendwas Neues?", fragte Michael. Gabi schüttelte den Kopf.
"Sie wollen ihn gleich verlegen. Nach Los Angeles. Ich nehme an, das Du hinfährst, oder?" Michael nickte.
"Du rufst mich doch sofort an, wenn es was neues gibt, oder? Ich würde ja eigentlich mitfahren, aber ich denke, ich muß mich ausruhen. War wohl alles ein bißchen viel heute." Sie versuchte das möglichst ruhig zu sagen, aber Michael erkannte, daß sie am Ende ihrer Kräfte war.
"Klar, leg Dich hin", meinte er. "Ich fahre nach Los Angeles."
"Ich komme mit", meinte Vanessa sofort.
"Gut“ nickte Michael, und die beiden machten sich auf den Weg.
Annie goß sich gerade etwas zu trinken aus, als es an der Tür klopfte.
"Ich komme schon", rief sie und eilte zur Tür. "Cole", meinte sie, nachdem sie geöffnet hatte, "was für eine angenehme Überraschung, komm doch rein."
"Danke", erwiderte Cole.
"Willst Du auch was trinken?", fragte sie, doch er lehnt ab. "Weißt Du eigentlich schon, was Du unternehmen willst? Ich meine, wegen Gregory."
Cole schüttelte den Kopf.
"Ehrlich gesagt nicht. Der Gedanke, daß er ganz ohne Strafe davonkommt, ärgert mich. Aber andererseits will ich Caitlin nicht verletzen."
Annies bis dahin freundliches Lächeln erstarb sofort:
"Oh, ich verstehe. Es geht dir also wieder um Caitlin", sagte sie kühl.
Cole nickte.
"Unsere Beziehung hatte zwar ein sehr unschönes Ende, aber ich möchte trotzdem nicht, daß sie verletzt wird."
"Vielleicht ist es mal an der Zeit, daß Caitlin aus ihrer Traumwelt erwacht, und die Dinge so nimmt, wie sie sind."
"Wie bitter du plötzlich klingst". Cole wandte sich verwundert zu Annie um.
"Tu ich das", erwiderte Annie. "Mag schon sein." Plötzlich polterte sie los: "Vielleicht ärgert es mich ja, wie sehr Du noch immer über Caitlin nachdenkst."
Cole sah ihr nun direkt in die Augen.
"Was aber... Ja, ich denke noch über Caitlin nach. Weil ich sie mag, trotz allem, was zwischen uns schiefgelaufen ist. Aber ich habe auch erkannt, daß wir nicht zusammenpassen. Wir sind zu verschieden. Vielleicht können wir eines Tages mal Freunde werden. Das ist alles. Andere Gefühle habe ich für Caitlin nicht mehr."
"Bist Du sicher?", fragte Annie vorsichtig.
"Ganz sicher", erwiderte Cole. Er ging einen Schritt auf Annie zu. Dann nahm er sie in die Arme und küßte sie leidenschaftlich. Annie stockte einen Moment, dann erwiderte sie den Kuss, und die beiden ließen sich auf Annies Sofa fallen.
Nachdem Caitlin das Krankenhaus betreten hatte, rannte sie den Flur hinunter zu den Warteräumen. Als sie ihren Vater und Sean dort auf- und abgehen sah, warf sie sich in Gregorys Arme und ließ ihren Tränen freien Lauf.
"Daddy," schluchzte sie an seiner Brust. "Wie geht es Mom? Ist sie schwer verletzt?"
Gregory hielt sie sanft aber dennoch fest in seinen Armen.
"Mach' Dir keine Sorgen, Caitlin!" tröstete er sie. "Die Ärzte tun hier alles menschenmögliche für sie." Caitlin befreite sich aus seinen Armen und ging zu Sean hinüber. Wortlos nahmen sich die Geschwister in den Arm.
"Ist Tiff auch hier?" fragte Caitlin und sah sich um. Sean nickte.
"Ja, sie wollte nur kurz frische Luft schnappen und ist deshalb in den Krankenhausgarten gegangen. Sie kommt sicher gleich wieder."
Caitlin sah auf, als eine Schwester zu ihnen trat. Sie wandte sich an Gregory.
"Ihre Frau hat die OP gut überstanden. Wir haben sie gerade auf ihr Zimmer gebracht. Wenn Sie bitte einen Moment noch warten möchten, dann kommt Dr. Manning zu Ihnen und klärt Sie über den Zustand ihrer Frau auf."
Gregory nickte und ließ sich erleichtert auf einen Stuhl sinken. Caitlin nahm neben ihrem Vater platz und ergriff seine Hand.
"Wie konnte denn das alles nur passieren?" fragte sie verzweifelt und sah Gregory an. Er schüttelte den Kopf.
"Ich weiß auch nicht. Ich fuhr nur zufällig vorbei und sah den Wagen Deiner Mutter im Straßengraben liegen ..." Er machte eine Pause und griff sich an die Stirn. "Es war so furchtbar ... überall Blut, Glassplitter ..." Gregorys Stimme brach, und Caitlin sah, daß ihm eine Träne hinunterlief. Sie strich ihm über den Kopf.
"Ich bin ja jetzt da ...!"
Gregory sah sie dankbar an. Sean räusperte sich.
"Cait?"
Sie schaute hoch.
"Ja, Sean?"
Er setzte sich ebenfalls auf einen freien Stuhl.
"Was Du vielleicht noch nicht weißt ..."
Sie sah ihn fragend an.
"Was denn?"
Sean beugte sich näher zu ihr hinüber.
"Mom war nicht die Einzige, die in diesen Unfall verwickelt war."
Caitlin runzelte die Stirn.
"Ach nein? Wer war denn noch beteiligt?"
Gregory sah kurz zu seinem Sohn hinüber und beantwortete den Satz für ihn.
"Casey Mitchum wurde angefahren, und Gabi Martinez und Ricardo Torres waren auch am Unfallort."
Caitlin riß die Augen weit auf.
"Casey? Marks Mitbewohner im Surf Central?"
Sean nickte. Caitlin sprang auf.
"Ist er schwer verletzt?"
Sean zuckte mit den Schultern.
"Keine Ahnung."
Gregory biß die Zähne aufeinander. Nach all dem, was der Police Officer ihm nach seinem Eintreffen über den Unfallhergang berichtet hatte, war wohl Olivia schuld am Unfall gewesen. Beim Gedanken, daß seine Frau vielleicht ein Menschenleben auf dem Gewissen hatte, fühlte er einen Stich in der Magengegend. Gregory stand auf.
"Wann kommt denn dieser verdammte Arzt endlich?" stieß er unbeherrscht hervor. Caitlin sah ihren Vater mitfühlend an. Sie wußte, daß er sich große Sorgen um Olivia machte, er aber seine wahren Gefühle hinter seiner burschikosen Art versteckte.
Als der Arzt endlich kam waren alle erleichtert.
"Mr. Richards, ich bin Dr. Manning, der behandelnde Arzt ihrer Frau," stellte er sich vor. "Wir mussten einige Schnittverletzungen im Gesicht operativ versorgen, und außerdem erlitt ihre Frau bei dem Aufprall eine leichte Gehirnerschütterung."
Gregory atmete tief durch.
"Kann ich zu ihr?"
Dr. Manning nickte.
"Aber bitte nur kurz, denn sie steht noch unter dem Einfluss der Narkose."
Nachdem Dr. Manning sich verabschiedet hatte, wurden Gregory, Caitlin und Sean von einer Schwester in Olivias Zimmer geführt.
Als Gregory, Sean und Caitlin Olivias Krankenzimmer betraten, bot sich ihnen ein erschreckendes Bild. Olivias Gesicht war verdeckt mit dicken Bandagen, und nur die Augen und der Mund lagen frei. Ihre Lippen waren leichenblaß, und ihr Haar hing ihr wirr um den Kopf herum. Sie schien noch zu schlafen, denn ihre Augen waren geschlossen.
Caitlin preßte eine Hand auf ihren Mund, um nicht laut aufzustöhnen. Sean griff nach ihrer Hand, und Gregory fuhr sich mit einer nervösen Handbewegung durchs Haar. Vorsichtig näherten sie sich dem Bett. Caitlin zog sich einen Stuhl heran und setzte sich zu ihrer Mutter ans Bett und ergriff ihre Hand. Gregory stand unbeweglich an einer Stelle und starrte auf Olivias bandagiertes Gesicht. Sean nahm ebenfalls auf einem Stuhl Platz.
"Mom, hörst Du mich? Ich bin's, Caitlin!"
Um Olivias Mundwinkel herum zuckte es.
"Daddy und Sean sind auch hier," fuhr Caitlin fort und sah zu Gregory hinüber, der immer noch wie gebannt auf einer Stelle stand. "Wir sind alle hier," sagte Caitlin und drückte Olivias Hand. "Und bald wird es Dir wieder besser gehen!" Caitlin beugte sich über ihre Mutter und gab ihr einen Kuß. Sean beugte sich ebenfalls zu Olivia herab.
"Wir sind für Dich da, Mom!" sagte er und wandte sich dann wieder ab. Er beugte sich zu Caitlin hinunter und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Sie nickte nur kurz, und Sean verließ den Raum. Gregory runzelte die Stirn.
"Er will im Flur auf Tiffany warten," erklärte Caitlin ihrem Vater. Zögernd ging Gregory auf das Krankenbett zu und setzte sich.
"Soll ich Euch alleine lassen?" fragte Caitlin und warf einen Blick auf ihre schlafende Mutter. Gregory nickte.
Als Caitlin den Raum verlassen hatte, nahm er Olivias Hand und hielt sie ganz fest.
"Olivia," presste er hervor. "Wie konntest Du mir so einen Schreck einjagen?" Er führte ihre schlaffe Hand an seine Lippen. "Ich liebe Dich doch ..." flüsterte er leise," und ich könnte es nicht ertragen, Dich zu verlieren!" Verzweiflung war aus seiner Stimme herauszuhören, und genau in diesem Augenblick schlug Olivia ihre Augen auf.
"Fertig?", fragte Wei-Lee. Rae nickte.
"Ja, mein Dienst ist um."
"Prima", erwiderte Wei-Lee. "Dann können wir ja jetzt aufbrechen. Sonst kommen wir noch zu spät zu unserer eigenen Hochzeit."
"Ich glaube", meinte Rae mit einem aufgesetzten Lächeln, "ihnen bleibt nichts anderes übrig als auf uns zu warten." Die beiden standen am Empfang des General Hospitals in Los Angeles.
"Das bringst wohl nur Du fertig", sagte Wei-Lee trocken, "am Vormittag Deines Hochzeitstages noch zu arbeiten."
"Ich bin Ärztin und werde gebraucht", erwiderte Rae scharf.
"Ist ja schon gut", fügte Wei-Lee beruhigend hinzu, "Das ist doch der Grund, warum ich dich so liebe. Du weißt genau, wem Du verpflichtet bist, Deinem Beruf, Deinen Eltern..."
Rae war ihm einen zornigen Blick zu.
"Das war überflüssig."
"Was meinst Du? Es war ein ganz normaler Satz, ohne Hintergedanken."
"Ohne Hintergedanken? In den letzten Wochen bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß nichts was Du tust, ohne Hintergedanken ist."
"So meinst Du? Wie dem auch sei, es wird jetzt Zeit für uns..."
In diesem Augenblick stürmten einige Notärzte und Krankenschwester herein, die einen schwer verletzten und bewußtlosen Mann auf einer Trage schoben.
"Du meine Güte, Casey!", rief Rae entsetzt.
Regungslos saß Ricardo auf einer Krankenliege, als Gabi das Behandlungszimmer betrat. Sie sah, daß auf seiner Stirn ein Pflaster klebte. Vorsichtig ging sie auf ihn zu und strich ihm sanft darüber.
"Ist alles in Ordnung mit Dir?" Er hob den Kopf und sah sie an, doch es schien so, als ob er durch sie hindurch sah. "Ricardo?" Gabi berührte leicht seine Schulter. Er schüttelte den Kopf.
"Er hat mir das Leben gerettet ..." stieß er hervor. Gabi nickte. Ricardo stand noch völlig unter Schock. Die Bilder des Unfalls gingen ihm nicht aus dem Kopf. Er schloß die Augen und stöhnte leise.
"Es ist alles meine Schuld!"
Gabi packte ihn an beide Schultern.
"Nein, Ricardo! Es ist nicht Deine Schuld. Es war ein tragischer Unfall ...!" Sie senkte die Stimme. "Olivia Richards ist dafür verantwortlich," sagte sie bitter. Ricardo schüttelte den Kopf.
"Dieser Unfall wäre nicht passiert, wenn ich mich nicht mit Casey geprügelt hätte! Und nun ..." Ricardo warf Gabi einen verzweifelten Blick zu. "Wenn er stirbt, werde ich mir das niemals verzeihen können - egal, was zwischen Euch passiert ist!"
Abrupt stand er auf, und noch bevor Gabi etwas tun oder antworten konnte, hatte er den Raum schon verlassen und ließ sie alleine zurück.
"Casey!", schrie Rae. Dann wandte sie sich an einen der Notärzte. "Was ist mit ihm? Was hat er?" "Ist von einem Auto erwischt worden", erwiderte der Notarzt knapp. "Hat das Bewußtsein noch nicht wieder zurück erlangt."
Sie schoben die Trage mit Casey in den Aufzug und Rae sah ihnen geschockt nach.
"Kennen sie ihn, Dr. Chang?", fragte der Notarzt.
"Er ist ein... ein alter Freund, meinte Rae.
Der Notarzt schüttelte den Kopf.
"Es sieht nicht gut für ihn aus. Schwere innere Verletzungen. Es wird wohl von den nächsten Stunden abhängen, ob er durchkommt."
Rae stockte vor Schreck der Atem. Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrem Unterarm.
"Rae", meinte Wei-Lee vorsichtig. "Es ist Zeit. Die Hochzeit."
Rae drehte sich um und blickte Wei-Lee scharf in die Augen.
"Du glaubst doch nicht im Ernst, daß ich jetzt heiraten werde, während ein Freund von mir um sein Leben ringt?"
"Und ganz zufällig ist dieser Freund Casey", sagte Wei-Lee bitter. "Man könnte fast meinen, daß hätte er extra gemacht."
"Oh ja, natürlich", zischte Rae zornig. "Was auch sonst? Um Deine Hochzeit zu verhindern, läßt er sich freiwillig über den Haufen fahren."
"So hab ich das nicht gemeint."
"Oh doch, genau so hast Du das gemeint."
"Rae ich..."
"Weißt Du was Wei-Lee, laß mich einfach in Ruhe, ja? Casey ist jetzt wichtiger." Mit diesen Worten rauschte sie davon.
Hickengruendler
Caitlin lief mit Sean und Tiffany nervös auf dem Flur auf und ab.
"Möchte vielleicht jemand etwas trinken?" fragte Caitlin und sah in die Runde. Tiffany und Sean nickten.
"Ja, eine Cola wäre jetzt nicht schlecht," sagten sie einstimmig.
"Prima, ich geh' dann grade mal in die Cafeteria und besorge uns was zu trinken." Caitlin fuhr sich durchs Haar. "Diese Warterei macht mich ganz nervös!"
Kaum hatte sie die Cafeteria mit den Flaschen im Arm wieder verlassen. kam ihr Mark auf halbem Weg den Flur entgegen.
"Ich konnte leider nicht eher weg," entschuldigte er sich. Er schaute auf die Flaschen in Caitlins Hand. "Soll ich Dir welche abnehmen?" Sie lächelte ihn an.
"Ja, danke." Als sie um die Ecke bogen, kam ihnen Tiffany schon entgegen.
"Na endlich. Ich bin am Verdursten ..." Erst jetzt bemerkte sie Mark, der hinter Caitlin stand. "Hi Mark! Das ist aber eine Überraschung!" Er warf ihr einen undefinierbaren Blick zu.
"Hi Tiff!" Er drückte ihr eine Cola in die Hand.
"Ist das nicht schrecklich?" Sie sah ihn mitleidig an. "Der arme Casey!"
Caitlin warf Tiffany einen bösen Blick zu. Mark runzelte die Stirn und sah fragend zu Caitlin hinüber.
"Casey?! Ich verstehe nicht so ganz ... Ich dachte, Deine Mutter hätte einen Unfall gehabt!" Caitlin holte tief Luft, und Tiffany sah sie überrascht an.
"Er weiß es nicht?" fragte sie verwundert.
Mark wurde langsam ungeduldig.
"Was weiß ich nicht?" fragte er ungehalten. Caitlin erzählte ihm, daß bei dem Unfall auch noch Casey, Gabi und Ricardo daran beteiligt gewesen waren und daß Casey dabei schwer verletzt wurde. Marks Gesicht war aschfahl geworden.
"Wie - wie geht es ihm?" stammelte er. Tiffany mischte sich ein, bevor Caitlin antworten konnte. "Er ist sehr schwer verletzt, so daß sie ihn sogar ins Krankenhaus nach Los Angeles bringen mussten."
Mark schluckte. Gerade wollte er antworten, als er Gabi aus einem der Behandlungszimmer kommen sah. Ihr Augen waren vom vielen Weinen gerötet, und ihre Wangen waren blaß. Als sie Mark erkannte, ging sie auf ihn zu, und aus einem Impuls heraus, nahm er sie in den Arm.
"Mark," schluchzte sie. "Casey wird sterben ... und ich bin schuld!"
"Schwester entschuldigen Sie bitte," Michael sprach eine Mitte 40jährige, dunkelhaarige Krankenschwester an, "ist Casey Mitchum bereits eingeliefert worden, wissen sie, wie es ihm geht?"
Die Schwester blickte skeptisch zunächst zu Vanessa, dann zu Michael und fragte schließlich: "Sind sie mit ihm verwandt?"
"Nein", antwortete Michael. "Nein, er ist mein bester Freund."
Die Schwester zögerte einen Moment, dann erwiderte sie routinegemäß:
"Tut mir wirklich leid, aber solange Sie nicht mit ihm verwandt sind, darf ich Ihnen keine Informationen über..."
"Hören Sie. Wir wohnen zusammen in einer Wohngemeinschaft, verstehen Sie. Ich habe seine Mutter bereits angerufen, aber sie ist zur Zeit in Paris, vor morgen Nachmittag kann sie nicht ankommen."
"Wie schon gesagt, es tut mir leid. Aber ich habe meine Vorschriften. Sie müssen einsehen, daß ich nicht jedem..."
"Michael, Vanessa!"
Michael und Vanessa drehten sich um und staunten nicht schlecht, als sie Rae sahen.
"Was machst Du denn hier?", fragte Vanessa überrascht.
"Ich arbeite hier", erklärte Rae. "Dad hat mir die Stelle vermittelt, nachdem ich Sunset Beach verlassen habe."
Michael holte tief Luft:
"Casey..."
"Ich weiß", fiel Rae ihm ins Wort. "Ich habe ihn schon gesehen. Sie haben ihn nach den oben gebracht, in den OP. Ich weiß noch nichts neues, aber sobald ich etwas weiß, sage ich euch Bescheid, versprochen." Sie sprach verhältnismäßig ruhig und sachlich, aber Michael erkannte an ihrem Blick, daß auch sie vor Sorge außer sich sein mußte.
"Können wir vor dem OP warten?", fragte Vanessa.
"Natürlich", erwiderte Rae und ging mit ihnen zum OP.
Olivia schlug ihre Augen auf und blinzelte.
"Gregory ..." flüsterte sie schwach. Er beugte sich über sie.
"Endlich!" Erleichtert atmete er auf. "Wie fühlst Du Dich?"
Olivia leckte mit der Zunge über ihre Lippen.
"Wasser!" stieß sie lautlos hervor. In ihrer Kehle brannte es wie Feuer, und ihre Lippen fühlen sich welk an. Gregory nahm eine Karaffe mit Wasser, die am Bett stand und goß ihr etwas davon in ein Glas. Er unterstützte sie im Rücken, damit sie sich etwas aufrichten und trinken konnte. "Danke!" Erschöpft sank sie zurück. "Wo - wo bin ich?" Sie schaute sich im Raum um.
"Du bist im Sunset Memorial," sagte Gregory und sah sie an. "Du hattest einen Unfall!"
Olivia griff sich mit der Hand an die Stirn und zog sie entsetzt wieder zurück.
