Nachdem Ben zusammen mit Mark zwei Stunden lang einige Papiere durch gegangen war, begann Ihm der Kopf zu schwirren.
Ben: „War das jetzt alles, Mark?“
Mark: „Ich denke schon. Entschuldige noch einmal, dass ich Dich gleich heute damit belästigt habe, aber diese Bestellungen können eben nicht ohne Deine Unterschrift gemacht werden.“
Ben: „Ist schon gut Mark. Auch wenn ich mich im Moment noch nicht daran erinnere, so bin ich doch der Besitzer vom Java Web und dem Deep.“
Mark: „Du brauchst aber trotzdem noch Ruhe, außerdem denke ich, dass zu Hause eine hübsche Ärztin auf Dich wartet.“
Ben lächelte bei den Gedanken an Meg.
Ben: „Ja, da hast Du wohl recht und Meg ist wirklich wunderschön, findest Du nicht auch? Ach, da fällt mir ein, wir hatten gestern Abend einen eigenartigen Besuch. Sagt Dir der Name Annie D...“
Mark: „Oh nein, erzähl mir nur nicht, dass Annie schon über Dich hergefallen ist.“
Ben: „Doch, sie tauchte gestern Abend ganz plötzlich bei uns auf. Weißt Du vielleicht, ob ich mal eine Beziehung zu der Dame hatte?“
Mark: „Ich wette, wenn Du Annie fragst, dann gehörst Du Ihr. Nun, Ihr seid sehr gute Freunde. Annie war die beste Freundin Deiner Frau Maria und Ihr zwei habt schon viel miteinander durchgemacht. Aber soweit ich weiß, war da nichts zwischen Euch. Aber andererseits, hast Du über so etwas nie viel gesprochen und Annie hat einen Schlüssel zu Deinem Haus und kann dort Tag und Nacht ein und aus gehen.“
Ben seufzte.
Ben: „Okay, ich denke, dann muss ich wohl mal mit Annie darüber sprechen. Es wäre nicht gut, wenn sie ständig bei uns ein und ausgehen kann.“
Mark grinste.
Mark: „Darum beneide ich Dich nicht.“
Ben: „Ich gehe dann mal. Wenn noch etwas ist, ruf mich einfach an.“
Mark: „Mache ich, aber erhol Dich erst einmal.“
Als Ben das Deep verlassen wollte, stieß er in der Tür mit einem dunkelhaarigen Mann zusammen.
Ricardo: „Ah Evans, ich habe schon gehört, dass Du wieder da bist.“
Ben runzelte die Stirn und sah den, Ihm fremden, Mann an.
Ben: „Ich bin seit gestern wieder zurück. Und wer sind Sie?“
Ricardo: „Tust Du jetzt nur so oder weißt Du etwa tatsächlich nicht mehr, wer ich bin?“
Ben: „Tut mir leid, aber seit einiger Zeit leide ich an Amnesie.“
Ricardo: „Wir praktisch für Dich Evans. Hast Du auch vergessen, was Du meiner Schwester angetan hast?“
Ben: „Bitte?“
Ricardo: „Ich bin Ricardo Torres, der Bruder von…”
Ben: „Maria, meiner verstorbenen Frau.“
Ricardo: „Sieh an, Du erinnerst Dich also doch?“
Ben: „Nein, ich habe es lediglich in den Unterlagen über mich gelesen.“
Ricardo: „Wie dem auch sei, glaube ja nicht, dass Du damit bei mir durch kommst, ich werde beweisen, dass es Deine Schuld war, dass Maria ertrunken ist.“
Ben wurde ärgerlich und langsam begann sein Kopf zu schmerzen.
Ben: „Was mit Maria passiert ist, tut mir leid. Aber ich kann nicht über etwas reden, an dass ich mich nicht erinnern kann. So und nun bitte ich um Entschuldigung, aber ich muss gehen.“
Ben schob Ricardo zur Seite.
Ricardo: „Gut, aber denk immer daran, dass ich Dich gut beobachte Evans.“
Ben: „Tu was Du nicht lassen kannst.“
Ben stieg in sein Auto und fuhr zu seinem Haus zurück. Bevor er die Haustür öffnete, rieb er sich noch einmal die schmerzende Stirn und holte tief Luft.