"Was ist das?" Sie befühlte hektisch ihr Gesicht. Gregory hielt ihre Hand fest.
"Bitte nicht, Olivia! Das sind frische Verbände."
"Verbände?" Panik stieg in ihr hoch. "Was ist denn nur passiert?"
Gregory sah sie prüfend an.
"Kannst Du Dich denn nicht erinnern?" Sie schüttelte vorsichtig den Kopf. Er seufzte und erzählte ihr, in abgespeckter Form, wie sich der Unfall wohl zugetragen haben mußte. Von Casey und seiner schweren Verletzung erzählte er nichts.
Olivia schloß die Augen und versuchte sich zu erinnern. Vor ihrem geistigen Auge erschienen plötzlich zwei Gestalten, die sich auf der Straße stritten.
Ruckartig setzte sie sich auf. Die Erinnerung kam schlagartig zurück. Sie sah plötzlich wieder Caseys panischen Gesichtsausdruck deutlich vor sich, bevor sie nur noch einen dumpfen Aufprall wahrnahm. In Olivias Augen stand das blanke Entsetzen, als sie erkannte, daß sie an dem Unfall schuld gewesen war. Hilfesuchend krallte sie ihre Hände in die Bettdecke.
"Mein Gott, Gregory" stieß sie hervor. "Ich habe einen Menschen überfahren!"
Mark strich Gabi sanft übers Haar.
"Bitte, Gabi, sag' doch sowas nicht!" In seiner Stimme klang echte Besorgnis. "Steht es so schlimm um ihn?"
Gabi befreite sich aus Marks Armen und sah ihn an.
"Entschuldige ... Sie haben Casey ins Krankenhaus nach Los Angeles gebracht, weil sie ihm hier nicht die nötige medizinische Versorgung zukommen lassen können."
Mark schüttelte den Kopf.
"Armer Casey ... Was ist denn überhaupt passiert?"
Gabi seufzte und erzählte Mark dann von dem Streit zwischen Casey und Ricardo und wie Olivia geradezu auf die beiden zugefahren war. Mark hörte wie gebannt zu. Gabi zog die Schultern hoch. Die Erinnerung an den furchtbaren Unfall ließ sie frösteln. Mark legte wieder einen Arm um sie, was Caitlin aus der Entfernung argwöhnisch beobachtete. Sie ging zu Mark hinüber.
"Ich denke, Du wirst jetzt erst einmal hier gebraucht," sagte sie. "Ich werde jetzt mal nach meiner Mom und meinem Dad schauen." Sie drehte sich um und ging den Flur hinunter zu Olivias Zimmer. Mark sah ihr verwirrt hinterher.
Sean stieß Tiffany in die Seite.
"Komm', wir sollten mal hinterhergehen, damit Caitlin nicht alleine ist."
Tiffany, die noch gerne geblieben und dem Gespräch zwischen Mark und Gabi gelauscht hätte, murrte unwillig. Schließlich ging sie dann aber doch mit.
Mark sah Gabi an.
"Das ist ja furchtbar!" stieß er hervor. "Olivia Richards ist schuld an dem Unfall? Ich kann es nicht glauben!" Er schüttelte den Kopf. Er dachte an Caitlin, und was für ein Schock es für sie sein mußte, daß ihre Mutter schuld an diesem Unfall gewesen war. "Weiß man schon genaueres über die Unfallursache?" fragte er. Gabi nickte.
"Ja, aber das darf ich Dir eigentlich nicht erzählen."
Mark runzelte die Stirn.
"Unter Freunden, ... bitte Gabi!" bettelte er. Sie beugte sich zu ihm und flüsterte leise etwas in sein Ohr. Mark sah sie danach fassungslos an.
"Es gibt keinen Zweifel," sagte Gabi leise. "Wir haben eine Blutprobe entnommen und dabei festgestellt, daß Mrs. Richards alkoholisiert war."
Ben und Meg hatten beschlossen, den Abend im Buckerroo zu verbringen. Hand in Hand gingen sie zu dem einzigen Tanzlokal in der Gegend.
"Ich hoffe es gefällt Dir." sagte Meg ein weinig verunsichert. "Es ist ganz anders als die ganzen Nachtclubs in Kalifornien." Ben lächelte Meg an.
"So lange Du bei mir bist und mit mir tanzt, wird es mir gefallen."
Sie betraten das Lokal und sahen sich um. Meg entdeckte einen freien Tisch an der Tanzfläche "Komm, lass uns erst einmal setzten." Ben folgte Meg zu dem Tisch und sie setzten sich. Interessiert sah Ben sich um.
"Es hat eine nette Atmosphäre."
In diesem Augenblick begann die Countryband wieder zu spielen.
"Komm lass uns tanzen." forderte Ben Meg auf.
Meg lachte.
"Das ist aber der Texas Two Stepp. Denkst Du, dass Du das kannst?"
Ben stand auf und zog Meg mit sich.
"Lass es uns probieren und wir werden es sehen."
Beide hatten beim Tanzen sehr viel Spaß und Meg war erstaunt darüber, wie schnell Ben lernte. Sie waren so vertieft, dass sie nicht bemerkten, dass jemand sie die ganze Zeit beobachtete. Tim saß an einem Tisch in einer Ecke und schaute Ben und Meg grimmig zu.
"Du bist so ein Heuchler, Ben Evans. Jetzt amüsierst Du Dich mit Meg hier und vor zwei Stunden erst hast Du Ihrer Schwester eine Kette geschenkt." sagte er zu sich selber.
Meg und Ben hatten inzwischen Ihren Tanz beendet und setzten sich wieder an den Tisch. "Möchtest Du etwas trinken?" fragte Ben.
"Ein Wasser täte jetzt gut." antwortete Meg.
"Gut, ich werde uns etwas holen." sagte Ben und ging zur Theke. Tim hatte das beobachtet und sah seine Chance nun gekommen. Er ging zu Meg hinüber und setzte sich unaufgefordert an ihren Tisch.
"Du solltest lieber Deine Finger von Ben Evans lassen." platzte er heraus. Meg verdrehte ihre Augen.
"Tim das geht Dich gar nichts an."
"Und ob mich das etwas angeht." sagte Tim ärgerlich "Ich habe doch mit eigenen Augen gesehen, dass er Dich hintergeht."
"Das würde Ben niemals tun." entgegnete Meg. Ben war inzwischen mit den Getränken zurückgekehrt.
"Ich würde was nicht tun?" wollte er wissen.
"Mich hintergehen." antwortete Meg und nahm Bens Hand.
"Nein, das würde ich nie tun, dazu liebe ich Dich viel zu sehr."
"Ich habe es aber heute doch mit eigenen Augen gesehen." zischte Tim.
"Sie haben was gesehen?" wollte Ben wissen.
"Ich habe Sie heute Nachmittag mit Sara gesehen und das Sie ihr die Kette geschenkt haben, die Sie heute morgen gekauft haben, als Sie auf Meg gewartet haben." sagte Tim wütend. "Moment mal, ich habe Sara gar nichts geschenkt. Warum sollte ich das tun?" wollte Ben wissen. "Weil Sie ein eiskalter Hund sind, der Meg mit Ihrer eigenen Schwester betrügt."
"Das tue ich nicht." sagte Ben "Ich könnte Meg sowas nie antun."
"Sie haben es aber getan, ich habe es selber gesehen." Tim ließ sich nicht davon abbringen, schließlich wusste er ja, was er gesehen hatte.
"Gibt es irgendwelche Probleme hier?" hörte Tim plötzlich eine bekannte Stimme hinter sich sagen.
"Oh mein Gott." sagte er, als er sich umdrehte.
"Der bin ich ja nun wirklich nicht." sagte Derek und sah Tim mit einem eiskalten Blick an. "Wenn Ihnen etwas an Ihrem Job in Sunset Beach liegt, dann lassen Sie meinen Bruder und seine Freundin gefälligst zufrieden."
Nun war auch Sara herangetreten.
"Was ist denn hier los?" wollte sie gleich wissen.
"Ich denke Tim steckt mal wieder seine Nase in Dinge, die Ihn gar nichts angehen." sagte Derek und sah Sara an. "Geht es Dir besser, Liebling?"
"Ja, danke." Sara nickte.
Tim starrte mit offenen Mund von einem zum anderen.
"Ich denke Du gehst jetzt besser Tim und läßt uns ein für alle mal in Ruhe." sagte Meg zu ihm. "Aber Meg..." begann Tim, doch diese winkte gleich ab.
"Spar Dir das Tim, ich will nichts mehr hören."
Tim stellte zerknirscht fest, dass er im Moment hier nichts ausrichten konnte und verließ auf dem schnellsten Weg das Buckerroo.
Ben drehte sich zu Derek und Sara um.
"Wollt Ihr Euch nicht zu uns setzten?" fragte er.
Derek und Sara nickten und setzten sich.
Michael und Vanessa tranken eine Tasse Kaffee in der Krankenhauscafeteria.
„Wie lange dauert das denn?“ fragte Michael ungeduldig. Vanessa legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm.
"Du hast doch gehört, was Rae gesagt hat. Sobald sie etwas weiß, gibt sie uns sofort Bescheid." "Ja, aber ich wünschte es wäre bald. Diese Ungewißheit macht mich noch fertig", erwiderte Michael.
"Ja, ich weiß. Geht mir genauso."
"Michael?", hörten sie in diesem Moment eine überraschte Stimme. Virginia tauchte hinter den beiden auf. "Wie um alles in der Welt hast Du davon erfahren?", fragte sie. "Ich habe dich extra nicht angerufen, weil ich Dich nicht unnötig beunruhigen wollte?"
"Casey hatte... Moment, was wolltest Du mir nicht sagen?"
"Jimmy liegt hier im Krankenhaus", antwortete Virginia.
"Was?"
"Ja, der Arme ist mit dem Fahrrad gestürzt und hat sich das Schlüsselbein gebrochen. Ist hier zur Beobachtung. Morgen kann er schon wieder raus."
"Jimmy liegt hier?", meinte Michael überrascht und leicht beunruhigt. "Ich muß ihn sehen. Wo ist er?"
"Zimmer 239. Wenn Du nicht wußtest, daß Jimmy hier ist, warum bist Du denn dann da?"
"Ich erkläre es Ihnen", meinte Vanessa, während Michael sich auf den Weg zu Jimmys Zimmer machte.
Also Caitlin, Sean und Tiffany Olivias Krankenzimmer betraten, lag diese weinend in Gregorys Armen. Caitlin ging sofort auf die beiden zu.
"Mom, was ist denn nur passiert? Warum weinst Du denn?"
Olivia hob ihren Kopf und sah sie an. Caitlin strich ihr über den Kopf.
"Ich weiß, daß es jetzt schrecklich aussieht, aber die Wunden darunter werden verheilen ..." Gregory unterbrach Caitlins Redeschwall.
"Das ist es nicht, Schatz. Ich habe Deiner Mutter gerade von dem Unfall erzählt."
Caitlin sah ihren Vater entsetzt an.
"Du hast es ihr erzählt? ... mein Gott!" Sie atmete tief durch.
Tiffany und Sean standen vor Olivias Bett und hielten sich schweigend an den Händen. Olivia betastete wieder ihr Gesicht.
"Diese Wunden werden verheilen," sagte sie gedankenverloren," aber was ist mit dem jungen Mann, dessen Leben ich aufs Spiel gesetzt habe?" Sie warf einen verzweifelten Blick zu Caitlin und Gregory hinüber. Gregory sah betreten zu Boden. Caitlin ergriff das Wort.
"Sie haben ihn ins Krankenhaus nach Los Angeles gebracht," sagte sie. "Dort ist er in guten Händen und wird schon bald wieder gesund sein!" Sie biß sich auf die Lippen. Das war eine Lüge, denn sie war sich nicht mal so sicher, ob Casey seine schweren Verletzungen überhaupt überleben würde! Sie wollte ihrer Mutter nur nicht noch mehr Aufregung zumuten, als sie ohnehin schon hatte.
Gregory warf Caitlin einen überraschten Blick zu, und sie schüttelte unmerklich den Kopf. Olivia richtet sich auf.
"Ist das wahr, Caitlin? Seine Verletzungen sind nicht so schlimm, und er wird wieder gesund werden?“
Tiffany holte tief Luft, und Sean warf ihr einen ermahnenden Blick zu.
"Ja, Mom. Er wird wieder gesund werden!" Caitlin drehte den Kopf zur Seite, damit ihre Mutter ihr die Lüge nicht an der Nasenspitze ansehen konnte. Erleichtert ließ sich Olivia zurück in die Kissen sinken.
"Gott sei dank!" sagte sie und faltete die Hände. Gregory räusperte sich.
"Ich glaube, Kinder, Eure Mutter braucht jetzt Ruhe," sagte er bestimmt. Sean beugte sich über Olivia und gab ihr einen Kuß.
"Ich komme nachher wieder vorbei, Mom."
Caitlin drückte ihrer Mutter die Hand.
"Schlaf' ein bisschen, damit Du bald wieder auf den Beinen bist!" Sie wollte sich wegdrehen, doch Olivia hielt ihre Hand fest.
"Danke!"
Caitlin sah sie überrascht an.
"Wofür?" fragte sie, obwohl sie ahnte, was Olivia ihr als Antwort geben würde.
"Dafür, daß Du mir Hoffnung gemacht hast!"
Caitlin zwang sich zu einem Lächeln.
"Ja, Mom, ... und nun schlaf' etwas."
Nachdem Sean, Tiffany und Caitlin das Zimmer verlassen hatten, beugte sich auch Gregory zu Olivia hinunter.
"Bitte, Gregory, bleib' noch etwas!" bat sie. Er nickte und zog sich einen Stuhl heran. Vorsichtig ergriff er ihre Hand.
Olivia schloß die Augen, und nur wenige Augenblicke später war sie eingeschlafen.
Michael betrat Jimmys Krankenzimmer.
"Daddy?", rief Jimmy überrascht. "Cool, daß Du da bist."
"Na, wie geht’s, Sportsfreund?"
"Es geht", meinte Jimmy leicht wütend. "Jedenfalls darf ich jetzt erstmal kein Rad mehr fahren. Das ist nicht so toll. Hat Mum Dich angerufen?"
"Nein, antwortete Michael nach einer kleinen Pause. "Ich wußte gar nicht, daß Du auch hier bist." Er zögerte einen Moment. "Casey ist hier eingeliefert worden."
"Ach ja? Was hat er denn?"
"Auch einen Unfall gehabt."
"Aber es ist doch hoffentlich nichts Ernstes?"
"Nein, nichts Ernstes," log Michael. "Er kommt wahrscheinlich genauso schnell wieder auf die Beine, wie Du."
Jimmy grinste plötzlich.
"Cool, daß Casey auch hier liegt. Dann kann ich ihn vielleicht später mal besuchen, muß ja noch bis morgen hierbleiben."
"Äh, weißt Du, ich denke, es ist nicht so gut, wenn Du Casey heute noch besuchst."
"Warum nicht? Wenn er doch nichts Ernstes hat."
"Äh, ja, aber er brauch vor allem Ruhe, hat der Arzt gesagt. Das verstehst Du doch, oder?" Jimmy nickte.
"Gut“, meinte Michael. "Ich schau später noch mal vorbei, okay?"
"Okay, grüß Casey von mir, und die anderen auch alle."
"Ja, mach ich", meinte Michael mit einem Lächeln, zu dem er sich durchringen mußte.
Nachdem Ricardo das Krankenhaus verlassen hatte, führte ihn sein erster Weg zu Madame Carmens Häuschen am Strand. Ohne anzuklopfen ging er hinein. Madame Carmen stand langsam auf und ging auf ihren Sohn zu. Vorsichtig berührte sie seine Wunde am Kopf. Sie sagte einige spanische Worte und seufzte tief.
"Du hast es die ganze Zeit gewußt, nicht wahr, Mama?" fragte Ricardo anklagend.
Madame Carmen nickte.
"Ich sah es in den Karten." gab sie zu.
Ricardo schüttelte den Kopf.
"Und Du hast es nicht für nötig gehalten, mich zu warnen?" fragte er fassungslos. Auf ihrem Gesicht spiegelte sich Traurigkeit wieder.
"Setz' Dich, Ricardo!" forderte sie ihren Sohn auf, und widerwillig gehorchte er. "Ich werde Dir jetzt etwas über "Kismet" erzählen ..." Sie nahm einige Karten und legte sie vor sich aus. "Ich kann das Schicksal eines Menschen in den Karten lesen, aber ich darf es nicht verändern. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz." Sie atmete schwer. "Ich habe schon sehr oft dieses Gesetz gebrochen und damit nur noch mehr Unheil heraufbeschworen."
Ricardo sah seine Mutter kopfschüttelnd an.
"Es hätte wohl kaum schlimmer kommen können!" sagte er bitter. Er sah sie mit schmerzverzerrtem Gesicht an. "Hilf' mir, Mama!" flehte er. "Nur dieses eine Mal, bitte!"
Sie nickte und starrte auf die Kugel vor sich. Während sie ihre Augen schloß und ihre Hände vorsichtig die Kugel berührten, schaute ihr Ricardo fasziniert zu.
"Was möchtest Du über Dein Schicksal wissen?" fragte sie und hielt die Augen weiterhin geschlossen. Ricardo schluckte.
"Mein Schicksal ist unwichtig," brachte er hervor. "Ich möchte wissen, ob Casey wieder gesund wird?"
Madame Carmen öffnete kurz die Augen und sah ihren Sohn an.
"Sein Schicksal wird auch Deines sein," sagte sie weise. Sie schloß wieder die Augen und fuhr mit ihren Händen um die Kugel herum. Als sie sie wieder öffnete, sah Ricardo sie neugierig an.
"Was hast Du gesehen?" fragte er ungeduldig. Sie sah ihn an und schüttelte traurig den Kopf. "Es tut mir leid, mein Sohn, aber ich kann keine Verbindung herstellen."
Ricardo krampfte sich der Magen zusammen.
"Soll das bedeuten, daß er ...?" Er sprach die Worte nicht aus, denn er fürchtete sich vor der Wahrheit. Abrupt sprang er auf. "Ich muß nach Los Angeles ...!"
Ohne sich noch einmal nach seiner Mutter umzudrehen, rannte Ricardo aus dem Haus.
Langsam ging es auf Mitternacht zu. Ben, Meg, Sara und Derek hatten eine Menge Spaß im Buckerroo. Natürlich trafen Sara und Meg viele alte Freunde wieder und Ben und Derek sorgten für einige Verwirrung. Während einer Tanzpause, als Ben und Derek frische Getränke für sie alle holten, zeigte Sara Ihrer Schwester die Kette, die sie von Derek geschenkt bekommen hat.
"Oh Sara, die ist wunderschön." sagte Meg. "Derek hat sich wirklich sehr verändert in letzter Zeit und wie es aussieht, liebt er Dich wirklich."
Sara nickte und strahlte Meg an.
"Ja, ich denke es hat Ihm richtig gut getan, dass er und Ben sich ausgesprochen haben. Derek hat mir sogar gesagt, dass er mich liebt, dass hat er früher nie getan."
Meg drückte die Hand Ihrer Schwester.
"Sara ich freue mich für Dich. Nein," korrigierte sie sich selber "ich freue mich für Euch beide." "Worüber freust Du Dich?" fragte Ben, der gerade zusammen mit Derek an den Tisch zurückgekehrt war.
"Über Euch beide, dass Ihr Euch ausgesprochen habt und darüber, dass Derek sich gegenüber Sara geöffnet hat." antwortete Meg.
Derek wurde leicht verlegen und legte seinen Arm um Sara.
"Aber ohne Sara hätte ich das nie geschafft."
Ben schaute auf seine Uhr.
"Leute, ich will ja kein Spielverderber sein, aber es ist schon nach Mitternacht und wir haben Joan und Hank versprochen, morgen gemeinsam mit Ihnen zu Frühstücken bevor wir wieder zurück fliegen." Meg nickte.
"Du hast recht, wir sollten langsam austrinken und gehen. Kommt Ihr zwei mit?" fragte sie Derek und Sara.
"Natürlich," nickte Sara "wenn ich ehrlich bin, ich könnte im Stehen einschlafen."
„Warum hast Du denn nichts gesagt, dann wären wir schon eher gegangen?" fragte Derek.
Sara lächelte ihn an.
"Ich wollte uns nicht den schönen Abend verderben." antwortete sie.
"Na dann kommt." sagte Meg und die vier verließen zusammen das Buckerroo.
"Michael, Vanessa." Nachdem Rae die beiden angesprochen hatten, sprangen sie wie auf Kommando hoch.
"Wie geht es ihn?", fragte Michael sofort. Rae zögerte einen Moment.
"Er hat die Operation überstanden. Aber..."
"Aber?", fragte Vanessa besorgt.
"Casey hat keine Milz mehr, und nur noch eine Niere. Beides mußte entfernt werden. Und sein linker Arm ist auch gebrochen."
"Du liebe Güte", sagte Vanessa entsetzt.
"Und das ist noch nicht das schlimmste." Sie nahm Michael und Vanessa ein Stück beiseite, näher zum Fenster. Und erst jetzt, als das Licht der untergehenden Sonne sich auf Raes Gesicht widerspiegelte, erkannte Vanessa, daß sie geweint hatte. "Ein Rückennerv ist eingequetscht. Nichts, was sich nicht beheben könnte, durch eine weitere Operation", fügte sie rasch hinzu. "Aber für diese zweite Operation ist er im Moment noch zu schwach. Und solange", sie holte tief Luft, "ist Casey vom Rücken abwärts gelähmt."
"Du liebe Güte."
"Aber, nach der zweiten Operation, kann er doch wieder gehen?"
"Vielleicht", meinte Rae. "Vielleicht aber auch nicht." Und plötzlich konnte sie sich nicht beherrschen und brach unter Tränen zusammen.
"Ist ja gut. Das wird schon wieder", meinte Vanessa tröstend und schloß Rae in die Arme., während Michael fast wie in Trance aus dem Fenster starrte.
Ricardo kam völlig übermüdet im Krankenhaus an, in das Casey eingeliefert wurde. In der Halle lief er Vanessa über den Weg.
"Ricardo", meinte sie überrascht. "Was machst Du denn hier?"
"Ich habe es in Sunset Beach nicht mehr ausgehalten, da bin ich hergefahren. Wie geht es Casey?"
Vanessa blickte ihn besorgt an.
"Das hättest Du nicht tun sollen. Immerhin hast Du bei dem Unfall auch was abgekriegt."
Ricardo fuhr sich mit der Hand über die Stirn, genau da, wo das große Pflaster klebte.
"Du meinst das hier? Das ist gar nichts. Nein, ich bin im wahrsten Sinne des Wortes mit ein paar Schrammen davongekommen. Und das verdanke ich nur Casey." Er wiederholte seine Frage: "Wie geht es ihm, Vanessa?"
Sie schüttelte den Kopf.
"Heißt das, er ist..."
"Nein, nein. Er lebt", versicherte Vanessa rasch. "Aber es hat ihn schlimm erwischt. Eine Niere mußte ihm entfernt werden, und die Milz. Ein Arm ist gebrochen, und..."
"Und?"
"Casey ist von den Beinen abwärts gelähmt."
"Oh nein", stöhnte Ricardo entsetzt.
"Vielleicht ist es nur vorübergehend. Er muß wahrscheinlich später nochmal operiert werden." "Wenn Casey gelähmt bleibt", meinte Ricardo ernst, "dann ist das allein meine Schuld."
"Oh nein", versicherte Vanessa entschieden. "Mach Dir keine Vorwürfe. Nach dem was ich gehört habe, gibt es nur eine Person, die Grund dazu hat. Nämlich Olivia Richards."
Mark sah Gabi entsetzt an, nachdem er von ihr die Neuigkeit erfahren hatte, daß Olivia Richards betrunken Auto gefahren war. Ungläubig schüttelte er den Kopf.
"Weiß es Caitlin?" fragte er Gabi. Sie wollte gerade antworten, als sie sah, wie Caitlin um die Ecke bog. Sie hatte wohl Marks letzten Satz gehört und kam nun neugierig näher.
"Was soll ich wissen?" fragte sie mißtrauisch.
Mark und Gabi tauschten vielsagende Blicke aus.
"Nichts weiter," redete sich Mark heraus. Caitlin sah ihn prüfend an.
"Du lügst!" sagte sie bestimmt. "Deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, muß es was wichtiges sein."
Mark wich ihrem Blick aus, und Gabi atmete einmal tief durch, ehe sie Caitlin vorsichtig zur Seite zog.
"Okay," begann sie. "Ich werde es Dir sagen, aber Du mußt mir versprechen, daß Du niemandem davon erzählen wirst!" Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Schwöre es!"
Caitlin hob eine Hand und kreuzte den Zeige- und Mittelfinger.
"Ich schwöre es!"
Gabi räusperte sich.
"Wir kennen jetzt die Unfallursache." sagte sie und wartete auf Caitlins Reaktion.
"Ja, und?" fragte diese ungeduldig.
"Wir entnahmen bei Deiner Mutter eine Blutprobe ..." Gabi flüsterte die Worte nur. "Sie war betrunken, als sie den Unfall verursachte ...!"
Caitlin glaubte, sich verhört zu haben. Entsetzt und unfähig, sich zu bewegen, stand sie nur dort und starrte Gabi fassungslos an.
"Nein ...!" stieß sie dann hervor. Mark nickte.
"Doch, Caitlin, es ist leider wahr." Er sah, wie sie leichenblaß wurde. Schnell legte er einen Arm um ihre Schultern. Gabi sah sie mitfühlend an.
"Das muß ein Schock für Dich sein!" sagte sie. "Vielleicht hätte ich es Dir besser nicht sagen sollen."
Caitlin schüttelte monoton den Kopf.
"Doch... danke," presste sie hervor. Sie sah Gabi an. In ihren Augen standen Tränen. "Weiß es die ... Polizei?"
Gabi schüttelte den Kopf.
"Nein, denn die Blutanalyse habe ich vorhin erst gemacht."
Caitlin sah Gabi nachdenklich an. Ein bestimmter Gedanke ging ihr im Kopf herum. Sie wischte sich mit dem Handrücken übers Gesicht.
"Wer weiß außer Dir noch davon?"
Gabi runzelte die Stirn.
"Nur ich bisher, wieso?"
Caitlin holte tief Luft.
"Muss es denn unbedingt jemand erfahren?" fragte sie. "Es könnte doch auch ein normaler Unfall gewesen sein, ohne einen bestimmten Grund ...." Sie unterbrach sich. "Sowas passiert doch auch unter normalen Umständen."
Gabi sah sie entsetzt an.
"Du erwartest von mir, daß ich wichtige Beweismittel unterschlage?"
Caitlin schüttelte den Kopf.
"Nicht direkt ..."
Gabi sah sie verwirrt an.
"Was heißt, "nicht direkt"?"
"Kannst Du nicht einfach das Blut von jemand anderem nehmen, der dieselbe Blutgruppe hat wie meine Mom?"
Gabi schüttelte den Kopf.
"Das kostet mich meinen Job, wenn das rauskommt!"
"Bitte!" Caitlin sah sie flehend an. "Wenn Casey sterben sollte werden sie meine Mutter dafür ins Gefängnis stecken!" Caitlin schlug die Hände vors Gesicht, und Mark nahm sie schweigend in den Arm. Während sie sich an seiner Brust ausweinte, stand Gabi kopfschüttelnd neben den beiden und dachte über Caitlins Worte nach.
Keiner der drei jungen Leute hatte bemerkt, daß sie die ganze Zeit beobachtet wurden.
Gregory hatte sich, nachdem Olivia eingeschlafen war, auf dem Flur die Beine vertreten wollen. Sean und Tiffany waren ihm auf dem Flur entgegengekommen. Sie waren auf dem Weg nach Hause. Er hatte sich nach Caitlin erkundigt, und auf der Suche nach ihr entdeckte er sie in der Wartezone zusammen mit Gabi und Mark. Die drei taten so geheimnisvoll, und neugierig belauschte er ihr Gespräch. Gregory war über die Nachricht, daß Olivia am Steuer betrunken gewesen sein soll, nicht sonderlich erstaunt, wußte er doch, daß sie schon länger alkoholabhängig war. Trotzdem - er musste etwas unternehmen! Es ging ja schließlich nicht nur um Olivias Zukunft, sondern auch um seine, wenn die Polizei davon Wind bekommen würde.
Nachdenklich kratzte er sich am Kopf. Plötzlich kam ihm ein zündender Gedanke ...
Am nächsten Morgen, kamen Ben und Meg schon sehr zeitig in die Küche hinunter. Joan war gerade dabei, das Frühstück für alle zuzubereiten. "Guten Morgen, Mom." begrüßte Meg ihre Mutter. "Können wir Dir helfen?"
Joan blickte auf.
"Guten Morgen Ihr beiden. Nein, setzt Euch einfach, das Frühstück ist gleich fertig und Dein Vater müsste auch jeden Augenblick herein kommen."
Meg nahm die Kaffeekanne und goss Ben und sich je eine Tasse Kaffee ein.
"Danke." lächelte Ben sie an und setzte sich an den großen, gedeckten Küchentisch.
"Habt Ihr schon gehört, ob Sara und Derek auch schon auf sind?" fragte Joan.
"Sind wir." Sara und Derek betraten die Küche "Guten Morgen alle zusammen." begrüßten sie gemeinsam die Anwesenden.
"Guten Morgen" antworteten alle anderen.
"Oh, der Kaffee ist ja schon fertig." stellte Derek fest. Er nahm die Kanne und sah Sara an. "Darf ich?"
Sara verzog Ihr Gesicht.
"Ich glaube, ich trinke lieber wieder einen Tee."
"Wie Du meinst." sagte Derek und goss sich selber eine Tasse Kaffee ein.
Joan sah ihre jüngste Tochter mit gerunzelter Stirn an.
"Keinen Kaffee? Sonst hast Du doch immer gesagt, ohne Kaffee kann Dein Tag nicht starten." Sara stand auf und bereitete sich einen Tee zu.
"Ich weiß auch nicht, aber im Moment verursacht Kaffee Übelkeit bei mir. Muss wohl an der vielen Aufregung in letzter Zeit liegen." Bevor Joan noch etwas erwidern konnte, öffnete sich die Tür und Hank betrat die Küche.
"Guten Morgen zusammen." sagte er.
"Guten Morgen!" antworteten alle im Chor. "Setzt Dich, die Eier sind fertig." sagte Joan und stellte eine große Schüssel mit Rührei auf den Tisch. "Guten Apetitt." wünschte sie. Das brauchte sie den jungen Leuten nicht zweimal zu sagen, alle griffen zu und begannen zu essen.
"Auf Wiedersehen Sportsfreund, bis bald." Michael gab Jimmy einen vorsichtigen Klaps auf die Schulter, die noch heil war. Jimmy wurde wieder aus dem Krankenhaus entlassen und er stand mit Michael, Vanessa, Rae sowie Virginia, die eine kleine Tasche mit Jimmys Sachen trug, vor seinem Krankenzimmer.
"Schade, daß Casey mir nicht Auf Wiedersehen sagen kann", meinte Jimmy. Michael, Vanessa und Virginia blickten sich vielsagend an.
"Ähm ja", meinte Michael ausweichend. "Es tut ihm auch leid. Aber Ihr seht Euch bestimmt nochmal, versprochen."
Es folgten noch ein paar Abschiedsworte, dann gingen Virginia und Jimmy.
"Weißt Du Michael", begann Vanessa vorsichtig. "Ich hätte es besser gefunden, wenn Du Jimmy die Wahrheit gesagt hättest."
Michael blickte sie erstaunt an.
"Vanessa, was sagt Du da? Dazu ist er viel zu jung."
"Er ist immerhin alt genug gewesen, um ganz allein von Los Angeles nach Sunset Beach zu fahren. Du kannst ihn nicht ewig vor allem Negativen beschützen."
"Natürlich kann ich das nicht. Aber er ist erst acht. Er hat Casey sehr gemocht. Es würde ihn fertig machen."
Vanessa wollte gerade etwas antworten, als eine Frau, um die vierzig, mit mittellangem, blondem Haar hereingestürmt kam.
"Alex!", rief Michael sofort. Die beiden gingen aufeinander zu, und umarmten sich.
Alex Mitchums, Caseys Mutter, hatte rotgeweinte Augen.
"Wie geht es ihm, Michael?", fragte sie.
"Eigentlich ein Jammer, daß Du zum Arzt mußt", meinte Annie leicht schmollend. "Stell Dir mal vor, wir hätten den ganzen Vormittag im Bett bleiben können." Und sie ging auf ihn zu und gab ihm einen langen Kuß.
"Sehr verlockend", erwiderte Cole grinsend. "Aber ich glaube, Dr. Robinson wäre nicht gerade begeistert, wenn ich meinen Termin so plötzlich absagen würde. Außerdem", fügte er lächelnd hinzu, "willst Du doch nicht, daß ich einen plötzlichen Rückfall kriege, oder?"
"Na gut. Du hast mich überzeugt", gab Annie schließlich nach. Während des ganzen Gesprächs wich ihr Blick nicht von Coles Grübchen.
"Tante Bette scheint schon im Büro zu sein", sagte Annie leicht überrascht, nachdem sie zweimal nach ihrer Tante gerufen hatte, aber keine Antwort kam. "Seltsam. Normalerweise ist sie um diese Zeit noch hier. Weißt Du was, Cole. Ich begleite Dich zu Deinem Termin. In einer Stunde habe ich sowieso auch noch mal eine Nachuntersuchung wegen der Fehlgeburt. Und wenn Du dann auch brav auf mich wartest, könnten wir doch anschließend direkt runter zum Strand gehen. Was meinst Du?"
"Eine ausgezeichnete Idee, Annie."
Annie warf eine Blick auf die Zeitung, die Bette offenbar schon hereingeholt hatte, und die ausgebreitet auf dem Tisch lag.
"Warm läßt sie denn
die Zeitung so offen hier liegen?", fragte sich Annie. Es sah so aus, als ob
Bette, während sie einen Artikel las, schlagartig aufgesprungen und davongeeilt
war. Und dann sah Annie den Artikel:
Olivia Richards bei Unfall schwer verletzt
Die bekannte Olivia Richards, Besitzerin des lokalen Radiosenders und Ehefrau
des nicht minder bekannten Anwalts und Geschäftsmannes Gregory Richards, hat
sich bei einem Autounfall schwere Verletzungen zugefügt. Aus noch ungeklärten
Umständen, ist Mrs Richards gestern Nachmittag auf der Ocean Avenue mit ihrem
Wagen von der Straße abgekommen und gegen eine Palme gefahren. Sie wurde
umgehend in die South Bay Klinik transportiert. Über ihren Gesundheitszustand
ist uns noch nichts bekannt. Es wurde noch eine weitere Person in den Unfall
verwickelt, die ins Krankenhaus nach Los Angeles überwiesen wurde. Genauere
Informationen über den Gesundheitszustand der weiteren Person sind uns ebenfalls
noch nicht bekannt.
"Du liebe Zeit", stöhnte Annie auf.
"Was gibts denn?", wollte Cole wissen. Annie reichte ihm die Zeitung, und Cole las den Artikel.
Vor dem Eingang der Highschool verabschiedete sich Sean von Tiffany. Eigentlich hatte er seine Gedanken nun wirklich nicht bei der Schule, sondern im Krankenhaus bei seiner Mutter. Aber Gregory und Caitlin hatten ihn überzeugt, zu gehen, schließlich war Olivias Zustand ja zum Glück nicht mehr kritisch, und wenn sic doch etwas ereignen würde, würden sie sofort anrufen.
"Sean", hörte er plötzlich eine wohl bekannte Stimme hinter sich. Leicht verwundert drehte er sich um. Amy hatte nicht mehr mit ihm gesprochen, seit sie sich damals im Streit getrennt hatten.
"Sean", begann sie, "ich hab das mit Deiner Mutter in der Zeitung gelesen. Tut mir wirklich leid." "Danke", meinte Sean, obwohl ihm bei Amys Tonfall plötzlich der Gedanke kam, daß sie weniger Mitleid empfand, als Freude, wieder einen Vorwand zu haben, um mit Sean reden zu können. "Wenn Du irgendwen brauchst, mit dem Du Dich unterhalten kannst, bin ich immer für Dich da", fügte sie auch gleich hinzu.
"Das ist nett von Dir", erwiderte Sean höflich. Dann aber fügte er hinzu: "Ich habe aber Tiffany."
Abrupt drehte sich Amy um und ging davon.
"So, Du hast also Tiffany", sagte sie später, als sie sicher war, daß Sean außer Hörweite war. "Aber wir wollen doch mal sehen, wie lange noch."
Als Alex, Michael und Rae Caseys Krankenzimmer verließen, war er noch immer unter Narkose von der Operation.
"Ich verstehe das nicht. Wie konnte das nur passieren? Wie konnte es nur zu diesem Unfall kommen?"
Michael und Rae zögerten einen Moment, dann erwiderte Michael:
"Was genau die Ursache war, weiß ich auch nicht, aber..."
"Aber?"
"Feststeht, daß Olivia Richards am Steuer des Unfallwagens saß."
"Olivia", sagte Alex entsetzt. "Und wie geht es ihr?"
"Sie ist nicht in Lebensgefahr. soweit ich weiß", erklärte Michael. "Aber ich vermute, sie war die Unfallverursacherin."
"Das war sie mit Sicherheit", erklärte Vanessa, die in diesem Moment über den Gang kam, entschieden. "Sie hätte mich kurz vor dem Unfall fast von der Straße abgedrängt. Sie ist Schlangenlinien gefahren. Ich bin davon überzeugt, sie war betrunken."
Michael und Alex blickten sie sprachlos an.
Nachdem Caitlin sich bei Mark ausgeweint und etwas beruhigt hatte, sah sie Gabi fragend an. Diese schüttelte bedauernd den Kopf.
"Du weißt," sagte sie eindringlich," daß ich Dir helfen würde, wenn ich könnte, aber ..." fügte sie hinzu, " das kann ich einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren! Tut mir leid!"
Caitlin nickte unter Schluchzen.
"Ja, ich verstehe Dich, und es tut mir leid, daß ich Dich zu einer Straftat überreden wollte!" Sie holte sich ein Taschentuch aus ihrer Tasche und putzte sich die Nase. "Ich weiß gar nicht, was in mich gefahren ist, Dich das zu fragen!" Caitlin schüttelte über sich selber den Kopf.
Gabi lächelte gequält.
"Ist schon okay. Du stehst noch unter Schock. Da sagt man vieles, was man nicht so meint." Caitlin nickte.
"Ja, es ist wirklich ein Schock für mich gewesen, erfahren zu müssen, daß meine Mutter wieder trinkt."
Mark horchte auf.
"Wieder trinkt?" Er sah sie mit großen Augen an. "Soll das heißen, daß sie früher schon mal alkoholabhängig war?"
Caitlin nickte traurig.
"Ja, früher begann sie schon morgens zu trinken, doch seit einiger Zeit schien es ihr wieder besser zu gehen ..." Ihre Stimme versagte. "Und nun muß auch noch dieser schreckliche Unfall passieren!" Die Tränen rollten wieder unkontrolliert die Wangen hinunter. Mark nahm sie wieder in seine Arme.
"Ach, Caitlin, es ist aber doch nicht Deine Schuld!"
Gabi räusperte sich.
"Seid mir bitte nicht böse, aber ich bin zum arbeiten hier. Es warten noch einige Laborarbeiten auf mich." Sie verabschiedete sich und ging den Flur entlang.
Mark sah Caitlin besorgt an.
"Ich glaube, Du brauchst jetzt etwas Ruhe!"
Sie sah ihn dankbar an.
"Soll ich Dich nach Hause bringen?" fragte er. Caitlin nickte.
"Ich sage nur gerade meinem Dad bescheid." Caitlin machte sich auf den Weg zu Olivias Krankenzimmer.
Eddie Connors war schlechter Laune. Er konnte sich einfach nicht an den Abend mit Annie erinnern. Er wußte nur noch, daß er am nächsten Morgen in seinem eigenen Bett aufwachte, mit starken Kopfschmerzen. Und es war genau der Ort, an dem er nicht aufwachen wollte. Auch jetzt, einen weiteren Tag später, konnte er sich noch immer an nichts erinnern. Und die Kopfschmerzen waren auch nicht wirklich besser geworden.
In diesem Augenblick pochte jemand an seine Tür, und zwar so laut, daß Eddie befürchtete, sein Trommelfell würde zerreißen.