Ben: „Meg ich bin zurück!“
Ben erhielt keine Antwort. Er ging die Treppe in das obere Stockwerk hinauf.
Ben: „Meg bist Du hier?“
Er öffnete die Schlafzimmertür und sah hinein.
Ben: „Meg? Hast Du Dich hingelegt?“
Aber auch das Schlafzimmer war leer. Ben schaute in jedem Raum auf der Etage nach, konnte aber keine Spur von Meg entdecken. Dann ging er wieder hinunter.
Ben: „Meg bist Du hier unten?“
Auch unten suchte er alle Räume ab, leider ohne Erfolg. Dann trat er auf die Terrasse hinaus. Er schaute auf den Strand hinunter.
Ben: „Vielleicht macht sie ja einen Spaziergang am Strand.“
Ben holte tief Luft, denn der Schmerz in seinem Kopf nahm immer mehr zu. Er beschloss wieder hinein zu gehen und eine von den Tabletten einzunehmen, die Meg Ihm gegeben hatte. Er fand das kleine Fläschchen mit den Tabletten in seiner Nachtischschublade. Er nahm eine davon ein und beschloss sich ein wenig im Wohnzimmer auf das Sofa zu legen. So würde er mitbekommen, wenn Meg zurück kehrte. Er ging ins Wohnzimmer hinunter. Als er sich auf das Sofa setzte, fiel sein Blick auf einen Umschlag mit seinem Namen darauf, der auf dem Tisch lag. Er nahm den Umschlag in die Hand und öffnete diesen. Er holte den Briefbogen heraus und begann zu lesen.
Lieber Ben,
diese Zeilen zu schreiben, ist mir so schwer wie noch nie etwas in meinem Leben gefallen. Als ich Dich das erste mal gesehen habe und in Deine blauen Augen gesehen habe, habe ich mich in Dich verliebt. Und je besser ich Dich kennen gelernt habe, umso tiefer ist meine Liebe für Dich geworden.
Der Abend, an dem Du mir Deine Gefühle mir gegenüber gestanden hast, war der glücklichste Abend in meinem Leben und ich werde diese Nacht nie vergessen, sie ist tief in mein Herz eingebrannt.
Darum fällt es mir auch so schwer, dass nun zu tun, was ich tun muss, aber wir hatten vereinbart, dass wenn Du eine Familie in Sunset Beach hast, würden wir diese nicht zerstören. Erst sah ja alles gut für uns aus, aber dann ist Annie Douglags aufgetaucht. Ich weiß, Du hast mir gestern Abend versichert, dass Du nichts für Annie empfindest, aber zwischen Euch ist mehr.
Ben, es fällt mir schwer Dir dieses zu sagen, aber Annie war heute morgen noch einmal da und wir haben uns unterhalten. Dabei habe ich herausgefunden, dass Annie schwanger ist. Sie erwartet Dein Baby, wie sie mir versichert hat. Sie und das Baby brauchen Dich nun.
Um uns den Abschied nicht noch schwerer zu machen, gehe ich solange Du noch bei Mark bist. Ben, ich bitte Dich noch um eins, versuche Dich nicht, mit mir in Verbindung zu setzen. Ich werde noch meinen Urlaub ausnutzen und irgendwo hin fahren. Die Zeit mit Dir war wunderschön und ich werde sie nie vergessen, aber nun ist es Zeit für mich, Dich loszulassen. Du hast ein anderes Leben, ein Leben in das ich nicht hinein passe.
Leb wohl!
In Liebe
Meg
Ben saß wie erstarrt da und musste den Brief dreimal lesen, bevor er begriff, was da geschehen war. Meg hatte Ihn verlassen und Annie bekam ein Kind von Ihm. Ben wusste nicht, wie lange er da gesessen hatte und auf den Brief starrte, als es an der Haustür klingelte. Ein wenig Hoffnung keimte in Ihm auf und er stürzte zur Tür, um sie zu öffnen. Aber er wurde enttäuscht.