"Ich komme ja schon", grummelte er und öffnete die Tür. Gregory Richards stand davor, mit einem grimmigen Gesicht.
"Connors, sie sind der größte Idiot, den ich kenne."
"Wie bitte?", meinte er erstaunt.
"Ich nehme an, Sie waren neulich Abend mit Annie Douglas verabredet?"
"Woher wissen Sie das?", forschte Eddie. Doch Gregory antwortete mit einer Gegenfrage: "Wieviel zu trinken hat sie ihnen gegeben?"
Eddie antwortete nicht.
"Ich sehe schon", keifte Gregory. "Jedenfalls genug, daß sie nicht mehr her ihrer Sinne waren." Eddie blickte ihn verunsichert an.
"Es existiert ein gewisses Tonband, auf dem sie ein sehr ausführliches Geständnis ablegen. Über eine gewisse Nacht. Und einen gewissen Sturz, vom Gerüst."
"Verdammt", zischte Eddie.
"Aber das ist im Moment meine kleinste Sorge", meinte Gregory grimmig. "Dieses Tonband ist kein Beweis. Und wenn Deschanel es an die Öffentlichkeit bringt, mache ich ihn wegen Rufmord fertig. Oder aber Connors", er lächelte teuflisch, "schiebe ich die Schuld auf sie allein."
"Oh nein", konterte Eddie. "Das werden Sie nicht. Wenn Sie das tun, packe ich richtig aus." Gregory lächelte kühl.
"Das würde ich Ihnen nicht raten. Ich habe meine Mittel und Wege, heil aus dieser Sache herauszukommen. Und dreimal dürfen Sie raten, wen ich dafür ans Messer liefern würde." Dann änderte sich sein Tonfall. "Aber Sie haben Glück, Connors. Ich habe da ein paar Informationen gesammelt, die Deschanel noch eine negative Überraschung bereiten werden. Aber zunächst beschäftigt mich etwas anderes. Sie haben eine Chance, Ihren Fehler auszubügeln. Es gibt nämlich etwas, was Sie für mich erledigen müssen."
Auf der Cummings Farm hatten inzwischen alle ihr Frühstück beendet. Ben und Derek waren gerade dabei, das Gepäck in den Mietwagen zu packen.
"Seid Ihr auch sicher, dass wir Euch nicht zum Flughafen bringen sollen?" fragte Joan erneut besorgt.
"Mom," antwortete Meg "Du und Dad, Ihr habt genug Arbeit hier. Außerdem muss Ben den Leihwagen eh wieder am Flughafen abgeben."
"Es fällt mir doch nur so schwer, schon wieder Abschied von Euch zu nehmen."
Meg umarmte Ihre Mutter.
"Mom, Du weißt dass es uns gut geht, und Du weißt, dass Ihr jederzeit bei uns in Sunset Beach willkommen seid."
"Ja, ich weiß." seufzte Joan "Aber das macht den Abschied doch nicht leichter."
"Mom," schaltete sich nun auch Sara ein, "ich weiß, dass Ihr Euch sehr viele Sorgen um mich gemacht habt, aber das ist wirklich nicht nötig, mir geht es gut. Ich liebe Derek und er liebt mich."
Joan nickte.
"Du hast recht, er
hat sich sehr zu seinem Vorteil verändert." gab Joan zu.
Draußen am Auto stand Hank mit Derek und Ben zusammen.
"Ich hoffe Ihr gebt gut auf meine beiden Mädchen acht." sagte Hank.
"Hank, ich verspreche Ihnen, dass es Meg bei mir an nichts fehlen wird. Ich liebe sie über alles." sagte Ben.
"Und Sara ist das beste was mir je passiert ist." gab Derek zu. "Ich hätte nie gedacht, dass ich für eine Frau jemals soviel empfinden würde, wie für sie."
Hank sah die beiden jungen Männer an.
"Ihr wisst, dass ich Euch das Wertvollste, was ich besitze, anvertraue. Eines Tages, wenn Ihr selber einmal Kinder habt, werdet Ihr das verstehen."
"Bis dahin wird es aber noch eine Weile dauern," lachte Derek, "zunächst einmal möchte ich mein Leben mit Sara genießen."
In diesem Augenblick kamen Joan und die beiden Schwestern aus dem Haus. Ben legte seinen Arm um Megs Taille und sah sie zärtlich an.
"Seid Ihr fertig?" fragte er. Meg nickte.
"Ja."
Ein letztes Mal umarmten sich alle.
"Ruft an, wenn Ihr zu Hause seid." sagte Joan.
"Und macht mir meine Mädchen glücklich." sagte Hank. "Ansonsten werde ich ganz schnell in Sunset Beach sein und ein Wörtchen mit Euch reden."
"Keine Sorge, Hank." sagten Ben und Derek gleichzeitig. Nach ein paar Umarmungen mehr, stiegen endlich alle in das Auto und Ben fuhr los. Joan und Hank winkten Ihren Kindern nach.
Caitlin stand am Bett ihrer schlafenden Mutter und hielt ihr die Hand.
"Was ist nur passiert Mum?", dachte sie. "Warum hast Du denn wieder zur Flasche gegriffen. Es sah doch gerade so gut aus." Sie streichelte ihrer Mutter die Hand, als Schwester Roxi herein kam.
"Entschuldigen sie bitte, Miss Richards. Ich muß Sie bitten, jetzt das Krankenzimmer zu verlassen. Sie können im Gang warten."
Caitlin nickte und ging anschließend heraus, während sie sich noch einmal zu ihrer Mutter umdrehte. Kaum war sie auf dem Flur, hörte sie eine ihr wohlvertraute Stimme.
"Caitlin", meinte Cole. Caitlin drehte sich zu ihm herum, und sah, daß er direkt hinter ihr stand. Einige Meter weit entfernt, stand Annie Douglas, die sich ausnahmsweise einmal in Caitlins Gegenwart zurückhielt.
"Cole", meinte Caitlin in einer leicht schrillen Stimme. "Was willst Du?"
"Ich habe gleich wieder einen Termin zur Nachuntersuchung bei Dr. Robinson. Aber vorher wollte ich mal vorbeischauen. Wie geht es Deiner Mutter?"
"Nicht sonderlich gut. Aber sie wird es überstehen."
"Das freut mich. Das sie es überstehen wird, natürlich."
"Danke." Keiner von beiden schien so recht zu wissen, was er dem anderen sagen sollte.
"Hör zu Caitlin", begann Cole. "Du mußt mir glauben, daß ich niemals vorhatte, Dich irgendwie zu verletzen."
"Mag sein", erwiderte Caitlin kurz angebunden. "Ich hatte auch nicht vor, Dir weh zu tun. Wenn Du mich jetzt entschuldigst, ich möchte mir einen Kaffee holen." Sie wandte sich rasch um und eilte davon. Doch auf halbem Weg drehte sie sich noch einmal um, und rief Cole hinterher.
"Cole, das war sehr lieb von Dir, daß u nach meiner Mum gefragt hast."
Sie lächelte ihm zu, er lächelte zurück, und sie gingen in getrennte Richtungen davon.
Als Cole wieder bereits auf dem Weg zum Fahrstuhl war, stießen er und Annie mit Gregory Richards zusammen.
"Was wollen Sie hier?", fragte Gregory scharf. "Lassen Sie es sich ja nicht einfallen, meine Frau zu belästigen. In diesem Zustand."
Annie stieß einen verächtlichen Grunzer aus, während Cole Gregory kalt musterte.
"Ich habe lediglich mit Caitlin gesprochen. Das ist alles."
Gregory wurde leicht blaß um die Nase:
"Mit Caitlin, worüber?"
"Beunruhigt Gregory?", fragte Annie zynisch.
"Offensichtlich", bestätigte Cole. "Ich glaube, er hat Angst, daß ich mit Caitlin über etwas ganz bestimmtes rede. Zum Beispiel ein Tonband", fügte er vielsagend hinzu.
"Haben Sie?"
"Nein", erwiderte Cole. "Noch nicht. Nicht jetzt, wo ihre Mutter im Krankenhaus liegt."
Plötzlich gewann Gregory sein Selbstvertrauen zurück.
"Das wage ich zu bezweifeln", meinte er überzeugt.
"Ach ja? Und warum?", forschte Cole. Gregory kramte in seinem Aktenkoffer.
"Schleppst Du den eigentlich überall mit hin, Gregory?", fragte Annie frech. Doch Gregory beachtete sie nicht, sondern holte stattdessen ein Dokument hervor, daß er Cole mit den Worten "Ich denke, das dürfte sie interessieren", übereichte.
Cole las das Dokument, und Annie fiel auf, daß er mit der Fassung rang.
"Interessant, nicht wahr?", sagte Gregory mit einem triumphierenden Lächeln. "Ich muß schon sagen, eine feine Verwandtschaft haben sie da. Ihr Vater hat ziemlich viel Dreck am Stecken, und ihre Schwester scheint schon ganz in seine Fußstapfen zu treten. Erstaunlich, wie es Ihr Vater in allen Fällen geschafft hat, mit heiler Haut davonzukommen. Aber das kann sich schnell ändern. Und ich versichere Ihnen, Deschanel, wenn Caitlin, oder irgendeine andere Menschenseele durch Sie von diesen üblen Verleumdungen wegen des Baugerüsts erfährt, dann sind Ihr Vater und Ihre Schwester die ersten, die dafür bezahlen müssen."
Cole blickte Gregory an, als würde er ihm am liebsten den Hals rumdrehen, während sich Gregory mit einem zufriedenen Lächeln entfernte.
"Endlich wieder zu Hause!" Sara ließ sich aufs Sofa fallen und gähnte. Derek lächelte und ging dann zum Briefkasten, um die Post rauszunehmen. Achtlos warf er die neueste Ausgabe vom "Sentinel" auf den Tisch und ging wieder hinaus, um die letzten Koffer reinzuholen. Die große Überschrift fiel Sara sofort ins Auge.
"Schwerer Unfall auf der Ocean Avenue". Neugierig begann sie zu lesen.
"Ist irgendwas Aufregendes während unserer Abwesenheit passiert?" fragte Derek, als er das Haus wieder betrat. Sara schaute geistesabwesend hoch.
"Es gab einen schweren Unfall," sagte sie. "Die Frau von Gregory Richards soll schuld daran gewesen sein."
Derek nahm Sara die Zeitung aus der Hand und überflog die Zeilen.
"Mein Gott, ob Ben es schon weiß? Vielleicht sollte ich ihn anrufen."
Sara nickte.
"Ja, mach' das. Ich gehe nach oben und lege mich etwas hin."
Derek sah sie besorgt an.
"Alles okay mit Dir? Du siehst ganz blass aus."
Sara rieb sich die Stirn.
"Ich weiß auch nicht. Ich fühle mich schon seit ein paar Tagen nicht so gut."
Derek nickte.
"Ja, ich weiß. Vielleicht solltest Du Dich mal untersuchen lassen. Möglicherweise fehlen Dir irgendwelche Vitamine?"
Sara grinste.
"Seit wann bist Du Arzt?" fragte sie schelmisch. "Nein, ich denke, es liegt am Klimawechsel. In Ludlow ist eine ganz andere Luft als hier, und frische Landluft macht eben müde."
Derek runzelte die Stirn.
"Ja, mag schon sein ... Gut, dann leg' Dich ein wenig hin, und ich rufe jetzt Ben an." Er griff zum Telefonhörer und wählte Bens Nummer.
Nachdem Ben und Meg nach Hause gekommen waren, hatte Ben sofort den Anrufbeantworter abgehört. Bette hatte ihm die Nachricht von Olivia Richards Unfall auf Band aufgesprochen, und er hatte sich sofort auf den Weg ins Krankenhaus gemacht, um mehr Informationen zu bekommen. Da Ben auf dem Weg ins Krankenhaus war, nahm Meg Dereks Anruf entgegen. Sie teilte ihm kurz mit, daß sie und Ben schon vom Unfall erfahren hätten und das Ben bereits auf dem Weg in die Klinik wäre. Nachdem sie aufgelegt hatte, beschloß Meg, beim Surf Central vorbeizuschauen. Ben würde sie sicher auf ihrem Handy anrufen, wenn es Neuigkeiten geben würde. Meg zog sich um und machte sich dann auf den Weg zum Surf Center. Kaum hatte sie die Tür geöffnet, kam ihr Mark entgegen.
"Hi Mark!" grüßte sie ihn freundlich und lächelte. "Sind alle ausgeflogen?" Neugierig schaute sie sich um. "Wo sind die anderen?"
Mark schluckte.
"Wie war's in Ludlow, Meg?" versuchte er ihrer Frage auszuweichen.
"Schön, danke der Nachfrage, und was war hier los?"
Mark sah sie an.
"Du weißt es noch nicht?"
Meg runzelte die Stirn.
"Was denn? Wovon redest Du?"
Mark sah zu Boden.
„Ich rede von dem Unfall ..."
"Ach ja, der Unfall auf der Ocean Avenue," unterbrach Meg ihn. "Ben ist deswegen im Krankenhaus. Er will sich über Olivia Richards Gesundheitszustand erkundigen."
Mark schüttelte den Kopf.
"Wenn es das nur wäre ...," sagte er und griff nach Megs Arm. "Du solltest Dich besser setzen." Verwirrt nahm Meg auf dem Sofa platz.
"Was ist denn, Mark?" fragte sie neugierig. Er räusperte sich.
"Da war noch jemand anderer an dem Unfall beteiligt."
Meg nickte.
"Ja, Derek rief mich vorhin an. Er meinte, daß ein Mann dabei sehr schwer verletzt wurde."
Mark holte tief Luft, ehe er weitersprach .
"Es ist ... Casey!"
Meg sah Mark entsetzt an.
"Casey? Oh, mein Gott. Wie geht es ihm?"
Mark schüttelte den Kopf.
"Ich weiß es nicht, aber es sieht wohl nicht gut aus. Sie haben ihn nach Los Angeles verlegt."
Meg sprang auf und lief nervös auf und ab.
"Aber, wie ... ich meine, warum ... was hat er auf der Straße gewollt?" Sie war völlig durcheinander. Mark erzählte ihr in Kurzfassung, was er von Gabi erfahren hatte. Fassungslos ließ sich Meg wieder aufs Sofa fallen.
"Gabi und Casey?" Sie griff sich an die Stirn. "Ich war so mit mir und meiner Beziehung zu Ben beschäftigt, daß ich nicht gemerkt habe, wie sehr meine beste Freundin mich gebraucht hat!" Mark legte seinen Arm um Meg.
"Jetzt mach' Dir doch keine Vorwürfe! Davon wird Casey auch nicht gesund!"
Meg nickte.
"Du hast recht." Sie sah Mark an. "Ich muss ins Krankenhaus und mit Ben reden. Würdest Du mich hinfahren, Mark?"
Er nickte.
"Aber klar doch. Ich bin es schon gewohnt, den Chauffeur für meine Freunde zu spielen."
Meg rang sich ein Lächeln ab.
"Danke," sagte sie. Mark stand auf.
"Na, dann komm', bevor die Besuchszeit vorüber ist." Gemeinsam verließen sie das Surf Center und stiegen in Marks Auto.
Da sie gehofft hatte, noch einmal unter vier Augen mit ihm reden zu können, war Amy Sean nach Ende der Schulstunden gefolgt. Doch bevor sie ihn einholen konnte, ist Sean bereits in sein Auto gestiegen und davon gefahren. Amy blickte ihm hinterher.
"Er fährt nicht zu
sich nach Hause", überlegte sie messerscharf. "Das liegt in der anderen
Richtung. Also fährt er ins Krankenhaus." Dann begann sie spöttisch zu lächeln.
"Ich denke, ich sollte dringend mal einen Arzt aufsuchen. Ich verspüre plötzlich
so starke Schmerzen am Kopf, oder ist es besser der Rücken?" Und grinsend machte
sie sich auf den Weg.
Gerade als sie vor dem Krankenhaus ankam, hörte Amy die Stimme.
"Keine Sorge Mr Richards. Diesmal geht nichts schief, schließlich bin ich Profi."
"Mr Richards?", überlegte Amy. "Spricht da jemand mit Sean? Nein, wohl eher mit seinem Vater." Sie schlich sich vorsichtig an und lugte um die Hausecke. Gregory Richards war aber nicht da. Dafür ein Mann in den 30ern, mit schwarzem Haar und einer braunen Lederjacke. Er telefonierte.
"Ja, ich weiß, Mr Richards. Sie wollen auf keinen Fall mit mir gesehen werden. Deshalb telefonieren wir ja auch. Aber Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen. Niemand wird die Spur zu mir zurückverfolgen, und zu Ihnen schon gar nicht. Alles wird reibungslos klappen. Okay, auf Wiedersehen Mr. Richards." Der Mann hatte aufgelegt.
Amy reagierte blitzschnell. Sie eilte ins Krankenhausgebäude, wo sie scheinbar orientierungslos stand, ihr Blick ruhte aber durch die große Glastür auf dem Mann, der soeben mit Gregory Richards telefoniert hatte. Jetzt betrat der Mann auch das Krankenhaus. Er trat direkt auf Amy zu. Für einen Moment hielt sie den Atem an, doch er ging an ihr vorbei, was Amy als Beweis nahm, daß er sie wirklich nicht gesehen hatte.
"Wollen doch mal sehen, wo Du hinwillst", flüsterte sie, und folgte ihm heimlich.
Während Mark und Meg mit dem Auto Richtung Krankenhaus fuhren, klingelte plötzlich Megs Handy. Es war Ben, der ihr mitteilen wollte, daß er alle Informationen im Krankenhaus bekommen hätte und nun auf dem Weg zur Liberty Corporation wäre, um mit Gregory zu sprechen. Er war wohl im Krankenhaus auf Gabi gestoßen, die ihm gleich erzählt hatte, daß Casey bei dem Unfall ebenfalls schwer verletzt wurde. Meg klappte das Handy zusammen und seufzte tief.
"Was ist? Wer war das?" fragte Mark neugierig und sah sie von der Seite an.
"Das war Ben," erklärte ihm Meg. "Er ist jetzt nicht mehr im Krankenhaus, sondern bereits auf dem Weg zur Liberty Corporation."
Mark nickte.
"Okay, dann fahre ich Dich dort hin. An der nächsten Kreuzung wende ich und fahre zurück."
Meg schüttelte den Kopf.
"Das ist lieb, Mark, aber Ben meinte, daß er gerne alleine mit Gregory sprechen wolle, und außerdem wären wir heute erst angekommen und ich sollte meinen letzten freien Tag noch genießen."
Mark sah sie überrascht an.
"Gut. Wohin also soll ich Dich bringen?"
Meg überlegte einen Moment.
"Vielleicht hat Ben recht und ich ruhe mich noch etwas aus. Der Tag war wirklich anstrengend genug."
Mark lächelte.
"Der Mann weiß, was gut für Dich ist."
Meg erwiderte das Lächeln.
"Ja, er ist ein Schatz und liest mir jeden Wunsch von den Augen ab."
"Das ist schön," sagte Mark. "Ich freue mich, daß Du einen so tollen Partner gefunden hast."
Sie sah ihn von der Seite an.
"Was ist mit Dir? Hast Du mittlerweile auch eine neue Freundin?" Sie lächelte ihn verschmitzt an. Mark grinste.
"Hm, neugierig bist Du wohl gar nicht?"
Meg lachte.
"Nur ein ganz kleines bisschen."
Mark lachte ebenfalls.
"Okay, weil Du eine gute Freundin bist, sollst Du es erfahren."
Meg sah ihn neugierig an.
"Das klingt spannend. Wer ist sie, und kenne ich sie vielleicht?"
Mark räusperte sich.
"Ja, Du kennst sie ... es ist Caitlin Richards."
Meg hob erstaunt den Kopf und sah Mark an.
"Gregory Richards' Tochter? Meine Güte, Mark, was sagt denn ihr Vater dazu?"
Mark kratzte sich am Kopf.
"Keine Ahnung, wir sind erst kurz zusammen und hatten noch keine Gelegenheit, es ihm zu sagen." Meg nickte.
"Ja, er hat jetzt sicher andere Sorgen," sagte sie. Mark rollte mit den Augen.
"Das kannst Du laut sagen! Seine Frau wird noch eine Menge Ärger bekommen."
Meg sah ihn überrascht an.
"Ärger? Wieso Ärger?"
Mark hielt sich die Hand vor den Mund.
"Mist, das ist mir so rausgerutscht ... Erzähl es bitte keinem, auch nicht Ben, denn Gabi bekommt sonst Schwierigkeiten." flehte er. Meg lehnte sich zu ihm herüber.
"Ich sage es Ben nicht, versprochen."
Mark sah sie von der Seite an.
"Olivia Richards war betrunken, als sie den Unfall verursachte."
Meg sah ihn entsetzt an.
"Das ist ja schrecklich," entfuhr es ihr.
Als sie vor Bens Haus ankamen, dachte sie immer noch über den Unfall und Marks Worte nach. Nachdem Mark sie abgesetzt hatte, betrat Meg müde das Haus. Ein Stündchen Schlaf würde ihr jetzt guttun. Sie ging nach oben, legte sich aufs Bett und war fast sofort eingeschlafen.
Sara erwachte von ihrem Mittagsschläfchen, schlug die leichte Decke zurück mit der sie sich zugedeckt hatte und stand schwungvoll auf. Schnell setzte sie sich wieder auf den Bettenrand, weil ihr plötzlich schwarz vor den Augen wurde. Sie atmete tief durch und versuchte dann erneut aufzustehen. Sie fühlte sich immer noch leicht schwindelig, aber zumindest konnte sie wieder aufrecht stehen.
Was war nur los mit ihr?
In den letzten Tagen hatte sie häufiger diese Schwindelanfälle und Anwandlungen von Übelkeit gehabt. Vielleicht hatte Derek recht, und sie sollte deswegen mal einen Arzt aufsuchen. Nachdenklich ging sie ins Badezimmer und holte einen kleinen Kalender aus einem Schubfach. Sie blätterte hektisch die Seiten durch und setzte sich dann seufzend auf den Badewannenrand. Sie hatte sich nichts dabei gedacht, daß sie ihre Periode im letzten Monat nicht bekommen hatte und es auf den Streß geschoben. Außerdem hatte ihr Derek am Anfang ihrer Beziehung gesagt, daß er keine Kinder zeugen konnte. Sara hatte sich also weder Gedanken über Verhütung noch einer möglichen Schwangerschaft gemacht. Sie starrte auf das Kalenderblatt in ihrer Hand. Dieses merkwürdige Unwohlsein in den letzten Tagen beunruhigte sie.
Sara stand auf. Sie musste Gewissheit haben. Schnell zog sie sich um und ging dann die Treppe hinunter. Auf dem Wohnzimmertisch fand sie eine Nachricht von Derek.
"Bin kurz im Deep. - D."
Sara dachte einen Moment nach, ehe sie ihre Tasche nahm und das Haus verließ.
Völlig geschockt und fassungslos saß Sara dann eine Stunde später wieder auf dem Badewannenrand und starrte auf den kleinen Plastikstreifen in ihrer Hand. Sie hatte sich in der Apotheke einen Schwangerschaftstest geholt und ihn gleich angewendet. Sie schüttelte den Kopf und nahm den Beipackzettel zum wiederholten Male in die Hand und las laut, was dort geschrieben stand: "Wenn im Fenster eine zweite Linie sichtbar wird, dann bedeutet das ..." Sie ließ den Zettel sinken und starrte ins Leere. Das war doch völlig unmöglich. Derek hatte ihr doch gesagt, daß er unfruchtbar wäre, wie konnte es dann sein, daß dieser Test jetzt "schwanger" anzeigte?! Sara nahm einen Waschlappen und presste ihn gegen die Stirn. Vielleicht hatte sie bei der Anwendung einen Fehler gemacht, überlegte sie, doch die Symptome der letzten Tage, Müdigkeit, Abneigung gegen Kaffee, und nicht zuletzt die Tatsache, daß sie überfällig war, sprachen eindeutig dafür.
Sara hörte plötzlich von unten ein Geräusch. Derek kam von seiner Stippvisite im Deep nach Hause. Schnell versteckte Sara den Test in einer Schublade und verließ das Badezimmer. Zögernd ging sie die Treppe hinunter.
Derek gab ihr einen Begrüßungskuß und sah sie besorgt an.
"Du siehst blass aus. Geht es Dir immer noch nicht besser?"
Sara nickte.
"Nur etwas Kopfweh." log sie. Derek strich ihr vorsichtig über die Stirn.
"Das tut mir leid!"
Sara atmete tief durch.
"Du hattest mir doch damals erzählt, daß Du ... zeugungsunfähig wärst," begann sie und hoffte, daß er nicht merkte, wie ihre Stimme zitterte. Derek sah überrascht auf.
"Ja, wieso?" Sie setzte sich aufs Sofa, und er nahm neben ihr Platz.
"Wie sicher, ich meine, wie zuverlässig ist so eine Diagnose?" Sie wich seinem Blick aus. Derek runzelte die Stirn.
"Wie meinst Du das, "wie zuverlässig"?
Sara schluckte. Plötzlich schien Derek zu verstehen.
"Ach, Du machst Dir Gedanken darüber, ob wir jemals Kinder haben können?," äußerte er seine Vermutung. Er schüttelte den Kopf. "Ich weiß nicht ... Als ich mich mit Annie damals verlobte, ließen wir den nötigen Gesundheitsscheck durchführen und dabei stellten die Ärzte fest, daß ich unfruchtbar bin ..." Er unterbrach den Satz und sah Sara an. "Ich war damals total geschockt, denn mit sowas rechnet man ja schließlich nicht."
"Haben die Ärzte gesagt, daß es endgültig ist?" fragte Sara vorsichtig. Derek sah sie überrascht an.
"Wieso machst Du Dir jetzt überhaupt Gedanken darüber?" fragte er. "Du bist gerade 19 Jahre alt. Außerdem sollten wir doch erst einmal unser Leben genießen, ehe wir an die Gründung einer Familie denken."
Sara schluckte.
"Also, ich habe es damit auch nicht so eilig," fuhr Derek fort. "Vielleicht in 3-5 Jahren, ... mal sehen." Er sah sie an. "Im Moment wüßte ich auch nicht, was ich mit einem Baby anfangen sollte." Er sah Sara prüfend an. "Hat Deine Mutter vielleicht davon angefangen?"
Sara schüttelte den Kopf. Sie hatte ihm die ganze Zeit schweigend zugehört. Ihr Gesichtsausdruck verriet nichts, aber in ihrem Inneren fühlte sie einen tiefen Schmerz. Seine Worte hatten sie zutiefst verletzt. Abrupt sprang sie auf.
"Mir fällt gerade ein, daß ich mich mit ... mit Meg im Waffelshop verabredet habe." stieß sie hervor. Derek sah sie verwirrt an.
"Jetzt?" fragte er überrascht. Sara nickte.
"Ja, und warte nicht auf mich. Es kann länger dauern." Sie gab ihm einen flüchtigen Kuß auf die Wange. "Bis später!"
Nachdenklich sah er ihr hinterher, als sie das Haus verließ.
Dr. Robinson hatte Gabi erlaubt, etwas früher Feierabend zu machen, und nun saß sie zu Hause auf ihrem Zimmer im Surf Center und grübelte. Sie dachte zurück an die letzten Stunden nach dem Unfall. Es beunruhigte sie, daß sie immer noch nichts neues über Caseys Gesundheitszustand in Erfahrung bringen konnte. Sie hatte mehrmals im Krankenhaus in Los Angeles angerufen, aber da sie "nur" eine Bekannte war und keine Angehörige hatte man ihr die Auskunft verweigert. Obwohl Mark sie getröstet und ihr gesagt hatte, daß sie keine Schuld am Unfall treffen würde, hatte Gabi ein schlechtes Gewissen. Bei dem Streit zwischen Ricardo und Casey war es ja schließlich um sie gegangen!
Ricardo ... Seit ihrem Gespräch im Krankenhaus, unmittelbar nach dem Unfall, hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Ihr Magen krampfte sich bei dem Gedanken zusammen, daß sie ihn nun wohl endgültig verloren hatte. Sie war noch ganz in Gedanken vertieft, als es an der Tür klopfte. "Entschuldige, Gabi, aber Du hast Besuch." Mark druckste etwas herum, und Gabi sah ihn stirnrunzelnd an.
"Seit wann bist Du denn so förmlich? Wer ist es denn?" Mark räusperte sich.
"Es ist Ricardo."
Gabi riß erstaunt die Augen auf.
"Danke, Mark," murmelte sie. "Ich komme gleich runter."
Mark nickte und ging die Treppe wieder hinunter, um Ricardo bescheid zu geben. Gabi schaute in den Spiegel und griff nach ihrer Haarbürste. Ihre Hände zitterten, als sie ihr langes, dunkles Haar mit einigen kräftigen Bürstenstrichen in Form brachte. Sie prüfte noch einmal ihr Make Up und machte sich dann auf den Weg nach unten.
Als sie die Treppe herunterkam, schaute Ricardo vom Sofa hoch. Sofort sprang er auf und kam ihr ein paar Schritte entgegen.
"Es gibt Neuigkeiten über Casey," presste er hervor. "Und es sind leider keine guten ...!"
Völlig ziel- und planlos lief Sara den Strand entlang, während ihr die Tränen unkontrolliert die Wangen hinunterliefen. In ihrem Kopf herrschte ein solches Chaos, daß sie keinen klaren Gedanken fassen konnte. Die Ereignisse der letzten Tage schwirrten durch ihren Kopf. Sie waren in Ludlow alle so glücklich gewesen, und ihre Zukunft erschien ihr noch vor wenigen Stunden rosarot. Sara setzte sich auf eine Bank und starrte aufs Meer hinaus.
Wie sollte es jetzt weitergehen mit ihr und Derek? Wie würde seine Reaktion sein, wenn er erfährt, daß sie schwanger ist?
Sara schlug die Hände vors Gesicht. Ihr gingen Dereks letzte Worte durch den Kopf. Ruckartig erhob sie sich.
Nein! Es gab keine Zukunft für sie, Derek und das Baby. Er hatte ihr unmißverständlich klar gemacht, daß er sich noch nicht reif genug für eine Familie fühlen würde - jetzt noch nicht.
Sara wischte sich energisch die Tränen aus dem Gesicht. Sie würde sich ihre Zukunft nicht durch eine Schwangerschaft kaputt machen lassen!
Sie sah auf die Uhr. Ob es jetzt wohl noch möglich war, einen Termin in der Klinik zu bekommen? Sara kramte in ihrer Tasche und überprüfte ihre Barschaften. Dann lief sie bis zur Küstenstrasse weiter zu Fuß und hielt dort ein Taxi an.
"Zum "Sunset Memorial", bitte." sagte sie und stieg ein. Der Fahrer nickte und fuhr los.
Aus Gabis Gesicht wich jegliche Farbe, als Ricardo ihr von Caseys Verletzungen berichtete. Mühsam versuchte sie die Fassung zu bewahren. Um ihre Mundwinkel herum zuckte es.
"Er ist ... gelähmt?" fragte sie fassungslos. Ricardo nickte.
"Ja, aber soweit ich weiß muß das nicht die endgültige Diagnose sein. Sie wollen ihn wohl nochmal operieren." Er setzte sich aufs Sofa. "Rae ist bei ihm ..." fügte er hinzu.
Gabi setzte sich ebenfalls.
"Rae? ... Es muß ein Schock für sie gewesen sein, ihn so zu sehen."
"Ja." Ricardo sah sie an. "Aber er ist bei ihr in den besten Händen."
Gabi nickte.
"Ja, sie ist eine phantastische Chirurgin, und außerdem kann auch die Liebe so einiges bewirken ..." Sie unterbrach den Satz und senkte den Blick.
"Gabi?" Ricardo berührte sie leicht an der Schulter. Sie zuckte zusammen, als sie seine Hand spürte, und er zog sich sofort wieder zurück. "Ich weiß, was Casey Dir bedeutet," sagte er.
Gabi hob den Kopf.
"Nicht das, was Du glaubst," entfuhr es ihr. "Er ist ein guter Freund ..." Sie verbesserte sich. "Ein sehr guter Freund, der mir schon in sehr vielen Situationen geholfen hat."
Ricardo sah sie an.
"Du redest von Paula und mir, stimmts?"
Gabi erwiderte seinen Blick.
"Ja, ich dachte wirklich, daß ihr zwei eure alte Beziehung wieder habt aufleben lassen."
Ricardo runzelte die Stirn.
"Ach so, und da hast Du Dir gedacht, daß Du gleiches mit gleichem vergelten könntest." stieß er bitter hervor.
Wütend sprang Gabi auf.
"Das ist nicht wahr! Was zwischen Casey und mir passiert ist, hat nichts mit Rache zu tun! Rae hatte ihn verlassen, und ich hatte herausgefunden, daß Du Dich heimlich mit Paula triffst. Wir waren verzweifelt und suchten gegenseitig Halt und Unterstützung."
"Musstest Du denn gleich mit ihm ins Bett gehen?" schnappte Ricardo los. Gabi sah ihn an und schüttelte den Kopf.
"Du willst es nicht verstehen, habe ich den Eindruck ... Wir haben das nicht geplant. Es ist einfach passiert!"
Ricardo atmete tief durch.
"So einfach wohl doch nicht," sagte er sarkastisch. "Offenbar seid ihr beide dazu bereit gewesen."
"Und das machst Du mir jetzt zum Vorwurf, ja?"
Ricardo stand auf. "Soll ich mich vielleicht auch noch darüber freuen?" fragte er aufgebracht. "Meine Freundin schläft mit ihrem besten Freund, und ich soll das auch noch gutheissen?! Nein, Gabi, das kannst Du nicht von mir verlangen!"
Gabi sah ihn verzweifelt an.
"Du sollst es nicht gutheissen, Du sollst es nur ... verstehen. Mehr will ich doch gar nicht!" sagte sie flehend. Ricardo ging auf sie zu und packte sie an beide Arme. Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, und sie dachte einen Moment, daß er sie küssen würde, doch plötzlich ließ Ricardo sie los.
"Es tut mir leid, Gabi. Ich kann das einfach nicht ..." Er drehte sich um und ging mit eiligen Schritten zur Haustür.
"Ricardo, warte!" Gabi lief hinter ihm her und packte ihn am Arm. Widerwillig drehte er sich zu ihr herum. "Ich liebe Dich ... nicht Casey!" sagte Gabi eindringlich, doch Ricardo riß sich los und ließ sie alleine stehen.
Nachdem Sara im Krankenhaus angekommen war, führte sie ihr erster Weg zur Information. Eindringlich schilderte sie ihr Problem.
"Sie haben Glück," sagte die Schwester an der Anmeldung. "Eine Patientin hat vorhin abgesagt. Nehmen Sie doch bitte solange platz, bis Dr. Robinson Sie aufruft."
Als Sara dann aufgerufen wurde, betrat sie nervös den Untersuchungsraum. Dr. Robinson begrüßte sie freundlich, und nach einem kurzen Gespräch begann er mit seiner Untersuchung. 20 Min. später saß Sara, bis aufs äußerste angespannt, vor ihm und erwartete das Ergebnis.
"Ich gratuliere!" hörte sie ihn sagen. "Sie sind tatsächlich schwanger!"
Sara schloß die Augen. Ihre Hände krallten sich um die Stuhllehne. Dr. Robinson sah Sara nachdenklich an.
"Sie wirken nicht besonders glücklich über diese Nachricht," stellte er vorsichtig fest. Sara presste eine Hand gegen die Stirn.
"Nein," stieß sie hervor. "Und deshalb komme ich auch ..." Sie machte eine Pause und sah ihn an. "Ich möchte das Kind nicht!" sagte sie mit zitternder Stimme. Dr. Robinson riß überrascht die Augen auf und atmete tief durch.
"Sie sind also gekommen, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen?" fragte er vorsichtig. Sara nickte. Der Arzt kratzte sich am Kopf.
"Haben Sie mit dem Vater des Kindes darüber gesprochen?"
Sara schluckte und wich seinem Blick aus.
"Ja," log sie. "Und er möchte das Kind auch nicht."
Dr. Robinson sah sie nachdenklich an.
"Es ist Ihre Entscheidung," sagte er nüchtern," aber Sie sollten sich darüber im klaren sein, daß dies eine Entscheidung ist, die Ihr ganzes weiteres Leben beeinflussen kann."
Sara spürte, wie ihr eine Träne die Wange hinunterlief. Schnell wischte sie sie fort.
"Sie sind noch sehr jung," fuhr der Arzt fort. "So einen Eingriff werden sie physisch sicher gut verkraften, aber was ist mit der Seele?"
Sara schüttelte den Kopf. Energisch stand sie auf.
"Wenn Sie es nicht machen wollen, werde ich woanders hingehen!" sagte sie bestimmt. Dr. Robinson sprang ebenfalls auf.
"Warten Sie ..." Er blätterte in seinen Unterlagen. "Wir haben für nächsten Freitag einen Termin frei." Er sah Sara an. "Ist das früh genug für Sie?"
Sara schluckte. 4 Tage noch!
"Danke!" Sie stand auf und gab Dr. Robinson die Hand. Er schüttelte den Kopf.
"Wofür danken Sie mir?" Er sah ihr tief in die Augen. "Glauben Sie mir, ich rette lieber das Leben eines Babys, als es zu beenden."
Sara fühlte plötzlich einen Kloß in ihrem Hals. Fast fluchtartig verließ sie den Untersuchungsraum und prallte vor der Tür mit Annie zusammen, die ihren Nachsorgetermin wahrnehmen wollte.
"Hey, passen Sie doch auf ...!" sagte sie wütend. Der letzte Rest des Satzes blieb ihr im Hals stecken, als sie in Saras tränenfeuchtes Gesicht sah. Einen Moment sahen sich die beiden Frauen nur an, dann rannte Sara, wie gehetzt, an Annie vorbei, weiter zum Ausgang.
Amy Nielsen hatte Eddie Connors keine Sekunde aus den Augen gelassen. Er ging direkt zu einem Zimmer, in dem eine große, rundliche Krankenschwester saß, die einige Akten herauszusuchen schien.
"Ähm, entschuldigen sie bitte, Schwester", räusperte er sich. "Da vorne ist ein Mann einfach so umgekippt. Scheint ein Besucher zu sein. Ich kann leider keinen Arzt auftreiben."
Die Krankenschwester zögerte keinen Augenblick und eilte schneller los, als Amy es für möglich gehalten hätte. Dann wandten sich Amys Augen, wieder Eddie Connors zu. Er machte sich an dem Computer zu schaffen und murmelte:
"Es lohnt sich eben doch, die richtigen Kontakte zu haben. Es lebe Schwester Katie." Er tippte etwas auf dem Computer ein, meinte "Bingo" und verschwand wieder. Amy wollte ihm erneut folgen, doch dann hörte sie eine Stimme, die ihr bekannt vorkam:
"Vielen Dank, Schwester. Ich denke, es geht mir schon wieder. Ist mir noch nie passiert, einfach so umzukippen."
"Das ist nur sehr verständlich Mr Richards. Nach allem was passiert ist, mit ihrer Frau."
"Was hat das nur alles zu bedeuten?", wunderte sich Amy.
Dr. Robinson saß nachdenklich an seinem Schreibtisch, als Annie den Untersuchungsraum betrat. Sie setzte sich ihm gegenüber und schlug ihre Beine übereinander.
"Miss Douglas," begrüßte er sie. "Wenn Sie sich vielleicht schon mal ..."
Ein Klopfen an der Tür unterbrach ihn. Eine Schwester trat in den Raum und flüsterte dem Arzt etwas ins Ohr. Dr. Robinson sprang auf.
"Entschuldigen Sie mich bitte für einen Augenblick?" Er verließ mit der Schwester den Raum. Annie stand auf und ging genervt auf und ab. Ihr Blick fiel, wie zufällig, auf den Schreibtisch, wo noch die Akte von Sara lag. Annie ging zur Tür, öffnete sie und schaute hinaus. Auf dem gesamten Flur war niemand zu sehen. Vorsichtig, sich immer wieder umblickend, ging sie um den Schreibtisch herum und schlug die Krankenakte von Sara auf.
"Na, dann wollen wir doch mal sehen, warum die Kleine vorhin so aufgeregt war," flüsterte sie und blätterte die Akte durch. Annie hielt kurz inne und erstarrte dann, als sie auf der ersten Seite den Befund las.