Ben: „Annie!“
Annie schob sich an Ben vorbei und betrat das Haus.
Annie: „Ganz richtig, ich bin es Liebling.“
Sie sah sich um und konnte keine Spur von Meg entdecken.
Annie: „Wo ist denn Meg? Wir hatten eine nette Unterhaltung heute morgen.“
Ben schnaufte.
Ben: „Das kann ich mir vorstellen, denn Sie ist abgereist.“
Ben schloss die Haustür.
Ben: „Sie hat mir einen Brief hinterlassen, in dem Sie schreibt, Du wärst von mir schwanger, stimmt das?“
Annie: „Tut mir leid, dass Du es so erfahren musstest, aber es stimmt, wir beide bekommen ein Baby.“
Ben fühlte sich, als ob Ihm soeben der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und Ihm wurde schwarz vor Augen.
Kapitel 12
Annie starrte einen Augenblick auf den bewusstlosen Ben vor ihren Füssen.
Annie: „Ben was ist los?“
Sie kniete sich nieder und versuchte Ben wieder aufzuwecken, hatte aber keinen Erfolg. Dann sah sie sich im Zimmer um und entdeckte eine Vase mit Blumen. Sie sprang auf, zog die Blumen aus der Vase und kippte Ben das Wasser ins Gesicht.
Annie: „Ben, bitte wach doch auf!“
Ben öffnete langsam die Augen.
Ben: „Was ist passiert?“
Er setzte sich auf und sah sich um.
Ben: „Annie? Was machst Du denn hier?“
Annie: „Alles in Ordnung Ben? Du hast mich ganz schön erschrocken.“
Langsam stand Ben auf.
Ben: „Ja, aber nun sag mir doch endlich was Du hier willst?“
Annie: „So eine dumme Frage. Eben habe ich Dir erzählt, dass wir beide ein Baby bekommen und Du fällst vor lauter Glück in Ohmacht…“
Ben lachte trocken auf.
Ben: „Wir beide sollen ein Baby bekommen? Wie kommst Du nur darauf?“
Annie: „Wie ich darauf komme? Bevor Du nach Kansas gefahren bist, hast Du mir endlich Deine Liebe gestanden und wir haben miteinander geschlafen.“
Ben schüttelte seinen Kopf.
Ben: „Wir haben nichts dergleichen getan.“
Annie: „Ach komm Ben, Du erinnerst Dich bloß nicht mehr daran…“
Ben: „An so etwas würde ich mich ganz bestimmt erinnern.“
Annie stampfte mit dem Fuß auf.
Annie: „Du bist gemein. Du willst Dich nur nicht daran erinnern, aber ich bin nun mal schwanger. Endlich war es mir gelungen, Dich über den Tod von Maria hinweg zu trösten…“
Ben: „Maria!“
Ben drehte sich um und rannte zur Haustür.
Annie: „Hey, was fällt Dir ein, Du kannst doch jetzt nicht einfach weglaufen. Wir haben soviel zu besprechen. Unsere Hochzeit…“
Ben drehte sich noch einmal kurz um.
Ben: „Jetzt hör endlich auf Annie. Wir haben nie miteinander geschlafen. Wenn Du schwanger bist, dann ganz bestimmt nicht von mir. Schließ bitte die Tür hinter Dir, wenn Du gehst.“
Annie bekam keine Gelegenheit mehr, etwas zu sagen, denn Ben hatte schon dass Haus verlassen.
Apartment von Ricardo
Atemlos stand Ben vor der Tür zu Ricardos Apartment und klopfte an die Tür.
Ben: „Ricardo, wenn Du da bist, mach bitte auf!“
Einen Augenblick später öffnete sich die Tür.
Ricardo: „Na Evans? Bring Dich Dein schlechtes Gewissen hier her?“
Ben schob Ricardo zur Seite und betrat das Apartment.
Ben: „Hör endlich auf damit. Ich habe Maria nicht umgebracht.“
Ricardo: „Tja, ich bin da anderer Meinung.“
Ben: „Das weiß ich, aber Maria lebt.“
Ricardo sah Ben überrascht an.
Ricardo: „Bist Du jetzt völlig übergeschnappt?“
Ben schüttelte seinen Kopf.