"Mein Gott," stieß sie dann hervor. "Sie ist schwanger!" Hektisch blätterte sie weiter. Ungläubig starrte sie auf den Vermerk, den Dr. Robinson in die Akte geschrieben hatte. Warum in aller Welt wollte Dereks Freundin eine Abtreibung vornehmen lassen?
Annie kratzte sich nachdenklich am Kopf. Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen! Natürlich! Das Baby konnte ja gar nicht von ihm sein, denn er war ja unfruchtbar!
Annie klappte die Akte zu und legte sie zurück auf den Schreibtisch. Ob Derek wohl wußte, daß seine kleine Freundin fremdgegangen war?
Unmutig schaute sie auf die Uhr. Schon 10 Min. wartete sie nun schon auf Dr. Robinsons Rückkehr. Es gab wichtigeres zu tun, als hier herumzusitzen. Vielleicht sollte sie ihrem Ex-Verlobten mal einen Besuch abstatten und ihm auf den Zahn fühlen, was er über diese Schwangerschaft wußte.
Annie grinste. Sie schaute auf die Uhr. Cole würde sich freuen, daß sie schon eher fertig war. Umso besser, konnten sie doch noch etwas mehr Zeit miteinander verbringen. Um dieses kleine Angelegenheit mit Derek würde sie sich am kommenden Tag kümmern.
Annie verließ den Untersuchungsraum und eilte eilig den Gang hinunter.
Madame Carmen war gerade dabei, einige Karten auf dem Tisch auszulegen, als es an der Tür klopfte.
"Herein! Die Tür ist auf," rief sie, und schaute überrascht hoch, als der Vorhang zur Seite gezogen wurde. "Antonio!" rief sie dann erfreut und sprang auf. Er grinste sie an.
"Hallo, Mama, sag' mir jetzt nicht, daß Du nicht gewußt hast, daß ich es bin!"
Madame Carmen sah ihn tadelnd an.
"Ich habe gerade die Karten für jemand anderen gelegt. Meine Gedanken waren nicht bei Dir," sagte sie zu ihrer Entschuldigung. Antonio lachte.
"Alles Ausreden!" Er setzte seinen Koffer ab. "Komm' und laß' Dich drücken!" Überschwenglich umarmte er sie. Leicht verlegen befreite sie sich aus seinen Armen.
"Du wirst Deine alte Mutter noch zerquetschen." Sie lächelte. "Ich freue mich, daß Du den Weg wieder zurück gefunden hast. Hier ist Dein Zuhause!"
Antonio sah sie nachdenklich an.
"Ja, nur leider weiß ich nicht, wie lange ich bleiben kann."
"Aber jetzt bist Du erst einmal hier," unterbrach ihn Madame Carmen. Antonio setzte sich auf einen Stuhl.
"Ich muß auch leider gleich wieder gehen," sagte er bedauernd. "Ich komme gerade erst vom Flughafen und muß mich jetzt erst einmal im Gemeindehaus melden."
Madame Carmen nickte.
"Ich komme aber wieder, sobald ich alles geregelt habe."
Sie strich ihm leicht über seine Wange.
"Wir haben ja noch viel Zeit. Laß' Dir nur Zeit."
Antonio nickte und stand auf. Er gab seiner Mutter einen Kuß und griff nach dem Koffer.
"Okay, ich werde dann als nächstes mal bei Ricardo vorbeischauen." Er kramte einen Zettel aus seiner Tasche. "Er gab mir neulich am Telefon seine Adresse. Ich bin ja mal gespannt, wie er so lebt."
Madame Carmens Gesicht verfinsterte sich.
"Ich muß Dir etwas über Deinen Bruder erzählen, Antonio."
Er sah sie verwirrt an.
"Was ist denn, Mama?" fragte er neugierig. Sie legte eine Hand auf seinen Arm.
"Ricardo wäre vor einigen Tagen beinahe von einem Auto überfahren worden."
Antonio sah sie entsetzt an.
"Geht es ihm gut?"
Sie nickte.
"Ihm ja, aber der junge Mann, der ebenfalls an diesem Unfall beteiligt war, schwebt in Lebensgefahr."
"Ja und?" Antonio verstand den Zusammenhang nicht. Madame Carmen atmete tief durch.
"Er fühlt sich schuldig an diesem Unfall, und er verhält sich so merkwürdig. Ich mache mir Sorgen um ihn ...! Madame Carmen sah in die Ferne.
Antonio nickte verstehend.
"Du möchtest, daß ich mit ihm rede?"
Madame Carmen sah Antonio an.
"Ja, würdest Du das tun?" fragte sie hoffnungsvoll. Antonio runzelte die Stirn.
"Als Bruder oder als Priester?"
Madame Carmen überlegte.
"Ich glaube, er braucht Beistand von beiden."
„Also gut“ Antonio ging zur Tür. "Ich werde mein bestes versuchen." Er warf ihr noch einen letzten Blick zu und verließ das Haus.
Nachdem Ricardo das Surf Center verlassen hatte, stand Gabi wie betäubt da. Ihr ganzes Leben erschien ihr plötzlich einsam und trostlos. Sie ging zum Fenster und öffnete es. Die Nachmittagssonne schien golden und ihre Strahlen spiegelten sich im Wasser wieder.
Gabi öffnete die Tür und trat nach draußen. Sie spürte die Wärme auf ihrer Haut und atmete tief durch. Am Strand spielten einige Kinder mit einer Frisbeescheibe, und Gabi sah ihnen eine Weile zu, ehe sie weiter den Strand entlanglief. Wie von unsichtbarer Hand gelenkt, ging sie weiter, bis sie an einer kleinen Kirche vorbeikam. Nachdenklich schaute sie zum Glockenturm hinauf und erschrak heftig, als sich die Kirchenglocke in Bewegung setzte.
"Wie ein Zeichen Gottes," ging ihr durch den Kopf. Wie magnetisch angezogen öffnete sie die schwere Holztür und trat hinein. Ein leichter Geruch von Weihrauch hing in der Luft.
Gabi ging zögernd den langen Gang bis zum Altarraum entlang. Ihre Schritte hallten wieder, und sie sah sich unsicher um. Die Kirche war menschenleer, und sie fröstelte leicht. Als sie vorne angekommen war kniete sie nieder und faltete ihre Hände. Sie hob den Kopf und schaute zu dem Kreuz hinauf, während sie ein Gebet sprach. Die ganze Anspannung der letzten Tage löste sich, und während ihr die Tränen die Wangen hinunterliefen, fühlte sie eine tiefe Erleichterung.
Sie erschrak, als sie plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter spürte. Sie drehte sich um und schaute in zwei warme, braune Augen.
Müde und erschöpft betrat Sara ihr Zuhause. Sie war ganz froh, daß Derek nicht da war, denn in ihrer jetzigen Verfassung war sie nur allzuleicht zu durchschauen. Sie hätte gerne mit Meg darüber geredet, aber sie wollte sie auch nicht mit in diese Sache hineinziehen. Das war etwas, was nur sie alleine anginge, und schon bald hätte sich das Problem von selber erledigt. Doch Sara fühlte sie nicht wohl beim Gedanken an diese Abtreibung, denn im Grunde genommen hätte sie dieses Baby gerne behalten.
Während sie noch darüber nachgrübelte, öffnete sich die Tür und Derek trat ins Haus.
"Hey, da bist Du ja schon wieder," stellte er fest. "Wie war's denn im Waffelshop?"
Sara wich seinem Blick aus.
"Schön ... und was hast Du so den ganzen Nachmittag über gemacht?"
Er sah sie an.
"Ich war ein wenig joggen." Er grinste sie an. "Das hat mir richtig gefehlt! Bei Euch zuhause mußte ich ja darauf verzichten."
Sara nickte.
"Ja, Ludlow ist doch ganz anders als Sunset Beach."
Derek sah sie an.
"Deine Eltern sind wirklich wahnsinnig nett. Ich hätte nicht gedacht, daß sie mich so einfach akzeptieren würden."
Sara zwang sich zu einem Lächeln.
"Mom und Dad sind wirklich sehr tolerant." Sie schaute aus dem Fenster.
"Über was denkst Du nach?" fragte Derek. Sara schüttelte den Kopf.
"Ach, nichts weiter. Ich dachte nur, daß es schade ist, daß meine Eltern so weit entfernt wohnen."
Derek nahm sie in den Arm.
"Ich kann Dir Deine Eltern natürlich nicht ersetzen, aber ich hoffe, daß Du Dich eines Tages hier genauso wohl fühlen wirst wie in Ludlow." sagte er zärtlich. Sara sah ihn an und schluckte. Nichts würde mehr so sein, wie es war, wenn sie die Abtreibung erst hinter sich hatte!
Derek zog Sara noch enger an sich und begann sie zu streicheln. Als sie seine warmen Hände in ihrem Nacken spürte, zuckte sie zusammen. Schnell sprang sie auf.
"Ich ... ich bin müde, Derek. Es war ein anstrengender Tag."
Er nickte verständnisvoll.
"Ja, Du hast recht. Gehen wir schlafen." Er hatte kaum den Satz beendet, als Sara die Treppe hinauf ins Badezimmer rannte. Als Derek ihr wenig später folgte, war sie bereits im Bett und schien schon zu schlafen. Vorsichtig legte er sich neben sie, sah sie ein letztes Mal nachdenklich an und schloss ebenfalls die Augen.
Als Gregory wieder das Krankenzimmer seiner Frau betrat, hatte sie noch immer die Verbände um ihr Gesicht gewickelt und lag aufgrund der Gehirnerschütterung noch immer flach in ihrem Bett, dennoch erkannte er sofort, daß sie sich seit seinem letzten Besuch etwas erholt hatte. Sie wirkte wacher und weit weniger benommen, als bei ihrem letzten Besuch.
"Liebling, wie geht es Dir?", fragte er vorsichtig. Olivia betrachtete ihn skeptisch, dann antwortete sie aber:
"Etwas besser. Danke."
"Du ahnst ja gar nicht, was ich mir für Sorgen um Dich gemacht habe, als ich Dich da habe liegen sehen, nach dem Unfall. Ich dachte, ich hätte Dich für immer verloren."
"Sag nur, daß hätte Dir etwas ausgemacht", erwiderte sie, fast schon wieder in einem etwas spöttischen Tonfall. Gregory setzte sich auf einen Stuhl auf der rechten Seite ihres Krankenbetts und umklammerte mit seiner rechten Hand die von Olivia.
"Ob mir das etwas ausgemacht hätte? Ich weiß nicht, was ich ohne Dich getan hätte. Allein der Gedanke, Dich an Deschanel oder einen der anderen Männer zu verlieren, hat mich fertig gemacht. Ich war so verdammt eifersüchtig."
"Oh Gregory", meinte sie seufzend. "Warum hast Du das denn nicht einfach gesagt?" Doch er antwortete nicht, sondern umklammerte ihre Hand noch fester.
"Meinst Du, daß es noch eine Chance gibt, für uns beide, Olivia?", fragte er plötzlich.
"Ich weiß es nicht", erwiderte sie.
"Aber ich denke, wir sollten es zumindest versuchen, oder?"
Und zum ersten Mal seit dem Unfall huschte ein Lächeln über Olivias Lippen, das von Gregory erwidert wurde.
Nach einem langen Tag kehrte Ben endlich nach Hause zurück. Während seiner Abwesenheit, war viel Arbeit liegengeblieben und Gregory hatte sich verständlicherweise heute auch nicht im Büro sehen lassen. Allerdings hatte er kurz mit ihm telefoniert. Olivia ging es schon besser und Ben hatte mit Gregory verabredet, am nächsten Tag kurz im Krankenhaus vorbei zuschauen. Von Bette hatte Ben dann den ungefähren Unfallhergang erfahren.
Ben schloss die Haustür auf und ein köstlicher Duft empfing Ihn. Er fand Meg, die ihn noch nicht bemerkt hatte, in der Küche am Herd stehend vor. Er trat hinter sie und legte seine Arme um Ihre Taille.
"Mmh, das duftet aber köstlich." sagte er und küsste Ihren Nacken. Meg drehte sich herum und lächelte Ben an.
"Ich hoffe Du bist hungrig?" fragte sie. Ben nickte, er war den ganzen Tag noch nicht zum Essen gekommen.
"Und wie. Habe ich noch Zeit für eine kurze Dusche vor dem Essen?"
Meg sah auf die Uhr.
"Eine viertel Stunde noch, dann sollte das Essen fertig sein."
Ben küsste Meg.
"Gut, dann werde ich mich beeilen." Schnell lief er nach oben. Meg deckte den Tisch im Wohnzimmer für das Abendessen. Sie hatte schon vorher eine Menge Kerzen im ganzen Raum verteilt und zündete diese nun an. Dann öffnete sie die Flasche Wein, damit dieser ein wenig atmen konnte. Danach kehrte sie in die Küche zurück und schmeckte die Soße ab. Sie war gerade fertig, als Ben zurückkehrte.
"Kann ich noch etwas helfen?" fragte er. Meg drückte ihm die Platte mit dem Braten in die Hand "Bring das schon mal rüber, ich komme mit dem Gemüse und den Kartoffeln nach.“ Sie schnappte sich die Schüsseln und folgte Ben ins Wohnzimmer. Sie setzten sich und begannen zu essen.
"Das ist wirklich köstlich, Meg." sagte Ben nach einigen Bissen.
"Danke" lächelte Meg. "Hast Du noch etwas über Olivias und Caseys Zustand herausgefunden?" wollte sie wissen.
"Ich habe kurz mit Gregory telefoniert und er sagte mir, dass es Olivia schon besser geht. Leider konnte ich über Caseys Zustand nichts herausbekommen. Ich habe zwar in L.A. angerufen, aber sie wollten mir keine Auskunft geben." antwortete Ben. Meg seufzte.
"Das habe ich schon befürchtet, ich habe es auch probiert. Aber ich bin sicher, Michael wird uns informieren, sobald eine Änderung eintritt."
Ben sah Meg an und bemerkte, dass sie ganz schön niedergeschlagen wirkte.
"Er wird es schaffen Meg," sagte er. "Casey war schon immer eine Kämpfernatur."
Meg nickte.
"Ja, er ist stark." Sie bemerkte, dass Ben seinen Teller geleert hatte. "Magst Du noch ein Dessert?"
Ben schüttelte seinen Kopf.
"Danke, vielleicht später. Ich habe nämlich noch etwas, was ich Dir geben wollte. Ich habe es in Ludlow für Dich gekauft."
"Für mich? Was denn?" Meg war neugierig geworden, und Ben bemerkte, das ein Lächeln über ihr Gesicht huschte. Genau das wollte er erreichen. Er griff in seine Hosentasche und holte ein kleines Samtkästchen hervor und reichte es Meg.
"Als ich die im Schaufenster sah, dachte ich, die passen zu Dir."
Meg öffnete das Kästchen und fand ein paar wunderschöne, goldene Ohrstecker mit je einem Saphir darin.
"Oh Ben, die sind wunderschön." Sie sprang auf und fiel Ben um den Hals. Er lächelte.
"Ich dachte, das Blau der Saphire passt wunderbar zu Deinen blauen Augen."
Meg probierte die Ohrstecker an.
"Ben die sind wirklich wunderschön, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll."
Er nahm sie in seine Arme.
"Gar nichts. Allein Dein Lächeln, ist Dank genug für mich." sagte er. Meg umarmte Ben.
"Ich liebe Dich." Zärtlich küsste sie ihn.
"Ich liebe Dich auch, Meg, mehr als alles auf der Welt!"
Antonio schaute Gabi einen Moment nur an. Ihr Anblick machte ihn sprachlos. Ihre schönen, braunen Augen waren umrahmt von langen, seidigen Wimpern, in denen kleine Tränentropfen hingen.
"Ich habe sie erschreckt," stellte er fest. "Das wollte ich nicht."
Gabi schüttelte den Kopf, und ihr dunkles Haar fiel wie ein Schleier über ihre schmalen Schultern.
"Es ist schon in Ordnung. Ich war nur in Gedanken vertieft und habe sie nicht kommen hören." Sie lächelte, und es versetzte ihm einen Stich. Was nur konnte dieses bezaubernde Wesen quälen, weshalb sie Zuflucht in der Kirche gesucht hatte?" fragte sich Antonio.
"Der Gottesdienst beginnt erst in einer Stunde," sagte er, während er seinen Blick nicht von ihr wenden konnte.
"Ich wollte nicht am Gottesdienst teilnehmen ... ich bin nur zufällig vorbeigekommen."
Antonio nickte.
"Ich verstehe."
Gabi stand auf.
"Ich werde dann mal wieder gehen."
Antonio dachte fieberhaft nach, wie er sie aufhalten konnte. Er konnte sie nicht einfach gehen lassen, ohne wenigstens ihren Namen zu erfahren. Freundlich streckte er ihr die Hand entgegen. "Mein Name ist Antonio Torres. Ich bin der neue Gemeindepriester hier in Sunset Beach."
Gabi zuckte leicht zusammen, als sie seinen Namen hörte. "Ricardos jüngerer Bruder," schoß ihr durch den Kopf. Sie ließ sich jedoch nichts anmerken. Höflich streckte sie ihm ebenfalls die Hand entgegen.
"Ich bin Gabriella Martinez," stellte sie sich vor. Antonio ergriff ihre Hand und hielt sie einen Moment fest.
"Gabriella, was für ein schöner Name," sagte er und schaute ihr tief in die Augen. Verlegen senkte sie den Blick.
"Ich muß gehen," sagte sie bestimmt. Antonio sah sie an und nickte.
"Ich würde mich sehr freuen, Sie bald als ein weiteres Mitglied in meiner Gemeinde begrüssen zu dürfen."
Gabi lächelte.
"Ja, ich komme bestimmt einmal wieder," versprach sie. Sie nickte ihm noch einmal zu, trat dann aus der Bank heraus und ging den langen Gang zurück zum Ausgang.
Als Gabi nach
draußen trat, stellte sie mit leichter Überraschung fest, daß es zu regnen
angefangen hatte. "So ein Mist", dachte sie. Es regnete nicht oft in Sunset
Beach, und beim letzten Mal gab es einen regelrechten Sturm. Dieses schien nur
ein Schauer zu sein, aber es regnete recht stark. Gabi überlegte, ob sie in die
Kirche zurück gehen wollte, aber irgendetwas hinderte sie, jetzt mit Ricardos
Bruder zu reden. Mit Ricardos Bruder, der Priester war und so gut aussah. Sie
hatte heute in weiser Voraussicht bereits einen Schirm mit ins Krankenhaus
genommen, dort aber in ihrem Spind liegengelassen. Sie überlegte kurz. Zum
Krankenhaus war es kürzer, als zum Surfcenter. Sie beschloß, dort noch vorbei zu
gehen, um den Schirm abzuholen. Den Mantel über ihren Kopf haltend rannte sie so
schnell sie konnte, durch den Schauer.
"Gabi! Was machst Du denn hier?", wunderte sich Schwester Roxi. "Hängst Du so
sehr an diesem Gebäude, daß Du selbst in der Freizeit hier hin kommst?"
"Nein, bestimmt nicht", grinste Gabi. "Will nur schnell meinen Schirm holen."
"Das Ergebnis der Untersuchung nach Alkohol in Olivia Richards Blut ist nun fertig", erklärte Roxi.
"Ja, ich weiß. Hab sie schon gesehen", meinte Gabi düster. Sie wollte gerade etwas erwidern, als Schwester Roxi laut sagte:
"Und ich hatte fest mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Es sah so eindeutig aus. Na ja, Mr. Richards wird wohl sehr erleichtert sein."
"Erleichtert?" Gabi betrachtete sie fassungslos.
Als Sara am nächsten Morgen erwachte, war die Bettseite neben ihr leer. Sie schaute auf den Wecker neben sich. 10 Uhr! Schnell setzte sie sich auf, und sank gleich wieder zurück. Diese verflixten Schwindelanfälle! Sie hörte, wie Derek die Treppe hinaufkam und stellte sich schlafend. Kurz darauf spürte sie seine Lippen auf ihrer Schulter.
"Aufwachen, Du Murmeltier," sagte er liebevoll. Sara öffnete die Augen und streckte sich. Langsam setzte sie sich auf. Das Schwindelgefühl blieb aus, und mutig schwang sie ihre Beine über die Bettkante.
"Ich war schon joggen," sagte er, "und außerdem ist der Frühstückstisch schon gedeckt."
Sara rümpfte die Nase, als sie einen leisen Kaffeegeruch wahrnahm.
"Danke, aber ich bin nicht hungrig."
Derek sah sie tadelnd an.
"Du musst etwas essen, sonst bist Du bald nur noch Haut und Knochen!"
Sara stand auf.
"Du klingst wie meine Mutter," sagte sie genervt.
"Hey, warum denn gleich so gereizt? Ich mache mir doch nur Sorgen."
Sara' Gesicht nahm einen abweisenden Ausdruck an.
"Brauchst Du nicht," sagte sie knapp. "Es geht mir gut." Derek sah sie zweifelnd an. Er hielt sich jedoch mit einem weiteren Kommentar zurück. "Willst Du nachher ins Deep?" fragte sie.
Derek nickte.
"Ja, und eigentlich hatte ich gedacht, daß Du mich begleiten könntest, denn so langsam sollten wir mal wieder an die Arbeit denken."
Sara nickte.
"Ja, sicher ... Geh' Du schon mal vor, ich komme dann nach."
Derek runzelte die Stirn.
"Okay, wie Du meinst. Und nun zieh' Dich an, damit wir den Tag beginnen können."
Nachdem Annie erwacht war, hatte sie gleich an ihren Plan gedacht, Derek über seine kleine Freundin aufzuklären. Cole hatte sie gedrängt, bei ihm zu übernachten, doch für ihre Pläne war es günstiger gewesen, in ihrem eigenen Bett zu schlafen. Sie hatte ihm den wahren Grund verschwiegen und ihm klar gemacht, daß sie nichts überstürzen sollten, so kurz nach seiner Genesung. Cole hatte sich einsichtig gezeigt, und so war Annie am Abend in ihr eigenes Zuhause zurückgekehrt. Nun saß sie nachdenklich auf dem Sofa und hielt den Hörer in der Hand. Sie wählte die Nummer vom Deep und legte mit einem grinsenden Gesicht wieder auf, als sie Dereks Stimme hörte. Zufrieden rieb sie sich die Hände. Genauso sollte es sein. Schnell warf sie sich eine Jacke über und griff nach ihrer Tasche, ehe sie das Haus verließ.
Derek überprüfte gerade den Warenbestand im Weinkeller, als er plötzlich ein Geräusch hörte. Er verließ den Raum und schaute neugierig um die Ecke. Annie stand lässig an der Bar und grinste ihm entgegen, als sie sein überraschtes Gesicht sah.
"Annie! Das ist eine Überraschung. Was treibt Dich hierher?" Langsam ging er auf sie zu. Sie lächelte geheimnisvoll.
"Nichts besonderes," entgegnete sie. "Ich kam nur zufällig vorbei und da sah ich, daß die Tür offen war."
Derek grinste.
"Nun gut, wir haben genug Floskeln ausgetauscht. Was willst Du wirklich?"
Annie zog sich einen Barhocker heran und setzte sich.
"Warum hast Du immer Hintergedanken bei allem, was ich tue?" fragte sie mit einer Unschuldsmine.
Derek lachte.
"Komm' schon, Annie. Ich bin's, Derek. Ich war lange genug mit Dir zusammen, um zu wissen, daß Du nichts tust ohne einen Grund."
Sie sah ihm tief in die Augen.
"Ja, fast 2 Jahre, und ich muß sagen, daß Du Dich wirklich schnell getröstet hast, nachdem mit uns Schluß war."
Derek runzelte die Stirn.
"Was soll das jetzt wieder?"
Annie senkte den Blick.
"Ich habe mich nur gerade gefragt, was sie an Qualitäten hat, daß sie Dich so schnell um den Finger wickeln konnte."
Derek kratzte sich am Kopf.
"Spiel mir hier nicht die eifersüchtige Ex-Geliebte vor. Das nehme ich Dir sowieso nicht ab." sagte er und schüttelte den Kopf. Annie sah ihn an.
"Du hast meine Frage nicht beantwortet," bohrte sie weiter. "Was hat sie, was ich nicht habe?" Derek seufzte.
"Du lässt wohl niemals locker, oder?" Er atmete tief durch. "Okay, wenn Du es unbedingt wissen willst ... sie ist treu, zuverlässig, ehrlich ..."
Annie lachte.
"Das meinst aber auch nur Du!" Sie stieß die Worte verächtlich hervor. Derek runzelte die Stirn. "Wieso, was meinst Du damit?"
Annie räusperte sich.
"Ich will Deine Illusionen nicht zerstören, aber so eine Heilige, wie Du sie darstellst, ist sie nicht!"
Derek packte Annie grob an beiden Armen.
"Was soll dieses 'um den heissen Brei Herumgerede? Komm' endlich zur Sache! Was weißt Du über Sara?" Dereks Stimme nahm einen gefährlichen Unterton an. Annie funkelte ihn böse an. "Nimm' gefälligst Deine Pfoten von mir, sonst sage ich gar nichts mehr!"
Abrupt ließ er sie los.
"Also, ich warte ..."
Annie rieb sich die schmerzenden Oberarme.
"Ich traf sie gestern, ganz zufällig, im Krankenhaus."
Dereks Miene verzog sich nicht.
"Und?"
Annie hob herausfordernd den Kopf.
"Das hat sie Dir doch sicher nicht erzählt, oder?" fragte sie neugierig. Derek schüttelte den Kopf.
"Nein, aber ich weiß, daß es ihr in der letzten Zeit nicht so gut ging. Vielleicht wollte sie sich untersuchen lassen."
Annie grinste.
"Ja, und soll ich Dir das Ergebnis verraten?"
Derek runzelte die Stirn.
"Hast Du ihr etwa hinterherspioniert?"
Annie lächelte geheimnisvoll.
"So könnte man es nennen."
Er schüttelte den Kopf.
"Du bist das durchtriebenste Luder, was mir je untergekommen ist." sagte er abfällig. "Interessiert Dich nun das Ergebnis?" fragte Annie genervt. Derek nickte. "Dann solltest Du Dich besser setzen," warnte sie ihn. Ungeduldig setzte er sich.
"Nun, wie soll ich es umschreiben ..." Sie fuhr sich mit der Hand durch ihr rotes Haar. Zufrieden registrierte sie, daß Derek immer nervöser wurde. "Ich würde schon mal überlegen, welchen Raum ihr zum Kinderzimmer umbauen wollt ..." Nachdem sie den Satz beendet hatte, wartete sie gespannt auf seine Reaktion.
Geschockt starrte er sie an.
"Soll das bedeuten, daß Sara ...?" Er beendete den Satz nicht, doch Annie nickte leicht.
"Das ist ein Schock für Dich, nicht wahr?" fragte sie scheinheilig. "Es tut mir leid, daß Du es so erfahren musstest."
Dereks Mund wurde trocken.
"Nein! Das ist unmöglich ..." stieß er hervor.
"Ich wollte es Dir ja eigentlich gar nicht erzählen, aber als Du vorhin von 'Treue' und 'Ehrlichkeit' geredet hast, konnte ich nicht anders ..." fuhr Annie fort. Sie sah Derek prüfend an, der wie betäubt auf seinem Hocker saß, unfähig sich zu bewegen. "Ich sollte jetzt vielleicht besser gehen," sagte sie und stand auf. Sie legte eine Hand auf Dereks Schulter. "Du brauchst jetzt erst einmal Zeit, um über alles nachzudenken." Sie verließ das Deep über die Treppe und atmete draußen erleichtert auf. Ein zufriedenes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Sie blinzelte in die Sonne hinein. Dies versprach ein herrlicher Tag zu werden!
Fröhlich und beschwingt machte sie sich auf den Weg zum "Sunset Inn", um Cole zu besuchen.
Als Ben und Meg gemeinsam das Büro betraten, blickte Bette erleichtert auf.
"Na zum Glück seid Ihr wieder da."
Meg lächelte Bette an.
"Entschuldige, aber in letzter Zeit ist so viel passiert..."
"Du brauchst mir nichts zu erklären, Muffin, ich weiß doch was los war." unterbrach Bette sie. Meg sah den Stapel Akten auf Ihren Schreibtisch und seufzte.
"Naja, über Arbeitsmangel werde ich mich in den nächsten Tagen nicht beklagen können."
Ben lächelte.
"Dann weiß ich wenigstens, wo Du mich findest." Er nahm sich eine Tasse Kaffee. "Ich bin in meinem Büro, und wenn Sam kommt, schickt ihn einfach rein." Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, verschwand er in sein Büro. Als Bette Sams Namen gehört hatte, schlug ihr Herz gleich ein wenig schneller.
"Kennst Du diesen Sam eigentlich näher?" fragte sie voller Hoffnung Meg.
"Ich weiß auch nur, dass es ein alter Freund von Ben ist und dass sie früher zusammen gearbeitet haben." erzählte Meg.
"Habe ich das richtig verstanden, dass er in Sunset Beach bleiben will?" bohrte Bette weiter. "Ja, das stimmt." nickte Meg. "Er ist der neue Sicherheitsbeauftragte für das Sunset Inn. Ben hat festgestellt, dass es dort erhebliche Sicherheitsmängel gibt."
"Aha, dann heißt das wohl, dass Sam in Zukunft öfter hier vorbeischauen wird." stellte Bette zufrieden fest.
"Das denke ich auch." sagte Meg. Mit einem Lächeln auf den Lippen, beobachtete sie Bette, wie sie einen Kamm aus Ihrer Handtasche holte und sich vor dem Spiegel über den Waschbecken kämmte. Dann nahm sie auch noch den Lippenstift und zog Ihre Lippen noch einmal nach.
"Hast Du ein Date in der Mittagspause?" fragt Meg.
"Noch nicht, aber man sollte auf alles vorbereitet sein, Muffin." antwortete Bette und zwinkerte ihr zu.
"Da hast Du wohl recht." stimmte Meg lachend zu. "Aber bevor wir an die Mittagspause denken können, sollten wir uns ein wenig an die Arbeit machen."
Bette seufzte zustimmend und setzte sich an Ihren Schreibtisch zurück.
Um den Kopf wieder etwas freier zu bekommen, war Sara joggen gegangen. Die frische Luft hatte ihr gut getan, und sie konnte ihrem ganzen Frust und Streß wegrennen. Während sie unter der Dusche stand und sich das Wasser über ihren Körper laufen ließ, überkam sie plötzlich wieder dieses beklommene Gefühl. Die konnte ihren Gedanken nicht entfliehen, egal, was sie auch anstellte! Mißmutig stieg sie aus der Duschwanne und griff nach einem Handtuch, als sie plötzlich in der unteren Etage eine Tür ins Schloß fallen hörte. Schnell griff sie nach ihrem Bademantel, zog ihn über und verließ den Raum.
Auf dem oberen Treppenansatz blieb sie stehen und schaute neugierig nach unten.
"Derek," rief sie überrascht, als sie ihn erkannte. "Da bist Du ja schon wieder. Ist etwas passiert?"
Sein Gesicht wirkte wie eine Maske. Keine Regung war darin zu erkennen. Sara beschlich ein ungutes Gefühl. Langsam ging sie die Treppe hinunter. Kaum war sie unten angelangt, ging er zwei Schritte auf sie zu und packte sie grob an den Armen.
"Ist es wahr?" fragte er wütend. Sara versuchte sich aus seinem Griff zu befreien, doch er hielt sie eisern fest.
"Was - was meinst Du?" fragte sie unsicher. Seine Augen glitzerten gefährlich. Ohne sich dessen wirklich bewußt zu sein, begann er sie zu schütteln.
"Dass Du schwanger bist!" stieß er hervor. Sara fühlte einen Kloß in ihrem Hals, und Leere breitete sich in ihrem Kopf aus. Sie schloß die Augen, weil sich plötzlich das ganze Zimmer zu drehen begann.
"Bist Du schwanger?" wiederholte Derek seine Frage und ließ sie nicht aus den Augen. Sara fühlte, wie ihr Tränen in die Augen schossen.
"Ja!" brachte sie schließlich mit erstickter Stimme hervor. Abrupt ließ Derek sie los, und Sara taumelte gegen den Tisch. Mit zittrigen Händen fuhr er sich durchs Haar. Sara atmete schwer und starrte ihn nur an. Es gab nichts, was sie ihm jetzt sagen konnte.
"Von wem ist es?" fragte er knapp. Sara riß entsetzt die Augen auf.
"Von wem? ... Wie kannst Du das fragen?" fragte sie empört. Dereks Miene verfinsterte sich. "Nun, vielleicht, weil es mich interessiert, mit wem Du außer mir noch herumgemacht hast."
Sara suchte Halt an der Tischplatte.
"Du glaubst also, daß ich mit einem anderen Mann geschlafen habe?" fragte sie ungläubig. "Nach allem, was zwischen uns war?" Sie konnte es nicht fassen. Derek sah sie an.
"Ja, von alleine wird man noch nicht schwanger," sagte er sarkastisch. Sara schüttelte den Kopf. "Es ist Dein Baby ... unser Baby," sagte sie eindringlich. Derek lachte höhnisch.
"Das ist die schlechteste Ausrede, die ich jemals gehört habe!" sagte er wütend. "Du weißt doch wohl, daß ich keine Kinder zeugen kann. Was soll also das blöde Gerede von wegen "unser" Baby?" Er stützte seine Hände in die Hüften. "Komm' schon, sag' mir, mit wem Du es getan hast ... Tim, Mark, Ben ...? Oder vielleicht jemand, den ich nicht kenne?" Derek hatte sich so in Rage geredet, daß er nicht mehr darüber nachdachte, was er überhaupt sagte.
Sara schaute ihn entsetzt an.
"Das meinst Du nicht wirklich ..." Sie drehte sich um und rannte die Treppe hinauf, mühsam ihre Tränen unterdrückend. Sie zerrte eine Reisetasche unter dem Bett hervor und begann wild, einige Sachen hineinzuwerfen. Sie warf den Bademantel in eine Ecke und zog sich schnell ein Kleid über. Als Derek hinter ihr herkam, war sie gerade dabei, den Reißverschluß der Tasche zu schließen.
"Was hast Du vor?" fragte er wütend. Sie vermied es, ihn anzusehen.
"Wenn Du so eine schlechte Meinung über mich hast, daß Du mir zutraust, daß ich fremdgegangen bin, haben wir uns nichts mehr zu sagen!" sagte sie unter Tränen. Derek atmete schwer.
"Ich liebe Dich und wäre niemals fähig gewesen, Dich zu betrügen," fuhr sie fort. Sie stieß ihn zur Seite und rannte die Treppe wieder hinunter. Als sie schon an der Tür war, hielt er sie am Arm fest.
"Wohin willst Du?" fragte er vorsichtig. Seine Wut war verflogen, und stattdessen verspürte er nur noch Verzweifelung.
"Weg von Dir," sagte sie knapp.
"Das ist doch keine Lösung," stieß er hervor. Sie sah ihn traurig an.
"Es gibt für alles eine Lösung," sagte sie. "Auch für dieses Problem ..." Sie legte eine Hand auf ihren Bauch. Derek runzelte die Stirn.
"Was meinst Du damit?" fragte er. Sara hob energisch den Kopf.
"Laß' mich los!" Sie befreite sich aus seinem Griff. "Wir haben uns nichts mehr zu sagen." Noch bevor Derek reagieren konnte, hatte sie das Haus bereits verlassen und rannte davon.
"Caitlin, ich muß mit Dir reden." Gabi packte Caitlin am Arm und blickte sie streng an. Gregory schaute überrascht zu Gabi. Gregory und Caitlin waren soeben ins Krankenhaus gekommen, um Olivia zu besuchen, und Gabi hatte die beiden noch im Krankenhausflur abgefangen.
"Um was gehts denn?"
Gabis Mundwinkel wurden schmal.
"Ich weiß, Caitlin, daß Du Deine Mutter sehr liebst. Aber in diesem Moment liegt in Los Angeles ein Mann im Krankenhaus, der noch nicht aus dem künstlichen Koma aufgewacht ist, und der noch von Glück reden kann, daß er diesen Unfall überhaupt überlebt hat. Ein junger, gesunder, sportlicher Mann."
"Ich weiß, und das tut mir auch leid."
Doch Gabi unterbrach sie.
"Auch wenn ich Deine Gründe verstehen kann, werde ich dein Verhalten nicht einfach so hinnehmen. Auf gar keinen Fall."
"Wovon redest Du?" "Caitlin, spiel mir doch nichts vor. Ich kannte das richtige Ergebnis. Ich weiß, das Deine Mutter betrunken war."
Nun meldete sich erstmals Gregory zu Wort.
"Nun, das Ergebnis das ich kenne, sagt da aber etwas anderes", meinte er kühl.
"Ganz genau", fuhr Gabi mit der Beherrschung kämpfend fort, "weil es gefälscht wurde. Caitlin hat es vorgeschlagen und jetzt..."
"Na, na, na. Ich hoffe, für diese Behauptung haben Sie irgendwelche Beweise."
"Ich brauche keine Beweise, ich weiß es. Ich habe das ursprüngliche Ergebnis gesehen." "Wahrscheinlich waren Sie überanstrengt. Kein Wunder, ein Freund von Ihnen hat mit dem Tod gerungen. Da verwechselt man leicht etwas."
"Ich - habe - nichts - verwechselt."
Plötzlich änderte sich Gregorys Tonfall. Er war jetzt deutlich drohender:
"Oh doch, das haben Sie. Und wenn Sie auf die Idee kommen, diese hirnrissigen Gedanken irgendjemanden zu erzählen, mache ich Sie fertig, das schwöre ich Ihnen. Denken Sie dran, daß auch Sie eine Schweigepflicht haben."
"Daddy", meinte Caitlin entsetzt.
"Schon gut", erwiderte Gabi wütend. "Mir ist jetzt klar, daß ich die Falsche verdächtigt habe. Auf Wiedersehen, Caitlin." Und sie eilte davon.
Keiner der drei hatte bemerkt, daß sie belauscht wurden.
Amy Nielsen war zu Olivias Krankenzimmer gegangen, in der Hoffnung, dort auf Sean zu treffen. Sie stand hinter einem Pfosten und hörte jedes Wort mit.
"Natürlich", fuhr es ihr durch den Kopf, "das hat er also gemacht." Und ein listiges Lächeln huschte über ihre Lippen.
Völlig aus der Puste blieb Sara irgendwann stehen. Sie drehte sich um und stellte enttäuscht fest, daß Derek ihr nicht gefolgt war. Es war eine Illusion zu glauben, daß vielleicht doch noch alles gutgehen würde und sie beide, mit ihrem Baby zusammen, glücklich bis ans Ende der Welt leben könnten!
Sie schüttelte den Kopf. Sowas gab es nur in Filmen. Sie seufzte tief, setzte sich auf einen Felsen, stützte ihr Kinn in die Hände und dachte nach. Wo sollte sie hingehen? Fast bereute sie schon ihr Weglaufen, aber Dereks Hass und Ablehnung hätte sie auch nicht länger ertragen können. Zu Meg konnte sie nicht gehen und auch nicht ins Surf Center, und ihre Eltern wollte sie damit auch nicht belasten. Derek würde sie außerdem sofort aufspüren, und was wäre dann? Sara dachte an ihren OP-Termin, und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Verzweifelung stieg in ihr hoch. Sie hatte alles verloren - ihr unbeschwertes Leben, Derek, ein Zuhause, die Aussicht auf eine glückliche Zukunft ... Sara legte vorsichtig beide Hände auf ihren Bauch und schloß die Augen. Als sie sie wenig später wieder öffnete, hatte sie einen Entschluß gefasst: Sie würde dieses Baby behalten - egal, was passieren würde!
"Ich gebe Dich nicht her!" flüsterte sie leise. "Du bist alles was mir bleibt." Erleichtert und geradezu befreit stand sie auf und schaute aufs Meer hinaus. Jetzt mußte sie als erstes eine Unterkunft finden, denn am Strand konnte sie nicht übernachten. Sara holte ihre Geldbörse hervor und zählte die Scheine und Münzen. Genug, um für eine Weile über die Runden zu kommen, stellte sie fest. Sie beschloß, sich fürs erste im "Sunset Inn" einzumieten.
Entschlossen nahm Sara ihre Tasche und machte sich auf den Weg zum Hotel.
Sam betrat das Vorzimmer von Bens Büro und lächelte, als er Bette dort in Ihrer Arbeit vertieft sitzen sah.