Ben: „Ganz und gar nicht. Ich kann mich wieder an alles erinnern.“
Ricardo: „So plötzlich?“
Ben nickte.
Ben: „Ja. Meg, meine Ärztin hatte mir gesagt, dass es ganz plötzlich passieren kann.“
Ricardo: „Und nun willst Du Dein Gewissen erleichtern und mir endlich erzählen, was mit Maria passiert ist?“
Ben schüttelte seinen Kopf.
Ben: „Das kann ich nicht, weil ich es nicht weiß.“
Ricardo: „Evans hör zu, ich habe für solche Spielchen keine Zeit…“
Ben packte Ricardo am Arm.
Ben: „Ricardo Du verstehst mich nicht. Ich habe Maria gesehen. In Kansas, bevor ich mein Gedächtnis verloren habe.“
Verwirrt starrte Ricardo Ben an.
Ricardo: „Wie meinst Du das?“
Ben rieb sich seine Stirn.
Ben: „Hast Du ein Glas Wasser für mich? Dann erzähle ich Dir die ganze Geschichte.“
Ricardo nickte und holte ein Glas Wasser für Ben.
Ricardo: „Und nun erzähl.“
Ben: „Ich war in Kansas City zu dieser Konferenz. An einem Nachmittag waren wir schon sehr früh fertig und ich ging zurück in mein Hotelzimmer. Ich habe mir ein Kaffee bestellt und dann aus dem Fenster gesehen. Dann habe ich sie gesehen. Maria betrat ein Haus auf der anderen Straßenseite.“
Ricardo sah Ben ungläubig an.
Ricardo: „Ben, das war vielleicht eine Frau, die Maria nur ähnlich sah.“
Ben schüttelte seinen Kopf.
Ben: „Das habe ich auch erst gedacht, aber gleichzeitig wusste ich, dass ich mich nicht so geirrt haben konnte. Ich bin hinaus gelaufen und habe an die Tür gegenüber geklopft. Und dann hat sie mir die Tür geöffnet. Wir beide haben uns nur angestarrt, dann sagte sie erschrocken: Oh mein Gott Ben!“
Ricardo sprang auf.
Ricardo: „Und dann bist Du einfach so wieder gegangen? Warum hast Du sie nicht nach Hause gebracht?“
Ben: „Ricardo da ist noch mehr. Maria war schwanger, hochschwanger. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Dann hörte ich ein Geräusch hinter mir. Aus dem Augenwinkel konnte ich gerade noch Derek erkennen, dann bekam ich einen Schlag auf den Kopf und alles um mich herum wurde dunkel. Aufgewacht bin ich dann im Krankenhaus.“
Ricardo: „Mit der angeblichen Amnesie.“
Ben: „Ich hatte wirklich eine Amnesie.“
Ricardo kreuzte die Arme vor der Brust.
Ricardo: „Ich glaube Dir kein Wort, Evans. Du versuchst nur von Deinem Verbrechen abzulenken. Wenn Maria noch am Leben wäre, hätte sie es mich wissen lassen.“
Ben schüttelte seinen Kopf.
Ben: „Da bin ich nicht so sicher. Wie es scheint, ist sie damals mit Derek auf und davon…“
Ricardo lachte trocken auf.
Ricardo: „Wenn Maria mit Derek zusammen sein wollte, dann hätte sie sich doch nur von Dir trennen brauchen.“
Ben: „Sie wusste, dass ich einer Trennung nicht so ohne weiteres zugestimmt hätte. Ich habe sie doch geliebt, Ricardo.“
Ricardo: „Ja, so sehr geliebt, dass Du sie umgebracht hast und nun servierst Du mir diese haarsträubende Geschichte auf, damit ich endlich aufhöre Dich mit dem, was Du getan hast, zu konfrontieren. Aber ich werde damit nicht aufhören.“
Ben: „Wie Du willst. Aber ich werde Dir beweisen, dass Maria noch lebt. Ich werde sie finden und hierher zurück bringen.“
Ben ging zur Tür.
Ben: „Verlass Dich darauf, ich werde es beweisen, Ricardo.“