"Guten Tag, die Damen." sagte er.
"Hi Sam," Meg sah von Ihrer Arbeit auf.
"Oh guten Tag Mr. Peterson, nett Sie zu sehen." sagte Bette mit einem strahlenden Lächeln.
Sam bleib vor Bettes Schreibtisch stehen und sah sie mit seinen tiefgrünen Augen an.
"Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, dass Sie mich Sam nennen? Alle meine Freunde tun das."
Bette senkte für einen kurzen Augenblick ihre Augen, um Sam dann wieder mit einem koketten Augenaufschlag anzusehen.
"Hallo Sam." sagte sie dann mit rauher Stimme, die Sam erschauern ließ.
"Ist Ben zu sprechen?" konnte er gerade noch so hervorbringen. Bette nickte.
"Gehen Sie nur rein zu ihm, er wartet schon auf Sie, Sam."
Sam lächelte Bette an.
"Danke, ich hoffe,
Sie haben nachher Zeit für eine Tasse Kaffee mit mir." sagte er, bevor er an
Bens Bürotür klopfte.
"Herein!" rief Ben und schaute von seiner Arbeit auf. Die Tür öffnete sich und
Sam trat ein.
"Hi Ben, ich hoffe, Du hattest ein paar schöne Tage."
Ben legte seinen Stift weg und wies mit der Hand auf den freien Stuhl auf der anderen Seite seines Schreibtisches.
"Setz Dich. Ja, wir hatten eine schöne Zeit. Und hast Du Dich schon im Sunset Inn eingelebt?" Sam nickte.
"Ja danke, Du weißt, ich brauche nicht viel. Ein warmes und trockenes Bett reicht mir."
"Immer noch der Alte." lachte Ben. "Und hast Du schon ein wenig mit der Arbeit angefangen?" "Ja," antwortete Sam "aber leider werden da so einige Kosten auf Dich zu kommen, das Sicherheitssystem dort ist vollkommen veraltet."
"Das habe ich schon befürchtet." seufzte Ben "Aber was soll es, ich will das Sunset Inn zu einem der besten Hotels in Sunset Beach ausbauen, da werde ich so manches noch investieren müssen." "Dann ist es also okay, wenn ich ein paar Änderungen vornehme?" fragte Sam noch einmal.
"Ja," antwortete Ben "da lass ich Dir freie Hand."
"Gut" Sam stand auf. "Ich will Dich nicht weiter aufhalten, außerdem möchte ich mit Deiner Sekretärin noch einen Kaffee trinken."
"Mit Meg?" Ben schaute Sam erstaunt an.
"Nein," lachte dieser, "da komme ich Dir schon nicht in die Quere. Ich meinte Bette."
Noch bevor der erstaunte Ben etwas erwidern konnte, hatte Sam auch schon sein Büro verlassen.
Nervös rannte Derek im Wohnzimmer auf und ab. Er öffnete die Tür und sah nach draußen, doch von Sara war keine Spur zu sehen. Er schloß die Tür und rannte die Treppe zum Schlafzimmer hinauf. Nachdem er den Kleiderschrankinhalt überprüft hatte, überkam ihn Mutlosigkeit. Sara hatte einen Großteil ihrer Kleidung mitgenommen, was bedeutete, daß sie nicht vorhatte, wieder so schnell zu ihm zurückzukehren - vielleicht nie mehr ... Derek ließ sich aufs Bett fallen. Seine Hände umschlossen Saras Kopfkissen, während er sein Gesicht hineinpresste. Ein Hauch von ihrem Parfum stieg ihm in die Nase, und er fühlte einen körperlichen Schmerz, als er daran dachte, daß er sie vielleicht für immer verloren hatte. Er machte sich Vorwürfe, daß er sie nicht daran gehindert hatte, das Haus zu verlassen. Er hätte hinter ihr nachgehen können, aber stattdessen war er noch so voller Wut und Hass gewesen, daß er nicht klar denken konnte.
Derek setzte sich auf. Das Kissen hielt er weiterhin in den Händen. Die Ereignisse der letzten Stunden gingen ihm durch den Kopf. Verzweifelung überkam ihn, als er daran dachte, was er Sara alles vorgeworfen hatte.
"Mein Gott, was habe ich nur getan?" flüsterte er leise und schüttelte den Kopf. Was hatte Sara zum Abschied gesagt? Sie würde ihn lieben und wäre niemals fähig gewesen, mit einem anderen Mann zu schlafen? Derek stockte der Atem, als er über die Konsequenzen ihrer Aussage nachdachte. Das würde ja bedeuten, daß das Baby von ihm wäre! Aber wie konnte das nur sein, nachdem ihm die Ärzte bestätigt hatten, daß er keine Kinder zeugen konnte?
In Dereks Kopf schwirrten Hunderte von Fragen auf die er keine Antwort fand, egal, wie lange er darüber nachdachte. Eine Frage beschäftigte ihn besonders: Wo war Sara?
Derek starrte durch das Schlafzimmerfenster nach draußen. Plötzlich kam ihm ein Gedanke. Vielleicht wußten Meg und Ben, wo Sara sich aufhielt. Auch wenn er diese Möglichkeit für unwahrscheinlich hielt, aber ein Versuch war es wert!
Derek ging die Treppe nach unten, griff zum Telefon und wählte Bens Nummer im Büro.
Als Casey die Augen aufschlug, sah er die verschwommenen Gestalten, die sich um sein Bett versammelt hatten. Es waren insgesamt drei.
"Casey. Oh Endlich", hörte er eine ihm vertraute Stimme.
"Mum?", fragte er vorsichtig. Dann sprach die zweite Gestalt, die lange, schwarze Haare hatte und einen Arztkittel trug.
"Nicht Casey", ermahnte Rae ihn. "Sag besser nicht so viel. Das überanstrengt Dich nur."
"Hey Kumpel", hörte Casey nun Michaels Stimme. "Du hast uns einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Mach sowas bloß nicht nochmal."
"Was ist passier? Wo bin ich?"
"Im Los Angeles General Hospital", erwiderte Rae. "Du hattest einen Unfall."
"Einen Unfall?"
"Kannst Du dich daran erinnern?"
"Dunkel. Ein Auto kam.... Ricardo... Wie geht es Ricardo?"
"Ihm ist nichts passiert", antwortete Michael sofort. "Er war bereits hier, hat sich ziemliche Sorgen um dich gemacht. Wie wir alle."
"Du solltest Dich jetzt wieder ausruhen", meinte Alex. "Nicht wahr, Dr. Chang?"
"Ganz recht", bestätigte Rae. "Casey braucht jetzt vor allem Ruhe. Darum ist es besser, wir gehen erstmal alle raus. Wir kommen später wieder, Casey."
Die drei verabschiedeten sich von ihm und verließen das Krankenzimmer. Michael hielt Rae am Arm fest.
"Wann willst Du ihm das sagen, mit seinen Beinen?"
"Jetzt noch nicht", sagte Rae entschieden. "Erst wenn es ihm etwas besser geht. In diesem Zustand wäre der Schock zuviel für ihn. Er wird es ohnehin bald merken, daß er seine Beine nicht mehr spürt!", seufzte sie.
"Aber es gibt doch noch Hoffnung", fragte Alex.
"Die gibt es", nickte Rae. "Aber dazu muß er sich einer weiteren Operation unterziehen. Und in diesem Zustand kann ich das keineswegs verantworten."
"Ob sie sich wohl schon getrennt haben?", fragte Annie hoffnungsvoll. Cole drehte sich verwundert zu ihr um.
"Wen meinst Du? Wovon redest Du?"
"Nichts weiter", erwiderte Annie schnell. "Ich habe mit mir selbst gesprochen."
"Du hast Dich gefragt, ob sich irgendwer schon getrennt hat. Wen hast Du gemeint?" "Niemanden. Ich hab doch gesagt, es ist nichts."
Doch Cole kam direkt auf sie zu und blickte ihr fest in die Augen.
"Wirklich Cole, glaub mir doch, ich..."
"Annie..."
"Schon gut. Ich habe Derek und Sara gemeint."
"Derek und Sara? Aber warum denn das?"
"Tja, sieht wohl so aus, als ob Kansas Girl II vernünftig geworden wäre, und erkannt hat, daß es bessere Männer gibt, als Derek."
"Wie kommst Du denn darauf?"
"Weil sie schwanger ist. Frag mich jetzt bitte nicht, woher ich es weiß. Aber ich weiß es. Und ich weiß, daß Derek unmöglich der Vater sein kann."
"Du meinst, sie trennt sich von ihm, um zu dem Vater des Kindes zu gehen?"
"Entweder das. Oder aber Derek hat sich von ihr getrennt, jetzt nachdem er die Wahrheit erfahren hat."
"Sara hat sie ihm gesagt?"
"Ähhh, nein. Ich habe sie ihm gesagt."
"Du hast was?"
"Ach komm schon. Ich meine, er hat ein Recht darauf, es zu erfahren, oder etwa nicht."
"Ich würde gerne wissen, ob Du auch so reagiert hättest, wenn ihm jemand von Deiner Schwangerschaft erzählt hätte, während Ihr verlobt wart."
Annie zog eine Grimmasse.
"Tja", meinte sie sarkastisch, "scheinbar hat der gute Derek etwas an sich, daß die Frauen allesamt von ihm fortrennen läßt, nachdem sie ihn erstmal besser kennengelernt haben." "Vielleicht hat er sich ja ernsthaft in Sara verliebt."
"Der doch nicht", meinte sie plötzlich heftig. "Nie im Leben. Du hättest sehen sollen, wie er mich behandelt hat. Er kann überhaupt nicht wirklich lieben. Er kann die Menschen nur verletzen. Je schneller Sara Cummings das begreift, desto besser. Im Grunde habe ich ihr sogar einen Gefallen getan."
"Menschen ändern sich", erwiderte Cole vorsichtig. Annie stieß einen verächtlichen Laut hervor. "Wenn Du meinst", erwiderte sie dann. "Aber ich möchte dich daran erinnern, daß Du vor ein paar Tagen noch vermutet hast, Derek hätte an dem Gerüst manipulieren lassen."
"Und er hat sich als unschuldig erwiesen", konterte Cole. "Vielleicht ist er ja gar nicht so schlecht, wie Du denkst?"
"Ich besuch Dich später nochmal, Liebes." Gregory nahm Olivia vorsichtig in den Arm und verabschiedete sich dann von ihr. Vor dem Krankenzimmer wartete bereits jemand auf ihn.
"Mr Richards", sprach Amy Nielsen ihn an.
"Miss Nielsen", erwiderte Gregory. "Was für eine angenehme Überraschung." Das meinte er allerdings nicht im geringsten so. "Sind Sie zufällig hier oder wollen Sie mit mir sprechen?"
"Ich möchte mit Ihnen sprechen", gab Amy zurück. "aber nicht hier, sondern irgendwo, wo wir ungestörter sind."
Gregory wurde ungeduldig.
"Ich habe in der letzten Zeit unheimlich viel um die Ohren. Sowohl privat, und im Büro ist auch einiges liegengeblieben. Also wenn Sie etwas bestimmtes von mir wollen, dann spucken Sie es endlich aus, und wenn nicht, dann lassen Sie mich bitte in Ruhe."
"Also gut, wie Sie meinen. Ich habe nachgedacht, Mr Richards..."
"Ich kann verstehen, daß das für Sie etwas Außergewöhnliches gewesen sein muß. Aber was habe ich damit zu tun, wenn Sie sich ungeahnten geistigen Höhenflügen hingeben?"
"Lassen Sie mich doch ausreden. Ich habe nachgedacht, und mir sind einige Dinge klargeworden. Zum Beispiel das Ergebnis des Alkoholtests Ihrer Frau."
"Was ist Ihnen daran klargeworden? Ich weiß zwar nicht, woher Sie von diesem Test wissen, aber das Ergebnis ist ganz eindeutig. Meine Frau war nicht betrunken, als sie Auto gefahren ist." "Das sagt das offizielle Ergebnis. Aber Sie und ich wissen, daß es auch ein inoffizielles gibt." "Ich habe keine Ahnung, wovon Sie reden", antwortete Gregory kühl.
"Natürlich haben Sie das", konterte Amy. „Das Ergebnis wurde gefälscht, und zwar von Eddie Connors, in Ihrem Auftrag."
"Ich nehme nicht an, daß Sie Beweise für diese lächerliche Behauptung haben."
"Beweise? Ich habe mehr als das. Ich habe Eddie Connors gesehen!"
"Sie haben was? Lächerlich."
"Das ist überhaupt nicht lächerlich. Ich habe Eddie Connors gesehen, wie er die Schwester weggelockt hat, und sich dann am Computer zu schaffen gemacht hat. Und ich habe Sie gesehen, wie Sie angeblich zusammengebrochen sind. Seltsamer Zufall, nicht wahr, wenn man bedenkt, daß Sie kurz zuvor noch mit Eddie Connors telefoniert haben."
Gregory blickte sie eiskalt an.
"Was wollen Sie?"
"Oh, Mr Richards, was denken Sie von mir."
"Hören Sie auf mit den Spielchen, wenn Sie nichts von mir wollten, wären Sie nicht hier, sondern gleich bei der Polizei. Also, was wollen Sie hier?"
"Sean“ antwortete Amy mit fester Stimme.
Plötzlich fing Gregory an hysterisch zu lachen.
"Sie also auch. Warum denkt eigentlich jede Blondine, ich hätte irgendwelchen Einfluß auf meinen Sohn?"
Amy schien nicht zu verstehen, was er meinte. Sie antwortete:
"Sie werden dafür sorgen, daß Tiffany verschwindet und daß ich Sean zurückbekommen kann, ganz einfach."
Gregory wollte gerade etwas antworten, als er eine Stimme hörte:
"Daddy?"
Er drehte sich um und Sean und Tiffany tauchten hinter ihm auf.
"Was will Amy denn hier?"
"Ich war nur hier, um mich nach dem Zustand Deiner Mutter zu erkundigen, aber jetzt muß ich auch schon wieder weg, bye."
Weder Sean noch Tiffany schienen das zu glauben, sie blickten Gregory zweifelnd an.
"Was wollt ihr?", antwortete dieser. "Ihr habt doch gehört, was sie gesagt hat. Ich muß jetzt ins Büro."
"Okay", meinte Sean, der Gregory aber noch immer zweifelnd betrachtete. "Ich sag dann mal Mum Guten Tag, kommst Du, Tiff?"
"Einen Moment noch. Ich komme gleich nach." Sie wartete, bis Sean verschwunden war, dann ging sie einen Schritt auf Gregory zu.
"Ich weiß nicht, was Sie mit Amy Nielsen zu besprechen hatten. Aber ich möchte Sie nochmal ausdrücklich an unser Abkommen erinnern. Sie wissen, was passiert, wenn Sie es nicht einhalten." Abrupt wandte sich Tiffany um und ging nun ebenfalls in Olivias Zimmer.
"Abkommen, das ich nicht lache", knurrte Gregory. "Ich nenne sowas Erpressung." Aber plötzlich, als ob er mit der Luft Probleme hätte, lockerte er seinen Kragen etwas und atmete tief durch.
Vorsichtig schob Ricardo die schwere Holztür auf und betrat die Kirche. Er konnte sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal hier gewesen war, aber heute war er aus einem besonderen Grund da. Seine Mutter hatte ihn angerufen und erzählt, daß Antonio endlich in Sunset Beach angekommen war, und Ricardo hatte sich gleich auf den Weg gemacht. Er freute sich schon sehr darauf, seinen jüngeren Bruder wiederzusehen, denn als sie noch Kinder waren, waren sie unzertrennlich gewesen.
Ricardo sah sich in der alten Kirche um. Sein Blick blieb an dem mit Blattgold verziertem Holzkreuz hängen. Aus einem inneren Zwang heraus ging er nach vorne und kniete sich auf die kühlen Marmorfliesen.
"Bitte," flehte er. seinen Blick zum Kreuz erhoben, "Laß Casey wieder gesund werden!"
"Ricardo?"
Ricardo fuhr zusammen, doch ein Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er seinen Bruder erkannte.
"Antonio!" Er sprang auf und umarmte ihn spontan. Antonio erwiderte die Umarmung. Als Ricardo wieder aufsah, sah Antonio ihn leicht verlegen an.
"Vielleicht nicht ganz der richtige Ort, um unser Wiedersehen zu feiern," stellte er fest und grinste. Ricardo schüttelte den Kopf.
"Nein, wohl nicht, aber wo soll ich meinen Bruder sonst suchen, wenn nicht in der Kirche?" Antonio lachte leise.
"Du hast recht. Komm', wir gehen ins Gemeindehaus rüber. Dort können wir besser reden." Ricardo nickte und folgte Antonio hinüber ins Gemeindehaus.
Nachdem Antonio für Ricardo und sich einen Kaffee gemacht hatte, setzten sie sich an einen kleinen Tisch.
"Und," fragte Antonio vorsichtig," wie geht es Dir?"
Ricardo sah ihn an.
"Mama hat Dir sicher schon erzählt, was passiert ist, oder?"
Antonio nickte.
"Nun," fuhr Ricardo fort," dann weißt Du ja, wie es mir geht!" Seine Stimme klang bitter. Antonio legte ihm eine Hand auf den Arm.
"Ich weiß, daß Du einen Unfall hattest und ein Bekannter von Dir dabei schwer verletzt wurde, aber wie es dazu kam, konnte mir unsere Mutter nicht sagen."
Ricardo wich seinem Blick aus.
"Du mußt nicht darüber reden, wenn Du nicht möchtest," sagte Antonio schnell, doch Ricardo nickte heftig.
"Doch, Du bist der einzige, dem ich das anvertrauen kann."
Antonio sah ihn überrascht an.
"Dein Vertrauen ehrt mich ... also, was ist passiert?"
Ricardo nahm einen Schluck aus seiner Tasse und begann seinem Bruder von dem verhängnisvollen Nachmittag zu erzählen. Er ließ nichts aus und erzählte Antonio sogar, daß er sich mit Casey wegen Gabi gestritten hatte. Ihren Namen erwähnte er jedoch nicht. Als er seine Erzählung beendet hatte, sah Antonio ihn mitfühlend an.
"So, wie ich das sehe, fühlst Du Dich schuldig, weil nicht Du sondern Dein Freund Opfer dieses Unfalls wurde. Am liebsten wäre es Dir gewesen, wenn Du unter dem Auto gelandet wärst. Ist es nicht so?" Antonio sah Ricardo prüfend an. Dieser hatte die Lippen zusammengepresst und schaute in seine Kaffeetasse hinein, wo man auf dem Grunde nur noch den Kaffeesatz erkennen konnte.
"Und das schlimme ist," sagte er traurig," daß ich sie nun endgültig verloren habe."
Antonio rückte den Stuhl näher an den Tisch heran.
"Hast Du nach dem Unfall mir ihr reden können?" fragte er neugierig. Ricardo nickte.
"Ja, und sie versicherte mir, daß es nur eine Affäre gewesen wäre und sie mich weiterhin lieben würde."
Antonio lächelte.
"Dann ist doch alles bestens!"
Ricardo schüttelte den Kopf.
"Nein, ist es nicht! Nicht solange Casey durch meine Schuld im Krankenhaus liegt." Er atmete tief durch. "Wenn ich sie ansehe, sehe ich immer nur Casey und sie ... und wenn ich an Casey denke, habe ich wieder diesen schrecklichen Moment vor Augen, wo das Auto auf uns zuraste ..." Ricardos Stimme versagte. Verzweifelt sah er Antonio an. "Kannst Du nun verstehen, warum ich nicht einfach so tun kann, als ob nichts geschehen wäre?"
Antonio nickte.
"Ja, ich verstehe Dich. Du stehst immer noch unter Schock. Vielleicht solltet Ihr Euch einfach ein bisschen mehr Zeit lassen."
Ricardo stand auf.
"Danke, kleiner Bruder!" Er zwang sich zu einem Lächeln. "Jetzt geht es mir schon besser, nachdem ich mir alles von der Seele reden konnte."
Antonio stand ebenfalls auf.
"Dafür sind Brüder doch da, und wenn Du Sorgen hast, kannst Du jederzeit wieder zu mir kommen."
Ricardo nickte. Die beiden Brüder umarmten sich ein letztes Mal, und Ricardo verließ das Gemeindehaus.